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B978-3-437-56781-0.00005-5

10.1016/B978-3-437-56781-0.00005-5

978-3-437-56781-0

Verlauf des Lungen-Meridians am Körper. Die gestrichelte Linie deutet den inneren Meridianverlauf an.

Verlauf des tendinomuskulären Lungen-Meridians

Verlauf des Lungen-Lungen-Meridian:am OhrMeridians am Ohr

Lu 1–Lu 4

Lu 3–Lu 6

Lu 5–Lu 11

Lu 5–Lu 11

Lu 7–Lu 11

Verlauf des Lungen-Meridians

Lungen-Meridian

Lungen-Typ

Verlauf des Dickdarm-Meridians am Körper. Die gestrichelte Linie deutet den inneren Meridianverlauf an.

Verlauf des tendinomuskulären Meridians

Verlauf des tendinomuskulären Meridians

Verlauf des Dickdarm-Meridians am Ohr

Di 1–Di 5

Di 2–Di 7

Di 2–Di 7

Di 6–Di 16

Di 6–Di 16

Di 15–Di 18

Di 15–Di 20

Di 17–Di 20

Wichtige Punkte des Dickdarm-Meridians

Verlauf des Magen-Meridians am Körper. Die gestrichelte Linie deutet den inneren Meridianverlauf an.

Verlauf des tendinomuskulären Magen-Meridians auf der Körpervorderseite

Verlauf des tendinomuskulären Magen-Meridians am Rücken

Verlauf des Magen-Meridians am Ohr

Ma 1–Ma 13

Ma 9–Ma 16

Ma 13–Ma 21

Ma 13–Ma 21

Ma 18–Ma 27

Ma 18–Ma 27

Ma 23–Ma 28

Ma 22–Ma 31

Ma 31–Ma 45

Ma 32–Ma 45

Ma 32–Ma 45

Ma 39–Ma 45

Ma 39–Ma 45

Verlauf des Magen-Meridians

Verlauf des Magen-Meridians

Magen-Typ („Ulkus“-Typ)

Verlauf des Milz-Pankreas-Meridians am Körper. Die gestrichelte Linie deutet den inneren Meridianverlauf an.

Verlauf des tendinomuskulären Milz-Meridians an der Körpervorderseite

Seitlicher Verlauf des tendinomuskulären Milz-Meridians

Verlauf des Milz-Pankreas-Meridians am Ohr

MP 1–MP 6

MP 1–MP 6

MP 1–MP 11

MP 1–MP 11

MP 9–MP 15

MP 9–MP 15

MP 12–MP 16

MP 16–MP 21

MP 16–MP 21

Verlauf des Milz-Pankreas-Meridians

Verlauf des Milz-Pankreas-Meridians

Milz-Typ

Verlauf des Herz-Meridians am Körper. Die gestrichelte Linie deutet den inneren Meridianverlauf an.

Verlauf des tendinomuskulären Meridians

Der Herz-Meridian am Ohr

He 1–He 7

He 1–He 7

He 4–He 9

He 4–He 9

Der Verlauf des Herz-Meridians

Herz-Typen

Verlauf des Dünndarm-Meridians am Körper. Die gestrichelte Linien deutet den inneren Meridianverlauf an.

Verlauf des tendinomuskulären Meridians

Fortsetzung des inneren Verlaufs des Dünndarm-Meridians

Verlauf des Dünndarm-Meridians am Ohr

Dü 1–Dü 6

Dü 1–Dü 6

Dü 1–Dü 8

Dü 1–Dü 8

Dü 9–Dü 19

Dü 9–Dü 19

Verlauf des Dünndarm-Meridians

Verlauf des Dünndarm-Meridians

Verlauf des Blasen-Meridians am Körper

Der innere Verlauf des Blasen-Meridians

Verlauf des tendinomuskulären Meridians

Verlauf des tendinomuskulären Meridians

Verlauf des Blasen-Meridians am Ohr

Bl 1–Bl 6

Bl 3–Bl 8

Bl 3–Bl 8

Bl 9, Bl 10

Bl 10–Bl 16

Bl 11–Bl 41

Bl 10–Bl 54

Bl 18–Bl 23

Bl 27–Bl 34

Bl 35–Bl 40

Bl 37–Bl 40

Bl 41–Bl 54

Bl 41–Bl 50

Bl 47–Bl 52

Bl 52–Bl 54

Bl 53–Bl 65

Bl 53–Bl 65

Bl 55–Bl 67

Bl 58–Bl 67

Bl 58–Bl 67

Verlauf des Blasen-Meridians

Verlauf des Nieren-Meridians am Körper. Die gestrichelte Linie deutet den inneren Meridianverlauf an.

Verlauf des tendinomuskulären Nieren-Meridians

Verlauf des tendinomuskulären Nieren-Meridians

Der Nieren-Meridian am Ohr

Ni 1

Ni 2–Ni 8

Ni 2–Ni 8

Ni 2–Ni 10

Ni 10

Ni 11–Ni 16

Verlauf des Nieren-Meridians an der Körpervorderseite

Der Verlauf des Nieren-Meridians an der Vorderseite des Körpers

Der Verlauf des Nieren-Meridians an der Vorderseite des Körpers

Nieren-Typ

Verlauf des Kreislauf-Sexualität-Meridians am Körper. Die gestrichelte Linie deutet den inneren Meridianverlauf an.

Verlauf des tendinomuskulären Meridians

Verlauf des Kreislauf-Sexualität-Meridians am Ohr

KS 1–KS 3

KS 1–KS 3

KS 3–KS 7

KS 3–KS 7

KS 6–KS 9

Der Verlauf des Kreislauf-Sexualität-Meridians

Verlauf des Dreifachen-Erwärmer-Meridians am Körper. Die gestrichelte Linie deutet den inneren Meridianverlauf an (Fortsetzung s. nächste Seite).

Fortsetzung des inneren Verlaufs des Dreifacher-Erwärmer-Meridians

Verlauf des tendinomuskulären Dreifacher-Erwärmer-Meridians.

Verlauf des Dreifachen-Erwärmer-Meridians am Ohr

3E 1–3E 5

3E 1–3E 9

3E 1–3E 9

3E 10–3E 14

3E 10–3E 14

3E 14–3E 23

3E 14–3E 23

3E 16–3E 23

Verlauf des Dreifacher-Erwärmer-Meridians

Verlauf des Gallenblasen-Meridians am Körper. Die gestrichelte Linie deutet den inneren Meridianverlauf an der Körpervorderseite an.

Innerer Verlauf des Gallenblasen-Meridians auf der Körperrückseite.

Verlauf des tendinomuskulären Meridians

Verlauf des tendinomuskulären Meridians

Verlauf des Gallenblasen-Meridians am Ohr

Gb 1–Gb 21

Gb 1–Gb 21

Gb 1–Gb 21

Gb 22–Gb 27

Gb 22–Gb 27

Gb 24–Gb 30

Gb 29–Gb 32

Gb 31–Gb 36

Gb 31–Gb 36

Gb 33–Gb 44

Gb 38–Gb 44

Galle-Typ

Verlauf des Leber-Meridians am Körper. Die gestrichelte Linie deutet den inneren Meridianverlauf an.

Verlauf des tendinomuskulären Meridians

Verlauf des Leber-Meridians am Ohr

Le 1–Le 4

Le 1–Le 4

Le 1–Le 6

Le 7–Le 9

Le 10–Le 14

Le 13–Le 14

Der Verlauf des Leber-Meridians

Der Verlauf des Leber-Meridians

Verlauf des Lenkergefäßes am Körper

Verlauf des Lenkergefäßes am Körper

Der Kardinalpunkt für das Lenkergefäß ist Dü 3

Der Verlauf des Lenkergefäßes am Ohr

LG 2–LG 5

LG 4–LG 10

LG 4–LG 10

LG 8–LG 14

LG 13–LG 20

LG 20–LG 27

LG 20–LG 27

Verlauf des Konzeptionsgefäßes am Körper. Der Punkt Lu 7 schaltet das Konzeptionsgefäß ein.

Der Kardinalpunkt für das Konzeptionsgefäß ist Lu 7.

Das Konzeptionsgefäß am Ohr

KG 2–KG 16

KG 02–KG 16

KG 2–KG 16

KG 14–KG 22

KG 14–KG 22

KG 20–KG 24

Die Meridiane

Frank Bahr

  • 5.1

    Lungen-Meridian (Feijing)49

    • 5.1.1

      Lungen-Meridian49

    • 5.1.2

      Tendinomuskulärer Lungen-Meridian50

    • 5.1.3

      Verlauf am Ohr50

    • 5.1.4

      Die Punkte im Einzelnen51

    • 5.1.5

      Der Funktionskreis Lunge aus traditioneller Sicht56

  • 5.2

    Dickdarm-Meridian (Dachang-jing)61

    • 5.2.1

      Dickdarm-Meridian61

    • 5.2.2

      Tendinomuskulärer Dickdarm-Meridian62

    • 5.2.3

      Verlauf am Ohr63

    • 5.2.4

      Die Punkte im Einzelnen64

    • 5.2.5

      Der Funktionskreis Dickdarm aus traditioneller Sicht72

  • 5.3

    Magen-Meridian (Weijing)75

    • 5.3.1

      Magen-Meridian75

    • 5.3.2

      Tendinomuskulärer Magen-Meridian76

    • 5.3.3

      Verlauf am Ohr77

    • 5.3.4

      Die Punkte im Einzelnen78

    • 5.3.5

      Der Funktionskreis Magen aus traditioneller Sicht91

  • 5.4

    Milz-Pankreas-Meridian (Pijing)95

    • 5.4.1

      Milz-Pankreas-Meridian95

    • 5.4.2

      Tendinomuskulärer Milz-Pankreas-Meridian96

    • 5.4.3

      Verlauf am Ohr97

    • 5.4.4

      Die Punkte im Einzelnen97

    • 5.4.5

      Der Funktionskreis Milz aus traditioneller Sicht105

  • 5.5

    Herz-Meridian (Xinjing)111

    • 5.5.1

      Herz-Meridian111

    • 5.5.2

      Tendinomuskulärer Herz-Meridian112

    • 5.5.3

      Verlauf am Ohr112

    • 5.5.4

      Die Punkte im Einzelnen112

    • 5.5.5

      Der Funktionskreis Herz aus traditioneller Sicht117

  • 5.6

    Dünndarm-Meridian (Xiaochangjing)121

    • 5.6.1

      Dünndarm-Meridian121

    • 5.6.2

      Tendinomuskulärer Dünndarm-Meridian122

    • 5.6.3

      Verlauf am Ohr123

    • 5.6.4

      Die Punkte im Einzelnen123

    • 5.6.5

      Der Funktionskreis Dünndarm aus traditioneller Sicht130

  • 5.7

    Blasen-Meridian (Pang-gingjing)133

    • 5.7.1

      Blasen-Meridian133

    • 5.7.2

      Tendinomuskulärer Blasen-Meridian135

    • 5.7.3

      Verlauf am Ohr135

    • 5.7.4

      Die Punkte im Einzelnen136

    • 5.7.5

      Der Funktionskreis Blase aus traditioneller Sicht156

  • 5.8

    Nieren-Meridian (Shenjing)159

    • 5.8.1

      Nieren-Meridian159

    • 5.8.2

      Tendinomuskulärer Nieren-Meridian160

    • 5.8.3

      Verlauf am Ohr161

    • 5.8.4

      Die Punkte im Einzelnen162

    • 5.8.5

      Der Funktionskreis Niere aus traditioneller Sicht170

  • 5.9

    Kreislauf-Sexualität-Meridian (Xinbaoluojing)175

    • 5.9.1

      Kreislauf-Sexualität-Meridian175

    • 5.9.2

      Tendinomuskulärer Kreislauf-Sexualität-Meridian176

    • 5.9.3

      Verlauf am Ohr177

    • 5.9.4

      Die Punkte im Einzelnen177

    • 5.9.5

      Der Funktionskreis Kreislauf-Sexualität aus traditioneller Sicht182

  • 5.10

    Dreifacher-Erwärmer-Meridian (Sanjiaojing)185

    • 5.10.1

      Dreifacher Erwärmer-Meridian185

    • 5.10.2

      Tendinomuskulärer Dreifacher-Erwärmer-Meridian186

    • 5.10.3

      Verlauf am Ohr187

    • 5.10.4

      Die Punkte im Einzelnen188

    • 5.10.5

      Der Funktionskreis Dreifacher Erwärmer aus traditioneller Sicht196

  • 5.11

    Gallenblasen-Meridian (Danjing)199

    • 5.11.1

      Gallenblasen-Meridian199

    • 5.11.2

      Tendinomuskulärer Gallenblasen-Meridian201

    • 5.11.3

      Verlauf am Ohr201

    • 5.11.4

      Die Punkte im Einzelnen202

    • 5.11.5

      Der Funktionskreis Gallenblase aus traditioneller Sicht215

  • 5.12

    Leber-Meridian (Ganjing)217

    • 5.12.1

      Leber-Meridian217

    • 5.12.2

      Tendinomuskulärer Leber-Meridian218

    • 5.12.3

      Verlauf am Ohr218

    • 5.12.4

      Die Punkte im Einzelnen219

    • 5.12.5

      Der Funktionskreis Leber aus traditioneller Sicht225

  • 5.13

    Lenkergefäß (Dumai)229

    • 5.13.1

      Das Lenkergefäß = Gouverneurgefäß229

    • 5.13.2

      Verlauf am Ohr230

    • 5.13.3

      Die Punkte im Einzelnen230

  • 5.14

    Konzeptionsgefäß (Renmai)239

    • 5.14.1

      Das Konzeptionsgefäß239

    • 5.14.2

      Verlauf am Ohr240

    • 5.14.3

      Die Punkte im Einzelnen240

Wichtige Punkte, die der Anfänger als Erstes lernen sollte, sind durch einen roten Punkt hervorgehoben.

Lungen-Meridian (Feijing)

Lungen-Meridian

Lungen-MeridianFeijing Abb. 5.1
Charakteristik
  • Bezeichnungen: Hand-Hand-TaiyinTaiyin, ShoutayingShoutaying, Mächtiges Yin des Armes, The arm greater Yin Meridian, Orbis pulmonalis

  • Abkürzungen: Lu (Lunge), P (poumon), lung

  • Meridian eines Vollorgans (Speicherorgans, Zang), daher Yin, nach internationaler Nomenklatur: der I. Meridian im Energiekreislauf

  • Energieverlauf zentrifugal, die Energie kommt vom Leber-Meridian und wird an den Dickdarm-Meridian weitergeleitet

  • Chronobiologie: Optimalzeit zur Tonisierung 3–5 Uhr

  • Shu-Zustimmungspunkt: Bl 13, 1,5 Cun seitlich der Spitze des Processus spinosus des 3. Brustwirbels

  • Mu-Alarmpunkt: Lu 1, 1 Cun unter der Klavikula und 6 Cun seitlich der ventralen Medianlinie

  • Der äußere Verlauf des Meridians ist durch 11 Punkte gekennzeichnet.

Verlauf
Lungen-Meridian:VerlaufVom Punkt Lu 1 zieht der Meridian bis an den Unterrand der Klavikula gerade nach oben, um dann über den vorderen äußeren Rand der Axilla die Innenseite des Oberarms zu erreichen. Hier zieht er vor dem Herz- und Kreislauf-Sexualität-Meridian abwärts zur Mitte der Innenbeuge des Ellbogens (Lu 5) und weiter über die radiale vordere Seite des Unterarmes zum Handgelenk über die A. radialis (Lu 9). Von hier über den Daumenballen zu seinem Endpunkt Lu 11, der am äußeren Nagelfalzwinkel des Daumens gelegen ist.
Innerer Verlauf
Lungen-Meridian:innerer VerlaufIm Körperinneren zieht der Meridian in der Höhe des Punktes KG 12 hinab zum Dickdarm (Colon transversum), ändert dann seine Richtung nach oben, läuft am Magen vorbei, penetriert das Zwerchfell, passiert die Lunge, steigt auf bis zum Larynx, wendet sich wieder nach lateral-kaudal und tritt bei Lu 1 an die Oberfläche.
Innere Meridianverlaufsrichtung: von innen nach außen

BESONDERE PUNKTE

Lungen-Meridian (Feijing)

Lungen-Meridian:besondere PunkteTonisierungspunkt Lu 9
Sedativpunkt Lu 5
Yuan-Quellpunkt Lu 9
Luo-Durchgangspunkt Lu 7 zu Di 4
Shu-Zustimmungspunkt Bl 13
Mu-Alarmpunkt Lu 1
Kardinalpunkt, der das Konzeptionsgefäß Renmai einschaltet Lu 7

Tendinomuskulärer Lungen-Meridian

Lungen-Meridian:tendinomuskulärer Abb. 5.2
Der Verlauf des tendinomuskulären Meridians (TMM) beginnt mit dem Punkt Lu 11 am Daumen und führt in einem breiteren und oberflächlicheren Verlauf als der Hauptmeridian über Ellbogen und vordere Schulter zur Klavikula. In einem inneren Verlauf erreicht der TMM das Zwerchfell.

Verlauf am Ohr

Der Lungen-Meridian beginnt am Ohr mit dem Punkt Lu 1 in der Mitte des Ohrläppchens an der Anwachsungszone. Dort befindet sich auf der dominanten Seite der Angstpunkt bzw. auf der nichtdominanten Seite der Sorgepunkt. Dann zieht der Meridian in den Bereich der Hemiconcha inferior zum Punkt Lu 7 (Kardinalpunkt), wechselt dort ähnlich einem umgedrehten V-Zeichen die Richtung und über die Punkte Lu 9 (Lungenparenchym) und Lu 10 erreicht er mit dem Punkt Lu 11 etwa die Mitte des hinteren Anteil des Ohrläppchens. Diese Lokalisation entspricht dem Tonsillenpunkt am Ohr, ist also analog zur klassischen Angabe zu sehen, dass der Punkt Lu 11 der Meisterpunkt gegen Halsschmerzen ist.

Die Punkte im Einzelnen

Lu 1
$Lu 1 §Zhongfu&Zhongfu, „Wirkungskreis der Eingeweide“ $Lu 1 §Yingshu&Yingshu, „Zustimmung für die Brust“
Funktion
Mu-Alarmpunkt des Lungen-Meridians. Reunionspunkt der „großen“ Yin-Meridiane der Arme und Beine (Lungen- und Milz-Pankreas-Meridian)
Lokalisation
1 Cun unter der Klavikula und 6 Cun seitlich der ventralen Mediosagitallinie, in einer Höhe mit KG 21
Punktur
Bis 2 Fen senkrecht oder 5 Fen schräg (cave: Pleura!)
Indikation
Lokoregional: Hilfspunkt bei Schmerzen im Schulter- sowie im Sternoklavikularbereich
Überregional: alle Lungenkrankheiten, besonders solche, die mit Atemstörungen einhergehen, wie Bronchitiden, Asthma bronchiale, bronchopneumonische Herde, aber auch symptomatisch, wenn diese Beschwerden durch Lungentuberkulose bedingt sind; Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, besonders wenn dies Begleiterscheinungen der Lungenerkrankung sind; schmerzende Haut, juckende Dermatosen, Nachtschweiß
Allgemein: Wirkung auf den ganzen Atemapparat, auf den HNO-Bereich (Geruchssinn), auf diverse Hautkrankheiten, Angst-/Sorgepunkt; segmentäre Übereinstimmung mit Bl 13, Bl 42, (1,5 bzw. 3 Cun lateral des 3. Brustwirbeldornfortsatzes [BWD])
Lu 2
$Lu 2 §Yunmen&Yunmen, „Wolkentor“
Lokalisation
Oberhalb von Lu 1, an der Unterkante der Klavikula
Punktur
3 Fen senkrecht bis 1 Cun schräg
Indikation
Wie Lu 1
Lu 3
$Lu 3 §Tianfu&Tianfu, „Himmelspalast“
Lokalisation
Über den M. biceps brachii, 3 Cun unterhalb der vorderen Achselfalte in der kleinen Vertiefung zwischen M. biceps und M. deltoideus. Eine originelle Methode, den Punkt zu orten, besteht darin, den Patienten seinen Bizeps an seine Nasenspitze drücken zu lassen, sie markiert Lu 3.
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen an der Innenseite des Oberarmes, rheumatische Schmerzen im Schulterbereich
Überregional: Atembeschwerden mit Völlegefühl in der Brust, Asthma bronchiale, Singultus, Epistaxis, Herzschmerzen
Lu 4
$Lu 4 §Xiabai&Xiabai, „An der Grenze des hellen Armanteiles“
Lokalisation
1 Cun kaudal von Lu 3
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen an der Innenseite des Armes, Schmerzen im Thoraxbereich
Überregional: Dyspnoe, Husten
Lu 5
$Lu 5 §Chize&Chize, „Teich am Ellbogen“
Funktion
Sedativpunkt, Meer-He-Punkt
Lokalisation
In der Mitte der Ellbogenfalte, an der radialen Seite der Bizepssehne
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Epikondylitis, Kontrakturen und Schmerzen im Ellbogengelenk, Krampi, Spasmen und Sensibilitätsstörungen im Meridianverlauf; auch Interkostalneuralgien
Überregional: „Fülle“-Asthma, besonders nächtliche Beschwerden, Dyspnoe, spastische Emphysembronchitis, Beklemmungsgefühl, Gähnzwang
Allgemein: alle nächtlichen Beschwerden (Hilfspunkt bei Enuresis nocturna), Husten, Pruritus, entzündete Hautunreinheiten (Akne), da er als traditioneller Wasser-Punkt kühlend wirkt; Hauterkrankungen, besonders im Gesichtsbereich, aber auch Hidradenitis
Tradition
Dieser Meer-He-Punkt ist dem Wasser zugeordnet.
Anmerkung
Moxibustion nicht empfehlenswert
Lu 6
$Lu 6 §Kongzui&Kongzui, „Äußerste Höhlung“
Lokalisation
7 Cun oberhalb der Handgelenksfalte bzw. 5 Cun distal der Ellbogenfalte, auf einer gedachten Verbindungslinie von Lu 5 zu Lu 9
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Arm und Ellbogen mit Bewegungseinschränkung
Überregional: Laryngitis, Husten, Asthma bronchiale
Allgemein: schweißtreibend bei fieberhaften Erkrankungen (Xi-Spaltpunkt)
Lu 7
$Lu 7 §Lieque&Lieque, „Vorbei an den Engen, Engpass“
Funktion
Luo-Durchgangspunkt. Von ihm besteht über ein Sekundärgefäß Verbindung zum Yuan-Quellpunkt seines Yang-Partners, dem Punkt Di 4.
Kardinalpunkt (Schlüsselpunkt) zur „Einschaltung“ des Konzeptionsgefäßes Renmai
Lokalisation
2 Cun proximal der Handgelenksquerfalte, über der A. radialis, etwas proximal des Processus styloideus radii
Hilfsmethode: Beide Daumen kreuzen, Lu 7 ist der Punkt, an dem die Zeigefingerspitze der unten liegenden Hand auf der A. radialis zu liegen kommt.
Anmerkung
Aus Gründen der mangelhaften anatomischen Kenntnisse der „Barfußärzte“ und um Komplikationen zu vermeiden, wurde der Punkt in der modernen chinesischen Literatur an den Processus styloideus radii verlegt, 1,5 Cun oberhalb der Handgelenksfalte. Achtung: dafür Punktur sehr schräg in Richtung auf o. a. Lokalisation durchführen.
Punktur
2–5 Fen sehr schräg
Indikation
Lokoregional: Paraesthesiae antebrachii, Hitzegefühl in den Händen, rheumatoide Beschwerden im Schulter- und Armbereich
Überregional: Hauptpunkt für alles Geschehen im Thoraxbereich; einer der wichtigsten Fernpunkte bei der Asthmatherapie, bei Bronchitis, ständigem Hustenreiz, Keuchhusten; Migräne – bei streng einseitiger Lokalisation kontralateral stechen; Spasmen im Gesichtsbereich, Fazialisparese, Trigeminusneuralgie des 2. Astes; als Kardinalpunkt: gegen alle Schwächezustände, chronische Katarrhe, Impotenz, Frigidität, Ödemneigung, chronische Diarrhö, verzögerte Wundheilung
Lu 8
$Lu 8 §Jingqu&Jingqu, „Abfluss aus dem Gefäß, Meridian“
Lokalisation
Über der A. radialis, 1 Cun proximal von der Handgelenksquerfalte (3. chinesische Pulstaststelle)
Punktur
2 Fen senkrecht oder 5 Fen bis 1 Cun schräg (cave: Arterie!)
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Handwurzelbereich, „heiße“ Hände, Parästhesie der Finger
Überregional: Husten, Pharyngitis, Asthma, Schmerzen im Thorax
Tradition
Dieser Fluss-Jing-Punkt ist dem Metall zugeordnet.
Lu 9
$Lu 9 §Taiyuan&Taiyuan, „Tiefster Abgrund“
Funktion
Tonisierungspunkt
Yuan-Quellpunkt mit Verbindung über ein Sekundärgefäß zum Luo-Durchgangspunkt seines gekoppelten Yang-Partners, dem Punkt Di 6
Lokalisation
Radialisrinne, in Höhe der Handgelenksquerfalte (auch hier in der modernen chinesischen Literatur aus den für Lu 7 angeführten Gründen Lokalisation radial neben der A. radialis in einer Vertiefung)
Punktur
2 Fen senkrecht oder 5 Fen schräg (cave: Arterie!)
Indikation
Lokoregional: Hitzegefühl im Bereich der Handteller, Schmerzen an der Innenseite des Armes bis zur Skapularegion und zum Nackenbereich (beachte: den TMM-Verlauf des Lungen- und Dickdarm-Meridians!)
Überregional: Beklemmungsgefühl in der Brust, Dyspnoe, Husten mit reichlicher Sekretion, asthmoide Bronchitis, Hämoptysen bei Stauungsbronchitis; durch Verbindung mit dem Dickdarm-Meridian: Durstgefühl, trockene Kehle, Übelkeit, Erbrechen, Ösophagusspasmen, Stuhlinkontinenz; Migräne, Neuralgien im Schädelbereich; Psychasthenie, Erregungszustände mit Schlaflosigkeit
Allgemein: Spezialpunkt für Gefäßkrankheiten, Arrhyth-mien, Tachykardieneigung
Tradition
Dieser Bach-Shu-Punkt ist gleichzeitig Yuan-Quellpunkt und der Erde zugeordnet.
Lu 10
$Lu 10 §Yuji&Yuji, „Grenze des Fischbauches“ (wegen der Ähnlichkeit des Daumenballens mit einem Fischbauch)
Lokalisation
An der Palmarseite der Hand, distal des Metakarpophalangealgelenks des Daumens, dort, wo die Hautfarbe von rötlich in weißlich übergeht, in einer tastbaren Vertiefung, ca. 1 Cun distal vom Köpfchen des Metakarpale I
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Daumengrundgelenk, Kraftlosigkeit, zusammen mit Di 4; Schmerzen im Arm, Ellbogen- und Schultergelenk sowie im Nackenbereich, besonders rheumatischer Genese
Überregional: Atembeschwerden, schmerzhafter Husten, Pharyngotracheitis, asthmoide Bronchitis
Allgemein: sehr wirksam zur Fiebersenkung, dann meist zusammen mit Di 4, Di 11, LG 14; bei Angst vor Zugluft, ständigem Frösteln meist mit 3E 10; Beschwerden, die aus Alkoholismus resultieren: mit Le 3, Le 8, Le 14, KG 12, Gb 1, LG 20, Bl 18, Bl 20, Bl 23; schweißtreibende Wirkung mit Di 4, Di 10, He 5
Tradition
Dieser Quell-Ying-Punkt ist dem Feuer zugeordnet.
Lu 11
$Lu 11 §Shaoshang&Shaoshang, „Geringer Händler, Detailhändler“
Funktion
Meisterpunkt der Halskrankheiten
Ausgangspunkt für den TMM
Lokalisation
1 Fen proximal und lateral des äußeren Nagelfalzwinkels des Daumens
Punktur
1–2 Fen senkrecht oder Blutung hervorrufen (zur Sedierung)
Indikation
Lokoregional: Schreibkrampf, Arthralgien der Hand- und Fingergelenke
Überregional: alle Entzündungen und Schmerzen im Pharynx und Larynx (besonders bei Kindern ist oft schon die Massage wirksam); Angina, Tonsillarabszesse, Epistaxis, Sinusitis; Bronchitis, Keuchhusten; Bradykardie, Herzschmerzen, Roemheld-Syndrom; Ösophagusspasmen, chronischer Darmkatarrh; kongestiver Kopfschmerz, Konvulsionen, zerebrale Insulte
Tradition
Dieser Ursprung-Jing-Punkt (Ting-Punkt) ist dem Holz zugeordnet.

Der Funktionskreis Lunge aus traditioneller Sicht

Lunge:Funktionskreis Abb. 5.9
Die Funktionskreise Lunge und Dickdarm sind die funktionell-organischen Entsprechungen der Wandlungsphase Metall; ihre Funktionen und ihre fördernden und hemmenden Einflüsse sind durch die Rolle zu verstehen, die diese Phase im Ablauf aller 5 Wandlungsphasen Wuxing innehat.
Aufgaben
Meister der Energie Qi
Definition von Qi
Qi:DefinitionFunktionskreis Lunge:AufgabenQi ist die aktive individualspezifische Energie (Porkert, Hempen 1985). Qi enthält energetische Anteile (YangqiYangqi) und materielle Anteile (YinqiYinqi) und hat je nach Wandlungsphase seine spezifischen Funktionen.
Häufig wird Qi als Überbegriff gebraucht, als würde nur diese Energieart, die für die individualspezifische, aktive Energie steht, im Körper vorkommen. Es sind jedoch gleichartig wichtig:
  • EssenzEssenz (JingJing)

  • BlutBlut (XueXue)

MERKE

Qi ist die aktive Energie, der Funktionskreis Lunge ist die Grundlage des Qi.

Qi-Produktion
Qi-ProduktionDer Metabolismus ist ein sehr komplexes Ineinandergreifen von einzelnen Funktionen, deren Erforschung immer neue Erkenntnisse mit sich bringt.
Die Qi-Produktion kann man sich als eine Zusammenfassung, Synthese oder ein übergeordnetes Netz dieser vielen Einzelfunktionen denken. Sie erscheint der westlichen Denkweise zunächst fremd und schwer verständlich, nicht unserem gewohnten kausalanalytischen Denken entsprechend. Ihr Verständnis ist jedoch grundlegend für die chinesische Medizin.
In vereinfachter Darstellung:
  • Die „Mitte“ (Funktionskreise Milz und Magen) gewinnt in einem aktiven Vorgang aus der Nahrung mithilfe des Dreifachen Erwärmers frisches Nahrungs-Qi (Guqi).

  • Das Milz-Qi lässt diese Energien in den Funktionskreis Lunge aufsteigen, wo sie sich mit dem klaren Qi (Qinggi, Luft) vermischen und das essenzielle Qi (Zongqi) bilden.

  • Im „Oberen Meer des Qi“ (KG 17) wird dieses essenzielle Qi gesammelt.

  • Ein Teil der Ursprungsenergie (Yuanqi), der im Oberen Erwärmer im Thorax residiert, gibt nach der Geburt den Anstoß zur ersten Atmung und ermöglicht sofort die Qi-Produktion.

  • Das essenzielle Qi (Zongqi) ist eine Grundenergie. Es steht im Funktionskreis Lunge kurzfristig auf Abruf bereit. Es wird über das Meridiansystem in die Organe und Hohlorgane geleitet. Die Organe und Hohlorgane bilden aus diesem essenziellen Qi das Nähr-Qi (Yingqi).

  • Die mithilfe des Dreifachen Erwärmers aufsteigenden klaren Säfte bilden mit dem essenziellen Qi zusammen im Funktionskreis Lunge das Abwehr-Qi (Weiqi).

  • Der Funktionskreis Lunge wird als Sitz der erworbenen Konstitution bezeichnet. Ihre Stärke beruht auf der Wurzel der erworbenen Konstitution (Funktionskreis Milz) und der angeborenen Konstitution (Funktionskreis Niere).

Steuerung der Oberflächenfunktionen
Der Funktionskreis Funktionskreis Lunge:Steuerung der OberflächenfunktionenLunge gibt das Abwehr-Qi rhythmisch an das Gewebe ab. Das Abwehr-Abwehr-QiQi (WeiqiWeiqi) fließt außerhalb der Hauptmeridiane in den tendinomuskulären Meridianen und vor allem an der Oberfläche. Durch das Abwehr-Qi steuert der Funktionskreis Lunge die Oberflächenfunktionen (Porenöffnung, Schweiß, Temperatur, Schutz gegen exogene Einwirkungen, Turgor). Dieser Oberflächenschutz betrifft auch die Schleimhäute, vor allem die Luftwege und die Konjunktiven.
Auch die Taiyang-Schicht (Dünndarm-Blase) ist oberflächenbestimmend. Man kann dies über die Tatsache verstehen, dass diese Funktionskreise durch die Bereitstellung von Flüssigkeiten bei der Bildung des Abwehr-Qi (Weiqi) mithelfen.
Rhythmussteuerung
Der Funktionskreis Funktionskreis Lunge:RhythmussteuerungLunge ist der „Minister, von dem die rhythmische Ordnung ausgeht“. Das Qi der Lunge ist der „Quarz“, der die Rhythmen induziert und steuert, nicht nur Atmung und Kreislauf, sondern alle energetischen Abläufe, die zirkadianen Rhythmen, die Hormonproduktion und -abgabe usw. Diese Rhythmen garantieren die Stabilität der Funktionen, wie auch die Quarzfrequenz die Genauigkeit der Uhr garantiert. Vermutlich sind auch die Zellfrequenzen und die von Nogier und Bahr (Bahr 2005) gefundenen Frequenzen von der Rhythmik des Funktionskreises Lunge abhängig.
Obere Quelle des Wassers
„Der Funktionskreis Lunge ist zuständig für die Entfaltung und Klärung; er hält die ‚Wasserwege‘ durchlässig, reguliert sie und ist an der Umsetzung von Wasser und Säften beteiligt“ (Zhou Liang 1992).
Der Funktionskreis Lunge erhält vom Funktionskreis Milz die aktiven (klaren) Säfte, braucht sie z. T. zur Bildung der verschiedenen Qi-Arten, z. T. schickt er sie an die Oberfläche, wo sie als Schweiß austreten können, z. T. gelangen sie ins Gewebe (Turgor, tieferes Bindegewebe, interstitielle Flüssigkeit, Flüssigkeit in der Muskulatur). Ödeme sind mit abhängig von den Funktionskreisen Lunge und Milz und müssen über diese behandelt werden.
Die Mithilfe der Lunge bei der Flüssigkeitsregulation kann über die Kybernetik von Flüssigkeit – Alveolardruck – Filtrationsdruck in etwa verstanden werden. Es sei auch an die „innere Atmung“ erinnert, bei der durch die Oxidation Glukose in Kohlendioxid und Wasser unter Energiefreigabe aufgespalten wird.
Kühlen und Absenken
Der Funktionskreis Funktionskreis Lunge:Kühlen und AbsenkenLunge entspricht dem Herbst, also der potenziellen Struktivität, der Materialisierung, dem Kühlen von thermischen Vorgängen, dem Absenken von Dynamik, dem Bereitstellen von Flüssigkeit für die folgende Wandlungsphase Wasser.
Kühlen: Beim Ausatmen wird warme Luft nach außen gebracht (Funktion der Oberfläche).
Absenken: Der Funktionskreis Lunge ist die Mutter des Funktionskreises Niere. Über die „Adern“ (Mai), wobei darunter in der chinesischen Medizin sowohl Blut führende als auch Energie führende Gefäße gemeint werden, wird die obere Flüssigkeit vom Funktionskreis Lunge zum Funktionskreis Niere gebracht, dabei ist die Eintrittspforte zum Funktionskreis Niere der Punkt LG 4. Die Energetik beider Funktionskreise muss gut sein, und zwar das Qi der Lunge zum Absenken, das Qi der Niere zum Aufnehmen.
Der Funktionskreis Niere erneuert über dieses abgesenkte Qi und diese Flüssigkeit die verschiedenen Aspekte der Essenz (Jing), z. B. Nierenessenz (Jing) und Ursprungsenergie (Yuanqi), und stellt sie über den Punkt LG 4 dem Körper – und später über die Yuan-Quellpunkte den Funktionskreisen – zur Verfügung.
Funktionelle und körperliche Darstellung
Der Funktionskreis Lunge beherrscht die Haut und deren Funktionen. Zu verweisen ist dabei auf die klinischen Zusammenhänge zwischen Asthma und Ekzem wie auch auf die Atemfunktion der Haut, auf die Thermoregulation (Kühlung durch Wasserabgabe), auf den Kontakt mit dem Äußeren über die Hautrezeptoren und die Abwehr von äußeren Einflüssen.
Beim Raucher werden Haut und Subkutis geschwächt und runzelig, weil das Qi der Lunge die Haut nicht mehr ernährt.
Äußere Entfaltung
Körperhaar: Seine Beschaffenheit (wachsend, schütter, ausfallend, trocken, fettig, glänzend, kräftig, Farbe) gibt einen Hinweis auf das Lungen-Qi.
Körperöffnung und Sinnesorgan
Nase und Geruchssinn
Klimatische Faktoren
Die klimatische Entsprechung des Funktionskreises Funktionskreis Lunge:klimatische FaktorenLunge ist die Trockenheit. Die Lunge muss trocken sein, damit sie gut funktioniert. Sie will diese Trockenheit bewahren, z. B. durch das Aufrechterhalten des Filtrationsdrucks, das heißt der Druckdifferenz zwischen Pulmonalkapillardruck und alveolärem Druck.
Das Funktionsgefüge des Funktionskreises Lunge ist jedoch sehr fragil, seine Abwehrstellung sehr exponiert, sodass er von allen klimatischen Angriffen befallen werden kann:
  • Funktionskreis Lunge:KälteKälte: blockiert den Fluss des Funktionskreises Lunge

  • Funktionskreis Lunge:WindWind: öffnet die Oberfläche und damit den Eintrittsweg für andere Angriffe

  • Funktionskreis Lunge:TrockenheitTrockenheit: vermindert das Säftepotenzial und führt somit zu einer Schmälerung des Yinqi der Lunge

  • Funktionskreis Lunge:HitzeHitze: ähnliche Wirkung wie Trockenheit

Schleim
Funktionskreis Lunge:SchleimSchleim entsteht, wenn Feuchtigkeit, Wasser oder Säfte nicht transformiert werden können. Kinder leiden häufig unter viel Schleim, da wegen einer Schwäche des Funktionskreises Milz die Feuchtigkeit nicht umgewandelt wird. Stagnierte Feuchtigkeit führt zu Schleim in den Atemwegen bzw. zu Dermatosen oder wird als Diarrhö ausgeschieden. Bei Erwachsenen wird durch pathogene Faktoren (Wind-Kälte, z. B. bei der „Influenza“) die Wandlung der Flüssigkeiten gehemmt. Diese werden zuerst als „Nasenlaufen“ abgesondert, wandeln sich später aber zu Schleim.
Geschmack
Zum Metall gehört der scharfe Funktionskreis Lunge:GeschmackGeschmack. Das Scharfe ist Yang, es bewegt die Flüssigkeiten und bringt sie nach außen. Beim Zwiebelschälen beginnen die Augen zu tränen und die Nase zu laufen.
Im Süden wird scharf gegessen, um über die Verdunstung eine Kühlung zu erreichen, z. B. besitzt Pfefferminztee diese Wirkung.
Beim Essen sollen alle 5 Geschmacksrichtungen (scharf, süß, bitter, salzig, sauer) eingenommen werden, um eine harmonische energetische Bewegung zu erreichen.
Psychogramm
Funktionskreis Lunge:PsychogrammEine Person mit einem guten Lungen-Qi kann im Somatischen und Psychischen ihre rhythmische Ordnung aufrechterhalten und wirkt sympathisch. Die gesunde Energetik des Funktionskreises Lunge verursacht im Psychischen Ausgeglichenheit, Freude und Wohlbefinden. Sie besitzt eine eigendynamische und individualtypische Rhythmik in harmonischen Schwingungen unter Einbeziehung der Umgebung.
Endogene Schwäche des Lungen-Qi führt zu verminderter Rhythmik, zu kummer- und sorgenvollen Reaktionen auf bedrückende Ereignisse und zu ängstlich-depressiven Zuständen, weil die Eigendynamik verloren geht. Daher lässt sich ein solcher Patient zu sehr durch die Umgebung beeinflussen. Schlussendlich kommt es zu einer Abkapselung, zur Resignation, zur Melancholie, zur Aufgabe des Kontaktes mit der Umwelt, zu einer psychischen Verhärtung.
Dagegen führt ein zu starkes Lungen-Qi, also eine zu starke Eigenschwingung, dazu, den eigenen Rhythmus aufzuzwingen, und damit zu Egoismus oder Despotie.
Konstitutionstyp: ausgeglichene, kontaktfreudige, teamfähige Persönlichkeit; schöne Haut, angenehme Stimme, große Ausstrahlung.

Dickdarm-Meridian (Dachangjing)

Dickdarm-Meridian

Dickdarm-MeridianDachang-jing Abb. 5.12
Charakteristik
  • Bezeichnungen: ShouyangmingShouyangming, Hand-Hand-YangmingYangming, Glänzendes, helles Yang der Hand, The arm sunlight Yang Meridian

  • Abkürzungen: Di (Dickdarm), GI (gros intestin), LI (large intestine)

  • Meridian eines Hohlorgans (Werkstättenorgans, Fu), daher Yang, nach internationaler Nomenklatur: der II. Meridian im Energiekreislauf

  • Energieverlauf zentripetal, er erhält seine Energie vom Lungen-Meridian und gibt sie an den Magen-Meridian weiter.

  • Chronobiologie: Optimalzeit zur Tonisierung 5–7 Uhr

  • Shu-Zustimmungspunkt: Bl 25, 1,5 Cun seitlich der Spitze des 4. Lendenwirbeldornfortsatzes (LWD)

  • Mu-Alarmpunkt: Ma 25, 2 Cun seitlich vom Nabel, in einer Höhe mit KG 8 und Ni 16

  • Sein äußerer Verlauf ist durch 20 Punkte gekennzeichnet.

Verlauf
Dickdarm-Meridian:VerlaufDer Meridian beginnt am äußeren, daumenseitigen Nagelfalzwinkel des Zeigefingers, zieht radial entlang dem Metakarpale II zum Winkel, den dieses mit dem Metakarpale I bildet (Di 4). Sodann verläuft er über die Tabatière und die Außenseite des Unterarmes aufwärts bis zum lateralen Ende der Ellbogenfurche (Di 11). Von hier über die Außenseite des Oberarmes auf das Schultergelenk (Di 15, Di 16) und nun über die vordere Halspartie zum Unterkiefer. In seinem Verlauf umfließt er den Mund und kreuzt nach neuerer Ansicht beim Punkt LG 26 an der Nasolabialrinne auf die Gegenseite, um mit seinem 20. Punkt in einem Grübchen an der Nasolabialfalte zu enden. Außerhalb des Meridianverlaufs ist noch der Punkt Ma 37 (in der Nähe des Appendixpunktes gelegen) erwähnenswert, über den eine direkte Beeinflussung des Dickdarmes möglich ist (die sogenannte He-Funktion; siehe auch die Beschreibung des Magen-Meridians).
Innerer Verlauf
Dickdarm-Meridian:innerer VerlaufVom Punkt Di 16 ausgehend, kreuzt der innere Verlauf in Höhe des Punktes Dü 12 den Dünndarm-Meridian, zieht zur Wirbelsäule zum Punkt LG 14 am 7. Dornfortsatz der Halswirbelsäule (HWS), läuft nach vorn zur Fossa supraclavicularis und dringt dort in die Tiefe, passiert die Lunge, das Zwerchfell und mündet im Dickdarm. Von dort geht ein innerer Ast zum Magen-Meridian, den er beim Punkt Ma 37 (He-Funktions-Punkt für den Dickdarm) trifft.
Innere Meridianverlaufsrichtung: von außen nach innen

BESONDERE PUNKTE

Dickdarm-Meridian (Dachangjing)

Dickdarm-Meridian:besondere PunkteTonisierungspunkt Di 11
Sedativpunkt Di 2
Yuan-Quellpunkt Di 4
Luo-Durchgangspunkt Di 6 zu Lu 9
Shu-Zustimmungspunkt Bl 25
Mu-Alarmpunkt Ma 25
Punkt mit He-Funktion (direkte Einwirkung auf das Hohlorgan Dickdarm) Ma 37

Tendinomuskulärer Dickdarm-Meridian

Dickdarm-Meridian:tendinomuskulärer Abb. 5.13, Abb. 5.14
Der Verlauf des TMM beginnt mit dem Punkt Di 1 am Zeigefinger und führt in einem breiteren und oberflächlicheren Verlauf als der Hauptmeridian über Ellbogen und Schulter zur Nasolabialfalte. In einem zweiten Verlauf steigt der TMM vom Kieferwinkel nach oben über den vorderen Schädelanteil zu seinem TMM-Anteil der Gegenseite. Von der Schulter führt ein weiterer breiter Verlauf zur Skapula.

Verlauf am Ohr

Dickdarm-Meridian:Verlauf am Ohr Abb. 5.15
Der Verlauf des Dickdarm-Meridians am Ohr erinnert an ein auf dem Kopf stehendes „V“. Der Meridian beginnt am Punkt Di 1, dem Meisterpunkt für Zahnschmerzen, dieser entspricht am Ohr dem Zahnbereich, führt dann weiter über die höchste Stelle des Antitragus in die Tiefe zum Punkt Di 4 am Winkel zwischen Antitragus und Cavum conchae. Dieser Punkt Di 4 ist der wichtigste Analgesiepunkt der klassischen chinesischen Akupunktur und entspricht auf der Ohrmuschel dem Thalamuspunkt, der auch in der Ohrakupunktur der wichtigste Anti-Schmerzpunkt ist. Der Meridian läuft weiter über das Lungenareal im Cavum conchae (Di 6, der Luo-Durchgangspunkt, verbindet zur Lunge) zum Punkt Di 11, dem Tonisierungspunkt des Meridians, der sich am Ohr als Projektion des motorischen Dickdarmareals, also auf der Ohrrückseite, befindet. Von der Ohrrückseite kommend, erscheint der Meridian im Punkt Di 15 wieder auf der Vorderseite des Ohrs im Bereich der aufsteigenden Helix. Dieses Areal ist als zonendominanter Punkt ZC-1 bekannt. Schließlich zieht der Meridian zum vorderen, unteren Bereich des Ohrläppchens und erreicht den Punkt Di 20, den Punkt für die Nase und Nasennebenhöhle.

Die Punkte im Einzelnen

Di 1
$Di 1 §Shangyang&Shangyang,Yang der Wandlungsphase Metall“
Funktion
Anfangspunkt des TMM des Dickdarms
Lokalisation
1 Fen proximal und lateral vom äußeren (daumenseitigen) Nagelfalzwinkel des Zeigefingers
Punktur
1–3 Fen senkrecht oder schräg, zur Sedierung evtl. Blutung hervorrufen
Indikation
Lokoregional: Parästhesien der Finger
Überregional: Schulter-Arm-Syndrom, Gesichtsneuralgie, Laryngitis, Pharyngitis, Heiserkeit, Hypakusis, Tinnitus; Zahnschmerzen, Gingivitis, Stomatitis; asthmoide Bronchitis, febrile Bronchitis; Akne des Gesichtes mit Lu 5
Allgemein: Meisterpunkt gegen Zahnschmerzen; wird in der Zahnanalgesie mit Di 4 verwendet; schon durch Druck auf Di 1 lassen Zahnschmerzen nach.
Tradition
Dieser Ursprung-Jing-Punkt (Ting-Punkt) ist dem Metall zugeordnet.
Di 2
$Di 2 §Erjian&Erjian, „Zweiter Intervall“
Funktion
Sedativpunkt des Meridians
Stoffwechselpunkt
Lokalisation
In einem Grübchen, radial und distal des Metakarpophalangealgelenks des Zeigefingers (Daumen in die geschlossene Faust versenken, am Ende der Falte, die knapp vor dem Grundgelenk entsteht)
Punktur
2–5 Fen senkrecht
Indikation
Der Punkt wird fast immer mit Di 3 zusammen verwendet und hat dieselben Indikationen.
Tradition
Dieser Quell-Ying-Punkt ist dem Wasser zugeordnet.
Di 3
$Di 3 §Sanjian&Sanjian, „Dritter Intervall“
Funktion
Stoffwechselpunkt
Lokalisation
In einem Grübchen, das proximal vom Kapitulum des Metakarpale II tastbar ist und beim Faustschluss deutlich wird.
Punktur
3 Fen senkrecht bis 1 Cun schräg nach ulnar
Indikation
Lokoregional: Spasmen und Algien der Unterarme und Hände
Überregional: Schulter-Arm-Syndrom, Fazialisparese, Trigeminusneuralgie, Konjunktivitis, Blepharitis, Angina, Laryngopharyngitis, Epistaxis, Stomatitis, Glossitis, Parodontitis, Ostitis nach Zahnextraktionen (nach Petricek [1977] wirkt der Punkt Di 3 auf die tiefer liegenden Schichten im Ober- und Unterkiefer), Enterokolitis, Völlegefühl, Ösophagusspasmen, alle Hauterkrankungen, besonders Akne
Allgemein: Wirkung auf Haut und Schleimhäute, Diurese fördernd, fiebersenkend mit Di 11, LG 14
Tradition
Dieser Bach-Shu-Punkt ist dem Holz zugeordnet.
Di 4
$Di 4 §Hegu&Hegu, „Talsohle“
Im chinesischen Volksmund wird Di 4 „Rachen des Tigers“ genannt.
Funktion
Yuan-Quellpunkt, steht in Verbindung mit dem Luo-Durchgangspunkt seines gekoppelten Yin-Partners Lunge, dem Punkt Lu 7.
Stoffwechselpunkt
Lokalisation
Etwas distal vom Winkel, den Metakarpale I und II bilden, näher zu Metakarpale II (gut zu tasten, da der Punkt drucksensibel ist; am besten, wenn der Daumen wie ein „L“ stark abgespreizt wird)
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Gelenkschmerzen und Neuralgien im Meridianverlauf Arme–Schulter, Dupuytren-Kontraktur
Überregional: Schnupfen (kann im Anfangsstadium mit Di 4 kuriert werden), akute und chronische Pharyngitis, Laryngitis, Tonsillitis, Tinnitus, Hypakusis, rezidivierende Epistaxis; Migräne, Fazialisparese, Trigeminusneuralgie, Hemiplegie (dabei werden zusätzlich Di 11, Bl 2, 3E 23 oder 3E 21 sowie Taiyang, Gb 20 und eventuell MP 2 empfohlen), Sehstörungen, Konjunktivitis; bei bestimmten Asthmaformen (Asthma der Fülle); atonische Obstipation, aber auch Kolitis mit Diarrhö; alle Hauterkrankungen mit Juckreiz, Akne des Gesichtes, übermäßige Schweißsekretion; Amenorrhö, Hypomenorrhö, verzögerter Geburtenverlauf (mit Bl 67); Erschöpfung durch Überanstrengung, Krankheit oder psychisches Trauma, Neurasthenie
Allgemein: Einer der wichtigsten therapeutischen Punkte, besonders in Kombination mit entsprechenden Punkten anderer Meridiane, die mit dem Dickdarm-Meridian energetische Verbindungen haben. So können die folgenden Punkte fast bei allen Erkrankungen zur Erzielung einer stärkenden belebenden Wirkung verwendet werden:
  • Di 4, Di 11, Ma 36

  • Di 4, Lu 7, Ma 36

  • Di 4, Di 11, LG 14

Außerdem Hauptanalgesiepunkt für den Unterkiefer mit Ma 6, Ma 5 sowie KG 24; für den Oberkiefer mit Dü 18, Ma 7, Ma 4, Ma 5;
Zahnschmerzen allgemein mit Ma 44;
Abszesse, Trismus;
Meisterpunkt gegen Schmerzen, Thalamuspunkt
Di 5
$Di 5 §Yangxi&Yangxi, „Kleines Tal des Yang
Lokalisation
Distal von der radialen Seite der Handrückenquerfalte in einer Mulde, die von den Sehnen der Mm. extensor pollicis brevis und extensor carpi radialis longus begrenzt wird, auch Tabatière genannt.
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Handgelenksschmerzen, Muskelkontrakturen, Schwellungen und Schmerzen nach Unterarmgips etc.
Überregional: Tinnitus, Hypakusis, Angina, Konjunktivitis, Lidrandentzündungen mit Juckreiz; Zahnschmerzen, dyspeptische Beschwerden, besonders bei Kleinkindern; Pruritus, Urtikaria
Tradition
Dieser Fluss-Jing-Punkt ist dem Feuer zugeordnet.
Di 6
$Di 6 §Pianli&Pianli, „Seitliche Bahn“
Funktion
Luo-Durchgangspunkt mit Verbindung zum Yuan-Quellpunkt des gekoppelten Yin-Partners, dem Punkt Lu 9
Lokalisation
An der Außenseite des Unterarmes, 3 Cun über der Handgelenksfalte, distal vom Radiusköpfchen. (Beim Kreuzen der Daumen zeigt die Spitze des gestreckten Zeigefingers der obenauf liegenden Hand, an der Außenseite des Radius angelegt, auf den Punkt Di 6.)
Punktur
3–5 Fen senkrecht oder schräg
Indikation
Lokoregional: Neuralgien und Muskelkontrakturen des Unterarmes, stärkt die Kraft des Daumens und Zeigefingers
Überregional: Fazialisparese, Zahnschmerzen, Tonsillitis, Tinnitus, Epistaxis; Sehstörungen; spastische Kolitis und Obstipation
Allgemein: Unruhe, unaufhörliche Logorrhö (mit KG 15, LG 19)
Di 7
$Di 7 §Wenliu&Wenliu, „Wärme des Nervenknotens, warmer Strom“
Lokalisation
Auf einer Verbindungslinie zwischen Di 5 und Di 11, 5 Cun proximal der dorsalen Handgelenksfalte. (Kräftige Faust machen lassen, es formt sich ein Muskelwulst, den die Chinesen „Kopf einer Schlange“ nennen; Di 7 liegt an der Spitze dieser durch den M. extensor digitorum communis gebildeten Muskelmasse.)
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Arm- und Schulterschmerzen
Überregional: Angina, Stomatitis, Glossitis, Parotitis; Bauchschmerzen mit Flatulenz und Meteorismus
Di 8
$Di 8 §Xialian&Xialian, „Untere Armregion“
Lokalisation
4 Cun distal von Di 11 (äußeres Ende der dorsalen Ellbogengelenksquerfalte, bei angewinkeltem Arm)
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Arm- und Ellbogenschmerzen
Überregional: Geisteskrankheiten, Hemiplegie, Diarrhö mit Schmerzen im Mittel- und Unterbauch, Mastitis
Allgemein: Hilfspunkt bei rheumatischen Erkrankungen
Di 9
$Di 9 §Shanglian&Shanglian, „Obere Armregion“
Lokalisation
3 Cun distal von Di 11, am äußeren Rand des Muskelwulstes des M. extensor digitorum communis
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Arm- und Schulterschmerzen, auch Paresen, Parästhesien, Sensibilitätsstörungen
Überregional: Kopfschmerz, Zustände nach zerebralen Insulten, Hemiplegie; Darmspasmen, Hernienbeschwerden
Di 10
$Di 10 §Shousanli&Shousanli, „Drei Abstände, Entfernungen“
Lokalisation
Auf der lateralen Seite des Unterarmes, 2 Cun distal von Di 11, also vom radialen Ende der Ellbogenquerfalte entfernt (zur besseren Lokalisation den Arm auf die kontralaterale Schulter legen lassen)
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Armneuralgien, Epikondylitis, Arm- und Schulterschmerzen, Paresen der oberen Extremitäten
Überregional: Kolitis, Diarrhö, Koliken; Migräne, Kopfschmerzen, zentrale Fazialisparese, Trigeminusneuralgie; Laryngitis, Angina, Parotitis, Lymphknotenschwellung; Alveolarpyorrhö, Zahnfleischbluten, Schwellungen im Kinn- und Wangenbereich
Allgemein: Testpunkt für spastische Paresen, gilt im Judo als „Todespunkt“
Anmerkung
Di 10: sanli des Armes; Ma 36: sanli des Beines
Di 11
$Di 11 §Quchi&Quchi, „Bogen, Krümmung des Teiches, Teichbucht“
Funktion
Tonisierungspunkt
Meer-He-Punkt
Lokalisation
Bei rechtwinklig gebeugtem Arm, am äußersten lateralen Ende der Ellbogenquerfalte
Punktur
5 Fen bis 2 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: „Tennisellbogen“, Gelenkschmerzen, Paresen und Parästhesien der oberen Extremitäten
Überregional: Schulter- und Rückenschmerzen, Angina, Pharyngitis, Laryngitis, Tubenkatarrh, Zahnschmerzen; Hemiparesen nach zerebralen Insulten, Konvulsionen, Kopfschmerzen, Kummer, traurige Verstimmung; Magen- und Ösophagusspasmen, atonische Obstipation; Harninkontinenz mit Sphinkterparese; Pruritus mit dem Gefühl, als ob 1.000 Insektenstiche vorhanden wären, Furunkulose, Ekzeme, Abszesse
Allgemein: fiebersenkend, Zusatzpunkt bei Hypertonikern
Tradition
Dieser Meer-He-Punkt ist der Erde zugeordnet.
Di 12
$Di 12 §Zhouliao&Zhouliao, „Grube des Ellbogens“
Lokalisation
2 Cun proximal des Epicondylus lateralis, an der lateralen Seite des unteren Humerusendes, 1 Cun schräg kraniodorsal von Di 11, am Rande des M. brachioradialis
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Brachialisneuralgien sowie Schmerzen, die besonders das Heben des Armes nach der Seite erschweren; Rheuma und dessen Folgen im Ellbogengelenk
Di 13
$Di 13 §Shouwuli&Shouwuli, „5 Distanzen, Entfernungen“
Lokalisation
3 Cun oberhalb von Di 11 (posteriore Oberarmaußenseite)
Punktur
5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Ellbogen- und Armschmerzen vorwiegend rheumatischer Natur, Lymphadenitis der Halsgegend
Überregional: Husten, bronchopneumonische Herde, peritonitische Reizzustände, Erbrechen
Di 14
$Di 14 §Binao&Binao, „Fleisch, Muskel des Armes“
Funktion
Reunionspunkt des Yangming des Fußes und der Hand (Magen- und Dickdarm-Meridian) sowie des Haltegefäßes des Yang (Yangweimai)
Lokalisation
An der Außenseite des Oberarmes, etwas distal vom Ansatz des M. deltoideus
Punktur
3 Fen senkrecht bis 1 Cun schräg aufwärts
Indikation
Lokoregional: Schulter-Arm-Syndrom, besonders wenn der Arm nicht seitlich gehoben werden kann
Überregional: Augenleiden, Sehstörungen, Hemiparesen nach zerebralen Insulten
Di 15
$Di 15 §Jianyu&Jianyu, „Schulterknochen“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Aufsteigenden Yang-Gefäß (Yangqiaomai)
Meisterpunkt für alle Paresen der oberen Extremitäten
Lokalisation
An der Schultervorderseite, vor und lateral vom Akromioklavikulargelenk, in dem ventralen der beiden Grübchen, die dort beim Heben des Armes entstehen
Punktur
3 Fen senkrecht oder bis 1 Cun schräg
Indikation
Lokoregional: Schulter-Arm-Syndrom, Omarthritis, Bursitis calcarea (Schulterschmerz der über 50-Jährigen), besonders wenn der Arm nicht gehoben werden kann und die Bewegung Verschlimmerung des Schmerzes auslöst.
Überregional: zerebrale Insulte, Hemiplegie, Paresen der oberen Extremitäten, Muskelspasmen und Kontrakturen, auch im Nackenbereich; generalisierte Exantheme, Dermatosen
Anmerkung
Di 15 gilt als wichtigster Schulterpunkt. Er wird häufig zusammen mit Di 14, Dü 9 und dem zu diesem spiegelbildlich gelegenen Neu-Punkt 74 (He 1–02) verwendet.
Di 16
$Di 16 §Jugu&Jugu, „Langer Knochen, Klavikula“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Aufsteigenden Yang-Gefäß (Yangqiaomai) (von Di 16 fließt die Energie des Meridians zu LG 14 [unter C 7], um dann wieder zu Ma 12 zu gelangen und erst dann zu Di 17)
Lokalisation
In der Vertiefung zwischen dem akromialen Ende der Klavikula und dem obersten Anteil der Spina scapulae
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schulter- und Armschmerzen mit Kontrakturen
Überregional: Zahnschmerzen im Oberkiefer, Hämoptysen durch Stauung oder posttraumatisch; Konvulsionen der Kleinkinder
Di 17
$Di 17 §Tianding&Tianding, „Himmlisches Gefäß“
Lokalisation
Am Hinterrand des M. sternocleidomastoideus, 3 Cun lateral der Medianlinie in Höhe der Unterkante des Adamsapfels
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Anginen, Laryngitis, Aphonie, Oropharynxschmerzen, inspiratorischer Stridor, Schluckbeschwerden
Anmerkung
Von Di 17 zweigt ein Sekundärgefäß zur Zunge ab. Regionales Lymphsystem!
Di 18
$Di 18 §Futu&Futu, „An der Seite der Vorwölbung“
Lokalisation
3 Cun seitlich des Kehlkopfes, auf einer Horizontalen, durch den oberen Rand des Schildknorpels, lateral von Ma 9
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Pharyngitis („wie das Krächzen eines Hahns“), Tracheobronchitis
Anmerkung
Von Di 18 zweigt ebenfalls ein Sekundärgefäß zur Zunge ab.
Di 19
$Di 19 §Kouheliao&Kouheliao, „Grube der Körnchen, des Reises“
Lokalisation
5 Fen horizontal seitlich des Anfangs der Nasolabialrinne (5 Fen seitlich von LG 26); unter dem lateralen Rand des Nasenflügels
Punktur
2–5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Anosmie, Heuschnupfen, akuter und chronischer Schnupfen, Sinusitis, Nasenpolypen, erschwerte Nasenatmung, rezidivierende Epistaxis; Fazialisparese, Trigeminusneuralgie; Trismus der Kaumuskulatur
Allgemein: mit Di 20 Hauptpunkt für die Behandlung aller Nasenerkrankungen
Di 20
$Di 20 §Yingxiang&Yingxiang, „Empfang der Gerüche, Düfte“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Magen-Meridian
Hauptpunkt zur Behandlung der Nase (wie Di 19)
Lokalisation
Der Punkt liegt in einer Vertiefung seitlich neben dem unteren Rand des Nasenflügels.
Um diesen Punkt zu erreichen, kreuzt der Meridian nach neuer Literatur am Punkt LG 26 die Seiten.
Punktur
2–5 Fen schräg nach medial
Indikation
Lokoregional: alle Nasenaffektionen, allergische Rhinitis, Anosmie, erschwerte Nasenatmung, Sinusitis maxillaris, Epistaxis; Sensibilitätsstörungen im Gesichtsbereich, zentrale und periphere Fazialisparese, Trigeminusneuralgie des 2. Astes; Affektionen des Tränenkanals; zur Analgesie für die oberen Frontzähne und deren Gingiva, zusammen mit Di 4, Ma 6 sowie eventuell KG 24
Überregional: asthmoide Bronchitis im Zusammenhang mit einer allergischen Rhinitis; juckende Hauterkrankungen im Gesicht, allergisches Gesichtsödem; Hilfspunkt zur Nikotinentwöhnung mit Di 4, Lu 7, KG 15, LG 19, He 3 (vorzuziehen ist hierfür allerdings die Ohrakupunktur)
Anmerkung
Von Di 20 führt ein Verbindungsgefäß zum inneren Augenwinkel, wo es Verbindung mit Bl 1 aufnimmt und dann zum Punkt Ma 1 Chengqi weiterzieht und somit die energetische Verbindung des Yangming der Hand (Dickdarm-Meridian) mit dem Yangming des Fußes (Magen-Meridian) herstellt.

