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B978-3-437-23325-8.00007-5

10.1016/B978-3-437-23325-8.00007-5

978-3-437-23325-8

Krankheitsspektrum in der medizinischen Rehabilitation Erwachsener (ambulant und stationär; ohne Fälle, bei denen die 1. Diagnose noch nicht erfasst ist): 2000 und 2014

(Quelle: Verband Deutscher Rentenversicherungsträger, www.deutsche-rentenversicherung.de; Abdruck mit freundlicher Genehmigung)

Einleitung und Durchführung rehabilitativer Maßnahmen

H.-M. Mühlenfeld

  • 7.1

    Definition der Rehabilitation (Reha)150

  • 7.2

    Häufigkeit und Ursachen von Rehabilitationsmaßnahmen in Deutschland150

  • 7.3

    Anspruchsvoraussetzungen151

  • 7.4

    Kostenträger152

  • 7.5

    Einleitung einer Rehabilitation152

  • 7.6

    Leistungen, Ziele und Dauer medizinischer Rehabilitation153

  • 7.7

    Vorsorgeleistungen (Kuren)156

  • 7.8

    Berufliche Rehabilitation156

  • 7.9

    Rehabilitation für Kinder157

  • 7.10

    Nachsorge157

Definition der Rehabilitation (Reha)

Rehabilitation:DefinitionIm deutschen Sozialversicherungssystem ist die Rehabilitation, auch von Menschen mit Behinderungen und Pflegebedürftigen, ein vorrangiges Therapieziel („Rehabilitation vor Rente, Reha vor Pflege“), um eine Berentung und/oder Pflegebedürftigkeit zu vermeiden.
Was bedeutet Rehabilitation? Beschreiben Sie kurz die unterschiedlichen Reha-Arten.
Rehabilitation:ArtenEine Rehabilitation zielt darauf ab, die Folgen einer Erkrankung zu mindern. Dies wird z. B. erreicht durch eine medizinische Behandlung (medizinische Rehabilitation) sowie durch die Wiedereingliederung in den Beruf (berufliche Rehabilitation) und in das soziale Umfeld (soziale Rehabilitation).
Anlässlich einer Reha erfolgt eine Funktionsdiagnostik, um körperliche, geistige und psychische Beeinträchtigungen festzustellen und entsprechende therapeutische Maßnahmen durchzuführen.
Patienten sollen lernen, ihre Einschränkungen zu überwinden oder zumindest zu kompensieren. Sie verändern im Erfolgsfall ihr Ernährungs-, Bewegungs- und Freizeitverhalten. Zum Abschluss der Rehabilitation wird eine sozialmedizinische Beurteilung der Leistungsfähigkeit im Erwerbsleben erstellt, die auch prognostische Bewertungen einschließt.

Häufigkeit und Ursachen von Rehabilitationsmaßnahmen in Deutschland

Schätzen Sie, wie viele stationäre Rehabilitationsmaßnahmen im Jahr 2014 in Deutschland durchgeführt wurden.
Rehabilitation:UrsachenRehabilitation:Häufigkeit2014 gingen bei der Rentenversicherung mehr als 1,6 Mio. Anträge auf medizinische Rehabilitation ein. Rund 75 % der erledigten Anträge wurden bewilligt, etwa 25 % abgelehnt – überwiegend aus medizinischen Gründen. Andere Fälle wurden aus mangelnder Zuständigkeit der Rentenversicherung, wenige aus versicherungsrechtlichen Gründen abgelehnt. Die Kosten hierfür betrugen ca. 6 Mrd. Euro.
Was waren die häufigsten Ursachen für stationäre Rehabilitationsmaßnahmen im Jahr 2014?
Die häufigsten Ursachen waren Erkrankungen von Skelett, Muskulatur und Bindegewebe, gefolgt von bösartigen Neubildungen und psychiatrischen Erkrankungen (Abb. 7.1).

Anspruchsvoraussetzungen

Rehabilitation:Anspruchsvoraussetzungen

Fallbericht

Ein Ihnen bekannter 43-jähriger Gerüstbauer stellt sich in diesem Jahr zum dritten Mal mit Rückenschmerzen in der Sprechstunde vor. Die letzte Krankheitsepisode dauerte 4½ Wochen. Eine orthopädische Abklärung/Intervention erbrachte keine neuen Erkenntnisse. Bei der aktuellen Vorstellung ist „alles noch schlimmer als beim letzten Mal“.

