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B978-3-437-56781-0.00006-7

10.1016/B978-3-437-56781-0.00006-7

978-3-437-56781-0

Gefäß der breiten Bahn (Chongmai)

Gefäß der breiten Bahn (Chongmai)

Haltegefäß des Yin (Yinweimai)

Haltegefäß des Yin (Yinweimai)

Haltegefäß des Yin (Yinweimai)

Haltegefäß des Yin (Yinweimai)

Gürtelgefäß (Daimai)

Lenkergefäß (Dumai)

Lenkergefäß (Dumai)

Aufsteigendes Yang-Gefäß (Yangqiaomai)

Konzeptionsgefäß (Renmai)

Konzeptionsgefäß (Renmai)

Aufsteigendes Yin-Gefäß (Yinqiaomai)

Aufsteigendes Yin-Gefäß (Yinqiaomai)

Einteilung der außerordenlichen Meridiane und Kardinalpunkte nach Yin und Yang

Tab. 6.1
Yin
Blut (Xue)
MP 4 Gefäß der breiten Bahn (Chongmai)
KS 6 Haltegefäß des Yin (Yinweimai)
Wasser
Ni 6 Aufsteigendes Yin-Gefäß (Yinqiaomai)
Lu 7 Konzeptionsgefäß (Renmai); Lunge hier in ihrer Eigenschaft als „obere Quelle“ (über die Kybernetik von Flüssigkeit/Alveolardruck/Filtrationsdruck)
Yang
Großes Yang (Taiyang)
Dü 3 Lenkergefäß (Dumai)
Bl 62 Aufsteigendes Yang-Gefäß (Yangqiaomai)
Kleines Yang (Shaoyang)
Gb 41 Gürtelgefäß (Daimai)
3E 5 Haltegefäß des Yang (Yangweimai)

Außerordentliche Meridiane und Kardinalpunkte

Frank Bahr

Franz Jost

Sandi Suwanda

Hans Zeitler

(†)

  • 6.1

    Unterschiede zwischen den außerordentlichen Meridianen und den Hauptmeridianen251

    • 6.1.1

      Punkte251

    • 6.1.2

      Lenkergefäß und Konzeptionsgefäß251

    • 6.1.3

      Organzuordnung251

    • 6.1.4

      Energiefluss251

    • 6.1.5

      Tonisierungs- und Sedierungspunkte252

    • 6.1.6

      Zeitpunkt der Reizsetzung252

    • 6.1.7

      Indikationen252

  • 6.2

    Indikationen und traditionelle Charakteristik der außerordentlichen Meridiane252

    • 6.2.1

      Indikationen, die den Einsatz der außerordentlichen Meridiane rechtfertigen252

    • 6.2.2

      Traditionelle Charakteristik253

  • 6.3

    Die außerordentlichen Meridiane aus traditioneller Sicht (Qijingbamai)253

    • 6.3.1

      Etymologie253

    • 6.3.2

      Einteilung der außerordentlichen Meridiane und Kardinalpunkte253

  • 6.4

    Gefäß der breiten Bahn (Chongmai)254

    • 6.4.1

      Charakteristik254

    • 6.4.2

      Verlauf254

    • 6.4.3

      Funktionen255

    • 6.4.4

      Indikationen256

  • 6.5

    Haltegefäß des Yin (Yinweimai)257

    • 6.5.1

      Charakteristik257

    • 6.5.2

      Verlauf257

    • 6.5.3

      Funktionen258

    • 6.5.4

      Indikationen259

  • 6.6

    Gürtelgefäß (Daimai)260

    • 6.6.1

      Charakteristik260

    • 6.6.2

      Verlauf260

    • 6.6.3

      Funktionen261

    • 6.6.4

      Indikationen261

  • 6.7

    Haltegefäß des Yang (Yangweimai)262

    • 6.7.1

      Charakteristik262

    • 6.7.2

      Verlauf262

    • 6.7.3

      Funktionen263

    • 6.7.4

      Indikationen263

  • 6.8

    Lenkergefäß (Dumai)264

    • 6.8.1

      Charakteristik264

    • 6.8.2

      Verlauf264

    • 6.8.3

      Funktionen265

    • 6.8.4

      Indikationen265

    • 6.8.5

      Anmerkungen265

  • 6.9

    Aufsteigendes Yang-Gefäß (Yangqiaomai)267

    • 6.9.1

      Charakteristik267

    • 6.9.2

      Verlauf267

    • 6.9.3

      Funktionen268

    • 6.9.4

      Indikationen268

  • 6.10

    Konzeptionsgefäß (Renmai)269

    • 6.10.1

      Charakteristik269

    • 6.10.2

      Verlauf269

    • 6.10.3

      Funktionen270

    • 6.10.4

      Indikationen270

  • 6.11

    Aufsteigendes Yin-Gefäß (Yinqiaomai)271

    • 6.11.1

      Charakteristik271

    • 6.11.2

      Verlauf271

    • 6.11.3

      Funktionen272

    • 6.11.4

      Indikationen272

  • 6.12

    Allgemeine Hinweise zur Anwendung der Kardinalpunkte273

  • 6.13

    Beispiele aus der neuen chinesischen Literatur273

KardinalpunktDie acht außerordentlichen Meridiane, auch Wundergefäße oder Wundermeridiane, in der neueren chinesischen Literatur als Qijing bamai bezeichnet, wurden erst im 16. Jahrhundert nach traditionellen Angaben zusammengefasst beschrieben und bilden seither einen weiteren Bestandteil des Meridiansystems.

Nach unseren Erfahrungen spielt der Einsatz von Kardinalpunkten (Einschaltpunkte der außerordentlichen Meridiane) bei unserem Krankengut, das zahlreiche Patienten mit chronischen, meist mehrfach vorbehandelten Leiden umfasst, eine bedeutende Rolle. Unsere Ausführungen sollen jenen Kollegen dienen, die sich entweder bisher scheuten, Kardinalpunkte als solche einzusetzen oder dies unbewusst taten und über manche überraschende Wirkung erstaunt waren, die sie in dieser Form nicht erwartet hatten.

Unterschiede zwischen den außerordentlichen Meridianen und den Hauptmeridianen

Punkte

Sechs der acht außerordentlichen Meridiane besitzen keine eigenen Punkte. Ihr Verlauf ergibt sich in der Form, dass sie an Punkten teilhaben, die den 12 Hauptmeridianen angehören. Wir gehen dabei von der Voraussetzung aus, dass der Akupunkturpunkt als primäres Element anzusehen ist. Durch ihn wird der oberflächliche Meridianverlauf markiert, der für die Reizsetzung maßgeblich ist.

Lenkergefäß und Konzeptionsgefäß

LenkergefäßKonzeptionsgefäßLenkergefäß (Dumai) und Konzeptionsgefäß (Renmai) sind jene beiden außerordentlichen Meridiane, die hinsichtlich des oben Gesagten eine Ausnahme bilden.
  • Sie waren bereits zeitgleich mit den übrigen Hauptmeridianen bekannt und ebenso wie diese in die Therapie integriert.

  • Sie sind ihrer Lage nach jedoch eigenständig, denn sie verlaufen nicht spiegelbildlich bilateral, sondern unilateral dorsal und ventral. Dumai und Renmai sind dadurch bereits als Potenziale mit überwiegender Yang- bzw. Yin-Intensität gekennzeichnet, trotzdem wird für beide dieselbe Energieverlaufsrichtung (von kaudal nach kranial) angegeben.

  • Da ihr Verlauf außerdem durch eigene Punkte gekennzeichnet ist, wurden und werden sie in der Meridianlehre in der Regel in Zusammenhang mit den 12 Hauptmeridianen abgehandelt. Auch in diesem Buch sind LG und KG bereits in Kap. 5 aufgeführt.

Organzuordnung

OrganzuordnungDie außerordentlichen Meridiane werden im Gegensatz zu den Hauptmeridianen keinem Speicher- oder Hohlorgan zugeordnet. Sie sind daher auch nicht mit der in China üblichen diagnostischen Pulstastung direkt erfassbar.

Energiefluss

EnergieflussDie außerordentlichen Meridiane nehmen in der traditionellen Energielehre insofern eine Sonderstellung ein, als sie nicht am ununterbrochenen Energiefluss, wie er für die Meridiane beschrieben wird, teilnehmen. Wie so vieles Wissen der Traditionellen Chinesischen Medizin wird gerade die Energielehre oft belächelt. Zugleich scheut man sich aber nicht, jedem Kenner der Materie bekannte Beobachtungsresultate als „Neuentdeckungen“ auf dem Gebiet der Bioklimatik, Chronobiologie, Chronopharmakologie etc. darzustellen. In der Energielehre gelten die außerordentlichen Meridiane als eine Art Reservespeicher (Ausgleichsreservoir) für die Essenz (Jing). Darunter versteht man eine Form der Energie, die z. T. als angeborene, ererbte Energie aufzufassen ist. Jedes Individuum besitzt diese Energieform im spezifischen Ausmaß und ist daher bei der Realisierung seiner Lebensphänomene und der dadurch bedingten energetischen Funktionen von ihr abhängig. Wir können damit den Begriff „Terrain“, den Erbanteil der Anlage zu bestimmten Erkrankungen bzw. das konstitutionell verschiedene Verhalten des Organismus im Krankheitsfall, erklären.
Dieses Energiepotenzial erfährt im Laufe des Lebens insofern eine Wandlung, als im Kindesalter und in der Jugend eine Zunahme stattfindet und ab einem erreichten Höhepunkt eine kontinuierliche, dem Ablauf einer Uhrfeder vergleichbare Abschwächung eintritt. Selbstverständlich sorgt der Organismus ständig für eine Ergänzung der für unsere Existenz notwendigen Energie. Er gewinnt sie – und wir können der Überlieferung auch aus heutiger Sicht zustimmen – aus der Nahrung in Verbindung mit der Atmung und führt sie der Nebenniere (in der Tradition „Feuerniere“ genannt) zur Speicherung und zum dosierten Verbrauch zu. Somit ist die zur Verfügung gestellte Quantität weitgehend von der Qualität der angebotenen Nahrung und deren störungsfreier Umsetzung abhängig. Schwere chronische Erkrankungen führen zu einem Mehrverbrauch, der nur dann gedeckt werden kann, wenn die obigen Prämissen gegeben sind. Wenn in alten Zeiten gelehrt wurde, dass diese Energieform die „Wunderorgane“ (Nerven, Knochen, Blutkreislauf, Leber-/Gallefunktion, Genitalfunktion) „ernähre“, d. h. deren Entwicklung und Funktion entscheidend beeinflusse, so sollten wir uns hüten, darüber vorschnell zu spotten. Das Gleiche gilt für die Annahme, dass diese Energieform wesentlich zur Verstärkung des Abwehr-Qi (Weiqi) beitrage und daher auch für die Adaptationsleistung des Individuums verantwortlich sei. Wir können aus heutiger Sicht davon ausgehen, dass teilweise unser hormoneller Status damit gemeint ist.

Tonisierungs- und Sedierungspunkte

TonisierungspunktSedierungspunktDie außerordentlichen Meridiane besitzen keine Tonisierungs- und Sedierungspunkte. Ihre Aktivierung erfolgt über die zugehörigen Kardinalpunkte. Diese liegen auf den entsprechenden Hauptmeridianen innerhalb der Regionen der antiken Punkte, also zwischen Fingerspitzen und Ellbogengelenken bzw. zwischen Zehenspitzen und Kniegelenken. Durch ihre Funktionen als Luo-Durchgangspunkte und/oder als Spezialpunkte (Meisterpunkte) ragen sie zusätzlich aus dem Punkteensemble heraus.

Zeitpunkt der Reizsetzung

Reizsetzung:ZeitpunktIhre mobilisierende Wirkung auf die Reserven der oben beschriebenen Energieform und ihr jeweiliger gerichteter Einsatz wird offenbar durch den Zeitpunkt der Reizsetzung am zugehörigen Kardinalpunkt innerhalb der Abfolge der Reizeingaben bestimmt. Wenn wir diese Arbeitshypothese gelten lassen, kann es nicht gleichgültig sein, ob ein die Autoregulationsbereitschaft des Organismus unterstützender und lenkender Reiz als Erster gesetzt wird und er damit den zugehörigen außerordentlichen Meridian aktiviert oder ob der gleiche Reiz an beliebiger Stelle im Rahmen eines Reizmusters angeboten wird. Ähnlich dürfte es sich beim Einsatz von zwei Kardinalpunkten, mögen diese demselben Paar (siehe unten) angehören oder nicht, verhalten, sofern dieser zweite Kardinalpunkt als letzter Punkt der Kombination eingesetzt wird.
Bei diesem Vorgehen kann man in der Wertigkeit insofern einen Unterschied beobachten, als der zu Beginn verwendete erste Kardinalpunkt mit seinem Wirkungsbereich gewissermaßen die führende Rolle übernimmt, während der zum Abschluss eingesetzte zweite eine Art zustimmende, ergänzend verstärkende Wirkung aufweist. Diese Erfahrung bedingt, dass bei der Verwendung von zwei nicht demselben Paar angehörenden Kardinalpunkten die möglichst harmonische Ergänzung der dadurch aktivierten außerordentlichen Meridiane angestrebt werden soll. Sollte dies nicht gegeben sein, so ist es besser, nur den nach Indikation erforderlichen außerordentlichen Meridian mit dessen Kardinalpunkt zu verwenden.
Einige wenige Autoren vertreten die Auffassung, dass man die Reizsetzung zeitlich trennen müsse. Dabei sollen zuerst überhaupt nur ein oder zwei Kardinalpunkte therapiert werden und erst nach der Entfernung dieser Nadeln sollten die übrigen geplanten Punkte zum Einsatz kommen. Aufgrund unserer Erfahrungen können wir uns dieser Meinung nicht anschließen, da entsprechende Versuche, abgesehen von der Umständlichkeit des Verfahrens, keineswegs bessere Resultate brachten. Andere Autoren fordern, dass die zusätzliche Reizung an Punkten, die zum entsprechenden außerordentlichen Meridian gehören, vermieden werden müsse. Wir möchten auch diese Ansicht nicht in dieser apodiktischen Form gelten lassen, denn wir haben immer wieder gesehen, dass der zusätzliche Reiz an solchen Punkten zumindest zur Verstärkung ihrer Wirkung im lokoregionalen Bereich beiträgt, wenn sie überlegt und gezielt eingesetzt werden.

