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B978-3-437-42501-1.50150-2

10.1016/B978-3-437-42501-1.50150-2

978-3-437-42501-1

Infizierte Pankreaspseudozyste im Pankreaskopf bei alkoholinduzierter chronischer Pankreatitis.

  • a)

    CT mit Pseudozyste (Pfeil) und grobscholliger Verkalkung.

  • b)

    und c) Endoskopischer Blick in die Zystenhöhle (transduodenaler Zugang): in b) Granulationsgewebe (Pfeil), in c) parenchymatöse Kalzifikation (Pfeil).

  • d)

    Ultraschallbild von Pankreaskorpus und -schwänz im Intervall nach Drainage der Pankreaskopfzyste. Grobschollige Kalzifikationen des gesamten Organs und deutlich vergrößertes Organ.

Chronische Pankreatitis

J. Mayerle

G. Sauter

M.M. Lerch

Zur Orientierung

Die chronische Pankreatitis bezeichnet eine meist schubweise verlaufende, nichtinfektiöse Entzündung des Pankreas, die langfristig zu einem irreversiblen Ersatz des Parenchyms durch Bindegewebe führt. Damit kommt es zu einem fortschreitenden Funktionsverlust mit exokriner und endokriner Pankreasinsuffizienz und den Symptomen Gewichtsverlust, Steatorrhö und Diabetes mellitus. Das Leitsymptom der chronischen Pankreatitis ist der gürtelförmige Oberbauchschmerz.

Die häufigste Ursache ist der chronische Alkoholabusus (70–90). Auch genetische Faktoren (z. B. Mutationen im kationischen Trypsinogen-Gen oder im SPINK-1-Gen), eine Hypertriglyzeridämie, ein Hyperparathyreoidismus oder eine autoimmune Genese (selten) können einer chronischen Pankreatitis zugrunde liegen.

Therapie

Für die Prognose und das Fortschreiten der chronischen Pankreatitis ist die Alkohol- und auch Nikotinabstinenz von großer Bedeutung . Die konservative Schmerztherapie bei chronischer Pankreatitis erfolgt gemäß den WHO-Leitlinien zu Therapie chronischer Schmerzen:
  • 1. Stufe: peripher wirksame Analgetika

  • 2. Stufe: zusätzlich schwach wirksame Opioidanalgetika (z. B. Tramadol)

  • 3. Stufe: zusätzlich stark wirksame Opioide.

Ist medikamentös keine effektive Schmerzkontrolle möglich, kann eine thorakoskopische Splanchnikektomie oder eine perkutane, CT-graphisch oder endosonographisch gesteuerte Ganglion-coeliacum-Blockade erfolgen .
Bei Vorliegen einer exokrinen Pankreasinsuffizienz empfiehlt sich die Substitution von Pankreasenzymen (Pankreatin) zu den Mahlzeiten . Protonenpumpenhemmer sind bei bekannter Hyperazidität des Magens oder nichteffizienter Enzymsubstitution indiziert. Bei zunehmender Fettmaldigestion kann eine parenterale Substitution fettlöslicher Vitamine notwendig werden.
Die endokrine Pankreasinsuffizienz, die meist erst später im Verlauf der Erkrankung auftritt und einem Insulinmangeldiabetes entspricht, muss mit Insulingaben behandelt werden .

Komplikationen

Akute Schübe einer chronischen Pankreatitis werden wie eine akute Pankreatitis behandelt ( Kap. akute Pankreatitis).
Pankreaspseudozysten (Abb. 1) können rupturieren, zum Infektfokus werden oder eine Gallengangsobstruktion zur Folge haben. Therapiemöglichkeiten sind die endoskopische oder transkutane Zystendrainage oder die Operation. Pankreasgangstenosen können ebenfalls meist endoskopisch behandelt werden, bei Pankreasgangsteinen besteht die Möglichkeit der extrakorporalen Stoßwellenlithotrypsie (ESWT).
Therapierefraktäre Schmerzen oder eine Cholestase (z. B. bedingt durch eine Kompression des Gallengangs durch einen entzündlich vergrößerten Pankreaskopf), welche sich nur bei etwa einem Drittel der Patienten langfristig durch ein endoskopisches Verfahren beheben lassen, stellen eine Operationsindikation dar. Das Operationsverfahren wird mit Hinblick auf eine größtmögliche Organ- und Parenchymschonung gewählt (z. B. durch Drainageoperationen wie die longitudinale Pankreati-kojejunostomie oder die duodenumerhaltende Pankreaskopf-resektion nach Beger). Eine langandauernde Schmerzfreiheit wird jedoch auch hier nur in 60 der Fälle erreicht.
Bei Patienten mit einer chronischen Pankreatitis ist das Risiko für ein Pankreaskopfkarzinom mit einer Inzidenz von 6–14 deutlich erhöht. Validierte Überwachungsstrategien für Risikopatienten gibt es bis heute nicht. Bei einem Malignomverdacht sollte die Indikation zur Operation gestellt werden.

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