Der Funktionskreis Dickdarm aus traditioneller Sicht

Funktionskreis Dickdarm:traditionelle Sicht Abb. 5.24
„Der Dickdarm ist der Amtssitz der Beamten, die den richtigen Weg lehren; Umwandlung und Verwandlung entspringen ihm.“ (Homann 1971).
Aufgaben
Klärung: Assimilation
Die energetische Schicht Yangming (Magen-Dickdarm) verdaut, verwandelt, leitet weiter, senkt ab, scheidet aus.
Auch im Funktionskreis Dickdarm:AufgabenDickdarm findet noch – obwohl er nicht mehr zur unmittelbaren Mitte gehört – eine Klärung statt: Noch einmal werden „klare Säfte“ resorbiert, z. T. noch Wasser, vorwiegend jedoch die körpereigene Flüssigkeit der oben ausgeschiedenen Verdauungssäfte.
Die „trüben Substanzen“ verbleiben im Dickdarm, wo sie durch Darmbakterien weiter abgebaut werden. Aus den Kohlenhydraten entstehen durch Gärung Milchsäure, Essigsäure, Alkohol usw.; aus den Eiweißen durch Fäulnis z. T. giftige Stoffe wie Histamin, die durch den Dickdarm aufgenommen und in der Leber entgiftet werden.
Das K-Vitamin und die B-Vitamine, oder Vorstufen davon, sollen durch die Kolibakterien gebildet werden.
Klärung: Ausscheidung
Der Funktionskreis Funktionskreis Dickdarm:KlärungFunktionskreis Dickdarm:AusscheidungDickdarm scheidet den Stuhl durch die Peristaltik aus; Störungen der Peristaltik sind häufig. Aktiv scheidet der Dickdarm Kalzium, Magnesium, Schwermetalle (Quecksilber!) und Phosphor aus.
Absenkung
Obstipation ist ein sicheres Zeichen, dass sich das Qi nicht absenken kann und dieses Qi im Mittleren und Oberen Erwärmer blockiert. Neben der Obstipation bestehen deshalb auch andere Symptome wie Aufstoßen, Meteorismus, Druck im Oberbauch oder Thorax, Schlaflosigkeit usw.
Obstipation kann primär auch andere Gründe haben, z. B. Hitze im Funktionskreis Funktionskreis Dickdarm:AbsenkungDickdarm, auch bei Tonsillitis. Durch die Hitze wird der Stuhl trocken. Das absenkende Qi kann die Fäzes nicht mehr bewegen, außerdem wird durch die erkrankten Tonsillen das Qi teilweise oben gebunden. Kann bei einer Tonsillitis oder einem anderen fieberhaften Zustand durch einen Einlauf eine Defäkation erreicht werden, sinkt oft das Fieber: Da nun Hindernis und Trockenheit fehlen, kann das Qi generell wieder absinken.
Diarrhö ist ein Zeichen, dass die Flüssigkeiten nicht emporsteigen, häufig wegen einer Schwäche des Funktionskreises Milz.
Flüssigkeitsregulation
Der Funktionskreis Funktionskreis Dickdarm:FlüssigkeitsregulationDickdarm hilft durch die Resorption bei der Regulation der Flüssigkeit.
Mithilfe zur Abwehr-Qi-Produktion
Funktionskreis Dickdarm:Abwehr-Qi-ProduktionDie resorbierte Flüssigkeit steht der Wandlungsphase Wasser und dem Unteren Erwärmer zur Verfügung und wird über die Etagen des Dreifachen Erwärmers nach oben gebracht. Mithilfe der Lungenenergie und der von Milz und Magen erzeugten Nahrungsessenz wird das Abwehr-Qi (Weiqi) produziert.
Schleim
Die Lunge ist der „Weg des Schleimes“. Der Funktionskreis Dickdarm:SchleimDickdarm als Yang-Funktionskreis mit seiner Zuordnung zum Metall scheidet schon physiologischerweise aus seinen einfachen tubulösen Drüsen ein serös schleimiges Sekret aus. Dieses ist dann ein Gleit- und Bindemittel für den Stuhl.
Wenn wegen abgeschwächter Umwandlungsfunktion des Funktionskreises Milz aus Feuchtigkeit oder Körpersäften Schleim entsteht, will der Körper diese ausscheiden. Dies kann auch durch das Xue über die Darmdrüsen geschehen.
Durch den Punkt Di 11, der der Erdpunkt (Entsprechung zur Mitte und zum Funktionskreis Milz!) ist, wird die Ausscheidung dieses pathologischen Schleimes verbessert. Er löst auch die oben erwähnte Qi-Stase auf, daher stammen die klassischen Indikationen von Angina bis Unruhe.
Klimatische Faktoren
Zum Metall gehört die physiologische Trockenheit. Der Funktionskreis Funktionskreis Dickdarm:klimatische FaktorenDickdarm trocknet im Sinne des Eindickens aus, er verdichtet, struiert. Leichte, scharfe Nahrung verhindert ein zu starkes Austrocknen, indem die Säfte bewegt werden.
Mentale Energien
Der Funktionskreis Funktionskreis Dickdarm:mentale EnergienDickdarm senkt ab, verdichtet, entlastet: Dies gilt für die Substanzen wie auch für das Mentale.
Bei hartnäckiger Obstipation besteht häufig ein „umnebelter Kopf“, da das Yangqi nicht absenken kann und sich oben blockiert.
Verschiedene Dickdarmpunkte behandeln mentale Symptome, z. B. Di 5: Er ist der Feuerpunkt. Er bringt Bewegung in das im Oberen Erwärmer blockierte Qi. Er senkt ab, das Bittere senkt ab. Dadurch wird der Kopf wieder frei.
Versucht der Körper, seine psychische Belastung vorwiegend über den Dickdarm auszuscheiden, kann dies den Dickdarm überfordern. Durch die zu große energetische (mentale) Ausscheidung wird die Mukosa mitgerissen. Es kann eine Colitis mucosae entstehen. Bei zu viel Quecksilberausscheidung kann daraus eine Colitis ulcerosa und Morbus Crohn entstehen (Quecksilberstörherd).

Magen-Meridian (Weijing)

Magen-Meridian

WeijingMagen-Meridian Abb. 5.25
Charakteristik
  • Bezeichnungen: Fuß-Fuß-YangmingYangming, Zuy-YangmingZuy-Yangming, Helles, glänzendes Yang des Fußes, The leg sunlight Yang Meridian

  • Abkürzungen in der Literatur: Ma (Magen), E (estomac), St (stomach)

  • Meridian eines Hohlorgans (Werkstättenorgans, Fu), daher Yang, nach internationaler Nomenklatur: der III. Meridian im Energiekreislauf

  • Energieverlauf: zentrifugal, die Energie kommt vom Dickdarm-Meridian und wird an den Milz-Pankreas-Meridian weitergeleitet.

  • Chronobiologie: Optimalzeit zur Tonisierung 7–9 Uhr

  • Shu-Zustimmungspunkt: Bl 21, 1,5 Cun seitlich der Dornfortsatzspitze des 12. Brustwirbels

  • Mu-Alarmpunkt: KG 12. Dieser Punkt liegt auf der ventralen Medianlinie, genau in der Mitte der Strecke Nabel–Xiphoid.

  • Der äußere Verlauf des Meridians ist durch 45 Punkte gekennzeichnet.

Verlauf
Der Verlauf des Magen-Magen-Meridian:VerlaufMeridians im Gesichtsbereich (Ma 1–Ma 8) wird verschieden beschrieben. Die chinesischen Namen der Punkte, deren Lokalisation und ihre Indikationen sind bei allen Autoren gleich, lediglich die Reihenfolge der Nummerierung ist unterschiedlich. Nach neuer chinesischer Literatur beginnt der Meridian in der Mitte des unteren knöchernen Orbitarandes (Übernahme der Energie vom Endpunkt des Dickdarm-Meridians, Di 20), verläuft nun nach unten über Ma 2, Ma 3 zu Ma 4 (4 Fen lateral der Mundwinkel), von dort zum vordersten Ansatz des M. masseter an der Mandibula zu Ma 5. Ma 6 liegt dahinter, über dem M. masseter und vor dem Mandibularwinkel. Ma 7 findet sich in der Vertiefung zwischen der Unterkante des Os zygomaticum und dem Mandibulargelenk und Ma 8 schließlich am oberen Rand der Schläfengrube am Stirn-Schläfen-Winkel, 4,5 Cun lateral der Meridianlinie bzw. des LG.
Ab der Fossa supraclavicularis folgt er der Mamillarlinie über den Thorax abwärts (Ma 17 liegt im Zentrum der Brustwarze) und nähert sich dann an der Grenze zwischen Thorax und Abdomen der Medianlinie bis auf 2 Cun, um in dieser Entfernung parallel zum Nieren-Meridian den oberen Schambeinrand zu erreichen (Ma 30).
Von hier verläuft er über die Vorderseite des Oberschenkels, dann lateral an der Patella vorbei (Ma 35) neben dem lateralen Tibiarand bis zum Fußrücken (Ma 41) und endet am lateralen Nagelfalzwinkel der 2. Zehe.
Innerer Verlauf
Der innere Magen-Meridian:innerer VerlaufWeg führt vom Punkt Di 20 zum Punkt Bl 1 und tritt beim Punkt Ma 1 an die Oberfläche. Am Oberkiefer tritt er wieder in die Tiefe zum Zahnfleisch des Oberkiefers und erreicht den Punkt Ma 6. Ein weiterer innerer Verlauf zieht vom Punkt Ma 4 über den Punkt KG 24 zum Punkt Ma 5 wieder an die Oberfläche. Vom Punkt Ma 12 zweigt ein innerer Ast in die Tiefe ab, verläuft vor dem Herzen zum Zwerchfell, trifft sich mit dem KG bei den Punkten KG 12 und 13 innen und zieht zu Magen und Milz. Dort entspringt ein weiterer tiefer Ast im Bereich des Magenausgangs, verläuft entlang der Mittellinie nach unten und trifft beim Punkt Ma 30 wieder auf den oberflächlichen Meridian.
An der unteren Extremität zweigt ein innerer Ast beim Punkt Ma 36 ab und verläuft lateral des Hauptmeridians zum lateralen Rand der 3. Zehe. Ein Seitenast kommt aus dem Punkt Ma 42, endet medial auf der Großzehe und bildet den Übergang zum Anfangspunkt des Milz-Meridians.
Innere Meridianverlaufsrichtung: mehrfacher Wechsel der einzelnen Äste

BESONDERE PUNKTE

Magen-Meridian (Weijing)

Magen-Meridian:besondere PunkteTonisierungspunkt Ma 41
Sedativpunkt Ma 45
Yuan-Quellpunkt Ma 42
Luo-Durchgangspunkt (Lo) Ma 40 zu MP 3
Shu-Zustimmungspunkt Bl 21
Mu-Alarmpunkt KG 12
He-Funktion für den Dickdarm Ma 37
He-Funktion für den Dünndarm Ma 39

Tendinomuskulärer Magen-Meridian

Magen-Meridian:tendinomuskulärer Abb. 5.26, Abb. 5.27
Der Verlauf des TMM beginnt breit am 2. bis 4. Zeh, hauptsächlich aber am Punkt Ma 45, führt zunächst in einer Bahn über den Fuß nach oben und teilt sich am Schienbein. Ein Zweig verläuft vom Knie über den Oberschenkel zur mittleren Beckenregion, weiter über die Brust zur Nasolabialfalte und in einer Abzweigung zum Ohr. Ein zweiter Verlauf führt am Oberschenkel über die Hüfte auf den Rücken und endet in der Mitte der Brustwirbelsäule.

Verlauf am Ohr

Magen-Meridian:tendinomuskulärer Abb. 5.28
Der Magen-Magen-Meridian:Verlauf am OhrMeridian ist ein Yang-Meridian, der seine Energie vom Dickdarm-Meridian erhält und an den Milz-Pankreas-Meridian weitergibt.
Der Punkt Ma 1 entspricht fast genau dem Punkt des Auges am Ohr. Die Punkte Ma 2 bis Ma 5 bilden eine Linie von der Nähe der Augenlokalisation am Ohr bis in die Nähe des Kiefergelenkpunktes.
Der Punkt Ma 8 liegt im Bereich der Lokalisation des Os temporale im unteren Bereich des Antitragus, von dort bilden die Punkte Ma 7, Ma 6 und Ma 5 eine Linie, die sich im Punkt Ma 5 mit oben beschriebener Linie vom Punkt Ma 1 her trifft.
Mit seinen Punkten Ma 9 bis Ma 36 zieht der Meridian im Fältungsbereich zwischen auslaufender Helix und Scapha am Ohr nach oben und erreicht die Reflexlokalisation der Pars intermedia, des Rückenmarkanteils des Sympathikus.
Der wohl bekannteste Punkt des Magen-Meridians ist der Punkt Ma 36, er ist identisch mit dem Barbiturat-vergleichbaren Punkt am Ohr und trägt seinen Namen „göttliche Gleichmut“ zu Recht. Allerdings darf er nur auf der nicht-dominanten Seite stimuliert werden. Auf der dominanten Seite gestochen, würde dieser Punkt anregend (coffeinähnlich) wirken.
Die Punkte Ma 37, Ma 38 und Ma 39 liegen ebenfalls innerhalb der sympathischen Pars intermedia.
Der Betarezeptorenpunkt des Ohrs entspricht dem Punkt Ma 40. Seine traditionelle Indikation „Husten mit reichlichem Sputum“ ist in Übereinstimmung zu sehen mit der Betarezeptorenfunktion auf der Lunge.
Achtung: Für eine Wirkung ähnlich der Betarezeptoren anregenden Aerosol-Sprays ist der Punkt Ma 40 auf der dominanten Seite zu stimulieren (Stahlnadel nach Punktion erwärmen oder Goldnadel).
Im Punkt Ma 40 wendet sich der Meridian zum Cavum conchae und erreicht seinen Tonisierungspunkt Ma 41, der am linken Ohr identisch ist mit dem „Magenpunkt“ des Ohrs.
In einer Kehrtwendung verläuft der Meridian mit seinen Punkten Ma 42 bis Ma 45 zum Ohrrand.
Ma 45 ist bekannt als Punkt in Resonanz zum Vitamin B5 (Pantothensäure).

Die Punkte im Einzelnen

Ma 1
$Ma 1 §Chengqi&Chengqi, „Tränensammler, Gefäß für die Tränen“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Konzeptionsgefäß (Renmai) und dem Aufsteigenden Yang-Gefäß (Yangqiaomai)
Lokalisation
Beim Blick geradeaus senkrecht unter der Pupille am unteren Orbitarand
Punktur (nur für Augenärzte geeignet)
1–2 Fen senkrecht oder mit dem Zeigefinger der Hilfshand durch Druck nach oben den Bulbus fixieren und nun die Nadel entlang der knöchernen Orbitawand in Richtung retrobulbär 5 Fen bis 1,5 Cun tief einführen. Größte Vorsicht bei der Punktur!
Indikation
Der Punkt wird im Westen wegen seiner Lage sehr selten bei Trigeminusneuralgie und Fazialisparese sowie bei Augenschmerzen und Tränenfluss verwendet.
Ma 2
$Ma 2 §Sibai&Sibai, „Vierfache Helle“
Lokalisation
In dem Grübchen, das dem Foramen infraorbitale entspricht
Punktur
3–5 Fen senkrecht oder schräg
Indikation
Lokoregional: Konjunktivitis, Tränenkanalentzündung, Chalazion, Hordeolum, Fazialisparese, Trigeminusneuralgie. Nebenhöhlenaffektionen, Parotitis; Gesichtsakne, örtliche Entzündungen
Ma 3
$Ma 3 §Juliao&Juliao, „Tiefe weite Grube“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Aufsteigenden Yang-Gefäß (Yangqiaomai)
Lokalisation
Auf einer Vertikalen durch die Pupillenmitte (beim Blick geradeaus) in Höhe des Nasenflügelunterrandes
Punktur
3–5 Fen schräg, tiefe Punktur nicht angezeigt!
Indikation
Lokoregional: Fazialisparese, Trigeminusneuralgie; Konjunktivitis, Rhinitis, Sinusitis, Epistaxis, Entzündungen und Abszesse der Nase, Zahnschmerzen, Parodontose, Affektionen der Mundschleimhaut als Begleiterscheinung von Magen- und Darmleiden, Furunkel, Abszesse des Gesichtes, Cheilitis
Ma 4
$Ma 4 §Dicang&Dicang, „Vorratskammer des Ackers“
Lokalisation
1 Querfinger (0,4 Cun) neben dem Mundwinkel
Punktur
2–5 Fen schräg oder bis Ma 3 durchstechen
Indikation
Lokoregional: Unterlidschmerzen, Tränenfluss, Lidspasmen, Störungen des Lidschlusses; Fazialisparese, Trigeminusneuralgie, Tic, Stottern; Zahnschmerzen, Trismus, Wangenschwellung
Ma 5
$Ma 5 §Daying&Daying, „Großartiger Empfang“
Lokalisation
Oberhalb des Unterrandes der Mandibula, am vorderen Masseterrand in einer Vertiefung, wo die A. facialis getastet werden kann
Punktur
2 Fen senkrecht bis 1 Cun schräg (cave Arterie!)
Indikation
Lokoregional: Fazialisparese; Augenschmerzen, weil kein Lidschluss möglich ist; Trigeminusneuralgie, Tic, Stottern; Zahnschmerzen des Unterkiefers mit Wangenschwellung, Kieferklemme; Drüsenschwellung am Kieferwinkel, Parotitis
Anmerkung
Analgesiepunkt für den Unterkiefer zusammen mit Di 4 und KG 24. Schon Bian Que, der Erstbeschreiber der vier diagnostischen Methoden der TCM, empfahl, diesen Punkt bei obigen Indikationen nicht zu vergessen.
Ma 6
$Ma 6 §Jiache&Jiache, „Kieferknochen, Wangenregion“
Lokalisation
Am Unterkieferwinkel, am Ansatz des Masseters an der oberen Mandibulakante (Mund öffnen lassen)
Punktur
3 Fen senkrecht bis 1 Cun schräg in Richtung Ma 7
Indikation
Lokoregional: zentrale und periphere Fazialisparese, Trigeminusneuralgie, Tic, Störungen der mimischen und der Sprechmuskulatur, Stottern; alle Zahnschmerzen und Schwellungen im Unterkieferbereich, Trismus, mit Di 4, Gb 41; Laryngitis, Parotisaffektionen, Speicheldrüsensteine und Entzündungen; perorale und zirkumorale Hautveränderungen, Effloreszenzen
Ma 7
$Ma 7 §Xiaguan&Xiaguan, „Untere Barriere, Grenze“
Lokalisation
In einem Grübchen vor dem Condylus mandibulae, unterhalb des Arcus zygomaticus, in der Mitte des Masseteransatzes am Jochbein, tastbar bei geschlossenem Mund
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Trigeminusneuralgie, Fazialisparese, Tic, unterstützend bei Schläfenkopfschmerz; Zahnschmerzen, Gingivitis, Arthritis des Mandibulargelenks, Alveolarpyorrhö; Tinnitus, Hypakusis, Ostalgie
Ma 8
$Ma 8 §Touwei&Touwei, „Kopfverbindung“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Gallenblasen-Meridian
Lokalisation
Am oberen Rand der Schläfengrube, 4 Querfinger (3 Cun) oberhalb und 1 Querfinger hinter dem Orbital-Jochbein-Winkel, am Winkel des Schläfen-Stirnhaar-Ansatzes
Punktur
2 Fen bis 1 Cun schräg, Nadel nach abwärts oder aufwärts gerichtet
Indikation
Lokoregional: heftige Kopfschmerzen – als ob ein Hammer auf den Kopf schlüge; zerebrale Kongestion, Trigeminusneuralgien des I. Astes, Hemikranie, Fazialisparese, Sensibilitätsstörungen im Gesichtsbereich; Augenschmerzen, ständiger Tränenfluss bei Wind
Ma 9
$Ma 9 §Renying&Renying, „Freundlicher Empfang“
Der Punkt wird auch Wuhui („5 Reunionen“) genannt.
Lokalisation
Am Vorderrand des M. sternocleidomastoideus, seitlich des Oberrandes des Adamsapfels (Kopf nach hinten beugen lassen)
Punktur
3 Fen bis 1,5 Cun senkrecht (cave Arterie!)
Indikation
Der Punkt hatte und hat mehr diagnostische Bedeutung. Er wird manchmal bei Hypertonie, Dysphagie, Asthma bronchiale und Stottern verwendet.
Ma 10
$Ma 10 §Shuitu&Shuitu, „Hervorsprudelndes Wasser“
Lokalisation
Am Vorderrand des M. sternocleidomastoideus, in Höhe des unteren lateralen Randes des Kehlkopfknorpels, Mitte der Strecke Ma 9–Ma 11
Punktur
2 Fen bis 1 Cun schräg, leicht nach innen aufwärts
Indikation
Lokoregional: Stimmermüdung, Heiserkeit sowie Angina, Tonsillarabszesse
Überregional: Husten, asthmoide Bronchitis, die am Schlafen hindert
Allgemein: Spezialpunkt für Redner und Sänger
Ma 11
$Ma 11 §Qishe&Qishe, „Logis der Energie“
Lokalisation
Am Oberrand des medialen Anteiles der Klavikula in einer Vertiefung zwischen dem sternalen und klavikularen Ansatz des M. sternocleidomastoideus, 1,5 Cun lateral von der Medianlinie in Höhe von KG 22
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Arthritis des Sternoklavikulargelenks, chronisch rezidivierende Angina, anguläre Lymphknotenschwellungen
Überregional: Husten mit Oppressionsgefühl, Asthma, Nackensteifigkeit
Ma 12
$Ma 12 §Quepen&Quepen, „Höhlung des Mangels, der Entbehrung“
Lokalisation
Am Oberrand der Klavikula, zwischen den Ansätzen des M. sternocleidomastoideus auf der Mamillarlinie, 4 Cun seitlich der ventralen Medianlinie (KG, Renmai)
Punktur
1–5 Fen senkrecht, vorsichtig stechen!
Indikation
Lokoregional: Wirkung auf die Thyreoidea; Angina, Pharyngitis, Dysphagie
Überregional: Atembeschwerden, Beklemmungsgefühl, Asthma bronchiale, Pleuraaffektionen; Aufstoßen, Sodbrennen, Übelkeit, bei Unverträglichkeitserscheinungen nach Weingenuss, Magenkrämpfe; generelle Ödemneigung
Allgemein: diagnostisch wichtiger Magen-Punkt
Ma 13
$Ma 13 §Qihu&Qihu, „Eintritt der Atemenergie, des Qi“
Lokalisation
Am unteren Rand der Klavikula, unter Ma 12, 4 Cun seitlich der ventralen Medianlinie in Höhe von KG 21 (Renmai)
Punktur
2–8 Fen schräg
Indikation
Wie Ma 12, dazu Appetitlosigkeit, Singultus
Ma 14
$Ma 14 §Kufang&Kufang, „Vorratskammer“
Lokalisation
Im 1. ICR (Interkostalraum) auf der Mamillarlinie, in Höhe von KG 20
Punktur
3–8 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Bronchitis, Husten mit Atembeschwerden, Beklemmungsgefühl und schleimig-eitrigem Sputum, Brust und Rippenschmerzen, Herzangst
Ma 15
$Ma 15 §Wuyi&Wuyi, „Schirmwand, Brustwehr des Hauses“
Lokalisation
Im 2. ICR, auf der Mamillarlinie, 4 Cun seitlich von KG 19, am oberen Rand der 3. Rippe
Punktur
4–8 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Mastopathien, regionale Thoraxschmerzen
Überregional: Bronchitis, asthmoide Atembeschwerden
Ma 16
$Ma 16 §Yingchuang&Yingchuang, „Fenster der Brust“
Lokalisation
Im 3. ICR auf der Mamillarlinie, 4 Cun lateral von KG 18
Punktur
3–8 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: regionale Rippenschmerzen, Mastopathien
Überregional: Hyperperistaltik, Diarrhö; Bronchitis, Asthma bronchiale
Allgemein: Hilfspunkt bei Schlafstörungen, Angstgefühl
Ma 17
$Ma 17 §Ruzhong&Ruzhong, „Mitte, Zentrum der Mamma“
Lokalisation
Im Zentrum der Brustwarzen
Punktur
Verboten, Moxibustion erlaubt, jedoch mit großer Vorsicht
Indikation
Lokoregional: alle Affektionen der Brustwarzen
Anmerkung
Wird meist nur als Orientierungshilfspunkt verwendet.
Ma 18
$Ma 18 §Rugen&Rugen, „Umgrenzung der Brustwarze“
Lokalisation
Senkrecht unter der Brustwarze im 5. ICR, in Höhe von KG 16
Punktur
3 Fen bis 1 Cun schräg
Indikation
Lokoregional: Milchmangel, Stillschwierigkeiten, Mastitis
Überregional: Husten mit Atembeschwerden – zusammen mit Ni 27
Ma 19
$Ma 19 §Burong&Burong, „Keine Ausdehnung, Fassungsvermögen“
Lokalisation
2 Cun seitlich der Medianlinie, an der Verbindungsstelle des knorpeligen Anteiles der 7. und 8. Rippe in Höhe von KG 14 (zwischen Ma 18 und Ma 19 verlässt der Meridian die Mamillarlinie und verläuft nun 2 Cun lateral des Medians über das Abdomen)
Punktur
5–8 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Völlegefühl, Brechreiz, Diarrhö, Interkostalneuralgie
Überregional: Herzschmerzen, die in die Schulterregion ausstrahlen
Ma 20
$Ma 20 §Chengman&Chengman, „Aufnahme, Umfassen der Fülle“
Lokalisation
2 Cun seitlich der Medianlinie in Höhe von KG 13, 5 Cun oberhalb des Nabels
Punktur
3–8 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen in der Magenregion, bedingt durch akute oder chronische Gastritis, Hiatushernien, Kardiospasmus
Überregional: Hyperperistaltik, Hypersalivation
Ma 21
$Ma 21 §Liangmen&Liangmen, „Tor der Umfriedung des Vaterhauses“ (Kardia)
Lokalisation
2 Cun seitlich der ventralen Medianlinie, in einer Höhe mit KG 12, also 4 Cun oberhalb der Nabelhöhe
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Gastralgien, Ulkuskrankheit, spastische Kolitis, Appetitmangel, Dyspepsie, Dyskinesie der Gallenblase, bei allen Verdauungsstörungen
Allgemein: vegetative Dystonie, depressive Stimmung, Schlaflosigkeit
Ma 22
$Ma 22 §Guanmen&Guanmen, „Geschlossene Pforte“
Lokalisation
2 Cun lateral der Medianlinie in Höhe von KG 11, 3 Cun oberhalb des Nabels
Punktur
8 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Abdominalschmerzen, Meteorismus, Hyperperistaltik, Appetitlosigkeit, Diarrhö
Überregional: Harninkontinenz, psychische Erkrankungen
Ma 23
$Ma 23 §Taiyi&Taiyi, „Höchste, größte Einheit“
Lokalisation
2 Cun seitlich der ventralen Medianlinie, in Höhe von KG 10 und Ni 17, 2 Cun über Nabelhöhe
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Wie Ma 21
Ma 24
$Ma 24 §Huaroumen&Huaroumen, „Pforte der glatten Muskeln“
Lokalisation
2 Cun seitlich und 1 Cun oberhalb des Nabels, in Höhe von KG 9
Punktur
8 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Magenschmerzen, Erbrechen
Überregional: psychische Störungen; unterstützend bei Obstipation
Ma 25
$Ma 25 §Tianshu&Tianshu, „Himmlisches Scharnier“
Funktion
Mu-Alarmpunkt des Di-Meridians
Lokalisation
2 Cun seitlich der ventralen Medianlinie in Nabelhöhe (auf derselben Höhe liegen von medial nach lateral KG 8, Ni 16, Ma 25)
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Übelkeit, akute und chronische Gastritis und Enteritis, Magenschmerzen, Erbrechen, Meteorismus, Obstipation oder Diarrhö durch Fermententgleisung, Darmspasmen, Aszites, Intestinalparasiten
Überregional: Zyklusstörungen, Hypermenorrhö
Allgemein: alle chronischen Erkrankungen des Magen- und Darmtrakts, degenerative Erkrankungen
Ma 26
$Ma 26 §Wailing&Wailing, „Äußerer Hügel“
Lokalisation
1 Cun unterhalb des Nabels und 2 Cun seitlich der Medianlinie in Höhe von KG 7
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Abdomen, Dysmenorrhö
Ma 27
$Ma 27 §Daju&Daju, „Der Große, Mächtige“
Lokalisation
2 Cun unter Ma 25 und 2 Cun seitlich der ventralen Medianlinie, auf gleicher Höhe mit KG 5 und Ni 14
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Bauchschmerzen, Darmspasmen, Diarrhö, Hernienbeschwerden; Zystitis, Miktionsbeschwerden, Dysmenorrhö
Allgemein: Schlaflosigkeit infolge Angstgefühles
Ma 28
$Ma 28 §Shuidao&Shuidao, „Lauf, Weg der Flüssigkeiten“
Lokalisation
3 Cun unter dem Nabel und 2 Cun lateral der Medianlinie, in Höhe von KG 4
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Zystitis, Miktionsbeschwerden, Orchitis, Gastritis, Obstipation; Schmerzen im Unterbauch, zur Vagina ausstrahlend
Überregional: Ödemneigung
Ma 29
$Ma 29 §Guilai&Guilai, „Rückkehr, Wiederkehr“
Lokalisation
4 Cun unter der Nabelhöhe (Ma 25) und 2 Cun seitlich der ventralen Medianlinie, auf derselben Höhe wie KG 3 und Ni 12
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Meteorismus, Obstipation, alle Arten von Hernien; Orchitis, Penis- und Skrotalschmerzen, Kryptorchismus, Oophoritis, Adnexitis, Parametritis, Menstruationsstörungen, Sterilität, bedingt durch Uterusschwäche
Ma 30
$Ma 30 §Qichong&Qichong, „Ansturm der Energie (des Qi)“
Funktion
Ma 30 gilt als Vereinigungspunkt des tiefen Verlaufs des Meridians mit dem oberflächlichen Verlauf. Außerdem ist Ma 30 ein wichtiger Punkt des Gefäßes der breiten Bahn (Chongmai).
Lokalisation
Am oberen Schambeinrand, 2 Cun seitlich der ventralen Medianlinie, auf derselben Höhe wie KG 2 und Ni 11
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Erkrankungen des männlichen Genitales: Schmerzen im Penis und Skrotum, Erektionsschwäche, Impotenz, männliche Sterilität; gynäkologische Erkrankungen: Dysmenorrhö, Frigidität, Adnexitis sowie Schmerzen während des Partus, Plazentaretention
Überregional: Appetitlosigkeit, Aufstoßen; starker Meteorismus, der den Kranken zwingt, Seitenlage einzunehmen; Roemheld-Syndrom, in die Flanken ausstrahlende Schmerzen, nächtliche Kreuzschmerzen bei Schwangeren
Ma 31
$Ma 31 §Biguan&Biguan, „Hüftgrenze“
Lokalisation
Auf einer durch die Spina iliaca anterior superior gedachten senkrechten Linie in einer Vertiefung, lateral des M. sartorius, 13 Cun oberhalb der Kniegelenksfalte, 6 Cun senkrecht über Ma 32, 4 Cun unter der Leistenbeuge (Oberschenkel beugen lassen)
Punktur
6 Fen bis 2 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Spasmen und Kontrakturen der Muskulatur der unteren Extremitäten, Sensibilitätsstörungen in diesem Bereich, Lymphadenitis inguinalis
Überregional: Lumbago, besonders in Höhe von LW 3 (Lendenwirbel 3)
Ma 32
$Ma 32 §Futu&Futu, „Kauernder Hase, Vorwölbung“
Funktion
Reunionspunkt für Arterien und Venen, macht die Gefäße durchgängig
Lokalisation
6 Cun oberhalb des lateralen Anteiles des Patellaoberrandes, auf der höchsten Erhebung der angespannten Oberschenkelmuskulatur (daher der Name)
Punktur
5 Fen bis 2 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Abszesse am Oberschenkel, Gonarthritis, muskuläre Atrophie, Durchblutungsstörungen der unteren Extremitäten
Überregional: Affektionen der inneren und äußeren Genitalien; Urtikaria; benommener Kopf
Allgemein: Rheumatismus, auch spezifische rheumatoide Beschwerden
Ma 33
$Ma 33 §Yinshi&Yinshi, „Marktplatz, Umschlagplatz des Yin
Lokalisation
3 Cun oberhalb des lateralen Anteiles des Patellaoberrandes; beim knienden Patienten in einer deutlichen Vertiefung
Punktur
6 Fen bis 2 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Kontrakturen und Schmerzen im Ober- und Unterschenkel sowie im Kniegelenk (zusammen mit Gb 31), Paresen der unteren Extremitäten
Überregional: Abdominalschmerzen, Meteorismus, Aszites, Pankreasaffektionen, Hilfspunkt bei Diabetes mellitus
Ma 34
$Ma 34 §Liangqiu&Liangqiu, „Gipfel des Hügels“
Lokalisation
2 Cun oberhalb des lateralen oberen Patellarandes, in einer Vertiefung
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Kniegelenk, Sensibilitätsstörungen, der Patient kann sich nicht niederknien; ständiges Kältegefühl in den Beinen
Überregional: Magenschmerzen, Diarrhö, Mastitis
Allgemein: Angstgefühl ohne Grund (Xi-Spaltpunkt)
Ma 35
$Ma 35 §Dubi&Dubi, „Kalbsnüstern“
Lokalisation
Bei gebeugtem Knie in einer Mulde, lateral vom Lig. patellae (der Name bezieht sich darauf, dass sich an der inneren spiegelbildlichen Mulde ein Extrapunkt, EX-LE 4 [„Inneres Knieauge“], befindet)
Punktur
3 Fen bis 1 Cun, etwas schräg nach medial
Indikation
Lokoregional: Kniegelenksschmerzen, Hydarthrose, Sensibilitätsstörungen, Neuralgien, Schwellungen im Knie- und Unterschenkelbereich
Anmerkung
Bewährt hat sich folgende lokale Punktekombination gegen alle Kniegelenkserkrankungen, die etwas modifiziert häufig Anwendung findet: Eine Nadel in die Mitte der Patella senkrecht, eine weitere in EX-LE 2 (bei gebeugtem Knie, 1 Cun über der Mitte des Oberrandes der Patella in einer Vertiefung) sowie je eine Nadel in Ma 35 und EX-LE 4.
Ma 36
$Ma 36 §Zusanli&Zusanli, „3 Entfernungen, Sanli des Beines“ (vgl. Di 10: Shousanli = Sanli des Armes), Beinamen: „Asiatische Ruhe“, „Göttlicher Gleichmut“, „Drei Dörfer“, „Großer Heiler der Füße und Knie“
Lokalisation
3 Möglichkeiten, den Punkt zu lokalisieren:
  • •3

    Cun unter der Unterkante der Patella, distal vom „äußeren Knieauge“ (Ma 35), zwischen den Mm. tibialis anterior und flexor digitorum communis

  • •2

    Querfinger unterhalb des Fibulaköpfchens und 1 Querfinger lateral der Tibiakante

  • Der Patient legt seine rechte Hand auf sein rechtes Kniegelenk, sodass die Palma manus über der Patella und der Zeigefinger auf der Tibiakante liegen, so erreicht die Spitze seines maximal nach lateral und unten gestreckten Mittelfingers den Punkt Ma 36.

Punktur
0,5–1,5 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: rheumatische und arthritische Schmerzen im Knie- und Hüftbereich, Schwäche der unteren Extremitäten, muskuläre Atonie und Atrophie, auch posttraumatisch
Überregional: Appetitlosigkeit, Störungen der Magenverdauung, Gastralgien, Ulkuskrankheit, Magenneurose, Pylorospasmus, Erbrechen, saurer oder bitterer Mundgeschmack, Diarrhö, Obstipation, Magen- und Darmkrämpfe, Aszites; Miktionsstörungen, Harninkontinenz; Herzschmerz mit Angstgefühl, Hypertonie, Arteriosklerose und deren Folgezustände; Mastitis, Brustabszesse; unterstützend bei allen Hauterkrankungen, bei Enuresis, meningealen Reizzuständen und bei fieberhaften Erkrankungen
Allgemein: seelische Erschöpfung, Kummer, Sorgen, daraus resultierende Schlaflosigkeit, Minderwertigkeitsgefühle, Schüchternheit, Unzufriedenheit, nervöse Reizbarkeit, allgemeiner Energiemangel, „man kann sich zu nichts aufraffen“, Lampenfieber, Kopfschmerzen, Schwindel, Geisteskrankheiten
Anmerkung
Einer der Punkte der klassischen Körperakupunktur mit sehr weit gestreuter Symptomatik; Meer-He-Punkt des Magen-Meridians, über den eine energetische Beeinflussung aller Meridiane möglich ist. Er hat eine anregende Wirkung (Energie, um „drei Dörfer“ weiter zu marschieren), wenn er auf der dominanten Seite (rechts beim Rechtshänder) genadelt wird. Dagegen ist der Effekt beruhigend („Göttliche Gleichmut“), wenn der Punkt auf der nichtdominanten Seite gestochen wird. Soll eine Qi-Stagnation des Magens behandelt werden, wird beidseitig gestochen.
Tradition
Dieser Meer-He-Punkt ist der Erde zugeordnet und hat den Beinamen „Mitte in Mitte“.
EX-LE 7 (Ma 37–1)
$Ma 37-1 §Lanwei&Lanwei, „Appendix“
Funktion
Zur Diagnostik der Appendikopathien
Lokalisation
Auf dem Magen-Meridian, 2 Cun unter Ma 36, etwas näher zu Ma 37
Punktur
1–2 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Paralyse der unteren Extremitäten
Überregional: Der Punkt wird in China zur Therapie der Appendikopathie unter Voraussetzung ständiger Operationsbereitschaft eingesetzt. In Europa hat er aufgrund seiner Druckempfindlichkeit rechts bei Appendikopathien mehr diagnostische Bedeutung.
Ma 37
$Ma 37 §Shangjuxu&Shangjuxu, „Überfülle der oberen Region“
Lokalisation
3 Cun unter Ma 36, auf einer Vertikalen, parallel zur Tibiakante
Punktur
0,5–1,5 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: rheumatische Beschwerden im Knie- und Sprunggelenk, ödematöse Schwellungen oder entzündliche Schwellungen
Überregional: Verdauungsstörungen, chronische Diarrhö, Bauchschmerzen; Hemiplegie, Menière-former Schwindel, Seekrankheit
Ma 38
$Ma 38 §Tiaokou&Tiaokou, „Masche, Öffnung des Netzes“
Lokalisation
5 Cun kaudal von Ma 36, 2 Cun kaudal von Ma 37, knapp neben der lateralen Tibiakante
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Kniegelenk, Muskelspasmen, Sensibilitätsstörungen, „heiße Füße“, Schwellungen der Sprung- und Fußgelenke
Allgemein: rheumatische Schmerzen, die durch Feuchtigkeit ausgelöst werden
Ma 39
$Ma 39 §Xiajuxu&Xiajuxu, „Große Leere der unteren Region“
Lokalisation
3 Cun unter Ma 37, lateral der Tibiakante; dies entspricht dem Mittelpunkt der Strecke Tuberositas tibiae–Sprunggelenksfurche
Punktur
0,5–1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: rheumatische Beschwerden in den Beinen, dabei Muskelschwäche, Hilfspunkt bei Paresen der unteren Extremitäten
Überregional: Enteritis, Kolitis, Dyspepsie, ständig rissige ausgetrocknete Lippen, raue Haut, sprödes Körperhaar, Schweißmangel
Ma 40
$Ma 40 §Fenglong&Fenglong, „Überfülle, Prosperität“
Funktion
Luo-Durchgangspunkt des Meridians; über ihn Verbindung zum Yuan-Quellpunkt seines gekoppelten Yin-Partners, zum Punkt MP 3 (Energieausgleich)
Lokalisation
Am Vorderrand der Fibula, 2 Cun lateral des Vorderrandes der Tibia, in der Mitte der Strecke zwischen Malleolus externus und Ma 35 am Rande des M. peronaeus
Punktur
0,5–1 Cun schräg, etwas nach medial
Indikation
Lokoregional: Schmerzen und Krämpfe der Unterschenkel
Überregional: Unruhe, Schlaflosigkeit, depressive Stimmung, starke Kopfschmerzen, Schwindel; Zervikalsyndrom, Halsschmerzen, Heiserkeit, Dysphagie, Glottiskrampf; schweres Asthma, das den Schlaf behindert; Magenkrämpfe, Singultus, in- und exkretorische Pankreasinsuffizienz, Hepatopathie, Obstipation; Miktionsbeschwerden.
Spezialpunkt zur Unterstützung der Expektoration bei reichlichem Sputum
Ma 41
$Ma 41 §Jiexi&Jiexi, „Tibiamulde“
Funktion
Tonisierungspunkt des Ma-Meridians
Lokalisation
In der Mitte der Fußwurzel (auf der vorderen Sprunggelenksquerfalte), am unteren Tibiarand, in einer deutlich tastbaren Vertiefung, zwischen den Sehnen der Mm. extensor hallucis longus und extensor digitorum longus
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Fuß- und Sprunggelenk, Arthralgien in diesem Bereich, Schweißfüße, Schwellung und Rötung des Dorsum pedis
Überregional: Atonie und Hyposekretion des Magens, Tympanie, atonische Obstipation, Aerophagie; Konjunktivitis, Augenflimmern, starker Tränenfluss; Unruhe, Depressionen, Kopfschmerzen mit Schwindel, Konvulsionen; Palpitationen mit Angstgefühl
Tradition
Dieser Fluss-Jing-Punkt ist dem Feuer zugeordnet.
Ma 42
$Ma 42 §Chongyang&Chongyang, „Hitziges, kochendes Yang“
Funktion
Yuan-Quellpunkt, steht in Verbindung zum Luo-Durchgangspunkt seines gekoppelten Yin-Partners, dem Punkt MP 4.
Lokalisation
Am höchsten Punkt des Fußrückens, knapp neben der A. dorsalis pedis, über dem Gelenk zwischen Os naviculare und Os cuneiforme 2 und 3
Punktur
3–5 Fen senkrecht (cave Arterie!)
Indikation
Lokoregional: Schmerzen am Fußrücken, Paresen der unteren Extremitäten
Überregional: Hyper- oder Hyposekretion, Hyper- oder Hypazidität, Appetitlosigkeit, Magenkrämpfe, Meteorismus, Erbrechen, Sodbrennen, chronische Obstipation; Zahnfleischentzündung, Zahnschmerzen; Hemiplegie, zentrale Fazialisparese, Sensibilitätsstörungen im Gesichtsbereich, nervöse Übererregbarkeit, Unruhezustände
Ma 43
$Ma 43 §Xiangu&Xiangu, „Talsohle“
Lokalisation
In einer tastbaren Vertiefung am Zusammentreffen von Metatarsal II und III, 2 Cun oberhalb von Ma 44
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schwellungen und Schmerzen im Fußbereich, Knöchelödeme
Überregional: Bauchschmerzen, Meteorismus, Hyperperistaltik; Gesichtsödeme, Ödemneigung
Tradition
Dieser Bach-Shu-Punkt ist dem Holz zugeordnet.
Ma 44
$Ma 44 §Neiting&Neiting, „Inneres der Wohnung, Vestibulum“
Lokalisation
5 Fen oberhalb der Interdigitalfalte, zwischen den Grundgelenken der 2. und 3. Zehe, näher jenem der 2. Zehe
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht oder schräg
Indikation
Lokoregional: Kontrakturen und Spasmen der Beine, eiskalte Füße
Überregional: Gastritis, Dyspepsie, Dysenterie, Meteorismus, Hämorrhoiden, Dysmenorrhö; Zahnschmerzen im Oberkiefer, besonders der Schneidezähne; Gingivitis; Tonsillitis, Pharyngitis, Epistaxis; Kopfschmerzen, Gähnzwang, Trigeminusneuralgie, Fazialisparese
Allgemein: Albträume, besonders der Kinder, nächtliche Unruhe und Weinen der Kinder, häufig mit KS 9
Anmerkung
Einer der Analgesiepunkte für den Bauchraum
Tradition
Dieser Quell-Ying-Punkt ist dem Wasser zugeordnet.
Ma 45
$Ma 45 §Lidui&Lidui, „Grausame Bezahlung“
Funktion
Sedativpunkt des Meridians
Anfangspunkt des TMM des Magens
Lokalisation
1 Fen proximal und lateral vom fibularen Nagelfalzwinkel der 2. Zehe
Punktur
1–3 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen vom Fuß bis zur Hüfte, Hydarthrose des Kniegelenks (Meridianverlauf des TMM)
Überregional: Gastralgie, Sodbrennen, Sedierung der Hyperazidität und Hypersekretion; Ulkuskrankheit („man isst viel, hat ständig Hunger und bleibt mager“); Hepatopathien, Ikterus, Aszites, abwechselnd Diarrhö und Obstipation; trockener Mund, Speichelmangel, Zahnschmerzen, Cheilitis; Tonsillitis, Nasenaffektionen, Epistaxis; Angstzustände, Kopfschmerzen, Schlafsucht, Libidomangel, Trigeminusneuralgie, Fazialisparese, Neurasthenie
Anmerkung
Alle an den Akren gelegenen Anfangs- oder Endpunkte der Meridiane (Jing-Ting-Punkte) haben eine Fernwirkung. Sie gelten als Einschaltpunkte der tendinomuskulären Meridiane (TMM). Ma 45 hat unter anderem eine Fernwirkung auf den Kopfbereich, besonders bei Kopfschmerzen, Trigeminusneuralgie und Nasenaffektionen. Wegen der Schmerzhaftigkeit des Stiches, auf die sein Name treffend hinweist, relativ selten verwendet, objektiv jedoch von guter Wirksamkeit.
Tradition
Dieser Ursprung-Jing-Punkt (Ting-Punkt) ist dem Metall zugeordnet.

Der Funktionskreis Magen aus traditioneller Sicht

Funktionskreis Magen:traditionelle Sicht Abb. 5.42
Der Funktionskreis Magen ist der Yang-Partner für den Funktionskreis Milz-Pankreas, mit dem er zusammen – aus klassischer Sicht – die „Mitte“ bildet. Auf diese „Mitte“ wird in der Tradition großen Wert gelegt, denn sie darf nicht energetisch blockiert sein. Als Kombinations-Qi für Magen und Milz wird der Ausdruck „Mitte“-Qi oder Zhongqi verwendet (nicht zu verwechseln mit Zongqi [ohne h], dem Sammel-Qi oder essenziellen Qi). Da für dieses „Mitte“-Qi der energetisch aufbauende Yin-Anteil besondere Bedeutung hat, wird darauf beim Funktionskreis Milz-Pankreas eingegangen.
Aufgaben
Zwischenspeicher der Nahrung und Ursprung der Säfte
Der Funktionskreis Funktionskreis Magen:Zwischenspeicher der NahrungFunktionskreis Magen:Ursprung der SäfteFunktionskreis Magen:AufgabenMagen speichert aufgenommene Nahrung und Flüssigkeit für relativ kurze Zeit, je nach Nahrungszusammensetzung 2–5 Stunden, er ist also ein Zwischenspeicher.
Zunächst geht im Magen der Stärkeabbau durch die Speichelverdauung weiter. Ein Teil der Kohlenhydrate wird im Magen resorbiert. Der Magen wird vielleicht deshalb in der Tradition als Ursprung der Säfte bezeichnet.
Im Dünndarm wird der Hauptteil der Nahrung aufgenommen. Durch den Funktionskreis Milz-Pankreas wird sie verdaut, transformiert und zu körpereigenen Substanzen gewandelt, „destilliert“. Diese nun körpereigenen Substanzen gelangen als Essenz zur Lunge. Dort werden die Körperenergien durch die Verbindung dieser Nahrungsessenz mit dem klaren Qi (Qingqi) hergestellt. Dies geschieht unter Einwirkung der Ursprungsenergie (Yuanqi) als Katalysator.
Die energetische Bewegung: das Absenken
Das Magen-Qi senkt ab. Es bringt den Nahrungsbrei aus dem Funktionskreis Magen:AbsenkenMagen in den Dünn- und Dickdarm. Seine absenkende Wirkung geht über den ganzen Darm weiter. Fehlt die absenkende Wirkung des Magen-Qi, tritt Obstipation auf.
Es gibt verschiedene Ursachen für Obstipation. Eine Ursache ist Hitzewirkung im Magen (Fuß-Yangming), die sich bis in den Dickdarm (Hand-Yangming) ausbreitet. Das Magen-Qi kann wegen der HitzeHitze nicht mehr absinken, die Hitze zieht empor. Damit verbunden ist auch ein dicker, gelblicher Zungenbelag.
Klimatische Faktoren
Feuchtigkeit – Schleim
Funktionskreis Magen:SchleimFunktionskreis Magen:FeuchtigkeitFeuchtigkeitIn der Tradition heißt es, „der Magen liebt Feuchtigkeit und hat eine Abneigung gegen Trockenheit“ (Achtung: Dies ist ein wichtiger Gegensatz zur Milz).
Dies mag zunächst eigenartig erscheinen, wird aber verständlicher, wenn man daran denkt, dass der gesunde Funktionskreis Magen:klimatische FaktorenMagen eine minimale Ruhesekretion aufweist. Dieses Sekret hat einen neutralen bis alkalischen pH-Wert und besteht vorwiegend aus Schleim. Durch Reizung der aus dem N. splanchnicus stammenden sympathischen Magennerven wird die Schleimabsonderung gefördert. Die reflektorische Produktion von HCl und Pepsin hingegen geschieht über den N. vagus. Reflektorisch heißt, dass psychische Einwirkungen und Geruchs- und Geschmackseindrücke zur Sekretion führen.
Feuchtigkeit-Feuchtigkeit-HitzeHitze kann vor allem im Sommer das Magen-Qi blockieren. Auch gewisse Nahrungsmittel, bakterielle (Helicobacter) und virale Infektionen wirken wie blockierende Feuchtigkeit.
Unter Nahrungsmitteln, die zu Feuchtigkeitsblockaden führen können, versteht man in der Tradition Zucker, zuckerhaltige Getränke, Milch und Getreide. Das Süße ist die Geschmacksrichtung der „Mitte“. Zu viel Süßes erstickt die „Mitte“, sie kann es nicht mehr wandeln. Der Magen muss diese feuchte Nahrung so zur Aufnahme vorbereiten, dass sie nicht als Feuchtigkeit oder Schleim im Körper liegen bleibt. Er muss sie aktivieren und resorptionsbereit machen. Dazu muss er viel Magen-Qi bereitstellen (zur Bildung eines Mols HCl werden etwa 16.000 Kalorien benötigt).
Der Zusammenhang zwischen Getreide und Schleim wird beispielsweise bei der Gabe von Getreidebreien bei Kleinkindern deutlich. Der Magen eines gesunden Säuglings ist erst im letzten Quartal des ersten Lebensjahres bereit, die in Getreide enthaltene Stärke in angemessenen Mengen einwandfrei zu verarbeiten. Deshalb sollte Getreidebreinahrung bei Säuglingen erst etwa im zehnten Monat beginnen, da sonst der Magen den Schleim nicht zur Verdauung vorbereiten kann. Der SchleimSchleim bleibt im Körper liegen und dieser versucht, den Schleim über den „Weg des Schleimes“ (Funktionskreis Lunge) als Bronchitis oder als Sinusitis, Otitis oder auch als schleimigen Stuhl usw. auszuleiten.
Symptome des Feuchtigkeitsstaus im Magen sind: dumpfer Schmerz im Epigastrium oder Thorax, Nausea (da die Energie nicht nach unten fließt), weißer klebriger Zungenbelag (gelb, wenn auch Hitze dabei ist), Schleim im Stuhl, trockener Mund wegen der Hitze, aber ohne Durst wegen der Feuchtigkeit.
Hauptpunkte der Therapie sind dann KG 12 und KG 13, Bl 21 und Ma 36, vor allem aber Ma 40. Dieser Punkt mit dem Namen „Überfülle“ stellt die gute Magenverdauung her. Er wirkt über das longitudinale Luo direkt auf den Magen, über das transversale Luo schickt er Energie in die Milz. Er wandelt dadurch die Feuchtigkeit und wirkt generell gegen Schleim im ganzen Körper. Er wird also auch angewendet bei anderen Schleim-Hitze-Erkrankungen wie Sinusitis, Otitis, Bronchitis usw.
Dieser Punkt hat auch eine Wirkung auf die Betarezeptoren (Bahr, Jost und Ledergerber 1991). Er ist beim Rechtshänder rechts stimulierend gestochen, einem Betamimetikum vergleichbar. Er wirkt gemäß der Tradition offenbar über die Verminderung des Schleimes gegen die Atemwegsobstruktion und gegen den Bronchospasmus, indem er „den Wind hemmt“.
Hitze
HitzeFunktionskreis Magen:HitzeHitze im Magen (Gastritis) tritt vor allem im Sommer bedingt durch die meteorologische Hitze auf, im Winter hingegen durch zu scharfe Nahrung. Die Symptome sind: Fieber, für das man bei der klinischen Untersuchung keinen Grund findet, Nausea, Obstipation, nicht immer Magenschmerzen, häufig aber Verlangen nach kalten Getränken, Schmerz und Blutungen des Zahnfleisches.
Hauptpunkte der Therapie sind dann: KG 12, Bl 21, Ma 36, MP 6.
Magen, Teil des Yangming
YangmingDie energetische Schicht Yangming (Magen: Fuß-Yangming und Dickdarm: Hand-Yangming) ist, wie im Buch der Wärmekrankheiten (Wen Bing Lun) beschrieben, die letzte Verteidigung im Yang gegen die eindringenden pathogenen Faktoren. Das Yangming verteidigt sich mit hohem Fieber. Die Tonsillitis z. B. ist eine Hitzeerkrankung des Yangming.
Psychogramm
Funktionskreis Magen:PsychogrammWenn das Magen-Qi nicht absinkt, kommt es zu Völlegefühl und geblähtem Abdomen, der Patient hat häufig einen schlechten Mundgeruch vom Magen her.
Blockiertes Magen-Qi führt letztendlich zum Magengeschwür. Bei Menschen, die übermäßigen Stress nicht abbauen und abreagieren können, sprechen wir vom Ulkus-Typ.
„Rebellierendes“ Magen-Qi: Eine noch stärkere Pathologie als das blockierte Magen-Qi finden wir, wenn das Magen-Qi anstatt abzusinken in die verkehrte Richtung geht, sich also nach oben bewegt; diesen Zustand nennt man „Rebellion“ des Magen-Qi. Als Symptome finden wir Schluckauf, Übelkeit, Aufstoßen, schließlich Erbrechen. Hauptpunkte der Therapie sind dann KG 13 und Ma 36.

Milz-Pankreas-Meridian (Pijing)

Milz-Pankreas-Meridian

PijingMilz-Pankreas-Meridian Abb. 5.45
Charakteristik
  • Bezeichnungen: Zutaiyin, Fuß-Taiyin, Mächtiges Yin des Fußes, The leg greater Yin Meridian

  • Abkürzungen: MP (Milz-Pankreas), RP (rate pancreas), SP (spleen)

  • Meridian eines Vollorgans (Speicherorgans, Zang), daher Yin, nach internationaler Nomenklatur: der IV. Meridian im Energiekreislauf

  • Energieverlauf zentripetal, er erhält seine Energie vom Magen-Meridian und gibt sie an den Herz-Meridian weiter.

  • Chronobiologie: Optimalzeit zur Tonisierung 9–11 Uhr

  • Shu-Zustimmungspunkt: Bl 20, 1,5 Cun seitlich der Dornfortsatzspitze des 11. Brustwirbels

  • Mu-Alarmpunkt (Heroldspunkt, Mo, Mu): Le 13, unter dem freien Ende der 11. Rippe, an deren Schnittpunkt mit der Medioaxillarlinie

  • Der äußere Verlauf des MP-Meridians ist durch 21 Punkte gekennzeichnet.

Verlauf
Der Milz-Pankreas-Milz-Pankreas-Meridian:VerlaufMeridian beginnt am medialen Nagelfalzwinkel der großen Zehe, zieht von dort an der „Grenze“ von „weißer und roter Haut“ an den vorderen Rand des inneren Knöchels (MP 5) und steigt vor diesem entlang dem hinteren Tibiarand aufwärts bis zum medialen Kondylus der Tibia (MP 9).
Von hier geht es weiter über die Innenseite des Oberschenkels zur Inguinalgegend und weiter über die laterale Bauchregion (MP 13–MP 16) zum Thorax und in der Präaxillarlinie aufwärts bis zum 2. ICR (MP 20).
Nun ändert der Meridian in einem spitzen Winkel nach seitlich unten seine bisherige Richtung und endet mit seinem 21. Punkt im 6. ICR in der Medioaxillarlinie, 3 Cun unter Gb 22.
Innerer Verlauf
Milz-Pankreas-Meridian:innerer VerlaufAb dem Punkt MP 12 in der Leistenregion zieht ein Ast nach innen, kreuzt die Punkte KG 3 und 4 (innen) und erreicht beim Punkt MP 14 wieder die Oberfläche. Vom Punkt MP 15 aus verläuft der innere Meridian zum Punkt KG 10, dringt in die Milz ein, verbindet sich mit dem Magen, durchquert das Zwerchfell und verläuft mit dem Ösophagus nach kranial. Ein innerer Seitenast entspringt im Magen und zieht durch das Zwerchfell zum Herzen. Ein zusätzlicher Ast hat seinen Ursprung am Punkt MP 20 und erreicht innen die Zunge.
Innere Meridianverlaufsrichtung: im Wesentlichen von unten nach oben

BESONDERE PUNKTE

Milz-Pankreas-Meridian (Pijing)

Milz-Pankreas-Meridian:besondere PunkteTonisierungspunkt MP 2
Sedativpunkt MP 5
Yuan-Quellpunkt MP 3
Luo-Durchgangspunkt MP 4 zu Ma 42
Shu-Zustimmungspunkt Bl 20
Mu-Alarmpunkt Le 13
Kardinalpunkt, der das Gefäß der breiten Bahn „Chongmai“ einschaltet MP 4
Besonderheiten
Dem Milz-Pankreas-System fällt innerhalb des Gesamtorganismus die Rolle eines Vorratsorgans und Zwischenspeichers zu. Es ist die Grundlage der Speicherung und der Zuteilung des Nähr-Qi. Es sind dies Funktionen, die weit über die Assoziation eines westlichen Mediziners, diese beiden Organe betreffend, hinausgehen.
Durch seine Zugehörigkeit zur „Mitte“ (Erde) hat der Meridian vermittelnde Eigenschaften zu allen anderen Organsystemen.
Wir bezeichnen ihn auch als Hauptmeridian für das „Bindegewebe“.

Tendinomuskulärer Milz-Pankreas-Meridian

Milz-Pankreas-Meridian:tendinomuskulärer Abb. 5.46, Abb. 5.47
Beginnend mit dem Punkt MP 1 an der medialen Seite des großen Zehs, verläuft der TMM über die Innenseite des Beins und die Hüfte, vorbei an den externen Genitalien zum Nabel und dann weiter durch die Brusthöhle bis zum Rückgrat.

Verlauf am Ohr

Milz-Pankreas-Meridian:Verlauf am Ohr Abb. 5.48
Der Punkt MP 1 liegt in Höhe des Darwin-Höckers, aber in der Helixfalte kurz unterhalb des Vitamin-B12-Punkts und entspricht dem Folsäure-Punkt.
Der Milz-Punkt links bzw. der Pankreas-Punkt rechts liegen in der Mitte der Hemiconcha superior. Dies entspricht MP 2, dem Tonisierungspunkt des Milz-Pankreas-Meridians. Bei seelischer Erschöpfung wird der MP 2 links mit dem Angstpunkt (Lu 1 auf der dominanten Seite) kombiniert. Im Bereich des Plexus hypogastricus finden wir den Punkt MP 3.
Dem Interferon-Punkt entspricht der Punkt MP 4. Er ist der Luo-Durchgangspunkt des Milz-Pankreas-Meridians; zugleich ist er der Kardinalpunkt für das Gefäß der breiten Bahn (Chongmai). Er ist als Meisterpunkt gegen alle Durchfallerkrankungen bekannt, lokalisiert ist er an der obersten Stelle des Tragus.
Vom Interferon-Punkt aus geht der Milz-Pankreas-Meridian in die Tiefe, und zwar zu den verdeckten Lokalisationen in der aufsteigenden Helix. Dort entspricht der Punkt MP 5 dem Ovar und MP 6 kommt dem Uteruspunkt gleich. Dieser ist der Gruppen-Luo-Durchgangspunkt und der Reunionspunkt der 3 Yin-Meridiane des Fußes.
MP 7 liegt, analog zum Vitamin-B6-Punkt, am Omega-2-Punkt etwas nach innen in der Falte der Helix. Kurz oberhalb vom Kniepunkt, aber bereits außerhalb des Ohrs liegt MP 8, direkt am Knie dagegen, in der Mitte der Fossa triangularis, der Punkt MP 9. Der Punkt MP 10 entspricht einem Punkt im lumbalen Bereich des sympathischen Grenzstranges. In einer Reihe folgen nun alle weiteren Punkte von MP 11 bis MP 20 und schließlich erreicht der Meridian mit seinem Punkt MP 21 den unteren Teil des Ohrläppchens. Dieser wichtige psychische Punkt entspricht dem Omega-Hauptpunkt mit einer Lexotanil-vergleichbaren Wirkung.

