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B978-3-437-58795-5.00007-2

10.1016/B978-3-437-58795-5.00007-2

978-3-437-58795-5

Abb. 7.1

[V153]

Monovetten® (Firma Sarstedt)

Abb. 7.2

[J787]

Vacutainer®

Abb. 7.3

[E426]

Schüttelschaum bei Proteinurie

Basisgrößen des SI-Systems

Tab. 7.1
Größe Basiseinheit Symbol
Länge Meter m
Masse Kilogramm kg
Zeit Sekunden Sek.
Elektrische Stromstärke Ampère A
Temperatur Kelvin, Celsius K, °C
Lichtintensität Candela cd
Stoffmenge oder Substanzmenge Mol mol

Vorsilben bei Maßeinheiten

Tab. 7.2
Vorsilbe Symbol/Abkürzung Faktor
dezi- d 10−1
zenti- c 10−2
milli- m 10−3
mikro- μ 10−6
nano- n 10−9
pico- p 10−12
femto- f 10−15

Ursachen veränderter Erythrozytenindizes

Tab. 7.3
MCV ± (normozytär)
MCH ± (normochrom)
MCV ↓ (mikrozytär)
MCH↓ (hypochrom)
MCV ↑ (makrozytär)
MCH ↑ (hyperchrom)
RDW
  • Akute Blutung

  • Renale Anämie durch Niereninsuffizienz und Erythropoetinmangel

  • Hämolytische Anämie

  • Aplastische Anämie

  • Eisenmangelanämie durch geringe Zufuhr, geringe Resorption, erhöhte Verluste und erhöhten Bedarf an Eisen

  • Anämie bei chronischen Erkrankungen

  • Thalassämie

  • Vitamin-B12-Mangel und/oder Mangel an Intrinsic-Faktor

  • Folsäuremangel

  • Alkoholabusus

  • Myelodysplastisches Syndrom

RDW:
  • Anämien

  • Osteomyelofibrose

  • Infektionen

RDW:
  • Knochenmarkerkrankungen

  • Autoimmunerkrankungen

Normwerte und Abweichungen vom Normwert bei der Durchführung des oralen Glukosetoleranztests.

Tab. 7.4
Stadium Nüchtern-Glukose im venösen Plasma Gelegenheitsglukose Oraler-Glukosetoleranztest
Normal < 100 mg/dl 2 Std.-Wert < 140 mg/dl
Pathologische Glukosetoleranz > 100 mg/dl und
< 126 mg/dl
2 Std.-Wert > 140 mg/dl < 200 mg/dl
Manifester Diabetes > 126 mg/dl > 200 mg/dl 2 Std.-Wert > 200 mg/dl

TumormarkerTumormarker und Ursachen für deren Erhöhung

Tab. 7.5
Tumormarker ↑ Ursachen
CEA
  • Kolon-, Pankreas-, Mamma-, Bronchialkarzinom

  • Entzündungen von Leber, Pankreas, Magen, Darm, Lunge

  • Nikotinabusus

CA 125
  • Ovarialkarzinom

  • Leberzirrhose, Pankreatitis, Peritonitis

  • Endometriose

CA 19–9
  • Pankreas-, Gallengangs-, Magen-, Kolonkarzinom

  • Cholestase, akute Pankreatitis

PSA
  • Prostatakarzinom

  • Manipulationen an der Prostata, rektale Untersuchung in den letzten 2 Tagen vor Bestimmung, Hyperplasie der Prostata, Prostatitis

AFP
  • Leberzellkarzinom, Keimzelltumoren (Hodentumor, Ovarialkarzinom)

  • Virale Hepatitis, Leberzirrhose

  • Schwangerschaft, Neugeborene

HCG
  • Keimzelltumoren (Hodentumor, Ovarialkarzinom)

  • Physiologisch in der Schwangerschaft

NSE
  • Kleinzelliges Bronchialkarzinom, Neuroblastome

  • Bronchopneumonie, Lungenfibrose

Veränderungen von Laborparametern, Stuhl- und Urinfarbe bei den IkterusLaborIkterusarten

Tab. 7.6
Prähepatischer Ikterus Intrahepatischer Ikterus Posthepatischer Ikterus
Ursachen Hämolyse, Myolyse Lebererkrankungen Gallenwegserkrankungen
Indirektes Bilirubin (Serum)
Direktes Bilirubin (Serum)
Urinfarbe Normal Dunkler Bierbraun
Urobilinogen (Urin)
Bilirubin (Urin)
Stuhlfarbe Normal Normal bis heller Hell (acholisch)
Andere Parameter
  • Haptoglobin ↓

  • Retikulozyten ⇈

  • LDH ↑

  • GPT ⇈

  • GOT ⇈

  • γ-GT ↑

  • AP ↑

  • GPT ↑

  • GOT ↑

  • γ-GT ⇈

  • AP ⇈

Juckreiz Kaum oder nicht vorhanden Mäßig Stark

Störungen der Diurese und Miktion und mögliche UrsachenOligurieAnuriePolyurieNykturiePollakisurie

Tab. 7.7
Urinmenge ml/Tag Ursachen
Oligurie < 400
  • Dehydratation

  • Nierenerkrankungen

  • Erkrankungen der ableitenden Harnwege

Anurie < 100
  • Dehydratation

  • Nierenerkrankungen

  • Erkrankungen der ableitenden Harnwege

Polyurie > 2500
  • Nierenerkrankungen

  • Stoffwechselerkrankungen

  • ADH-Mangel

Nykturie Nächtliches Wasserlassen mit normaler Urinmenge
  • Herzinsuffizienz

  • Nierenerkrankungen

  • Prostataerkrankungen

Pollakisurie Häufiges Wasserlassen in kleinen Portionen bei unveränderter Tagesmenge
  • Harnwegsinfekte

  • Blasentumoren

Veränderungen der UrinfarbeUrinfarbe und mögliche Ursachen

Tab. 7.8
Urinfarbe Interpretation
Hell bis farblos
  • Hohe Trinkmenge

  • Diabetes insipidus

Dunkelgelb
  • Geringe Trinkmenge

  • Schwitzen

  • Fieber

Graue Trübung Pyurie durch Beimengung von Eiweiß, Leukozyten, Bakterien
Rotfärbung
  • Blutbeimengung: Einnahme von Antikoagulanzien, Glomerulonephritis, Nephrolithiasis, Karzinome, Zystitis, Kontamination mit Menstrualblut

  • Nahrungsmittel wie rote Bete, Medikamente

Braunfärbung
  • Lebererkrankungen

  • Gallenwegserkrankungen

Schaumentwicklung
  • Proteinurie

  • Bilirubinausscheidung bei brauner Verfärbung des Schaums

Veränderungen des Uringeruchs und mögliche Ursachen

Tab. 7.9
Geruch Interpretation
Obstartig Ketonurie (z. B. bei Diabetes mellitus, Fastenkuren)
Nach Ammoniak Infektionen der Harnwege und bakterielle Zersetzung von Harnstoff
Nach Nahrungsmitteln Genuss von Spargel, Zwiebel, Knoblauch, tropischen Früchten
Nach bitteren Mandeln Intoxikation mit Zyaniden
Mäuseartig Phenylketonurie

Normwerte Sedimentuntersuchung des Urins

Tab. 7.10
Parameter Referenzwerte
Erythrozyten Bis 2 pro Gesichtsfeld
Leukozyten Bis 5 Pro Gesichtsfeld
Epithelien Vereinzelt Plattenepithelien
Kristalle Vereinzelt
Zylinder (zylinderartige Ausgüsse, die in den Nierentubuli entstehen) Vereinzelt hyaline Zylinder (bestehen aus Mukoproteinen; finden sich auch bei Gesunden)

Pathologische Befunde in der SedimentuntersuchungZylinderErythrozytenzylinderLeukozytenzylinderEpithelzylinderWachszylinder

Tab. 7.11
Parameter Pathologische Befunde
Erythrozyten
  • Glomerulonephritis (mit dysformen Erythrozyten)

  • Tumoren der Niere und ableitenden Harnwege

  • Nieren- und Blasensteine

Leukozyten
  • Zystitis

  • Pyelonephritis

  • Prostatitis

Epithelien Übergangsepithelien: Tumoren und entzündliche Reaktionen in den ableitenden Harnwegen
Nieren- oder Tubulusepithelien
  • Pyelonephritis

  • Akutes Nierenversagen

  • Steinleiden

Kristalle
  • Hinweise auf ein Steinleiden

  • Man unterscheidet u. a. Urat-, Kalziumoxalat-, Ammonium-Magnesium-Phosphat- oder Kalziumkarbonat-Kristalle

Zylinder (zylinderartige Ausgüsse, die in den Nierentubuli entstehen)
  • Erythrozytenzylinder: Aggregate aus Erythrozyten; Hinweis auf Glomerulonephritis

  • Leukozytenzylinder: Aggregate aus Leukozyten; Hinweis auf Pyelonephritis

  • Epithelzylinder: Aggregation aus Tubuluszellen bei Glomerulonephritis, nephrotischem Syndrom, Pyelonephritis, nach akutem Nierenversagen

  • Wachszylinder: Aggregate aus v. a. Plasmaproteinen und einem geringen Anteil von Tubulusepithelien; Hinweis auf massive Nierenschädigung, v. a. bei diabetischer Nephropathie, nephrotischem Syndrom und chronisch parenchymatösen Erkrankungen

Labor

Lernziele

  • Kenntnisse über die in der Präanalytik vorhandenen Einfluss- und Störgrößen und die Auswirkungen auf die Laborbefunde.

  • Kenntnisse über die physiologische Bedeutung von Kalium sowie Ursachen und Symptome der Hyper- und Hypokaliämie.

  • Fähigkeit zur Unterscheidung zwischen dem kleinen und großen Blutbild.

  • Kenntnisse über die Definition des Hämatokrits und Hämoglobins, Normwerte und Ursachen für erhöhte und erniedrigte Hämatokrit- und Hämoglobinwerte.

  • Kenntnisse über die physiologische Bedeutung, Normwerte und Ursachen für erhöhte und erniedrigte Erythrozytenzahlen inklusive der Erythrozytenindizes MCV, MCH und die Interpretation deren Veränderungen.

  • Kenntnisse über die die physiologische Bedeutung der Leukozyten, Normwerte und Ursachen der Leukozytose und Leukopenie.

  • Kenntnisse über die physiologische Bedeutung der neutrophilen Granulozyten, Normwerte und Ursachen der Neutrophilie, Neutropenie, Agranulozytose und Linksverschiebung.

  • Kenntnisse über die physiologische Bedeutung der Thrombozyten, Normwerte und Ursachen für Thrombozytose und Thrombopenie.

  • Benennung der Laborparameter des Eisenhaushalts, deren physiologische Bedeutung und Ursachen der Erhöhung und Erniedrigung im Blut.

  • Benennung der Normwerte des Quick-Wertes bzw. des INR-Wertes und Ursachen für die Abweichungen vom Normwert.

  • Kenntnisse über die physiologische Bedeutung und pathologische Abweichungen der Albumine und γ-Globuline.

  • Benennung der Fettstoffwechselparameter und der Ursachen für die Abweichung vom Normwert. Beschreibung der Folgekrankheiten, die mit hohen Cholesterinwerten assoziiert sind.

  • Kenntnisse über den Glukosestoffwechsel und die damit zusammenhängenden Laborparameter Glukose und HbA1c mit Benennung der Normwerte.

  • Kenntnisse über die Durchführung des oGTT und die Kontraindikationen.

  • Kenntnisse über die physiologische Bedeutung, Normwerte, beschleunigte, verlangsamte und Sturzsenkung.

  • Kenntnisse über die physiologische Bedeutung des CRP und Veränderungen bei bakteriellen und viralen Infekten.

  • Kenntnisse über die Indikation zur Bestimmung von Tumorfaktoren.

  • Benennung der Parameter, die der Leberdiagnostik dienen, unter Berücksichtigung der Einteilung in Syntheseparameter, Transaminasen/Transferasen und Cholestaseparameter.

  • Kenntnisse über die Laborparameter, die der Pankreasdiagnostik dienen.

  • Kenntnisse über die physiologische Bedeutung des Kreatinins und Ursachen für eine Kreatinin-Erhöhung.

  • Kenntnisse über die physiologische Bedeutung des Harnstoffs und der Harnsäure und Ursachen für die Harnstoff- und Harnsäureerhöhung und -erniedrigung.

  • Kenntnisse über Parameter, die der Herzinfarktdiagnostik dienen.

  • Kenntnisse über die physiologische Bedeutung von TSH, T3 und T4 und Benennung der Ursachen für deren Erhöhung und Erniedrigung.

  • Benennung der Laborparameter, die der Beurteilung des Knochenstoffwechsels dienen.

  • Benennung von Laborparametern, die Hinweise auf einen chronischen Alkoholkonsum geben.

  • Fähigkeit zur Urinuntersuchung mit Beurteilung von Farbe, Geruch, Menge, Drei-Gläser-Probe und Interpretation der Befunde

  • Fähigkeit zur Durchführung einer Urin-Schnelltestuntersuchung und sichere Interpretation der Befunde.

  • Benennung der Normwerte und die jeweiligen Veränderungen der Sedimentuntersuchung des Urins.

  • Fähigkeit zur Durchführung eines Tests auf okkultes Blut und sichere Interpretation der Befunde.

Präanalytik

Präanalytik

Die $PräanalytikPräanalytik umfasst alle Prozesse vor der eigentlichen Laboranalyse. Folgende Faktoren können das Ergebnis beeinflussen:

  • Einflussgrößen: Geschlecht, Alter, Körpergewicht, Ernährungsgewohnheiten, Alkohol, Nikotin, Pharmaka, starke körperliche Aktivität

  • Störgrößen: extrakorporale Hämolyse durch lange Stauung, zu dünne Nadel, starke Aspiration, inadäquate Lagerung (zu lange, zu kalt zu warm, zu lange Transportzeit), nicht ausreichend befüllte Röhrchen

Laboruntersuchungen sollen v. a. der Aufdeckung von Risikofaktoren und der Bestätigung oder dem Ausschluss von Diagnosen bzw. Krankheiten dienen. Ferner sollen sie Prognosen und den Verlauf einer Erkrankung anzeigen.
Die Präanalytik umfasst alle Prozesse, die vor der eigentlichen Laboranalyse ablaufen. Dabei gibt es eine Reihe von Faktoren, die das Ergebnis beeinflussen. Sie werden als Störgrößen und Einflussgrößen bezeichnet. Zu den Einflussgrößen zählen z. B. Geschlecht, Alter, Rasse, also Größen, die nur zum Teil oder gar nicht beeinflussbar sind. Störgrößen sind In-vitro-Vorgänge, die mit dem formalen Ablauf der Blutentnahme, der Lagerung des Materials oder dem zeitgerechten Versand zusammenhängen.
Einflussgrößen
PräanalytikEinflussgrößenZu den wichtigsten Einflussgrößen zählen:
  • Geschlecht: Bei einigen Parametern findet man unterschiedliche Referenzwerte für Männer und Frauen. Sie betreffen v. a. Kreatinin, Blutbildparameter, Harnsäure und Geschlechtshormone. Die Referenzwerte für Kreatinin, Blutbildparameter, Harnsäure sind bei Frauen niedriger angesetzt, bei Östrogen und Progesteron dagegen höher, während bei Männern der Testosteronwert höher liegt und auch der Referenzbereich höher angesiedelt ist.

  • Alter: Das Alter spielt bei körperlichen Funktionen eine große Rolle. Diese spiegeln sich in den Referenzwerten wieder, u. a. bei Gesamt- und LDL-Cholesterin, das mit zunehmendem Alter steigt und daher auch höhere Referenzwerte hat. Weiterhin können Unterschiede bei der alkalischen Phosphatase gesehen werden; im Wachstumsalter und bei starkem Knochenwachstum sind die Referenzwerte deutlich höher als im fortgeschrittenen Alter. Die Referenzwerte für Hormone sind ebenfalls altersabhängig; im geschlechtsreifen Alter sind die Referenzwerte höher anzusiedeln als im Senium.

  • Genetische Einflüsse: Sie sind unabänderliche Variablen. Sie sind bei den Blutgruppen oder der genetisch bedingten geringeren Aktivität der Alkoholdehydrogenase bei Japanern und Chinesen zu beobachten.

  • Körpergewicht: Die Zunahme des Körpergewichts führt zum Anstieg von Triglyzeriden, Gesamtcholesterin, Harnsäure, Kortisol und Insulin.

  • Ernährungsgewohnheiten: Je nach Zusammensetzung der Ernährung können unterschiedliche Parameter Erhöhungen oder Erniedrigungen zeigen:

    • Eiweißreiche Ernährung führt zum Anstieg von Albumin, Harnstoff, Harnsäure, Transaminasen und Ammoniak.

    • Kohlenhydratreiche Ernährung führt zum Anstieg von Triglyzeriden.

    • Fasten führt zum Abfall von Albuminen, γ-GT und Triglyzeriden, während Harnsäure und Kreatinin steigen.

  • Nikotin: Bei Nikotinkonsum steigen u. a. Kortisol, Aldosteron, Adrenalin und CRP.

  • Alkohol: Chronischer Alkoholkonsum führt zum Anstieg von γ-GT, GOT, GPT, MCV und CDT und zum Abfall von Vitaminen, v. a. Folsäure und Vitamin B12.

  • Zirkadiane Rhythmik: Einige Parameter, v. a. Kortisol, zeigen im starke Schwankungen im Tagesverlauf. Den niedrigsten Wert erreicht das Hormon um Mitternacht, den höchsten in den frühen Morgenstunden.

  • Starke körperliche Aktivität: Sie hat eine Flüssigkeitsverschiebung von den Gefäßen in den interstitiellen Raum zur Folge und damit einen Einfluss auf die korpuskulären Bestandteile des Bluts und große Proteine wie Immunglobuline und LDL und führt zum Anstieg dieser Parameter. Mikroläsionen von Muskeln führen zum Anstieg von CK, LDH und GOT.

  • Pharmaka: Sie haben einen z. T. großen Einfluss auf die Laborwerte. Von Pharmakon zu Pharmakon sind die Wirkungen unterschiedlich. So kann z. B. eine Erhöhung der Transaminasen u. a. bei Einnahme von ASS, Kontrazeptiva, Valproinsäure oder Amiodaron kommen.

Störgrößen
PräanalytikStörgrößenStörfaktoren entstehen während oder nach der Blutentnahme. Sie führen zu falsch positiven (hohen) oder negativen (niedrigen) Werten. Zu den wichtigen Störgrößen zählen:
  • Extrakorporale Hämolyse: Sie entsteht durch lange Stauung, eine zu dünne Nadel (kleiner als Nr. 12), starke Aspiration oder inadäquate Lagerung (zu lange, zu kalt, zu warm, zu lange Transportzeit). Kalium, LDH, GOT und Magnesium werden falsch hoch gemessen, während Hämoglobin, Hämatokrit und Zellzahl falsch niedrig gemessen werden.

  • Nicht ausreichend befülltes Röhrchen bei der Bestimmung des Quick-Werts und der PTT. Ist zu wenig Blut im Röhrchen, verschiebt sich das Verhältnis zwischen Blut und Zitrat. Das Ergebnis sind falsch niedrige Quick-Werte und falsch hohe PTT-Werte.

Reagenzien

Reagenzien

$ReagenzienBlutröhrchen$Blutröhrchen sind mit unterschiedlichen Zusätzen versehen. Sie sollten in folgender Reihenfolge entnommen werden:

  • 1.

    Serum

  • 2.

    Zitrat-Plasma

  • 3.

    Heparin-Blut

  • 4.

    EDTA-Blut

  • 5.

    NaF-Plasma

  • 6.

    BSG-Röhrchen

Für die Blutuntersuchung werden unterschiedliche Röhrchen in der Regel vom Labor gestellt. Diese BlutröhrchenBlutröhrchen sind mit unterschiedlichen Zusätzen versehen. Im Praxisalltag sollte man genaue Kenntnisse über die unterschiedlichen Zusätze haben, um Fehlerquellen zu eliminieren. Die Röhrchen sollten nicht geöffnet werden und eine Umfüllung des Bluts sollte vermieden werden. Zu den gängigen Röhrchen zählen, die auch in diese Reihenfolge abgenommen werden sollten:
  • 1.

    Serum-Röhrchen:Serum-Röhrchen Sie beinhalten einen Gerinnungsaktivator. Aus dem Serum-Röhrchen können sehr viele Parameter bestimmt werden, u. a. Leberenzyme, harnpflichtige Substanzen, Herzenzyme, Elektrolyte und Antikörper.

  • 2.

    Zitrat-Plasma-Röhrchen:Zitrat-Plasma-Röhrchen Gepuffertes Zitrat bindet Kalzium und ist gerinnungshemmend. Die Zitrat-Röhrchen werden für Gerinnungsuntersuchungen verwendet, z. B. Quick und PTT. Die Röhrchen müssen exakt mit Blut befüllt werden, ansonsten ist eine zuverlässige Gerinnungsdiagnostik nicht möglich.

  • 3.

    Heparin-Röhrchen:Heparin-Röhrchen Sie enthalten Heparin als Natrium-, Kalium oder Lithiumsalz. Dieses Röhrchen ist für die Bestimmung von Spurenelementen wie z. B. Blei, Cadmium, Kupfer, Selen oder Quecksilber geeignet.

  • 4.

    EDTA-Röhrchen:EDTA-Röhrchen EDTA (Ethylendiamidtetraacetat) wirkt gerinnungshemmend. Dieses Röhrchen eignet sich für ein Blutbild oder auch HbA1c.

  • 5.

    Natriumfluorid (NaF)-Röhrchen:Natriumfluorid-Röhrchen Natriumfluorid wirkt als Antikoagulans und hemmt die Glykolyse. Es ist geeignet, um die Blutzuckerspiegel zu bestimmen.

  • 6.

    BSG-Röhrchen: Es beinhaltet Natriumcitrat als gerinnungshemmenden Stoff. Dieses Röhrchen muss exakt mit Blut befüllt werden, weil eine zuverlässige BSG-Bestimmung sonst nicht möglich ist.

Abnahmesysteme

Abnahmesysteme

$AbnahmesystemeZu den wichtigsten Abnahmesystemen zählen:

  • Aspirationssystem

  • Unterdrucksystem

Zu den Blutentnahmesystemen, die am häufigsten verwendet werden zählen das Aspirationssystem (z. B. Monovetten®, Firma Sarstedt) und das Unterdrucksystem (z. B. Vacutainer®, Firma Becton-Dickinson) (Abb. 7.1, Abb. 7.2).
Das AspirationssystemAspirationssystem ist ein Ventilsystem, das dem Aufbau nach einer Spritze entspricht. Es besteht aus einer Kanüle, einem Adapter und den Blutröhrchen, die an den Adapter angebracht werden. Durch Herausziehen des Stempels am Blutröhrchen entsteht ein Unterdruck, sodass sich dieses mit Blut füllt. Fakultativ kann eine Butterflykanüle über einen Adapter angebracht werden. Die Röhrchen tragen unterschiedliche Farben, je nachdem, welche Zusätze sie beinhalten.

ABBILDUNG 7.1

Das UnterdrucksystemUnterdrucksystem besteht aus einer Kanüle, einem Halter und dem BD Vacutainer®-Röhrchen. Das Röhrchen hat ein vordefiniertes Vakuum für ein sehr genaues Füllvolumen. Zur Befüllung werden die Röhrchen in den Halter nacheinander eingebracht. Die Füllung erfolgt dann automatisch.

