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B978-3-437-56621-9.50022-1

10.1016/B978-343756621-9.50022-1

978-3-437-56621-9

Praktische Anweisungen und Maximen

Aufgaben des Arztes

Prophylaxe, Diätetik, Chirurgie

  • Gesundheit erhalten: durch Entfernung der Dinge, die die Gesundheit stören und Krankheit erzeugen ( 4, 77).

  • Beseitigung von offenkundigen Ursachen, die die Krankheit veranlassen und unterhalten [causa occasionalis] ( 4 f., 7, 186, 206 f., 252).

    • Beispiele: Entfernung eines Splitters aus der Hornhaut, Lockerung eines zu festen Verbandes, Abbinden einer verletzten Arterie, Entfernung von Fremdkörpern, Zertrümmerung eines Blasensteins, chirurgische Revision von Missbildungen usw. ( 7/1).

  • Beseitigung von Heilungshindernissen ( 3 f., 7, 94, 208, 240, 244, 252, 255, 259-261).

    • Beispiele: Umzug eines Malaria-Kranken aus der sumpfigen in eine trockene Gegend ( 238, 240, 244), Vermeidung einer schädlichen Diät und Lebensordnung, z.B. Kaffee, Tee, starke Gewürze, Zucker, Salz, Nachtleben, mangelnde Hygiene usw. ( 260).

  • Berücksichtigung und Verbesserung der Verhältnisse des Kranken bzw. der Nebenumstände ( 5, 7, 77, 94, 208, 259-261).

    • Beispiele: gesunde Diät und Lebensordnung, z.B. Aufheiterung, Bewegung, frische Luft, gute Ernährung usw. ( 261).

Behandlung innerer Krankheiten

Heilen
  • Kranke Menschen gesund machen ( 1, 17), schnell, kurz, sanft, unnachteilig, zuverlässig, sicher, gewiss, dauerhaft, vollkommen, gründlich, nach deutlich einzusehenden Gründen ( 2, 25, 27, 47, 51, 53, 61, 119/2, 145).

Nicht-arzneiliche Behandlung
Magnet-Behandlung
  • Bei Krankheiten der Sensibilität und Irritabilität sowie Krankheiten abnormen Gefühls und der unwillkürlichen Muskelbewegung.

  • Homöopathische Anwendung gemäß den positiven Wirkungen des Nord- und Süd-Pols, Mäßigung der Gaben durch kürzere oder längere Zeit des Anlegens des entsprechenden Pols, Antidotierung durch Auflegen einer Zinkplatte ( 286 f.).

Mesmerismus
  • Positiver Mesmerismus bei Mangel an Lebenskraft, Nervenleiden, alten Geschwüren, Amaurose, Lähmungen usw. sowie zur Wiederbelebung aus dem Scheintod ( 288 f.).

  • Negativer Mesmerismus (sowie Kalmieren und Ventilieren) zur Erweckung aus dem Nachtwandlerschlaf, beim Scheintod durch Anhäufung der Lebenskraft in den Präkordien bei unterdrückter Menstruation, bei übermäßiger Unruhe und ängstlicher Schlaflosigkeit nach einem allzu kräftigen positiven Strich usw. ( 289) sowie bei Besinnungs- und Bewegungslosigkeit mit Totenblässe nach einem sehr kräftigen Strich ( 289/4), kontraindiziert bei chronisch schwächlichen, lebensarmen Personen ( 289/3).

  • Ausführung: sehr schnelle Bewegung der flachen, ausgestreckten Hand, parallel, einen Zoll entfernt vom Körper, vom Scheitel bis zu den Fußspitzen. Je schneller, desto stärker die Entladung ( 289). Die zu mes-merierende Person darf nicht mit Seide bekleidet sein, der Mesmerierer sollte auf Seide stehen ( 289/2).

Massagen
  • In der Rekonvaleszenz chronisch Kranker, die noch an Abmagerung, Verdauungsschwäche und Schlafmangel leiden und langsame Erholung brauchen. Zur Tonussteigerung der Muskeln und Gefäße.

  • Ausführung: die Muskeln der Gliedmaßen, der Brust und des Rückens werden einzeln mäßig gedrückt und gleichsam geknetet ( 290).

Bäder
Lauwarme Bäder [31-34C]
  • Bei Scheintoten (Erfrorenen, Ertrunkenen, Erstickten) zur palliativen Erweckung der schlummernden Irritabilität, in Verbindung mit Kaffee und Reiben mit der Hand,

  • Bei ungleich verteilter Irritabilität (bei einigen hysterischen Krämpfen oder Konvulsionen bei Kindern) als homöopathische Beihilfe.

Kalte Bäder [7-13C]
  • Bei Mangel an Lebenswärme in der Rekonvaleszenz chronisch Kranker kurzes Eintauchen als homöopathische Beihilfe,

  • Zur Wiederherstellung des Tonus der erschlafften Fasern wiederholtes, längeres Eintauchen (einige Minuten, mit immer niedrigerer Temperatur) als Palliativ ( 291).

Arznei-Behandlung nach dem Contrarium-Prinzip
  • Indikation: Zustände mit akuter Lebensgefahr ( 67/1).

    • Beispiele: Bei Asphyxien, beim Scheintod durch Blitz, Ersticken, Erfrieren, Ertrinken usw. Behandlung durch Palliative, z.B. milde elektrische Erschütterungen, Kaffee-Klistiere, exzitierende Riechmittel, allmähliche Erwärmungen usw.