Die Punkte im Einzelnen

MP 1
$MP 1 §Yinbai&Yinbai, „Verborgener Glanz“
Funktion
Anfangspunkt des TMM
Lokalisation
2 mm proximal und seitlich des medialen Nagelfalzwinkels der Großzehe
Punktur
1–3 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: ständig kalte Füße
Überregional: Ohnmacht, Kollaps, Konvulsionen; Epistaxis; Atembeschwerden, die den Schlaf behindern; Meteorismus, Brechreiz, Erbrechen; Menorrhagie
Allgemein: Einschlafprobleme („Man wälzt sich im Bett herum und kann keine Entspannung finden.“). MP 1 gilt als Vitamin-Hinweispunkt für Folsäure bzw. kann auf eine Belastung mit Formaldehyd hindeuten.
Anmerkung
Einer der Spezialpunkte gegen Hämorrhoiden, zusammen mit MP 3
Tradition
Dieser Ursprung-Jing-Punkt (Ting-Punkt) ist dem Holz zugeordnet.
MP 2
$MP 2 §Dadui&Dadui, „Große Stadt“
Funktion
Tonisierungspunkt des Meridians
Lokalisation
An der medialen Seite der Großzehe, in einem Grübchen, am proximalen Ende der Grundphalanx (dort, wo sich der Farbton der Haut von licht zu rötlich ändert).
Punktur
2–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: rheumatische Sprunggelenksbeschwerden, Knochenschmerzen, Gicht, eiskalte Füße
Überregional: Insuffizienz des Milz-Pankreas-Systems, krampfartige Oberbauchschmerzen, Hilfspunkt bei Diabetes mellitus, Erbrechen auch Hyperemesis, Anämie durch Malabsorption, Roemheld-Syndrom; Hypertonie, Herzschmerzen; Unruhe, man kann nicht ruhig liegen, seelische Erschöpfung, mangelnde Konzentrationsfähigkeit bei Kindern; Ruhelosigkeit und Widerwilligkeit bei Kindern, gehemmte Kinder
Allgemein: chronische Erschöpfungszustände, Müdigkeit, Schläfrigkeit am Tage; bei seelischer Erschöpfung empfiehlt sich die Kombination MP 2 links mit Lu 1 auf der dominanten Seite.
Anmerkung
MP 2 gilt auf der rechten Seite als Resonanzpunkt für Vitamin H (Vitamin B7, Biotin) und als Spezial-Hinweispunkt für eine Palladium-Belastung, auf der linken Seite dagegen für eine Titan-Belastung.
Tradition
Dieser Quell-Ying-Punkt ist dem Feuer zugeordnet.
MP 3
$MP 3 §Taibai&Taibai, „Größte Helle, Glanz“
Funktion
Yuan-Quellpunkt mit Verbindung zum Luo-Durchgangspunkt seines gekoppelten Yang-Partners, dem Punkt Ma 40
Lokalisation
Am inneren Fußrand, in einem Grübchen, etwas hinter dem Großzehengrundgelenk auf der Sehne des M. adductor hallucis
Punktur
2–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Arthralgien, Neuralgien, Parese der unteren Extremitäten
Überregional: als Yuan-Quellpunkt (empfängt das Yangqi von Ma 40) Wirkung vor allen Dingen auf Feuchtigkeit und Schleim; exkretorische und inkretorische Pankreasinsuffizienz und deren Folgezustände, Gastralgien, Darmkoliken, Diarrhö, Dyspepsie; Menstruationsbeschwerden, Zwischenblutungen; Bradykardie, anginoide Beschwerden; Kopfschmerzen mit Spannungsgefühl, Konzentrationsmangel
Allgemein: Schwächezustände
Anmerkung
Spezialpunkt gegen Hämorrhoiden mit MP 1
Tradition
Dieser Bach-Shu-Punkt ist gleichzeitig Yuan-Quellpunkt und der Erde zugeordnet.
MP 4
$MP 4 §Gongsun&Gongsun, „Söhne des Menschen“
Funktion
Luo-Durchgangspunkt des Meridians; über ihn Verbindung zum Yuan-Quellpunkt seines gekoppelten Yang-Partners, zum Punkt Ma 42 Kardinalpunkt (Schlüsselpunkt), von dem aus das Gefäß der breiten Bahn (Chongmai) aktiviert werden kann.
Lokalisation
An der Innenseite des Fußes, am inneren Rand des Gelenks, zwischen Os metatarsale I und Os cuneiforme mediale (am Übergang des Farbtones der Haut von rötlich nach weiß)
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Überregional: alle Formen der Diarrhö, geblähtes Abdomen, Verdauungsstörungen, Erbrechen, Darmkoliken, Cholezystopathien, Gastralgien, Aerophagie, Ösophagusspasmen, Appetitlosigkeit; Dysurie, Sphinkterspasmen; zur Erleichterung des Geburtsverlaufs, Plazentaretention, Vaginismus; alle Arten von Herzschmerzen, Cor nervosum, sowohl Tachykardieneigung als auch vagotone Beschwerden; Krampfzustände, Epilepsie, Übererregbarkeit; Blepharospasmus, Stimmbandkrampf; ödematöse Schwellungen allgemein, Gesichtsödem (Quincke)
Allgemein: Meisterpunkt gegen Diarrhö; Interferon-Wirkung, links Goldnadel empfehlenswert
MP 5
$MP 5 §Shangqiu&Shangqiu, „Anhöhe, Vorsprung“
Funktion
Sedativpunkt des Meridians
Lokalisation
In der Vertiefung, die sich besonders bei Flexion im Winkel zwischen dem Os naviculare und der Sehne des M. tibialis anterior bildet
Punktur
2–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: variköser Symptomenkomplex, Ulcus cruris, Schweregefühl in den Beinen, Sprunggelenksschmerzen, Schwellungen der Unterschenkel und des Fußes
Überregional: Gourmand mit schlechter Verdauung, Gastralgie, Enterokolitis, Obstipation, Meteorismus, Splenomegalie, Hämorrhoiden, Analfissuren, Rektalprolaps, Gastroenteroptose; Erschlaffung des Bindegewebes, Deszensus; depressive Stimmungslage, Mutlosigkeit, unmotiviertes Weinen, Schläfrigkeit am Tage, dafür unruhiger Schlaf in der Nacht mit schreckhaften Träumen; ständiges Frösteln, Hysterie, Konvulsionen
Allgemein: Meisterpunkt für alle „bindegewebigen Schwächen“: Varizen, Hämorrhoiden, Ptosen, Prolapse bei pastösen Patienten, lymphatischer Typ
MP 6
$MP 6 §Sanyinjiao&Sanyinjiao, „Reunion der 3 Yin
Funktion
Reunionspunkt der 3 Yin-Meridiane des Fußes (MP, Ni, Le)
Gruppen-Luo-Durchgangspunkt
Lokalisation
3 Cun (Handbreit) oberhalb der Spitze des Malleolus medialis, am Hinterrand der Tibia, 1 Cun kranial von Ni 8
Punktur
0,5–1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Durchblutungsstörungen der unteren Extremitäten, Krämpfe der Unterschenkel
Überregional: alle Formen der Diarrhö, Appetitlosigkeit, schmerzhaftes, geblähtes Abdomen, Kolitis. Einer der wichtigsten Punkte bei Erkrankungen des inneren Genitales – dazu eine Bemerkung: Die Hauptmeridiane von Niere, Leber und Milz vereinigen und tauschen ihre Energien. Sie haben alle eine Verbindung zum kleinen Becken und zum inneren Genitale, entweder selbstständig oder über die Punkte KG 3 und KG 4, und wirken in ihrer Art auf das Genitale: Der Funktionskreis Milz dynamisiert den Säfteumlauf. Der Funktionskreis Leber wirkt über das Xue. Der Funktionskreis Niere bringt Jing. Damit können praktisch alle Symptome des Genitales behandelt werden, von der Infertilität von Mann und Frau bis zur Dysmenorrhö, Hypermenorrhö und Amenorrhö, alle Arten von Fluor, Reizzustände im kleinen Becken, postpartale Blutungen, Ohnmachtsneigung während oder nach der Entbindung, alle klimakterischen Beschwerden, sowohl organisch als auch psychosomatisch bedingt. Penisschmerzen, Orchitis, Ejaculatio praecox, Impotenz, Harninkontinenz; spastische Stenokardie, Tachykardieneigung bei anämischen Patienten; Hypertonie, aber auch hypotone Regulationsstörungen; Angstgefühl aus Energiemangel, Schwindel, Hemiplegie, traurige Verstimmung
Allgemein: Der Punkt wird nicht nur Meisterpunkt des Uterus genannt, sondern auch „Herr des Blutes“, wobei auf seine durchblutungsregulierende Wirkung der gesamten unteren Extremität und des kleinen Beckens Bezug genommen wird sowie auf hyper- oder hypotone Kreislaufstörungen. Wichtig im Klimakterium, „konsolidiert das Altern“ auch bei Climacterium virile! Häufig zusammen mit LG 4, KG 6, Bl 31.
MP 7
$MP 7 §Lougu&Lougu, „Öffnung des Tales“
Lokalisation
Am hinteren Tibiarand, 6 Cun oberhalb der Spitze des inneren Knöchels, 3 Cun oberhalb von MP 6
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Durchblutungsstörungen der Unterschenkel, rheumatische Knieschmerzen
Überregional: Meteorismus, mangelhafte Verwertung der Nahrung
Tradition
Dieser Fluss-Jing-Punkt ist dem Metall zugeordnet.
MP 8
$MP 8 §Diji&Diji, „Kraft aus der Erde“
Lokalisation
Am Hinterrand der Tibia, 9 Cun oberhalb der Spitze des inneren Knöchels, 3 Cun unter MP 9
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: rheumatische Knieschmerzen
Überregional: Meteorismus mit Flankenschmerzen, Appetitlosigkeit, Aszites mit KG 9, Diarrhö, Lumbago; Menstruationsirregularität, Dysmenorrhö, Oligospermie
MP 9
$MP 9 §Yinlingquan&Yinlingquan, „Quelle am Yin-Hügel“
Lokalisation
An der Innenseite des Kniegelenks, in einer Vertiefung am Unterrand des Condylus medialis, in Höhe der Tuberositas tibiae (spiegelbildlich zum Punkt Gb 34 ist MP 9 in ähnlicher Lage, aber an der Innenseite)
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Arthrosen und Arthritiden der Kniegelenke, oft als „Zange“ mit Gb 34
Überregional: Appetitmangel, Bauchschmerzen mit Diarrhö und Darmkoliken, spastische Obstipation, besonders bei Frauen, peritoneale Reizzustände, Aszites, Ödeme jeglicher Genese; Miktionsbeschwerden, Urethritis, Dysurie, Oligo- oder Anurie, Enuresis, Harnleiterkoliken, Prostatitis, Dysmenorrhö, Metrorrhagie
Tradition
Meer-He-Punkt, über ihn direkte Einwirkung auf die Organfunktion möglich.
MP 10
$MP 10 §Xuehai&Xuehai, „Meer des Xue“, „Meer des Blutes“
Lokalisation
3 Cun oberhalb der Kniegelenksfalte, an der Innenseite des Oberschenkels. Wenn man bei gebeugtem Knie die Handfläche der rechten Hand über das linke Knie des Patienten legt, so lokalisiert die Daumenspitze den MP 10.
Punktur
0,5–2 Cun senkrecht oder etwas schräg nach oben
Indikation
Wie MP 9 (MP 10 gilt als der „kleine Helfershelfer“ von MP 9); dazu häufig bei Urtikaria, meist mit Di 4, Di 11, Bl 23, Bl 40, Lu 5
Tradition
Dieser Meer-He-Punkt ist dem Wasser zugeordnet.
MP 11
$MP 11 §Jimen&Jimen, „Gittertor, Siebtor“
Lokalisation
An der Innenseite des Oberschenkels, über der A. femoralis, in der Vertiefung der Adduktoren; 8 Cun oberhalb des medialen Anteiles des Patellaoberrandes, 5 Cun oberhalb von MP 10
Punktur
0,5 Cun senkrecht; tiefere Punktur kontraindiziert
Indikation
Siehe MP 9, dazu Lymphknotenschwellungen in der Leistengegend und Innenseite des Oberschenkels
Tradition
Galt traditionell als eine der „enthüllenden“ Pulstaststellen (cave: A. femoralis!).
MP 12
$MP 12 §Chongmen&Chongmen, „Tor des Angriffs, Ansturmes“
Lokalisation
4 Cun lateral der ventralen Medianlinie, in Höhe von KG 2, in der Leistenbeuge, über dem Durchtrittspunkt der A. femoralis
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht (cave Arterie!)
Indikation
Lokoregional: Orchitis, Samenstrangaffektionen, Miktionsbeschwerden, Hernien
Überregional: Völlegefühl, Darmspasmen, Endometritis, Blutungen post partum, Anregung der Laktation
MP 13
$MP 13 §Fushe&Fushe, „Bezirk der Eingeweide“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Le-Meridian und dem Haltegefäß des Yin (Yinweimai)
Lokalisation
4 Cun lateral der vorderen Medianlinie in der Inguinalfalte in Höhe von KG 3
Punktur
Bis 7 Fen senkrecht oder 1 Cun schräg
Indikation
Lokoregional: Hernien
Überregional: starke schneidende Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen, Obstipation
MP 14
$MP 14 §Fujie&Fujie, „Bauchknoten“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Haltegefäß des Yin (Yinweimai)
Lokalisation
4 Cun lateral der vorderen Medianlinie (KG), 3 Fen unter der Höhe von KG 7
Punktur
5 Fen senkrecht oder bis 1 Cun schräg
Indikation
Lokoregional: Bauchschmerzen, besonders in der Nabelgegend
Überregional: übermäßiges Schwitzen, akute Diarrhö, Husten mit Atembeschwerden
MP 15
$MP 15 §Daheng&Daheng, „Große Transversale“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Haltegefäß des Yin (Yinweimai)
Lokalisation
4 Cun lateral der Medianlinie, in Nabelhöhe
Punktur
5 Fen senkrecht oder bis 1,5 Cun schräg
Indikation
Lokoregional: starke Diarrhö, Meteorismus, atonische Obstipation, Bauchschmerzen
Überregional: übermäßige Schweißausbrüche, epileptiforme Anfälle
Allgemein: ständiges Lamentieren, Sichbemitleiden
MP 16
$MP 16 §Fuai&Fuai, „Wehklage des Abdomens“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Haltegefäß des Yin (Yinweimai)
Lokalisation
4 Cun lateral der vorderen Medianlinie (KG), in Höhe von KG 11, 3 Cun über MP 15, am Rippenbogen in der Mamillarlinie
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: insuffiziente Magenverdauung, mit zusätzlicher exkretorischer Pankreasinsuffizienz, alle Kolitisarten, Bauchschmerzen
Überregional: übermäßige Schweißausbrüche, epileptiforme Anfälle
Allgemein: ständiges Lamentieren, Sichbemitleiden
MP 17
$MP 17 §Shidou&Shidou, „Empfang der Nahrung“
Lokalisation
6 Cun lateral von der vorderen Medianlinie (KG) im 5. ICR; zur Lokalisation ist es vorteilhaft, den Arm heben zu lassen.
Punktur
4–8 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Schmerzen in Zwerchfellhöhe
MP 18
$MP 18 §Tianxi&Tianxi, „Schlucht des Himmels“
Lokalisation
6 Cun lateral des KG, im 4. ICR, in Höhe von KG 17
Punktur
4–8 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Husten, Thoraxschmerzen, Mastitis, Muttermilchmangel
Tradition
Moxibustion ist der Punktur vorzuziehen.
MP 19
$MP 19 §Xiongxiang&Xiongxiang, „Brustbezirk“
Lokalisation
6 Cun lateral der vorderen Medianlinie (KG), im 3. ICR, in Höhe von KG 18
Punktur
4–8 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Schmerzen in der seitlichen Thoraxregion, die in den Rücken ausstrahlen
MP 20
$MP 20 §Zhourong&Zhourong, „Vom Glanz umgeben“
Lokalisation
6 Cun lateral der ventralen Medianlinie, im 2. ICR, 1,5 Cun unter und etwas lateral von Lu 1
Punktur
3–8 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Krampfhusten, eitriges Sputum, Beklemmungsgefühl, Dyspnoe
MP 21
$MP 21 §Dabao&Dabao, „Der große Regisseur, Verteiler“
Lokalisation
Auf der Medioaxillarlinie, in Höhe des 6. ICR
Punktur
5–8 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Schmerzen in der seitlichen Thoraxregion, in den Flanken, in der Axilla, auch Schwellungen in diesem Bereich, Interkostalneuralgie, Atembeschwerden, Pleuralgien
Überregional: Schwäche der oberen Extremitäten
Tradition
Von diesem Endpunkt des Milz-Pankreas-Meridians gehen zahlreiche Sekundärgefäße ab, die sich in der Brust und in den Flanken verästeln. Da nach der Tradition der Milz-Pankreas-Meridian für die „Ernährung“ der anderen Organe zuständig ist, kam MP 21 zu seinem Namen. Er ernährt aber auch genauso die Psyche und gilt als psychosomatischer Spezialpunkt bei Erschöpfungszuständen.

Der Funktionskreis Milz aus traditioneller Sicht

Funktionskreis Milz:traditionelle Sicht Abb. 5.58
Für das Zentrum, die „Mitte“, steht in der Tradition die Erde. Die Funktionskreise Milz-Pankreas (auch nur Milz genannt) und Magen sind die funktionell-organischen Entsprechungen dieser Wandlungsphase.
Aufgaben
Die Erde als zentrale Instanz
Magen und Milz-Funktionskreis Milz-Pankreas:AufgabenPankreas liegen nicht nur in der Mitte des Körpers, sondern haben auch eine „mittige“, das heißt zentrale Aufgabe, sie sind nämlich die zentrale Instanz der Aufnahme, der Klärung und der harmonischen Weitergabe von Materiellem, also von Nahrung und Flüssigkeiten. Die „Mitte“ muss durchgängig sein für die Qi-Bewegung einerseits nach oben, andererseits nach unten. Dabei ist zu beachten, dass das Milz-Qi nach oben, das Magen-Qi nach unten gerichtet ist. Die „Mitte“ übergibt das Geklärte, das heißt die Nahrungs-Essenz, an alle Funktionskreise. Sie ist die Instanz der Umpolung, der Übergänge, des Ausgleichs, der Integration, der Verteilung.
Die Erde als Spätsommer im Ablauf der 5 Wandlungsphasen
5 WandlungsphasenWegen ihrer ernährenden Funktion (Yin) ist die Erde der Erntezeit und damit dem Spätsommer zugeordnet (Yin-Schenkel). Die Erde verdaut Flüssigkeiten und Nahrung und verarbeitet die Feuchtigkeit. Dazu braucht sie auch Yangqi und Wärme. Der Spätsommer liegt deshalb in der oberen (Yang-)Hemisphäre.
Diese Position von Milz-Pankreas im Ablauf der 5 Wandlungsphasen (Wuxing) bestimmt das Verhältnis zu den übrigen Wandlungsphasen mit den kybernetischen Funktionen der Produktion (oder Anregung, Förderung) und der Kontrolle (oder Hemmung). Die Stellung der Erde sowohl in der Mitte als auch in der Peripherie ist durch ihre verschiedenen Funktionen bedingt und in den chinesischen Wissenschaften schon seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. beschrieben.
In den jüngeren Schichten des Huangdi Neijing, vor allem aber im Shanghanlun, wird die Wandlungsphase Erde sogar – als dritte Möglichkeit ihrer Stellung innerhalb der 5 Wandlungsphasen – nach jeder polaren Wandlungsphase in den Zyklus eingefügt (Van Nghi 1973). Ein pathogener Einfluss auf Milz-Pankreas kann direkt über die „Mitte“ erfolgen oder indirekt über andere Funktionskreise. So entstehen epigastrische Schmerzen direkt durch zu üppige Nahrungszufuhr („blockierte Mitte“) oder indirekt durch den Übergriff des Leber-Yang auf den Magen („das Holz greift die Erde an“).
Klärung, Assimilation (Verdauung, Nahrungsaufnahme)
Die „Mitte“, bestehend aus Magen und Milz-Funktionskreis Milz-Pankreas:VerdauungFunktionskreis Milz-Pankreas:NahrungsaufnahmeFunktionskreis Milz-Pankreas:KlärungFunktionskreis Milz-Pankreas:AssimilationPankreas, verändert die Nahrung und die Flüssigkeiten durch die Magenmotilität und die Magen- und Pankreasenzyme so, dass die geeigneten Bestandteile der Nahrung als „klare Säfte“ durch den Dünndarm aufgenommen werden. Das Nichtgeeignete schickt das Magen-Qi als „trübe Säfte“ weiter nach unten in den Dickdarm.
Die pankreatischen Verdauungsenzyme könnte man mit dem aufbauenden Milz-Yin (Essenz) gleichsetzen. Neben den Enzymen braucht es zur Verdauung Wärme und damit Yang-Energie. Die Verdauung ist ein aktiver, energieverbrauchender Vorgang, eine Art Destillation. Das Yang und die Wärme kommen aus dem Herzen (Shen) und seinem Partner, dem Dünndarm, und aus den Nieren. Das Nieren-Qi wird über den Punkt LG 4 aktiviert, der auch auf die „Mitte“ wirkt. Der Funktionskreis Milz versorgt den Funktionskreis Herz über die Meridiane bevorzugt mit klaren („aktiven“) Flüssigkeiten. Das Herz-Yin bringt seinem Yang-Partner Dünndarm Wärme und Shen.
Verteilung der aufgenommenen Säfte
Die Milz sendet das Nahrungs-Qi (Guqi, entstanden durch die aufgenommenen klaren Säfte) nach oben zur Lunge. Es handelt sich dabei um die aktiven (Yang-)Säfte (Jin). Der struktive (Yin-)Teil der Säfte (Ye) gelangt in alle übrigen Funktionskreise, wo sie den Grundstoff darstellen zur Bildung des Nähr-Qi (Yingqi). Jeder Funktionskreis bildet aus diesem Grundstoff seine spezifischen Energien. Die Ursprungsenergie (Yuanqi) dient der Milz als Katalysator.
Das essenzielle Qi (Zongqi) ist ein energetischer Baustein. Aus ihm kann das Abwehr-Qi (Weiqi) im Funktionskreis Lunge entstehen oder das funktionsspezifische Nähr-Qi und die Essenzen, wenn es über die Leitbahnen in die Funktionskreise einfließt.
Der Funktionskreis Milz-Pankreas ist die Wurzel der erworbenen Konstitution, indem er über die Assimilation der Nahrung und die Verteilung der Säfte die Lebenskraft erneuert. Er speichert auch Nährstoffe, vor allem in seiner funktionellen Darstellung, dem Fleisch (Unterhaut, Fettgewebe, Ernährung der Muskulatur; nicht aber die Dynamik der Muskeln, für die die Leber zuständig ist).
Der Funktionskreis Milz-Pankreas bildet aus den oben besprochenen Körperflüssigkeiten Jin und Ye die Grundstoffe für die Herstellung von Blut (Xue) und auch die Grundlage für die Körpersekrete (Schweiß, Tränen, Speichel, Muttermilch, Gelenkflüssigkeit, Magen-Darm-Sekrete, Genitalsekrete).
Außerdem sagt man in der Tradition, „die Milz kontrolliert das Blut“. Damit ist gemeint, dass das Milz-Qi dafür verantwortlich ist, das Blut in den Gefäßen zu halten. Als Spezialpunkt gilt der Punkt MP 10 „Meer des Blutes“ bei Pathologien oder Anomalien mit Blutungen aus Uterus, Darm, Niere/Blase und Haut/Unterhautgewebe.
„Enge Mitte“ und „blockierte Mitte“
„Enge Mitte“
Funktionskreis Milz-Pankreas:enge MitteWenn die Aufnahmefähigkeit der „Mitte“ gestört ist, wird dies als „enge Mitte“ bezeichnet.
Gründe:
  • Schwache Konstitution, schwache Erbenergie: Seit der Kindheit bestehen ein schwacher Appetit und eine schwache körperliche und geistige Entwicklung.

  • Psychische Einflüsse: Dem besorgten Menschen fehlt der Appetit. Er magert ab. So entsteht ein Circulus vitiosus: Die schlechte Nahrungsaufnahme vermindert die Denkfähigkeit und vergrößert damit die Sorgen.

  • Die Anorexia mentalis ist eine Störung des Funktionskreises Milz-Pankreas.

  • Einflüsse anderer Funktionskreise: Grippe führt zu Appetitmangel. Wind und Kälte blockieren den Energiefluss im Funktionskreis Lunge und von dort aus auch im Funktionskreis Milz-Pankreas (Hand- und Fuß-Taiyin).

  • Zu geringe Nahrungsaufnahme, z. B. im hohen Alter, und Hunger führen durch Inaktivität zu einer Magenschrumpfung.

  • Hg-Störfeld: Quecksilber stört die „Mitte“ über eine Schwächung des Mu-Alarmpunkts des Magens KG 12. Dieser ist einer der Resonanzpunkte des Quecksilbers. Über den Mu-Alarmpunkt der Milz Le 13 (entspricht dem ACTH-Punkt) wird die Hg-Ausleitung verstärkt.

„Blockierte Mitte“
Funktionskreis Milz-Pankreas:blockierte MitteIst auch die Verteilung der Säfte gestört, spricht man von einer Qi-Blockade oder „blockierten Mitte“. Dabei handelt es sich oft um die gleichen Ursachen wie bei der „engen Mitte“, eventuell mit einer zusätzlichen Pathologie im Funktionskreis Leber (Leber-Feuer).
Äußere Ursachen für eine Schwächung des Milz-Qi
Das Milz-Funktionskreis Milz-Pankreas:Schwächung des Milz-QiQi wird vorwiegend durch Kälte und Feuchtigkeit blockiert. Das Qi bewegt dann nicht mehr die Säfte, diese bleiben liegen und werden zu Schleim.
Hierbei sind äußere Feuchtigkeit und Kälte gemeint: Eine Bergwanderung in Kälte und Nebel und das Wohnen in einem feuchten Haus können zu einer Blockierung der Milz führen.
Ernährung
Kalte und feuchte Nahrung blockiert das Milz-Qi, ebenso zu üppiges Essen. Feucht nach traditioneller Ansicht sind Zucker, Süßigkeiten, süße Säfte, Milch, Weißbrot, gewisse Weine.
Es besteht auch hier eine Relation zwischen Nahrungszufuhr und Verdauungsvermögen der Milz. Die Milz muss die Feuchtigkeit verarbeiten. Wird zu viel feuchte Nahrung aufgenommen, kommt es zu einer Pathologie auch bei bisher normalem Milz-Qi. Ein schwaches Milz-Qi („enge Mitte“) kann auch leicht feuchte Nahrung kaum verdauen.
Symptome
  • Schwerer Magen, schwere „Mitte“; Völlegefühl; postprandiale Müdigkeit; der ganze Körper ist schwer, Schmerzen im Magen-Darm-Bereich, meist Diarrhö, Erleichterung nach körperlicher Tätigkeit und Sport: Die Bewegung kurbelt das Yangqi an, über das Schwitzen wird Feuchtigkeit ausgeleitet.

  • Wenn die richtige Bewegung fehlt, sammelt sich Yang oben an und Yin unten: Yang-Fülle oben mit Reizbarkeit, Druck in der Brust, Herzbeklemmung, Schwindel und Yin-Stagnation unten. Die Feuchtigkeit wird nicht mehr bewegt und bleibt entsprechend der Schwere im Mittleren und Unteren Erwärmer liegen, dies führt zu Ödemen, auch Lymphödemen.

  • Schleimproduktion

  • Adipositas; Ablagerung des Schleimes in der Subkutis als Fett

  • Schwerfälliger Geist; Niedergeschlagenheit; Depression

Therapie und Prophylaxe
  • Auswahl verträglicher Nahrung in Quantität und Qualität

  • Meiden der Nahrungsmittel, die als unverträglich erkannt wurden

  • Warm essen

  • Zum Essen bitteren Tee trinken (siehe Funktionskreis Dünndarm): Das Bittere bringt nach innen unten und stärkt Feuer und Shen.

  • Frohgemut und in fröhlicher Gesellschaft essen. Dies stärkt das Herz und das Shen.

  • Bewegung nach dem Essen (Yang) fördert die Verdauung.

  • Ausleitung von blockiertem Schleim über Magen/Milz durch Ma 40 (Luo) und MP 3 (Yuan-Quellpunkt) sowie MP 4 (Kardinalpunkt).

  • Ausleitung über die Blase durch Bl 40

  • Aktivierung des Lymphsystems über MP 10 oder 3E 5

Die „Mitte“ stärken über die Punkte KG 8 (Nabel) und LG 4
Der Punkt KG 8 tonisiert die „Mitte“. Er wird über dem Nabel gemoxt (oft mit etwas Salz und darüber einer Ingwer-Scheibe). Durch diese Technik wird dieser Punkt heutzutage häufiger angewendet. Der Punkt KG 8 Shenque heißt auch „Palasttor des Geistes“ und öffnet den Geist (Shen). Das bedeutet, dass über die verbesserte Verdauung der Funktionskreis Herz besser mit (Shen) versorgt wird. Über die materielle und geistige Verdauung „induziert dieser Punkt die Individualität einer Persönlichkeit und hält sie aufrecht“ (Porkert 1982).
LG 4 (Mingmen), das Lebenstor oder Schicksalstor: Dieser Punkt gilt als sagittale, energetische Ergänzung zum KG 8 und wirkt wie ein sich öffnendes Tor mit einer vorbestimmten Größe (Schicksal, Konstitution, Erbenergie). Durch dieses Tor erreicht die Nach-Himmels-Essenz (die erworbene Konstitution) von der Lunge kommend energetisch den Funktionskreis Niere.
Der Punkt LG 4 gilt als Ursprung des ministeriellen Feuers. Diese Dynamik
  • wärmt die „Mitte“; Yangqi und Wärme sind notwendig für die Verdauung, die einer Destillation vergleichbar ist.

  • lässt die Ursprungsenergie Yuanqi aus den Kraftreserven der angeborenen Energie (Vor-Himmels-Essenz) und des Nieren-Jing entstehen, bringt sie in den Kreislauf der Meridiane und katalysiert damit alle dynamisierenden Prozesse im Organismus.

Körperliche Darstellung
Die körperliche Darstellung des Funktionskreises Milz-Funktionskreis Milz-Pankreas:Körperliche DarstellungPankreas ist das Fleisch. Damit sind das Unterhautgewebe und das Bindegewebe gemeint. Der Funktionskreis Milz-Pankreas ist für die Form des Körpers verantwortlich, er verfestigt das Fleisch durch das Milz-Qi und die klaren Säfte. Ein Fehlen dieser Energien führt zu einer Schwäche des Gewebes und damit zu Prolaps, Hämorrhoiden und Varikose.
Der Punkt MP 5 konsolidiert und verfestigt das Gewebe. Wir kennen seinen Einfluss auf die Gonaden und das Hormon Östrogen (Bahr 2004), welches das Gewebe verfestigen und in Form hält.
Der Funktionskreis Milz-Pankreas hält das Xue
Der Funktionskreis Milz-Funktionskreis Milz-Pankreas:hält das Blut (Xue)Pankreas hält das Blut (Xue) über die Bindegewebsfunktion in den Gefäßen. Er lässt jedoch auch die Säfte so entstehen, dass sie einen energetischen Zusammenhalt haben, denkbar z. B. über die Osmolarität. So verfließen die Säfte nicht und treten nicht extravasal aus.
Energetische Bewegung: das Aufsteigen
Funktionskreis Milz-Pankreas:AufsteigenDas Milz-Qi muss vorwiegend nach oben und außen fließen, um die klaren Säfte in den Funktionskreis Lunge und in die übrigen Funktionskreise zu bringen. Die Diarrhö ist ein typisches Zeichen dafür, dass das Milz-Qi nicht mehr aufsteigt und die Säfte nach unten fallen.
MP 4 ist der Meisterpunkt gegen alle Durchfallerkrankungen. Er ist der Luo-Durchgangspunkt und bringt somit Qi direkt ins Organ. Er bewegt als Kardinalpunkt des Gefäßes der breiten Bahn (Chongmai) die Säfte (Lymphe) nach oben.
Klimatischer Faktor: die Feuchtigkeit
Funktionskreis Milz-Pankreas:klimatischer FaktorFunktionskreis Milz-Pankreas:FeuchtigkeitDer Funktionskreis Milz-Pankreas muss Säfte umwandeln und sie weiterleiten. Er braucht viel Milz-Qi, um diese Aufgaben zu erfüllen und um nicht von den Säften (Humor, Feuchtigkeit) ertränkt zu werden.
Der Milzfunktionskreis reagiert jedoch auch auf die äußere Feuchtigkeit, er will sie verarbeiten und unschädlich machen, damit sie nicht als Agens in den Körper eindringen kann und seine Energien blockiert. Der Körper würde darauf mit Rheumatismus (Bi), mit Schwellungen und Schmerzen reagieren.
Der Körper braucht, wenn er z. B. in einem feuchten Haus wohnt, mehr Yang, also mehr Wärme und Energie. Auch das Haus selbst braucht mehr Wärme und Ventilation, wenn es nicht verschimmeln soll. Sonne und Wind vertreiben den Nebel.
Die immer häufiger auftretende Candidiasis des Darmes beruht – von der Tradition her gesehen – wohl auf einer Feuchtigkeitsblockade im Darm.
Schleim
Entstehung
Funktionskreis Milz-Pankreas:SchleimWenn FeuchtigkeitFeuchtigkeit (Humor), Wasser und Säfte nicht transformiert werden, entsteht SchleimSchleim (S. Suwanda wies bereits mehrfach auf die Entstehung und Bedeutung dieser fehlenden Säfteumwandlung hin; vgl. Bahr 2004).
Die Kälte blockiert die Säfteumwandlung durch den Funktionskreis Milz-Pankreas. Durch die Ansammlung dieser Säfte entsteht ein wässriger Schleim (chinesisch als Jin bezeichnet). Wir kennen diesen Schleim als Nasenfluss, z. B. bei akuten Erkältungen. Wenn dieser wässrige Schleim nicht ausgeleitet wird, wenn er gestaut und komprimiert wird, entsteht Hitze (Entzündung), der Schleim wird dick, zäh, gelb (heißer Schleim, Tan).
Schleimerkrankungen
SchleimerkrankungenDie Wandlungsphase Metall ist der Weg des Schleimes: Tan kann über Lunge oder Dickdarm ausgeleitet werden. Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen versucht der Körper diesen Schleim über eine Rhinitis, Sinusitis, Bronchitis, Otitis oder Colitis (mucosa) auszuleiten. Wird jedoch dieser Schleim nicht ausgeschieden, lagert er sich ab und verursacht über Jahre Beschwerden. Es entstehen schleimgefüllte Zysten in verschiedenen Organen (Thyreoidea, Mammae, Ovarien usw.). Auch arteriosklerotische Ablagerungen sind verhärtete Schleimablagerungen.
Therapie
  • Ma 40 und KG 12 stärken die Verarbeitung der Feuchtigkeit durch Milz und Magen.

  • Lu 7 zieht den Schleim aus der Lunge und leitet ihn durch Di 4 und Di 11 aus.

  • KG 4 stärkt die Umwandlungen durch Zufuhr von Nierenenergie.

  • MP 4 bewegt als Kardinalpunkt das Blut (Xue) über die Öffnung des Gefäßes der breiten Bahn (Chongmai).

  • MP 10 aktiviert das Xue.

Der Geschmack
Funktionskreis Milz-Pankreas:GeschmackMilz-Pankreas (Erde) ist der süße Geschmack zugeordnet. Eine geringe Menge Süßes unterstützt den Funktionskreis Milz-Pankreas und harmonisiert die übrigen Geschmäcker.
Das Süßholz (Radix Glycyrrhizae) wird oft in chinesische Rezepturen gegeben, um heftiger wirkende Pharmaka zu puffern. Es kräftigt das Qi und erzeugt Säfte.
Viel Süßes hingegen erzeugt zu viele Säfte, die nicht verarbeitet werden können und sich im Unterhautgewebe als Fett ablagern; cave: Diabetes.
Die Farbe
Funktionskreis Milz-Pankreas:FarbeDie Farbe der „Mitte“ ist das Gelbe. (Die Farbe des Kaisers von China ist Gelb: Er ist die Mitte des Reiches der Mitte.)
Die äußere Entfaltung
Funktionskreis Milz-Pankreas:äußere EntfaltungDie äußere Entfaltung der Erde sind die Lippen. Die „süßen“, vollen Lippen sind das Zeichen der vollständigen Entfaltung von Säften und Qi.
Körperöffnung und Sinnesorgan
Funktionskreis Milz-Pankreas:SinnesorganFunktionskreis Milz-Pankreas:KörperöffnungKörperöffnung ist der Mund, Sinnesorgan die Geschmacksfähigkeit. Der Geschmack muss harmonisch ausgeglichen sein. Überwiegt ein Geschmack, so hat der entsprechende Funktionskreis einen zu großen Einfluss auf die „Mitte“. Ein bitterer Mundgeschmack bedeutet, dass die Galle blockiert ist oder in den Magen zurückfließt.
Die ZungeZunge, ihre Form, ihre Feuchtigkeit sowie ihr Belag geben in der chinesischen Medizin wichtige diagnostische Hinweise. Die „Mitte“ als „Ausgleichsbecken“ der übrigen Funktionskreise spiegelt sich in der Zunge wider. Ein besonders wichtiges diagnostisches Zeichen ist eine geschwollene Zunge mit Zahneindrücken, ursächlich dafür ist die Schwäche der Milz.
Psychogramm
Funktionskreis Milz-Pankreas:Psychogramm Abb. 5.60
Eine durch zu üppige Ernährung blockierte „Mitte“ blockiert auch das Denken: „Plenus venter non studet libenter“ (Ein voller Bauch studiert nicht gern.).
Geist (Shen): das Mentale und Emotionale
Funktionskreis Milz-Pankreas:Geist (Shen)Der Funktionskreis Milz-Pankreas beherrscht den Intellekt. Er klärt Mentales (Denken), nimmt es auf, behält es (Gedächtnis) und gibt es weiter (Kombination, neue Ideen).
Innere Ursache für Schwächung des Milz-Qi: das Grübeln
Eine langfristige mentale und intellektuelle Belastung/Überlastung, wie sie häufig bei Studenten vor Prüfungen oder auch bei Geschäftsleuten vorkommt, schwächt das Milz-Milz-QiQi.
Ein schwaches Milz-Qi kann nicht auswählen. Es hängt Gedanken nach und grübelt. Unwichtiges kann nicht von Wichtigem unterschieden werden. Kleine Probleme werden zu großen Sorgen, schließlich kann durch dauerndes Grübeln Ängstlichkeit entstehen und letzten Endes kommt es zu richtigen Angstzuständen. Übertriebenes Grübeln führt zur Erwartungshaltung eines zukünftigen Unheils, dann kann auch der Funktionskreis Niere beeinträchtigt werden (die damit verbundene Emotion ist Furcht).
Müssen große Probleme verarbeitet, geklärt und aufgenommen werden, verbrauchen sie viel Milz-Qi. Es erschöpft sich, die Probleme stehen an und werden zu Sorgen. Zu den Sorgen kommen mit der Zeit durch das schwache, erschöpfte Milz-Qi VerdauungsstörungenVerdauungsstörungen, SchleimproblemeSchleimprobleme, Abmagerung, InappetenzInappetenz, AngstAngst und organische Krankheiten.
Extrem schlechte Ernährung während der Kindheit kann zu Debilität führen.
Emotive Probleme beeinflussen die Organe, umgekehrt verursachen aber auch Organkrankheiten emotive Probleme.
Die mentalen und die emotionalen Energien sind zwar getrennt und hängen doch zusammen wie die zwei Seiten einer Münze.
Therapie
Wichtige Punkte der Psychosomatik in diesem Sinn sind:
  • He 7, Tor des Geistes (Shenmen), und LG 24, Hof des Geistes (Shenting)

  • Bl 42, Tür der Körperseele (Pohu), und Bl 47, Tor der Wander-Geistseele (Hunmen)

  • Bl 49, Haus der Gedanken (Yishe)

  • Bl 52, Sitz des Willens (Zhishi)

Herz-Meridian (Xinjing)

Herz-Meridian

XinjingHerz-Meridian Abb. 5.61
Charakteristik
  • Bezeichnungen: Shoushaoyin, Hand-Shaoyin, kleines Yin des Armes, The arm lesser Yin Meridian

  • Abkürzungen: He (Herz, heart), C (cœur), nach internationaler Nomenklatur: der V. Meridian im Energiekreislauf

  • Meridian eines Vollorgans (Speicherorgans, Zang), daher Yin

  • Energieverlauf zentrifugal, der Herz-Meridian übernimmt die Energie vom Meridian Milz-Pankreas und gibt sie an seinen gekoppelten Yang-Partner, den Dünndarm-Meridian, weiter.

  • Chronobiologie: Optimalzeit zur Tonisierung 11–13 Uhr

  • Shu-Zustimmungspunkt: Bl 15, 1,5 Cun lateral der dorsalen Medianlinie, in der Höhe der Dornfortsatzspitze des 5. BWK

  • Mu-Alarmpunkt: KG 14, auf der vorderen Medianlinie, 1/8 der Strecke Nabel–Xiphoidspitze, 1 Cun von dieser nach kaudal

  • Der äußere Verlauf ist durch 9 Punkte markiert.

Verlauf
Der Herz-Herz-Meridian:VerlaufMeridian tritt in der Mitte der Achselhöhle, am Punkt He 1 (Jiquan), an die Oberfläche, zieht an der Innenseite (Yin) des Oberarmes nach abwärts zum inneren Ende der Ellbogenfalte (He 3), von dort weiter ulnar über die Innenseite des Unterarmes, passiert He 5 (Tongli) über der A. ulnaris und erreicht über He 7 (Shenmen) am Os pisiforme den Handteller, um dann entlang der Innenseite des Kleinfingers bis zu dessen innerem Nagelwinkel zu verlaufen und an seinem Tonisierungspunkt He 9 (Shaochong) zu enden.
Innerer Verlauf
Herz-Meridian:innerer VerlaufMehrere innere Äste haben ihren Ursprung im Herzbereich. Ein innerer Verlauf steigt durch das Zwerchfell ab zum Dünndarm. Ein weiterer innerer Ast kommt vom Herzen und zieht entlang dem Ösophagus nach kranial und endet im Auge (shen mit Wirkung auf den Glanz der Augen). Ein letzter Ast kommt ebenfalls aus dem Herz, passiert die Lunge und tritt beim Punkt He 1 in der Axilla an die Oberfläche.
Innere Meridianverlaufsrichtung: unterschiedlich für die einzelnen Äste

BESONDERE PUNKTE

Herz-Meridian (Xinjing)

Tonisierungspunkt He 9
Sedativpunkt He 7
Yuan-Quellpunkt He 7
Luo-Durchgangspunkt He 5 zu Dü 4
Shu-Zustimmungspunkt Bl 15
Mu-Alarmpunkt KG 14
Besonderheiten
Nach der Lehre der Entsprechungen (Wandlungsphasen) wurde das Herz dem Feuer, der Hitze, dem Sommer zugeordnet. Im Gesamtorganismus wurde ihm die Rolle des richtungweisenden Einflusses und der klaren Einsicht zugeschrieben, die der Persönlichkeit ihr Gepräge und den Zusammenhalt verleihen. Dies entspricht der Basis aller Lebensfunktionen. Das anatomische Substrat wurde als „adeliges Organ“ bezeichnet (wie auch die Nieren), womit eine Sonderstellung präzisiert wurde.
Als abhängig von seiner Funktion wurden der Kreislauf, die Emotionen (besonders Freude und Lachen) und die Zungenspitze als Kommunikationsorgan bezeichnet und daher dem Herz-Meridian als hervorstechendstes Merkmal seine Wirksamkeit auf die Psyche zugeordnet.
Dies drückt sich auch in unserem Kulturkreis, in unserer Sprache treffend aus: „Er hat ein Herz wie ein Löwe“, „Herz wie aus Stein“, „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“ usw.

Tendinomuskulärer Herz-Meridian

Herz-Meridian:tendinomuskulärer Abb. 5.62
Der TMM beginnt mit dem Punkt He 9 am kleinen Finger und verläuft aufwärts entlang dem Ellbogen über die Achselhöhle zum Brustkorb. Er folgt damit in etwa dem typischen Ausbreitungsgebiet des Schmerzes bei der Angina pectoris. Vom Bereich des M. pectoralis aus zieht er dann hinab zum Bauchnabel.

Verlauf am Ohr

Der retroaurikuläre VerlaufHerz-Meridian:Verlauf am Ohr des Meridians mit den Punkten He 1 bis He 3 erklärt auch seine lokale Funktion. Hervorzuheben ist die Projektionsstelle von He 3. Sie entspricht dem motorischen Herzpunkt. Innerhalb der klassischen antiken Punkte ist He 3 der Meer-He-Punkt und hat damit eine direkte Einwirkung auf das dazugehörige Organsystem.
Der Meridian durchdringt bei He 3 die Ohrmuschel und verläuft dann auf der Ohrvorderseite. Der Punkt He 4 entspricht dem sensiblen Herzpunkt. Der Luo-Durchgangspunkt He 5 hat Verbindung zum Yuan-Quellpunkt des Dünndarm-Meridians, zu Dü 4. He 5 entspricht dem Plexus cardiacus.
He 7 ist der Sedativ- und Yuan-Quellpunkt des Meridians. Er wirkt allgemein bei Unruhe, Reizbarkeit und Schlafstörungen, weitere nervöse Zustände und Energiemangel; so versteht sich auch seine Projektion an der Ohrmuschel in der Nähe des Hirnstamms. He 8 liegt zwischen He 7 und He 9. He 9 ist der Tonisierungspunkt des Herz-Meridians. Er entspricht an der Ohrmuschel dem Antidepressionspunkt („Freude“-Punkt).

Die Punkte im Einzelnen

He 1
Jiquan$He 1 §Jiquan&, „Höchste Quelle“
Lokalisation
In der Mitte der Axilla, medial von der A. axillaris (Arm in die Vertikale heben lassen)
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht (cave Arterie!)
Indikation
Lokoregional: Sensibilitätsstörungen und Schmerzen im Oberarm
Überregional: Schmerzen im seitlichen Thoraxbereich, in der Herzgegend
He 2
Qingling$He 2 §Qingling&, „Junge Lebenskraft, reger Verstand“
Lokalisation
An der Innenseite des Oberarmes, 3 Cun oberhalb der Ellbogenquerfalte, 3 Cun über He 3, in der Vertiefung medial vom M. biceps brachii (He 2 ist oft druckempfindlich)
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schulter- und Armschmerzen, die das Armheben behindern, Schmerzen in der seitlichen Thoraxregion
Überregional: Kopfschmerzen
Tradition
Die Punktur von He 2 war verboten, nur dessen Moxibustion erlaubt.
He 3
Shaohai$He 3 §Shaohai&, „Kleines Meer, kleiner Energiestausee“
Lokalisation
Bei rechtwinklig gebeugtem Unterarm am Ende der medialen Ellbogenquerfalte, oberhalb des medialen Epicondylus humeri
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Arthralgien des Ellbogengelenks, Epikondylitis, Ulnarisneuralgie, Paraesthesiae ante brachii zusammen mit Dü 4, Tremores der Hände, unterstützend bei Interkostalneuralgien sowie Schmerzen im Mammabereich
Überregional: spastische Stenokardien, Extrasystolien, Tachykardieneigung, neurozirkulatorische Beschwerden
Allgemein: Überforderungssyndrom, psychische Ermüdung, Angst, Depressionen, daraus resultierende Cephalaea sowie Schlafstörungen, psychisch bedingte Impotentia coeundi, Erhöhung der Libido, Steigerung der Abwehrfunktion bei Infekten mit Bl 38, Bl 43 und Ma 36
Tradition
In seiner Stellung innerhalb der antiken Punkte ist He 3 ein Meer-He-Punkt, damit wird ihm eine direkte Einwirkung auf das dazugehörige Organsystem zugesprochen. Dieser Meer-He-Punkt ist dem Wasser zugeordnet.
Anmerkung
Die He-Punkte aller Meridiane liegen jeweils im Bereich der Ellbogen bzw. Kniegelenke.
He 4
Lingdao$He 4 §Lingdao&, „Straße des Geistes, Esprits“
Lokalisation
1,5 Cun oberhalb der volaren Handgelenksfalte über der A. ulnaris, ½ Querfinger proximal des Processus styloideus ulnae, neben der Sehne des M. flexor carpi ulnaris, 1,5 Cun proximal von He 7 (der Abstand von He 3 zu He 7 beträgt 12 Cun)
Punktur
3–8 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Hand- und Ellbogengelenk, Neuralgien des Unterarmes
Überregional: Herzschmerzen mit Übelkeit
Allgemein: Stottern, Sprechhemmung, Angst und Depressionszustände mit Seufzen und Stöhnen
Tradition
Dieser Fluss-Jing-Punkt ist dem Metall zugeordnet.
He 5
Tongli$He 5 §Tongli&, „Verbindung mit dem Inneren“, „Durchgehender Knotenpunkt“
Funktion
Luo-Durchgangspunkt mit Verbindung zum Yuan-Quellpunkt seines gekoppelten Yang-Partnermeridians, zu Dü 4, dadurch Möglichkeit des Energieausgleiches („Fülle und Leere“, Über- und Unterfunktion)
Lokalisation
1 Cun proximal der volaren Handgelenksfalte über der A. ulnaris, in Höhe der Ulnarapophyse
Punktur
Fast paralleler Einstich zum Gefäß bis 1 Cun oder senkrecht 3 Fen
Indikation
Lokoregional: Arm- und Handgelenksschmerzen, Kontrakturen, Spasmen, Paresen, Durchblutungsstörungen
Überregional: Palpitationen, Herzschmerzen, Tachykardienneigung, labile Hypertonie mit Angstgefühl und Kongestionen, Kopfschmerzen, Schwindel, plötzlich auftretende motorische Sprechschwierigkeiten, Augenflimmern, Harndrang bei Aufregungen, Harninkontinenz, übermäßig starke Regelblutungen, Halsschmerzen, Aerophagie, Brechreiz
Allgemein: allgemeiner Energiemangel, Platzangst, seelische Hemmungen, Freudlosigkeit („man weiß mit sich selbst nichts anzufangen“), Selbstvorwürfe, Prüfungsangst, Lampenfieber. (Bei diesen Indikationen häufig mit He 7. Diese Kombination hat dämpfende Wirkung, dabei sollte beachtet werden, dass die Punktur von He 7 auch die mentale Energie beeinflusst.)
Tradition
Der Herz-Meridian steuert als seine zugehörige Emotion nicht nur die Yin-Freude (tiefe innere, ruhige Freude, stilles Glück), sondern ist auch der Meridian der Kommunikation, der zu große Schamhaftigkeit überwinden hilft, nach dem Motto: Die Zeit der „blauen Blumen“ ist niemals vorbei.
He 5 kann als Luo-Durchgangspunkt die Verbindung zu den Yang-Emotionen (laute übermütige Freude, Schadenfreude usw.) herstellen und so ausgleichend wirken.
He 6
Yinxi$He 6 §Yinxi&, „Ort des Yin“, „Grenze, Spalte des kleinen Yin
Lokalisation
0,5 Cun proximal der volaren Handgelenksfalte über der A. ulnaris, 0,5 Cun proximal des folgenden Punktes He 7
Punktur
3 Fen bis 0,5 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Handgelenksschmerzen
Überregional: Schmerzen in der Herzgegend, nervöse Palpitationen, Nachtschweiß, Angst, Kopfschmerzen, Schwindel, Yang-Depressionen (exogen bedingte Depressionen)
He 7
Shenmen$He 7 §Shenmen&, „Pforte des Geistes, Esprits“, „Göttliches Tor“, „Tor des Verstandes“
Funktion
Sedativpunkt des Herz-Meridians, zugleich Yuan-Quellpunkt. In dieser Funktion steht er in Verbindung mit dem Luo-Durchgangspunkt seines gekoppelten Yang-Partners, Dü 7.
Lokalisation
An der radialen Seite des Os pisiforme in einem Grübchen in der Höhe der volaren Handgelenksfalte, über der A. ulnaris (bei Indikation meist stark druckempfindlich)
Punktur
3–8 Fen senkrecht oder schräg oder entlang der lateralen Kante des M. flexor carpi ulnaris und dem Unterrand des Os pisiforme, in Richtung zur radialen Seite
Indikation
Lokoregional: unangenehmes Hitzegefühl in den Handtellern (oft zusammen mit kalten Füßen), Handgelenksschmerzen und Kontrakturen, Spasmen
Überregional: Herzangst, pektanginöse Beschwerden, Tachykardieneigung, thyreogene Dystonie, Extrasystolie, auch bei organisch bedingten Herzbeschwerden zusammen mit KS 7, bei Brachykardie zusammen mit He 9
Allgemein: Allgemeine Unruhe, Reizbarkeit, Nervosität, Schlafstörungen, Angstträume, depressive Zustände, Neurasthenie, Hysterie, Lampenfieber, nervöser Reizhusten, nervöser Harndrang, Energiemangel, „trockener Mund“ mit Durstgefühl ohne Hperglykämie, nervöses Erbrechen und Appetitmangel
Tradition
Bei ernsten organischen Herzerkrankungen soll man eher den KS-Meridian verwenden, z. B. KS 7 zusammen mit KG 14 und Bl 15, evtl. auch mit Ma 14. Nach der japanischen Schule soll das Herz als Organ nur in seltenen Fällen sediert werden. Regel: Immer zuerst Schwäche = Leerzustände auffüllen, bevor man „Fülle“ abbaut.
Dieser Bach-Shu-Punkt ist gleichzeitig Yuan-Quellpunkt und der Erde zugeordnet.
He 8
Shaofu$He 8 §Shaofu&, „Geringer Bezirk“
Lokalisation
In der Palma manus, proximal des Metakarpophalangalgelenks des 4. und 5. Fingers in einem Grübchen. Wenn man den kleinen Finger stark beugt, zeigt seine Spitze direkt auf den Punkt.
Punktur
2–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: heiße Handteller
Überregional: Schmerzen im Thorax, in der Herzgegend, Tachykardie, Palpitationen, Angst, Unruhe, Beklemmungsgefühl, Pruritus vulvae, Dysurie, Zusatzpunkt bei Enuresis
Tradition
Gehört zu den Quell-Ying-Punkten, die zur Behandlung rheumatischer Gelenkschmerzen empfohlen werden: He 8, Dü 2, Bl 66, Ni 2.
Dieser Quell-Ying-Punkt ist dem Feuer zugeordnet.
He 9
Shaochong$He 9 §Shaochong&, „Geringer Ansturm“, „kleines Überlaufen“
Funktion
Tonisierungspunkt des Meridians
Anfangspunkt des TMM des Herzens
Lokalisation
2 mm medial und proximal vom daumenseitigen Nagelfalzwinkel des kleinen Fingers (im arteriovenösen Anastomosengebiet)
Punktur
1–3 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Kontrakturen und Schmerzen, besonders an der Innenseite des Armes, der deswegen nicht durchgestreckt werden kann; Schmerzen im seitlichen Thoraxbereich
Überregional: Appetitmangel, Bauchschmerzen mit Diarrhö und Darmkoliken, spastische Obstipation, besonders bei Frauen, peritoneale Reizzustände, Aszites, Ödeme jeglicher Genese; Miktionsbeschwerden, Urethritis, Dysurie, Oligo- oder Anurie, Enuresis, Harnleiterkoliken, Prostatitis, Dysmenorrhö, Metrorrhagie
Allgemein: psychische Schwächezustände, Angst, Unruhe, Melancholie, Beklemmungsgefühl; einer der wichtigsten Punkte bei „krisenhaften Zuständen“ (Schock, Kollaps, Sonnenstich, bei zerebralen Insulten im akuten Stadium usw.)
Tradition
Sogenannter „Leichenträgerpunkt“: Die Leichenträger bissen im Mittelalter ihren „Kunden“ in den kleinen Finger, um sie wiederzubeleben bzw. deren sicheren Tod festzustellen (Zeitler 1980). Dieser Ursprung-Jing-Punkt (Ting-Punkt) ist dem Holz zugeordnet.

Der Funktionskreis Herz aus traditioneller Sicht

Funktionskreis Herz:traditionelle Sicht Abb. 5.68
Die Funktionskreise Herz und Dünndarm sind die funktionell-organischen Entsprechungen der Wandlungsphase Feuer. Diese Funktionskreise bilden das in der Tradition sogenannte erste Feuer oder kaiserliche Feuer. Das zweite oder ministerielle Feuer mit engen Beziehungen zum ersten stellen die Funktionskreise Kreislauf-Sexualität (KS, „Meister des Herzens“) und Dreifacher Erwärmer (3E) dar.
Der Funktionskreis Herz ist die Instanz der Koordination (Shen) und der Kohäsion (Xue), die übergeordnete Instanz, die deswegen auch als „Kaiser“ bezeichnet wird. Von den drei „energetischen Schätzen“ Qi, Shen und Jing (Essenz, Struktivpotenzial) bilden Qi und Jing die materielle Grundlage für Shen. Struktives und Geistiges werden in der chinesischen Medizin als viel verbundener betrachtet als bei uns, die wir Seele und Körper (theoretisch) trennen.
Blut (Xue)
Funktionskreis Herz:Blut (Xue)Blut (Xue)Nach der Tradition bildet das Herz das Blut, es verwaltet und verteilt es. Nun wissen wir heute, dass das Herz das Blut nicht bildet. Man kann diesen Satz der Tradition folgendermaßen verstehen: Aus der Lunge kommt das Nähr-Qi in das Herz, aus der Milz kommen die Körpersäfte und aus der Niere (Knochenmark) die korpuskulären Elemente. Sie werden im Funktionskreis Herz zu dem gemischt oder „gepresst“, was zum individuell geprägten Xue wird.
Das Struktivpotenzial des Herzens ist das Xue
Das Herz verteilt das Blut. Sowohl die Adern, die für das Xue zuständig sind, als auch die Funktionskreise, die die Lebensenergie Qi führen, haben eine Beziehung zum Funktionskreis Herz.
Zum Xue gilt Folgendes:
  • Das Herz bildet Blut und verwaltet Blut.

  • Herz und Kreislauf („Meister des Herzens“) verteilen das Blut.

  • Die Milz hält das Blut (Bindegewebsfunktion).

  • Die (energetische) Niere stellt das Blut her (korpuskuläre Elemente im Knochenmark), dabei spielen auch genetische Einflüsse eine Rolle.

  • Die Leber sammelt das Blut (Blutspeicher).

  • Die Lunge stellt das Nähr-Qi zur Verfügung.

  • Die Beziehung zwischen Herz und Blut ist für den Gesamtorganismus von großer Bedeutung:

  • Chronische Anämie schwächt alle Organe.

  • Herzinsuffizienz führt zu Störungen aller Organe, auch der mentalen Funktionen.

Zunge und Sprache
SpracheZungeDie Zunge gehört als SinnesorganFunktionskreis Herz:Sinnesorgan zum Herzen. Dies beinhaltet jedoch nicht nur den Geschmack, sondern auch die Berührung (Küssen, Zungenspitze), Farbe (Blutstauung, Anämie?) und Form der Zunge sowie die Beweglichkeit (Sprache, Stottern). Die Sprachimpulse (Schweigen, viel Sprechen) hängen vom Shen ab.
Freude
Funktionskreis Herz:FreudeFreudeDie Freude oder besser das Glücklichsein ist der Ausdruck der Harmonie zwischen Struktivem und Energetischem oder zwischen Körper, Geist und Seele und besonders auch zwischen Xue und Shen, die beide ihren Sitz im Herzen haben.
Das Glücklichsein ist der Ausdruck der vollkommenen Harmonie, der koordinierten Abläufe und der Kohäsion. Der Punkt He 9 als Tonisierungspunkt des Herzens wird deshalb zu Recht als Punkt der Freude bezeichnet, er stärkt das Herz-Qi mit seinen Yin- und Yang-Anteilen (hier Yang, Feuer).
Geschmack
Zum Funktionskreis HerzFunktionskreis Herz:Geschmack gehört der bittere Geschmack wie zum Feuer der eher bittere Rauch.
Das Herz ist dem Feuer zugeordnet und entspricht damit der höchsten Aktivität, Zenit, Sonne und Wärme. Diese Aktivität wird gebremst durch das Bittere: Es kondensiert das Yang und kühlt es ab (wichtig auch in der Verdauung und der Arzneimitteltherapie!). Das Bittere lässt das Yang des Herzens nach unten fließen.
In der Tradition entsteht das Feuer aus dem Holz (mit dem Funktionskreis Leber), das Bittere entsteht aus dem Sauren. Die Galle ist bitter, sie entsteht als Yang-Partner der Leber im Sinne einer Weiterwandlung der Leber und wirkt damit auf das Herz.
Schweiß
SchweißDer SchweißFunktionskreis Herz:Schweiß ist der Teil der Körperflüssigkeiten, der sich „zwischen Haut und Muskeln“ befindet und durch die Haut austreten kann. Er wird in der chinesischen Medizin dem System Herz zugeordnet, weil die Körperflüssigkeiten auch zum Xue, zum Flüssigkeitshaushalt, gehören.
Eine Schwäche im Funktionskreis Herz führt zu Schwitzen, z. B. bei Emotionen oder bei Belastungen. Wenn dadurch das Herz-Qi vermindert wird, kann oft der Flüssigkeitsumlauf blockiert werden. Der Schweiß tritt häufig in den Achselhöhlen aus (He 1, „perfekte Quelle“).
Nächtlicher profuser Schweiß bedeutet Schwäche im Herz-Yin (die Nacht entspricht Yin).
Psychogramm
Funktionskreis Herz:Psychogramm Abb. 5.69
Geist (Shen)
Funktionskreis Herz:Geist (Shen)Das Herz ist Sitz und Speicher der konstellierenden Kraft Shen. Geist (Shen)Geist (Shen) bestimmt das Gepräge der Persönlichkeit, den Charakter und das Gehabe sowie auch die äußere Erscheinung. Shen ist die Quintessenz des Lebendigen und organisiert es.
Die Tradition (Su Wen, Kap. 23) legt den Sitz des Shen ins Herz und meint damit die folgenden 5 Funktionen:
  • Mentale Aktivität, das heißt Intelligenz und EmotionenEmotionen

  • BewusstseinBewusstsein

  • GedächtnisGedächtnis

  • DenkenDenken

  • SchlafSchlaf

Allerdings verlegte in der Ming-Zeit (1368–1644) eine chinesische Medizinschule den Sitz von Intelligenz und Gedächtnis ins Gehirn (und damit in den Funktionskreis Niere) und ließ dem Herzen Emotionen und Gemüt. Dies geschah also lange vor dem Einfluss der westlichen Medizin in China und ungefähr zur gleichen Zeit (im 16. Jahrhundert), zu der dies auch die europäischen Anatomen und Physiologen erkannten (da Vinci, Ryff, Vesalius, Theophrastus von Hohenheim und andere). Nun muss man sich allerdings bewusst sein, dass Emotionen und Denkarten auch in der Tradition nicht nur an eine Wandlungsphase gebunden sind. Vielmehr haben alle Funktionskreise geistige Inhalte und ihr eigenes Psychogramm.
Ein mentaler Akt sollte die mentalen Aktivitäten aller Funktionskreise enthalten und somit Ausdruck der Gesamtpersönlichkeit werden. Bei Ungleichgewicht der Funktionskreise, durch Fülle oder Leere, überwiegt eine Denkart.
Das Psychogramm der einzelnen Yin-Organe in Bezug auf ihre Denkarten
  • Die physiologische Denkart des Herzens ist die Intuition. Sie ist kreativ, meditativ, kommt von innen, vom Transzendentalen (z. B. Albert Einstein).

  • Der Kreislauf („Meister des Herzens“) muss dieses kreative Denken, aber auch Xue und Shen nach außen vermitteln. Kann er dies nicht mehr oder nur partiell, z. B. wegen „Feuer-FülleFeuer-Fülle“ durch Erregung (Stress) oder als Folge einer Pseudo-Feuer-FüllePseudo-Feuer-Fülle wegen Schwäche der Yin-OrganeYin-Organe (vor allem der Nieren), entstehen psychosomatische Erkrankungen. Xue und Shen, das heißt die Informationen des Herzens, werden nicht mehr richtig nach außen geleitet, einzelne Organe oder Systeme führen ein Einzelleben, die Kohäsion des Organismus zerfällt.

  • Die pathologische Denkart, die der Nierenenergie zugeordnet ist, ist egozentrisch, analytisch, mathematisch berechnend, hart.

  • Die der Leberenergie zugehörige pathologische Denkart ist unbeherrscht, überschäumend, unberechenbar, cholerisch.

  • Die für die Lungenenergie zuständige pathologische Denkart der Lunge ist verschlossen, melancholisch, introvertiert, weniger aktiv.

Aus der Praxis
Patienten, die unter starkem Stress leiden, haben in der Regel eine vorbestehende Schwäche des Shen oder Schwäche des Nieren-Yin durch eine vorwiegend mentale Belastung. Die vorbestehende Schwäche kann angeboren (egozentrischer Charakter) oder erworben sein durch Ernährungsstörung oder Erschöpfung. Kohäsion und Stärke fehlen dem Organismus, schließlich tritt eine Pseudo-Yang-FüllePseudo-Yang-Fülle auf, die durch die mentale Belastung verstärkt wird.
Xue und Shen sind, wie Yin und Yang, eng miteinander verbunden. Xue ist die Wurzel des Shen, Shen bewegt das Xue, bewegt das Struktive, richtet es aus, koordiniert es, hält den Organismus materiell und geistig zusammen (Kohäsion).
Materielle und informative Kohäsion
Blut (Xue) ist die Grundlage der materiellen KohäsionKohäsion. Das Qi ist über die Meridiane, ihre multiplen Vernetzungen und Punkte die Grundlage der informativen Kohäsion. Die informativen Einwirkungen sind äußerst vielfältig. Leben als ein informations- und strukturgewinnender Prozess erfolgt über nur wenige chemische Stoffe, jedoch über unvorstellbar viele Informationen, komplexe Struktur- und Funktionsvorgänge.
Schlaf
Funktionskreis Herz:SchlafGeist (Shen) kehrt nachts in das Herz-YinHerz-Yin zurück, was zu RuheRuhe, Gelassenheit und SchlafSchlaf führt. Man kann sich das Herz-Yin wie ein Haus vorstellen. Ist dieses zu klein, kann das Shen nicht hinein, es bleibt außerhalb des Herz-Yin und bleibt damit aktiv. Dies bedeutet Unruhe, Schlaflosigkeit, schlechten Rhythmus und in der Nacht eine falsche REM-Abfolge.
Der Kardinalpunkt Ni 6 für das aufsteigende Yin-Gefäß (Yinqiaomai) bringt besonders viel Yin-Qi aus dem Funktionskreis Niere direkt in den Oberen Erwärmer und vergrößert das Herz-Yin-Qi und damit die Herzpotenz (Aufnahmefähigkeit).
Auch der Punkt He 7 vergrößert dieses Herz-Yin-Qi, jedoch von der „Mitte“ her über die Ernährung, da He 7 die Wandlungsphase Erde bewegt.
Die Schlafbehandlung soll sich aber nicht in den Punkten Ni 6 und He 7 erschöpfen. Man muss auch den Zustand des Xue beachten und, falls notwendig, das hyperaktive Yang absenken.
Zur Ergänzung: He 3 erhöht als motorischer Herzpunkt die Potenz, die Kraft der Kontraktion, da dieser Punkt als Wasserpunkt die Nierenenergetik im Herzmuskel vermittelt und damit die Potenz und Kraft erhöht. Je nach der angeregten Wandlungsphase wird also verschieden „tonisiert“.

Dünndarm-Meridian (Xiaochangjing)

Dünndarm-Meridian

XiaochangjingDünndarm-Meridian Abb. 5.70
Charakteristik
  • Bezeichnungen: Shoutaiyang, Hand-Taiyang, Großes, mächtiges Yang der Hand, The small intestine channel of hand Taiyang

  • Abkürzungen: Dü, IG (intestine grele), SI (small intestine), nach internationaler Nomenklatur: der VI. Meridian im Energiekreislauf

  • Meridian eines Hohlorgans (Werkstättenorgans, Fu), daher Yang

  • Energieverlauf zentripetal, er übernimmt die Energie vom Herz-Meridian und gibt sie an den Blasen-Meridian weiter.