Hier kommt eine medizinische Rehabilitation infrage, um die Arbeitsfähigkeit des Patienten zu erhalten bzw. wiederherzustellen, da die Krankheit die berufliche Leistungsfähigkeit des Versicherten erheblich gefährdet.

Unter welchen Bedingungen können Reha-Maßnahmen in die Wege geleitet werden?
Der Patient muss Mitglied einer Renten- oder Krankenversicherung sein. Außerdem muss mindestens einer der folgenden Punkte zutreffen:
  • Er muss längerfristig oder häufiger wegen einer chronischen Erkrankung arbeitsunfähig sein.

  • Nach einer schweren Akuterkrankung oder einer chronischen Krankheit ist eine Wiedereingliederung in Beruf und Alltag erforderlich.

  • Ein Patient ist im ambulanten oder stationären kurativen Bereich nur unzureichend therapierbar.

Der Gerüstbauer lehnt jedoch Ihren Vorschlag ab, mit dem Hinweis, er habe großes Heimweh und könne seine Familie nicht alleine lassen.

Welche Alternative können Sie ihm anbieten?
Leistungen zur medizinischen Rehabilitation können stationär und auch ambulant am Heimatort durchgeführt werden.
Die ambulante Rehabilitation sollte inhaltlich und konzeptionell eine gleichwertige Alternative zur stationären Rehabilitation sein. Voraussetzung für die Teilnahme am ambulanten Rehabilitationsverfahren ist eine ausreichende Mobilität des Patienten. Die ambulante Rehabilitation befindet sich im Aufbau und macht derzeit nur 14 % der Gesamtkapazität aus. Eine stationäre Rehabilitation bei körperlichen Erkrankungen kostete 2010 im Durchschnitt 2.469 Euro, eine ambulante Rehabilitation 1.456 Euro.

Kostenträger

Welches sind die Kostenträger der Rehabilitationsverfahren?
Rehabilitation:KostenträgerEs sind die Rentenversicherungsträger, z. B. die Deutsche Rentenversicherung (DRV), in manchen Fällen auch die Krankenversicherungen.
Wer trägt die Rehabilitationskosten nach einem Arbeitsunfall?
Rehabilitation:ArbeitsunfallNach Arbeits- oder Wegeunfällen tragen die Berufsgenossenschaften die Rehabilitationskosten.

Einleitung einer Rehabilitation

Wie und durch wen wird eine Rehabilitationsmaßnahme eingeleitet?
Rehabilitation:EinleitungRehabilitationsmaßnahmen werden durch die Patienten mit ärztlicher Unterstützung bei dem entsprechenden Kostenträger beantragt (neues Formular Muster 61 ab April 2016). Der behandelnde Arzt bzw. die behandelnden Ärzte erstellen auf Anforderung Befundberichte für den Kostenträger. Der Kostenträger prüft den Antrag und entscheidet dann entweder nach Aktenlage oder nach Anfertigung eines Gutachtens über den Antrag.
Welchen Grundgedanken verfolgen die Kostenträger bei der Entscheidung?
Die Rentenversicherungsträger haben ein natürliches Interesse daran, die Arbeitsfähigkeit der Patienten durch geeignete Maßnahmen wiederherzustellen bzw. diese zu erhalten. Dies gelingt natürlich nur, wenn eine gewisse Prognose für die Rehabilitationsfähigkeit besteht. Rehabilitationsfähig zu sein bedeutet, dass der Patient
  • mobilisiert sein muss (d. h. ohne fremde Hilfe essen, sich waschen und sich auf der Ebene bewegen kann),

  • für effektive rehabilitative Maßnahmen ausreichend belastbar ist,

  • motiviert und aufgrund seiner geistigen Aufnahmefähigkeit und psychischen Verfassung in der Lage sein sollte, bei der Rehabilitation aktiv mitzuarbeiten.

Eine Kontraindikation für die Einleitung und Durchführung einer Reha/AHB kann z. B. eine schwerwiegende Begleiterkrankung sein.