  • Antidotierung von Vergiftungen, z.B. Alkalien gegen verschluckte Mineralsäuren, Schwefelleber gegen Metallgifte, Kaffee und Campher (und Ipecacuanha) gegen Opium-Vergiftung.

Arznei-Behandlung nach dem Simile-Prinzip

Voraussetzungen homöopathischer Arzneitherapie

  • 1.

    Kenntnis der Gesamtheit der Krankheitssymptome ( 3, 6-8, 17 f., 70 f., 82-104, 209), eruierbar durch eine individualisierende Anamnese.

  • 2.

    Kenntnis der Arzneikräfte ( 3, 19-21, 70 f., 105-145), eruierbar durch Arzneimittelprüfungen an gesunden Menschen.

  • 3.

    Kenntnis der Prinzipien ihrer Anwendung (Wahl des Heilmittels, der Dosis und der Wiederholungszeit) ( 3, 22 - 27, 70 f., 146 - 285), Behandlung mit kleinsten Dosen des ähnlichsten Arzneimittels.

Anamnese
Anforderungen an den Arzt
  • Unbefangenheit, gesunde Sinne, Aufmerksamkeit beim Beobachten, Treue beim Aufzeichnen ( 83).

  • Umsicht, Bedachtsamkeit, Menschenkenntnis, Behutsamkeit im Erkundigen, Geduld ( 98).

  • Nachdenken, Gewissenhaftigkeit ( 104/1).

Prinzipien
  • Absetzen der bisher eingenommenen Arzneien, sofern möglich, ggf. Verordnung von Placebo für einige Tage (8-15 Tage) ( 91, 96/1, 281). Nur bei akuten, dringenden Zuständen Erhebung des Gesamtbildes aus ursprünglicher Krankheit und Arznei-Krankheit ( 92).

  • Erfragen verursachender Ereignisse und Veranlassungen ( 5, 93), z.B. Vergiftungen, Ausschweifungen, Onanie, Liebeskummer, Eifersucht, Ärger, Kränkungen, Misshandlungen, Hunger usw. [Erregungsursachen], Geschlechtskrankheiten, Krätzkrankheit usw. [Grund-Ursachen] ( 93/1, 206).

  • Erkundigung der Verhältnisse, Lebensordnung, Diät, häuslichen Lage, Beschäftigungen, Gemüts- und Denkart sowie des Alters [Nebenumstände, Heilungshindernisse], inwiefern sie die chronische Krankheit erregen, unterhalten oder vermehren ( 5, 94, 208), z.B. bei Frauen Schwangerschaft, Unfruchtbarkeit, Geburten, Stillen, Menses, Ausfluss usw. ( 94/1). Erkundung des Geistes- und Gemütszustandes ( 220).

  • Ermittlung bisheriger allopathischer Behandlungen, Arzneien, Bäder usw. ( 207).

  • Schriftliche Aufzeichnung ( 84 f., 255), pro Symptom eine neue Zeile ( 85), Notieren des Wortlauts des Patienten ( 84).

  • Befragung bis in kleinste Einzelheiten, zur Eruierung der sonderlichsten Symptome chronischer Krankheiten ( 95).

  • Vermeidung von Suggestivfragen und Entscheidungsfragen, die nur mit Ja oder Nein beantwortbar sind ( 87).

  • Dem Kranken ist hinsichtlich seiner Empfindungen und Ausdrücke (außer bei verstellten Krankheiten) am meisten zu glauben, mehr als den Angehörigen oder Pflegern ( 89, 98).

  • Kritische Einschätzung von Übertreibungen, z.B. bei Hypochondern, ggf. Beobachtung unter Placebo. Oder Registrierung der Neigung zu Übertreibungen als bedeutendes Symptom ( 96).

  • Individualisierung jedes Krankheitsfalls ( 82 f.) bzw. der jeweiligen Epidemie ( 100).

Vorgehen
  • Spontanbericht des Patienten, ausreden lassen ( 84), möglichst ohne Unterbrechung des Gedankenflusses ( 84/1).

  • Nachfragen nach näheren Bestimmungen und Modalitäten ( 86), z.B. hinsichtlich Zeit, Empfindungen, Lokalisation, Verlauf usw. ( 86 f.).

  • Abfragen noch nicht erwähnter Teile und Funktionen des Körpers sowie des Geistes- und Gemütszustandes ( 88), z.B. Stuhlgang, Wasserlassen, Schlaf, Laune, Konzentration, Appetit, Durst, bevorzugte Speisen und Getränke, Kopf, Glieder, Unterleib usw. ( 88/1).

  • Spezielleres Nachfragen ( 89), z.B. zu Stuhl, Urin, Erbrechen, Schlaf, Modalitäten, Kälte, Hitze, Durst, Schweiß, Menses usw. ( 89/1).

  • Beobachtungen und sinnliche Wahrnehmungen des Arztes ( 84, 90, 220), z.B. hinsichtlich Stimmung, Tonfall, Gesicht, Augen, Haut, Geruch, Gehör, Pupillen, Puls, Unterleib, Lage usw. ( 90/1).

  • Erkundigung, was dem Kranken davon an gesunden Tagen eigen war ( 90) oder welche körperlichen Symptome der jetzigen Geistes- und Gemütskrankheit vorausgingen ( 218 f.).

  • Fremdanamnese ( 84, 93, 218, 220), z.B. bezüglich peinlicher Veranlassungen wie Suizidversuche, Alkoholmissbrauch, Perversionen, Geschlechtskrankheiten, familiäre Probleme, finanzielle Not usw. ( 93/1).