  • Chronobiologie: Optimalzeit zur Tonisierung 13–15 Uhr

  • Shu-Zustimmungspunkt: Bl 27, 1,5 Cun seitlich der dorsalen Medianlinie in Höhe des 1. Sakralloches (Bl 31)

  • Mu-Alarmpunkt: KG 4. Er liegt, wenn man die Strecke vom Oberrand der Symphyse bis zum Nabel in 5 gleiche Teile teilt, ⅖ oberhalb der Symphyse, auf der ventralen Medianlinie.

  • Der äußere Verlauf ist durch 19 Punkte gekennzeichnet.

Verlauf
Dünndarm-Meridian:VerlaufDer Meridian beginnt am äußeren Nagelfalzwinkel des kleinen Fingers, zieht von dort an dessen Außenseite an die dorsale Seite des Handgelenks, wo er den Spalt zwischen Os triquetrum und Processus styloideus ulnae überquert. Nun verläuft er an der Außenseite des Unterarmes zum Spalt zwischen Olekranon und Epicondylus medialis humeri (Dü 8) und zieht weiter an der Außenseite des Oberarmes empor zur Skapularegion und von dort zur Fossa supraclavicularis. Sein äußerer Verlauf steigt nun über die seitliche Halspartie und über die Mandibula zum Os zygomaticum auf, dort, wo an dessen Unterrand der vordere Ansatz des M. masseter tastbar ist (Dü 18) – von hier besteht eine Verbindung zum inneren Augenwinkel (Bl 1). Von hier zieht er weiter zu seinem Endpunkt Dü 19, der in einem Grübchen vor und etwas unterhalb des Tragus, am Rand des temporomaxillaren Gelenks, über der A. temporalis superficialis gelegen ist.
Innerer Verlauf
Dünndarm-Meridian:innerer VerlaufAb dem Punkt Dü 15 zieht eine innere Verbindung zum Punkt LG 14 und von dort über die Fossa supraclavicularis weiter in die Tiefe zum Herzen und auf der Mittellinie zum Dünndarm mit einer Verbindung auf der Innenseite zu den Punkten KG 13 und KG 12. Vom Dünndarm verläuft ein innerer Ast zum Magen-Meridian und verbindet sich mit ihm im Punkt Ma 39, dem He-Funktions-Punkt für den Dünndarm.
Ein letzter Ast zieht vom Punkt Dü 18 innen zum Punkt Bl 1.
Innere Meridianverlaufsrichtung: hauptsächlich von oben nach unten

BESONDERE PUNKTE

Dünndarm-Meridian (Xiaochangjing)

Dünndarm-Meridian:besondere PunkteTonisierungspunkt Dü 3
Sedativpunkt Dü 8
Yuan-Quellpunkt Dü 4
Luo-Durchgangspunkt Dü 7 zu He 7
Shu-Zustimmungspunkt Bl 27
Mu-Alarmpunkt KG 4
Kardinalpunkt, der das Lenkergefäß Dumai einschaltet Dü 3
He-Funktion für den Dünndarm, direkte Einwirkung über Ma 39
Besonderheiten
Nach der Lehre der Entsprechungen hat der Dünndarm als komplementäres Yang des Herzens ebenfalls seinen Platz in der Wandlungsphase Feuer und repräsentiert daher die Yang-Aspekte der beim Herz-Meridian beschriebenen Funktionen, die ergänzt werden durch die ihm eigenen Wirkungen, nämlich die schleimhautwirksamen und spasmolytischen Effekte.
Innerhalb des Gesamtorganismus wurde ihm die Rolle eines Hohlorgans (daher Yang) zugeschrieben, das die Nahrung aufnimmt und umwandelt, wobei die energetisch aufzufassenden Nahrungsbestandteile (Ernährungsenergie) gesondert und dann weiterverteilt werden.
Der Dünndarm-Meridian wurde bei jenen Symptomen, die mit einer Dyskrasie der struktiven Säfte zusammenhingen, bevorzugt eingesetzt.

Tendinomuskulärer Dünndarm-Meridian

Dünndarm-Meridian:tendinomuskulärer Abb. 5.71, Abb. 5.72
Der Verlauf des TMM beginnt mit dem Punkt Dü 1 an der Spitze des kleinen Fingers und führt hinten am Handgelenk über den Arm zum Schulterblatt. Ein weiterer Meridian verläuft von der Schulter aufwärts zum Nacken. Von dort zunächst oberhalb sowie unterhalb des Ohrs und dann an Kiefer und Augenwinkel entlang zur Stirn.

Verlauf am Ohr

Der Dünndarm-Meridian ist ein Yang-Meridian. In der Körperakupunktur gilt er als allgemein schleimhautwirksam und spasmolytisch. Darüber hinaus gibt es auf dem Meridian auch wichtige lokale Punkte für Ellbogen, Schulter, Trigeminus und Zahnbereich. Die Resonanzentsprechungen an der Ohrmuschel sind daher sehr interessant. Der Meridian zeigt einen geometrisch anmutenden Meridianverlauf: Dü 1 liegt in der Gegend des DNS-Punktes. Der Punkt Dü 3 entspricht dem Plexus coeliacus retro. Für den Ellbogen motorisch ist der Punkt Dü 8 und für die motorische Schulter sind die Punkte Dü 9 und Dü 10 zuständig. Dü 17 hat eine gute Wirkung auf den Trigeminus (mit Dü 18). Allgemein ist der Punkt Dü 18 in Resonanz mit dem Zahnbereich, besonders der molaren Zähne. Dagegen hat der Punkt Dü 19 eine Wirkung auf Ohr und Gehör („Linie der Töne“).

Die Punkte im Einzelnen

Dü 1
Shaoze$Dü 1 §Shaoze&, „Kleiner Teich, Sumpf“
Funktion
Ursprungs-Jing-Punkt (Ting-Punkt), Beginn des Energieflusses; damit auch Anfangspunkt des tendinomuskulären Dünndarm-Meridians (TMM)
Lokalisation
1 Fen (ca. 2 mm) lateral und proximal vom äußeren Nagelfalzwinkel des Kleinfingers
Punktur
1 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Armschmerzen, Muskelspasmen, Tortikollis (Wirkung über den Verlauf des TMM); Schmerzen im Bereich der Skapula
Überregional: trockener Mund oder Hypersalivation, Brechreiz, Erbrechen, Kopfschmerzen, Konvulsionen, Sehschwierigkeiten, Schleier vor den Augen, Rhinitis, Laryngitis, Husten
Allgemein: starke Affinität zur Schleimhaut, sekretolytisch, antitoxisch (krisenhafte Zustände, siehe auch He 9)
Tradition
Dieser Ursprung-Jing-Punkt (Ting-Punkt) ist dem Metall zugeordnet.
Dü 2
Qiangu$Dü 2 §Qiangu&, „Vorderes Tal“
Lokalisation
In einer kleinen Mulde, an der Außenseite des Grundgelenks des kleinen Fingers, an der Grenze des Überganges des Hautfarbtones von rötlich zu weiß
Punktur
2–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Gefühllosigkeit der Finger, Schmerzen, die das Armheben erschweren; Schwellungen und Schmerzen im Nackenbereich und retroaurikulär
Überregional: Hornhauttrübung, Ohrensausen, Angina, Schnupfen mit verstopfter Nase, Nasenbluten, Husten, Hämatemesis, verzögerte und mangelhafte Laktation
Allgemein: Fieber ohne Schweiß
Tradition
Dieser Quell-Ying-Punkt ist dem Wasser zugeordnet.
Dü 3
Houxi$Dü 3 §Houxi&, „Hintere Talmulde“
Funktion
Tonisierungspunkt
Kardinalpunkt (Schlüsselpunkt) für den außerordentlichen Meridian Lenkergefäß (Dumai)
Lokalisation
Die Handtellerquerfalte über die ulnare Handkante hinaus verfolgen, am Ende dieser Falte findet man den Punkt.
Punktur
3 Fen bis 1 Cun schräg im Meridianverlauf
Indikation
Lokoregional: Sensibilitätsstörungen der Finger, Krampi im Handbereich, Armneuralgien, Schulter-Arm-Syndrom, Muskelkontrakturen, Interkostalneuralgie, Schmerzen im Bereich der oberen BWS
Überregional: Konjunktivitis mit Tränenfluss, Blepharitis, Schmerzen der Augenzähne, Hypakusis, Tinnitus, Scheitelkopfschmerzen (durch seine Verbindung über Sekundärgefäße z. B. von Dü 18 zu Bl 1)
Allgemein: allgemeiner Schleimhautpunkt, bei „tetaniformen Zuständen“ jeglicher Art durch seine antispastische, spasmolytische Wirkung einsetzbar. Bei Einsatz als Kardinalpunkt: Hebung der allgemeinen Energie sowohl psychisch als auch moralisch, gegen Depressionen, epileptiforme Konvulsionen, Folgezustände nach zerebralen Insulten, spastische Kontrakturen (z. B. bei Morbus Bechterew zusammen mit Bl 62), Folgezustände nach Poliomyelitis, Tremores etc.; Meisterpunkt der Spasmolyse
Tradition
Dieser Bach-Shu-Punkt ist dem Holz zugeordnet.
Dü 4
Wangu$Dü 4 §Wangu&, „Knochen des Handgelenks“
Funktion
Yuan-Quellpunkt, über ein Sekundärgefäß mit dem Luo-Durchgangspunkt seines gekoppelten Yin-Meridians (He 5) in Verbindung
Lokalisation
An der Ulnarseite des Handgelenks, zwischen dem Os metacarpale V und dem Os hamatum in einer Vertiefung
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen und Entzündungen sowie Arthralgien der Finger, Hand- und Ellbogengelenke, Schwäche des Handgelenks (Unfähigkeit, etwas halten zu können), Schreibkrampf
Überregional: Kopfschmerzen, Tinnitus, Augenflimmern, ständiger Tränenfluss, Brechreiz, zusätzlich bei Cholezystopathien
Tradition
Bringt Yin-Energie in das Taiyang (Dü, Bl)
Dü 5
Yanggu$Dü 5 §Yanggu&, „Yang-Tal“
Lokalisation
In einer Vertiefung distal vom Processus styloideus ulnae, in Höhe des ulnaren Endes der Handgelenksfalte
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Handwurzelschmerzen, Schmerzen an der Außenseite des Armes, Schwellungen nach Unterarmfrakturen bzw. nach Gipsabnahme, Schulter- und Nackenschmerzen, Schmerzen in den Thoraxseiten
Überregional: Tinnitus, Hypakusis, Kieferschmerzen
Allgemein: Fieber ohne Schweiß, meningeale Reizzustände, psychische Übererregbarkeit im Krankheitsverlauf
Tradition
Verstärkt das Abwehr-Qi (Weiqi). Dieser Fluss-Jing-Punkt ist dem Feuer zugeordnet.
Dü 6
Yanglao$Dü 6 §Yanglao&, „Zufriedenes Alter“
Lokalisation
In einer Vertiefung, die knapp proximal und etwas radial von der Spitze des Processus styloideus ulnae, schon an der dorsalen Seite des Unterarmes zu tasten ist.
Punktur
2 Fen senkrecht oder 1 Cun schräg in Richtung KS 6
Indikation
Lokoregional: Intensive Schmerzen in den Gelenken der oberen Extremität, im Schulter- und Nackenbereich, wobei der Arm nicht gehoben werden kann.
Überregional: Hemiplegie, Sehstörungen, unscharfes Sehen
Dü 7
Zhizheng$Dü 7 §Zhizheng&, „Korrektur, Wiederherstellung der Gliedmaßen“
Funktion
Luo-Durchgangspunkt, als solcher in Verbindung mit dem Yuan-Quellpunkt (He 7) seines gekoppelten Yin-Partners, des Herz-Meridians, über das „transversale“ Luo-Gefäß (Energieausgleich zwischen Dünndarm- und Herz-Meridian)
Lokalisation
Am lateralen, dorsalen Anteil des Unterarms, über dem Rand der Ulna, auf einer gedachten Verbindungslinie von Dü 5 zu Dü 8, 5 Cun proximal von Dü 5, entspricht etwa der Unterarmmitte
Punktur
3–8 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen in den Fingergelenken, man kann keine Faust machen, Nackensteifigkeit
Überregional: psychische Erkrankungen: Neurasthenie, besonders im sexuellen Bereich, abwechselnd Reizbarkeit und apathisch depressive Verstimmung, Angst mit Tachykardieneigung, Augenflimmern, Chalazion, Kieferentzündungen, Darmkoliken, spastische Obstipation, aber auch Diarrhö
Allgemein: Fieber mit starkem Durstgefühl
Tradition
Über das „longitudinale“ Luo-Gefäß außerdem direkte Einwirkung auf das Hohlorgan Dünndarm möglich. Dem Punkt wird in der Literatur auch eine He-Funktion – darunter hat man eine direkte energetische Verbindung zu einem Organ oder Hohlorgan zu verstehen – zum Hohlorgan Magen zugeschrieben.
Dü 8
Xiaohai$Dü 8 §Xiaohai&, „Kleines Meer“
Funktion
Sedierungspunkt, Meer-He-Punkt
Lokalisation
Im proximalen Bereich der Mulde zwischen Olekranon und Epicondylus ulnaris, 0,5 Cun von der Olekranonspitze entfernt. Arm beugen, bei Druck auf den Punkt soll ein zum kleinen Finger hin ausstrahlender Schmerz verspürt werden.
Punktur
3–8 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: besonders rheumatisch bedingte Schmerzen im Nacken-, Schulter-, Armbereich, auch Sensibilitätsstörungen in dieser Region, lokal: Epikondylitis
Überregional: Epilepsie, Konvulsionen, Geisteskrankheiten, verschwommenes Sehen, Schwerhörigkeit, Zahnschmerzen mit Gingivitis, Trismus; Spasmen, Schmerzen im Unterbauch
Allgemein: Fieber, dabei Kältegefühl
Tradition
Meer-He-Punkt. Als Meer-He-Punkte – He bedeutet vereinen, konzentrieren – werden jene „antiken, überlieferten“ Punkte der Meridiane bezeichnet, die entweder in der Region der Ellbogen oder der Kniegelenke liegen. Beispiel: Dü 8, He 3, 3E 10, Di 11, KS 3, Lu 5. In ihnen konzentriert sich die Energie, sodass über diese Punkte direkt auf das Organ bzw. Organsystem und die ihm zugeordnete Symptomatik Einfluss genommen werden kann. Dieser Meer-He-Punkt ist der Erde zugeordnet.
Dü 9
Jianzhen$Dü 9 §Jianzhen&, „Reine, keusche Schulter“
Lokalisation
1 Cun oberhalb des Endes der dorsalen Achselfalte (bei herabhängendem Arm) in einer deutlich tastbaren Vertiefung
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht, Moxibustion empfehlenswert
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Schultergelenk, in der Arm- und Schulterblattregion, auch bei rheumatischer Genese, Sensibilitätsstörungen in diesem Bereich; Unvermögen, den Arm nach hinten zu heben (so genannter Schürzenbandpunkt). Dü 9 gehört zu den führenden Punkten bei der Behandlung von Omarthralgien. Meist zusammen mit Di 15, Dü 14 und dem spiegelbildlich zu Dü 9 oberhalb des Endes der vorderen Achselfalte gelegenen He 1–01 (Neupunkt 125, Ye Ling).
Überregional: Tinnitus, Hypakusis
Dü 10
Naoshu$Dü 10 §Naoshu&,Shu-Zustimmungspunkt für die obere innere Armregion“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Haltegefäß des Yin (Yinweimai) und dem Aufsteigenden Yang-Gefäß (Yangqiaomai)
Lokalisation
Auf einer gedachten Verlängerung der hinteren Achselfalte, oberhalb des Punktes Dü 9, in einer Vertiefung unter der Unterkante der Spina scapulae, etwa ¼ ihrer Länge vom Acromion entfernt
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen und Schwäche in der Schulterregion und im Nacken, Schreibkrampf
Überregional: Augen- und Kopfschmerzen, ophthalmische Migräne (Hilfspunkt)
Dü 11
Tianzong$Dü 11 §Tianzong&, „Göttliches Prinzip“
Lokalisation
In der Mitte der Fossa infraspinata, in einer Mulde oder in der Höhe von LG 11 (5. Brustwirbeldornfortsatz); Dü 11 bildet mit Dü 10 und Dü 9 ein Dreieck.
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Nacken-, Schulter- und Armbereich sowie im Wangen- und Kinnbereich (entsprechend dem Meridianverlauf)
Überregional: Schmerzen im Mammabereich, besonders während der Stillperiode (bei mangelhafter Laktation zusammen mit Dü 1), Dehnungs- und Spannungsgefühl, auch prämenstruell
Dü 12
Bingfeng$Dü 12 §Bingfeng&, „Empfang des Windes“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Di-, 3E- und Gb-Meridian
Lokalisation
In der Mitte der Fossa supraspinata in einer Mulde, die entsteht, wenn der Arm vertikal gehoben wird, direkt über Dü 11
Punktur
5 Fen senkrecht oder bis 1 Cun schräg
Indikation
Lokoregional: Spezialpunkt gegen Schulterschmerzen, die das Heben des Armes behindern, Schmerzen und Parästhesien in den oberen Extremitäten
Dü 13
Quyuan$Dü 13 §Quyuan&, „Mauerbiegung“
Lokalisation
Im medialen Anteil der Fossa supraspinata, dort, wo die Spina scapulae eine Krümmung aufweist (daher der Name), in der Mitte einer Verbindungslinie zwischen Dü 10 und 2. Brustwirbeldornfortsatz
Punktur
Bis 5 Fen senkrecht, bis 1 Cun schräg
Indikation
Lokoregional: schmerzhafte Verspannungen und Muskelkontrakturen im Schulterbereich
Dü 14
Jianwaishu$Dü 14 §Jianwaishu&,Shu-Zustimmungspunkt der äußeren Region der Schulter“
Lokalisation
An der oberen Partie der Skapula, 3 Cun neben LG 13 (Taodao), unter dem 1. Brustwirbeldornfortsatz
Punktur
0,5 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Schultergelenk und Schulterblatt, Rheuma mit Kältesensationen im Nacken
Tradition
Moxibustion vorteilhaft
Dü 15
Jianzhongshu$Dü 15 §Jianzhongshu&,Shu-Zustimmungspunkt für die mittlere Schulterregion“
Funktion
Dieser Punkt wird bei manchen Autoren als Reunionspunkt dreier Meridiane beschrieben und gleichzeitig als Gb 21 und 3E 16 geführt. Präzise formuliert handelt es sich jedoch um eine Kreuzungszone, innerhalb deren diese drei Punkte liegen. Sie haben dabei durchaus ihren eigenen Wirkungskreis, allerdings auch manche gemeinsame Indikation.
Lokalisation
Auf einer gedachten Horizontalen, in der Höhe des Dornfortsatzes des 7. Halswirbels, 2 Cun lateral von der Medianlinie
Punktur
5 Fen bis 1 Cun schräg
Indikation
Lokoregional: Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen
Überregional: Bronchitis, Asthma, verschwommenes Sehen, Hypakusis, Tinnitus, geschwollener, schmerzhafter Oropharynx
Dü 16
Tianchuang$Dü 16 §Tianchuang&, „Himmelsfenster“
Lokalisation
Am hinteren Rand des M. sternocleidomastoideus, auf gleicher Höhe wie der Punkt Di 18, dorsal von diesem
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Nacken- und Schulterschmerzen, Tortikollis, Trismus, Wangenschwellung – Lymphgefäße!
Überregional: Angina
Dü 17
Tianrong$Dü 17 §Tianrong&, „Himmelsfigur“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Gb-Meridian
Lokalisation
Distal vom Ohrläppchen, hinter dem Unterrand des Unterkieferwinkels, ventral vom M. sternocleidomastoideus, in Höhe von Ma 6
Punktur
1 Fen bis 1 Cun (cave: Gefäße!)
Indikation
Lokoregional: Anginen, Laryngitis, Pharyngitis, Tonsillarabszesse, Trismus, Adenitis cervicalis – Lymphgefäße!
Überregional: Schmerzen und Völlegefühl im Thorax mit erschwertem Atmen
Dü 18
Quanliao$Dü 18 §Quanliao&, „Grube des Backenknochens“
Funktion
Reunionspunkt mit dem 3E-Meridian
Sekundärgefäß zu Bl 1
Lokalisation
Am Schnittpunkt einer durch den äußeren Augenwinkel gelegten Vertikalen mit dem Unterrand des Jochbeines, am Vorderrand des Ansatzes des M. masseter, in einem Grübchen
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht oder schräg
Indikation
Lokoregional: infraorbitale Schwellungen, Sinusitis maxillaris, Trigeminusneuralgie des 2. Astes, Fazialisparese, Zahnschmerzen im Oberkieferbereich
Dü 19
Tinggong$Dü 19 §Tinggong&, „Palast des Gehörs“
Funktion
Reunionspunkt mit dem 3E-Meridian und dem Gb-Meridian
Lokalisation
Bei geöffnetem Mund in einer Vertiefung zwischen Tragus und Mandibulargelenk, über der A. temporalis superficialis
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: chronischer Ohrenfluss, Otitis media, Otitis externa, Hypakusis, Tinnitus, Laryngitis, Arthritis des Kiefergelenks
Mnemotechnik: Punkte, die in ihrem chinesischen Namen die Silbe „Ting“ enthalten, haben oft Einwirkung auf das Ohr und den Gehörsinn. Punkte, die „Ming“ in ihrem Namen aufweisen, haben häufig Indikationen, die Augenleiden, Sehstörungen etc. betreffen.

Der Funktionskreis Dünndarm aus traditioneller Sicht

Funktionskreis Dünndarm:traditionelle Sicht Abb. 5.80, Abb. 5.81
Der Funktionskreis Dünndarm ist der Außenfunktionskreis oder das Yang-Komplement des Funktionskreises Herz.
„Großes Yang“ – Taiyang
Funktionskreis Dünndarm:Großes YangNach Su Wen, Kap. 6, und Ling Shu, Kap. 5 (Van Nghi 1971) bildet der Dünndarm-Meridian (Hand-Taiyang) zusammen mit dem Blasen-Meridian (Fuß-Taiyang), an den er im Zyklus der Hauptmeridiane seine Energie übergibt, das „mächtige Yang(Taiyang).
Jeweils 2 Meridiane schließen sich zu einer informativen Einheit zusammen, um die Produktion, den Umlauf und die Speicherung der Energien (Qi), des Blutes (Xue) und der Flüssigkeiten (Jin) zu koordinieren.
Die Tradition gibt den drei informativen Einheiten im Yang und den drei informativen Einheiten im Yin, die auch „energetische Schichten“ genannt werden, folgende Bezeichnungen und Funktionen:
  • Großes Yang (Taiyang) mit den Meridianen Dünndarm/Blase

  • „Strahlendes Yang(Yangming) mit den Meridianen Dickdarm/Magen

  • Kleines Yang (Shaoyang) mit den Meridianen Dreifacher Erwärmer/Gallenblase

  • Großes Yin (Taiyin) mit den Meridianen Lunge/Milz

  • Kleines Yin (Shaoyin) mit den Meridianen Herz/Niere

  • Gebeugtes (erschöpftes) Yin (Jueyin) mit den Meridianen Kreislauf-Sexualität/Leber

Funktionen des „Öffnenden“ im Yang
Funktionskreis Dünndarm:das \„Öffnende\“ im YangDas große Yang (Taiyang) reguliert und koordiniert im Außenbereich die Bewegungen der Yang-Energien (Yangqi) und damit ebenfalls das Abwehr-QiAbwehr-Qi (Weiqi).
Wie immer in der chinesischen Medizin sind die Funktionen vernetzt: Die Haut ist das Körpergewebe mit Entsprechung zum Lungen-Meridian. Man könnte auch sagen, der Funktionskreis Lunge „inkarniere sich“ in der Haut. Die Haut ist der Hauptsitz des Abwehr-Qi (Weiqi), das im Funktionskreis Lunge mithilfe der „klaren Säfte“ produziert wird, die aus der „Mitte“ unter katalysatorischer Mitwirkung des Funktionskreises Niere stammen. Bei der Trennung in „klare“ und „trübe“ Säfte ist der Dünndarm beteiligt: die klaren Säfte werden resorbiert, die trüben Säfte werden über den Darm nach unten geschickt. Die resorbierten Säfte kommen über das Blut (Xue) in die Nieren, ein Teil wird ausgeschieden und ein anderer Teil über den Dreifachen Erwärmer nach oben in den Funktionskreis Lunge „verdampft“.
Da das große Yang die Oberflächenschicht des Yang darstellt, findet dort der „Kampf“ zwischen dem Abwehr-Qi (Weiqi) und den pathogenen Faktoren statt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Erkältung.
Eine Behandlungsmöglichkeit gegen Erkältungen ist daher die öffnende Therapie, die durch das Schwitzen über die Haut eingedrungene pathogene Faktoren (hier Kälte und Wind) entfernt und den Körper dadurch wieder ins energetische Gleichgewicht bringt. Dafür setzt der Körper das große Yang (Taiyang) und das Abwehr-Qi (Weiqi) ein.
  • Der gesunde Körper tut dies selbstständig durch Eigenregulation.

  • Diese Öffnung kann unterstützt werden durch Hausmittel, wie z. B. durch heißen schwarzen Tee, gemischt mit frischem Ingwer und Zimtrinde.

Vermittlung von Feuer (Shen) aus dem Herzen
Im Einzelnen vermittelt der Funktionskreis Dünndarm nach der traditionellen Ansicht die Wandlungsphase Feuer:
  • durch dem Blasen-Meridian (Fuß-Taiyang) mit seinen Shu-Zustimmungspunkten,

  • durch die Verdauung,

  • durch das Sinnesorgan Ohr über den Punkt Dü 19.

Feuer für den Blasen-Meridian
Der Dünndarm vermittelt dem Blasen-Meridian (Fuß-Taiyang) mit seinen Shu-Zustimmungspunkten Feuer aus dem Herzen. Der Dünndarm (Hand-Taiyang) vermittelt als Yang-Funktionskreis des Herzens das im Herzen gespeicherte Feuer (vgl. Funktionskreis Herz) dem Blasen-Meridian und damit allen Organen und weiteren Funktionen über die Shu-Zustimmungspunkte des Blasenmeridians.
Feuer für die Verdauung
VerdauungDer Dünndarm vermittelt für die Verdauung von Nahrung und Flüssigkeiten Feuer aus dem Herzen, dadurch erst wird eine gute Nahrungsaufnahme möglich. Man sollte sich also generell einer Gelassenheit des Geistes erfreuen, um genügend Feuer zur Verdauung bereitzustellen. Man sollte daher beim Essen ruhig und in fröhlicher Gesellschaft sein.
In der chinesischen Medizin besteht eine eigenartige organisch-funktionelle Vernetzung von Feuer, Holz und Erde: Feuer-Dünndarm-Bitteres ist die „Mutter“ von Erde-Magen-Süßem und das „Kind“ von Holz-Gallenblase-Saurem; „das Bittere sediert das Saure“. Bitterer Tee, z. B. Salbeitee, bringt das zu Verdauende „nach unten“, auch der bittere Kaffee hat diese Funktion. Gute Weine verbessern die Verdauung durch eine kleine Menge bitteres Tannin.
Spasmolytische Wirkung des Dünndarm-Meridians
Dünndarm-Meridians:spasmolytische Wirkung(Tradition: Das Feuer sediert den Wind) Generell wirkt der Dünndarm als „Kind des Holzes“ spasmolytisch, indem er zusammen mit dem Herzen den Funktionskreisen Gallenblase und Leber Energie abzieht. Zudem wird durch die Tonisierung des Dünndarms die Resorption der Flüssigkeit verstärkt und damit die Potenz der Wasserniere erhöht. Das Wasser wiederum stärkt das Leber-Yin, das die Wind-Holz-Spasmen sediert.
Psychogramm
Der Funktionskreis DünndarmFunktionskreis Dünndarm:Psychogramm wirkt in zweierlei Hinsicht auf die Psyche: direkt über seinen Yuan-Quellpunkt Dü 4 (Verbindung zu He 5) oder den Punkt Dü 5 („das Feuer sediert den Wind“). Dieser Punkt Dü 5 verstärkt die Klarheit des Denkens und verbessert damit Entscheidungen. Es wird also der „innere Wind“ sediert, der dem Gehirn zu viele und pathologische Impulse gibt.

Blasen-Meridian (Panggingjing)

Blasen-Meridian

Pang-gingjingBlasen-Meridian Abb. 5.82, Abb. 5.83
Charakteristik
  • Bezeichnungen: Zutaiyang, Fuß-Taiyang, Großes Yang des Fußes, The leg greater Yang Meridian, The urinary bladder channel of foot Taiyang

  • Abkürzungen: Bl (Blase), V (vessie), UB (urinary bladder)

  • Meridian eines Hohlorgans (Fu), daher Yang, nach internationaler Nomenklatur: der VII. Meridian im Energiekreislauf

  • Energieverlauf zentrifugal, der Meridian erhält seine Energie vom Dünndarm-Meridian und gibt sie an den Nieren-Meridian weiter.

  • Chronobiologie: Optimalzeit zur Tonisierung 15–17 Uhr

  • Shu-Zustimmungspunkt: Bl 28, 1,5 Cun lateral von der dorsalen Medianlinie, dem Lenkergefäß (Dumai), entfernt, in der Höhe des II. Sakralloches

  • Mu-Alarmpunkt: KG 3. Dieser liegt, wenn man die Strecke vom Oberrand der Symphyse bis zum Nabel in 5 gleiche Teile teilt, ⅕ oberhalb der Symphyse auf der ventralen Medianlinie.

  • Der äußere Verlauf ist durch 67 Punkte gekennzeichnet.

Verlauf
Der Blasen-MeridianBlasen-Meridian:Verlauf beginnt am inneren Augenwinkel, beiderseits der Nasenwurzel, steigt dann über die Stirn zum Scheitel auf und zieht über den Schädel zum Nacken, wo er sich in Höhe von C 2, am Punkt Bl 10, in zwei parallele oberflächliche Verläufe teilt. Der „innere“ Ast zieht nun 1,5 Cun lateral der dorsalen Medianlinie über den Rücken nach unten, der „äußere“ Ast parallel dazu, aber in einer Entfernung von 3 Cun von der Medianlinie. (Dies entspricht der Entfernung des inneren Randes der Skapula von den Dornfortsätzen.) Dabei handelt es sich um das transversale Maß am Rücken, nicht um das „Finger-Cun“! Die Entfernung zwischen medialem Skapularand und den Dornfortsätzen (Lenkergefäß) beträgt 3 dieser hier gemeinten Cun.
Beide Äste ziehen nun über die Lumbal- und Glutealregion und die dorsale Seite des Oberschenkels bis zur Kniekehle, in deren Mitte sie sich am Punkt Bl 40 vereinigen. Von hier zieht der Meridian nur mehr mit einem Verlauf weiter über die Wade bis zur kleinen Zehe, wo er mit seinem 67. Punkt am äußeren Nagelfalzwinkel endet und energetische Verbindung mit seinem Yin-Partner, dem Nieren-Meridian, aufnimmt.
Innerer Verlauf
Blasen-Meridian:innerer VerlaufDie inneren Verläufe des Blasen-Meridians haben im Schädelbereich einen intensiven Kontakt zum Lenkergefäß. Einerseits berühren die seitlichen Satelliten-Punkte des LG 20 (Sishencong) den Blasen-Meridian, andererseits gehen vom Punkt Bl 7 aus innere Äste zum Gehirn wie auch zur Temporalregion (Bl 7 wirkt z. B. bei Cephalaea, Migräne) und vom Punkt Bl 9 aus zum Punkt LG 17. Beim Punkt Bl 23, also auf dem inneren Ast des Meridians, zweigt ein Seitenast durch die paravertebrale Muskulatur zur Niere ab und von dort zur Harnblase. Vom Punkt Bl 54 auf dem äußeren Ast geht eine innere Verbindung zum Punkt Gb 30.
Innere Meridianverlaufsrichtung: hauptsächlich von oben nach unten

BESONDERE PUNKTE

Blasen-Meridian (Panggingjing)

Blasen-Meridian:besondere PunkteTonisierungspunkt Bl 67
Sedativpunkt Bl 65
Yuan-Quellpunkt Bl 64
Luo-Durchgangspunkt Bl 58 zu Ni 3
Shu-Zustimmungspunkt Bl 28
Mu-Alarmpunkt KG 13
Kardinalpunkt, der das Aufsteigende Yang-Gefäß (Yangqiaomai) einschaltet Bl 62
Besonderheiten
In der Tradition wurde der Blase die Rolle des Zusammenströmens und Speicherns von Säften innerhalb des Organismus zugeschrieben. Dazu kamen noch Funktionen, die an Umfang weit über unsere Ansichten, die Harnblase betreffend, hinausgingen. Aus diesem Blickwinkel muss das Wirkungsspektrum des mit seinen 67 Punkten längsten aller Meridiane betrachtet werden.
In der Lehre der 5 Wandlungsphasen findet der Blasen-Meridian als Yang-Partner der Niere in der Wandlungsphase Wasser, die jahreszeitlich dem Winter entspricht, seinen Platz (Näheres siehe Nieren-Meridian).
Am besten charakterisiert man den Meridian, seiner primären Funktion nach, als Ausscheidungs-Meridian.

Tendinomuskulärer Blasen-Meridian

Blasen-Meridian:tendinomuskulärer Abb. 5.84, Abb. 5.85
Ausgehend vom kleinen Zeh beginnt der TMM mit dem Punkt Bl 67 und führt am Knöchel entlang zum Knie. Ein zweiter Verlauf folgt in einer breiten Bahn über die Ferse aufwärts zur Kniekehle und über das Gesäß zum Rückgrat. Dort teilt er sich in 4 Bahnen und endet am Ohr, an der Nase, auf der Schulter bzw. über dem Auge.

Verlauf am Ohr

Blasen-Meridian:Verlauf am Ohr Abb. 5.86
Der Punkt Bl 1 befindet sich etwa in der Mitte des Ohrläppchens am Augenpunkt, unmittelbar neben dem Punkt Ma 1. Von Bl 1 aus zieht eine gerade Linie bis zum Punkt Bl 10 in die unmittelbare Nähe des Reflexpunktes für den Atlas (C 1). Dann zieht direkt neben dem Anthelixrand der Reflexverlauf des Blasen-Meridians von Punkt 11 bis Punkt 30 nach oben bis in die Nähe des dreieckförmigen Beginns der Fossa triangularis, ein Areal, das wir immer wieder bei Sakroiliakalgelenksblockierung brauchen.
Der Meisterpunkt des Klimakteriums, der Punkt Bl 31, liegt im Uterusbereich, also an der Fältelung der aufsteigenden Helix. Bl 40 ist der Antihistaminpunkt (üblicherweise beim Rechtshänder rechts zu sedieren und links zu stimulieren) und entspricht dem Allergiepunkt der Ohrakupunktur mit seiner Lokalisation an der obersten Stelle der Ohrmuschel.
Der Verlauf des lateralen Astes des Blasen-Meridians am Rücken mit den Punkten Bl 41–Bl 54 liegt auf der Ohrrückseite im Bereich der motorischen Reflexlokalisation der Wirbelsäule. Analog zur Zangentechnik der Ohrakupunktur kann man bei entsprechenden Beschwerden den zugehörigen Punkt des medialen Astes des Blasen-Meridians tonisieren, eventuell moxen, den Punkt des lateralen Astes auf der gleichen Höhe und gleichen Seite dagegen sedieren. Der Punkt gegen Schmerzen im Meridianverlauf, der häufig verwendete Punkt Bl 60, entspricht dem Prostaglandin-E2-Punkt und liegt retroaurikulär nahe der unteren Anwachsungszone des Ohrs. Von Punkt Bl 60 aus läuft der Meridian von hinten auf die Vorderseite des Ohrs zum Punkt Bl 62, dem bekannten Epiphysenpunkt des Ohrs. In einem geraden Verlauf geht es von hier aus zum Reflexpunkt der Blase am Ohr, dem Tonisierungspunkt Bl 67 des Meridians.

Die Punkte im Einzelnen

Bl 1
Jingming$Bl 1 §Jingming&, „Helle, Glanz der Augäpfel“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Dünndarm- und Magen-Meridian sowie mit den außerordentlichen Meridianen Aufsteigendes Yin-Gefäß (Yinqiaomai) und Aufsteigendes Yang-Gefäß (Yangqiaomai)
Lokalisation
Im Winkel, der von Orbita und Nasenwurzel gebildet wird, etwa dort, wo sich bei Brillenträgern seitlich die Nasenstütze abzeichnet; präzise: 1 Fen medial und kranial vom inneren Augenwinkel. (Der Punkt wird häufig instinktiv massiert.)
Punktur
1–3 Fen senkrecht bis 1,5 Cun entlang des Orbitarandes, wobei die Nadel nicht gedreht werden soll und eine Blutung verhindert werden muss (Diese Stichtiefe könnte bestenfalls Augenärzten, die Akupunktur betreiben, zugemutet werden!)
Indikation
Lokoregional: akute und chronische Konjunktivitis, Augentränen bei Wind, Myopie, Hypermetropie, Optikusneuritis, Katarakt, Chalazion, Stirnkopfschmerzen, Migräne, Erkrankungen der Stirnhöhle, der Siebbeinzellen, Trigeminusneuralgie des 1. Astes
Bl 2
Zanzhu$Bl 2 §Zanzhu&, „Wurzel der Augenbraue“
Funktion
Bl 2 bildet mit dem Extrapunkt EX-HN 3 (Yintang), der in der Mitte der Nasenwurzel lokalisiert ist, das sogenannte kleine „magische Dreieck“ (das große magische Dreieck für alle Nasen- und Nasennebenhöhlenaffektionen besteht aus den Punkten Yintang und Di 20 beidseits).
Lokalisation
Am medialen Ende der Augenbrauen, in den Foramina supraorbitalia
Punktur
2–5 Fen schräg subkutan, Nadel nach unten oder nach lateral gerichtet
Indikation
Lokoregional: Kopfschmerzen, besonders im Stirnbereich, Migräne, Schwindel, ständiger Tränenfluss, Augenflimmern, verschwommenes Sehen, Konjunktivitis, besonders mit starker Sekretion am inneren Augenwinkel, Sinusitis frontalis, ständiger Niesreiz, Trigeminusneuralgie des 1. Astes, Gesichtsschwellung
Allgemein: einer der Hauptpunkte gegen Kopfschmerzen und zur Sinusitisbehandlung
Tradition
Hier soll die Energie des Blasen-Meridians zutage treten.
Bl 3
Meichong$Bl 3 §Meichong&, „Über der Augenbrauenmitte“
Lokalisation
Senkrecht über Bl 2, 0,5 Cun innerhalb der Stirnhaargrenze, 1 Cun lateral von LG 24
Punktur
Bis zu 5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Stirnkopfschmerzen, Augenkrankheiten, Rhinitis, Sinusitis frontalis
Überregional: Schwindel, epileptiforme Anfälle
Tradition
Moxibustion verboten (auch in der modernen Literatur)!
Bl 4
Qucha$Bl 4 §Qucha&, „Abweichende Krümmung“
Lokalisation
In Höhe von Bl 3, 0,5 Cun lateral dieses Punktes, 1,5 Cun lateral von LG 24, 0,5 Cun innerhalb der Stirnhaargrenze
Punktur
2 Fen senkrecht bis 5 Fen schräg subkutan, Nadel nach aufwärts gerichtet
Indikation
Lokoregional: Scheitel- und Stirnkopfschmerzen, Augenflimmern, verstopfte Nase, Epistaxis, Quincke-Ödem
Überregional: entspricht in der Schädelakupunktur der Thoraxzone mit deren Indikationen paroxysmale Tachykardie, Herzschmerzen
Bl 5
Wuchu$Bl 5 §Wuchu&, „Am fünften Ort“
Lokalisation
5 Fen okzipital von Bl 4, in Höhe von LG 23
Punktur
5 Fen senkrecht bis 5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Kopfschmerzen, Augenflimmern
Überregional: wie Bl 4, zusätzlich epileptiforme Anfälle
Bl 6
Chengguang$Bl 6 §Chengguang&, „Erbe des Lichtes, Glanzes“
Lokalisation
1,5 Cun okzipital von Bl 5 und 1,5 Cun lateral des Lenkergefäßes (Dumai) auf Höhe von LG 21 (Qianding)
Punktur
2 Fen senkrecht bis 5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Kopfschmerzen, Schwindel, Brechreiz, Augenschmerzen, abundante Rhinitis, Anosmie, Fazialisparese auch zentral
Überregional: wie Bl 4 und Bl 5
Tradition
Moxibustion verboten (auch in der modernen Literatur)!
Bl 7
Tongtian$Bl 7 §Tongtian&, „Zugang zum Himmel“
Lokalisation
1,5 Cun okzipital von Bl 6, etwa in Höhe von LG 20 (daher der Name, da LG 20 in der Tradition die Verbindung Mensch – Himmel darstellt).
Punktur
2 Fen senkrecht oder bis 5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Scheitelkopfschmerzen, Rhinitis, Sinusitis, Anosmie, Schwindel, eingenommener Kopf, Ohrensausen, Konvulsionen, Hemeralopie, Trismus; Nackenschmerzen, die die Kopfdrehung erschweren; Lymphadenitis cervicalis
Bl 8
Luoque$Bl 8 §Luoque&, „Ende der Netzbahnzweige“
Lokalisation
1,5 Cun okzipital von Bl 7
Punktur
2 Fen senkrecht oder bis zu 5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Schädeldachschmerzen, Schwindel, Konvulsionen, stuporöse Zustände, Ohrensausen, Hemeralopie, Sehschwäche, Rhinitis, Epistaxis, Anosmie
Bl 9
Yuzhen$Bl 9 §Yuzhen&, „Jadekissen“
Lokalisation
1 Cun lateral von LG 17 (Naohu) – Oberrand der Protuberantia occipitalis externa (daher der Name „Kissen“, als solches wird die Protuberantia angesehen)
Punktur
2 Fen senkrecht oder bis zu 5 Fen schräg, Nadel nach abwärts gerichtet
Indikation
Lokoregional: unbeeinflussbare Scheitelkopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen, durch Myopie bedingte Augenschmerzen, Rhinitis, Anosmie
Bl 10
Tianzhu$Bl 10 §Tianzhu&, „Säule des Himmels“
Funktion
An diesem Punkt teilt sich der Meridian für seinen weiteren Verlauf in zwei Äste. Außerdem wird ihm eine eher parasympathische Wirkung zugeschrieben, vielleicht über den vorderen Hypothalamus. Sein Gegenspieler ist Gb 20, dem eine eher sympathikotone Wirkung zugeschrieben wird. Bl 10 und Gb 20 werden daher auch „vegetative Basis“ („vegetativer Ausgleich“) genannt.
Lokalisation
1 Cun unter der Protuberantia occipitalis und 1,5 Cun lateral der dorsalen Medianlinie, in einer deutlich tastbaren Vertiefung (ca. 0,5 Cun oberhalb des natürlichen Haaransatzes, ca. in einer Höhe mit Gb 20, typischer, unwillkürlicher „Kratzpunkt“)
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: sehr starke Kopfschmerzen am Scheitel und Hinterkopf, Okzipitalneuralgie, Zervikalsyndrom, Tortikollis, Einfluss auf Schädeldurchblutung
Überregional: Pharyngitis, Laryngitis, Anosmie, entzündliche Nasenaffektionen, ständiger Tränenfluss, Affektionen des äußeren Auges, Schwindel beim Öffnen der Augen, Neurasthenie, Hysterie
Allgemein: einer der wichtigsten Punkte mit vagotoner und auch blutdrucksenkender Wirkung
Tradition
Bl 10 wird in der Tradition als ein „Meer der Energie“ des Blasen-Meridians besonders herausgehoben.
Bl 11
Dazhu$Bl 11 §Dazhu&, „Großes Weberschiffchen“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Lenkergefäß (Dumai) sowie mit dem Dü- und dem 3E-Meridian
Lokalisation
1,5 Cun lateral vom unteren Rand des 1. Brustwirbeldornfortsatzes
Punktur
5 Fen bis 1 Cun schräg
Indikation
Lokoregional: Bronchitis, Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen
Überregional: Arthralgien, Kontrakturen, Spasmen, Parästhesien, latente Hypokalzämie, tetanische Zustände, Unruhe, Angst, Globusgefühl, Hysterie, epileptische Anfälle
Allgemein: knochenwirksam durch Einfluss auf Parathyreoidea-Kalzitonin-Stoffwechsel
Als weitere „knochenwirksame“ Punkte gelten Gb 30 und Ni 6. Entspannungspunkt für die gesamte Wirbelsäule.
Bl 12
Fengmen$Bl 12 §Fengmen&, „Pforte des Windes“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Lenkergefäß (Dumai)
Lokalisation
1,5 Cun seitlich des unteren Randes des 2. BWD (Brustwirbeldornfortsatzes)
Punktur
5 Fen bis 1 Cun schräg
Indikation
Lokoregional: Tortikollis, Spasmen der Halsmuskulatur, Myalgien im Bereich des Schultergürtels, Bronchitis, Asthma, Keuchhusten
Überregional: alle Nasenaffektionen, ständiger Niesreiz, starke Nasensekretion, Epistaxis
Allgemein: urtikarielle Hauterkrankungen, Pruritus; nervöse, depressive Stimmung; der Kranke wälzt sich im Bett herum und findet keinen Schlaf
Bl 13
Feishu$Bl 13 §Feishu&,Shu-Zustimmungspunkt der Lunge“
Funktion
Die Shu-Zustimmungspunkte aller Meridiane liegen auf dem inneren Ast des Blasen-Meridians. Sie werden hauptsächlich bei subakuten oder chronischen Erkrankungen eines Meridians verwendet. Da der Rücken dem Yang und die ventrale Körperseite dem Yin zugerechnet wird, ergibt sich die Möglichkeit eines Energieausgleiches durch die Punktur der Shu-Zustimmungspunkte auf dem Rücken und der Mu-Alarmpunkte, die ausschließlich ventral gelegen sind – eine Methode, die relativ häufig angewendet wird.
Lokalisation
1,5 Cun seitlich des unteren Randes des 3. BWD (Hilfstipp: Der Patient legt seine Hand über die kontralaterale Schulter am Nackenansatz, die Mittelfingerspitze zeigt dann auf Bl 13)
Punktur
5 Fen bis 1 Cun schräg
Indikation
Lokoregional: Dorsalgien mit chronischem Verlauf, Bronchitis, Dyspnoe, der Kranke kann nicht aushusten, Reizhusten, Asthma bronchiale, alle chronischen Lungenerkrankungen
Überregional: Stomatitis, Glossitis, Aphthen, übermäßiges Schwitzen, Dermatitiden mit Pruritus
Allgemein: zur Beeinflussung aller Affektionen des Respirationstrakts; seelische Störungen nach Aufregungen, Kummer, innere Unruhe, ja sogar Suizidtendenz
Bl 14
Jueyinshu$Bl 14 §Jueyinshu&,Shu-Zustimmungspunkt des Jueyin“ (KS, Le)
Funktion
Bl 14 gilt als Shu-Zustimmungspunkt des KS-Meridians.
Lokalisation
1,5 Cun seitlich der dorsalen Medianlinie, in Höhe des unteren Randes des 4. BWD
Punktur
5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Druckgefühl, Beklemmung, chronische Bronchitis, Thoraxschmerzen, Schulter- und Rückenschmerzen
Überregional: Präkordialschmerz, Hypotonie, Perikarderkrankungen (die exakte Übersetzung des KS-Meridians lautet eigentlich „Hülle des Herzens“); Singultus, Brechreiz, Fluor, Hypomenorrhö
Allgemein: chronische Erkrankungen des Kreislaufsystems und mit Einschränkung – weniger organisch als psychisch – auch der sexuellen Sphäre, zerebralvaskuläre Störungen, Zephalgien etc., Vertigo, Neurasthenie, Impotenz aus psychischer Ursache, verminderte Libido
Bl 15
Xinshu$Bl 15 §Xinshu&,Shu-Zustimmungspunkt des Herzens“
Lokalisation
1,5 Cun seitlich des unteren Randes des 5. BWD
Punktur
5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Dorsalgien, Husten
Segmental: zur Beeinflussung aller Herzerkrankungen, Arrhythmien, Herzsensationen etc.; Roemheld-Syndrom – mit Bl 17; Erbrechen, Ösophagusspasmen – mit KG 12
Überregional und allgemein: Hysterie, Neurasthenie, Gedächtnisschwäche, Zustände nach zerebralen Insulten, Epilepsie, Parkinsonismus, Vertigo; mit He 5 und He 7 gegen Lampenfieber, Prüfungsangst; Epistaxis, Menorrhagie, nächtliche Spermatorrhö
Bl 16
Dushu$Bl 16 §Dushu&,Shu-Zustimmungspunkt des Lenkergefäßes (Dumai)
Funktion
Reunionspunkt mit dem Haltegefäß des Yin (Yinweimai)
Lokalisation
1,5 Cun seitlich des unteren Randes des 6. BWD
Punktur
5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional und segmental: Bronchitis, Krampfhusten, Atembeschwerden, Herzaffektionen
Überregional: Bauchschmerzen mit vermehrter Peristaltik, Erbrechen. Blasenschmerzen vor und während der Miktion; Pruritis
Allgemein: „müder Körper, alles tut weh“, ständige Schläfrigkeit
Bl 17
Geshu$Bl 17 §Geshu&,Shu-Zustimmungspunkt des Zwerchfelles“
Funktion
Der Punkt wird auch „Meister des Blutes“ genannt. Gemeint ist damit der Einfluss auf Zwerchfellbewegungen sowie auf die Atemmuskulatur und dadurch auf den Blutkreislauf, aber auch seine Wirkung bei Blutkrankheiten, besonders Gerinnungsstörungen.
Lokalisation
1,5 Cun seitlich des unteren Randes des 7. BWD
Punktur
5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional und segmental: asthmoide Bronchitis, Tbc pulmonum, Erhöhung der Atemkapazität durch prompte Wirkung auf das Zwerchfell und die Atemmuskulatur; Herzschmerzen, Herzaffektionen, Herzschwäche, Roemheld-Syndrom
Überregional: Ösophagusspasmen, Anorexie, auch bei malignen Prozessen, Intestinalblutungen
Allgemein: Einfluss auf den ganzen Organismus, alle Blutkrankheiten, Regulation der Blutgerinnung, chronische hämorrhagische Diathese; Schwäche der Glieder, Nachtschweiß, Urtikaria, neurogenes Erbrechen
Bl 18
Ganshu$Bl 18 §Ganshu&,Shu-Zustimmungspunkt der Leber“
Lokalisation
1,5 Cun seitlich des unteren Randes des 9. BWD
Punktur
5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional und segmental: Husten mit Seitenschmerzen, Interkostalneuralgie, Magenerkrankungen, alle Lebererkrankungen und deren Begleitzustände
Überregional und allgemein: Energiemangel, Muskelschwäche, abnorme Ermüdbarkeit, Impotenz wegen Erektionsschwäche, Neurasthenie, Zorn, Wut, Unbeherrschtheit, Augenerkrankungen – besonders der Retina, Nachtblindheit
Tradition
Das Organsystem Leber „regiert“ die Muskulatur, den Sehnenapparat, die Augen (Retina), die morphologen Bestandteile des Blutes sowie psychisch die Yin-Wut (stille, unterdrückte Wut), Zorn, Ärger.
Bl 19
Danshu$Bl 19 §Danshu&,Shu-Zustimmungspunkt der Gallenblase“
Lokalisation
1,5 Cun seitlich des unteren Randes des 10. BWD
Punktur
5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Krampfhusten mit Seitenschmerzen, die das Atmen erschweren
Segmental und überregional: bitterer Mundgeschmack, trockene Zunge, Brechreiz oder Erbrechen, Ösophagusspasmen, Verdauungsstörungen, alle Cholangiopathien, Cholezystopathien, auch -lithiasis, Koliken, Hepatopathien, Milcherbrechen der Kleinkinder, Miktionsbeschwerden, Nierenkolik, Hidradenitis
Allgemein: Fieber, Müdigkeit, Splenomegalie, Diabetes mellitus, Muskelkrämpfe, Kontrakturen, Kopfschmerzen, cholerische Stimmungslage, explosive Wutausbrüche, aber auch Niedergeschlagenheit; alle Augenaffektionen, Sehstörungen, Schmerzen in der Augenbrauengegend
Tradition
Die Bezeichnung „Gallenblase“ beschränkt sich nicht auf die uns bekannten Funktionen dieses Organs, vielmehr wurde sie als das komplementäre Yang der Leber angesehen, mit ähnlichem Einfluss auf organische und psychische Krankheitsbilder, z. B. Impotentia coeundi: Leber in „Leere“, Galle in „Fülle“ („Er will, aber er kann nicht“).
Bl 20
Pishu$Bl 20 §Pishu&,Shu-Zustimmungspunkt der Milz“ (Milz-Pankreas)
Lokalisation
1,5 Cun seitlich des unteren Randes des 11. BWD
Punktur
5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Interkostalneuralgie, Herpes zoster, Muskelkontrakturen, aber auch Tonusverminderung
Segmental und überregional: Gastritis, Gastralgien, Ulkuskrankheit, Enteritis, dyspeptische Beschwerden, Hepatopathien, auch mit Ikterus, Aszites, Ösophagusspasmen, Diarrhö
Allgemein: Ödeme, Urtikaria, hämorrhagische Diathese, unterstützend bei Anämien, Kraftlosigkeit; Bindegewebsschwäche, übermäßiges Grübeln, Nachsinnen, ständige Besorgtheit ohne Grund
Tradition
Dem Organsystem der Milz, das der „Feuchtigkeit“ zugeordnet ist, wurde ausgleichender Einfluss auf energetische Vorgänge zugeschrieben. Die Milz „regiert“ das Bindegewebe, die Lippen, den Mund, die Zunge als Geschmackssinnesorgan und den Speichel. Sie galt als Vorratsspeicher des sogenannten Nähr-Qi (Yingqi). Psychisch galt sie als Organ mit Einfluss auf Kritik und Überlegung, die sich im (Nach-)Denken äußert.
Bl 21
Weishu$Bl 21 §Weishu&,Shu-Zustimmungspunkt des Magens“
Lokalisation
1,5 Cun seitlich des unteren Randes des 12. BWD
Punktur
5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Muskelkontrakturen der paravertebralen Muskulatur
Überregional: Gastralgien, Ulkuskrankheit, Kolitis, Verdauungsstörungen, Erbrechen, Übelkeit, Diarrhö, Hepatopathien; schwächliche Kinder, abgemagerte Kinder, Milcherbrechen, Intestinalparasiten
Allgemein: „Spezialpunkt“ des Magens
Bl 22
Sanjiaoshu$Bl 22 §Sanjiaoshu&,Shu-Zustimmungspunkt des 3E“
Lokalisation
1,5 Cun seitlich des unteren Randes des 1. LWD
Punktur
5 Fen bis 1,5 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Rückenschmerzen, Kontrakturen, Kreuzschmerzen
Überregional: respiratorische Insuffizienz, Verdauungsstörungen, Gastritis, Enteritis, Diarrhö, Aszites; zerebrale Mangeldurchblutung, Vertigo, Neurasthenie, Kopfschmerzen mit Augenflimmern. Nephropathien, Hilfspunkt bei infektiös bedingten Erkrankungen, Harninkontinenz, Impotenz, Frigidität
Allgemein: chronische Insuffizienz der Atmungs-, Verdauungs- und Urogenitalfunktionen
Bl 23
Shenshu$Bl 23 §Shenshu&,Shu-Zustimmungspunkt der Nieren“
Lokalisation
1,5 Cun lateral des unteren Randes des 2. LWD
Punktur
5 Fen bis 1,5 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen bei Kontrakturen in der Lumbalregion und an den unteren Extremitäten
Überregional: Nierenaffektionen, Hämaturie, Zystitis, Urethritis, Menstruationsstörungen, Fluor, Impotenz, Ejaculatio praecox, nächtliche Spermatorrhö; Herzbeschwerden bei renaler Hypertonie (blasser Hochdruck); Hilfspunkt bei Diabetes mellitus, Verdauungsbeschwerden mit chronischen Diarrhöen, Augmentatio hepatis; Gefühl des „eingenommenen Kopfes“, Angst ohne Grund, Neurasthenie, Z. n. Apoplexie; Sehstörungen („man kann nicht klar sehen“)
Allgemein: Da Bl 23 der Shu-Zustimmungspunkt sowohl für die „Wasserniere“ als auch für die „Feuerniere“ (Nebenniere) ist, finden wir manche Indikationen, die vom hormonellen Wirkungsspektrum der Nebennierenfunktion abgeleitet werden. Hauptsächlich: abnorme Müdigkeit, Abgeschlagenheit, rheumatisches Geschehen, Ödemneigung. Bl 23 zählt zu den sogenannten kortikotrophen Punkten, die bei allen Erkrankungen, bei denen Kortikosteroide indiziert sind, eingesetzt werden können.
Bl 24
Qihaishu$Bl 24 §Qihaishu&,Shu-Zustimmungspunkt des Meeres der Energie“ (KG 6)
Lokalisation
1,5 Cun seitlich des unteren Randes des 3. LWD
Punktur
5 Fen bis 1,5 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen in der Nierengegend mit erschwerter Miktion, Lumbalgie
Überregional: Appetitlosigkeit, atonische Obstipation, Hämorrhoiden
Allgemein: mangelnde Energie, allgemeine Schwäche
Bl 25
Dachangshu$Bl 25 §Dachangshu&,Shu-Zustimmungspunkt des Dickdarmes“
Lokalisation
1,5 Cun seitlich des unteren Randes des 4. LWD
Punktur
5 Fen bis 1,5 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen in der LWS („man kann sich nicht bücken“), Nierenaffektionen, Harninkontinenz
Überregional: alle Formen der Obstipation, Appetitmangel, Abmagerung, Verdauungsstörungen, Enteritis, Kolitis, Diarrhö, Hilfspunkt bei Appendikopathien mit Ma 26, Ma 37, Le 3, KS 6 (Notfallakupunktur!)
Allgemein: Einfluss auf den ganzen Organismus, alle Blutkrankheiten, Regulation der Blutgerinnung, chronische hämorrhagische Diathese; Schwäche der Glieder, Nachtschweiß, Urtikaria, neurogenes Erbrechen
Bl 26
Guanyuanshu$Bl 26 §Guanyuanshu&,Shu-Zustimmungspunkt des Punktes Guanyuan (KG 4)“
Lokalisation
1,5 Cun seitlich des unteren Randes des 5. LWD
Punktur
5 Fen bis 1,5 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Lumbalgie, Schmerzen in den Nierenlagern mit Schwierigkeiten beim Urinieren
Überregional: Zystitis, Affektionen des inneren weiblichen Genitales, zirkulatorisch bedingte Menstruationsstörungen, Dysmenorrhö; Enteritis, Kolitis, Diarrhö
Allgemein: zur Anregung der Abwehrreaktion nach Darminfektionen und gynäkologischen Erkrankungen
Bl 27
Xiaochangshu$Bl 27 §Xiaochangshu&,Shu-Zustimmungspunkt des Dünndarmes“
Lokalisation
1,5 Cun seitlich der dorsalen Medianlinie, in Höhe des 1. Sakralloches in der Vertiefung, die zwischen dem Os sacrum und der Spina iliaca posterior superior sichtbar und tastbar ist, in gleicher Höhe wie Bl 31
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen in der Nierenregion, der LWS und der Sakralgegend
Überregional: Urethritis, Harninkontinenz, Miktionsschwierigkeiten, Fluor, Adnexaffektionen, pelveoperitonische Reizzustände; alle Darmerkrankungen mit Diarrhöen, auch mit Schleim-, Eiter- und Blutbeimengungen im Stuhl, kolikartige Darmschmerzen, alle Formen von Enddarmerkrankungen, Hämorrhoiden; Kopfschmerzen mit abnormen Durstgefühl
Tradition
Spezialpunkt für die „organischen Flüssigkeiten“ – damit ist die Summe des Körperwassers ganz allgemein gemeint. Für alle Affektionen, die den Dünn- oder Dickdarm betreffen.
Bl 28
Pangguangshu$Bl 28 §Pangguangshu&,Shu-Zustimmungspunkt des Blase “
Lokalisation
1,5 Cun lateral von der dorsalen Medianlinie, in der Höhe des 2. Sakralloches (auf der gleichen Höhe medial davon liegen Bl 32 und lateral Bl 28)
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Sakralgien, Ischialgien
Überregional: Miktionsbeschwerden, Harndrang, Zystitis, Metritis, Dysmenorrhö, besonders bei Jugendlichen; Obstipation mit Leibschmerzen, Diarrhö, meist durch Pankreasaffektionen verursacht, Pankreopathien mit Diabetes mellitus
Allgemein: wichtiger Punkt für Erkrankungen des kleinen Beckens, Harnwegsaffektionen
Bl 29
Zhonglushu$Bl 29 §Zhonglushu&,Shu-Zustimmungspunkt für die mittlere Rückenregion“
Funktion
Wirkt auf den unteren Dreifachen Erwärmer und vertreibt dadurch Kälte.
Lokalisation
1,5 Cun lateral der Medianen, in Höhe des Unterrandes des 3. Sakralwirbels (median davon, im 3. Foramen sacrale, liegt Bl 33)
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen lumbal und sakral, Ischialgien
Allgemein: Spezialpunkt gegen Enterokolitiden, Meteorismus mit Flankenschmerzen
Bl 30
Baihuanshu$Bl 30 §Baihuanshu&,Shu-Zustimmungspunkt des weißen Gürtels“
Lokalisation
1,5 Cun lateral der Medianen, in Höhe des Unterrandes des 4. Sakralwirbels (in dieser Höhe liegen auch LG 2, Bl 34 und Bl 49)
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen in der Sakralgegend, Ischialgien, auch mit Sensibilitätsstörungen
Überregional: Obstipation, Harnverhaltung
Allgemein: Punkt für gynäkologische Erkrankungen
Bl 31
Shangliao$Bl 31 §Shangliao&, „Obere Grube“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Gb-Meridian, mit Gb 30
„Meisterpunkt“ des Klimakteriums
Lokalisation
Im 1. Foramen sacrale, in dessen distalem, medialem Quadranten
Punktur
5 Fen bis 3 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Kreuzschmerzen, Ischias, ischialgiforme Schmerzen im Bereich unterhalb des Punktes mit besonders hoher Kälteempfindlichkeit, Lumbago
Überregional: Zyklusstörungen, chronischer Fluor, Parametritis, Adnexitis, Sterilität, Frigidität, Descensus uteri, Orchitis, Impotenz, Dysurie; Erbrechen, Obstipation, Hämorrhoiden, Neurasthenie im Klimakterium
Allgemein: starke hormonelle Wirkung, eutonisierend; häufig mit MP 6, „konsolidiert das Altern“, auch gegen Climacterium virile
Bl 32
Ciliao$Bl 32 §Ciliao&, „Zweite Grube, Loch“
Lokalisation
Im Mittelpunkt des 2. Foramen sacrale
Punktur
5 Fen bis 3 Cun senkrecht
Indikation
Wird in der neueren chinesischen Literatur fast ausschließlich statt des geläufigeren Bl 31, meist mit denselben Indikationen, verwendet.
Bl 33
Zhongliao$Bl 33 §Zhongliao&, „Mittleres Loch“
Funktion
Wirkt auf den unteren Dreifachen Erwärmer und besonders bei urologischen Störungen.
Lokalisation
Im 3. Foramen sacrale
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Wie Bl 31
Bl 34
Xialiao$Bl 34 §Xialiao&, „Unteres Loch“
Lokalisation
Im 4. Foramen sacrale
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Wie Bl 31
Bl 35
Huiyang$Bl 35 §Huiyang&,Yang-Reunion“
Lokalisation
Am Außenrand des Steißbeines, in Höhe des Sakrokokzygealgelenks, 5 Fen lateral von der Medianlinie
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Kreuzschmerzen während der Menstruation
Überregional: Fluor, Diarrhö, chronische Hämorrhoiden, Impotenz durch Yang-Mangel
Bl 36
Chengfu$Bl 36 §Chengfu&, „Spalte, Rinne des Fleisches“
Lokalisation
In der Mitte der Glutäalquerfalte (identisch mit dem Valley-Druckpunkt)
Punktur
1–2 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Ischias, Kreuz- und Rückenschmerzen; Obstipation, chronische Hämorrhoiden, Harnverhaltung, Dysurie
Allgemein: wichtiger Punkt für die Ischiasbehandlung
Bl 37
Yinmen$Bl 37 §Yinmen&, „Pforte des Purpurs, des Reichtums“
Lokalisation
In der Mitte der Rückseite des Oberschenkels, 6 Cun oberhalb der dorsalen Kniegelenksfalte
Punktur
7 Fen bis 3 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Kreuz- und Rückenschmerzen, Ischias, Hilfspunkt bei Paresen der unteren Extremitäten
Bl 38
Fuxi$Bl 38 §Fuxi&, „Oberflächliche Rinne“
Lokalisation
1 Cun oberhalb des lateralen Endes der dorsalen Kniegelenksquerfalte, 1 Cun oberhalb Bl 53
Punktur
1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Muskelspasmen und Sensibilitätsstörungen im Oberschenkel und Hüftbereich
Überregional: Zystitis, spastische Obstipation
Bl 39
Weiyang$Bl 39 §Weiyang&,Yang-Gleichgewicht“
Funktion
He-Funktion mit direkter Einwirkung auf den Unteren Erwärmer (Darmbereich, Urogenitaltrakt)
Lokalisation
An der lateralen Seite der Kniegelenksfalte, 2 Cun neben Bl 40, an der Innenseite der dort deutlich tastbaren lateralen Sehne
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Krämpfe und Kontrakturen der Muskulatur des Ober- und Unterschenkels
Überregional: Kreuz- und Rückenschmerzen, Nieren- und Harnleiterkolik
Allgemein: alle spastischen Zustände, alle Schwächezustände, auch sexuelle Beklemmungsgefühle
Bl 40
Weizhong$Bl 40 §Weizhong&, „Vollkommenes Gleichgewicht“
Funktion
Meer-He-Punkt des Blasen-Meridians
Stoffwechselpunkt
Testpunkt für alle Gonarthralgien
Lokalisation
In der Mitte der Kniegelenksquerfalte und damit in einer meist tastbaren Vertiefung in der Mitte der Kniekehle, über der A. poplitea
Punktur
5 Fen bis 2 Cun senkrecht; Moxibustion nicht indiziert
Indikation
Lokoregional: Gonarthrosen, Ischias, aber auch Koxarthrosen, Kraftlosigkeit der Beinmuskulatur, rheumatische Beschwerden, Paresen, Kontrakturen der unteren Extremitäten
Überregional: Schmerzen in der LWS/Nierenregion, Miktionsstörungen
Allgemein: als Allergiepunkt (Antihistaminpunkt) starke Wirkung bei allen Hautkrankheiten wie generalisierte Ekzeme, Akne, Furunkulose, Pruritus, Haarausfall, übermäßige Schweißsekretion
Tradition
Bei diesen Indikationen soll es günstig sein, die Stichwunde etwas nachbluten zu lassen. Dieser Meer-He-Punkt ist der Erde zugeordnet.
Bl 41
Fufen$Bl 41 §Fufen&, „Am Rande des Muskels“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Dünndarm-Meridian
Lokalisation
3 Cun lateral der Medianlinie in Höhe des Unterrandes des 2. BWD, 1,5 Cun lateral von Bl 12
Punktur
3 Fen senkrecht oder bis zu 8 Fen schräg nach abwärts
Indikation
Lokoregional: Nackenschmerzen, Kontrakturen in diesem Bereich, Schulter- und Armneuralgien
Bl 42
Pohu$Bl 42 §Pohu&, „Tür der Körperseele“
Lokalisation
3 Cun lateral der Medianlinie, in Höhe des Unterrandes des 3. BWD
Punktur
3 Fen senkrecht oder bis zu 8 Fen schräg nach abwärts
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Schulterblattbereich, Thoraxschmerzen
Überregional: Bronchitis, Asthma bronchiale, Pleuritis, Tbc pulmonum, Brechreiz, Erbrechen
Anmerkung
Bl 42 liegt im selben Segment, annähernd in derselben Höhe wie Bl 13 (Feishu,Shu-Zustimmungspunkt der Lungen“) und hat daher weitgehend ähnliche Indikationen.
Bl 43
Gaohuang$Bl 43 §Gaohuang&,Shu-Zustimmungspunkt der Lebenszentren“
Lokalisation
3 Cun lateral des unteren Randes des 4. BWD oder am oberen Rand der 4. Rippe, auf der Verlängerung der Spina scapulae, 3 Cun seitlich der dorsalen Medianlinie. Der Patient muss dazu sitzen und einen „Katzenbuckel“ machen, dann erst wird der Punkt zugänglich. Exakte Lokalisation ist besonders bei diesem Punkt wichtig!
Punktur
5 Fen schräg in Richtung zur Skapula. Kollapsgefahr bei der Punktur einkalkulieren! Häufige Moxibustion wird bei entsprechender Indikation empfohlen.
Indikation
Lokoregional: chronische Bronchitis, reichliches Bronchialsekret, Krampfhusten, Lungen-Tbc, Pleuraerkrankungen
Überregional: Gedächtnisschwäche, Neurasthenie, depressive Stimmung
Allgemein: Erschöpfung, allgemeine Schwäche, alle Anämieformen, auch sekundäre Anämien, Rekonvaleszenz, Steigerung der Abwehrkräfte; bei diesen Indikationen oft zusammen mit KG 6, Ma 36, Di 4, Di 11, LG 14
Anmerkung
Die Massage des Punktes hat ebenfalls belebende Wirkung. Wir verwenden ihn als wichtigen, allgemein tonisierenden Punkt.
Bl 44
Shentang$Bl 44 §Shentang&, „Atrium des Shen
Lokalisation
3 Cun lateral des Unterrandes des 5. BWD
Punktur
3 Fen senkrecht oder 5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Schulter- und Rückenschmerzen
Überregional: Bronchitis, Asthma bronchiale, Beklemmungsgefühl, Singultus, Kardiopathien, hier zusammen mit KG 14, Bl 15, Ma 16, KS 7
Bl 45
Yixi$Bl 45 §Yixi&, „Ah ja“ (Schmerzäußerung bei Druckempfindlichkeit)
Lokalisation
3 Cun lateral des Unterrandes des 6. BWD
Punktur
5 Fen senkrecht oder bis zu 1 Cun schräg, Nadel abwärts gerichtet
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Rücken und interkostal, die das Liegen behindern, Flankenschmerzen
Überregional: Kardiopathien, Asthma bronchiale, Dyspnoe, Beklemmungsgefühl, Singultus, Erbrechen, Schwindelgefühl, Erschöpfungszustände, abnorme Müdigkeit
Bl 46
Geguan$Bl 46 §Geguan&, „Zwerchfellgrenze“
Lokalisation
3 Cun lateral des Unterrandes des 7. BWD (Patienten aufrecht stehen lassen!)
Punktur
5 Fen senkrecht oder bis zu 1 Cun schräg, Nadel abwärts gerichtet
Indikation
Lokoregional: paravertebrale Schmerzen, Interkostalneuralgien
Überregional: Singultus, Erbrechen, Dyspnoe, asthmoide Zustände, Schluckbeschwerden
Bl 47
Hunmen$Bl 47 §Hunmen&, „Tor der (Wander-)Geistseele“
Lokalisation
3 Cun lateral des Unterrandes des 9. BWD
Punktur
5 Fen senkrecht oder bis zu 1 Cun schräg, Nadel abwärts gerichtet
Indikation
Lokoregional: regionale Muskelschmerzen
Überregional: Pleuralgien, Kardiopathien, Hepatopathien, Schmerzen im Oberbauch, Verdauungsstörungen aller Art, Flatulenz, Tympanismus, Diarrhö
Anmerkung
Bl 47 liegt im selben Segment, annähernd in derselben Höhe wie Bl 18 (Zustimmungspunkt der Leber) und hat eine besondere psychische Wirkung, die in dem Namen „Tor der Wander-Geistseele“ Ausdruck findet. Die Nadelung dieses Punktes kann die Punktur von Le 3, dem „Ärger-Punkt“, gut ergänzen.
Bl 48
Yanggang$Bl 48 §Yanggang&, „Präzisierung des Yang
Lokalisation
3 Cun lateral des Unterrandes des 10. BWD
Punktur
5 Fen senkrecht oder bis zu 1 Cun schräg, Nadel abwärts gerichtet
Indikation
Überregional: Dyspepsie, Meteorismus, Appetitlosigkeit, Diarrhö, Erbrechen, Hepatopathien, Abmagerung, allgemeine Asthenie, Miktionsbeschwerden
Bl 49
Yishe$Bl 49 §Yishe&, „Haus der Gedanken, der Ideen, der Phantasie“
Lokalisation
3 Cun seitlich des Unterrandes des 11. BWD
Punktur
5 Fen senkrecht oder bis zu 1 Cun schräg, Nadel abwärts gerichtet
Indikation
Lokoregional: Rückenschmerzen
Überregional: Verdauungsstörungen mit Flatulenz, Brechreiz, Hepatopathien, Singultus
Anmerkung
Bl 49 liegt im selben Segment, annähernd in derselben Höhe wie Bl 20 (Zustimmungspunkt von Milz-Pankreas). Der Name von Bl 49 als „Haus der Gedanken“ weist auf die mögliche Ergänzung zur Behandlung des „Grübelns“ bei einer Milz-Schwäche hin.
Bl 50
Weicang$Bl 50 §Weicang&, „Speicher des Magens“
Lokalisation
3 Cun lateral des Unterrandes des 12. BWD
Punktur
5 Fen senkrecht oder bis zu 1 Cun schräg, Nadel abwärts gerichtet
Indikation
Lokoregional: Schmerzen paravertebral
Überregional: Magenschmerzen, Meteorismus, Erbrechen, Obstipation, Hilfspunktur gegen Aszites mit Ni 3, Ni 7, KG 9, Le 13
Bl 51
Huangmen$Bl 51 §Huangmen&, „Pforte der Lebenszentren“
Lokalisation
3 Cun lateral des Unterrandes des 1. LWD (Lendenwirbeldornfortsatzes)
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Überregional: Oberbauchschmerzen, hepatolienales Syndrom, Obstipation, Stillschwierigkeiten jeglicher Genese, Mastitis
Bl 52
Zhishi$Bl 52 §Zhishi&, „Sitz des Willens“
Lokalisation
3 Cun seitlich der Spitze des 2. LWD
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: unterstützend zur Rheumabehandlung, Rückenschmerzen im Lumbalbereich
Überregional: Nephropathien, Miktionsbeschwerden, Pollutionen, Impotenz, alle Urethritisformen, Entzündungen und Schwellungen der Genitalien; Speisen können kaum geschluckt werden, Verdauungsstörungen, Brechreiz; Diabetes mellitus, vermindert die Insulinresistenz, bessert das Durstgefühl; Angstpsychosen; alle chronischen Hautkrankheiten, starker Juckreiz, besonders jedoch nässende Dermatosen
Allgemein: Wirkung auf die Nebennierenfunktion, Allergie, Antikörper (gleiches Segment wie Bl 23)
Bl 53
Baohuang$Bl 53 §Baohuang&, „Umhüllte Eingeweide“
Lokalisation
3 Cun lateral des Unterrandes des 2. SWD (Sakralwirbeldornfortsatzes)
Punktur
5 Fen bis1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Lenden- und Rückenschmerzen
Überregional: Schmerzen in den Nierenlagern, Harnretention, Affektionen des inneren und äußeren weiblichen Genitales mit Entzündung und Schwellung; Schmerzen und Krämpfe im Abdomen mit Flatulenz, Obstipation
Bl 54
Zhibian$Bl 54 §Zhibian&, „Rand des 4. Sakralwirbels“
Lokalisation
3 Cun lateral von der Unterkante des 4. SWD neben dem Hiatus sacralis, in Höhe von Bl 34
Punktur
8 Fen bis 15 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional und segmental: untere Lendenschmerzen, Kokzygodynie, Ischialgie
Überregional: alle Formen des Hämorrhoidalleidens, Sensibilitätsstörungen und auch Lähmungen im Bereich der unteren Extremitäten, Harnblasenleiden, Reizblase
Bl 55
Heyang$Bl 55 §Heyang&, „Vereinigung des Yang
Lokalisation
2 Cun unterhalb der Mitte der Kniekehle, 2 Cun unter Bl 40
Punktur
6 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Muskelspasmen, Durchblutungsstörungen und Muskelschwäche der Unterschenkel
Überregional: Schmerzen in der Lendenregion, Schmerzen durch Hernien; Hypermenorrhö nach der Menarche
Bl 56
Chengjin$Bl 56 §Chengjin&, „Muskelstütze“
Lokalisation
Dorsal, in der Mitte zwischen Bl 55 und Bl 57, 4 Cun unter Bl 40
Punktur
1–2 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Spasmen und Kontrakturen im Unterschenkel
Überregional: Rücken- und Lendenschmerzen, Hämorrhoidalbeschwerden, Obstipation
Tradition
In alten Texten ist Punktur verboten, nur Moxibustion erlaubt.
Bl 57
Chengshan$Bl 57 §Chengshan&, „Stützmuskel, Bergstütze“
Lokalisation
An der Hinterseite des Unterschenkels, ca. in dessen Mitte, an der Verbindungsstelle der Muskelwülste, des M. gastrocnemius, in einer Vertiefung. Patienten auf der Ferse stehen lassen!
Punktur
7 Fen bis 2 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Unterschenkel, in Ferse und Fuß; Myalgien, Spasmen, Schwellung des Kniegelenks, Durchblutungsstörungen im Bereich des Unterschenkels und des Fußes
Überregional: Schmerzen in der Nierenregion, Appetitverlust, Dysenterie, Verdauungsstörungen
Allgemein: Hämorrhoiden (evtl. mit LG 1), Obstipation; mit MP 9 bei hochgradiger Appetitlosigkeit, die mit Diarrhöen einhergeht. Mit Gb 34 bei Muskelspasmen – eventuell zusätzlich mit Bl 60 bei traumatisch bedingten Schmerzen im Unterschenkelbereich.
Bl 58
Feiyang$Bl 58 §Feiyang&, „Wendung, Aufschwung des Yang
Funktion
Luo-Durchgangspunkt des Meridians, Verbindung über Luo-Transversale zum Yuan-Quellpunkt des gekoppelten Nieren-Meridians (Ni 3); ermöglicht Energieausgleich zwischen diesen beiden Meridianen
Stoffwechselpunkt, besonders für rheumatisches, spastisches und algisches Geschehen im Bereich der unteren Extremität
Lokalisation
7 Cun senkrecht oberhalb von Bl 60, am lateralen Rand des M. gastrocnemius. Oder: in der Mitte einer Linie vom äußeren Knöchel zum Kniegelenksspalt, an der äußeren hinteren Seite des M. gastrocnemius
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Durchblutungsstörungen der Beine, Claudicatio intermittens, rastlose Füße, arthrotische und arthritische Beschwerden in den Knie- und Sprunggelenken sowie der Füße; Muskelkontraktionen und Muskelschwäche, Peronäuslähmung, Sensibilitätsstörungen
Überregional: Nephropathien, Zystitis, entzündete und schmerzhafte Hämorrhoiden, Kopfschmerzen, Augenschmerzen mit Flimmern, Epistaxis
Bl 59
Fuyang$Bl 59 §Fuyang&,Yang des Fußknochens“
Lokalisation
3 Cun oberhalb und etwas hinter dem äußeren Knöchel, senkrecht über dem folgenden Punkt Bl 60
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht, ober subkutaner Durchstich in Richtung auf Bl 60 zur Reizverstärkung
Indikation
Lokoregional: Schmerzen in der Knöchel- und Fersengegend, auch Schwellungen
Überregional: Ischialgien, Kreuz-, Lenden-, Hüftschmerzen, Sensibilitätsstörungen in diesem Bereich; Kopfschmerzen, Benommenheit
Bl 60
Kunlun$Bl 60 §Kunlun&, Gebirgszug in Tibet, auch „Rücken des Landes“ genannt
Funktion
„Meisterpunkt“ für alle Schmerzen im Bereich des Bl-Meridianverlaufs, beeinflusst den Tonus der Rückenmuskulatur
Lokalisation
In der Mitte einer gedachten horizontalen Linie zwischen der Spitze des äußeren Knöchels und der Achillessehne. Oder: in einer Vertiefung zwischen Achillessehne und äußerem Knöchel, oberhalb des Fersenbeins
Punktur
4 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional und segmental: alle Rückenschmerzen, asthmoide Bronchitis, Erhöhung der Atemkapazität durch prompte Wirkung auf das Zwerchfell und die Atemmuskulatur; Herzschmerzen, Herzaffektionen, Herzschwäche, Roemheld-Syndrom
Überregional: Ösophagusspasmen, Anorexie, auch bei malignen Prozessen, Intestinalblutungen
Allgemein: Einfluss auf den ganzen Organismus, alle Blutkrankheiten, Regulation der Blutgerinnung, chronische härmorrhagische Diathese; Schwäche der Glieder, Nachtschweiß, Urtikaria, neurogenes Erbrechen
Tradition
Dieser Fluss-Jing-Punkt ist dem Feuer zugeordnet.
Bl 61
Pucan$Bl 61 §Pucan&, „Hilfe der Diener“
Lokalisation
1,5 Cun senkrecht unter Bl 60 in einer Vertiefung
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Schwellung und Schmerzen in der Knöchelgegend, Tarsalgie, Kraftlosigkeit der unteren Extremitäten (vgl. Akupunkturname „Hilfe des Dieners“)
Bl 62
Shenmai$Bl 62 §Shenmai&, Gefäß der Shen-Stunde (15–17 Uhr). Der Punkt wird auch Yangqiao genannt.
Funktion
Kardinalpunkt (Schlüsselpunkt) für den außerordentlichen Meridian Aufsteigendes Yang-Gefäß (Yangqiaomai)
Lokalisation
In einer Vertiefung, unterhalb des äußeren Knöchels, 1 Cun von der Knöchelspitze aus gemessen, dort, wo die Hautfarbe von rötlich in weiß übergeht.
Punktur
2–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Neuralgien, Muskelkontrakturen (oft mit Dü 3), Schwäche in den Beinen, Verstauchung, Knöchelschmerz mit Schwellung; Kraftlosigkeit der unteren Extremitäten
Überregional: Lendenschmerzen, Augenschmerzen, Windempfindlichkeit, Epistaxis, Tinnitus; resistente Kopfschmerzen, Schwindel, auch menièreforme, epileptiforme Anfälle
Allgemein: Bl 62 gilt als Spezialpunkt gegen nervöse Schlaflosigkeit, Neurasthenie mit Schwächezuständen, prämenstruelle nervöse Störungen, Spannungszustände, da er – als Kardinalpunkt eingesetzt – Gb 20 kontaktiert.
Bei diesen Indikationen vorteilhaft zusammen mit Ni 6, dem Kardinalpunkt für den außerordentlichen Meridian Aufsteigendes Yin-Gefäß (Yinqiaomai).
Bl 63
Jinmen$Bl 63 §Jinmen&, „Goldpforte“
Funktion
Reunionspunkt mit dem außerordentlichen Meridian Haltegefäß des Yang (Yangweimai)
Lokalisation
In Höhe des Vorderrandes des Außenknöchels in einer Vertiefung zwischen Kalkaneus und Os cuboidem an der Fußaußenkante; 1 Cun vor und unterhalb von Bl 62
Punktur
2–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Sprunggelenksschmerzen, Knöchelödeme
Überregional: Muskelspasmen der unteren Extremitäten, Schmerzen im Kniegelenk; frontale Kopfschmerzen, Hypakusis, epileptiforme Anfälle, Konvulsionen bei Kleinkindern
Bl 64
Jinggu$Bl 64 §Jinggu&, „Hauptknochen“
Funktion
Als Yuan-Quellpunkt steht Bl 64 mit dem Luo-Durchgangspunkt (Lo) des Nieren-Meridians, Ni 4, in Verbindung.
Lokalisation
Am äußeren Fußrand, hinter der proximalen Tuberositas des Os metacarpale V
Punktur
2–5 Fen senkrecht
Indikation
Überregional: Nackensteife, Rückenschmerzen mit dem Maximum in der Nierenregion, rheumatoide Gelenkschmerzen, besonders bei Wetterwechsel, Krampi; Blasenspasmen, Zystitis; Müdigkeit – der Kranke will weder essen noch trinken; zersprengende Kopfschmerzen, Sprechschwierigkeiten beim Artikulieren, depressive Zustände; Augenflimmern, Augenschmerzen, Konjunktivitis; unstillbares Nasenbluten; Herzschmerzen mit Gähnzwang
Bl 65
Shugu$Bl 65 §Shugu&, „Knochen, der dem Stiefel anliegt“
Funktion
Sedativpunkt des Meridians
Lokalisation
Am äußeren Fußrand, unmittelbar proximal des Grundgelenks der kleinen Zehe, in einer Vertiefung
Punktur
2–5 Fen senkrecht
Indikation
Überregional: Nackenschmerzen, Tortikollis, starke Schmerzen in der Nierengegend, Hüftschmerzen besonders beim Beugen; Krampi – das Bein ist wie abgestorben; Diarrhö, Hämorrhoiden; Kopfschmerzen, Epilepsie, Müdigkeit; katarrhalische Konjunktivitis, ständiger Tränenfluss; Hypakusis
Tradition
Dieser Bach-Shu-Punkt ist dem Holz zugeordnet.
Bl 66
Zutonggu$Bl 66 §Zutonggu&, „Talgrund“
Lokalisation
Äußerer Fußrand, über dem Gelenkspalt am Ende des Os metatarsale V
Punktur
2–3 Fen senkrecht
Indikation
Überregional: Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Augenflimmern, Nasenbluten, dyspeptische Beschwerden, Schwäche des Sphincter ani
Tradition
Dieser Quell-Ying-Punkt ist dem Wasser zugeordnet.
Bl 67
Zhiyin$Bl 67 §Zhiyin&, „Ankunft beim Yin
Funktion
Tonisierungspunkt des Meridians, Ursprungs-Jing-Punkt (Ting-Punkt), Ausgangspunkt für den tendinomuskulären Blasen-Meridian
Lokalisation
1 Fen proximal und lateral vom äußeren Nagelfalzwinkel der kleinen Zehe
Punktur
1 Fen senkrecht oder Moxibustion, besonders zur Geburtserleichterung
Indikation
Lokoregional: Arthralgien des Fußes, Hitze der Fußsohle
Überregional: Psychasthenie, depressive Verstimmung, Angst, Erschöpfung, Stirnkopfschmerzen; Schleier vor den Augen, Augenflimmern, Konjunktivitis, besonders bei Schmerzen am inneren Augenwinkel; Epistaxis, Hypakusis, Tinnitus; Bronchitis mit Beklemmungsgefühl; Hypotonie, Vasoneurose; Magenatonie, Schwäche des Sphincter ani; Blasenatonie, Harninkontinenz, Sphinkterschwäche
Spezialpunkt für eine Drehung des Fetus, bei schwerer Geburt, zur Geburtserleichterung, verzögerte Plazentalösung
Tradition
In einem Zitat aus dem Nei Jing heißt es: „Wenn Schmerzen verspürt werden, gleichgültig wie stark und an welchem Punkt des Körpers, dann soll man diesen Punkt sedieren“ (Van Nghi 1973).
Der Ursprung-Jing-Punkt (Ting-Punkt) ist dem Metall zugeordnet.