Leistungen, Ziele und Dauer medizinischer Rehabilitation

Rehabilitation:Leistungen

Fallbericht

Ein 44-jähriger Müllwerker raucht trotz seiner chronisch obstruktiven Bronchitis ca. 20 Zigaretten am Tag. In den letzten drei Jahren ist es besonders im Winter wiederholt zu Infektexazerbationen gekommen. Sie versuchen, ihn für eine Rehabilitationsmaßnahme zu gewinnen. Er winkt jedoch ab mit dem Hinweis, dass dies viel zu teuer sei. „Ein Kollege musste sehr viel dafür bezahlen.“

Welche Leistungen werden vom Rentenversicherungsträger bei einer stationären Rehabilitation übernommen?
Die Kosten für:
  • Reise, Unterbringung und Verpflegung

  • ärztliche Leistungen

  • Anwendungen und Behandlungen im Rahmen der Maßnahme

  • Aufwendungen für Hilfsmittel

Der Patient wird aber an den Kosten einer stationären Leistung mit bis zu 10 Euro pro Tag für längstens 28 Tage im Kalenderjahr beteiligt (wobei die Zuzahlung während einer Krankenhausbehandlung in demselben Jahr angerechnet wird).

Fallbericht

Sie haben einem 49-jährigen Lagerarbeiter geholfen, eine stationäre Rehabilitation zu beantragen. Der Patient leidet unter einer Beinverkürzung und Peroneuslähmung bei Z. n. Kinderlähmung und war in den letzten Jahren wegen Lumbalgien über längere Zeiträume arbeitsunfähig. Er selbst vermutete schon, dass „… er es nicht bis zur Rente schaffen würde.“

Was erwarten Sie von dieser Reha-Maßnahme? Nennen Sie die Therapieschwerpunkte bei Erkrankungen des Bewegungsapparats.
Rehabilitation:BewegungsapparatDie Schwerpunkte der orthopädischen Rehabilitation liegen in der physikalischen Therapie, im Ausdauer- und Muskeltraining sowie in der Versorgung mit Hilfsmitteln. Im Rahmen der Gesundheitsbildung wird Wissen über die orthopädischen Krankheitsbilder und deren Risikofaktoren (z. B. Übergewicht) vermittelt. Die Patienten erlernen Verhaltensweisen und Übungen (im Fallbericht z. B. Rückenschule), die in den Alltag übertragbar sind und damit eine praktische Hilfe auch nach Abschluss der Rehabilitation darstellen.
Welche Maßnahmen könnten in der Reha-Klinik in Bezug auf die Beinverkürzung und die Paresen ergriffen werden?
Neben der Optimierung der Hilfsmittelversorgung (z. B. Peroneusfeder) werden eine Optimierung des Ganges gelehrt und gelenkschonende Maßnahmen, z. B. durch Weichbettungseinlagen und Höhenausgleich durchgeführt.

Fallbericht

Eine alleinerziehende 37-jährige Lehrerin (Tochter 16 Jahre), die Sie seit Jahren wegen somatoformer Störungen und rezidivierender depressiver Episoden betreuen, stellt sich nun weinend bei Ihnen vor. Eine zweijährige verhaltenstherapeutische Psychotherapie habe sie vor drei Monaten beendet, da sie „nicht mehr die Zeit gefunden“ habe. Sie klagt nun über zunehmende Schlafstörungen und Erschöpfungsgefühle. Nach der Akutintervention empfehlen Sie ihr ein psychosomatisches Reha-Verfahren.

Nennen Sie einige Ziele und Methoden der Rehabilitationsmaßnahmen bei psychischen und psychosomatischen Erkrankungen.
Rehabilitation:PsychosomatikWährend der Rehabilitationsmaßnahme sollen Patienten den Zusammenhang zwischen ihrer Lebensgeschichte und ihren körperlichen und seelischen Erkrankungen/Symptomen kennen lernen. Ziel ist es, schädliche Sicht- und Verhaltensweisen, die sich oft über Jahre verfestigt haben, zu ändern, ein gesünderes Verhalten einzuüben und in den Alltag zu integrieren. Häufig wird eine Gruppentherapie angewandt, die durch Einzelgespräche ergänzt wird. Unterstützt wird die Psychotherapie durch aktive Bewegungstherapie, Entspannungstraining und Musik-, Gestalt- oder Tanztherapie.