Indikationen

Bei kritischer Beurteilung der für die einzelnen außerordentlichen Meridiane und die Meridianpaare in der Literatur angegebenen Indikationen ergeben sich insofern Schwierigkeiten, als offensichtlich eine Vermischung der umfangreichen Palette der Punkteindikationen an sich mit den Indikationen ihrer speziellen Wirkung als Kardinalpunkte bestehen. Wenn dies auch nur von theoretischer Wichtigkeit sein mag, so scheint uns doch eine Differenzierung erforderlich zu sein, um die „Wirkung darüber hinaus“ erkennbar zu machen, die durch die Aktivierung der außerordentlichen Meridiane erzielbar ist.

Indikationen und traditionelle Charakteristik der außerordentlichen Meridiane

Indikationen, die den Einsatz der außerordentlichen Meridiane rechtfertigen

außerordentlicher Meridian:IndikationViele der Indikationsangaben sind bereits in den Indikationen, die den einzelnen Einschaltpunkten zugesprochen werden, enthalten. Dies ergibt sich aus dem großen Innenwert, den die Kardinalpunkte auch als normale Akupunkturpunkte besitzen.
  • MP 4: „Meisterpunkt“ gegen alle Durchfallerkrankungen, Interferon-Wirkung, Luo-Durchgangspunkt zu Ma 42

  • KS 6: Luo-Durchgangspunkt zu 3E 4

  • Gb 41: „Meisterpunkt“ gegen Affektionen, die besonders die Gelenke betreffen, Prostaglandin-E1-Wirkung

  • 3E 5: Luo-Durchgangspunkt zu KS 7, „Meisterpunkt“ gegen alles entzündliche und rheumatische Geschehen, vor allem wenn dabei ebenfalls die Gelenke befallen sind; „Thymus“-Punkt, allgemeiner Anti-Störfeldpunkt

  • Dü 3: Tonisierungspunkt, allgemeiner Schleimhautpunkt, „Meisterpunkt“ zur Spasmolyse, Wirkung auf den Plexus solaris (Schwerpunkt motorisch)

  • Bl 62: „Meisterpunkt“ gegen nervöse Schlaflosigkeit, Hyperemotionen; Punkt der Epiphyse

  • Lu 7: „Meisterpunkt“ gegen Stauungen (auch gegen psychische Blockaden) und gegen alle Affektionen des Respirationstrakts, Luo-Durchgangspunkt zu Di 4

  • Ni 6: „Meisterpunkt“ gegen Schlafstörungen und alle Beschwerden, die sich im Zusammenhang mit der Periode verschlimmern, aber auch gegen klimakterische Beschwerden, „Valium“-vergleichbarer Tranquilizerpunkt

Traditionelle Charakteristik

  • außerordentlicher Meridian:traditionelle Charakteristik 1. Paar: Gefäß der breiten Bahn (Vater) – Haltegefäß des Yin (Mutter): Kardinalpunkte MP 4 bzw. KS 6

  • 2. Paar: Gürtelgefäß (Sohn) – Haltegefäß des Yang (Tochter): Kardinalpunkte Gb 41 bzw. 3E 5

  • 3. Paar: Lenkergefäß (Ehemann) – Aufsteigendes Yang-Gefäß (Ehefrau), nicht zu verwechseln mit der Regel Ehemann – Ehefrau beim Einsatz eines Tonisierungs- und Sedierungspunktes der entsprechend zusammengehörigen Yang- bzw. Yin-Partner (vgl. Bahr 2002: „Kybernetische Grundlagen der Körperakupunktur II“): Kardinalpunkte Dü 3 bzw. Bl 62

  • 4. Paar: Konzeptionsgefäß (Gastgeber) – Aufsteigendes Yin-Gefäß (Gast): Kardinalpunkte Lu 7 bzw. Ni 6

Diese didaktischen Beziehungen haben ihren Ursprung in Zuordnungen von Trigrammen, z. B. des Gefäßes der breiten Bahn Chongmai zum Trigramm Kien – „Das Schöpferische“, andererseits stehen sie in Beziehung zur Stellung der angesprochenen Meridiane innerhalb der Lehre der Entsprechungen. Zur Beurteilung der Wirkbeziehungen der außerordentlichen Meridiane ist es erforderlich, auf die Grundtendenzen jedes Einzelnen einzugehen. Diese obigen Paarungen sind nicht als absolut anzusehen, es gibt durchaus Abweichungen. Üblicherweise wird pro Körperseite immer nur ein Kardinalpunkt gestochen und stimuliert, sehr häufig auch erwärmt. Für den Rechtshänder werden rechts die Punkte KS 6, Gb 41, Dü 3 und Lu 7 gestochen, die dazugehörigen Partner links.

Die 8 außerordentlichen Meridiane aus traditioneller Sicht (Qijingbamai)

Etymologie

Qijingbamaiaußerordentlicher Meridian:traditioneller SichtJing heißt Meridian, Ba heißt acht und Mai bedeutet auch Ader, Gefäß oder Leitbahn. Das erste Wort Qi hingegen wird im Englischen mit „odd“ übersetzt, das wie das chinesische Ideogramm einen zweifachen Sinn hat:
  • sonderbar, seltsam, merkwürdig

  • ungerade, einige mehr, etwas darüber, überzählig, restlich, zusätzlich

Die Übersetzung „außerordentlich“ im Deutschen ist gut gewählt, da diese Leitbahnen durch ihr Verhalten eine Stellung außerhalb der gewohnten Ordnung der 12 Hauptleitbahnen innehaben und in diesem Sinne auch nummerisch wie zusätzlich erscheinen.

Einteilung der außerordentlichen Meridiane und Kardinalpunkte

Die außerordentlichen Meridiane und die Kardinalpunkte sind gemäß Yin und Yang eingeteilt (Tab. 6.1). Je ein Paar hat einen besonderen Bezug zu einer Energieform. Meistens werden sie gemäß dieser Einteilung gestochen.
Auch die Nadelung der Kardinalpunkte erfolgt nach den Gesetzen von Yin und Yang:
  • ein Punkt am Anfang, einer am Ende der Behandlung,

  • ein Punkt unten, einer oben,

  • ein Punkt links, ein Punkt rechts.

Gefäß der breiten Bahn (Chongmai)

Gefäß der breiten BahnChongmai Abb. 6.1, Abb. 6.2

Charakteristik

  • Gefäß der breiten Bahn:Charakteristik Bezeichnungen: Chongmai, Ch'ung mo, Tschrong Mo, Tschong Mo

  • Etymologie: Chong heißt entgegenfließen oder schwer. Das Gefäß der breiten Bahn ist einer Straße mit schwerem Verkehr vergleichbar. Das Schwere, das es hier zu bewegen gilt, ist das Blut (Xue).

  • Kardinalpunkt: MP 4 Gongsun, „gerechte Verteilung“

Verlauf

Traditionell
Gefäß der breiten Bahn:VerlaufDieser Meridian wird auch als „ancestraler Meridian“ bezeichnet. Den Kapiteln 38 und 62 des Nei Jing („Das Meer der 5 Speicherorgane und der 6 Hohlorgane“) kann man entnehmen, dass er dort als Ursprung der 12 Hauptmeridiane angesehen wird.
Wie der Nieren-Meridian entspringt er in den Nieren. Ein Ast zieht schräg über die Innenseite des Oberschenkels, dann weiter zum Knöchel und endet an der großen Zehe. Es ist jene Verzweigung, die die Energie des Gefäßes der breiten Bahn (Chongmai) für die Wärme und Durchblutung der unteren Extremitäten bereitstellt.
Der Meridian Gefäß der breiten Bahn passiert auch die Genitalregion, bevor er zum Thorax zieht, wo er sich verteilt. In der Genitalregion tritt er mit dem Punkt Ma 30 (Qichong = „Ansturm der Energie“) in Beziehung, der über der A. femoralis lokalisiert ist.
Nach Su Wen: Der Meridian beginnt bei Ma 30, zieht mit dem Nieren-Meridian am Nabel vorbei nach aufwärts und strahlt in die Brust aus.
Nach Ling Shu: Ein Teil des Meridians verläuft im Inneren dorsal nach aufwärts und bildet das „Meer der Meridiane“. Der oberflächliche Teil verläuft auf der ventralen Seite über Abdomen und Thorax auch aufwärts und vereinigt sich in Höhe des Kehlkopfes mit einem tiefen Ast, der im Inneren des Thorax nach kranial zieht. Nach diesem Zusammenschluss umzieht der Meridian netzförmig den Mund.
Hinweis: Verlauf seines Partners Haltegefäß des Yin in der Halsgegend. Über Ma 30 nimmt die Energie des Gefäßes der breiten Bahn die Gelegenheit wahr, sich des Magen-Meridians im Bereich des Abdomens zur Verteilung zu bedienen. Außerdem besteht über Ma 30 eine Verbindung zum Nieren-Meridian und damit eine Energieversorgung der Oberschenkel.
Aus dieser Beschreibung erkennt man die Ausdehnung des Verlaufs des Gefäßes der breiten Bahn und seine Wichtigkeit, vor allem durch seine Verbindung mit dem Verlauf des Nieren-Meridians.
Seine Effektivität im Bereich der Genitalorgane ergibt sich aus den Punkten Ni 11, Ni 12, Ni 13. Des Weiteren passiert der Meridian Ni 14, Ni 15, Ni 16, Ni 17, Ni 18, Ni 19, Ni 20 und Ni 21.
Innerer Verlauf: Er zieht von der Niere zum Punkt KG 1.
Dorsaler Ast: Er verläuft von KG 1 nach dorsal an der Wirbelsäule entlang bis zum Kopf. Über den Punkt LG 4 ist er verbunden mit dem Lenkergefäß (Dumai) und dem Gürtelgefäß (Daimai).
Ventraler Ast: Er verläuft von KG 1 nach KG 4 und zu Ni 11, steigt mit dem Nieren-Meridian hinauf bis zum Punkt Ni 27, dann zu KG 23. Von dort umfließt er die Lippen.
An Ni 21 hört nach einigen Autoren das Gefäß der breiten Bahn auf.
Von Ni 11 fließt ein Ast zu Ma 30 und von dort auf der Schiene des Nieren-Meridians nach kaudal zur Ferse und zur großen Zehe, wo das Gefäß der breiten Bahn Verbindung zum Leber- und Milz-Meridian aufnimmt.
Derzeitige Ansicht
Nach Ansicht der Mehrzahl der Autoren unserer Zeit, der auch wir zustimmen, beginnt das Gefäß der breiten Bahn am Punkt KG 1, wofür auch seine Verbindungen zu den außerordentlichen Meridianen Konzeptionsgefäß (Renmai), Lenkergefäß (Dumai) und Gürtelgefäß (Daimai) sprechen. Dort teilt sich der Meridian in zwei Äste und zieht zu Ni 11.
Die Verbindungen zum Nierenmeridian ergeben sich durch den Verlauf des Meridians über die Punkte Ni 11–Ni 21. Der Nierenmeridian zieht in diesem Bereich 0,5 Cun (transversale Thorax-Cun; der Abstand der Mamillarlinien beträgt 8 solcher Cun) lateral des Konzeptionsgefäßes aufwärts.
Verbindungen zum Magen-Meridian gehen sowohl über Ma 30 als auch über Ma 42. Der Zusammenhang ergibt sich dadurch, dass der Kardinalpunkt MP 4 zugleich der Luo-Durchgangspunkt des Milz-Pankreas-Meridians ist und die Verbindung zum Yuan-Quellpunkt seines gekoppelten Yang-Partners (Ma 42) herstellt.
Von Ni 21 wird ein Verlauf nach kranial über den Thorax und weiter bis in Kehlkopfhöhe beschrieben, wo eine Verschmelzung der beiden Äste zu einem Energieträger stattfindet, der um den Mund zieht und sowohl Konzeptionsgefäß (Renmai), Lenkergefäß (Dumai) und die Yangming-Meridiane (Magen und Dickdarm) kontaktiert.
Dem Gefäß der breiten Bahn werden in seinem distalen Verlauf Verbindung zu allen Yin-Meridianen, im oberen zu allen Yang-Meridianen zugeordnet. Diese Angabe muss großzügig ausgelegt werden, da nicht anzunehmen ist, dass die Punktur des MP 4 ohne Wirkung auf den Milz-Pankreas-Meridian bei seinem Verlauf über Abdomen und Thorax bis zu seinem Ende an der seitlichen Brustwand bleibt.
Punkte im Meridianverlauf: KG 1, Ma 30, Ni 11, Ni 12, Ni 13, Ni 14, Ni 15, Ni 16, Ni 17, Ni 18, Ni 19, Ni 20, Ni 21.
Kardinalpunkt MP 4
Gefäß der breiten Bahn:Kardinalpunkt MP 4Der Punkt, der den Meridian „öffnet“ (aktiviert), ist MP 4 (Gongsun). Er sollte zusammen mit KS 6, dem Kardinalpunkt des Haltegefäßes des Yin (Yinweimai), angewendet werden (für den Rechtshänder meist MP 4 links in Gold, KS 6 rechts in Gold).
  • Der Funktionskreis Milz-Pankreas verarbeitet die Feuchtigkeit. Er stellt die klaren Säfte zur Verfügung, aus denen im Funktionskreis Lunge die Energien gebildet werden. In diesem Sinne ist die Milz die Wurzel der erworbenen Konstitution.