Der Funktionskreis Blase aus traditioneller Sicht

Funktionskreis Blase:traditionelle Sicht Abb. 5.107
Die Blase erhält ihre Flüssigkeiten unmittelbar von den Nieren, sie erhält sie aber nur, wenn Stoffwechsel und Verdauungsvorgänge in Ordnung sind. Entsprechend steht im Ling Shu, Kap. 18, dass die Blase die Flüssigkeiten von Dünndarm und Dickdarm erhält, und zwar, wie es organisch-funktionell korrekt ist, über die Vermittlung des Dreifachen Erwärmers, des Organs der Wasserwege.
Die Blase nimmt nach chinesischer Auffassung aber auch aktiv am Wasserhaushalt teil, indem sie vom Unteren Erwärmer aus energetisch-regulativ über den Shu-Zustimmungspunkt Bl 28 auf die Flüssigkeiten für den Oberen Erwärmer und den Funktionskreis Lunge einwirkt.
Der Funktionskreis Blase ist damit beteiligt an der Produktion von Abwehr-Qi (Weiqi) und an der Verteilung der Flüssigkeiten (Jin und Ye) und dadurch mitverantwortlich für die Gelenksflüssigkeiten (Arthrosen!), Hautturgor, Augentonus usw.
Oberfläche
Der Funktionskreis BlaseFunktionskreis Blase:Oberfläche bildet, zusammen mit dem Funktionskreis Dünndarm, die energetische Oberflächenschicht Taiyang. In ihr finden Abwehr und Kontaktaufnahme statt. Das Abwehr-QiAbwehr-Qi, das außerhalb der Hauptmeridiane fließt, ist für die Hautfestigkeit, Turgor, Schweiß, Wärme und Haarwachstum verantwortlich. Auch andere Funktionskreise, wie der der Lunge, helfen bei diesen Aufgaben. Bei HautpathologienHauterkrankung wie Ekzemen, Furunkeln, Ulzera, Pruritus und degenerativen Veränderungen muss jedoch der Funktionskreis Blase mit therapiert werden.
Ausscheidung
Funktionskreis Blase:AusscheidungZur Unterstützung der Ausscheidung empfehlen wir das Stechen des Punktes Bl 40. Er entspricht nach neueren Erkenntnissen dem Histamin- oder Allergiepunkt.
Er gehört zu den Befehlspunkten mit folgenden Funktionen:
  • Meer-He-Funktion: Diese Funktion sammelt das Qi, schickt es gebündelt ins Organ und verstärkt seine spezifischen Funktionen, also die Trennung in trübe und klare Flüssigkeiten und die Ausscheidung. Es können vermehrt Abfallstoffe, Giftstoffe (sogenannte trübe Flüssigkeiten, Schleim) ausgeschieden werden. Dies ist mit ein Grund, warum der Punkt antiallergisch wirkt. Gleichzeitig wird die klare Flüssigkeit über den Dreifachen Erwärmer nach oben und außen gebracht. Diese Flüssigkeit kühlt und heilt so Hitze-Hitze und Hitze-Schleim-Erkrankungen, die sich über die Haut manifestieren. Häufig sind Dermatosen Hitze- oder Hitze-Schleim-ErkrankungenHitze-Schleim-Erkrankung.

  • „Erde“-Funktion: Auf den Yang-Meridianen hat der Meer-He-Punkt die „Erde“-Funktion. Die Blase erhält also mehr Flüssigkeiten und Yin aus der Verdauung und kann damit ihre Aufgaben besser erfüllen.

Effektor
Funktionskreis Blase:EffektorDer Hauptmeridian Blase stellt – mit seinen Verbindungen zu den übrigen Yang-Hauptmeridianen und den außerordentlichen Meridianen – den Effektor und den Koordinator für die Potenzialität und die Kraft des Funktionskreises Niere dar, zumindest was die Bewegungen betrifft: aufrechter Gang, Bewegungskoordination, Gleichgewicht, Raschheit der Bewegungen. (Für die Muskelkraft ist der Funktionskreis Leber zusammen mit der Gallenblase zuständig.)
Klimatische Faktoren
Funktionskreis Blase:klimatische FaktorenKälteKälte führt zu einer Blockierung des Blasen-Yang (Symptome: Kälteschauer, Unwohlsein). Das blockierte Qi setzt die Flüssigkeit nicht mehr um (Urinverhalten, Zystitis). In der Folge wird die gestaute Flüssigkeit erwärmt, einerseits physikalisch durch die Kompression, vor allem jedoch durch das Abwehr-Qi (Weiqi) (Symptome: Blasenbrennen, Hämaturie, Leukozyturie).
Schleim im Urin kann durch die Wärme bedingt sein, welche die Flüssigkeit (Exsudat aus der Blasenschleimhaut) eindickt, oder direkt durch die Einwirkung des klimatischen Faktors Feuchtigkeit; der klimatische Faktor WindWind führt zu Blasenkontraktionen und Pollakisurie.
Schwäche der Energie des Funktionskreises Blase
Funktionskreis Blase:Schwäche der EnergieDas Blasen-QiBlasen-Qi entwickelt sich über Verdauung, Stoffwechsel und Nieren-Qi. Bei Schwäche können folgende Symptome auftreten:
  • Enuresis: Schwäche der angeborenen Konstitution, Furcht schwächt das Nieren-Qi;

  • Inkontinenz: Mangel an Struktivpotenzial Yin;

  • Polyurie: durch Abnahme des Nieren-Yang, z. B. bei Examensangst;

  • Oberfläche: Abwehrstörungen, Hautsymptome (zusammen mit dem Funktionskreis Lunge);

  • Entwicklungsstörungen, wie Skoliose (im Verlauf des Hauptmeridians).

Psychogramm
Funktionskreis Blase:PsychogrammDas Blasen-Qi häng ganz wesentlich vom Nieren-Qi ab. Eine allgemeine Blasen-Qi-Schwäche mit psychischer Auswirkung (psychische Verhärtung, z. B. „Halsstarrigkeit“) wird über die energetischen Nierenpunkte behandelt, zusätzlich zu den lokalen Punkten. Die Punkte Bl 42, Bl 47 und Bl 49 gelten als psychosomatische Punkte mit Segmentbezug zu Lunge, Leber und Milz.

Nieren-Meridian (Shenjing)

Nieren-Meridian

ShenjingNieren-Meridian Abb. 5.108
Charakteristik
  • Bezeichnungen: ZushaoyinZushaoyin, Fuß-ShaoyinFuß-Shaoyin, Kleines Yin des Fußes, The leg lesser Yin Meridian

  • Abkürzungen: Ni (Niere), R (rein), K (kidney)

  • Meridian eines Vollorgans (Speicherorgans, Zang), daher Yin; nach internationaler Nomenklatur: der VIII. Meridian im Energiekreislauf

  • Energieverlauf zentripetal, der Meridian erhält seine Energie von seinem gekoppelten Yang-Partner, dem Blasen-Meridian und gibt sie an den Kreislauf-Sexualität-Meridian weiter.

  • Chronobiologie: Optimalzeit zur Tonisierung 17–19 Uhr

  • Shu-Zustimmungspunkt: Bl 23, 1,5 Cun lateral der dorsalen Medianlinie in der Höhe des Dornfortsatzes des 2. LW

  • Mu-Alarmpunkt: Gb 25, am freien Ende der 12. Rippe

  • Der äußere Verlauf ist durch 27 Punkte gekennzeichnet.

Verlauf
Nieren-Meridian:VerlaufDer Meridian beginnt nach manchen Autoren am inneren Nagelwinkel der Kleinzehe. Nach den meisten Autoren, so auch nach Chamfrault (1964) und nach dem Nei Jing (Kap. 10), sowie nach der modernen chinesischen Literatur nimmt er seinen Anfang an der Fußsohle, zwischen Groß- und Kleinzehenballen. Von hier besteht über ein Sekundärgefäß Verbindung zum inneren Nagelwinkel der kleinen Zehe. Er verläuft als Yin-Meridian auf der Innenseite des Fußes zum inneren Knöchel.
Von hier zieht er entlang der hinteren Tibiakante über die innere Wadenpartie nach oben zur medialen Kniegelenksfalte (zwischen M. semimembranosus und M. semitendinosus) und erreicht weiterziehend über die Innenseite des Oberschenkels die Perinealregion. Der äußere Verlauf geht nun weiter zwischen der ventralen Medianlinie und dem Magen-Meridian über das Abdomen (auch für seinen Verlauf in dieser Region bestehen 3 verschiedene Angaben, was die Entfernung des Meridians von der Medianlinie betrifft). Die richtige Entfernung des Verlaufs beträgt 0,5 Cun – transversale Cun für Thorax und Abdomen – lateral der Medianlinie und dann parasternal über den Thorax nach aufwärts, um mit seinem 27. Punkt an der Articulatio sternoclavicularis zu enden.
Innerer Verlauf
Nieren-Meridian:innerer VerlaufVom Punkt Bl 67 zieht ein innerer Verlauf über die Fußsohle zum Punkt Ni 1. Die Schleife um den Malleolus, gebildet aus Ni 3, Ni 4 und Ni 5, hat Bezug zur Ferse und dringt in sie ein. Vom Punkt Ni 11 aus verbindet er sich mit den Punkten KG 3 und KG 4. Ein weiterer Ast dringt über den Punkt LG 1 in das Körperinnere, steigt die Wirbelsäule nach oben und verbindet sich sowohl mit dem Punkt LG 4 wie mit dem Nierenparenchym. Er verläuft weiter nach ventral und durchdringt die Blase, wo dieser Ast endet. Die tiefen aufsteigenden Anteile kommen ebenfalls aus der Niere, verlaufen durch Leber und Zwerchfell und von dort zur Lunge, dann zur Kehle und enden an der Zungenwurzel. Ein Ast zweigt in der Lunge ab und zieht zum Herzen, verteilt sich im Brustraum und verbindet sich mit dem Kreislauf-Meridian.
Innere Meridianverlaufsrichtung: von unten nach oben

BESONDERE PUNKTE

Nieren-Meridian (Shenjing)

Nieren-Meridian:besondere PunkteTonisierungspunkt Ni 7
Sedativpunkt Ni 1
Yuan-Quellpunkt Ni 3
Luo-Durchgangspunkt Ni 4 zu Bl 64
Shu-Zustimmungspunkt Bl 23
Mu-Alarmpunkt Gb 25
Kardinalpunkt, der das Aufsteigende Yin-Gefäß (Yinqiaomai) einschaltet Ni 6
Besonderheiten
In der Tradition war für die Rolle der Niere innerhalb des Gesamtorganismus die Teilung in zwei Funktionsbereiche – nämlich als „Wasserniere“ und als „Feuerniere“ (Nebenniere) – maßgebend.
Sie galt als Organ der Potenzierung einer Kraft, von der Geschicklichkeit und Intelligenz abhängig sind, sowie als Organ, das den Willen beherrscht und als Regulator des Winterschlafes und ähnlichen Latenzphasen fungiert. Sie wurde als Fundament der angeborenen Konstitution angesehen und wie das Herz als „adeliges“ Organ bezeichnet. Besonders gewarnt wurde vor den Gefahren, die dem Organismus bei einem Versagen dieser Organe drohen.
Der Wandlungsphase Wasser zugeordnet, „regiert“ die Niere die Knochen, das Knochenmark (und bestimmt damit die Blutgruppen!), hat Einfluss auf das Gehör, das Haupthaar, auf Anus und Urethra und die Speichelbildung. Von den psychischen Emotionen entspricht ihr die Furcht bis zur panischen Angst.
Im Nieren-Meridian entfaltet sich die physiologische Funktion des Menschen (Porkert 1982).

Tendinomuskulärer Nieren-Meridian

Nieren-Meridian:tendinomuskulärer Abb. 5.109, Abb. 5.110
Der TMM beginnt mit dem Punkt Ni 1 und verläuft an der Fußsohle zur Ferse, führt dann in einer breiten Bahn an der Wade und am rückwärtigen Oberschenkel zum Genitalbereich. Nun folgt sein weiterer, innerer Verlauf der Wirbelsäule aufwärts und endet am Nacken.

Verlauf am Ohr

Nieren-Meridian:Verlauf am Ohr Abb. 5.111
Am Ohr sehen wir den streng geometrischen Verlauf. Der Beginn von Ni 1 bis Ni 5 liegt auf der Wangenhaut vor dem Ohrläppchen auf einer Linie bis zum Punkt Ni 6, dem Tranquilizerpunkt (Typ Valium) knapp unterhalb der Mitte des Tragus. Von dort zieht der Meridian zum Punkt Ni 7, dem Nierenparenchympunkt in der Helixfalte vor der Fossa triangularis. An der Helixfalte, in Höhe der oberen Begrenzung der Fossa triangularis, finden wir den Punkt Ni 8 mit den Indikationen Durchblutungsstörungen bis ins kleine Becken und Menstruationsstörungen. Der Meridian steigt auf der Kopfhaut weiter auf zum Punkt Ni 9 und ändert dann den Fortgang auf der Ohrrückseite abwärts zum Punkt Ni 10, dem motorischen Kniegelenkspunkt auf der Ohrrückseite mit der Indikation Kniegelenksaffektionen, „steifes Knie“. In einem weiteren Verlauf nach unten erreicht er den motorischen Ösophagus- und Magenpunkt, den Punkt Ni 16, der zur Behandlung von Magenkrämpfen und Eingeweidekoliken geeignet ist. Nochmals etwa einen Zentimeter tiefer kommen wir zum motorischen Lungenpunkt, dem Punkt Ni 27, den wir sowohl bei bronchospastischen Zuständen wie bei Psychasthenie einsetzen können.

Die Punkte im Einzelnen

Ni 1
Yongquan$Ni 1 §Yongquan&, „Sprudelnde Quelle“
Funktion
Ursprungs-Jing-Punkt (Ting-Punkt)
Anfang des TMM der Niere
Sedativpunkt
Lokalisation
Wenn man die Fußsohle (ohne Zehen) durch gedachte Horizontallinien in 3 gleiche Teile teilt, liegt Ni 1 auf der distalen Linie, in deren Mitte, zwischen den Zehenballen. Der Stich soll beim liegenden Patienten erfolgen.
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Vorfuß, in den Zehen, sogenannte rastlose Füße (restless legs)
Überregional: Zystitis, Pyelitis, Nierenfunktionsstörungen, Schmerzen in der Nierengegend mit Ausstrahlung zur Innenseite des Oberschenkels, Deszensusbeschwerden, Hungergefühl, dabei Ekel vor Speisen, trockene Zunge, geblähtes Abdomen mit periumbilikalen Schmerzen, spastische Obstipation; unstillbares Nasenbluten, Angina, Laryngitis, Atembeschwerden mit großem Durstgefühl, febrile Bronchitis, Unbehagen in der Herzgegend, aber auch „brutale“ Herzschmerzen, Palpitationen; exzessive Kopfschmerzen – vorwiegend Scheitelkopfschmerzen, alle Formen der Epilepsie, Angst, Ohnmacht, Bewusstlosigkeit, Sonnenstich, Hitzschlag, bei zerebralen Insulten, Konzentrationsunfähigkeit, Gedächtnisschwäche, Hysterie
Allgemein: Die Punktur von Ni 1 wirkt rasch schweißtreibend.
Anmerkung
Der an sich wichtige Punkt wird in westlichen Ländern wegen der Schmerzhaftigkeit des Stiches, die durch seine Lokalisation bedingt ist, nur selten verwendet.
Tradition
Einer der sogenannten Reanimationspunkte gegen krisenhafte Zustände (wie auch He 9, KS 9, LG 26). Dieser Ursprung-Jing-Punkt ist dem Holz zugeordnet.
Ni 2
Rangu$Ni 2 §Rangu&, „Erleuchtendes Tal“, auch „Schlangenquelle“
Funktion
Stoffwechselpunkt
Lokalisation
An der Innenseite des Fußes, knapp unterhalb der Tuberositas des Os naviculare, in einer kleinen Vertiefung
Punktur
3 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: rheumatische Beschwerden der unteren Extremitäten, Hauptpunkt für Schwellungen im Bereich des Vorfußes und in der Knöchelgegend, brennend heiße Füße in der Nacht
Überregional: Nephropathien, Zystitis, Urethritis, Harninkontinenz, Spermatorrhö, Skrotalschmerzen, Vaginitis, Vulvitis, Pruritis vulvae, Menstruationsstörungen, Sterilität; großer Durst, je mehr man trinkt, umso mehr Durst hat man; geblähtes, schmerzhaftes Abdomen, akute Diarrhö; Schwellung und Schmerzhaftigkeit des Oropharynx, Schluckbeschwerden; Dyspnoe, Völlegefühl und Unbehagen im Brustbereich; Angst, Weinerlichkeit, aber auch Neigung, übereilte Entscheidungen zu treffen.
Bei Kindern: nervöse Krisen, Tics, Appetitmangel, Verdauungsstörungen
Allgemein: schweißregulierend bei übermäßiger Neigung zum Schwitzen, Hämatome etc. nach Traumen, Störungen der Blutgerinnung
Tradition
Dieser Quell-Ying-Punkt ist dem Feuer zugeordnet.
Ni 3
Taixi$Ni 3 §Taixi&, „Höchste Talmulde“, „Höchster Wassergraben“
Funktion
Yuan-Quellpunkt – energetische Verbindung zum Luo-Durchgangspunkt des gekoppelten Yang-Partners, dem Punkt Bl 58
Lokalisation
Der Punkt liegt über dem Kalkaneus, 0,5 Cun hinter dem inneren Knöchel auf der halben Strecke zur Achillessehne in einer Vertiefung, in der man das Pulsieren der A. tibialis posterior tasten kann. Der Punkt Ni 3 auf der Innenseite liegt praktisch Bl 60 auf der Außenseite gegenüber.
Punktur
3 Fen
Indikation
Lokoregional: Atonie der Unterschenkel- und Fußmuskulatur, auch Sensibilitätsstörungen
Überregional: Nephropathien, Zystitis, Harninkontinenz, Vaginitis, Menstruationsstörungen; schwere degenerative Erkrankungen mit progredienter Schwäche des Allgemeinzustands, Ikterus mit Erschöpfungszuständen, Diarrhö, Diabetes mellitus mit progressiver Abmagerung; Halsentzündungen, stechende Herzschmerzen. Krampfhusten mit Atemnot, katarrhalische Bronchitis; Schlafsucht oder Schlaflosigkeit, ständiges Gähnen und Seufzen; Spezialpunkt gegen Odontalgien
Allgemein: mit Ni 7 (Tonisierungspunkt) gegen allgemeine Müdigkeit, bei degenerativen Erkrankungen und zur Rheumabehandlung
Tradition
Dieser Bach-Shu-Punkt ist gleichzeitig Yuan-Quellpunkt und der Erde zugeordnet.
Ni 4
Dazhong$Ni 4 §Dazhong&, „Große Reunion“
Funktion
Luo-Durchgangspunkt des Ni-Meridians mit energetischer Verbindung zum Yuan-Quellpunkt des gekoppelten Yang-Partners, also zu Bl 64, über das transversale Luo-Gefäß
Lokalisation
In Höhe der unteren Spitze des Innenknöchels nach dorsal, am vorderen inneren Rand des Ansatzes der Achillessehne, einen Querfinger unter Ni 3
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Bereich der Ferse und des Sprunggelenks
Überregional: Blasenatonie, aber auch Blasenspasmen, Reizblase, Miktionsstörungen; Völlegefühl im Brustraum, Husten, Dyspnoe, Hypertonie, spastische Stenokardie, Herzklopfen, sympathikotone Kreislaufstörungen, Schlafsucht, Apathie, Weinerlichkeit, der Kranke will allein gelassen werden; Globusgefühl
Allgemein: Kältescheu (der Patient sieht immer nach, ob alle Türen und Fenster geschlossen sind), allgemeiner Energiemangel, eventuell auch zur Umstimmung bei der Rheumatherapie
Ni 5
Shuiquan$Ni 5 §Shuiquan&, „Wasserquelle“
Lokalisation
1 Cun unterhalb von Ni 3, medial der Tuberositas calcanei
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Überregional: Urethritis, Zystitis, Miktionsstörungen, Menstruationsirregularität, Dysmenorrhö bei jungen Frauen, Deszensusbeschwerden. Hilfspunkt bei der Behandlung von Sehstörungen mit Le 3, Le 8, Bl 1, Bl 10, Bl 18, Gb 1
Ni 6
Zhaohai$Ni 6 §Zhaohai&, „Erleuchtetes Meer“
Funktion
Kardinalpunkt (Schlüsselpunkt) für den außerordentlichen Meridian Aufsteigendes Yin-Gefäß (Yinqiaomai)
Stoffwechselpunkt
Lokalisation
1 Querfinger (0,4 Cun) direkt unter dem inneren Knöchel in einer Vertiefung, unter der ein kleiner, aber deutlicher Knochenvorsprung tastbar ist
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Überregional: Regelstörungen, sexuelle Übererregbarkeit, Deszensusbeschwerden, Schmerzen im Unterbauch, Brechreiz, verlangsamte Nahrungsresorption, Obstipation bei Frauen, Tonsillitis
Allgemein: Tranquilizerpunkt, bei Psychasthenien; für alle Beschwerden, die sich prämenstruell oder überhaupt im Zusammenhang mit der Periode verschlimmern; Klimaxbeschwerden, für alle jene Zustände, bei denen der Patient seine Schmerzen nicht exakt lokalisieren kann; allgemeines Krankheitsgefühl, nächtliche epileptiforme Anfälle, Schlafsucht, Gähnzwang
Beim Rechtshänder links, in Gold gestochen, ist er einer der „Meisterpunkte“ gegen Schlafstörungen.
Ni 7
Fuliu$Ni 7 §Fuliu&, „Wiederkehr des Abflusses“, „Rückfluss“
Funktion
Tonisierungspunkt
Lokalisation
2 Cun oberhalb des inneren Knöchels, von dessen höchster Stelle aus gerechnet und ½ Querfinger hinter dem posterioren Tibiarand, über der A. tibialis posterior, hinter dem M. flexor digitorum longus
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schwäche der Muskulatur der unteren Extremitäten, Paresen, Durchblutungsstörungen, Schmerzen in der Lumbalregion
Überregional: Dysurie, Hämaturie, der Patient hat das Gefühl, als ob er Feuer ausscheide; Orchitis; Zahnschmerzen, Hypersalivation, geblähter Trommelbauch, schwere Diarrhö, entzündete und blutende Hämorrhoiden; Schwatzhaftigkeit, Gereiztheit, Mangel an Entschlusskraft, Hypotonie, Kollapszustände, alle Ödeme, Schwellungen, unbeeinflussbarer Nachtschweiß
Tradition
Ni 7 gilt als Tonisierungspunkt der „Feuerniere“, womit die Nebenniere gemeint ist (Yang-Aspekt), und gleichzeitig für die Stimulation des Ausscheidungsorgans „Wasserniere“ (Yin-Aspekt). Dieser Fluss-Jing-Punkt ist dem Metall zugeordnet.
Ni 8
Jiaoxin$Ni 8 §Jiaoxin&, „Treffpunkt, Vereinigung der Botschaften“
Lokalisation
Ni 8 wird bei zahlreichen Autoren als Kreuzungspunkt der 3 Yin-Meridiane des Fußes, in derselben Lokalisation wie Le 5 und MP 6 angegeben. Präzise formuliert handelt es sich jedoch um eine Kreuzungszone, innerhalb deren diese 3 Punkte gelegen sind, wobei sie zwar viele, aber nicht alle Indikationen gemeinsam haben.
Ni 8 liegt 2 Cun oberhalb der höchsten Erhebung des inneren Knöchels, knapp hinter dem medialen Tibiarand, zwischen diesem und dem M. flexor digitorum longus, in Höhe des vorher beschriebenen Punktes Ni 7, sowie 1 Cun distal von MP 6.
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Menstruationsstörungen, besonders Hypermenorrhö, Dysurie, Harnverhaltung, Orchitis, Penisschmerzen; alle Formen der Diarrhö, aber auch Obstipation, Hernienschmerzen; wird auch empfohlen zur Regulierung der Durchblutung der gesamten unteren Extremität bis ins kleine Becken
Ni 9
Zhubin$Ni 9 §Zhubin&, „Bauwerk über dem flachen Gestade, Teichufer“
Lokalisation
6 Cun oberhalb des inneren Knöchels in einer Vertiefung, die im „weichen Fleisch“ 2 Cun hinter der medialen Tibiakante zu tasten ist, oder der Höhe nach 3 Cun oberhalb von Ni 8
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Muskelschmerzen, Wadenkrämpfe
Überregional: Hernienbeschwerden, Muttermilchmangel, Neurasthenie, epileptiforme Anfälle, Verwirrtheitszustände, Irrereden
Ni 10
Yingu$Ni 10 §Yingu&, „Tal des Yin
Funktion
Meer-He-Punkt, als solcher wird ihm eine direkte Einwirkung auf das Organ zugeschrieben
Lokalisation
Bei gebeugtem Knie, am medialen Ende der Kniegelenksquerfalte, jedoch noch in der Kniehöhle, zwischen den Sehnen der Mm. semimembranosus und semitendinosus, in derselben Höhe wie Bl 40
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Kniegelenk, das Knie kann nicht gebeugt werden; Schmerzen an der Innenseite des Oberschenkels
Überregional: alle Genitalerkrankungen des Mannes, Impotenz, Miktionsbeschwerden, Prostatitis; chronischer Fluor, verlängerte Periodenblutung, Schmerzen im Unterbauch, Hypersalivation
Tradition
Dieser Meer-He-Punkt ist dem Wasser zugeordnet.
Ni 11
Henggu$Ni 11 §Henggu&, „Horizontaler Knochen“
Funktion
Reunionspunkt mit dem außerordentlichen Meridian Gefäß der breiten Bahn (Chongmai)
2. Mu-Alarmpunkt des KS-Meridians
Lokalisation
Am Oberrand des Os pubis, 0,5 Cun (transversale Cun für Thorax und Abdomen!) neben der ventralen Medianlinie in Höhe von KG 2. Diese Lokalisation finden wir in der modernen chinesischen Literatur, während sie bei vielen anderen Autoren mit 1 Cun oder 2 Querfinger angegeben wird – kein wesentlicher Widerspruch, wenn man den Unterschied zwischen Finger-Cun und transversalem Thorax-Cun in Betracht zieht.
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Überregional: Verdauungsstörungen mit Unterbauchschmerzen, sexuelle Erregungs-, aber auch Mangelzustände, Impotenz, Frigidität, Miktionsstörungen, Harnverhaltung, Penis- und Skrotalschmerzen, alle Formen der Urethritis, heftige Schmerzen in der Nierengegend
Allgemein: Regulationspunkt für die Sexualität, allgemeine Erschöpfung der Energie, depressive Verstimmung mit Angstgefühl
Ni 12
Dahe$Ni 12 §Dahe&, „Äußerste Strenge, Kasteiung“, wird manchmal auch Yinwei genannt.
Funktion
Verbindung mit dem Gefäß der breiten Bahn (Chongmai)
Lokalisation
1 Cun oberhalb des Oberrandes des Os pubis und 0,5 Cun lateral von der Medianlinie, in Höhe von KG 3
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Impotenz, Oligospermie, retrahiertes Skrotum und Penis mit Schmerzen, Fluor
Allgemein: Schwächezustände
Ni 13
Qixue$Ni 13 §Qixue&, „Loch, Punkt der Energie“ (des Qi)
Funktion
Reunionspunkt mit dem Gefäß der breiten Bahn (Chongmai)
Lokalisation
1 Cun lateral von Ni 12, in Höhe von KG 4, 0,5 Cun lateral von der Medianlinie
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Menorrhagie, Metrorrhagie, Blasenspasmen, Reizblase; Bauchschmerzen, das Gefühl, „als ob ein Spanferkel im Bauch herumfuhrwerken würde“, mit Ausstrahlung in die Nierenregion, ständige Diarrhö
Tradition
Der Punkt wird auch „Gebärmutter“ bzw. „Pforte zur Gebärmutter“ oder „Pforte der Kinder“ genannt. Dadurch soll ausgedrückt werden, dass er die gesamte vitale Energie beeinflusst.
Ni 14
Siman$Ni 14 §Siman&, „Der Vierte der Füllungen“ (gemeint ist damit der 4. Punkt am Nieren-Meridian vom Os pubis aus nach oben gerechnet). Ni 14 wird auch „Palast des Marks“ genannt.
Funktion
Reunionspunkt mit dem Gefäß der breiten Bahn (Chongmai)
Lokalisation
0,5 Cun lateral der Medianlinie, 3 Cun oberhalb des Oberrandes des Os pubis, in Höhe von KG 5
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Menstruationsirregularität, Hypermenorrhö, Verdauungsbeschwerden, Diarrhö (Gurgeln und Plätschern bei der Palpation), Hernienbeschwerden, postpartale Schmerzen
Ni 15
Zhongzhu$Ni 15 §Zhongzhu&, „Mitte des Zusammenfließens“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Gefäß der breiten Bahn (Chongmai)
Lokalisation
0,5 Cun lateral der Medianlinie, 1 Cun über Ni 14, 4 Cun über der Oberkante des Os pubis
Punktur
0,5–1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Obstipation, Schmerzen im Abdomen, die in die Nierenregion ausstrahlen, trockener und harter Stuhl, Menstruationsstörungen
Ni 16
Huangshu$Ni 16 §Huangshu&,Shu-Zustimmungspunkt der Eingeweide“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Gefäß der breiten Bahn (Chongmai)
Lokalisation
0,5 Cun seitlich des Nabels (KG 8)
Punktur
0,5–1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Magenkrämpfe, Affektionen der Eingeweide mit kolikartigen Schmerzen, Meteorismus, chronische Obstipation mit trockenem, hartem Stuhl, Menstruationsstörungen, Urethritiden jeglicher Genese
Ni 17
Shangqu$Ni 17 §Shangqu&, „Hemmung der Verdauungsstörungen“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Gefäß der breiten Bahn (Chongmai)
Lokalisation
0,5 Cun lateral der Medianlinie, in Höhe von KG 10, 1 Cun oberhalb des Nabels
Punktur
0,5–1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Gastralgien, kolikartige Oberbauchschmerzen, Appetitlosigkeit, peritoneale Reizzustände
Ni 18
Shiguan$Ni 18 §Shiguan& „Steingrenze“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Gefäß der breiten Bahn (Chongmai)
Lokalisation
0,5 Cun lateral der Medianlinie, in Höhe von KG 11, 3 Cun oberhalb des Nabels
Punktur
0,5–1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Gastralgien, Singultus, Roemheld-Syndrom, Obstipation, Koliken, unerträgliche postpartale Schmerzen
Ni 19
Yindu$Ni 19 §Yindu&, „Hauptstadt des Yin
Funktion
Reunionspunkt mit dem Gefäß der breiten Bahn (Chongmai)
Lokalisation
In Höhe von KG 12, 4 Cun oberhalb des Nabels, 0,5 Cun lateral der Medianlinie
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Roemheld-Syndrom, Schmerzausstrahlung zum Herzen und in die Flankengegend, mangelhafte Magenverdauung, Meteorismus
Anmerkung
Zur Verstärkung der Wirkung bei Oberbauchschmerzen, besonders bei Ulkuskrankheit wird oft eine Punktekombination verwendet, die Meihua („Pflaumenblüte“) genannt wird. Es handelt sich dabei um insgesamt 5 Punkte, die quadratisch um KG 12 als Mittelpunkt angeordnet, 0,5 Cun links und rechts der Medianlinie (Ni 19) sowie 0,5 Cun oberhalb und unterhalb von KG 12 gelegen sind.
Ni 20
Futonggu$Ni 20 §Futonggu&, „Talsohle“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Gefäß der breiten Bahn (Chongmai)
Lokalisation
In Höhe von KG 13, 5 Cun oberhalb des Nabels, 0,5 Cun lateral der Medianlinie
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Indigestion, Erbrechen, mangelhafte Nahrungsresorption (exkretorische Pankreasinsuffizienz), abdominale Schmerzen, Diarrhö, Meteorismus, Roemheld-Syndrom
Ni 21
Youmen$Ni 21 §Youmen&, „Tor der Stille, Geräuschlosigkeit“; damit ist die Pars cardiaca des Magens gemeint.
Funktion
Reunionspunkt mit dem Gefäß der breiten Bahn (Chongmai)
Lokalisation
6 Cun oberhalb von Ni 16 (in Nabelhöhe), 0,5 Cun lateral von KG 14
Punktur
5–7 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Bauchschmerzen, Aufstoßen, Erbrechen, Hypersalivation, Diarrhö, Leberfunktionsstörungen, Dyspepsie
Überregional: Husten, Stauungsgefühl, anginoide Beschwerden
Ni 22
Bulang$Ni 22 §Bulang&, „Begehbarer Vorsprung, Galerie“
Lokalisation
Im 5. ICR, 2 Cun lateral der Medianlinie, in Höhe von KG 16
Punktur
3–5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Krampfhusten mit dadurch bedingten Thoraxschmerzen, Pleuralgien, Interkostalneuralgien
Überregional: Appetitlosigkeit, allgemeiner Antriebsmangel
Ni 23
Shenfeng$Ni 23 §Shenfeng&, „Göttliche Weihe“
Lokalisation
Im 4. ICR, 2 Cun lateral der Medianlinie, in Höhe von KG 17
Punktur
3 Fen senkrecht oder bis 5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Interkostalneuralgien, Brustwandschmerzen, Pleuralgien, Krampfhusten mit erschwerter Atmung, Mastitis
Überregional: allgemeiner Energiemangel, gepaart mit Appetitlosigkeit und Brechreiz
Ni 24
Lingxu$Ni 24 §Lingxu&, „Markt des Geistes“
Lokalisation
Im 3. ICR, 2 Cun lateral der Medianlinie, in Höhe von KG 18
Punktur
3 Fen senkrecht oder 5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Husten mit konsekutiven Thoraxschmerzen, Interkostalneuralgie, Mastitis
Überregional: Appetitlosigkeit, Brechreiz, Erbrechen
Ni 25
Shencang$Ni 25 §Shencang&, „Obdach der Gottheit“
Lokalisation
Im 2. ICR, 2 Cun lateral der Medianlinie, in Höhe von KG 19
Punktur
3 Fen senkrecht oder 5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Krampfhusten mit Atembeschwerden und Thoraxschmerzen
Überregional: Appetitlosigkeit, Erbrechen
Ni 26
Yuzhong$Ni 26 §Yuzhong&, „Möglicher Mittelweg“
Lokalisation
Im 1. ICR, 2 Cun lateral der Medianlinie, in Höhe von KG 20
Punktur
3 Fen senkrecht oder 5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Krampfhusten mit Atembeschwerden, Thorax- und Flankenschmerzen
Überregional: Erbrechen
Ni 27
Shufu$Ni 27 §Shufu&, „Halle der Zustimmung“
Lokalisation
Am Sternalrand, am unteren Anteil des Sternoklavikulargelenks, in einer Höhe mit KG 21
Punktur
Cave: Pneumothorax bei senkrechtem Stich; besser 5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Asthma bronchiale, Krampfhusten, auch Stauungsbronchitis, Keuchhusten, Dyspnoe, Schmerzen im Thoraxbereich
Überregional: Ösophagusspasmen, „man kann nichts schlucken“; Erbrechen, dabei geblähtes Abdomen; Psychasthenie, Neurasthenie
Allgemein: Wichtiger Punkt für Asthma, bei Verschlimmerung durch Kälte und Feuchtigkeit. Der Punkt kann im Gegensatz zur üblichen Vorgehensweise bei Neurasthenikern nur einseitig, und zwar beim Rechtshänder links, genadelt werden.
Anmerkung zum Verlauf des Ni-Meridians zwischen Ni 11 und Ni 21
Die unterschiedlichen Angaben des Verlaufs des Nieren-Meridians am Abdomen dürften auch darauf zurückzuführen sein, dass der Nieren-Meridian in diesem Bereich über seine Punkte Ni 11 bis Ni 21 eine enge Verbindung mit dem Gefäß der breiten Bahn (Chongmai) hat. Die obigen Punkte sind also auch Punkte des Gefäßes der breiten Bahn.
Manche Autoren stützen sich auf die Ausführungen im Lingshu, wonach das Gefäß der breiten Bahn (Chongmai) oberflächlicher als der Nieren-Meridian verläuft, während im Suwen ein gemeinsamer Verlauf in diesem Abschnitt angegeben wird.

