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B978-3-437-42501-1.50110-1

10.1016/B978-3-437-42501-1.50110-1

978-3-437-42501-1

Sehstörungen: Doppeltsehen, Schielen

B. Wiechens

Definition

Doppeltsehen (Diplopie) kann monokular bei Trübungen der brechenden Medien (Hornhauttrübungen, Katarakt etc.) oder binokular beim Schielen (Strabismus) auftreten. Beim Strabismus kommt es zum Stellungsfehler eines oder beider Augen, wobei nur ein Auge auf das fixierte Objekt gerichtet ist und das andere abweicht. Man unterscheidet das Begleitschielen (Strabismus concomitans), bei dem der Schielwinkel in alle Blickrichtungen gleich ist, vom Lähmungsschielen (Strabismus paralyticus), das je nach Blickrichtung und Fixierauge verschieden große Schielwinkel aufweist.

Anamnese

Zunächst ist nach dem Schielbeginn und dem Auftreten erster Symptome zu fragen. Lag bereits in der Kindheit ein Strabismus vor oder ist dieser erst später aufgetreten? Das Abweichen kann alternierend (abwechselnd beide Augen betreffend) oder intermittierend (wechselnde Phase des Abweichens und des Parallelstands des Auges) auftreten.
Erwachsene mit Lähmungsschielen klagen häufig über Doppelbilder, die in Blickrichtung des gelähmten Muskels zunehmen.
Auf Begleitsymptome, wie z. B. eine Kopfzwangshaltung (z. B. Trochlearisparese) oder eine Ptosis (z. B. Okulomotoriusparese), ist zu achten, da hierdurch eine Diplopie verhindert wird.
Gerade bei älteren Patienten ist zu unterscheiden, ob es sich um monokulare oder binokulareDoppelbilder handelt (s.u.).
Bei akutem Lähmungsschielen ist nach neurologischen Störungen zu fahnden. Ein weiteres wichtiges Symptom ist das Vorhandensein von Schmerzen. So kann z. B. eine schmerzhafte Motilitätseinschränkung wegweisend für eine Myositis extraokularer Muskeln sein.

Untersuchungen

Voraussetzungen für eine spezielle Diagnostik beim Symptom Diplopie ist eine allgemeine Augenuntersuchung (Visus, Funduskopie etc.), um morphologische Störungen auszuschließen.
Zur Unterscheidung monokularer von binokularen Doppelbildern wird wechselweise ein Auge des Patienten abgedeckt. Bestätigt sich der Verdacht auf monokulare Doppelbilder, so hält man eine stenopäische Lücke (Lochblende) vor das betroffene Auge. Kommt es zu einer Besserung oder Verschwinden der Diplopie , so ist die häufigste Ursache ein nicht auskorrigierter Refraktionsfehler. Gelingt so keine Besserung der Symptomatik, sind zentrale oder psychogene Störungen auszuschließen .
Ergibt die Voruntersuchung binokulare Doppelbilder, ist eine strabologische Diagnostik nötig, die i. d. R. durch den Ophthalmologen erfolgt. Dennoch ist auch für Nichtoph-thalmologen eine orientierende Untersuchung möglich. Hierbei können folgende, einfache Methoden angewandt werden:
  • 1. Stellung der Augen bei Geradeausblick in die Ferne durch Vergleich der Lichtreflexe in der Pupille, die mit Hilfe einer Visitenlampe des Untersuchers projiziert werden

  • 2. Prüfung der Augenmotilität in alle Blickrichtungen

  • 3. Covertest im Fern- und Nahbereich

  • 4. alternierender Covertest

  • 5. Beobachtung der Pupillenreaktion (cave: Pupillotonie).

Differenzialdiagnosen

Ursachen von Sehstörungen: Diplopie, Strabismus

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Begleitschielen (Strabismus concomitans) strabologische Spezialdiagnostik
Lähmungsschielen (Strabismus paralyticus), z. B. Oku-lomotorius-, Trochlearis-, Abduzensparese strabologische Spezialdiagnostik
Heterophorien (latentes Schielen) strabologische Spezialdiagnostik
inter-/infranukleäre Ophthalmoplegie neurologische Untersuchung, ggf. MRT/CT
Augenmuskelstörungen bei Orbitaverletzungen/-erkrankungen Funduskopie, Funktionsprüfung N. opticus, Konsil: HNO, ggf. weitere Fachdisziplinen, MRT/CT Ausschluss internistischer Allgemeinerkrankungen (z. B. Lymphom, Morbus Wegener etc.)
Myopathie bei endokriner Orbitopathie endokrinologische Untersuchung, ggf. MRT/CT, Ultraschall der Orbita
Myositis der extraokularen Muskeln Ultraschall der Orbita
Myasthenia gravis neurologische Untersuchung
Text zur orientierenden Untersuchung der Augen

Linksseitige Abduzensparese. Links oben: Geradeausblick. Links unten: unauffällige Bewegung beim Blick nach rechts. Rechts unten: Abduzensparese links beim Blick nach links. Ursache ist ein sphenoidales Meningeom (Pfeile im MRT). [Pane]

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