  • Die energetische Bewegung von Milz-Pankreas geht nach oben. MP 4 ist der Luo-Durchgangspunkt und bringt Feuchtigkeit zum Magen. Er gilt auch als „Meisterpunkt“ gegen Diarrhö. Milz-Pankreas lässt aufsteigen und bewegt die Flüssigkeiten nach oben.

  • Aus der Aurikulomedizin ist seine Resonanz mit Interferon bekannt, daher kann man ihn auch als „Meisterpunkt“ gegen Infektionskrankheiten bezeichnen. Milz-Pankreas wirkt auf das Lymph- und das Immunsystem.

Funktionen

Traditionell
Gefäß der breiten Bahn:FunktionenDas Gefäß der breiten Bahn (Chongmai) wird als Meer der Meridiane bezeichnet, da es mit allen Meridianen verbunden ist: über den dorsalen Ast mit dem Lenkergefäß und damit mit allen Yang-Meridianen (über LG 4), über den ventralen Ast mit den Yin-Meridianen.
Das Gefäß der breiten Bahn verbindet das Nierensystem mit der „Mitte“, also die Wurzel der angeborenen Konstitution mit der Wurzel der erworbenen Konstitution: Es führt die Essenz (Jing) und hängt, wie alle außerordentlichen Meridiane, von der Nierenenergie ab. Mit dem Funktionskreis Niere besteht eine sehr enge Verbindung über den inneren und äußeren Verlauf, benützt doch das Gefäß der breiten Bahn auf weiten Strecken den Nieren-Meridian als Schiene.
Die Wurzel der erworbenen Konstitution (die Milz, die „Mitte“) wird einbezogen über die Punkte Ma 30 und MP 4.
Das Gefäß der breiten Bahn ist ein Ausgleichsreservoir für Blut (Xue) und Lymphe: Es versetzt das Xue mit der konstitutionellen Energie und bewegt sie nach oben bis zum Kopf und in alle Meridiane.
Die Leber ist der Blutspeicher. Sie nimmt das Blut gleichmäßig auf und gibt es wieder ab. Das Gefäß der breiten Bahn und auch das Konzeptionsgefäß sind dafür verantwortlich, dass in den „Adern“ (Jingmai: energetische und blutführende Adern) Blut (Xue) richtig bewegt wird und ohne Hindernisse fließen kann.

Indikationen

Traditionell
Gefäß der breiten Bahn:Indikationen Blut(Xue)-Schwäche im oberen Erwärmer, Strukturverlust, Xue- Verteilung von KG 23 aus:
Hitze und Yang-Fülle können sich oben entwickeln, wenn das Yin schwach ist. Das Yang wird vom Yin nicht mehr heruntergedrückt, das Yang kann nicht mehr ins Yin eintauchen.
Mögliche Symptome: Menopausebeschwerden, Schwitzen, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, trockener Mund, Stomatitis, Parodontose, Zahnveränderungen; degenerative Prozesse mit Strukturverlust wie Gehörverlust im Alter, Lungenemphysem.
Strukturverlust im unteren Erwärmer, Blut(Xue)-Verteilung über KG 4 und Ma 30:
Mögliche Symptome: Inguinalhernie (Die Akupunktur stärkt die Struktur und ist indiziert, solange die Hernie nicht eine Operationsindikation darstellt.); Amenorrhö (Blut-(Xue)-Schwäche im unteren Erwärmer: vgl. Fisch 1983); Menopause (Strukturverlust im unteren Erwärmer mit trockenem, atrophischem Genitale).
Stase an Blut (Xue) im unteren Erwärmer:
Mögliche Symptome: Dysmenorrhö, Varikose
Falsche Bewegung des Blutes (Xue) im mittleren und unteren Erwärmer:
Mögliches Symptom: Diarrhö
Mangelnde Bewegung im Lymphsystem:
Mögliche Symptome: Lymphödem, Infektion
Derzeitige Ansicht
Chamfrault (1964) weist darauf hin, dass über die Verbindung mit Ma 30 (Qichong = „Ansturm der Energie“) sowohl Einfluss auf die Funktion der Verdauungsorgane besteht als auch die Durchblutung der unteren Extremitäten gefördert wird. Bachmann (1980) empfiehlt den Einsatz des Gefäßes der breiten Bahn bei Erkrankungen, die eine rhythmisch wechselnde Symptomatik aufweisen oder durch anfallartig auftretende Beschwerden gekennzeichnet sind. Krankheiten der Verdauungsorgane und Herz-Kreislauf-Störungen stehen im Vordergrund. Nach unseren Erfahrungen ist die allgemeine Symptomatik durch eine Schwäche des Yin im Sinne von hyposthenischen Zuständen charakterisiert, gegen die man diesen außerordentlichen Meridian vorzugsweise einsetzen kann.
Verdauungstrakt: adjuvant bei Dyspepsien, Meteorismus, Diarrhö; Leber-Gallen-Störungen, Pankreasaffektionen mit vorwiegend exkretorischer Insuffizienz, Fettunverträglichkeit, Appetitlosigkeit ebenso wie Heißhunger, Verlangen nach Süßigkeiten, stoffwechselbedingte Zephalgien; Aerophagie, Aerogastrie, gastritische Hypotonie und Hyposekretion; Brechreiz (bei Erbrechen sind KS 6 und KG 2 vorteilhafter).
MP 4 also vorwiegend bei Verdauungs- und Stoffwechselstörungen, die durch äußere – meist alimentär bedingte – Schädigungen verursacht werden oder bereits vorgeschädigte Organfunktionen betreffen.
Herz-Kreislauf: Meist zusammen mit KS 6, spastische Stenokardien und paroxysmal auftretende Rhythmusstörungen, sofern sie dem Effortsyndrom zuzurechnen sind oder durch ein Roemheld-Syndrom ausgelöst werden. (Bei organisch bedingten Rhythmusstörungen absolut nur adjuvant! Wir konnten von MP 4 keinen wesentlichen Einfluss auf Bradykardien feststellen, eher hingegen bei Verwendung von KS 6 als führenden Kardinalpunkt. Glykosiddosis beachten!)
Bindegewebsschwäche und Ödemneigung: Effekt von MP 4 nicht ausgeprägter als bei Einsatz von MP 5 oder MP 6.
Intermittierendes Fieber.
Plazentaretention laut traditioneller Angaben (in der westl. Medizin keine Erfahrungswerte) bzw. Wirkung auf den Menstruationszyklus.
Psyche: Die in der Literatur beschriebene Wirkung gegen Phobien können wir nicht bestätigen.

Haltegefäß des Yin (Yinweimai)

YinweimaiHaltegefäß des Yin Abb. 6.3, Abb. 6.4

Charakteristik

  • Haltegefäß des Yin:Charakteristik Bezeichnungen: Yinweimai, Yin Oe

  • Etymologie: Wei heißt „binden, aufrechterhalten, zusammenhalten“

  • Kardinalpunkt: KS 6 (Neiguan = „Innere Barriere“)

Verlauf

Traditionell
Haltegefäß des Yin:VerlaufDer Meridian nimmt vom Punkt Ni 9 (Zhubin) seinen Ausgang. Von dort zieht er über die Innenseite des Unter- und Oberschenkels zum Punkt MP 13 (Fushe), der in der Inguinalfalte, 4 Cun lateral der vorderen Medianlinie, gelegen ist. Nun zieht er weiter nach kranial über die Punkte MP 15 (Daheng; 4 Cun lateral vom Nabel) und MP 16 (Fu'ai; 3 Cun kranial von MP 15) zu Le 14 (Qimen; im 6. ICR, unter und etwas lateral der Mamillen). Von dort führt ihn sein Verlauf in einem leicht geschwungenen Bogen nach medial zu KG 22 (Tiantu), wo sich seine beiden Äste vereinigen und gemeinsam dem Konzeptionsgefäß (Renmai) entsprechend zu KG 23 (Lianquan; am Unterkinn-Hals-Winkel) ziehen.
Sein Öffnungs- und Kardinalpunkt ist KS 6 (Neiguan), der vorteilhafterweise zusammen mit MP 4 (Gongsun) bei entsprechenden Indikationen verwendet werden soll.
Derzeitige Ansicht
Beginn an Ni 9 (Zhubin; 4 Cun kranial von der Spitze des inneren Knöchels und 1 Cun posterior von der inneren Tibiakante). Der Meridian steigt dann auf der Innenseite des Unter- und Oberschenkels bis MP 13 (in der Inguinalfalte gelegen) auf und zieht nun im Verlauf des Milz-Pankreas-Meridians, MP 15 und MP 16 passierend, aufwärts zu Le 14. Von hier medianwärts weiter nach oben zu KG 22. Nun entspricht sein Verlauf jenem des Konzeptionsgefäßes (Renmai) bis zu seinem Endpunkt KG 23.
Punkte im Meridianverlauf: Ni 9. MP 12, MP 13, MP 15, MP 16, Le 14, KG 22, unilateral zu KG 23.
Kardinalpunkt KS 6
Haltegefäß des Yin:Kardinalpunkt KS 6Diese „Schranke des Inneren“ hat verschiedene Qualitäten:
  • Luo- Durchgangspunkt: Der hier Kreislauf-Sexualität (KS) genannte Meridian heißt im Chinesischen „Perikard“ (Xinbao) oder „Meister des Herzens“. Das quer verlaufende Luo lässt kühlendes Yinqi nach außen in die Dreifacher Erwärmer durchtreten. Das längs verlaufende Luo wirkt direkt auf den Funktionskreis KS ein im Sinne der Bewegung und Regulation von Qi und Blut (Xue). Dieses Luo kann so eine energetische „Umschnürung“ des Herzens durch das Perikard lösen und erlaubt dem Herzen wieder, seine Kohäsionswirkung auf den Gesamtorganismus herzustellen.

  • Psychosomatische Wirkung: Wirkt gegen emotionelle Schwächen.

  • Kardinalpunkt des Haltegefäßes des Yin (Yinweimai): KS 6 lässt Blut (Xue) und angeborenes Vitalpotenzial (Qi primum) im Haltegefäß des Yin stärker zirkulieren.

  • Bestimmt auch, wie das Haltegefäß des Yin die Yin-Energien halten soll, nämlich über die Blut(Xue)-Regulation. Blut (Xue) (siehe Herz-Meridian) ist die Grundlage der Kohäsion, es verbindet alle Körperteile miteinander.

  • Bewegt Qi und reguliert Blut (Xue).

  • Die Blut(Xue)-Regulation lässt sich auch über die Erkenntnis der Aurikulomedizin begreifen, denn auch sie weist dem Kreislauf-Meridian einen regulierenden Einfluss auf die inneren Organe zu. Der Kreislauf-Meridian verläuft im rechten Ohr in der Sympathikusrinne und hilft mit, über die Sympathikusfasern die inneren Organe und viele andere Systeme zu regeln. Zeuge dafür ist KS 9, der Resonanzpunkt zu Adrenalin.

Funktionen

Haltegefäß des Yin:Funktionen Abb. 6.5, Abb. 6.6
Traditionell
Durch seinen Verlauf verbindet das Haltegefäß des Yin (Yinweimai) alle Yin:
  • Funktionskreis Niere: Das Haltegefäß des Yin beginnt im Punkt Ni 9, nach anderen Autoren (Su Wen, Kap. 41) im Punkt Bl 58, dem Luo-Durchgangspunkt.

  • Vom Punkt Ni 9 fließt das Haltegefäß des Yin nach oben und verbindet sich zuerst mit dem Milz-Pankreas-Meridian und damit auch mit dem Funktionskreis Milz-Pankreas über die Punkte MP 13, MP 15 und MP 16

  • Funktionskreis Leber: Verbindung über den Punkt Le 14

  • Konzeptionsgefäß (Renmai) über die Punkte KG 22 und KG 23

Das Haltegefäß des Yin vermittelt Blut (Xue) nach oben und in alle Yin. Der letzte Punkt, KG 23 („Seitliche Quelle“), bewegt Blut (Xue) in Richtung Kopf. Diese Funktion ist ähnlich derjenigen des Gefäßes der breiten Bahn.
Die Eigenheiten des KS 6 bestimmen noch folgende funktionelle Qualitäten:
KS 6 liegt oben und hat Verbindung zum Dreifacher Erwärmer. Er ist also in Bezug auf Flüssigkeit und Blut (Xue) relativ Yang und Qi. KS 6 vergrößert die Qi-Bewegung. Er ist indiziert bei Qi-Stase.
Psychosomatik: Der Kreislauf ist der Minister des Herzens, er bringt dessen mentale Botschaften in alle Organe. Er organisiert den Ausgleich zwischen Soma und Psyche.
Derzeitige Ansicht
Dieser außerordentliche Meridian dominiert das Nähr-Qi (Yingqi). Zwischen Haltegefäß des Yin und Gefäß der breiten Bahn besteht insofern eine komplettierende Übereinstimmung, als dem Gefäß der breiten Bahn ein überwiegender Einfluss auf die unteren Anteile des Konzeptionsgefäßes (Renmai) zugeschrieben wird, während das Haltegefäß des Yin mehr auf die oberen Abschnitte Einfluss nimmt.

