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B978-3-437-42501-1.50011-9

10.1016/B978-3-437-42501-1.50011-9

978-3-437-42501-1

Antriebslosigkeit

M. Hickstein

J. Hensen

Definition

Antriebslosigkeit bezeichnet den Zustand eines Patienten, der von ihm selbst oder seiner Umgebung als Schwäche auf psychischer und/oder auf physischer Ebene empfunden wird. Der Betroffene fühlt sich nicht mehr in der Lage, den Aktivitäten des täglichen Lebens nachzukommen. Der Patient äußert Abgeschlagenheit, Müdigkeit oder Erschöpfung. Ein antriebsloser Mensch wirkt häufig lethargisch, geistig träge und abgestumpft und ist zu Aktivitäten kaum zu motivieren.

Anamnese

Es ist wichtig, dem Patienten genau zuzuhören und seine Beschwerden ernst zu nehmen. Redestil und Flüssigkeit des Patientenberichts lassen erste Aufschlüsse über das Krankheitsbild zu. Fragen nach Niedergeschlagenheit und Interesselosigkeit dienen einer ersten Einschätzung einer möglichen depressiven Symptomatik.
Die vegetative Anamnese und Medikamentenanamnese sowie eine behutsame Sozial- und Familienanamnese liefern weitere wertvolle Informationen. Besteht der Verdacht auf Gedächtnis- und/oder Konzentrationsstörungen, ist die Erhebung des kognitiven Status, ggf. mit Hilfe standardisierter Leistungstests, aufschlussreich.

Körperliche und weiterführende Untersuchungen

Bei der kompletten körperlichen Untersuchung ist unter anderem zu achten auf Hautturgor, Lymphknotenschwellungen oder endokrinologische Stigmata .
Laboruntersuchungen sollten stets im Rahmen einer Stufendiagnostik erfolgen. Als Basislabor bieten sich z. B. an: Blutbild, BSG oder CRP, Elektrolyte, Kreatinin etc. .
In Abhängigkeit von diesen Befunden und dem klinischen Bild erfolgen dann ggf. die erweiterte Labor- sowie die apparative Diagnostik. Aufgrund der mannigfaltigen Differenzialdiagnosen fällt diese sehr unterschiedlich aus .
Ergeben sich Hinweise auf psychische Ursachen der Antriebslosigkeit, sollte eine neurologisch-psychiatrische Diagnostik folgen .

Differenzialdiagnosen

Ursachen für Antriebslosigkeit

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Stoffwechselerkrankungen, Endokrinopathien außer Basislabor: fT3, fT4, Schilddrüsen-AK, HbA1c, Nierenwerte, Lipidstatus, Kortisol basal, BGA; Sonographie, Röntgen, CT, MRT, Szintigraphie, endokrinologische. Funktionstests
onkologische/hämatologische Erkrankungen Differenzialblutbild, Eisen, Ferritin, Transferrinrezeptor, Serum-/lmmun-Elektrophorese, ggf. Tumormarker; Beckenkammpunktion, Bildgebung
Vergiftung und Medikamenten-überdosierung Alkohol-/Medikamentenspiegel, Urin-Toxikologie, Lebersyntheseparameter, Differenzialblutbild, Nierenwerte, Gerinnung, Konzentration der toxischen Stoffe
Infektionen Labor, serologische und mikrobiologische Untersuchungen, Bildgebung
chronische Lungenerkrankungen BGA, Differenzialblutbild, Bildgebung, Lungenfunktion, ggf. Schlaflabor
gastrointestinale und Lebererkrankungen Lebersyntheseparameter, Lipase, serologische Untersuchungen, ggf. Autoantikörper; Bildgebung, Endoskopie, Biopsie
Herz-Kreislauf-Erkrankungen indikationsbezogen: CK, CK-MB, Myoglobin, Troponin; EKG, Echokardiographie, Doppler/Duplex, Ergometrie, 24-h-EKG und -Blutdruck
Nierenerkrankungen Nierenretentionswerte, Elektrolyte, Kreatinin-Clearance, BGA, Differenzialblutbild, Lipidstatus, Urinanalysen
Mangelerkrankungen Eisenstoffwechsel, Vitaminkonzentrationen, Gesamtprotein, BMI, Bildgebung, alimentäre von somatischen Ursachen (wie Tumorkachexie) abgrenzen
Kollagenosen Basislabor, rheumatologische Untersuchungen, Autoantikörper, Bildgebung
andere (chronisches Schmerzsyndrom, chronisches Müdigkeitssyndrom) Ausschlussdiagnose
psychiatrische/neurologische Erkrankungen spezifische Diagnostik

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