Fallbericht

Ein 57-jähriger, übergewichtiger Möbelpacker ist seit Jahren wegen Hypertonie und Diabetes mellitus Typ 2 in Ihrer Behandlung. Die Inhalte der durchgeführten Einzel- und Gruppenschulungen hat er nicht ausreichend beherzigt. Jetzt ist es zu erhöhten Blutzucker-Werten gekommen (HbA1c 8,6 %). Sie können ihn überzeugen, eine stationäre „Kur“ zu beantragen.

Welches Ziel wird bei der Einleitung einer Reha-Maßnahme bei Stoffwechselerkrankungen, z. B. Diabetes mellitus, in erster Linie verfolgt?
Rehabilitation:StoffwechselerkrankungZiel ist die langfristige Umstellung der Lebensweise, insbesondere von Ernährung und Bewegung. Therapieschwerpunkte sind daher ein Gesundheitstraining und eine Ernährungsberatung. Die meisten Rehabilitationseinrichtungen verfügen über eigene Lehrküchen, in denen die Rehabilitanden unter Anleitung das theoretisch Gelernte aktiv umsetzen können. Weitere Schwerpunkte sind Gewichtsreduktion, körperliches Training und Informationen sowie Schulung zur Stoffwechselkontrolle in Eigenregie.

Fallbericht

Bei einem Ihnen seit Langem bekannten, alkoholkranken 53-jährigen Maurergesellen reichen Ihre therapeutische Intervention sowie mehrfache Versuche eines Psychiaters nicht aus, seinen Alkoholkonsum auf ein gesundheitsverträgliches Maß zu reduzieren. Auch Entwöhnungsversuche über die örtliche Suchtberatungsstelle waren erfolglos.

Welche Möglichkeiten stehen über den Rentenversicherungsträger zur Verfügung?
Entwöhnungsbehandlungen. Diese werden von der DRV in Arbeitsgemeinschaft mit den GKV-Kassen bei stoffgebundenen Suchterkrankungen wie Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabhängigkeit durchgeführt.
Wie lange dauern Entwöhnungsbehandlungen bei Suchterkrankungen normalerweise? Wo werden Sie durchgeführt?
EntwöhnungsbehandlungEntwöhnungsbehandlung:SuchterkrankungDie Entwöhnungsbehandlungen erfolgen stationär, teilstationär oder ambulant. Stationäre Entwöhnung erfolgt in spezialisierten Fachkliniken i. d. R. für eine Dauer von 10–16 Wochen bei Alkohol- und Medikamentenabhängigen sowie bis zu 26 Wochen bei Drogenabhängigen. Die ambulante Entwöhnungsbehandlung dauert i. d. R. ca. 6–18 Monate. Bei nicht stoffgebundenen Abhängigkeitserkrankungen, wie Mager-, Ess- oder Spielsucht, werden die notwendigen Leistungen stationär in psychosomatischen Facheinrichtungen durchgeführt. Nach einer stationären Entwöhnungsbehandlung ist eine ambulante Nachsorge möglich.
Wer trägt die Kosten für die evtl. notwendige Entgiftungsbehandlung vor der Entwöhnungsbehandlung?
Die Kosten für diese Behandlung werden i. d. R. von der Krankenversicherung übernommen.
Ein Patient kann aus medizinischen Gründen nicht mit der Bahn zur Reha-Klinik anreisen. Werden die Kosten für ein Taxi übernommen?
Die Reisekosten zur Rehabilitation:ReisekostenRehabilitationseinrichtung anlässlich einer stationären Rehabilitation werden in Höhe der Kosten für öffentliche Verkehrsmittel übernommen. Sofern eine Fahrt mit dem Taxi zur Rehabilitationseinrichtung aus medizinischen Gründen unabdingbar ist (entsprechende Bestätigung durch den Arzt), werden auch hierfür die Kosten übernommen. Die durch die Taxifahrt entstehenden Kosten können direkt mit der Rehabilitationseinrichtung oder dem Kostenträger abgerechnet werden.
Wer trägt die Kosten für den Arbeitsausfall während einer Rehabilitationsmaßnahme?
Eine medizinische Rehabilitation wird arbeitsrechtlich einer Arbeitsunfähigkeit gleichgestellt. Einem Arbeitnehmer wird das Arbeitsentgelt daher grundsätzlich bis zu sechs Wochen weitergezahlt.
Wie lange dauert eine Rehabilitationsmaßnahme in der Regel?
Drei Wochen.
Kann eine Rehabilitationsmaßnahme verlängert oder verkürzt werden? Wenn ja, wann?
Ja. Die Reha-Klinik kann bei medizinischer Notwendigkeit beim Kostenträger eine Verlängerung beantragen. Ebenso ist eine Verkürzung, z. B. bei einer nicht vorhandenen Rehabilitationsfähigkeit durch eine akute Erkrankung oder Verschlechterung, möglich.
Welches Ziel wird bei der Einleitung einer Reha-Maßnahme bei onkologischen Erkrankungen verfolgt?
Rehabilitation:OnkologieZiel der onkologischen Nachsorge ist es,
  • Folgestörungen der Erkrankung und/oder Therapie zu bessern oder zu beseitigen,

