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B978-3-437-23325-8.00025-7

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978-3-437-23325-8

Verbands- und Wundversorgung:MaterialienVerbandsmaterialienWundversorgungsmaterialien, Auswahl je nach Vorhaben

Tab. 25.1
Steriles Material Unsteriles Material
  • handelsübliche Einmalsets

  • anatomische und chirurgische Pinzetten zur Verbandsabnahme, zum Débridement und zur Reinigung

  • Scheren und Skalpelle zum Débridement und zur Wundrand-Auffrischung

  • Klammerentferner

  • Nadelhalter, Nahtmaterial

  • Knopfkanülen und -sonden zum Sondieren der Wundtiefe und zum Spülen

  • Spritzen und Spülflüssigkeit (z. B. Ringer-Lösung), ggf. ein Wunddesinfektionsmittel, z. B. Betaisodona® Lösung

  • Tupfer und Watteträger zur Wundreinigung und zur Abstrichentnahme, falls notwendig

  • entsprechende Wundauflagen bzw. Tamponaden

  • sterile Einmalhandschuhe und Abdecktücher

  • Fixiermaterialien wie Pflaster, Vliese, Binden, Netz- oder Schlauchverbände

  • unsterile Kompressen

  • Verbandsscheren

  • Einmalhandschuhe

  • Abfall- und Desinfektionsbehältnisse

  • Händedesinfektionsmittel

  • Schutzbekleidung wie Einmalschürze und Mund- und Nasenmaske, evtl. auch OP-Haube

Instrumentelle Techniken

A. Klement

S. Fuchs

  • 25.1

    Lokale und periphere Leitungsanästhesie680

  • 25.2

    Versorgung akuter Wunden681

  • 25.3

    Punktion, Inzision, Extraktion, Exstirpation, Probeexzision683

  • 25.4

    Infusionen684

  • 25.5

    Verbandstechnik/Verbandswechsel685

Für alle folgenden chirurgischen Techniken gilt:

Bevor wir in der Allgemeinarztpraxis chirurgisch tätig werden, sollten wir uns fragen, ob eine fachchirurgische Versorgung zeitnah erreichbar und zumutbar ist. Die oberste Prämisse lautet auch hier, keinen vermeidbaren Schaden zu verursachen!

Lokale und periphere Leitungsanästhesie

Fallbericht

Ein 18-jähriger Schüler hat eine ca. 0,7 cm große halbkugelförmige Warze:EntfernungWarze an der Beugeseite seines rechten Daumens, die bei Greifbewegungen stört. Konservative Therapieversuche waren erfolglos, nun bittet er Sie, diese zu entfernen.

Wie gehen Sie vor?
  • LeitungsanästhesieDokumentation des Befunds, OP-Aufklärung inkl. Ausschluss von Kontraindikationen, ggf. Therapiealternativen, individuelle Risiken (ggf. mit Standardaufklärungsbogen und Unterschrift, mind. 24 Stunden vor dem Eingriff)

  • Infiltrationsanästhesie ohne Adrenalin-Zusatz (z. B. Lidocain 1 % 2–3 ml) durch Umspritzen und Unterspritzen der Warze

  • Entfernen der Warze mittels Kürettage durch scharfen Löffel unter Druck und Drehung (vorher kreisförmiges Einritzen des Enukleationsareals mit Skalpell) oder Kauterisation mittels Elektro- bzw. Thermokauter bzw. Kryoablation. Eine Exzision mittels längselliptischer Ausschneidung im Verlauf der Hautspaltlinien kommt nur bei hohen Ansprüchen an das kosmetische Ergebnis (im Gesicht) in Betracht.

  • Blutungsstillung durch Kompression und Hochlagerung (> 5 min); anschließender PVP-Jod-Verband. Wundkontrolle nach zwei Tagen.

