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B978-3-437-58795-5.00004-7

10.1016/B978-3-437-58795-5.00004-7

978-3-437-58795-5

Differenzialdiagnostik von Thrombophlebitis und Phlebothrombose

Tab. 4.1
Thrombophlebitis Phlebothrombose
Rötung Geröteter Venenstrang Gesamte Extremität betroffen
Schwellung Lokal, im Verlauf des Venenstrangs Gesamte Extremität betroffen
Schmerz Lokal, im Verlauf des Venenstrangs Gesamte Extremität betroffen
Mobilisation Keine Bettruhe Bettruhe
Komplikationen
  • Entzündung der tiefen Beinvenen

  • Tiefe Beinvenenthrombose

  • Sepsis

  • Lungenembolie

  • Postthrombotisches Syndrom

Differenzialdiagnostik von pAVK und akutem Extremitätenverschluss

Tab. 4.2
pAVK Akuter Extremitätenverschluss
Ursache Arteriosklerose Emboli aus dem linken Herzen oder aus arteriosklerotischen Plaques
Schmerzen Belastungs- oder Ruheschmerzen je nach Stadium der pAVK Sehr starke Schmerzen des betroffenen Areals (Pain)
Temperatur Kühle Extremität Kalte Extremität
Hautbeschaffenheit Hautatrophie Ohne Veränderungen bis zur Atrophie
Neurologische Ausfälle Je nach Stadium der pAVK und Grunderkrankung
  • Parästhesie (Paresthesia)

  • Paralyse (Paralysis)

  • Reflexausfall

Hautfarbe Rötlich-livide (zyanotische) bis blasse Extremität Blass (Pale)
Pulsstatus Je nach Stenosegrad tastbar oder nicht Pulse distal des Verschlusses nicht tastbar (Pulslessness)
Verlauf Chronisch
  • Akut einsetzend

  • Schock (Prostration)

  • Notfall → Notruf absetzen, Tieflagerung der Extremität, Watteverband

Differenzialdiagnostik von Pseudokrupp und Epiglottitis

Tab. 4.3
Pseudokrupp Epiglottitis
Ursache
  • Viren (Adeno-, Parainfluenza-, RS-, Masernviren)

  • Allergie

Bakterien (Haemophilus influenzae Typ B, Strepto-, Staphylokokken)
Stimme Heiser Kloßig bis hin zur Aphonie
Husten Bellend Meist nicht vorhanden
Fieber Mäßig Sehr hoch
Speichelfluss Kaum Stark
Schluckstörung Kaum Sehr stark ausgeprägt
Halsschwellung Gering Sehr stark ausgeprägt
Beginn Langsam Plötzlich
Alter 1.–7. Lebensjahr, Häufung um das 3. Lebensjahr 2.–6. Lebensjahr
Besonderheiten
  • Rezidive sehr häufig

  • Auftreten meist abends/nachts

  • Erkrankungshäufung im Herbst/Winter

  • Rezidive sehr selten

  • Auftreten meist über den gesamten Tag

  • Notfall: zügige Verweisung in die Klinik

Differenzialdiagnostik der Gastritiden

Tab. 4.4
Typ A
(Autoimmungastritis)
Typ B
(bakterielle Gastritis)
Typ C
(chemische Gastritis)
Häufigkeit 5 % 85 % 10 %
Ursachen Autoantikörper gegen die Belegzellen des Magens Vor allem Helicobacter pylori
  • Schmerzmittel, v. a. NSAR (besonders in Kombination mit Glukokortikoiden)

  • Alkohol, Nikotin

  • Gallereflux

Folgen
  • Schleimhautatrophie

  • Mangel an Intrinsic Factor

  • Ulkusbildung

  • Gefahr von Magenkarzinomen und Magenlymphomen

Ulkusbildung

Differenzialdiagnostik des akuten Abdomens nach der Lokalisation

Tab. 4.5
Lokalisation Differenzialdiagnosen
Rechter oberer Quadrant
  • Cholezystitis: Schmerzausstrahlung in die Schulter, Fieber, positives Murphy-Zeichen, Übelkeit, Erbrechen

  • Gallensteinabgang: kolikartige Schmerzen mit Ausstrahlung in die rechte Schulter, Übelkeit, Erbrechen, ggf. Stuhlaufhellung oder Stuhlentfärbung, dunkler Urin und Ikterus

  • Ulcus duodeni, v. a. Perforation: plötzliche, schneidende Schmerzen mit Ausstrahlung in beide Schultern und Schocksymptome

  • Leberruptur: in der Anamnese stumpfes Bauchtrauma, Symptome des hämorrhagischen Schocks

  • Appendizitis in der Schwangerschaft: Fieber (mit rektal-axillärer Differenz), Übelkeit, Erbrechen, Stuhlunregelmäßigkeiten

  • Pankreatitis: gürtelförmige Bauchschmerzen, Gummibauch, gerötetes Gesicht, ausgeprägtes Krankheitsgefühl, Übelkeit und Erbrechen, Fieber

  • Nephrolithiasis: kolikartige, wandernde Schmerzen (von den Flanken in den Ober- bzw. Unterbauch und von dort in die Leiste), unruhige Patienten, ggf. Hämaturie

  • Pyelonephritis: starke Schmerzen in den Nierenlagern, Fieber, Dysurie, Pollakisurie

  • Lungenembolie: plötzliche thorakale Schmerzen, Dyspnoe, Zyanose, Husten, HF ↑, RR ↓, Symptome der tiefen Beinvenenthrombose

  • Pleuritis (trockene): stechende, atemabhängige Schmerzen, in der Auskultation schabende atemabhängige Geräusche

  • Basale Pneumonie: Fieber, Husten und eitriger Auswurf, Stimmfremitus ↑, hyposonorer Klopfschall, feuchte Rasselgeräusche

  • Kolonperforation: Symptome der Peritonitis und der Grunderkrankung

  • Herzinfarkt: akute retrosternale Schmerzen mit Ausstrahlung v. a. in Hals, Achsel, linken Arm bis zu den Fingern, Abdomen oder Rücken; bei Angina pectoris Besserung nach Gabe von Nitrospray, HF ↑ mit Arrhythmien, RR ↓, Blässe, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen

Linker oberer Quadrant
  • Pankreatitis: s. o.

  • Milzruptur: Schmerzausstrahlung in die linken Schulter, anamnestisch stumpfes Bauchtrauma, Zeichen des hämorrhagischen Schocks

  • Herzinfarkt: s. o.

  • Ulcus ventriculi, v. a. Perforation und Penetration: bei Perforation schneidender Schmerz und Schocksymptome, bei Penetration persistierende Schmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken

  • Nephrolithiasis, Pyelonephritis: s. o.

  • Lungenembolie, Pleuritis, basale Pneumonie: s. o.

  • Kolitis: blutig-schleimige Durchfälle, Tenesmen, Fieber

  • Kolonperforation: s. o.

  • Subphrenischer Abszess: Fieber, Schüttelfrost, Zwerchfellhochstand, atemanhängige Schmerzen

Rechter unterer Quadrant
  • Appendizitis: Schmerzen zunächst im Epigastrium, dann periumbilikal, später im rechten Unterbauch; rektal-axillärer Temperaturunterschied, positive Appendizitiszeichen (Psoas-, Blumberg-, Lanz-, McBurney-, Rovsing-Zeichen)

  • Morbus Crohn: schleimig-eitrige Durchfälle, Stenosesymptomatik, Gewichtsabnahme, Mangelerscheinungen, Entzündungssymptome

  • Adnexitis, Salpingitis: Infektion meist während der Menstruation, akute Unterbauchschmerzen, Fieber, gelblich-grünlicher Fluor, Übelkeit und Erbrechen bei Begleitperitonitis, Portioschiebeschmerz

  • Ovarialzysten (Stieldrehung und Ruptur): plötzliche, einseitige, heftige Schmerzen, Begleitperitonitis

  • Tubenruptur durch Extrauteringravidität: plötzlicher, heftiger Schmerz, Schockzeichen, meist sekundäre Amenorrhö

  • Hodentorsion: akuter Beginn, stärkste Schmerzen, Skrotum oft gerötet, betroffene Seite oft hochgezogen, Prehn-Zeichen negativ

  • Invagination: kolikartige Schmerzen, Erbrechen, peranaler Blutabgang

  • Ileus: beim mechanischen Ileus peristaltiksynchrone Bauchschmerzen, hochgestellte Darmgeräusche vor der Stenose; beim paralytischen Ileus wenig Bauchschmerzen und Darmparalyse (keine Darmgeräusche)

  • Hernieninkarzeration: Symptome des Ileus und der Peritonitis

  • Harnleitersteine: kolikartige, wandernde Schmerzen, unruhige Patienten, ggf. Hämaturie

  • Harnverhalt: Anurie, Oligurie mit starkem Harndrang, Kaltschweißigkeit, Tachykardie, Harnträufeln

Linker unterer Quadrant
  • Divertikulitis (v. a. Sigma): chronische Obstipation, im Schub Veränderungen der Stuhlgewohnheit, Schmerzen im linken Unterbauch, Fieber mit Schüttelfrost, bei der Palpation tastbare Stuhlwalze, ggf. Pneumaturie

  • Adnexitis: s. o.

  • Hodentorsion: s. o.

  • Hernieninkarzeration: s. o.

  • Harnleitersteine, Harnverhalt: s. o.

  • Kolontumor: Symptome des Ileus, B-Symptome, veränderte Stuhlgewohnheiten

  • Adnexitis, Salpingitis, Ovarialzysten, Extrauteringravidität: s. o.

Epigastrisch
  • Hiatushernie: Sodbrennen, Reflux, Völlegefühl

  • Ösophagitis: Dysphagie, Odynophagie, Reflux

  • Ösophagusperforation: Schmerzausstrahlung zwischen die Schulterblätter, Luftemphysem im oberen Thorax

  • Ulcus ventriculi und duodeni: s. o.

  • Herzinfarkt, Angina pectoris: s. o.

Periumbilikal
  • Appendizitis: s. o.

  • Pankreatitis: s. o.

  • Meckel-Divertikulitis: Symptome der Appendizitis, blutige Stühle

  • Aortenaneurysma: Schmerzausstrahlung in den Rücken, pulsierende abdomineller Tumor

  • Mechanischer Ileus: s. o.

  • Mesenteriale Ischämie/Infarkt: plötzlich stärkste Schmerzen, mitunter kolikartig, freies Intervall, Symptome der Peritonitis und des Schocks

Diffus
  • Gastroenteritis: Durchfälle (wässrig, schleimig-eitrig oder blutig), ggf. Fieber

  • Ileus: s. o.

  • Peritonitis, Peritonealkarzinose: akute stärkste Bauchschmerzen, brettharte Bauchdecke, Darmparalyse, systemische Entzündungszeichen, Symptome der Grunderkrankung

  • Aortendissektion: reißende, heftige wandernde Schmerzen, vom Thorax zwischen die Schulterblätter, dann nach unten in den unteren Rücken und Bauch wandernd, Kreislaufinstabilität bis hin zum Schock

  • Mesenterialinfarkt: s. o.

  • Diabetes mellitus: häufig Diarrhö und Obstipation im Wechsel, Übelkeit, Erbrechen, Polyurie, Polydipsie, hohe Blutzuckerwerte, Symptome der Makro- und Mikroangiopathie

  • Reizdarmsyndrom (Colon irritabile): Diarrhö und Obstipation im Wechsel, krampfartige Bauchschmerzen, hörbare Darmgeräusche, psychische Verstimmung

Differenzialdiagnostik obere und untere gastrointestinale Blutung

Tab. 4.6
Lokalisation Farbe Ursachen
Obere gastrointestinale Blutung
  • Ösophagus

  • Magen

  • Duodenum

  • Dunkler Stuhl (Teerstuhl)

  • Evtl. Bluterbrechen (Hämatemesis)

  • Kaffeesatzartiges Erbrechen

  • Erosive Gastritis

  • Ulcus ventriculi et duodeni

  • Refluxösophagitis

  • Ösophagusvarizen

  • Mallory-Weiß-Syndrom

  • Magenkarzinom

  • Traumen

Untere gastrointestinale Blutung
  • Jejunum

  • Ileum

  • Kolon

  • Rektum

Rotes Blut im Stuhl (Hämatochezie)
  • Hämorrhoiden

  • Darmtumoren

  • Morbus Crohn, Colitis ulcerosa

  • Mesenterialinfarkt

  • Ischämische Kolitis

  • Divertikulitis

  • Meckel-Divertikel

  • Invagination

Differenzialdiagnostik der Adipositas

Tab. 4.7
Primäre Adipositas (> 90 %) Sekundäre Adipositas (< 10 %)
  • Genetische Ursachen

  • Überernährung

  • Mangelnde körperliche Aktivität

  • Psychische Faktoren wie Essen als Belohnung, aus Frustration und Kummer

  • Hyperkortisolismus: Symptome des Cushing-Syndroms, u. a. Stammfettsucht bei dünnen Extremitäten, dünne Haut, Striae, Mondgesicht, Stiernacken

  • Hypothyreose: Kälteempfindlichkeit, depressive Verstimmung, Hypotonie, Bradykardie, Kälteempfindlichkeit, Myxödem

  • Hirntumoren: Symptome der Hirndrucksteigerung, u. a. Bewusstseinsstörung, Kopfschmerzen, Erbrechen im Schwall (häufig ohne Übelkeit), neuro-psychiatrische Ausfälle, abnorme Atmungstypen (Cheyne-Stokes-, Biot-Atmung), Stauungspapille

FieberverlaufFieberverlauf

Tab. 4.8
Fieber Differenzialdiagnosen
Subfebril (< 38,0 °C rektal)
  • Hyperthyreose

  • Morbus Hodgkin

  • Non-Hodgkin-Lymphom

Febril (> 38,0 °C rektal)
  • 38 °C–39 °C = mäßiges Fieber

  • > 39 °C = hohes Fieber

  • Kontinua: anhaltendes Fieber mit Tagesschwankungen bis 1 °C, z. B. bei Pneumonie, Typhus, akuter Endokarditis

  • Remittierend: Tagesschwankungen 1–2 °C, z. B. bei Tuberkulose, septischen Prozessen; in der Früh Fieber meist geringer (keine Normalwerte) und steigt im Laufe des Tages an

  • Intermittierend: starke Tagesschwankungen > 2 °C, meist durch periodische Ausschwemmung von Toxinen; meist Entfieberung am Morgen

  • Zweigipflig: 2 hohe Fieberpeaks, dazwischen fieberfreie Phase, z. B. bei Masern

  • Undulierend: wellenförmige Fieberkurve, langsam ansteigend, einige Tage Fieber und langsam absteigend, z. B. bei Brucellose

  • Relapsfieber: Fieberspitzen, tageweise unterbrochen von fieberfreien Intervallen, z. B. bei Malaria

Differenzialdiagnostik von Coma diabeticum und hypoglykämischem Schock

Tab. 4.9
Coma diabeticum Hypoglykämischer Schock
Ursache
  • Mangelnde Insulinzufuhr

  • Erhöhter Insulinbedarf: Infekt, Diätfehler, Hyperthyreose, Kortisontherapie

  • Überdosierung von Insulin und/oder mangelnde Kohlenhydratzufuhr

  • Magenentleerungsstörungen (v. a. diabetische Gastroparese)

  • Alkoholexzess mit Nahrungskarenz

  • Starke körperliche Belastung

  • Insulinproduzierende Tumoren

Symptomentwicklung Langsam, über Tage Schnell, innerhalb von Minuten
Hunger Reduziert Stark
Durst Stark Reduziert
Muskulatur Hypoton
  • Hyperton

  • Tremor

  • Krämpfe

Haut Trocken Feucht
Atmung
  • Kussmaul-Atmung

  • Azetongeruch

  • Durch Sympathikusaktivierung beschleunigt

  • Kein Azetongeruch

Augenbulbi Weich und eindrückbar Normal
Andere Symptome
  • Fieber

  • Bauchschmerzen durch Pseudoperitonitis

  • Delirähnliche Symptome

  • Neurologische Ausfälle

  • Epileptische Anfälle

  • Eigenreflexe verstärkt

  • Pathologische Reflexe positiv

Übersicht über Ursachen, Symptome und Kompensationsarten der AzidoserespiratorlischeAzidosemetabolischeAzidose (pH < 7,37)KetoazidoseLaktatazidoseNiereninsuffizienz

Tab. 4.10
Respiratorische Azidose (pCO2 ↑) Metabolische Azidose (Bikarbonat ↓)
Ursachen Störung der
  • Ventilation (Asthma bronchiale, Fremdkörper)

  • Diffusion (Pneumonie, Emphysem, Lungenödem)

  • Perfusion (Embolie)

  • Zentralen Atemregulation

  • Ketoazidose durch gesteigerten Fettsäureabbau und Bildung von Ketonkörpern

  • Laktatazidose durch anaeroben Glukoseabbau

  • Niereninsuffizienz mit verminderter Ausscheidung von sauren Äquivalenten

  • Verlust von Pankreassekreten bei Diarrhö

  • Schock

Symptome
  • Dyspnoe, flache Atmung, Zyanose

  • Durch Hyperkapnie (CO2 ↑) und Hypoxie (O2 ↓) Tachykardie, Blutdruckschwankungen, Schweißausbruch

  • Schwere Hyperkapnie kann über die Dilatation der Hirngefäße ein Hirnödem hervorrufen

  • Übelkeit, Erbrechen

  • HF ↑, RR ↓

  • Schwäche, Desorientierung

  • Hyperkaliämie

  • Pseudoperitonitis mit Übelkeit, Erbrechen

Kompensation Erhöhte Ausscheidung der sauren Äquivalente über den Urin Kussmaul-Atmung (vertiefte und beschleunigte Atmung)

Übersicht über Ursachen, Symptome und Kompensationsarten der Alkalose (pH > 7,45)AlkaloserespiratorischeAlkalosemetabolische

Tab. 4.11
Respiratorische Alkalose (pCO2 ↓) Metabolische Alkalose (Bikarbonat ↑)
Ursachen
  • Hyperventilation durch Schreck, Schmerz, Angst oder bei Anämie durch eine verminderte O2-Bindung

  • Zentrale Störung (z. B. Fieber)

  • Verlust von Magensaft bei Erbrechen

  • Erhöhte Bikarbonatzufuhr

  • Diuretikatherapie

Symptome
  • Hyperventilation

  • Bewusstseinsstörungen durch Vasokonstriktion der Gehirngefäße

  • Tetanische Krämpfe

  • Hypokaliämie

  • Flache Atmung

  • Hypokaliämie

  • Tetanische Krämpfe

Kompensation Erhöhte Ausscheidung von Basen über den Urin Hypoventilation

Übersicht über die primären Kopfschmerzen

Tab. 4.12
Migräne Cluster-Kopfschmerz Spannungskopfschmerz
Frequenz Ca. 2–8 ×/Monat 1–8 ×/Tag während der Serie Variabel
Dauer Stunden bis Tage 30–90 Min. Konstant
Beginn Langsam
  • Plötzlich

  • Erreicht Maximum in den ersten Minuten

Langsam
Schmerz-Lokalisation Einseitig, kann die Seite wechseln und beidseitig werden Einseitig, meist hinter dem Auge Beidseitig
Schmerzcharakter Pulsierend Anhaltend schwer, stechend Dumpf, drückend
Trigger
  • Stress

  • Menses

  • Alkoholgenuss

  • Schlafveränderungen

  • Histaminhaltige Lebensmittel

Alkoholgenuss
  • Stress

  • Alkoholgenuss

Begleitsymptome
  • Aura (Flimmerskotom, Gesichtsfeldausfall, Sensibilitäts-, Sprachstörungen)

  • Lichtscheu

  • Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö

  • Auf der betroffenen Seite Horner-Syndrom

  • Tränenfluss, verstopfte Nase oder Nasenfluss, Augenrötung

In der Regel keine

Differenzialdiagnostik von zentraler und peripherer LähmungLähmungzentraleLähmungperiphere

Tab. 4.13
Zentrale Lähmung Periphere Lähmung
Ort der Läsion 1. Motoneuron, Gehirn und Rückenmark 2. Motoneuron, Spinalnerven, periphere Nerven
Tonus Spastische Lähmung; Manifestation kontralateral Schlaffe Lähmung; Manifestation ipsilateral
Eigenreflexe Gesteigert Abgeschwächt oder erloschen
Fremdreflexe Zum Teil abgeschwächt Abgeschwächt oder erloschen
Pathologische Reflexe (Babinski, Oppenheim, Gordon) Vorhanden Nicht vorhanden
Klonus Vorhanden Nicht vorhanden
Trophik Normal Muskelatrophie

Differenzialdiagnostik von zentraler und peripherer Fazialisparese

Tab. 4.14
Periphere Fazialisparese Zentrale Fazialisparese
Ursachen
  • Idiopathisch

  • Herpes zoster

  • Borreliose

  • Tumor, Metastasen im ZNS

  • Apoplex

Betroffene Bereiche Gesamte Gesichtshälfte, ipsilateral Untere Gesichtshälfte unter Aussparung der Stirnmuskulatur, kontralateral
Stirnrunzeln Nicht möglich Wegen der Doppelinnervation (Innervation von beiden Hemisphären) möglich
Lidschluss
  • Nicht möglich

  • Positives Bell-Phänomen (Aufwärtsbewegung des Augapfels beim unvollständigem Lidschluss)

Möglich, aber schwächer

Differenzialdiagnostik malignes Melanom und Naevus

Tab. 4.15
Kriterium Malignes Melanom Naevus
Asymmetrie Asymmetrisch In der Regel symmetrisch
Begrenzung Unscharf begrenzt Scharf begrenzt
Colorit Verschiedenfarbig In der Regel einfarbig
Durchmesser ≥ 0,5 cm ≤ 0,5 cm
Erhabenheit Unterschiedlich Unterschiedlich

NagelveränderungenUhrglasnägelTüpfelnägelTrommelschlägelfingerQuerfurchenOnychorrhexisOnycholyseOnychogryposeÖlfleckLeukonychieKrümelnägelKoilonychie

Tab. 4.16
Nagelveränderung Symptomatik Ursachen
Trommelschlägelfinger
  • Runde Auftreibung der Endglieder der Finger

  • Weichteilverdickung

  • Schwellung des Nagelbetts

  • Sauerstoffmangel durch z. B. Lungenerkrankungen

  • Herzerkrankungen

  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

  • Leberzirrhose

  • Paraneoplastisch beim Bronchialkarzinom

Uhrglasnägel Starke Wölbung in Längs- und Querrichtung durch Schwellung des Nagelbetts
  • Lungenerkrankungen

  • Herzerkrankungen

  • Colitis ulcerosa

Koilonychie
  • Löffelnägel

  • Konkave Form der Nägel mit abgehobenen Rändern

  • Angeboren

  • Eisenmangelanämie

  • Akromegalie

  • Hypothyreose

  • Pilzinfektionen

  • Trauma

Leukonychie Partielle oder totale Weißfärbung der Nägel
  • Angeboren

  • Verletzungen

  • Intoxikationen (Thallium, Arsen)

  • Leberzirrhose

  • Colitis ulcerosa

  • Pilzinfektion

Querfurchen (Beau-Reil-Furchen) Quer angeordnete Rillen, die meist durch einen Wachstumsstopp entstehen
  • Abgelaufene schwere systemische Erkrankungen

  • Chemotherapie

  • Verletzungen

Onychoschisis Lamellenartige, schichtweise Aufsplitterung der Nägel
  • Häufiges Benutzen von chemischen Externa (Waschpulver)

  • Verstärkte Beanspruchung

Onychorrhexis Längseinrisse in der Nagelplatte
  • Lebererkrankungen

  • Anämie

  • Lichen ruber

Onychogrypose Wuchernde, verdickte Nägel, meist mit Querrillen
  • Mangelnde Hygiene

  • Verletzungen

Onycholyse Partielle oder komplette Ablösung der Nagelplatte
  • Verletzungen

  • Nagelinfektionen

  • Hyperthyreose

  • Diabetes mellitus

Tüpfelnägel Punktuelle Einsenkungen in der Nagelplatte Psoriasis
Ölflecke Gelbliche Verfärbung der Nagelplatte Psoriasis
Krümelnägel Krümelig zerfallender Nagel durch Bildung parakeratotischer Massen Psoriasis

Differenzialdiagnostik von Depression und Demenz vom Alzheimer-Typ

Tab. 4.17
Depression Demenz
Beginn Erkennbar, relativ schnell Langsam, schleichend
Orientierung Erhalten Gestörte (zunächst zeitliche) Orientierung
Tagesschwankungen Häufig Eher selten
Stimmung Ständig depressiv Schwankend
Umgang mit Erkrankung Defizite werden herausgestellt Defizite werden eher verborgen

Differenzialdiagnostik von Exanthemen bei ausgewählten InfektionskrankheitenMasernRötelnVarizellenScharlachMononukleoseRingelrötelnDrei-Tage-FieberRöschenflechtePityriasis roseaLues

Tab. 4.18
Erkrankung Beginn Exanthem Besonderheit
Masern
  • Hohes, zweigipfliges Fieber

  • Husten

  • Halsentzündung

  • Makulopapulöses Exanthem

  • Hinter den Ohren beginnend

  • Von oben nach unten ausbreitend

  • Konfluierend

Koplik-Wangenflecken
Röteln
  • Leichtes Fieber

  • Mäßiges Krankheitsgefühl

Schwaches, mittelfleckiges nicht-konfluierendes Exanthem v. a. am Stamm Stark geschwollene nuchale und retroaurikuläre Lymphknoten
Varizellen
  • Leichtes Fieber

  • Mäßiges Krankheitsgefühl

  • Beginn überall in Schüben

  • Auch an Kopfhaut und Schleimhäuten, aber nicht an Handflächen und Fußsohlen

  • Entwickelt sich über einen Fleck zur Papel, Bläschen und Kruste = Sternenhimmel

Starker JuckreizAbheilung ohne Narbe, außer die Effloreszenzen sind gekratzt worden
Scharlach
  • Hohes Fieber

  • Starkes Krankheitsgefühl

  • Angina tonsillaris

  • Feinfleckiger Ausschlag

  • In Leisten und Achseln beginnend

  • Periorale Blässe

  • Erdbeerzunge

  • Himbeerzunge

Mononukleose
  • Fieber

  • Angina

  • z. T. starkes Krankheitsgefühl

Masernähnlich
  • Petechiale Blutungen am Gaumen

  • Milzschwellung, evtl. Begleithepatitis

Ringelröteln
  • Leichtes Fieber

  • Mäßiges Krankheitsgefühl

  • Schmetterlingsförmiges Exanthem im Gesicht

  • Girlandenförmiges Exanthem am Körper

Gelegentlich aplastische Anämie
Drei-Tage-Fieber
  • Plötzlich Fieber über 3–7 Tage, danach kritische Entfieberung

  • Krankheitsgefühl

Makulopapulöses, lachsrotes, stammbetontes, flüchtiges Exanthem
Pityriasis rosea (Röschenflechte) Evtl. leichtes Fieber und mäßiges Krankheitsgefühl
  • Beginn mit einem Primärmedallion (solitär stehender Fleck meist am Stamm)

  • Effloreszenz ist randbetont, zentral zeigt sich eine feine Schuppung

  • Innerhalb von 1–2 Wochen Entwicklung eines makulopapulösen, seltener urtikariellen Exanthems

  • Exanthem in den Hautspaltlinien (Stamm und proximale Extremitäten)

Lues
  • Stadium I: Primäraffekt und Lymphknotenschwellung im Abflussgebiet

  • Stadium II: Organmanifestation durch hämatogene Streuung mit u. a. Hepatitis, Karditis, Nephritis, Gelenkschmerzen mit hoher Kontagiosität

  • Stadium III: Granulombildung (Gummen) mit Organzerstörung

  • Stadium I: flüchtiges, kaum sichtbares Exanthem vorwiegend am Stamm

  • Stadium II: polymorphes, meist makulopapulöses, generalisiertes Exanthem; Handflächen und Fußsohlen sind häufig betroffen

  • Stadium III: Lues tuberosa mit braun-roten Papeln, die gyriert, zentrifugal wachsen können und ulzerieren können

Stadium II: andere Haut- und Schleimhauterscheinungen: Condylomata lata, Plaques muqueuses, Haarausfall

Rachenbefunde bei InfektionskrankheitenScharlachDiphtherieMononukleoseAnginaPlaut-VincentiHerpanginaAnginaagranulocytoticaAnginaspecifica

Tab. 4.19
Erreger bzw. Erkrankung Rachenbefund
β-hämolysierende Streptokokken (Scharlach) Hochrote, geschwollene Tonsillen mit stippchenartigen, wegwischbaren Belägen
Corynebacterium diphtheriae (Diphtherie) Großflächige grau-weiße Beläge mit Pseudomembranen, nach Ablösung starke Blutungen
EBV (infektiöse Mononukleose)
  • Tonsillenschwellung mit grauen Belägen

  • Petechiale Blutungen am Gaumen

Fusobakterien (Angina Plaut-Vincenti) Einseitige, schmerzlose, ulzerierende Tonsillitis bei sonst gutem Befinden
Coxsackie-A-Viren (Herpangina)
  • Tonsillen wenig geschwollen und gerötet, milchig-weiße, schmerzhafte Bläschen mit Ulzerationen

  • Gutartiger und schneller Verlauf

Angina agranulocytotica
  • Geschwüre und Nekrosen an den Tonsillen und Rachen mit schwarzen Belägen und Speichelfluss

  • Keine Schwellung der regionalen Lymphknoten

  • Ursache sind schwerste Schädigung des leukopoetischen Systems durch Medikamente oder sonstige Intoxikationen

Treponema pallidum (Angina specifica= luetica)
  • Schleierartiges Exanthem an Tonsillen und Gaumenbögen, die später in dunkelrote Papeln übergehen

  • Stadium II der Syphilis

Differenzialdiagnostik

Bewegungsapparat

Lernziele

  • Fähigkeit zur systematischen Differenzierung von Rückenschmerzen und Gelenkschmerzen.

  • Kenntnisse über die Differenzialdiagnosen des Gelenkbefalls.

  • Fähigkeit zur systematischen Differenzierung von Thoraxschmerzen.

  • Kenntnisse über die Differenzialdiagnosen der Herzgeräusche und die Auskultationspunkte.

  • Kenntnisse über die Differenzialdiagnosen der Herzrhythmusstörungen und der Synkopen.

  • Fähigkeit zur systematischen Differenzierung von Ödemen.

  • Fähigkeit zur Differenzierung von Beinulzera im Hinblick auf Ursache, Lokalisation und Begleitsymptome.

  • Kenntnisse über Ursachen der Extremitätenrötung.

  • Fähigkeit zur systematischen Differenzierung der Extremitätenschmerzen.

  • Fähigkeit zur Gegenüberstellung der Symptome von Thrombophlebitis und TVT sowie pAVK und akutem arteriellem Verschluss.

  • Kenntnisse über Schockarten und deren Symptome.

  • Kenntnisse über die Ursachen der Dyspnoe und Zyanose.

  • Fähigkeit zur Differenzierung des Sputums im Hinblick auf Menge, Farbe und Beschaffenheit.

  • Kenntnisse über die Ursachen eines blutigen Sputums.

  • Fähigkeit zur Differenzierung der Kruppsyndrome.

  • Kenntnisse über die Ursachen eines Pleuraergusses.

  • Kenntnisse über die Ursachen von Dysphagie, Erbrechen, Diarrhö und Obstipation.

  • Kenntnisse über die Ursachen des akuten Abdomens.

  • Differenzierung zwischen oberer und unterer gastrointestinaler Blutung.

  • Kenntnisse über Ursachen, Klassifikation und Leitsymptome des Ileus.

  • Fähigkeit zur Differenzierung der Ikterusarten im Hinblick auf Ursache und Veränderungen des Stuhls und Urins.

  • Kenntnisse über die Ursachen von Aszites.

  • Kenntnisse über die Ursachen der Unterernährung und der Adipositas.

  • Kenntnisse über die Ursachen von Fieber und Benennung unterschiedlicher Fieberverläufe.

  • Fähigkeit zur Differenzierung der hämorrhagischen Diathesen im Hinblick auf Ursachen und Blutungstyp.

  • Differenzierung der Anämien im Hinblick auf Ursachen und Veränderung der Erythrozytenindizes.

  • Kenntnisse über die Ursachen der Milzvergrößerung.

  • Kenntnisse über die Ursachen der Lymphknotenschwellung.

  • Fähigkeit der Differenzierung der Ursachen und Symptome beim Coma diabeticum und hypoglykämischen Schock.

  • Kenntnisse über die Ursachen der Schilddrüsenvergrößerung.

  • Kenntnisse über die Ursachen der Anurie, Polyurie und Hämaturie.

  • Kenntnisse über die Ursachen der respiratorischen und metabolischen Azidose und Alkalose, deren Symptome und Kompensationsarten.

  • Kenntnisse über Ursachen der Kalium- und Kalziumverschiebungen.

  • Kenntnisse über skrotale und abdominale Ursachen der Skrotalschwellung.

  • Kenntnisse über Ursachen der Unterbauchschmerzen bei der Frau.

  • Fähigkeit zur Differenzierung der Kopfschmerzen.

  • Kenntnisse über die Ursachen von Schwindel.

  • Benennung unterschiedlicher Gangstörungen.

  • Fähigkeit zur Differenzierung der Bewusstlosigkeit.

  • Kenntnisse über die Ursachen des Tremors.

  • Fähigkeit zur Differenzierung der zentralen und peripheren Lähmung.

  • Fähigkeit zur Differenzierung der zentralen und peripheren Fazialisparese.