  • Hilfen zur psychischen Krankheitsbewältigung zu geben,

  • Informationen über die Krankheit und deren Folgen zu vermitteln,

  • die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern.

Was versteht man unter einer Anschlussheilbehandlung (AHB)?
Anschlussheilbehandlung (AHB)Die Anschlussheilbehandlung ist eine Rehabilitationsleistung, die sich unmittelbar an einen Krankenhausaufenthalt anschließt. Sie wird nur Versicherten gewährt, die unmittelbar (innerhalb von 14 Tagen) nach ihrer Krankenhausbehandlung in eine AHB-Rehabilitationseinrichtung verlegt werden.
Wer leitet eine AHB ein?
Der betreuende Krankenhausarzt.
Welche Voraussetzungen müssen für eine AHB-Maßnahme erfüllt sein?
Ein AHB-Verfahren kann erfolgen, wenn die Hauptdiagnose des Patienten im AHB-Katalog aufgeführt ist (z. B. Z. n. akutem Herzinfarkt, Z. n. Gefäß-OP, Z. n. Tumor-OP, Z. n. Entgiftung) und der Patient rehabilitationsfähig ist.

Fallbericht

Ein adipöser, 56-jähriger Versicherungskaufmann mit bekanntem Nikotinabusus stellt sich mit linksthorakalen Brustschmerzen in der Sprechstunde vor. Ihr Verdacht auf einen akuten Myokardinfarkt bestätigt sich. Unmittelbar nach dem Klinikaufenthalt geht er zur Anschlussheilbehandlung in eine Herz-Kreislauf-Klinik mit Reha-Abteilung.

Mit welchen Therapiezielen und -elementen sollte in der Reha-Klinik gearbeitet werden?
Ziel der Rehabilitation bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist es, den Patienten unter Berücksichtigung seines individuellen Leistungsvermögens und seiner Risikofaktoren-Konstellation schrittweise an die Belastungen in Beruf und Alltag heranzuführen. Wichtige Therapieelemente sind daher die dosierte Trainingstherapie, das gezielte Gesundheitstraining zur Beeinflussung der Risikofaktoren und der Erwerb von Angst- und Stressbewältigungsmechanismen. Die AHB unterscheidet sich also inhaltlich nicht von den genannten Reha-Charakteristika.

Vorsorgeleistungen (Kuren)

Kurmaßnahme Badekur

Fallbericht

Einem 67-jährigen ehemaligen Schweißer wurden während seines Arbeitslebens zweimal Rehabilitationsmaßnahmen wegen chronischer Lumbalgien durch die Deutsche Rentenversicherung genehmigt. Bei der Vorstellung in der Praxis klagt er, er habe in letzter Zeit erneut wiederholt Rückenschmerzen, und bittet Sie um eine weitere „Kurmaßnahme“.