  • Einschicken des Exzidats zur histologischen Untersuchung oder Verzicht auf die Histologie bei fehlender Risikokonstellation (in der Dokumentation vermerken)

Der Kürettage sollten konservative Behandlungsversuche vorausgegangen sein: Betupfen mit 5-Fluorouracil-Lösung, z.B. Verrumal® (nicht bei Schwangeren), Salicylatpflaster-Applikation z.B. Guttaplast® (am Fuß) bzw. Salicylvaseline 3%. Die konservative Therapie soll das umgebende Gewebe schonen (ggf. Abdecken durch Schutzpflaster) und ggf. wiederholt durchgeführt werden (nach zwei Tagen Salicylatpflaster erneuern, nach vier Tagen dann ggf. erster Ablöseversuch), bis sich der Warzenwall nach einem Fußbad ablösen lässt oder die Warze aus der Haut herausgewachsen (Fluorouracil-Lösung) ist.

Fallbericht

Eine 36-jährige Patientin kommt mit einer schmerzhaften ParonychieParonychie am Nagelfalz des rechten Zeigefingers am späten Nachmittag in Ihre Sprechstunde. Da die Paronychie präperforant und schmerzhaft ist, muss sie eröffnet werden.

Sie entschließen sich zur Durchführung des Eingriffs. Welche Schritte sind notwendig?
  • zunächst Dokumentation und OP-Aufklärung (s. o.)

  • Leitungsanästhesie nach Oberst (mit etwa 4 ml Lidocain 1 % ohne Adrenalin)

  • Blutsperre (z. B. Fingertourniquet aus steriler Kompresse oder Fingerabschnitt des Einmalhandschuhs knoten)

  • Abschieben und Inzision des Nagelwalls mit einem Skalpell, Abfließen des Eiters durch leichten Druck auf die Kompresse unterstützen, ggf. Lascheneinlage

  • Wunde mehrfach mit NaCl spülen

  • ggf. PVP-Jod-Salbe

  • steriler Verband, Schiene zur Ruhigstellung in Funktionsstellung der Hand

  • Verbandswechsel in der Praxis

Wonach fragen Sie Patienten vor einer Lokalanästhesie?
  • Lokalanästhesieob bei einer vorhergegangenen Lokalanästhesie, z. B. beim Zahnarzt, unerwünschte Arzneimittelwirkungen aufgetreten sind

  • ob eine Allergie gegen Lokalanästhetika vorbekannt ist

  • ob Herzrhythmusstörungen (insbesondere eine Bradykardie) bekannt sind

Versorgung akuter Wunden

Wundbehandlung Wundversorgung

Fallbericht

Ein 6-jähriges Kind hat sich beim Basteln im Kindergarten eine unter 1 cm lange Schnittverletzung des seitlichen Mittelglieds des linken Zeigefingers zugezogen. Die Inspektion mit Wundspreizung zeigt, dass nur Haut und Fettgewebe verletzt sind.

Wie beurteilen Sie die Wunde?
Motorik, Durchblutung und Sensibilität sind intakt, der Tetanusimpfschutz besteht, jedoch keine makroskopisch erkennbare Wundverschmutzung.
Da keine erhebliche Dehiszenz besteht und keine tieferen Strukturen (z. B. Blutgefäße) verletzt sind, handelt es sich um eine einfache Wunde:einfacheWunde.
Wie versorgen Sie die Wunde?
Da es sich um eine kleine Wunde handelt, besteht die Behandlung (nach Desinfektion und Blutstillung durch Hochlagerung und Kompression ca. 5 min lang) in einer Pflasterstreifenadaptation (z. B. SteriStrip®) oder ggf. einer Einzelknopfnaht (z. B. Prolene® 5–0) nach Lokalanästhesie. Die Anwendung von Gewebekleber (z. B. Dermabond®) erfordert Übung, denn der Gewebekleber sollte nicht in die Wunde gelangen und die Wundränder müssen manuell bis zur Aushärtung (ca. 15–30 s) adaptiert gehalten werden. Verbandswechsel in der Praxis nach 2 und 5 Tagen (dann ggf. Fadenentfernung nach 5–7 Tagen; Wunden heilen auch bei Kindern nicht schneller als bei Erwachsenen).

Fallbericht

Ein 23-jähriger Mann hat sich bei Gartenarbeiten mit einer elektrischen Baumsäge am rechten Daumenballen sowie an der Hohlhand verletzt und kommt mit einer ca. 8 cm langen, Haut- und Unterhautgewebe durchtrennenden Riss-Schnitt-Wunde in Ihre Praxis. Die Wundränder sind teils gequetscht, teils gezackt, und aus der Tiefe der Wunde sickert anhaltend hellrotes Blut in den provisorisch angelegten Verband.

