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B978-3-437-56781-0.00004-3

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Die Einheit des persönlichen Cun

Cun-Maße an Thorax und Abdomen sowie an den oberen Extremitäten

Cun-Maße im Kopf- und Nackenbereich

Cun-Maße im Rücken- und Lendenbereich sowie an den unteren Extremitäten

Cun-Maße an den unteren Extremitäten

Cun-Maße an den unteren Extremitäten

Übersicht über Zustimmungs- und Alarmpunkte der einzelnen Meridiane

Tab. 4.1
Meridian Zustimmungspunkt für Lokalisation Indikation für den Zustimmungspunkt Alarmpunkt Lokalisation Indikation für den Alarmpunkt
Lunge Bl 13 (Feishu) Lu 3. BWD Erkrankungen des Respirationstrakts, Rückenschmerzen, innere Unruhe Lu 1 (Zhongfu) 1. ICR, 6 Cun von der Medianlinie, 1 Cun unter der Klavikula Erkrankungen der Lunge und der Bronchien, Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit, Angst, Sorge
Kreislauf-Sexualität Bl 14 (Jueyinshu) KS 4. BWD Thoraxschmerzen, chron. Erkrankung des Kreislaufsystems, psychosomatische Störungen KG 17 (Tanzhong) in Höhe des 4. ICR,Sternummitte Brust- und Rippenschmerzen, Hyper- u. Hypotonie, „respiratorischer“ Alarmpunkt des 3Erwärmers, Bromoizepam vergleichbar
Herz Bl 15 (Xinshu) He 5. BWD Herzerkrankungen Husten, Neurasthenie, Roemheld-Syndrom, Erbrechen KG 14 (Juque) Medianlinie, 1 Cun unter Xiphoidspitze Präkordialschmerz, exzessive Bronchialsekretion, Angst, Magenerkrankungen
Lenkergefäß Bl 16 (Dushu) LG 6. BWD Erbrechen, Bronchitis, Krampfhusten
Zwerchfell Bl 17 (Geshu) Zwerchfell 7. BWD Bronchitis, Erhöhung der Atembewegung und -kapazität, Meisterpunkt für „Blut“
Leber Bl 18 (Ganshu) Le 9. BWD (!) Husten mit Flankenschmerz, Magen- und Lebererkrankungen Le 14 (Qimen) 6. ICR i. d. Mamillarlinie Husten, Interkostalneuralgie, Leber-, Magenerkrankungen, Anti-„Aggressionspunkt“
Gallenblase Bl 19 (Danshu) Gb 10. BWD Krampfhusten, Leber- und Gallenerkrankungen Gb 24 (Riyue) 7. ICR i. d. Mamillarlinie Husten, Auswurf, Leber- und Gallenerkrankungen
Milz-Pankreas Bl 20 (Pishu) MP(rechts für Pankreas,links für Milz) 11. BWD Dyspnoe, alle Erkrankungen des Verdauungstrakts Le 13 (Zhangmen) freies Ende der 11. Rippe Atembeschwerden, ACTHvergleichbarer Punkt, Meisterpunkt für die Yin-Organe
Magen Bl 21 (Weishu) Ma 12. BWD Durchfall, Kolitis, gegen Yang-Affektionen KG 12 (Zhongwan) Mitte des Abstands von Nabel–Xiphoidspitze Quecksilber-Hinweispunkt = Omega-1, Meisterpunkt der Eingeweide, „digestiver“ Alarmpunkt auch des mittleren 3E
Dreifacher Erwärmer Bl 22 (Sanjiaoshu) 3E 1. LWD Rückenschmerzen, Insuffizienz der Atmungs-, Verdauungs- und Urogenitalfunktion a) KG 5 (Shimen),b) KG 7 (Yinjiao),c) KG 12 (Zhongwan),d) KG 17 (Tanzhong) a) 3/5 über Symphyse,