ABBILDUNG 7.2

Blutentnahme

Kurz-Anamnese, Technik der Blutabnahme, Fehlerquellen bei der Blutentnahme 6.7

Interpretation der Befunde

Labor Interpretation der Befunde

  • $LaborInterpretation der BefundeLaborbefunde liefern Informationen über den Ist-Zustand

  • Abweichungen vom Normwert müssen noch keine Erkrankung anzeigen

  • Normale Werte schließen eine Erkrankung nicht immer aus

Laborbefunde liefern in den meisten Fällen Informationen über den Ist-Zustand und geben in der Regel keine Auskünfte über einen Verlauf.
Werte, die von der Normabweichen, werden in den meisten Fällen mit „+“ (für Erhöhung) und „-“ (für Erniedrigung) gekennzeichnet. Abweichungen von Referenzwerten sind nicht automatisch gleichbedeutend mit einer Erkrankung und auch völlig gesunde Patienten können auffällige Parameter zeigen. Die Interpretation der Befunde bedarf einiger Übung, will man Erkrankungen nicht übersehen oder durch Überinterpretation der Befunde dem Patienten eine Erkrankung zuschreiben, die möglicherweise gar nicht vorhanden ist.
Die ReferenzwerteReferenzwerte schwanken von Labor zu Labor und auch die Ergebnisse von einer Patientenprobe, die in 2 unterschiedliche Labore geschickt wird, liefern meist andere Werte. Diese Tatsachen führen zu einer gelegentlich heftigen Verunsicherung bei Patient und Therapeut. Wichtig zu wissen ist, dass Labore unterschiedliche Geräte, unterschiedliche Reagenzien und z. T. unterschiedliche Methoden benutzen, um definierte Werte zu bestimmen.
Von eminenter Bedeutung sind im praktischen Alltag die sorgfältige Erhebung der Anamnese und des körperlichen Untersuchungsbefunds. In den meisten Fällen sind eine Verdachts- und Differenzialdiagnosen möglich, die dann über Laboranalysen und apparative Untersuchungen bestätigt werden können oder verworfen werden müssen.
Laborparameter werden nach Sensitivität und Spezifität beurteilt. Eine hohe SensitivitätSensitivität besagt, dass die Wahrscheinlichkeit, an einer Erkrankung zu leiden, hoch ist; so ist z. B. eine Sensitivität von 100 % für eine bestimmte Erkrankung beweisend. Eine 100%ige SpezifitätSpezifität besagt, dass jeder Patient mit einem Wert, der sich im Referenzbereich bewegt, auch tatsächlich gesund ist.

Uringewinnung

Gewinnungsarten
Uringewinnung

$Uringewinnung Gewinnungsarten:

  • Spontanurin

  • Mittelstrahlurin

  • Morgenurin

  • 24-h-Sammelurin

Für die Urinuntersuchung werden je nach Fragestellung folgende Gewinnungsarten unterschieden:
  • Spontanurin:Spontanurin Uringewinnung ohne spezielle Vorkehrungen zum beliebigen Zeitpunkt. Er kann für U-Stix-Untersuchungen verwendet werden. Für mikrobiologische Untersuchungen (nicht in der Heilpraktikerpraxis) und Untersuchungen des Harnsediments eignet sich der Spontanurin nicht. Der Urin muss in einem sauberen Gefäß aufgefangen werden. Bei Frauen kann die Untersuchung falsch positiv Leukozyten durch Fluorbeimengung oder Erythrozyten durch Menstruationsblut anzeigen.

  • Mittelstrahlurin:Mittelstrahlurin Am häufigsten für die Urinuntersuchung verwendet. Der Genitalbereich muss vor der Entnahme gründlich gereinigt werden. Im Anschluss wird die erste Harnportion verworfen und die zweite in einem sterilen Gefäß aufgefangen, wobei der Urinstrahl nicht unterbrochen werden sollte.

  • Morgenurin:Morgenurin Erster Urin am Tag. Er ist höher konzentriert, weil die Verweildauer des Urins in der Blase meist lang war. Er eignet sich zur Bestimmung des Harnsediments, Proteinbestimmung oder auch für mikrobiologische Untersuchungen (nicht in der Heilpraktikerpraxis).

  • 24-Stunden-Sammelurin:24-Stunden-Sammelurin Dient der Bestimmung der Harntagesmenge und chemischer Beschaffenheit. Die Sammelzeit beginnt, nachdem der erste Morgenurin verworfen wurde. Anschließend werden alle Urinausscheidungen in einem speziellen Sammelbehälter gesammelt, der je nach Untersuchung auch Zusätze enthalten kann. Die Sammelzeit endet am Folgetag mit der Aufnahme des Morgenurins.

Allgemeine Empfehlungen und Störgrößen:

  • Urin sofort untersuchen (Liegedauer < 4 Stunden) oder kühl lagern

  • Unsaubere Gefäße, Reste von Desinfektionsmitteln, abgelaufene Teststreifen und lange Liegedauer liefern falsche Befunde

Allgemeine Empfehlungen
Bei der Urinuntersuchung sind folgende Empfehlungen zu beachten:
  • Urin sofort, spätestens 4 Stunden nach Entnahme untersuchen. Zeitverzögerungen führen zu bakterieller Vermehrung, Zerfall von Leuko- und Erythrozyten.

  • Bei der Teststreifen-Untersuchung den Urin im Kühlschrank lagern, wenn er nicht sofort untersucht werden kann.

  • Bei der Sammlung des 24-Stunden-Urins diesen kühl lagern.

Beeinflussende Faktoren
Zu den beeinflussenden Faktoren zählen:
  • Unsaubere Sammelgefäße: Sie können falsch positive Befunde liefern.

  • Reste von Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln: Sie stören die Bestimmung von Blut und Glukose.

  • Verwendung von Teststreifen außerhalb der Haltbarkeitsdauer: Sie liefern falsch positive und negative Befunde.

  • Hohe Mengen von Vitamin C: Sie beeinflussen Glukosebestimmung.

  • Lange Lagerung des Urins: Sie führt zur Zelllyse und falsch negativen Befunden für Leuko- und Erythrozyten.

Stuhlgewinnung

Beeinflussende Faktoren bei der Bestimmung des okkulten Bluts
Stuhlgewinnung okkultes Blut im Stuhl

$okkultes Blut im Stuhl Beeinflussende Faktoren bei der Bestimmung des okkulten Blute:

  • Falsch positive Befunde durch:

    • Entnahme zum Zeitpunkt der Menstruation

    • Verzehr von rohem Fleisch

    • NSAR, Antikoagulanzien

  • Falsch negative Befunde:

    • Vitamin C

    • Diarrhö

Zu den beeinflussenden Faktoren zählen:
  • Die Bestimmung von okkultem Blut sollte nicht zum Zeitpunkt der Menstruation erfolgen. Es liefert in der Regel falsch positive Befunde.

  • Verzehr von rohem Fleisch und Wurstwaren ergeben falsch positive Befunde bei der Guajak-Untersuchung.

  • Die Einnahme von ASS, NSAR oder Antikoagulanzien kann falsch positive Resultate ergeben.

  • Die Einnahme von Vitamin C kann falsch negative Befunde liefern.

  • Durchfall kann einen Verdünnungseffekt herbeiführen, der falsch negative Befunde liefert.

Beeinflussende Faktoren bei Bestimmung der Darm-Mikroökologie
Zu den beeinflussenden Faktoren zählen:
  • Die Einnahme von Mikroorganismen-Präparaten sollte mindestens 3 Tage vor der Stuhluntersuchung gestoppt werden.

  • Der Stuhl sollte nicht in Kontakt mit Toiletten-Spülwasser, Toilettenpapier oder Urin kommen.

  • Das Stuhlröhrchen sollte mit einem haselnussgroßen Stück Stuhl befüllt werden, wobei der Stuhl als ein zusammenhängendes Stück in das Gefäß eingebracht werden sollte.

  • Eine Probenverschickung kurz vor Feiertagen oder Wochenenden ist zu vermeiden.

  • Der Versand sollte in den vom Labor vorgesehenen Gefäßen erfolgen.

  • Die gewohnte Ernährung sollte beibehalten werden.

Maßeinheiten der klinischen Chemie

MaßeinheitenLaboranalysen müssen in bestimmten Maßeinheiten ausgedrückt werden. Sie orientieren sich an den SI-EinheitenSI-Einheiten (Systém International d'Unités). Die Basisgrößen des SI-Systems zeigt Tab. 7.1.
Ferner geben die Laboranalysen die Ergebnisse in extrem kleinen Mengen an. Die Abkürzungstabelle Tab. 7.2 soll eine Hilfe darstellen.

Elektrolyte

Natrium

Natrium Labor

  • $NatriumLaborNormwert: 135–145 mmol/l

  • Hyponatriämie:$Hyponatriämie Herz-, Nieren-, Leberinsuffizienz, Erbrechen, Diarrhö, Diuretikatherapie, SIADH

  • Hypernatriämie:$Hypernatriämie Schwitzen, Polyurie, geringe Wasseraufnahme

Benötigtes Material
0,5 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Natrium (Na+) findet sich in großen Mengen im extrazellulären Raum, in geringen Mengen in der Zelle. Es wird als Begleit- und Verlaufsparameter bei allen Störungen des Wasserhaushalts, insbesondere bei Durchfällen, Verbrennungen oder Erbrechen bestimmt, ferner bei Nieren-, Herzinsuffizienz, Diabetes insipidus und endokrinen Störungen, die sich auf den Natriumhaushalt auswirken (z. B. Hyperaldosteronismus).
Normwert
135–145 mmol/l
Abweichungen vom Normwert
Hyponatriämie
Hyponatriämie
  • Herz-, Nieren- und Leberinsuffizienz

  • Übermäßige ADH-Produktion (SIADH), als Begleitsymptom u. a. bei Hirntumoren, Hirnblutungen, Meningitis, Enzephalitis

  • Erbrechen, Durchfall

  • Verbrennungen

  • Morbus Addison (Unterfunktion der Nebennierenrinde, Hypoaldosteronismus)

  • Diuretikatherapie

Hypernatriämie
Hypernatriämie
  • Wassermangel durch z. B. Schwitzen, ungenügende Wasseraufnahme oder Polyurie

  • Diabetes insipidus

  • Salzüberschuss durch vermehrte Aufnahme von Kochsalz

Kalium

Kalium Labor

  • $KaliumLaborNormwert: 3,5–5,0 mmol/l

  • Hypokaliämie:$Hypokaliämie hohe Verluste durch Diarrhö, Laxanzien, Polyurie, Diuretika, Alkalose

  • Hyperkaliämie:$Hyperkaliämie Niereninsuffizienz, Azidose, Diabetes mellitus; falsch hoch durch lange Stauung, starke Aspiration, lange Probenlagerung

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Kalium (K+) findet sich zu 98 % in den Zellen und zu 2 % im Extrazellulärraum. Es ist maßgeblich an der Ausbildung des Ruhemembranpotenzials zuständig. Täglich werden ca. 50–100 mmol aufgenommen, der größte Teil wird über den Urin ausgeschieden. Kalium hat enge Referenzwerte, sodass sich Kaliumverschiebungen rasch z. B. als Herzrhythmusstörungen manifestieren. Der Kaliumhaushalt wird u. a. hormonell reguliert, z. B. über Aldosteron, Insulin und Adrenalin.
Praktische Tipps
  • Die Lagerung des Bluts sollte so kurz wie möglich sein und das Blut sollte nach spätestens 3 Stunden im Labor sein. Jede lange, warme Lagerung führt zur extrakorporalen Hämolyse und damit zur Erhöhung der Kaliumwerte. Ebenso sind die Werte bei schneller, starker Aspiration und langer Stauung erhöht. Daher sollte das Blutröhrchen nie als letztes entnommen werden.

  • Eine Hypokaliämie findet sich deutlich häufiger als eine Hyperkaliämie.

  • Eine Hypokaliämie führt zu einer reduzierten neuromuskulären Erregbarkeit. Die Symptome sind abgeschwächte Reflexe, Muskelschwäche, Lähmungen, Herzrhythmusstörungen und Obstipation.

  • Eine Hyperkaliämie führt zu einer verstärkten neuromuskulären Erregbarkeit. Die Symptome sind u. a. Parästhesien, Faszikulationen, Diarrhö und Herzrhythmusstörungen.

Normwert
3,5–5,0 mmol/l
Abweichungen vom Normwert
Hypokaliämie
Hypokaliämie
  • Erhöhte renale Verluste durch z. B. Diuretikatherapie, in der polyurischen Phase des akuten Nierenversagens

  • Erhöhte gastrointestinale Verluste, z. B. durch Laxantienabusus, Erbrechen, Diarrhö

  • Hyperaldosteronismus

  • Hyperkortisolismus

  • Alkalose

  • Hohe Insulinspiegel (befördern Glukose und Kalium in die Zelle)

Hyperkaliämie
Hyperkaliämie
  • Niereninsuffizienz

  • Morbus Addison

  • Erhöhte Kaliumzufuhr

  • Azidose

  • Diabetes mellitus

  • Zellschäden z. B. bei Zytostatikatherapie, hämolytische Krisen, Verbrennungen

  • Falsch hohe Werte durch lange Stauung und extrakorporale Hämolyse, z. B. durch schnelle Aspiration, unsachgemäße (zu lange, zu warm) Probenlagerung

Magnesium

Magnesium Labor

  • $MagnesiumLaborNormwert: 0,75–1,05 mmol/l

  • Hypomagnesiämie:$Hypomagnesiämie Alkoholkonsum, Malabsorption, Diuretika

  • Hypermagnesieämie:$Hypermagnesieämie Niereninsuffizienz; falsch hoch durch lange Stauung, starke Aspiration, lange Probenlagerung

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Magnesium (Mg2+) findet sich v. a. im Intrazellulärraum, im Knochen und in der Muskulatur. Es wird über die Niere ausgeschieden. Magnesium hat zahlreiche Funktionen im Körper, ist u. a. ein physiologischer Kalziumantagonist, hat einen hemmenden Einfluss auf die Erregungsübertragung und dient als Aktivator zahlreicher Enzyme.
Praktische Tipps
  • Die Lagerung des Bluts sollte so kurz wie möglich sein. Jede lange, warme Lagerung führt zur extrakorporalen Hämolyse und damit zur Erhöhung der Magnesiumwerte, ferner jede schnelle, starke Aspiration und lange Stauung. Daher sollte das Blutröhrchen nie als letztes entnommen werden.

  • Niedrige Magnesiumspiegel können Ursache von niedrigen Kalziumspiegeln sein. Die Bestimmung beider Parameter ist sinnvoll.

  • Eine Hypomagnesiämie führt zu Darmspasmen, Reizbarkeit, depressiven Zuständen und Herzrhythmusstörungen.

  • Eine Hypermagnesiämie führt zu Muskelschwäche, Somnolenz und Herzrhythmusstörungen.

Normwert
0,75–1,05 mmol/l
Abweichungen vom Normwert
Hypomagnesiämie
Hypomagnesiämie
  • Mangelnde Zufuhr, Alkoholismus

  • Vermehrter Bedarf: Schwangerschaft und Stillperiode

  • Verminderte Resorption, z. B. bei Malabsorptionssyndrom

  • Erhöhte Ausscheidung über die Niere z. B. bei Diabetes mellitus, Diuretikatherapie oder über den Darm, z. B. bei Laxantienabusus

Hypermagnesiämie
Hypermagnesiämie
  • Chronische Niereninsuffizienz

  • Selten erhöhte (parenterale) Zufuhr, magnesiumhaltige Antazida

  • Falsch hohe Werte bei extrakorporaler Hämolyse, durch z. B. lange, warme Lagerung, starke Stauung oder Aspiration

Chlorid

Chlorid Labor

  • $ChloridLaborNormwert: 97–108 mmol/l

  • Hypochlorämie:$Hypochlorämie Verlust über Magensaft oder Urin, metabolische Alkalose

  • Hyperchlorämie:$Hyperchlorämie Dehydratation, Durchfall, metabolische Azidose, chronische Hyperventilation

Benötigtes Material
0,5 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Chlorid (Cl) findet sich in großen Mengen im extrazellulären Raum, in geringeren Mengen in der Zelle. Es ist, ähnlich wie Natrium, für die Ausbildung und Aufrechterhaltung des osmotischen Drucks und des Säure-Basen-Haushalts zuständig. Ein hoher Chloridgehalt findet sich in den Belegzellen der Magenschleimhaut und in den Epithelien der Schweißdrüsen.
Veränderungen von Natrium und Chlorid verhalten sich häufig gleichsinnig.
Normwert
97–108 mmol/l
Abweichungen vom Normwert
Hypochlorämie
Hypochlorämie
  • Hoher intestinaler Verlust von Magensaft, z. B. durch Erbrechen, Magensaftdrainage

  • Hoher renaler Verlust, z. B. durch Diuretika

  • Metabolische Alkalose

Hyperchlorämie
Hyperchlorämie
  • Durchfall

  • Dehydratation

  • Dünndarm- und Pankreasfisteln

  • (Hyperchlorämische) metabolische Azidose, z. B. bei Nierenversagen

  • Hyperventilation (chronisch) bei Erkrankungen des ZNS oder Fieber

Hämatologie

Hinweis Prüfung

Die Kenntnisse der hämatologischen Parameter sind in der Prüfung (aber auch im praktischen Alltag) von eminenter Bedeutung.

Grundsätzlich muss zwischen dem kleinen und großen Blutbild unterschieden werden:

  • Beim kleinen BlutbildkleinesBlutbild werden Hämatokrit, Hämoglobin, Erythrozyten mit MCV und MCH, Thrombozyten und Leukozyten bestimmt.

  • Im großen BlutbildBlutbildgroßes werden zusätzlich die Leukozyten in Granulozyten (basophile, eosinophile und neutrophile), Monozyten und Lymphozyten differenziert. Die Verteilung der einzelnen weißen Zellen kann man sich grob mit BEMLN (Basophile, Eosinophile, Monozyten, Lymphozyten, Neutrophile) 1–3–6–30–60 (Mittelwerte in %) merken.

Hämatokrit

Hämatokrit Labor

  • $HämatokritLaborNormwert: ♀ 38–44 %, ♂ 42–50 %

  • Hämatokrit: Polyglobulie, Polycythaemia vera, Dehydratation, falsch hoch bei Leukämien

  • Hämatokrit: Anämien, Hyperhydratation, falsch niedrig bei hämolytischen Proben

Benötigtes Material
2 ml EDTA-Blut
Physiologische Bedeutung
Der Hämatokrit (Hkt, HK) stellt den prozentualen Anteil der korpuskulären Bestandteile (Erythrozyten, Leukozyten, Thrombozyten) im Blut dar. Die Erythrozyten stellen zahlenmäßig die wichtigste Fraktion dar und sind der Hauptbestandteil des Hämatokrits.
Normwert
  • ♀: 38–44 %

  • ♂: 42–50 %

Abweichungen vom Normwert
Erhöhter Hämatokrit
  • Polyglobulie

  • Polycythaemia vera

  • Erythropoetin-produzierende Tumoren

  • Dehydratation

  • Falsch hoch bei Leukämien

Erniedrigter Hämatokrit
  • Anämien

  • Hyperhydration

  • Falsch niedrig bei hämolytischen Proben

Hämoglobin

Hämoglobin Labor

  • $HämoglobinLaborNormwerte: ♀ 12–16 g/dl, ♂ 13–17 g/dl

  • Hämoglobin: Polyglobulie, Polycythaemia vera, Dehydratation, falsch hoch bei Rauchern

  • Hämoglobin: Anämien, Hyperhydratation, falsch niedrig bei hämolytischen Proben

Benötigtes Material
2 ml EDTA-Blut
Physiologische Bedeutung
Das Hämoglobin (Hb) stellt das Transportmedium für Sauerstoff und Kohlendioxid dar. Es besteht aus Häm, das ein Eisenmolekül trägt, und dem Globinanteil. Durch die besondere Struktur des Häms fungiert es auch als Blutfarbstoff. Die Gründe für die Erhöhung bzw. Erniedrigung entsprechen denen des Hämatokrits.
Normwert
  • ♀: 12–16 g/dl

  • ♂: 13–17 g/dl

Abweichungen vom Normwert
Erhöhter Hämoglobinwert
  • Polyglobulie

  • Polycythaemia vera

  • Erythropoetin-produzierende Tumoren

  • Dehydratation

  • Falsch hohe Werte bei Rauchern, körperlicher Anstrengung, Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Carbamazepin)

Erniedrigter Hämoglobinwert
  • Anämien

  • Hyperhydration

  • Falsch niedrige Werte bei hämolytischen Proben

Erythrozyten

Erythrozyten Labor

  • $ErythrozytenLaborNormwerte: ♀ 4,0–5,4 Mio/µl, ♂ 4,3–5,6 Mio/µl

  • Erythrozyten: Polyglobulie, Polycythaemia vera, Dehydratation

  • Erythrozyten: Anämien, Hyperhydratation, falsch niedrig bei hämolytischen Proben

Benötigtes Material
2 ml EDTA-Blut
Physiologische Bedeutung
Erythrozyten werden im Knochenmark gebildet. Sie transportieren Sauerstoff und Kohlendioxid im Organismus. Die Produktion wird durch das Hormon Erythropoetin aus der Niere angeregt. Zur Bildung der Erythrozyten werden v. a. Eisen, Vitamin B12 und Folsäure benötigt. Die jugendlichen Erythrozyten nennt man Retikulozyten, die ähnlich wie die Erythrozyten kernlos sind, aber noch Reste des endoplasmatischen Retikulums enthalten.
Praktische Tipps
Proben sollten nicht geschüttelt werden, lediglich vorsichtig geschwenkt werden, weil es zur Zerstörung der Zellen (Hämolyse) führt.
Normwert
  • ♀: 4,0–5,4 Mio/µl

  • ♂: 4,3–5,6 Mio/µl

Abweichungen vom Normwert
Erhöhte Erythrozytenzahl
  • Polyglobulie

  • Polycythaemia vera

  • Durch ektope Erythropoetinbildung bei paraneoplastischen Syndromen

  • Dehydratation

Erniedrigte Erythrozytenzahl
  • Anämien (Hämatopoesestörung z. B. bei aplastischer, Eisenmangel-, megaloblastärer, renaler Anämie, Hämolyse oder Blutung)

  • Hyperhydration

  • Tumorerkrankungen, chronische Entzündungen, Autoimmunerkrankungen oder Infektionen

  • Falsch niedrige Werte durch hämolytische Proben

MCV, MCH und MCHC

MCV Labor MCH Labor MCHC Labor

$MCV Labor $MCH Labor $MCHC Labor Normwerte:

  • MCV: 85–98 fl

  • MCH: 28–34 pg

  • MCHC: 31–37 g/dl

  • RDW: 12–14,5 %

Benötigtes Material
2 ml EDTA-Blut
Physiologische Bedeutung
Das MCV (mittleres korpuskuläres Volumen) gibt die Größe/Volumen des Erythrozyten an. Erythrozyten können zu groß (makrozytär, > 98 fl), normal groß (normozytär, 85–98 fl) oder zu klein (mikrozytär, < 85 fl) sein.
Das MCH (mittleres korpuskuläres Hämoglobin) gibt die Menge des Hämoglobins in einem Erythrozyten an. Erythrozyten können blass (hypochrom, < 28 pg), normal gefärbt (normochrom, 28–34 pg) oder zu stark gefärbt (hyperchrom, > 34 pg) sein. Zwischen MCH und MCV besteht eine lineare Beziehung, sodass die Veränderungen meist gleichsinnig sind und die gleiche Aussage haben.
Die MCHC (mittlere korpuskuläre Hämoglobinkonzentration) gibt die mittlere Hämoglobinkonzentration des einzelnen Erythrozyten an. Berechnet wird die MCHC aus dem Quotienten aus Hämoglobin und Hämatokrit. Der MCHC ist ein weniger empfindlicher Parameter verglichen mit MCV und MCH (weil eben zwischen MCV und MCH eine lineare Beziehung besteht); er verändert sich erst bei fortgeschrittenen Pathologien.
Der RDWLaborRDW-Wert (Red Cell Distribution Width) oder EVB-Wert (Erythrozytenverteilungsbreite) gibt die Abweichung der Erythrozyten von der normalen Größe an und wird anhand des MCV berechnet. Dabei sind Werte 12–14,5 % physiologisch, das bedeutet, dass die Erythrozyten relativ gleich groß (homogen) sind. Sind gleichzeitig Makrozyten und Mikrozyten vorhanden (wobei die Form gleich bzw. normal ist), spricht man von einer Anisozytose. Mit anderen Worten ist der RDW-Wert das Maß der Anisozytose. Dieser Parameter wird im Zusammenhang mit den anderen Erythrozytenindizes bestimmt und beurteilt.
Die Bestimmung der Erythrozytenindizes dient der Diagnostik einer Anämie. Neben den Indizes ist die Bestimmung von Hämatokrit, Hämoglobin und Erythrozytenzahl unabdingbar.
Normwert
  • MCV 85–98 fl

  • MCH 28–34 pg

  • MCHC 31–37 g/dl

  • RDW 12–14,5 %

Abweichungen vom Normwert

TABELLE 7.3

Retikulozyten

Retikulozyten Labor

  • $RetikulozytenLaborNormwert: 5–20 ‰ oder 0,5–2 %

  • Retikulozytose:$Retikulozytose Akute Blutung, Hämolyse, behandelte Anämien

  • Retikulopenie:$Retikulopenie alle Anämien (außer hämolytischen Anämien), Radio-Chemo-Therapie