  • Differenzierung der Läsionen der peripheren Nerven.

  • Kenntnisse über internistische Hauterkrankungen, die typischen Hautsymptome aufweisen.

  • Kenntnisse über die Ursachen von Juckreiz.

  • Fähigkeit zur Differenzierung zwischen dem malignen Melanom und einem Naevus nach der ABCDE-Regel.

  • Kenntnisse über Nagelveränderungen und die dazugehörigen Pathologien.

  • Differenzierung der unterschiedlichen Exanthemarten unter Beachtung des morphologischen Bildes.

  • Kenntnisse über Ursachen von Augenschmerzen, Ptosis und Lidschwellung.

  • Fähigkeit zur Differenzierung zwischen akutem und chronischem Visusverlust unter Berücksichtigung der Ursachen.

  • Kenntnisse über Ursachen der Miosis, Mydriasis und Anisokorie.

  • Kenntnisse über Ursachen der Ohrschmerzen.

  • Fähigkeit zur Differenzierung der Schwerhörigkeit unter Berücksichtigung der Einteilung in Schallleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeit.

  • Kenntnisse über die Ursachen von Tinnitus.

  • Fähigkeit zur Differenzierung zwischen Demenz und Depression.

  • Kenntnisse über Exantheme bei Infektionskrankheiten im Hinblick auf Lokalisation, Aussehen, Verlauf, Ausdehnung und Besonderheiten.

  • Kenntnisse über Rachenbefunde bei Infektionskrankheiten.

Rückenschmerzen

Rückenschmerzen

MERKE

Merke

Rückenschmerzen können nach verschiedenen Gesichtspunkten eingeteilt werden. Zum einen nach der Ursache (entzündlich, degenerativ, traumatisch, neoplastisch, metabolisch), zum anderen nach der Lokalisation (zervikal, thorakal, lumbal, sakral) oder nach anatomischen Strukturen. Nachfolgend erfolgt die Einteilung der Rückenschmerzen nach anatomischen Schichten von außen nach innen.

$RückenschmerzenEinteilung nach anatomischen Schichten von außen nach innen:

  • Haut:

    • Verbrennung

    • Verbrühung

    • Herpes zoster

  • Muskulatur:

    • Muskelhartspann

    • Entzündliche Erkrankungen

  • Nerven:

    • Bandscheibenvorfall

    • Kaudasyndrom

    • Interkostalneuralgie

  • Knochen und Gelenke:

    • Wirbelfraktur

    • Spondylose

    • Skoliose

    • Neubildungen

    • Osteoporose/Osteomalazie

    • Spondylarthritis

    • Bakterielle Spondylitis

    • Spondylolisthesis

    • Morbus Scheuermann

    • Morbus Paget

    • Rheumatoide Arthritis

  • Lunge und Pleura:

    • Pneumothorax

    • Pleuritis

  • Herz und Gefäße:

    • Akutes Koronarsyndrom

    • Lungenembolie

    • Aortendissektion

  • Abdominale Organe:

    • Gastritis

    • Ulkuskrankheit

    • Pankreatitis

    • Pankreaskopfkarzinom

    • Gallensteinleiden

    • Gynäkologische Erkrankungen

Haut
  • VerbrennungVerbrennung, Verbrühung:Verbrühung wegweisend sind anamnestische Angaben und der typische Hautbefund, z. B. Rötung, Blasenbildung

  • Herpes zoster:Herpes zoster entzündliche Hauterscheinungen mit Bläschenbildung; starke Schmerzen entlang eines Dermatoms; am häufigsten thorakale Dermatome (meist einseitig) betroffen

Muskulatur
  • Muskalhartspann (Myogelose):MyogeloseMuskalhartspann umschriebene Schmerzen, die sich unter Bewegung verstärken; typischer Tastbefund mit strangförmiger Verhärtung

  • Entzündliche Muskelerkrankung: Schmerzen in Ruhe; im Laborbefund Entzündungszeichen ↑ und CK ↑

Nerven
  • Interkostalneuralgie:Interkostalneuralgie einschießende Schmerzen entlang eines Nervenverlaufs

  • Bandscheibenvorfall:Bandscheibenvorfall plötzliche einschießende, in der Regel gut lokalisierbare Schmerzen entlang eines Spinalnerven, die sich unter Husten, Lachen, Pressen verstärken; meist lumbosakrale Abschnitte betroffen, Sensibilitätsstörungen, Ausfall der Kennmuskeln und Reflexabschwächung bzw. -Ausfall

  • Kauda-Syndrom:Kauda-Syndrom schlaffe Lähmung, je nach Läsionshöhe im Bereich der unteren Extremitäten oder im Reithosenareal; Areflexie, Blasen- und Mastdarmsphinkterparese

Knöcherne und Gelenkstrukturen der Wirbelsäule
  • WirbelfrakturWirbelfraktur, Wirbelsäulenstauchung: meist erinnerliches Trauma; starke, gut lokalisierbare und häufig atemabhängige Schmerzen; bei Beteiligung des Spinalkanals und des Rückenmarks neurologische Ausfälle

  • Spondylose:Spondylose je nach Ausprägung von asymptomatisch bis zu ausgeprägten Schmerzen im Bereich der degenerativen Veränderungen

  • SkolioseSkoliose: Seitverbiegung der Wirbelsäule; asymmetrischer Schulter- und Beckenstand, asymmetrische Taillendreiecke; Rippenbuckel (ggf. im Vorbeugetest) und/oder Lumbalwulst

  • Tumoren, Metastasen: v. a. bei Prostata-, Bronchial-, Mammakarzinom, Plasmozytom; kontinuierliche Schmerzen, auch nachts und in Ruhe; gleichzeitig meist vorhandene B-Symptomatik; Symptome des Primärtumors

  • OsteoporoseOsteoporose, Osteomalazie:Osteomalazie Schmerzhaftigkeit bei Sinterung bzw. Fraktur der Wirbelkörper; Abnahme der Körpergröße und Verformungen der Wirbelsäule (v. a. Kyphosierung typisch)

  • SpondylarthritisSpondylarthritiden: entzündlich-rheumatische Wirbelgelenkerkrankungen (u. a. Morbus Bechterew, Morbus Reiter, enteropathische Formen), die mit Steifigkeitsgefühl, Ruhe- und Nachtschmerzen einhergehen

  • SpondylitisSpondylitis (bakteriell), Abszess, Osteomyelitis:Osteomyelitis bakterielle Erkrankungen, die meist gut lokalisierbar und durch Ruhe- und Nachtschmerzen gekennzeichnet sind; im Laborbefund CRP ↑, BSG ↑ und Leukozytose

  • SpondylolisthesisSpondylolisthesis (Wirbelgleiten):Wirbelgleiten typisch sind Schmerzen im lumbosakralen Bereich (häufigste Lokalisation); gelegentlich gekoppelt mit Sensibilitätsstörungen der unteren Extremitäten

  • Morbus Scheuermann:Morbus Scheuermann im jugendlichen Alter wenig Symptome bis auf eine verstärkte Kyphosierung (meist) der BWS; im Erwachsenenalter fixierte Kyphose und arthrotische Veränderungen; im Röntgenbild Schmorl-Knötchen typisch

  • Rheumatoide rheumatoide ArthritisArthritis: symmetrischer Befall der kleinen Gelenke der Extremitäten; an der Wirbelsäule ist meist im Verlauf der Erkrankung die HWS betroffen, was sich als Facettensyndrom bemerkbar macht; typisch sind Nacken- und Kopfschmerzen; vegetative Symptome und neurologische Ausfälle können hinzutreten

  • Morbus Paget:Morbus Paget Knochenerkrankung, die zunächst mit einem verstärkten Abbau der Knochensubstanz einhergeht; später entstehen irreguläre und instabile Knochenanbauten; typische Symptome sind umschriebene Knochenschmerzen, Knochenverbiegungen (Säbelscheidentibia); im Laborbefund AP ⇈ und Kalzium ↑

Lunge und Pleura
  • Pleuritis:Pleuritis atemabhängige, stechende Schmerzen; meist im thorakalen Abschnitt; begleitend Symptome eines Infektes oder einer Pneumonie; atemabhängige, schabende Reibegeräusche („Lederknarren“)

  • Pneumothorax:Pneumothorax plötzliche stechende Schmerzen; meist im thorakalen Abschnitt; Dyspnoe, Zyanose; Stimmfremitus ↓, hypersonorer Klopfschall, abgeschwächtes Atemgeräusch

Herz und Gefäße
  • Angina Anginapectorispectoris, Herzinfarkt:Herzinfarkt akute, drückende retrosternale Schmerzen mit Ausstrahlung in Hals, Achsel, linken Arm bis zu den Fingern, Abdomen oder Rücken; Gefühl der thorakalen Einengung; bei Angina pectoris Besserung nach Gabe von Nitrospray

  • Lungenembolie:Lungenembolie akute retrosternale Thorax-, Oberbauch- oder Rückenschmerzen mit Dyspnoe, Zyanose, blutigem Sputum und Symptomen der Rechtsherzbelastung mit gestauten Halsvenen und evtl. Beinödemen; in den meisten Fällen Symptome der tiefen Beinvenenthrombose

  • Aortendissektion:Aortendissektion plötzliche, reißende thorakale Schmerzen oder Schmerzen zwischen den Schulterblättern, die sich in das Abdomen und untere Rückenbereiche verlagern; in der Anamnese in der Regel arterielle Hypertonie vorhanden

Abdominale Organe
  • GastritisGastritis, Ulkus:Ulkus thorakale, abdominale Schmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken (meist thorakolumbaler Übergang) mit Verstärkung nach dem Essen

  • Pankreatitis:Pankreatitis typisch sind gürtelförmige Oberbauchschmerzen; Ausstrahlung in linken Thorax und Rücken (meist thorakolumbaler Übergang) möglich

  • Pankreakopfkarzinom:Pankreakopfkarzinom typisch sind Symptome der chronischen Pankreatitis; schmerzloser Ikterus, bohrende Rückenschmerzen (meist thorakolumbaler Übergang)

  • Gallensteinleiden:Gallensteinleiden kolikartige Schmerzen im rechten Oberbauch bzw. rechten Thorax mit Ausstrahlung in die rechte Schulter, das Schulterblatt und BWS-Region; begleitend Unverträglichkeit von Fett, Kaffee oder gebratenen Speisen, evtl. Stuhlaufhellung und Dunkelfärbung des Urins

  • Gynäkologische Erkrankungen (z. B. Adnexitis, Lageanomalien des Uterus): Symptome der Primärerkrankung, z. B. Fluor, Fieber, Unterleibschmerzen mit Ausstrahlung in die LWS

Gelenkschmerzen

Gelenkschmerzen

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Gelenkschmerzen erfolgt nach deren Ursache.

Einteilung nach $GelenkschmerzenUrsachen:

  • Entzündlich-rheumatisch:

    • Rheumatoide Arthritis

    • SLE

    • Sklerodermie

    • Morbus Bechterew

    • Psoriasis-Arthritis

    • Reaktive Arthritis

    • Morbus Reiter

    • Fibromyalgie

    • Polymyalgia rheumatica

  • Infektiös:

    • Bakteriell (z. B. Borreliose, Tuberkulose)

    • Viral (z. B. Hepatitis, Influenza)

    • Sepsis

    • Osteomyelitis

  • Degenerativ:

    • Überbelastung

    • Arthrose

  • Metabolisch: Gicht

  • Traumatisch:

    • Gelenknahe Frakturen

    • Verletzungen des Bandapparats

  • Andere:

    • Neoplasien

    • Hämophilie

    • Antikoagulative Therapie

    • Akute Bursitis

Entzündlich-rheumatisch
Allen Ursachen gemeinsam sind der chronische Verlauf, Morgensteifigkeit, Ruheschmerz und im Schub erhöhte Entzündungszeichen im Blut.
  • Rheumatoide rheumatoide ArthritisArthritis: symmetrische Beteiligung der kleinen Gelenke (Grund- und Mittelgelenke, Gelenke der HWS) mit deren Zerstörung; Gaenslen-Zeichen positiv (Schmerzen in den Grundgelenken bei Händedruck), Schwanen- und Knopflochdeformität, ulnare Deviation; im Laborbefund RF meist positiv, CCP-AK positiv

  • Lupus erythematodes:Lupus erythematodes symmetrische Beteiligung der kleinen Gelenke, in der Regel ohne deren Zerstörung; typische Hautzeichen sind eine Sonnenunverträglichkeit und häufig ein Schmetterlingserythem; im Laborbefund ANA und RF meist positiv

  • Sklerodermie:Sklerodermie symmetrische Beteiligung der kleinen Gelenke, in der Regel ohne deren Zerstörung; typische Hautzeichen u. a. Puffy hands, Sklerosierung der Haut, Rattenbissnekrosen, Tabaksbeutelmund; im Laborbefund ANA und RF meist positiv

  • Morbus Morbus BechterewBechterew: tief sitzende Kreuzschmerzen durch Sakroileitis mit Ausstrahlung ins Gesäß und untere Extremitäten; Einsteifungstendenz mit reduzierter Beweglichkeit der Wirbelsäule (Schober- und Ott-Zeichen eingeschränkt); Beteiligung der großen Gelenke im Sinne einer Arthritis; im Laborbefund häufig HLA–B27 positiv

  • Psoriasis-Arthritis:Psoriasis-Arthritis Gelenkbefall im Strahl (Grund-, Mittel- und Endgelenk), gelegentlich symmetrischer Gelenkbefall wie bei der rheumatoiden Arthritis; Sakroileitis und erythematosquamöse Plaques über den Streckseiten der Extremitäten; im Laborbefund evtl. HLA-B27 positiv

  • Reaktive Arthritis:reaktive Arthritis Beteiligung der großen Gelenke ohne andere Organmanifestation; anamnestisch gastrointestinale und/oder urogenitale Infektionen eruierbar; im Laborbefund Entzündungszeichen ↑ und evtl. HLA-B27 positiv

  • Morbus Reiter: Arthritis (mit Beteiligung meist der großen Gelenke), Konjunktivitis und Enteritis/Urethritis (Reiter-Trias); gelegentlich Hauterscheinungen u. a. als Balanitis circinata (Entzündung der Eichel) oder unterschiedlich aussehende Hauterscheinungen an Handflächen und Fußsohlen (Reiter-Tetrade); anamnestisch gastrointestinale und/oder urogenitale Infektionen eruierbar; im Laborbefund Entzündungszeichen ↑ und evtl. HLA-B27 positiv

  • FibromyalgieFibromyalgie: erhöhte Schmerzempfindlichkeit, Steifigkeit, Schmerzen an Muskeln und Sehnenansätzen (tender points); Laborbefund meist o. B.

  • Polymyalgia Polymyalgia rheumaticarheumatica: meist symmetrische, nächtliche, reißende muskuläre Schulter- und Beckenschmerzen; im Laborbefund BSG ⇈, CRP ↑

Infektiös
  • Bakterielle Infekte (z. B. Borreliose, Tuberkulose, Staphylokokken): Symptome der Primärkrankheit; Beteiligung von einem oder mehreren Gelenken möglich; akute lokale Entzündungszeichen (Rötung, Schwellung, Überwärmung, Schmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit) typischerweise vorhanden; im Laborbefund Entzündungszeichen ↑, spezifische Antikörper nachweisbar; im Gelenkpunktat Erreger nachweisbar

  • Virale Infekte (z. B. Hepatitis, Influenza): Symptome der Primärkrankheit; häufig mehrere Gelenke betroffen; mit oder ohne lokale Entzündungszeichen; im Laborbefund Entzündungszeichen und spezifische Antikörper nachweisbar

  • Sepsis:Sepsis Temperatur > 38 °C oder < 36 °C, schweres Krankheitsgefühl, Tachykardie, Tachypnoe, Blutdruckabfall oder Blutdruckschwankungen; im Laborbefund Leukozytose oder Leukopenie

  • Osteomyelitis:Osteomyelitis gelenknahe Herde verursachen Belastungs- und Ruheschmerzen; z. T. schwere lokale und systemische Entzündungssymptomatik

Degenerativ
  • ArthroseArthrose: betroffen sind v. a. die Gelenke der unteren Extremität; im frühen Stadium Belastungs-, Anlauf- und Ruheschmerz, im späten Stadium Dauerschmerz, nächtlicher Schmerz, Muskelschmerzen

  • Überlastung: wegweisend sind anamnestische Befunde

Metabolisch
Gicht:Gicht asymmetrischer Befall; meist Großzehengrund- oder Daumensattelgelenk betroffen; stark ausgeprägte lokale Entzündungszeichen; im Laborbefund Harnsäure ↑ (kann aber auch ↓ oder im Referenzbereich sein)
Traumatisch
  • Gelenknahe FrakturFrakturen: wegweisend ist der anamnestische Befund; sichere Frakturzeichen wie Fehlstellung, abnorme Beweglichkeit oder sichtbare Knochenfragmente

  • Bänderriss, Meniskusverletzungen (am Knie): wegweisend ist der anamnestische Traumabefund; lokale Symptome; je nach Verletzung positive Funktionstests (Varus- und Valgusstress, Steinmann I und II, Schubladenphänomen, Lachmann-Test)

Andere
  • LeukämieLeukämie und andere Neoplasien: wegweisend sind Symptome des Primärtumors und ggf. B-Symptome; bei einer Leukämie Anämie, Thrombopenie, Immunsuppression und Veränderung des Blutbilds

  • HämophilieHämophilie, antikoagulative Therapie: wegweisend ist der anamnestische Befund; ggf. Blutungsneigung als Hämatome oder Gelenkeinblutungen

  • Akute Bursitis:Bursitis prall-elastische Schwellung, Schmerzen, Rötung, Überwärmung, Bewegungseinschränkung

Gelenkbefall

Gelenkbefall

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnose des Gelenkbefalls erfolgt nach der Beteiligung der Gelenke.

Einteilung nach $GelenkbefallBeteiligung der Gelenke:

  • Symmetrischer Befall der kleinen Gelenke:

    • Rheumatoide Arthritis

    • SLE

    • Sklerodermie

  • Sakroiliitis:

    • Morbus Bechterew

    • Reaktive Arthritis

    • Morbus Reiter

    • Enteropathische Arthritiden

    • Psoriasis-Arthritis

  • Beteiligung der großen Gelenke:

    • Rheumatisches Fieber

    • Reaktive Arthritis

    • Morbus Reiter

    • Morbus Bechterew

    • Psoriasis-Arthritis

    • Septische Arthritis

  • Großzehengrundgelenk: Gicht

Symmetrischer Befall der kleinen Gelenke
Gelenke kleine
  • Rheumatoide rheumatoide ArthritisArthritis: symmetrischer, zerstörender Gelenkbefall der kleinen Gelenke; Gaenslen-Zeichen positiv, Schwanen- und Knopflochdeformität; im Laborbefund RF meist positiv

  • Lupus erythematodes:Lupus erythematodes symmetrischer Befall der kleinen Gelenke; Hauterscheinungen (Schmetterlingserythem); im Laborbefund ANA und RF meist positiv

  • Sklerodermie:Sklerodermie symmetrischer Befall der kleinen Gelenke; Rattenbissnekrosen, Puffy Hands, Tabaksbeutelmund, Hautsklerosierung; im Laborbefund ANA und RF und CCP-AK meist positiv

Sakroileitis
SakroileitisAllen Ursachen gemeinsam sind ein Steifigkeitsgefühl, tiefsitzende, nächtliche Kreuzschmerzen mit Ausstrahlung ins Gesäß und Oberschenkel, die i. d. R. unter Bewegung von der Schmerzintensität her besser werden. Ferner sind im laborchemischen Befund Entzündungszeichen ↑ und in einem Teil der Fälle auch HLA-B27 positiv.
  • Morbus Morbus BechterewBechterew: Beteiligung der großen Gelenke, zunehmende Versteifung und Kyphosierung der Wirbelsäule von kaudal nach kranial Achillessehnenansatzschmerz, Iritis

  • Morbus Morbus ReiterReiter: Leitsymptome sind Arthritis, Konjunktivitis, Urethritis oder Enteritis

  • Enteropathische enteropathische ArthritidenArthritiden (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa): intestinale Symptome, z. B. Durchfall (eitrig-schleimig, blutig), Bauchschmerzen, (Sub-)Ileussymptomatik; extraintestinale Symptome wie Iritis, Erythema nodosum

  • Psoriasis-Arthritis:Psoriasis-Arthritis typische Hauterscheinungen als silbrig-weiße Schuppung auf entzündlichem Grund, v. a. über den Streckseiten der Gelenke, am Okziput und in der Analfalte

Beteiligung der großen Gelenke
Gelenke große
  • Rheumatisches Fieber:rheumatisches Fieber betroffen sind große Gelenke; Befall springend; in der Anamnese 1–4 Wochen zurückliegende Streptokokkeninfekte; im Laborbefund ASL-Titer ↑

  • Morbus Morbus ReiterReiter: Leitsymptome sind Arthritis, Konjunktivitis, Urethritis oder Enteritis

  • Morbus Morbus BechterewBechterew: Beteiligung der großen Gelenke, zunehmende Versteifung und Kyphosierung der Wirbelsäule von kaudal nach kranial, Achillessehnenansatzschmerz, Iritis

  • Psoriasis-Arthritis:Psoriasis-Arthritis typische Hauterscheinungen als silbrig-weiße Schuppung auf entzündlichem Grund, v. a. über den Streckseiten der Gelenke, am Okziput und in der Analfalte

  • Septische Arthritiden: u. a. bei Gonorrhö, Tuberkulose, Infektion mit HiB; akuter Beginn mit starken lokalen und systemischen Entzündungszeichen, Symptome der Grunderkrankung

Großzehengrundgelenk
Gicht:Gicht asymmetrischer Befall; meist Großzehengrund- oder Daumensattelgelenk betroffen; starke lokale Entzündungszeichen; im Laborbefund Harnsäure ↑ (kann aber auch ↓ oder im Referenzbereich sein)

Herz

Thoraxschmerzen

Thoraxschmerzen

MERKE

Merke

Die Einteilung von Thoraxschmerzen kann nach Ursachen oder Systemursachen vorgenommen werden (kardiovaskulär, respiratorisch, abdominal usw.) oder nach anatomischen Strukturen. Nachfolgend erfolgt die Differenzierung nach anatomischen Schichten von außen nach innen.

$ThoraxschmerzenEinteilung nach anatomischen Schichten von außen nach innen:

  • Haut:

    • Verbrennung

    • Verbrühung

    • Herpes zoster

  • Muskulatur:

    • Muskelhartspann

    • Entzündliche Muskelerkrankung

  • Nerven:

    • Interkostalneuralgie

    • Bandscheibenvorfall

  • Knochen und Gelenke:

    • Fraktur

    • Neubildungen

    • Osteoporose/Osteomalazie

    • Spondylarthritiden

  • Lungen und Pleura:

    • Pleuritis

    • Pneumothorax

  • Herz und Gefäße:

    • Akutes Koronarsyndrom

    • Lungenembolie

    • Aortendissektion

  • Ösophagus:

    • Achalasie

    • Refluxkrankheit

    • Mallory-Weiß-Syndrom

  • Abdominale Nachbarorgane:

    • Meteorismus

    • Gastritis

    • Ulkuskrankheit

    • Pankreatitis

    • Milzruptur

    • Gallensteinleiden

  • Andere: funktionelle Herzbeschwerden

Haut
  • VerbrennungVerbrennung, Verbrühung:Verbrühung wegweisend sind anamnestische Angaben und der typische Hautbefund, z. B. Rötung, Blasenbildung, Schmerzen

  • Herpes zoster:Herpes zoster entzündliche Hauterscheinungen mit Bläschenbildung, starke z. T. brennende Schmerzen entlang eines Dermatoms

Muskulatur
  • Muskelhartspann (Myogelose) :MyogeloseMuskalhartspann umschriebene Schmerzen, die sich unter Bewegung verstärken, typischer Tastbefund (strangförmige Verhärtung)

  • Entzündliche Muskelerkrankung: Schmerzen in Ruhe; im Laborbefund Entzündungszeichen ↑ und CK ↑

Nerven
  • Interkostalneuralgie:Interkostalneuralgie einschießende Schmerzen entlang eines Nervenverlaufs

  • Bandscheibenvorfall:Bandscheibenvorfall plötzliche einschießende, in der Regel gut lokalisierbare Schmerzen entlang eines Spinalnerven, die sich unter Husten, Lachen, Pressen verstärken, thorakale Bereiche selten betroffen

Knöcherne Strukturen und Gelenke
z. B. Wirbel, Bandscheiben, Rippen und Gelenke
  • Fraktur: meist erinnerliches Trauma, gut lokalisierbare und häufig atemabhängige Schmerzen

  • Tumoren, Metastasen: v. a. bei Prostata-, Bronchial-, Mammakarzinom, Plasmozytom; kontinuierliche Schmerzen, auch nachts und in Ruhe, gleichzeitig meist vorhandene B-Symptomatik, Symptome des Primärtumors

  • Osteoporose, Osteomalazie:OsteoporoseOsteomalazie Schmerzhaftigkeit bei Sinterung bzw. Fraktur der Wirbelkörper, Abnahme der Körpergröße und Verformungen der Wirbelsäule (v. a. Kyphosierung typisch)

  • Spondylarthritiden:Spondylarthritis entzündlich-rheumatische Wirbelgelenkerkrankungen (u. a. Morbus Bechterew, Morbus Reiter, enteropathische Formen), die mit Ruhe- und Nachtschmerzen einhergehen, Symptome der Grunderkrankung

Lunge und Pleura
  • Pleuritis:Pleuritis atemabhängige, stechende Schmerzen, begleitend Symptome eines Infektes oder einer Pneumonie; atemabhängige, schabende Reibegeräusche („Lederknarren“)

  • Pneumothorax:Pneumothorax plötzliche stechende Schmerzen meist im thorakalen Abschnitt, Dyspnoe, Zyanose; Stimmfremitus ↓, hypersonorer Klopfschall, abgeschwächtes Atemgeräusch

Herz und Gefäße
  • Angina pectoris, Herzinfarkt:AnginapectorisHerzinfarkt akute, drückende retrosternale Schmerzen mit Ausstrahlung in Hals, Achsel, linken Arm bis zu den Fingern, Abdomen oder Rücken, thorakales Engegefühl; bei Angina pectoris Besserung nach Gabe von Nitrospray

  • Lungenembolie:Lungenembolie akute retrosternale Thoraxschmerzen mit Dyspnoe, Zyanose, blutigem Sputum und Rechtsherzbelastung als z. B. Jugularvenenstauung und symmetrischen Ödemen

  • Aortendissektion:Aortendissektion plötzliche, reißende thorakale Schmerzen oder Schmerzen zwischen den Schulterblättern, die sich in das Abdomen und untere Rückenbereiche verlagern, Symptome der Kreislaufinstabilität mit v. a. Blutdruckschwankungen, Herzrhythmusstörungen; in der Anamnese i. d. R. arterielle Hypertonie

Ösophagus
  • Achalasie:Achalasie retrosternales Druckgefühl, Dysphagie und Regurgitation von zunächst festen, im Verlauf auch von breiigen Speisen und Flüssigkeiten

  • Refluxkrankheit:Refluxkrankheit brennende retrosternale Schmerzen, besonders nach üppigen Mahlzeiten, Alkoholkonsum und nachts, begleitende Heiserkeit

  • Mallory-Weiß-Syndrom:Mallory-Weiß-Syndrom Längseinrisse der Schleimhaut am gastroösophagealen Übergang; Auslöser sind Alkoholexzess und Erbrechen; plötzliche retrosternale Schmerzen, Hämatemesis

Abdominale Nachbarorgane
  • Meteorismus:Meteorismus thorakales Druckgefühl (Roemheld-Syndrom) mit Besserung nach Abgang von Flatus, begleitend abdominales Völlegefühl

  • Gastritis, Ulkus:GastritisUlkus thorakale Schmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken (meist thorakolumbaler Übergang) mit Verstärkung nach dem Essen

  • Pankreatitis:Pankreatitis typisch sind gürtelförmige Oberbauchschmerzen, Ausstrahlung in linken Thorax möglich, begleitend Übelkeit, Erbrechen, gerötetes Gesicht, Gummibauch und paralytischer Ileus

  • Milzruptur:Milzruptur heftige plötzliche Schmerzen im linken Oberbauch bzw. linken Thorax mit Ausstrahlung in die linke Schulter (Kehr-Zeichen); meist Folge eines Traumas

  • Gallensteinleiden:Gallensteinleiden kolikartige Schmerzen im rechten Oberbauch bzw. rechten Thorax mit Ausstrahlung in die rechte Schulter, das Schulterblatt und BWS-Region, Unverträglichkeit von Fett, Kaffee, gebratenen Speisen, ggf. Stuhlaufhellung und Dunkelfärbung des Urins

Andere Ursachen
Funktionelle Herzbeschwerden:Herzbeschwerdenfunktionelle thorakale Schmerzen, die belastungsunabhängig auftreten bzw. unter Belastung besser und in Ruhe stärker werden, meist umschrieben, scharf und stechend; keine morphologische Herzveränderung

Herzgeräusche

Herzgeräusch

MERKE

Merke

Die Einteilung der Herzgeräusche erfolgt nach deren Entstehung im Verlauf des Herzzyklus'.

$HerzgeräuscheEinteilung nach Entstehung im Verlauf des Herzzyklus':

  • Systolika: $Systolikum

    • Stenose der Taschenklappen (Aorten-, Pulmonalklappenstenose)

    • Insuffizienz der Segelklappen (Mitral-, Trikuspidalklappeninsuffizienz)

  • Diastolika: $Diastolikum

    • Insuffizienz der Taschenklappen (Aorten-, Pulmonalklappeninsuffizienz)

    • Stenose der Segelklappen (Mitral-, Trikuspidalklappenstenose)

Systolische Herzgeräusche
Herzgeräusch systolisch Systolikum
  • Stenose der Taschenklappen:

    • Aortenklappenstenose:Aortenklappenstenose Systolikum mit p. m. über dem 2. ICR rechts parasternal mit ggf. Fortleitung in die Karotiden

    • PulmonalklappenstenosePulmonalklappenstenose (selten): Systolikum mit p. m. über dem 2. ICR links parasternal

  • Insuffizienz der Segelklappen:

    • Mitralklappeninsuffizienz:Mitralklappeninsuffizienz Systolikum mit p. m. über dem 5. ICR in der MCL mit Fortleitung in die Axilla

    • Trikuspidalklappeninsuffizienz:Trikuspidalklappeninsuffizienz Systolikum mit p. m. über dem 4. ICR rechts parasternal

Diastolische Herzgeräusche
Herzgeräusch diastolisch Diastolikum
  • Insuffizienz der Taschenklappen:

    • Aortenklappeninsuffizienz:Aortenklappeninsuffizienz Diastolikum mit p. m. über dem 2. ICR rechts parasternal

    • PulmonalklappeninsuffizienzPulmonalklappeninsuffizienz (selten): Diastolikum mit p. m. über dem 2. ICR links parasternal

  • Stenose der Segelklappen:

    • Mitralklappenstenose:Mitralklappenstenose Diastolikum mit p. m. über dem 5. ICR in der MCL

    • TrikuspidalklappenstenoseTrikuspidalklappenstenose (selten): Diastolikum mit p. m. über dem 4. ICR rechts parasternal

Herzrhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen

MERKE

Merke

Herzrhythmusstörungen sind definiert als Abweichungen von der Regelmäßigkeit oder der normalen Frequenz. Sie können zum einen in Reizbildung- und Reizleitungsstörungen in Abhängigkeit von deren Entstehung eingeteilt werden und zum anderen in bradykarde und tachykarde Störungen sowie Extrasystolen, die nachfolgend beschrieben werden.