Indikationen

Traditionell
Haltegefäß des Yin:Indikationen Blut(Xue)-Schwäche im oberen Erwärmer:
  • Blut (Xue) wird vom KG 23 aus verteilt, wie auch im Gefäß der breiten Bahn beschrieben. Die Symptome entsprechen denen des „Gefäßes der breiten Bahn“.

Blut(Xue)-Schwäche im mittleren Erwärmer:
  • Milchmangel: Das Haltegefäß des Yin durchfließt die Mammae und gibt dort Blut (Xue) ab.

  • Trockener Husten wegen des Flüssigkeitsverlusts

Qi- Stase im mittleren und unteren Erwärmer:
  • Prämenstruelles Syndrom, es entsteht durch eine Qi-Stase, die auch zu einer Blut(Xue)-Stase mit Flüssigkeitsstauung führen kann. KS 6 und das Haltegefäß des Yin bewegen Qi und Blut (Xue).

Psychosomatische Beschwerden im Bereich der inneren Organe:
  • Wegen der „Umschnürung des Herzens“ durch das Perikard kann das Herz nicht mehr alle Organe verbinden, mit Geist (Shen) versorgen und den richtigen Qi- und Blut(Xue)-Rhythmus aufrechterhalten. Es tritt eine Stase von Qi und Blut (Xue) auf.

  • Wenn es in der Folge dem rascher reagierenden Yang nicht mehr möglich ist, ins blockierte Yin zurückzufließen, wird es selbstständig, es trennt sich vom Yin. Mit der Zeit tritt ein umgekehrter Energiefluss auf. Das Yang fließt nach oben, das Yin ist blockiert. Später wird das „yanglose“ Yin immer statischer und struktiver. Es besteht eine Yin-Fülle (das heißt, dass die Yin-Qualitäten überwiegen, also Stase, Kälte, Flüssigkeitsstauung, Struierung, Unbeweglichkeit).

  • KS 6 löst die „Umschnürung des Herzens“ durch das Perikard, bewegt wieder das Qi und bringt Blut (Xue) über das Haltegefäß des Yin zu den Organen. Damit öffnet sich das Yin erneut dem Yang, das Yang kann ins Yin zurückfließen: Die Energie zirkuliert wieder richtig.

Behandlung ist notwendig bei folgenden Beschwerden:
  • Kopfschmerzen durch Yang-Fluss nach oben und Yang-Stau oben

  • Tachykardie (gleicher Mechanismus)

  • psychogene Atemnot oder Asthma, Qi-Stase durch Erregung

  • „inkohärentes Sprechen und wuterfüllte Beleidigungen“ (Herz, Qi-Stase, Yang-Fülle)

  • Nausea mit Yang-Stau im Magen und mittleren Dreifachen Erwärmer. Das Yang drängt nach außen und oben.

  • Traurigkeit, Yin-Stase der Lungen

Derzeitige Ansicht
Generell kann gesagt werden, dass sowohl durch Yin-Schwäche bedingte psychische Insuffizienz als auch Fülle-Zustände (z. B. Beklemmungsgefühl, Herzsensationen, zerebrovaskuläre Kongestionen) im Sinne eines Ausgleichs zu den Indikationen des Haltegefäßes des Yin (Yinweimai) gehören:
  • Hypotone Kreislaufregulationsstörungen – periphere und zerebrale und deren Begleit- und Folgezustände, zerebral-vaskulär bedingter Schwindel, „Ohnmachtsneigung“, abnorme Ermüdbarkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit, sexuelle Interesselosigkeit

  • Herzdruck und Beklemmung, Blutdrucklabilität, prämenstruelles Spannungsgefühl, klimakterische Beschwerden

  • Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Obstipationsneigung, Begleiterscheinungen von chronischen Stauungen im Pfortaderbereich. Wenn die oben beschriebenen Beschwerden im Vordergrund stehen, wird es ratsam sein, KS 6 allein als führenden Kardinalpunkt zu verwenden, den man fallweise durch MP 4 komplettierend ergänzt.

Man sollte grundsätzlich beim Einsatz von zwei Kardinalpunkten von der Überlegung ausgehen, welche Krankheitserscheinungen im Vordergrund des therapeutischen Konzepts stehen, und dahingehend die Wahl treffen, welchem man die führende Rolle zuteilt.

Gürtelgefäß (Daimai)

GürtelgefäßDaimai Abb. 6.7

Charakteristik

  • Gürtelgefäß:Charakteristik Bezeichnungen: Daimai, Taimo

  • Etymologie: Dai heißt Gürtel oder Zone.

  • Kardinalpunkt: Gb 41 (Linqi = „Wo die Tränen auftreffen“)

Verlauf

Traditionell
Gürtelgefäß:VerlaufDer Meridian beginnt bei Le 13 Zhangmen, von wo er gürtelförmig über Gb 26 (Daimai), Gb 27 (Wushu) zu Gb 28 (Weidao) zieht, um dort zu enden.
Der Kardinalpunkt ist Gb 41 (Linqi). Gb 41 (beim Rechtshänder rechts in Gold) wird vorteilhaft zusammen mit 3E 5 (Waiguan), dem Kardinalpunkt des Partners im Paar (= Haltegefäß des Yang), verwendet (links in Gold). Gb 41 gilt als wesentlicher Punkt für die Behandlungen von Störungen im Bereich der 4 Gliedmaßen. Gb 26 und Gb 27 sind wichtige Punkte zur Bekämpfung gynäkologischer Affektionen.
Das Gürtelgefäß (Daimai) berührt in seinem Verlauf alle auf Rücken, Bauch und Flanken vertikal verlaufenden Meridiane und deren Verzweigungen und kann deshalb einen Energieausgleich in Höhe der Körpermitte herstellen.
Es gehört wie der außerordentliche Meridian Haltegefäß des Yang zum Shaoyang (kleines Yang, Gb- und 3E-Meridian) mit Beziehungen nach dem 3E-Gesetz zu Holz und Feuer (Frühling – Sommer) im Sinne des Mutter-Sohn-Verhältnisses. In der Tradition wird es auch Sohn-Tochter-Verhältnis genannt, wobei dem „Sohn“ (dem Gürtelgefäß) mehr Yang zugesprochen wird als der „Tochter“ (dem Haltegefäß des Yang).
Derzeitige Ansicht
Hier wird der gürtelförmige Verlauf ähnlich beschrieben, jedoch nur in Verbindung mit den Punkten Gb 26, Gb 27 und Gb 28. Le 13 wird nicht dem Gürtelgefäß zugerechnet. Der Kontakt mit den aszendierenden Yin-Meridianen (Ni, Le, MP) und den 3 deszendierenden Yang-Meridianen (Bl, Gb, Ma) ist daher nur durch 3 Berührungen mit der Bauchspirale gegeben.
Systembild: Schwäche des Yang, ähnliches Bild wie beim aufsteigenden Yang-Gefäß (Yangweimai)
Kardinalpunkt Gb 41
Gürtelgefäß:Kardinalpunkt Gb 41Gb 41 gehört zum Fuß-Shaoyang. Das „kleine Yang(Shaoyang) hat Scharnierfunktion. Diese energetische Bewegung vermittelt zwischen Yang und Yin und zwischen außen und innen.
Da die Meridiane des Fuß- und Hand-Shaoyang lateral am Körper verlaufen, ist das „kleine Yang“ auch Scharnier zwischen vorne und hinten. Über das Gürtelgefäß (Daimai) ist es Scharnier zwischen oben und unten, denn das Gürtelgefäß erlaubt den Energiedurchfluss von oben nach unten und umgekehrt.
Gb 41 ist der Holzpunkt, mit klimatischem Bezug zum Wind. Als „Element-im-Element“-Punkt bezeichnet man ihn auch als den Punkt Holz im Holz; er gilt daher allgemein als „Meisterpunkt“ für rheumatische Gelenkbeschwerden. Er bewegt das Qi und soll dadurch das Eindringen von pathologischer Energie verhindern.
In der Aurikulomedizin hat Gb 41 Resonanz zu Prostaglandin E1, dies erklärt seine Funktion als „Meisterpunkt der Gelenke“.

Funktionen

Traditionell
Gürtelgefäß:FunktionenDas Gürtelgefäß (Daimai) berührt oder umschließt alle vertikal verlaufenden Leitbahnen. Es ist eine Art „Relaisstation“ im vertikalen Transfer von Qi und Blut (Xue).
Im Systembild bietet sich eine ähnliche Situation der Schwäche des Yang wie beim „Aufsteigenden Yang-Gefäß“ (Yangqiaomai)
Die spezifische Funktion des Gürtelgefäßes ist jedoch diejenige, Essenz (Jing) und Nieren-Qi nach außen ins Yang zu bringen, um die Muskulatur (Holz) und die Gelenke (Knochen, Wasser) zu stärken. Als Yang-Orbis des Holzes unterhält, koordiniert und verstärkt die Gallenblase die physiologischen Bewegungen aller Funktionskreise. Bevorzugt fördert sie die Bewegung der Muskulatur, da das Holz eine spezifische Aktion auf das Gewebe Muskulatur ausübt.
Derzeitige Ansicht
Der außerordentliche Meridian Gürtelgefäß dient weitgehend dem Energieausgleich in Höhe der Körpermitte, da er in seinem Verlauf zirkulär die vertikal angelegten Hauptmeridiane und deren Sekundärgefäße tangiert.

Indikationen

Gürtelgefäß:IndikationenAm Beispiel des Gürtelgefäßes können wir besonders deutlich die Vermischung der Indikationen des Punktes Gb 41 mit jenen, die dem außerordentlichen Meridian zugehören, erkennen. Das Gürtelgefäß ist nämlich in erster Linie für Schwächezustände im Yang-Bereich, also Funktionsstörungen, die durch Erschöpfung und Leere bedingt sind, zuständig:
Halte- und Bewegungsapparat:
Über das Gürtelgefäß wird die Muskulatur besser mit „Yin-Nierenwasser“ versorgt, das heißt besser ernährt. Zudem wird durch das gestärkte Yin der pathologische Yang-Einfluss (Wind, Spasmus) verkleinert; Anwendung z. B. bei Spasmen der paravertebralen Muskulatur, Pseudoischialgie durch Kontraktion des M. piriformis, Muskelkontrakturen, Paresen oder Schwäche der Muskulatur, wie sie bei älteren Menschen vorkommen oder nach Ruhigstellung einer Extremität im Gips.
Die aus LG 4 in Zirkulation gebrachte Nierenenergie verbessert gleichzeitig die Knochensituation. Deswegen sind auch spondylogene und arthrotische Schmerzen über Gb 41 zu behandeln.
Dermatologische Indikationen:
Pruritus und Urtikaria können auch durch Gb 41 gebessert werden, denn er ist der Holzpunkt. Durch ihn wird das Qi bewegt und der pathologische „Wind“ verringert oder vernichtet; Pruritus ist der Ausdruck von Wind in der Haut; Urtikaria heißt Stase von Qi und Blut (Xue) in der Haut.
Abdominelle Beschwerden, bes. spastischer Art, gynäkologischer Bereich:
Die zusätzliche Punktur von Gb 26, Gb 27 oder Gb 28 ist je nach Fall empfehlenswert, auch wenn durch Reizsetzung am Punkt Gb 41 diese dem Gürtelgefäß zugehörigen Punkte bereits mit aktiviert wurden.
Herpes zoster:
Im Thorax-, Becken- oder Oberschenkelbereich ist der Einsatz von 3E 5 und Gb 41 als Paar durchaus ratsam, da der gegen Herpes zoster als besonders wirksamer Punkt geltende KS 7 eher aufgrund seiner Lokalisation für Beschwerden in der oberen Thoraxregion in Betracht kommt.
Energieschwäche und Mangelerscheinungen:
Durch das Einschalten des Gürtelgefäßes über Gb 41 wird der Energie- und Blut(Xue)-Fluss von oben nach unten und umgekehrt erleichtert. Es wird zudem Nierenenergie nach außen ins Yang gebracht, das Yang wird dadurch besser ernährt. Es erstaunt deshalb nicht, dass Gb 41 zusätzlich bei Müdigkeit, Abgeschlagenheit oder Gliederschwäche hilft. Durch den verbesserten vertikalen Fluss können Kopf- und Nackenschmerzen abnehmen, auch Dysmenorrhö oder Schlaflosigkeit. Auch psychische Symptome wie Entschlusslosigkeit werden beeinflusst.
  • Bei Mangelerscheinungen: z. B. larvierte Anämien, Folgezustände wie Dysmenorrhö, migränoide Zephalgien, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, teigige Schwellungen, Gliederschwäche, bestimmte Formen der Schlaflosigkeit, Entschlusslosigkeit etc.

  • Bei Beschwerden im Bereich des Halte- und Bewegungsapparates: spondylogen oder arthralgisch bedingt, Muskelspasmen und Kontrakturen bis zu Kiefer- und Zahnschmerzen.