b) 1/5 unter dem Nabel,

c) Mitte Nabel/Xiphoidspitze,
d) Mitte Sternum 4. ICR
a) Punkt der „Umwelt“ (Omega 2),
b) Urogenitalerkrankungen,

c) Gastralgien (Omega 1), gegen Yang-Affektionen
d) psychosomatischer Hauptpunkt
Niere Bl 23 (Shenshu) Ni 2. LWD Nierenerkrankungen, Verdauungsstörung, Lumbalgie Gb 25 (Jingmen) freies Ende der 12. Rippe Nierenerkrankungen, Darmerkrankungen, Lumbalgie, Koliken
für einzelnen Punkt Bl 24 (Qihaishu) KG 6(Qihai) 3. LWD allgemeine Schwäche, Nierenerkrankungen, Obstipation, Meteorismus einem Alarmpunkt vergleichbare Funktion: KG 6
Dickdarm Bl 25 (Dachangshu) Di 4. LWDUnterrand Störungen im Verdauungstrakt, Lumbalgie Ma 25 (Tianshu) 2 Cun lateral des Nabels chronische Erkrankung des Verdauungstrakts
für einzelnen Punkt Bl 26 (Guanyuanshu) KG 4 (Guan-yuan) 5. LWD Darmerkrankungen, Blasen-Nieren-Erkrankungen, Dysmenorrhö, Lumbalgie einem Alarmpunkt vergleichbare Funktion: KG 4
Dünndarm Bl 27 (Xiaochangshu) Höhe d. 1. Sakralloches Darmerkrankungen, Harnwegserkrankungen, Kopfschmerz KG 4 (Guanyuan) 2/5 oberhalb der Symphyse Darmerkrankungen, Harnwegserkrankungen, Kopfschmerz
Blase Bl 28 (Pangguanshu) Bl Höhe d. 2. Sakralloches Erkrankung des kleinen Beckens, Harnwegserkrankung, Dysmenorrhö, Lumbosakralgien KG 3 (Zhongji) 1/5 oberhalb der Symphyse alle Blasenstörungen, gynäkologische Erkrankungen, Dysmenorrhö

BWD = Brustwirbeldornfortsatz, LWD = Lendenwirbeldornfortsatz

Lokalisation jeweils 1,5 Cun lateral der Mediane seitlich des Unterrandes des genannten Wirbels.

Maßeinheiten, Lokalisation und Kategorien von Akupunkturpunkten

  • 4.1

    Maßeinheiten Frank Bahr34

    • 4.1.1

      Kopf- und Nackenbereich34

    • 4.1.2

      Thorax und Abdomen36

    • 4.1.3

      Rücken-Lendenbereich36

    • 4.1.4

      Obere Extremitäten36

    • 4.1.5

      Untere Extremitäten36

  • 4.2

    Praktische Hinweise zur Punktelokalisation in der klassischen Chinesischen Akupunktur Leopold Dorfer38