$HerzrhythmusstörungenBradykardie$Bradykardie (Herzfrequenz < 60/Min.):

  • Herzerkrankungen:

    • Herzinfarkt

    • Myokarditis

    • Sick-Sinus-Syndrom

    • AV-Block

  • Extrakardiale Ursachen:

    • Hypothyreose

    • Hirndrucksteigerung

    • Unterkühlung

    • Pharmakanebenwirkung (Antiarrythmika)

  • Physiologisch bei Sportlern

Tachykardie$Tachykardie (Herzfrequenz > 100/Min.):

  • Herzerkrankungen: Bradykardie

  • Extrakardiale Ursachen:

    • Hyperthyreose

    • Anämie

    • Schock

    • Fieber

    • Stress

    • Noxenabusus

    • Pharmakanebenwirkung (Antiarrythmika)

Extrasystolen: $Extrasystolen

  • Herzerkrankungen:

    • KHK

    • Herzinsuffizienz

    • Myokarditis

  • Extrakardiale Erkrankungen:

    • Hyperthyreose

    • Kaliummangel

    • Pharmakanebenwirkung (Antiarrythmika)

Bradykardie
BradykardieDie Differenzialdiagnostik der Bradykardie erfolgt nach kardialen und extrakardialen Ursachen. Die Bradykardie ist definiert als Herzfrequenz < 60/Min., die durch eine Störung am Sinusknoten oder im Erregungsleitungssystem entsteht. Die Bradykardie ist bei Sportlern physiologisch.
  • Herzerkrankungen:

    • Herzinfarkt:Herzinfarkt plötzliche, drückende Thoraxschmerzen mit Beklemmung und Ausstrahlung in den linken Arm, linken Oberbauch, Unterkiefer, Todesangst, Blutdruckschwankungen, Dyspnoe, Zyanose

    • Myokarditis:Myokarditis Symptome der Herzinsuffizienz (Schwäche, Dyspnoe, Husten, Zyanose, Beinödeme)

    • Sick-Sinus-Syndrom:Sick-Sinus-Syndrom Schwindel, Schwäche und Synkopen bis hin zur Bewusstlosigkeit

    • AV-BlockAV-Blockierungen: Schwindel, Blässe, Schwäche und Synkopen bis hin zur Bewusstlosigkeit

  • Extrakardiale Erkrankungen bzw. Ursachen:

    • Hypothyreose:Hypothyreose Gewichtszunahme, Untertemperatur, depressive Verstimmung, Obstipation, verlangsamte Reflexe, Müdigkeit, trockene Haare und Haut

    • Hirndrucksteigerung:Hirndrucksteigerung Bewusstseinsstörung, Kopfschmerzen, morgendliches Erbrechen im Schwall (häufig ohne Übelkeit), neuro-psychiatrische Ausfälle, abnorme Atmungstypen (Cheyne-Stokes-, Biot-Atmung), Stauungspapille, Hypertonie

    • Unterkühlung:Unterkühlung je nach Stadium Zittern, Blässe, Frösteln oder Somnolenz bis hin zum Koma, Hypotonie, Bradypnoe; objektivierbar durch rektale Temperaturmessung

    • Nebenwirkung von Antiarrhythmika (v. a. Betablocker, Digitalis): können bradykarde, aber auch tachykarde Störungen und Extrasystolen hervorrufen; wegweisend ist die Medikamentenanamnese

Tachykardie
TachykardieDie Differenzialdiagnostik der Tachykardie erfolgt nach kardialen und extrakardialen Ursachen. Die Tachykardie ist definiert als Herzfrequenz > 100/Min., die durch eine Störung im Sinusknoten oder Erregungsleitungssystem entsteht. Die Tachykardie ist bei Kindern und Jugendlichen physiologisch.
  • Herzerkrankungen:

  • Extrakardiale Erkrankungen bzw. Ursachen:

    • Hyperthyreose:Hyperthyreose Hypertonie mit großer Blutdruckamplitude, Tremor, Diarrhö, Schwitzen, Nervosität, Schlaflosigkeit, Wärmeunverträglichkeit

    • Anämie:Anämie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Blässe der Haut und der Schleimhäute, Belastungsdyspnoe, funktionelle systolische Herzgeräusche

    • Schock:Schock Symptome der Grunderkrankung, Hypotonie, Tachykardie, Oligurie, Bewusstseinsstörungen. Hilfreich kann der Schockindex sein (Herzfrequenz geteilt durch den systolischen Blutdruck); Schockindex = 1: drohender Schock, Schockindex > 1: manifester Schock

    • Fieber: Tachypnoe, Unruhe, Schwäche, trockene, heiße Haut, glänzende Augen, Appetitlosigkeit und ggf. Schüttelfrost; objektivierbar durch Temperaturmessung

    • Stress (physisch und psychisch): wegweisend sind die anamnestischen Angaben

    • Nikotin-, Alkoholkonsum, Drogenabusus (u. a. Kokain, Amphetamine, Halluzinogene): wegweisend ist der anamnestische Befund

    • Nebenwirkung von Antiarrhythmika Bradykardie

Extrasystolen
ExtrasystolenAkzessorische Herzaktion bei sonst regelmäßigem Grundrhythmus. Extrasystolen können je nach Entstehungsort in supraventrikuläre (im Vorhof entstanden) oder ventrikuläre (in der Kammer entstanden) eingeteilt werden.
  • Kardiale Ursachen:

    • KHK:KHK kann asymptomatisch sein oder äußert sich als Herzrhythmusstörung, Angina pectoris-Anfall, Herzinfarkt oder Herzinsuffizienz

    • Herzinsuffizienz:Herzinsuffizienz Schwäche, Dyspnoe, Husten, Zyanose, Beinödeme, gestaute Jugularvenen

    • Myokarditis: Bradykardie

  • Extrakardiale Erkrankungen bzw. Ursachen:

    • Hyperthyreose:Hyperthyreose Hypertonie mit großer Blutdruckamplitude, Tremor, Diarrhö, Schwitzen, Nervosität, Schlaflosigkeit, Wärmeintoleranz

    • Kaliummangel:Kaliummangel u. a. bei Absorptionsstörungen, Anorexie, Therapie mit Diuretika und Laxanzien; Obstipation, Muskelschwäche, verlangsamte Reflexe

    • Nebenwirkung von Antiarrhythmika: Bradykardie

Synkope

Synkope

MERKE

Merke

Die Synkope ist definiert als plötzlicher Bewusstseins- und Tonusverlust aufgrund einer zerebralen Minderperfusion. Die Differenzierung der Synkope erfolgt nach den Ursachen.

Einteilung nach $SynkopeUrsachen:

  • Kardiovaskulär: Pumpleistung ↓

    • Lungenembolie

    • Herzinfarkt

  • Orthostatisch: autonome Dysregulation → Blutangebot an das Herz ↓

  • Vasovagal: Parasympathikusaktivität ↑

  • Karotis-Sinus-Syndrom: überschießende Vagusaktivierung

  • Zerebral: vaskuläre Insuffizienz

  • Vene-cava-Kompressionssysndrom: im letzten Schwangerschaftsdrittel → Blutangebot an das Herz ↓

  • Kardiovaskuläre Synkope: durch Aorten-, Pulmonalstenose, Lungenembolie, Herzinfarkt mit Pumpversagen, Perikardtamponade, Herzrhythmusstörungen (z. B. Adam-Stokes-Anfall, bradykarde und tachykarde Herzrhythmusstörungen); allen Ursachen gemeinsam ist die verminderte Pumpleistung des Herzens, die in der Folge zur Mangelversorgung des Gehirns führt

  • Orthostatische Synkope: durch autonome Dysregulation durch z. B. Volumenmangel oder endokrine Störungen und fehlende Vasokonstriktion der venösen Gefäße beim Aufstehen; das Blutangebot an das Herz ist meist zu gering, die Folge ist eine Minderversorgung des Gehirns

  • Vasovagale (neurokardiogene) Synkope: durch Blutdruckabfall und Bradykardie aufgrund einer Zunahme der Aktivität des Parasympathikus und Abnahme der Aktivität des Sympathikus; Auslöser sind v. a. Angst, Stress, Schmerz

  • Karotis-Sinus-Syndrom:Karotis-Sinus-Syndrom Überschießende Reaktion der Pressorezeptoren in der A. carotis communis mit nachfolgender Vagusaktivierung

  • Zerebrale Synkope: vaskuläre Insuffizienz z. B. in Form einer TIA, die mit einer kurzzeitigen Durchblutungsstörung des Gehirns einhergeht

  • Vena-cava-Kompressionssyndrom:Vena-cava-Kompressionssyndrom Kompression der V. cava inferior im letzten Schwangerschaftsdrittel v. a. in Rückenlage, die mit einem reduzierten Blutfluss zum Herzen einhergeht

Gefäße

Ödeme

Ödem

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Ödeme kann nach unterschiedlichen Gesichtspunkten vorgenommen werden, u. a. nach Ursache, Eindrückbarkeit oder Symmetrie. Nachfolgend werden die Ödeme nach der Ursache eingeteilt.

$ÖdemDifferenzierung nach Ursachen:

  • Kardiale Ödeme: Herzinsuffizienz

  • Venenerkrankungen:

    • CVI

    • Phlebothrombose

    • Thrombophlebitis

  • Lymphgefäßerkrankungen: Erysipel

  • Erniedrigung des onkotischen Drucks:

    • Leberzirrhose

    • Nephrotisches Syndrom

    • Unterernährung

  • Störung der Hormonsteuerung:

    • Myxödem

    • Hyperkortisolismus

    • Schwangerschaft

    • Prämenstruell

  • Metabolische Erkrankungen: Lipödem

  • Allergien:

    • Insektenstich

    • Medikamentennebenwirkung

Kardiale Ödeme
Herzinsuffizienz:Herzinsuffizienz v. a. Rechtsherzinsuffizienz; entstehen durch erhöhten hydrostatischen Druck; wegweisend sind Symptome der Herzinsuffizienz wie u. a. Dyspnoe, Zyanose, verminderte Belastbarkeit, Nykturie; symmetrische und eindrückbare Ödeme
Erkrankungen der Venen (erhöhter hydrostatischer Druck)
  • Chronisch-venöse chronisch venöse InsuffizienzInsuffizienz:CVI symmetrische oder einseitige eindrückbare Ödeme, häufig Varizen sichtbar, Pigmentverschiebungen, Atrophie blanche an den Unterschenkeln; in späten Stadien Ulcus cruris venosum am medialen Knöchel

  • Phlebothrombose:Phlebothrombose i. d. R. einseitige Schwellung, Rötung, Schmerzen, Überwärmung der unteren Extremität und sichtbare oberflächliche Venenzeichnung (Pratt-Warnvenen)

  • Thrombophlebitis:Thrombophlebitis meist lokale Schwellung eines oberflächlichen Venenstrangs mit Entzündungssymptomen; das Ödem findet sich perifokal

Erkrankungen der Lymphgefäße
LymphbahnschädenLymphbahnschäden (Lymphödem) durch Infektion, Tumor, Z. n. Tumortherapie: Schwellung der betroffenen Region mit zunächst eindrückbarem, dann nicht mehr eindrückbarem Ödem, Zehen immer betroffen, Stemmer-Zeichen positiv; Komplikationen sind v. a. Entwicklung einer Elephantiasis und eines Erysipels
Veränderungen des onkotischen Drucks
  • Leberzirrhose:Leberzirrhose Leberhautzeichen wie Ikterus, Palmar-, Plantarerythem, Lackzunge, Lacklippen, Gynäkomastie; Beinödeme eher selten, eine Stauung im portalen System als Aszites ist typisch

  • Nephrotisches Syndrom:nephrotisches Syndrom symmetrische Beinödeme, Lidödeme oder je nach Ausprägung auch Körperödeme; Proteinurie > 3,0–3,5 g/Tag, Hypoproteinämie, Hyperlipoproteinämie

  • Unterernährung:Unterernährung wegweisend sind Gewichtsabnahme und Primärerkrankungen wie Morbus Crohn, Zöliakie, Anorexie

Erkrankungen der Hormonsteuerung
  • Myxödem:Myxödem entsteht durch Vermehrung des Bindegewebes bei Hypothyreose, v. a. im Gesicht; u. a. depressive Verstimmung, Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme, Hypotonie und Bradykardie; symmetrische und nicht eindrückbare Ödeme

  • Hyperkortisolismus: Ursache sind hohe Wasser- bzw. Natriumretention; Gewichtsumverteilung, Stiernacken, dünne Extremitäten, gerötetes Gesicht, Hautatrophie und rezidivierende Infekte durch Immunsuppression, symmetrische und eindrückbare Ödeme

  • Schwangerschaft:Schwangerschaft Ursache sind hohe Wasser- bzw. Natriumretention; wegweisend ist der anamnestische Befund; symmetrische und eindrückbare Ödeme

  • Zyklische Ödeme: meist prämenstruell mit Rückgang der Symptome während der Periodenblutung, wegweisend ist der anamnestische Befund

Metabolische Erkrankungen
Lipödem:Lipödem symmetrische, schmerzhafte oder irreguläre, nicht eindrückbare Fettablagerung an den Beinen, nicht an den Füßen, Neigung zu Hämatomen
Allergische Ursachen
Insektenstich, Medikamente: können zur erhöhten Kapillardurchlässigkeit führen; wegweisend sind anamnestische Angaben; symmetrische oder asymmetrische Ödeme

Ulcus cruris (Ulkus am Bein)

Ulcus cruris Ulkus Bein

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Ulzera erfolgt nach der Ursache.

Einteilung nach$Ulcus cruris Ursache:

  • Arterielles Ulkus:$Ulkusarterielles Zehen, lateraler Unterschenkel, Schmerzen, trophische Störungen

  • Venöses Ulkus:$Ulkusvenöses medialer Knöchel, Ödembildung

  • Diabetisches Ulkus:$Ulkusdiabetisches druckbelastete Stellen, Symptome der Polyneuropathie

Arterielles Ulkus
Ulkus arterielles
  • Lokalisation: Endstromgebiet, v. a. Zehen, Füße und lateraler Unterschenkel

  • Symptome: starke Ruhe und Nachtschmerzen, Haut atroph, ohne Behaarung, blass-livide, trocken und kühl

  • Anamnese: Risikofaktoren der Arteriosklerose, andere arteriosklerotische Folgeerkrankungen

Venöses Ulkus
Ulkus venöses
  • Lokalisation: Bereiche, die eine schlechte venöse Versorgung haben, v. a. die innere, selten äußere Fußknöchelregion und medialer Unterschenkel

  • Symptome: keine Schmerzen oder nur mäßige, Ödeme, erweiterte oberflächliche Venen, warme, zyanotische und lokal hyperpigmentierte Haut

  • Anamnese: meist jahrelange venöse Leiden

Diabetisches Ulkus (polyneuropathisches Ulkus)
Ulkus diabetisches
  • Lokalisation: v. a. Druckstellen der Plantarseite der Füße oder Druckstellen durch z. B. zu enges Schuhwerk

  • Symptome: Parästhesien, Dysästhesien, Burning Feet (Polyneuropathie), Reflexe ↓, kaum Schmerzen, Haut trocken, meist warm und haarlos

  • Anamnese: jahrelanges Diabetesleiden

Extremitätenrötung

Extremitätenrötung

MERKE

Merke

Die Einteilung der Differenzialdiagnosen der Extremitätenrötung erfolgt nach der Ursache.

Einteilung nach $ExtremitätenrötungUrsachen:

  • Entzündlich: Erythema nodosum

  • Infektiös:

    • Erysipel

    • Phlegmone

    • Thrombophlebitis

    • Lymphangitis

  • Stauung:

    • CVI mit Stauungsdermatitis

    • Tiefe Beinvenenthrombose

  • Trauma: Hämatom

  • Hämorrhagische Diathese:

    • Petechiale Blutungen

    • Große, scharf begrenzte flächige Blutungen

Entzündlich
Erythema nodosum:Erythema nodosum schmerzhafte, entzündliche Knoten am Unterschenkel, meist bei Sarkoidose (Löfgren-Syndrom), Streptokokkenerkrankungen oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
Infektiös
  • Erysipel:Erysipel akute bakterielle Entzündung der Kutis, die durch scharf begrenzte, flammende Rötung gekennzeichnet ist; schweres Krankheitsgefühl; im Laborbefund systemische Entzündungszeichen ↑, ASL ↑

  • Phlegmone:Phlegmone eitrige Infektion der Weichteile (durch Staphylo-, Streptokokken), die sich diffus im Gewebe ausbreitet; starke Schwellung, Schmerzen, Fieber, starkes Krankheitsgefühl; im Laborbefund systemische Entzündungszeichen ↑

  • Thrombophlebitis:Thrombophlebitis lokale Entzündungssymptome entlang einer oberflächlichen Vene

  • Lymphangitis:Lymphangitis lokale Entzündungssymptome entlang eines Lymphgefäßes

Stauung
  • StauungsdermatitisStauungsdermatitis bei CVI:CVI eindrückbare Knöchel- oder Unterschenkelödeme, Hyperpigmentierungen am distalen Unterschenkel, ggf. Atrophie blanche, venöse Ulzera, sichtbare Varizen

  • Tiefe Beinvenenthrombose:Beinvenenthrombose i. d. R. einseitige Schwellung, Rötung, Schmerzen, Überwärmung der unteren Extremität, sichtbare oberflächliche Venenzeichnung (Pratt-Warnvenen)

Trauma
Hämatom: wegweisend sind anamnestische Angaben und Inspektionsbefund
Hämorrhagische Diathese
  • PetechialePetechien Blutungen: häufig am Unterschenkel lokalisiert, u. a. bei Gefäßerkrankungen oder Thrombozytenfunktionsstörungen; wegweisend sind Anamnese, Inspektion und laborchemische Befunde

  • Große, scharf begrenzte Blutungen z. B. bei Gerinnungsfaktormangel: wegweisend sind anamnestische Angaben über Vorerkrankungen (Leberzirrhose, Hämophilie), medikamentöse Therapie mit Antikoagulanzien und Inspektion

Extremitätenschmerzen

Extremitätenschmerz

MERKE

Merke

Die Einteilung der Extremitätenschmerzen erfolgt nach unterschiedlichen Gesichtspunkten, entweder nach anatomischen Strukturen oder nach Ursachen. Nachfolgend wird nach anatomischen Strukturen differenziert.

$ExtremitätenschmerzenEinteilung nach anatomischen Strukturen:

  • Haut:

    • Verbrennungen

    • Verbrühungen

    • Herpes zoster

  • Binde- und Muskelgewebe:

    • Kompartmentsyndrom

    • Muskelkater

  • Arterien:

    • Akuter Extremitätenverschluss

    • pAVK

  • Venen:

    • TVT

    • Thrombophlebitis

  • Lymphgefäße:

    • Lymphödem

    • Erysipel

  • Nerven:

    • Bandscheibenvorfall

    • Polyneuropathie

  • Gelenke:

    • Arthrose

    • Arthritis

Haut
  • VerbrennungVerbrennungen, Verbrühungen:Verbrühung wegweisend sind anamnestische Angaben und der typische Hautbefund, z. B. Rötung, Blasenbildung, Schmerzen

  • Herpes zoster:Herpes zoster seltene Manifestation an der unteren Extremität, entzündliche Hauterscheinungen mit Bläschenbildung; starke z. T. brennende Schmerzen entlang eines Dermatoms

Binde- und Muskelgewebe
  • Kompartmentsyndrom:Kompartmentsyndrom anamnestisch Trauma, Fraktur, Operation; dumpfe Schmerzen mit Spannungsgefühl, Muskulatur hart und gespannt, Sensibilitätsstörungen, später motorische Schwäche

  • Muskelkater: starke, ziehende muskuläre Schmerzen, v. a. nach körperlicher Belastung

Arterielle Gefäße
  • Akuter arterieller Extremitätenverschluss:Extremitätenverschluss 6 „P“ nach Pratt mit plötzlich starken Schmerzen distal des Verschlusses (Pain), Pulslosigkeit distal des Verschlusses (Pulslessness), kalte Extremität und blasse Extremität (Paleness), neurologische Defizite als Parästhesie (Paresthesia) und Paralyse (Paralysis), evtl. Schockzeichen (Prostration)

  • pAVK:pAVK meist schleichende Entwicklung der Arteriosklerose und der Symptome; in einem Teil der Fälle Entwicklung eines akuten Extremitätenverschlusses durch Embolie aus arteriosklerotischen Plaques oder arteriellen Thrombosen durch zirkuläres Wachstum; Schmerzen entweder unter Belastung (Stadium IIa und IIb) oder in Ruhe (Stadien III und IV), kühle Extremitäten, Haut blass oder livide-zyanotisch, trophische Störungen (Haut- und Muskelatrophie, Haut trocken, haarlos), Pulse je nach Stadium noch tastbar oder fehlend, Ulkusbildung im Endstromgebiet an den Zehen und/oder am lateralen Knöchel

Venöse Gefäße
  • Tiefe Beinvenenthrombose:Beinvenenthrombosetiefe Schwellung, Schmerzen, Rötung und Überwärmung der gesamten Extremität, sichtbare periphere Venen (Pratt-Warnvenen), Pulse meist erhalten, positives Meyer-, Payr-, Bisgaard- und Homanns-Zeichen

  • Thrombophlebitis:Thrombophlebitis lokale Entzündung einer Vene mit strangförmiger Rötung, Schmerzen, lokaler Schwellung

Lymphgefäße
  • Lymphödem:Lymphödem Schwellung der betroffenen Region mit zunächst eindrückbarem, dann nicht mehr eindrückbarem Ödem, Zehen immer betroffen, Stemmer-Zeichen positiv, Schmerzen meist kaum oder mäßig vorhanden; Komplikationen sind v. a. Entwicklung einer Elephantiasis und eines Erysipels

  • Erysipel:Erysipel scharf begrenzte flammende Rötung (Erythem) mit Schwellung und Überwärmung, Schmerzen, hohes Fieber, Schüttelfrost; im Laborbefund BSG ↑, CRP ↑, Leukozytose, ASL-Titer ↑

Nerven
  • Bandscheibenvorfall:Bandscheibenvorfall starke, einschießende Schmerzen vom lumbosakralen Bereich in die Beine ausstrahlend, neurologische Defizite (Sensibilitätsverlust im Dermatom, Ausfall von Kennmuskeln, erloschene Reflexe)

  • Polyneuropathie:Polyneuropathie symmetrische, von proximal nach distal sich entwickelnde Parästhesien, Dysästhesien, Burning Feet, Reflexe ↓, Schmerzen in der Regel wenig ausgeprägt, Haut trocken, meist warm und haarlos

Gelenke
  • Arthritis:Arthritis entzündliche Gelenkerkrankung bei u. a. rheumatischem Fieber, rheumatoider Arthritis, SLE, Sklerodermie, Morbus Bechterew, Psoriasis-Arthritis, reaktiver Arthritis, Morbus Reiter, bakteriellen (z. B. Borreliose, Tuberkulose) und viralen (z. B. Hepatitis, Influenza) Infekten; Ruhe- und Nachtschmerzen, Steifigkeit, ggf. lokale und systemische Entzündungssymptome

  • Arthrose:Arthrose degenerative Gelenkerkrankung; im frühen Stadium Belastungs-, Anlauf- und Ruheschmerz, im späten Stadium Dauerschmerz, nächtlicher Schmerz, Muskelschmerzen

Knochen
Fraktur: meist erinnerliches Trauma, sichere Frakturzeichen (Achsenabweichung, sichtbare Knochenfragmente, Krepitation, abnorme Beweglichkeit), unsichere Frakturzeichen (Schwellung, Schmerz, Hämatom)

Thrombophlebitis und Phlebothrombose (tiefe Beinvenenthrombose)

Thrombophlebitis Phlebothrombose Beinvenenthrombose tiefe

$Thrombophlebitis$PhlebothromboseDifferenzierung nach Lokalisation, Symptomen und Komplikationen

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik von Thrombophlebitis und tiefer Beinvenenthrombose erfolgt im Hinblick auf Lokalisation, Symptome und Komplikationen (Tab. 4.1).

TABELLE 4.1

pAVK und akuter Extremitätenverschluss

pAVK Extremitätenverschluss

$Extremitätenverschluss$pAVKDifferenzierung nach Ursachen, Symptomen und Verlauf

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik einer pAVK und eines akuten Extremitätenverschlusses erfolgt im Hinblick auf Ursache, Symptome und Verlauf (Tab. 4.2).

TABELLE 4.2

Schock

Schock

MERKE

Merke

Die Differenzierung des Schocks erfolgt nach den Ursachen. Der Schock ist gekennzeichnet durch ein Kreislaufversagen, der zur Minderversorgung der Mikrozirkulation mit Sauerstoff (bei zunächst erhaltenem Sauerstoffangebot) und Ansammlung toxischer Metabolite führt. Begleitet wird das Krankheitsbild von Hypotonie, Tachykardie und Tachypnoe. Der SchockindexSchockindex (Puls ÷ systolischen Blutdruck) gibt Hinweise auf ein Schockgeschehen. Ein Schockindex = 1 kann einen drohenden Schock, ein Schockindex > 1 einen manifesten Schock anzeigen.

Einteilung nach $SchockUrsachen:

  • Hypovolämischer Schock: Volumenmangel

  • Kardiogener Schock:

    • Herzinfarkt

    • Lungenembolie

  • Anaphylaktischer Schock: Typ-I-Allergie

  • Septischer Schock: bakterielle Überschwemmung des Bluts

  • Neurogener Schock: Schädigung des ZNS

  • Hypovolämischer SchockSchockhypovolämischer (Volumenmangelschock):

    • Ursachen: u. a. Diarrhö, Erbrechen, Verbrennungen, akute Pankreatitis

    • Symptome: Hautblässe, kühle und schweißige Haut, Durst, Olig- oder Anurie

  • Kardiogener Schock: Schock kardiogener

    • Ursachen: Pumpversagen durch u. a. Myokardinfarkt, Lungenembolie, Spannungspneumothorax

    • Symptome: Rhythmusstörungen, Symptome des Lungenödems, gestaute Jugularvenen

  • Anaphylaktischer Schock: Schock anaphylaktischer

    • Ursachen: Maximalvariante der allergischen Reaktion Typ I durch u. a. Insektengifte, Lebensmittel

    • Symptome: Hautreaktionen, z. B. Urtikaria, Übelkeit, Erbrechen, Heiserkeit, Juckreiz am Gaumen, Dyspnoe, Asthmaanfall durch Bronchospasmus

  • Septischer Schock: Schock septischer

    • Ursachen: Überschwemmung des Körpers mit Bakterien

    • Symptome: rosige, warme Haut, Fieber oder Untertemperatur; im Laborbefund Leukozytose oder Leukopenie, Thrombopenie, Laktaterhöhung

  • Neurogener Schock: Schock neurogener

    • Ursachen: u. a. Schädel-Hirn-Trauma, Rückenmarktrauma, das letztendlich zur Schädigung der Gefäßinnervation und Vasoparalyse führt

    • Symptome: verminderte oder aufgehobene Fähigkeit zu Schwitzen, eingeschränkte Temperaturregulation

Atemwege

Dyspnoe

Dyspnoe

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Dyspnoe erfolgt nach Organsystemen. Die Dyspnoe ist definiert als erschwerte Atmung. Es kann eine Belastungs-, Ruhedyspnoe und Orthopnoe (Atemnot höchsten Ausmaßes) unterschieden werden.

$DyspnoeEinteilung nach Organsystemen:

  • Bronchopulmonal:

    • COPD

    • Lungenemphysem

    • Pneumonie

    • Asthma bronchiale

    • Pneumothorax

    • Tuberkulose

    • Cor pulmonale

    • Neubildungen

  • Kardiovaskulär:

    • Herzinsuffizienz

    • Lungenembolie

  • Neurologisch:

    • Hirndrucksteigerung

    • Myasthenia gravis

  • Mechanisch: Verlegung der Atemwege

  • Muskuloskelettal:

    • Skoliose

    • Morbus Bechterew

  • Psychogen:

    • Hyperventilation

    • Angststörung

Bronchopulmonal
  • COPD:COPD Husten und Auswurf, Belastungsdyspnoe, anamnestisch i. d. R. Nikotinkonsum; FEV1

  • PneumoniePneumonie (Lobärpneumonie): akute Symptome wie produktiver Husten mit eitrigem oder pflaumenmusartigem Sputum, Fieber, Zyanose; Stimmfremitus ↑, hyposonorer Klopfschall, feuchte Rasselgeräusche

  • Asthma bronchiale:Asthma bronchiale im Anfall quälender Husten, zähes Sputum, exspiratorischer Stridor, Zyanose; Stimmfremitus ↓, hypersonorer Klopfschall, trockene Rasselgeräusche

  • Pneumothorax:Pneumothorax plötzlicher, stechender, meist einseitiger Thoraxschmerz, Zyanose; hypersonorer Klopfschall, Stimmfremitus ↓, reduziertes bis aufgehobenes Atemgeräusch

  • Tuberkulose:Tuberkulose chronischer Husten mit Auswurf, Dyspnoe, B-Symptome, Hämoptysen; amphorisches Atmen bei Kavernenbildung

  • Lungenemphysem:Lungenemphysem Ruhedyspnoe, Zyanose, Husten, Sputum, Fassthorax; Stimmfremitus ↓, hypersonorer Klopfschall, leises Atemgeräusch, trockene Rasselgeräusche

  • Cor pulmonale:Cor pulmonale Zyanose, Husten, symmetrische periphere Ödeme, Leistungsknick, Herzrhythmusstörungen, Stauungsleber, gestaute Jugularvenen

  • Maligne Tumoren: Zyanose, Husten, blutiges Sputum, B-Symptome

Kardiovaskulär
  • Herzinsuffizienz:Herzinsuffizienz je nach Stadium Belastungs- oder Ruhedyspnoe, Zyanose, weitere Insuffizienzzeichen (u. a. Leistungsknick, symmetrische Ödeme, Jugularvenenstauung)

  • Lungenembolie:Lungenembolie akute Dyspnoe, Husten, evtl. Zyanose, Thoraxschmerzen, Hypotonie, Tachykardie; anamnestisch häufig typische Symptome der Phlebothrombose

Neurologisch
  • Hirndrucksteigerung:Hirndrucksteigerung Bewusstseinsstörung, Kopfschmerzen, morgendliches Erbrechen im Schwall (häufig ohne Übelkeit), neuro-psychiatrische Ausfälle, abnorme Atmungstypen (Cheyne-Stokes-, Biot-Atmung), Stauungspapille, Hypertonie, Bradykardie

  • Myasthenia gravis:Myasthenia gravis belastungsabhängige, muskuläre Schwäche, die stärker am Abend als am Morgen auftritt und typischerweise nach Erholungspausen eine Besserung zeigt, z. B. Extremitäten-, Lidheberschwäche (→ Doppelbilder)

Mechanisch
Verlegung der oberen Atemwege: inspiratorische Stridor
Muskuloskelettal
  • Skoliose:Skoliose sichtbare Seitkrümmung der Wirbelsäule, ungleicher Schulter-, Beckenstand, unterschiedliche Taillendreiecke; im Vorbeugetest Rippenbuckel und/oder Lendenwulst

  • Morbus Bechterew:Morbus Bechterew tief sitzende nächtliche Kreuzschmerzen durch Sakroileitis mit Ausstrahlung ins Gesäß, entzündliche Beteiligung der großen Gelenke, Fersenschmerz

Psychogen
  • Hyperventilation:Hyperventilation hohe Atemfrequenz mit tiefer Atmung, dabei subjektiv empfundene Dyspnoe, Unruhe, Parästhesien, muskuläre Krämpfe durch Abnahme von ionisiertem Kalzium im Serum

  • Angststörung:Angststörung Tachypnoe mit flacher oder tiefer Atmung, Globusgefühl, ausgeprägtes Angstgefühl (gerichtet oder ungerichtet), Schweißausbrüche, Tachykardie, Hypertonie

Zyanose

Zyanose

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Zyanose kann nach zentraler oder peripherer Zyanose, nach Ursache oder Organsystemen eingeteilt werden. Nachfolgend erfolgt die Einteilung nach zentraler und peripherer Zyanose sowie nach Organsystemen.

Unter Zyanose versteht man die Blaufärbung der Haut. Sie kann an Akren (Lippen, Nase, Ohrläppchen und Fingern) auftreten und ist auf einen Sauerstoffmangel zurückzuführen.

Einteilung nach$Zyanose zentraler und peripherer Zyanose:

  • Zentral: v. a. Lungenerkrankungen

  • Peripher:

    • Schock

    • Herzinsuffizienz

    • Kälte

Einteilung nach Organsystemen:

  • Bronchopulmonal:

    • COPD

    • Lungenemphysem

    • Pneumonie

    • Asthma bronchiale

    • Pneumothorax

    • Tuberkulose

    • Cor pulmonale

    • Neubildungen

  • Kardiovaskulär:

    • Herzinsuffizienz

    • Lungenembolie

  • Neurologisch: Hypoventilation

Zentrale und periphere Zyanose
  • Zentrale Zyanose:Zyanosezentral entsteht durch verminderte Sättigung der Erythrozyten mit Sauerstoff, z. B. bei Pneumonie, Lungenemphysem, Asthmaanfall, Lungenembolie, Lungenödem, angeborenen Herzfehlern mit Rechts-Links-Shunt, Höhenaufenthalt; Akren und Zungengrundvenen bläulich

  • Periphere Zyanose:Zyanoseperipher entsteht durch vermehrte Sauerstoffausschöpfung des Blutes in den Kapillaren, z. B. bei Schock (HZV ↓), Herzinsuffizienz (HZV ↓), Kälteexposition, Vasokonstriktion, Polyglobulie, Phlebothrombose; Zungengrundvenen rosig, Akren livide

Bronchopulmonal
Kardiovaskulär
Neurologisch
HypoventilationHypoventilation durch z. B. Schädigung des Atemzentrums, Medikamente; wegweisend sind Symptome der Primärkrankheit bzw. die Medikamentenanamnese; objektivierbar durch Atemfrequenz

Husten

Husten

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik des Hustens erfolgt nach anatomischen Abschnitten.