Haltegefäß des Yang (Yangweimai)

Haltegefäß des Yang (Yangweimai)

YangweimaiHaltegefäß des Yang Abb. 6.7

Charakteristik

  • Haltegefäß des Yang:Charakteristik Bezeichnungen: Yangweimai, Yang Oe

  • Etymologie: Wei heißt binden, aufrechterhalten, zusammenhalten (s. Yinweimo).

  • Kardinalpunkt: 3E 5 Waiguan, Äußere Barriere

Verlauf

Traditionell
Haltegefäß des Yang:VerlaufDer Meridian beginnt am Punkt Bl 63 (Jinmen). Von hier zieht er über die Außenseite des Unterschenkels nach aufwärts, wobei er den Punkt Gb 35 (Yangjiao) passiert, darauf verläuft er über die Außenseite des Oberschenkels. Sodann zieht er, etwa der hinteren Axillarlinie entsprechend, über Flanken und Thorax nach oben und erreicht über die hintere Achselfalte den Oberarm am Punkt Di 14 (Binao). Von dort verläuft er über das Schultergelenk zu den Punkten 3E 13 (Naohui), 3E 14 (Jianliao) und weiter zu Gb 21 (Jianjing), um nun im spitzen Winkel zurück zu Dü 10 (Naoshu) zu ziehen, worauf er über die lateral-dorsale Halspartie den Punkt Gb 20 (Fengchi) erreicht. Im weiteren Verlauf passiert er Punkte des Gb-Meridians in dessen Schädelbereich, und zwar Gb 19 (Naokong), Gb 18 (Chengling), Gb 17 (Zhengying), Gb 16 (Muchuang), Gb 15 (Toulinqi), Gb 14 (Yangbai) und Gb 13 (Benshen), an welchem Punkt er endet.
Als Kardinalpunkt gilt 3E 5 (Waiguan), der „Thymuspunkt“, der bei entsprechenden Indikationen vorteilhafterweise zusammen mit dem Partnerkardinalpunkt Gb 41 verwendet werden soll.
Derzeitige Ansicht
Die Angaben in der neueren Literatur unterscheiden sich nur unwesentlich. Es werden lediglich von einigen Autoren die Punkte 3E 15, LG 15 und LG 16 in den Verlauf mit einbezogen und als Endpunkt Ma 1 (Touwei) angegeben.
Das Haltegefäß des Yang (Yangweimai) steht mit allen Yang-Meridianen, aber besonders mit dem Gallenblasen- und Blasen-Meridian in Kontakt, hat Einfluss auf die Regulierung des Umsatzes der aktiven Energien und damit den Abwehr-Qi-Adaptionsmechanismen. Die außerordentlichen Meridiane Haltegefäß des Yin und Haltegefäß des Yang sind aber nicht nur Energiereservoire, sondern sorgen auch für den Energieausgleich zwischen innen und außen.
Punkte im Meridianverlauf: Bl 63, Gb 35, 3E 13, 3E 15, Di 14, Gb 21, Dü 10, Gb 20, LG 15, LG 16, Gb 19, Gb 18, Gb 17, Gb 16, Gb 15, Gb 14, Gb 13 und nach manchen Angaben auch Ma 8.
Kardinalpunkt 3E 5
  • Haltegefäß des Yang:Kardinalpunkt 3E 5 Als Tor zum Äußeren beherrscht er das ganze Yangqi. Er muss aber auch verhindern, dass durch dieses Tor, durch das Yang, pathogene Energien von außen eindringen können.

  • Er ist der Luo-Durchgangspunkt: Das transversale Luo sendet seine Energie zum Punkt KS 7, das longitudinale Luo sendet seine Energie den Dreifachen Erwärmern. Diese haben die Funktion, in ihren 3 Etagen Qi und Blut (Xue) zu bewegen.

  • Meist verwenden wir 3E 5 als „Meisterpunkt“ gegen alle entzündlichen und rheumatischen Geschehen.

  • In der Aurikulomedizin ist er uns bekannt als Thymuspunkt und als genereller Antistörfeldpunkt.

Funktionen

Traditionell
Haltegefäß des Yang:FunktionenDas Haltegefäß des Yang (Yangweimai) bringt Blasen-Energie und Yang-Nieren-Energie vorwiegend in das Yang-Gebiet. Es reguliert den Umsatz aktiver Energie und beherrscht das Abwehr-Qi (Weiqi). Das Abwehr-Qi (Weiqi) wird nicht nur in der Lunge, sondern auch in der Yang-Niere und der Blase gebildet.
Derzeitige Ansicht
Dieser außerordentliche Meridian gilt als Regulationsmeridian für das Yang. Er hat nach Porkert (1973) Einfluss auf die Regulierung des Umsatzes von aktiver Energie und bestimmt dadurch das Ausmaß unserer Abwehrmöglichkeiten gegen äußere Einflüsse.

Indikationen

Haltegefäß des Yang:IndikationenDie Indikationen des Haltegefäßes des Yang sind vor allem:
  • Blockierungen des Qi und Stasen des Blutes (Xue),

  • Störfelder,

  • Schmerzen, z. B. bei Arthritis, Neuritis, Neuralgie,

  • Fieber,

  • Entzündungen, wie Bronchitiden, Sinusitiden, bei akuten wie chronischen Zuständen, auch bei schubweisem Verlauf,

  • Exazerbation chronischer Prozesse.

Diese eigenartigen Indikationen ergeben sich aus der Tatsache, dass durch das Stechen des 3E 5 einerseits die Funktion des Haltegefäßes des Yang verbessert, also mehr Abwehr-Qi produziert und nach außen gebracht, wird, andererseits die Dreifachen Erwärmer durch ihren Luo-Durchgangspunkt aktiviert werden und den Fluss von Qi und Blut (Xue) dynamisieren.
Der schubweise Verlauf, oft kombiniert mit Fieber oder lokalem Hitzegefühl, ist ein Zeichen von lokaler Blockierung und dysregulativer hepatischer Energie (Inversionen und Störfelder – dabei spielen die 3 energetischen Etagen des Dreifacher Erwärmers, ihre Interaktionen und Möglichkeiten der Beeinflussung eine wichtige Rolle).
Die Blockierung durch Schleim, z. B. bei einer Sinusitis maxillaris, verändert den „weichen“ harmonischen, hepatischen Energiefluss, die Leberenergie verläuft erratisch. Zusätzliche pathologische Einwirkungen verstärken die Dysregulation und verschlimmern die vorbestehenden Symptome, der Verlauf ist schubweise, es treten Zweitschläge (nach Bahr) auf.
Der therapeutische Einsatz des Haltegefäßes des Yang ist vor allem gegen Erkrankungen angezeigt, die mit inflammatorischen Begleiterscheinungen einhergehen. Ein weiteres Charakteristikum ist der schubweise Verlauf mit Fieber oder mit lokalem Hitzegefühl. Dazu gehören auch Exazerbationen chronischer Prozesse. Wir können derartige Zustandsbilder als überschießende Reaktionen bei gleichzeitig bestehender Schwäche interpretieren. Der Typ des „Arthritikers“ ist hierfür ein Beispiel. Diese Patienten sind in den Anfangsstadien ihrer Erkrankung oft reizbar oder abwechselnd cholerisch-melancholisch. Je mehr ihr Leiden fortgeschritten ist, umso geduldiger bzw. „duldender“ werden die chronischen Fälle trotz ihrer schweren Deformierungen.
Da sich die Indikationen von 3E 5 und Gb 41 überschneiden, haben wir uns zu entscheiden, welchen der beiden Kardinalpunkte bzw. ob wir beide einsetzen sollten. Unsere Empfehlung ist hier: 3E 5 (Haltegefäß des Yang) bei akuten und subakuten Krankheitszuständen, Neuralgien, Neuritiden, Haut- und Schleimhauterkrankungen (z. B. auch bei putriden Bronchitiden). Cave: bei akuter rheumatischer Polyarthitis Laborwerte beachten!
Bei chronisch rezidivierenden Schüben rheumatischer Erkrankungen ist ebenfalls Vorsicht geboten! Der größte Vorteil liegt in der möglichen Reduktion der immer mit Nebenwirkungen belasteten antirheumatischen und analgetischen Medikation, die jedoch anfangs Vorrang hat.
Bei chronischem Verlauf und gegen Spätfolgen, wenn es sich um den rheumatischen Formenkreis handelt, kommt Gb 41 (Gürtelgefäß) zum Einsatz. Meist wird man bei diesen Fällen eine salomonische Entscheidung treffen müssen und das Paar zum Einsatz bringen, wobei sich die Rolle der Punkte (erster oder letzter Punkt der geplanten Kombination) nach den obigen Kriterien richtet.

Lenkergefäß (Dumai)

LenkergefäßDumai Abb. 6.9, Abb. 6.10

Charakteristik

  • Lenkergefäß:Charakteristik Bezeichnungen: Dumai, Gouverneurgefäß

  • Etymologie: Das chinesische Schriftzeichen für Du bedeutet: kontrollieren, führen, lenken.

  • Kardinalpunkt: Dü 3 (Houxi = „hintere Talmulde“)

Verlauf

Traditionell
Lenkergefäß:Verlauf Verlauf des Hauptastes des Lenkergefäßes:
  • Der Hauptast nimmt seinen Ausgang am Punkt LG 1 Changqiang mit einer Verbindung zu KG 1 (Vereinigung des Yin) am Perineum. Die Essenz (Jing) erreicht diesen Punkt über eine innere Verbindung aus dem Funktionskreis Niere. Diese innere Verbindung geht von den Nieren aus, durchquert das Genitale und erreicht LG 1 am Perineum.

  • Diese konstitutionelle Energie steigt vom ersten Punkt des Lenkergefäßes zwischen Anus und Steißbein median über der Wirbelsäule zum Schädel und ins Gehirn. Nach dem Verlauf über das Gesicht erreicht das Lenkergefäß die Oberlippe, wo er am 28. Punkt (Yinjiao) in der Mundhöhle im Bereich des Lippenbändchens endet.

  • Das Lenkergefäß fließt nach oben, um die angeborene Essenz (Jing) aus dem Nierenbereich nach außen und oben, auch ins Gehirn, zu bringen.

Verlauf der Nebenäste:
  • Ventraler Ast (Shu Wen): Er erscheint im Punkt KG 2 und fließt gemeinsam mit dem tendinomuskulären Meridian von Milz-Pankreas zum Punkt KG 8 (Nabel), dringt in Richtung zum Herzen in den Thorax ein, tritt an die Oberfläche im Punkt KG 22, fließt um den Mund, zu den Augen und endet im Punkt Bl 1. Dies erklärt, warum der Punkt Dü 3 nicht nur gegen Krämpfe im Bereich des „Großen Yang(Taiyang) und der Muskulatur wirkt, sondern auch Abdominal- und Thoraxorgane beruhigt.

  • Verbindung zwischen LG 9 und KG 22: Es besteht eine Verbindung zwischen LG 9 und KG 22. Diese verläuft ähnlich wie die aus der Aurikulomedizin bekannte Hauptenergieachse, die aus der Verbindung LG 14 mit KG 21 besteht.

  • Luo-Gefäß des Dumai: Es fließt vom Punkt LG 1 zum Punkt LG 16.

Derzeitige Ansicht
Der Meridian entspringt im Beckeninneren, zieht abwärts und erreicht in der Perinealgegend, zwischen Anus und Steißbeinspitze, die Oberfläche, wo er nun der Punktur zugänglich wird am Punkt LG 1 (Changqiang). Er zieht weiter über die Steißbeinspitze und entlang den Dornfortsätzen der Wirbelkörper nach aufwärts, dabei nimmt er in der Lumbalregion über Sekundärgefäße Verbindung mit dem Funktionskreis der Nieren/Nebennieren auf.
Der dorsalen Mediosagittallinie folgend, erreicht er den Schädel, die Stirn, die Nase und Oberlippe, an deren Innenseite er am Punkt LG 28 (Yinjiao) endet.
Die unterschiedliche Zahl der Punkte bei verschiedenen Autoren (26–30 Punkte) ergibt sich daraus, dass ein Autor manchen Punkt z. B. mit 6 a statt mit 7 bezeichnet, ein anderer wieder auch Extrapunkte, wie z. B. Yintang, in seine Nummerierung mit einbezieht.
Dies ändert jedoch nichts an der Wirkungsweise der Punkte, für die die anatomische Lokalisation und die jeweiligen Indikationen allein maßgebend sind.
Kardinalpunkt Dü 3
  • Lenkergefäß:Kardinalpunkt Dü 3 Er sammelt das Yang und bringt es über die Blase (Fuß-Taiyang) ins Nierensystem zurück.

  • Er gehört in der Tradition zur Wechselphase Feuer, die den Wind sediert. Er wirkt dadurch generell spasmolytisch.

  • Er bringt Geist (Shen) aus dem Herzen (Yang-Energie) in die Verdauung.

Die Punkte des Lenkergefäßes (Dumai) siehe Kap. 5.13

Funktionen

  • Lenkergefäß:Funktionen Das Lenkergefäß ist das Meer des Yang. Es steht mit allen Yang-Leitbahnen in Verbindung. Das Lenkergefäß ist somit das Ausgleichsreservoir für die Yang-Energie.

  • Das Lenkergefäß führt die genetische Information, die angeborene Essenz (Jing), nach oben (Kopf, Hirn) und außen (Peripherie). Es ist also generell zuständig für die Verteilung des Yang, für den richtigen Einsatz des Weiqi, also für die Abwehr nach außen, und für die Bewegung. Es ist Regulator und Erreger aller aktiven Energien (Yangqi).

