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B978-3-437-42501-1.50036-3

10.1016/B978-3-437-42501-1.50036-3

978-3-437-42501-1

Stehende Hautfalte/eingesunkene Fontanelle bei einem Säugling. [Muntau]

Exsikkose

Th. Thomas

J. Hensen

Definition

Unter Exsikkose (von lat. siccus = trocken) versteht man eine Austrocknung des Körpers bedingt durch starken Verlust und/oder fehlende Aufnahme von Wasser. Der resultierende Flüssigkeitsmangel führt zu einer Verminderung des intra- und extrazellulären Volumens.

Anamnese

Die häufigsten Ursachen der Exsikkose können bei wachen, nicht vigilanzgeminderten Patienten anamnestisch erfasst werden, z. B. Durchfälle, Erbrechen, Polyurie, Verbrennungen oder Operationen (Fisteln/Drainagen). Das subjektive Durstgefühl des Patienten und der Zugang zu Trinkwasser müssen immer mitbeurteilt werden. Besondere Vorsicht ist bei Säuglingen oder älteren Patienten geboten: Sie können durch fehlende Flüssigkeitseinnahme rasch eine Exsikkose entwickeln und sind häufig nicht in der Lage, ihre Symptome adäquat zu äußern. Es muss auch an eventuelle Hindernisse bei der Flüssigkeitseinnahme und Resorption gedacht werden (z.B. Schluckstörungen, Malabsorptionssyndrome). Darüber hinaus sind gezielte Fragen nach einem Diabetes mellitus (Ketoazidose oder hyperosmolares Koma), bekannten Nieren- oder Nebennierenerkrankungen oder Diabetes insipidus zu stellen. Eine genaue Medikamenten-, Drogen- und Alkoholanamnese sollte ebenfalls erhoben werden. Besondere Vorsicht ist bei Verdacht auf Essstörungen (Anorexia nervosa oder Bulimie) mit heimlichem Diuretika- oder Laxanzienabusus geboten.

Untersuchungen

Die einzigen klinischen Zeichen einer leichten Exsikkose können eine orthostatische Hypotonie und Tachykardie sein . Trockene Schleimhäute, weiche Bulbi, Hyperthermie und ein reduzierter Hautturgor (Abb. 1) sind weitere Indikatoren. Ein Foetor ex ore liefert Hinweise auf einen Diabetes mellitus, eine Niereninsuffizienz (Foetor uraemicus) oder Alkoholkonsum. Bei schwerer Exsikkose können Symptome wie Oligurie, Vigilanzminderung und Zeichen eines hypovolämischen Schocks auftreten.
Wichtige Laborparameter sind die Serum-Elektrolyte (Natrium, Kalium), die Nierenretentionsparameter (Kreatinin, Harnstoff), der Plasmaglukosespiegel und die Urinausscheidung. Ein Urinstatus, eine Blutgasanalyse und ggf. die Kontrolle der Urinelektrolyte können weitere differenzialdiagnostische Informationen liefern. Abdomen- oder Gefäßsonographie können bei der Abschätzung der Gefäßfüllung als möglicher Marker einer Exsikkose hilfreich sein. Weitere mögliche Untersuchungen sind je nach Verdachtsdiagnose anzuwenden .

Differenzialdiagnosen

Ursachen für eine Exsikkose

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
unzureichende Flüssigkeitseinnahme (Säuglinge, ältere Patienten) Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor
gastrointestinale Erkrankungen (Erbrechen, Durchfälle, Pankreatitis, Malabsorption, Fistel usw.) Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor, ggf. Bildgebung (Sonographie, CT) od. Endoskopie
Verluste über die Haut (Verbrennung, Fieber, Hyperthermie, Sport) Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor
respiratorische Erkrankungen (Pneumonie, künstliche Beatmung) Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor
Einnahme von Diuretika oder Laxanzien Medikamentenanamnese
entgleister Diabetes mellitus (osmotische Diurese) Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor
Nierenerkrankungen (Salz-verlustnephropathien) Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor
Nebennierenrinden-Insuffizienz Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor, Kortisol/ACTH basal, ACTH-Kurztest
Diabetes insipidus Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor, Protokollierung der Urin- und Trinkmenge, kontrollierter Durstversuch

Klinische Zeichen einer Exsikkose

Symptom/Zeichen Leichte Exsikkose Mittelschwere Exsikkose Schwere Exsikkose
Vigilanz normal gemindert Lethargie/Koma
Schleimhäute normal trocken sehr trocken/rissig
Herzfrequenz orthostatische Tachykardie Tachykardie in Ruhe (HF: 100–120/min) ausgeprägte Tachykardie (HF > 120/min)
Atemfrequenz normal erhöht erhöht/Tachypnoe
Hautturgor normal mäßig reduziert sehr reduziert
Bulbi normal weich weich und eingesunken
Urinausscheidung reduziert Oligurie Oligurie/Anurie
Blutdruck normal orthostatische Hypotonie Hypotonie/Schock
Fontanelle (bei Säuglingen) normal gedrückt eingesunken

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