Worauf achten Sie bei der Beurteilung der Wunde?
Es handelt sich um komplexe Wunde:komplexeWunden, wenn Begleitverletzungen der Nerven, Sehnen und Gefäße vorliegen. Daher muss zur Wundbeurteilung die Wunde exploriert werden, und obligatorisch sind Motorik, Durchblutung und Sensibilität zu prüfen und zu dokumentieren. Komplexe Verletzungen sollten möglichst frühzeitig in spezialisierten Einrichtungen nach telefonischer Ankündigung vorgestellt werden.
Welche Maßnahmen ergreifen Sie bei komplexen Handverletzungen?
  • Handverletzungsteriles Abdecken der Wunde, Faustverband (dazu Gazestreifen zwischen die Finger legen, die Hohlhand mit lockeren Kompressen auspolstern und das Ganze mit elastischer Mullbinde sanft umwickeln, dabei die Fingerspitzen frei lassen) mit Hochlagerung.

  • wenn notwendig: Schmerzbekämpfung i. v., seltener oral. Als Schmerzmittel eignen sich z. B. Morphin (z. B. 5–10 mg fraktioniert i. v. oder s. c.) oder Metamizol (z. B. 1.000 mg i. m. bzw. p. o. unter Beachtung des Risikos einer möglichen Kreislaufdepression).

  • sofortige Einweisung zur (hand-)chirurgischen Versorgung unter OP-Bedingungen

  • Transport in Begleitung (ein Rettungswagen ist nicht zwingend erforderlich, aber der Patient ist fahruntüchtig durch die Verletzung, durch applizierte Medikamente und eine mögliche Kreislaufdepression!)

Welche Fragen müssen Sie generell noch bei Patienten mit Verletzungen stellen?
  • Handelt es sich um einen Wege- oder Arbeitsunfall? (ggf. einen A13-Bericht erstellen!)

  • Besteht durch die Verletzungsart (z. B. Tierbiss, Verschmutzung) eine zusätzliche Infektionsgefahr?

  • Besteht ein ausreichender Tetanusschutz?

Fallbericht

Ein zwölfjähriges Mädchen stürzt mit dem Fahrrad und zieht sich eine ca. 8 × 10 cm große Schürfwunde des lateralen rechten Unterschenkels zu. Die Haut ist, abgesehen von der Schürfung, intakt, die Wunde aber sichtbar Wunde:Schürf-verschmutzt.

Wie versorgen Sie diese Wunde?
Nach Ausschluss von Begleitverletzungen: Wundsäuberung mit NaCl, bei nicht abwischbaren Schmutzspuren ist zur Vermeidung von „Schmutztätowierungen“ eine Bürstenreinigung in Lokalanästhesie erforderlich. Wenn eine verschmutzte Schürfwunde für eine Infiltrations- oder Feldblock-Lokalanästhesie (ohne „anästhesiologisches-Backup“ max. 10 ml Lidocain 1 % = 100 mg beim Erwachsenen, max. ca. 1 mg/kg KG beim Kind) zu groß ist, sollte die Überweisung/Einweisung zur Wundreinigung in Allgemeinanästhesie angesprochen werden. Als Verbandsmittel kommen v. a. Fettgazeauflagen (z. B. Oleotüll®) mit Mullkompressen und ggf. bei starker Sekretion mit häufigeren Verbandswechseln (Wiedervorstellung am Folgetag, danach alle zwei Tage und/oder bei Infektzeichen – Eltern entsprechend aufklären!) in Betracht.

Fallbericht

Ein 36-jähriger Mopedfahrer stürzt bei mittlerer Geschwindigkeit in der Nähe Ihrer Praxis. Ihre Inspektion zeigt bei dem am Boden liegenden Unfallfahrer eine knöcherne Durchspießung der Haut des rechten Unterschenkels mit einer geringen Achsabweichung. Die Wunde ist nicht stark kontaminiert.