    • 4.2.1

      Allgemeine Vorbemerkungen38

    • 4.2.2

      Die Druckschmerzhaftigkeit aktiver Punkte39

    • 4.2.3

      Das Deqi-Gefühl39

  • 4.3

    Vorbemerkung zu den Meridianen Frank Bahr, Leopold Dorfer und Hans Zeitler39

    • 4.3.1

      Untersuchung unterschiedlicher Meridiane mit Laserfrequenzen40

    • 4.3.2

      Die verschiedenen Arten der Körperakupunkturpunkte40

Maßeinheiten

Frank Bahr, Hans Zeitler (†)
Als Maßeinheit zur Angabe der StichtiefeStichtiefe, der Entfernung der Entfernung der PunktePunkte voneinander bzw. von anatomisch gegebenen Anhaltspunkten dient das CunCun (bei verschiedenen Autoren auch Tsroun, Tsun oder Sun genannt), das in 10 gleiche Teile (= FenFen) unterteilt wird.
Während das offizielle Cun eine fixe, genormte Länge von 25 mm darstellt, wird in der Medizin, um dem variablen Körperbau möglichst Rechnung zu tragen, das individuell am jeweiligen Patienten zu ermittelnde „persönliche“ Cun als Maßeinheit verwendet. 1 „persönliches“ Cun entspricht 10 „persönlichen“ Fen.
Ein Großteil der für den Anfänger verwirrenden, bei verschiedenen Autoren nachweisbaren Differenzen bei Lokalisationsangaben ist darauf zurückzuführen, dass diese nur das sogenannte „Finger-Cun“ als „persönliches“ Cun verwenden.
Dieses Maß wird ermittelt, indem man den Patienten bittet, Daumen und Mittelfingerspitze zusammenzulegen, wodurch ein Ring entsteht. Der Abstand der oberen Enden der sich dadurch am Mittelglied des Mittelfingers bildenden Falten ergibt das „persönliche“ Finger-Cun dieses Patienten. Auch die Breite des Daumens, gemessen in Nagelbetthöhe, entspricht etwa einem „persönlichen“ Finger-Cun.
Abb. 4.1

OFFIZIELLES UND VARIABLES Cun

Cun:variablesCun:offiziellesDas offizielle Cun ist für die Angaben der Stichtiefen verbindlich, jedoch nur approximativ richtig, wenn Meridiane und Punkte lokalisiert werden sollen! Daher sollte sich jeder, der die klassische Körperakupunktur praxisgerecht anwenden will, die nachfolgend beschriebene Ermittlung der für die verschiedenen Konstitutionstypen variablen Cun einprägen.

Es wird dabei zwischen „Cun:longitudinaleslongitudinalem“ und „Cun:transversalestransversalem“ Cun unterschieden.

Kopf- und Nackenbereich

Longitudinal
  • Die Entfernung zwischen der Mitte des natürlichen Stirn-Haar-Ansatzes und der Mitte der natürlichen Haargrenze im Nacken beträgt 12 (longitudinale Schädel-)Cun.Ebenso die Entfernung zwischen jenem Punkt der Medianlinie, an dem die Augenbrauen tatsächlich oder gedacht zusammenlaufen (= Yintang) und den Protuberantia occipitalis externa (= LG 16, Naohu).

  • Die Entfernung zwischen dem obigen Punkt in der Augenbrauenmitte (= Yintang) und der Mitte des natürlichen Stirn-Haar-Ansatzes beträgt 3 (longitudinale Schädel-)Cun.

  • Die Entfernung zwischen dem unteren Rand des Proc. spinosus des 7. Halswirbels und der Mitte des natürlichen Haaransatzes im Nacken beträgt ebenfalls 3 (longitudinale Schädel-)Cun.

Transversal
  • Die Entfernung zwischen dem rechten und linken Proc. mastoideus beträgt 9 (transversale Schädel-)Cun.

  • Die Entfernung zwischen den beiden am Vorderschädel gelegenen Punkten Ma 8 (= Touwei) beträgt ebenfalls 9 (transversale Schädel-)Cun.

Thorax und Abdomen

Longitudinal
  • Die Entfernung zwischen dem oberen Rand des Manubrium sterni (= KG 22, Tientu) und dem in der Medianlinie in Höhe des 5. ICR gelegenen Punktes KG 16 (= Chungtin) beträgt 9 Cun.

  • Die Entfernung vom Schnittpunkt des Rippenbogens mit der Medianlinie bis zum Nabel (KG 15 bis KG 8) beträgt 8 Cun.

  • Die Entfernung zwischen dem Nabel (= KG 8) und dem Oberrand der Symphyse (= KG 2) beträgt 5 Cun.

Transversal
  • Die Entfernung zwischen den beiden Mamillen beim Mann bzw. den entsprechenden Mamillarlinien bei der Frau beträgt 8 Cun.