Kann der Patient, der seit zwei Jahren Rentner ist, eine Rehabilitation vom Rentenversicherungsträger beanspruchen?
Rehabilitation:RentnerNein, Bezieher einer Altersrente haben keinen Anspruch auf Rehabilitationsmaßnahmen durch den Rentenversicherungsträger, die Kosten werden allerdings bei einer akzeptierten Indikationsstellung bisweilen von den Krankenkassen übernommen. Bezieher von Erwerbsminderungs- und Erwerbsunfähigkeitsrenten hingegen behalten ihren Anspruch auf Rehabilitationsmaßnahmen durch den Rentenversicherungsträger bis zum Erreichen der Altersrente.
Welche andere Möglichkeit einer „Kurmaßnahme“ können Sie dem Patienten anbieten?
Man kann ihm raten, eine sog. VorsorgeleistungVorsorgeleistungen (früher Kurmaßnahme) bei seiner Krankenkasse zu beantragen. Hierzu füllen Sie mit ihm den Antrag „Anregung einer ambulanten Vorsorgeleistung in anerkannten Kurorten gem. § 23, 2 SGB V“ aus. Sofern die Krankenkasse den Antrag positiv entscheidet, muss sich der Patient den Kurort und die Unterkunft selbst aussuchen. Hilfreich hierbei sind der Deutsche Heilbäderverband e. V. (www.dhv-berlin.de) und der Deutsche Bäder-Kalender.
Die Krankenkasse übernimmt die Kosten der ärztlichen Behandlung sowie 85–100 % der Anwendungskosten (Bäder, Massagen, Physiotherapie). Zu den übrigen Kosten (Unterkunft, Verpflegung, Kurtaxe, Fahrtkosten) kann die Krankenkasse einen Zuschuss von bis zu 13 Euro pro Tag gewähren (bei Kleinkindern und chronisch Kranken 21 Euro). Voraussetzung ist allerdings, dass die Behandlungsmaßnahmen am Wohnort nicht mehr ausreichend sind. Für eine Kur kann in der Regel keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ausgestellt werden, da sich AU-Ursache (Krankheit) und Kur-Veranlassung (Vorsorge) inhaltlich widersprechen. Für Vorsorgemaßnahmen muss beim Arbeitgeber Urlaub genommen werden („Kurlaub“).Kururlaub
Was versteht man unter einer Kompaktkur?
Für eine genehmigte KompaktkurKompaktkur organisiert die Krankenkasse den therapeutischen Teil und schlägt dafür geeignete Kurorte vor. Hohe Therapiedichte mit vier oder fünf Stunden täglich, Behandlung in geschlossenen Gruppen mit maximal 15 Teilnehmern, konstante Gruppenleitung, ein ganzheitliches Therapieprogramm aus sechs Bereichen, regelmäßige Arztbesuche und interdisziplinäre Qualitätszirkel der Leistungserbringer am Kurort kennzeichnen diese Art der Vorsorgeleistung.
Gibt es für Rentner nur ambulante Vorsorgemaßnahmen?
Nein. Reicht eine ambulante Kur nicht aus, kann die Krankenkasse nach Maßgabe des MDK eine stationäre Behandlung mit Unterkunft und Verpflegung in einer stationären Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtung bewilligen (meist handelt es sich um kasseneigene Kliniken). Hierbei werden von der Krankenkasse die Kosten übernommen. Die Selbstbeteiligung beträgt im Allgemeinen 10 Euro pro Tag.

Berufliche Rehabilitation

Was versteht man unter beruflicher Rehabilitation?
Rehabilitation:beruflicheDie berufliche Rehabilitation umfasst alle Maßnahmen und Hilfen, die erforderlich sind, die dauerhafte Eingliederung oder Wiedereingliederung behinderter Menschen in Arbeit, Beruf und Gesellschaft zu erreichen.

Fallbericht

Ein 47-jähriger Patient wird nach einem zerebralen Insult mit rechtsseitiger Hemiparese aus stationärer Rehabilitation zunächst arbeitsunfähig entlassen. Um an seinem Arbeitsplatz als Ingenieur wieder tätig werden zu können, benötigt er eine Änderung der PC-Ausstattung sowie einen Spezialbürostuhl. Sein Arbeitgeber verweigert die Anschaffung aufgrund der hohen Kosten.