Benötigtes Material
2 ml EDTA-Blut
Physiologische Bedeutung
Die jugendlichen Erythrozyten nennt man Retikulozyten, die ähnlich wie die Erythrozyten kernlos sind, aber noch Reste des endoplasmatischen Retikulums enthalten. Die Höhe der Retikulozyten im Blut gibt Auskunft über die Neubildungsrate der Erythrozyten und wird im Verhältnis zu den Erythrozyten angegeben.
Praktische Tipps
Vor der Blutentnahme sollte der Patient kein Eisen, Folsäure oder Vitamin B12 eingenommen haben.
Normwert
5–20 ‰ oder 0,5–2 %
Abweichungen vom Normwert
Retikulozytose
Retikulozytose
  • Akuter Blutverlust

  • Akute Hämolyse oder hämolytische Anämien

  • Sauerstoffmangelzustand (Hypoxie)

  • Erfolgreiche Anämiebehandlung (verstärkte Erythropoese) mit Eisen-, Folsäure- und/oder Vitamin-B12-Substitution

Retikulopenie
Retikulopenie
  • Verminderte Erythropoese bei Eisenmangelanämie, megaloblastärer Anämie, aplastischer Anämie, Anämie bei chronischen Erkrankungen

  • Erythropoetinmangel, z. B. bei renaler Anämie

  • Nach Radio- und Chemotherapie durch meist toxische Einwirkung auf das Knochenmark

Leukozyten

Leukozyten Labor

  • $LeukozytenLaborNormwert: 3800–10500/µl

  • Leukozytose:$Leukozytose bakterielle und Pilzinfektionen, chronische Entzündungen, rheumatische Erkrankungen, Hyperkortisolismus, Stress, Schock, Allergie, Nikotinabusus

  • Leukopenie:$Leukopenie Verbrauch bei septischen Prozessen, Autoimmunerkrankungen, Splenomegalie, Knochenmarksschäden

Benötigtes Material
1 ml EDTA-Blut
Physiologische Bedeutung
Leukozyten werden im Knochenmark gebildet und stellen eine heterogene Gruppe von Zellen dar. Sie gliedern sich in Granulozyten (eosinophile, neutrophile und basophile), Monozyten und Lymphozyten. Die Zellen dienen der Immunabwehr.
Neben der Gesamtleukozytenzahl kann die Anfertigung des Differenzialblutbilds wichtig sein. Im Differenzialblutbild werden die einzelnen Fraktionen der Leukozyten prozentual angegeben.
Normwert
3800–10500/µl
Abweichungen vom Normwert
Leukozytose
Leukozytose
  • Bakterielle Infektionen, z. B. Endokarditis, Appendizitis, Peritonitis

  • Pilzinfektionen

  • Chronische Entzündungen, z. B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn

  • Rheumatische Erkrankungen, z. B. rheumatisches Fieber oder rheumatoide Arthritis

  • Myeloproliferative Erkrankungen und solide Tumorerkrankungen

  • Morbus Cushing, Therapie mit Kortikosteroiden

  • Stress

  • Trauma, Verbrennung, Schock

  • Allergie

  • Nikotinkonsum

Leukopenie
Leukopenie
  • Massiver Verbrauch von Leukozyten bei septischen Erkrankungen, z. B. Typhus abdominalis

  • Autoimmunprozesse, z. B. systemischer Lupus erythematodes

  • Bildungsstörung durch z. B. Vitamin-B12- oder Folsäuremangel

  • Virusinfektionen, z. B. Röteln, Masern

  • Splenomegalie

  • Hodgkin-Lymphom

  • Knochenmarksdepressive Substanzen oder medikamentös induziert (z. B. durch Analgetika, Antibiotika, Diuretika, Thyreostatika)

Neutrophile Granulozyten

Granulozyten neutrophile Labor

  • $Granulozytenneutrophile LaborNormwert: 1830–7250/µl

  • Neutrophilie:$Neutrophilie akute bakterielle Infektionen, Stress, Rauchen, CML, Hyperkortisolismus

  • Neutropenie:$Neutropenie Knochenmarkerkrankungen (durch z. B. Radio-Chemo-Therapie, maligne Infiltration), Infektionen, u. a. Typhus, Masern, Influenza

  • Agaranulozytose:$Agaranulozytose < 500/µl; medikamentös (u. a. Metamizol, Thyreostatika) oder toxisch (Zytostatika) bedingt; Leitsymptome sind Fieber, Angina tonsillaris und Stomatitis aphthosa

Benötigtes Material
2 ml EDTA-Blut
Physiologische Bedeutung
Neutrophile Granulozyten dienen der unspezifischen Abwehr. Sie besitzen eine hohe Phagozytosefähigkeit. Der Kern der reifen Granulozyten ist segmentiert. Noch nicht vollständig ausgereifte Granulozyten haben einen stabkernigen Kern. Bei bakteriellen Infekten und großem Verbrauch segmentierter Granulozyten werden kompensatorisch aus dem Knochenmark stabkernige Granulozyten ausgeschieden. Dies wird im Differenzialblutbild als Linksverschiebung bezeichnet. Von einer pathologischen Linksverschiebung spricht man, wenn blastäre Vorstufen der Granulozyten im Blut erscheinen; sie sind Hinweis auf eine maligne Knochenmarkerkrankung.
Normwert
  • 1830–7250/µl

  • Agranulozytose < 500/µl

  • Stabkernige Granulozyten: 0–5 %

  • Segmentkernige Granulozyten: 30–80 %

Abweichungen vom Normwert
Neutrophilie
Neutrophilie
  • Akute v. a. bakterielle Infektionen, z. B. Pneumonie, Cholezystitis, Divertikulitis, Peritonitis

  • Schwere körperlicher Belastung, Stress, Rauchen

  • Autoimmunerkrankungen, z. B. rheumatoide Arthritis

  • CML, Polycythaemia vera, Myelofibrose

  • Einnahme von Kortikosteroiden, Kontrazeptiva, Lithium

Neutropenie
Neutropenie
  • Knochenmarkdepressive Zustände, z. B. nach einer Radio-, Chemotherapie oder durch Nebenwirkungen von z. B. Phenothiazinen, Thyreostatika, Chloramphenicol

  • Knochenmarkinfiltration bei Leukämie, malignen Lymphomen, Karzinomen

  • Infektionen, z. B. Typhus, Tuberkulose, Masern, Mumps, Grippe

Agranulozytose
AgranulozytoseDie Agranulozytose ist v. a. medikamentös induziert. Die auslösenden Medikamente sind häufig Metamizol, NSAR, Thyreostatika, Sulfonamide und Clozapin, wobei die Reaktion allergischer Natur ist. Eine andere Ursache ist die Therapie mit Zytostatika, wobei die Verminderung der Granulozyten durch toxische Einflüsse auf das Knochenmark entsteht. Die Symptome entstehen akut und gehen mit Fieber und Schüttelfrost, Tonsillitis, Stomatitis aphthosa und Lymphknotenschwellung einher. Eine Eiterbildung findet sich nicht.

Basophile Granulozyten

Granulozyten basophile Labor

  • $Granulozytenbasophile LaborNormwert: 0–2 %

  • Basophilie:$Basophilie CML, Polycythaemia vera

  • Basopenie:$Basopenie akute Allergie, Hyperkortisolismus, Hyperthyreose

Benötigtes Material
2 ml EDTA
Physiologische Bedeutung
Basophile Granulozyten enthalten Heparin und Histamin. Im Rahmen entzündlicher und v. a. allergischer Reaktionen degranulieren die Zellen. Histamin hat eine vasodilatierende, bronchokonstriktorische Wirkung und beschleunigt die Peristaltik. Bei v. a. akuten bakteriellen Infekten geht die Basophilie der Eosinophilie voraus. Basophile Granulozyten, die ins Gewebe ausgewandert sind, werden Mastzellen genannt.
Normwert
0–2 %
Abweichungen vom Normwert
Basophilie
Basophilie
  • Entzündliche Erkrankungen, z. B. Sinusitis oder Windpocken

  • Rekonvaleszenzphase

  • Polycythaemia vera, CML

  • Leberzirrhose

  • Östrogeneinnahme

Basopenie
Basopenie
  • Akute allergische Reaktionen

  • Therapie mit Kortikosteroiden oder Cushing-Syndrom

  • Hyperthyreose

  • Radio-Chemotherapie und damit verbundene Knochenmarkschädigung

Eosinophile Granulozyten

Granulozyten eosinophile Labor

  • $Granulozyteneosinophile LaborNormwert: 0–6 %

  • Eosinophilie:$Eosinophilie Allergien, Wurminfektionen, letzte Phase der entzündlichen Reaktion („Morgenröte der Genesung“), entzündliche Hauterkrankungen

  • Eosinopenie:$Eosinopenie akute Phase der Infektionskrankheiten, Hyperkortisolismus, Hyperthyreose

Benötigtes Material
2 ml EDTA-Blut
Physiologische Bedeutung
Eosinophile Granulozyten haben eine eingeschränkte Phagozytosefähigkeit, die sich auf Immunkomplexe beschränkt. Immunkomplexe werden in der letzten Phase der Entzündungsreaktionen abgeräumt, sodass das Entzündungsgeschehen und die damit verbundenen Symptome rückläufig sind. Diese Erhöhung der Eosinophilen wird auch als „Morgenröte der Genesung“ bezeichnet.
Eosinophile Granulozyten enthalten Histamin, das vasodilatierend, bronchokonstriktorisch und peristaltikanregend wirkt. Sie wirken toxisch auf Parasiten.
Normwert
0–6 %
Abweichungen vom Normwert
Eosinophilie
Eosinophilie
  • Allergische Reaktionen

  • Wurminfektionen

  • Infektionskrankheiten, z. B. Scharlach, Masern oder Gonorrhö, insbesondere in der letzten Phase der Erkrankung (Rekonvaleszenzphase)

  • Solide Tumoren und Lymphome

  • Entzündlichen Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Psoriasis vulgaris, Pemphiguserkrankungen, Dermatomyositis

Eosinopenie
Eosinopenie
  • Akute Phase von Infektionskrankheiten

  • Typhus abdominalis, Sepsis, Peritonitis

  • Hormonelle Verschiebungen, z. B. Hyperkortisolismus durch Cushing-Syndrom oder Therapie mit Glukokortikoiden

  • Radio-Chemo-Therapie und damit verbundene Knochenmarkschädigung

Monozyten

Monozyten Labor

  • $MonozytenLaborNormwert: 1–12 %

  • Monozytose:$Monozytose v. a. akute bakterielle Infekte, CML, Sarkoidose, Kollagenosen

  • Monozytopenie:$Monozytopenie Knochenmarkerkrankungen

Benötigtes Material
2 ml EDTA-Blut
Physiologische Bedeutung
Monozyten sind Zellen der unspezifischen Abwehr, die eine ausgeprägte Fähigkeit zur Phagozytose und Antigenpräsentation besitzen. Monozyten, die ins Gewebe ausgewandert sind, nennt man Makrophagen.
Normwert
1–12 %
Abweichungen vom Normwert
Monozytose
Monozytose
  • Akute v. a. bakterielle Infektionen, z. B. Tuberkulose, Endokarditis, Scharlach, Typhus

  • Virale und parasitäre Belastungen, wenn auch nicht so ausgeprägt wie bei bakteriellen Infekten, z. B. bei Malaria, Hepatitis oder Mumps

  • Hämatologische Erkrankungen, z. B. CML oder andere myeloproliferative Erkrankungen

  • Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome

  • Sarkoidose

  • Kollagenosen

Monozytopenie
Monozytopenie
  • Knochenmarkdepressive Zustände, z. B. nach einer Radio-, Chemotherapie

  • Maligne Tumoren, Leukämien und Lymphome mit Drosselung der Monozytenproduktion durch meist infiltrative Prozesse.

Lymphozyten

Lymphozyten Labor

  • $LymphozytenLaborNormwert: 15–50 %

  • Lymphozytose:$Lymphozytose akute v. a. virale Infektionen (EBV, CMV), (chronische) bakterielle Erkrankungen, Tuberkulose, Pertussis, lymphatische Leukämien

  • Lymphopenie:$Lymphopenie Stress, Hyperkortisolismus, myeloische Leukämien, Hodgkin-Lymphom

Benötigtes Material
2 ml EDTA-Blut
Physiologische Bedeutung
Lymphozyten sind Zellen der spezifischen Abwehr und gliedern sich in T-Zellen, B-Zellen und NK (Natürliche Killerzellen oder Nullzellen). Alle Zellen werden im Knochenmark gebildet. T-Zellen werden im Thymus geprägt und werden in T4-Helferzellen, T-zytotoxische Zellen, T-Suppressorzellen und T-Memory-Zellen unterteilt. B-Zellen werden im Knochenmark geprägt (B = bone marrow); nach Kontakt mit einem Antigen transformieren sie zu Plasmazellen, die Antikörper (IgA, IgE, IgM, IgE, IgD) bilden.
Normwert
15–50 %
Abweichungen vom Normwert
Lymphozytose
Lymphozytose
  • Akute, v. a. virale Infektionen, EBV, CMV, Virushepatitiden

  • (Chronische) bakterielle Infektionen, z. B. Pertussis, Tuberkulose, Lues oder Brucellose

  • Lymphatische Leukämien und solide Tumoren

  • Rheumatische Erkrankungen

  • Endokrine Störungen, z. B. Hypophysenvorderlappen-. Nebenniereninsuffizienz, Hyperthyreose

Lymphopenie
Lymphopenie
  • Körperliche und emotionale Stressbelastung

  • Vitamin- und Spurenelementemangel, z. B. Vitamin B12, B6, Zink, Magnesium

  • Myeloische Leukämien, maligne Lymphome (Hodgkin-Lymphom)

  • Knochenmarksdepressive Zustände, z. B. nach einer Radio-, Chemotherapie

  • Hyperkortisolismus durch Cushing-Syndrom oder Therapie mit Glukokortikoiden

Thrombozyten

Thrombozyten Labor

  • $ThrombozytenLaborNormwert: 140000–345000/µl

  • Thrombozytose:$Thrombozytose essenzielle Thrombozythämie, Polycythaemia vera, CML, Splenektomie, hämolytische Anämie; falsch hoch durch Zelltrümmer oder starke körperliche Belastung vor Blutentnahme

  • Thrombopenie:$Thrombopenie Zytostatika, hoher Verbrauch (DIC), Splenomegalie, Immunthrombozytopenie; falsch niedrig durch Aggregation im EDTA-Röhrchen

Benötigtes Material
2 ml EDTA-Blut
Physiologische Bedeutung
Thrombozyten sind Zytoplasmaabschnürungen von Megakaryozyten. Sie haben keinen Zellkern, entstehen im Knochenmark und sind zusammen mit der Gefäßreaktion für die primäre Hämostase (Blutstillung) zuständig. Die Lebensdauer beträgt ca. 10 Tage. Der Abbau erfolgt v. a. in der Milz, in geringen Mengen auch in der Leber und im Knochenmark.
Normwert
  • 140 000–345 000/µl

  • Bei < 20000/µl muss mit schweren Blutungen gerechnet werden

Abweichung vom Normwert
Thrombozytose
Thrombozytose
  • Lymphatischen Erkrankungen, z. B. essenzielle Thrombozythämie, Polycythaemia vera, CML, Morbus Hodgkin

  • Nach Splenektomie

  • Infektionskrankheiten, z. B. Tuberkulose

  • Hämolytische Anämien

  • Reaktiv nach Operationen, Blutungen

  • Maligne Tumoren

  • Falsch hohe Ergebnisse durch körperliche Anstrengung vor der Blutentnahme, Schmutzpartikel oder Zelltrümmer

Thrombopenie
Thrombopenie
  • Knochenmarkdepressive Substanzen, die zu einer erschwerten Bildung führen, z. B. Zytostatika

  • Splenomegalie (erhöhte Speicherung von Thrombozyten)

  • Erhöhter Verbrauch der Thrombozyten, z. B. bei disseminierter intravaskulärer Koagulation (DIC, Verbrauchskoagulopathie)

  • Immunthrombozytopenie: idiopathisch (Morbus Werlhof), Heparin-induziert, medikamentös induziert, maligne Lymphome

  • Falsch niedrige Werte durch eine Thrombozytenaggregation (in vitro im EDTA-Röhrchen); alternativ können Thrombozyten aus Zitratblut bestimmt werden

Eisenhaushalt

Eisen

Eisen Labor

  • $EisenLaborNormwert: ♀ 50–150 µg/dl, ♂ 50–160 µg/dl

  • Eisen: Hämochromatose, hämolytische Anämie, häufige Transfusionen, Leberzellnekrosen; falsch hoch bei hämolytischen Proben

  • Eisen: geringe Zufuhr, hohe Verluste (Menstruation, gastrointestinale Blutungen), hoher Bedarf (Schwangerschaft, Stillzeit), chronische Entzündungen

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Eisen wird mit der Nahrung zugeführt und im Dünndarm resorbiert. Die Resorption erfolgt in zweiwertiger Form, wobei eine gleichzeitige Vitamin-C-Zufuhr die Resorption begünstigt. Im Blut wird Eisen an Transferrin gebunden und zu den Zielorganen transportiert. Nur ein kleiner Teil liegt in freier Form vor. Eisen ist u. a. ein essenzieller Bestandteil des Häms, zuständig für den Sauerstofftransport und Bestandteil zahlreicher Enzyme. Der Tagesbedarf liegt bei Männern bei 12 mg, bei Frauen bei 15 mg, in der Schwangerschaft bei 30 mg und bei Stillenden bei 20 mg.
Praktische Tipps
Bei der Bestimmung des Eisens sollten gleichzeitig Transferrin, Ferritin und Blutbild bestimmt werden. Eine isolierte Eisenbestimmung ist therapeutisch nutzlos; die Aussagekraft über die Höhe der Eisenspeicher lässt sich aus diesem Parameter nicht herleiten, zumal es erhebliche Tagesschwankungen gibt. Um den Eisenspeicher zu beurteilen, muss Ferritin bestimmt werden.
Normwert
  • ♀: 50–150 µg/dl

  • ♂: 50–160 µg/dl

Abweichungen vom Normwert
Eisenerhöhung
  • Hämochromatose

  • Bleivergiftung

  • Hämolytische Anämie

  • Häufige Transfusionen

  • Leberzellnekrosen, z. B. bei akuter Hepatitis

  • Falsch hohe Werte bei hämolytischen Proben

Eisenerniedrigung
  • Mangelnde Zufuhr oder Resorptionsstörungen, z. B. Magenresektion, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Malassimilationsstörung

  • Erhöhte Verluste, z. B. durch Blutung bei Menstruation oder aus dem Gastrointestinaltrakt (häufigste Ursache bei Männern)

  • Erhöhter Bedarf, z. B. in der Schwangerschaft, Stillzeit, Wachstum

  • Chronische Infektionen bzw. Entzündungen und Tumorerkrankungen (gleichzeitig ist Ferritin erhöht und Transferrin erniedrigt)

Transferrin

Transferrin Labor

TransferrinLaborNormwert: 20–360 mg/dl oder 2,0–3,6 g/l

  • Transferrin: Eisenmangel, Schwangerschaft

  • Transferrin: akute Infektionen, chronische Entzündungen, Hämochromatose, Leberzirrhose, nephrotisches Syndrom

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Transferrin ist das Transportprotein für Eisen, wobei das Eisen in dreiwertiger Form gebunden wird.
Praktische Tipps
Transferrin sollte zusammen mit Eisenspiegel und Ferritin bestimmt werden (7.4.1, 7.4.3).
Normwert
20–360 mg/dl oder 2,0–3,6 g/l
Abweichungen vom Normwert
Transferrinerhöhung
  • Eisenmangelzustände

  • Schwangerschaft

  • Einnahme oraler Kontrazeptiva

Transferrinerniedrigung
  • Eisenüberladung, z. B. bei Hämochromatose

  • Akute Infektionen

  • Chronisch-entzündliche, infektiöse und Tumorerkrankungen

  • Erhöhter Proteinverlust, z. B. beim nephrotischen Syndrom

  • Verminderte Synthese in der Leber, z. B. bei Leberzirrhose

Ferritin

Ferritin Labor

  • $Ferritin Labor Normwert:

    • ♀ 18.–45. Lj.: 6–70 µg/l

    • ♀ > 46. Lj.: 18–120 µg/l

    • ♂ 18.–45. Lj.: 10–220 µg/l

    • ♂ > 46. Lj.: 15–400 µg/l

  • Ferritin: Hämochromatose, hämolytische Anämie, häufige Transfusionen, Entzündungen

  • Ferritin: Eisenmangel durch geringe Zufuhr, hohe Verluste (Menstruation, gastrointestinale Blutungen), hoher Bedarf (Schwangerschaft, Stillzeit), chronische Entzündungen

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Ferritin stellt die Speicherform des Eisens dar, das in der Milz, Leber und im Knochenmark vorzufinden ist. In geringen Konzentrationen zirkuliert es frei im Plasma. Es zählt zu den Akute-Phase-Proteinen und ist die wichtigste Größe zur Beurteilung des Eisenstatus'.
Normwert
  • Kinder und Jugendliche zwischen dem 2. und 17. Lebensjahr: 7–142 µg/l

  • ♀ 18.–45. Lebensjahr: 6–70 µg/l

  • ♀ > 46. Lebensjahr: 18–120 µg/l

  • ♂ 18.–45. Lebensjahr: 10–220 µg/l

  • ♂ > 46. Lebensjahr: 15–400 µg/l

Abweichungen vom Normwert
Ferritinerhöhung
  • Eisenüberladung, z. B. bei Hämochromatose

  • Hämolytische Anämie

  • Hämoglobin-Synthesestörungen

  • Häufige Transfusionen

  • Lebererkrankungen

  • Chronische Entzündungen durch Bakterien, Viren

  • Tumorerkrankungen und Lymphome

  • Eisenverwertungsstörungen durch z. B. Störungen der Hämoglobinsynthese, Vitamin-B12- und Folsäuremangel

Ferritinerniedrigung
Eisenmangel durch z. B.
  • Erhöhten Verlust: Menstruationsblutung, gastrointestinale Blutung, Blutspenden

  • Geringe Zufuhr: Fehlernährung, Alkoholismus, Vegetarier

  • Geringe Aufnahme im Darm: Sprue

  • Erhöhten Bedarf: Schwangerschaft, Stillzeit, Wachstum

Gerinnung

Partielle Thromboplastinzeit (PTT)

partielle Thromboplastinzeit Labor

  • $partielle ThromboplastinzeitLaborNormwert: 20–35 Sek.

  • PTT: verminderte Gerinnungsaktivität u. a. durch Heparin- oder Hirudin-Therapie, Hämophilie A/B, Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom, Gerinnungsfaktormangel

  • PTT: gesteigerte Gerinnungsaktivität, u. a. durch Entzündungen, postoperativ, Thrombosen, Kontrazeptiva

Benötigtes Material
1 ml Zitratplasma
Physiologische Bedeutung
Die partielle Thromboplastinzeit (PTT) dient der Überprüfung des endogenen Gerinnungsschenkels mit den Faktoren VIII, IX, XI, XII und der Endstrecke mit den Faktoren I, II, V, X. Gemessen wird die Gerinnungsfähigkeit in Sekunden. Neben der Diagnostik verschiedener Erkrankungen kommt die Bestimmung der PTT vor Operationen und zur Kontrolle bei Antikoagulanzien-Therapie mit Heparin und Hirudin zum Einsatz.
Praktische Tipps
  • Blutröhrchen (grüne Monovette) muss voll sein.

  • Lange und starke Stauung sollte vermieden werden.

  • Blut muss innerhalb von 5 Stunden im Labor verarbeitet worden sein.

  • Bei Verlängerung der PTT sollte der Quick-Wert bestimmt werden. Bei Verdacht auf Leberfunktionsstörungen sollte die Bestimmung von GOT, GPT, γ-GT, Bilirubin, alkalischer Phosphatase, Albumin und der Cholinesterase nicht fehlen.

  • Keine i. m.-Injektionen bei Patienten mit Gerinnungsstörungen (verlängerte PTT).