DAS TRANSVERSALE CUN AM ABDOMEN

Die Unkenntnis bzw. Nichtbeachtung dieser Maßeinheit ist mitschuld an den verschiedenen Verlaufsangaben der Meridiane im Bereich des Abdomens, wobei besonders der Verlauf des Nieren-Meridians in seinem Abstand von der ventralen Medianlinie bei den einzelnen Autoren unterschiedlich angegeben wird.

Rücken-Lendenbereich

Longitudinal
Als Basis der Messung dienen die Processus spinosi der Wirbelkörper einerseits und die Interkostalräume andererseits. Hierbei entspricht bei locker, mit gebeugtem Kopf und hängenden Armen stehendem Patienten die deutlichste Erhebung im Nacken dem Proc. spinosus von C 7. Der Unterrand der Skapula liegt dann in Höhe des Dornfortsatzes des 7. BWK.
Der höchste Punkt der Beckenschaufel liegt in einer Höhe mit dem Dornfortsatz des 4. LWK und die Spina posterior superior ist in Höhe des 2. Sakralwirbels gelegen.
Transversal
Die Entfernung zwischen den Innenrändern der Scapulae (Margo vertebralis) und der dorsalen Medianlinie beträgt 3 Cun. Bei der Messung lässt man den Patienten die Ellbogen mit den vor dem Thorax verschränkten Händen halten. Tipp: Zur leichteren Orientierung Dermografismus an den beschriebenen Rändern hervorrufen.

Obere Extremitäten

  • Die Entfernung zwischen der vorderen Achselfalte und der Ellbogenfalte beträgt 9 Cun.

  • Die Entfernung zwischen der Ellbogenfalte und der Handwurzelfalte beträgt 12 Cun.

Untere Extremitäten

Abb. 4.5, Abb. 4.6
  • Die Entfernung zwischen Glutäalfalte und Kniegelenksfalte beträgt 14 Cun.

  • Die Entfernung zwischen der Mitte der Fossa poplitea und der höchsten Erhebung des äußeren Knöchels beträgt 16 Cun.

  • Die Differenz der Höhen der Oberränder des äußeren und des inneren Knöchels beträgt 1 Cun.

  • Die Entfernung zwischen der höchsten Erhebung des äußeren Knöchels und dem Unterrand der Ferse beträgt 3 Cun.

Gültigkeit der Maße

Diese Maße haben für gebeugte wie gestreckte Extremitäten Gültigkeit.

Praktische Hinweise zur Punktelokalisation in der klassischen Chinesischen Akupunktur

Leopold Dorfer
Mit dieser Übersicht möchte ich Ihnen Lokalisationshilfen für die klassische Chinesische Akupunktur vorstellen. Dabei beschränke ich mich bewusst auf Punkte, die entsprechend meiner Erfahrungen aus Akupunkturkursen schwieriger zu lokalisieren sind und für die mir Lokalisationshilfen bekannt sind.

Allgemeine Vorbemerkungen

Die exakte PunktlokalisationPunktlokalisation macht in der Akupunktur trotz anatomischer Vorbildung überraschend große Probleme. Aber gerade eine hohe Präzision der Punktion ist die erste Grundvoraussetzung für den Erfolg. Erst wenn der Akupunkturpunkt erstens an der richtigen Stelle und zweitens in der richtigen Tiefe gestochen wird, setzt die Regulationswirkung auf den Organismus ein. Dabei stehen uns zwei allgemeine Hilfen zur Verfügung: die Druckschmerzhaftigkeit sogenannter aktiver Punkte und das Deqi-Gefühl.