Der Funktionskreis Niere aus traditioneller Sicht

Funktionskreis Niere:traditionelle Sicht Abb. 5.119, Abb. 5.120
Sitz der angeborenen Konstitution
Der Funktionskreis NiereFunktionskreis Niere:Sitz der angeborenen Konstitution umfasst nicht nur die Nieren, sondern in der Klassik auch die Nebennieren und die Genitalorgane.
In den Gonaden werden die genetischen Programme organisch fixiert. Der Funktionskreis Niere ist somit Träger und Ausgabeort der genetischen Faktoren, wie sie delokalisiert in allen Zellen über die Chromosomen und Gene vorliegen.
Embryonale und auch kindliche Entwicklungsstörungen (z. B. Skoliose) sind über Fehler in diesem angeborenen Programm zu verstehen, des Weiteren auch zerebrale (von „minor brain disease“ bis Demenz) und charakterliche Störungen.
Allerdings induziert nicht allein das angeborene Programm diese Störungen, auch das materielle Substrat, auf welches das Programm einwirkt, muss gut sein, also z. B. die embryonale und frühkindliche Ernährung und Verdauung. (Im übertragenen Sinn könnte man sagen: Das Computerprogramm kann gut sein – wenn die Hardware defekt ist, ist das Resultat fehlerhaft.)
Später beeinflussen weitere Faktoren dieses angeborene Programm, wie Umweltgifte, Rauchen oder radioaktive Energien. Diese aktivieren z. B. Onkogene, die das Programm verändern und damit Energetik und Stoffwechsel.
Sitz der Essenz (Jing)
EssenzDie Wandlungsphase WasserWandlungsphase Wasser entspricht dem Norden, dem Winter, der Kälte und der Tiefe. Bildhaft ist ihre Energie gesammelt und ruhend wie ein Stein auf dem Grunde eines stillen, klaren Winterbaches.
Der Funktionskreis NiereFunktionskreis Niere:Sitz der Essenz (Jing) speichert als Nierenessenz (Jing) das Potenzial, das von Magen und Milz als „Essenz“ in einer Interaktion mit den oben erwähnten genetischen Programmen (angeborene Konstitution, in der Klassik „Vor-Himmels-Qi“ genannt) gebildet wurde.
Die Nierenessenz (Jing) ist der nicht-determinierte Aspekt aller Qi-Kräfte und bildet damit die Grundlage für das Stoffliche, das materielle Potenzial eines Individuums (Fisch 1973).
Man kann die Nieren mit einer Autobatterie vergleichen, die den Strom, der vom Dynamo (Milz und Mittlerer Erwärmer) kommt, speichert. Die Potenz, Menge und Verfügbarkeit der Essenz hängt von der Verdauungskraft, der Ernährung und der angeborenen Konstitution (Aufnahmefähigkeit der Autobatterie) ab. Und wie der elektrische Strom aus der Batterie jederzeit abgerufen und aktiviert werden kann, so kann der Funktionskreis Niere diese Essenz wieder zu Qi und formierter (determinierter) Substanz umwandeln.
Der Aufbau der Nierenessenz hängt also ab von der angeborenen Konstitution (Aufnahmefähigkeit der Autobatterie) und vom Dynamo (Lebensweise, z. B. Schlaf, Ernährung, Verdauungskraft, Alkohol usw.).
Eine Verminderung dieser Essenz führt zu einer Substanzverminderung. Beim Kind lassen z. B. schlecht entwickelte und kariesanfällige Zähne darauf schließen, ferner retardiertes Wachstum, Haltungsstörungen, Muskelschwäche und mental-zerebrale Störungen; beim Erwachsenen ist es die verfrühte Degeneration der Gewebe, wie z. B. verminderter Hautturgor oder Arthrosen.
Die Nierenessenz (Jing) als Kraftreserve und als genitale Potenz
PotenzDer Funktionskreis NiereFunktionskreis Niere:Nierenessenz (Jing) konzentriert, verdichtet, verinnerlicht, bildet und speichert die Essenz; dadurch ist er implizit der Sitz der Potenz, wie Gletschereis, wenn es durch Yang in Bewegung gesetzt wird.
Das Jing befindet sich nicht nur im Funktionskreis Niere; es fließt durch die übrigen Funktionskreise in die Meridiane. Durch die Einwirkung des Nieren-Yang entsteht aus dieser Essenz Nieren-QiNieren-Qi; das Nieren-Yang ist aktivierbar über den Punkt LG 4 („Tor der Vitalität“, Mingmen).
Einem Funktionskreis Niere, der genügend Qi zur Verfügung hat und der auch fähig ist, aus dem Qi die Nierenessenz (Jing) zu destillieren, ist es möglich, dem Körper genügend materielle (struktive) Grundlagen zur Verfügung zu stellen, zum Wachstum, zur körperlichen und geistigen Entwicklung, als Kraft, als Kraftreserve und als genitale Potenz.
Aufgaben
Absenken, kühlen und nach oben führen
Funktionskreis Niere:AufgabenDer Kreislauf der Energien und Flüssigkeiten muss rund laufen: Er benötigt dazu aufsteigende und absenkende Kräfte.
Der Funktionskreis Funktionskreis Niere:kühlenFunktionskreis Niere:absenkenNiereFunktionskreis Niere:nach oben führen empfängt über den Punkt LG 4 Qi aus dem Funktionskreis Lunge: Er wandelt dieses Qi und schickt Essenz in den Kreislauf aller Funktionskreise nach oben. So erreicht das Nieren-Jing die außerordentlichen Gefäße und die Yuan-Quellpunkte der Meridiane.
Die energetische Bewegung des Funktionskreises Niere ist also sowohl absenkend als auch aufsteigend, auch muss eine Harmonie zwischen Nieren-YinNieren-Yin und Nieren-YangNieren-Yang eingehalten werden. Kommt es zu einer Stauung des Yang, ist Hitze-Fülle die Folge, wie Abszesse, Furunkel, Entzündungen generell, Kopfschmerzen oder Erbrechen; daneben können psychische Veränderungen wie Erregtheit oder Schlaflosigkeit auftreten.
Auch eine Stauung des Yin muss vermieden werden. Fehlt dafür ausreichend Nieren-Yang, welches das Yin bewegen muss, bleibt das Yin unten blockiert und wird dadurch pathologisch: Beinödeme oder Arthrosen sind die Folge.
Dauert diese Stauung lange Zeit, entsteht eine pathologische Verdichtung des Gewebes, eine Struierung (Porkert 1982). Ein Tumor, wie z. B. Prostataadenom, Myom oder Fibrom, kann dadurch begünstigt werden.
Wasserverteilung
Der Funktionskreis NiereFunktionskreis Niere:Wasserverteilung zieht Flüssigkeiten aus dem Blut. Sie stammen vor allem von den Funktionskreisen Lunge, Magen, Dünndarm und Dickdarm.
Der Funktionskreis Niere klärt diese Flüssigkeiten (nochmals) in reine und unreine; die reinen werden nach der traditionellen Anschauung in den Kreislauf des Dreifachen Erwärmers zurückgeschickt, die unreinen werden in die Blase weitergeleitet, dort aufbewahrt und ausgeschieden.
Dieser Vorgang benötigt Energie: Nieren-Yang, das die Flüssigkeiten bewegt und erwärmt. Eine massive Schwäche des Nieren-Yang bewirkt eine verminderte Wasserausscheidung, da die Flüssigkeit liegen bleibt. Dies führt zu Ödemen als Symptom.
Eine Schwäche des Nieren-Yin führt vorerst zu einer verstärkten Wasserausscheidung (das vorhandene Yang ist in relativer Fülle, sogenanntes Pseudo-Yang). Später folgen HitzezeichenHitze wie Obstipation, Durst, trockene rote Zunge und verminderte Urinausscheidung und, da Yin fehlt, heiße Hände und Füße sowie Wallungen.
Klimatische Faktoren
Funktionskreis Niere:klimatische FaktorenDie klimatischen Faktoren, die zu den Wandlungsphasen gehören, haben auch eine Affinität zu den entsprechenden Funktionskreisen.
Zum Wasser gehört die Kälte. So wie der Funktionskreis Niere eine Wasseraffinität hat, so hat er auch eine Kälteaffinität, nur wirkt die KälteKälte pathologisch, indem sie das Yang verlangsamt und sogar blockiert.
Das defiziente Yang kann das Blut nicht mehr erwärmen und bewegen. Verminderte Urinaussscheidung, Ödem, Kälte der Extremitäten und Abkühlung aller Stoffwechselvorgänge sind die Folge.
Das Nieren-Yin andererseits wird vermindert durch Einwirkung von Hitze und TrockenheitTrockenheit. Diese Faktoren, die nicht primär den Funktionskreis Niere angreifen, vermindern die Körperflüssigkeiten und damit das „Rohmaterial“ für den Funktionskreis Niere. Fieber ist z. B. ein Symptom von Hitze; es bewirkt einen konzentrierten, verminderten, dunklen Urin.
Geschmack
Von den Geschmacksrichtungen entspricht das Salzige dem Funktionskreis NiereFunktionskreis Niere:Geschmack. Diese Beziehung ist einfach zu erkennen. Das Salz ist die Folge des Verdichtens, des Absetzens; es resultiert ein beinahe gesteinsartiges Mineral. Das Salz beeinflusst über die Osmolarität den Wasserhaushalt und die Niere bestimmt über die Rückresorption der Mineralien die Flüssigkeitsmenge im Körper. Zu viel Salz stört den Wasserhaushalt und die Nieren.
Sinnesorgan
Das Sinnesorgan, das energetisch vom Funktionskreis NiereFunktionskreis Niere:Sinnesorgan bestimmt wird, sind die Ohren. Sie befinden sich im Knochen, im Innern, verbunden mit dem – ebenfalls vom Funktionskreis Niere abhängenden – sogenannten Extraorgan Gehirn.
Der Funktionskreis Niere ist für die Innenohrfunktion zuständig, wie Hörschärfe oder Perzeptionsschwerhörigkeit sowie Gleichgewicht und Tinnitus; der Dreifache Erwärmer bestimmt dagegen das Mittelohr mit seinen Schallleitungsstörungen und Entzündungen.
Beziehung zu Gehirn und Mark
In der chinesischen Medizin werden gewisse Organe und ihre Funktionen in den Extraorganen zusammengefasst. Mit dem Funktionskreis NiereFunktionskreis Niere:Beziehung zu Gehirn und Mark sind folgende Extraorgane verbunden: Gehirn, Mark (Knochenmark und Rückenmark) und Knochen.
Funktionelle und körperliche Darstellung
Funktionskreis Niere:körperliche DarstellungFunktionskreis Niere:funktionelle DarstellungDie Funktionskreise beschränken sich nicht auf das Organ, das ihnen den Namen gibt und ihre Hauptfunktion darstellt. Sie verdichten ihre energetische Präsenz in gewissen Geweben und geben damit diesen Geweben die Festigkeit in der Struktur und die Kraft der Funktion. Für den Funktionskreis Niere sind das folgende Gewebe:
  • ZähneZähne

  • KnochenKnochen

  • KnochenmarkKnochenmark

Über das Knochenmark und die Kontrolle der Flüssigkeiten wirkt der Funktionskreis Niere bei der Herstellung des Blutes (Xue) mit. Aus westlicher Sicht kann man diese Zusammenhänge vielleicht besser verstehen, indem man die Bedeutung der Niere für die Blutbildung mit dem Erythropoetin in Verbindung bringt, oder man denkt in diesem Zusammenhang an die renale Anämie. Auch die Risikofaktoren der Osteoporose können dem Funktionskreis Niere zugeordnet werden.
Psychogramm
Funktionskreis Niere:Psychogramm Abb. 5.121
Jedem Funktionskreis sind psychische Energien zugeordnet, die sich als Emotionen oder Gefühlsregungen äußern. Für die mentale Verarbeitung ist das Gehirn zuständig; der Input, die Spezifität oder Färbung der Emotionen und der Anstoß zur Bearbeitung und Verarbeitung im Gehirn kommen von den einzelnen Funktionskreisen, vor allem vom Herzen.
Das Gehirn als Extraorgan, in traditioneller Sicht als energetischer Nebenfunktionskreis der Niere, arbeitet – wenn auch auf ganz anderer Ebene – ähnlich wie dieser: Es nimmt auf, selektiert, verarbeitet, verdichtet, wählt aus, bewahrt auf und gibt wieder ab.
Während die Emotionen je nach Funktionskreis spezifisch gefärbt sind, ist der gerichtete Wille im Sinne einer Verdichtung dieser Emotionen eine ausdrückliche Funktion des Funktionskreises Niere (Porkert 1982). Dazu gehören auch andere allgemeine Kortexfunktionen, wie Gedächtnis und Intellekt.
Die Demenz, mit Mangel an Willen, Emotionen, Gedächtnis und Beweglichkeit, lässt sich als Gehirnatrophie, als Nieren-Jing-Mangel erklären.
Ein starker Wille beruht auf einem ausgeglichenen Nieren-QiNieren-Qi; ein schwaches Nieren-Qi bedingt eine innere emotionelle Bereitschaft, die wir als Furcht bezeichnen. Der Schreck ist eine Reaktion des Funktionskreises Niere auf äußere, plötzlich und aggressiv auf das Lebewesen einwirkende Ereignisse. Diese Einwirkung verursacht bei einem Menschen mit einem starken Nieren-Yang-Qi eine adäquate Reaktion mit raschem Entschluss und sofortigem Reaktionsvermögen durch ein Zurückgreifen auf die im Funktionskreis Niere gespeicherten psychischen und materiellen Reserven.
Ein Mensch mit einem schwachen Funktionskreis Niere hat jedoch dieses Reaktionsvermögen nicht. Er wird vom Schreck übermannt, gerät in Panik weiß sich nicht zu helfen, erstarrt, zittert. Neben diesen Symptomen der fehlenden Kraft und Reserven zeigt er Veränderungen im Wasserhaushalt (Schwitzen, trockener Mund) und der Sphinkter der Urethra, der auch dem Funktionskreis Niere unterstellt ist, versagt den Dienst.
Die Person mit einem gut ausgebildeten Nieren-Qi ist ein willensstarker Intellektueller: Sie liebt das sachbezogene DenkenDenken, verhält sich zielgerichtet, hat eine innere Festigkeit mit Selbstvertrauen, das aus ihr strömt, kurz: Sie weiß, was sie will.
Ist das Nieren-Qi schwach, fehlen das Selbstvertrauen und das bestimmte Auftreten. Die Person kann ihr Denken nicht einsetzen, wird daher in ungewissen Situationen kopflos und selbst unbedeutende Ereignisse stürzen sie in Angst und Furcht.
Ein zu starkes Nieren-Yang-Qi führt hingegen zu egoistischem Denken; das sachbezogene Denken verschwindet. Selbstüberschätzung und Überheblichkeit gewinnen die Oberhand, bis die Person die Charakterzüge eines unbelehrbaren Psychopathen annimmt.
Die Statur ist kräftig, knochig, drahtig, leptosom. Das Verhalten ist dasjenige eines berechnenden Intellektuellen, selbstbewusst und bestimmend. Erst spät verliert er sein Beharrungsvermögen und seine Kraftreserven.

Kreislauf-Sexualität-Meridian (Xinbaoluojing)

Kreislauf-Sexualität-Meridian

XinbaoluojingKreislauf-Sexualität-Meridian Abb. 5.122
Charakteristik
  • Bezeichnungen: ShoujueyinShoujueyin, Hand-JueyinHand-Jueyin, gebeugtes Yin des Armes, The arm absolute Yin Meridian; Xinbaoluo (Hülle des Herzens), Xinzhu (Meister des Herzens), Perikard-Meridian

  • Abkürzungen: KS, MC (maître du cœur), ECS (Enveloppe du cœur et sexualité), P (Pericardium)

  • Meridian eines Speicherorgans (Zang), daher Yin; nach internationaler Nomenklatur: der IX. Meridian im Energiekreislauf. Da sich der Name „Kreislauf-Sexualität“ im deutschen Sprachraum und in der Literatur eingebürgert hat, bleiben wir bei dieser Bezeichnung, obwohl auch „Perikard“ vorkommt und die Benennungen „Hülle des Herzens“, „Meister, Herrscher, Gebieter des Herzens“ korrekter sein mögen. Dem Meridian werden sowohl eine Beziehung zum Blutkreislauf, zu dessen endokrinen Faktoren, Serologie, Intermediärstoffwechsel (Oxydationsvorgänge), als auch aus traditioneller Sicht eine Schutzfunktion für Herz und Kreislauf zugeschrieben.

  • Energieverlauf zentrifugal, der Meridian erhält seine Energie vom Nieren-Meridian und gibt sie an den Meridian des 3E (Dreifachen Erwärmers) weiter.

  • Chronobiologie: Optimalzeit zur Tonisierung 19–21 Uhr

  • Shu-Zustimmungspunkt: Bl 14, 1,5 Cun seitlich der Spitze des Processus spinosus des 4. Brustwirbels

  • Mu-Alarmpunkt: KG 17. Als weitere „sensible“ Punkte für den energetischen Zustand des Meridians gelten die Punkte KS 1 sowie Ni 11 (am oberen Schambeinrand, 0,5 Cun lateral von der ventralen Medianlinie).

  • Der äußere Verlauf ist durch 9 Punkte markiert.

Verlauf
Der Kreislauf-Sexualität-MeridianKreislauf-Sexualität-Meridian:Verlauf tritt im 4. ICR 1 Cun lateral der Brustwarzen am Punkt KS 1 an die Oberfläche, zieht von dort über den vorderen Axillarrand an die Innenseite des Oberarmes, von hier an dessen vorderer Mittellinie nach unten, zur Mitte der Ellenbeuge (KS 3) und dann weiter über die volare Fläche des Unterarmes zur Handgelenksfalte, in deren Mitte KS 7 lokalisiert ist. Von dort verläuft der Meridian zur Innenfläche der Hand entlang des 3. Metakarpalknochens, um 1 Fen proximal und lateral vom inneren Nagelfalzwinkel des Mittelfingers zu enden (zeigefingerseitig). Nach einigen Autoren endet der KS-Meridian an der Spitze des Mittelfingers, 1 Fen vom Nagelrand entfernt.
Innerer Verlauf
Kreislauf-Sexualität-Meridian:innerer VerlaufEr entspringt aus dem inneren Ast des Nieren-Meridians, der vom Herzen zum Brustraum und zum Punkt KG 17 verläuft, verbindet sich mit dem Perikard und tritt erst beim Punkt KS 1 lateral der Mamille an die Oberfläche. Vom Brustraum zieht ein innerer Ast nach kaudal durch das Zwerchfell und verbindet die obere, mittlere und untere Leibeshöhle. Beim Punkt KS 8 in der Mitte der Palma manus zweigt ein Ast zur Außenseite des Ringfingers ab und zieht zum Dreifachen-Erwärmer-Meridian, dem folgenden Yang-Meridian.
Innere Meridianverlaufsrichtung: unterschiedlich wegen der verschiedenen Äste

BESONDERE PUNKTE

Kreislauf-Sexualität-Meridian (Xinbaoluojing)

Kreislauf-Sexualität-Meridian:besondere PunkteTonisierungspunkt KS 9
Sedativpunkt KS 7
Yuan-Quellpunkt KS 7
Luo-Durchgangspunkt KS 6 zu 3E 4
Shu-Zustimmungspunkt Bl 14
Mu-Alarmpunkt KG 17
Punkt, der das Haltegefäß des Yin (Yinweimai) einschaltet KS 6
Besonderheiten
Der Kreislauf-Sexualität-Meridian wird erst im Ling Shu erwähnt. Die Kommentatoren bezeichnen ihn als Atrium der Brust, als ummauerten Palast des „Herrschers“, des Herzens. Dies spiegelt die französische Bezeichnung „Hülle des Herzens“ sowie das englische „pericardium“ korrekt wider.
Im Organismus wird ihm die Rolle eines Ausgleichsreservoirs für die kongenitale und konstitutionelle Energie des Individuums zugeschrieben (Porkert 1982). Damit aber ist die Benennung „Kreislauf-Sexualität“ durchaus gerechtfertigt.
In der Lehre der Entsprechungen findet er, zusammen mit dem Herzen, seinen Platz in der dem Feuer, der Hitze, dem Sommer zugehörigen Wandlungsphase. Er „regiert“ (hat Einfluss auf) die Gefäße im Sinne der Blutverteilung und Versorgung; Funktionen, die dem Herzen, den Lungen (O2) und dem Kreislauf (Aorta) zufallen. Von den Emotionen sind die Lust und die Freude weitgehend von seinem Funktionieren abhängig, weswegen er auch als „Freizeitmeridian“ bezeichnet wird.

Tendinomuskulärer Kreislauf-Sexualität-Meridian

Kreislauf-Sexualität-Meridian:tendinomuskulärer Abb. 5.123
Der TMM nimmt seinen Anfang am Mittelfinger mit dem Punkt KS 9 und folgt einem breiten äußeren Verlauf aufwärts zur Achselhöhle. Dort teilt er sich und endet unterhalb bzw. neben der Brust.

Verlauf am Ohr

Kreislauf-Sexualität-Meridian:Verlauf am Ohr Abb. 5.124
Der Meridian beginnt mit KS 1, seinem Mu-Alarmpunkt, im Bereich des Hypothalamus-Areals des Ohrs, also am Übergang der Hemiconcha inferior zur Wand des Antitragus. Dabei sei kurz erwähnt, dass der kaudale Teil des Hypothalamus im Bereich des III. Ventrikels vorwiegend das sympathische Areal für die Vasomotorik darstellt. Hier liegt auch ein nervales Zentrum für die Funktion der Geschlechtsdrüsen, unabhängig von den hypophysär-hormonellen Impulsen.
Der Punkt KS 2 wird auf der Ohrmuschel im Winkel zwischen Cavum conchae und Anthelixwand an der Lokalisation des Ganglion cervicale superior gefunden.
Es folgen das Ganglion cervicale mediale und das Ganglion cervicale inferior (Ggl. stellatum), der Resonanzpunkt für den Punkt KS 6. Dieser ist der Luo-Durchgangspunkt, d. h. die Verbindung zum Meridian 3E. Seine in der chinesischen Akupunktur beschriebene, sehr starke Wirkung auf Kreislauf, Kopfschmerzen, Psychasthenien, auf Hormone und Sexus ließe sich durch eine solche Verbindung erklären. Die Projektionsstelle am Ohr liegt in der Höhe der Ganglien Th 6–10 in dem oben beschriebenen Winkel zwischen Cavum conchae und Anthelixwand.
Anschließend folgt die Lokalisation der sympathischen Fasern, die zu Herz, Lunge, Ösophagus, Magen, Galle, Leber und zu den einzelnen Darmabschnitten führen. Im gleichen Bereich sind die Punkte KS 7 und KS 8 zu finden.
Es schließt sich weiter oberhalb der Tonisierungspunkt des Meridians KS 9 im Areal des Nebennierenmarks an. Dadurch wird verständlich, dass bei Nadelung dieses Punktes eine Stärkung des ganzen Meridians erfolgen kann.

Die Punkte im Einzelnen

KS 1
Tianchi$KS 1 §Tianchi&, „Himmelsteich“
Funktion
Reunionspunkt mit Le- und Gb-Meridian, von denen er Sekundärgefäße empfängt
„Sensibler“ Punkt für den energetischen Zustand des Meridians (mehr für den Kreislauf zuständig). Der 2. „sensible“ Punkt ist Ni 11 (eher für Sexualität zuständig).
Lokalisation
3 Cun unter der vorderen Achselfalte, im 4. ICR, 1 Cun seitlich der Brustwarze bzw. Mamillarlinie
Punktur
2–5 Fen schräg, tiefe Punktur verboten
Indikation
Lokoregional: Neuralgien des Plexus brachialis, Schmerzen in der Schulter, Achselgegend, im Oberarm, seitlichen Thoraxbereich, Schwellungen und Entzündungen in der Achselhöhle
Überregional: unterstützend bei Kreislauflabilität und dadurch bedingte Kopfschmerzen und Sehstörungen
KS 2
Tianquan$KS 2 §Tianquan&, „Himmelsquelle“
Lokalisation
2 Cun unter dem oberen Ende der vorderen Achselfalte, zwischen den Bizepsansätzen
Punktur
4–7 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen an der Innenseite des Oberarmes, Schmerzen im oberen lateralen Thoraxbereich, in den Rücken ausstrahlend
Überregional: durch Krampfhusten bedingte Flankenschmerzen; kardiale Stauungssymptome mit Beklemmungsgefühl
Allgemein: Angst vor Wind und Kälte
KS 3
Quze$KS 3 §Quze&, „Krümmung des Teiches“
Funktion
Meer-He-Punkt des Meridians
Lokalisation
In der Mitte der Ellbogenquerfalte, an der ulnaren Seite des Sehnenansatzes des M. biceps (Arm etwas beugen lassen)
Punktur
2 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Armschmerzen, Schmerzen im Ellbogengelenk, Epikondylitis, Tremores der Arme und Hände
Überregional: Palpitationen, Tachykardieneigung, Herzschmerzen, Stenocardia vera et spuria, Hypertonie, Myo- und Endokardaffektionen. Angina, Bronchitis; übermäßiges Schwitzen im Kopf- und Nackenbereich, Dermatitiden in dieser Region, mit Lu 5 und Di 4; Angstgefühl, Zustände nach zerebralen Insulten, Hemiplegie
Allgemein: zur Beruhigung nach übermäßigem Alkoholgenuss (Lachen, schwere Zunge, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit) kombiniert mit Le 3, Le 8, Gb 1, LG 20
Tradition
Dieser Meer-He-Punkt ist dem Wasser zugeordnet.
Kreislauf-Sexualität-Meridian:tendinomuskulärerKreislauf-Sexualität-Meridian:tendinomuskulärer Abb. 5.126
KS 4
Ximen$KS 4 §Ximen&, „Tor der Spalte, Grenztor“
Lokalisation
5 Cun oberhalb der volaren Handgelenksfalte (proximal von KS 7) in der Mitte zwischen Radius und Ulna
Punktur
1 Cun senkrecht
Indikation
Überregional: stechende, bohrende Schmerzen in der Herzgegend, Tachykardie, Bronchitis, Pleuralgien, Mastopathien, Epistaxis
Allgemein: Energiemangel, Angst vor der Umgebung, Neurasthenie
KS 5
Jianshi$KS 5 §Jianshi&, „Herkömmlicher Zwischenraum“
Funktion
Gruppen-Luo-Punkt der 3 Yin-Meridiane der Arme
Lokalisation
3 Cun proximal von der distalen Handgelenksquerfalte, 1 Cun proximal von KS 6, in der Mitte des volaren Unterarmes
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Bereich des Unterarmes und Armes, Kontrakturen, Muskelspasmen, auch muskuläre Atrophie im Bereich des Ellbogens und der Schulter (Meridianverlauf)
Überregional: „brutale“ Herzschmerzen, organische Herzaffektionen, Empfindung: „das Herz ist aufgehängt“; schweres Krankheitsgefühl im Thorax nach Verkühlungen, Aphonie; epileptiforme Anfälle, Angst vor Wind und Kälte; Magenschmerzen, Erbrechen, Hämorrhoiden; Menstruationsstörungen, vornehmlich hormon- und kreislaufbedingt; Angstgefühl; Gefühl, als ob etwas die Kehle zuschnüren würde; Energiemangel
Allgemein: KS 5, MP 4, Bl 53, LG 1, LG 20 werden als Unterstützungspunkte bei Hämorrhoiden angeführt.
Tradition
KS 5 galt als wichtig bei allen Störungen im Organkreis Milz-Pankreas. KS ist nach der Lehre der Wandlungsphasen die „Mutter“ des Organkreises Milz, daher wurde bei deren „Leere“ (Schwäche) die Moxibustion von KS 5 empfohlen. Dieser Fluss-Jing-Punkt ist dem Metall zugeordnet.
KS 6
Neiguan$KS 6 §Neiguan&, „Innere Barriere“
Funktion
Luo-Durchgangspunkt des Meridians. Als solcher steht er über die Luo-Transversale in Verbindung mit dem Yuan-Quellpunkt seines gekoppelten Yang-Partners, mit 3E 4
Kardinal- bzw. Schlüsselpunkt für den außerordentlichen Meridian Haltegefäß des Yin (Yinweimai)
Lokalisation
2 Cun über der distalen Handgelenksquerfalte, in der volaren Mittellinie des Unterarmes, zwischen der Sehne des M. flexor carpi radialis und jener des M. palmaris longus
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht oder in Richtung auf den Punkt 3E 5 durchstechen
Indikation
Lokoregional: alle Affektionen mit Schmerzen in den Armen, Neuralgien, Kontrakturen, Paresen etc.
Überregional: seitliche Thoraxschmerzen, Kostalgien, Lymphstauungen nach Mammaamputation, spastische Bronchitis, besonders gegen Hustenreiz, Laryngitis, Pharyngitis; Hypotonie mit Folgezuständen, funktionelle und spastische Stenokardie, Singultus, Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen, Schmerzen in der Magengegend. Kollaps bei der Entbindung, verzögerte Plazentalösung; Kopfschmerzen, Schwindel, Migräne, Unruhe, Angst, Hysterie, epileptiforme Anfälle
Allgemein: regulierende Wirkung auf den Kreislauf, den Blutdruck (zirkulatorisches Geschehen) sowie hormonelle Wirkung und Einfluss auf die Sexualsphäre
Tradition
Spezialpunkt für alle Affektionen des Magens, der Galle, des Milz-Pankreas-Systems und des Herzens
KS 7
Daling$KS 7 §Daling&, „Großes Tal, große Mulde“
Funktion
Sedierungspunkt und auch Yuan-Quellpunkt des Meridians. In seiner Funktion als Yuan-Quellpunkt hat er Verbindung mit dem Luo-Durchgangspunkt des mit ihm gekoppelten 3E-Meridians, mit 3E 5.
Lokalisation
In der Mitte der größten distalen volaren Handgelenksquerfalte, zwischen den Sehnen der Mm. palmaris longus und flexor carpi radialis
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Ellbogen- und Handgelenkskontrakturen, unerträglich heiße Handteller, Schreibkrampf
Überregional: Interkostalneuralgien, Herpes zoster – wenn im Thoraxbereich lokalisiert, sonst 3E 5 verwenden oder 3E 5 und KS 7; Myokardaffektionen, stenokardische Zustände mit Angstgefühl, Hypertonie, Blutdrucklabilität; Rachen- und Schlundschmerzen, Tonsillitis, Singultus, Erbrechen, trockener Mund mit schlechtem Geschmack und Foetor ex ore, mit Le 13, Gb 43, KG 23; Dysmenorrhö, Verwirrtheit, Psychosen, Angstzustände, Schlaflosigkeit, epileptiforme Anfälle, Kopfschmerzen, Energieschwäche, Ekzeme, Abszesse, Flechten mit Di 4, Di 11, MP 10
Allgemein: Bei Hypertonikern ist es empfehlenswert, KS 7 anstatt KS 6 zu verwenden, um eventuelle Komplikationen zu vermeiden.
Tradition
Dieser Bach-Shu-Punkt ist gleichzeitig Yuan-Quellpunkt und der Erde zugeordnet.
KS 8
Laogong$KS 8 §Laogong&, „Palast der Arbeit, der Mühen“
Lokalisation
In der Mitte der Palma manus. Wenn man eine Faust bildet, dann liegt KS 8 zwischen den Spitzen des Mittel-und Ringfingers.
Punktur
2–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Arthralgien und Sensibilitätsstörungen im Hand- und Fingerbereich, besonders rheumatischer Genese
Überregional: Schmerzen in der seitlichen Thoraxgegend, Kopfschmerzen, Migräne, alle Formen von Lähmungen, bei komatösen Zuständen nach zerebralen Insulten, unstillbares Nasenbluten, Krampfzustände im Kindesalter. Brechreiz, Erbrechen, abnormes Durstgefühl, auch bei Mundtrockenheit aus psychischen Ursachen (depressive Verstimmung) besonders dann, wenn diese mit einem Foetor ex ore vergesellschaftet ist (bei Foetor ex ore aufgrund von Gingivitis, Alveolarpyorrhö etc. als Hilfspunkt)
Allgemein: gegen Angstgefühl (z. B. vor zahnärztlichen Eingriffen), bei Cholerikern mit häufigen Wutausbrüchen
Tradition
Der Punkt KS 8 und die 5 Shu-Zustimmungspunkte der Vollorgane wurden als äußerst wichtig für die Regulierung der Yin-Energie angesehen. Daher sollte man die obige Kombination üblicherweise nicht öfter als 5-mal hintereinander anwenden, um nicht die gesamte Energie zu sehr zu sedieren. Dieser Quell-Ying-Punkt ist dem Feuer zugeordnet.
KS 9
Zhongchong$KS 9 §Zhongchong&, „Mittlerer Punkt für den Angriff“
Funktion
Tonisierungspunkt;
Anfangspunkt für den TMM;
Reunionspunkt für die Gefäße;
einer der Hauptpunkte bei Kollaps, Ohnmacht und hypotonen Krisen, „Adrenalin“-Punkt.
Lokalisation
1 Fen proximal und medial vom radialen (zeigefingerseitigen) Nagelfalzwinkel des Mittelfingers
Punktur
1 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: neuralgische Schmerzen der Arme und Hände, Paraesthesiae antebrachii
Überregional: Hypotonie und Folgezustände, Herzschmerzen mit Druckgefühl, auch Myo-, Endokardaffektionen; Schock, Kollaps, Koma, zerebrale Insulte, zerebrale Kongestionen mit Kopfschmerz. Tinnitus, Hypakusis; sexuelle Dysfunktion, Regelstörungen; nächtliche Angstzustände, nächtliches Weinen der Kinder mit Ma 44
Tradition
Dieser Ursprung-Jing-Punkt (Ting-Punkt) ist dem Holz zugeordnet.
KS 9–1
Lokalisation
2. Allergiepunkt, am ringfingerseitigen Nagelfalzwinkel des Mittelfingers

Der Funktionskreis Kreislauf-Sexualität aus traditioneller Sicht

Funktionskreis Kreislauf-Sexualität:traditionelle Sicht Abb. 5.130
Die Funktionskreise Kreislauf-Sexualität und Dreifacher Erwärmer entsprechen in der Klassik der Wandlungsphase Feuer, wobei die Funktionskreise Kreislauf-Sexualität und Dreifacher Erwärmer das sogenannte zweite Feuer oder ministerielle Feuer bilden. Ihre Funktionen und ihre fördernden und hemmenden Einflüsse verstehen sich über die Rolle der Wandlungsphase Feuer im Ablauf aller 5 WandlungsphasenWandlungsphasen, fünf (Wuxing).
Energetische Schichtung
Der Funktionskreis Kreislauf-SexualitätFunktionskreis Kreislauf-Sexualität:energetische Schichtung oder Perikard bildet zusammen mit dem Funktionskreis Leber die energetische Schicht „gebeugtes“ (im Sinne von erschöpftem) Yin (Jueyin). Es stellt die letzte und innerste Energieschicht dar. Wenn diese innerste Schicht erreicht ist, finden wir eine Erschöpfung der Vitalkraft des Körpers, also eine ernste Störung.
Der Kreislauf reguliert und leitet rhythmisch das Blut (Xue)
Funktionskreis Kreislauf-Sexualität:Blut (Xue)Blut (Xue)Die chinesische Bezeichnung für diesen Funktionskreis ist Xinbao oder Xinzhu. Xinbao heißt PerikardPerikard, Xinzhu bedeutet Herzmeister (maître du cœur).
Die Kontrolle des Blutkreislaufs ist eine wichtige Funktion, deshalb wird dieser Funktionskreis im deutschen Sprachraum auch kurz „Kreislauf“ genannt.
Das Perikard umschließt das Herz. Es soll dessen Funktion nach außen vermitteln. Dazu gehört in erster Linie der Blutkreislauf.
Über die Forschungen der Aurikulomedizin kann diese Funktion besser verstanden werden, denn dem Punkt KS 9 kann Adrenalin und Noradrenalin zugeordnet werden (Bahr 2004). Dies macht die Bedeutung der koordinierenden Funktion für den Kreislauf und die Blut-Regulation deutlich (wie übrigens auch die Beziehung zur Feuerniere [Nebennierenmark]). Naturgemäß kennt die Tradition den Begriff des Sympathikus nicht. Die Blut-Regulationen laufen jedoch z. T. über den Sympathikus ab. Zum Hypothalamus, der nach den Forschungen in der Aurikulomedizin mit KS 1 in Verbindung gebracht wird, gilt allgemein, dass in dieser Struktur die Zusammenfassung größerer Funktionskomplexe zu einer einheitlichen Leistung erfolgt. Damit ist die Kohäsion angesprochen (vgl. Abb. 5.124).
Bildung der essenziellen Energie (Zongqi)
Funktionskreis Kreislauf-Sexualität:Bildung der essenziellen Energie (Zongqi)Der Punkt KG 17 ist der Mu-Alarmpunkt des Kreislaufs und des Oberen Erwärmers. Über KG 17, der auch „oberes Energie-Meer“ heißt (das untere ist der Punkt KG 6), wird mithilfe vom Ursprungs-Qi (Yuanqi) die Bildung des essenziellen Qi (Zongqi), auch Thorax-Qi oder Sammel-Qi genannt, aktiviert.
Es wird zudem die Rhythmik verstärkt, die dann in Form von verschiedenen Perioden und Frequenzen alle Funktionen moduliert (Chronobiologie).
Im Punkt KG 17 treffen sich 3E und KS als komplementäre Systeme der Produktion und Bewegung von QiQi:Produktion und Bewegung und Blut (Xue); ebenso außen (3E) und innen (KS) bzw. dominante Körperseite (KS, Feuerniere) und nichtdominante (3E, Wasserniere).
Der Punkt KG 17 entspricht dem Omega-Hauptpunkt der Ohrakupunktur. Er wird mit Recht als psychosomatischer Hauptpunkt und eben auch als Meisterpunkt der Energie bezeichnet.
Freude und Psychosen
Funktionskreis Kreislauf-Sexualität:PsychosenFunktionskreis Kreislauf-Sexualität:FreudeDie Emotion des Herzens ist die Freude, der Ausdruck der KohäsionKohäsion und der Integrität der Gesamtpersönlichkeit. Das Perikard moduliert diese FreudeFreude. Wenn das Perikard ganz durchlässig ist und mit dem Herzen harmonisch schwingt, kommt die Freude voll zum Tragen.
Verstärkt sich diese Einschnürung des Herzens durch das Perikard, geht die psychische Kohäsion verloren. Es treten Psychosen auf.
Psychogramm
Funktionskreis Kreislauf-Sexualität:Psychogramm„Die Mitte des Thorax ist der regierende Minister. Freude und Fröhlichkeit kommen daraus hervor“ (Suwen, Kap. 8) – in der Mitte des Thorax liegt der Mu-Alarmpunkt des Kreislaufs KG 17.
Das Perikard verweltlicht als Hülle des Herzens den Geist (Shen)Geist (Shen). Das Herz ist der Sitz des Shen, der Persönlichkeit, der Individualität, der psychischen und somatischen Kohäsion und der Intuition. Das Perikard muss dieses Shen nach außen vermitteln. Als Außenpartner des Herzens beeinflusst das Perikard aber auch das Shen, indem es für dessen Ausgewogenheit sorgt und es auf die ganze Körper-Geist-Sphäre ausweitet. Gelingt dies nicht und ist das Shen unausgewogen, wird die psychische Kohäsion vermindert, äußere und innere psychische Belastungen werden nicht mehr ausgeglichen („verhärtetes Ego“). Die Energetik der 5 Wandlungsphasen läuft dadurch nicht mehr harmonisch ab und psychosomatische Veränderungen treten auf.

Dreifacher-Erwärmer-Meridian (Sanjiaojing)

Dreifacher Erwärmer-Meridian

SanjiaojingDreifacher-Erwärmer-Meridian Abb. 5.131
Charakteristik
  • Bezeichnungen: Shoushaoyang, Hand-Shaoyang, Kleines Yang der Hand, The arm lesser Yang Meridian

  • Abkürzungen: 3E (Dreifacher Erwärmer), Tr R (triple rechauffeur), TH (three heater)

  • Meridian eines Hohlorgans (Werkstättenorgan, Fu), daher Yang; nach internationaler Nomenklatur: der X. Meridian im Energiekreislauf. Der 3E (Dreifache Erwärmer) hat zwar einen Namen, aber kein körperliches Substrat, daher handelt es sich um einen „funktionellen“ Meridian, der kein eigenes Organ im Hintergrund hat. Er wird einerseits als zentrale Führung für Nähr- und Abwehr-Qi (Yinqi, Weiqi), deren Ursprung von ihm ausgeht, angesehen, andererseits wird ihm eine regulierende Wirkung auf den gesamten Säfteumlauf zugeschrieben. Modernen Ansichten nach könnte er mit dem Einfluss des endokrinen Systems auf Erfolgsorgane verglichen werden. Daher spiegelt seine Indikationsliste Funktionen des Atmungs-, Verdauungs- und Urogenitaltrakts in ihrer Gesamtheit wider.

  • Energieverlauf zentripetal, vom Meridian Kreislauf-Sexualität zum Meridian der Gallenblase

  • Chronobiologie: Optimalzeit zur Tonisierung 21–23 Uhr

  • Shu-Zustimmungspunkt: Bl 22, 1,5 Cun seitlich der Dornfortsatzspitze des 1. LW

  • Mu-Alarmpunkte des 3E-Meridians liegen auf der ventralen Medianlinie, dem Konzeptionsgefäß: der Hauptalarmpunkt KG 5 – wenn man die Entfernung vom Oberrand der Symphyse bis zum Nabel in 5 gleiche Teile teilt, am 3. Fünftel oberhalb der Symphyse; dies entspricht 2 Cun unterhalb des Nabels. Der untere Mu-Alarmpunkt ist KG 7, auch sexueller Mu-Alarmpunkt genannt. Er liegt am 4. Fünftel der oben beschriebenen Strecke, von der Symphyse aus gerechnet. Der mittlere Mu-Alarmpunkt, auch digestiver Mu-Alarmpunkt genannt, ist KG 12, zugleich auch Mu-Alarmpunkt des Magen-Meridians. Dieser Punkt liegt in der Mitte der Strecke Nabel–Schwertfortsatz, 4 Cun oberhalb des Nabels. Der obere Mu-Alarmpunkt, auch respiratorischer Mu-Alarmpunkt genannt, KG 17 liegt in der Mitte des Sternums, in Höhe des 4. ICR.

  • Der äußere Verlauf ist durch 23 Punkte gekennzeichnet.

Verlauf
Dreifacher-Erwärmer-Meridian:VerlaufDer Meridian beginnt 1 Fen proximal und lateral vom ulnaren Nagelfalzwinkel des Ringfingers und zieht zwischen den Metakarpalia IV und V dorsal zum Handgelenk. Von dort verläuft er weiter über den Unterarm aufwärts zum Olekranon (3E 10), dann über die Rückseite des Oberarmes auf die Schultermitte und zieht nun über die seitliche Halsregion vor die Mastoidspitze (3E 17). Dann umkreist er das Ohr bis zur Incisura tragica superior (3E 21) und endet am Punkt 3E 23 in einer kleinen Vertiefung am lateralen Rand der Augenbrauen.
Innerer Verlauf
Dreifacher-Erwärmer-Meridian:innerer VerlaufVom Punkt 3E 15 aus kreuzt der innere Verlauf im Nacken den Bereich der Punkte Dü 12, LG 14 und Gb 21, verläuft dann zur Fossa supraclavicularis und von dort in das Körperinnere, verteilt sich im Brustkorb, verbindet sich mit dem Perikard, verläuft dann durch das Zwerchfell zum Abdomen, verbindet die 3 Leibeshöhlen und zieht zur Kniekehle, zum He-Funktions-Punkt Bl 39. Ein weiterer innerer Ast beginnt im Brustraum und verläuft nach kranial zur Fossa supraclavicularis, wo er wieder die Oberfläche erreicht. Am Kopf kreuzt der Hauptmeridian die Punkte Gb 4, Gb 6 und zieht innen zur Wange, kreuzt den Punkt Dü 18 und zieht zur Regio infraorbitalis und zum Gallenblasen-Meridian beim Punkt Gb 1. Ein kleiner Ast läuft retroaurikulär in das Ohr und kommt vor dem Ohr an die Oberfläche, wo er die Punkte Dü 19 und Gb 3 kreuzt. Von hier zieht er zur Mandibula, kreuzt den zuvor genannten inneren Ast beim Punkt Gb 6 und verläuft ebenfalls zum Punkt Gb 1.
Innere Meridianverlaufsrichtung: unterschiedlich wegen der verschiedenen Äste
Besonderheiten
Die Rolle des Dreifachen Erwärmers begann sich erst etwa um 300 n. Chr. aus rudimentären Vorstellungen (verbindende Wasserstraßen im Staatswesen als Vorbild der Säfteumläufe im Körper) herauszukristallisieren. Seither gilt der Dreifache Erwärmer als Verteiler des in den Meridianen zirkulierenden Nähr-Qi (Yingqi) und zugleich des auch außerhalb der Meridiane zirkulierenden Abwehr-Qi (Weiqi), deren Stärke die Abwehr gegen äußere Einflüsse bestimmt und die einem 24-Stunden-Rhythmus unterliegt.
Der Dreifache Erwärmer findet als komplementäres Yang des KS ebenso wie dieser seine Entsprechung in der Wandlungsphase Feuer.

BESONDERE PUNKTE

Dreifacher-Erwärmer-Meridian (Sanjiaojing)

Dreifacher-Erwärmer-Meridian:besondere PunkteTonisierungspunkt 3E 3
Sedativpunkt 3E 10
Yuan-Quellpunkt 3E 4
Luo-Durchgangspunkt 3E 5 zu KS 7
Shu-Zustimmungspunkt Bl 22
Hauptalarmpunkt KG 5
Sexueller Mu-Alarmpunkt KG 7
Digestiver Mu-Alarmpunkt KG 12
Respiratorischer Mu-Alarmpunkt KG 17
Kardinalpunkt, der das Haltegefäß des Yang (Yangweimai) einschaltet 3E 5

Tendinomuskulärer Dreifacher-Erwärmer-Meridian

Dreifacher-Erwärmer-Meridian:tendinomuskulärer Abb. 5.133
Ausgehend vom Punkt 3E 1 am 4. Finger verläuft der TMM aufwärts in einer breiten, äußeren Bahn entlang dem Handgelenk zum Hals und weiter am Ohr entlang zur Stirn. Ein zweiter Verlauf endet unterhalb des Kinns am Kehlkopf.

Verlauf am Ohr

Dreifacher-Erwärmer-Meridian:Verlauf am Ohr Abb. 5.134
Der 3E-Meridian ist ein funktioneller Meridian mit 3 verschiedenen Etagen (Unterer, Mittlerer und Oberer Erwärmer).
Der Sonderpunkt 3E 1–1 an der radialen Seite des Nagelwinkels des Ringfingers ist in Resonanz zum Vitamin C und daher auch als Störherdhinweispunkt von Bedeutung. Im Ohrbereich befindet sich seine Projektion etwa 2 Querfinger oberhalb der Ohrspitze auf der behaarten Kopfhaut.
Die Punkte 3E 1 und 3E 2 bilden sich auf dem oberen Teil der Ohrrückseite ab, von dort aus durchdringt der Meridian die Ohrmuschel, um im bekannten Resonanzpunkt der Nebennierenrinde (Kortisol) als 3E 3 auf der Ohrvorderfläche kurz oberhalb der Mitte der Wand zwischen Cavum conchae und Anthelix zu erscheinen.
Ähnlich einer Perlenkette folgen, ebenfalls kurz oberhalb der Mitte der Wand zwischen Cavum conchae und Anthelix, die endokrinen Lokalisationen in engem Abstand: 3E 4 als endokriner Pankreaspunkt (Insulin), 3E 5 als Thymuspunkt, 3E 6 als Schilddrüsenpunkt und eng daneben 3E 7 als Nebenschilddrüsenpunkt. Alle endokrinen Punkte sind auf der nicht-dominanten Ohrseite deutlicher und wären dort bei Schwäche zu tonisieren.
In der Folge reihen sich die Punkte 3E 8 bis 3E 17 aneinander, wobei der 3E 17 schon nahe an den Bereich des Hypothalamus kommt. Von dieser Lokalisation aus durchdringt der Meridian das Ohr zur Vorderseite des Antitragus und erreicht den Punkt 3E 21, im Chinesischen Ermen („Tor des Ohrs“) genannt, mit der Indikation Meisterpunkt für alles Geschehen im Ohr. Dementsprechend finden wir seinen Resonanzpunkt auf der uns wohlbekannten Linie der Töne. Interessanterweise durchdringt der Meridian nun das Ohrläppchen auf die Rückseite und wir kommen zu den Punkten 3E 22 und 3E 23.

Die Punkte im Einzelnen

3E 1
Guanchong$3E 1 §Guanchong&, „Grenzstraße, Grenzlinie“
Funktion
Anfangspunkt des TMM des 3E
Lokalisation
2 mm lateral des inneren ulnaren Nagelfalzwinkels des Ringfingers
Punktur
1–3 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: starke Schmerzen im Unterarm und Ellbogen, die die Beweglichkeit behindern
Überregional: Kopfschmerzen, Anginen, schmerzhafte Laryngitis oder Pharyngitis; Übelkeit, Appetitmangel, trockener Mund mit scharf-bitterem Geschmack
Tradition
Dieser Ursprung-Jing-Punkt (Ting-Punkt) ist dem Metall zugeordnet.
3E 2
Yemen$3E 2 §Yemen&, „Pforte der Flüssigkeiten“
Lokalisation
In einem Grübchen, in Höhe des Metakarpophalangealgelenks des 4. Fingers (Ringfingers) an dessen lateraler Seite, 5 Fen proximal der Interdigitalfalte des 4. und 5. Fingers
Punktur
2–5 Fen schräg nach proximal
Indikation
Lokoregional: Schmerzen und Entzündungen des Unterarmes, Schwellung und Rötung der Hände, Verrenkungen des Handgelenks
Überregional: Angina, Schluckbeschwerden, Konjunktivitis, Zahnschmerzen – besonders der Schneidezähne, Tinnitus, Hörsturz, Hypakusis, Kopfschmerzen, Angstgefühl, Unterstützungspunkt bei Malaria, Schüttelfrost
Tradition
Dieser Quell-Ying-Punkt ist dem Wasser zugeordnet.
3E 3
Zhongzhu$3E 3 §Zhongzhu&, „Mitte des Tümpels, der Lache“
Funktion
Tonisierungspunkt des Meridians
Lokalisation
Auf dem Handrücken, zwischen dem 4. und 5. Os metacarpale, auf gleicher Höhe wie Dü 3, 1 Cun proximal von 3E 2 (leichter Faustschluss ist zum Aufsuchen vorteilhaft)
Punktur
2 Fen bis 1 Cun schräg aufwärts
Indikation
Lokoregional: Arthralgien und Arthritiden der Finger und Handgelenke, die Finger können nicht gestreckt werden
Überregional: Schulter und Rückenschmerzen; Tinnitus, Surditas, Otalgien; kongestive Kopfschmerzen, sexuelle Übererregung
Allgemein: kräftigend in der Rekonvaleszenz, Cortisolpunkt
Tradition
Dieser Bach-Shu-Punkt ist dem Holz zugeordnet.
3E 4
Yangchi$3E 4 §Yangchi&, „Yang-Teich“
Funktion
Yuan-Quellpunkt mit Verbindung zum Luo-Durchgangspunkt seines gekoppelten Yin-Partners KS 6
„Meisterpunkt“ gegen vasomotorische Kopfschmerzen
Lokalisation
Auf dem Handrücken, über dem Gelenkspalt zwischen Os hamatum und Metakarpale IV, an der ulnaren Seite der Sehne des M. extensor digitorum communis
Punktur
2–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Distorsionen und Kontusionen des Handgelenks, Frakturen in diesem Bereich, besonders zur Rehabilitation nach Gipsabnahme
Überregional: Arm- und Schulterschmerzen, die das Armheben erschweren; vasomotorische Kopfschmerzen, depressive Zustandsbilder; trockener Husten, trockener Mund, Hilfspunkt bei Malaria, spastische Obstipation, aber auch Diarrhö, Hämorrhoiden; Impotenz, Dysmenorrhö, Pruritus vulvae
Allgemein: degenerative Erkrankungen, Einfluss auf konstitutionelle Faktoren und deren Auswirkung auf Entstehung und Ablauf dieser Erkrankungen; Spezialpunkt für Diabetes (Insulinpunkt)
3E 5
Waiguan$3E 5 §Waiguan&, „Äußere Barriere, Grenze“
Funktion
Luo-Durchgangspunkt. Als solcher ermöglicht er die Verbindung zum Yuan-Quellpunkt seines gekoppelten Yin-Partners, zum Punkt KS 7
Kardinalpunkt (Schlüsselpunkt) für das Haltegefäß des Yang (Yangweimai)
Lokalisation
2 Cun oberhalb der posterioren dorsalen Handgelenksfalte, zwischen Ulna und Radius gegenüber dem volar gelegenen Punkt KS 6
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht oder schräg
Indikation
Lokoregional: rheumatische Schmerzen in den Hand- und Fingergelenken sowie Ellbogen- und Schultergelenken
Überregional: Zervikalsyndrom; alle Kopfschmerzen in Verbindung mit Witterungseinflüssen, Paresen, besonders der oberen Extremität nach zerebralen Insulten; Tinnitus, Hypakusis, Parotisaffektionen; Bronchiektasien etc., eitriges Sputum mit KG 17, Bl 17, Ma 40; Nachtschweiß, brennend heiße Haut, Schwitzen ohne Grund, hitzende Dermatitiden – bei dieser Indikation meist zusammen mit Di 4, Di 11, Lu 5
Allgemein: Hauptpunkt und Meisterpunkt zur generellen Rheumabehandlung; generalisierte Arthritis der Gelenke, häufig mit Gb 41, dem weiteren Meisterpunkt der Gelenke; gegen Wetterfühligkeit (mit 3E 15); Spezialpunkt für den Thymus
3E 6
Zhigou$3E 6 §Zhigou&, „Verzweigung der Furche“
Lokalisation
1 Cun proximal von 3E 5, 3 Cun proximal der dorsalen Handgelenksquerfalte
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen in den Schultern und Armen mit Abgeschlagenheitsgefühl, Schmerzen in der Achselgegend und seitlichen Brustwand
Überregional: gegen Yin-Obstipation zusammen mit Ma 36, Ma 37, Gb 34, Spezialpunkt für die Schilddrüse
Tradition
Dieser Fluss-Jing-Punkt ist dem Feuer zugeordnet.
3E 7
Huizong$3E 7 §Huizong&, „Begegnung der Ahnen, Vorfahren“
Lokalisation
3 Cun oberhalb der dorsalen Handgelenksquerfalte, in Höhe von 3E 6, aber 1 Querfinger ulnar von diesem an der radialen Kante der Ulna
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Armschmerzen
Überregional: Taubheit, alle Formen der Epilepsie, Spezialpunkt für die Nebenschilddrüse
Tradition
In der alten Literatur war die Punktur verboten, nur Moxibustion!
3E 8
Sanyangluo$3E 8 §Sanyangluo&,Luo der 3 Yang
Funktion
Wie aus seinem Namen hervorgeht, der Gruppen-Luo-Durchgangspunkt, d. h. Anknüpfungspunkt für die 3 Yang der Arme
Lokalisation
4 Cun proximal der dorsalen Handgelenksfalte, zwischen Ulna und Radius
Punktur
2 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Armschmerzen, Schweregefühl
Überregional: abnorme Schlafsucht, Müdigkeit, Hypakusis
3E 9
Sidu$3E 9 §Sidu&, „Vier Lästerer, Freveltäter“
Lokalisation
5 Cun distal von der Olekranonspitze, in der Mitte des dorsalen oberen Unterarmes, zwischen Ulna und Radius
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Unterarm
Überregional: Zahnschmerzen, besonders der Schneidezähne des Unterkiefers, Hörsturz
3E 10
Tianjing$3E 10 §Tianjing&, „Himmelsbrunnen“
Funktion
Sedativpunkt des Meridians
Meer-He-Punkt
Lokalisation
In einer deutlich tastbaren Vertiefung, 1 Cun oberhalb der Olekranonspitze, wenn der Arm leicht gebeugt wird. Bei gestrecktem Arm liegt 3E 10 in Richtung der gedachten Verlängerung der Ellbogengelenksfalte.
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Arm- und Schulterschmerzen, Nackenschmerzen, die hinter die Ohren ausstrahlen, Thoraxschmerzen
Überregional: Hypakusis mit ständigem Tinnitus, Epistaxis; entzündliche Erkrankung der Atmungsorgane, Brustschmerzen mit eitrigem Sputum; nervöse Herzbeschwerden. Übelkeit, Erbrechen, Ösophagusspasmen, Appetitlosigkeit, meist aus psychischer Ursache; alle Formen der Epilepsie, Kopfschmerzen, Hemikranie, Schwindel, Depressionen nach psychischen Traumen; Kummer, daraus resultierende Schlaflosigkeit, „man weiß nicht, warum man sich so schlecht fühlt“
Allgemein: gegen Schmerzen, die durch intensive Luftbewegung (Zugluft) bei dafür anfälligen Personen entstanden sind, wobei diese oft keine exakte Lokalisation angeben können
Tradition
Dieser Meer-He-Punkt ist der Erde zugeordnet.
3E 11
Qinglengyuan$3E 11 §Qinglengyuan&, „Klare, kalte Quelle“
Lokalisation
2 Cun oberhalb der Olekranonspitze, 1 Cun proximal von 3E 10
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: vorwiegend rheumatische Arm- und Schulterschmerzen, die beim Anziehen, aber auch beim Zuknöpfen etc. behindern
3E 12
Xiaoluo$3E 12 §Xiaoluo&, „Ableitung der Flüssigkeiten“
Lokalisation
4 Cun distal der hinteren Achselfalte, in der Mitte der Oberarmrückseite
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Armschmerzen sowie Schmerzen im Nackenbereich
Überregional: Kopfschmerzen, besonders nach Erkältung
3E 13
Naohui$3E 13 §Naohui&, „Vereinigung der gewölbten Muskulatur“
Funktion
Reunionspunkt mit dem außerordentlichen Meridian Haltegefäß des Yang (Yangweimai)
Lokalisation
In einer Vertiefung, die 2 Cun lateral des Endes der hinteren Achselfalte am dorsalen Oberarm tastbar ist
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Arm- und Schulterschmerzen, Kraftlosigkeit der Arm- und Schultermuskulatur mit Schmerzen im Schulterblatt; Lymphadenitis cervicalis
3E 14
Jianliao$3E 14 §Jianliao&, „Schultergrube“
Lokalisation
Am hinteren Rand des Akromions in einer Vertiefung bei gehobenem Arm, Mitte der Strecke Di 15 zu Dü 10
Punktur
7 Fen bis 1 Cun senkrecht oder schräg abwärts
Indikation
Lokoregional: Arm- und Schulterschmerzen, die das Heben des Armes behindern
3E 15
Tianliao$3E 15 §Tianliao&, „Himmelsgrube“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Haltegefäß des Yang (Yangweimai)
Lokalisation
In der Mitte zwischen Gb 21 und Dü 13 am oberen Trapeziusrand in der Schultermitte; oft deutlich druckempfindlich (Myogelose)
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Rheuma und Neuralgien der oberen Extremitäten, der Schulter- und Nackenregion; Unfähigkeit, den Arm zu heben
Überregional: chronische Erkrankungen der Atemwege
Allgemein: Meisterpunkt des Nacken-/Schulterbereichs, hygrometrischer Punkt (Wetterfühligkeit); bei Verschlechterung durch Wind, Kälte und Nässe
Anmerkung
Nach Petricek (1977) deckt sich der Punkt 3E 15 mit dem Druckpunkt bei Affektionen des hinteren Teiles der Mandibula (Weisheitszähne), der Tonsillen (auch Narben!) und des Oropharynx immer homolateral. Oft ist es zur Erzielung eines anhaltenden Heileffektes erforderlich, die primären Störfelder, auf die seine Druckempfindlichkeit hinweist, zu sanieren.
3E 16
Tianyou$3E 16 §Tianyou&, „Öffnung zum Himmel“ („Himmelsfenster“)
Lokalisation
Hinter und etwas unter der Mastoidspitze in Höhe der natürlichen Haargrenze, distal von Gb 12
Punktur
5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Nackenschmerzen, Tortikollis, Schulterschmerzen, Okzipitalneuralgien
Überregional: Hörsturz, Quincke-Ödem
Tradition
3E 16 gehört zu den sogenannten „Haupthimmelsfenstern“. Manipulationen mit der Nadel waren an 3E 16 verpönt, Moxibustion verboten!
3E 17
Yifeng$3E 17 §Yifeng&, „Windschutz“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Gb-Meridian
Lokalisation
In einer Vertiefung, vor der Spitze des Processus mastoideus, hinter dem Ohrläppchen. (Bei stärkerem Druck auf 3E 17 verspürt man einen leichten Schmerz im Ohr.)
Punktur
2 Fen senkrecht oder mit nach vorne aufwärts gerichteter Nadel 1 Cun tief, Kollapsgefahr!
Indikation
Lokoregional: Adenitis nuchae, Hypakusis, Tinnitus, Tubenkatarrh
Überregional: akute und chronische Rhinitis mit zäher Schleimabsonderung (erleichtert sofort die Nasenatmung), Zahnschmerzen, vor allem entzündliches und purulentes Geschehen im Zahn- und Kieferbereich, Trismus; Fazialisparese, Trigeminusneuralgie
3E 18
Qimai$3E 18 §Qimai&, „Energieversorgung der Meridiane“
Lokalisation
Hinter der Ohrmuschel, 1 Cun oberhalb von 3E 17 (3E 17, 3E 18, 3E 19 und 3E 20 sind je 1 Cun voneinander entfernt und liegen an der natürlichen Haargrenze.)
Punktur
1 Fen senkrecht oder 3–5 Fen schräg, evtl. Blutung hervorrufen
Indikation
Lokoregional: Tinnitus, Hypakusis, Cephalaea
Überregional: zentral bedingter Brechreiz, Sehstörungen, ergänzend bei Epilepsie
Allgemein: Angstgefühl
3E 19
Luxi$3E 19 §Luxi&, „Atemholen des Schädels“
Lokalisation
1 Cun oberhalb von 3E 18
Punktur
1–3 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Tinnitus, Otalgien
Überregional: Konjunktivitis, Konvulsionen der Kinder
3E 20
Jiaosun$3E 20 §Jiaosun&, „Ohrmuschelspitze“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Gb- und dem Dü-Meridian
Lokalisation
An der Haargrenze, in Höhe der Ohrmuschelspitze (beim Öffnen des Mundes formt sich dort eine kleine Vertiefung)
Punktur
1–3 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Arthralgien des Mandibulargelenks
Überregional: Zahnschmerzen, besonders der Schneidezähne, Zahnfleischentzündungen
3E 21
Ermen$3E 21 §Ermen&, „Tor des Ohrs“
Funktion
„Meisterpunkt“ für alles Geschehen im Ohr
Reunionspunkt mit Gb- und Dü-Meridian
Lokalisation
In Höhe der Incisura tragica superior, im Grübchen zwischen Helix und Tragus, in jener Vertiefung, die bei leicht geöffnetem Mund entsteht.
Punktur
3 Fen senkrecht bis 1 Cun schräg
Indikation
Lokoregional: akute und chronische Otitis, Tinnitus, Zikadengesang, Taubheit, Otitis externa; Fazialis- und Trigeminusneuralgien, Tics, Zahnschmerzen, Trismus, Punkt für die Zahnanalgesie, den Molarenbereich im Oberkiefer betreffend; Epistaxis
Tradition
3E 21 stellt Verbindung zwischen Shaoyang (3E, Gb) und Taiyang (Dü, Bl) her.
3E 22
Erheliao$3E 22 §Erheliao&, „Grube, Sammelpunkt der Übereinstimmung“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Gb- und dem Dü-Meridian
Lokalisation
In einer Höhe mit dem oberen Rand der Ohrwurzel, am Hinterrand des Schläfenhaaransatzes, knapp hinter der A. temporalis superficialis, über dem Arcus zygomaticus
Punktur
3–5 Fen schräg (cave Arterie!)
Indikation
Lokoregional: Kopfschmerzen, Migräne, Fazialisparese, Schwindel, Tinnitus; Trismus, Arthralgien des Kiefergelenks, Schwellungen im Oberkieferbereich
Überregional: Nach neuesten Forschungen hat der Punkt eine antiallergische Wirkung. Er muss auf der nichtdominanten Körperseite sedierend gestochen werden.
3E 23
Sizhukong$3E 23 §Sizhukong&, „Hohler Bambus, Rohrpfeife“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Gb-Meridian
Lokalisation
Am äußeren Ende der Augenbrauen, in einem Grübchen (über ein Sekundärgefäß Verbindung zu Gb 1)
Punktur
2–3 Fen schräg, horizontal
Indikation
Lokoregional: unerträgliche Kopfschmerzen oder Migräne, Schwindel, Epilepsie, Fazialisparese, Sensibilitätsstörungen des Gesichtes; Augenschmerzen, Entropium, Blepharospasmus, Konjunktivitis, Pterygium
Überregional: Otitis, Tinnitus, Hypakusis; Konvulsionen bei Kindern, Schleimerbrechen
Tradition
Nach der Tradition ein energetischer Konzentrationspunkt, von dem die Energie des 3E- und des Gb-Meridians ihren Ausgang nimmt und über den man energetisch den Dreifachen Erwärmer im Sinne einer Sedierung beeinflussen kann. Außerdem besteht eine intrakranielle energetische Verbindung von 3E 23 über Gb 1 zu LG 20. Die Moxibustion des Punktes war verboten.

Der Funktionskreis Dreifacher Erwärmer aus traditioneller Sicht

Funktionskreis Dreifacher Erwärmer:traditionelle Sicht Abb. 5.143
Im Nan Jing (Kap. 31) wird der 3E-Meridian folgendermaßen beschrieben: „Die Drei Erwärmer sind die Straßen der Flüssigkeiten und der Getreide, der Ort, wo die Energie beginnt und endet.“
Der Dreifache Erwärmer enthält die Teilungsstellen der UrsprungsenergieUrsprungsenergie (Yuanqi). Er beherrscht die Verwaltung aller Energien. Der Meridian, der dem Dreifachen Erwärmer entspricht, ist der Hand-Shaoyang-Meridian. Der Dreifache Erwärmer ist ein „äußeres Hohlorgan“. Zu dieser, auch für die funktionell-energetische Medizin eigenartige Aussage, wonach der Dreifache Erwärmer eine Funktion hat, jedoch kein ihm zugehöriges Organ, ist es nach Jahrhunderten von Erfahrungen und abwägenden Erkenntnissen gekommen.
Straße der Flüssigkeiten und Getreide
Der Dreifache ErwärmerFunktionskreis Dreifacher Erwärmer:Straße der Flüssigkeiten und Getreide lässt die Flüssigkeiten zirkulieren. Je nach ihrer Lokalisation und ihrem Wärmegehalt sind die Flüssigkeiten im Dreifachen Erwärmer unterschiedlich. Ling Shu (Kap. 18) vergleicht den Oberen Erwärmer mit Nebel, den Mittleren mit Schaum und den Unteren mit einer Wasserrinne (Van Nghi 1973).
Die Bahnen, die diese Flüssigkeiten leiten, also Lymphbahnen und Interstitium, gehören in den Bereich des Dreifachen Erwärmers. Der Untere Erwärmer bringt die Flüssigkeiten schlussendlich in den Funktionskreis Blase. Das Qi bewegt diese Flüssigkeiten.
Teilungsstelle der „Ursprungsenergie“
Funktionskreis Dreifacher Erwärmer:Teilungsstelle der „Ursprungsenergie“Die Ursprungsenergie (Yuanqi) wird als physiologisch eingesetzte konstitutionelle Kraftreserve über die Yuan-Quellpunkte der Hauptmeridiane aktiviert und in den Kreislauf gebracht.
Es muss aber nicht nur der Yuan-Quellpunkte gestochen werden, mitbestimmend „katalysierend“ sind das Qi des Dreifachen Erwärmers und die Aktivierung der Ursprungsenergie im Funktionskreis Niere über den Punkt LG 4. Dieser gilt als Ausgangspunkt des „ministeriellen Feuers“, das dem LG 4 die Yang-Dynamik für seine Funktionen gibt.
Verwaltung aller Energien
Der Obere Erwärmer
Obere ErwärmerFunktionskreis Dreifacher Erwärmer:Verwaltung aller EnergienFunktionskreis Dreifacher Erwärmer:Oberer ErwärmerDer Mu-Alarmpunkt des Oberen Erwärmers, KG 17, der auch der Mu-Alarmpunkt des Kreislauf-Sexualität-Meridians ist, gilt als „Vereinigungspunkt des Qi“. Das heißt, dass der Obere Erwärmer hilft, im Thorax die essenzielle Energie (Zongqi) aus dem Nahrungs-Qi (Guqi) und der Atemluft (Qingqi) zu bilden. Er kontrolliert damit das Entstehen des Nähr- und Abwehr-Qi (Yingqi und Weiqi). Man kann sich den Thorax als große Pfanne vorstellen, in der die Energien vereinigt und gebildet werden, der Obere Erwärmer ist das Feuer, das die Pfanne wärmt.
Der Mittlere Erwärmer
Mittlere ErwärmerFunktionskreis Dreifacher Erwärmer:Mittlerer ErwärmerIm Bereich Magen, Milz-Pankreas und im Dünndarm werden Nahrung und Getränke mithilfe des Mittleren Erwärmers verdaut. Die klaren Säfte (Jin), gewonnen aus dem Nahrungs-QiNahrungs-Qi (Guqi), gelangen aus der Mitte in die Lungen.
Der Mittlere Erwärmer ist der große Wandler. Mit seinem Feuer hilft er der „Mitte“ beim Scheiden von Klarem und Trübem. Er entscheidet somit, wie viele klare Säfte in die Lungen gelangen, und bestimmt mit, wie viel essenzielle Energie und wie viel Nähr- und Abwehr-Qi produziert werden kann.
Der Mittlere Erwärmer hilft auch bei der Bildung der Essenz (Jing) und der Körpersäfte in der „Mitte“. Seine Umwandlungskraft bestimmt also auch mit, wie stark Körpersäfte in die Funktionskreise und Gewebe und wie viel Jing in die Funktionskreise und die Nieren gelangen.
Der Mu-Alarmpunkt des Mittleren Erwärmers ist KG 12. Der gleiche Punkt ist auch Mu-Alarmpunkt des Magens. Quecksilber (Amalgamfüllungen), das mit dem Punkt KG 12 in Resonanz tritt, ist deswegen so schädlich, weil es sich negativ auf beide Funktionen auswirkt.
Der Untere Erwärmer
Untere ErwärmerFunktionskreis Dreifacher Erwärmer:Unterer ErwärmerDer Untere Erwärmer zieht Flüssigkeit aus dem Darm und „destilliert“ aus dem immer unreiner werdenden Darminhalt Flüssigkeit, die er den „Wasserstraßen“ und damit schlussendlich der Niere und der Blase zur Verfügung stellt.
Der Untere Erwärmer aktiviert zudem über die entsprechenden Hohlorgane das „Unreine“ auch im Sinne der Bewegung, er hilft absenken und unterstützt die Darmmotorik.
Der Mu-Alarmpunkt des Unteren Erwärmers ist KG 7: Kreuzungspunkt des Yin. Dieser Punkt hilft dem Unteren Erwärmer das Yin zu sammeln, zu destillieren und die gewonnene Flüssigkeit bereitzustellen.
Besondere Akupunkturpunkte mit Bezug zum Dreifachen Erwärmer
Funktionskreis Dreifacher Erwärmer:Besondere AkupunkturpunkteBl 22: der Shu-Zustimmungspunkt des gesamten Dreifachen Erwärmers. Über diesen Punkt wird das Yang im 3E-System aktiviert.
Bl 39: spezieller Punkt mit Meer-He-Funktion, er hat verschiedene Namen: Yang der Biegung (anatomischer Name), Yang der Spalte, Staugewässer (funktioneller Name), Yang des Auftrages (Auftrag an den Dreifachen Erwärmer als sein spezieller Meer-He-Funktionspunkt).
Wie schon ausgeführt, ist der Dreifache Erwärmer funktionell mit Niere und Blase verbunden. Dies muss sich auch in den Punkten und äußeren Verläufen zeigen. Gemäß Ling Shu (Kap. 2 und 47) fließt das Qi des Dreifachen Erwärmers zusammen mit Blasen- und Nieren-Qi vom Fuß zum Punkt Gb 37 und mündet dann im Punkt Bl 39 als Reunionspunkt (mit Meer-He-Funktion). Wegen dieser Verbindungen wird dieser Punkt bei Harnverhalten sediert und bei Harninkontinenz tonisiert.
KG 5: Mu-Alarmpunkt für den ganzen Dreifachen Erwärmer. Sein chinesischer Name ist „Steintor“. Stein bedeutet Verhärtung, Struierung. Es besteht eine Flüssigkeitsstase durch Mangel an Bewegung oder an Wärme. Durch diesen Punkt wird der Dreifache Erwärmer angeregt, seine Wärme zu entfalten und die Flüssigkeiten zu bewegen.
KG 7, KG 12 und KG 17 (siehe oben, „Verwaltung aller Energien“)
Psychogramm
Funktionskreis Dreifacher Erwärmer:PsychogrammDer Dreifache Erwärmer hat insgesamt gesehen eher energetische und endokrine Bedeutung. Der untere, „sexuelle“ Dreifache Erwärmer und der mittlere Dreifache Erwärmer sind für die psychische Harmonie allgemein von Bedeutung (Unwohlsein bei „Enge der MitteMitte:Enge der“), der obere Dreifache Erwärmer muss bei Engegefühl im Thorax und übertragen auch bei psychischer Enge über den Punkt KG 17 stimuliert werden.