Normwert
20–35 Sek.
Abweichungen vom Normwert
PTT-Verlängerung
  • Heparin- oder Hirudin-Therapie; eine Verlängerung der PTT-Zeit auf das 1,5–2,0-Fache wird angestrebt

  • Hämophilie A oder B

  • Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom

  • Mangel an Gerinnungsfaktoren, z. B. bei Leberfunktionsstörung

  • Erhöhter Verbrauch von Gerinnungsfaktoren, z. B. bei Verbrauchskoagulopathie

PTT-Verkürzung
Gesteigerte Gerinnungsaktivität, z. B. bei Entzündungen, postoperativ, bei Thrombosen oder Einnahme von Kontrazeptiva

Quick-Wert und INR

Quick-Wert Labor INR Labor

  • $Quick-WertLabor$INRLaborNormwert: Quick 70–120 %, INR 1

  • Quick/INR: meist ohne klinische Bedeutung

  • Quick/INR: Therapie mit Cumarin-Derivaten, Vitamin-K-Mangel, Leberinsuffizienz, Verbrauchskoagulopathie

Benötigtes Material
1 ml Zitratplasma
Physiologische Bedeutung
Der Quick-Wert (Thromboplastinzeit) dient der Beurteilung des extrinsischen Schenkels der Gerinnungskaskade unter besonderer Berücksichtigung der Gerinnungsfaktoren II, V, VII, X und des Fibrinogens. Die Synthese der Faktoren II, VII, (IX), und X erfolgt nur bei ausreichender Versorgung des Organismus mit Vitamin K.
Von Labor zu Labor kann es z. T. beträchtliche Schwankungen bei der Messung des Quick-Werts geben. Der Grund liegt in den unterschiedlichen Reagenzien, die verwendet werden. Nach Auflage der WHO sollte ein offizielles Standardserum für die Untersuchung verwendet werden, die Ergebnisse werden durch die INR (International Normalized Ratio) ausgedrückt. Dabei verhalten sich der Quick-Wert und INR gegenläufig.
Die Indikation zur Bestimmung des Quick-Wertes bzw. der INR dient der Diagnostik verschiedener Erkrankungen sowie der Kontrolle einer Therapie mit Antikoagulantien, v. a. Cumarin-Derivaten.
Praktische Tipps
  • Blutröhrchen (grüne Monovette) muss voll sein.

  • Lange und starke Stauung sollte vermieden werden.

  • Blut muss innerhalb von 5 Stunden im Labor verarbeitet worden sein.

  • Keine i. m.-Injektionen bei Patienten mit Gerinnungsstörungen.

Normwert
  • Quick-Wert: 70–120 %

  • INR:

    • Normal (untherapiert): um 1

    • Bei einfachem Risiko (z. B. Beinvenenthrombose, Lungenembolie, Vorhofflimmern): 2–3

    • Bei höherem Risiko (z. B. mechanische Herzklappe): bis 4

Abweichungen vom Normwert
Quick-Wert-Erhöhung/niedrige INR
Meist ohne krankhafte Bedeutung
Quick-Wert-Erniedrigung/hohe INR
  • Vitamin-K-Mangel: Leberinsuffizienz, intestinale Malassimilation

  • Angeborener oder erworbener Faktorenmangel

  • Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten (Cumarin-Derivate)

  • Verbrauchskoagulopathie

D-Dimere

D-Dimere Labor

  • $D-DimereLaborNormwert: < 0,5 µg/ml

  • D-Dimere: Lungenembolie, tiefe Beinvenenthrombose, Herzinfarkt, DIC

Benötigtes Material
2 ml Zitrat-Blut
Physiologische Bedeutung
Syn. FSP (Fibrinogenspaltprodukte). D-Dimere sind Spaltprodukte von Fibrin. Sie entstehen im Körper, wenn unter Aktivierung von Plasmin Thromben aufgelöst werden. Sie werden bestimmt, wenn Hinweise auf eine thrombembolische Erkrankung bestehen oder wenn diese ausgeschlossen werden soll, u. a. Lungenembolie, tiefe Beinvenenthrombose oder eine Verbrauchskoagulopathie.
Normwert
< 0,5 µg/ml
Abweichungen vom Normwert
D-Dimer-Erhöhung
  • Tiefe Beinvenenthrombose

  • Lungenembolie

  • Herzinfarkt

  • Postoperativ

  • Verbrauchskoagulopathie (DIC)

  • Tumoren

  • Schwangerschaft

  • Autoimmunerkrankungen, z. B. beim systemischen Lupus erythematodes, Arteriitis temporalis

D-Dimer-Erniedrigung
Ohne klinische Bedeutung

Proteinstoffwechsel

Gesamtprotein

Gesamtprotein Labor

  • $GesamtproteinLaborNormwert: 6,6–8,3 g/dl

  • Hypoproteinämie:HypoproteinämieGesamtproteinLabor erhöhter Verlust bei Nierenerkrankungen, Verbrennungen, Malabsorption, Synthesestörungen, u. a. bei Leberinsuffizienz, Anorexia nervosa, Schwangerschaft

  • Hyperproteinämie:HyperproteinämieGesamtproteinLabor Plasmozytom, chronische Entzündungen, Leberzirrhose

Benötigtes Material
0,5 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Die Proteine im Blut stellen eine heterogene Gruppe dar. Sie setzen sich aus Albuminen und Globulinen zusammen. Serumproteine werden mit Ausnahme der Immunglobuline in der Leber gebildet und haben folgende Funktionen:
  • Pufferwirkung

  • Bindungs- und Transportfunktion

  • Humorale Infektabwehr

  • Spezifische Aufgaben als Enzyme oder Hormone

Die Proteine im Blut können mittels Elektrophorese (7.6.2) in Albumine, α1-, α2-, β- und γ-Globuline aufgetrennt werden.
Normwert
  • Gesamtprotein: 6,6–8,3 g/dl

  • Albumin: 5,4–6,5 g/dl

  • α1-Globuline: 2–5 g/dl

  • α2-Globuline: 7–13 g/dl

  • β-Globuline: 8–15 g/dl

  • γ-Globuline: 11–22 g/dl

Abweichungen vom Normwert
Hypoproteinämie
Hypoproteinämie
  • Nierenerkrankungen, die zu einem erhöhten Verlust führen, z. B. nephrotisches Syndrom

  • Malabsorption, z. B. Zöliakie, chronische Durchfälle

  • Synthesestörungen, z. B. Antikörpermangelsyndrom, Leberinsuffizienz, Mangelernährung, z. B. bei Anorexia nervosa

  • Verbrennungen, die erhöhte Verluste über die Haut nach sich ziehen

  • Schwangerschaft

Hyperproteinämie
Hyperproteinämie
  • Plasmozytom

  • Chronisch entzündliche Erkrankungen

  • Leberzirrhose, mit Anstieg der γ-Globuline und Erniedrigung von Albumin

  • Schwere Dehydratation

Eiweiß-Elektrophorese

Elektrophorese Labor Eiweiß-Elektrophorese Labor

  • $Eiweiß-ElektrophoreseLaborα1-, α2-Globuline: Frühstadium akuter Entzündungen

  • γ-Globuline ↑ (polyklonale Gammopathie): Spätstadium akuter Entzündungen, Leberzirrhose, chronische Entzündungen

  • γ-Globuline ↑ (monoklonale Gammopathie): Plasmozytom, Morbus Waldenström

Benötigtes Material
0,5 ml Serum
Physiologische Bedeutung
In der Eiweiß-Elektrophorese werden Serumeiweiße in 5 Fraktionen nach Ladung und Dichte aufgetrennt und graphisch dargestellt. Die Fraktionen enthalten unterschiedliche Eiweiße:
  • Albumin

  • α1-Globuline (u. a. α1-Antitrypsin, HDL)

  • α2-Globuline (u. a. Haptoglobin, Coeruloplasmin)

  • β-Globuline (u. a. Transferrin, Fibrinogen, LDL, Komplementfaktoren)

  • γ-Globuline (IgM, IgG, z. T. IgA, CRP)

Die Elektrophorese ermöglicht Diagnostik und Verlauf von u. a. akuten und chronischen Entzündungen, Leber- und Nierenkrankheiten, Gammopathien und Antikörpermangelsyndromen.
Normwert
  • Albumin: 5,4–6,5 g/dl

  • α1-Globuline: 2–5 g/dl

  • α2-Globuline: 7–13 g/dl

  • β-Globuline: 8–15 g/dl

  • γ-Globuline: 11–22 g/dl

Abweichungen vom Normwert
  • Erhöhung der α1- und α2-Globuline: Frühstadium akuter Entzündungen

  • Erhöhung der γ-Globuline (polyklonale Gammopathie): Spätstadium akuter Entzündungen, Leberzirrhose (mit Albumin-Erniedrigung), chronische Entzündungen

  • Erhöhung der γ-Globuline (monoklonale Gammopathie): Plasmozytom, Morbus Waldenström

  • Erniedrigung der γ -Fraktion: Antikörpermangelsyndromen

Albumin

Albumin Labor

  • $AlbuminLaborNormwert: 5,4–6,5 g/dl

  • Hyperalbuminämie:$Hyperalbuminämie Dehydratation

  • Hypoalbuminämie:$Hypoalbuminämie Leberzirrhose, nephrotisches Syndrom, Verbrennungen, hohe Verluste über den Darm, akute Entzündungen

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Albumin wird in der Leber synthetisiert. Die Produktion ist u. a. von der Nahrungszufuhr abhängig. Albumin hat vielfältige Wirkungen im Körper, z. B. Aufrechterhaltung des onkotischen Drucks, Transport und Bindung von Bilirubin, freien Fettsäuren, Aminosäuren, Hormonen, Medikamenten oder Elektrolyten sowie mobiles Eiweißdepot. Eine verminderte Albuminkonzentration im Serum hat u. a. symmetrische, eindrückbare Ödeme zur Folge.
Normwert
5,4–6,5 g/dl
Abweichungen vom Normwert
Hyperalbuminämie
HyperalbuminämieDehydratation
Hypalbuminämie
Hypalbuminämie
  • Leberzirrhose im dekompensierten Stadium, chronische Lebererkrankungen

  • Nephrotisches Syndrom (gleichzeitige Erhöhung der α2- und β-Fraktion)

  • Verbrennungen (gleichzeitige Erhöhung der α1-, α2- und β-Fraktion)

  • Gastrointestinale Störungen, z. B. Malnutrition, hohe gastrointestinale Verluste

  • Akute Entzündungen

Fettstoffwechsel

Triglyzeride

Triglyzeride Labor

  • $TriglyzerideLaborNormwert: < 150 mg/dl

  • Triglyzeride: familiäre Formen, Diabetes mellitus, Adipositas, Alkoholabusus, Leber-, Nierenerkrankungen, Hypothyreose, Hyperkortisolismus

  • Triglyzeride: Unterernährung

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Triglyzeride (Neutralfette) bestehen aus Glyzerin und Fettsäuren. Sie werden zum einen mit der Nahrung aufgenommen, zum anderen können sie in der Leber und im Darm synthetisiert werden. Im Körperkreislauf werden sie in Chylomikronen und v. a. in VLDL transportiert. Sie werden im Fettgewebe des Körpers gespeichert und stellen eine wichtige Energiereserve dar. Die Bestimmung der Triglyzeride dient der Beurteilung des Risikos der Arteriosklerose sowie der Kontrolle diätetischer und medikamentöser lipidsenkender Maßnahmen.
Praktische Tipps
  • Die Konzentration der Triglyzeride ist 2–6 Stunden nach Nahrungsaufnahme am höchsten, die Blutentnahme sollte daher nüchtern (nach 12–14 Stunden Nahrungskarenz) erfolgen. Postprandiale Triglyzeridbestimmungen sind nutzlos.

  • Bei erhöhten Werten empfiehlt sich die Bestimmung von Gesamtcholesterin, LDL, HDL, Lipoprotein (a) und ggf. Homocystein.

  • Falsch niedrige Werte kommen bei Vitamin-C-Einnahme und hohem Bilirubinspiegel vor.

  • Sehr hohe Werte > 800 mg/dl können eine akute Pankreatitis hervorrufen.

Normwert
< 150 mg/dl
Abweichungen vom Normwert
Triglyzerid-Erhöhung
  • Familiäre Hypertriglyzeridämie

  • Erworbene Hypertriglyzeridämie, z. B. bei Diabetes mellitus, Adipositas, Alkoholabusus, Leber- und Nierenerkrankungen

  • Hypothyreose, Cushing-Syndrom

  • Medikamentennebenwirkung, z. B. Glukokortikoide, Kontrazeptiva, Thiazide, Betablocker

Triglyzerid-Erniedrigung
Unterernährung

Cholesterin

Cholesterin Labor

  • $CholesterinLaborNormwert: < 200 mg/dl

  • Hypercholesterinämie:$Hypercholesterinämie familiäre Formen, hohe Zufuhr, Lebererkrankungen, Hypothyreose, chronische Niereninsuffizienz, nephrotisches Syndrom, Glukokortikoide, Betablocker

  • Hypocholesterinämie:$Hypocholesterinämie Hyperthyreose, konsumierende Erkrankungen, cholesterinsenkende Therapie

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Cholesterin wird mit der Nahrung aufgenommen und in hohen Mengen v. a. in Leber produziert. Es wird im Körperkreislauf v. a. in den Lipoptoteinen LDL transportiert, ferner in HDL und VLDL. Es wird im Körper zur Erneuerung bzw. Neubildung von Membranen und Lipoproteinen benötigt, darüber hinaus zur Herstellung von Hormonen wie Aldosteron, Kortisol und Geschlechtshormonen sowie Vitamin D und Gallensäuren.
Praktische Tipps
  • Bei erhöhten Werten empfiehlt sich die Bestimmung von Triglyzeriden, LDL, HDL, Lipoprotein (a) und ggf. Homocystein.

  • Hämolytische Blutproben liefern falsch niedrige Werte.

  • Mit steigenden Cholesterinspiegeln erhöht sich das Risiko einer Arteriosklerose und den damit verbundenen Folgekrankheiten wie z. B. Herzinfarkt, Apoplex, pAVK.

Normwert
< 200 mg/dl
Abweichungen vom Normwert
Hypercholesterinämie
Hypercholesterinämie
  • Familiäre Hypercholesterinämie

  • Erworbene Hypercholesterinämie, z. B. durch hohe Zufuhr, Lebererkrankungen, Hypothyreose, chronische Niereninsuffizienz, nephrotisches Syndrom

  • Medikamente: Glukokortikoide, Kontrazeptiva, Thiazide, Betablocker

Hypocholesterinämie
Hypocholesterinämie
  • Hyperthyreose

  • Schwere konsumierende Erkrankungen, z. B. Malignome, Polytrauma

  • Medikamentöse lipidsenkende Therapie

LDL-Cholesterin

LDL-Cholesterin Labor

  • $LDL-CholesterinLaborNormwert: < 150 mg/dl

  • LDL: familiäre Formen, nephrotisches Syndrom, Bewegungsmangel, Überernährung, fettreiche Kost, Hypothyreose, Glukokortikoide, Kontrazeptiva, Betablocker

  • LDL: Hyperthyreose, cholesterinsenkende Therapie

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
LDL (Low Density Lipoprotein) entsteht in der Leber aus VLDL und beinhaltet die höchsten Mengen von Cholesterin. LDL-Cholesterin gilt als wichtiger arteriogener Faktor, insbesondere dann, wenn gleichzeitig das HDL erniedrigt und das Lp(a) erhöht sind.
Praktische Tipps
  • Die Bestimmung von LDL dient der Beurteilung des Risikos der Arteriosklerose sowie der Kontrolle diätetischer und medikamentöser lipidsenkender Maßnahmen.

  • Die Bestimmung muss aus dem „Nüchternblut“ erfolgen; postprandiale Werte sind nicht verwertbar.

  • Bei erhöhten Werten empfiehlt sich die Bestimmung von Gesamtcholesterin, Triglyzeriden, HDL, Lipoprotein (a) und ggf. Homocystein.

  • Das Risiko eines arteriogenen Geschehens steigt bei gleichzeitig vorhandenen anderen Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, Nikotinabusus, Bluthochdruck, Adipositas und familiäre Disposition.

Normwert
< 150 mg/dl
Die Zielwerte bei erhöhtem kardiovaskulären Risiko werden deutlich geringer angesetzt:
  • < 130 mg/dl bei Vorliegen von einem Risikofaktor (u. a. arterielle Hypertonie, Nikotinabusus, Diabetes mellitus, familiäre Belastung)

  • < 100 mg/dl bei Vorliegen von 2 oder mehreren Risikofaktoren

  • < 70 mg/dl bei vorhandener KHK

Abweichungen vom Normwert
LDL-Erhöhung
  • Familiäre Hypercholesterinämie, die z. B. mit einer Mutation des LDL-Rezeptors einhergehen kann

  • Chronische Niereninsuffizienz, nephrotisches Syndrom

  • Chronische Leber- und Gallenwegserkrankungen

  • Lebensstil: Bewegungsmangel, Überernährung, fettreiche Kost

  • Hypothyreose

  • Medikamente: Glukokortikoide, Kontrazeptiva, Thiazide, Betablocker

LDL-Erniedrigung
  • Hyperthyreose

  • Schwere konsumierende Erkrankungen z. B. Malignome, Polytrauma

  • Medikamentöse Therapie

HDL-Cholesterin

HDL-Cholesterin Labor

  • $HDL-CholesterinLaborNormwert: ♀ > 45 mg/dl, ♂ > 35 mg/dl

  • HDL: körperliche Aktivität, antiarteriogene Wirkung

  • HDL: Adipositas, Diabetes mellitus

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
HDL (High Density Lipoprotein) entsteht in der Leber und in der Darmmukosa. Es transportiert freies Cholesterin von den peripheren Zellen zurück zur Leber. HDL wirkt sich protektiv im Hinblick auf die Entstehung und die Progredienz der Arteriosklerose aus. Jede HDL-Erhöhung ist wünschenswert, da das Risiko der Arteriosklerose reduziert wird.
Normwert
  • HDL-Cholesterin:

    • ♀: > 45 mg/dl

    • ♂: > 35 mg/dl

  • Der LDL-/HDL-Quotient kann zur Abschätzung des KHK-Risikos verwendet werden:

    • < 2: niedriges Risiko

    • 3–4: mittleres Risiko

    • > 4: hohes Risiko

Abweichungen vom Normwert
HDL-Erhöhung
Körperliche Bewegung
HDL-Erniedrigung
  • Adipositas, metabolisches Syndrom

  • Diabetes mellitus

  • HDL-Erniedrigung, insbesondere in Kombination mit einer Erhöhung von LDL, Lipoprotein (a) und Homocystein erhöht das Risiko einer arteriosklerotischen Erkrankung.

Lipoprotein (a)

Lipoprotein (a) Labor

  • $Lipoprotein (a)LaborNormwert: < 30 mg/dl

  • Lp (a): Niereninsuffizienz, Infektionen, Herzinfarkt

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Lipoprotein (a) bzw. Lp (a) ist ein cholesterinreiches Lipoprotein. Es wird in der Leber gebildet, ist in erster Linie von genetischen Faktoren abhängig und wird als der stärkste arteriogene Parameter angesehen (eigenständiger Risikofaktor). Strukturell hat Lp (a) Ähnlichkeit mit Plasminogen, das eine fibrinolytische und thrombolytische Funktion hat, ohne aber dessen Funktion zu haben. Die Folge bei hohen Konzentrationen ist die Verdrängung des Plasminogens vom Rezeptor und damit ein erhöhtes Risiko für thrombotische und arteriogene Folgeschäden. Die Lp (a)-Konzentration lässt sich gezielt (diätetisch und medikamentös) nur schwer beeinflussen.
Normwert
< 30 mg/dl
Abweichungen vom Normwert
Lp (a)-Erhöhung
  • Niereninsuffizienz

  • Infektionen, Herzinfarkt, da Lp (a) ein Akut-Phase-Protein ist

Homocystein

Homocystein Labor

  • $HomocysteinLaborNormwert: < 12 µmol/l

  • Homocystein: Vitaminmangelzustände (B6, B12, Folsäure), genetische Ursachen, Hypothyreose

Benötigtes Material
2 ml NaF-Plasma
Physiologische Bedeutung
Homocystein ist ein körpereigenes Zwischenprodukt, das aus der schwefelhaltigen Aminosäure Methionin entsteht und unter normalen Umständen rasch zu Cystein oder zu Methionin umgebaut wird. Dabei werden die Vitamine B6, B2, B12, Folsäure und Vitamin C benötigt. Homocystein zeigt ausgedehnte Reaktionen mit den Gefäßwänden, die in der letzten Konsequenz arteriosklerotische Plaques zur Folge haben. Es ist ein unabhängiger Risikofaktor für Arteriosklerose und thrombembolische Erkrankungen.
Praktische Tipps
  • Die Blutentnahme sollte nüchtern erfolgen.

  • Die entnommene Probe sollte schnellstmöglich zentrifugiert und das Plasma pipettiert werden. Wenn keine Zentrifuge vorhanden ist, sollten spezielle Röhrchen (Natriumfluorid-Röhrchen) verwendet werden.

  • Falsch hohe Werte können durch eine lange Lagerung der Probe auftreten.

Normwert
< 12 µmol/l
Abweichungen vom Normwert
Homocystein-Erhöhung
  • Vitaminmangel (Vitamin B6, Vitamin B12, Folsäure)

  • Heterozygote oder homozygote Homocysteinämie

  • Homocystinurie

  • Hypothyreose

Kohlenhydratstoffwechsel

Glukose

Glukose Labor

  • $GlukoseLaborNormwert: < 100 mg/dl aus venösem Plasma (Nüchternwert < 5 mmol/l)

  • Hypoglykämie:HypoglykämieGlukoseLabor Überdosierung von Antidiabetika oder Insulin, Kohlenhydratzufuhr ↓, Sport, Alkoholismus, Leberzirrhose, Anorexie, Insulinom

  • Hyperglykämie:$Hyperglykämie Diabetes mellitus

Benötigtes Material
4 ml NaF-Blut oder 4 ml NaF-Plasma
Physiologische Bedeutung
Der Glukosespiegel wird hormonell reguliert. Beteiligt an der Regulation sind Insulin, Glukagon, Katecholamine, Kortisol und Wachstumshormone. Insulin senkt den Glukosespiegel, indem es die Glukose in die Zelle einschleust. Alle anderen genannten Hormone führen zu einer Erhöhung des Glukosespiegels.
Die Glukosebestimmung erfolgt zum Ausschluss einer diabetogenen Stoffwechsellage, Hypoglykämien, Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus und bei Neugeborenen.
Praktische Tipps
  • Der Glukosespiegel und das HbA1c sollte bei Patienten mit Adipositas in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden.

  • Glukose sollte aus speziellen Röhrchen (Natriumfluorid-Röhrchen) bestimmt werden. Eine Bestimmung aus Serumröhrchen kann wegen des Glukoseabbaus in vitro falsch niedrige Werte liefern.

Normwert
< 100 mg/dl aus venösem Plasma (Nüchternwert < 5 mmol/l)
Abweichungen vom Normwert
Hypoglykämie
Hypoglykämie
  • Überdosierung von Antidiabetika oder Insulin

  • Geringe Kohlenhydratzufuhr, sportliche Aktivität

  • Alkoholismus, Leberzirrhose

  • Anorexie

  • Katecholaminmangel

  • Insulinom

Hyperglykämie
Hyperglykämie
  • Diabetes mellitus Typ 1 und 2

  • Diabetes mellitus Typ 3: Pankreatitis, Pankreaskarzinom, Hämochromatose, Mukoviszidose, Hyperkortisolismus, Phäochromozytom, Akromegalie

  • Diabetes mellitus Typ 4: Schwangerschaftsdiabetes

HbA1c

HbA1c Labor

  • $HbA1cLaborNormwert: < 5,7 % oder < 39 mmol/mol Hb

  • HbA1c: diabetische Stoffwechsellage

  • HbA1c: Hämolyse, Erythrozytenverlust

Benötigtes Material
4 ml EDTA-Blut
Physiologische Bedeutung
HbA1c ist ein glykiertes Hämoglobin, das bei jedem Menschen im Blut vorzufinden ist. Der Anteil der Glykierung korreliert mit der Höhe und Dauer der hyperglykämischen Zustände. Es fungiert als ein „Blutzuckergedächtnis“ und erlaubt die Beurteilung der Stoffwechsellage des Patienten in den letzten 8–9 Wochen.
Erythrozyten leben ca. 16 Wochen, daher muss man einige Wochen abziehen, um die Reaktion der Glykierung, die Zeit benötigt, in etwa miteinzurechnen. Die Glykierung ist ein nicht-enzymatischer Prozess.
Praktische Tipps
  • Die regelmäßige Bestimmung des HbA1c empfiehlt sich bei diabetischen Patienten (Typ-2-Diabetes) etwa alle 3 Monate, bei Patienten mit Typ-1-Diabetes unter intensivierten Insulintherapie alle 6–8 Wochen.