Die Druckschmerzhaftigkeit aktiver Punkte

DruckschmerzhaftigkeitAlle Punkte der Körperakupunktur zeichnen sich durch eine erhöhte Drucksensibilität aus. Darüber hinaus zeigen Punkte, auf die sich ein krankhaftes Geschehen projiziert und die somit für die Therapie von Bedeutung sind, eine deutlich verstärkte Druckschmerzhaftigkeit. Solche Punkte nennen wir „aktive Punkte“. Diese Erhöhung der Druckschmerzhaftigkeit steht in einer so direkten Korrelation zur momentanen Aktivität der Erkrankung, dass sie zu Diagnosezwecken und zur Kontrolle des Heilungsverlaufs herangezogen werden kann. Diese Druckschmerzhaftigkeit führt den palpierenden Finger an die richtige Stelle!
  • Ich möchte vor allem Kollegen, die gerade erst mit Akupunktur begonnen haben, anregen, so oft wie möglich Punkte in Ruhe an sich selbst zu suchen. Ertasten Sie den Unterschied zwischen „blanden“ Hautstellen ohne Akupunkturpunkte und dem Areal eines Punktes. Dabei wird Ihnen auffallen, dass es in den meisten Fällen reicht, die Lokalisation eines Punktes grob zu kennen, da bei feinfühliger Palpation der sensibelste Bereich leicht entdeckt werden kann. Und dieser entspricht dem gesuchten Akupunkturpunkt.

  • Nutzen Sie weiterhin die „Chance“ einer – hoffentlich leichten – eigenen Erkrankung und beachten Sie, wie deutlich die Druckschmerzhaftigkeit eines Punktes (z. B. die Punkte des Dickdarm-Meridians bei jeder einfachen Rhinitis) ansteigt. Achten Sie darauf, dass auch großflächige Punkte, wie der Ma 36, immer eine klar spürbare Maximalreaktionsstelle aufweisen. Aus derartigen Eigenbeobachtungen gewinnt man ein tieferes Verständnis für Lokalisationen, Punktgrößen, Veränderung im Akupunkturpunkt und für verschiedene Möglichkeiten der Punktstimulation.

Wichtig: die Kommunikation mit dem Patienten!
Ich möchte Sie weiterhin anregen, sich in der Lokalisation der Punkte am Patienten von diesem leiten zu lassen. Er spürt genau, wo seine Punkte liegen, und wird Sie „hinführen“. Den Druck auf nichtaktive Punkte und blande Hautareale wird er nämlich kaum registrieren. Bei entsprechendem Druck auf aktive Punkte, also auf Punkte, die tatsächlich akupunktiert werden sollten, wird der Patient durch Mimik und Worte sehr deutlich ausdrücken, dass Sie fündig geworden sind. In Zweifelsfällen frage ich: „Wo spüren Sie den Punkt am deutlichsten?“ So kann die Kommunikation mit dem Patienten eine unersetzbare Hilfe in der Akupunkturarbeit sein – einerseits um Punkte noch exakter zu lokalisieren, andererseits um aus verschiedenen möglichen Punkten jene herauszufiltern, die für den spezifischen Fall am besten geeignet sind.
Punktsuchgerät
PunktsuchgerätAbschließend sei erwähnt, dass das Punktsuchgerät für Körperpunkte leider nicht sehr zuverlässig ist und somit in der klassischen Akupunktur weniger Bedeutung hat, da die Punkte tiefer liegen als vergleichsweise bei der Ohrakupunktur. Dadurch erhält die exakte Kenntnis der genauen anatomischen Lokalisation jedes Akupunkturpunktes eine besondere Wichtigkeit. Zudem ist die Untersuchung der Druckschmerzhaftigkeit am leichtesten zu erlernen und einfach, überall und jederzeit anwendbar.