Einteilung nach$Husten anatomischen Abschnitten:

  • Obere Atemwege:

    • Pharyngitis

    • Angina

    • Laryngitis

    • Pseudokrupp

  • Untere Atemwege:

    • Akute Bronchitis

    • COPD

    • Bronchiektasen

    • Asthma bronchiale

    • Pneumonie

    • Infektiöse Erkrankungen

    • Lungenödem

    • Lungenembolie

    • Bronchialkarzinom

  • Mediastinal, gastrointestinal:

    • Ösophagusdivertikel

    • Refluxkrankheit

  • Andere:

    • Psychogen

    • Pharmakanebenwirkung

Obere Atemwege
  • Pharyngitis:Pharyngitis Halsschmerzen, Schluckschwierigkeiten, hochroter Rachen, ggf. Eiterbeläge bei bakteriellen Infekten

  • Angina:Angina entzündlich geschwollene Tonsillen, Schmerzen, Schluckschwierigkeiten, ggf. Eiterbeläge oder -stippchen

  • Laryngitis:Laryngitis Halsschmerzen, Heiserkeit bis hin zur Aphonie, Symptome eines grippalen Infekts

  • Pseudokrupp: bellender Husten, v. a. in der Nacht, Heiserkeit, inspiratorischer Stridor

Untere Atemwege
  • Akute Bronchitis:Bronchitisakute trockener Husten, wenig zäh-glasiges Sputum, retrosternale Schmerzen, Symptome eines grippalen Infekts

  • COPD:COPD schleimig-gräulicher oder zäh-weißlicher Auswurf besonders morgens, Belastungsdyspnoe, anamnestisch Nikotinkonsum, FEV1

  • Bronchiektasen:Bronchiektasen hohe Mengen von dreischichtigem Sputum (Eiter, Schleim, Schaum)

  • Asthma bronchiale:Asthma bronchiale quälender Husten, glasig-zähes, schwer abhustbares Sputum

  • Pneumonie:Pneumonie bei bakterieller Ursache reichlich rostrotes, grün-gelbes (eitriges) Sputum, Fieber, Dyspnoe, Tachypnoe; bei atypische Pneumonie wenig schleimiger Auswurf

  • Infektiöse Erkrankungen wie Influenza, Keuchhusten, Tuberkulose: trockener Husten oder glasiges Sputum, bei Tuberkulose schleimig-eitriges Sputum

  • Lungenödem:Lungenödem schaumiges, gelegentlich rosiges, dünnflüssiges Sputum; Stimmfremitus ↑, Klopfschall ↓, feuchte Rasselgeräusche

  • Lungenembolie:Lungenembolie unterschiedliche Menge Auswurf, z. T. Hämoptysen; meist akutes Geschehen, anamnestisch Symptome der Phlebothrombose

  • Bronchialkarzinom:Bronchialkarzinom schleimig-eitriges Sputum, Hämoptysen, Hämoptoe, B-Symptome, Zyanose, Dyspnoe

Mediastinal, gastrointestinal
  • Ösophagusdivertikel:Ösophagusdivertikel Hustenreiz nach dem Essen, Mundgeruch, Regurgitation

  • Gastroösophagealer Reflux:gastroösophagealer Reflux Husten häufig nach Mahlzeiten und im Liegen; Heiserkeit, Räusperzwang, Sodbrennen

Weitere Ursachen
  • Medikamentennebenwirkung: oft bei ACE-Hemmern; wenig Auswurf, trockener Husten, Räusperzwang, Hustenreiz

  • Psychogener Husten:Hustenpsychogener Husten ohne Auswurf, Räuspern besonders in Konfliktsituationen und ohne organische Ursache

Auswurfarten

Auswurf

MERKE

Merke

Die Differenzierung des Auswurfs erfolgt nach der Beschaffenheit bzw. Farbe.

Einteilung nach Beschaffenheit und $AuswurfFarbe:

  • Mukös-glasig:

    • Bronchitis

    • Asthma bronchiale

    • COPD

  • Eitrig:

    • Lobärpneumonie

    • Exazerbierte COPD

  • Dreischichtig (Eiter, Schaum, Schleim): Bronchiektasen

  • Braun-rot: Lobärpnumonie

  • Rötlich-schaumig: Lungenödem

  • Blutig:

    • Bronchitis

    • Pneumonie

    • Tuberkulose

    • Neubildungen

    • Lungenembolie

    • Lungeninfarkt

    • Herzinsuffizienz

    • Hämophilie

    • Antikoagulanzien

    • Leberzirrhose

    • Leukämie

    • Vaskulitis

Mukös-glasig
  • Akute Bronchitis:Bronchitisakute trockener Husten, wenig zäh-glasiges Sputum, retrosternale Schmerzen, grippale Symptome

  • Asthma bronchiale:Asthma bronchiale quälender Husten, glasig-zähes, schwer abhustbares Sputum, Dyspnoe, exspiratorischer Stridor

  • COPD:COPD schleimig-gräulicher oder zäh-weißlicher Auswurf besonders morgens, Belastungsdyspnoe, anamnestisch Nikotinkonsum

  • Maligne Tumoren, Metastasen: schleimig-eitriges Sputum, Hämoptysen, Hämoptoe, B-Symptome, Symptome des Primärtumors

  • Interstitielle Pneumonie:Pneumonie wenig Sputum, starke grippale Symptome, keine typischen Auskultationsbefunde

Gelb-grün (eitrig)
  • Infektexazerbierte chronische Bronchitis:Bronchitischronische bekannte Symptome der COPD mit zusätzlich akutem Fieber, ggf. Symptome der respiratorischen Insuffizienz

  • Bakterielle PneumoniePneumonie (Lobärpnuemonie): bei bakterieller Ursache reichlich rostrotes, grün-gelbes (eitriges) Sputum, Fieber, Dyspnoe, Tachypnoe; bei atypischer Pneumonie wenig schleimiger Auswurf

Dreischichtig (Eiter, Schleim, Schaum)
Bronchiektasen:Bronchiektasen streckenweise Aussackung vom Bronchus, die angeboren oder erworben sein kann; wegweisend sind hohe Sputummenge und Dreischichtigkeit
Braun-rot (rostrot)
Bakterielle PneumoniePneumonie (Lobärpneumonie): hohes Fieber mit Schüttelfrost, Dyspnoe, Zyanose; Stimmfremitus ↑, hyposonorer Klopfschall, feuchte Atemgeräusche
Rötlich-schaumig
Lungenödem:Lungenödem dünnflüssiges Sekret, Zunahme von Husten und Dyspnoe im Liegen, Symptome der Grunderkrankung (v. a. Linksherzinsuffizienz, Nierenerkrankungen); Stimmfremitus ↑, hyposonorer Klopfschall, feuchte Atemgeräusche (beidseits basal, mit Ausbreitung nach apikal)
Blutig

Hämoptyse und Hämoptoe

Hämoptyse Hämoptoe

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Hämoptyse erfolgt nach der Ursache bzw. nach Organsystemen. Unter Hämoptyse versteht man blutig-tingiertes Sputum, wobei die Menge des Blutes sehr gering ist. Hämoptoe (BluthustenBluthusten) ist durch eine hohe Blutmenge gekennzeichnet.

Hämoptyse$Hämoptyse (blutig tingiertes Sputum) und Hämoptoe $Hämoptoe(Bluthusten):

  • Bronchopulmonal:

    • Bronchitis

    • Pneumonie

    • Tuberkulose

    • Neubildungen

  • Kardiovaskulär:

    • Lungenembolie

    • Lungeninfarkt

    • Herzinsuffizienz

  • Hämorrhagische Diathese:

    • Hämophilie

    • Antikoagulanzien

    • Leberzirrhose

    • Leukämie

  • Rheumatisch: Vaskulitis

Bronchopulmonal
  • Akute Bronchitis:Bronchitisakute Hämoptyse meist durch starken Husten hervorgerufen; begleitend grippale Symptome

  • Chronische Bronchitis:Bronchitischronische Hämoptyse meist durch starken Husten hervorgerufen; reichlich schleimig-gräulicher oder zäh-weißlicher Auswurf besonders morgens, Belastungsdyspnoe, anamnestisch Nikotinkonsum

  • Pneumonie:Pneumonie akute Symptome wie produktiver Husten mit eitrigem oder pflaumenmusartigem Sputum, Fieber, Dyspnoe; Stimmfremitus ↑, hyposonorer Klopfschall, feuchte Rasselgeräusche

  • Bronchiektasen:Bronchiektasen dreischichtiges Sputum, hohe Sputummenge

  • Tuberkulose:Tuberkulose chronischer Husten, Dyspnoe, B-Symptome, Zyanose; bei Kavernenbildung amphorisches Atmen

  • Bronchialkarzinom, Metastasen: Dyspnoe, Husten, Zyanose, B-Symptome, bei Metastasen Symptome des Primärtumors

Kardiovaskulär
  • Lungenembolie:Lungenembolie Hämoptysen (in 10 % der Fälle), Thoraxschmerzen, Dyspnoe, Tachypnoe, Zyanose, Blutdruckschwankungen, Desorientierung, Symptome der Rechtsherzbelastung, evtl. Symptome der Phlebothrombose

  • Lungeninfarkt:Lungeninfarkt Ursache ist eine Lungenembolie bei gleichzeitiger Linksherzinsuffizienz; durch die Doppelversorgung der Lunge ergibt sich ein hämorrhagischer Infarkt, der mit Hämoptyse oder Hämoptoe einhergehen kann

  • Linksherzinsuffizienz:Linksherzinsuffizienz durch Blutrückstau, Lungenödembildung mit Austritt von Erythrozyten in die Alveolen (Herzfehlerzellen); Symptome der Linksherzinsuffizienz, u. a. Zyanose, Dyspnoe, schaumiges Sputum

Hämorrhagische Diathese
  • Marcumar-, Heparintherapie, Hämophilie: wegweisend ist der anamnestische Befund

  • Leberzirrhose:Leberzirrhose Leberhautzeichen, u. a. Ikterus, Lackzunge, Lacklippen, Palmar-, Plantarerythem, Gynäkomastie, Spider naevi, Aszites, Hypotonie

  • Leukämie:Leukämie Symptome der Anämie, Immunsuppression und Blutungsneigung durch Verdrängung gesunder Zellpopulation im Knochenmark, ggf. Lymphknoten- und Milzschwellung

Rheumatisch
VaskulitisVaskulitis (Wegener-Granulomatose):Wegener-Granulomatose Gefäßentzündung, die v. a. Respirationstrakt und Niere betrifft; lebensbedrohliche Hämoptoe

Atemstörungen

Atemstörung

MERKE

Merke

Pathologische Atemmuster werden nach Abweichung von der normalen Frequenz und vom normalen Rhythmus differenziert. Die normale Atmung wird als Eupnoe (11–18/Min.) bezeichnet.

Einteilung nach $AtemstörungAbweichung von physiologischer Frequenz und Rhythmus:

  • Dyspnoe:$Dyspnoe erschwerte Atmung

  • Tachypnoe:$Tachypnoe Atemfrequenz > 19/Min.

  • Bradypnoe:$Bradypnoe Atemfrequenz < 10/Min.

  • Kussmaul-Atmung:$Kussmaul-Atmung tiefe, beschleunigte Atmung

  • Cheyne-Stokes-Atmung:$Cheyne-Stokes-Atmung periodisches An- und Abschwellen der Atmung mit Atempausen

  • Biot-Atmung:$Biot-Atmung tiefe Atmung mit Atempausen

  • Hyperventilation:Hyperventilation beschleunigte und/oder vertiefte Atmung

  • Dyspnoe:Dyspnoe erschwerte Atmung, Atemnot; bei kardiopulmonalen Erkrankungen; Einteilung in Belastungs-, Ruhedyspnoe und Orthopnoe

  • Tachypnoe:Tachypnoe beschleunigte Atmung > 19/Min.; bei kardiopulmonalen Erkrankungen, Fieber, Sympathikusaktivierung, Sauerstoffmangel

  • Bradypnoe:Bradypnoe reduzierte Atmung < 10/Min.; im Schlaf physiologisch, bei Störungen des Atemzentrums

  • Kussmaul-Atmung:Kussmaul-Atmung tiefe und beschleunigte Atmung; Kompensationsatmung bei Azidose (zur Abatmung saurer Valenzen), z. B. beim ketoazidotischen Koma

  • Cheyne-Stokes-Atmung:Cheyne-Stokes-Atmung periodisches An- und Abschwellen der Atmung mit Atempausen; bei Linksherzinsuffizienz, chronischen pulmonalen Erkrankungen

  • Biot-Atmung:Biot-Atmung tiefe Atmung mit Atempausen; bei Verletzung der Medulla oblongata (z. B. bei Hirndrucksteigerung)

  • Hyperventilation: 4.4.7

Hyperventilation

Hyperventilation

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Hyperventilation erfolgt nach der Ursache. Die Hyperventilation ist eine Mehratmung, die den Bedarf des Körpers übersteigt. Sie ist durch eine vertiefte und/oder beschleunigte Atmung gekennzeichnet.

Einteilung nach $HyperventilationUrsachen:

  • Psychogen: CO2 ↓ und respiratorische Alkalose → Tetaniesymptome

    • Angst

    • Stress

  • Somatisch: metabolische Azidose

    • Lungenerkrankungen

Psychogene Hyperventilation
Hyperventilation psychogene
  • Auslösefaktoren: Angst, Panik, Stress.

  • Symptome: Entwicklung einer Hypokapnie (CO2↓) und respiratorischen Alkalose, die zur relativen Kalziumverminderung im Serum führt (durch Bindung freier Kalziumionen an das Albumin). Die Symptome sind Dyspnoe, Thoraxschmerzen, Pfötchenstellung, Parästhesien, Blässe, Schwitzen, Krämpfe.

  • Therapie: Aufklärung und Beruhigung des Patienten, evtl. Rückatmung in eine Tüte, Atemschulung.

Somatische Hyperventilation
Hyperventilation somatische
  • Ursache: u. a. Lungenerkrankungen, Hypoxie, metabolische Azidose, hohes Fieber, Intoxikationen

  • Symptome und Therapie: abhängig von der Ursache

Krupp-Syndrome

Krupp-Syndrom

Differenzierung von$Kruppsyndrome Pseudokrupp und Epiglottitis

MERKE

Merke

Krupp-Syndrome umfassen bakterielle, virale und allergische Entzündungen der oberen Atemwege. Allen gemeinsam ist deren Stenosierung. Nachfolgend werden PseudokruppPseudokrupp und EpiglottitisEpiglottitis abgegrenzt (Tab. 4.3). Beiden gemeinsam ist ein inspiratorischer Stridor.Stridorinspiratorischer

MERKE

Merke

Bei Verdacht auf Epiglottitis keine diagnostische Racheninspektion oder -manipulation vornehmen, da wegen eines reflektorischen Laryngospasmus akute Erstickungsgefahr droht.

TABELLE 4.3

Heiserkeit

Heiserkeit

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Heiserkeit kann nach dem Verlauf in akute, chronische und rezidivierende Formen oder Ursachen erfolgen. Nachfolgend wird nach Ursachen differenziert.

Einteilung nach $HeiserkeitUrsachen:

  • Infektiös: Laryngitis

  • Reinke-Ödem: Ödem der Stimmbänder

  • Tumor: Larynxkarzinom

  • Traumatisch: Z. n. Schilddrüsenoperation

  • Andere:

    • Nikotinabusus

    • Alkoholabusus

    • Starke Beanspruchung

Infektiös
Akute bzw. chronische Laryngitis:Laryngitis akute oder chronische Heiserkeit, Halsschmerzen, ggf. Fieber, inspiratorischer Stridor
Reinke-Ödem
Reinke-ÖdemSchwellung der Stimmbänder als Folge von Allergien, Rauch, Überbelastung oder Hitze; tiefe, vibrierende Stimme, chronische oder rezidivierende Heiserkeit
Tumor
Larynxkarzinom:Larynxkarzinom anhaltende Heiserkeit; anamnestisch häufig Nikotin- und Alkoholabusus
Traumatisch
Folge einer Schilddrüsenoperation mit einseitiger Parese des N. laryngeus recurrens durch intraoperative Verletzung; beidseitige Traumen haben stärkste Atemnot zur Folge, akute Heiserkeit
Weitere
  • Nikotin, Alkohol: wegweisend ist die Anamnese; chronische oder rezidivierende Heiserkeit

  • Vermehrte Beanspruchung bei Sängern, Lehrern, Rednern usw.: wegweisend ist die Anamnese; chronische oder rezidivierende Heiserkeit

Pleuraerguss

Pleuraerguss

MERKE

Merke

Die Einteilung des Pleuraergusses kann nach den Ursachen und Zusammensetzung der Ergussflüssigkeit erfolgen. Allen Ursachen gemeinsam sind – je nach Größe des Ergusses – Dyspnoe, Zyanose, ggf. Husten und Symptome der Grunderkrankung. Bei der Untersuchung ist der Stimmfremitus reduziert, der Klopfschall hyposonor und das Atemgeräusch reduziert.

Einteilung nach $PleuraergussUrsachen:

  • Kardiovaskulär:

    • Herzinsuffizienz

    • Lungenembolie

  • Infektiös, entzündlich:

    • Pneumonie

    • Akute Pankreatitis

  • Neubildungen

  • Rheumatisch:

    • Rheumatoide Arthritis

    • SLE

  • Kolloidonkotischer Druck:

    • Nephrotisches Syndrom

    • Leberzirrhose

Einteilung nach Ergusszusammensetzung:

  • Exsudat$Exsudat (Zellzahl ↑, Eiweiß↑, LDH↑):

    • Pneumonie

    • Neubildungen

  • Transsudat$Transsudat (Zellzahl ↓, Eiweiß ↓, LDH ↓):

    • Herzinsuffizienz

    • Leberzirrhose

Einteilung nach Ursachen
Kardiovaskulär
  • Herzinsuffizienz:Herzinsuffizienz Entwicklung des Pleuraergusses bei Rechtsherz- und Linksherzinsuffizienz möglich; je nach Stadium Belastungs- oder Ruhedyspnoe, Zyanose, weitere Insuffizienzzeichen (u. a. Leistungsknick, symmetrische Ödeme)

  • Lungenembolie:Lungenembolie akute Dyspnoe, evtl. Zyanose, Thoraxschmerzen, Hypotonie, Tachykardie; anamnestisch häufig typische Symptome der Phlebothrombose

Infektiös/entzündlich
  • Pneumonie:Pneumonie akute Symptome wie produktiver Husten mit eitrigem oder pflaumenmusartigem Sputum, Fieber, Zyanose; Stimmfremitus ↑, hyposonorer Klopfschall, feuchte Rasselgeräusche

  • Subphrenische Abszesse: Fieber, systemische Entzündungszeichen, Zwerchfellhochstand, atemabhängige Schmerzen

  • Akute Pankreatitis:Pankreatitis gürtelförmige Bauchschmerzen, Gummibauch, gerötetes Gesicht, ausgeprägtes Krankheitsgefühl, Übelkeit und Erbrechen, Fieber; Pleuraerguss links

Maligne Tumoren und Metastasen
Bronchial-, Mamma-, Ovarialkarzinom, Lymphome: Symptome der Grunderkrankung, B-Symptome
Rheumatisch
  • Rheumatoide Arthritis:rheumatoide Arthritis symmetrischer, zerstörender Gelenkbefall der kleinen Gelenke, Gaensslen-Zeichen, Knopfloch- und Schwanenhalsdeformität, ulnare Deviation; im Laborbefund RF meist positiv

  • Systemischer Lupus erythematodes:Lupus erythematodes symmetrischer Befall der kleinen Gelenke; Hauterscheinungen (Schmetterlingserythem); im Laborbefund ANA und RF meist positiv

Reduzierter kolloidonkotischer Druck
  • Nephrotisches Syndrom:nephrotisches Syndrom große Proteinurie > 3,0–3,5 g/Tag, Hypoproteinämie, Hyperlipoproteinämie, z. T. ausgeprägte, symmetrische Beinödeme, Lidödeme oder je nach Ausprägung auch Körperödeme

  • Leberzirrhose:Leberzirrhose Leberhautzeichen (Ikterus, Palmarerythem, Plantarerythem, Hautatrophie, Lackzunge, Lacklippen, Spider naevi, Caput medusae), Aszites, Blutungsneigung, Splenomegalie

Einteilung nach Zusammensetzung der Ergussflüssigkeit
Exsudat
Exsudat
  • Gekennzeichnet durch eine hohe Zellzahl, hohen Eiweißgehalt, hohe LDH-Aktivität

  • Malignes Exsudat: z. B. bei Bronchial-, Mammakarzinom

  • Infektiöses Exsudat: z. B. bei Tuberkulose, Pneumonie

  • Bei rheumatischen Erkrankungen, z. B. rheumatoide Arthritis, SLE

Transsudat
Transsudat
  • Gekennzeichnet durch eine niedrige Zellzahl, geringen Eiweißgehalt, geringe LDH-Aktivität

  • Auftreten bei Herzinsuffizienz, Leberzirrhose, nephrotischem Syndrom

  • Allen Ursachen gemeinsam ist der geringe kolloidale Druck

Verdauungstrakt

Dysphagie

Dysphagie

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Dysphagie erfolgt im Verlauf des Verdauungstrakts von oben nach unten nach anatomischen Strukturen. Unter Dysphagie versteht man erschwertes Schlucken.

$DysphagieEinteilung nach anatomischen Strukturen von oben nach unten:

  • Munderkrankungen:

    • Candidose

    • Neubildungen

  • Halserkrankungen:

    • Pharyngitis

    • Tonsillitis

    • Larynxerkrankungen

    • Schilddrüsenerkrankungen

  • Ösophaguserkrankungen:

    • Ösophagitis

    • Ösophagusdivertikel

    • Achalasie

    • Neubildungen

  • Mediastinale Erkrankungen:

    • Aortenaneurysma

    • Lymphknotenschwellung

  • Andere:

    • Fremdkörper

    • Sklerodermie

    • Verätzungen

Munderkrankungen
  • Candidose: weißliche, abstreifbare Beläge, entzündlich veränderte Schleimhaut

  • Mundboden-, Zungenkarzinom: Fremdkörpergefühl, sichtbare Neubildung

Halserkrankungen
  • Pharyngitis, Tonsillitis:PharyngitisTonsillitis akuter Beginn, hochroter Rachen, Schmerzen, ggf. eitrige Beläge, Fieber, grippale Symptome

  • Larynxerkrankungen: bei der LaryngitisLaryngitis Schmerzen in Kehlkopfhöhe und Heiserkeit; bei der EpiglottitisEpiglottitis stark ausgeprägte Dysphagie, Speichelfluss, starke Schwellung des Halses, Fieber mit Schüttelfrost, starkes Krankheitsgefühl

  • Schilddrüsenerkrankungen: bei Struma sichtbare Schwellung im Halsbereich, inspiratorischer Stridor, bei thorakaler Struma exspiratorischer Stridor, bei der Hashimoto-Thyreoiditis häufig Globusgefühl

Ösophaguserkrankungen
  • Ösophagitis:Ösophagitis Odynophagie (schmerzhaftes Schlucken), Reflux, brennende retrosternale Schmerzen, Aufstoßen

  • Ösophagusdivertikel:Ösophagusdivertikel je nach Lage der Divertikel; Regurgitation, Mundgeruch, Essensreste nach der Nachtruhe auf dem Kopfkissen (besonders beim Zenker-Divertikel), Aspirationspneumonie

  • Achalasie:Achalasie Regurgitation, Schwierigkeiten beim Schlucken zunächst von festen Speisen, dann von breiigen und flüssigen, Gewichtsabnahme, Aspirationspneumonie

  • Ösophaguskarzinom:Ösophaguskarzinom zunehmende Beschwerden, B-Symptome, blutiges Erbrechen, Regurgitation

Mediastinale Erkrankungen
  • Aortenaneurysma:Aortenaneurysma mechanische Behinderung der Passage;Aortenaneurysma wegweisend sind bildgebende Verfahren

  • Lymphknotenschwellung: mechanische Behinderung der Passage durch mediastinale Lymphknotenschwellungen, u. a. bei Lymphom, Leukämie; wegweisend sind Symptome der Primärkrankheit und bildgebende Verfahren

Weitere
  • Fremdkörper: wegweisend ist die Anamnese, die Klärung erfolgt durch Endoskopie

  • Verätzungen: wegweisend ist die Anamnese

  • Sklerodermie:Sklerodermie Hautsymptome, z. B. Rattenbissnekrosen, Fingerschwellung, -kontrakturen, Tabaksbeutelmund, verkürztes Zungenbändchen, Mikrostomie

Chronische Gastritis

Gastritis chronische

Differenzierung nach$Gastritischronische Ursache

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der chronischen Gastritiden erfolgt nach der Ursache (Tab. 4.4). Die Symptome wie v. a. Schmerzen im Epigastrium, Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen treten bei allen Formen auf. Symptomarme Verläufe sind möglich und häufig.

TABELLE 4.4

Erbrechen

Erbrechen

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik des Erbrechens erfolgt nach Organsystemen.

Gastrointestinal
  • Achalasie:Achalasie Schluckschwierigkeiten zunächst für feste, dann für breiige und flüssige Speisen, Regurgitation von unverdauten Speisen, keine Salzsäurebeimengung

  • Akute Gastritis:Gastritisakute Schmerzen im Epigastrium, Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Übelkeit

Einteilung nach $ErbrechenOrgansystemen:

  • Gastrointestinal:

    • Achalasie

    • Gastritis

    • Ulkuskrankheit

    • Ileus

    • Akutes Abdomen

    • Cholezystitis

    • Pankreatitis

    • Appendizitis

  • Kardial:

    • Herzinfarkt

    • Blutdruckentgleisungen

  • Zentral:

    • Hirndrucksteigerung

    • Meningitis

    • Enzephalitis

    • Migräne

  • Endokrin/metabolisch:

    • Urämie

    • Coma diabeticum

    • Diabetische Gastroparese

    • Schwangerschaft

  • Medikamentös:

    • NSAR

    • Antibiotika

    • Opiate

    • Zytostatika

  • Intoxikation:

    • Alkohol

    • Drogen

  • Psychisch:

    • Bulimie

    • Anorexie

    • Angststörung

  • Ulcus ventriculi et duodeni:Ulkuserkrankung postprandiale (nach dem Essen) Schmerzen beim Ulcus ventriculi, Nüchternschmerzen beim Ulcus duodeni

  • Pylorusstenose:Pylorusstenose postprandiales saures Erbrechen im Schwall, Gedeihstörung bei Kindern, Pseudoobstipation, gelegentlich sichtbare Peristaltik

  • Akutes Abdomen: Bauchschmerzen, veränderte Peristaltik, Wind-, Stuhlverhalt; Erbrechen tritt fast immer auf, Stuhlbeimengungen möglich

  • Ileus:Ileus je nach Ileusart starke Schmerzen, Wind-, Stuhlverhalt, Meteorismus, Veränderung der Darmgeräusche (hochgestellte oder fehlende Geräusche)

  • Cholezystitis:Cholezystitis Schmerzen im rechten Oberbauch, Fieber, Unverträglichkeit von fetten oder gebratenen Speisen, evtl. Stuhlentfärbung und Ikterus

  • Pankreatitis:Pankreatitis gürtelförmiger Bauchschmerz, Fieber, paralytischer Ileus mit Obstipation, Gummibauch

  • Appendizitis:Appendizitis Schmerzen zunächst im Epigastrium, dann periumbilikal, später im rechten Unterbauch; rektal-axillärer Temperaturunterschied, positive Appendizitiszeichen (Psoas-, Blumberg-, Lanz-, McBurney-, Rovsing-Zeichen)

  • Ösophagusvarizen:Ösophagusvarizen blutiges Erbrechen, Symptome der Leberzirrhose

Kardial
  • Herzinfarkt:Herzinfarkt bei Hinterwandinfarkten sind Übelkeit und Erbrechen gelegentlich die einzigen Symptome

  • Hypertensive Krise: Blutdruckerhöhung > 230 mmHg systolisch, > 130 mmHg diastolisch; Kopfschmerzen, Ohrensausen, Schwindel; beim hypertensiven Notfall Lungenödem, zerebrale Insuffizienz, akutes Nierenversagen

Zentral
  • Hirndrucksteigerung: Bewusstseinsstörung, Kopfschmerzen, morgendliches Erbrechen im Schwall (häufig ohne Übelkeit), neuro-psychiatrische Ausfälle, abnorme Atmungstypen (Cheyne-Stokes-, Biot-Atmung) oder Dyspnoe, Stauungspapille, Hypertonie, Bradykardie

  • Meningitis, Enzephalitis:MeningitisEnzephalitis starke Kopfschmerzen, Fieber, neurologische Ausfälle, positive Meningendehnungszeichen

  • Migräne:Migräne einseitige Kopfschmerzen, Gesichtsblässe, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit

Endokrin, metabolisch
  • Urämie:Urämie Oligourie, Anurie, renale Anämie, Knochenschmerzen, Hypertonie, urämischer Geruch, metabolische Azidose, Ödeme

  • Coma diabeticum:Coma diabeticum Exsikkose, hohe Blutzuckerspiegel, Polyurie, beim Typ-1-Diabetes Ketoazidose

  • Diabetische Gastroparese: Erbrechen von unverdauten Speisen, langjährig bestehender Diabetes mellitus, Symptome der Makro- und Mikroangiopathie

  • Morbus Addison:Morbus Addison Müdigkeit, Schwäche, verstärkte Pigmentierung (v. a. Handlinien, Schleimhaut)

  • Schwangerschaft:Schwangerschaft Übelkeit und Erbrechen besonders im ersten Schwangerschaftstrimenon

Medikamentös
NSAR, Antibiotika, Opiate, Zytostatika, Digitalis: wegweisend ist die Anamnese
Intoxikation
Alkohol, Drogen: wegweisend ist die Anamnese
Psychisch
  • Bulimie:Bulimie rezidivierende Ess-Brech-Attacken, andauernde Beschäftigung mit dem Essen, schlechter Zahnstatus, konjunktivale Blutungen, Gewicht meist normal

  • Anorexia nervosa:Anorexia nervosa Untergewicht, Nahrungsverweigerung, Körperschemastörung, Hypokaliämie, Obstipation, häufig Laxanzien- und Diuretikaabusus

  • Angststörung:Angststörung plötzliche Angstattacken, die situationsabhängig (Phobien) oder situationsunabhängig (Panikstörung) auftreten; begleitend Herzklopfen, Thoraxschmerzen, Erstickungsgefühl (Globusgefühl), Angst, wahnsinnig zu werden, Furcht vor Kontrollverlust

Diarrhö

Diarrhö

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Diarrhö kann unter unterschiedlichen Aspekten erfolgen: nach dem Verlauf (akute und chronische Formen), nach dem Aussehen des Stuhls (wässrig, schleimig-eitrig, blutig, Fettstuhl) oder nach der Ursache. Nachfolgend wird nach den wichtigsten Ursachen differenziert. Die Diarrhö ist definiert als Stuhlgang, der zu viel, zu häufig und zu flüssig ist.

Einteilung nach $DiarrhöUrsachen:

  • Infektiös:

    • Bakteriell (EHEC, Salmonellen)

    • Toxinvermittelt (Staphylococcus aureus)

    • Viral (Noro-, Rotaviren)

    • Protozoen (Giardia lamblia)

  • Malassimilation:

    • Zöliakie

    • Chronische Pankreatitis

  • CED:

    • Morbus Crohn

    • Colitis ulcerosa

  • Neoplastisch:

    • Kolonkarzinom

    • Karzinoid

  • Medikamentös:

    • Laxanzien

    • Antibiotika

    • Zytostatika

  • Endokrin:

    • Diabetes mellitus

    • Hyperthyreose

  • Intoxikation:

    • Pilze

    • Arsen

  • Andere:

    • Reizdarmsyndrom

    • Allergien

Infektiös
  • Bakteriell (u. a. Cholera, ETEC, Salmonellen, EHEC): akute Symptome der Grunderkrankung, Exsikkose, Hypotonie, Tachykardie, ggf. Fieber; bei Cholera Reiswasser-Durchfälle, bei ETEC wässrige Durchfälle, bei Salmonellen erbsbreiartige (eitrige) Stühle, bei EHEC schleimig-blutige Stühle

  • Bakterielle Toxine (u. a. Staphylococcus aureus): kurze Inkubationszeit, plötzlicher Beginn mit Erbrechen, Bauchschmerzen und Diarrhö, Beschwerden sistieren sehr schnell

  • Viren (u. a. Rota-, Noroviren): akute wässrige Durchfälle, Erbrechen, Bauchschmerzen, ggf. mäßige Temperaturerhöhung, reduziertes Allgemeinbefinden, Exsikkosezeichen; häufig epidemisches Auftreten

  • Protozoen (u. a. Giardia lamblia): akute wässrige Durchfälle, Erbrechen, Aufstoßen nach faulen Eiern

Malassimilation
  • Zöliakie:Zöliakie chronischer Verlauf, aufgetriebener Bauch, Blähungen, voluminöse Fettstühle, evtl. Mangelerscheinungen

  • Chronische Pankreatitis:Pankreatitis chronische Fettstühle, Fettunverträglichkeit, übel riechende Stühle, periodische abdominale Schmerzen; häufig Alkoholabusus in der Vorgeschichte

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  • Morbus Crohn:Morbus Crohn schleimig-eitrige Durchfälle, Bauchschmerzen, Stenosesymptomatik, Gewichtsabnahme, Mangelerscheinungen, Entzündungssymptome

  • Colitis ulcerosa:Colitis ulcerosa blutig-schleimige Durchfälle, Tenesmen, Entzündungssymptome

Neoplastisch
  • Kolorektales Karzinom:kolorektales Karzinom Veränderung der Stuhlgewohnheiten, blutige und schleimig-eitrige Stühle, dünnkalibrige Stühle, B-Symptome, evtl. familiäre Belastung

  • KarzinoidKarzinoid (serotoninbildende Tumoren): wässrige Diarrhö, Flush-Symptome, Asthma bronchiale, Hypertonie, Tachykardie

Medikamentös
  • Laxanzien: wegweisend ist die Anamnese, Obstipation in der Vorgeschichte; beim Laxanzienabusus findet sich häufig eine Hypokaliämie

  • Antibiotika: wegweisend ist die Anamnese, in der Vorgeschichte bakterielle Infekte

  • Zytostatika: wegweisend ist die Anamnese, in der Vorgeschichte Tumorgeschehen

Endokrin
  • Diabetes mellitus:Diabetes mellitus häufig Diarrhö und Obstipation im Wechsel, Übelkeit, Erbrechen, Polyurie, Polydipsie, hohe Blutzuckerwerte, Symptome der Makro- und Mikroangiopathie

  • Hyperthyreose:Hyperthyreose Gewichtsabnahme, Schweißneigung, Wärmeintoleranz, Tachykardie, Hypertonie, Haarausfall, Tremor, Nervosität, Schlaflosigkeit; im Laborbefund TSH ↓, T3 und T4

Intoxikationen
Arsen, Quecksilber, Pilze: wegweisend ist die Anamnese
Weitere
  • ReizdarmsyndromReizdarmsyndrom (funktionell): Diarrhö und Obstipation im Wechsel, Diarrhöen sind nicht blutig und nicht nächtlich, krampfartige Bauchschmerzen, hörbare Darmgeräusche, psychische Verstimmung

  • Allergien und Intoleranzen: Diarrhö nach Verzehr unverträglicher Lebensmittel, häufig von Bauchschmerzen und Meteorismus begleitet

Obstipation

Obstipation

MERKE

Merke

Die Obstipation ist definiert als erschwerte Entleerung, harter Stuhlgang, < 3 Stühle/Woche und nur unter Laxanzientherapie weicher Stuhl. Die Einteilung kann nach dem Verlauf (akut, chronisch) und nach den Ursachen erfolgen, die nachfolgend beschrieben werden.