  • HBA1c-Bestimmung und Durchführung eines oGTT bei Patienten mit Adipositas, um frühzeitig eine diabetische Stoffwechsellage zu erkennen.

  • Falsch hohe Werte finden sich bei Alkoholabusus, Eisenmangelanämie, Leberzirrhose.

Normwert
  • < 5,7 % oder < 39 mmol/mol Hb

  • Therapieziel bei diabetischen Patienten < 6,5 %

Abweichungen vom Normwert
Erhöhtes HbA1c
Diabetische Stoffwechsellage
Erniedrigtes HbA1c
  • Hämolyse mit verkürzter Lebensdauer

  • Erythrozytenverlust bei chronischen Blutungen

Oraler Glukosetoleranztest (oGTT)

Benötigtes Material
oraler GlukosetoleranztestLabor4 ml NaF-Blut oder 4 ml NaF-Plasma
Physiologische Bedeutung
Der orale Glukosetoleranztest (oGTT) wird bei Patienten durchgeführt, die eine grenzwertig erhöhte Plasma-Glukose aufweisen und/oder als Suchtest bei erhöhtem Diabetesrisiko, z. B. bei Adipositas.
Durchführung:
  • Messung des Glukosespiegels im Nüchternzustand

  • Gabe von 75 g Glukose oral

  • Messung des Glukosespiegels nach 2 Stunden

Praktische Tipps
  • Störende Medikamente sollten nach Möglichkeit 3 Tage vorher abgesetzt worden sein, z. B. Betablocker, Glukokortikoide, orale Kontrazeptiva, NSAR.

  • Während des oGTT sollte der Patient 2 Stunden ruhig sitzen, damit eine insulinunabhängige Glukoseeinschleusung in die Muskelzellen unterbunden wird.

  • Kontraindikationen für die Durchführung des oGTT sind u. a. fieberhafte Infekte, Lebererkrankungen, bei Frauen Zeitpunkt der Menstruation, manifester Diabetes mellitus (Nüchtern-Glukose eindeutig pathologisch) und V. a. oder bekannter Diabetes mellitus Typ 1. Der Diabetes mellitus Typ 1 geht mit absolutem Insulinmangel einher. Die Zufuhr von 75 g Glukose kann ein ketoazidotisches diabetisches Koma zur Folge haben.

Normwerte und Abweichungen vom Normwert

TABELLE 7.4

In der Schwangerschaft wird zwischen der 24.–28. Schwangerschaftswoche ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt, der einen Schwangerschaftsdiabetes aufdecken soll. Zunächst erfolgt ein Suchtest mit 50 g Glukose, wobei die Patientinnen nicht nüchtern sein müssen. Bei einem Wert im Bereich von 135–200 mg/dl sollte ein oraler Glukosetoleranztest mit 75 g Glukose folgen, der unter Nüchternbedingungen erfolgt. Die pathologischen Grenzwerte unterscheiden sich zum herkömmlichen Test wie folgt:
  • Nüchtern-Glukose: > 91 mg/dl

  • 1 Std.-Wert: > 179 md/dl

  • 2 Std.-Wert: > 152 mg/dl

Finden sich ein oder mehrere pathologische Werte, liegt ein Gestationsdiabetes vor.

Entzündungsparameter und Tumormarker

BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit)

BSG

$BSG Normwert:

    • ♀ < 50 Jahre < 20 mm 1. Std., > 50 Jahre < 30 mm 1. Std.

    • ♂ < 50 Jahre < 15 mm 1. Std., > 50 Jahre < 20 mm 1. Std.

  • BSG-Beschleunigung: Entzündungen, Tumorerkrankungen, nephrotisches Syndrom

  • Sturzsenkung:$Sturzsenkung Arteriitis temporalis, Polymyalgia rheumatica, Plasmozytom

  • BSG-Verlangsamung: Polyglobulie, Polycythaemia vera

Benötigtes Material
2 ml Zitratblut 3,8 %
Physiologische Bedeutung
Die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) ist ein unspezifischer Test, der bei entzündlichen Erkrankungen als Suchtest und Verlaufsparameter eingesetzt wird. Die Beschleunigung der BSG erfolgt frühestens 24 Stunden nach Beginn einer Entzündung. Die Werte normalisieren sich Wochen nach Ende der Entzündung.
Praktische Tipps
Bei einer manuellen Aufbereitung des Bluts werden 1,6 ml Blut mit 0,4 ml 3,8-prozentiger Natrium-Zitrat-Lösung aufgezogen und vorsichtig gemischt (geschwenkt). Das Gemisch wird in ein 20 cm langes Glasröhrchen mit 2 mm Durchmesser bis zur oberen Marke gefüllt. Nach einer Stunde wird der Wert der Senkung abgelesen und dokumentiert. Das Verhältnis 1 : 4 (Natrium-Zitrat-Lösung : Blut) muss dabei unbedingt eingehalten werden, will man Fehlerquellen vermeiden. Bei einem fertig präparierten BSG-Röhrchen muss darauf geachtet werden, das Röhrchen vollständig zu befüllen.
Normwert
  • ♀ < 50 Jahre < 20 mm nach einer Stunde, nach dem 50. Lebensjahr < 30 mm nach einer Stunde

  • ♂ < 50 Jahre < 15 mm nach einer Stunde, nach dem 50. Lebensjahr < 20 mm nach einer Stunde

Abweichungen vom Normwert
BSG-Beschleunigung
  • Entzündungsprozesse jeglicher Art

  • Tumorerkrankungen

  • Dysproteinämien, z. B. Plasmozytom, nephrotisches Syndrom

  • Leichte Erhöhungen zum Zeitpunkt der Menstruation, Einnahme von Ovulationshemmern und Schwangerschaft, Anämie

Sturzsenkung
SturzsenkungVon einer Sturzsenkung spricht man, wenn der feste Bestandteil des Bluts nach einer Stunde mehr als 100 mm abgesunken ist. Einige Autoren favorisieren die Grenze bei 80–90 mm nach der ersten Stunde. Die Sturzsenkung kommt vor z. B. bei
  • Arteriitis temporalis

  • Polymyalgia rheumatica

  • Plasmozytom

  • Schweren bakteriellen Entzündungen

  • Rheumatischen Erkrankungen

BSG-Verlangsamung
  • Polyglobulie

  • Polycythaemia vera

CRP (C-reaktives Protein)

CRP Labor

  • $CRPLaborNormwert: < 5 mg/l

  • CRP: bakterielle Infektionen, postoperative Komplikationen, chronisch entzündliche Erkrankungen, Herzinfarkt, Tumorerkrankungen

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Das CRP (C-reaktives Protein) gehört zu den Akute-Phase-Proteinen (Plasmaproteine, deren Konzentration bei entzündlichen Reaktionen ansteigt). Benannt ist das CRP nach dem C-Polysaccharid der Pneumokokken, das durch das reaktive Protein gespalten werden kann. Der Anstieg des CRP erfolgt ca. 6–12 Stunden nach Infektionsbeginn, die Halbwertszeit liegt zwischen 12–24 Stunden; somit sinkt der Parameter schnell bei Genesung bzw. nach erfolgreicher antibiotischer Therapie. Der CRP-Wert erlaubt keine Aussage bezüglich des erkrankten Organs.
Der CRP-Wert ist der beste Marker für die Diagnostik und den Therapieverlauf bakterieller Erkrankungen und der BSG-Bestimmung deutlich überlegen.
Normwert
< 5 mg/l
Abweichungen vom Normwert
CRP-Erhöhung
  • Bakterielle Infektionen

  • Nekrosen

  • Postoperative Komplikationen

  • Rheumatische Erkrankungen

  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

  • Akute Pankreatitis

  • Myokardinfarkt, instabile Angina pectoris

  • Entzündliche Reaktionen bei arteriosklerotischen Veränderungen an Gefäßen

  • Tumorerkrankungen

CRP-Erniedrigung
Ohne Krankheitswert

Anti-Streptolysin (ASL)

ASL Labor

  • $ASLLaborNormwert: < 200 IE/ml

  • ASL: akute Streptokokkeninfektionen, streptokokkenallergische Zweiterkrankungen

Benötigtes Material
2 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Das Anti-Streptolysin (ASL) ist ein Antikörper, der von den B-Zellen bei Infektionen mit β-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A gebildet wird.
ASL hat eine relativ geringe Sensitivität und Spezifität, sodass gleichzeitig auch die Antikörper anti-DNAse B und anti-Hyaluronidase bestimmt werden sollten, um die Diagnose zu sichern. Bei akuten Streptokokkeninfekten ist ein bakteriologischer Nachweis zuverlässiger. Dieser kann nach § 24 IfSG nicht vom Heilpraktiker vorgenommen werden.
Normwert
< 200 IE/ml; ein Titeranstieg weist auf akute Infektion hin
Abweichungen vom Normwert
ASL-Erhöhung
  • Infektion mit β-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A, z. B. Scharlach

  • Streptokokken-allergische Zweiterkrankungen, z. B. rheumatisches Fieber (Arthritis der großen Gelenke, Karditis, Erythema anulare, Chorea minor) oder Poststreptokokken-Glomerulonephritis

Rheumafaktorc (RF)

  • $RheumafaktorLaborNormwert: < 30 IE/ml

  • Rheumafaktor: rheumatoide Arthritis, SLE, Sjögren-Syndrom, Sklerodermie, Sharp-Syndrom, Hepatitis B, Tuberkulose, Malaria, Mononukleose, Lymphome, Sarkoidose

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Unter dem Rheumafaktor versteht man einen Autoantikörper (meist der Klasse IgM), der sich gegen den Fc-Anteil des IgG richtet. Die beiden Antikörper verbinden sich miteinander und bilden einen zirkulierenden Immunkomplex.
Der Rheumafaktor kann als Diagnose- und Verlaufsparameter bei Kollagenosen eingesetzt werden. Allerdings beweist das Vorhandensein des Rheumafaktors eine rheumatische Erkrankung nicht. Patienten mit rheumatoider Arthritis haben i. d. R. positive Titer (seropositiv), ein kleiner Teil der Patienten ist seronegativ.
Bei Verdacht auf eine rheumatoide Arthritis empfiehlt sich neben der Bestimmung des Rheumafaktors auch die Bestimmung der cyclischen Citrullin-Peptid-Antikörper (anti-CCP), die spezifischer als der Rheumafaktor sind.
Normwert
< 30 IE/ml
Abweichungen vom Normwert
Rheumafaktor-Erhöhung
  • Rheumatoide Arthritis

  • Systemischer Lupus erythematodes

  • Sjögren-Syndrom

  • Sklerodermie

  • Mixed connective tissue diseases (Sharp-Syndrom)

  • Chronische Lebererkrankungen, z. B. Hepatitis B, primäre biliäre Leberzirrhose

  • Infektionskrankheiten, z. B. Tuberkulose, Lues, Malaria oder Mononukleose

  • Lymphome

  • Sarkoidose

HLA-B27-Antigen

HLA-B27 Labor

  • $HLA-B27LaborNormwert: negativ

  • HLA-B27 positiv: Morbus Bechterew, reaktive Arthritis, Morbus Reiter, Arthritis psoriatica, chronisch-entzündliche Darmerkrankung, akute Uveitis

Benötigtes Material
4 ml EDTA-Blut
Physiologische Bedeutung
Die HLA (Humane Leukozyten Antigene) sind bestimmte Antigene, die sich auf fast allen Zellen des menschlichen Körpers finden. Sie sind ein Zelloberflächenmarker, der sich bei ca. 6–9 % der europäischen, gesunden Population findet. Sie sind zuständig für die Erkennung von „selbst“ und „fremd“, fungieren also wie der „Personalausweis“ einer Zelle. Fremde Antigene lösen eine Immunreaktion aus, z. B. bei Abstoßungsreaktionen nach Transplantationen. Bei einigen Antigenen ist der positive Nachweis mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis assoziiert, der negative Nachweis schließt sie jedoch nicht aus.
Praktische Tipps
  • Die Bestimmung des HLA-B27 eignet sich nicht als Suchtest, sondern als Bestätigungstest bei vorhandenen Symptomen.

  • Ein positives HLA-B27 beweist die genannten Erkrankungen nicht, das Risiko, daran zu erkranken, ist lediglich erhöht. Patienten, die an einer der dieser Erkrankungen leiden, sind nicht automatisch HLA-B27 positiv.

Normwert
Negativ
Abweichungen vom Normwert
HLA-B27 Antigen findet sich gehäuft bei bestimmten rheumatischen Erkrankungen, z. B.
  • Morbus Bechterew

  • Reaktive Arthritis und Morbus Reiter

  • Arthritis psoriatica

  • Morbus Crohn

  • Colitis ulcerosa

  • Akute Uveitis

Antinukleäre Antikörper (ANA)

ANA Labor

  • $ANALaborNormwert: Titer < 1 : 80

  • ANA: SLE, Sharp-Syndrom, Dermato-, Polymyositis, Sklerodermie, Sjögren-Syndrom, rheumatoide Arthritis, primär biliäre Zirrhose, Alter > 60 Jahre

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Antinukleäre Antikörper (ANA) sind eine heterogene Gruppe von Proteinen, die sich gegen den Zellkern und Zellkernbestandteile, z. B. Histone, DNA, RNA richten (Autoantikörper). Durch die Bindung der Antikörper wird die Zelle in den meisten Fällen unter Bildung einer Entzündungsreaktion zerstört.
Zu den ANA gehören u. a.
  • dsDNA-Ak: Antikörper gegen DNA (Doppelstrang)

  • ssDNA-Ak: Antikörper gegen DNA (Einzelstrang)

  • rRNP-Ak: Antikörper gegen Ribosomen

  • Scl-70-Ak: Antikörper gegen DNA-Topoisomerase I

  • CENP-Antikörper: Antikörper gegen Zentromer

Praktische Tipps
  • ANA eignen sich zur Bestimmung und als Verlaufsparameter bei Kollagenosen.

  • ANA finden sich auch bei Autoimmunkrankheiten, chronischen persistierenden Infektionen und im Alter.

Normwert
Titer < 1 : 80
Abweichungen vom Normwert
ANA-Erhöhung
  • Systemischer Lupus erythematodes

  • Mixed Connective Tissue Diseases (Sharp-Syndrom)

  • Dermatomyositis, Polymyositis

  • Sklerodermie

  • Sjögren-Syndrom

  • Rheumatoide Arthritis

  • Alkoholtoxische Leberzirrhose, Virushepatitis, primär biliäre Zirrhose

  • Thyreoiditis

  • Alveolitis, Lungenfibrose

  • Alter > 60 Jahre

Tumormarker

Tumormarker Labor

Tumormarker:$TumormarkerLabor (Glyko-)Proteine, die von Tumorzellen oder benachbarten Zellen sezerniert werden

Benötigtes Material
0,5 ml Serum/Tumormarker
Physiologische Bedeutung
Tumormarker sind Proteine oder Glykoproteine, die entweder von den Tumorzellen selbst oder von benachbarten, gesunden Zellen als Reaktion auf ein Tumorgeschehen ausgeschüttet werden. Sie sind weder tumor- noch organspezifisch. Bei einem Teil der Patienten können Tumormarker erhöht sein, ohne dass eine Tumorerkrankung vorliegt. Umgekehrt zeigen nicht alle Patienten mit einem Tumorleiden positive Tumormarker. Nachfolgend werden einige ausgewählte Tumormarker beschrieben.

MERKE

Merke

Tumormarker eignen sich zur Beurteilung des Verlaufs einer Tumorerkrankung, nicht aber als Suchparameter in der Diagnostik. Eine Ausnahme wird häufig beim PSA gemacht, das ohne Verdacht auf eine Neubildung als Suchtest verwendet wird.

Normwerte ausgewählter Tumormarker
  • CEA (carcinoembryonales Antigen) < 4,6 ng/ml

  • CA 125 (Cancer Antigen 125) < 33 U/ml

  • CA 19–9 (Cancer Antigen 19–9) < 37 U/ml

  • PSA (prostataspezifisches Antigen) < 4,0 ng/ml

  • AFP (α-Fetoprotein) < 20 ng/ml

  • HCG (humanes Choriongonadotropin) < 10 U/l

  • NSE (neuronenspezifische Enolase) < 12,5 µg/l

Abweichungen vom Normwert

TABELLE 7.5

Leber- und Pankreasdiagnostik

Allgemeines

Die Leber kann unterschiedliche Störungen aufweisen, die mittels unterschiedlicher Parameter überprüft werden können:
  • Störungen in den Leberzellen: Lassen sich mit Transaminasen (GOT, GPT), Transferase (γ-GT) und GLDH (Glutamatdehydrogenase) erfassen.

  • Störungen der Ausscheidungsleistung: Führen zu Veränderungen von Bilirubin, AP und γ-GT.

  • Syntheseleistung der Leber: Wird über Quick-Wert, PTT, Albumin und Cholinesterase bestimmt.

GOT (AST)

GOT Labor AST Labor

$ASTLabor$GOTLaborNormwert: ♀ < 35 U/l, ♂ < 50 U/l

  • GOT: Leberschädigung durch Medikamente oder bei systemischen Infektionen, Neubildungen, akute Stauungsleber, Herzmuskelschädigung; falsch hoch bei Hämolyse

  • GOT: akutes Leberversagen jeder Genese, chronische Hepatitis, ausgedehnter Herzinfarkt

Benötigtes Material
0,5 ml Serum
Physiologische Bedeutung
GOT (Glutamat-Oxalacetat-Transaminase) oder AST (Aspartat-Aminotransferase) befindet sich im Zytoplasma und in den Mitochondrien der Leberzellen, Herzmuskelzellen und Zellen der quergestreiften Muskulatur. Dieses Enzym ist nicht leberspezifisch, in Verbindung mit der GPT, GLDH und γ-GT gibt sie jedoch Hinweise auf Leberzellschädigungen.
Praktische Tipps
Bei erhöhten GOT-Werten sollten gleichzeitig GPT, γ-GT, GLDH, CK-Gesamt, CK-MB und LDH bestimmt werden.
Normwert
  • ♀ < 35 U/l

  • ♂ < 50 U/l

Abweichungen vom Normwert
Leichte GOT-Erhöhung
  • Leberschädigung durch Medikamente

  • Leberbeteiligung bei systemischen Infektionen

  • Lebertumoren, Lebermetastasen

  • Akute Stauungsleber

  • Herzmuskelschädigung (ohne GPT-Anstieg)

  • Unspezifisch, ohne Hinweis auf eine Erkrankung

  • Falsch hohe Werte durch extrakorporale Hämolyse und lange Stauung vor der Blutentnahme oder starke körperliche Belastung

Starke GOT-Erhöhung
  • Akutes Leberversagen

  • Akute Virushepatitis

  • Leberzirrhose

  • Chronische Hepatitis

  • Ausgedehnter Untergang des Herzmuskelgewebes beim Herzinfarkt

GPT (ALT)

GPT Labor ALT Labor

  • $ALTLabor$GPTLaborNormwert: ♀ < 35 U/l, ♂ < 50 U/l

  • GPT: Fettleber, Neubildungen, chronischer Alkoholkonsum, Cholangitis

  • GPT: akutes Leberversagen, Virushepatitis, Alkoholhepatitis, Stauungsleber, Leberzirrhose

Benötigtes Material
0,5 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Die GPT (Glutamat-Pyruvat-Transaminase) oder ALT (Alanin-Aminotransferase) ist ein weitgehend leberspezifisches Enzym und v. a. im Zytoplasma, in geringen Mengen auch in den Mitochondrien der Hepatozyten lokalisiert. Anstiege der GPT im Serum sind ein Hinweis auf eine gestörte bzw. erhöhte Permeabilität der Leberzellmembran und eine Leberzellschädigung.
Praktische Tipps
  • Bei hohen GPT-Werten sollten gleichzeitig GOT, γ-GT, GLDH, AP, Bilirubin und die Syntheseparameter der Leber Albumin, Quick-Wert und Cholinesterase bestimmt werden.

  • Der Schweregrad einer Leberzellschädigung kann mit dem GOT/GPT-Quotienten (de-Ritis-Quotient) abgeschätzt werden. Bei leichten Leberzellschädigungen liegt der de-Ritis-Quotient < 1, bei schweren Schädigungen und nicht hepatischen Schädigungen (Trauma, Herzinfarkt) > 1.

Normwert
  • ♀ < 35 U/l

  • ♂ < 50 U/l

Abweichungen vom Normwert
Leichte GPT/ALT-Erhöhung
  • Fettleber

  • Lebertumoren, Lebermetastasen

  • Chronischer Alkoholkonsum

  • Cholangitis

  • Falsch hohe Werte bei Hämolyse und starker Muskelarbeit

Starke GPT/ALT-Erhöhung
  • Akutes Leberversagen

  • Akute Virushepatitis

  • Chronische Hepatitis, Alkoholhepatitis

  • Stauungsleber

  • Leberzirrhose

  • Extrahepatische Cholestase

γ-Glutamyltransferase (γ-GT)

γ-GT Labor

  • $γ-GTLaborNormwert: ♀ < 40 U/l, ♂ < 60 U/l

  • γ-GT: Fettleber, Alkoholabusus, Mononukleose, medikamentös

  • γ-GT: akutes Leberversagen, alkoholtoxische und virale Hepatitis, medikamentös, Cholestase, Leberzirrhose, Neubildungen

Benötigtes Material
0,5 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Die γ-GT (Gamma-Glutamyltransferase) ist ein zellmembrangebundenes Enzym, das in den höchsten Konzentrationen in den Leber- und Gallenwegszellen vorkommt. Sie ist der empfindlichste Indikator bei Störungen der Leber und der Gallenwege.
Praktische Tipps
  • Bei hohen γ-GT-Werten sollten gleichzeitig GOT, GPT, AP, Bilirubin und die Syntheseparameter der Leber Albumin, Quick-Wert und Cholinesterase bestimmt werden.

  • Die Höhe des Enzymanstiegs korreliert mit dem Ausmaß der Leberzellschädigung. Leichte Leberschäden führen zu einem Anstieg der zellmembrangebundenen γ-GT und der zytosolischen Enzyme GPT und z. T. der GOT. Schwere Leberzellschädigungen führen zusätzlich zum Anstieg der mitochondrialen Enzyme GLDH und z. T. der GOT sowie einem Abfall der Syntheseparameter der Leber (Albumin, Quick-Wert, Cholinesterase).

Normwert
  • ♀ < 40 U/l

  • ♂ < 60 U/l

Abweichungen vom Normwert
Leichte γ-GT-Erhöhung
  • Fettleber

  • Chronischer Alkoholabusus

  • Infektiöse Mononukleose (EBV)

  • Medikamentöse Leberschädigung

Starke γ-GT-Erhöhung
  • Akutes Leberversagen

  • Alkoholtoxische Hepatitis

  • Medikamentöse Leberschädigung

  • Cholestase

  • Chronische Hepatitis

  • Leberzirrhose

  • Lebertumore, Lebermetastasen

  • Akute und chronische Pankreatitis

Glutamatdehydrogenase (GLDH)

GLDH Labor

  • $GLDHLaborNormwert: ♀ < 5 U/l, ♂ < 7 U/l

  • GLDH: nekrotisierende Leberzellschädigung, akute Virushepatitis, Verschlussikterus, Leberzirrhose, Stauungsleber

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Die Glutamatdehydrogenase (GLDH) ist ein mitochondriales Enzym, das in sehr hohen Konzentrationen in Hepatozyten vorkommen. Es kann als leberspezifisches Enzym angesehen werden und verhindert letztlich die Ammoniakanhäufung und -erhöhung im Körper. Anstiege der GLDH im Serum sind immer ein Hinweis auf eine massive, nekrotisierende Leberzellschädigung.
Praktische Tipps
Bei hohen GLDH-Werten sollten gleichzeitig GOT, GPT, γ-GT, AP, Bilirubin und die Syntheseparameter Albumin, Quick-Wert sowie Cholinesterase bestimmt werden.
Normwert
  • ♀ < 5 U/l

  • ♂ < 7 U/l

Abweichungen vom Normwert
GLDH-Erhöhung
  • Nekrotisierende Leberzellschädigung durch z. B. Pilze oder akute Virushepatitis

  • Verschlussikterus

  • Leberzirrhose

  • Stauungsleber durch z. B. akutes Rechtsherzversagen, Cor pulmonale nach Lungenembolie

Cholinesterase (ChE)

ChE labor

  • $ChElaborNormwert: ♀4.300–11.300 U/l, ♂ 5.300–12.900 U/l

  • ChE: Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, KHK, Eiweißverlust

  • ChE: Hepatitis, Leberzirrhose, toxische Leberschäden durch u. a. Vergiftungen mit Organophosphaten, Colitis ulcerosa, Unterernährung, Medikamente (ChE-Inhibitoren)

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Die Cholinesterasen (ChE) sind Enzyme, die Cholinester spalten. Sie werden in der Leber gebildet und dienen der Beurteilung der Synthesefunktion der Leber.
Praktische Tipps
Bei Erniedrigung der ChE ist die Bestimmung von Albumin, Quick-Wert, PTT, GOT, GPT, γ-GT, GLDH, AP und Bilirubin sinnvoll.
Normwert
  • ♀ 4300–11300 U/l

  • ♂ 5300–12900 U/l

Abweichungen vom Normwert
ChE-Erhöhung
  • Diabetes mellitus

  • Fettstoffwechselstörungen

  • KHK

  • Renaler oder enteraler Eiweißverlust

  • Falsch hohe Werte bei starker Stauung und extrakorporaler Hämolyse

ChE-Erniedrigung
  • Lebererkrankungen mit verminderter Syntheseleistung der Leber, z. B. Hepatitis, Leberzirrhose oder toxische Leberschäden durch u. a. Vergiftungen mit Organophosphaten (E605, E600)

  • Colitis ulcerosa

  • Unterernährung

  • Medikamente (ChE-Inhibitoren), z. B. Neostigmin, Physostigmin, Pyridostigmin

  • Falsch negative Werte in der Schwangerschaft, besonders ab dem 2. Trimenon

Bilirubin

Bilirubin Labor

  • $BilirubinLaborNormwert: Gesamt-Bilirubin < 1,1 mg/dl

  • Abweichungen vom Normwert je nach Ikterusursache

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Bilirubin ist ein Abbauprodukt des Häms. Konjugation und Exkretion in die Gallengänge erfolgen in der Leber (konjugiertes bzw. direktes Bilirubin). Störungen bei der Konjugation, Ausschleusung in die Gallengänge oder ein erhöhtes Angebot an unkonjugiertem bzw. indirektem Bilirubin manifestieren sich als Ikterus.
Praktische Tipps
  • Hämolytisches Serum ergibt falsch hohe Werte.