  • Hervorhebung der charakteristischen Zeichen und Aktualisierung des Krankheitsbefundes entsprechend dem Verlauf während der Arzneitherapie ( 104, 209).

Arzneimittelprüfung an Gesunden
Quellen
  • Toxikologie: verwertbar als Vorläufer einer reinen Arzneistoff-Lehre ( 110).

  • Selbstversuche des gesunden, feinfühligen Arztes: optimal wegen des Vorteils der eigenen Gewissheit ( 119/2, 141, 145/1).

  • Versuche an gesunden Personen: durchzuführen unter Kontrolle des Arztes ( 139 f.).

  • Versuche an zarten, reizbaren und empfindlichen Personen: nötig, wenn eine Substanz mit sehr schwacher Wirkungskraft geprüft wird ( 121).

  • Versuche an Kranken: die klinische Beobachtung des Auftretens von Arzneimittelsymptomen während der Behandlung von Patienten ist Meistern der Beobachtung zu überlassen ( 142).

Prinzipien
  • Voraussetzung: genaue Kenntnis der Arznei, Prüfung ihrer Reinheit, Echtheit und Vollkräftigkeit ( 122, 264).

  • Einnahme in einfacher, ungekünstelter Form: einheimische Pflanzen als frisch ausgepresster Saft, ausländische Gewächse als Tinktur, Salze und Gummen in Wasser aufgelöst und trockene Pflanzen als Aufguss ( 123).

  • Verwendung von Einzelmitteln, ohne etwas anderes Arzneiliches nebenher einzunehmen ( 124).

  • Beibehaltung einer mäßigen, nicht reizenden Diät: Vermeidung von grünen Gemüsebeilagen, Wurzeln, Salaten und Suppenkräutern ( 125), es darf keine Gewöhnung an Alkohol, Kaffee oder Tee vorliegen ( 125/2).

  • Qualifikation der Versuchsperson: Glaubwürdigkeit, Gewissenhaftigkeit, Muße, Mäßigkeit, Leidenschaftslosigkeit, Aufmerksamkeit, Intelligenz usw. ( 126, 143/1).

  • Probanden beiderlei Geschlechts: zur Erhellung auch geschlechtsspezifischer Symptome ( 127).

Vorgehen
  • Einnahme von täglich 4-6 Globuli einer C30 (bzw. Q30), nüchtern, in Wasser aufgelöst, über mehrere Tage ( 128).

  • Beginn mit einer kleinen Arzneigabe. Im Fall zu schwacher Wirkung tägliche Erhöhung der Gabe um einige Globuli, bis wahrnehmbare Symptome auftreten. Auf diese Weise Ermittlung der durch die Substanz überhaupt erzeugbaren Symptome ( 129, 131 f.). Wird ein von der vorherigen Gabe erregtes Symptom von der folgenden Gabe wieder weggenommen, wird es als zweideutig eingeklammert ( 131).

  • Eine einmalige starke Einzelgabe zu Beginn ermöglicht dagegen auch die Beobachtung der Erscheinungszeit und Reihenfolge der Symptome (Charakter der Arznei) sowie der Wirkungsdauer der Arznei (bei einer feinfühligen, aufmerksamen Versuchsperson reicht eine mäßige Gabe) ( 130).

  • Zur Ermittlung der Modalitäten muss sich der Proband in verschiedene Lagen begeben, z.B. Bewegung, Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen, Essen, Trinken, Sprechen, Husten, Niesen, Tages- oder Nachtzeiten usw. ( 133).

  • Aufzeichnungen des Probanden über seine Empfindungen, Beschwerden, Zufälle und Befindensveränderungen, mit Zeitangabe zu Eintritt und Dauer jedes Symptoms. Tägliche Kontrolle und Ergänzung durch den Arzt (genaue Beschaffenheit, nähere Umstände usw.). Bei Analphabeten Niederschrift der freiwilligen Erzählung mit derselben Vorsicht wie bei der Anamnese, ohne bloßes Vermuten, Erraten und Ausfragen ( 139 f., 145/1).

  • Reihenbildung aus mehreren Versuchen: Vervollständigung des Inbegriffs aller Krankheits-Elemente durch Berücksichtigung vieler Beobachtungen an unterschiedlichen Probanden ( 134 f.).

Wahl des homöopathischen Heilmittels
Prinzipien
  • Nur Verwendung von Arzneimitteln, deren krankhafte Einwirkungen auf den gesunden Menschen vorher sorgfältig ausgeprüft und bekannt sind. Keine Verordnung nach bloßer Vermutung einer möglichen Heilsamkeit bei einer Krankheit oder auf Hörensagen ( 285/1).

  • Trotz lobenswerter Erleichterungs-Bücher (Bönninghausens Reperto-rium oder Jahrs Haupt-Anzeigen) sind das Studium der Quellen, vielseitige Umsicht und ernste Erwägung erforderlich ( 148/1, 153/1).

  • Strenge Individualisierung (Eigen-Behandlung) jedes Krankheitsfalls ( 82 f.).

  • Betrachtung des jeweils aktuellen Zustandes, der gegenwärtigen Gestalt des Übels ( 92, 167-171, 181-184, 249 f., 258, 281).

Vorgehen
  • Eruierung der Grund-Ursache der Krankheit, bei akuten Krankheiten aus den Daten ihrer wahrscheinlichsten Veranlassung, bei chronischen Krankheiten aus den bedeutungsvollsten Momenten der Krankheitsgeschichte - unter Berücksichtigung der Körperbeschaffenheit, des Gemüts- und geistigen Charakters, des Alters, der Beschäftigungen, Lebensweise, Gewohnheiten, bürgerlichen und häuslichen Verhältnisse sowie der geschlechtlichen Funktion des Kranken ( 5).