Welche Diagnose stellen Sie?
Es handelt sich um einen offenen UnterschenkelbruchFraktur:offeneUnterschenkelbruch.
Welche Maßnahmen ergreifen Sie?
  • Beachten des Eigenschutzes bei fließendem Verkehr

  • Bergen des Verletzten aus dem Gefahrenbereich, Bewusstseins- und Vitalzeichenkontrolle, orientierende Untersuchung auf Begleitverletzungen

  • Sichern der Unfallstelle (organisieren)

  • Beauftragung eines anderen Ersthelfers mit Verständigung des Rettungsdienstes

  • sterile Abdeckung der Wunde

  • Anlegen eines ausreichend dimensionierten Venenzugangs und Anlegen einer Infusionslösung (z. B. Ringer-Laktat)

  • Schmerzbekämpfung mit z. B. Morphin 10 mg i. v.

  • (ggf. provisorische) Schienung des Unterschenkels bis unterhalb des Sprunggelenks und oberhalb des Kniegelenks, z. B. mittels SamSplint® (abrollbare Alupolsterschiene), besser wegen Gefahr möglicher Durchblutungsstörungen/Kompartmentsyndrom keine Luftkammerschiene/Vakuumschiene verwenden, ggf. Umlagern mit Schaufeltrage, ggf. Lagern des rechten Beins in einer Vakuummatratze bzw. Schaufel-trage zusammen mit dem Rettungsdienst

  • Einweisung ins Krankenhaus mit RTW

Punktion, Inzision, Extraktion, Exstirpation, Probeexzision

Fallbericht

Ein 42-jähriger Mann ist im Skiurlaub auf sein linkes Hüftgelenk gefallen und stellt sich zwei Wochen später mit einer handtellergroßen, fluktuierenden Schwellung oberhalb des Trochanter major vor. Die Haut zeigte keine Entzündungszeichen, der Druckschmerz ist gering und der Allgemeinzustand des Patienten unauffällig.

Welche Verdachtsdiagnose stellen Sie, und worüber klären Sie den Patienten auf?
Es handelt sich um ein vermutlich bereits abgekapseltes HämatomHämatom, das unter sterilen Kautelen punktiert oder offen-chirurgisch ausgeräumt werden könnte, um spätere Komplikationen wie sekundäre hämatogene Infektion, Verkalkung bzw. eine „Pseudolipom“-Bildung zu reduzieren. Eine eindeutige Therapieempfehlung für eine Punktion oder eine operative Ausräumung kann aber aufgrund insgesamt geringer Komplikationsraten nicht gegeben werden.
Was bezwecken Sie mit einer Punktion?
Punktion:HämatomDie Entnahme von flüssigem Material z. B. aus Hämatomen, Zysten, Gelenken zu diagnostischen oder therapeutischen Zwecken. Während einer Punktion können auch Therapeutika instilliert werden.
Was sagen Sie Patienten vor einer Punktion?
Auch eine Punktion ist ein operativer Eingriff mit Komplikationsmöglichkeiten wie Infektion oder Nachblutung. Die Vorbereitungen einer Punktion (Aufklärung, Hygienemaßnahmen wie sterile Handschuhe, Desinfektion, steriles Abdecken und sterile Arbeitsmittel, Mund- und Nasenschutz etc.) entsprechen denen einer geplanten Wundversorgung. Bei Verwendung großvolumiger Punktionskanülen ist eine Stichinzision der Haut notwendig, hierzu sollte eine Stichkanalanästhesie durchgeführt werden (Kutan- und Stichkanal-Anästhesie mit z. B. 1–3 ml Lidocain 1 % im Bereich der vorgesehenen Punktion mit dünner und ausreichend langer Nadel). Ein schichtversetztes Punktieren (Verschieben der Nadel nach durchstochener Haut um ca. 1 cm) soll die Infektionsgefahr und einen evtl. Rücklauf des Injektats vermindern.

Fallbericht

Ein 66-jähriger Patient klagt über seit drei Tagen zunehmende Schmerzen und Anschwellen der Haut zu einem ca. 3 cm dicken Knoten über dem rechten Schulterblatt. Sie tasten einen sehr druckschmerzhaften, zentral fluktuierenden Tumor, der über der Faszie frei verschieblich ist.