Das Deqi-Gefühl

Deqi-GefühlEin großer Vorteil der Körperakupunktur besteht darin, dass bereits der Anfänger durch das Deqi-Gefühl eine Kontrolle darüber hat, ob ein Punkt exakt getroffen wurde. Nach Durchstechen der Haut muss mit der Nadelspitze das Zentrum des Punktes gefunden werden, ein Zucken der Muskulatur und das Gefühl, „als ob die Nadel festgehalten würde“, zeigt Ihnen, dass Sie fündig geworden sind, noch deutlicher aber die Reaktionen des Patienten, der plötzlich das Gefühl von Wärme, sanftem Druck oder von elektrischem Durchströmen wahrnimmt. Die Akupunktur besteht daher aus zwei Schritten:
  • 1.

    durch die Haut stechen,

  • 2.

    das Punktzentrum in der Tiefe suchen.

Interessant ist, dass der Stich durch die Haut einen gewissen Schmerz auslöst, im darunter liegenden Gewebe aber das Schmerzempfinden fast null ist, sofern man sich nicht sensiblen Strukturen wie Periost oder Nerven nähert. Ich steche daher zuerst die Nadel so rasch und schwungvoll wie möglich durch die Haut und suche „im zweiten Anlauf“ in aller Ruhe mit der Nadelspitze den Punkt. Idealerweise erreiche ich diesen beim ersten Tieferführen der Nadel. Falls nicht, ziehe ich die Nadel bis auf etwa 2 mm Tiefe zurück und führe sie in verschiedenen Winkeln immer wieder in die Tiefe. Erst ein deutliches Deqi-Gefühl gibt mir die Gewähr, dass der Punkt exakt getroffen wurde und die Akupunkturwirkung einsetzen wird, denn Körperakupunktur mit Auslösung des Deqi-Gefühls wirkt deutlich intensiver.

Vorbemerkung zu den Meridianen

Frank Bahr, Leopold Dorfer und Hans Zeitler
Die Akupunkturpunkte sind gegliedert nach ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten Meridianen, die ihrerseits eine Rückwirkung auf Organe bzw. Organsysteme haben.
Meridian: Unter dem Meridian eines Organs oder Hohlorgans versteht man formal eine Verbindungslinie, die durch eine Reihe von empirisch als wirksam nachgewiesenen Punkten markiert ist. Diese Punkte stehen in Beziehung zu einem Organ, die sich dadurch äußert, dass bei einer Funktionsstörung oder einer Organerkrankung ein oder mehrere Meridianpunkte sensibel werden können.

Untersuchung unterschiedlicher Meridiane mit Laserfrequenzen

Bei Untersuchung der Akupunkturpunkte mit Lasern fanden Reininger und Bahr, dass alle Akupunkturpunkte jeweils eines Meridians in eine Resonanzerregung zu bringen sind [1,2]. Jeder Meridian hat eine eigene zugehörige Laserfrequenz als Schwingungsphänomen; damit ist bewiesen, dass die einzelnen Akupunkturpunkte eines Meridians tatsächlich miteinander in Verbindung stehen. Auch die jeweils korrespondierenden Ohrpunkte und das betroffene Organ selbst zeigen dieselben Resonanzerscheinungen.

Die verschiedenen Arten der Körperakupunkturpunkte

Yin und YangYin und Yang: Die altchinesische Philosophie und Medizin betrachtet in der Natur und am lebenden Körper alle sich abspielenden Vorgänge nach dem sich polar verhaltenden Yin- und Yang-System, daher stammt die Zuordnung jedes Meridians zu Yin oder Yang.
Ursprungspunkt = Jing (auch in der Literatur als Ting bzw. Brunnenpunkt bezeichnet)
UrsprungspunktHier beginnt bzw. endet der Meridian. Besondere Bedeutung haben die Jing-Punkte zu Sehnen und Muskeln (Spezialpunkte für die tendinomuskulären Meridiane, siehe bei den jeweiligen Meridianen).
Tonisierungspunkt (+) und Sedativpunkt (–)
TonisierungspunktSedativpunktKeine Punktwirkung ist für uns so leicht verständlich wie die der Tonisierungs- und Sedierungspunkte. Sie liegen immer auf ihrem zugehörigen Meridian und mit ihrer Hilfe gelingt es, sowohl in einem Meridian mit dem dazugehörigen Organ als auch in einem Funktionskreis die Energielage zu modulieren. Sie sind demnach die führenden Punkte bei der Behandlung einer Schwäche bzw. Fülle.
  • In all den Fällen, wo man umgangssprachlich von einem „schwachen“ Organ, wie z. B. einem „schwachen Magen“ mit chronisch rezidivierender Gastritis, Völlegefühl usw., spricht, werden in erster Linie die Tonisierungspunkte angewendet.