Gallenblasen-Meridian (Danjing)

Gallenblasen-Meridian

Gallenblasen-MeridianDanjing Abb. 5.144
Charakteristik
  • Bezeichnungen: Zushaoyang, Fuß-Shaoyang, Kleines Yang des Fußes, The leg lesser Yang Meridian

  • Abkürzungen: G, Gb (Gallenblase), Vb (vesicule biliaire), GB (gallbladder)

  • Meridian eines Hohlorgans (Werkstättenorgan, Fu), daher Yang; nach internationaler Nomenklatur: der XI. Meridian im Energiekreislauf

  • Energieverlauf zentrifugal, vom Meridian Dreifacher Erwärmer zum Meridian der Leber

  • Chronobiologie: Optimalzeit zur Tonisierung 23–1 Uhr

  • Shu-Zustimmungspunkt: Bl 19, 1,5 Cun seitlich der Dornfortsatzspitze des 10. BW (Brustwirbels)

  • Mu-Alarmpunkt: Gb 24 (Hauptalarmpunkt des Meridians)

  • Der äußere Verlauf ist durch 44 Punkte gekennzeichnet.

Verlauf
Gallenblasen-Meridian:VerlaufDer Meridian ist durch seinen Verlauf am Körper, der fast den ganzen lateralen Schädel betrifft, bei einer energetischen „Stagnation“ als Hauptursache für Kopfschmerzen und Migräne im Sinne der „Meridianitis“ anzusehen. Seine Optimalzeit zur Tonisierung ist 23–1 Uhr, dadurch wird auch verständlich, dass nach einer gewissen Latenzphase für das Aufwachen Patienten meist gegen 2–4 Uhr früh für Gallenkoliken und auch für die sogenannte Gallenmigräne besonders anfällig sind.
Der Meridian beginnt knapp seitlich vom äußeren knöchernen Orbitalwinkel, zieht dann in mehreren im Zickzack verlaufenden Kurven an der lateralen Schädelseite hin und her, um schließlich bei Gb 20 die mediale Partie des Mastoids zu erreichen. Von dort zieht er über die seitliche Halsregion zur Fossa supraclavicularis und weiter über die laterale Thoraxregion abwärts zum Abdomen. Er erreicht dort mit seinem 26. Punkt die Spina iliaca anterior superior, folgt dem Darmbeinkamm mit Gb 27 und Gb 28 und erreicht nun den Oberschenkel über dem Trochanter major femoris. Nun zieht er über die Außenseite des Oberschenkels nach abwärts zum Fibulaköpfchen (Gb 34) und weiter entlang der äußeren Fibulakante über den Unterschenkel, um vor dem äußeren Knöchel den Fußrücken zu erreichen. Sein 41. Punkt liegt im Winkel zwischen den Metatarsalia IV und V und von dort erreicht der Meridian seinen Endpunkt am äußeren Nagelfalzwinkel der 4. Zehe.
Innerer Verlauf
Gallenblasen-Meridian:innerer VerlaufInteressant ist der innere Verlauf des Meridians vom Punkt Gb 1 aus in das Auge hinein und nach dorsal weiterführend. Dieser ist ausschlaggebend für die häufig zu hörende anamnestische Angabe von Patienten, die an Gallenmigräne leiden, dass sie das Gefühl hätten, als ob eine Faust von hinten auf das Auge drücken würde.
Innere Verläufe gehen von Gb 1 außerdem zu den Punkten Ma 5, Ma 6 und Dü 18. Vom Punkt Gb 21 aus bestehen Verbindungen zu den Punkten LG 14, Bl 11 und 3E 15.
Vom Punkt Gb 2 zieht ein innerer Ast nach vorne/unten über die Fossa supraclavicularis in den Brustkorb, trifft dort den Punkt KS 1, zieht durch das Zwerchfell, verbindet sich mit der Leber und endet in der Gallenblase. Von hier führt ein innerer Ast zum Hypochondrium und in die Inguinalregion und innen weiter zum Sakrum, wo er erneut an die Oberfläche tritt, die Punkte Bl 31, 33 und 34 trifft und in dem Punkt Gb 30 mündet. Ein weiterer innerer Ast entspringt im Punkt Gb 41 zieht zwischen Os metatarsale I und II zur Großzehe und mündet in den Leber-Meridian.
Innere Meridianverlaufsrichtung: unterschiedlich wegen der verschiedenen Äste, hauptsächlich nach unten
Abb. 5.145

BESONDERE PUNKTE

Gallenblasen-Meridian (Danjing)

Gallenblasen-Meridian:besondere PunkteTonisierungspunkt Gb 43
Sedativpunkt Gb 38
Yuan-Quellpunkt Gb 40
Luo-Durchgangspunkt Gb 37 zu Le 3
Shu-Zustimmungspunkt Bl 19
Mu-Alarmpunkt Gb 24
Kardinalpunkt, der das Gürtelgefäß (Daimai) einschaltet Gb 41
Besonderheiten
Der Gallenblase wurde in der Tradition eine Vorzugsstellung gegenüber den anderen Hohlorganen eingeräumt, weil sie als einzige zwar an der Assimilierung, nicht aber an der vorübergehenden Aufnahme oder am Transport von Nahrungsbestandteilen durch den Körper beteiligt ist. Sie wird daher als Hohlorgan mit qualitativ homogenem Inhalt im Gegensatz zu jenen, die heterogenen Inhalt führen, herausgehoben.
Im Gesamtorganismus wurde ihr die Rolle des Orientierungsorgans, von dem die Entschlussfähigkeit ausgeht und das die Impulse der übrigen Organsysteme steuert, zugeschrieben. Sie hat Einfluss auf die Regulierung des Umlaufs von Bau- und Abwehr-Qi, natürlich im Zusammenhang mit der Leber, deren Organkreis sie innerhalb der Wandlungsphasen angehört (Holz). Dies macht die umfassende Wirkung des Meridians, der fast den ganzen lateralen Schädel und Körperbereich überzieht, verständlich.
Der Gallenblasen-Meridian ist ein Yang-Meridian. Im Energiekreislauf übernimmt er das Qi vom 3E-Meridian und gibt es dann weiter an den Leber-Meridian.
In Bezug auf die Emotionen hat die Gallenblase einen (eher bewussten) Yang-Anteil, dem entspricht der explosive Zorn und Ärger („die Galle läuft einem über“), aber auch einen mehr unbewussten Anteil, die Sorge.

Tendinomuskulärer Gallenblasen-Meridian

Gallenblasen-Meridian:tendinomuskulärer Abb. 5.146, Abb. 5.147
Der TMM beginnt am 4. Zeh mit dem Punkt Gb 44 und bahnt seinen äußeren Verlauf entlang dem Bein hinauf zur Hüfte. Dort teilt sich der Verlauf. Eine Bahn endet am Gesäß, eine zweite zieht gerade aufwärts zum Ohr und erreicht die Schädeldecke. Ein weiterer Verlauf zweigt sich oberhalb des Ohrs ab und endet neben der Nase bzw. neben dem Auge.

Verlauf am Ohr

Gallenblasen-Meridian:Verlauf am Ohr Abb. 5.148
Der Punkt Gb 1 entspricht dem Punkt Auge in der Mitte des Ohrläppchens. Von dort aus verlaufen die Punkte Gb 2–19 in einer Reihe von der Mitte des Ohrläppchens bis zur Höhe des Antitragus. Die weiteren Punkte Gb 20–29 ziehen vom Antitragus innen bis zum Reflexpunkt der Spina iliaca, gleich neben dem Hüftpunkt.
Der sensible Punkt der Hüfte ist der Punkt Gb 30; hier ist anzumerken, dass dieser Punkt nach chinesischer Vorstellung außen auf der Gelenkkapsel liegt, daher ist seine lokale Wirkung bei arthrosebedingten Beschwerden des Hüftgelenks nicht ausreichend. Dafür ist die Ohrakupunktur vorzuziehen.
Der Meridian wechselt mit seinen Punkten Gb 31–33 auf die Rückseite des Ohrs mit Einwirkungsmöglichkeit auf die motorischen Punkte von Hüfte und Knie.
Der motorische Punkt der Gallenblase ist Gb 34, von dort läuft der Meridian mit seinen Punkten Gb 35–39 nach unten.
Gb 40 entspricht dem Vitamin-D-Punkt und liegt an der Anwachsungszone des untersten Ohrteils an die Kopfhaut. Etwas tiefer auf der Rückseite des Ohrläppchens finden wir den Punkt Gb 41, den sehr wichtigen Prostaglandin-E1-Punkt, zugleich Kardinalpunkt für rheumatisches Geschehen und Meisterpunkt der Gelenke. Im Punkt Gb 42 wechselt der Meridian wieder auf die Vorderseite des Ohrs und erreicht die Mitte der Hemiconcha superior mit seinem Punkt Gb 43, dem Tonisierungspunkt mit Wirkung auf den sensiblen Ohrpunkt der Gallenblase. Der Punkt Gb 44 entspricht nervalen Fasern des Truncus sympathicus, die zur Gallenblase ziehen.

Die Punkte im Einzelnen

Gb 1
Tongziliao$Gb 1 §Tongziliao&, „Augapfelgrube“
Funktion
Reunionspunkt mit dem 3E- und dem Dü-Meridian
Lokalisation
5 Fen seitlich des äußeren knöchernen Orbitalwinkels
Punktur
3–5 Fen schräg, horizontal; Nadel nach lateral gerichtet
Indikation
Lokoregional: Kopfschmerzen, Sensibilitätsstörungen des Gesichtes, Fazialisparese; wichtiger Punkt für Augenkrankheiten wie Blepharitis, Blepharospasmus, Refraktionsanomalien, Myopie, Hypermetropie, Keratitis, Optikusatrophie, Katarakt; Sinusitis frontalis; bei Sinusitis und Migräne gemeinsam mit Bl 2 und Extrapunkt Yintang (EX-HN 3)
Intrakranielle energetische Verbindung von Gb 1 zu LG 20.
Gb 2
Tinghui$Gb 2 §Tinghui&, „Reunion des Gehörs“
Lokalisation
In Höhe der Incisura intertragica, am hinteren Rand des aufsteigenden Mandibulaastes, in einer Vertiefung, die entsteht, wenn man den Mund weit öffnet.
Punktur
3–7 Fen senkrecht (cave: Kiefergelenk!)
Indikation
Lokoregional: Otitiden, Tinnitus, Taubheit, otogener Schwindel; Zahnschmerzen, Parodontose mit gelockerten Zähnen, Erkrankungen des Kiefergelenks, entzündliche Affektionen im Molarenbereich, Trismus; ophthalmische Migräne, Sensibilitätsstörungen des Gesichts, Fazialisparese
Überregional: Konvulsionen, Folgezustände nach zerebralen Insulten, depressive Stimmung; Gedächtnisstörungen, der Kranke verliert beim Erzählen ständig den Faden.
Gb 3
Shangguan$Gb 3 §Shangguan&, „Oberer Zugang, Pass, Grenze“, im Gegensatz zu Ma 7 Xiaguan („Untere Grenze“)
Funktion
Reunionspunkt mit dem 3E-Meridian und dem Yangming (Ma- und Di-Meridian)
Lokalisation
Am oberen Rand des Arcus zygomaticus, in einer Vertiefung, die sich beim Öffnen des Mundes formt, etwas vor und unter 3E 22, direkt über Ma 7
Punktur
5 Fen schräg nach oben
Indikation
Wichtiger Migränepunkt
Gb 4
Hanyan$Gb 4 §Hanyan&, „Kinnbacken, Sphenoidwinkel“
Lokalisation
An der oberen Schläfenpartie, 1 Cun unter Ma 8 am vorderen Teil des Ansatzes des M. temporalis (zur besseren Lokalisation den Patient Kaubewegungen ausführen lassen)
Punktur
3–7 Fen schräg, Nadel nach posterior gerichtet
Indikation
Lokoregional: Migräne, Augenflimmern, verschwommenes Sehen, Rhinitis, Tinnitus, Trigeminusneuralgie (1. Ast), Fazialisparese; Hilfspunkt gegen epileptiforme Anfälle, Hemiparesen, motorische Aphasie
Gb 5
Xuanlu$Gb 5 §Xuanlu&, „Kopfüberhang“
Funktion
Reunionspunkt mit dem 3E-Meridian und dem Yangming
Lokalisation
Auf Höhe der Sutura parietalis, 1 Cun unter Gb 4, knapp innerhalb der Haargrenze
Punktur
3–5 Fen schräg, Nadel nach posterior gerichtet
Indikation
Lokoregional: alle Augenleiden, Hemikranie mit Schmerzen zu den äußeren Augenwinkeln, Zahnschmerzen
Überregional: Neurasthenie, ständige Nasensekretion
Gb 6
Xuanli$Gb 6 §Xuanli&, „Imaginärer Balancepunkt“
Lokalisation
1 Cun unter Gb 5, unterhalb der Vereinigung der Suturae frontoparietales mit dem Os sphenoideum, im unteren Drittel einer Verbindungslinie zwischen Gb 4 und Gb 7
Punktur
3–5 Fen schräg, Nadel nach posterior gerichtet
Indikation
Lokoregional: Migräne, Hemikranie, Schwellungen, Rötungen im Stirn- und Gesichtsbereich, Konjunktivitis, ausstrahlende Zahnschmerzen
Gb 7
Qubin$Gb 7 §Qubin&, „Locke des Backenbartansatzes“
Funktion
Reunionspunkt mit 3E-, Dü- und Bl-Meridian
Lokalisation
In Höhe der Ohrmuschelspitze, 1 Cun frontal von dieser, im Schnittpunkt mit einer durch den Vorderrand der Ohrmuschel gelegten Vertikalen
Punktur
3–5 Fen schräg, Nadel nach posterior gerichtet
Indikation
Lokoregional: Kiefergelenkschmerzen, Trismus, Wangenschmerzen mit Schwellung, Kopfschmerzen, Nackenschmerzen
Gb 8
Shuaigu$Gb 8 §Shuaigu&, „Ende des Tales“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Bl- und Dü-Meridian
Lokalisation
1,5 Cun über der Ohrmuschelspitze in einem Knochengrübchen
Punktur
3–5 Fen schräg, horizontal
Indikation
Lokoregional: migränoide Kopfschmerzen im ganzen Kopf, „eingenommener Kopf“ nach Alkoholgenuss, Schwindel
Überregional: unstillbares Erbrechen
Gb 9
Tianchong$Gb 9 §Tianchong&, „Ansturm des Himmels“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Dü- und Bl-Meridian
Lokalisation
Senkrecht, oberhalb des hinteren Ohrmuschelansatzes, 5 Fen okzipital von Gb 8
Punktur
3 Fen schräg, horizontal
Indikation
Lokoregional: Kopfschmerzen, Zahnfleischentzündungen, Hilfspunkt bei epileptiformen Anfällen
Gb 10
Fubai$Gb 10 §Fubai&, „Durchschimmernde Helligkeit“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Dü- und Bl-Meridian
Lokalisation
Hinter und oberhalb der Ohrmuschel, im Schnittpunkt zwischen einer Horizontalen in Höhe der Augenbrauen (Hilfslinie bei der Schädelakupunktur) und einer Vertikalen durch den Hinterrand des Mastoids
Punktur
3 Fen schräg, horizontal
Indikation
Lokoregional: Tinnitus, Hypakusis, Halsschmerzen, Zahnschmerzen, Lymphadenitis cervicalis et nuchalis
Überregional: Schulter- und Armschmerzen, Thoraxschmerzen
Gb 11
Touqiaoyin$Gb 11 §Touqiaoyin&,Yin-Höhlung“ (durch die das Yin eindringt)
Funktion
Wichtiger energetischer Punkt des Gb-Meridians
Reunionspunkt mit dem 3E- und dem Bl-Meridian
Lokalisation
In einer deutlichen Knochendelle, am hinteren oberen Anteil des Mastoids, 1,5 Cun über Gb 12
Punktur
3 Fen schräg, horizontal
Indikation
Lokoregional: Scheitelkopfschmerzen, Augenschmerzen mit Augenflimmern, Nackenschmerzen
Überregional: Schmerzen in der seitlichen Thoraxregion, ständig bitterer Mundgeschmack
Gb 12
Wangu$Gb 12 §Wangu&, „Knochen des Gehörorgans“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Bl- und Dü-Meridian
Lokalisation
In einer Delle am Hinterrand der Mastoidspitze, dort, wo sich der Ansatz des M. sternocleidomastoideus befindet (zur leichteren Lokalisation Kopf nach vorne beugen lassen)
Punktur
3–8 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Fazialisparese, Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus, Angina mit zum Mastoid ausstrahlenden Schmerzen, Zahnschmerzen, Trismus, Nackenschmerzen
Gb 13
Benshen$Gb 13 §Benshen&, „Ursprung des Geistes (Shen)
Funktion
Reunionspunkt mit dem Haltegefäß des Yang (Yangweimai)
Lokalisation
In der seitlichen Stirnregion, in Höhe von Bl 4, von dem er 1,5 Cun lateral gelegen ist, 3 Cun lateral von LG 24
Punktur
3–5 Fen schräg, Nadel nach posterior gerichtet
Indikation
Lokoregional: Fazialisparese, Augenleiden
Überregional: epileptiforme Anfälle, Nackensteifigkeit, Thoraxschmerzen
Anmerkung
Gb 13 ist identisch mit der in der Schädelakupunktur beschriebenen Magen-Leber-Gallen-Zone.
Gb 14
Yangbai$Gb 14 §Yangbai&, „Reines, blankes Yang
Funktion
Reunionspunkt mit dem 3E-, Ma-, Di-Meridian und dem Haltegefäß des Yang (Yangweimai)
Lokalisation
Beim Blick geradeaus, genau über der Pupille, 1 Cun über der Mitte der Augenbrauen
Punktur
2–5 Fen senkrecht oder in Richtung Augenbrauen
Indikation
Lokoregional: Kopfschmerzen in der Frontalregion, Trigeminusneuralgien des 1. Astes, Tics, Augenschmerzen mit Flimmern, verschwommene Sicht. Bei Augenleiden oft mit Extrapunkten Taiyang (EX-HN 5) und Yintag (EX-HN 2) kombiniert.
Überregional: Testpunkt für Gallenerkrankungen, Gb 14 ist in diesen Fällen besonders druckempfindlich. Koliken können von ihm aus behoben werden.
Gb 15
Toulinqi$Gb 15 §Toulinqi&, „Einstand der Tränen“
Funktion
Reunionspunkt mit dem 3E-, dem Bl-Meridian und dem Haltegefäß des Yang (Yangweimai)
Lokalisation
Mitte der oberen Stirnregion, innerhalb der natürlichen Haargrenze, auf einer Vertikalen durch die Pupillenmitte, in Höhe von Bl 4 und Gb 13
Punktur
3–8 Fen schräg, Nadel nach aufwärts gerichtet
Indikation
Lokoregional: alle Augenleiden, behinderte Nasenatmung, epileptiforme Anfälle, Zustände nach zerebralen Insulten, Kongestionskopfschmerzen
Gb 16
$Gb 16 §Muchuang&MuchuangMuchuang&, „Augenfenster“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Haltegefäß des Yang (Yangweimai)
Lokalisation
1,5 Cun posterior von Gb 15
Punktur
3–8 Fen schräg, Nadel nach posterior gerichtet
Indikation
Lokoregional: Augenleiden, Lid- und Gesichtsödeme, Schwindel beim Drehen des Kopfes, Kopfschmerzen
Gb 17
Zhengying$Gb 17 §Zhengying&, „Regelrechte Bahn“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Haltegefäß des Yang (Yangweimai)
Lokalisation
Im Schnittpunkt einer Vertikalen durch den vorderen Ohrmuschelansatz, 1,5 Cun hinter Gb 16
Punktur
3–8 Fen schräg, Nadel nach posterior gerichtet
Indikation
Lokoregional: Kopfschmerzen, Augenflimmern, Zahnschmerzen, Gingivitis, Zahnabszesse
Gb 18
Chengling$Gb 18 §Chengling&, „Empfang des Geistes“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Haltegefäß des Yang (Yangweimai)
Lokalisation
1,5 Cun hinter Gb 17
Punktur
3–8 Fen schräg, Nadel nach posterior gerichtet
Indikation
Lokoregional: Kopfschmerzen bei Zugempfindlichkeit
Überregional: Nasenbluten
Tradition
Punktur war verboten, nur Moxibustion erlaubt.
Gb 19
Naokong$Gb 19 §Naokong&, „Öffnung zum Gehirn“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Haltegefäß des Yang (Yangweimai)
Lokalisation
1,5 Cun oberhalb des folgenden Punktes Gb 20
Punktur
3–8 Fen schräg, Nadel nach abwärts gerichtet
Indikation
Heftige Kopfschmerzen, die zum Augenschluss zwingen, Fotophobie, Nackenschmerzen, Nasenbluten
Tradition
Der chinesische Arzt Hua Tuo (vgl. Van Nghi 1971) empfahl Gb 19 besonders bei heftigen Kopfschmerzen.
Gb 20
Fengchi$Gb 20 §Fengchi&, „Teich des Windes“
Funktion
Reunionspunkt mit dem 3E-Meridian und dem Haltegefäß des Yang (Yangweimai)
Lokalisation
Am unteren Okzipitalrand, hinter dem Mastoid in einer Vertiefung lateral des Ansatzes des M. trapezius. Wenn man auf den Punkt Gb 20 klopft, spürt man die Reperkussion im Ohr.
Punktur
3 Fen senkrecht oder die Nadel in Richtung zur kontralateralen Augenhöhle 1 Cun tief einstechen oder zum spiegelbildlichen Gb 20 durchstechen
Indikation
Lokoregional: unerträgliche Nackenschmerzen, Tortikollis mit LG 14 und LG 13; Migräne, Kopfschmerzen, menièreformer Schwindel, Folgezustände nach zerebralen Insulten, Hypakusis, Tinnitus
Überregional: Augenschmerzen und Entzündungen mit ständigem Tränenfluss, Nasenbluten, Rhinitis; Abgeschlagenheit und Muskelschwäche bei Infekten; Muskelschmerzen in der Lendenregion, die den Kranken zwingen, eine gebückte Haltung einzunehmen
Allgemein: wichtiger Punkt mit sympathikotoner Wirkung; mit Bl 10 zur vegetativen Regulation („vegetative Basis“); allgemeine Schwäche des Nervensystems
Anmerkung
Vorzüglicher Punkt für Aku-Injektionen im Schädelbereich, nach zerebralen Insulten, bei allen zerebralen Vaskulopathien, seien es prämorbide oder Folgezustände.
Gb 21
Jianjing$Gb 21 §Jianjing&, „Brunnen der Schulter“
Funktion
Reunionspunkt mit dem 3E- und Ma-Meridian sowie dem Haltegefäß des Yang (Yangweimai)
Lokalisation
Am höchsten Punkt der Schulter, über der Mitte zwischen Akromion und Unterrand des 7. Halswirbels (HW)
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: alle Arten von Kontusionen, Schulter-, Rücken- und Nackenschmerzen, Schulter-Arm-Syndrom
Überregional: zur Steigerung der Muskelkraft der unteren Extremitäten, zusammen mit Gb 34 und Ma 36; thyreogene Dystonie, zerebrale Insulte, Schwindel, Blutungen nach Partus oder Abortus, Parametritis, Endometritis, Mastitis, auch Brustabszesse
Anmerkung
Extrem wichtiger Punkt! Bildet ein Zentrum der vitalen Energie, die über ihn beeinflusst werden kann. Gb 21 soll nicht während der Schwangerschaft verwendet werden! Stimulation durch Laserakupunktur möglich.
Gb 22
Yuanye$Gb 22 §Yuanye&, „Pforte der Achsel“
Lokalisation
Arm heben lassen, 3 Cun unterhalb der vorderen Axillarfalte, im 4. ICR in einer deutlichen Vertiefung
Punktur
3 Fen bis 1 Cun schräg
Indikation
Lokoregional: Interkostalneuralgien, Pleuralgien, Lymphadenitis axillae, Schulterschmerzen
Tradition
Moxibustion des Punktes verboten
Gb 23
Zhejin$Gb 23 §Zhejin&, „Flankenmuskel“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Bl-Meridian
Lokalisation
Im 4. ICR im Schnittpunkt der horizontalen Mamillarlinie mit der Präaxillarlinie (Patienten in Seitenlage den Arm heben lassen)
Punktur
3–5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Husten mit starkem Auswurf und Beklemmungsgefühl, man kann im Liegen nicht normal atmen.
Überregional: Sodbrennen, saures Aufstoßen, Erbrechen, Hypersalivation; alle Cholezystopathien, Koliken mit Schmerzausstrahlung zum Schulterblatt
Allgemein: Müdigkeit, dabei Unruhe, man kann nicht ruhig liegen, man ächzt und stöhnt.
Gb 24
Riyue$Gb 24 §Riyue&, „Sonne und Mond“
Funktion
Haupt-Mu-Alarmpunkt des Gb-Meridians
Reunionspunkt mit dem MP-Meridian und dem Haltegefäß des Yang (Yangweimai)
Lokalisation
Auf der vertikalen Mamillarlinie, im 7. ICR (ca. 5 Fen unter Le 14)
Punktur
3–5 Fen schräg
Indikation
Überregional: bei allen Lebererkrankungen mit Le 5 bei dessen Funktion: Luo-Durchgangspunkt zum Gallenblasen-Meridian; Gb 24 allein bei Flatulenz, Fettunverträglichkeit, Cholangio- und Cholezystopathien; Singultus, Magenschmerzen
Psyche: Punkt der „Wut“, vergleichbar mit dem Punkt des „Ärgers“ Le 3
Gb 25
Jingmen$Gb 25 §Jingmen&, „Tor der Hauptstadt“
Funktion
Er ist der Mu-Alarmpunkt des Ni-Meridians
Lokalisation
Am freien Ende der 12. Rippe (wenn man sich 1,5 Cun oberhalb des Nabels eine Horizontale denkt, schneidet diese den Punkt Gb 25)
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Interkostalneuralgie
Überregional: wichtig bei Roemheld-Syndrom, Darmspasmen, Gallenkoliken mit Schmerzen in der Skapularegion, Nephropathien, Nierenkoliken, Dysurie
Gb 26
Daimai$Gb 26 §Daimai&, Gürtelgefäß
Funktion
Gb 26 ist ein Punkt des Gürtelgefäßes (Daimai).
Lokalisation
Etwas vor dem höchsten Punkt des Darmbeinkamms, in der vorderen Axillarlinie, knapp über der Nabelhöhe
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: hohe Ischialgien, Lumbago, Zystitis, Reizblase, Prostatitis, Adnexitis, Para- und Endometritis, alle entzündlichen Affektionen im kleinen Becken, Dysmenorrhö, Menstruationsstörungen, alle Formen des Fluors; erschwerte und schmerzhafte Defäkation
Allgemein: Spezialpunkt für gynäkologische Erkrankungen (speziell in der Tradition erwähnt)
Gb 27
Wushu$Gb 27 §Wushu&, „5 Angelpunkte, Scharniere“
Funktion
Gb 27 ist ebenfalls ein Punkt des außerordentlichen Meridians Gürtelgefäß (Daimai)
Lokalisation
3 Cun unter Gb 26, auf der Höhe der Spina iliaca anterior superior (7 Cun lateral von KG 4)
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Im Wesentlichen wie Gb 26
Gb 28
Weidao$Gb 28 §Weidao&, „Verbindungsstraße“
Funktion
Gb 28 ist ebenfalls ein Punkt des außerordentlichen Meridians Gürtelgefäß (Daimai)
Lokalisation
Am vorderen Anteil der Spina iliaca anterior superior, 5 Fen unter Gb 27
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Wie Gb 26, zusätzlich gegen Obstipation
Gb 29
Juliao$Gb 29 §Juliao&, „Wohngrube“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Haltegefäß des Yang (Yangweimai)
Lokalisation
Bei gebeugtem Oberschenkel am äußeren Ende der Inguinalfalte bzw. in der Mitte einer Verbindungslinie zwischen der Spina iliaca anterior superior und dem erhabensten Punkt des Trochanter major
Punktur
8 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Rheumaschmerzen der Hüfte zusammen mit Gb 30 sowie der unteren Extremitäten, ausstrahlend in die Nierenregion
Überregional: Unterbauchschmerzen, Zystitis, Orchitis, Endometritis, Adnexaffektionen, seitliche Thoraxschmerzen, Schulterschmerzen
Tradition
Moxibustion verboten.
Gb 30
Huantiao$Gb 30 §Huantiao&, „Sprung durch den (Lenden-)Gürtel“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Bl-Meridian (mit Bl 31, über Senkundärgefäß)
Lokalisation
Bei stehenden Patienten etwas hinter dem vorspringenden Punkt des Trochanter major in einer Vertiefung. In Seitenlage ist das untere Bein gestreckt, das obere Bein beugt man mit der linken Hand und tastet nun den Punkt Gb 30 hinter dem Trochanter major in einer Vertiefung entsprechend dem Spalt des Koxofemoralgelenks.
Punktur
5 Fen bis 2 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Punkt für die Ischiastherapie, Kreuzschmerzen, Hüft- und Kniegelenksschmerzen, besonders jene, die sich in Ruhestellung sowie bei Feuchtigkeit und Kälte verschlimmern
Überregional: Hemiplegie, schlaffe Paresen der Beinmuskulatur – tiefer Stich erforderlich – Dermatitiden, besonders mit Bläschenbildung, Erythema nodosum mit rheumatoiden Beschwerden mit 3E 5, Bl 23, Bl 54, Di 4, Di 11, MP 10
Allgemein: Eine extreme Druckempfindlichkeit kann auf Knochenerkrankungen und auch Eiterungen hinweisen (Testpunkt wie Bl 11, Ni 6).
Gb 31
Fengshi$Gb 31 §Fengshi&, „Stadt, Ort des Windes“
Lokalisation
An der Außenseite des Oberschenkels, 6 Cun oberhalb der Kniegelenksfalte oder dort, wo in „Habt-Acht“-(„Stillgestanden“)-Stellung, die Mittelfinger den Oberschenkel berühren
Punktur
5 Fen bis 2 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: rheumatische Schmerzen in den Kniegelenken mit Schwächegefühl in den Beinen, Ischialgie, Meralgia paraesthetica
Überregional: Pruritus universalis, Urtikaria
Allgemein: durch Wind und Zugluft ausgelöste oder verschlimmerte Beschwerden (daher der Name des Punktes)
Gb 32
Zhongdu$Gb 32 §Zhongdu&, „Mittlere Furche“
Lokalisation
1 Cun unter Gb 31
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Ischialgie, Muskelschwäche, Sensibilitätsstörungen
Tradition
Gb 32 macht Sekundärgefäße durchgängig
Gb 33
Xiyangguan$Gb 33 §Xiyangguan&, „Grenze des Yang“
Lokalisation
Oberhalb des Epicondylus femoris lateralis, 1 Cun proximal vom Gelenkspalt oder 3 Cun oberhalb von Gb 34
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Sensibilitätsstörungen, Schmerzen im Kniegelenk, die das Beugen und Strecken erschweren
Überregional: Parese der unteren Extremitäten
Tradition
Moxibustion verboten
Gb 34
Yanglingquan$Gb 34 §Yanglingquan&, „Quelle des Yanghügels“
Funktion
Meisterpunkt der Muskulatur
Meer-He-Punkt des Meridians
Lokalisation
In der Vertiefung, die bei gebeugtem Knie vor und unter dem Fibulaköpfchen tastbar ist.
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Spezialpunkt gegen Kniegelenksschmerzen, oft zusammen mit dem spiegelbildlich innen liegenden Punkt MP 9 als „Zange“; rheumatische Gonarthritis, Gonarthrosen mit arthritischen Schüben; Koxarthralgien, Sensibilitätsstörungen der unteren Extremität, Muskelspasmen und Kontrakturen in diesem Bereich; ödematöse Schwellungen und Entzündungen der Unterschenkel, Durchblutungsstörungen, ischialgiforme Schmerzen
Überregional: Paresen nach Hemiplegien, Cholezystopathien mit in die seitliche Thoraxgegend ausstrahlenden Schmerzen, atonische Obstipation
Allgemein: als „Meisterpunkt der Muskeln“ für alle Beschwerden und Krankheiten, die mit der Muskulatur und dem Sehnenapparat in Zusammenhang stehen; wirkt auch auf die Durchblutung der unteren Extremitäten
Anmerkung
Zur Hebung der Muskelkraft bei Sportlern (Lauf- und Springwettbewerbe, Rad- und Skisport)
Tradition
Dieser Meer-He-Punkt ist der Erde zugeordnet.
Gb 35
Yangjiao$Gb 35 §Yangjiao&, „Kreuzung des Yang
Funktion
Reunionspunkt mit dem Haltegefäß des Yang (Yangweimai)
Lokalisation
Auf einer gedachten Vertikalen durch Bl 60, 7 Cun oberhalb der Spitze des Malleolus externus an der dorsalen Seite der Fibula
Punktur
1 Cun schräg
Indikation
Lokoregional: laterale Ischialgien, Kniegelenksschmerzen, Unterschenkelschmerzen
Überregional: asthmoide Bronchitis mit Beklemmungsgefühl und Angstzuständen
Gb 36
Waiqiu$Gb 36 §Waiqiu&, „Äußerer Hügel“
Lokalisation
1 Cun ventral von Gb 35 auf der Vorderseite der Fibula
Punktur
1 Cun schräg
Indikation
Lokoregional: Schmerzen lateral im Unterschenkel, Wadenkrämpfe mit Bl 57
Überregional: Nackenschmerzen mit Muskelkontrakturen
Anmerkung
Auch in der neueren chinesischen Literatur gibt es unterschiedliche Angaben für die Reihenfolge von Gb 35 und Gb 36. In der Praxis spielt dies jedoch keine Rolle, da hauptsächlich lokoregionale Anwendung.
Tradition
An Gb 36, dem Xi-Spaltpunkt, beginnt sich die Energie des Gb-Meridians zu manifestieren. Der Punkt gilt als Spezialpunkt gegen exzessive Wutanfälle, oft zusammen mit Le 2 und Le 3 sowie Gb 24.
Gb 37
Guangming$Gb 37 §Guangming&, „Strahlendes Licht“
Funktion
Luo-Durchgangspunkt, über ihn Verbindung zum Yuan-Quellpunkt des gekoppelten Yin-Partners Le 3
Lokalisation
5 Cun oberhalb des äußeren Knöchels, am hinteren Fibularand
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Neuralgien und Parästhesien der Unterschenkel, Muskelatonien
Überregional: Cholezystopathien, Hepatopathien, bei Gallenkoliken zusammen mit Gb 38, Le 3, KG 13, Gb 24, Bl 19; Schläfenkopfschmerz
Spezialpunkt bei Augenschmerzen, Sehstörungen, Nachtblindheit; wird auch als Fernpunkt zur Analgesie bei manchen Augenoperationen verwendet
Allgemein: Peronäus-Testpunkt
Gb 38
Yangfu$Gb 38 §Yangfu&, „Unterstützung des Yang
Funktion
Sedativpunkt des Gb-Meridians
Lokalisation
4 Cun oberhalb des äußeren Knöchels, am Hinterrand der Fibula
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: von der Hüfte zum äußeren Knöchel ziehende Schmerzen, Arthralgien der Kniegelenke, Varizen
Überregional: seitliche und Stirnkopfschmerzen, Schmerzen im Bereich des Canthus externus; abnormes Schwitzen, Entzündungen und Abszesse der Achselhöhlen; bitterer Mundgeschmack, Cholezystopathien
Allgemein: wandernde Schmerzen im ganzen Körper, häufig mit Bl 60, 3E 10
Tradition
Nach Nei Jing ist Gb 38 ein Konzentrationspunkt der Meridianenergie, über den man die „Fülle“ beeinflussen kann. Dieser Fluss-Jing-Punkt ist dem Feuer zugeordnet.
Gb 39
Xuanzhong$Gb 39 §Xuanzhong&, „Mehrere, verschiedene Reunionen“
Funktion
Meisterpunkt für das Knochenmark. Gruppen-Luo-Durchgangspunkt (Bl-, Ma-, Gb-Meridian)
Lokalisation
3 Cun oberhalb des äußeren Knöchels, am Hinterrand der Fibula
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht oder in Richtung zum Punkt MP 6 stechen (cave Arterie!)
Indikation
Lokoregional: ödematöse Schwellungen und Entzündungen im gelenksnahen Bereich
Überregional: Schmerzsensationen in den Knochen und Muskeln; rheumatische Gelenksschmerzen, die einmal dieses, dann wieder ein anderes Gelenk befallen; Kontrakturen und Sensibilitätsstörungen im Bereich der Unterschenkel, Nacken-, Rücken- und Kreuzschmerzen. Appetitlosigkeit, geblähter Oberbauch, Diarrhö abwechselnd mit Obstipation, Hämorrhoiden; zerebrale Insulte und deren Folgen, Epilepsie
Allgemein: ständig cholerisch oder schlecht aufgelegt
Tradition
Nach den „81 Fragen des gelben Kaisers Hoang Ti(Huang Neijing Suwen) regiert dieser Punkt das „Mark“ und hat somit Einfluss auf Hämatopoese.
Gb 40
Qiuxu$Gb 40 §Qiuxu&, „Hügel der Verträge“
Funktion
Yuan-Quellpunkt des Meridians, steht in Verbindung mit dem Luo-Durchgangspunkt des Leber-Meridians, Le 5 (Ligou)
Lokalisation
Am Fußrücken, über dem Kalkaneokuboidgelenk, am vorderen unteren Anteil des äußeren Knöchels, in einem Grübchen
Punktur
3 Fen senkrecht bis 1 Cun schräg
Indikation
Lokoregional: Schmerzen und Schwellung im Bereich des Sprunggelenks mit Ma 41
Überregional: Beklemmungsgefühl in der seitlichen Thoraxregion mit erschwerter Atmung; Cholezystopathien und -lithiasis, Koliken, Hepatopathien, Darmspasmen. Schmerzen in der Nierenregion, am Beckengürtel, Muskelkontrakturen und Krämpfe, die das Gehen behindern, Ischialgie; ödematöse Schwellungen des Gesichtes, Lymphadenitis axillaris
Allgemein: Allgemeine Müdigkeit und Schwäche, der Kranke kann sich nicht aufrecht halten.
Gb 41
Zulinqi$Gb 41 §Zulinqi&, „Wo die Tränen auftreffen“
Funktion
Kardinalpunkt (Schlüsselpunkt), über den das Gürtelgefäß (Daimai) eingeschaltet werden kann
„Meisterpunkt“ gegen rheumatische Beschwerden
Lokalisation
Dorsal, im Winkel zwischen den Metakarpalia IV und V, in einer Mulde (kleine Zehe nach außen ziehen)
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Überregional: Konjunktivitis, Augenflimmern, Schmerzen in der Mastoidgegend, die über den Schädel ausstrahlen, Hypakusis. Rippenschmerzen, Pleuralgien, Lymphknotenschwellungen axillar, Mastitis; übermäßiges Schwitzen, Dermatitiden der Axillarregion, Dysmenorrhö
Allgemein: Prostaglandin-E1-Wirkung, als Kardinalpunkt Wirkung bei allen Gelenkserkrankungen, bei rheumatischen Schüben, häufig zusammen mit 3E 5 in dessen Funktion als Kardinalpunkt und ebenfalls Meisterpunkt, Neuralgien
Tradition
Dieser Bach-Shu-Punkt ist dem Holz zugeordnet. Da der Gallen-Meridian insgesamt auch zum „Holz“ gehört, nennt man den Punkt Gb 41 auch „Holz im Holz“ oder in Anspielung auf seine Wirkung bei Rheuma „Wind im Wind“.
Gb 42
Diwuhui$Gb 42 §Diwuhui&, „Fünf irdische Reunionen“
Lokalisation
5 Fen unter Gb 41, zwischen dem 4. und 5. Metatarsale
Punktur
1–5 Fen senkrecht
Indikation
Überregional: Schmerzen in der Achselregion, Mastopathien; Tinnitus
Tradition
Moxibustion verboten
Gb 43
Xiaxi$Gb 43 §Xiaxi&, „Talenge“, „Am Rande der Rinne“
Funktion
Tonisierungspunkt
Lokalisation
An der Vereinigung der 4. und 5. Zehe, im Spatium interdigitale, näher dem Metatarsophalangealgelenk der 4. Zehe
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Überregional: Konjunktivitis, Tinnitus, Taubheit, Schwindel, Otitis externa. Zahn- und Kieferschmerzen, mit Ma 6, Di 4, Gb 41; Interkostalneuralgie, Mastitis; Schmerzen, die beim Drehen des Oberkörpers auftreten, ohne dass man sie genau lokalisieren kann
Allgemein: Da Gb 43 der Tonisierungspunkt ist, wird er in erster Linie bei Völlegefühl und zur Anregung der Funktion der Gallenblase mit bitterem Mundgeschmack und galligem Aufstoßen sowie bei atonischer Obstipation verwendet. Migränefernpunkt.
Tradition
Dieser Quell-Ying-Punkt ist dem Wasser zugeordnet.
Gb 44
Zuqiaoyin$Gb 44 §Zuqiaoyin&, „Höhlung, Durchlass zum Yin
Funktion
Anfangspunkt des TMM der Gallenblase
Lokalisation
1 Fen proximal und lateral vom äußeren Nagelfalzwinkel der 4. Zehe
Punktur
1–2 Fen senkrecht
Indikation
Überregional: Kopfschmerzen, Schmerzen in den äußeren Augenwinkeln, Angina, plötzliche Taubheit, Hörsturz, Krampfhusten, Atembeschwerden, Laryngopharyngitis; Schmerzen in der Herzgegend, Muskelkontrakturen, die das Heben der Arme erschweren; Mastitis
Tradition
Dieser Ursprung-Jing-Punkt (Ting-Punkt) ist dem Metall zugeordnet.

Der Funktionskreis Gallenblase aus traditioneller Sicht

Funktionskreis Gallenblase:traditionelle Sicht Abb. 5.160
Die Funktionskreise Gallenblase und Leber sind die funktionell-organischen Entsprechungen der Wandlungsphase Holz. Die Gallenblase bildet den Außen- oder Yang-Funktionskreis, die Leber den Innen- oder Yin-Funktionskreis.
Yang im Yin – die Bewegungen
Funktionskreis Gallenblase:die BewegungenDas Holz (Gallenblase-Leber) entspricht der energetischen Bewegung Yang im YinYang im Yin. Wir meinen damit die durch das kleine Yang (Shaoyang) induzierte Yin-Bewegung, die beginnende Bewegung im neuen Zyklus, das Wachsen, das Entstehen, den Frühling, die aufsteigende Sonne, den Osten, den Wind.
Der Yang-Gallenblasen- und Yin-Leber-Anteil des Holzes sind funktionell und organisch sehr eng miteinander verbunden. Auch die BewegungBewegung ist für Gallenblase (Dan) und Leber (Gan) die gleiche. Der Yin- und der Yang-Anteil beider Funktionskreise induzieren die gleiche Bewegung, nicht eine getrennte wie die von Magen und Milz. Diese Bewegung ist eine antreibende, in die richtige Richtung anstoßende, welche die systemimmanenten Bewegungen der anderen Funktionskreise beschleunigt, harmonisiert, überlagert, moduliert. Das Holz stärkt die anderen WandlungsphasenWandlungsphasen, fünf in vorgezeichneter Richtung und integriert ihre Bewegungen ins Gesamtsystem. Die Energetik des Holzes kann in alle Richtungen gehen; das Holz verstärkt z. B. die Aufwärtsbewegung der Milz und die Abwärtsbewegung von Magen, Lunge und Dickdarm.
Psychogramm
Funktionskreis Gallenblase:PsychogrammDas Holz harmonisiert und moduliert das freie Fließen von Qi und Xue. Wird die Bewegung des Holzes blockiert, z. B. durch länger dauernden Ärger oder Frustration, spricht man von Leber-Qi- und Leber-Blut(Xue)-Stagnation. Dies wiederum kann zum sogenannten Leber-Feuer führen.
Ist der Bewegungsimpuls des Holzes exzessiv, spricht man vom „queren Angriff“ z. B. auf Milz und Magen.
Beispiele: Aufsteigendes Gallenblasen-Yang dringt in den Oberen Erwärmer ein und verursacht dort eine Yang-Fülle. Der Patient beklagt sich nicht über Galle- oder Leberbeschwerden, sondern über Kopfschmerzen.
Epigastrische Schmerzen können verursacht sein durch Angriff des Gallenblasen-Qi auf den Magen (im Volksmund heißt es: „spuckt Gift und Galle“ oder „da läuft mir die Galle über“). Das Gallenblasen- und Leber-Qi staut sich durch Ärger, Zorn oder Frustration und springt als Feuer auf den Magen über. Das Holz-Qi zwingt dem Magen seine eigene pathologische Energetik auf, also Yang. Magenbrennen und Nausea sind die Folgen.

Leber-Meridian (Ganjing)

Leber-Meridian

Leber-MeridianGanjing Abb. 5.161
Charakteristik
  • Bezeichnungen: Zujueyin, Fuß-Jueyin, Gebeugtes Yin des Fußes, The leg absolute Yin Meridian

  • Abkürzungen: Le (Leber), F (foie), Liv (liver)

  • Meridian eines Vollorgans (Speicherorgans, Zang), daher Yin; nach internationaler Nomenklatur: der XII. Meridian im Energiekreislauf

  • Energieverlauf zentripetal, vom Gallenblasen-Meridian zum Lungen-Meridian

  • Chronobiologie: Optimalzeit zur Tonisierung 1–3 Uhr

  • Shu-Zustimmungspunkt: Bl 18, 1,5 Cun seitlich der Dornfortsatzspitze des 9. BW

  • Mu-Alarmpunkt: Le 14, auf der Mamillarlinie im 6. ICR

  • Der äußere Verlauf ist durch 14 Punkte gekennzeichnet.

Verlauf
Leber-Meridian:VerlaufDer Meridian beginnt an der dorsalen Seite der großen Zehe am inneren Nagelwinkel, zieht über den Fußrücken, 1 Cun vor dem inneren Knöchel auf die Innenseite des Unterschenkels und passiert dort bei MP 6 die Kreuzungszone der Yin-Meridiane des Fußes. Von hier zieht er weiter nach aufwärts zum medialen Ende der Kniegelenksfalte.
Nun geht sein weiterer Verlauf über die Innenseite des Oberschenkels zur Leistenbeuge. Seine Bahn umfließt die Genitalien. Von dieser Zone zieht er nun aufwärts bis zu den Punkten Le 13 (am freien Ende der 11. Rippe) und Le 14, seinem Mu-Alarmpunkt und Endpunkt seines äußeren Verlaufs, der auf der Mamillarlinie im 6. ICR lokalisiert ist.
Innerer Verlauf
Leber-Meridian:innerer VerlaufVom Punkt Le 12 aus umkreist der innere Verlauf das äußere Genitale, trifft sich mit den Punkten MP 12 und MP 13, kreuzt das KG bei den Punkten KG 2, KG 3, KG 4 und verläuft mit einem inneren Ast zum Magen. Er dringt in die Leber, sendet einen Ast zur Gallenblase, tritt durch das Zwerchfell, teilt sich in der Rippenregion und verläuft über das Hypochondrium zum Pharynx, Larynx und zum Nasopharynx bis zum seitlichen Auge und zieht dann über die Stirn zum Punkt LG 20. Vom inneren Verlauf in Höhe der Leber zweigt ein Ast zur Lunge ab. Ein Ast geht vom seitlichen Auge nach kaudal ab, zieht zum Mundwinkel und umkreist die Innenseite der Lippen.
Innere Meridianverlaufsrichtung: unterschiedlich wegen der verschiedenen Äste

BESONDERE PUNKTE

Leber-Meridian (Ganjing)

Leber-Meridian:besondere PunkteTonisierungspunkt Le 8
Sedativpunkt Le 2
Yuan-Quellpunkt Le 3
Luo-Durchgangspunkt Le 5 zu Gb 40
Shu-Zustimmungspunkt Bl 18
Mu-Alarmpunkt Le 14
Besonderheiten
Die Rolle der Leber im Gesamtorganismus wurde mit der Fähigkeit, die Qualität einer Persönlichkeit aktiv zu projizieren, verglichen. Ihre Speicherfunktion für die aufbauende individualspezifische Energieform Blut (Xue) wird damit dargetan. Ebenso ihr Regulationsmechanismus, der einem bestimmten Biorhythmus unterliegt.
Diese Energie ist entscheidend für die physische Kraft, auch für die Impotentia coeundi und pathologische Ermüdungserscheinungen.
Die energetische Funktion der Leber ist daher für die Leistung des Muskel- und Sehnenapparates ebenso wie für jene der Retina verantwortlich. Von den Emotionen wurde ihr die stille Wut (Yin), der verhaltene Ärger zugeschrieben. „Es ist ihm etwas über die Leber gelaufen.“
In der Lehre der Entsprechungen wird der Organkreis Leber-Galle der Wandlungsphase Holz und damit auch dem Wind und dem Frühling zugeordnet.
Der Leber-Meridian kann am besten mit der Bezeichnung „Assimilationsmeridian“ charakterisiert werden.

Tendinomuskulärer Leber-Meridian

Leber-Meridian:tendinomuskulärer Abb. 5.162
Der Verlauf des TMM beginnt am großen Zeh mit dem Punkt Le 1, führt am Bein aufwärts zum Oberschenkel und endet oberhalb des Genitalbereichs.

Verlauf am Ohr

Leber-Meridian:Verlauf am Ohr Abb. 5.163
Der Leber-Meridian folgt auf der Ohrmuschel einer leicht gekrümmten Linie von der Innenseite des Helixrandes oberhalb des Darwin-Punktes über Anthelix und Cavum conchae bis kurz unterhalb der Incisura intertragica.
Der Anfangspunkt Le 1 liegt in der Helixfalte etwas oberhalb des Darwin-Punktes und entspricht dem Vitamin-B12-Punkt. Er wird unter anderem bei Beschwerden im Bereich der Genitalien und des Anus sowie bei Bauchschmerzen und Blähungen eingesetzt. Auch in der Schulmedizin werden Vitamin-B12-haltige Mittel bei Lebererkrankungen gegeben. Der Sedativ- und Spasmolyse-Punkt Le 2 ist in der Höhe der BWS gelegen (es führt ein innerer Ast des Leber-Meridians zur Wirbelsäule). Der Yuan-Quellpunkt Le 3 steht in Verbindung zum Luo-Durchgangspunkt des Yang-Partners Gb 37. Dieser Punkt Le 3 liegt im Bereich der sympathischen Ganglienkette in Höhe des 5./6. Brustwirbels und ist schon lange als nervaler Leber- oder Ärgerpunkt bekannt. Die Punkte Le 4–7 liegen in etwa auf einer Linie im Cavum conchae zu Le 8 hin.
Der Luo-Durchgangspunkt zum Gallenblasen-Meridian, der Punkt Le 5, liegt nahe dem Bereich der Gallenblase am Ohr. Der Tonisierungspunkt Le 8 entspricht exakt dem parenchymatösen Leberpunkt und ist wegen der Größe dieses Organs auch an der Ohrmuschel ein großer Punkt, der häufig mit 2 Nadeln therapiert werden muss. Er wird oft bei der Untersuchung gefunden und zeigt uns die Leberbelastung des heutigen Menschen.
Die Punkte Le 9–12 ziehen in einer Linie zur Hypophyse, dem Resonanzpunkt von Le 13. Dieser entspricht dem ACTH-Punkt, dem allgemeinen Antistress-Punkt nach Selye.
Der Mu-Alarmpunkt und Endpunkt des Leber-Meridians, der Punkt Le 14, liegt kurz unterhalb der Incisura intertragica. Wir verwenden diesen Punkt in Sedationsnadeltechnik zur Beruhigung einer Aggression. Daher ist dies auch ein wichtiger Punkt bei Suchtkrankheiten.

Die Punkte im Einzelnen

Le 1
Dadun$Le 1 §Dadun&, „Großer Hügel“
Funktion
Anfangspunkt des TMM der Leber
Lokalisation
2 mm proximal und lateral vom der 2. Zehe nahen Nagelfalzwinkel der Großzehe
Punktur
1–3 Fen senkrecht
Indikation
Überregional: Hernienbeschwerden aller Art, besonders Skrotalhernien und Schenkelhernien, Deszensusbeschwerden, Schmerzen in der Genitalregion bei beiden Geschlechtern; kolikartige Bauchschmerzen, Blähungen, Obstipation mit Gb 34, Menorrhagie, Harninkontinenz, abnormes Schlafbedürfnis
Anmerkung
Le 1 ist besonders bei Unterbauchbeschwerden hilfreich.
Tradition
Dieser Ursprung-Jing-Punkt (Ting-Punkt) ist dem Holz zugeordnet.
Le 2
Xingjian$Le 2 §Xingjian&, „Wirksamer Intervall“
Funktion
Sedativpunkt des Le-Meridians
Spasmolyse-Punkt
Lokalisation
In der interdigitalen Hautfalte zwischen der 1. und 2. Zehe, am lateralen Ende des Großzehengrundgelenks
Punktur
3–5 Fen schräg aufwärts
Indikation
Lokoregional: Kontrakturen und Muskelspasmen, Entzündungen und Schmerzen des Fußrückens, laterale Ischialgie
Überregional: Lichtscheu mit Tränenfluss, alle Augenaffektionen. Krampfhusten mit Brustschmerzen; abnormes Durstgefühl, Diabetes mellitus, alle Hepatopathien, abwechselnd Diarrhö und Obstipation, Darmspasmen, Aufstoßen, Brechreiz. Roemheld-Syndrom, Myokardose durch gestörte Leberfunktion; Menorrhagie, Harninkontinenz, Tenesmen, Sphinkterspasmen, Penisschmerzen, Beschwerden durch Hernien
Allgemein: starke spasmolytische Wirkung; Reizbarkeit, cholerisch, zornig, verträgt keinen Widerspruch, Kopfschmerzen, Ohnmacht, Konvulsionen, abnorme Esslust, stoffwechselbedingte abnorme Müdigkeit
Tradition
Dieser Quell-Ying-Punkt ist dem Feuer zugeordnet.
Le 3
Taichong$Le 3 §Taichong&, „Der große Treffpunkt“
Funktion
Yuan-Quellpunkt, steht in Verbindung zum Luo-Durchgangspunkt seines gekoppelten Yang-Partners, zum Punkt Gb 37
Lokalisation
In einer Vertiefung, im Winkel zwischen dem 1. und 2. Metatarsale (Bifurkation der A. dorsalis pedis – A. metatarsea perforans)
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Siehe Le 2, zusätzlich Herzschmerzen, Hypertonie, spastische Obstipation, Hämorrhoiden, Mastitis, Menorrhagie, besonders bei Jugendlichen
Allgemein: Spasmolyse, allein oder unterstützend zu Le 2
Anmerkung
Wegen seiner anatomisch ähnlichen Lokalisation wird er auch „Di 4 des Fußes“ genannt.
Tradition
Dieser Bach-Shu-Punkt ist gleichzeitig Yuan-Quellpunkt und der Erde zugeordnet.
Le 4
Zhongfeng$Le 4 §Zhongfeng&, „Verschluss, Versiegelung der Mitte“
Lokalisation
1 Cun vor dem inneren Knöchel in einer Vertiefung zwischen den Mm. extensor hallucis longus und tibialis anterior
Punktur
3–5 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: Muskelkontrakturen und Durchblutungsstörungen im Unterschenkel, die das Gehen behindern, kalte Füße
Überregional: Unwohlsein nach dem Essen, Schmerzen und Blähungen, Appetitlosigkeit, Subikterus. Penisschmerzen, Dysurie, Harnverhaltung, Pollutionen, Hernien
Tradition
Dieser Fluss-Jing-Punkt ist dem Metall zugeordnet.
Le 5
Ligou$Le 5 §Ligou&, „Rinnenende“
Funktion
Luo-Durchgangspunkt mit Verbindung über das transversale Luo-Gefäß zu seinem gekoppelten Yang-Partner, dem Gallenblasen-Meridian, und zwar zu dessen Yuan-Quellpunkt Gb 40
Lokalisation
5 Cun oberhalb der Spitze, des inneren Knöchels, an der Innenkante der Tibia
Punktur
3 Fen senkrecht bis 1 Cun schräg
Indikation
Lokoregional: Schmerzen beim Beugen des Unterschenkels
Überregional: Kontrakturen der Rückenmuskulatur, Singultus, Hepatopathien mit zeitweilig hellem Stuhl und Pruritus, Kolitis, Darmspasmen, Cholangiopathien, Flatulenz, Beschwerden durch Hernien. Schmerzen im Unterbauch, Dysurie, Oligomenorrhö, unregelmäßige Menstruation, alle Formen des Fluors; generalisiertes Hautjucken
Allgemein: traurige Verstimmung, Angstgefühl, Globusgefühl, Schwindel
Le 6
Zhongdu$Le 6 §Zhongdu&, „Zentrale Hauptstadt“
Lokalisation
7 Cun oberhalb der Spitze des inneren Knöchels, knapp hinter dem inneren Tibiarand
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht oder schräg
Indikation
Lokoregional: Knie- und Knöchelschmerzen
Überregional: Menorrhagie, Blutungen post partum, unstillbare Diarrhö, Koliken besonders im Unterbauch, Hernienbeschwerden
Le 7
Xiguan$Le 7 §Xiguan&, „Grenze des Knies“
Lokalisation
3 Cun unter dem medialen Kniegelenksspalt, unter und hinter dem medialen Gelenkkopf der Tibia (1 Cun posterior von MP 9)
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen an der Innenseite des Kniegelenks, vorwiegend rheumatischer Genese, die das Gehen behindern
Le 8
Ququan$Le 8 §Ququan&, „Quelle an der Biegung“
Funktion
Tonisierungspunkt des Le-Meridians
Meer-He-Punkt
Lokalisation
Bei im 90-Grad-Winkel gebeugtem Knie, am medialen Ende der Kniegelenksfalte, neben dem Innenrand der Tuberositas tibiae, vor der Sehne des M. semimembranosus
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen an der Innenseite der Oberschenkel, im Kniegelenk mit Muskelkontrakturen, die die Bewegung erschweren
Überregional: Leberinsuffizienz mit Augmentatio hepatis, hellem Stuhl und Pruritus, Cholangiopathien, Ulkuskrankheit, abwechselnd Diarrhö und Obstipation, auch mit Schleim- und Blutbeimengung, Darmspasmen. Dysurie, sexuelle Schwächezustände, Pollutionen, Ejaculatio praecox, Penisschmerzen, Oligospermie; Bindegewebsschwäche im kleinen Becken, Dysmenorrhö, Vaginalschmerz, Pruritis vulvae; Nachtblindheit, allgemeine Sehschwäche
Allgemein: Der Punkt wird wegen seiner psychisch und somatisch kräftigenden Wirkung auf den Organismus häufig verwendet, z. B. bei Unruhe, Reizbarkeit, Depressionen, Globusgefühl, allgemeiner Müdigkeit, Schwindel.
Tradition
Dieser Meer-He-Punkt ist dem Wasser zugeordnet.
Le 9
Yinbao$Le 9 §Yinbao&, „Hülle des Yin
Lokalisation
5 Cun oberhalb der inneren Kniegelenksfalte, in der Mulde, die an der Innenseite des Oberschenkels durch den M. vastus medius und den M. sartorius gebildet wird
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen an der Innenseite des Oberschenkels
Überregional: LWS- und Steißbeinschmerzen, Lumbago, Dysurie, Harninkontinenz, unregelmäßige Menstruation
Le 10
Zuwuli$Le 10 §Zuwuli&, „Fünf Gegenden“
Lokalisation
1 Cun unter der Leistenbeuge, über der A. femoralis
Punktur
5 Fen bis 3 Cun senkrecht (cave Arterie!)
Indikation
Lokoregional: genitaler Pruritus, Skrotalekzem
Überregional: Meteorismus, Harnverhaltung nach sexueller Übererregung
Allgemein: übermäßiges Schlafbedürfnis
Le 11
Yinlian$Le 11 §Yinlian&,Yin-Einengung“
Lokalisation
1 Cun unterhalb der Inguinalfalte, über der A. femoralis, die man dort pulsieren fühlen kann (unterhalb der inguinalen Lymphknoten)
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht (cave Arterie!)
Indikation
Lokoregional: Schmerzen an der Innenseite der Oberschenkel, Durchblutungsstörungen der Beine
Überregional: Fluor, Menstruationsirregularität
Tradition
Spezialpunkt gegen die Sterilität der Frau; Moxibustion empfohlen.
Le 12
Jimai$Le 12 §Jimai&, „Rascher Fluss“
Lokalisation
2,5 Cun lateral der Mitte der Schambeinfuge, praktisch identisch mit der Lokalisation des Leistenkanals
Punktur
5 Fen bis 1 Cun senkrecht (cave Arterie!)
Indikation
Lokoregional: Schmerzen in der Leistengegend und im anliegenden Teil des Oberschenkels, Penisschmerzen, Deszensus und Prolapsbeschwerden
Anmerkung
Le 12 wird in der alten Literatur nicht erwähnt. In der modernen chinesischen Literatur wird nur die Moxibustion des Punktes mit der „Moxazigarre“ für 3–5 Minuten empfohlen.
Le 13
Zhangmen$Le 13 §Zhangmen&, „Pforte des Obdaches“
Funktion
Mu-Alarmpunkt des MP-Meridians
Reunionspunkt mit dem Gb-Meridian
Stoffwechselpunkt
Lokalisation
Unter dem freien Ende der 11. Rippe, an deren Schnittpunkt mit der Medioaxillarlinie (beim stehenden Patienten zeigt die Ellbogenspitze bei gebeugtem angelegtem Arm auf den Punkt)
Punktur
3 Fen bis 1 Cun senkrecht oder schräg
Indikation
Lokoregional: Interkostalneuralgie, basale Pleuralgien
Überregional: alle Störungen des Verdauungstrakts, bitterer Mundgeschmack, saures und galliges Erbrechen, Anorexie, Hepathopathien, Cholezysto- und Cholangiopathien, Gastroduodenitis, Ulkuskrankheit, Enteritis, Kolitis (besonders Colitis spastica), Anämie, Diabetes mellitus, auch exkretorische Pankreasinsuffizienz, Meteorismus
Allgemein: allgemeine Müdigkeit, besonders in der Rekonvaleszenz, Energiemangel
Tradition
Ein Konzentrationspunkt für die Energie der 5 Vollorgane (Lu, MP, He, Ni, Le) und der Reserveenergie
Le 14
Qimen$Le 14 §Qimen&, „Tor der Zeit, Epoche“
Funktion
Mu-Alarmpunkt des Le-Meridians
Reunionspunkt mit dem MP-Meridian und dem Haltegefäß des Yin (Yinweimai)
Lokalisation
Auf der Mamillarlinie, wo diese den 6. ICR schneidet, 4 Cun lateral der Medianlinie (KG)
Punktur
3 Fen bis 1 Cun schräg
Indikation
Lokoregional: Interkostalneuralgie, basale Pleuralgien
Überregional: Beklemmungsgefühl und starke Atemnot, Stauungszeichen, der Kranke kann nicht flach liegend schlafen. Leber-, Magen- und Darmstörungen mit Meteorismus, Kopfschmerzen und Müdigkeit nach dem Essen, Diarrhö, unerträgliche Schmerzen im Epigastrium, Erbrechen
Psyche: Aggressivität
Allgemein: Seekrankheit, Schwangerschaftserbrechen
Tradition
Wichtiger Punkt bei schwierigen Geburten sowie für alle Affektionen post partum.