  • Ermittlung des angezeigten homöopathischen Heilmittels - unter Berücksichtigung der Grund-Ursache [chronisches Miasma o.ä.] und der Neben-Umstände - durch einen Vergleich der Symptome des Patienten mit den Symptomen der Arzneimittelprüfung an Gesunden ( 24, 80/1, 153 f.). Beide sollten einander möglichst ähnlich sein ( 22, 24, 27, 80/1, 105, 119/2, 143, 147, 152-154, 213 f., 217, 250, 258).

  • In Ähnlichkeit übereinstimmen sollen vor allem

    • die auffallenderen, sonderlichen, ungewöhnlichen und eigenheitlichen (charakteristischen) Zeichen und Symptome ( 67/1, 95, 152-154, 164 f., 178, 209, 258) bzw. Nebenzufälle ( 95) - im Unterschied zu nicht näher bestimmten Allgemeinsymptomen wie Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Mattigkeit, unruhiger Schlaf, Unbehaglichkeit usw. ( 153),

    • die Geistes- und Gemüts-Symptome ( 210-213, 217, 220, 230),

    • die Gesamtheit der Symptome ( 70, 147, 192) bzw. die meisten Symptome ( 25, 147).

Besonderheiten bei bestimmten Krankheiten
Kollektivkrankheiten
  • Bei sporadischen und epidemischen Krankheiten Erforschung des Bildes der gerade herrschenden Krankheit von Grund auf, unabhängig von ähnlich benannten Ereignissen in der Vergangenheit ( 100).

    • Ausnahme: festständige Krankheiten (s.u.).

  • Abstraktion des ganzen Umfangs des Krankheitsbildes aus den Leiden mehrerer Kranker von verschiedener Körperbeschaffenheit, so dass sich ein vollständiges, bezeichnendes (charakteristisches) Bild ergibt, das die Eigentümlichkeit der Kollektivkrankheit umfasst ( 102).

  • Behandlung aller an dieser Epidemie Erkrankten mit dem Arzneimittel, das für den Symptomen-Inbegriff des vollständigen Krankheitsbildes das homöopathisch passendste ist ( 102, 241).

Festständige Krankheiten
  • Nur Krankheiten, die stets gleichartig wiederkehren, werden mit einem gleich bleibenden Namen benannt, wie Krätze, Pocken, Masern usw., und als festständige Krankheiten gleichartig arzneilich behandelt ( 50, 81/2, 100).

Chronisch miasmatische Krankheiten
  • Ebenso wie bei den akuten epidemischen Seuchen wird auch der Sym-ptomen-Inbegriff der chronischen miasmatischen Krankheiten, die sich in ihrem Wesen gleich bleiben, vor allem der Psora, ermittelt ( 103).

  • Die einzelnen Kranken werden mit den Arzneimitteln behandelt, die sich aus dem Gesamtbild der Symptome als (antipsorische) Arzneien für das ganze Siechtum ergeben ( 103).

  • Bei Psora wird unter den antipsorischen Arzneien diejenige ausgewählt, deren Arznei-Symptome der Krankheit am meisten (homöopathisch) entsprechen ( 80/1, 82).

Einseitige Krankheiten
Definition: Krankheiten mit nur einem oder wenigen Hauptsymptomen und wenig anderen Symptomen ( 173).
  • Vervollständigung des Umrisses der Krankheitsgestalt durch eine aufmerksame Anamnese ( 175 f.).

  • Verordnung eines Mittels, das für die wenigen Symptome nach bestem Ermessen homöopathisch ausgesucht wird ( 177).

  • Sofern keine Heilung erfolgt ( 178), nach vollendeter Wirkung der Arznei Erhebung des neuen Status, der nun auch die vom vorhergehen den Mittel erzeugten Nebenbeschwerden beinhaltet, und Verordnung eines Mittels, das für den jetzigen Gesamtzustand möglichst homöopathisch passt, usw. ( 179-184, vgl. 167 f.).

Lokal-Übel
Definition: Einseitige Krankheiten an äußeren Körperteilen ( 185), meist in Verbindung mit einer inneren Krankheit ( 186189).
Bei Entstehung durch eine äußere Beschädigung
  • Einerseits mechanisch-chirurgisch Beseitigung der äußeren Heilungshindernisse, z.B. durch

    • Einrenkungen,

    • Wundränder adaptierende Heftnadeln und Binden,

    • mechanische Hemmung und Stillung einer Blutung aus einer geöffneten Arterie,

    • Herausziehen von eingedrungenen Fremdkörpern,

    • Öffnung einer Körperhöhle, um eine belästigende Substanz herauszunehmen oder um austretenden oder angesammelten Flüssigkeiten einen Ausgang zu verschaffen,

    • Aneinanderfügung der Bruchenden eines gebrochenen Knochens und deren Befestigung durch einen geeigneten Verband usw. ( 186).

  • Andererseits innere (dynamische) Arzneitherapie, z.B.

    • des Fiebers bei großen Quetschungen und Traumata oder

    • des Schmerzes bei Verbrennungen und Verätzungen ( 186).

Bei Entstehung aus einem inneren Leiden ( 187-189, 194)
  • Innere Arzneitherapie des Ganzen ( 190, 192, 194). Falls keine Heilung eintritt sowie bei chronischen Lokal-Übeln: antipsorische Behandlung ( 194 f.).

