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B978-3-437-42501-1.50019-3

10.1016/B978-3-437-42501-1.50019-3

978-3-437-42501-1

Beinschwellung

F. Rockmann

Definition

Ein- oder beidseitiges meist an den Knöcheln beginnendes und nach proximal fortschreitendes Ödem, erkennbar an der Zunahme des Beinumfangs.

Anamnese

Die allgemeine Anamnese umfasst Zeitpunkt des Auftretens, Dauer und Ausprägung der Beinschwellung sowie Schmerzen, Gewichtsveränderungen und Allgemein- bzw. Begleitsymptome. Bestehende Vorerkrankungen bzw. eine Schwangerschaft müssen ebenfalls erfragt werden.
Bei einer einseitigen Beinschwellung muss an erster Stelle eine Phlebothrombose ausgeschlossen werden (Frage nach Immobilisation, Operation, Malignom etc.). Lokale Traumata und Entzündungen der unteren Extremität oder neu aufgetretene Raumforderungen im Bereich der Leiste (Lymphknoten, Tumoren) können anamnestisch Hinweise auf posttraumatisches Ödem, Lymphangitis bzw. eine venöse oder lymphatische Abflussstörung geben. Hier muss auch nach Fieber und Tropenaufenthalten gefragt werden (Filiariasis).
Bei den beidseitigen Beinschwellungen müssen zunächst Symptome einer Herzinsuffizienz erfragt werden (Nykturie, Belastungsdyspnoe, Orthopnoe). Die Alkohol- und Drogenanamnese kann Hinweise auf Lebererkrankungen geben (portaler Hochdruck) . Oligo-/Anurie bzw. Hämaturie und Hypertonie sind klinische Zeichen einer Nierenerkrankung, die zu einem renalen Eiweißverlust bzw. nephrotischen Syndrom führen kann. Auch Hinweise auf einen enteralen Eiweißverlust müssen erfragt werden (Diarrhö, Verfärbung des Stuhls, veränderte Konsistenz). Bei diskreten Knöchelödemen muss ferner an Medikamente gedacht werden (ACE-Hemmer, Kalziumkanalblocker etc.), außerdem kommen sie häufig auch physiologisch vor (Ausschlussdiagnose) .

Untersuchungen

Wegweisend ist die Inspektion (Verteilung und Ausprägung der Beinschwellung).
Bei der einseitigen Beinschwellung sind Wadendruckschmerz sowie Plantarschmerz wesentliche Zeichen für eine Phlebothrombose . Hier müssen eine sonographische Untersuchung und ggf. eine Phlebographie erfolgen. Überwärmung bzw. eine Läsion sind Zeichen einer lokalen Infektion (Erysipel) . Bei Traumata ist hier ggf. eine röntgenologische Abklärung erforderlich. Die Beteiligung des Fußrückens bzw. der Zehen sowie eine relativ derbe Konsistenz sind Hinweise auf ein Lymphödem . In diesem Fall sollte nach einem Abflusshindernis mittels Sonographie bzw. CT des Beckens/Abdomens gesucht werden.
Generalisierte Ödeme sprechen häufig für das Vorliegen eines Eiweißmangels. Beim nephrotischen Syndrom liegen meist periorbitale Ödeme vor, im Übrigen entspricht das Auftreten der Ödeme meist der Schwerkraft . Bei einer Leberzirrhose bestehen häufig Aszites, Hepatosplenomegalie und venöse Umgehungskreisläufe. Hier sind diagnostisch der Eiweißgehalt im Serum (Norm 65–85 g/l), Elektrolyte und Reten-tionsparameter, Leberwerte sowie die Eiweißausscheidung im 24-h-Urin wegweisend. Eine Abdomensonographie ist indiziert. Gestaute Halsvenen, hepatojugulärer Reflux sowie der kardiale Auskultationsbefund geben Hinweise auf eine (Rechts-) Herzinsuffizienz . Hier sollten ein Röntgen-Thorax, ein EKG sowie eine Echokardiographie und eine kardiale Enzym diagnostik (CK, Troponin, pro-BNP) erfolgen. Das Myx-ödem ist induriert und schwer eindrückbar, die diagnostische Abklärung der Schilddrüse erfolgt mittels Sonographie und Labor.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von Beinschwellungen

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Phlebothrombose Doppler-Sonographie, Phlebographie, D-Dimere
Lymphödem Sonographie Bein, Leiste; CT Abdomen/Becken
nephrotisches Syndrom Urinsediment, Proteinurie, Hyper-lipidämie, Nierenbiopsie
Leberzirrhose Sonographie, Leberbiopsie, Child-Pugh-Kriterien, Leberwerte
medikamenteninduziert Anamnese, Ausschlussdiagnose
Herzinsuffizienz EKG, Echo, Herzenzyme
Niereninsuffizienz GFR, Urinstatus und Sediment, Ursachenabklärung
exsudative Enteropathie fäkale Fettausscheidung, Darm-biopsie
Myxödem TSH, fT3, fT4, SD-Sonographie
Erysipel Blutkulturen

Sekundäres Lymphödem links nach Hysterektomie und Lymphadenektomie wegen eines Karzinoms. [Renz-Polster]

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