Ernährung
Faserarme Kost, geringe Flüssigkeitszufuhr (und Bewegungsmangel): häufige Ursache für chronische Obstipation; wegweisend ist die Anamnese
Mechanisch, entzündlich
  • Kolorektales Karzinom:kolorektales Karzinom Veränderung der Stuhlgewohnheiten, blutige und schleimig-eitrige Stühle, dünnkalibrige Stühle, B-Symptome

  • Divertikulitis:Divertikulitis chronische Obstipation, im Schub Veränderungen der Stuhlgewohnheit, Schmerzen im linken Unterbauch, Fieber mit Schüttelfrost, bei der Palpation tastbare Stuhlwalze, ggf. Pneumaturie

Einteilung nach $ObstipationUrsachen:

  • Ernährung:

    • Faserarme Kost

    • Reduzierte Trinkmenge

    • Bewegungsmangel

  • Mechanisch/entzündlich:

    • Kolonkarzinom

    • Divertikulitis

    • Peritonitis

    • Ileus

    • Reizdarm

  • Endokrin:

    • Diabetes mellitus

    • Hypothyreose

  • Neurogen:

    • Morbus Parkinson

    • Multiple Sklerose

    • Apoplex

  • Medikamentös:

    • Opiate

    • Eisen

    • Antidepressiva

  • Andere:

    • Immobilisation

    • Anorexie

    • Hypokaliämie

  • Peritonitis:Peritonitis akute stärkste Bauchschmerzen, brettharte Bauchdecke mit Abwehrspannung, Darmparalyse, systemische Entzündungszeichen, Symptome der Grunderkrankung

  • Ileus:Ileus beim mechanischen Ileus peristaltiksynchrone Bauchschmerzen, hochgestellte Darmgeräusche vor der Stenose; beim paralytischen Ileus wenig Bauchschmerzen und Darmparalyse (keine Darmgeräusche)

  • Reizdarmsyndrom:Reizdarmsyndrom Diarrhö und Obstipation im Wechsel, krampfartige Bauchschmerzen, hörbare Darmgeräusche, Meteorismus

Endokrin
  • Diabetes mellitus:Diabetes mellitus häufig Diarrhö und Obstipation im Wechsel, Übelkeit, Erbrechen, Polyurie, Polydipsie, hohe Blutzuckerwerte, Symptome der Makro- und Mikroangiopathie

  • Hypothyreose:Hypothyreose Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit, depressive Verstimmung, Hypotonie, Bradykardie, trockene Haut; im Laborbefund TSH ↑, T3 und T4

Neurogen
  • Morbus Parkinson:Morbus Parkinson Rigor, Hypo- oder Akinese, evtl. Tremor, psychische Verstimmung, Masken- und Salbengesicht, vornübergebeugter Gang

  • Multiple Sklerose:Multiple Sklerose Sehstörungen, Sensibilitätsstörungen, Lähmungserscheinungen, Ataxie, Harninkontinenz, Eigenreflexe gesteigert, Bauchhautreflex typischerweise erloschen

  • Apoplex:Apoplex Halbseitensymptomatik, evtl. Wernicke-Mann-Gang, Sprach- und Schluckstörungen

Medikamentös
  • Opiate: wegweisend sind die Medikamentenanamnese und Schmerzsymptome in der Vorgeschichte

  • Eisenpräparate: wegweisend sind die Medikamentenanamnese und Eisenmangelanämie in der Vorgeschichte

  • Antidepressiva: wegweisend sind die Medikamentenanamnese und depressive Symptome in der Vorgeschichte

Weitere
  • Immobilisation: wegweisend ist die Anamnese

  • Depression:Depression Denkverlangsamung, Schuldgefühle, Gefühl der Wertlosigkeit und Gefühllosigkeit, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizit, Verminderung des Antriebs, Gewichtsverlust, Suizidgedanken

  • Anorexia nervosa:Anorexia nervosa Untergewicht, Nahrungsverweigerung, Körperschemastörung, Hypokaliämie, Obstipation; häufig Laxanzien- und Diuretikaabusus

  • Hypokaliämie:Hypokaliämie Muskelschwäche, reduzierte Eigenreflexe; anamnestisch häufig Diuretika- oder Laxanziengebrauch

Akutes Abdomen

Differenzierung $akutes Abdomennach der Lokalisation

MERKE

Merke

Das akute akutes AbdomenAbdomen ist durch plötzliche unklare Bauchschmerzen definiert, die mit Veränderung der Peristaltik, bretthartem Bauch, Abwehrspannung und Störung der Kreislaufregulation bis hin zum Schock einhergehen. Die Differenzialdiagnostik kann u. a. nach der Lokalisation, Ursache und Schmerzcharakteristik eingeteilt werden. Nachfolgend wird nach der Lokalisation (Tab. 4.5) differenziert.

Gastrointestinale Blutungen

Differenzierung$Blutungengastrointestinale in obere und untere gastrointestinale Blutung

MERKE

Merke

Gastrointestinale BlutungengastrointestinaleBlutungen werden je nach Lokalisation in obere (vor dem Ende des Duodenums bzw. Treiz-Bandes) und untere Blutungen (distal des Treitz-Bandes) eingeteilt (Tab. 4.6). Blut, das in Kontakt mit Salzsäure kommt, erscheint schwarz oder kaffeesatzartig (Hämatin). Es kann als KaffeesatzerbrechenKaffeesatzerbrechen oder als TeerstuhlTeerstuhl (Meläna)Meläna auftreten. Eine lange Darmpassage kann auch eine Ursache für Teerstühle sein. Blut, das nicht Kontakt mit Salzsäure getreten ist, wird frisch-blutig erbrochen und als HämatemesisHämatemesis bezeichnet. Bei einem peranalen Blutabgang spricht man von der HämatochezieHämatochezie.

TABELLE 4.6

Ileus

MERKE

Merke

Der Ileus ist eine lebensbedrohliche Abdominalerkrankung, die sich durch einen Stopp der Darmpassage auszeichnet. Die Differenzierung erfolgt nach der Form.

Einteilung nach der $IleusForm:

  • Paralytischer Ileus: v. a. durch Entzündungen; u. a. Stuhl- und Windverhalt, fehlende Darmgeräusche

  • Mechanischer Ileus: durch mechanische Hindernisse; u. a. stärkste kolikartige Schmerzen, mechanisch-klingende Darmgeräusche

Paralytischer Ileus
Ileus paralytischer
  • Ursache: Entzündungen aller Art, reflektorisch nach Operationen oder durch vaskuläre Störungen, z. B. beim Mesenterialinfarkt

  • Leitsymptome: Stuhl- und Windverhalt, wenig Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, auch Koterbrechen (Miserere), Meteorismus, Fieber, Exsikkose, Schockentwicklung, fehlende Darmgeräusche („Totenstille“)

Mechanischer Ileus
Ileus mechanischer
  • Ursachen: Darmeinklemmung, Invagination, Volvulus, Briden (Verwachsungen), Tumoren

  • Leitsymptome: stärkste peristaltiksynchrone Bauchschmerzen, Abwehrspannung, Stuhl- und Windverhalt, Blähungen, hochgestellte, mechanisch klingende Darmgeräusche

Malassimilation

Malassimilation

MERKE

Merke

Unter Malassimilation versteht man die Störungen der Digestion (Verdauung) und/oder Resorption. Man unterscheidet das Maldigestionssyndrom von einem Malabsorptionssyndrom. Die Symptome der Malassimilation sind Gewichtsverlust, voluminöse, grau-glänzende Stühle, Fettstühle, Blähungen, Eiweißmangelödem, Vitaminmangel (v. a. der fettlöslichen Vitamine), Anämie durch verminderte Resorption von Eisen, Vitamin B12 und Folsäure.

Malassimilation:

  • $MalassimilationMaldigestion:$Maldigestion Verdauungsstörung durch z. B. Enzymmangel

  • $MalabsorptionMalabsorption: Resorptionsstörung durch v. a. Darmerkrankungen

Maldigestionssyndrom
MaldigestionssyndromStörung der Verdauungsfunktion: angeboren (z. B. Laktasemangel) oder durch Schädigung der Verdauungsdrüsen erworben (z. B. Pankreasinsuffizienz, Mangel an Gallensäuren durch Leber- bzw. Gallenwegserkrankungen, Magenerkrankungen oder Teilresektion)
Malabsorptionssyndrom
MalabsorptionssyndromStörung der Resorption der Spaltprodukte aus dem Darm: durch Dünndarmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn, Zöliakie, chronische Darminfekte, Darmlymphom), Störung der Durchblutung, Störung des Lymphtransportes, endokrine Störungen (z. B. Diabetes mellitus, Hyperthyreose, Hyperparathyreoidismus) oder Medikamente (u. a. Antibiotika)

Leber

Ikterus

Ikterus

MERKE

Merke

Die Differenzierung des Ikterus erfolgt nach der Ursache (7.10.7). Der Ikterus ist als Gelbfärbung von Skleren und Haut definiert und entsteht durch Ablagerung von Bilirubin im Gewebe.

Einteilung nach $IkterusUrsachen:

  • Prähepatisch: Hämolyse

  • Intrahepatisch: Lebererkrankungen

  • Posthepatisch: Erkrankungen der ableitenden Gallenwege

Prähepatischer Ikterus
Ikterus prähepatischer
  • Ursachen: Hämolyse, ineffektive Hämatopoese

  • Laborbefund: unkonjugiertes Bilirubin im Serum ↑, direktes Bilirubin im Normbereich, Bilirubin im Urin normal, Urobilinogen im Urin ↑, Stuhl- und Urinfarbe normal

Intrahepatischer Ikterus
Ikterus intrahepatischer
  • Ursachen: HepatitisHepatitis, LeberzirrhoseLeberzirrhose, Stauungsleber durch Rechtsherzinsuffizienz, malignes Geschehen, Medikamente wie z. B. Paracetamol, Isoniazid

  • Laborbefund: unkonjugiertes und konjugiertes Bilirubin im Blut ↑, Stuhl heller oder entfärbt, Urin dunkler

Posthepatischer Ikterus (Verschlussikterus)
Ikterus posthepatischer Verschlussikterus
  • Ursachen: Abflusshindernisse in den ableitenden Gallenwegen, z. B. GallensteineGallensteinleiden, Raumforderung im Bereich des Pankreaskopfes, primär biliäre Leberzirrhose

  • Laborbefund: konjugiertes Bilirubin im Blut ↑, Stuhl acholisch, Urin bierbraun

Fettleber

Fettleber

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Fettleber erfolgt nach der Ursache. Die Fettleber entsteht durch Einlagerung von Triglyzeriden in die Hepatozyten. Eine Fettleber liegt vor, wenn mehr als 50 % der Zellen betroffen sind. Sind weniger als 50 % der Hepatozyten mit Fett gefüllt, spricht man von LeberzellverfettungLeberzellverfettung.

Einteilung nach $FettleberUrsachen:

  • Alkoholabusus

  • Diabetes mellitus

  • Adipositas

  • Mangelernährung

  • Toxisch

  • Alkoholmissbrauch: Fettsäuresynthese ↑, Abgabe von Lipoproteinen ↓; wegweisend ist die Anamnese

  • Diabetes mellitus:Diabetes mellitus Fettsäuresynthese ↑, Lipolyse im Fettgewebe ↑, Aufnahme von Lipoproteinen im Fettgewebe ↓, hohe Blutzuckerwerte; Polyurie, Polydipsie, Symptome der Makro- und Mikroangiopathie

  • Adipositas:Adipositas Fettsäurenangebot ↑; wegweisend sind Anamnese, Inspektion, Bestimmung des BMI

  • Eiweißmangelernährung: Lipolyse im Fettgewebe ↑, Lipoproteinsynthese in der Leber ↓; bei Anorexia nervosa, Morbus Crohn, Zöliakie, Erkrankungen, die mit Malassimilation einhergehen; Fettleber, symmetrische Beinödeme durch den reduzierten onkotischen Druck

  • Toxische Einflüsse: Lipoproteinsynthese in der Leber ↓; wegweisend ist die Medikamentenanamnese (rezeptpflichtig und rezeptfrei)

Leberveränderungen

Leberveränderungen

MERKE

Merke

Die Differenzierung der Leberveränderungen erfolgt nach der Größen- und Oberflächenveränderung.

Einteilung nach $LeberveränderungenGrößen- und Oberflächenveränderungen:

  • Vergrößerte Leber: Fettleber, Entzündungen, Tumore, Stauung

  • Verkleinerte Leber: Leberzirrhose

  • Höckerige Oberfläche: Neubildungen, Zysten

Hepatomegalie (Leberhöhe in der MCL > 12 cm)
Hepatomegalie
  • Fettleber 4.6.2

  • Entzündung: akute oder chronische Symptome der Hepatitis

  • Tumoren: chronische Symptome der Leberinsuffizienz, B-Symptome, bei Metastasen ggf. Symptome des Primärtumors

  • Rechtsherzinsuffizienz:Rechtsherzinsuffizienz symmetrische Beinödeme, Dyspnoe, Zyanose, gestaute Jugularvenen; im fortgeschrittenen Stadium Leberzirrhose, Aszites, Splenomegalie

Verminderter Leberdurchmesser
Leberzirrhose:Leberzirrhose Leberhautzeichen (Ikterus, Palmarerythem, Plantarerythem, Hautatrophie, Lackzunge, Lacklippen, Spider naevi, Caput medusae), Aszites, Blutungsneigung, Splenomegalie
Höckerige Oberfläche
  • Tumoren, Metastasen: chronische Symptome der Leberinsuffizienz, B-Symptome, bei Metastasen ggf. Symptome des Primärtumors

  • Zysten (v. a. Echinokokkuszysten):Echinokokkuszysten chronische Symptome der Leberinsuffizienz, Eosinophilie, Erhöhung spezifischer IgE-Antikörper

Aszites

Aszites

MERKE

Merke

Die Differenzierung des Aszites erfolgt nach der Ursache. Unter Aszites versteht man eine Ansammlung von Flüssigkeit (Transsudat oder Exsudat) in der freien Bauchhöhle.

Einteilung nach $AszitesUrsachen:

  • Lebererkrankungen: häufigste Ursache, meist Symptome der Leberinsuffizienz

  • Herzerkrankungen: Rechtsherzinsuffizienz mit Rückstau in die Leber

  • Nierenerkrankungen: meist durch starken Proteinverlust bedingt

  • Entzündliche Erkrankungen: v. a. Peritonitis

  • Neubildungen: v. a. Leber-, Pankreaskarzinom

Lebererkrankungen
  • Häufigste Aszitesform, die auf Erhöhung des portalen Drucks zurückzuführen ist

  • Symptome: Leberhautzeichen, Symptome der portalen Hypertonie (u. a. Caput medusae, Hämorrhoiden, Splenomegalie), Leberinsuffizienzzeichen (Quick-Wert ↓, Bilirubin ↑, Albumin ↓, CHE ↓)

Herzerkrankungen
  • Folge der RechtsherzinsuffizienzRechtsherzinsuffizienz mit Veränderung der Leber und Rückstau in den portalen Kreislauf

  • Symptome: Leberinsuffizienzzeichen, ausgeprägte Symptome der Rechtsherzinsuffizienz, (u. a. symmetrische Beinödeme oder Anasarka, Jugularvenenstauung, Zyanose, Dyspnoe)

Nierenerkrankungen
  • Am häufigsten beim nephrotischen Syndromnephrotisches Syndrom vorkommend durch starken Albuminverlust über die Niere

  • Symptome: Proteinurie, Ödeme, Hypoalbuminämie, Hyperlipoproteinämie

Entzündliche Ursachen
  • Häufigste Ursache ist die PeritonitisPeritonitis

  • Symptome: stärkste Schmerzen, Abwehrspannung, bretthartes Abdomen, Veränderung der Darmgeräusche, systemische Entzündungszeichen, Symptome der Grundkrankheit

Maligne Ursachen
  • Häufigste Tumoren sind Ovarial-, Leberzell-, Pankreaskarzinom

  • Symptome: Symptome der Grunderkrankung, B-Symptome; im Laborbefund Tumormarker positiv, im Aszitespunktat häufig Blut (hämorrhagischer Aszites) und Tumorzellen

Stoffwechsel und Ernährung

Fettstoffwechselstörungen

Fettstoffwechselstörung

MERKE

Merke

Fettstoffwechselstörungen können nach Frederickson eingeteilt werden, was jedoch im klinischen Alltag wenig Anwendung findet. Relevant für Praxisalltag und Prüfung ist die Differenzierung nach familiärer Hypercholesterinämie und sekundären Hyperlipidämien. Beiden Formen gemeinsam sind die Symptome, v. a. vorzeitige Arteriosklerose mit Folgeerkrankungen, Pankreatitisschübe, Xanthome, Xanthelasmen und Arcus senilis.

Einteilung$Fettstoffwechselstörungen in:

  • Familiäre Hypercholesterinämie:$Hypercholesterinämie starke Erhöhung v. a. des Cholesterins

  • Sekundäre Hyperlipidämien $Hyperlipidämie

    • Hypertriglyzeridämie:$Hypertriglyzeridämie Adipositas, Diabetes mellitus, Pharmakanebenwirkung

    • Hypercholesterinämie: Hypothyreose, nephrotisches Syndrom, Diabetes mellitus

Familiäre Hypercholesterinämie
Hypercholesterinämie
  • Ursache: genetische Erkrankung mit Cholesterinerhöhung und meist auch Erhöhung des Triglyzeridspiegels

  • Einteilung in polygenetische und monogenetische familiäre Hypercholesterinämie

Sekundäre Hyperlipidämien
Hyperlipidämie
  • Ursache: Vorerkrankungen, Einnahme von bestimmten Medikamenten, Ernährungsgewohnheiten, genetischer Disposition

  • Umfassen die Hypertriglyzerid- und Hypercholesterinämien

  • Hypertriglyzeridämie Hypertriglyzeridämie:

    • Adipositas: äußeres Erscheinungsbild, Messung des BMI

    • Diabetes Diabetes mellitusmellitus: Polyurie, Polydipsie, Hyperglykämie, Symptome der Makro- und Mikroangiopathie

    • Erhöhter Alkoholkonsum: wegweisend ist die Anamnese

    • Medikamente: u. a. Kortisonpräparate, Betablocker, Hormonersatztherapie

  • Hypercholesterinämie Hypercholesterinämie:

    • HypothyreoseHypothyreose: Gewichtszunahme, depressive Stimmungslage, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Myxödem

    • Nephrotisches nephrotisches SyndromSyndrom: Proteinurie > 3,0–3,5 g/Tag, Hypoproteinämie, Hyperlipoproteinämie, Ödeme

    • Diabetes Diabetes mellitusmellitus: Polyurie, Polydipsie, Hyperglykämie, Symptome der Makro- und Mikroangiopathie

    • SchwangerschaftSchwangerschaft: letzte Periodenblutung, Kindsbewegungen, sonografischer Nachweis

    • Medikamente: u. a. Kortisonpräparate

Unterernährung

Unterernährung

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Unterernährung wird nach organischen und psychogenen Ursachen eingeteilt. Ergänzend werden seltenere Ursachen erfasst.

Einteilung nach$Unterernährung Ursachen:

  • Organisch:

    • Munderkrankungen

    • Pharynxerkrankungen

    • Ösophaguserkrankungen

    • Malassimilation

    • Wurminfektionen

    • Konsumierende Erkrankungen

    • Hormonell

  • Psychogen:

    • Anorexie

    • Bulimia nervosa

  • Andere:

    • Abhängigkeiten

    • Extreme Diäten

Organische Ursachen
  • Mund-, Pharynx-, Ösophaguserkrankungen: bei Mund- und Pharynxerkrankungen Schluckschwierigkeiten, evtl. Mundgeruch, pathologische inspektorische Befunde; bei Ösophaguserkrankungen thorakale Druckschmerzen, Regurgitation, Sodbrennen

  • MalabsorptionMalabsorption: Sammelbezeichnung für Erkrankungen mit einer gestörten Verdauung des Speisebreis

  • MaldigestionMaldigestion: Sammelbezeichnung für Erkrankungen mit einer erschwerten Resorption des Speisebreis

  • Wurminfektionen des Gastrointestinaltrakts: abdominale Schmerzen, Stuhlunregelmäßigkeiten, Gewichtsabnahme trotz großer Nahrungsmengen, evtl. sichtbare Wurmfragmente im Stuhl; im Laborbefund Eosinophilie, spezifisches IgE ↑

  • Konsumierende Systemerkrankungen, u. a. maligne Geschehen, AIDS, Tuberkulose; Symptome der Primärerkrankung, schweres Krankheitsgefühl, B-Symptome

  • Endokrine Störungen, v. a. HyperthyreoseHyperthyreose: Diarrhö, Gewichtsabnahme, Hypertonie, Tachykardie, Schweißneigung, Schlafstörung, Nervosität, Tremor

Psychogene Ursachen
  • Anorexia Anorexia nervosanervosa: Untergewicht, Nahrungsverweigerung, Körperschemastörung, Hypokaliämie, Obstipation; häufig Laxanzien- und Diuretikaabusus, subjektiv lange erhaltene körperliche Leistungsfähigkeit

  • BulimieBulimie: Untergewicht nicht zwingend vorhanden, andauernde Beschäftigung mit dem Essen, Ess- und Brechattacken, kariöser Zahnstatus, konjunktivale Blutungen; häufig Laxanzien- und Diuretikaabusus

Weitere
  • Intoxikationen und Abhängigkeit: wegweisend ist die Anamnese hinsichtlich Art, Dauer und Häufigkeit des Konsums

  • Fehlernährung durch extreme Diäten: wegweisend ist die Ernährungsanamnese

Adipositas

Adipositas

Differenzierung $Adipositasnach primären und sekundären Formen

MERKE

Merke

Die Differenzierung der Adipositas erfolgt nach den Ursachen in primäre und sekundäre Formen (Tab. 4.7). Von einer Adipositas spricht man dann, wenn der Fettanteil bei Frauen um 30 % und bei Männern um 20 % des Körpergewichts übersteigt, oder wenn der BMI über 30 liegt. Die Adipositas ist ein Symptom des metabolischen Syndroms.

TABELLE 4.7

Blut

Fieber

Fieber

MERKE

Merke

Nachfolgend wird Fieber zum einen nach Ursachen und zum anderen nach dem Fieberverlauf (Tab. 4.8) differenziert.

Die normale Körpertemperatur schwankt zwischen 36,6 °C und 37,1 °C (rektal gemessen, axilläre Temperaturen liegen 0,5 °C darunter). Durch die zirkadiane Steuerung ist die Temperatur am frühen Morgen (ca. 6 Uhr) am tiefsten und am frühen Abend (ca. 18 Uhr) am höchsten. Bei Frauen sind die präovulatorischen Temperaturen geringer und die postovulatorischen Temperaturen höher. Im Allgemeinen werden Temperaturerhöhungen bis 38 °C als subfebrile Temperaturen bezeichnet, zwischen 38 °C und 39 °C als mäßiges Fieber und > 39 °C als hohes Fieber. Selten steigt die Temperatur über 41 °C. Fieber entsteht durch Einfluss von endogenen (IL-1, Il-6, TNF-α, Interferon) und exogenen (virale Partikel, Exo- und Endotoxine) Pyrogenen und ist auf eine Sollwertverstellung im hypothalamischen Wärmezentrum zurückzuführen.

Einteilung nach $FieberUrsachen und Fieberverlauf:

  • Bakterielle, virale und parasitäre Infektionen

  • Neubildungen incl. Leukämien und Lymphomen

  • Vaskulitiden und Kollagenosen:

    • SLE

    • Sklerodermie

    • Dermatomyositis

    • Rheumatoide Arthritis

    • Polymyalgia rheumatica

    • Arteriitis temporalis

  • Andere:

    • Pharmakanebenwirkung

    • Hyperthyreose

    • Hämatome

    • Thrombose

    • Lungenembolie

    • Selbstinduziert

Infektionen
  • Bakteriell: häufig Fieber mit Schüttelfrost und Symptome, die sich aus dem Herdgeschehen ergeben, z. B. bei Appendizitis abdominale Schmerzen, bei Angina tonsillaris Halsschmerzen und Schluckschwierigkeiten, bei Meningitis Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und Bewusstseinsstörung; bei Tropenerkrankungen positive Auslandsanamnese

  • Viral: febrile Temperaturen mit oder ohne Schüttelfrost oder subfebrile Temperaturen und Symptome, die sich aus dem Herdgeschehen ergeben, z. B. Lymphknotenschwellungen bei infektiöser Mononukleose, Ikterus bei Hepatitis; bei Tropenerkrankungen Auslandsanamnese

  • Parasitär: häufig gastrointestinale Symptome wie Bauchschmerzen, Diarrhö, Subileussymptome, analer Juckreiz; bei Echinokokkeninfektionen stehen hepatische Symptome im Vordergrund; bei Tropenerkrankungen Auslandsanamnese

Maligne Erkrankungen
  • LymphomLymphom, LeukämieLeukämie: Lymphknoten-, Milzschwellung, Anämie, B-Symptome

  • Solide Tumoren: Symptome des Primärtumors, B-Symptome

Kollagenosen, Vaskulitiden
  • Systemscher Lupus erythematodes:Lupus erythematodes Schmetterlingserythem, symmetrische Arthritis der kleinen Gelenke, Organbeteiligung durch Lupus erythematodesVaskulitis

  • SklerodermieSklerodermie: Schwellung der Finger, Rattenbissnekrosen, symmetrische Beteiligung der Grundgelenke, Tabaksbeutelmund, Mikrostomie, verkürztes Zungenbändchen

  • DermatomyositisDermatomyositis: entzündliche Hautveränderung, besonders im Gesicht (Lilaringe v. a. an Augenlidern), am Hals und muskelkaterähnliche Beschwerden; im Laborbefund systemische Entzündungszeichen und CK ↑

  • Rheumatoide rheumatoide ArthritisArthritis: symmetrische, zerstörende Arthritis der kleinen Gelenke, v. a. Grund- und Mittelgelenke, Schwanenhals-, Knopflochdeformität, ulnare Deviation

  • Polymyalgia Polymyalgia rheumaticarheumatica: nächtliche, reißende Schulter- und Beckenschmerzen, die keine Besserung auf Analgetika zeigen; im Laborbefund Sturzsenkung, CRP ↑

  • Arteriitis Arteriitis temporalistemporalis: verdickte, gerötete und schmerzhafte A. temporalis; im Laborbefund Sturzsenkung, CRP ↑

Weitere
  • Medikamente: allergische oder paraallergische Reaktion auf Arzneimittel, häufig verbunden mit einer Hautreaktion; wegweisend ist die Medikamentenanamnese

  • Hyperthyreose:Hyperthyreose Hypertonie mit großer Blutdruckamplitude, Tachykardie, Tremor, Diarrhö, Schwitzen, Nervosität, Schlaflosigkeit

  • Hämatome: wegweisend ist der Hautbefund

  • LungenembolieLungenembolie: plötzliche Dyspnoe, Husten, restrosternale Schmerzen, Zyanose; in der Vorgeschichte Symptome der tiefen Beinvenenthrombose

  • ThromboseThrombose: einseitige Schwellung (meist des Beines), Rötung, Überwärmung, Schmerzen, an der Tibia sichtbare Venenzeichnung (Pratt-Warnvenen)

  • ThrombophlebitisThrombophlebitis: lokale Entzündung einer Vene mit strangförmiger Rötung, Schmerzen, lokaler Schwellung

  • Selbstinduziert (artifizielle Störung): durch Manipulationen des Thermometers, Konsum von heißen Getränken vor der Fiebermessung

TABELLE 4.8

Hämorrhagische Diathese

hämorrhagische Diathese

MERKE

Merke

Die hämorrhagische hämorrhagische DiatheseDiathese ist eine pathologische BlutungsneigungBlutungsneigung, wobei die Blutungen zu lang, zu stark und/oder ohne einen adäquaten Anlass stattfinden. Die Blutungsneigung wird im Folgenden nach den Ursachen (Blutungstyp und Laborbefund) differenziert.

Einteilung nach $hämorrhagische DiatheseUrsachen:

  • Gefäßerkrankungen:

    • Vaskulitis

    • Vitamin-C-Mangel

  • Thrombozytenfunktionsstörung:

    • Splenomegalie

    • HUS

    • Morbus Werlhof

    • ASS-Einnahme

  • Gerinnungsfaktormangel:

    • Leberzirrhose

    • Hämophilie

    • Cumarin-Einnahme

Petechiale Blutungen sind charakteristisch für Gefäßerkrankungen und Thrombozytenfunktionsstörungen, großflächige Blutungen typisch für den Gerinnungsfaktormangel.

Gefäßerkrankungen
  • Ursache: Veränderung der Struktur und Funktion der Blutgefäße; u. a. durch Vitamin C-Mangel, Vaskulitis, Medikamente (z. B. lange Kortikosteroidtherapie)

  • Leitsymptom: Petechienpetechiale Blutungen v. a. an Unterarmen, Beinen, Handrücken, systemische petechiale Blutungen werden PurpuraPurpura genannt

  • Laborbefund: Blutungszeit verlängert, Gerinnungszeit (Quick und PTT) normal

Thrombozytenfunktionsstörung
Thrombozytenfunktionsstörung
  • Ursache: Mangel an Thrombozyten oder deren reduzierte Funktion; u. a. Bildungsstörung im Knochenmark (z. B. durch Leukämie, Chemikalien), Erhöhung des peripheren Umsatzes bei Splenomegalie, Bildung von Autoantikörpern gegen Thrombozyten (Morbus Werlhof), HUS (hämolytisch-urämisches Syndrom), Medikamente wie ASS

  • Leitsymptom: petechiale Blutungen

  • Laborbefund: Thrombozytenzahl < 140.000/µl oder normal, aber mit reduzierten Funktion der Zellen, Blutungszeit verlängert, Gerinnungszeit (Quick und PTT) normal

Gerinnungsfaktormangel
Gerinnungsfaktormangel
  • Ursache: Mangel von Gerinnungsfaktoren; u. a. Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom, Hämophilie, Mangel an Vitamin K, Leberzirrhose, Verbrauchskoagulopathie, Einnahme von Cumarinderivaten

  • Leitsymptom: großflächige Blutungen (Sugillationen, Ekchymosen, Hämatome)

  • Laborbefund: Blutungszeit normal, Gerinnungszeit (Quick und PTT) verlängert

Polyglobulie (Erythrozytose)

Polyglobulie Erythrozytose

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Polyglobulie, einer reaktiven Erythrozytenvermehrung ohne Vermehrung der Leukozyten und Thrombozyten, erfolgt nach deren Ursache. In der Regel sind keine typischen Symptome vorhanden, außer denen der Grunderkrankung, z. B. im Rahmen eines paraneoplastischen Syndroms. Im Laborbefund BSG ↓, Erythrozytenzahl ↑, Hämoglobin ↑ und Hämatokrit ↑.

Sauerstoffmangel

Einteilung nach $Polyglobulie$ErythrozytoseUrsachen:

  • Sauerstoffmangel:

    • Lungenerkrankungen

    • Herzerkrankungen

    • Große Höhe

  • Nierenerkrankungen: Nierenzellkarzinom

  • Weitere Formen:

    • Plasmaverlust

    • Familiär

Sauerstoffmangel
  • Ursachen: u. a. Aufenthalt in großen Höhen, Lungenerkrankungen, Herzinsuffizienz

  • Sauerstoffmangel führt zu einer verminderten Sauerstoffsättigung im Blut und zu einer verstärkten Ausschüttung von Erythropoetin aus der Niere und damit zur vermehrten Erythrozytenausschüttung aus dem Knochenmark

Nierenerkrankungen
  • Als paraneoplastisches Syndrom beim Nierenzellkarzinom

  • Tumor selbst bildet entweder Erythropoetin oder biologisch verwandte Substanzen, welche die Erythropoese stimulieren

Weitere
  • Plasmaverlust: durch Exsikkose (u. a. bei Erbrechen, Durchfällen, Schwitzen, Verbrennungen) nimmt der Anteil der festen Blutbestandteile zu; wegweisend sind die Symptome der ursächlichen Zustände und Erkrankungen

  • Familiäre Formen: genetisch bedingte Polyglobulie, die je nach Ausprägung asymptomatisch sein oder thromboembolische Erkrankungen produzieren kann

Anämie

Anämie

MERKE

Merke

Anämien können unterschiedlich differenziert werden: nach Ursache, nach dem zeitlichen Verlauf (akut und chronisch) oder nach der Veränderung der Erythrozytenindizes, die nachfolgend beschrieben werden. Die Anämie ist definiert als Verminderung von Erythrozyten, Hämoglobin und Hämatokrit. Die Grundsymptome sind bei allen Anämien gleich: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Blässe der Schleimhäute und der Haut, Dyspnoe und funktionelle Herzgeräusche.