Der Funktionskreis Leber aus traditioneller Sicht

Funktionskreis Leber:traditionelle Sicht Abb. 5.170
Die traditionelle Symbolik: Befehlshaber und Richter
Funktionskreis Leber:traditionelle SymbolikIm Su Wen (Kap. 8) heißt es: „Die Leber ist der Sitz des Befehlshabers, die erarbeiteten Pläne kommen aus ihr hervor. Die ‚obere Vereinigung des Qi‘ (Punkt KG 17) ist der Sitz der Botschaft des Ministers; die Freude kommt daraus hervor.“ (Van Nghi 1973).
Die Leber lässt mithilfe ihres Yang-Anteils die Bewegungen aus dem Inneren entstehen. Sie erarbeitet verschiedene Pläne, verschiedene Aktionsmöglichkeiten wie ein Generalstab.
Blut(Xue)-Leere
Funktionskreis Leber:Blut(Xue)-LeereErhält die Leber zu wenig Blut, gerät sie in Yin-LeereYin-Leere. Es resultiert eine Pseudo-Yang-FüllePseudo-Yang-Fülle. Durch das fehlende Yin wird das Yang nicht mehr gekühlt. Es nimmt einen pathologischen Charakter an und wird nun Leber-Feuer genannt. Aus diesem Leere-Feuer entsteht auch Leere-Wind (auch Leber-Wind genannt). Die Yin-Leere verursacht dem Patienten wenig Symptome. Er registriert vielmehr die Yang-Fülle und geht deswegen zum Arzt. Folgende Symptome können dabei u. a. auftreten:
  • SchwindelSchwindel

  • SchlaflosigkeitSchlaflosigkeit

  • Trockene Augen, Mund, Lunge (AsthmaAsthma)

  • Trockene, spröde Nägel

  • KrampfneigungKrampfneigung, Muskelspasmen

Zu einer Leere an Blut(Xue) führen:
  • ungenügende Xue-Bildung durch schlechte und ungenügende Ernährung;

  • Xue-Verlust, vor allem durch Menstruation und Geburten;

  • ungenügende Xue-Bildung wegen Schwäche der Nieren, vor allem im Alter.

Beispiel: Geburten oder Metrorrhagien führen zu einer Leere an Xue. Das beeinflusst die Funktion der Leber, denn sie ist der Blutspeicher. Die Leber hat dann zu wenig Yin und die Flüssigkeitsbewegung vom Unteren zum Oberen Erwärmer wird unterbrochen. Die Lunge trocknet aus. Nächtliche Asthmaattacken sind die Folge, zusammen mit trockener Kehle, trockenen Augen und roter Zunge (Hitzesymptome wegen Flüssigkeitsmangel). Der Patient wird sich kaum über den Blutverlust beklagen, sondern über den Husten. Die symptomatische Hustenbehandlung der Schulmedizin bleibt daher erfolglos. Die kausal eingesetzte chinesische Arzneimittel- und Akupunkturtherapie ist hingegen über die Stärkung der Leber, die Behandlung von Blut (Xue) und der „Mitte“ erstaunlich wirksam.
Genitalzyklus1

1

Wir danken Prof. S. Suwanda für seine interessanten Anregungen zum Thema „Genitalzyklus“ (verschiedene Vorträge in Davos).

Menstruationszyklus
GenitalzyklusFunktionskreis Leber:MenstruationszyklusFunktionskreis Leber:GenitalzyklusDer MenstruationszyklusMenstruationszyklus ist abhängig von einem genügend vorhandenen und einem gut bewegten Blut. Das Leber-Qi hilft dem Blut, sich in die richtige Richtung zu bewegen. Der Menstruationszyklus ist ferner abhängig vom Konzeptionsgefäß und vom Gefäß der breiten Bahn (Chongmai). Nach Suwanda (2002) ist die Östrogenphase eine Yin-betonte Phase, die Progesteron-Phase eine Yang-betonte Phase.
Östrogenphase
Yang im YinYang im Yin: Nach der Menstruationsblutung sind Xue und Yin erschöpft, die Uterusschleimhaut fehlt. Sie wird wieder aufgebaut mit Xue und Yin, die aus der Verdauung („Mitte“) und den Reserven (Leberspeicher, Funktionskreis Niere) kommen.
Ovulation
Yang im YangYang im Yang: leichte Erhöhung der Körpertemperatur. Die Eizelle wird mit aller Kraft aus dem Graaf-Follikel ausgestoßen.
Progesteron-Phase
Yin im YangYin im Yang: Wenn die Yang-Bewegung der Ovulation durch die Befruchtung nicht gebunden wird, wird sie durch das in der Östrogenphase aufgebaute Yin gekühlt. Das Yang fließt durch diese Kühlung nach unten (Yin im Yang entspricht dem Herbst), es beginnt damit die Struierung, die Verdichtung, die Schleimhautdegeneration.
Menstruationsblutung
Yin im YinYin im Yin: Das absteigende Yang ist vollständig struiert und zu Yin geworden. Es wird als Flüssigkeit und Blut (Xue) zusammen mit der Schleimhaut ausgeschwemmt.
Erektion
Funktionskreis Leber:ErektionDie ErektionErektion folgt, mutatis mutandis, dem gleichen Yin-Yang-Ablauf: Verschiedene geschlechtsorientierte Impulse (Yang) (optische, taktile und Fantasien) führen zu einem Einströmen von Blut (Xue) (Yang im Yin) in den Penis. Die Ejakulation bewegt das Sperma maximal (Yang im Yang). In der folgenden Phase (Yin im Yang) wird das Yang abgebaut und das Blut nach innen gebracht (Yin im Yin), wo es im Funktionskreis Leber gespeichert wird.
Therapie
Yin und YangYin und Yang, Blut (Xue)Blut (Xue) und Qi sind die Grundlagen für das Verständnis der Symptome und damit der Pathologie. Die Therapie soll phasengerecht durchgeführt werden.
Geschmack
Funktionskreis Leber:GeschmackDer Geschmack des Holzes ist das Saure. Das Saure wirkt zusammenziehend, adstringierend, aber auch aufrauend, d. h. öffnend. Waschen die Hausfrauen in der Küche mit Essig, wird ihre Haut aufgeraut, aufgedunsen, weiß, weich und öffnet sich.
Diese Hinweise sind wichtig für die Diät und für die Arzneimitteltherapie: Ein saurer Geschmack wird beigegeben, wenn eine Stagnation oder Blockierung „aufgeraut“, geöffnet werden soll. In der Akupunkturtherapie werden dafür die WindpunkteWindpunkte empfohlen.
Das Holz produziert das Feuer, das Saure produziert das Bittere (die Galle).
Entsprechung im Gewebe
Funktionskreis Leber:Entsprechung im GewebeMuskelnMuskeln und SehnenSehnen entsprechen dem Holz. Dieses ist damit zuständig für WachstumWachstum, BeweglichkeitBeweglichkeit, Kraft. Ist genügend Blut (Xue) vorhanden, sind Kraft und Ausdauer gut. Fehlt das Blut, werden die Muskeln schwach.
Der Wind als pathologischer Faktor für das Leber-QiLeber-Qi bewirkt neben anderen Symptomen Krämpfe in der quergestreiften und glatten Muskulatur.
Die Nägel werden als die äußerste Fortsetzung der Sehnen verstanden.
Sinnesorgan
Funktionskreis Leber:SinnesorganSinnesorgan und gleichzeitig Körperöffnung des Funktionskreises Leber ist das Auge. Der Leber-Meridian fließt mit einem inneren Ast durch das Auge und zum Punkt LG 20.
AugenerkrankungenAugenerkrankung gehen oft mit Störungen im Funktionskreis Leber einher. Bei Kopfschmerzen retrobulbär, in der Schläfe und Stirn ist in der Regel der Gallenblasen-Meridian betroffen (äußere Kopfschmerzen), eventuell unter Beteiligung von Leber und Magen (Kopfschmerzen aus innerem Grund, emotional, Verdauung).
Farbe
Funktionskreis Leber:FarbeDie Farbe des Holzes ist grün; sie steht für Frühling, Wachstum, Bewegung.
Psychogramm
Funktionskreis Leber:PsychogrammEin harmonisch fließendes Leber-Qi erlaubt dem Individuum Kreativität und das Schmieden neuer Pläne. Alle Sinneseindrücke und Emotionen werden durch das Shen (Geist), das seinen Sitz im Funktionskreis Herz hat, bewusst. Eine gute Durchblutung ist also – materiell gesagt – die Voraussetzung auch für Empfindungen und Psyche.
Schwäche
Bei einem schwachen Leber-Qi fehlen die Einfälle, die Aktivität, stattdessen herrschen Inaktivität und Kritiklosigkeit vor. Dagegen bedeutet ein schwaches Gallenblasen-Qi Kritiklosigkeit und Zögern in den Entscheidungen, häufig vergesellschaftet mit Furcht und Adynamie. Diese sind durch ein schwaches Nieren-Yin („Mutter“) bedingt.
Fülle
ÄrgerÄrger (Le 3) und AggressivitätAggressivität (Le 14): Starke und negativ empfundene Emotionen – besonders Ärger – führen zu einer Qi-Stagnation, dadurch entwickelt sich pathologisches FeuerFeuer:pathologisches. Es kommt zu Zornesausbrüchen, d. h. zu unkontrollierter, rascher und kritikloser „Kreativität“. Diese Zornesausbrüche sind vergesellschaftet mit nach oben steigendem Leber-Yang (Leber-Feuer, innerer Leber-Wind), das heißt Bewegungsdrang, Herzklopfen, Dyspnoe, rotem Kopf usw.
Die spirituelle Seele (Hun)
spirituelle Seele (Hun)Funktionskreis Leber:spirituelle Seele (Hun)Die Tradition weist der Leber und der Lunge eine besondere geistige Kraft zu. Die geistige Kraft, die durch die Leber (Yang im Yin) wirkt, heißt Hun, was mit „spiritueller Seele“ übersetzt wird. Die geistige Kraft, die durch die Lunge (Yin im Yang) wirkt, heißt Po, was mit „animaler Seele“ übersetzt wird. Hun ist die aktive und intuitive Seele, das BewusstseinBewusstsein. Intuitiv deshalb, weil Hun mit dem Shen, der Geistesenergie des Herzens, „kommt und geht“. Po ist die Wirkungskraft, die die Materie durchdringt, also Gestalt und Körper prägt und durchgeistigt.
Abb. 5.171

Lenkergefäß und KonzeptionsgefäSS

Die nachfolgenden außerordentlichen Gefäße Lenkergefäß (Dumai) und Konzeptionsgefäß (Renmai) haben eigene Akupunkturpunkte und werden in der Literatur üblicherweise im Anschluss an die zwölf Hauptmeridiane abgehandelt.

Im Rahmen der außerordentlichen Gefäße erfolgt nochmals die Besprechung dieser beiden Gefäße im Zusammenhang ihrer traditionellen Anwendung.

Lenkergefäß (Dumai)

Das Lenkergefäß = Gouverneurgefäß

LenkergefäßGouverneurgefäßDumai Abb. 5.172, Abb. 5.173, Abb. 5.174
Charakteristik
  • Bezeichnung: Dumai, „Gefäß des Herrschers, des Herrschens“

  • Abkürzungen: LG (Lenkergefäß), GG (Gouverneurgefäß), VG (Vaisseau Gouverneur), GV (Governing Vessel)

  • Nach internationaler Nomenklatur: der XIII. Meridian im Energiekreislauf

  • Energieverlauf aufsteigend: unpaare Leitbahn

  • Optimalzeit zur Tonisierung: keine

  • Shu-Zustimmungspunkt: Bl 16 = Tuolu

  • Mu-Alarmpunkt: keiner

  • Der äußere Verlauf ist durch 28 Punkte gekennzeichnet.

Verlauf
Lenkergefäß:VerlaufDas LG (Dumai) beginnt am Perineum, zwischen Steißbeinspitze und After und zieht nun entlang der dorsalen Medianlinie über die Processus spinosi aufwärts über den Nacken, über die Mittellinie des Kopfes, über das Gesicht und endet am Lippenbändchen der Oberlippe (Reunionszone mit dem Konzeptionsgefäß und dem Magen-Meridian).

BESONDERE PUNKTE

Lenkergefäß (Dumai)

Lenkergefäß:besondere PunkteAls Kardinalpunkt für das Lenkergefäß (Dumai) gilt: Dü 3
Dieser Meridian zählt zu den acht unpaarigen Leitbahnen (Chi-ching Pa-Mo) und wird gleichzeitig als eines der acht außerordentlichen Gefäße bezeichnet. Ihm wird nach der Tradition die Leitung einer bestimmten Qi-Form, der ancestralen Energie = Ur-Qi, zugesprochen.
Darunter hat man das von Vorfahren ererbte, bei jedem Individuum verschieden große Maß dieses Qi zu verstehen. Diese Qi-Menge ist unveränderlich und wirkt wie ein Katalysator, sie erschöpft sich jedoch bei schweren, lang andauernden Erkrankungen.
Diese Art des Qi unterliegt keinen Tagesschwankungen, daher gibt es auch keine Maximalzeit des Meridians. Als Kardinalpunkt für das Lenkergefäß gilt der Punkt Dü 3, sein Shu-Zustimmungspunkt ist der Punkt Bl 16. Für das Lenkergefäß gibt es keinen Mu-Alarmpunkt.
Da das Lenkergefäß über den Rücken, also im Yang-Bereich verläuft, steht es mit allen Yang-Meridianen in Verbindung und kann als Regulator und Erreger allen aktiven Qi (Yangqi) des Körpers wirken. Besonders bekannt sind die Verbindungen, die von LG 20 (Punkt der 100 Reunionen mit dem Beinamen „Meisterpunkt des Geistes“) und vom LG 14 (Beinamen „Spinne“) ausgehen.

Verlauf am Ohr

Lenkergefäß:Verlauf am Ohr Abb. 5.175
Der Meridian beginnt mit seinem Punkt LG 1 (Reunionspunkt mit dem Konzeptionsgefäß sowie mit dem Nieren- und Gallenblasen-Meridian) retroaurikulär im oberen Ohrdrittel an der Anwachsungszone zwischen Ohrmuschel und Kopfhaut. Der Verlauf führt entlang dieser Grenzlinie in Richtung auf das Ohrläppchen. Der Endpunkt LG 28 liegt in einer Verlängerung der Anwachsungszone des Ohrläppchens, etwa 2 cm unter dem Ohr.

Die Punkte im Einzelnen

LG 1
Changqiang$LG 1 §Changqiang&, „Zuwachs der Kraft, Frische“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Konzeptionsgefäß sowie mit dem Ni- und Gb-Meridian
Lokalisation
Auf der Medianlinie, in der Mitte zwischen Steißbeinspitze und Anus
Punktur
5 Fen–1 Cun schräg, etwas aufwärts
Indikation
Lokoregional: Analprolaps, Proktitis, alle Arten der Hämorrhoiden, Analekzem, Pruritus ani, Vaginismus, Dysurie, Urethritis, Impotenz
Überregional: Kreuzschmerzen, spastische Obstipation
Allgemein: Sexualpunkt
Anmerkung
Der Punkt wird wegen seiner Lokalisation selten verwendet.
LG 2
Yaoshu$LG 2 §Yaoshu&Shu-Zustimmungspunkt für die Lumbalregion“
Lokalisation
Unter dem 4. Sakralwirbel, über dem Gelenkspalt, zwischen Steißbein und Kreuzbein
Punktur
2 Fen–1 Cun schräg, leicht aufwärts
Indikation
Lokoregional: Ischias, Lumbalgien, vor allem chronische, Hämorrhoiden, Analprolaps, Analekzem
Überregional: Menstruationsirregularität, Paresen der unteren Extremitäten
LG 3
Yaoyangguan$LG 3 §Yaoyangguan& „Grenze, Barriere des Yang
Lokalisation
Unter der Dornfortsatzspitze des 4. LW
Punktur
3 Fen–1 Cun schräg nach aufwärts
Indikation
Lokoregional: Neuralgien und Schmerzen nach Traumen in der Rücken- und Lendengegend
Überregional: Lähmungen und Kontrakturen der unteren Extremitäten. Menstruationsirregularität, Impotenz, nächtliche Pollutionen; Enteritis, Diarrhö
Allgemein: nervöse Störungen nach Traumen, Schock
Anmerkung
Spezialpunkt gegen Folgezustände nach Commotio cerebri
LG 4
Mingmen$LG 4 §Mingmen&, „Tor des Glanzes, des Lebens“
Lokalisation
Unter der Dornfortsatzspitze des 2. LW
Punktur
3 Fen–1 Cun schräg aufwärts
Indikation
Lokoregional: Lumbago, regionale Radikulitis
Überregional: Impotenz, Frigidität, alle sexuellen Mangelzustände, auch als Folge von Müdigkeit, Erschöpfung, Anämien, Enuresis, Pollutionen, Endo- und Parametritis, Fluor, Pollakisurie, Urethritis. Bauchschmerzen mit Durchfällen, Hämorrhoiden. Alle Konvulsionen bei Kindern, auch epileptiforme Anfälle, allgemeine Erschöpfung, hämmernde Kopfschmerzen, Tinnitus
Allgemein: Der wichtigste Sexualpunkt in der Akupunktur. Vermutlich wirksam durch direkte segmentale Einwirkung auf die Nebennierenrinde (LG 4 liegt in derselben Höhe wie Bl 23 und Bl 47, siehe dort).
LG 5
Xuanshu$LG 5 §Xuanshu&, „Hängender Angelpunkt, Drehpunkt“
Lokalisation
Unter dem Dornfortsatz des 1. LW (Patienten den Rücken krümmen lassen)
Punktur
3 Fen–1 Cun schräg aufwärts
Indikation
Lokoregional: Lenden- und Rückenschmerzen
Überregional: in die Hüften und Oberschenkel ausstrahlende Schmerzen, auch Sensibilitätsstörungen, Dyspepsie, Enteritis, Durchfälle
LG 6
Jizhong$LG 6 §Jizhong&, „Zentraler Wirbel des Rückens“
Lokalisation
Unter dem Dornfortsatz des 11. BW (in Höhe von Bl 20)
Punktur
3 Fen–1 Cun schräg aufwärts
Indikation
Lokoregional: Schmerzen und rheumatische Beschwerden in diesem Bereich
Überregional: Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Durchfälle, Hämorrhoiden, Hilfspunkt bei Ikterus. Entwicklungsstörungen bei Kindern, epileptiforme Anfälle
Tradition
Zur Steigerung der Abwehrkraft bei Infekten mit Di 4, Di 11, Ma 36, LG 14
LG 7
Zhongshu$LG 7 §Zhongshu&, „Mittlerer Angelpunkt“
Lokalisation
Unter der Dornfortsatzspitze des 10. BW
Punktur
3 Fen–1 Cun schräg aufwärts
Indikation
Lokoregional: Schmerzen in diesem Bereich
Überregional: Magenschmerzen, Appetitlosigkeit, Schmerzen im Rücken, Sehschwäche
Anmerkung
In selber Höhe wie der Shu-Zustimmungspunkt des Gallenblasen-Meridians (Bl 19) und mit dessen Indikationen; Ähnliches gilt für alle in Höhe eines Shu-Zustimmungspunktes lokalisierten Punkte des LG.
LG 8
Jinsuo$LG 8 §Jinsuo&; „Angespannter Muskel“
Lokalisation
Unter dem Dornfortsatz des 9. BW
Punktur
3 Fen–1 Cun schräg aufwärts
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Rücken- und Lendenbereich
Überregional: Magenschmerzen, Hilfspunkt bei Herzschmerzen; Neurasthenie, Hysterie, epileptiforme Anfälle
LG 9
Zhiyang$LG 9 §Zhiyang&, „Ankunft des Yang
Lokalisation
Unter dem Dornfortsatz des 7. BW
Punktur
3 Fen–1 Cun schräg aufwärts
Indikation
Lokoregional: Interkostalneuraligie, Lenden- und Rückenschmerzen
Überregional: Oberbauchschmerzen, Cholezystopathie, basale Lungenaffektionen, Herzschmerzen
Tradition
Zentraler Punkt des Rückens, Konzentration des Taiyang = Qi des Blasen-Meridians, daher bei allgemeinem Qi-Mangel, Asthenia gravis
LG 10
Lingtai$LG 10 §Lingtai&, „Monument des Geistes, der Seele“
Lokalisation
Unter dem Dornfortsatz des 6. BW
Punktur
3 Fen–1 Cun schräg aufwärts
Indikation
Lokoregional: lokale Rückenschmerzen, Interkostalneuralgie
Überregional: Asthma bronchiale, Lungenaffektionen, Magenschmerzen
Anmerkung
Gegen Entwicklungsstörungen bei Kindern, auch bei psychischer und physischer Schwäche bei Kindern
Tradition
Nach So Quenn (Van Nghi 1973) häufig gebrauchter Punkt, der jedoch auf den Bronzestatuen, die erhalten geblieben sind, nicht verzeichnet ist.
LG 10 galt als Spezialpunkt gegen chronischen Husten mit Atembeschwerden, die eine Schlafstörung verursachten.
Seine Punktur war verboten, nur die Moxibustion erlaubt.
LG 11
Shendao$LG 11 §Shendao&, „Straße der Vorsehung“
Lokalisation
Unter dem Dornfortsatz des 5. BW
Punktur
3 Fen–1 Cun schräg aufwärts
Indikation
Lokoregional: Interkostalneuralgie, Muskelschmerzen, spondylogene Schmerzen
Überregional: Bronchitis, alle Herzerkrankungen, Neurasthenie, Psychasthenie, Angstgefühl, epileptiforme Anfälle
Tradition
Spezialpunkt gegen alle Herzaffektionen (vgl. auch Bl 15)
LG 12
Shenzhu$LG 12 §Shenzhu&, „Säule des Körpers“
Lokalisation
Auf der dorsalen Medianlinie, unter dem Dornfortsatz des 3. BW
Punktur
3 Fen–1 Cun schräg aufwärts
Indikation
Lokoregional: Rückenschmerzen
Überregional: Thoraxschmerzen, Bronchitis, broncho-pneumonische Herde; Konvulsionen der Kleinkinder, epileptiforme Anfälle, migränoide Kopfschmerzen, Geisteskrankheiten, Zwangsneurosen, Depressionen, Suizidneigung (mit Bl 13)
Tradition
Spezialpunkt gegen Geisteskrankheiten, Hilfspunkt bei Malaria, zur Erleichterung bei Schüttelfrösten
LG 13
Taodao$LG 13 §Taodao&, „Straße der Töpfer, Gestalter“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Bl-Meridian
Lokalisation
Unter dem Dornfortsatz des 1. BW
Punktur
3 Fen–1 Cun schräg aufwärts
Indikation
Lokoregional: Tortikollis, Schulter- und Rückenkontrakturen
Überregional: Neurasthenie, nervöse Erschöpfungszustände, Kopfschmerzen, Schwindel, Bergkrankheit, Epilepsie
Tradition
Hilfspunkt gegen Malaria und Lungentuberkulose
LG 14
Dazhui$LG 14 §Dazhui&, „Großer Wirbel“; auch Pai-Lao = „Hundert Mühen, völlige Erschöpfung“ genannt
Funktion
Wichtiger Reunionspunkt, da er alle Yang-Meridiane des Fußes und der Hand vereinigt, auch die „Spinne“ genannt
Lokalisation
Auf der dorsalen Medianlinie, unter dem Dornfortsatz des 7. HW
Punktur
3 Fen–1 Cun schräg aufwärts
Indikation
Lokoregional: Hinterkopfschmerzen, Muskelkontrakturen, Zervikalsyndrom, Okzipitalneuralgien, Schulter-Arm-Syndrom; Hilfspunkt bei Paresen der oberen Extremitäten, bei Zuständen nach Kontusionen
Überregional: trockener Mund durch Speichelmangel mit KG 23, KG 24. Bronchitis, Völlegefühl in der Brust, Asthma bronchiale; Übelkeit, Aufstoßen; völliger Qi-Mangel, Asthenie, Hilfspunkt bei Malaria, Fieber und allen Arten tuberkulöser Erkrankungen; Geisteskrankheiten, Neurasthenie, Hysterie, Epilepsie, nervöse Erschöpfung
Tradition
Er gilt als Punkt, von dem aus das gesamte Yang beeinflusst werden kann, mit wichtigen Indikationen wie: Wetterfühligkeit (mit 3E 15), Fieber (mit Di 4, Di 11). Daher ist er ein häufig gebrauchter zentraler Punkt bei zahlreichen Punktekombinationen, die wir als „Spinne“ bezeichnen. Häufige intensive Moxibustion empfohlen.
LG 15
Yamen$LG 15 §Yamen&, „Tor des Schweigens“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Haltegefäß des Yang, Yangweimai
Lokalisation
Auf der dorsalen Medianlinie, 3 Cun oberhalb von LG 13 (beim Rückwärtsbeugen des Kopfes entsteht eine deutliche Vertiefung an dieser Stelle)
Punktur
2 Fen senkrecht oder bis 1 Cun in Richtung zum Kehlkopf. Cave! Kein tiefer Stich mit nach oben gerichteter Nadel: Cysterna!
Indikation
Lokoregional: Tortikollis, Okzipitalneuralgie
Überregional: Zerebrale Insulte und Folgezustände, Konvulsionen, Verwirrtheitszustände, Kopfschmerzen, Schwindel; Epistaxis; Entzündungen der Sublingualregion, die das Sprechen erschweren
Tradition
Alle Störungen, die sich aus Yang-Fülle ergeben. Schweißmangel bei Yang-Symptomatik. Moxibustion nicht angezeigt.
LG 16
Fengfu$LG 16 §Fengfu&, „Haus, Bezirk des Windes“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Bl-Meridian und dem Haltegefäß des Yang, Yangweimai
Lokalisation
Auf der dorsalen Medianlinie, in einer Vertiefung knapp unterhalb Protuberantia occipitalis externa
Punktur
3–8 Fen senkrecht, tiefer Stich ist zu vermeiden
Indikation
Lokoregional: steifer Nacken, Okzipitalneuralgie
Überregional: zerebrale Insulte, Angst, Verwirrtheit, Kopfschmerzen, meningeale Reizzustände. Angina, Schlundschmerzen, Aphonie, Epistaxis, Zahnschmerzen im Unterkiefer (mit LG 24)
Allgemein: Angst vor Kälte, Frösteln, allgemeine Müdigkeit. Moxibustion nicht angezeigt. Mit dem Extrapunkt Yintang zusammen zur sogenannten „Längsdurchflutung“. Nach der Tradition geht ein innerer Ast des LG von hier zum Gehirn ab.
LG 17
Naohu$LG 17 §Naohu&, „Zugang zum Gehirn“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Bl-Meridian
Lokalisation
Auf der dorsalen Medianlinie, oberhalb der Protuberantia occipitalis externa
Punktur
3–8 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Kopfschmerzen, Migräne, Epilepsie, Schwindel, Adenitis nuchalis
LG 18
Qiangjian$LG 18 §Qiangjian&, „Ort der Stärke“
Lokalisation
1,5 Cun oberhalb der Protuberantia occipitalis
Punktur
2–8 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Kopfschmerzen, Nackenschmerzen
Überregional: Augenflimmern, Schwindel (okulär bedingt, mit Erbrechen)
LG 19
Houding$LG 19 §Houding&, „Hinter der Scheitelhöhe“. Der Punkt wird so genannt, weil er hinter der höchsten Erhebung des Schädels, die durch LG 20 repräsentiert wird, gelegen ist.
Lokalisation
Auf der Medianlinie, in einer deutlichen Vertiefung, am Schnittpunkt der Lambda- und Pfeilnaht, 1,5 Cun hinter dem nachfolgenden LG 20
Punktur
3–8 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Kopfschmerzen allgemein, besonders aber Hinterkopfschmerzen, Nackenschmerzen
Überregional: Sehstörungen, Augenflimmern, zerebrale Kongestionen, Konvulsionen, Epilepsie, Geisteskrankheiten, Schwindel, Migräne, Schlaflosigkeit, Einschlafstörungen; übermäßige Schweißneigung
Allgemein: Bei neurovegetativ stigmatisierten Patienten zur Beruhigung, Konzentrationsmangel
Anmerkung
Von Bachmann (1980) zusammen mit LG 15 als „Bellergal der Akupunktur“ bezeichnet. Man denke an die Tonsur der katholischen Priester in früheren Zeiten, die mit der Lokalisation von LG 19 übereinstimmt. Indikationen dafür beruhen vermutlich auf der sedierenden Wirkung dieser Zone.
LG 20
Baihui$LG 20 §Baihui&, „Hundert Reunionen“; wird auch Wu-Hui = „5 Reunionen“ genannt oder auch „Polarstern“ (Beziehung zum Himmel, Gegenpol ist Ni 1)
Lokalisation
Auf der Medianlinie, dort, wo sich diese mit einer durch die Ohrmuschelspitze gelegten gedachten Vertikalen trifft, in einem kleinen Grübchen; 1,5 Cun frontal von LG 19
Punktur
2 Fen senkrecht–1 Cun schräg; oder Tangentialstechen zu einem Punkt der Punktekombination „Vier Weise, die den Geist erhellen“ = EX-HN 1. Um LG 20 zu unterstützen, werden die sogenannten Satellitenpunkte dazu genadelt.
Indikation
Lokoregional: zerebrale Insulte und deren Folgen, Schwindel, auch menièreform; Unsicherheit beim Gehen, Durchblutungsstörungen des Gehirns, Gedächtnisverlust, Epilepsie, Kopfschmerzen, Migräne, Polydipsie, Diabetes insipidus, Hypersalivation, Parkinsonismus, Geschmackverlust, Anosmie
Überregional: Neurasthenie, Stottern zusammen mit KG 24, Hypakusis, Innenohrschwindel, Tinnitus; Erbrechen, chronische Durchfälle, Rektalprolaps, Hämorrhoiden; Palpitationen, Herzschmerzen; Descensus uteri, Incontinentia urinae, Enuresis, gut geeignet zur psychischen Stabilisierung
Anmerkung
Seine anatomische Lage entspricht etwa den obersten Anteilen des Gyrus praecentralis mit dessen Reizarealen. Manche unverständliche Indikation, z. B. Descensus uteri, kann daraus erklärt werden. Auch die um ihn gruppierte Punktekombination „Vier Weise, die den Geist erhellen“ mit ihren Indikationen und seine Verwendbarkeit in der Schädelakupunktur ergibt sich aus seiner Lokalisation.
Gute Wirkung gegen Lateralitätsstörungen mit KG 24
Einer der wichtigsten Punkte der Akupunktur – wie auch der Yoga-Lehre („oberstes Chakra“)
LG 21
Qianding$LG 21 §Qianding&, „Vor der Scheitelhöhe“
Lokalisation
1,5 Cun anterior LG 20 bis 6,5 Cun okzipital vom Yintang
Punktur
1 Fen senkrecht–8 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Scheitelkopfschmerzen, Schwindel, Konvulsionen bei Kindern
Überregional: Augenflimmern, ständige starke Rhinorrhö, Epistaxis, behinderte Nasenatmung mit Di 20; Gesichtsödem
LG 22
Xinhui$LG 22 §Xinhui&, „Reunion der Stirn“
Lokalisation
3 Cun anterior von Baihui oder 2 Cun innerhalb der natürlichen vorderen Haargrenze in einer Vertiefung entsprechend der anterioren Fontanelle
Punktur
3–5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Kopf- und Augenschmerzen, Schwindel, Zustände nach zerebralen Insulten
Überregional: Geruchsverlust, Epistaxis, Gesichtsödem, Verwirrtheitszustände
LG 23
Shangxing$LG 23 §Shangxing&, „Oberster Stern“; wird auch Chenn Tang = „Palast der göttlichen Vorsehung“ genannt
Lokalisation
Auf der Medianlinie, 4 Cun oberhalb des Yintang
Punktur
1 Fen senkrecht–5 Fen schräg nach posterior
Indikation
Lokoregional: Kopfschmerzen, Kongestionen im Schädelbereich, Kopfschwartenneuralgien durch Wind und Zugluft
Überregional: Rhinitis mit ständiger Sekretion und erschwerter Nasenatmung, Nasenbluten, Augenschmerzen und Augenflimmern
LG 24
Shenting$LG 24 §Shenting&, „Göttlicher Bezirk“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Bl-Meridian
Lokalisation
Auf der Medianlinie, 0,5 Cun innerhalb der natürlichen Stirnhaargrenze, falls noch vorhanden, bzw. 3 Cun oberhalb Yintang, der in der Mitte der Augenbrauen auf der Nasenwurzel liegt
Punktur
1 Fen senkrecht–8 Fen schräg nach posterior
Indikation
Lokoregional: Stirnkopfschmerzen
Überregional: Schwindel mit Brechreiz, Schlaflosigkeit aus Angst, Epilepsie, Verwirrtheitszustände; Fieber mit Kopfschmerzen, schleimhautwirksam, Sinusitis frontalis, Rhinitis
Anmerkung
Nach neuester Literatur zusätzlich bei Commotio und Contusio cerebri bzw. deren Folgezuständen
EX-HN 3
Yintang
Siehe Kap. 7.1.
LG 25
Suliao$LG 25 §Suliao&, „Nasenbeingrube“
Lokalisation
Oberhalb der Nasenspitze, über der tastbaren Knochen-Knorpel-Grenze
Punktur
2–3 Fen senkrecht
Indikation
Lokoregional: verlegte Nasenatmung, Rhinitis, Nasenfurunkel, Epistaxis
Überregional: Ohnmacht, Schockzustände
Anmerkung
Seine energetische Punktur reizt Betrunkene zum Erbrechen (Ausnüchterungspunkt).
Tradition
Moxibustion verboten
LG 26
Shuigou$LG 26 §Shuigou&, „Mitte der Oberlippe“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Di- und Ma-Meridian
Lokalisation
In der Mitte des Philtrums, am Ende des oberen Drittels der Nasolabialrinne
Punktur
3 Fen senkrecht–8 Fen schräg nach aufwärts
Indikation
Lokoregional: Fazialisparese, Trismus
Überregional: Schock, Ohnmacht, Kollaps, Hitzschlag, zerebrale Insulte, Epilepsie, Konzentrationsmangel, Hysterie; Hilfspunkt bei Diabetes mellitus, gegen das Durstgefühl, Foetor ex ore mit LG 26 und KS 7; Wirbelsäulenschmerzen, besonders durch Verkrümmungen der Wirbelsäule; Lumbago
Allgemein: wichtiger Punkt gegen Gesichtsödeme
Tradition
Führender „Reanimationspunkt“, häufig mit KS 9, He 9, Ni 1
LG 27
Duiduan$LG 27 §Duiduan&, „Oberlippenrand“; auch „Vorsprung des Vergnügens“ genannt
Lokalisation
In der Philtrummitte, am Oberlippenrand
Punktur
1–2 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Lippenspasmen, periorale Ekzeme bei Kindern, Aphthen, Herpes labialis, Zahnschmerzen
Überregional: Durstgefühl, Foetor ex ore
LG 28
Yinjiao$LG 28 §Yinjiao&, „Kreuzung der Schleimhaut mit der Gingiva“
Funktion
Reunionspunkt mit dem KG (Renmai) und dem Ma-Meridian
Lokalisation
An der Insertionsstelle des Lippenbändchens am Oberkiefer
Punktur
1–3 Fen schräg aufwärts
Indikation
Lokoregional: Karies, Zahnabszesse, Gingivitis, Stomatitis
Überregional: ständiger Tränenfluss, Entzündungen im Bereich der inneren Augenwinkel, Nasensekretion, erschwerte Nasenatmung, Polypen
Tradition
Gegen Fettsucht, durch „Wohlleben“ bedingt, wurde ein dünner, in Öl getränkter Bambusspan in den Punkt gestoßen und dessen Ende angezündet. Nach eigenen Untersuchungen ist ein Punkt in der Höhe von LG 27, aber auf der Innenseite der Oberlippe gelegen, gegen Esssucht geeigneter, vor allem zur Behandlung mittels Akupressur.

Konzeptionsgefäß (Renmai)

Das Konzeptionsgefäß

RenmaiKonzeptionsgefäß Abb. 5.183, Abb. 5.184
Charakteristik
  • Bezeichnung: Renmai, „Das Gefäß des Empfanges, der Empfängnis“

  • Abkürzungen: KG (Konzeptionsgefäß), VC (vaisseau conception), CV (conception vessel),

  • Nach internationaler Nomenklatur: der XIV. Meridian des Energiekreislaufs

  • Energieverlauf aufsteigend: unpaare Leitbahn

  • Optimalzeit zur Tonisierung: keine

  • Shu-Zustimmungspunkt: nur für bestimmte Punkte: Bl 24 für KG 6, Bl 26 für KG 4, Bl 17 für KG 17

  • Mu-Alarmpunkt: keiner

  • Der äußere Verlauf ist durch 24 Punkte gekennzeichnet.

Verlauf
Konzeptionsgefäß:VerlaufDer Meridian beginnt in der Mitte der Perinealregion, steigt von dort über das Genitale zur Schamhaargrenze in der ventralen Medianlinie gerade nach oben, erreicht mit KG 8 den Nabel, mit KG 15 die Schwertfortsatzspitze, mit KG 17 die Mitte des Sternums in Höhe der Brustwarzen und endet mit KG 24 in der Mitte der mentolabialen Furche. Von hier besteht über Sekundärgefäße Verbindung zur Infraorbitalgegend und zu den inneren Augenwinkeln.

BESONDERE PUNKTE

Konzeptionsgefäß (Renmai)

Konzeptionsgefäß:besondere PunkteMu-Alarmpunkt des Blasen-Meridians KG 3
Mu-Alarmpunkt des Dünndarm-Meridians KG 4
Haupt-Mu-Alarmpunkt des 3E-Meridians KG 5
Sexueller Mu-Alarmpunkt des 3E-Meridians KG 7
Digestiver Mu-Alarmpunkt des 3E-Meridians, außerdem Mu-Alarmpunkt des Magen-Meridians KG 12
Mu-Alarmpunkt des Herz-Meridians KG 14
Respiratorischer Mu-Alarmpunkt des 3E-Meridians, außerdem Mu-Alarmpunkt des KS-Meridians KG 17
Kardinalpunkt zur Einschaltung des Konzeptionsgefäßes (Renmai) Lu 7
Das Konzeptionsgefäß zählt ebenso wie das LG (Dumai) zu den acht außergewöhnlichen Gefäßen. Nach der Tradition wird ihm als „Ur-Meridian“ die Leitung des sogenannten Erb-Qi (ancestrale Energie) zugesprochen. Diese Art des Qi unterliegt keinen Tagesschwankungen, daher gibt es auch keine Maximalzeit des Meridians. Durch den Verlauf des Meridians auf der Vorderseite des Körpers ist er vor allem für den Yin-Anteil des Erb-Qi, also vor allem den struktiven Anteil, zuständig.
Als außerordentliches Gefäß kann das KG über den Kardinalpunkt (Schlüsselpunkt) Lu 7 eingeschaltet werden.
Da die ventralen Mediane des Körpers eine Art Konzentrationslinie darstellt (dorsal = Yang, ventral = Yin), steht das KG mit allen Yin-Meridianen, aber auch mit den außergewöhnlichen Gefäßen (Yin Oe = Yinweimai und Chongmai) in Verbindung. Deshalb kann das KG als Ausgleichsreservoir und Regulator des gesamten struktiven Qi gelten.
Da das weibliche Geschlecht relativ zum männlichen als Yin gilt, ergibt sich eine enge Beziehung zwischen KG und dem gynäkologischen Funktionskreis, daher der Name „Konzeptionsgefäß“.
Als Gegenpol zum LG (Dumai) wird die Lokalisation zahlreicher Reunions- und Mu-Alarmpunkte mit mehr parasympathischer Wirkung auf dem KG verständlich, auch gegenüber der mehr sympathikotonen Wirkung der Shu-Zustimmungspunkte.
Anmerkung
Das Konzeptionsgefäß (Renmai) gehört zu den acht unpaarigen Meridianen, die auch als außerordentliche Gefäße bezeichnet werden. Da Renmai und Dumai als einzige dieser acht eigene Punkte aufweisen, werden sie von den meisten Autoren zu den zwölf Hauptmeridianen hinzugezählt.
Ihre Aktivierung über die zugehörigen Kardinalpunkte bringt weitere therapeutische Möglichkeiten, die über jene der Punktur einzelner ihrer Punkte hinausgehen.

Verlauf am Ohr

Konzeptionsgefäß:Verlauf am Ohr Abb. 5.185
Der Meridian beginnt mit seinem Punkt KG 1 (Reunionspunkt mit dem Lenkergefäß sowie mit dem „Gefäß der breiten Bahn“) retroaurikulär im oberen Ohrdrittel an der Anwachsungszone zwischen Ohrmuschel und Kopfhaut, also in der Nähe des entsprechenden Punktes LG 1 hinter der Ohrmuschel. Die Punkte KG 2, KG 3 und KG 4 führen in einer geraden Linie retroaurikulär nach oben, im Punkt KG 5 (= Omega 2) wechselt der Meridian auf die Ohrvorderseite und verläuft auf der Innenseite der aufsteigenden Helix bis zum KG 8 (= Nullpunkt). Nach dem Durchlaufen einer Schleife – KG 9 bis KG 13 – wendet sich das Gefäß wieder nach unten, erreicht mit KG 16 das Ohrläppchen, bildet dann mit KG 17 den Omega-Hauptpunkt und läuft mit einer eng aneinanderliegenden Reihe von Punkten bis KG 24 ca. 1,5 cm unter dem Ohr aus.

Die Punkte im Einzelnen

KG 1
Huiyi$KG 1 §Huiyi&, „Treffpunkt des Yin
Funktion
Reunionspunkt mit dem LG (Dumai) und dem Gefäß der breiten Bahn (Chongmai)
Lokalisation
Auf der Medianlinie, in der Mitte zwischen Anus und Skrotum bzw. der hinteren Vulvakommissur
Punktur
5 Fen–1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen im Genitale, Vaginitis, Deszensusbeschwerden, Urethritis, Hämorrhoiden
Überregional: Zyklusstörungen
Tradition
KG 1 beeinflusst nach der Tradition die Leber, daher alle Affektionen der Genitalorgane und jene Schädelpartien, die vom inneren Verlauf der Sekundärgefäße von Gb 1 zu LG 20 erfasst werden.
KG 2
Qugu$KG 2 §Qugu&, „Pubisarkade, geschwungener Knochen“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Le-Meridian
Lokalisation
Auf der ventralen Medianlinie, am Symphysenoberrand
Punktur
3 Fen–1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: genitalwirksamer Punkt; Impotenz, besonders nach Exzessen; Urethritis, Miktionsbeschwerden; Fluor jeglicher Genese, Endometritis; Blutungen nach der Entbindung
Allgemein: Schmerzen und Krämpfe im Unterbauch
KG 3
Zhongji$KG 3 §Zhongji&, „Mittlerer Kumulationspunkt“; wird auch Yu quan = „Jadequelle“ oder Qi quan = „Quelle der Energie“ genannt
Funktion
Mu-Alarmpunkt des Bl-Meridians; Reunionspunkt mit dem Ni-, Le- und MP-Meridian
Lokalisation
Wenn man die Strecke Symphyse–Nabel in 5 gleiche Teile teilt, liegt KG 3 am proximalen Ende des ersten Fünftels, oberhalb der Symphyse, auf der ventralen Medianlinie.
Punktur
0,5–1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Oligospermie, Impotenz nach Exzessen, alle Formen der Urethritis, Reizblase, häufiger Harndrang, Fluor, Pruritus vulvae, Regelstörungen infolge schlechter Blutzirkulation, Beschwerden durch Koitus während der Menstruation, Retroflexio uteri als Sterilitätsursache, Plazentaretention, atonischer Uterus
Überregional: Hungergefühl, aber man kann keinen Bissen hinunterwürgen; Aszites, Hernien
Allgemein: weibliche Sterilität, allgemeiner Qi-Mangel, Müdigkeit
KG 4
Guanyuan$KG 4 §Guanyuan&, „Schranke, Eingangstor der Lebenskraft, des vitalen Seins“
Funktion
Mu-Alarmpunkt des Dü-Meridians; Reunionspunkt mit den Yin-Meridianen des Fußes MP, Ni und Le
Lokalisation
Auf der ventralen Medianlinie, 2 Fünftel oberhalb der Symphyse (s. Messung bei KG 3)
Punktur
0,5–1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Impotenz, besonders nach Exzessen; alle Formen der „Urethritis“, Miktionsbeschwerden, Dysurie, Reizblase, Harninkontinenz, Prostatitis, Enuresis; Retroflexio uteri, Fluor mit Schwächezuständen; bei Abortus mit Bl 60 zur Beschleunigung; bei Genitalerkrankungen mit Ohnmachtsneigung und Herzbeschwerden mit Le 1 und Gb 26, mit Anämie zusammen mit KG 6, Bl 17, Bl 43, Bl 40
Überregional: Enteritis, Diarrhö, Dysenterie, Spasmen und Koliken im Nabelbereich und Unterbauch, unterstützend bei Darmparasiten, alle Arten Hernien; Kopfschmerzen mit Schwindel, die sich bei Bewegung verschlimmern; seelische Erschöpfung, Ohnmachtsneigung
Allgemein: zur Behandlung im Senium, bei Leere und Erschöpfungszuständen
Tradition
Ist wie KG 5 ein Punkt der Yoga-Praktiken der Taoisten und ist das 2. Chakra in Indien, das sogenannte Sakral-Chakra, auch Nieren- oder Sexual-Chakra genannt (deutliche Übereinstimmung zum chinesischen Namen „Eingangstor“). Soll in der Schwangerschaft nicht verwendet werden!
KG 5
Shimen$KG 5 §Shimen&, „Steintor“; wird auch Dan tian = „Hymne des Elixiers, des langen Lebens“ genannt
Funktion
Haupt-Mu-Alarmpunkt des 3E-Meridians
Lokalisation
Auf der ventralen Medianlinie, 3 Fünftel oberhalb der Symphyse
Punktur
0,5–2 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Dyspepsie mit bitterem, saurem oder üblem Aufstoßen, Verdauungsinsuffizienz, Meteorismus, abwechselnd Durchfälle und Verstopfung, Appendikopathie, Appetitlosigkeit. Dysurie, Urethritis, imperativer Harndrang, Fluor
Überregional: Krampfhusten, Asthma bronchiale, labile Hypertonie und Folgezustände; Entwicklungsstörungen bei Kleinkindern durch Malabsorption; Ödemneigung
Allgemein: entspricht dem Omega-2-Punkt der Ohrakupunktur, Punkt der „Umwelt“; Testpunkt für die Vitamine E, B1, B3, B6
Tradition
Der Punkt gilt in der Yoga-Lehre als Zentrum für Atem- und Konzentrationsübungen.
KG 6
Qihai$KG 6 §Qihai&, „Meer der Energie, des Qi
Lokalisation
Auf der ventralen Medianlinie, in Höhe des 4. Fünftels oberhalb der Symphyse (entspricht bei schlanken Personen ca. 2 Querfinger unter dem Nabel bzw. 1,5 Cun unterhalb des Nabelmittelpunktes)
Punktur
0,5–1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Enuresis nocturna, Atonie des Blasensphinkters, alle Formen der „Urethritis“; Fluor, Beschwerden nach Koitus, Menstruationsstörungen, postpartale Blutungen; starker Meteorismus, Bauchschmerzen, Obstipation, Kotsteine, Appendikopathie, alle Hernien
Allgemein: wichtiger Punkt bei Qi-Mangel durch chronische Erkrankungen, Asthenie, Abmagerung, allgemeine Erschöpfung, Ohnmacht, Schwindel; bei nächtlichen Atembeschwerden zusammen mit KG 6 und KG 21; bei Albträumen mit KG 6, Bl 15 und Ma 44.
Anmerkung
Fördert die Potenz und Zeugungsfähigkeit!
Tradition
Der Punkt repräsentiert ebenso wie KG 5 „Das Zentrum der Energie des Menschen“. Intensive Moxibustion empfohlen.
KG 7
Yinjiao$KG 7 §Yinjiao/, „Kreuzung, Vereinigung des Yin
Funktion
Unterer, sogenannter „sexueller“ Mu-Alarmpunkt des 3E-Meridians. Reunionspunkt mit dem Ni-Meridian und dem Gefäß der breiten Bahn Chongmai. Er entspricht in der Ohrakupunktur dem Uteruspunkt.
Lokalisation
1 Cun unter der Nabelmitte = 1 Querfinger unter dem Nabel
Punktur
0,5–1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen, die zur Genitalzone ausstrahlen, Hernien; Miktionsstörungen, Harnleiterkolik, Urethritis; Menstruationsirregularität, übermäßig lange Menses, Fluor, Endometritis, Pruritus vulvae, Vaginitis, Sterilität
Überregional: Sodbrennen, Aufstoßen, Brechreiz, Angina, Epistaxis; starke belegte, zerklüftete und schmerzhafte Zunge, dann mit KS 6, Le 3 und MP 2
Allgemein: nervöse Erkrankungen, Angst, Nymphomanie, Priapismus, „sexuelle Delirien“
KG 8
Shenque$KG 8 §Shenque&, „Göttliches Haus“; wird auch „Wohnstätte der Energie“ genannt
Lokalisation
Im Zentrum des Nabels
Punktur
Keine Nadelung, Moxibustion mit lang dauernder, langsamer Hitze (Spezialtechnik)
Indikation
Überregional: chronische Enteritis, Meteorismus, Schmerzen im Abdomen, Ruhr
Allgemein: wirksam gegen Ohnmacht, akute Schwächezustände, aber auch zur Steigerung der sexuellen „Ausdauer“ des Mannes (persönliche Mitteilung einer Versuchsperson)
Tradition
Der Nabel wurde in der Tradition mit Salz gefüllt und darauf Moxakegel abgebrannt.
KG 9
Shuifen$KG 9 §Shuifen&, „Verteilung des Wassers“
Lokalisation
Wenn man die Distanz Nabel–Xyphoidspitze in 8 gleiche Teile teilt, liegt der Punkt 1/8 oberhalb des Nabels = 1 Cun oberhalb des Mittelpunktes des Nabels
Punktur
0,5–1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: chronische Darmstörungen mit starker Peristaltik und geblähtem Trommelbauch, mit Darmgeräuschen und Flatulenz, Aszites
Überregional: Dysurie, „Nierenschmerzen“; Ödeme mit Ni 7, dabei KG 9 moxen; heftiges Nasenbluten
Allgemein: Punkt gegen alle eitrigen Prozesse, Furunkulose, Abszesse, auch Knocheneiterungen. Gilt auch als Spezialpunkt gegen Aszites, bei Ödemen mit KG 9, MP 6, Ma 28, Gb 28 und Ni 7
Tradition
„Verteilung der Flüssigkeit“ deswegen, weil er in der Höhe jener Dünndarm-Region gelegen ist, der in der Tradition die Trennung der festen und flüssigen Nahrungsmittel zugesprochen wurde
KG 10
Xiawan$KG 10 §Xiawan&, „Unterer Magenanteil“ (Pars pylorica)
Funktion
Reunionspunkt mit dem MP-Meridian
Lokalisation
Auf der ventralen Medianlinie, 2 Cun oberhalb des Nabels
Punktur
8 Fen–1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Schmerzen in der Magengegend, auch Spasmen, Dyspepsie, chronische Magen-Darm-Affektionen, Appetitlosigkeit, Brechreiz, Erbrechen
Überregional: Abmagerung, Tachykardieneigung
Tradition
Moxibustion bei Schwangerschaft verboten.
KG 11
Jianli$KG 11 §Jianli&, „Gründung, Aufbau des Hauses“
Lokalisation
Auf der vorderen Medianlinie, 3 Cun oberhalb des Nabels
Punktur
5 Fen–1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Gastroduodenitis, Ulkuskrankheit, schlechte Verdauung, Meteorismus, Erbrechen, Appetitlosigkeit, sowohl Durchfälle als auch Obstipation
Überregional: Neurasthenie, bei Aszites mit KG 9, generalisierte Ödeme
Tradition
Keine Moxibustion bei Frauen im gebärfähigen Alter
KG 12
Zhongwan$KG 12 §Zhongwan&, „Zentrum des Magens“
Funktion
Mittlerer „digestiver“ Mu-Alarmpunkt des 3E-Meridians. Reunionspunkt mit dem Ma-, Dü- und 3E-Meridian. Mu-Alarmpunkt des Ma-Meridians.
Lokalisation
Auf der ventralen Medianlinie, genau in der Mitte zwischen dem Nabel und der Schwertfortsatzspitze
Punktur
0,5–1 Cun senkrecht. Es kann auch zu benachbarten Punkten durchgestochen werden, z. B. zu KG 13. Nach der Mahlzeit nicht zu tief stechen!
Indikation
Lokoregional: Gastroduodenitis, Ulcus ventriculi et duodeni, Magenkrämpfe, hämorrhagische Blutungen, Dyspepsie, Diarrhö, Obstipation, Hepatopathien, Intoxikationsfolgen
Überregional: Neurasthenie, Roemheld-Syndrom mit seinen variablen Herzbeschwerden
Allgemein: entspricht dem Omega-1-Punkt der Ohrakupunktur, Hinweispunkt auf Quecksilberintoleranz (Amalgam)
Tradition
Bei fieberhaften Infektionskrankheiten sowie bei Insuffizienz des Milz-Pankreas-Systems. Gegen Yang-Affektionen der Eingeweide sehr wirksam mit Ma 36 und Le 13. Gegen Erbrechen: KS 6, Le 3, Le 14, KG 12, KG 15, LG 19
KG 13
Shangwan$KG 13 §Shangwan&, „Oberer Magenabschnitt, Cardia“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Ma- und Dü-Meridian
Lokalisation
3/8 unter der Xyphoidspitze = 5 Cun oberhalb des Zentrums des Nabels
Punktur
0,5–1 Cun senkrecht
Indikation
Lokoregional: Gastroduodenitis, Ulkuskrankheit, Krämpfe und Koliken, vor allem im Oberbauch, Meteorismus, Erbrechen, Singultus, Intoxikationen, Hepatopathien
Überregional: Bronchitis mit übermäßigem Bronchialsekret; Angst, Erregungszustände, epileptiforme Anfälle
Allgemein: Spezialpunkt gegen alle krampfartigen Magenstörungen
Tradition
Bei Herzerkrankungen mit nicht beeinflussbaren Herzschmerzen sollte KG 13 nicht vergessen werden.
KG 14
Juque$KG 14 §Juque&, „Großartiger Palast“
Funktion
Mu-Alarmpunkt des He-Meridians
Lokalisation
1/8 unter der Xyphoidspitze = 6 Cun oberhalb des Nabels
Punktur
3 Fen senkrecht oder 1 Cun schräg
Indikation
Lokoregional: Magenschmerzen, Erbrechen
Überregional: Appetitlosigkeit, Hilfspunkt bei Seekrankheit, Hyperemesis gravidarum; Krampfhusten mit Bronchialsekretion, Präkordialschmerz sowie zum Schulterblatt ausstrahlende Herzschmerzen, Tachykardie mit Beklemmungsgefühl; Angst mit Ohnmachtsneigung, Neurasthenie
KG 15
Jiuwei$KG 15 §Jiuwei&, „Elsternschwanz“; wird auch Mihi = „Gebogenes Knochenende“ genannt
Funktion
Qi aus allen Yang-Organen, daher ein vitales Zentrum
Lokalisation
An der Spitze des Xyphoids (gestreckte Haltung einnehmen lassen)
Punktur
3 Fen–1 Cun schräg abwärts oder aufwärts
Indikation
Lokoregional: Gastritis, Aerophagie, Singultus, Spasmen
Überregional: Angina, Schluckbeschwerden; Husten, der Erbrechen provoziert; Hilfspunkt bei Keuchhusten; Palpitationen, Beschwerden durch pleuroperikardiale Adhäsionen
Allgemein: Neurasthenie, innere Spannung, Verwirrtheit, Angstzustände, Konzentrationsmangel, Managerkrankheit; Spezialpunkt gegen Epilepsie; Müdigkeit, Erschöpfung, Asthenie, Verlust der Manneskraft
Anmerkung
Zusammen mit LG 19 von Bachmann (1980) als „Bellergal der Akupunktur“ bezeichnet. KG 15 allein punktiert wirkt gegen Zorn.
KG 16
Zhongting$KG 16 §Zhongting&, „Mittlerer Hof“
Lokalisation
In einer Vertiefung, am Übergang vom Corpus sterni zum Processus xyphoideus, 1 Cun über KG 15
Punktur
3–5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: asthmoide Bronchitis, Brechreiz, Erbrechen, Ösophagusspasmen
KG 17
Tanzhong$KG 17 §Tanzhong&, „Zentrum der Brust“
Funktion
Reunionspunkt mit dem MP-, Ni-, Dü- und 3E-Meridian, daher Spezialpunkt der Atemwege. Oberer „respiratorischer“ Mu-Alarmpunkt des 3E-Meridians und Mu-Alarmpunkt des KS-Meridians
Lokalisation
Auf der Sternum-Mitte in Höhe des 4. ICR in der Mitte zwischen den Brustwarzen (beim Mann)
Punktur
5 Fen–1 Cun aufwärts. Bei Erkrankungen im Mamma-Bereich in Richtung Brustansatz, bei Asthma bronchiale kann in Richtung zu KG 18 tangential gestochen werden
Indikation
Lokoregional: Krampfhusten, reichlich schleimiges visköses oder eitriges Sputum, Asthma bronchiale, pneumonische Herde; Interkostalneuralgie, Mastitis, Milchmangel; Beklemmungsgefühl, Roemheld-Syndrom; Angst und Globus hystericus
Überregional: 2. Tranquilizerpunkt, entspricht dem Omega-Hauptpunkt der Ohrakupunktur, psychosomatischer Hauptpunkt
Tradition
Nach Nei Jing konzentriert sich das gesamte Qi in diesem Punkt. Er gilt als „Meister der Energie“. An ihm wird das Ernährungs-Qi = „Energie der Erde“ durch das „Himmels-Qi“ = Atemluft, aktiviert und zum verwendungsfähigen Aufbau-, Erhaltungs- und Abwehr-Qi aufbereitet und verteilt.
KG 18
Yutang$KG 18 §Yutang&, „Jadepalast“
Lokalisation
Medianlinie, in Höhe des 3. ICR, 1,5 Cun über KG 17
Punktur
3–5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Asthma bronchiale, Bronchitis, Pleuralgien
Überregional: Erbrechen, Schmerzen in der Herzgegend, Beklemmungsgefühl
KG 19
Zigong$KG 19 §Zigong&, „Purpurpalast“
Lokalisation
Medianlinie, in Höhe des 2. ICR. Bei Lokalisation und Punktur den Kopf nach rückwärts beugen lassen.
Punktur
3–5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Thoraxschmerzen, Bronchitis, Pleuritis, Schluckbeschwerden
Überregional: Erbrechen, Schmerzen in der Herzgegend
KG 20
Huagai$KG 20 §Huagai&, „Prunkvoller Kranz“
Lokalisation
In Höhe des Ansatzes der 2. Rippe, in einer Vertiefung, in der Mitte des Sternums (Kopf nach hinten beugen lassen)
Punktur
3–5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Thoraxschmerzen, Pharyngitis, Tracheobronchitis, Asthma bronchiale, Schluckbeschwerden
KG 21
Xuanji$KG 21 §Xuanji&, „Kostbares Kleinod“
Lokalisation
In der Mitte des Manubrium sterni, in Höhe des Ansatzes der 1. Rippe
Punktur
3–5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: Angina, Schluckbeschwerden, Krampfhusten mit Atembeschwerden, die beim Sprechen behindern, nervöser Kitzelhusten, Globusgefühl
Überregional: Brechreiz, Ösophagusspasmen, Dyspepsie
Anmerkung
Spezialpunkt gegen Sodbrennen
KG 22
Tiantu$KG 22 §Tiantu&, „Himmlischer Vorsprung“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Haltegefäß des Yin (Yinweimai)
Lokalisation
In der Mitte der Incisura jugularis, in Höhe des Ansatzes der Klavikula
Punktur
2 Fen senkrecht
Indikation
Wie KG 21, dazu lokale Lymphadenitis, Strumabeschwerden
KG 23
Lianquan$KG 23 §Lianquan&, „Seitliche Quelle“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Haltegefäß des Yin (Yinweimai)
Lokalisation
Auf der Medianlinie, im Winkel, wo der Hals in den Kinnbereich übergeht (Incisura thyreoidea cranialis)
Punktur
2 Fen–1 Cun schräg, etwas nach aufwärts
Indikation
Lokoregional: regulierende Wirkung auf die Thyreoidea, Sodbrennen, Hypersalivation, Tracheitis, Laryngitis, Pharyngitis, Glossitis; bei Heiserkeit, Aphonie mit Ma 10
Tradition
Keine Moxibustion
KG 24
Chengjiang$KG 24 §Chengjiang&, „Aufnahme, Zurückhalten der (aus dem Munde rinnenden) Flüssigkeit“
Funktion
Reunionspunkt mit dem Ma- und Di-Meridian und dem LG (Dumai)
Lokalisation
In der Mitte der mentolabialen Furche
Punktur
2 Fen senkrecht oder bis 5 Fen schräg
Indikation
Lokoregional: periphere oder zentrale Fazialisparese, motorische Aphasie, Trismus. Alveolarpyorrhö, Karies, Zahnneuralgien, Stomatis aphthosa, Hypersalivation. Zusatzpunkt bei Trigeminusneuralgie des 3. Astes
Überregional: bei Diabetes mellitus zur Beeinflussung des Durstgefühls; Tortikollis
Allgemein: hilft gegen Stottern, zusammen mit LG 20 gegen Lateralitätsinstabilität
Anmerkung
Spezialpunkt in der Zahnmedizin gegen Würgereiz

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