  • Verabreichung einer inneren Arznei, die für die Gesamtheit der Symptome homöopathisch gewählt wird ( 190-195, 209), das heißt für die Beschaffenheit des Lokal-Leidens ebenso wie für die Veränderungen, Beschwerden und Symptome im übrigen Befinden ( 192, 194). Bei alten beschwerlichen Lokal-Übeln in steigenden Dosen, durch viele Schüttelschläge zu einem sehr hohen Grad potenziert ( 270/6, vgl. 282/1).

  • Vermeidung bloß äußerlicher Behandlung oder äußerlicher Mitbehandlung, damit das Lokalsymptom nicht früher verschwindet als die innere Krankheit ( 79, 194, 196-205, 282/1).

    • Ausnahme: zur Unterstützung der Heilung sehr alter Krankheiten innere Einnahme und zusätzlich äußerliche Einreibung ( 285), z.B. bei alten Feigwarzen ( 205, 282/1).

Geistes- und Gemütskrankheiten
Definition: keine scharf abtrennbare Klasse von Krankheiten ( 210), einseitige Erhöhung der Geistes- und Gemüts-Verstimmung, meist in Verbindung mit einer Körper-Krankheit ( 215).
  • Differentialdiagnose zwischen somatogenen und psychogenen Geistesund Gemütskrankheiten: durch Trost werden somatogene verschlimmert, psychogene dagegen gebessert ( 224).

  • Behandlung grundsätzlich wie alle übrigen Krankheiten ( 214). Bei jedem, selbst akuten Krankheitsfall ist mit auf das Symptom der Geistesund Gemütsveränderung zu sehen ( 213). Beispiele:

    • Acon. passt nicht zu einem stillen, gleichförmig gelassenen Gemüt,

    • Nux-v. nicht zu einem milden, phlegmatischen,

    • Puls. nicht zu einem frohen, heiteren und hartnäckigen,

    • Ign. nicht zu einem unwandelbaren, weder zu Schreck noch zu Ärger geneigten Gemütszustand ( 213/1).

Somatogene Geistes und Gemütskrankheit
  • Verordnung eines (antipsorischen usw.) Arzneimittels für die Gesamtkrankheit, das heißt für die Körper-Symptome und vor allem für die Geistes- und Gemüts-Symptome ( 213, 217-220, 228), in kleinstmöglicher Gabe ( 230).

  • Als mithelfende Seelen-Diät Beachtung eines passenden psychischen Verhaltens gegenüber dem Kranken, z.B.

    • stille Unerschrockenheit und fester Wille gegenüber wütendem Wahnsinn,

    • stummes Bedauern gegenüber klagendem Jammer,

    • aufmerksames Schweigen gegenüber unsinnigem Geschwätz,

    • Unaufmerksamkeit gegenüber ekelhaftem und grauenvollem Benehmen und Gerede usw. ( 228).

  • Vermeiden von Vorwürfen, Züchtigungen, Peinigungen, Zwang, Widerspruch, eifrigen Verständigungen, heftigen Zurechtweisungen, Schmähungen, Spott, Betrug, bemerkbaren Täuschungen sowie von Störungen der Sinne und des Gemüts des Kranken. Vorbeugung gegen Verwüstungen und Beschädigungen. Wahrung des Scheins, man würde dem Kranken Vernunft zutrauen ( 228 f.).

  • Wahnsinnige, wütende und melancholische Patienten sind stationär zu behandeln ( 229/1).

  • Bei akutem Wahnsinn oder Raserei zunächst Verordnung nicht-anti-psorischer Mittel, z.B. Acon., Bell., Hyos., Merc., Stram. usw. in hochpotenzierten, feinen Gaben ( 221), später antipsorische (ggf. auch antisyphilitische) Nachbehandlung ( 222f.).

Psychogene Geistes- und Gemütskrankheit
  • Anwendung psychischer Heilmittel wie Zutraulichkeit, gutes Zureden, Vernunftgründe und Täuschung - solange die Gemütskrankheit noch neu ist und den Körperzustand noch nicht allzu sehr zerrüttet hat ( 226).

  • Sicherheitshalber auch hier antipsorische (ggf. auch antisyphilitische) Behandlung ( 227).

Wechselfieber
Definition: regelmäßig wiederkehrende fieberhafte Wechselkrankheiten ( 231, 233).
  • Entfernung der Erregungsursache, z.B. durch Umzug von einer Sumpfgegend in eine bergige Gegend ( 238).

  • Verordnung einer nicht-antipsorischen Arznei, die möglichst alle Wechselzustände (oder den stärksten, sonderlichsten) erregen kann, vor allem aber die Symptome in der fieberfreien Zeit ( 235).

  • Verabreichung der Arznei gleich oder bald nach dem Anfall bzw. gegen Ende des Anfalls ( 236-238).

  • Wenn sich die Art der Symptome nicht geändert hat, nach jedem Anfall Wiederholung derselben Arznei in Q-Potenz, jeweils neu dynamisiert ( 238).

  • Bei endemischen (nicht-psorischen) Wechselfiebern Beachtung einer fehlerfreien Lebensordnung, ggf. 1-2 Gaben Chin. in hoher Potenz ( 244).

  • Bei Epidemien von Wechselfiebern in Gegenden, wo sonst keine endemisch sind, Behandlung jedes (nicht-psorischen) Kranken mit dem Arzneimittel für den Inbegriff der Symptome, die allen gemeinsam sind ( 241), vgl. Kollektivkrankheiten (s.o., S. 231).

  • Wechselfieber, die (außer in Sumpfgegenden) einzelne Personen befallen, sind - wie akute Krankheiten - zunächst einige Tage lang mit einer nicht-antipsorischen Arznei zu behandeln. Verzögert sich die Genesung, gibt man eine antipsorische Arznei ( 243).