  • Die in der Oberfläche, im Großen Yang (Taiyang), sich sammelnden Energien werden über den Punkt des Hand-Taiyang, Dü 3, wieder in die Tiefe geführt.

  • Der außerordentliche Meridian Lenkergefäß kann als Regulator und Schrittmacher der aktiven Yang-Energie des Körpers angesehen werden. Er ist für die Koordination der angeborenen Essenz (Jing) verantwortlich.

  • Das Lenkergefäß steht mit allen Yang-Meridianen in Verbindung und darüber hinaus mit dem Funktionskreis der Nieren/Nebennieren. Als dem Yang zugehörig ist das Lenkergefäß für die segmentalen Beziehungen sowie für die neutralen Funktionen des Rückenmarks und ZNS mitverantwortlich und hat damit Einfluss auf die ekto- und mesodermalen Anlagen des Organismus.

Verhältnis Lenkergefäß (Dumai) – Aufsteigendes Yang-Gefäß (Yangqiaomai)
Vor der Besprechung der Indikationen des Lenkergefäßes und des zum Paar gehörenden Aufsteigenden Yang-Gefäßes ist die traditionelle Ansicht über das Verhältnis der beiden außerordentlichen Meridiane zueinander von Interesse.
  • Lenkergefäß und Aufsteigendes Yang-Gefäß (Yangqiaomai) gehören zum Taiyang (Dü- und Bl-Meridian: über Dü 3, Bl 62) und stehen daher nach der Lehre der Entsprechungen in Opposition (ob davon die didaktische Bezeichnung Ehemann – Ehefrau stammt, wagen wir im Zeitalter der Emanzipation nicht zu behaupten).

  • Das Lenkergefäß wird als Lenker oder Herrscher angesehen und ihm wird mehr Yang zugeschrieben als dem Aufsteigenden Yang-Gefäß, das, immer in Relation gesehen, mehr Yin besitzen soll.

Indikationen

Lenkergefäß:IndikationenIndikationen für das Lenkergefäß sind:
  • Blockierung der Yang-Energie, Schmerzzustände,

  • Spasmen, auch Morbus Bechterew,

  • zerebral bedingte Veränderungen wie Epilepsie, Paresen,

  • Verstärkung des Abwehr-Qi, z. B. bei Infektionen,

  • lokale Indikationen wie Skoliose, Diskushernie.

Wenn wir die Indikationen dieses außerordentlichen Meridians analysieren, fällt auf, dass seine Yin-Komponente (Yin im Yang) nach kranial abnimmt, eine Feststellung, die auch für das Konzeptionsgefäß (Yang im Yin) gilt. Wir erkennen daraus, dass, je mehr sich der Verlauf des Lenkergefäßes dem Schädelbereich nähert, Vorgänge beeinflusst werden können, die das Zwischenhirn bzw. Hypophysensystem betreffen. Darüber hinaus ist eine Einwirkung auf bewusste Vorgänge und Reaktionen denkbar.

Anmerkungen

Die in der Literatur stereotyp wiederholte Formel für die Indikationen des Lenkergefäßes: „Alles, was Kopf, Nacken, Schultern und Wirbelsäule betrifft“, erscheint zu nebulös. Wir können zu den allgemeinen Indikationen, wie schon für das Gefäß der breiten Bahn (Chongmai) beschrieben, hyposthenische Zustände rechnen.
Im Gegensatz zum Haltegefäß des Yang (Yangweimai) stehen nicht so sehr arthralgische Beschwerden im Vordergrund, sondern Verspannungen etc. sowie Krankheitsbilder, die dem Bild „Weichteilrheumatismus“ zuzuzählen sind.
Vor allem aber Beschwerden, die nicht allein als rheumatisch/neuralgisch aufzufassen sind, sondern psychosomatische Komponenten enthalten oder auf epileptiformer oder tetanieähnlicher Grundlage beruhen.
Solche Patienten bieten häufig sympathikoton-nervöse Symptome, ja sogar den Eindruck einer Behaftung mit schizoiden Zügen. Im Schädelbereich sind die Verbindungen des Lenkergefäßes mit dem Taiyang (Dü, Bl), dem Shaoyang (Gb, 3E) und dem Yangming (Ma, Di) gegeben. Überdies liegt hier mit LG 20 „der“ zentrale Reunionspunkt, woraus sich die Indikationsbreite erkennen lässt.
Wenn wir die Indikationen des Kardinalpunktes Dü 3 (zugleich Tonisierungspunkt seines Meridians und Spezialpunkt – „Meisterpunkt“ für Spasmolyse) betrachten, sehen wir, dass ein Teil von ihnen eigentlich seiner Funktion als Kardinalpunkt „entliehen“ wurde, denn ohne die Mithilfe des Lenkergefäßes wäre z. B. eine Beeinflussung zerebral bedingter Tremores, neurasthenischer Übererregbarkeit oder epileptoider Zustandsbilder kaum denkbar.
Da aber Dü 3 zu den sehr häufig verwendeten Punkten gehört, ist seine Stellung innerhalb der Reizeingaben im Hinblick auf die erforderlichen Wirkmechanismen jeweils zu überlegen. Dazu kommt, dass sowohl dem Lenkergefäß (Dumai) als auch dem Aufsteigenden Yang-Gefäß (Yangqiaomai) eine anregende Wirkung auf das Yang eigen ist; deren Differenzierung kann man durch den Einsatz beider Kardinalpunkte, Dü 3 bzw. seines Partners Bl 62, ausgleichen.
Bei der Aktivierung des Lenkergefäßes durch Dü 3 erweist sich die zusätzliche Punktur indikationsmäßig ausgewählter Punkte, die ihm angehören, zur Wirkungsverstärkung als vorteilhaft.
Embryologie und frühkindliche Situation (Suwanda 1993)
Während der embryonalen Entwicklung entstehen die 3 „Urgefäße“, sie bilden den kleinen Kreislauf:
  • Konzeptionsgefäß, dem Entoderm vergleichbar;

  • Lenkergefäß, dem Ektoderm vergleichbar;

  • Gefäß der breiten Bahn, dem Mesoderm vergleichbar.

Dieser fetale Kreislauf entsteht aus dem Funktionskreis Niere, also aus der Essenz (Jing), der Energie (Qi) und dem Blut (Xue) der Mutter. Die eigenen Lungen erzeugen noch keine Energien.
Im Verlauf des ersten Lebenszyklus, beim Mädchen bis zum 7., beim Jungen bis zum 8. Lebensjahr, entstehen die übrigen Leitbahnen und Foramina. Erst dann ist der große Energiekreislauf ausgebildet, mit dem wir üblicherweise arbeiten. Mit der Ausbildung des großen Kreislaufs fließt die Energie des Lenkergefäßes mit seiner Hauptrichtung nach oben, um möglichst viel Essenz (Jing) nach oben und in den Kopf zu bringen.

Aufsteigendes Yang-Gefäß (Yangqiaomai)

YangqiaomaiAufsteigendes Yang-Gefäß Abb. 6.11

Charakteristik

  • Aufsteigendes Yang-Gefäß:Charakteristik Bezeichnungen: Yangqiaomai, Yang Keo

  • Etymologie: Das chinesische Schriftzeichen bedeutet hinaufgehen, die Füße heben, sich auf die Fußspitzen stellen (anatomischer Hinweis auf die Submalleolargrube)

  • Kardinalpunkt: Bl 62 (Shenmai = „Gefäß der Shen-Stunde“)

Verlauf

Traditionell
Aufsteigendes Yang-Gefäß:VerlaufNach dem Nei Jing, Kap. 17, ist der außerordentliche Meridian Aufsteigendes Yang-Gefäß ein Annex zum Fuß-Taiyang (Blasen-Meridian). Er steht in Verbindung mit der Energie des Kosmos, so wie der Meridian Aufsteigendes Yin-Gefäß in Verbindung mit dem Fuß-Shaoyin (Nieren), der Energie der Erde, in Zusammenhang steht.
Das Aufsteigende Yang-Gefäß (Yangqiaomai) ist besonders für das männliche Geschlecht bedeutsam, während das Aufsteigende Yin-Gefäß (Yinqiaomai) mehr für das Krankheitsgeschehen der Frauen zuständig ist.
Der Meridian beginnt am Punkt Bl 62 (Shenmai), dem Punkt der Epiphyse. In seinem Verlauf passiert er dann die Punkte Bl 61 (Pucan) und Bl 59 (Fuyang), die an der Außenseite des distalen Unterschenkels gelegen sind.
Nun verläuft er weiter über die Außenseite des Unter- und Oberschenkels aufwärts und zieht über die Flanken und den seitlichen Thorax in die Schultergegend zum Punkt Dü 10 (Naoshu). Von dort, den außerordentlichen Meridian Haltegefäß des Yang kreuzend, erreicht er Di 16 (Jugou) und Di 15 (Jianyu). Danach verläuft er über die seitliche Halsgegend zur Wange zu den Punkten Ma 4, Ma 3, Ma 1 und Bl 1. Von hier aus erreicht er seinen Endpunkt Gb 20 (Fengchi).
Derzeitige Ansicht
Der Verlauf gleicht dem traditionellen, lediglich der Punkt Gb 29 (Juliao) wird in der neueren Literatur zusätzlich mit einbezogen.
Punkte im Meridianverlauf: Bl 62 (gleichzeitig der Einschaltpunkt), Bl 61, Bl 59, Gb 29, Dü 10, Di 16, Di 15, Ma 4, Ma 3, Ma 1, Gb 20.
Kardinalpunkt Bl 62
Aufsteigendes Yang-Gefäß:Kardinalpunkt Bl 62Dieser Kardinalpunkt ist gleichzeitig der Anfangspunkt des Aufsteigenden Yang-Gefäßes (Yangqiaomai).
In der Aurikulomedizin ist Bl 62 der Punkt der Epiphyse.

Funktionen

Aufsteigendes Yang-Gefäß:FunktionenDas Aufsteigende Yang-Gefäß bildet einen Speicher für die Yang-Energie, die es auch verteilt und bewegt. Dies gilt auch für den Yang-Anteil der Essenz (Jing).

Indikationen

Aufsteigendes Yang-Gefäß:IndikationenDer außerordentliche Meridian ist eine akzessorische Leitbahn für die Verteilung der Yang-Anteile jener Energie, die zum unmittelbaren Einsatz in Aktivität bestimmt ist. Über ihn kann eine bestehende Trägheit und Schwäche, bedingt durch ein Yang-Defizit, gebessert werden. Hieraus ergibt sich die anregende Wirkung mit Yang-Charakter, mit der im Bereich des Bewegungsapparates agiert werden kann. Dies wirkt sich besonders bei der Therapie schmerzhafter und spastischer Zustände, z. B. spastischer Paresen, günstig aus. Gerade die Formulierung „spastisch“ scheint charakteristisch zu sein und dient als Abgrenzung gegenüber ähnlichen Indikationen, die dem Lenkergefäß zugerechnet werden. Kontrakturen im Gefolge von Wirbelblockaden, akute Lumbagoschmerzen und Verspannungen, Torticollis spasticus etc. sind typische Einsatzmöglichkeiten.
Dazu kommen rheumatische, neuralgische Schmerzen im Bereich der unteren Extremitäten, an der dorsolateralen Rückenregion bis zur Schulter-Nacken-Gegend.
Die immer wieder angeführte Indikation „Schlaflosigkeit“, deren sich Bl 62 als Meisterpunkt rühmt, gilt am ehesten für hyperemotionelle Charaktere, die über gedankliche Konfusionen als Schlafhindernis klagen, hierbei sollte der Punkt für den Rechtshänder links in Gold, rechts in Silber gestochen werden. Zerebrovaskuläre Störungen, migränoide Cephalaeaformen auf vaskulär-spastischer Grundlage sowie neuralgiforme Schmerzen im Schädeldach- und Stirnbereich erfordern zumeist den Einsatz von Dü 3 (Rechtshänder rechts in Gold) und Bl 62 (links in Gold).
Erfahrungen an zahlreichen Fällen mit Lähmungen und zerebralen Insulten, die wir mit einer Kombination Schädel-Körper-Akupunktur behandelt haben, lassen den Schluss zu, dass sich Lenkergefäß und Aufsteigendes Yang-Gefäß hierzu am besten eignen, besonders wenn es sich um spastische Paresen handelt.
Merkhilfe: yang qiao = Yang-Ferse (außen), yin qiao = Yin-Ferse (innen), mai = Gefäß, Meridian.
Länger dauernde Blockierung des Yang, vorwiegend im durchflossenen Gebiet:
Die klinischen Symptome sind Schmerzen, Paresen, Arthrosen.
Wenn sich auf diese Yang-Blockierung ein Agens aufpfropft, ergeben sich folgende Symptome: spastische Schmerzen (mit Wind), spastische Paresen (mit Wind), Arthritis (mit Kälte, Feuchtigkeit oder Wärme), Neuralgien (bes. mit Wind: Trigeminusneuralgie).
Es werden vor allem die Gelenke beeinflusst, die vom Meridian durchflossen werden, also Hüfte, Schulter, Nacken und Kiefer. So können Fehler in Kiefer- und Zahnstellung beispielsweise Gelenkschmerzen verursachen.
Länger dauernde Yang-Blockierung und Yang-Fülle im Kopf führen zu folgenden klinischen Symptomen: Kopfschmerzen, psychische Erregung, Schlaflosigkeit.
Yang-Leere: Damit verbunden ist das Symptom Dysmenorrhö: Das Yin entwickelt sich, weil es vom Yang zu wenig bewegt wird, kaum nach unten. Bl 62 gibt den Anstoß zur Bewegung des Yin im Yang (zusammen mit Le 3, MP 6, KS 6, evtl. auch mit Gallenblasenpunkten).
Therapie
Die Anfangs- und Endpunkte des Aufsteigenden Yang-Gefäßes sind Bl 62 und Gb 20. Diese Punkte beruhigen durch Herabziehen und Ausgleichen des Yang vom vorletzten Punkt Bl 1 (Wirkung auf die Augen, „Augenschließer“).