Wie gehen Sie bei der chirurgischen Versorgung eines Abszesses vor?
  • Abszesszunächst Befunddokumentation und Ausschluss systemischer Entzündungszeichen (Einweisungsindikation!) und Aufklärung

  • Desinfektion des OP-Gebiets ca. 20 × 20 cm, Leitungsanästhesie nach Möglichkeit, sonst Feldblock mit mindestens ca. 5 cm Abstand zum Entzündungsgebiet (max. 10 ml Lidocain 1 %), ggf. plus Kuppenanästhesie; Auflage steriles Lochtuch

  • über Mittelpunkt der Fluktuation kreuzförmige Schnittführung mit 11er-Klinge (jeweils ca. 2 × 2 cm) mit ausreichender Tiefe

  • Kappen der zentralen Hautlappenspitzen, Spreizen der Wundränder mittels Péan-Klemme und Ausräumung des Abszesses durch scharfen Löffel. Bei einem abszedierten Atherom muss die Atheromkapsel möglichst intakt sorgfältig mitentfernt werden.

  • Einlage PVP-Jodsalben-Tamponade oder Gummilasche

  • reichlich Kompressen auflegen, Flächenpflasterverband/elastische Klebegaze mit leichter Kompression

  • Verbandswechsel und Tamponadenentfernung nach 1–2 Tagen, danach sekundäre Wundbehandlung unter Bewahrung eines feuchtes Wundmilieus (in der Regel ist kein Abstrich und kein Antibiotikum -erforderlich)

Was verstehen Sie unter einer Extraktion? Wie wird eine Fingernagelextraktion durchgeführt?
Fingernagel, ExtraktionExtraktionHierunter ist das Herausziehen eines Fremdkörpers oder krankhaften Gewebes ohne größeren Schnitt zu verstehen. Gebräuchlich ist dieser Ausdruck außer in der Zahnheilkunde (Zahnextraktion) noch im Zusammenhang mit der Entfernung von Fremdkörpern, Finger-/Zehennägeln, Augenlinsen (Katarakt-OP) und Resektatbergung nach laparoskopischen Eingriffen.
Nagelextraktionen sind heute selten durchgeführte Eingriffe bei Z. n. traumatischer Zerstörung des Nagels oder weitgehender mykotischer Zersetzung. In der Regel wird dazu in Oberst-Lokalanästhesie zunächst der Nagel mittels Nagelzange oder Nadelhalter festgehalten, mit der Präparierschere von distal beginnend stumpf unterminiert und vom Nagelbettepithel getrennt. Schließlich müssen mit halbkreisförmigen, horizontalen Bewegungen die Nagelecken aus den Matrixtaschen gelöst und die Verbindung zu Kutikula und dorsalem Nagelfalz gelöst werden.
Was verstehen Sie unter einer Probeexzision (PE) und bei welchen Anlässen erfolgt sie?
ProbeexzisionHierbei wird ein Gewebe oder ein Teil davon zur (erweiterten) Diagnostik, z. B. histologischen Untersuchung, entfernt. Die PE selbst ist dabei in der Regel nicht der kurative Eingriff, sondern bereitet diesen vor. Besonders bedeutsam sind ambulant durchgeführte PE im Zusammenhang mit dem Verdacht auf bösartige Erkrankungen der Haut und Schleimhäute, der weiblichen Brust und des Lymphsystems.

Infusionen

Fallbericht

Unter Infiltrationsanästhesie mit Lidocain erleidet ein Patient eine Kreislaufinsuffizienz mit Blutdruckabfall und Bewusstseinsverlust. Nachdem Sie den Patienten in Schocklage gebracht haben, legen Sie eine Infusion.

Welche Fehler sollten Sie vermeiden?
  • InfusionenZu späte Aktivierung der „Rettungskette“: Die erste Maßnahme ist immer, weitere Hilfe hinzuzurufen und Notarztwagen verständigen lassen. In der Praxis Reanimationsbereitschaft herstellen (Asystoliegefahr!).