  • Bei psorischen Wechselfiebern Verordnung antipsorischer Arzneien, z.B. Sulph. oder Hep. in hoher Potenz ( 240, 242-244).

Sonstige Wechselkrankheiten
  • Fieberlos scheinende typische Wechselkrankheiten werden antipso-risch (ggf. antisyphilitisch) behandelt. Manchmal ist der Zwischen-Ge-brauch einer sehr kleinen Gabe potenzierter Chinarinde erforderlich, um ihren wechselfieberartigen Typus ganz auszulöschen ( 234).

  • Alternierende Krankheiten werden ebenfalls antipsorisch (ggf. antisyphilitisch) behandelt ( 232).

Arzneitherapie
Voraussetzungen
  • Echtheit und Vollkräftigkeit der Arzneien, Beurteilungs-Kompetenz des Arztes ( 264, 268, vgl. 122).

  • Selbstdispensieren: Sicherheit, dass der Kranke jederzeit die richtige Arznei einnimmt ( 265).

  • Selbstbereiten der Arzneimittel durch den Arzt - oder Herstellung durch eine fähige, unparteiische Person und unentgeltliche Abgabe der Arzneien vom Staat an den legitimierten homöopathischen Arzt und von diesem an den Kranken ( 271).

Aufbereitung
  • Tier- und Pflanzensubstanzen sind im rohen Zustand am arzneilichsten ( 266).

  • Einheimische frische Pflanzen:

    • Mischung mit Weingeist und Verarbeitung zu Tinkturen, im Verhältnis 1:1 (2:1 bei eiweißhaltigen oder saftlosen Pflanzen) ( 267),

    • oder Verreibung von wenigen Gran mit Milchzucker zur C3-Tritu-ration und weitere flüssige Dynamisation ( 267/2, 271).

  • Ausländische Gewächse, Rinden, Samen und Wurzeln: erst Überprüfung ihrer Echtheit im rohen, ungepulverten Zustand, dann Austrocknung des Pulvers im Wasserbad ( 268).

  • Aufbewahrung der Tinkturen und Pulver in gut verschlossenen Gläsern, vor Sonnenlicht und Hitze geschützt ( 267 f., 270, 272/1).

  • Potenzierung der Arzneisubstanzen (s.u., S. 237) ( 269-270).

Prinzipien
  • Verwendung von einfachen Einzelmitteln, keine Gemische verschiedener Arzneien ( 169/1, 273 f.).

    • Als einfache Arzneisubstanzen gelten die Neutral- und Mittelsalze, die geschwefelten Metalle, Verbindungen des Schwefels mit Laugensalzen und Erden (geschwefeltes Natron, geschwefelte Kalkerde usw.), die Äther-Arten, die aus Weingeist und Säuren durch Destillation verbunden wurden, sowie der Phosphor. Auch die Pflanzen selbst (Chin., Nux-v., Op. usw.). Nicht dagegen die Auszüge der Alka-loide aus den Pflanzen (Chinin, Strychnin, Morphin usw.) ( 273/1).

  • Bei wenigen leichten Beschwerden ist keine Arzneitherapie nötig, sondern eine kleine Abänderung in der Diät und Lebensordnung ausreichend ( 150).

  • Bei akuten Zuständen zunächst Verordnung eines nicht-antipsori-schen Mittels, danach ggf. antipsorische Weiterbehandlung ( 221, 235, 243).

  • Bei chronischen (unvenerischen) Krankheiten sind oft mehrere anti-psorische Mittel zur Heilung nötig ( 171, vgl. 148 f.).

  • Mittelwahl jeweils nach dem aktuellen Zustand bzw. dem noch übrigen Symptomen-Bestand, z.B. auch bei unvollständiger Materia medica oder einseitigen Krankheiten ( 92, 167-171, 181-184, 249 f., 258, 281 u.a.).

  • Potenzwahl je nach Erregbarkeit des Patienten und Erfahrung des Arztes ( 278).

  • Stärkung der Arznei durch Auflösen in Wasser und Schütteln vor jedem Einnehmen möglich ( 272).

  • Bei chronischen Krankheiten Beachtung einer zweckmäßigen Diät und Lebensordnung ( 259-261) (s.u., S. 237).

  • Bei akuten Krankheiten Verschonung des Kranken vor geistigen Anstrengungen und Gemüts-Erschütterungen. Ansonsten sind kaum Einschränkungen nötig. Der Patient darf (außer bei Geistesverwirrung) seinem Instinkt folgen, auch wenn er nach palliativen Erleichterungen verlangt, z.B. hinsichtlich der Temperatur des Zimmers, der Wärme oder Kühle seiner Bedeckung usw. ( 262 f.).

Vorgehen
  • Beseitigung der Ursache, die die Krankheit unterhält ( 252, 255).

  • Erfolgskontrolle durch Beobachtung des Geistes- und Gemütszustands ( 253).

  • Nur bei Arzneien mit Wechselwirkungen: Wiederholung derselben Gabe, wenn sich keine Besserung zeigt ( 115, 130 f., 251).

  • Vermeidung von Lieblingsmitteln oder misstrauisch gemiedenen Mitteln aus kleinlichen Leidenschaften ( 257 f.).

Einnahme
  • Allgemeine Dosologie ( 246-248, 272, 280-282).

