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B978-3-437-42501-1.50211-8

10.1016/B978-3-437-42501-1.50211-8

978-3-437-42501-1

Verschiedene Wirbelkörperveränderungen bei manifester Osteoporose. [Kauffmann/Moser/Sauer]

Osteoporose

C. Bollheimer

Zur Orientierung

Osteoporose bezeichnet eine Erkrankung des gesamten Skeletts mit Abnahme der Knochenmasse und Verschlechterung der Mikroarchitektur. Je nach Ätiologie unterscheidet man primäre, sekundäre und idiopathische Osteoporosen ( Kap. Knochenschwund). Osteoporose führt zu einem drastisch erhöhten Risiko für Knochenfrakturen (sog. manifeste Osteoporose), die es zu vermeiden gilt. Zur Diagnostik Kap. Knochenschwund. Typische Wirbelkörperveränderungen im Schema Abb. 1.

Formen

Die Behandlungsbedürftigkeit der primären Osteoporose (Osteoporose der postmenopausalen Frau bzw. des Mannes ab dem 60. Lebensjahr) wird heutzutage am statistischen Wert des sog. hüftfrakturäquivalenten 10-Jahres-Frakturrisikos (10-JFR) festgemacht. Ein Risiko von mehr als 20, innerhalb von 10 Jahren eine Fraktur zu erleiden, die in ihrer Schwere mit einer Schenkelhalsfraktur vergleichbar ist, gilt dabei als bedenklich. In die Kalkulation des 10-JFR gehen vor allem bereits eingetretene Wirbelkörperfrakturen und daneben das Lebensalter sowie der T-Score-Wert (Knochendichte) ein. Der T-Score gibt die Standardabweichung (SD) des Patienten-messwertes vom Mittelwert der Knochendichte gesunder 30-Jähriger an (T-Score > 1 SD = normaler Knochen).

Befundkonstellationen mit Hüftfrakturäquivalentem 10-Jahres-Fraktur-risiko (10-JFR) > 20 bei primärer Osteoporose

Wirbelkörperfrakturen Alter Knochendichte (T-Score-Wert)
keine < 65J. T <–3,5 SD
keine 65–75J. T <–2,5 SD
keine >75J. T <–2,0 SD
1 < 65J. T <–2,0 SD
1 65J. unerheblich
mehrere unerheblich unerheblich
Bei den selteneren sekundären und idiopathischen Osteoporoseformen gibt es eine Risikostratifizierung bislang nicht.

Therapie

Ziel bei der Behandlung einer Osteoporose ist die Prophylaxe von Frakturen. Abgesehen von der Behandlung der Grunderkrankung bei sekundären Osteoporoseformen und möglichen Lebensstilmodifikationen (Aufgabe von Nikotin- und Alkoholkonsum, Vermeidung von Untergewicht, körperliche Aktivität zur Förderung von Muskelkraft und Koordination) wird für alle Osteoporoseformen die Basistherapie mit einer täglichen Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr empfohlen .
Bei der primären Osteoporose ist ab einem 10-JFR > 20 eine zusätzliche Therapie mit spezifischen Antiosteoporotika zu erwägen. Für Frauen mit primärer Osteoporose stehen neben den Bisphosphonaten noch andere Substanzklassen zur Verfügung , für Männer mit primärer Osteoporose sind in Deutschland bislang lediglich die Bisphosphonate Alendronat, Risedronat und Zoledronat sowie das Parathormon-Analogon Teriparatid zugelassen (Stand 2009).
Der Einsatz spezifischer Antiosteoporotika bei der sekundären oder idiopathischen Osteoporose ist in Deutschland nicht zugelassen und in aller Regel nur als Heilversuch vertretbar . Ausnahme ist der zugelassene Einsatz spezieller Bisphosphonate zur Vermeidung einer manifesten Osteoporose unter Kortikosteroidtherapie . So können die Bisphosphonate Alendronat, Risedronat oder Etidronat zusätzlich zur Basistherapie verordnet werden, wenn eine mindestens 3-monatige Steroidtherapie mit mehr als 7,5 mg Prednisolonäquivalent notwendig ist und entweder ein T-Score-Wert < –1,5 SD besteht oder bereits osteoporotische Frakturen eingetreten sind .

Komplikationen

Die wichtigsten Komplikationen sind (mediale) Schenkelhalsfraktur und Wirbelkörperfraktur.
Gangunsicherheit und fehlende häusliche Hilfsmittel zur Sturzrisikosenkung (Spazierstock, Rollator, Toilettensitzerhö-hung, Sitzhocker in Dusche etc.) führen dazu, dass das Lebenszeitrisiko für eine Schenkelhalsfraktur bei über 50-Jährigen 15 (Mann) bis 30 (Frau) beträgt. Die Schwere dieses Traumas zeigt sich in seiner unmittelbaren Mortalität von 20 – 30 bei über 50-Jährigen.
Bei einer akuten osteoporotisch bedingten Wirbelkörperfraktur (typische Lokalisation BWK6 bis LWK2) bestehen in der Regel stärkste Schmerzen. Symptomatisch im Vordergrund steht deshalb die (bisweilen langfristige) symptomatische Therapie mit stark wirksamen Analgetika. Zur Vermeidung einer Fehlhaltung als Ursache chronischer Rückenbeschwerden sind vor allem physiotherapeutische sowie ggf. interventionelle Maßnahmen (Kypho-/Vertebroplastie) zu veranlassen.

Schenkelhalsfraktur im Röntgenbild. [Gerstorfer]

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