  • Fehlpunktion an „Reservestellen“: Besser nicht zuerst in der Ellenbeuge stechen, sondern Punktion am Handrücken oder Unterarm versuchen, dabei trotzdem ausreichend großen Zugang (G18) wählen.

  • Paravasale Infusion: Nicht sofort Infusion anschließen, sondern zunächst nach Lösen des Stauschlauchs eine Probeinjektion mit ca. 10 ml physiologischer Kochsalzlösung vornehmen.

  • LuftembolieLuftembolie: zunächst Anstechen der Infusion mit Infusionssystem (Schlauch mit belüfteter Tropfkammer), dann Herstellen des Spiegels in der Tropfkammer bei geschlossener Schlauchdrossel, evtl. Belüften, dann „Durchlaufen“ lassen, bis Luftblasen ausgetrieben sind, und erst dann Herstellen der Verbindung zur Verweilkanüle

  • Zu langes Abwarten („stay and play“): zunächst Versuch der raschen Volumensubstitution mit Vollelektrolytlösung (z. B. Ringer-Laktat) mit anfangs maximaler Tropfgeschwindigkeit. Bei unzureichendem Ansprechen auf die ersten 250 ml (Hypotonie mit RR syst. unter 90 mmHg, Bewusstlosigkeit etc.) frühzeitig mit i. v. Adrenalin (z. B. Suprarenin®) 0,1 % (Verdünnung 1 mg Adrenalin auf 10 ml Aqua), davon 0,5–1 ml sehr langsam intravenös, unter kontinuierlichem Monitoring beginnen

Was ist eine Subkutaninfusion, wann und wie wird sie angewendet?
  • SubkutaninfusionGabe von isotoner Flüssigkeit, ggf. in Kombination mit Medikamenten in die Subkutis per s. c.-Butterfly-Nadel oder Venenverweilkanüle, die im 30- bis 45-Grad-Winkel in die Haut eingestochenen wird.

  • Infusionslösungen NaCl 0,9 % oder Glukose 5 % bis zu max. 2.000 ml/Tag, in der Regel nicht mehr als 100 ml/h und 1.000 ml/Tag und 500 ml pro Einstichstelle (seitliche Oberarme, Oberschenkel, Brust-/Bauchwand), ggf. kann auch eine zweite Butterfly-Nadel oder Flexüle installiert werden.

  • Der einzelne Zugang kann bei steriler Verbandstechnik mehrere Tage (max. 7 Tage) belassen werden.

  • Anwendung in der Behandlung von ExsikkoseExsikkose bei Pflegebedürftigen und in der Palliativmedizin. Eine Natriumüberladung bzw. Hyperglykämie kann durch die Verwendung sog. Halbelektrolytlösungen reduziert werden.

Verbandstechnik/Verbandswechsel

Welche Aufgabe der Haut übernehmen verschiedene Verbände bis zur Abheilung der Wunde?
  • VerbandstechnikSchutz vor mechanischen Einflüssen (Druck, Stoß, Reibung)

  • Schutz vor Verschmutzung und chemischen Irritationen

  • Schutz vor Sekundärinfektionen

  • Schutz vor Wärmeverlusten

  • Schutz vor Austrocknung der Wunde

    • in der Reinigungsphase: Aufsaugen von Exsudat

    • in der Granulationsphase: Ermöglichen eines feuchten Wundmilieus, Schutz des Granulationsgewebes

    • in der Epithelisierungsphase (Überhäutung vom Wundrand her): Feuchthalten für die Epithelisierung, Verhüten der Austrocknung

  • Problem: Verkleben mit der Wunde, sodass beim Verbandswechsel Epithelzellen abgerissen werden (ggf. Abhilfe bei manchen Wunden durch Fettgaze oder nicht haftenden Schaumverband)

Wann führt man eine trockene Wundbehandlung, wann eine feuchte durch? Wie behandeln Sie eine infizierte Wunde?
  • Wundbehandlung:trockenetrocken: Versorgung von Wunden im Rahmen der Ersten Hilfe, Versorgung primär heilender Wunden (z. B. OP-Naht, Naht mit Steristrips)

  • feucht: alle sekundär heilenden Wunden

  • infiziert: ggf. mehrfach tägliche Wundspülung mit NaCl oder Leitungswasser (Verdünnungseffekt) im Rahmen einer sekundären Wundheilung (Silberauflagen ohne Zusatznutzen!) (siehe Kap. 24.5.3 „Chronische Wunden“)

Wie hat ein Verbandswechsel unter sterilen Kautelen zu erfolgen?
  • Vorbereitung des Verbandswechsels auf Tablett oder Verbandswagen (Tab. 25.1), weder Wunde noch Verband dürfen mit bloßen Händen berührt werden (Non-Touch-Technik).

