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Der Platz der Akupunktur in der Schulmedizin

Frank Bahr

Die Indikationen der Akupunktur
Akupunktur:IndikationenDie wichtigste Frage für Akupunkturärzte ist nicht – wie manche Kollegen glauben –, welchen Punkt steche ich, sondern sie lautet: Ist dieser Fall überhaupt für die Akupunkturtherapie geeignet?
Akupunktur zur Beseitigung von Schmerzen
SchmerztherapieWenn wir hier die Indikationen der Akupunktur abhandeln und den ersten großen Bereich, nämlich Akupunktur gegen Schmerzzustände, betrachten, so muss selbstverständlich bedacht werden, dass Schmerzen zunächst einmal ein Alarmsignal des Körpers sind; deshalb darf auch nur nach einwandfreier ärztlicher Diagnosestellung akupunktiert werden. Wenn allerdings eine Krankheit oder Störung wohlbekannt ist, z. B. immer wiederkehrender Wetterkopfschmerz oder andauernde Knieschmerzen bei Kniegelenksarthrose usw., dann ist der Schmerz nur noch lästig.
Auf einen anderen Aspekt weist Dr. Nogier in seinem Lehrbuch der Auriculotherapie (Ohrakupunktur) [1] hin: „Man vermeide es, Schmerzen auszuschalten, die zur Beobachtung eines Krankheitsverlaufs oder zur Indizierung einer Operation nötig sind.“ Auch ist die Akupunktur nicht monoman zu handhaben. Wenn für die jeweilige Krankheit Medikamente (bes. Herztherapie) oder Diät (z. B. Magenulkus, Leberleiden) angezeigt sind, sollte man die Akupunktur dazu anwenden, denn Akupunktur ist mit allen anderen Therapieformen gut zu kombinieren.
Folgende Schmerzzustände sind im Allgemeinen gute Akupunkturindikationen:
  • Wirbelsäulenschmerz (Ischialgien, zur Unterstützung der manuellen Therapie usw.)

  • Gelenkschmerzen allgemein, auch Morbus Bechterew,

  • Migräne

  • Neuralgien

  • Magen- und Duodenalgeschwür

  • Angina pectoris (außerdem übliche Herztherapie!)

  • Herpes zoster

Für alle Indikationen gilt, dass nur nach einwandfreier ärztlicher Diagnose akupunktiert werden darf!
Akupunktur gegen funktionelle Störungen und zur Anregung von Funktionen
Störungen:funktionelleNach dem Erfolg bei der Schmerzbehandlung wurde schon vor mehreren tausend Jahren die Akupunktur auch bei anderen Krankheitsbildern eingesetzt, so bei Kreislaufstörungen, zur Funktionsanregung von Organen und Eingeweiden usw. Was für die Behandlung von Schmerzen gilt, ist auch hier richtig: Es darf erst nach einwandfreier ärztlicher Diagnose akupunktiert werden.
Folgende Störungen oder mangelnde Funktionen sind im Allgemeinen gute Akupunkturindikationen:
  • Im Bereich von Organen und Eingeweiden: Leber, Galle, Niere, Darm (Obstipation), Magen (subazid – hyperazid), Pankreas, Herzinsuffizienz (zusammen mit Digitalis)

  • Im hormonellen Bereich: Schilddrüse, Thymus usw.

Akupunktur gegen Allergien
AllergienGegen Heuschnupfen und Asthma kann der erfahrene Akupunkturarzt in der Regel gute Erfolge erzielen. In chinesischen Universitätskrankenhäusern zählt die Akupunkturbehandlung von Allergien zum täglichen Standard. Bedingt durch die zunehmende Häufigkeit, ist mittlerweile die Akupunktur gegen Allergiebeschwerden auch in Europa von gleicher Bedeutung wie die Schmerzakupunktur – insbesondere weil die Einschränkung der Verwendung von Cortison wegen dessen Nebenwirkungen sehr wichtig ist.
Akupunktur gegen psychische Störungen
Störungen:psychischeNach den Erfolgen auf anderen Gebieten wird die Akupunktur mittlerweile auch zur Behandlung psychischer Krankheiten mit herangezogen und erfährt dadurch eine beträchtliche Ausweitung ihrer Anwendungsmöglichkeiten. Selbstverständlich ist auch hier die einwandfreie ärztliche Diagnose eine Grundvoraussetzung.
Folgende psychische Leiden stellen im Allgemeinen gute Akupunkturindikationen dar:
  • SuchtkrankheitenSuchtkrankheiten, auch für Akupunkturanfänger schon die Raucherentwöhnung

  • SchlaflosigkeitSchlaflosigkeit

  • HerzneuroseHerzneurose, MagenneuroseMagenneurose

  • Enuresis Enuresis nocturnanocturna, ReizblaseReizblase (ohne urologischen Befund)

  • PrüfungsangstPrüfungsangst (auch für Akupunkturanfänger)

Nur für den erfahrenen Akupunkturarzt:
  • Angstzustände wie Platzangst

  • Reaktive Depressionen

  • Stottern

  • Colitis ulcerosa (bei Überwiegen der psychischen Komponente)

  • Morbus Crohn

Relative und absolute Kontraindikationen der Akupunktur
Akupunktur:KontraindikationenBei einigen Krankheiten ist Akupunktur nicht angezeigt.
Relative Kontraindikationen:
  • Unmittelbar nach großen physischen und psychischen Anstrengungen; eine entspannende Akupunktur ist allerdings möglich.

  • Die hormonaktiven Punkte sollen während der Menstruation nicht gestochen werden; sehr wohl kann aber eine laufende Behandlung, bei der diese Punkte nicht Verwendung finden, weitergeführt werden.

Absolute Kontraindikationen:
  • Schmerzen mit Operationsindikation (Appendizitis, Gallenblasenempyem usw.).

  • Infizierte Hautstellen müssen gemieden werden.

  • Alle Erbkrankheiten (Gene werden durch Akupunktur natürlich nicht beeinflusst).

  • Endogene DepressionDepression, SchizophrenieSchizophrenie.

  • Kontagiöse und venerische Erkrankungen.

  • Degenerative und heredodegenerative Leiden mit vorwiegendem Befall des Rückenmarks und demyelinisierende Erkrankungen.

  • Die hormonaktiven Punkte bei Schwangeren sollen nicht gestochen werden, sehr wohl kann aber z. B. eine IschialgiebehandlungIschialgiebehandlung durchgeführt werden; auch eine RaucherentwöhnungRaucherentwöhnung durch Akupunktur ist sehr empfehlenswert!

  • Schmerzen:bei KarzinomenKarzinome, es kann aber der Karzinomschmerz behandelt werden.

Sonderhinweis: Patienten mit Nadelphobie und Kinder können statt der Akupunktur mit Nadeln sehr gut und fast gleich effektiv mit dem Akupunkturlaser bestrahlt werden. Dabei müssen lediglich die Augen mit einer Laserschutzbrille gesichert sein.

Literatur

[1].

P. Nogier Lehrbuch der Auriculotherapie Maisonneuve 1969

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