  • Tonisierungspunkte haben, wie die Forschungsergebnisse aus der Aurikulomedizin gezeigt haben, einen direkten, fast reflexartigen Wirkungsmodus, entsprechen also einer Organprojektion, wie wir sie aus der Ohrakupunktur kennen.

  • Die Sedierungspunkte leiten wirkungsvoll bei einer Fülle aufgestaute Energie in das Gesamtsystem des Organismus ab. Nachdem aber in etwa 80 % unserer Patienten eine chronische Schwäche die Grundlage für die beklagten Beschwerden darstellt, finden sie nur in etwa 20 % der Behandlungsfälle Anwendung.

  • Klassische Beispiele sind hochakute, krampfartige, entzündliche, schmerzhafte Erkrankungen, die aus chinesischer Sicht einer Fülle zuzuordnen sind. So muss z. B. bei einer akuten Gallenkolik der Punkt Gb 38 gestochen werden. Sobald der akute Füllezustand abgeklungen ist, tritt aber wieder zutage, was eigentlich die Basis dieser Exazerbation gebildet hat, nämlich eine Schwäche der Gallenblase (mit einer schulmedizinischen Diagnose wie chronische Cholezystopathie oder chronische Cholezystitis). Sobald die akute Fülle abgeklungen und wieder zur ursprünglichen Schwäche übergegangen ist, muss wieder der Tonisierungspunkt Gb 43 gewählt werden. Da die meisten Patienten mit akuten Beschwerden schulmedizinische Einrichtungen aufsuchen und erst mit chronischen Leiden zum Akupunkturarzt kommen, finden wir in unseren Praxen die Notwendigkeit der Tonisierung so häufig.

  • Der auch nicht ganz leicht verständliche Übergang von Fülle zu Leere wird besser nachvollziehbar, wenn man an ein Beispiel aus der physikalischen Medizin denkt: Bei der degenerativen, arthrotischen Veränderung von Gelenken (= Schwäche) wendet man Wärme in verschiedenen Formen wie Fango, Moor oder Tiefenwärme an (= Tonisierung). Pfropft sich aber auf einen chronischen, degenerativen Zustand eine akute Entzündung (= Fülle) auf, dann werden plötzlich sedierende Maßnahmen wie Kryotherapie, kalte Packungen usw. (= Sedierung) wichtig, eine Wärmeanwendung wäre kontraindiziert und würde die Beschwerden nur noch verstärken.

  • Sobald der akute Schub aber abgeklungen ist, wird Wärme wieder sehr gut vertragen. Dieser Wechsel der Zustandsbilder, diese Dynamik einer Erkrankung ist eines der entscheidensten Verständnisgrundlagen für eine gute Behandlung, die möglichst gut an wechselnde Verhältnisse angepasst werden muss.