Konzeptionsgefäß (Renmai)

RenmaiKonzeptionsgefäß Abb. 6.12, Abb. 6.13

Charakteristik

  • Konzeptionsgefäß:Charakteristik Bezeichnungen: Renmai

  • Etymologie: Ren heißt: Gewicht, tragen, Amt, Verantwortung, Verantwortung tragen. Die Bezeichnung „Konzeptionsgefäß“ (KG) hat sich eingebürgert, obwohl sie ein Pars-pro-toto-Begriff ist. Dieser Meridian ist auch – aber nicht nur – für die Konzeption zuständig. Er trägt die Verantwortung für das gute Funktionieren aller Funktionskreise.

  • Kardinalpunkt: Lu 7 (Lieque = „Vorbei an den Engen“)

Verlauf

Traditionell
Konzeptionsgefäß:VerlaufDer innere Ast zieht vom Nierensystem durch das Genitale zum Punkt KG 1 am Perineum. Dieser Verlauf ist gleich dem beim Gefäß der breiten Bahn. Von dort fließt das Gefäß in der Mittellinie bis zum Punkt KG 24 in der Kinngrube. Ein innerer Ast umspült den Mund und vereinigt sich mit dem Punkt Ma 1 unter den Augen.
Nach Su Wen, Kap. 60, beginnt der Meridian in der Mitte des Unterbauches, innerhalb der Schambehaarung, unter dem Punkt KG 3 (Zhongji). Er steigt nun vertikal in der vorderen Mediosagittallinie nach aufwärts über das Abdomen, die Brust, die Kehle bis zu den Schneidezähnen des Unterkiefers. In dieser Region hat er Verbindung mit dem Magen-Meridian. Als Endpunkt wird KG 24 (Chengjiang) angegeben.
Im Nei Jing, Kap. 10, werden zahlreiche Verbindungen über Sekundärgefäße, die vom Konzeptionsgefäß ausgehen oder zu dessen Punkten ziehen, beschrieben. Ähnliches gilt auch für das Lenkergefäß.
Derzeitige Ansicht
Das Konzeptionsgefäß beginnt in der Mitte der Dammgegend zwischen Anus und Skrotum bzw. hinterer Vulvakommissur mit dem Punkt KG 1 (Huiyin). Von dort zieht er, der vorderen Medianlinie folgend, über das Abdomen und den Thorax aufwärts, weiter über die Hals- und Kinnregion, wo er in der Mitte der mentolabialen Furche endet. Dem Meridian werden 24 Punkte zugeschrieben.
Kardinalpunkt Lu 7
  • Konzeptionsgefäß:Kardinalpunkt Lu 7 Luo-Durchgangspunkt: Das quer verlaufende Luo lässt über den Punkt Lu 7 die im System Lunge gebildete Energie nach außen austreten in den Punkt Di 4. Das längs verlaufende Luo bringt die Energie direkt in die Lunge.

  • Als Kardinalpunkt ermöglicht Lu 7 die Zirkulation von Nähr-Qi und Essenz (Jing) sowie den Rückfluss der Energien (Flüssigkeiten), die aus dem Renmai diffundierten, in die Lungen; von dort erreichen sie über den Punkt LG 4 den Funktionskreis Niere.

  • Die Lunge bringt das frisch gebildete Qi nach außen und senkt Flüssigkeit ab in die Nieren. Die Lunge wird deswegen auch als „obere Quelle des Wassers“ bezeichnet. Lu 7 ermöglicht so den Kreislauf des Yin.

  • Die Lunge ist der „Meister der Energie“. Sie produziert Energie (Qi). Dieses Qi bewegt Blut (Xue) und Säfte.

  • Lu 7 gilt in der kontrollierten Körperakupunktur deswegen als „Meisterpunkt“ gegen Stasen.

Die Punkte des Konzeptionsgefäßes siehe Kap. 5.14

Funktionen

  • Konzeptionsgefäß:Funktionen Das Konzeptionsgefäß (Renmai) wird als Meer des Yin bezeichnet und gilt als Ausgleichsreservoir und Regulator der gesamten struktiven Energien (Yin-Energien).

  • Es trägt die Verantwortung für den Zufluss von Yin-Flüssigkeiten zu allen Systemen und Meridianen.

  • Es ist mit allen Funktionskreisen und Meridianen verbunden.

Indikationen

Konzeptionsgefäß:IndikationenDas Konzeptionsgefäß trägt Verantwortung für alle Meridiane, insbesondere ist es der Zusammenfluss aller Yin-Meridiane, als Ausdruck dafür mit zusätzlichen Verbindungen zum Gefäß der breiten Bahn und zum Haltegefäß des Yin.
Er dient als Ausgleichsreservoir des gesamten struktiven Energiepotenzials. Dadurch wird verständlich, dass Schwächezustände allgemein oder speziell das Atmungs-, Verdauungs- und Urogenitalsystem betreffend beeinflusst werden können. Hierzu beachte man die auf dem Konzeptionsgefäß gelegenen Mu-Alarmpunkte (KG 3, KG 4, KG 5, KG 7, KG 12, KG 14, KG 17) und deren Indikationen.
Lu 7 (Lieque), der Kardinalpunkt, zugleich Luo-Durchgangspunkt des Lungen-Meridians mit Verbindung zum Yuan-Quellpunkt Di 4 und außerdem „Meisterpunkt“ für alles Geschehen im Thoraxraum und gegen Stauungen, beeinflusst Erkrankungen des gesamten Respirationstrakts. Darüber hinaus wirkt er aber auch auf Zustände, die durch mangelhafte Sauerstoffversorgung bzw. Utilisation entstanden sind, und antidepressiv (in der Tradition entspricht Lunge der Traurigkeit).
Eine weitere Domäne von Lu 7 sind Erkrankungen mit Beteiligung der Schleimhäute durch Förderung der Ausscheidung, sekretolytisch im Bereich der Atemwege, entzündungshemmend den Magen-Darm- und Urogenitaltrakt betreffend.
Da die Funktionskreise Lunge und Dickdarm mit der Haut als Ausscheidungsorgan in Beziehung stehen, erklären sich die Einflüsse von Lu 7 auf Hauterkrankungen und hier wieder besonders im Bereich des Gesichtsschädels (Verlauf von Di- und Ma-Meridian Yangming im Gesichtsbereich).
Außerdem wirkt Lu 7 als Kardinalpunkt gegen Schwächezustände des Yin, was sich aus der Aktivierung des Konzeptionsgefäßes mit seinen Beziehungen zum Gefäß der breiten Bahn und zum Haltegefäß des Yin ergibt.
Lu 7 (rechts in Gold) ist daher allein bzw. zusammen mit seinem Partnerkardinalpunkt Ni 6 (links in Gold) besonders für die Behandlung chronischer Schwächezustände prädestiniert.
Dieser definierte Wirkungsbereich des außerordentlichen Meridians sollte bei den therapeutischen Überlegungen Beachtung finden.

Aufsteigendes Yin-Gefäß (Yinqiaomai)

YinqiaomaiAufsteigendes Yin-Gefäß Abb. 6.14

Charakteristik

  • Aufsteigendes Yin-Gefäß:Charakteristik Bezeichnungen: Yinqiaomai, Yin Keo

  • Etymologie: Qiao heißt: hinaufgehen, die Füße heben, sich auf die Fußspitzen stellen, Submalleolargruben.

  • Kardinalpunkt: Ni 6 (Zhaohai = „Erleuchtetes Meer“; wegen der Wirkung auf Augen und Hirn)

Verlauf

Traditionell
Aufsteigendes Yin-Gefäß:VerlaufDer Meridian nimmt vom Punkt Ni 2 (Rangu) seinen Ausgang. Von dort passiert er Ni 6 (Zhaohai), den Kardinalpunkt des Aufsteigenden Yin-Gefäßes, und steigt an der Innenseite des Unterschenkels zu Ni 8 hoch. Der weitere Verlauf führt ihn über die mediale Region des Unter- und Oberschenkels sowie die Leistengegend zum Abdomen. Nunmehr zieht er über das Abdomen, die Brust (zu Ma 12 und Ma 9) und den Hals verlaufend zur Wangenregion, passiert diese und endet an Bl 1 (Jingming). Hier verbindet er sich mit dem Blasen-Meridian und über diesen mit dem Funktionskreis der Nieren.
Derzeitige Ansicht
Der Verlauf des Aufsteigenden Yin-Gefäßes (Yinqiaomai) beginnt laut offizieller chinesischer Lehrmeinung am Punkt Ni 6 (Zhaohai), dem „Valium“-vergleichbaren Punkt (Beginn bei den meisten westlichen Autoren an Ni 2). Nun zieht er dorsal den inneren Knöchel umrundend aufwärts zu Ni 8 (Jiaoxin), von dort direkt weiter nach oben entlang dem medioposterioren Anteil der Innenfläche des Oberschenkels zu den äußeren Genitalien. Von hier über Abdomen und Thorax in die Fossa supraclavicularis und nun weiter über den Hals, vorbei am Schildknorpel, über die Wangengegend zum inneren Augenwinkel mit Bl 1 (Jingming).
Punkte im Meridianverlauf: (Ni 2), Ni 6, Ni 8, Bl 1
Kardinalpunkt Ni 6
  • Aufsteigendes Yin-Gefäß:Kardinalpunkt Ni 6 Als Punkt des Nieren-Meridians bewegt er Nieren-Qi nach oben.

  • Als Kardinalpunkt bewegt er Nieren-Essenz nach oben, sammelt nicht gebrauchte Nieren-Essenz aus dem Gewebe und bringt sie zurück in die Nieren.

In der Praxis sind allerdings diese Funktionen nicht zu trennen.
In der Aurikulomedizin ist Ni 6 der „Meisterpunkt“ gegen nervöse Schlaflosigkeit sowie der Resonanzpunkt zu Tranquilizer, Typ Valium.

Funktionen

  • Aufsteigendes Yin-Gefäß:Funktionen Das Aufsteigende Yin-Gefäß verteilt Nierenessenz (Nieren-Jing) nach oben.

  • Es füllt Yin-Leere mit Nierenwasser auf und wirkt gegen Yang-Fülle, aber auch gegen Schwächezustände des Yang, wenn sich dieses wegen des fehlenden Yin nicht mehr ernähren kann.

Indikationen

Aufsteigendes Yin-Gefäß:Indikationen Abb. 6.15
Dieser außerordentliche Meridian stellt eine akzessorische Leitbahn für die Verteilung des aus dem Organkreis Nieren/Nebennieren bereitgestellten Energiepotenzials dar. Sein Einsatz wird bei einer Stagnation des Yin, also der struktiven Funktionen der Organe, die durch eine Abgespanntheit auch des Yang (der aktiven Funktionen) verstärkt wird, angezeigt sein. Durch diese Beziehungen zum Funktionskreis Nieren/Nebennieren ist eine enge Verbindung zu den Genitalorganen gegeben, ähnlich jener, die diesbezüglich dem Gefäß der breiten Bahn (Chongmai) und dem Konzeptionsgefäß (Renmai) zugeschrieben wird.
Die Indikationen des Punktes Ni 6 weisen ebenfalls in diese Richtung. Weiter können wir aus heutiger Sicht annehmen, dass jene Gewebe, auf deren Wichtigkeit im Hinblick auf den Wasser- und Salzgehalt hinzuweisen ist (Vorniere), beeinflusst werden können. Daher zählen Leiden, die im Gefolge einer derartigen Gewebsüberlastung auftreten und die wir z. T. der harnsauren dystonischen Diathese zurechnen, sowie jene, die durch mangelhafte Eliminierung von Abfallstoffen unseres intermediären Stoffwechsels bedingt sind, und deren Folgezustände zu den häufigsten Indikationen, um das Aufsteigende Yin-Gefäß über Ni 6 zu aktivieren.
Aus dieser Sicht werden die überlieferten Indikationen, wie rheumatoide Gelenkserkrankungen mit teigigen Schwellungen, Schwäche der motorischen Funktionen und Sensibilitätsstörungen, abnormes Schlafbedürfnis, generalisierte Ödemneigung usw. besser verständlich. Diese Betrachtungsweise erleichtert außerdem die Auswahl zwischen Ni 6 oder Lu 7 als führenden Kardinalpunkt unter dem Aspekt, dass beiden außerordentlichen Meridianen eine anregende Wirkung auf das Yin-Energiepotenzial gemeinsam ist und sie sich daher vor allen anderen zum Einsatz gegen schwere chronische, durch Schwäche bedingte Zustände eignen.
Yin-Leere im oberen Erwärmer:
  • Schwindel, psychoorganisches Syndrom, Gedächtnisstörungen, Schlaflosigkeit

  • Augenstörungen degenerativer Art wie Katarakt.