  • Applikationsarten:

    • orale Einnahme (Zunge, Mund, Magen),

    • Riechen (Nase, Atmungs-Organe),

    • äußerliche tägliche Einreibung (Haut, am Rücken, an den Armen, Ober- und Unterschenkeln; zu vermeiden sind die Teile, die an Schmerzen, Krämpfen oder Hautausschlägen leiden) ( 284 f.).

  • Säuglinge: Behandlung über die Muttermilch, das heißt, die Mutter (oder die Amme) nimmt das für den Säugling ausgewählte Mittel ein ( 284/1).

  • Schwangere: antipsorische Behandlung während der ersten Schwangerschaft, am besten mit Q-Potenzen von Sulph. ( 284/1).

Diätetik
  • Entfernung alles arzneilich Wirkenden aus der Diät und Lebensordnung ( 259-261) - besonders bei chronischen Krankheiten ( 260).

    • Zu vermeiden sind Kaffee, Tee, mit arzneilichen Gewächssubstanzen angemachte Biere, mit arzneilichen Gewürzen bereitete Liköre, Punsch, gewürzte Schokolade, Riechwasser, Parfums, stark duftende Blumen, aus Arzneien bestehende Zahnpulver und -spiritus, Riechkissen, stark gewürzte Speisen und Soßen, gewürztes Backwerk und Gefrorenes, arzneiliche Kräuter, Wurzeln, Keimstengel, grüner Spargel, Hopfenkeime, Vegetabilien, Sellerie, Petersilie, Sauerampfer, Estragon, Zwiebeln, alter Käse, faule Tierspeisen, Fleisch, Fett oder Salate mit arzneilichen Nebenwirkungen, jedes Übermaß, vor allem an Zucker, Salz und Alkohol, Stubenhitze, Kleidung aus Schafwolle, sitzende Lebensweise in schlechter Luft, nur passive Bewegung, übermäßiges Stillen, langer Mittagschlaf, Lesen im Liegen, Nachtleben, Unreinlichkeit, unnatürliche Wollust, Lesen schlüpfriger Schriften, Onanie, unvollkommener oder unterdrückter Beischlaf, Zorn, Gram, Ärger, leidenschaftliches Spiel, übertriebene Geistes- und Körper-Anstrengung, sumpfige Wohngegend, dunkle Zimmer, Darben usw. ( 260/1).

  • Wünschenswert sind unschuldige Aufheiterung des Geistes und Gemüts, aktive Bewegung an frischer Luft, tägliche Spaziergänge, angemessene, nahrhafte unarzneiliche Speisen und Getränke usw. ( 261).

Potenzierung von Arzneimitteln
Alte Art [C-Potenzen, 1:100]
[Bei Arzneien in flüssiger Form: Dilutionen]
  • Pro Potenzstufe: Verdünnung von 1:100 Tropfen ( 270/6) mit 10 (oder 2) Schüttelschlägen ( 247/1).

[Bei Arzneien in Pulver-Form: Triturationen]
  • In eine Reibeschale aus Porzellan

  • füllt man ein Drittel von 100 Gran [6 g / 3 = 2 g] Milchzucker,

  • gibt oben darauf ein Gran [60 mg] der gepulverten Arzneisubstanz und

  • mischt beides kurz zusammen.

  • Man reibt 6-7 Min. die Mischung, scharrt 3-4 Min. die Masse auf, reibt wieder 6-7 Min. und scharrt 3-4 Min. auf.

  • Nun gibt man das zweite Drittel der 100 Gran Milchzucker dazu und rührt das Ganze kurz um.

  • Man reibt 6-7 Min. die Mischung, scharrt 3-4 Min. die Masse auf, reibt wieder 6-7 Min. und scharrt 3-4 Min. auf.

  • Nun gibt man das dritte Drittel der 100 Gran Milchzucker dazu und rührt das Ganze kurz um.

  • Man reibt 6-7 Min. die Mischung, scharrt 3-4 Min. die Masse auf, reibt wieder 6-7 Min. und scharrt 3-4 Min. auf. Ergebnis ist eine C1-Trituration.

  • So fährt man fort bis zur C3-Trituration (millionsten Potenz) ( 270/1).

  • Danach weitere flüssige Dynamisationen ( 267/2, 271).

  • Vor der Bearbeitung einer anderen Arznei müssen Mörser, Pistill und Spatel gut gereinigt werden. Sie sind mit warmem Wasser gründlich auszuwaschen, eine halbe Stunde lang auszukochen und ggf. noch auf Kohlen bis zum Glühen zu erhitzen ( 270/1).

Neue Art [Q-Potenzen, 1:50.000]
  • Ein Gran [60 mg] der Arznei wird mit 100 Gran [6 g] Milchzucker 1 Stunde lang verrieben (s.o., S. 237 f.). Ergebnis ist eine C1-Tritu-ration.

  • Ein Gran der C1-Trituration wird mit 100 Gran Milchzucker 1 Stunde lang verrieben (s.o., S. 237 f.). Ergebnis ist eine C2-Trituration.

  • Ein Gran der C2-Trituration wird mit 100 Gran Milchzucker 1 Stunde lang verrieben (s.o., S. 237 f.). Ergebnis ist eine C3-Trituration.

  • Ein Gran der C3-Trituration wird in 500 Tropfen Lösungsmittel (destilliertes Wasser mit Branntwein, im Verhältnis 4:1) gelöst.

  • Auf einen Tropfen davon werden 100 Tropfen Weingeist getropft und die Auflösung 100-mal verschüttelt (gegen einen harten, elastischen Gegenstand, z.B. ein ledergebundenes Buch).