Einteilung nach $AnämieVeränderung der Erythrozytenindizes:

  • MCV, MCH:

    • Eisenmangel

    • Chronische Entzündungen

    • Tumorerkrankungen

  • MCV ±, MCH ±:

    • Renale Anämie

    • Aplastische Anämie

    • Hämolytische Anämie

  • MCV, MCH:

    • Vitamin-B12-Mangel

    • Folsäuremangel

    • Alkoholabusus

Mikrozytäre (MCV ↓), hypochrome (MCH ↓) Anämie
  • Eisenmangelanämie:Eisenmangelanämie häufigste Anämie; durch Eisenverluste, mangelnde Zufuhr und Resorption und vermehrten Eisenbedarf; charakteristisch sind Mundwinkelrhagaden, blasse, atrophische und brennende Zunge, Plummer-Vinson-Syndrom; im Laborbefund Ferritin ↓, Transferrin ↑

  • Anämie bei chronischen Erkrankungen (Tumoranämie, Entzündungsanämie): Symptome der entzündlichen Grundkrankheit bzw. Tumor-, B-Symptome; im Laborbefund Ferritin ↑, Transferrin ↓

  • Thalassämie:Thalassämie genetische Erkrankung mit variabler Ausprägung (von asymptomatisch, über ausgeprägte Symptome der hämolytischen Anämie mit Ikterus, Splenomegalie bis hin zu letalen Verläufen); im Laborbefund Ferritin ±/↑, basophile Tüpfelung der Erythrozyten (dunkle Granula bei gesteigerter Erythropoese), Targetzellen (Erythrozyten mit abnormer Farbverteilung; dunkel im Zentrum, hell am Rand)

Normochrome (MCV ±), normozytäre (MCH ±) Anämie
  • Renale Anämie:Anämierenale Symptome der Niereninsuffizienz; im Laborbefund Erythropoetin ↓, Retikulozyten ↓, GFR ↓, Anstieg der harnpflichtigen Substanzen

  • Aplastische Anämie:Anämieaplastische im Laborbefund Retikulozyten ↓, Leukozyten ↓, Thrombozyten ↓

  • Hämolytische Anämie:Anämiehämolytische Ikterus; im Laborbefund Hämatokrit, Hämoglobin und Erythrozyten ↓, MCV und MCH normal (normochrome, normozytäre Anämie), Retikulozyten ↑, Eisen und Ferritin ↑, Haptoglobin ↓, indirektes Bilirubin ↑, evtl. Nachweis von Autoantikörpern

Makrozytäre (MCV ↑), hyperchrome (MCH ↑) Anämie
  • Vitamin-B12-Mangel:Vitamin-B12-Mangel blasse oder leicht ikterische Haut durch vorzeitigen Abbau der Erythrozyten im Knochenmark, Hunter-Glossitis, Polyneuropathie, ggf. Demenz; im Laborbefund Leukozyten ↓, Thrombozyten ↓, indirektes Bilirubin ↑, Retikulozyten ↓

  • Folsäuremangel:Folsäuremangel blasse oder leicht ikterische Haut durch vorzeitigen Abbau der Erythrozyten im Knochenmark; im Laborbefund Leukozyten ↓, Thrombozyten ↓, indirektes Bilirubin ↑, Retikulozyten ↓

  • Alkoholabusus: begleitend Symptome der Leberschädigung mit Fettleber, Fettleberhepatitis, Leberzirrhose; anamnestische Erhebung der Dauer, Art der alkoholischen Getränke und Menge

  • Myelodysplastisches Syndrom:myelodysplastisches Syndrom heterogene Gruppe von Stammzellerkrankungen mit Anämie, Retikulozyten ↓ und ggf. Leukopenie, Thrombopenie, ggf. blastäre Formen im peripheren Blut; ggf. Hepatosplenomegalie, Lymphome

Lymphatisches System

Splenomegalie

Splenomegalie

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Splenomegalie erfolgt nach den Ursachen. Die Splenomegalie ist definiert als Milzgewicht, das 350 g überschreitet.

Kreislaufstörungen
  • Ursachen: portale Stauung, Rechtsherzinsuffizienz, die zu einer Vergrößerung der Milz bis 1000 g führen kann

  • Wegweisend sind Symptome der Herzinsuffizienz und/oder portalen Stauung

Einteilung nach$Splenomegalie Ursachen:

  • Kreislaufstörungen: portale Stauung

  • Infektionserkrankungen:

    • Mononukleose

    • HIV

    • Tuberkulose

    • Malaria

    • Typhus abdominalis

  • Hämatologische Erkrankungen:

    • Hämolytische Anämie

    • Leukämien

    • Lymphome

  • Metastasen:

    • Bronchialkarzinom

    • Mammakarzinom

    • Malignes Melanom

Infektionserkrankungen
Verschleppte Erreger führen zur numerischen Vermehrung und Aktivitätsvermehrung von Immunzellen; typisch für u. a. Epstein-Baar-Virus, HIV, Tuberkulose, Malaria, Typhus abdominalis, Sepsis
Hämatologische Erkrankungen
  • Hämolytische AnämiehämolytischeAnämie: Ikterus; im Laborbefund Hämatokrit, Hämoglobin und Erythrozyten ↓, MCV und MCH normal (normochrome, normozytäre Anämie), Retikulozyten ↑, Eisen und Ferritin ↑, Haptoglobin ↓, indirektes Bilirubin ↑, evtl. Nachweis von Autoantikörpern

  • LymphomLymphom, LeukämieLeukämie: Anämie, Lymphknotenschwellungen, B-Symptome

Milzmetastasen
  • In erster Linie bei Bronchial-, Mammakarzinom und malignem Melanom

  • Wegweisend sind Symptome des Primärtumors und B-Symptome

Lymphknotenschwellung

Lymphknotenschwellung

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Lymphknotenschwellung kann nach lokaler oder systemischer Ausdehnung, nach dem Verlauf (akut oder chronisch) oder nach Ursachen erfolgen. Nachfolgend wird nach Ursachen differenziert.

Schmerzhafte Schwellung und Verschieblichkeit von Lymphknoten weisen oft auf einen entzündlichen Prozess hin, der eine gute Prognose hat. Schmerzlose Schwellung mit verbackenen (nicht verschieblichen) Lymphknoten (Kartoffelsack) zeigen häufig einen tumorösen Prozess an.

$LymphknotenschwellungEinteilung nach Ursachen:

  • Infektiös:

    • Mononukleose

    • HIV

    • CMV-Infektion

    • Tuberkulose

    • Lues

  • Neoplasien, incl. Lymphomen und Leukämien

  • Systemisch:

    • Pharmakanebenwirkung

    • Rheumatoide Arthritis

    • Kollagenosen

    • Sarkoidose

    • Impfreaktion

Infektiös
  • ToxoplasmoseToxoplasmose: bei Immunkompetenten sehr selten symptomatischer Verlauf mit Lymphknotenschwellung, besonders zervikal, grippale Symptome; bei HIV-Erkrankung Beteiligung des Gehirns und septische Streuung

  • Infektiöse infektiöse MononukleoseMononukleose: akute, lokale oder systemische Lymphknotenbeteiligung, Milzschwellung, Angina tonsillaris, im Laborbefund mononukleäre Zellen

  • Zytomegalie:Zytomegalie bei Immunkompetenten selten mononukleose-ähnliches Bild; bei HIV-Erkrankung Organbeteiligung, v. a. interstitielle Pneumonie

  • HIVHIV-Infektion: mononukleose-ähnliches Bild, persistierende Lymphknotenschwellungen, opportunistische Erkrankungen, neuropsychiatrische Symptome, Malignome (Lymphom, Kaposi-Sarkom, Zervixkarzinom)

  • TuberkuloseTuberkulose: meist pulmonale Symptome mit Husten und Sputum (auch blutig), B-Symptome, meist chronische Lymphknotenschwellung

  • LuesLues: lokale Lymphknotenschwellung im Stadium I neben Ulcus durum, generalisierte im Stadium II neben entzündlichen Organsymptomen, Haut- und Schleimhauterscheinungen (u. a. vielgestaltigen Exantheme, Condylomata lata, Plaque muqueuses, Haarausfall)

Neoplastisch
  • Solide Tumoren, Metastasen: Symptome der Primärkrankheit, B-Symptome, chronische Lymphknotenschwellung

  • LymphomLymphom, LeukämieLeukämie: Anämie, Milzschwellung, B-Symptome, chronische Lymphknotenschwellung

Systemisch
  • Medikamente (u. a. Allopurinol, Phenytoin, Isoniazid): wegweisend ist die Medikamentenanamnese

  • Rheumatoide rheumatoide ArthritisArthritis: symmetrische Beteiligung der kleinen Gelenke (Grund- und Mittelgelenke, Gelenke der HWS) mit Zerstörung; Rheumafaktor und CCP-AK meist positiv, chronische Lymphknotenschwellung

  • Kollagenosen Lupus erythematodes(SLE, SklerodermieSklerodermie): beim SLE symmetrische Beteiligung der kleinen Gelenke (in der Regel ohne Zerstörung), Sonnenunverträglichkeit, Schmetterlingserythem, ANA und Rheumafaktor meist positiv; bei der Sklerodermie symmetrische Beteiligung der kleinen Gelenke (in der Regel ohne Zerstörung), typische Hautzeichen (u. a. Puffy hands, Sklerosierung, Rattenbissnekrosen, Tabaksbeutelmund), ANA und Rheumafaktor meist positiv, chronische Lymphknotenschwellung

  • SarkoidoseSarkoidose: akute Form Löfgren-Syndrom(Löfgren-Syndrom) mit Arthritis (Sprunggelenk), Erythema nodosum, Lymphknotenschwellungen v. a. am Lungenhilus; chronische Formen häufig oligosymptomatisch, später Symptome der Lungenfibrose

  • Impfung gegen z. B. Pneumokokken, HiB und Meningokokken

Hormone und endokrine Organe

Coma diabeticum und hypoglykämischer Schock

Coma diabeticum hypoglykämischer Schock

Differenzierung nach$hypoglykämischer Schock$Coma diabeticum Ursachen und Symptomen

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik von Coma diabeticum und hypoglykämischem Schock erfolgt nach deren Ursachen und Symptomen (Tab. 4.9).

TABELLE 4.9

Schilddrüsenvergrößerung (Struma)

Schilddrüsenvergrößerung Struma

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Schilddrüsenvergrößerung erfolgt nach deren Ursachen.

Einteilung nach $StrumaUrsachen:

  • Hypothyreose

  • Hyperthyreose

  • Jodidmangel

  • Entzündungen

  • Neubildungen

  • Hypothyreose:Hypothyreose Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit, depressive Symptome, Hypotonie, Bradykardie, Obstipation, Myxödem; im Laborbefund TSH ↑, T3 und T4

  • Hyperthyreose:Hyperthyreose Tremor, Schlaflosigkeit, Blutdruck ↑, Herzfrequenz ↑, Herzrhythmusstörungen, Gewichtsverlust, Diarrhö, Wärmeintoleranz, Haarausfall; im Laborbefund T3 und T4 ↑, TSH ↓

  • Jodidmangel: von asymptomatischen Verläufen bis hin zu Symptomen der Hypothyreose

  • Entzündungen: Fieber, lokale Schmerzen, ggf. Lymphknotenschwellungen und systemische Entzündungszeichen; bei Hashimoto-Thyreoiditis Symptome erst in späten Stadien in Form von Hypothyreose-Symptomen

  • Tumoren: häufig einseitige und harte Struma, regionale Lymphknotenschwellungen, B-Symptome, ggf. Heiserkeit, Horner-Syndrom, obere Einflussstauung

  • Medikamente: Thyreostatika, Lithium

Niere und ableitende Harnwege

Anurie

Anurie

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Anurie erfolgt nach deren Ursachen. Die Anurie ist definiert als Harnmenge < 100 ml/Tag.

Prärenal
  • SchockSchockgeschehen: Hypotonie, Tachykardie (Schockindex > 1), je nach Schockart entweder kühle, blasse und schweißige Haut oder warme und gerötete Haut

  • Volumenmangel, Exsikkose:Exsikkose trockene Haut und Schleimhäute, abhebbare Hautfalten, tief liegende Augen und Symptome der Grunderkrankungen (u. a. Erbrechen, Durchfall, akute Pankreatitis, Verbrennungen)

Einteilung nach $AnurieUrsachen:

  • Prärenal:

    • Volumenmangel

    • Schockgeschehen

  • Intrarenal:

    • Vaskulitis

    • Traumen

    • Pharmakanebenwirkung

  • Postrenal:

    • Urolithiasis

    • Prostatahyperplasie

    • Urologische und gynäkologische Neubildungen

Intrarenal
  • Glomerulonephritis (rapid progressive): Hämaturie (mit dysmorphen Erythrozyten), ProteinurieProteinurie < 3,5 g/Tag, Hypertonie (Volhard-Trias), Ödeme; im Harnsediment Erythrozytenzylinder

  • Nierenverletzung: anamnestisch Trauma eruierbar, evtl. sichtbare Hämatome in den Flanken oder am Rücken

  • Gifte, Medikamentennebenwirkungen: wegweisend ist die Anamnese

  • Vaskulitis:Vaskulitis je nach Art der Vaskulitis und Organbeteiligung Insuffizienzsymptome, Fieber, petechiale Blutungen

Postrenal
  • Urolithiasis:Urolithiasis beim Steinabgang wandernde kolikartige Schmerzen vom Rücken bzw. den Flanken ausgehend, die sich in Unterbauch, Leiste und Genitalien verlagern, häufig Mikro- oder Makrohämaturie, bei großen Nierenbeckensteinen Symptome der Niereninsuffizienz

  • Prostatahyperplasie:Prostatahyperplasie Pollakisurie, Nykturie, verlängerte Miktionsdauer mit Restharnbildung

  • Urologische bzw. gynäkologische Tumoren: Symptome des Primärtumors und B-Symptome; durch Kompression oder Infiltration der ableitenden Harnwege Miktionsstörungen in Form von Dysurie, Pollakisurie, Nykturie, Hämaturie

Polyurie

Polyurie

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Polyurie erfolgt nach deren Ursachen. Die Polyurie ist definiert als Harnmenge von > 2.000 ml/Tag.

Einteilung nach $PolyurieUrsachen:

  • Polydipsie:

    • Idiopathisch

    • Psychogen

  • Endokrin/metabolisch:

    • Diabetes mellitus

    • Diabetes insipidus

    • Alkohol

    • Hyperkalzämie

  • Renal:

    • Akutes und chronisches Nierenversagen

    • Diuretika

Polydipsie
Polydipsie
  • Idiopathisch: unklare Polydipsie, die durch andere organische Ursachen nicht geklärt werden kann

  • Psychogen: Störungen, die mit anderen psychogenen Störungen einhergehen können, z. B. Essattacken oder Medikamentenabusus, i. d. R. keine nächtliche Polydipsie

Endokrin bzw. metabolisch
  • Diabetes mellitus:Diabetes mellitus neben Polyurie u. a. Polydipsie, rezidivierende Hautinfektionen, Pruritus, Hypoglykämie, in fortgeschrittenen Stadien makro- und mikroangiopathische Begleiterkrankungen; Urin hyperton (hohes spezifisches Gewicht), Blut hyperosmolar

  • Diabetes insipidus:Diabetes insipidus starke Polyurie, die auf einen ADH-Mangel zurückzuführen ist; Urin hypoton (niedriges spezifisches Gewicht), Blut hyperosmolar

  • Alkoholkonsum: Polyurie variablen Ausmaßes durch Hemmung der ADH-Wirkung an der Niere

  • Hyperkalzämie:Hyperkalzämie je nach Ursache (am häufigsten tumoröse osteolytische Prozesse oder primärer Hyperparathyreoidismus) Steinbildung in der Niere, Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Herzrhythmusstörungen, Muskelschwäche, psychotische Symptome

Renal
  • Chronische Niereninsuffizienz:Niereninsuffizienzchronische meist im Stadium II der Niereninsuffizienz; im Laborbefund Kreatinin ↑, GFR ↓; in späteren Stadien u. a. Hypertonie, renale Anämie, Ödeme, Knochenschmerzen, Hyperkaliämie

  • Akutes Nierenversagen:Nierenversagenakutes kennzeichnend für Stadium III der Niereninsuffizienz nach der anurischen Phase (nicht obligat), Hypotonie; im Laborbefund Kreatinin ↑, GFR ↓

  • Diuretika: wegweisend ist die Medikamentenanamnese

Hämaturie

Hämaturie

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Hämaturie erfolgt nach prä-, intra-, und postrenalen Ursachen. Die Hämaturie kann als MakrohämaturieMakrohämaturie (mit bloßem Auge sichtbar) oder als MikrohämaturieMikrohämaturie (in der U-Stix-Untersuchung positives Blutfeld) auftreten.

Einteilung nach $HämaturieUrsachen:

  • Prärenal: Gerinnungsstörungen

  • Intrarenal:

    • Glomerulonephritis

    • Neubildungen

  • Postrenal:

    • Urolithiasis

    • Zystitis

    • Pyelonephritis

    • Prostatitis

    • Trauma

    • Neubildungen

  • Andere: Menstruation (Kontamination)

Prärenal
  • Marcumar-Therapie: wegweisend ist die Medikamentenanamnese, ggf. Vorerkrankungen wie Vorhofflimmern, Phlebothrombose, Lungenembolie

  • Gerinnungsstörung:Gerinnungsstörung Symptome der Grunderkrankung (Leberinsuffizienzsymptome), Nasen- und Zahnfleischbluten, Hämatome, Sugillationen

Intrarenal
  • Glomerulonephritis:Glomerulonephritis Hämaturie (mit dysmorphen Erythrozyten), Proteinurie < 3,5 g/Tag, Hypertonie (Volhard-Trias), Ödeme; im Harnsediment Erythrozytenzylinder

  • Nierenzellkarzinom:Nierenzellkarzinom schmerzlose Hämaturie, unspezifische Rückenschmerzen, B-Symptome

Postrenal
  • Urolithiasis:Urolithiasis beim Steinabgang wandernde kolikartige Schmerzen vom Rücken in die Flanken, dann in Unterbauch und Genitalien ziehend, begleitend Mikro- oder Makrohämaturie

  • Zystitis:Zystitis akute Unterbauchschmerzen, Pollakisurie, Dysurie, Pyurie, Hämaturie; im U-Stix pH alkalisch, Nitrit und Leukozyten positiv

  • Prostatitis:Prostatitis Schmerzen beim Sitzen (am Damm), Veränderung des Ejakulates (Eiter-, Blutbeimengung), Miktionsbeschwerden

  • Pyelonephritis:Pyelonephritis akut Fieber, Rücken- und Bauchschmerzen, Pollakisurie, Dysurie, Pyurie; im Laborbefund systemische Entzündungszeichen ↑, im U-Stix pH alkalisch, Nitrit und Leukozyten positiv, im Harnsediment Leukozytenzylinder

  • Katheter, Trauma: wegweisend ist die Anamnese

  • Blasentumor:Blasentumor schmerzlose Hämaturie, B-Symptome, Veränderung des Harnstrahls

Weitere
Kontamination des Urins mit Menstrualblut: anamnestische Befragung zum Zyklus

Säure-Basen- und Elektrolythaushalt

Azidose

Azidose

Differenzierung nach$Azidose Ursache, Symptomen und Kompensationsarten

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Azidose erfolgt nach deren Ursachen (Tab. 4.10). Bei einer Azidose ist der pH-Wert < 7,37. Die Kompensation erfolgt im Körper immer gegensinnig: respiratorische Ursachen werden metabolisch, metabolische Ursachen respiratorisch kompensiert.

TABELLE 4.10

Alkalose

Alkalose

Differenzierung nach$Alkalose Ursache, Symptomen und Kompensationsarten

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Alkalose erfolgt nach deren Ursachen (Tab. 4.11). Bei einer Alkalose ist der pH-Wert > 7,45. Die Kompensation erfolgt im Körper immer gegensinnig: respiratorische Ursachen werden metabolisch, metabolische Ursachen respiratorisch kompensiert.

TABELLE 4.11

Hyperkaliämie

Hyperkaliämie

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Hyperkaliämie erfolgt nach deren Ursachen. Die Hyperkaliämie ist definiert als Serumkaliumspiegel > 5 mmol/l. Die Symptome sind durch Steigerung der neuromuskulären Übertragung gekennzeichnet, u. a. ParästhesienParästhesien um den Mund, Pelzigwerden der Zunge, Muskelzuckungen, Diarrhö,Diarrhö Herzrhythmusstörungen bis zu Kammerflimmern oder Asystolie. Bei sehr hohen Konzentrationen treten Lähmungen ein.

Einteilung nach $HyperkaliämieUrsachen:

  • Aufnahme: v. a. parenteral

  • Ausscheidung: akutes und chronisches Nierenversagen

  • Azidose

  • Hypoaldosteronismus

  • Andere:

    • Zellzerfall

    • Pharmaka (NSAR, ACE-Hemmer)

    • Unsachgemäße Blutentnahme

Erhöhte Zufuhr
Hohe orale Zufuhr (besonders bei Niereninsuffizienz) oder hohe parenterale Zufuhr: wegweisend sind anamnestische Angaben über die Zufuhr kaliumreicher Lebensmittel (Obst, Säfte) oder Infusionsbehandlungen mit kaliumreichen Substanzen
Verminderte Ausscheidung
  • Akutes Nierenversagen:Nierenversagenakutes Anurie, Hypertonie, Ödembildung, Anstieg der Retentionsparameter

  • Chronische Niereninsuffizienz:Niereninsuffizienzchronische Hautzeichen wie u. a. Café-au-lait-Flecken, blass-graues Hautkolorit, Kratzspuren, Bein- und Lidödeme, Anämie, Knochenschmerzen, Anstieg der Retentionsparameter, Foetor uraemicus

pH-Verschiebung
Azidose:Azidose Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Kussmaul-Atmung, Dyspnoe, Bewusstseinsstörungen
Störung der Hormonsteuerung
Hypoaldosteronismus:Hypoaldosteronismus Symptome der Hypotonie; im Laborbefund Natrium ↓, Kalium ↑, Azidose
Weitere
  • Akuter Zellzerfall: z. B. bei Chemotherapie, Hämolyse, Verbrennungen, Muskelquetschungen, nach Transfusionen

  • Medikamente, die das RAAS hemmen (ACE-Hemmer, NSAR): wegweisend ist die Medikamentenanamnese

  • Unsachgemäße Blutentnahme und Lagerung des entnommenen Materials: bei zu schnellem Aspirieren, warmer Lagerung oder später Verarbeitung kann es zur extrakorporalen Hämolyse und damit zum Austritt von Kalium ins Plasma führen, sodass eine Hyperkaliämie vorgetäuscht wird

Hypokaliämie

Hypokaliämie

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Hypokaliämie erfolgt nach deren Ursachen. Die Hypokaliämie ist definiert als Serumkaliumspiegel < 3,6 mmol/l. Leitsymptome sind Paresen,Parese die als ausgeprägte Schwäche der Muskulatur, abgeschwächte Reflexe, Obstipation bis hin zum paralytischen Ileus, Blasenlähmung oder Herzrhythmusstörungen mit häufigen Extrasystolen in Erscheinung treten können.

Einteilung nach $HypokaliämieUrsachen:

  • Aufnahme:

    • Malabsorption

    • Anorexia nervosa

  • Verluste:

    • Polyurie bei Nierenversagen

    • Diuretika

    • Diarrhö

  • Hormonell:

    • Hyperaldosteronismus

    • Hyperkortisolismus

  • Alkalose

Geringe Kaliumaufnahme
  • Malabsorptionssyndrom:Malabsorptionssyndrom Störung der Resorption u. a. durch unterschiedliche Dünndarmerkrankungen oder Durchblutungsstörungen

  • Anorexia nervosa:Anorexia nervosa Untergewicht, Nahrungsverweigerung, Körperschemastörung, Hypokaliämie, Obstipation; häufig Laxanzien- und Diuretikaabusus

Hoher Kaliumverlust
  • Nierenerkrankungen: polyurische Phase des akuten Nierenversagens, Diuretikatherapie; wegweisend sind die anamnestische Befragung zur Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahme

  • Darmerkrankungen: Erbrechen, Diarrhö, Laxanzienabusus; wegweisend sind die anamnestische Befragung zur Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahme

Störung der Hormonsteuerung
  • Hyperaldosteronismus:Hyperaldosteronismus Hypertonie, metabolische Alkalose

  • Hyperkortisolismus:Hyperkortisolismus Symptome des Cushing-Syndroms,Cushing-Syndrom u. a. Stiernacken, Mondgesicht, Stammfettsucht, dünne Extremitäten durch Muskelatrophie, atrophe Haut, Striae, psychische Veränderungen

pH-Verschiebung
Alkalose:Alkalose Veränderungen der Atmung (Hyper- oder Hypoventilation als Ursache oder Kompensation), Parästhesien, Faszikulationen, Tetanie, Herzrhythmusstörungen, Bewusstseinsstörungen

Hyperkalzämie

Hyperkalzämie

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Hyperkalzämie erfolgt nach deren Ursachen. Die Hyperkalzämie ist definiert als (Gesamt-)Serumkalziumspiegel > 2,7 mmol/l. Bei geringer Erhöhung finden sich häufig keine Symptome. Bei starker Erhöhung sind Polyurie bis zur Exsikkose, Polydipsie, Steinbildung in der Niere, Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Herzrhythmusstörungen, Muskelschwäche, psychotische Symptome und Vigilanzstörungen bis hin zum Koma typisch.

Einteilung nach $HyperkalzämieUrsachen:

  • Hormonell:

    • Primärer Hyperparathyreoidismus

    • Vitamin-D-Intoxikation

  • Knochenumbau: Neubildungen incl. paraneoplastischer Syndrome

  • Andere:

    • Sarkoidose

    • Immobilisation

Erhöhte Zufuhr
Erhöhte (unkontrollierte) parenterale Zufuhr: selten
Verminderte Ausscheidung
Erhöhte tubuläre Rückresorption: selten
Störung der Hormonsteuerung
  • Primärer Hyperparathyreoidismus:Hyperparathyreoidismus Knochenschmerzen, rezidivierende Magenulzera, Steinbildung (Kalziumphosphatsteine) in Niere und ableitenden Harnwegen

  • Vitamin A- oder Vitamin D-Überdosierung: wegweisend ist die Anamnese

Knochenumbau
  • Knochentumoren, -metastasen: verstärkte Mobilisierung aus den Knochen (z. B. Mammakarzinom, Plasmozytom); Symptome des Primärtumors, B-Symptome

  • Paraneoplastisches Syndromparaneoplastisches Syndrom (durch Bildung parathormonverwandter Hormone z. B. beim Bronchialkarzinom): Symptome des Primärtumors, B-Symptome

Weitere
  • SarkoidoseSarkoidose (Bildung von Vitamin D in Granulomen): Arthritis, Lymphknotenschwellung, Erythema nodosum, Lungenfibrose

  • Immobilisation: wegweisend ist die Anamnese

Hypokalzämie

Hypokalzämie

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Hypokalzämie erfolgt nach deren Ursachen. Die Hypokalzämie ist definiert als (Gesamt-)Serumkalziumspiegel < 2,2 mmol/l. Typische Symptome sind hypokalzämische Tetanie mit Pfötchenstellung, Parästhesien, Krampfanfällen, Chvostek- und Trousseau-Zeichen.

Einteilung nach $HypokalzämieUrsachen:

  • Aufnahme:

    • Malabsorption

    • Anorexia nervosa

  • Verluste: Diuretika

  • Hormonell:

    • Hypoparathyreoidismus

    • Vitamin-D-Mangel

  • Andere:

    • Pankreatitis

    • Alkoholabusus

Verminderte Zufuhr
  • Malabsorptionssyndrom:Malabsorptionssyndrom Störung der Resorption u. a. durch unterschiedliche Dünndarmerkrankungen oder Durchblutungsstörungen

  • Anorexia nervosa:Anorexia nervosa Untergewicht, Nahrungsverweigerung, Körperschemastörung, Hypokaliämie, Obstipation; häufig Laxanzien- und Diuretikaabusus

Erhöhte Ausscheidung
Diuretikatherapie oder -abusus: wegweisend ist die Anamnese
Störung der Hormonsteuerung
  • Hypoparathyreoidismus:Hypoparathyreoidismus Tetanie, positives Chvostek- und Trousseau-Zeichen; im Laborbefund Kalzium ↓, Phosphat ↑, Parathormon ↓

  • Vitamin-D-Mangel:Vitamin-D-Mangel Knochenweichheit, Knochenschmerzen, Knochenverbiegungen (O-Beine), Muskelschwäche, Neigung zur Tetanie; im Laborbefund Kalzium ↓, AP ↑, Parathormon ↑, Vitamin D3

Weitere
  • Pankreatitis:Pankreatitis gürtelförmige Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, prall-elastische Bauchdecke, Obstipation, paralytischer Ileus

  • Alkoholabusus:Alkoholabusus je nach Menge und Dauer des Konsums Foetor, Verhaltensstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Symptome der Folgeerkrankungen (z. B. Leberzirrhose, Pankreatitis, Polyneuropathie)

Geschlechtsorgane

Skrotalschwellung

Skrotalschwellung

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Skrotalschwellung erfolgt nach skrotalen (in Anlehnung an anatomische Strukturen) und abdominalen Ursachen.

Einteilung nach $SkrotalschwellungUrsachen:

  • Skrotal:

    • Hydrozele

    • Varikozele

    • Spermatozele

    • Neubildungen

    • Epididymitis

    • Hodentorsion

    • Ödem

  • Abdominell: Hernie

Urologische, skrotale Ursachen
  • Hydrozele:Hydrozele schmerzloses prall-elastisches Skrotum, Diaphanoskopie positiv

  • Varikozele:Varikozele schmerzlose Schwellung, weite venöse Gefäße, wurmartige Strukturen

  • Spermatozele:Spermatozele schmerzlose, fluktuierende Schwellung

  • Hodentumor:Hodentumor schmerzlose, langsam an Größe zunehmende Schwellung, regionale Lymphknotenschwellung (paraaortale Lymphknoten), B-Symptome

  • Epididymitis:Epididymitis akuter Beginn, Druckschmerzhaftigkeit, Skrotum oft gerötet, gleichzeitig oft Prostatitis, Prehn-Zeichen positiv (Schmerzlinderung bei Hochlagerung des Skrotums)

  • Hodentorsion:Hodentorsion akuter Beginn, stärkste Schmerzen, Skrotum oft gerötet, betroffene Seite oft hochgezogen, Prehn-Zeichen negativ (keine Schmerzlinderung bei Hochlagerung des Skrotums)

  • Skrotalödem: meist im Rahmen generalisierter Ödeme bei Herzinsuffizienz oder Niereninsuffizienz, selten durch Filarieninfektion

Abdominale, extraabdominale Ursachen
Hernie: Hustenanprall am palpierenden Finger, evtl. Darmgeräusche auskultierbar

Unterbauchschmerzen der Frau

Unterbauchschmerzen

MERKE

Merke

Die Einteilung der Unterbauchschmerzen bei der Frau erfolgt nach gynäkologischen und abdominalen Ursachen.

Einteilung nach $UnterbauchschmerzenUrsachen:

  • Gynäkologisch:

    • Adnexitis

    • Tubenruptur

    • Ovarialumor

    • Ovarialzysten incl. Stieldrehung und Ruptur

  • Abdominal:

    • Appendizitis

    • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

    • Ileus

    • Zystitis

    • Pyelonephritis

    • Urolithiasis

    • Hernie

    • Peritonitis

Gynäkologische Ursachen
  • Adnexitis:Adnexitis Infektion meist während der Menstruation, akute Unterbauchschmerzen, Fieber, gelblich-grünlicher Fluor, Übelkeit und Erbrechen bei Begleitperitonitis, Portioschiebeschmerz

  • TubenrupturTubenruptur durch Extrauteringravidität: plötzlicher, heftiger Schmerz, Schockzeichen, meist sekundäre Amenorrhö

  • Ovarialtumor:Ovarialtumor uncharakteristische Unterbauchschmerzen, Bauchumfangszunahme durch malignen Aszites, Blasenentleerungsstörungen, B-Symptome

  • Ovarialzyste:Ovarialzyste je nach Größe meist keine oder leichte ziehende Schmerzen

  • Stielgedrehte Ovarialzyste: plötzliche, einseitige, heftige Schmerzen, Begleitperitonitis durch Unterbrechung der Blutzufuhr

  • Zystenruptur:Zystenruptur plötzliche, einseitige, heftige Schmerzen

Abdominelle, extraabdominale Ursachen
  • Appendizitis:Appendizitis Schmerzen zunächst im Epigastrium, dann periumbilikal, später im rechten Unterbauch; rektal-axillärer Temperaturunterschied und positive Appendizitiszeichen (Psoas-, Blumberg-, Lanz-, McBurney- und Rovsing-Zeichen)

  • Morbus Crohn:Morbus Crohn schleimig-eitrige Durchfälle, Bauchschmerzen, Stenosesymptomatik, Gewichtsabnahme, Mangelerscheinungen, Entzündungssymptome

  • Colitis ulcerosa:Colitis ulcerosa blutig-schleimige Durchfälle, Tenesmen, Entzündungssymptome

  • Ileus:Ileus je nach Ileusart starke Schmerzen, Wind- und Stuhlverhalt, Meteorismus, Veränderung der Darmgeräusche (hochgestellte oder fehlende Geräusche)

  • ZystitisZystitis, Pyelonephritis:Pyelonephritis bei der Zystitis Dysurie, Algurie, Pollakisurie, ggf. Hämaturie, kein Fieber; im U-Stix pH-Alkalisierung, Nitrit, Leukozyten positiv; bei der Pyelonephritis zusätzlich septische Temperaturen, Rückenschmerzen, im Urinsediment Leukozytenzylinder

  • Urolithiasis:Urolithiasis beim Steinabgang wandernde kolikartige Schmerzen vom Rücken bzw. den Flanken ausgehend, die sich in Unterbauch, Leiste und Genitalien verlagern, häufig Mikro- oder Makrohämaturie

  • Hernie:Hernie Hustenanprall am palpierenden Finger, evtl. Darmgeräusche auskultierbar

  • Peritonitis:Peritonitis akute stärkste Bauchschmerzen, brettharte Bauchdecke, Darmparalyse, systemische Entzündungszeichen, Symptome der Grunderkrankung

Nervensystem

Kopfschmerzen

Kopfschmerzen

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Kopfschmerzen erfolgt nach der gängigen Klassifikation der primären (Tab. 4.12) und sekundären Kopfschmerzen.