  • Die Bilirubinkonzentration unterliegt Tagesschwankungen, wobei morgens höhere Werte als abends gemessen werden.

  • Bei hohen Bilirubin-Werten im Serum empfehlen sich die Bestimmungen von Bilirubin und Urobilinogen im Urin.

  • Die Probe muss dunkel gelagert werden.

  • Bei V. a. eine Lebererkrankung sollte die Messung von AP, GOT, GPT, γ-GT, GLDH und der Syntheseparameter der Leber Albumin, Quick-Wert und Cholinesterase erfolgen.

Normwert
  • Gesamt-Bilirubin < 1,1 mg/dl

  • Direktes Bilirubin < 0,3 mg/dl

  • Indirektes Bilirubin < 0,8 mg/dl

Abweichungen vom Normwert

TABELLE 7.6

Alkalische Phosphatase (AP)

AP Labor

  • $APLaborNormwert: ♀ 35–105 U/l, ♂ 40–130 U/l

  • AP: cholestatische Leber- und Gallenwegserkrankungen, Knochenerkrankungen, u. a. Rachitis, Osteomalazie, Morbus Paget, Neubildungen, Hyperparathyreoidismus, Niereninsuffizienz, Sarkoidose, Antikonvulsiva

  • AP: Hypothyreose

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Die alkalische Phosphatase (AP) ist ein gewebeunspezifisches Isoenzym, das sich zellmembrangebunden im Knochen, in der Niere, in der Leber und in den Gallengangsepithelien findet. Sie hydrolysiert Phosphatester im alkalischen Milieu.
Praktische Tipps
  • Bei hohen AP-Werten sollte an Leber- bzw. Gallenwegserkrankungen und an Knochenerkrankungen gedacht werden. Die Bestimmung von GOT, GPT, γ-GT, Bilirubin, Kalzium und Phosphat erlaubt eine Verdachtsäußerung bezüglich des erkrankten Organsystems.

  • Die AP fungiert bei Osteosarkomen als Tumormarker (Verlaufsparameter).

Normwert
  • ♀ 35–105 U/l

  • ♂ 40–130 U/l

Abweichungen vom Normwert
AP-Erhöhung
  • Cholestatische Verläufe bei Leber- bzw. Gallenwegserkrankungen, z. B. akutem Leberversagen, akuter Hepatitis, Leberzellkarzinomen oder Metastasen, Okklusion des Ductus choledochus durch Gallensteine, papillärem oder Pankreaskopfkarzinom, chronischer Hepatitis, Leberzirrhose

  • Osteopathische Erhöhung bei deutlichen Umbauprozessen am Knochen, z. B. Rachitis, Osteomalazie, Morbus Paget, Osteosarkom, Knochenmetastasen, Knochenfrakturen, Hyperparathyreoidismus

  • Andere Ursachen, z. B. Niereninsuffizienz (mit verminderten Bildung von Vitamin D), Sarkoidose, Einnahme von Antikonvulsiva

  • Falsch hohe Werte bei hämolytischen Proben

AP-Erniedrigung
Hypothyreose

Lipase

Lipase Labor

  • $LipaseLaborNormwert: 13–60 U/l

  • Lipase: akute Pankreatitis, akuter Schub bei chronischer Pankreatitis, Neubildungen

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Die Lipase spaltet Triglyzeride in Glyzerin und Fettsäuren und stammt aus dem exokrinen Teil des Pankreas. Das Enzym ist als pankreasspezifisch anzusehen.
Praktische Tipps
  • Die Empfindlichkeit der Lipase ist deutlich höher als die Bestimmung der Amylase bei V. a. eine akute Pankreatitis oder einen akuten Schub einer chronischen Pankreatitis.

  • Nach diagnostisch-therapeutischen Eingriffen im Bereich des Sphincter Oddi (z. B. ERCP) erhöhen sich die Lipase-Werte.

  • Bei V. a. eine akute Pankreatitis ist die gleichzeitige Bestimmung von α-Amylase, pankreatischer Elastase 1, LDH, Glukose und Kalzium empfehlenswert. Der Anstieg der Lipase gibt in der Regel keine Auskunft über die Schwere der Pankreatitis.

Normwert
13–60 U/l
Abweichungen vom Normwert
Lipase-Erhöhung
  • Akute Pankreatitis

  • Akuter Schub einer chronischen Pankreatitis

  • Pankreastumoren im Spätstadium

  • Geringe Lipaseerhöhungen bei Niereninsuffizienz, Hepatitis oder diabetischer Ketoazidose

Pankreatische Elastase 1

pankreatische Elastase 1 Labor

  • $pankreatische Elastase 1LaborNormwert: < 2 ng/ml

  • Pankreatische Elastase 1: akute Pankreatitis, akuter Schub einer chronischen Pankreatitis

Benötigtes Material
2 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Die pankreatische Elastase 1 wird nur aus der Bauchspeicheldrüse ins Duodenum abgegeben und kann als organspezifischer Marker angesehen werden. Die Elastase ist ein proteinspaltendes Enzym. Ferner ist es an der Cholesterinresorption beteiligt.
Im Rahmen einer akuten Pankreatitis wird das Enzym im Serum, durch Zelluntergang und Freisetzung ins Blut erhöht nachgewiesen. Die Halbwertszeit ist relativ lang und beträgt bis zu 4 Tage.
Praktische Tipps
Die Bestimmung der pankreatischen Elastase 1 aus dem Stuhl wird bei einer chronischen Pankreatitis zur Beurteilung der exokrinen Organfunktion bzw. der Krankheitsprogredienz verwendet.
Normwert
< 2 ng/ml
Abweichungen vom Normwert
Erhöhung der pankreatischen Elastase 1 im Serum
  • Akute Pankreatitis

  • Akuter Schub einer chronischen Pankreatitis

α-Amylase

α-Amylase Labor

  • $α-AmylaseLaborNormwert: < 110 U/I

  • α-Amylase: akute Pankreatitis, akuter Schub einer chronischen Pankreatitis, Pankreaskarzinom, Parotitis

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Die α-Amylase ist ein kohlenhydratspaltendes Enzym, das in den Speicheldrüsen und im Pankreas vorkommt. Das Enzym ist also nicht pankreasspezifisch.
Praktische Tipps
  • Medikamente, welche die Kontraktion am Sphincter Oddi beeinflussen (z. B. Opiate), oder diagnostisch-therapeutische Eingriffe (z. B. ERCP) führen zu einer α-Amylase-Erhöhung.

  • Bei V. a. eine Pankreatitis ist die Bestimmung von Lipase, pankreatischer Elastase 1, Glukose, LDH und Kalzium indiziert.

Normwert
< 110 U/I
Abweichungen vom Normwert
α-Amylase-Erhöhung
  • Akute Pankreatitis

  • Akute Schübe einer chronischen Pankreatitis

  • Pankreaskarzinom

  • Parotitis

  • Niereninsuffizienz (renale Retention)

Nierendiagnostik

Kreatinin

Kreatinin labor

  • $KreatininlaborNormwert: ♀< 0,9 mg/dl, ♂ < 1,1 mg/dl

  • Kreatinin: akute und chronische Niereninsuffizienz (u. a. durch Volumenverluste, Glomerulonephritis, arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, Hyperurikämie), Verbrennungen, Muskelquetschungen

  • Kreatinin: Muskelmasse ↓, Schwangerschaft

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Kreatinin entsteht im Muskelstoffwechsel aus Kreatin und Kreatinphosphat und ist ein wichtiger Parameter zur Beurteilung der glomerulären Filtrationsleitung der Niere. Er ist abhängig von der Muskelmasse und dem Lebensalter des Patienten. Normale Kreatininwerte schließen eine Nierenfunktionsstörung nicht aus. Der Kreatininwert erhöht sich im Serum erst dann, wenn die Nieren über 50 % ihrer Funktion verloren haben. Bei V. a. auf leichtgradige Nierenfunktionsstörungen sollte zusätzlich die Kreatinin-Clearance bestimmt werden.
Praktische Tipps
  • Der Kreatininwert sollte bei Patienten mit Diabetes mellitus und Hypertonie regelmäßig bestimmt werden, um frühzeitig Spätkomplikationen (diabetische und hypertensive Nephropathie) zu erkennen, ferner bei Nephrolithiasis und Muskelerkrankungen.

  • Bei V. a. eine Nierenfunktionsstörung sind die Bestimmung von Harnstoff, Harnsäure, Kreatinin-Clearance, evtl. Cystatin C angebracht und ebenso eine Urinuntersuchung.

Normwert
  • ♀ < 0,9 mg/dl

  • ♂ < 1,1 mg/dl

Abweichungen vom Normwert
Kreatinin-Erhöhung
  • Akute und chronische Niereninsuffizienz, durch Volumenverluste, Nierenerkrankungen, arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, Hyperurikämie oder Abflusshindernisse

  • Glomerulonephritis bei z. B. rheumatoiden Arthritis, SLE und anderen systemischen Erkrankungen

  • Verbrennungen

  • Muskelquetschungen

  • Exsikkose (häufig bei älteren Menschen)

  • Akromegalie aufgrund der vermehrten Muskelmasse

  • Falsch hohe Werte bei körperlicher Anstrengung, Hämolyse, Hyperglykämie oder Medikamenteneinnahme wie ASS oder Ciclosporin A

Kreatinin-Erniedrigung
  • Verminderte Muskelmasse

  • Schwangerschaft

Kreatinin-Clearance

Kreatinin-Clearance Labor

  • $Kreatinin-ClearanceLaborNormwert: ♀ (bis 30. Lj.) > 95 ml/Min., ♂ (bis 30. Lj.) > 110 ml/Min.

  • Nach dem 30. Lj. pro Jahrzehnt 10 ml/Min. subtrahieren

  • Kreatinin-Clearance: geringfügige Nierenfunktionseinschränkungen

Benötigtes Material
2 ml Serum und 10 ml des 24-Stunden-Sammelurins
Physiologische Bedeutung
Unter der Clearance versteht man die Plasmamenge, die von einem bestimmten Stoff gereinigt worden ist. Die Kreatinin-Clearance ist ein sehr empfindlicher Parameter, um bereits leichte Funktionsstörungen der Niere festzustellen. Sie wird aus dem 24-Stunden-Sammelurin und dem Serum-Kreatinin bestimmt und berechnet sich nach Formel 7.1.
(C = Kreatinin-Clearance, U = Kreatinin-Konzentration im Urin, V = Urinvolumen in 24 Stunden, P = Kreatinin-Konzentration im Serum)
Durchführung
  • Urinsammlung erfolgt in einem entsprechend großen, sauberen Behälter.

  • Die Blase sollte morgens nach dem Aufstehen wie gewöhnlich komplett entleert werden. Danach beginnt die Sammelzeit des Urins über 24 Stunden.

  • Am darauf folgenden Tag sollte der erste Morgenurin noch im Sammelbehälter aufgefangen werden. Die Gesamtmenge muss ins Labor gebracht werden. Gleichzeitig erfolgt eine Blutentnahme zur Bestimmung des Kreatinins.

Praktische Tipps
  • Eine exakte Information an den Patienten zur Urinsammlung ist von essenzieller Bedeutung.

  • Kaffee und Alkohol sollten in der Sammelphase nicht getrunken werden. Starke körperlicher Anstrengung sollte gemieden werden.

  • Eine Trinkmenge von 1,5–2,0 l wird empfohlen.

  • Die Zeitspanne von 24 Stunden sollte in jedem Fall eingehalten werden.

  • Urinverluste müssen vermieden werden, ansonsten wird eine falsch niedrige Clearance gemessen.

  • Falsch hohe Werte ergeben sich bei Proteinurie.

  • Der Sammelurin sollte kühl gelagert werden.

  • Wenn das Serum-Kreatinin erhöht ist, braucht keine zusätzliche Bestimmung der Kreatinin-Clearance durchgeführt zu werden.

Normwert
  • ♀ > 95 ml/Min.

  • ♂ > 110 ml/Min.

Die Kreatinin-Clearance nimmt mit dem Alter ab. Pro Jahrzehnt werden 10 ml/Min. subtrahiert.
Abweichungen vom Normwert
Erniedrigung der Kreatinin-Clearance
Erfassung leichter Nierenfunktionseinschränkungen

Cystatin C

Cystatin C Labor

  • $Cystatin CLaborNormwert: 0,50–0,96 mg/l

  • Cystatin C: Filtrationsleistung ↓

  • Cystatin C: Hyperperfusion der Niere (Frühstadium diabetische bzw. hypertensive Nephropathie)

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Cystatin C schützt Cystein vor proteolytischen Enzymen. Dieses Protein gilt als sensitiver Marker zur Beurteilung der Nierenfunktion und erfasst auch leichte glomeruläre Funktionsstörungen. Die Konzentration im Serum hängt nur von der glomerulären Filtrationsleistung der Nieren ab.
Praktische Tipps
  • Die Blutentnahme sollte nüchtern erfolgen.

  • Cystatin C ist im Gegensatz zum Kreatinin unbeeinflusst von Alter, Geschlecht, Hyperglykämien und Medikamenteneinnahme.

  • Der Parameter kann auch bei normalen Kreatininwerten erhöht sein und zeigt bereits eine beginnende Nierenschädigung an (höhere Sensitivität als Kreatinin).

  • Bei erhöhtem Cystatin-C-Spiegel ist eine Fahndung nach den Ursachen erstrebenswert: Ausschluss u. a. von Diabetes mellitus, Hypertonie oder Medikamentenabusus.

Normwert
0,50–0,96 mg/l
Abweichung vom Normwert
Cystatin C-Erhöhung
Reduzierte glomeruläre Filtrationsleistung
Cystatin C-Erniedrigung
Glomeruläre Hyperperfusion im Frühstadium der diabetischen oder hypertensiven Nephropathie

Harnstoff

Harnstoff Labor

  • $HarnstoffLaborNormwert: 12–50 mg/dl

  • Harnstoff: eingeschränkte Nierenfunktion, katabole Stoffwechsellage, hohe Proteinzufuhr, Dehydratation

  • Harnstoff: Hungerzustände, Leberinsuffizienz

Benötigtes Material
5 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Harnstoff entsteht in der Leber aus Ammoniak und Kohlendioxid und ist ein Endprodukt des Aminosäurestoffwechsels. Harnstoff wird über die Niere ausgeschieden.
Praktische Tipps
  • Harnstoffwerte werden nicht nur von der Nierenfunktion beeinflusst, sondern auch von der exogenen Zufuhr an Proteinen.

  • Kreatinin ist wesentlich spezifischer und sensitiver bei der Beurteilung der glomerulären Funktionseinschränkung als Harnstoff.

Normwert
12–50 mg/dl
Abweichungen vom Normwert
Harnstoff-Erhöhung
  • Akute und chronische Niereninsuffizienz

  • Katabole Stoffwechsellage (Fieber, Verbrennungen)

  • Hohe Proteinzufuhr

  • Dehydratation

  • Falsch hohe Werte bei Einnahme hoher Dosen von Ascorbinsäure

Harnstoff-Erniedrigung
  • Hungerzustände, z. B. extreme Diäten, Anorexia nervosa

  • Leberfunktionsstörungen

Harnsäure

Harnsäure Labor

  • $HarnsäureLaborNormwert: ♀< 6,0 mg/dl, ♂< 7,0 mg/dl

  • Harnsäure: Hyperurikämie bzw. Gicht, Niereninsuffizienz, Zellzerfall, myeloproliferative Erkrankungen, Fastenkuren, Alkoholkonsum, medikamentös

  • Harnsäure: Hungerzustände (chronisch), akuter Gichtanfall, Leberinsuffizienz, Allopurinoltherapie

Benötigtes Material
0,5 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Harnsäure entsteht in der Leber aus dem Purinstoffwechsel und wird über die Niere ausgeschieden. Akute Harnsäure-Erhöhungen können einen akuten Gichtanfall oder eine akute Uratnephropathie hervorrufen, chronische Harnsäure-Erhöhungen können zur chronischen Gicht und/oder chronischen Niereninsuffizienz führen.
Im akuten Gichtanfall kann die Harnsäure erhöht, normal oder erniedrigt sein.
Normwert
  • ♀ < 6,0 mg/dl

  • ♂ < 7,0 mg/dl

Abweichungen vom Normwert
Harnsäure-Erhöhung
  • Hyperurikämie bzw. Gicht durch u. a. hohe Purinzufuhr, mangelnde Ausscheidung

  • Akute und chronische Niereninsuffizienz

  • Tumorzerfall, Zytostatika-, Strahlentherapie

  • Myeloproliferative Erkrankungen

  • Nahrungskarenz (Fastenkuren) mit Ausbildung einer Ketoazidose

  • Alkoholkonsum

  • Medikamente, z. B. Propanolol, Furosemid, Levodopa, Ethambutol

Harnsäure-Erniedrigung
  • Akuter Gichtanfall

  • Chronische Hungerzustände

  • Leberinsuffizienz

  • Medikamentöse Therapie mit Allopurinol, Östrogenen

Herzdiagnostik

Myoglobin

Myoglobin Labor

  • $MyoglobinLaborNormwert: ♀< 35 µg/l, ♂ < 55 µg/l

  • Myoglobin: Myokardinfarkt, Myokarditis, i. m.-Injektionen, Operationen, Traumen, starke körperliche Anstrengung, epileptische Anfälle, Muskelerkrankungen

Benötigtes Material
2 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Myoglobin wird als struktureller Bestandteil der Muskelzelle der quergestreiften Muskulatur und der Herzmuskulatur nach einem schädigenden Ereignis freigesetzt und ist im Serum bestimmbar. Myoglobin ist der erste Parameter, der nach einer Myokardschädigung ansteigt. Es ist allerdings wenig kardiospezifisch.
Praktische Tipps
  • Der Anstieg erfolgt 2–4 Stunden nach Myokardinfarkt. Dieser Parameter ist für die Frühdiagnostik geeignet.

  • Die Bestimmung des herzmuskelspezifischen Troponin T oder I, der Gesamt-CK und der CK-MB ist in der Praxis gängiger als die Bestimmung des unspezifischen Myoglobins. Das Myoglobin steigt im Serum allerdings schneller als die CK an und sinkt auch wegen der geringeren Halbwertszeit schneller.

  • Die weiterführende Diagnostik des Myokardinfarkts erfolgt neben der Bestimmung der Laborparameter u. a. über das EKG.

Normwert
  • ♀ < 35 µg/l

  • ♂ < 55 µg/l

Abweichungen vom Normwert
Myoglobin-Erhöhung
  • Myokardinfarkt und Myokarditis

  • i. m.-Injektionen

  • Operationen, Traumen

  • Starke körperliche Anstrengung

  • Epileptische Anfälle

  • Entzündliche, toxische, genetische oder metabolische Muskelerkrankungen

Troponin T und Troponin I

Troponin Labor

  • $TroponinLaborNormwert: < 14,0 pg/ml

  • Troponin T und I: Herzinfarkt, instabile Angina pectoris, Mikroinfarkte, Myokarditis, schwere Lungenembolie

Benötigtes Material
2 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Troponin T und Troponin I sind strukturelle Bestandteile der Herzmuskelzellen. Sie werden ins Blut freigesetzt, wenn Herzmuskelgewebe untergeht. Die Indikation zur Bestimmung erstreckt sich auf das akute Koronarsyndrom und die Diagnostik von Myokardinfarkten. Dieser Marker ist in der Regel 4 Stunden nach Herzzelltod positiv, eine Normalisierung der Werte erfolgt nach 1–2 Wochen.
Praktische Tipps
  • Schnelltestungen stehen zur Verfügung.

  • Neben der Troponin-Bestimmung ist auch eine Bestimmung von Gesamt-CK, CK-MB, GOT und LDH bei V. a. Myokardinfarkt angezeigt, ferner die Aufzeichnung eines EKGs.

