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B978-3-437-42501-1.50032-6

10.1016/B978-3-437-42501-1.50032-6

978-3-437-42501-1

Erektile Dysfunktion

S. Köppen

J. Hensen

Definition

Als erektile Dysfunktion (ED) bezeichnet man die Unfähigkeit, eine Erektion zu erreichen oder eine für die sexuelle Befriedigung ausreichende Erektion aufrechtzuerhalten. Der Begriff Impotenz wird heutzutage wegen seiner abwertenden Bedeutung vermieden.

Die ED wird nur selten als Beschwerde angegeben, sie muss, ebenso wie der Libidoverlust, häufig gezielt erfragt werden.

Ätiologisch liegen der ED entweder eine psychische oder eine organische Ursache zu Grunde, wahrscheinlich am häufigsten eine Kombination beider Faktoren Dabei überwiegen bei den jüngeren Männern psychogene, bei den Älteren eher organische Ursachen.

Anamnese

Die Anamnese besteht aus einer allgemeinen Anamnese mit Fragen zu Krankheiten, Operationen und Verletzungen. Bestehen Symptome anderer Krankheiten? Erfasst werden sollten die Einnahme von Medikamenten und Lebensstilfaktoren. Bei der Sexualanamnese sollte das spezifische Problem eingegrenzt werden, u. U. mit dem Einsatz von standardisierten Fragen und Fragebögen. Erfragt werden z. B. Art und Umstände der Erektionsstörung, weitere sexuelle Störungen usw.

Untersuchungen

Es sollten eine Inspektion und Palpation des Penis erfolgen. Ferner ist auf Hinweise auf einen Hypogonadismus ( Kap. Hypogonadismus) zu achten. Außerdem sind Zeichen einer Schilddrüsenerkrankung zu berücksichtigen. Weiterhin gehören eine Beurteilung des kardiovaskulären Systems und eine digitorektale Untersuchung zur körperlichen Untersuchung. Das Vorliegen einer Adipositas kann Hinweise auf weitere Risikofaktoren wie Diabetes mellitus Typ II und Fettstoffwechselstörungen liefern. Eine neurologische Untersuchung sollte bei entsprechenden anamnestischen Hinweisen erfolgen .
Laboruntersuchungen umfassen je nach Befund Blutzucker und ggf. einen oralen Glukosetoleranztest, Triglyzeride und Cholesterin, TSH, Nierenfunktionswerte und Transaminasen. Die morgendliche Bestimmung von Testosteron (Tagesrhythmik!) und sexualhormonbindendem Globulin (SHBG) kann erfolgen, bei erniedrigtem freiem Androgen sollten Prolaktin, LH und FSH bestimmt werden. Vor geplanter Andro-gentherapie oder bei V. a. ein Prostatakarzinom sollte das prostataspezifische Antigen (PSA) bestimmt werden.
Die apparative Diagnostik wird heute meist nur noch durchgeführt, wenn ein Therapieversuch mit aufsteigenden Dosen von Phosphodiesterase-5-Hemmern (z. B. Sildenafil) ex iuvantibus nach Ausschluss eines Hypogonadismus nicht erfolgreich war. Zur weiterführenden, semiinvasiven Diagnostik gehört die Schwellkörperinjektionstestung (SKAT-Test, z. B. mit Prostaglandin El) mit integrierter Duplex-Sonographie zur Erfassung der kavernös-arteriellen Perfusion. Ergänzende Verfahren sind die EMG des Sphincter ani externus, die penile sympathische Hautantwort (PSHA), die Registrierung der nächtlichen penilen Tumeszenzen (Rigiscan) und das Schlaflabor. Die invasive Diagnostik umfasst die Pharmako-Phalloarteriographie (radiologische Darstellung des penilen Einstroms), die Pharmako-Cavernosometrie und -Cavernoso-graphie (Quantifizierung und Darstellung des kavernösen Ab-stroms).

Differenzialdiagnosen

Ursachen einer erektilen Dysfunktion (oft kombiniert)

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
endokrine Störungen (ohne Diabetes) , z. B.:
• Hypogonadismus • morgendliche Bestimmung von Testosteron und sexualhormonbindendem Globulin, wenn FAI Prolaktin LH, FSH messen
• Schilddrüsenerkrankungen • TSH
Diabetes mellitus Glukose, OGTT
kardiovaskuläre Erkrankungen , (> Arterielle Hypertonie, > Koronare Herzkrankheit) Triglyzeride, Cholesterin
neurologische Erkrankungen spezifische neurologische Diagnostik
Penisanomalien
Operations- oder Traumafolgen Anamnese
Medikamentennebenwirkung Medikamentenanamnese
Noxen Anamnese
Schlafapnoe-Syndrom Schlaflabor
psychische Ursachen psychologische/psychiatrische Diagnostik

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