Yin-Leere im unteren Erwärmer:
  • Periodenunregelmäßigkeiten – zum Aufbau der Schleimhaut und der Ovulation wird Yin gebraucht

  • Erektionsstörung, klimakterische Atrophie und Trockenheit des Genitales

Yang-Schwäche:
  • Kraftlosigkeit, Abspannung, Verminderung der aktiven Funktionen

Allgemeine Hinweise zur Anwendung der Kardinalpunkte

Kardinalpunkt:AnwendungEinige praktische Hinweise sollen unsere persönlichen Erfahrungen zum Thema aufzeigen.
  • Um eine Aktivierung eines außerordentlichen Meridians im Sinne des vorher Gesagten zu erreichen, sollte nach der Tradition dessen Kardinalpunkt als erster Punkt einer Therapiekombination punktiert werden. Damit hat man bereits einen Anstoß für die Aktivierung des außerordentlichen Meridians und für alle in seinem Verlauf gelegenen Punkte gegeben.Beispiel: Gb 41 (Kardinalpunkt des Gürtelgefäßes) aktiviert, als erster Punkt eingesetzt, das Gürtelgefäß (Daimai) mit dessen Indikation und Gb 26, Gb 27, Gb 28 als in seinem Verlauf gelegene Punkte. Will man darüber hinaus einen dieser Punkte zusätzlich hervorheben, kann man diesen, falls man ihm eine besondere Wichtigkeit im Therapiekonzept zumisst, zusätzlich nadeln.

  • Es empfiehlt sich bei Einsatz von 2 Kardinalpunkten, ein zusammengehöriges Paar zu wählen, z. B. Gb 41 und 3E 5. Der indikationsmäßig führende Punkt wird dann als erster Punkt der Kombination eingesetzt, der ergänzende, verstärkende zweite Kardinalpunkt als letzter. Nur ausnahmsweise wird der Einsatz zweier Kardinalpunkte, die verschiedenen Paaren angehören, erforderlich sein, z. B. Dü 3 (Lenkergefäß) und 3E 5 (Haltegefäß des Yang).

  • Man informiere sich über Verlauf und jene Punkte, die an und für sich auf dem außerordentlichen Meridian gelegen sind.

  • Der Einsatz der außerordentlichen Meridiane erfolgt in der neueren chinesischen Literatur keineswegs mehr nach den bei uns üblichen Kriterien der Chronizität eines Leidens oder der mangelhaften Wirkung des normal üblichen Vorgehens. Übermäßige Scheu ist sicher auch nicht am Platz, trotzdem halte ich es für falsch, ohne Überlegung und allzu forsch Kardinalpunkte einzusetzen (ähnlich Antibiotikamissbrauch bei einer blanden Rhinitis oder simplen Bronchitis). Andererseits kann deren Einsatz auch bei der ersten Behandlung, gerade bei unseren mit chronischen Leiden behafteten Patienten, gerechtfertigt sein.

  • So wie die Akupunktur überhaupt mit allen üblichen Behandlungsmethoden kombinierbar ist, gilt dies selbstverständlich auch für den Einsatz der außerordentlichen Meridiane, zumeist sogar in erhöhtem Maße, weil gerade chronische Erkrankungen nicht monoman behandelt werden sollen. Bei der Anwendung der Schädelakupunktur, z. B. bei Lähmungen nach zerebralen Insulten, ist es vorteilhaft, die Behandlung mit dem vorgesehenen Kardinalpunkt, meist wird es Dü 3 sein, zu beginnen und erst dann die kontralaterale Motorikzone zu nadeln, evtl. darauf weitere indizierte Körperpunkte einzusetzen und schließlich mit Bl 62 (Dü 3 ergänzend) die Punktur zu beenden.

  • Gold und Silber oder Stahlnadeln? Untersuchungen nach den Kriterien der kontrollierten Körperakupunktur mithilfe des Nogier-Reflexes ermöglichen es, über die Wahl des Nadelmetalls konkrete, für den jeweiligen Fall zutreffende Angaben zu erhalten. Für jene Kollegen, die sich noch nicht mit dieser Methodik befassen, bleibt als passable Alternativlösung die Verwendung von Stahlnadeln zur Reizsetzung. Die Auslösung einer Deqi-ähnlichen Sensation ist hilfreich.

  • Die im Handel befindlichen Akupunktur-Lasergeräte können ebenfalls zur Reizeingabe an Kardinalpunkten verwendet werden. Abgesehen von einer möglichst optimalen Kohärenz ist die Variationsmöglichkeit der Frequenzen zu fordern, die – ähnlich der Metallwahl – eine zunehmende Bedeutung im Hinblick auf einen differenzierten Reiz erlangen wird. Eine Kombination von Laser und Nadeln ist möglich, z. B. Nadelung des oder der Kardinalpunkte, Lasereinsatz im Schädelbereich bzw. an sonstigen vorgesehenen Punkten.

Beispiele aus der neuen chinesischen Literatur

Die Liste der Indikationen für den Einsatz von Kardinalpunkten reicht in der Literatur von der Alopecia areata über Malaria, Typhus abdominalis bis zur Urämie! Dies mag für medizinisch unterversorgte Gebiete Geltung haben und berechtigt sein. Wir müssen jedoch dafür dankbar sein, dass wir an fortschrittlichen Entwicklungen unserer modernen Medizin aktiv teilhaben können und deren Ergebnissen sind daher in der Diagnostik und Therapie absoluter Vorrang einzuräumen.
Wenn wir trotzdem oder gerade deswegen für die Traditionelle Chinesische Medizin und Akupunktur eintreten, so deshalb, weil wir glauben, dass ein sinnvoller Einsatz beider Methoden dem ärztlichen Handeln am besten gerecht wird.
So gesehen wäre der adjuvante Einsatz der Akupunktur auch bei den folgenden Indikationen gerechtfertigt, wenn wir die Grenzen kennen und uns nicht dazu verleiten lassen, ihren Stellenwert zu überschätzen, selbst dann nicht, wenn wir mit Kardinalpunkten außerordentliche oder „Wunder“-Meridiane aktivieren.
Im Folgenden soll an einigen Beispielen aufgezeigt werden, wie schwierig es für den nicht versierten Leser ist, sich ohne Kommentar Angaben zu Kardinalpunkten zurechtzufinden.
Angina pectoris
  • Angina pectoris KS 6, MP 4

  • KS 6, He 7

    • Das erstgenannte Beispiel zeigt, dass zur Theorie des Herzschmerzes (wobei die Diagnose sicher großzügig ausgelegt werden muss) überhaupt nur die Kardinalpunkte des 1. Paares der außerordentlichen Meridiane verwendet werden. Wie wir aus deren umfassenden Indikationen wissen, ist darin das Roemheld-Syndrom genauso wie psychische Komponenten mit einbezogen.

    • Das zweite Beispiel agiert ebenfalls über das Haltegefäß des Yin und verwendet den Sedativ- und Yuan-Quellpunkt des Herz-Meridians, dessen psychisch ausgleichende Wirkung (Erwartungsangst etc.) wir kennen. Auf die mehr gastrokardialen Komponenten vom MP 4 wird verzichtet.

    • Sosehr die sparsame Verwendung von Nadeln anstrebenswert ist und zu Recht als „meisterlich“ gilt, ist es doch akzeptabel, diese Behandlung mit einem Sicherheitsnetz durch zusätzliche Punkte zu ergänzen, wie es im folgenden Beispiel mit der Punktur des Mu-Alarmpunktes des Herzens und der Shu-Zustimmungspunkte für KS, He und Ma geschieht. Bl 21 agiert hier als Spezialpunkt für Oberbauchbeschwerden.

  • KS 6, KG 14, Bl 14, Bl 15, Bl 21, MP 4

    • Dabei ist beachtenswert, dass keiner der „Sicherheitspunkte“ den beiden außerordentlichen Meridianen angehört.

  • KS 6, He 5, He 9, KG 15, LG 19, Ma 36, MP 4

    • zeigt uns, dass über den Herzschmerz hinaus die psychische Alteration im Vordergrund der therapeutischen Überlegungen steht.

  • KS 6, He 9, KG 14, LG 20, Ma 36, Dü 3

    • Abgesehen davon, dass Dü 3 als nicht demselben Paar angehörig zur Unterstützung von KS 6 als dem führenden Kardinalpunkt eingesetzt wird, aktiviert er das Lenkergefäß und damit auch LG 20. Es erschien offenbar wichtig, diesen Punkt herauszuheben und die von ihm zu erwartende Wirkung zusätzlich zu verstärken. MP 4 hätte in dieser relativ selten vorgeschlagenen Kombination sicher nicht die antispastische Komponente von Dü 3 ersetzen können, dessen zusätzliche Aktion gegen depressive Syndrome mit jener des KS 6 gegen „mentale“ Depressionen übereinstimmt.

Rheumatische Beschwerden
  • Rheumatische Beschwerden 3E 5, Di 11, LG 14, Ma 36, Bl 40, Gb 41

    • Der aufmerksame Leser bezieht diese Kombination auf relativ akut auftretende Rheumaschmerzen allgemein, jedoch vornehmlich die Gliedmaßen betreffend.

  • Gb 41, Le 2, Le 8, MP 9, Bl 40, Gb 34, Ma 35, EX-LE 4, 3E 5

    • richtet sich gegen ein eher chronisches Geschehen im Bereich der Kniegelenke.

  • Gb 41, Gb 31, Le 3, Le 8, LG 2, Bl 62

    • ist schwierig zu kommentieren. Gb 31 („Stadt des Windes“) wird gegen Beschwerden, die sich bei Witterungseinflüssen verschlimmern, gegen laterale Ischialgien (N. cutaneus femoris lateralis), Meralgia paraesthetica sowie gegen Hüft- und Kniegelenkbeschwerden empfohlen. Le 3 (Yuan-Quellpunkt) und Le 8 (Tonisierungspunkt) tonisieren den Leber-Meridian zur Kräftigung des Muskel-Sehnen-Apparates, regional wirkt Le 3 auf die Zehengrundgelenke, Le 8 auf die Kniegelenke.

    • LG 2 gilt als Hilfspunkt für die Lumbalregion und wird bei Lumbalgien und Ischialgien mitverwendet. Bl 62 aktiviert, wie wir uns erinnern, das Aufsteigende Yang-Gefäß und bekämpft rheumatisch-neuralgische Schmerzen mit spastischen Begleiterscheinungen hier in der dorsolateralen Rückenregion, Hüft- und Lumbalgegend. Dies ist der Grund, warum nicht, wie zu erwarten, 3E 5 als der im Paar zu Gb 41 passende Kardinalpunkt gewählt wurde, was außerdem darauf schließen lässt, dass es sich um kein typisch inflammatorisches rheumatisches Krankheitsbild handelt.

  • Dü 3, Gb 20, LG 14, LG 16, LG 20, Gb 21, Le 2, KG 24, Bl 62

    • Wir erkennen auf den ersten Blick, dass es sich um eine Kombination gegen spastische Komponenten im Nacken-Schulter-Bereich handelt. KG 24 weist uns zusätzlich den Weg zur Diagnose: Torticollis spasticus.

    • Im Zeitalter des „Haltungszerfalles“ werden wir zunehmend mit Rückenschmerzen und Kontrakturen konfrontiert, sei es, dass unsere Patienten unter dem Druck, sich „behaupten“ zu müssen, „halsstarrig“ wurden oder ihren „Halt“ verloren haben und über Beschwerden im Bereich der Brustwirbelsäule klagen oder gar auf übergroße Anforderungen mit chronischen Kreuzschmerzen reagieren. Bei allen diesen Fällen erweist sich das Paar Dü 3–Bl 62 als hilfreich.

Bronchitis – Husten
  • HustenBronchitis Lu 7, Lu 1, KG 17, Bl 13, Bl 17, Ni 6

    • ist eine allgemeine Standardkombination gegen chronischen Husten, bei Reizhusten ergänzt durch KG 22, bei reichlicher Expektoration durch Ma 40, bei nächtlichen Beschwerden durch Lu 5, bei subfebrilen Temperaturen und eitrigem Auswurf durch Di 4, Di 11, 3E 5; wenn allergisch-asthmoid: Ni 27, evtl. Ma 13 (Atemtor), Bl 23, Ma 36.

Obstipation
  • Obstipation Ni 6, MP 6, KG 4, Ma 25, Bl 25, Bl 27, 3E 6, Di 4, Lu 7

    • Für eine Sitzung zu viele Nadeln! 3E 6, der „Universalpunkt“ gegen Obstipation mit in die Flanken ausstrahlenden Schmerzen, gibt uns den Hinweis, dass es sich um eine chronische Obstipation handelt und zugleich Laxanzienabusus vorliegen dürfte.

Stillschwäche
  • Stillschwäche Lu 7, Dü 1, KS 7, KG 17, Ma 36, Ni 6

    • bei Muttermilchmangel, Stillschwäche, dazu evtl. bei allgemeiner Adynamie Bl 43 und KG 6.

Miktionsbeschwerden – Harnverhaltung
  • MiktionsbeschwerdenHarnverhaltung Ni 6, MP 6, MP 9, MP 11, KG 3, Le 3, Bl 28, Lu 7

Rhinitis
  • Rhinitis Lu 7, Di 4, Di 20, Extrapunkt Yintang (EX-HN 3), LG 24, 3E 17, Ni 6

    • ist eine gegen chronische Rhinitis mit Niesreiz und erschwerter Nasenatmung gerichtete Kombination.

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