Normwert
  • < 14,0 pg/ml

  • 14,0–50 pg/ml Beobachtungsbereich

  • > 50 pg/ml pathologisch erhöht

Abweichungen vom Normwert
Troponin T-Erhöhung
  • Herzinfarkt

  • Instabile Angina pectoris, Mikroinfarkte

  • Myokarditis

  • Invasive Eingriffe am Herzen oder an den Koronarien, z. B. PTCA

  • Hypertensive Krise

  • Schwere Lungenembolie

CK und CK-MB

CK Labor CK-MB Labor

  • $CK Labor $CK-MB Labor Normwert:

    • CK (gesamt): ♀< 170 U/l, ♂< 190 U/l

    • CK-MB: < 25 U/l (< 6 % der Gesamt-CK)

  • CK (gesamt): Myokardinfarkt, Myokarditis, i. m.-Injektionen, Operationen, Traumen, körperliche Anstrengung, epileptischer Anfall, Muskelerkrankungen, zerebrale Erkrankungen; falsch hoch bei hämolytischen Proben

  • CK-MB: Herzinfarkt

Benötigtes Material
2 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Die CK (Kreatinkinase) ist ein Dimer, das sich aus zwei Untereinheiten zusammensetzt: M (Muscle) und B (Brain). In der quergestreiften Muskulatur kommt die Variante CK-MM vor, in der Herzmuskulatur die Variante CK-MB und im Gehirn und anderen Organen die Variante CK-BB. Die CK wandelt das Protein Kreatin in Kreatinin um. Die Isoenzyme der CK werden bei Zelluntergang frei und sind dann (erhöht) im Serum nachweisbar.
Die CK-MB ist ein empfindlicher Marker für eine Myokardschädigung und zwar dann, wenn der Anteil der CK-MB zwischen 6–20 % der Gesamt-CK ausmacht. Niedrigere Werte sprechen eher für eine Enzymfreisetzung aus der Muskulatur.
Normwert
  • Gesamt-CK: ♀ < 170 U/l, ♂ < 190 U/l

  • CK-MB: < 25 U/l (< 6 % der Gesamt-CK)

Abweichungen vom Normwert
Erhöhung der Gesamt-CK
  • Myokardinfarkt, Myokarditis

  • i. m.-Injektionen

  • Operationen, Traumen

  • Körperliche Anstrengung

  • Epileptischer Anfall

  • Muskelerkrankungen, z. B. Poly- und Dermatomyositis

  • Schädel-Hirn-Trauma, Subarachnoidalblutung

  • Medikamenteneinnahme, insbesondere Statine, Diazepam, Lidocain und Procain

  • Falsch hohe Werte bei Hämolyse und hämolytischen Proben

Erhöhung der CK-MB
Herzinfarkt (CK-MB Anteil von 6–20 % der Gesamt-CK spricht für ein kardiales Geschehen)

Lactatdehydrogenase (LDH)

LDH Labor

  • $LDHLaborNormwert: < 250 U/l

  • LDH: Herzinfarkt, Myokarditis, hämolytische Anämie, Muskel-, Lebererkrankungen, Lungenembolie, Zellzerfall; falsch hoch bei körperlicher Anstrengung, hämolytischen Proben

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Die LDH (Lactatdehydrogenase) katalysiert die reversible Umwandlung von Pyruvat (Brenztraubensäure) zu Laktat (Milchsäure). Dieses Enzym findet sich im Zytoplasma jeder Zelle. Die LDH besteht aus 2 Untereinheiten, dem H-Anteil und dem M-Anteil, die in 5 unterschiedlichen Kombinationen vorliegen (Isoenzyme). Im Herzmuskel und den Erythrozyten findet sich v. a. die LDH Isoenzyme 1 und 2. Das LDH Isoenzym 3 findet sich in Milz, Lunge und Thrombozyten. In der Leber und im Skelettmuskel sind die LDH Isoenzyme 4 und 5 lokalisiert. Die LDH ist bei der Spätdiagnostik der Herzinfarkte relevant, weil eine Normalisierung erst nach 1–2 Wochen erfolgt.
Normwert
< 250 U/l
Abweichungen vom Normwert
LDH-Erhöhung
  • Herzmuskelerkrankungen, z. B. Herzinfarkt, Myokarditis

  • Hämolytische Anämien

  • Muskelerkrankungen, z. B. Trauma, Entzündung oder Speicherkrankheiten

  • Lebererkrankungen, z. B. Hepatitis oder Intoxikationen

  • Lungenembolie

  • Zerfall maligner Tumore

  • Falsch hohe Werte bei körperlicher Anstrengung und hämolytischen Proben

Schilddrüsendiagnostik

Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH)

TSH Labor

  • $TSHLaborNormwert: 0,4–2,5 mU/l

  • TSH: primäre Hypothyreose (betrifft die Schilddrüse und geht mit erniedrigten T3- und T4-Werten einher) jeder Genese

  • TSH: Hyperthyreose durch u. a. autonomes Adenom oder Morbus Basedow, Substitution der Schilddrüsenhormone

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Thyroidea-stimulierendes Hormon (TSH) wird im Hypophysenvorderlappen produziert und stimuliert in der Schilddrüse die Produktion der Hormone T3 und T4. Die Konzentration im Serum unterliegt einer negativen Rückkopplung. Je höher das T3, T4 im Serum ist, desto geringer ist das TSH. Je niedriger die Konzentrationen von T3, T4 ist, desto höher ist der TSH-Spiegel. Das TSH ist der wichtigste Parameter in der Schilddrüsendiagnostik.
Normwert
  • 0,4–2,5 mU/l

  • 2,5–4,0 mU/l (Grenzbereich)

Abweichungen vom Normwert
TSH-Erhöhung
  • Primäre Hypothyreose (betrifft die Schilddrüse und geht mit erniedrigten T3- und T4-Werten einher)

  • Sekundäre Hyperthyreose mit Ursachen in der Hypophyse (sehr selten)

  • Autoimmunthyreoiditis Hashimoto bei hypothyreoter Stoffwechsellage

TSH-Erniedrigung
  • Hyperthyreose durch ein autonomes Adenom, immunogene Hyperthyreose durch Morbus Basedow

  • Substitution der Schilddrüsenhormone

  • Sekundäre Hypothyreose (Hypophyseninsuffizienz)

T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin)

T3 Labor T4 Labor

  • $T4 Labor $T3 Labor Normwert:

    • Freies T3 (fT3): 2,2–5,5 pg/ml

    • Freies T4 (fT4) 0,6–1,8 ng/dl

  • T3/T4: Hyperthyreose jeder Genese

  • T3/T4: Hypothyreose jeder Genese

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) werden in der Schilddrüse produziert und ins Blut abgegeben. Ein Teil ist an Transportproteine gebunden und nicht wirksam, ein anderer Teil zirkuliert frei und stellt die wirksame Fraktion dar. T3 ist die eigentlich wirksame Form, T4 stellt eine zirkulierende Depotform dar und kann durch Dejodierung in T3 umgewandelt werden. Empfohlen wird die Bestimmung der freien Hormonfraktion fT3 und fT4.
Normwert
  • T3: 1,30–3,10 nmol/l

  • Freies T3 (fT3): 2,2–5,5 pg/ml

  • T4: 65–160,0 nmol/l

  • Freies T4 (fT4) 0,6–1,8 ng/dl

Abweichungen vom Normwert
T3- und T4-Erhöhung
Hyperthyreose durch z. B. Morbus Basedow, autonomes Adenom, Hashimoto-Thyreoiditis (Frühstadium)
T3- und T4-Erniedrigung
  • Hypothyreose durch z. B. Hashimoto-Thyreoiditis (Spätstadium), nach Strumektomie, Radiojodtherapie der Schilddrüse oder thyreostatische Therapie

  • Reduzierte Stoffwechsellage

Schilddrüsen-Antikörper

Schilddrüsen-Antikörper Labor

  • $Schilddrüsen-Antikörper Labor Normwert:

    • TPO-AkTPO-AkLabor: < 80 IU/ml

    • TRAK: < 1,8 IU/ml

  • TPO-Ak: Hashimoto-Thyreoiditis, primäres Myxödem, Morbus Basedow

  • TRAKTRAKlabor: Morbus Basedow

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Thyreoperoxidase-Antikörper (TPO-Ak) richten sich gegen das Enzam Thyreoperoxidase, das ein integrales Membranprotein der Schilddrüsenzellen darstellt. Es fungiert als ein wichtiges Enzym in der Synthese von T3 und T4. Langfristige Einwirkung der Autoantikörper führt zur mangelnden Bildung von Schilddrüsenhormonen und zur Ausbildung einer Hypothyreose.
TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) sind stimulierende Autoantikörper, die beim Morbus Basedow gebildet werden. Sie besitzen eine stimulierende Wirkung im Hinblick auf die Schilddrüsenfunktion und die Produktion der Hormone T3 und T4 und auch im Hinblick auf die Wachstumsfunktion an den Schilddrüsenzellen, Zellen des retroorbitalen Fettgewebes und der Schienbeinvorderkante. Sie korrelieren nicht mit dem Grad der Überfunktion der Schilddrüse, aber mit der Wachstumsfunktion an den Zellen, sodass v. a. die Aktivität der endokrinen Orbitopathie beurteilt werden kann.
Normwerte
  • TPO-Ak (MAK): < 80 IU/ml

  • TRAK: < 1,8 IU/ml

Abweichung vom Normwert
TPO-Ak (MAK)-Erhöhung
  • Hashimoto-Thyreoiditis

  • Primäres Myxödem

  • Morbus Basedow

  • Postpartale Thyreoiditis

TRAK-Erhöhung
  • Morbus Basedow

  • Postpartale Thyreoiditis

  • In wenigen Fällen Hashimoto-Thyreoiditis

Knochenstoffwechsel

Kalzium

Kalzium Labor

  • $Kalzium Labor Normwert:

    • Gesamtkalzium 2,2–2,6 mmol/l

    • Ionisiertes Kalzium 1,1–1,3 mmol/l

  • Hyperkalzämie:$Hyperkalzämie Knochentumoren, osteolytische Knochenmetastasen, primärer Hyperparathyreoidismus, Sarkoidose, Plasmozytom, Hyperthyreose, NNR-Insuffizienz, Immobilisation, Vitamin-D- und A-Intoxikationen

  • Hypokalzämie:$Hypokalzämie Hypoparathyreoidismus, Darmerkrankungen, Vitamin-D-Mangel, Nierenerkrankungen, Hyperventilation

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Kalzium ist ein sehr wichtiges Elektrolyt im Knochen- und Muskelstoffwechsel. In jeder Muskelzelle wird es zur Kontraktion benötigt. Ferner ist Kalzium an der Gerinnung (Faktor IV) beteiligt. Im Knochen finden sich die größten Vorkommen. Der Tagesbedarf liegt bei Erwachsenen bei 1 g/Tag. Die Serumkalziumkonzentration wird über Hormone reguliert, u. a. Kalzitonin, Parathormon und Vitamin D. Ein Teil des Kalziums liegt in freier Form vor (wirksame Form), ein anderer Teil ist an Albumin gebunden. Die freie Form (ionisierte Fraktion) kann durch pH-Verschiebungen beeinflusst werden. Eine Alkalose führt zur Senkung, eine Azidose zur Erhöhung der ionisierten Fraktion.
Praktische Tipps
  • Hyperkalzämie führt zu einer reduzierten Erregbarkeit der Zellen. Die Symptome sind u. a. Paresen, Obstipation, Herzrhythmusstörungen und Verwirrtheitszustände.

  • Hypokalziämie führt zu einer gesteigerten neuromuskulären Erregbarkeit. Die Symptome sind u. a. Parästhesien, Pfötchenstellung (Karpopedalspasmen) und Herzrhythmusstörungen.

Normwert
  • Gesamtkalzium 2,2–2,6 mmol/l

  • Ionisiertes Kalzium 1,1–1,3 mmol/l

Abweichungen vom Normwert
Hyperkalzämie
Hyperkalzämie
  • Knochentumoren und osteolytische Knochenmetastasen

  • Primärer Hyperparathyreoidismus

  • Sarkoidose, Plasmozytom, Hyperthyreose, Nebennierenrindeninsuffizienz

  • Knochenabbau bei Immobilisation

  • Vitamin D und A Intoxikationen

Hypokalzämie
Hypokalzämie
  • Hypoparathyreoidismus

  • Resorptionsstörungen im Rahmen von Darmerkrankungen, z. B. Zöliakie

  • Hypalbuminämie bei Leberzirrhose, nephrotischem Syndrom

  • Vitamin-D-Mangel, durch geringe Synthese und Zufuhr

  • Diuretikatherapie

  • Nierenerkrankungen mit verminderter Bildung von Vitamin D

  • Hyperventilation: geht mit Ausbildung einer respiratorischen Alkalose und einer erhöhten Bindung von freien Kalziumionen an Albumin einher → relativer Kalziummangel, der tetanische Krämpfe auslösen kann (normokalzämische Tetanie)

Phosphat

Phosphat Labor

  • $PhosphatLaborNormwert: 0,84–1,45 mmol/l

  • Hyperphosphatämie:$Hyperphosphatämie Niereninsuffizienz, Knochenmetastasen, Hypoparathyreoidismus, Akromegalie

  • Hypophosphatämie:$Hypophosphatämie primärer und sekundärer Hyperparathyreoidismus, Vitamin-D-Mangel

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Phosphat befindet sich zum größten Teil in Knochen sowie Zähnen und dort im Interzellularraum. Die Regulation erfolgt hormonell über Parathormon und Vitamin D. Die Ausscheidung erfolgt über die Niere.
Praktische Tipps
Die diagnostische Bewertung des Phosphats sollte immer im Zusammenhang mit Kalzium erfolgen, da Störungen der regulierenden Hormone (Vitamin D und Parathormon) immer beide Stoffe betreffen. Bei hohen Werten sollten die Nierenretentionswerte bestimmt werden (Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure).
Normwert
0,84–1,45 mmol/l
Abweichungen vom Normwert
Hyperphosphatämie
Hyperphosphatämie
  • Fortgeschrittene Niereninsuffizienz

  • Knochenmetastasen

  • Hypoparathyreoidismus

  • Akromegalie

Hypophosphatämie
Hypophosphatämie
  • Primärer Hyperparathyreoidismus

  • Sekundärer Hyperparathyreoidismus: Hypokalzämie, Vitamin-D-Mangel, Malabsorptionssyndrom

  • Rachitis, Osteomalazie

  • Angeborene Nierenerkrankungen

Vitamin D

Vitamin D Labor

  • $Vitamin DLaborNormwert: ≥ 30 ng/ml (≥ 75 nmol/l)

  • Vitamin D: mangelnde Zufuhr, mangelnde Lichtexposition, erhöhter Bedarf bei Kindern, in der Schwangerschaft, Stillzeit, postmenopausal, Alter, mangelnde Resorption, Niereninsuffizienz

  • Vitamin D: Substitution, Sarkoidose, Tuberkulose

Benötigtes Material
2 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Vitamin D ist an der Regulation des Kalzium-Phosphat-Stoffwechsels beteiligt und essenziell für die Knochenmineralisierung. Ferner sind extraossäre Wirkungen bekannt wie z. B. günstige Auswirkung auf das kardiovaskuläre System, die Gesamtmortalität bei älteren Menschen und vermutlich über immunmodulatorische Effekte eine tumorprotektive Wirkung. Vitamin D kann mit Nahrungsmitteln zugeführt oder vom Organismus aus Cholesterin hergestellt werden. Cholesterin wird unter UV-Bestrahlung in der Haut zu Cholecalciferol umgebaut, gelangt zur Leber und wird zu 25-Hydroxycholecalciferol aktiviert. Im Anschluss gelangt 25-Hydroxycholecalciferol in die Niere, in der es zum biologisch aktiven Vitamin D umgewandelt wird (1,25-Dihydroxycholecalciferol). Das Vitamin D ist ein Vitamin mit Hormonfunktion. Der Tagesbedarf beträgt 1000 IE/Tag bzw. 5 µg (bei Frauen > 65. Lebensjahr 10 µg).
Praktische Tipps
Bei pathologischen Befunden ist die Bestimmung von Kalzium, Phosphat, AP und Parathormon empfehlenswert.
Normwert
≥ 30 ng/ml (≥ 75 nmol/l)
Abweichungen vom Normwert
Vitamin-D-Erniedrigung
  • Mangelnde Zufuhr

  • Mangelnde Lichtexposition

  • Erhöhter Bedarf bei Kindern, in der Schwangerschaft, Stillzeit, nach der Menopause und bei älteren Menschen

  • Mangelnde Resorption z. B. bei Sprue, Pankreasinsuffizienz, Morbus Crohn

  • Niereninsuffizienz

  • Primär biliäre Zirrhose

  • Einnahme von Antikonvulsiva

Vitamin-D-Erhöhung
  • Hohe Dosierungen bei Substitution

  • Granulomatöse Erkrankungen, z. B. Sarkoidose, Tuberkulose

Parathormon

Parathormon Labor

  • $ParathormonLaborNormwert: 10–65 pg/ml

  • Parathormon: primärer und sekundärer Hyperparathyreoidismus, Niereninsuffizienz, Malabsorptionssyndrom, Vitamin-D-Mangel

  • Parathormon: Hyperkalzämie, u. a. durch maligne Tumoren, Vitamin D-Intoxikation, Sarkoidose, Hypoparathyreoidismus

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Parathormon wird in den Nebenschilddrüsen produziert und ist am Knochenstoffwechsel beteiligt. Es besteht aus 84 Aminosäuren, wobei die ersten 34 biologisch aktiv sind, und den Parathormon-Fragmenten. Parathormon erhöht den Serumkalziumspiegel durch:
  • Erhöhte Freisetzung aus dem Knochen

  • Erhöhung der Kalziumresorption im Darm

  • Steigerung der Kalziumreabsorption in der Niere

Praktische Tipps
Die Blutentnahme sollte nüchtern erfolgen. Der Probenversand muss wegen des schnellen Abbaus durch Proteasen und damit einer kurzen Halbwertszeit schnell erfolgen. Bei Verzögerungen kann die Probe tiefgefroren werden oder das Blut muss direkt im Labor entnommen werden.
Normwert
10–65 pg/ml
Abweichungen vom Normwert
Parathormon-Erhöhung
  • Primärer und sekundärer Hyperparathyreoidismus

  • Niereninsuffizienz

  • Malabsorptionssyndrom (verminderte Kalziumaufnahme)

  • Vitamin-D-Mangel mit den Folgekrankheiten Rachitis und Osteomalazie

  • Paraneoplastisches Syndrom mit ektoper Bildung von Parathormon und parathormonähnlichen Substanzen

Parathormon-Erniedrigung
  • Hyperkalzämie, u. a. durch maligne Tumoren

  • Vitamin-D-Intoxikation

  • Sarkoidose

  • Hypoparathyreoidismus

Laborbefunde bei Alkoholabusus

CDT (Carbohydrate Deficient Transferrin)

CDT Labor

  • $CDTLaborNormwert: < 1,7 % (starke Schwankungen von Labor zu Labor)

  • CDT: chronischer Alkoholkonsum

Benötigtes Material
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Das CDT (Carbohydrate Deficient Transferrin) ist ein Transferrin, das bei chronischem Alkoholabusus mit unvollständigen Kohlenhydratanteilen in der Leber gebildet wird. Die Funktion des Transferrins ist der Transport von Eisen. CDT ist ein sensitiver und spezifischer Marker bei Männern für einen hohen Alkoholkonsum (ab ca. 60 g/Tag). Bei Frauen erweist sich die Sensitivität als insuffizient. Die Normalisierung des Werts erfolgt innerhalb von 2–4 Wochen. Das CDT fungiert also als ein „Alkoholgedächtnis“.
Praktische Tipps
  • Bestimmung ist möglich bei V. a. chronischen Alkoholabusus trotz negativer Auskunft des Patienten oder V. a. Rückfall unter Entzugstherapie.

  • Eine gleichzeitige Bestimmung von γ-GT, Blutbild mit MCV und MCH ist sinnvoll.

Normwert
< 1,7 % (starke Schwankungen von Labor zu Labor)
Abweichungen vom Normwert
CDT-Erhöhung
  • Chronischer Alkoholkonsum

  • Falsch positive Werte bei chronischer Hepatitis oder primär biliärer Zirrhose

Vitamin B12 und Folsäure

Vitamin B12 Labor Folsäure Labor

  • $Folsäure Labor $Vitamin B12 Labor Normwerte:

    • Vitamin B12: 210–911 pg/ml

    • Folsäure: 7–36 nmol/l

  • Vitamin B12 und Folsäure: mangelnde Zufuhr und/oder Resorption, chronischer Alkoholabusus, Mangel an Intrinsic-Faktor, Antiepileptika, Folsäure-Antagonisten, erhöhter Bedarf in der Schwangerschaft

Benötigtes Material
2 ml Serum (Vitamin B12) bzw. 2 ml EDTA-Blut (Folsäure)
Physiologische Bedeutung
Vitamin B12 (Cobalamin) gelangt in den menschliche Körper v. a. über tierische Lebensmittel. Zur Resorption ist der Intrinsic-Faktor aus den Belegzellen des Magens notwendig. Der Komplex aus Intrinsic-Faktor und Vitamin B12 wird dann im terminalen Ileum resorbiert und in der Leber gespeichert. Folsäure gelangt v. a. über Gemüse in den menschlichen Körper. Beide Vitamine werden zur Zellerneuerung benötigt, Vitamin B12 wird ferner im neuronalen Stoffwechsel.
Bei chronischem Alkoholkonsum entwickeln sich oft Mangelzustände, die durch eine verminderte Zufuhr entstehen.
Praktische Tipps
  • Mangel an Vitamin B12 und/oder Folsäure führt u. a. zur Veränderung des Blutbilds mit Entstehung einer makrozytären (MCV ↑), hyperchromen (MCH ↑) Anämie und medullärer Hämolyse. Der Vitamin-B12-Mangel kann zusätzlich eine Polyneuropathie und funikuläre Myelose mit Markscheidenschwund verursachen.

  • Die Bestimmung der Folsäure sollte nüchtern erfolgen.

  • Folsäuremangel erhöht bei Schwangeren das Risiko für embryonale Neuralrohrdefekte. Daher erfolgt während der Schwangerschaft eine Substitution.

Normwert
  • Vitamin B12: 210–911 pg/ml

  • Folsäure: 7–36 nmol/l

Abweichungen vom Normwert
Vitamin-B12- und Folsäure-Erniedrigung
  • Mangelnde Zufuhr

  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen aufgrund Malabsorption

  • Chronischer Alkoholabusus

  • Vitamin-B12-Mangel:

    • Intrinsic-Faktor Mangel bei chronisch atrophischer Gastritis oder Magen(teil)resektion

  • Folsäure-Mangel:

    • Therapie mit Antiepileptika oder Folsäure-Antagonisten (Zytostatika, Antibiotika)

    • Vermehrter Bedarf in der Schwangerschaft

Urindiagnostik

Allgemeines

Urindiagnostik

$UrindiagnostikVor der Teststreifenuntersuchung wird der Urin makroskopisch beurteilt; er sollte klar und hellgelb sein, der Geruch aromatisch.

Die Urindiagnostik ist ein sehr altes Verfahren zur Beurteilung der Nierenfunktion. Der Urin wird zunächst makroskopisch beurteilt im Hinblick auf Menge, Farbe, Beimengungen und Geruch. In der Folge kann eine Schnelltestung mit der Teststreifenmethode durchgeführt werden und/oder der Urin ins Labor eingeschickt werden. Der Vorteil der Schnelltestung ist die schnelle Verfügbarkeit in der Praxis, der Nachteil ist das ungenaue quantitative Ergebnis. Falsch positive oder falsch negative Ergebnisse kommen ebenso häufig vor und können z. B. dadurch entstehen, dass andere im Urin vorhandene Stoffe mit den Reaktionsfenstern interagieren. Nichtsdestotrotz ist die Teststreifenmethode ein wichtiges diagnostisches Mittel, das von jedem Heilpraktiker beherrscht werden sollte.
Die Vorteile einer Urinuntersuchung im Labor sind zum einen eine genaue quantitative Erfassung der einzelnen Parameter und zum anderen deutlich weniger falsch positive und negative Befunde. Der Nachteil ist, dass der Patient am Morgen mit voller Blase in der Praxis erscheinen muss, weil die Untersuchung des Morgen- und Mittelstrahlurins am günstigsten ist und das Untersuchungsergebnis nicht gleich vorliegt.

Makroskopische Beurteilung

  • $Mittelstrahlurin Beurteilung Normwert Urinmenge:

    • ♀ 600–1600 ml/Tag

    • ♂ 800–1800 ml/Tag

  • Normwert Urinfarbe: klar und goldgelb

  • Normwert Geruch: aromatisch

Benötigtes Material
10 ml MittelstrahlurinMittelstrahlurinBeurteilung
Physiologische Bedeutung
Bei der makroskopischen Beurteilung werden primär Farbe, Beimengungen und Geruch aus dem Spontanurin beurteilt. Die Beurteilung der Tagesmenge erfordert eine Sammelzeit von 24 Stunden in einem speziellen Urinbehälter. Dabei wird am Sammeltag der erste Morgenurin wie üblich in die Toilette entlassen, ab dann beginnt die Sammelzeit. Am Folgetag wird der Morgenurin im Sammelgefäß aufgefangen und erst danach wird die Gesamtmenge bestimmt.
Normwert
Urinmenge
  • ♀ 600–1 600 ml/Tag

  • ♂ 800–1 800 ml/Tag

Urinfarbe
Klar und goldgelb
Abweichungen vom Normwert
Störungen von Diurese und Miktion

TABELLE 7.7

Urinfarbe

TABELLE 7.8

Geruch
Uringeruch Tab. 7.9

TABELLE 7.9

Dreigläserprobe

Dreigläserprobe

Die $DreigläserprobeDreigläserprobe kann bei Makrohämaturie Hinweise auf den Blutungsort geben.

  • Urethrablutung: erste Portion blutig

  • Blasenblutung: ersten 2 Portionen blutig

  • Blutung aus höher gelegenen Strukturen: alle Portionen blutig

DreigläserprobeDie Dreigläserprobe kann bei Makrohämaturie durchgeführt werden und gibt grobe Anhaltspunkte über den Ort der Blutung.
Durchführung
Die gesamte Urinmenge wird in 3 Gefäßen aufgefangen, wobei diese nacheinander befüllt werden.
Normalbefund
In allen 3 Gefäßen klarer, hellgelber Urin.
Pathologische Befunde
  • Die erste Portion ist blutig verfärbt, die 2 darauf folgenden Proben sind heller bzw. klar: tief liegende Blutung (Urethralbereich, Prostata)

  • Die beiden ersten Portionen sind blutig verfärbt und die dritte Probe ist heller: Blutungen im Blasenbereich

  • Alle Portionen sind blutig verfärbt: Blutungen aus höher gelegenen Strukturen (Ureter, Nierenbecken, Niere)

Teststreifenuntersuchung

  • UrinTeststreifenuntersuchungTeststreifenuntersuchungTeststreifenbehälter sofort nach Entnahme eines Teststreifens wieder verschließen.

  • Streifen nur ca. 1 Sekunde in den Urin eintauchen, da sonst die Reagenzien ausgespült werden.