Wer könnte diese Kosten tragen?
Der Rentenversicherungsträger hat hier gemäß SGB IX die Pflicht, im Rahmen der beruflichen Rehabilitation den vorhandenen Arbeitsplatz zu sichern oder einen neuen gesundheitsgerechten Arbeitsplatz herzustellen (z. B. Arbeitsausrüstung, Hilfsmittel am Arbeitsplatz, technische Arbeitshilfen, Umsetzung im Betrieb, Vermittlung eines neuen Arbeitsplatzes, Trainingsmaßnahmen, Kraftfahrzeughilfe). Ferner kann die Übernahme der Kosten für berufsvorbereitende sowie für Qualifizierungsmaßnahmen in Form von beruflicher Anpassung, Weiterbildung und Ausbildung erfolgen. Nachrangig ist die Bundesanstalt für Arbeit leistungspflichtig (z. B. wenn ein Patient weniger als 15 Jahre rentenversichert war).

Rehabilitation für Kinder

Gibt es auch Rehabilitationsverfahren für Kinder? Voraussetzung?
Rehabilitation:KinderJa, auch für Kinder können Rehabilitationsleistungen durch den Rentenversicherungsträger der Eltern erbracht werden, wenn hierdurch voraussichtlich eine erhebliche Gefährdung der Gesundheit beseitigt oder eine beeinträchtigte Gesundheit wesentlich gebessert oder wiederhergestellt werden und dies Einfluss auf die spätere Erwerbsfähigkeit haben kann (34.223 Maßnahmen im Jahr 2010 im Bundesgebiet).
Nennen Sie häufige Indikationen für Rehabilitationsmaßnahmen bei Kindern und Jugendlichen.
  • Erkrankungen der Atemwege (Asthma)

  • Hauterkrankungen (Neurodermitis)

  • Adipositas mit Folgeschäden

  • psychische Erkrankungen

Nachsorge

Wie geht es nach einer Reha-Maßnahme weiter?
Rehabilitation:NachsorgeIm Anschluss an eine Reha-Maßnahme wird der Patient durch die Reha-Klinik bei Bedarf in ein Nachsorgeprogramm des Rentenversicherungsträgers übergeleitet. Die Patienten sollen durch die Nachsorge die Kompensationsstrategien und Verhaltensänderungen, die sie in der Rehabilitation erlernt haben, im Alltag anwenden und fortentwickeln. Hausärzte könnten ihre Patienten motivieren, an den Programmen insbesondere für folgende Erkrankungen teilzunehmen:
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • Erkrankungen des Bewegungsapparats

  • neurologische Erkrankungen

  • Stoffwechselerkrankungen

  • psychische Erkrankungen

Die indikationsspezifischen Therapien werden auf Gruppenbasis ein- bis zweimal pro Woche in einem Zeitraum von insgesamt acht Wochen in wohnortnahen Nachsorgeeinrichtungen angeboten.
Bitte nennen Sie einige solcher Einrichtungen.
Koronarsportgruppen, Wirbelsäulengymnastikgruppen, Reha-Sportgruppen für (jugendliche) Asthmatiker, Sport für Frauen nach Brustkrebserkrankungen, Bewegungstraining für Diabetiker, Behindertenschwimmkurse u. v. a. werden von den Landes-Behinderten-Sportverbänden, den Reha-Sportvereinen und einigen Trägern der Sozialarbeit in den Gemeinden angeboten (vgl. Reha-Sport, Kap. 3.4.4).

Literatur

Arbeitsgemeinschaft Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen – Bundesrepublik Deutschland

Arbeitsgemeinschaft Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen – Bundesrepublik Deutschland e. V. www.arbeitsgemeinschaft-kinderrehabilitation.de.

Bäder-Führer Rehakliniken

Bäder-Führer (Rehakliniken. Kurorte, Wellness-Hotels: www.baeder-fuehrer.de.

Bundesverband Kath

Bundesverband Kath. Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen für Kinder und Jugendliche e. V. www.kinderkuren.caritas.de.

Deutsche Rentenversicherung Formulare

Deutsche Rentenversicherung (Formulare, Info-Broschüren, Beratung): www.deutsche-rentenversicherung.de.

Gesundheitsberichterstattung des Bundes

Gesundheitsberichterstattung des Bundes: www.gbe-bund.de.

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