  • Wichtig ist eine hygienische Händedesinfektion vor der Materialvorbereitung! 3–5 ml eines Händedesinfektionsmittels werden 30 s gründlich eingerieben.

  • Mund- und Nasenschutz bei großflächigen Wunden.

Was unterscheidet hiervon den Verbandswechsel bei septischen Wunden?
Wunde:septischeBei einem Verbandswechsel bei septischen Wunden ist auf Folgendes zu achten:
  • Händedesinfektion

  • Anlegen von Schutzbekleidung (Einmalschürze und -handschuhe, Mund- und Nasenschutz)

  • sterile Abdeckung und Verwendung von Einmalbesteck und sterilem Material (Tab. 25.1)

  • Abnahme und Kontrolle des Verbands, diesen mit den Einmalhandschuhen entsorgen

  • erneute Desinfektion der Hände sowie Anziehen steriler Einmalhandschuhe

  • Wundbehandlung und Anlage eines neuen Verbands

  • erneute Händedesinfektion

Dabei ist jegliche Kontamination (z. B. Patient, Liege, Fußboden) zu vermeiden, die gebrauchten Materialien sind sicher zu entsorgen. Außerdem sollten abschließend eine Desinfektion der Arbeits- und Liegeflächen sowie die Flächendesinfektion des Fußbodens erfolgen.
Welche Verbandsmaterialien sollten Sie vorhalten?
Eine Verbandsschere, elastische Binden, elastische Mullbinden (Breite 4, 6, 8, 10 cm, evtl. breiter), Kurzzugbinden (Breite 8 cm), kleine mittlere und große (sterile) Mullkompressen, Fettgaze, Pflaster, Hydrokolloidplatten unterschiedlicher Größe, Steristrips (Wundadaptation zur primären Wundheilung), Klebepflaster, Schlauchverbände in verschiedenen Größen, (Cramer-)Schienen für Hände, Arme und Unterschenkel, Fingerschienen, ggf. (bei entsprechenden Kenntnissen und Tätigkeitsbereich) Material zum Gipsen (Polsterwatte, Gipsbinden, -longetten, -schere und -säge) und/oder zur Castfertigung.

Im Kühldepot sollten Sie stets ausreichend Tetanus- oder Kombinations-Impfstoff und wenige Ampullen Tetanus-Immunglobulin 250IE (TIG) bereithalten.

Literatur

AWMF-S3-Leitlinie „Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen“, 2009

AWMF-S3-Leitlinie „Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen“ (in Überarbeitung) www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/001-025.html 2009

Gesenhues and Ziesché, 2006

A. Gesenhues R. Ziesché Praxisleitfaden Allgemeinmedizin 2006 Urban & Fischer München

Hermann and Quellmann, 2004

M. Hermann T. Quellmann Praxisleitfaden Ärztlicher Bereitschaftsdienst 2004 Urban & Fischer München

Marx et al., 2015

G. Marx E. Muhl K. Zacharowski S. Zeuzem Die Intensivmedizin 12. Aufl. 2015 Springer Berlin, Heidelberg

Nöldeke, 2009

S. Nöldeke Klinikleitfaden Chirurgische Ambulanz 2009 Urban & Fischer München

Raschke and Stange, 2008

M.J. Raschke R. Stange Alterstraumatologie 2008 Urban & Fischer München

Schumpelick et al., 2013

V. Schumpelick R. Kasperk M. Stumpf Operationsatlas Chirurgie 2013 Thieme Stuttgart

Zaun and Dill-Müller, 2004

H.O. Zaun D. Dill-Müller Krankhafte Veränderungen der Nägel 2004 Berlingen: Spitta

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