  • Überschüssigen Urin abstreifen.

  • Unterschiedliche Reaktionszeiten beachten.

  • Teststreifen ablesen: Farbumschläge gemäß Farbskala des Röhrchens deuten.

MERKE

Merke

Eine Merkhilfe für die erfassten Parameter (nach den ersten Buchstaben der einzelnen Parameter) beim Urinteststreifentest ist „GELENKBUSS“.

Glukose
Urin Glukose Glukose Urin

$Glukose Urin Glukose:

  • Normwert: negativ

  • Glukose: Diabetes mellitus, renale Glukosurie

Physiologische Bedeutung
Glukose erscheint dann im Urin, wenn der Serumglukosespiegel 160–180 mg/dl (Nierenschwelle) übersteigt. Die Nierenschwelle steigt im Alter und bei Niereninsuffizienz.
Praktische Tipps
  • Bei einer diabetischen Nephropathie kann die Nierenschwelle für Glukose erhöht sein, sodass es selbst bei hohen Glukosewerten im Serum zu keiner Glukosurie kommt.

  • Bei älteren Menschen und bei Niereninsuffizienz wird die Glukose im Urin erst ab Werten zwischen 250 und 300 mg/dl der Serumglukose nachgewiesen.

Normwert
Negativ
Pathologische Befunde
  • GlukosurieGlukosurie: Diabetes mellitus, renale Glukosurie, Morbus Wilson, interstitielle Nephritis

  • Falsch negative Befunde: Einnahme von Ascorbinsäure (Vitamin C)

  • Falsch positive Befunde: Vorhandensein von Peroxiden (Desinfektionsmittel)

Erythrozyten
Erythrozyten Urin Urin Erythrozyten

$Erythrozyten Urin Erythrozyten:

  • Normwert: < 3/µl, negativ in der Teststreifenuntersuchung

  • Erythrozyten: Antikoagulanzien, Glomerulonephritis, Steileiden, Zystitis, Karzinome

Physiologische Bedeutung
Erythrozyten im Urin können eine Makrohämaturie (sichtbar blutiger Urin) oder eine Mikrohämaturie (Urinfarbe normal) hervorrufen. Eine Mikrohämaturie kann entweder mikroskopisch oder chemisch mit der Teststreifenuntersuchung nachgewiesen werden.
Praktische Tipps
  • Auch eine Hämoglobinurie färbt das „Blut-Fenster“ in der Teststreifen-Untersuchung positiv und ist auf eine Hämolyse zurückzuführen, während die Hämaturie durch Ausscheidung von Erythrozyten gekennzeichnet ist.

  • Die Differenzierung der Hämaturie kann im Sediment erfolgen, wobei dysmorphe Erythrozyten und/oder Erythrozytenzylinder ein Hinweis auf glomeruläre Ursachen liefern, eumorphe Erythrozyten sind ein Hinweis auf eine Störung in den ableitenden Harnwegen.

MERKE

Merke

Bei jeder schmerzlosen Hämaturie sollte ein malignes Geschehen in der Niere und den ableitenden Harnwegen ausgeschlossen werden.

Normwert
  • < 3/µl

  • Negativ in der Teststreifenuntersuchung

Pathologische Befunde
  • Prärenale HämaturieHämaturie: Einnahme von Antikoagulanzien, hämorrhagische Diathese, Infektionskrankheiten

  • Intrarenale Hämaturie: Glomerulonephritis, Nierenzellkarzinom, Niereninfarkt, Nephrolithiasis, Papillennekrose

  • Postrenale Hämaturie: Zystitis, Prostatitis, Harnleiter- und Blasensteine, Blasenkarzinom

  • Marschhämaturie bzw. Marschmyoglobinurie: durch starke körperliche Belastung

Leukozyten
Leukozyten Urin Urin Leukozyten

$Leukozyten Urin Leukozyten:

  • Normwert: < 10 Leukozyten/µl, negativ in der Teststreifenuntersuchung

  • Leukozyten: Infektionen der ableitenden Harnwege

Physiologische Bedeutung
Leukozyten im Urin sind ein Hinweis auf entzündliche Erkrankungen der Nieren und der ableitenden Harnwege.
Praktische Tipps
  • Falsch positive Befunde ergeben sich bei Kontamination des Urins durch Fluor vaginalis oder aus dem Präputium. Zu achten ist auf die vorherige Reinigung der Genitalien und die Entnahme des Mittelstrahlurins.

  • Bei positivem Leukozytenbefund sollte das Sediment, Bakterienkulturen (auch Tuberkulose) und die Nierenfunktionsparameter im Blut untersucht werden.

Normwert
  • < 10 Leukozyten/µl

  • Negativ in der Teststreifenuntersuchung

Pathologische Befunde
  • LeukozyturieLeukozyturie: Infektionen der ableitenden Harnwege, z. B. Zystitis, akute und chronische Pyelonephritis (bei der chronischen Pyelonephritis gelegentlich einziger pathologischer Befund), Prostatitis

  • Falsch positive Befunde: Kontamination des Urins durch Fluor vaginalis oder Material aus dem Präputium, Einnahme von Antibiotika

  • Falsch negative Befunde: Einwirkung von Desinfektionsmitteln oder Ascorbinsäure, Einnahme von Antibiotika

MERKE

Merke

Bei rezidivierender Leukozyturie empfehlen sich eine Sedimentuntersuchung, Anzüchtung von Bakterienkulturen aus dem Urin und die Prüfung der Nierenfunktionsparameter.

Bei Leukozyturie ohne Keimnachweis (sterile Leukozyturie) auch an das Vorliegen einer Urogenitaltuberkulose, Gonorrhö, eines Reiter-Syndroms und Analgetika-Nephropathie denken.

Eiweiß
Eiweiß Urin Urin Eiweiß

$Eiweiß Urin Eiweiß:

  • Normwert:

    • Albumin < 30 mg/24 Std.

    • Eiweiß < 150 mg/24 Std.

    • Teststreifenuntersuchung negativ

  • Eiweiß: nephrotisches Syndrom, Glomerulonephritis, fiebrige Infekte, EPH-Gestose

Physiologische Bedeutung
Eiweiß im Urin kann dann nachgewiesen werden, wenn entweder die glomeruläre Permeabilität erhöht ist und/oder die tubuläre Rückresorption insuffizient ist. Beim Schütteln schäumt der Urin bei ProteinurieProteinurie (Abb. 7.3).
Praktische Tipps
  • Die Eiweißbestimmung im Urin sollte im Morgenurin erfolgen.

  • Die Bestimmung der Albumine im Urin ist ein wichtiger Parameter bei Abschätzung der diabetischen Nephropathie und der hypertensiven Nephropathie. Eine Albumin-Ausscheidung von 30–300 mg/Tag (Mikroalbuminurie) ist ein Hinweis auf eine Nierenschädigung und sollte fachärztlich abgeklärt werden.

Normwert
  • Albumin < 30 mg/24 Std.

  • Eiweiß < 150 mg/24 Std.

  • In der Teststreifenuntersuchung negativ

Pathologische Befunde
  • Eiweiß positiv:

    • Nierenerkrankungen, z. B. Glomerulonephritis (< 3,5 g/Tag) oder nephrotisches Syndrom (> 3,0–3,5 g/Tag), Pyelonephritis

    • Herzinsuffizienz

    • Fieberhafte Infektionen

    • Harnwegsinfekte

    • In der Schwangerschaft Hinweis auf eine EPH-Gestose

  • Falsch positive Befunde: körperliche Anstrengung, Unterkühlung, Erhitzung, Stress, Urin-Alkalisierung

MERKE

Merke

Bence-Jones-Proteine beim Plasmozytom sind über die Teststreifenuntersuchung nicht nachweisbar.

Nitrit
Nitrit Urin Urin Nitrit

$Nitrit Urin Nitrit:

  • Normwert: negativ

  • Nitrit: Infekte der ableitenden Harnwege mit nitritbildenden Bakterien

Physiologische Bedeutung
Nitrit im Urin ist ein Hinweis auf eine bakterielle Besiedlung der ableitenden Harnwege mit nitritbildenden Bakterien, z. B. Escherichia coli, Proteus mirabilis, Klebsiellen oder Citrobacter. Dabei wandeln die Bakterien Nitrat in Nitrit um. Jede noch so dezente Verfärbung des Nitritfensters im Teststreifen muss als verdächtig angesehen werden.
Praktische Tipps
Bei Verdacht auf eine Infektion sollten immer das pH-Fenster in der Teststreifenuntersuchung sowie Leukozyten und Bakterien im Sediment bestimmt werden.
Normwert
Negativ
Pathologische Befunde
  • Positiv: Infektionen der ableitenden Harnwege, z. B. Zystitis, Pyelonephritis, Prostatitis

  • Falsch positive Befunde: Untersuchung von abgestandenem Urin

  • Falsch negative Befunde: zu kurze Verweildauer des Urins in der Blase (→ bestes Untersuchungsmaterial ist der Morgenurin), mangelnde Zufuhr nitratreicher Nahrung (→ vor der Nitrituntersuchung Gemüse verzehren)

MERKE

Merke

Negative Befunde schließen eine Harnwegsinfektion nicht aus. Eine Infektion mit nicht nitritbildenden Bakterien, z. B. Chlamydien, Mykoplasmen, ist immer noch möglich.

Ketonkörper
Ketonkörper Urin Urin Ketonkörper

$Ketonkörper Urin Ketonkörper:

  • Normwert: negativ

  • Ketone: Diabetes Typ 1, Fastenkuren (Lipolyse)

Physiologische Bedeutung
Ketone entstehen im Körper aus dem Fettsäureabbau (Lipolyse). Ketone werden teils über den Urin ausgeschieden, teils über die Lunge abgeatmet und über die Haut ausgeschieden.
Normwert
Negativ
Pathologische Befunde
  • Diabetes mellitus Typ 1: der absolute Insulinmangel führt zur ungehemmten Lipolyse und durch Fettsäureabbau zur Bildung von Ketonkörpern

  • Fastenkuren mit Mobilisierung des Fettgewebes

  • Schwangerschaftsgestose

Bilirubin und Urobilinogen
Bilirubin Urin Urin Bilirubin Urobilinogen Urin Urin Urobilinogen

$Urobilinogen Urin $Bilirubin Urin Bilirubin und Urobilinogen:

  • Normwert:

    • Bilirubin negativ

    • Urobilinogen Spuren

  • Bilirubin: Leber-, Gallenwegserkrankungen

  • Urobilinogen: Hämolyse

Physiologische Bedeutung
Bilirubin ist ein Abbauprodukt des Häms, das an Albumin gebunden zur Leber transportiert wird und dort zu wasserlöslichem, konjugiertem Bilirubin verestert wird. Dann wird es über die Gallengänge in den Darm ausgeschleust. Im Darm entsteht aus Bilirubin u. a. Urobilinogen, das auch wasserlöslich ist und ebenfalls über den Urin ausgeschieden werden kann. Bilirubin färbt den Urin dunkel.
Urobilinogen erscheint in geringen Mengen im Urin. Der größte Teil des zirkulierenden Urobilinogens wird über den enterohepatischen Kreislauf wieder in der Leber aufgenommen. Bei einer Hämolyse oder Einschränkung der Leberleistung wird Urobilinogen vermehrt über den Urin ausgeschieden.
Normwerte
  • Bilirubin negativ

  • Urobilinogen Spuren

Pathologische Befunde
Bilirubinurie
Bilirubinurie
  • Lebererkrankungen (z. B. Hepatitis, Leberzirrhose), die mit einem Rückstau des konjugierten Bilirubins ins Blut einhergehen. Das konjugierte, wasserlösliche Bilirubin wird dann über die Niere mit dem Harn ausgeschieden.

  • Postrenale Ursachen (z. B. Verschluss des Ductus choledochus), die mit einem Galleabflussproblem einhergehen.

Urobilinogenurie
Urobilinogenurie
  • Gesteigerter Bilirubinabbau, z. B. bei hämolytischer Anämie

  • Leberfunktionsstörungen mit mangelnder Resorption in der Leber

Spezifisches Gewicht
spezifisches Gewicht Labor

$spezifisches Gewicht Labor Spezifisches Gewicht:

  • Normwert:

    • 1001–1040 g/l

    • Morgenurin 1025–1040 g/l

  • Hyposthenurie:$Hyposthenurie (1001–1010 g/l) Nierenerkrankungen

  • Isosthenurie:$Isosthenurie (1010–1012 g/l) chronische Niereninsuffizienz,

  • Asthenurie:$Asthenurie (1001 g/l) Diabetes insipidus

Physiologische Bedeutung
Das spezifische Gewicht beschreibt die Menge der gelösten Teilchen pro Volumeneinheit Urin und gibt Auskünfte über die Tubulusfunktion, in dem die Konzentrierung des Harns erfolgt. Die Messung des spezifischen Gewichts erfolgt mithilfe des Urometers.
Normwert
  • 1001–1040 g/l

  • Morgenurin 1025–1040 g/l

Pathologische Befunde
  • HyposthenurieHyposthenurie (1001–1010 g/l): Die Konzentrationsfähigkeit der Niere ist beeinträchtigt, sodass ein spezifisches Gewicht von maximal 1010 g/l erreicht wird.

  • IsosthenurieIsosthenurie (1010–1012 g/l): Harnstarre bei deutlicher Funktionseinschränkung und mangelnder Konzentrationsfähigkeit der Niere.

  • AsthenurieAsthenurie (1001 g/l): Die Niere ist nicht in der Lage, den Harn zu konzentrieren, das spezifische Gewicht liegt bei 1001 g/l. Möglich bei Diabetes insipidus.

Säure (pH-Wert)
pH-Wert Urin

$pH-Wert Urin Säure (pH-Wert):

  • Normwert: pH 4,9–7,4

  • pH: vegetarische Ernährung, Harnwegsinfekte, Medikamente, Alkalose

  • pH: fleischreiche Kost, Gicht, maligne Erkrankungen, Azidose

Physiologische Bedeutung
Die Niere scheidet kontinuierlich (mit Tagesschwankungen) Saureäquivalente, die aus dem Stoffwechsel anfallen, über den Urin aus, sodass der pH-Wert des Urins auch physiologischen Tagesschwankungen unterliegt. Die tiefsten Werte werden in der Nacht und am frühen Morgen gemessen. Nach Mahlzeiten steigt der pH-Wert an.
Normwert
pH 4,9–7,4
Pathologische Befunde
  • pH-Wert-Erhöhung (Alkalisierung): vegetarische Ernährung, Medikamenteneinnahme, (z. B. Carboanhydrasehemmer), Harnwegsinfekte durch Harnstoff spaltende Bakterien (z. B. Escherichia coli), Alkalose

  • pH-Wert-Erniedrigung: fleischreiche Kost, Gicht, maligne Erkrankungen, Ketoazidose bei Diabetes mellitus Typ 1, Fastenkuren

Harnsediment

Harnsediment

$HarnsedimentDie Harnsedimentuntersuchung dient der Erfassung der festen Bestandteile des Urins.

HarnsedimentBei der Sedimentuntersuchung werden organische und anorganische feste Bestandteile untersucht, die sich nach dem Zentrifugieren des Urins auf dem Boden absetzen. Danach wird der Überstand verworfen, der Rückstand auf einem Objektträger ausgestrichen, ggf. gefärbt und unter dem Mikroskop mit einem 40er Objektiv untersucht und beurteilt.
Normwert

TABELLE 7.10

Abweichungen vom Normwert

TABELLE 7.11

Urinkultur

Urinkultur

$UrinkulturUrinkulturen werden bei bakteriellen Harnwegsinfekten angelegt, um Erregerart, Keimzahl und Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika zu untersuchen.

Bei bakteriellen Harnwegsinfektionen, insbesondere bei rezidivierenden Harnwegsinfekten, werden Bakterienkulturen angelegt, um Erregerart, Keimzahl und Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika und Resistenzspektrum (Antibiogramm) zu bestimmen. Verwendet wird der Mittelstrahlurin, der so sauber wie möglich gewonnen werden soll. Dazu wird das Waschen des Genitalbereiches empfohlen. Die Beimpfung sollte sofort nach der Urinentnahme erfolgen, um eine Vermehrung der Keime im Urin während des Transports zu unterbinden. Ist eine sofortige Beimpfung bzw. Labortransport nicht möglich, muss der Urin kühl gelagert werden. Jede Keimzahl ≥ 105/ml (Kass-Zahl) wird als signifikante Bakteriurie bezeichnet und ist therapiebedürftig.

ACHTUNG

Achtung

Ein direkter oder indirekter Erregernachweis sowie die Erregeranzucht sind dem Heilpraktiker nach § 24 und § 44 IfSG nicht gestattet.

Stuhldiagnostik

Okkultes Blut

Stuhldiagnostik okkultes Blut im Stuhl Labor

  • $okkultes Blut im StuhlLaborNormwert: negativ

  • Positiv: Blutungen aus dem Gatrointestinaltrakt, Kontamination mit Menstrualblut, ASS-, Marcumar-Einnahme

Physiologische Bedeutung
Die Untersuchung des Stuhls auf okkultes Blut ist ein empfohlener Test (bei Nicht-Risikopatienten) im Rahmen der Tumorvorsorgeuntersuchung (kolorektales Karzinom) nach dem 45. Lebensjahr. Es stehen unterschiedliche Tests zur Verfügung, u. a. der Guajak-Test, die Hämoglobin-Haptoglobin-Bestimmung oder andere immunhistochemische Testverfahren.
Durchführung Guajak-Tests
Guajak-Test
  • Der Patient erhält 3 Testbriefchen, die über eine Patientenseite und eine Arztseite verfügen.

  • Auf der Patientenseite werden an 3 verschiedenen Tagen ein Fester geöffnet, eine geringe Menge Stuhl aufgetragen und das Fenster wieder verschlossen.

  • Auf der Arztseite wird das Fenster geöffnet und die Entwicklerlösung aufgetragen.

  • Bei einer Blaufärbung ist Blut im Stuhl vorhanden. Ist kein Blut vorhanden, bleibt das Fenster weiß.

Praktische Tipps
  • Ein positiver Test ist nicht gleichzusetzen mit einer Tumorerkrankung, ein negativer Test schließt eine Tumorerkrankung nicht aus.

  • Bei positiven Ergebnissen sollten eine Koloskopie und Gastroskopie durchgeführt werden.

Normwert
negativ
Abweichungen vom Normwert
  • Positive Befunde: Blutungen im Gastrointestinaltrakt

  • Falsch positive Befunde: Kontamination mit Menstrualblut, Hämorrhoidalblut, Medikamenteneinnahme, z. B. ASS oder Cumarinderivate, Verzehr von rohem Fleisch

  • Falsch negative Befunde: erhöhte Aufnahme von Vitamin C

Pankreatische Elastase 1

pankreatische Elastase 1 Labor

  • $pankreatische Elastase 1LaborNormwert: > 200 µg/g Stuhl

  • Pankreatische Elastase 1: Pankreasinsuffizienz

Physiologische Bedeutung
Die pankreatische Elastase 1 wird nur aus der Bauchspeicheldrüse ins Duodenum abgegeben und kann als organspezifischer Marker angesehen werden. Das Enzym unterliegt keiner Spaltung während der Darmpassage, die Ausscheidung im Stuhl korreliert proportional mit der Konzentration im Duodenum. Die pankreatische Elastase 1 ist ein proteinspaltendes Enzym und an der Cholesterinresorption beteiligt.
Praktische Tipps
  • Die Bestimmung der pankreatischen Elastase 1 aus dem Blut wird bei der chronischen Pankreatitis zur Beurteilung der exokrinen Organfunktion bzw. der Krankheitsprogredienz verwendet.

  • Eine Elastase-Erniedrigung im Stuhl < 100 µg/g Stuhl ist ein Hinweis auf eine deutlich gestörte Funktion des exokrinen Pankreas'.

Normwert
> 200 µg/g Stuhl
Abweichungen vom Normwert
Elastase-Erniedrigung im Stuhl
Pankreasinsuffizienz

Lernzielkontrolle

  • Nennen Sie 4 Einfluss- und 2 Störgrößen, die sich auf das Ergebnis der Laboranalyse auswirken!

  • Welche Ursachen kommen in Betracht für eine Hyper- und Hypokaliämie? Nennen Sie je 5 Ursachen!

  • Welche Parameter werden im großen und kleinen Blutbild bestimmt?

  • Wie ist der Hämatokrit definiert? Welche Aufgabe hat das Hämoglobin? Nennen Sie die Referenzwerte für Männer und Frauen! Welche Ursachen kommen bei einer Erhöhung und Erniedrigung der Parameter in Betracht?

  • Welche Parameter sind zur Beurteilung einer Anämie wichtig?

  • Welche physiologische Bedeutung haben Leukozyten? Nennen Sie den Referenzbereich für die Gesamtleukozytenzahl! Was versteht man unter Neutrophilie, Neutropenie, Agranulozytose und Linksverschiebung und was sind deren Ursachen?

  • Welche physiologische Bedeutung haben Thrombozyten? Nennen Sie den Referenzbereich und die Ursachen für eine Thrombozytose und Thrombopenie!

  • Welche Parameter müssen bestimmt werden, um den Eisenhaushalt (etwa bei V. a. auf Eisenmangelanämie) beurteilen zu können?

  • Definieren Sie die Normwerte des Quick-Werts bzw. des INR-Wertes und benennen sie Ursachen für die Abweichungen vom Normwert.

  • Wann können erhöhte und erniedrigte Albumin- und γ-Globulinwerte gesehen werden?

  • Welche Parameter müssen bestimmt werden, um Fettstoffwechselstörungen aufdecken zu können? Warum müssen die Patienten zur Blutentnahme nüchtern sein? Welche Folgekrankheiten treten begünstigt bei erhöhten Cholesterinwerten auf?

  • Welche Informationen liefert die Untersuchung auf okkultes Blut im Stuhl? Was muss beachtet werden?

  • Bennen Sie die Normwerte für Glukose!

  • Was ist der HbA1c-Wert? Über welchen Zeitraum lässt sich die Blutzuckereinstellung beurteilen?

  • Wann ist ein oraler Glukosetoleranztest indiziert? Wie führen Sie diesen Test durch? Nennen Sie physiologische und diabetische Werte! In welchem Bereich spricht man von einer pathologischen Glukosetoleranz? Warum darf dieser Test nicht bei einem Typ-1-Diabetiker durchgeführt werden?

  • Nennen Sie Referenzwerte für die Blutsenkungsgeschwindigkeit in Abhängigkeit vom Geschlecht und Alter! Was versteht man unter einer Sturzsenkung und wann kann diese auftreten?

  • Wie verändert sich das CRP bei viralen und bakteriellen Infekten?

  • Wann macht die Bestimmung der Tumorfaktoren Sinn?

  • Welche Parameter werden bestimmt, um die Leberleistung zu beurteilen? Welche Parameter werden bestimmt, um das Ausmaß des Leberzellzerfalls und der Cholestase zu beurteilen?

  • Nennen Sie Parameter, die der Pankreasdiagnostik dienen!

  • Aus welchem Stoff entsteht Kreatinin? Weshalb ist Kreatinin ein wichtiger Wert, um die Nierenfunktion zu beurteilen?

  • Wo entstehen Harnstoff und Harnsäure? Wann können eine Erhöhung und Erniedrigung der beiden Stoffe verzeichnet werden?

  • Nennen Sie Parameter, die der Herzinfarktdiagnostik dienen! Was ist das Troponin I/T und warum ist es ein spezifischer Herzmuskelparameter?

  • Welche Parameter ist der wichtigste in der Beurteilung der Schilddrüsenfunktion? Wie verändern sich TSH, T3 und T4 bei der Hypo- und Hyperthyreose?

  • Nennen Sie Laborparameter, die der Beurteilung des Knochenstoffwechsels dienen!

  • Welche Parameter geben Hinweise auf einen chronischen Alkoholkonsum?

  • Nennen Sie die Befunde, die bei einer makroskopischen Urinbeurteilung ins Gewicht fallen! Was versteht man unter der Dreigläserprobe und wann ist diese indiziert?

  • Beschreiben Sie die Urinuntersuchung mit einem Schnelltest! Welche Parameter können im Schnelltest beurteilt werden? Welche Ursachen kommen bei Erhöhung folgender Parameter im Urin in Betracht: Glukose, pH-Alkalisierung, Nitrit, Leukozyten, Erythrozyten, Ketonkörper, Urobilinogen, Bilirubin, Proteine?

  • Was kann mit der Sedimentuntersuchung beurteilt werden?

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