Primäre $KopfschmerzenKopfschmerzen:

  • Migräne

  • Cluster-Kopfschmerz

  • Spannungskopfschmerz

Primäre Kopfschmerzen
Kopfschmerzen primäre Tab. 4.12
  • MigräneMigräne

  • Cluster-KopfschmerzCluster-Kopfschmerz

  • SpannungskopfschmerzSpannungskopfschmerz

TABELLE 4.12

Sekundäre Kopfschmerzen:

  • Infektiös/entzündlich:

    • Meningitis

    • Enzephalitis

    • Sinusitis

    • Arteriitis temporalis

    • Otitis media

  • Vaskulär:

    • Subarachnoidalblutung

    • Sinusvenenthrombose

    • Zerebrale Blutung

  • Traumatisch: Schädel-Hirn-Trauma

  • Noxen:

    • Alkohol

    • Stoffwechselgifte

  • Andere:

    • Neubildungen

    • Glaukom

    • Trigeminusneuralgie

    • Hypertonie

    • Analgetikaabusus

Sekundäre Kopfschmerzen
Infektiös bzw. entzündlich
Kopfschmerzen sekundäre
  • Meningitis:Meningitis akut Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, positive Meningendehnungszeichen, Bewusstseinsstörung

  • Enzephalitis:Enzephalitis akut Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, positive Meningendehnungszeichen, Bewusstseinsstörung, neurologische Ausfälle

  • Sinusitis:Sinusitis akut oder subakut Gesichtsschmerzen, Druck- und Klopfempfindlichkeit der betroffenen Sinus, Schnupfen, Eiterstraßen entlang der hinteren Rachenwand

  • Arteriitis temporalis:Arteriitis temporalis subakut Schläfenschmerzen, gerötete, geschwollene und schmerzhafte A. temporalis; im Laborbefund BSG ↑, CRP ↑

  • Otitis media:Otitis media akut Fieber, Tragusdruckschmerz, ggf. Eiterfluss aus dem äußeren Gehörgang; in der Otoskopie entdifferenziertes und vorgewölbtes Trommelfell

Vaskulär
  • Subarachnoidalblutung:Subarachnoidalblutung plötzlich stärkste Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen

  • Sinusvenenthrombose:Sinusvenenthrombose Bewusstseinsstörung, epileptische Anfälle, Protrusio bulbi, evtl. Fieber (bei septischer Thrombose), Hinrnnervenparesen

  • Zerebrale Blutung: akuter Beginn, Halbseitensymptomtik, Bewusstseinsstörung

Traumatisch
Schädel-Hirn-TraumaSchädel-Hirn-Trauma (Commotio, Contusio, Compressio cerebri): Traumaanamnese, Bewusstlosigkeit (evtl. kurz), Nackensteifigkeit, neurologische Ausfälle (Contusio und Compressio)
Noxen
  • Alkohol: wegweisend ist die Anamnese; ggf. Hinweise auf alkoholische Begleiterkrankungen, u. a. Leberfunktionsstörungen, Pankreatitis, Polyneuropathie

  • Stoffwechselgifte: wegweisend ist die Anamnese; Symptome der Primärkrankheit, u. a. Leberzirrhose, Niereninsuffizienz

Weitere
  • HirntumorHirntumor, Metastasen: subakuter Schwankschwindel, Kopfschmerzen, neurologische Ausfälle, Krampfanfälle, Persönlichkeitsveränderungen

  • Glaukom:Glaukom akuter Beginn, meist einseitig, steinharter Bulbus, dilatierte konjunktivale Gefäße, Hornhauttrübung

  • Trigeminusneuralgie:Trigeminusneuralgie einseitige, paroxysmale, einschießende Schmerzen im Versorgungsgebiet des N. trigeminus (v. a. 2. und 3. Ast), druckschmerzhafte Trigeminusdruckpunkte, Auslöser u. a. Kälte, Kauen, Sprechen

  • Arterielle Hypertonie:Hypertonie okzipitale Kopfschmerzen, v. a. am Morgen; wegweisend ist die Blutdruckmessung im Tagesprofil

  • Myogelose (Muskelhartspann):Myogelose tastbare Muskelverhärtung meist im zervikalen Bereich und zervikothorakalen Übergang, Schmerzverstärkung unter Bewegung des Kopfes

  • Analgetika-Kopfschmerzen: wegweisend ist die Anamnese, ggf. andere Symptome des Analgetika-Abusus, z. B. Niereninsuffizienz durch Analgetikanephropathie

Schwindel

Schwindel

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik des Schwindels erfolgt nach dessen Ursachen. Grundsätzlich kann zwischen einem Drehschwindel (rotatorischer Schwindel) und Schwankschwindel unterschieden werden. Die Ursachen des rotatorischen Schwindels sind meist in Innenohr, Vestibulariskernen oder Kleinhirn zu suchen. Begleitet wird dieser von einem Nystagmus und einer Fallneigung. Schwankschwindel kann auf zentrale oder periphere Ursachen zurückgeführt werden.

Einteilung nach $SchwindelUrsachen:

  • Zentral:

    • Neubildungen

    • Multiple Sklerose

    • Meningitis

    • Enzephalitis

    • Alkoholintoxikation

  • Kleinhirn: multiple Sklerose

  • Kardiovaskulär:

    • Orthostatische Regulation

    • Hypotonie

    • Aortenklappenstenose

    • Herzinsuffizienz

  • Visuell: Kinetose

  • Vestibulär: Morbus Menière

  • Psychogen:

    • Phobie

    • Panikattacke

Zentral (zerebral)
  • Hirntumor:Hirntumor subakuter Schwankschwindel, Kopfschmerzen, neurologische Ausfälle, Krampfanfälle, Persönlichkeitsveränderungen

  • Multiple Sklerose:Multiple Sklerose chronischer oder schubweise auftretender Schwankschwindel, Gangunsicherheit, Intentionstremor, neurologische Ausfälle

  • Meningitis, Enzephalitis:MeningitisEnzephalitis Schwankschwindel, Fieber, Nackensteifigkeit mit positiven Meningendehnungszeichen, Krampfanfälle, neurologische Ausfälle (v. a. Enzephalitis)

  • Alkoholintoxikation: diffuser Schwankschwindel, Foetor, Gangunsicherheit, Enthemmung

Kleinhirnursachen
Multiple Sklerose:Multiple Sklerose bei Beteiligung des Kleinhirns Drehschwindel und u. a. Charcot-Trias (skandierende Sprache, Intentionstremor, Ataxie)
Kardiovaskulär
  • Orthostatische Dysregulation: Schwankschwindel, Schwarzwerden vor den Augen, Schweißausbruch, Übelkeit, Erbrechen, Fallneigung, Palpitationen

  • Hypotonie:Hypotonie Schwankschwindel, wegweisend sind niedrige Blutdruckwerte

  • Aortenklappenstenose:Aortenstenose Schwankschwindel, Angina-pectoris-Anfälle, Lungenödem, Synkopen, Hypotonie mit kleiner Blutdruckamplitude

  • Herzinsuffizienz:Herzinsuffizienz Schwankschwindel, Dyspnoe, Asthma cardiale, Zyanose, symmetrische Beinödeme, gestaute Jugularvenen

Visuell
Kinetose:Kinetose Dreh- oder Schwankschwindel, Doppelbilder, Übelkeit, Erbrechen
Vestibulär
Morbus Menière:Morbus Menière anfallsweise auftretender Drehschwindel, Nystagmus, Fallneigung
Psychogen
AngststörungenAngststörung (Phobie, Panikattacken): Schwankschwindel, Angstattacken entweder gerichtet (Phobie) oder ungerichtet (Panikstörung), Verstärkung bei emotionalen Stress, positive psychiatrische Anamnese; Patienten stürzen meist nicht

Störungen des Gangbilds

Gangbildstörungen

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Gangbildstörungen erfolgt nach dem klinischen Bild und der Ursache.

Einteilung nach $Gangbildstörungenklinischem Bild und Ursache:

  • Wernicke-Mann-Gang$Wernicke-Mann-Gang (spastische Hemiparese):

    • Apoplex

    • Blutungen

    • Multiple Sklerose

    • Neubildungen

  • Scherengang:$Scherengang Querschnittslähmung

  • Gebundener Gang: Morbus Parkinson

  • Kleinhirnataxie:

    • Multiple Sklerose

    • Kleinhirnerkrankungen

  • Peroneus-Lähmung: Läsionen des N. peroneus

  • Wernicke-Mann-Gang (spastische Hemiparese, Halbseitenlähmung) HemipareseWernicke-Mann-Gang: Bein gestreckt, Fuß plantarflektiert, Zirkumduktion (das Bein wird halbkreisförmig nach vorne bewegt), Arme nahe am Körper, Ellbogen und Hand gebeugt; Vorkommen bei Apoplex, intrazerebralen Blutungen, multipler Sklerose, Hirntumoren und Metastasen mit Läsionen der Pyramidenbahn; Spastik wegen der Kreuzung der Pyramidenbahn auf der kontralateralen Seite

  • Scherengang (beidseitige Spastik der Beine, spastische Paraplegie):Scherengang kleinschrittiger Gang, Beine überkreuzen sich beim Gehen; Auftreten bei u. a. Querschnittslähmung

  • Gebundener Gang: Anlaufschwierigkeiten, Oberkörper nach vorne geneigt, Schritte kurz, schlurfend, Hypokinesie mit vermindertem Mitschwingen der Arme, Ruhetremor, Rigor; Vorkommen bei Morbus Parkinson

  • Kleinhirnataxie:Kleinhirnataxie schwankender, unsicherer, breitbeiniger Gang mit Fallneigung auch mit offenen Augen; Vorkommen bei multipler Sklerose, Blutungen, Tumoren oder Metastasen im Kleinhirn

  • PeroneuslähmungPeroneuslähmung (Steppergang, Storchengang):Steppergang Dorsalextension des Fußes und der Zehen nicht möglich; Beim Gehen wird der gesamte Fuß angehoben und setzt zunächst mit den Zehen und dann mit der Ferse an; Vorkommen bei Läsion des N. peroneus

Bewusstlosigkeit, Koma

Bewusstlosigkeit Koma

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Bewusstlosigkeit bzw. des Komas erfolgt nach den Ursachen bzw. Organsystemen.

Einteilung nach $Koma$BewusstlosigkeitUrsachen bzw. Organsystemen:

  • Traumatisch: Schädel-Hirn-Trauma

  • Zentral:

    • Blutungen

    • Neubildungen

    • Epilepsie

  • Metabolisch:

    • Blutzuckerentgleisung

    • Hyponatriämie

    • Hypothyreose

    • Hypoxie

    • Hypothermie

    • Hepatisches Koma

    • Urämisches Koma

  • Infektiös:

    • Meningitis

    • Enzephalitis

    • Malaria

    • Typhus

  • Toxisch:

    • Alkohol

    • Drogen

    • Kohlenmonoxid

Traumatisch
Schädel-Hirn-Trauma:Schädel-Hirn-Trauma meist akute Kopfschmerzen (Ausnahme: chronisches subdurales Hämatom), neurologische Ausfälle, Krampfanfälle, Nackensteifigkeit, Anisokorie bei einseitiger Blutung
Zentral
  • Blutungen (epidurale, subdurale, subarachnoidale oder intrazerebral): meist akute Kopfschmerzen (Ausnahme: chronisch subdurales Hämatom), neurologische Ausfälle, Krampfanfälle, Nackensteifigkeit, Anisokorie bei einseitiger Blutung

  • Sinusvenenthrombose:Sinusvenenthrombose Kopfschmerzen, epileptische Anfälle, Protrusio bulbi, evtl. Fieber (bei septischer Thrombose), Hirnnervenparesen

  • Epilepsie:Epilepsie epileptische Anfälle (meist generalisierte tonisch-klonische Anfälle)

  • Hirntumor:Hirntumor subakuter Schwankschwindel, Kopfschmerzen, neurologische Ausfälle, Krampfanfälle, Persönlichkeitsveränderungen

Metabolisch
  • Hypoglykämie:Hypoglykämie schnelle Entwicklung der Symptome, Heißhunger, Tremor, Schweißbildung, feuchte Haut

  • HyperglykämieHyperglykämie (ketoazidotisches bzw. hyperosmolares Koma): langsame Entwicklung der Symptome, Durst, Exsikkosezeichen, Hypotonie

  • Hyponatriämie:Hyponatriämie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Adynamie, Krampfanfälle; wegweisend ist der Laborbefund

  • Hypothyreose:Hypothyreose Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit, depressive Symptome, Hypotonie, Bradykardie, Obstipation, Myxödem

  • Hypothermie:Hypothermie kalte, blasse, zyanotische Haut, Körperkerntemperatur ↓, Hypotonie, Bewusstseinsstörung, Herzrhythmusstörungen, Muskelzittern, Schmerzen

  • Hypoxie:Hypoxie Unruhe, Dyspnoe, Zyanose, Tachykardie, Hypertonie

  • Hepatisches Koma:Komahepatisches Symptome der Leberinsuffizienz, v. a. Ikterus, Foetor hepaticus, Blutungsneigung; im Laborbefund NH3

  • Urämisches Koma:Komaurämisches Symptome der Niereninsuffizienz, v. a. Olig- oder Anurie, Ödeme, Hypertonie, Foetor urämicus; im Laborbefund harnpflichtige Substanzen ↑

Infektiös
  • Meningitis, Enzephalitis:MeningitisEnzephalitis Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit mit positiven Meningendehnungszeichen, Krampfanfälle, neurologische Ausfälle (v. a. Enzephalitis)

  • Malaria:Malaria je nach Malariaart u. a. rhythmisches Fieber mit Schüttelfrost oder unregelmäßiges Fieber, Bauchschmerzen, Milzschwellung, Ikterus, Anämie; wegweisend ist die Anamnese (Reise in Malariagebiete)

  • Typhus:Typhus treppenförmig ansteigendes Fieber, dann Fieberkontinua, starkes Krankheitsgefühl, Hepatosplenomegalie, zunächst Obstipation dann erbsbreiartige Diarrhö

Toxisch
  • Alkohol, Drogen: Kopfschmerzen, Foetor, Gangunsicherheit, Enthemmung, Veränderung der Pupillenweite; wegweisend ist die Anamnese

  • Kohlenmonoxid-Intoxikation:Kohlenmonoxid-Intoxikation Dyspnoe, rosige Gesichtsfarbe (keine Zyanose), Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, Flimmerskotome, Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle

Tremor

Tremor

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik des Tremors erfolgt nach der Tremorart und im Hinblick auf die syndromatische Einteilung. Der Tremor ist durch eine rhythmische unwillkürliche Bewegung gekennzeichnet. Der Tremor kann je nach Frequenz in niederfrequenten 2–4 Hz, mittelfrequenten 4–7 Hz und hochfrequenten über 7 Hz Tremor eingeteilt werden.

Differenzierung nach Tremorart:$Tremor

  • Ruhetremor

  • Aktionstremor:

    • Haltetremor

    • Kinetischer Tremor

    • Intentionstremor

Einteilung nach Syndrom:

  • Physiologischer Tremor

  • Verstärkter physiologischer Tremor

  • Essenzieller Tremor

  • Parkinsontremor

  • Flapping Tremor

  • Zerebellärer Tremor

  • Psychogener Tremor

Einteilung nach Tremorart
Ruhetremor
Ruhetremor
  • Tritt bei vollkommener Muskelentspannung auf und verschwindet zu Beginn oder während einer Muskelbewegung

  • Fein- bis mittelschlägiger Tremor

  • Vor allem bei Morbus Parkinson und sekundären Parkinson-Syndrom-Formen

Aktionstremor
AktionstremorTritt während einer willkürlichen Bewegung auf:
  • HaltetremorHaltetremor (posturaler Tremor): Auftreten bei einer Haltebewegung (tonische Bewegung) gegen die Schwerkraft, z. B. wenn Patient die Arme bis zur Horizontalen nach vorne hebt

  • Kinetischer Tremor: Auftreten während einer Bewegung

  • Intentionstremor:Intentionstremor niederfrequenter Tremor, der mit Zunahme der Amplitude einhergeht, je näher der Proband am Zielobjekt ist; kann ein- oder beidseitig auftreten; Ursachen sind v. a. Kleinhirnerkrankungen, z. B. multiple Sklerose, Kleinhirntumor

Syndromatische Tremoreinteilung
  • Physiologischer Tremor: feinschlägiger Tremor in der Regel nur an den Fingern sichtbar; Ursache ist meist ein erhöhte Sympathikotonus, z. B. bei Angst, Schreck

  • Verstärkt physiologischer Tremor: feinschlägiger Tremor, der v. a. bei Haltebewegung auftritt; mögliche Ursachen sind Stress, Hypoglykämie, Hyperthyreose, Alkoholentzugssyndrom

  • Essenzieller Tremor: mittel- bis feinschlägiger Tremor; zeigt sich bei Haltebewegungen und in Ruhe; betrifft meist beide Hände und Arme und gelegentlich auch den Kopf; bei einem Teil der Patienten ist eine genetische Übertragung (autosomal dominant) bekannt; Besserung des Tremors nach Alkoholkonsum

  • Parkinson-Tremor: mittel- bis feinschlägiger Tremor, der v. a. in Ruhe und als Haltetremor auftritt, unter einer Bewegung nachlässt und häufig asymmetrisch ausgeprägt ist

  • AsterixisAsterixis (Flapping Tremor) = grobschlägiger Tremor bei z. B. Leberzirrhose, Coma hepaticum oder terminaler Niereninsuffizienz

  • Zerebellärer Tremor: grobschlägiger Tremor, der als Intentionstremor bei Kleinhirnerkrankungen auftritt

  • Psychogener Tremor: mittel- bis feinschlägiger Tremor; häufig psychiatrische und psychosomatische Erkrankungen vorhanden; inkonsistenter Tremor, der plötzlich auftritt und auch plötzlich enden kann und bei Ablenkung, z. B. Kopfrechnen, nachlässt

Zentrale und periphere Lähmung

Lähmung

Differenzierung $Lähmungnach zentraler und peripherer Lähmung

MERKE

Merke

Die zentrale und periphere Lähmung wird im Hinblick auf den Läsionsort, Reflexe, Muskeltonus, Muskeltrophik und Klonus differenziert (Tab. 4.13).

TABELLE 4.13

Fazialisparese

Fazialisparese

Differenzierung $Fazialisparesenach peripherer und zentraler Fazialisparese

MERKE

Merke

Die zentrale und periphere Fazialisparese wird im Hinblick auf Ursachen und Symptome differenziert (Tab. 4.14).

TABELLE 4.14

Nervenläsionen

Nervenläsionen

MERKE

Merke

Die häufigsten Nervenläsionen werden im Hinblick auf Ursache und Symptome differenziert.

Einteilung nach $NervenläsionenLäsionsort und Symptomen:

  • N. medianus: Schwurhand

  • N. radialis: Fallhand

  • N. ulnaris: Krallenhand

  • N. peroneus: Steppergang

  • N. gluteus superior: Trendelenburg-Zeichen positiv

Lähmung des N. medianus
Nervus medianus
  • Ursache: meist Karpaltunnelsyndrom mit Einengung des N. medianus im Lig. carpi transversum; Risikofaktoren sind u. a. rheumatoide Arthritis, Hypothyreose, Schwangerschaft, Handverletzungen, Amyloidose

  • Leitsymptom: SchwurhandSchwurhand mit Unfähigkeit die Faust zu ballen, Atrophie der Thenarmuskulatur (Daumenballenkmuskulatur), positives Flaschenzeichen

Lähmung des N. radialis
Nervus radialis
  • Ursache: meist Oberarmbruch, chronischer Druck in der Axilla

  • Leitsymptom: Fallhand,Fallhand wobei weder eine Streckung im Handgelenk noch in den Fingergrundgelenken möglich ist

Lähmung des N. ulnaris
Nervus ulnaris
  • Ursache: direktes Trauma entweder in der Ellenbogenregion oder im Handgelenk

  • Leitsymptome: KrallenhandKrallenhand (Handstellung mit Überstreckung der Fingergrundgelenke und Beugung in den Fingermittel- und Fingerendgelenken), Atrophie der Mm. interossei

Lähmung des N. peroneus
Nervus peroneus
  • Ursache: Druckschädigung im Bereich des Fibulaköpfchens, z. B. durch eine Gipsanlage

  • Leitsymptom: SteppergangSteppergang wegen der Lähmung der Fuß- und Zehenextensoren

Lähmung des N. gluteus superior
Nervus gluteus superior
  • Ursache: am häufigsten durch unsachgemäß durchgeführte intramuskuläre Injektionen

  • Leitsymptom: Teile der Glutealmuskulatur insuffizient → beim Einbeinstand auf der kranken Seite sinkt das Becken auf die gesunde Seite (Trendelenburg-ZeichenTrendelenburg-Zeichen positiv)

Haut

Hautveränderungen bei ausgewählten internistischen Erkrankungen

Hautveränderungen

MERKE

Merke

Nachfolgend werden wichtige internistische Erkrankungen und deren kutane Begleitsymptome aufgelistet.

Ausgewählte internistische Erkrankungen, die mit Hautveränderungen einhergehen:

  • Diabetes mellitus

  • Cushing-Syndrom

  • Hypo-, Hyperthyreose

  • Leberzirrhose

  • Morbus Addison

  • Polycythaemia vera

  • Leukämie, Lymphome

  • Niereninsuffizienz

  • Pharmakanebenwirkungen

  • Diabetes mellitus:Diabetes mellitus Gesichtsröte, diabetisches Ulkus an den druckbelasteten Fußstellen (Malum perforans), Follikulitis, Erysipel, Candidose, Necrobiosis lipoidica, diabetische Blasenbildung, Pruritus; Polyurie, Polydipsie, Symptome der Mikro- und Makroangiopathie; im Laborbefund Glukose und HbA1c

  • Cushing-Syndrom:Cushing-Syndrom dünne, verletzliche Haut, Teleangiektasien, Purpura, Hirsutismus, Striae, Steroidakne, Fettumverteilung (Stammfettsucht), Mondgesicht, Gesichtsröte, Hypertonie, diabetische Stoffwechsellage, rezidivierende Infekte

  • Hyperthyreose:Hyperthyreose Haarausfall, dünne Haare, prätibiales Ödem, generalisierter Pruritus, Hyperhidrosis

  • Hypothyreose:Hypothyreose trockene Haut, generalisiertes Myxödem, trocken-stumpfe Haare

  • Leberzirrhose:Leberzirrhose Spider naevi, Palmar-, Plantarerythem, Bauchglatze, weibliches Behaarungsmuster, Lackzunge, Lacklippen, Ikterus, selten Caput medusae

  • Morbus Addison:Morbus Addison diffuser Haarausfall, diffuse Hyperpigmentierung mit Verstärkung in den Handlinien

  • Polycythaemia vera:Polycythaemia vera Juckreiz (besonders nach warmen Bädern), Plethora

  • LeukämieLeukämie, Lymphom:Lymphom Juckreiz unklarer Ursache

  • Niereninsuffizienz:Niereninsuffizienz Juckreiz, Kratzexkoriationen, grau-blasse Haut, Café-au-lait-Flecken

  • Weitere: Arzneimittelreaktionen (wegweisend ist die Medikamentenanamnese), psychogene Ursachen (Verstärkung unter Belastungssituationen)

Juckreiz

Juckreiz

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik des Juckreizes erfolgt nach Haut- und internistischen Erkrankungen.

Einteilung nach $JuckreizHaut- und internistischen Erkrankungen:

  • Hauterkrankungen:

    • Neurodermitis

    • Urtikaria

    • Exsikkationsekzem

    • Infektionen, u. a. Skabies

  • Internistische Erkrankungen:

    • Leukämien

    • Lymphome

    • Polycythaemia vera

    • Diabetes mellitus

    • Cholestase

    • Urämie

Hauterkrankungen
  • Neurodermitis:Neurodermitis entzündliche Rötungen, nässende und stark juckende Areale in den Beugeseiten der Extremitäten, chronischer Verlauf; multiple Unverträglichkeiten, IgE ↑, trockene Haut, Kratzexkoriationen

  • Urtikaria:Urtikaria flüchtige, erhabene und stark juckende papulöse Erscheinungen auf unterschiedliche Reize (z. B. Allergene, Kälte, Wärme, Druck), die nach Stunden wieder verschwinden

  • Exsikkationsekzem:Exsikkationsekzem trockene, schuppende Haut; Symptome der Exsikkose, u. a. stehende Hautfalten, trockene Schleimhäute

  • Parasitäre Infektionen, z. B. Skabies:Skabies Juckreiz v. a. in der Nacht. Prädilektionsstellen sind Schwimmhäute der Hände und Füße, vordere Axilla, Mammae, Genitalregion

Internistische Erkrankungen
  • Akute und chronische Leukämie:Leukämie Anämie, petechiale Blutungen durch Thrombopenie, Infektanfälligkeit, ggf. Milz- und Lymphknotenschwellung

  • Lymphom:Lymphom Lymphknoten- und Milzschwellung, Anämie, Infektanfälligkeit, B-Symptome

  • Polycythaemia vera:Polycythaemia vera Gesichts- und Extremitätenrötung, Juckreiz v. a. bei Wärme; im Laborbefund Erythrozyten ↑, Hämatokrit ↑, Hämoglobin ↑, Leukozyten ↑, Thrombozyten ↑, BSG ↓

  • Diabetes mellitus:Diabetes mellitus Polyurie, Polydipsie, hohe Blutzuckerwerte; je nach Dauer der Erkrankung Symptome der Makro- und Mikroangiopathie

  • Cholestase:Cholestase Ikterus, ggf. Fieber, Symptome der Leberinsuffizienz und des Gallensteinleidens

  • Urämie:Urämie Symptome der Niereninsuffizienz (Oligurie, Anurie, renale Anämie, Osteopathie, Hypertonie, urämischer Geruch, metabolische Azidose, Ödeme)

Exantheme bei dermatologischen Erkrankungen

Exanthem

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Exantheme bei dermatologischen Erkrankungen erfolgt nach dem morphologischen Bild.

Makulöse, makulopapulöse Exantheme
  • Infektionskrankrankheiten: Masern, Röteln, Mononukleose, Röteln, HIV, Lues Stadium I

  • Arzneimittelexantheme: unterschiedliche Befunde, mit oder ohne Juckreiz, häufig von den Extremitäten auf den Stamm übergreifend; wegweisend ist die Medikamentenanamnese

  • Kollagenosen:

    • Systemischer Lupus erythematodes:Lupus erythematodes symmetrische Beteiligung der kleinen Gelenke, in der Regel ohne deren Zerstörung; typische andere Hautzeichen sind eine Sonnenunverträglichkeit und häufig ein Schmetterlingserythem; im Laborbefund ANA und RF meist positiv

    • Dermatomyositis:Dermatomyositis Muskelschmerzen, Muskelschwäche der proximalen Muskulatur, symmetrische Beteiligung der Haut, v. a. der periorbitalen Region als livide Rötung und Schwelung („Lilakrankheit“) und des Dekolletees

Einteilung nach$Exanthem morphologischem Bild:

  • Makulös, makulopapulös:

    • Infektionskrankheiten

    • Arzneimittelexanthem

    • SLE

    • Dermatomyositis

  • Papulös:

    • Lichen ruber

    • Sarkoidose

  • Vesikulär, bullös:

    • Infektionskrankheiten

    • Dermatitis herpetiformis Duhring

    • Pemphiguserkrankungen

  • Urtikariell:

    • Urtikaria

    • Arzneimittelexanthem

  • Makulosquamös:

    • Toxisches Ekzem

    • Infektionskrankheiten

    • Psoriasis

Papulöse Exantheme
  • Lichen ruberLichen ruber (Knötchenflechte):Knötchenflechte chronischer Verlauf mit Bildung von entzündlichen Papeln und Plaques, v. a. in den Beugeseiten der Extremitäten; weißliche, nicht abwischbare Streifung (Wickham-Streifung), starker Juckreiz

  • Sarkoidose:Sarkoidose Multisystemerkrankungen mit Granulombildung; typische Erscheinung als Erythema nodosum, das mit roten, schmerzhaften Papeln oder Knoten, v. a. an den Schienbeinen zu finden ist

Vesikuläre, bullöse Exantheme
  • Infektionskrankheiten: u. a. Varizellen, Herpes simplex, Herpes zoster

  • Dermatitis herpetiformis Duhring:Dermatitis herpetiformis Duhring chronischer Verlauf mit Bildung von herpetiform angeordneten Blasen, v. a. an den Streckseiten der Extremitäten; Korrelation mit Jodallergie und glutensensitiven Enteropathie

  • Pemphigus vulgaris:Pemphigus vulgaris schlaffe, schmerzhafte Blasen auf entzündlichem Grund an Haut- und Schleimhäuten, positives Nikolski-Phänomen

  • Bullöses Pemphigoid:Pemphigoid chronischer Verlauf mit meist symmetrischer Bildung straffer Blasen

Urtikarielle Exantheme
  • Urtikaria:Urtikaria unterschiedlich große, z. T. konfluierende, stark juckende Herde; veränderlich Lokalisation; bei systemischer Mastzelldegranulation Symptome des anaphylaktischen Schocks

  • Arzneimittelexanthem: unterschiedliche Befunde, mit oder ohne Juckreiz, häufig von den Extremitäten auf den Stamm übergreifend; wegweisend ist die Medikamentenanamnese

Makulosquamöse Exantheme
  • Toxisches Ekzem: dosisabhängige Reaktion hervor, die sofort auftritt und mit der Zeit nachlässt (Decrescendo-Reaktion); Symptome sind Rötung → Bläschen und Erosionen → Kruste

  • Infektionskrankheiten: Pityriasis rosea, Lues Stadium II

  • Psoriasis:Psoriasis scharf begrenzte, entzündliche Rötung mit silbrig glänzender Schuppung (erythemato-squamöse Herde) unterschiedlicher Größe; Prädilektionsstellen: häufig Streckseiten, okzipitaler Haaransatz, Sakrum und in der Gesäßfalte; Nagelveränderungen: Ölflecke, Tüpfel-, Krümelnägel; Kerzenwachsphänomen, Phänomen des letzten Häutchen, Auspitz-Phänomen, Köbner-Phänomen (isomorpher Reizeffekt)

Malignes Melanom, Naevus

malignes Melanom Nävus

Differenzierung nach$Naevus$malignes Melanom der ADCDE-Regel

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik des malignen Melanoms und des Naevus' erfolgt nach der ABCDE-RegelABCDE-Regel (Tab. 4.15).

TABELLE 4.15

Erkrankungen der Nägel

Nägel Erkrankungen

Einteilung nach der $NägelErkrankungenArt der Nagelveränderung

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Erkrankungen der Nägel erfolgt nach der Art der Nagelveränderung, deren möglichen Ursachen und Symptomen (Tab. 4.16).

Sinnesorgane

Augenschmerzen

Augenschmerzen

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Augenschmerzen erfolgt nach den okulären und extraokulären Ursachen.

Einteilung nach $Augenschmerzenokulären und extraokulären Ursachen:

  • Okuläre Ursachen:

    • Glaukom

    • Infektion

    • Trauma

  • Extraokuläre Ursachen: Arteriitis temporalis

Okuläre Ursachen
  • GlaukomGlaukomanfall: akuter Beginn, in der Regel einseitiger, steinharter Bulbus, Mydriasis, lichtstarre Pupille

  • Infektion (v. a. Konjunktivitis, Keratitis, Iritis): akute Entzündungszeichen (Rötung, Schwellung, eingeschränkte Sehschärfe), Fieber, Fremdkörper- und Blendungsgefühl

  • Trauma: wegweisend ist die Anamnese, u. U. okuläre oder periokuläre Blutungen (Monokel- oder Brillenhämatom)

Extraokuläre Ursachen
Arteriitis Arteriitis temporalistemporalis: einseitiger Schmerz, A. temporalis gerötet, geschwollen und druckdolent, Sturzsenkung

Ptosis

Ptosis

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Ptosis erfolgt nach den Ursachen. Unter Ptosis versteht man das Herabhängen des Oberlids.