Quellpunkt = Yuan (übliche Abkürzung Q)
QuellpunktEin Quellpunkt hat eine Verstärkerfunktion für die Wirkung sowohl eines gestochenen Tonisierungs- als auch eines Sedativpunktes. Wegen des besonderen Bezugs zur Basisenergie (Erbenergie) werden diese Punkte bei tiefer gehenden Störungen bevorzugt eingesetzt.
Durchgangspunkt = Luo
DurchgangspunktDer Durchgangspunkt wird meist eingesetzt, um zwei gekoppelte Meridiane miteinander zu verbinden (zum Yin-Yang-Ausgleich, vergleichbar arteriovenösen Anastomosen).
Schon die Übersetzung des Wortes Luo = „Netz“ oder „Verknüpfung“ deutet diese Wirkung an. Die Luo-Punkte eröffnen uns den Weg zu netzartigen Verknüpfungen, mit denen wir gleichzeitig auf zwei Meridiane (transversales Luo) einwirken können. Die Energie fließt dabei vom Fülle-Meridian in den gekoppelten Meridian ab, und zwar vom Luo-Punkt des Fülle-Meridians zum Quellpunkt des Partnermeridians. Vom Luo-Punkt aus kann auch das zugehörige Organ beeinflusst werden (sogenanntes horizontales Luo).
Reflexpunkt für inneren Organbezug = He (auch in der Literatur als Ho- bzw. Meerpunkt bezeichnet)
ReflexpunktDer Reflexpunkt wirkt stark regulierend auf das Organ, das dem jeweiligen Meridian seinen Namen gibt. Er liegt immer im Bereich der Ellbogen oder Kniegelenke.
Die Punkte mit der deutschen Bezeichnung „Meeres-Punkt“ haben eine spezielle Bedeutung, die eine gesonderte Betrachtung verdienen: Sie wirken wie direkte Reflexpunkte der inneren Organe, das heißt, dass sie auf das Organ, das dem jeweiligen Meridian seinen Namen gibt, stark regulierend einwirken. So bildet die Gabe z. B. des He-Punktes des Magens (Ma 36) einen Eckpfeiler in der Therapie einer chronischen Gastritis oder die Nadelung des He-Punktes des Dickdarms (Di 11) ist die Basis für die Therapie einer atonischen Obstipation. Diese Punkte haben gleichsam eine „Online-Verbindung“ zu den jeweiligen Organen und können somit nachhaltig und rasch einwirken. Sie bilden gemeinsam mit den Tonisierungspunkten die Basis für die Therapie innerer Erkrankungen.
Punkte mit segmentaler Wirkung
Punkt mit segmentaler WirkungSchon in der klassischen chinesischen Akupunktur wurde die Kombination der Zustimmungspunkte (Shu) mit den Alarmpunkten (Mu) empfohlen. Vor allem dient dies zum Ausgleich des Yang mit dem Yin, da die Zustimmungspunkte dem Yang zugeordnet werden, die Alarmpunkte dagegen dem Yin.
  • In Ergänzung einer lokoregionalen Behandlung bringt die „Vorne-hinten“-Koppelung, also die Verbindung von Yin und Yang, in der Praxis hervorragende Resultate.

Alarmpunkt = Mu
AlarmpunktDer Alarmpunkt ist bei ausgeprägten Krankheiten in dem ihm zugehörigen Funktionskreis besonders drucksensibel und weist damit auch eine diagnostische Wertigkeit auf.
Zustimmungspunkt = Shu
ZustimmungspunktZustimmungspunkte liegen in ihrer Gesamtheit dorsal, und zwar auf dem medialen Teil des sogenannten Blasenmeridians und zeigen in etwa segmentale Gliederung. Jedes Segment ist einem Funktionskreis zugehörig.
Synopse der Zustimmungs- und Alarmpunkte
Alarmpunkte:ÜbersichtZustimmungspunkte:ÜbersichtEs soll nochmals betont werden, dass der Yin-Yang-AusgleichYin-Yang-Ausgleich über die „Vorne-hinten“-Koppelung immer günstig ist. Es gibt keine Kontraindikation für diese Regel, daher kann man sie den noch nicht so erfahrenen Akupunkturärzten besonders empfehlen (Tab. 4.1).

Literatur

[1].

M. Reiniger Die Frequenzen der Meridiane 2000 Scriptum im Eigenverlag

[2].

F. Bahr Die modifizierten Reininger-Meridian-Frequenzen. Vortrag beim Expertenkurs in Davos 2001

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