Einteilung nach $PtosisUrsachen:

  • Angeboren

  • Horner-Syndrom: Ptosis, Miosis, Enophthalmus

  • Okulomotoriusparese

  • Myasthenia gravis

  • Angeboren: meist beidseitig vorhanden, Kopf in Reklinationsstellung, ausgeprägtes Stirnrunzeln

  • Horner-SyndromHorner-Syndrom: Miosis, Ptosis, Enophthalmus; Ursache ist meist die Läsion des sympathischen Ganglion stellatum in Höhe des 1. Rippenköpfchens; Auftreten u. a. beim Pancoast-Tumor oder Schilddrüsenkarzinom

  • OkulomotoriuspareseOkulomotoriusparese: einseitig, begleitende Mydriasis (Anisokorie), lichtstarre Pupille

  • Myasthenia Myasthenia gravisgravis: meist beidseitig, Verschlechterung gegen Abend oder nach längeren Anstrengungen (z. B. konzentriertes Lesen), chronischer Verlauf

Lidschwellung

Lidschwellung

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Lidschwellung erfolgt nach den Ursachen.

Einteilung nach $LidschwellungUrsachen:

  • Entzündlich:

    • Hordeolum

    • Chalazion

    • Abszess

    • Orbitaphlegmone

  • Nicht-entzündlich:

    • Allergie

    • Ödem (renal, kardial, Quincke)

    • Hormonell

    • Trauma

    • Kollagenosen

Entzündliche Ursachen
  • HordeolumHordeolum: akute Staphylokokkeninfektion, schmerzhafte Lidschwellung mit Rötung, Schmerzen, gelblicher Eiterhof

  • LidabszessLidabszess: prallharte Lidschwellung, verengte Lidspalte, Schmerzen und andere lokale Entzündungszeichen

  • ChalazionChalazion: schmerzlose Schwellung, Talgdrüsenretention, wenig entzündliche Symptome

  • OrbitalphlegmoneOrbitalphlegmone: pralle Schwellung der Lider und Umgebung, Augenbeweglichkeit eingeschränkt, starke lokale und systemische Entzündungszeichen

Nicht-entzündliche Ursachen
  • Allergisch: Schwellung, Schmerzen, Rötung, Schuppung, Juckreiz; begleitend seröse Rhinitis, Juckreiz am Gaumen, evtl. Asthma-Anfall

  • Ödeme Ödem

    • Renale Ödeme: Lidödeme am stärksten am Morgen, graues Hautkolorit, Anstieg der harnpflichtigen Substanzen

    • Kardiale Ödeme: Lidödeme nach Bettruhe rückläufig

    • Quincke-Ödem: teigige Lid- und Gesichtsschwellung nach Allergenexposition

  • Hormonell: bei Hypothyreose als Myxödem, bei Morbus Basedow und Exophthalmus als Schwellung besonders der lateralen Lidanteile

  • Trauma: nach Schädel-Hirn-Trauma, Bulbuskontusion oder Insektenstichen

  • Kollagenosen: DermatomyositisDermatomyositis mit Schwellung der Lider und livider periorbitaler Verfärbung

Augenbeteiligung bei internistischen Erkrankungen

Augenbeteiligung

MERKE

Merke

Nachfolgend werden wichtige internistische Erkrankungen und deren okuläre Begleitsymptome aufgeführt.

$AugenbeteiligungAugenbeteiligung bei internistischen Erkrankungen:

  • Hypertonie

  • Diabetes mellitus

  • Fettstoffwechselstörungen

  • Morbus Wilson

  • Morbus Basedow

  • Rheumatische Erkrankungen

  • HypertonieHypertonie: in der Augenhintergrunduntersuchung geschlängelte Arterien, Kaliberschwankungen, punktförmige Netzhautblutungen, geschwollene Papille, Cotton-Wool-Herde; Blutdruck ↑

  • Diabetes Diabetes mellitusmellitus: in der Augenhintergrunduntersuchung Gefäßneubildungen an der Iris, Blutungen an der Netzhaut, Glaskörperblutungen, Ablatio retinae, Cataracta diabetica (grauer Star), Symptome der Mikro- und Makroangiopathie; im Laborbefund HbA1c ↑,

  • FettstoffwechselstörungFettstoffwechselstörung: Xanthelasmen an den Lidern, Arcus senilis; im Laborbefund Cholesterin ↑, Triglyzeride ↑

  • Morbus Morbus WilsonWilson: Kayser-Fleischer-Ring (bräunlich-grüner Ring an der Kornea, der durch Kupferablagerung entsteht); im Laborbefund Coeruloplasmin ↓, Kupferausscheidung im Urin ↑

  • Morbus Morbus BasedowBasedow: Exophthalmus, Glanzauge, seltener Lidschlag, Konvergenzschwäche, eingeschränkte Bulbusbeweglichkeit, Hyperthyreosesymptome

  • Rheumatische Erkrankungen: Iritis (Morbus Morbus BechterewBechterew, rheumatoide rheumatoide ArthritisArthritis), Konjunktivitis (Reiter-Syndrom),Reiter-Syndrom Papillenödem und Papillenischämie (Arteriitis Arteriitis temporalistemporalis)

Visusverlust

Visusverlust

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik des Visusverlusts erfolgt nach dessen Verlauf.

Akuter Visusverlust
  • Trauma: wegweisend ist die Anamnese; begleitend u. U. Monokel-, Brillenhämatom oder konjunktivale Blutung

  • ZentralarterienverschlussZentralarterienverschluss: schmerzloser Visusverlust, meist einseitig, Pupillenstarre, häufig anamnestisch arteriosklerotische Erkrankungen oder Erkrankungen der Mitralklappe

  • Zentralvenenverschluss:Zentralvenenverschluss schmerzloser Visusverlust, meist einseitig, häufig bei Polycythaemia vera oder anderen Erkrankungen mit Thromboseneigung

Einteilung nach $VisusverlustVerlauf:

  • Akuter Visusverlust:

    • Trauma

    • Zentralarterienverschluss

    • Venenverschluss

    • Netzhautablösung

    • Glaskörperblutung

    • Glaukom

    • Arteriitis temporalis

  • Chronischer Visusverlust:

    • Optikusatrophie

    • Optikusneuritis

    • Stauungspapille

    • Katarakt

    • Aderhautmelanom

    • Makuladegeneration

    • Diabetes mellitus

  • NetzhautablösungAblatio retinaeNetzhautablösung: schmerzloser Visusverlust, Rußregen, aufsteigende Mauer von unten, Vorhang von oben

  • GlaskörperblutungGlaskörperblutung: schmerzloser Visusverlust, häufig bei Diabetes mellitus oder Makuladegeneration

  • Akutes GlaukomGlaukom: starke Schmerzen, Mydriasis, hochrotes Auge, Bulbus palpatorisch steinhart

  • Arteriitis Arteriitis temporalistemporalis: schmerzlose Erblindung, Schmerzen beim Kauen, druckschmerzhafte Arterie, Sturzsenkung, Assoziation mit Polymyalgia rheumatica

Chronischer Visusverlust
  • OptikusatrophieOptikusatrophie: Kompression durch Tumor, Glaukom, toxische Ursachen, Ischämie; Symptome abhängig von der Primärkrankheit

  • OptikusneuritisOptikusneuritis: subakut über Stunden bis Tage, v. a. bei multipler Sklerose

  • StauungspapilleStauungspapille: Begleitsymptom bei Hirndrucksteigerung

  • KataraktKatarakt: schmerzloser Visusverlust, „Schleier vor Augen“, Lichtempfindlichkeit

  • AderhautmelanomAderhautmelanom: Symptome der Ablatio retinae durch Vernarbungsprozesse in Bereich des Tumorwachstums

  • MakuladegenerationMakuladegeneration: schmerzloser Visusverlust, graue Schleier im Blickzentrum, meist keine komplette Blindheit

  • Diabetes Diabetes mellitusmellitus: in der Augenhintergrunduntersuchung Gefäßneubildungen an der Iris, Blutungen an der Netzhaut, Glaskörperblutungen, Ablatio retinae, Cataracta diabetica, Symptome der Mikro- und Makroangiopathie; im Laborbefund HbA1c

Miosis

Miosis

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Miosis (enge Pupillen) erfolgt nach deren Ursachen.

Einteilung nach $MiosisUrsachen:

  • Physiologisch:

    • Lichteinfall

    • Parasympathikusaktivierung

  • Neurologisch:

    • Horner-Syndrom

    • Meningitis

    • Sinus-cavernosus-Thrombose

  • Pharmakologisch:

    • Opiate

    • Narkotika

    • Pilocarpin

  • Entzündlich: Argyll-Robertson-Pupille

Physiologisch
  • Lichteinfall: reflektorische Kontraktion des M. sphincter pupillae an beiden Augen

  • Parasympathikusaktivierung (Ruhebedingungen): reflektorische Kontraktion des M. sphincter pupillae

Neurologisch
  • Horner-SyndromHorner-Syndrom: Miosis, Ptosis und Enophthalmus durch Schädigung der sympathischen Ganglien, die das Auge versorgen; Ursachen u. a. Pancoast-Tumor, Schilddrüsenkarzinom

  • Sinus-cavernosus-ThromboseSinus-cavernosus-Thrombose: Bewusstseinsstörung, Protrusio bulbi, epileptische Anfälle, Hirnnervenausfälle, evtl. Fieber (bei septischen Formen)

  • MeningitisMeningitis: typisch sind Fieber, Kopfschmerzen, positive Meningendehnungszeichen; im Laborbefund Entzündungszeichen ↑; bei Meningokokkenmeningitis petechiale Blutungen (Waterhouse-Friederichsen-Syndrom)

Pharmakologisch
  • Opiate, Narkotika: wegweisend ist die Anamnese, bei Bewusstlosigkeit die Fremdanamnese oder Asservate

  • Pilokarpin: positive Glaukomanamnese

Entzündlich
Argyll-Robertson-PupilleArgyll-Robertson-Pupille: beidseitige, meist asymmetrische Miosis mit fehlender Lichtmiosis, aber erhaltener Naheinstellungsreaktion, entrundete Pupillen möglich; bei Neurolues, Neuroborreliose, multipler Sklerose

Mydriasis

Mydriasis

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Mydriasis (weite Pupillen) erfolgt nach deren Ursachen.

Physiologisch
  • Dunkelheit: reflektorische Aktivierung des M. dilatator pupillae

  • Sympathikusaktivierung (Schreck, Angst, Erregung, Stress): reflektorische Aktivierung des M. dilatator pupillae

Neurologisch
  • Koma:Koma Bewusstlosigkeit, fehlende Reaktion auf Schmerzreize

  • MigräneMigräne: meist einseitiger Kopfschmerz, Blässe, Übelkeit, Erbrechen; episodisches Auftreten

Einteilung nach $MydriasisUrsachen:

  • Physiologisch:

    • Dunkelheit

    • Sympathikusaktivierung

  • Neurologisch:

    • Koma

    • Migräne

  • Pharmakologisch:

    • Atropin

    • Trizyklische Antidepressiva

    • Drogen (Kokain, LSD, Amphetamine)

  • Andere:

    • Glaukom

    • Trauma

Pharmakologisch
  • Atropin, trizyklische Antidepressiva: lichtstarre Pupillen, keine Naheinstellung; wegweisend ist die Medikamentenanamnese

  • Drogen (Kokain, LSD, Amphetamine): lichtstarre Pupillen, träge Pupillenreaktion, keine Naheinstellung; Hypertonie, Tachykardie, Tremor, epileptische Anfälle, Hyperthermie, Unruhe, Delir; wegweisend ist die Anamnese

Weitere
  • GlaukomGlaukomanfall: plötzliche Augen- und Kopfschmerzen, weite konjunktivale Gefäße, steinharter Bulbus

  • Trauma: wegweisend ist die Anamnese; begleitend u. U. Monokel-, Brillenhämatom oder konjunktivale Blutung

  • OptikusatrophieOptikusatrophie: Kompression durch Tumor, Glaukom, toxische Ursachen, Ischämie; Symptome abhängig von der Primärkrankheit

Anisokorie

Anisokorie

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Anisokorie erfolgt nach deren Ursachen. Unter Anisokorie versteht man eine seitendifferente Pupillenweite.

Einteilung nach $AnisokorieUrsachen:

  • Angeboren

  • Augenerkrankungen:

    • Glaukomanfall

    • Iritis

  • Neurologisch:

    • Horner-Syndrom

    • Okulomotoriusparese

Angeboren
Seltene Störung, die meist keinen Krankheitswert hat
Erkrankungen des Auges
  • Akuter GlaukomGlaukomanfall: plötzliche Augen- und Kopfschmerzen, weite konjunktivale Gefäße, steinharter Bulbus

  • IritisIritis: Lichtscheu, konjunktivale Gefäßdilatation, Schmerzen; häufig Assoziation mit rheumatischen Erkrankungen, u. a. Morbus Bechterew

ZNS-Erkrankungen und Erkrankungen der peripheren Nerven
  • Horner-Syndrom:Horner-Syndrom Miosis, Ptosis und Enophthalmus durch Schädigung der sympathischen Ganglien, die das Auge versorgen; Ursachen u. a. Pancoast-Tumor, Schilddrüsenkarzinom

  • OkulomotoriuspareseOkulomotoriusparese durch einseitige Hämatome innerhalb der Schädelhöhle (z. B. epi- oder subdurale Blutung), Neubildungen (Tumoren, Metastasen) oder Botulismus

Ohrenschmerzen

Ohrenschmerzen

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Ohrenschmerzen erfolgt nach deren Ursachen.

Einteilung nach $OhrenschmerzenUrsachen:

  • Lokal-entzündlich:

    • Gehörgangsfurunkel

    • Otitis externa

    • Otitis media

    • Mastoiditis

    • Zoster oticus

  • Trauma:

    • Fraktur

    • Knalltrauma

  • Fortgeleiteter Schmerz:

    • Parotitis

    • Angina tonsillaris

    • Sinusitis

Lokal entzündlich
  • GehörgangsfurunkelGehörgangsfurunkel: akute, lokale Schmerzen und andere Entzündungssymptome im Gehörgang, evtl. sichtbares Furunkel

  • Otitis Otitis externaexterna: akute Schmerzen im Gehörgang, Eiterexsudation

  • Otitis Otitis mediamedia: akuter Beginn mit Fieber, hochrotes, vorgewölbtes Trommelfell mit Paukenerguss, eitriges Sekret nach Trommelfellperforation, Schwerhörigkeit

  • MastoiditisMastoiditis: Symptome der Otitis media, entzündlich verändertes Mastoid; im Laborbefund systemische Entzündungszeichen ↑

  • Herpes Herpes zosterzoster: Bläschenbildung im Bereich der Ohrmuschel und des Gehörgangs

Trauma
  • KnalltraumaKnall- oder Explosionstrauma: wegweisend ist die Anamnese

  • Fraktur: wegweisend ist die Anamnese

Fortgeleiteter Schmerz
  • ParotitisParotitis: meist einseitige Parotisschwellung, Schmerzen beim Kauen

  • Angina Anginatonsillaristonsillaris: hochroter Rachen und Tonsillen mit eitrigen Belägen, Fieber

  • MyogeloseMyogelose (Muskelhartspann):Muskelhartspann tastbare Muskelverhärtung im meist zervikalen Bereich und zervikothorakalen Übergang, Schmerzverstärkung bei Bewegung des Kopfes

  • SinusitisSinusitis: akute oder subakute Gesichtsschmerzen, Druck- und Klopfempfindlichkeit der betroffenen Sinus, Schnupfen, Eiterstraßen entlang der hinteren Rachenwand

Schwerhörigkeit

Schwerhörigkeit

MERKE

Merke

Die Schwerhörigkeit kann eingeteilt werden in:

  • Schallleitungsschwerhörigkeit: Die Schallübertragung zum Innenohr ist behindert. Das äußere Ohr und das Mittelohr sind an der Schallweiterleitung beteiligt. Krankhafte Prozesse in diesen beiden Abschnitten führen zur Schallleitungsschwerhörigkeit.

  • Schallempfindungsschwerhörigkeit: Sie ist auf Erkrankungen des Innenohrs oder des VIII. Hirnnerven zurückzuführen. Die Hörminderung ist zunächst meist bei höheren Frequenzen feststellbar.

Die Diagnostik erfolgt mit Weber- und Rinne-Versuch.

Einteilung nach$Schwerhörigkeit anatomischen Strukturen:

  • Schallleitungsschwerhörigkeit$Schallleitungsschwerhörigkeit (äußeres und Mittelohr):

    • Ohrschmalz

    • Trommelfellverletzung

    • Otitis media

    • Paukenerguss

    • Otosklerose

  • Schallempfindungsschwerhörigkeit$Schallempfindungsschwerhörigkeit (Innenohr, Hörbahn):

    • Hörsturz

    • Morbus Menière

    • Lärmbelastung

    • Pharmakanebenwirkung

    • Akustikusneurinom

Schallleitungsschwerhörigkeit
Schallleitungsschwerhörigkeit
  • Ohrenschmalz oder andere Fremdkörper im äußeren Gehörgang: wegweisend ist die Otoskopie

  • Verletzungen oder Veränderung des Trommelfells: wegweisend ist die Otoskopie

  • Tubenbelüftungsstörung durch u. a. adenoide Vegetationen, allergische Ursachen: neben der Schwerhörigkeit Symptome der Primärkrankheit

  • Otitis Otitis mediamedia: akuter Beginn mit Fieber, hochrotes, vorgewölbtes Trommelfell mit Paukenerguss, eitriges Sekret nach Trommelfellperforation

  • OtoskleroseOtosklerose: Fixierung der Steigbügelplatte am ovalen Fenster, Tinnitus

  • Unterbrechung der gelenkigen Verbindung zwischen Hammer, Amboss und Steigbügel durch z. B. Knalltrauma oder mechanisches Trauma

Schallempfindungsschwerhörigkeit
  • Morbus Morbus MenièreMenière: anfallsartiger Drehschwindel, Fallneigung, Nystagmus

  • HörsturzHörsturz: Schwerhörigkeit und Druck auf dem betroffenen Ohr

  • Andauernde Lärmbelastung (Kopfhörer, regelmäßige Disco-Besuche): wegweisend ist die Anamnese

  • Altersbedingte Degeneration der Sinneszellen; betroffen ist zunächst der Hochtonbereich, später auch der Sprachbereich

  • Medikamentennebenwirkung, u. a. Furosemid oder Aminoglykoside: wegweisend ist die Medikamentenanamnese

  • AkustikusneurinomAkustikusneurinom: Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Tinnitus, Hirnnervenausfälle (v. a. VII und VIII)

Tinnitus

Tinnitus

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik des Tinnitus erfolgt nach dessen Ursachen. Der Tinnitus ist eine Geräuschwahrnehmung ohne Schallquelle gekennzeichnet.

Einteilung nach $TinnitusUrsachen:

  • Otogen:

    • Lärmbelastung

    • Morbus Menière

    • Otosklerose

    • Otitis media

  • Vaskulär:

    • Hypotonie

    • Hypertonie

    • Polycythaemia vera

    • Anämie

  • Trauma: Schädel-Hirn-Trauma

  • Neubildungen: Akustikusneurinom

  • Toxisch:

    • Alkohol

    • Kohlenmonoxid

    • Pharmakanebenwirkung

  • Muskulär: Myogelosen

  • Psychogen

Otogen
  • LärmschwerhörigkeitLärmschwerhörigkeit: wegweisend sind Berufs- und Freizeitanamnese

  • Morbus Morbus MenièreMenière: anfallsartiger Drehschwindel, Fallneigung, Nystagmus

  • Otitis Otitis mediamedia: akuter Beginn mit Fieber, hochrotes, vorgewölbtes Trommelfell mit Paukenerguss, eitriges Sekret nach Trommelfellperforation

  • OtoskleroseOtosklerose: Schwerhörigkeit durch Fixierung der Steigbügelplatte am ovalen Fenster, Tinnitus

Vaskulär
  • HypertonieHypertonie: okzipitale Kopfschmerzen, v. a. am Morgen; objektivierbar durch Blutdruckmessung

  • HypotonieHypotonie: Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen, Kollapsneigung, Müdigkeit; objektivierbar durch Blutdruckmessung

  • AnämieAnämie: Müdigkeit, Schwäche, Blässe, Belastungsdyspnoe, evtl. funktionelles Herzgeräusch; im Laborbefund Hämatokrit ↓, Hämoglobin ↓, Erythrozyten ↓

  • Polycythaemia Polycythaemia veravera: Gesichtsrötung (Plethora), Juckreiz, Hypertonie; im Laborbefund Erythrozyten ↑, Hämatokrit ↑, Hämoglobin ↑, Leukozyten ↑, Thrombozyten ↑, BSG ↓

Traumatisch
Schädel-Hirn-Schädel-Hirn-TraumaTrauma: Traumaanamnese, Bewusstlosigkeit (evtl. kurz), Nackensteifigkeit, neurologische Ausfälle v. a. bei der Contusio und Compressio cerebri
Neoplastisch
AkustikusneurinomAkustikusneurinom: Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Tinnitus, Hirnnervenausfälle (v. a. VII und VIII)
Toxisch
  • Alkohol: wegweisend sind die Anamnese und ggf. Hinweise auf alkoholische Begleiterkrankungen, u. a. Leberfunktionsstörungen, Pankreatitis, Polyneuropathie

  • Kohlenmonoxid-Intoxikation: Dyspnoe, rosige Kohlenmonoxid-IntoxikationGesichtsfarbe (keine Zyanose), Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, Flimmerskotome, Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle

  • Medikamentennebenwirkung: wegweisend ist die Medikamentenanamnese

Muskulär
Chronische Verspannung: tastbarer muskulärer Hartspann, lokale Schmerzhaftigkeit der Muskulatur
Psychogen
Stress: Verstärkung der Symptome bei Belastungssituationen

Psychiatrie

Demenz

Demenz

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik der Demenz erfolgt nach den Ursachen. Unter Demenz werden Erkrankungen des Gehirns zusammengefasst, die mit einem Verlust der kognitiven Fähigkeiten einhergehen.

Einteilung nach $DemenzUrsachen:

  • Vaskulär: Morbus Binswanger

  • Infektiös:

    • HIV

    • Tuberkulose

    • Neurosyphilis

    • Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung

  • Neubildungen

  • Endokrin/metabolisch:

    • Hypothyreose

    • Wernicke-Korsakow-Syndrom

    • Vitamin-B12-Mangel

    • Hypoxie

  • Toxisch:

    • Alkohol

    • Drogenintoxikation

    • Pharmakanebenwirkung

  • Traumatisch:

    • Subdurales Hämatom

    • Chronische Kopftraumen

  • Andere: Morbus Alzheimer

Vaskulär
Morbus Binswanger:Morbus Binswanger durch Arteriosklerose bedingte Erkrankung, die zu vorübergehenden oder bleibenden kognitiven Defiziten führen kann; schubweiser Verlauf, Affektlabilität mit depressiver Stimmung, Reizbarkeit, paranoide Züge, Gedächtnisstörungen meist in späteren Stadien
Infektiös
  • HIV-Infektion:HIV-Infektion Lymphknotenschwellungen, rezidivierende Infekte mit opportunistischen Erregern, Diarrhö, Furunkel, Juckreiz; wegweisend ist der serologische Nachweis

  • Tuberkulose:Tuberkulose chronischer Husten, evtl. blutiges Sputum, B-Symptome; wegweisend ist der Bakteriennachweis (Kultur, PCR) aus Sputum, Magensaft oder – je nach Organmanifestation – aus anderen Körpersäften

  • Neurosyphilis:Neurosyphilis neurologische Ausfälle, psychotische Zustände, Schmerzsymptome; wegweisend ist der serologische Nachweis

  • Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung:Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung seltene Erkrankung, die meist familiär auftritt; rasche Ausbildung von Demenzsymptomen und neurologische Störungen in Form von u. a. Ataxie oder Spastik

Neoplastisch
Tumoren, Metastasen: neurologische Ausfälle (Hirndruckzeichen, z. B. Kopfschmerzen, Erbrechen im Schwall, Sensibilitätsstörungen, motorische Ausfälle), B-Symptome, bei Metastasen Symptome des Primärtumors
Endokrin, metabolisch
  • Hypothyreose:Hypothyreose Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit, depressive Symptome, Hypotonie, Herzfrequenz ↓, Obstipation, Myxödem; im Laborbefund TSH ↑, fT3 und fT4

  • Wernicke-Korsakow-SyndromWernicke-Korsakow-Syndrom (Vitamin-B1-Mangel): Merkfähigkeitsstörung, Orientierungsstörung, Konfabulationen, Störung der Okulomotorik, Ataxie, Bewusstseinsveränderungen, Lähmungen, Areflexie

  • Vitamin-B12-Mangel:Vitamin-B12-Mangel Symptome der Polyneuropathie, megaloblastäre Anämie, Demenzsymptome

  • Hypoxie:Hypoxie Unruhe, Dyspnoe, Zyanose, Tachykardie, Hypertonie

Toxisch
  • Alkohol, Drogen, Medikamente: wegweisend sind die anamnestische Angaben

  • Chemikalien: wegweisend ist die Anamnese u. a. zu Beruf und Freizeitverhalten

Traumatisch
  • Chronisches subdurales Hämatom:subdurales Hämatom Kopfschmerzen (meist gut lokalisierbar), morgendliches Erbrechen im Schwall, Sensibilitätsstörungen, motorische Ausfälle, epileptische Anfälle

  • Chronisch-rezidivierende Traumen, z. B. bei Boxern: wegweisend ist die Anamnese zu beruflichen und Freizeitaktivitäten

Weitere
Morbus Alzheimer:Morbus Alzheimer schleichender Beginn, Merkfähigkeits-, Orientierungsstörung, Verlust der Urteilsfähigkeit; Ursache unklar

Depression und Demenz

Depression Demenz

Differenzierung nach$Demenz$Depression Beginn und Symptomatik

MERKE

Merke

Die Differenzialdiagnostik von Depression und Demenz (vom Alzheimer-Typ) erfolgt im Hinblick auf Beginn und Symptome (Tab. 4.17).

TABELLE 4.17

Infektionskrankheiten

Exantheme

Exanthem

Differenzierung im $ExanthemHinblick auf Erkrankungsart und Besonderheiten

MERKE

Merke

Die Differenzierung von Exanthemen bei Infektionskrankheiten erfolgt im Hinblick auf die Art der Erkrankung und Besonderheiten (Tab. 4.18).

Rachenbefunde bei Infektionskrankheiten

Rachenbefund

Differenzierung nach$Rachenbefund Erregerart bzw. Erkrankung

MERKE

Merke

Rachenbefunde bei Infektionskrankheiten werden nach Erregerart bzw. Erkrankung differenziert (Tab. 4.19).

TABELLE 4.19

Lernzielkontrolle

  • Nennen Sie 8 Ursachen für lumbosakrale Rückenschmerzen!

  • Nennen Sie 5 Ursachen für Kniegelenkschmerzen!

  • Bei welchen Erkrankungen wird eine symmetrische Beteiligung der kleinen Gelenke beobachtet? Welche Gelenkbeteiligungen sind für das rheumatische Fieber und die Gicht typisch?

  • Nennen Sie 10 Ursachen für Thoraxschmerzen!

  • Welche Herzgeräusche kennen Sie? Wie werden sie eingeteilt?

  • Wie können Herzrhythmusstörungen klassifiziert werden? Welche Ursachen kommen bei bradykarden und tachykarden Herzrhythmusstörungen in Betracht? Was sind Extrasystolen? Wann haben Extrasystolen einen Krankheitswert?

  • Nennen Sie 5 Ursachen für eine Synkope!

  • Wie werden Ödeme klassifiziert? Nennen Sie Charakteristika der Ödeme im Hinblick auf Beschaffenheit, Eindrückbarkeit, Verteilung im Körper und Begleitsymptome bei Rechtsherzinsuffizienz, Phlebothrombose, Erysipel, nephrotischem Syndrom, Myx- und Lipödem!

  • Welche Ursachen kann ein Ulcus cruris haben? Wie unterscheiden sich arterielle von venösen und diabetischen Ulzera?

  • Nennen Sie 5 Ursachen für eine Extremitätenrötung!

  • Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede finden sich bei der Thrombophlebitis und der TVT sowie der pAVK und dem akuten arteriellen Verschluss?

  • Differenzieren Sie das Schockgeschehen im Hinblick auf Ursachen und Symptome!

  • Nennen Sie je 5 Ursachen der Dyspnoe und Zyanose! Was ist kennzeichnend für die zentrale und periphere Zyanose?

  • Nennen Sie Charakteristika des Sputums im Hinblick auf Farbe, Menge und Beschaffenheit bei Asthma bronchiale, Lobärpneumonie, Bronchiektasen, Lungenödem, Bronchialkarzinom!

  • Nennen Sie 5 Ursachen des blutigen Sputums!

  • Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede finden sich beim Pseudokrupp und der Epiglottitis?

  • Nennen Sie 5 Ursachen des Pleuraergusses! Was unterscheidet sich ein Transsudat von einem Exsudat?

  • Nennen Sie 5 Ursachen für Dysphagie!

  • Bei welchen Erkrankungen tritt Erbrechen auf? Auf welche Erkrankungen weist Erbrechen ohne Übelkeit hin?

  • Nennen Sie je 6 Ursachen für Diarrhö und Obstipation!

  • Differenzieren Sie das akute Abdomen nach Lokalisation des Schmerzes und deren Ursachen!

  • Welche Ursachen kommen für blutiges Erbrechen in Betracht?

  • Nennen Sie je 5 Ursachen für Blut im Stuhl und Teerstuhl! Wie entsteht Teerstuhl?

  • Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede finden sich beim paralytischen und mechanischen Ileus?

  • Nennen Sie Ikterusarten! Welche Stuhl- und Urinveränderungen treten bei den jeweiligen Ikterusarten auf? Welche Veränderungen des indirekten und direkten Bilirubins sowie des Urobilinogens sind für die jeweiligen Ikterusarten typisch?

  • Welche Aszitesursachen sind Ihnen bekannt?

  • Nennen Sie 5 wichtige Ursachen der Adipositas!

  • Nennen Sie 10 Ursachen von Fieber! Welche Fieberverläufe sind Ihnen bekannt?

  • Welche Ursachen kommen bei Blutungsneigung in Betracht? Wann finden sich petechiale und wann großflächige Blutungen?

  • Welche Anämie kommt am ehesten in Betracht bei folgender Laborkonstellation: Erythrozyten ↓, Hämatokrit ↓, Hämoglobin ↓, MCV ↓, MCH ↓, Ferritin ↑, Transferrin ↓?

  • Nennen Sie Ursachen für normozytäre, normochrome Anämien und makrozytäre, hyperchrome Anämien!

  • Nennen Sie 5 Ursachen der Milzvergrößerung!

  • Nennen Sie Ursachen der Lymphknotenschwellung!

  • Welche Ursachen und Symptome finden sich jeweils beim Coma diabeticum und hypoglykämischen Schock?

  • Nennen Sie 5 Ursachen einer Schilddrüsenvergrößerung!

  • Nennen Sie je 5 Ursachen der Anurie und Polyurie!

  • Nennen Sie prä-, intra- und postrenale Ursachen der Hämaturie!

  • Differenzieren Sie Azidosen und Alkalosen im Hinblick auf respiratorische und metabolische Ursachen, Symptome und Kompensationsmechanismen!

  • Nennen Sie Ursachen für eine Hypokaliämie und Hyperkaliämie!

  • Nennen Sie Ursachen für eine Hypokalzämie und Hyperkalzämie!

  • Nennen Sie skrotale und abdominale Ursachen der Skrotalschwellung!

  • Nennen Sie gynäkologische und abdominale Ursachen für Unterbauschmerzen bei der Frau!

  • Nennen Sie Ursachen und Charakteristika von Kopfschmerzen unter Berücksichtigung der Einteilung in primäre und sekundäre Formen!

  • Nennen Sie 5 Ursachen von Schwindel!

  • Welche Gangstörungen sind Ihnen bekannt?

  • Nennen Sie Ursachen der Bewusstlosigkeit!

  • Welche Tremorarten sind Ihnen bekannt?

  • Differenzieren Sie zwischen der zentralen und peripheren Lähmung im Hinblick auf den Läsionsort und die Symptome!

  • Differenzieren Sie zwischen der zentralen und peripheren Fazialisparese im Hinblick auf den Läsionsort und Symptome!

  • Welche Läsionen der peripheren Nerven kennen Sie?

  • Nennen Sie 7 internistische Erkrankungen, die Hautsymptome aufweisen, und charakterisieren Sie diese!

  • Welche internistischen und Hauterkrankungen werden von Juckreiz begleitet?

  • Differenzieren Sie zwischen dem malignen Melanom und einem Naevus nach der ABCDE-Regel!

  • Nennen Sie 5 Nagelveränderungen und die dazugehörigen Ursachen!

  • Nennen Sie Ursachen für makulopapulöse, vesikulär/bullöse und makulosquamöse Exantheme!

  • Nennen Sie je 5 Ursachen von Augenschmerzen und Ptosis!

  • Nennen Sie 5 Ursachen der Lidschwellung unter Berücksichtigung der Einteilung in entzündliche und nicht-entzündliche Ursachen!

  • Differenzieren Sie zwischen akutem und chronischem Visusverlust unter Berücksichtigung der Ursachen!

  • Nennen Sie Ursachen für Miosis, Mydriasis und Anisokorie!

  • Nennen Sie 5 Ursachen der Ohrschmerzen!

  • Differenzieren Sie die Schwerhörigkeiten unter Berücksichtigung der Einteilung in Schallleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeit!

  • Welche Ursachen für Tinnitus kennen Sie?

  • Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede finden sich bei der Demenz und Depression?

  • Differenzieren Sie Exantheme bei Infektionskrankheiten im Hinblick auf Lokalisation, Aussehen, Verlauf, Ausdehnung und Besonderheiten!

  • Differenzieren Sie unterschiedliche Rachenbefunde bei Infektionskrankheiten!

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