  • Mit einem Tropfen hiervon werden 500 Streukügelchen (in einem zylindrischen Gefäß) befeuchtet, umgerührt und anschließend auf Fließpapier getrocknet. Ergebnis sind Q1-Globuli.

  • Ein Q1-Streukügelchen wird in einem Tropfen Wasser aufgelöst.

  • Auf diesen Tropfen werden 100 Tropfen Weingeist getropft und die Auflösung 100-mal verschüttelt.

  • Mit einem Tropfen hiervon werden 500 Streukügelchen befeuchtet und getrocknet. Ergebnis sind Q2-Globuli.

  • So fährt man fort bis zu Q30-Globuli ( 270).

  • Die Zucker-Streukügelchen (Globuli) lässt man vor den eigenen Augen vom Zucker-Bäcker aus Stärkemehl und Rohrzucker anfertigen. 100 Stück sollten ein Gran [60 mg] wiegen [1 Stück: 0,6 mg] ( 270/4.6).

Einnahme-Vorschriften
  • Ein Kügelchen des Arzneimittels wird in einem Pulver von einigen Gran Milchzucker zerquetscht und

  • in einer Flasche mit 8-40 Esslöffel Wasser und etwas Weingeist (oder einem Stück Holzkohle) aufgelöst ( 248/1).

Vor jeder Einnahme bzw. jedem Riechen wird
  • die Flasche 8-12-mal geschüttelt, dann

  • ein (oder mehrere) Teelöffel davon eingenommen bzw. alle 2-4 Tage daran gerochen ( 248).

Bei sehr erregbaren und empfindlichen Patienten wird
  • aus einer Auflösung eines Kügelchens Arzneimittel in 7-8 Esslöffeln Wasser

  • nach starkem Schütteln der Flasche

  • ein Esslöffel in ein Trinkglas mit 8-10 Esslöffel Wasser gegeben und

  • das Trinkglas mehrmals stark umgerührt. Aus dem Trinkglas wird

  • ein (bzw. mehrere) Teelöffel eingenommen und der restliche Inhalt des Glases weggeschüttet.

Bei Kranken mit ungewöhnlich hoher Erregbarkeit
  • verdünnt und verrührt man den Teelöffel aus dem ersten Trinkglas noch in einem zweiten, dritten oder vierten Trinkglas, bevor

  • ein Teelöffel davon eingenommen wird ( 248/1).

Die Einnahme erfolgt
  • bei chronischen Krankheiten täglich bzw. alle 2 Tage, ggf. monatelang,

  • bei akuten Krankheiten alle 1-6 Stunden oder öfter ( 248).

  • Man beginnt mit den untersten Potenzierungs-Graden und geht, wenn die jeweilige Auflösung in 7-15 Tagen verbraucht ist, bei Bedarf zu den höheren über ( 246/1, 248, 270/6, 282/1).

  • Damit fährt man so lange fort, wie der Kranke zunehmende Besserung verspürt. Erscheinen Beschwerden, die er noch nie gehabt hat, muss eine homöopathisch angemessenere Arznei in jeweils modifizierter Gabe gereicht werden.

    • Zeigt sich bei fast täglicher Gabe der homöopathisch passenden Arznei gegen Ende der Behandlung eine homöopathische Verschlimmerung, müssen die Gaben verkleinert und in längeren Zeiträumen wiederholt oder mehrere Tage abgesetzt werden.

    • Verschwinden die Arznei-Symptome nach kurzer Zeit von selbst, ist keine arzneiliche Behandlung mehr nötig ( 248, 281).

  • Regel: Bei der Behandlung chronischer Krankheiten mit kleinstmöglichen Gaben beginnen und sie allmählich verstärken.

    • Ausnahmen: Solange die Krätze, der Schanker und die Feigwarzen noch auf der Haut blühen, von Anfang an Verordnung großer Gaben der spezifischen Heilmittel in immer höherem Dynamisations-Grad, täglich oder mehrmals täglich eingenommen ( 282/1).

Verlaufsbeobachtung und Regeln für die Therapie
Beurteilung des Verlaufs
  • Zur Beurteilung des Erfolgs einer Arznei und des geänderten Befindens des Kranken Vergleich des neuen Krankheitsbefunds mit den in der Anamnese aufgezeichneten Symptomen: was sich gebessert hat, was davon noch vorhanden oder was an neuen Beschwerden dazugekommen ist ( 104).

  • Sicherstes Zeichen zur Unterscheidung zwischen Besserung und Verschlimmerung ist der Zustand des Gemüts, besonders bei akuten Krankheiten.

    • Größere Behaglichkeit, zunehmende Gelassenheit, Freiheit des Geistes, erhöhter Mut und wiederkehrende Natürlichkeit zeigen eine Besserung an (nur bei kleiner Gabe der Arznei),

    • ein befangener, unbeholfener, mehr Mitleid erregender Zustand des Gemüts, des Geistes und des ganzen Benehmens eine Verschlimmerung ( 253, 255).

  • Auch andere neue Zufälle, die der Krankheit fremd sind, zeigen eine Verschlimmerung an, eine Verminderung der ursprünglichen Symptome ohne Zusatz von neuen zeigt eine Besserung an ( 254).

Ergebnisse nach Einnahme des Arzneimittels
Zunehmende Besserung
  • [Im Fall einer C-Potenz] keine Wiederholung der Gabe, Abwarten bis zu 100 Tagen ( 246).

  • [Im Fall einer Q-Potenz] weitere kontinuierliche Einnahme des Arzneimittels unter Modifikation des Potenzgrades, bis bei allgemeiner Besserung wieder alte Beschwerden auftreten ( 248, 280).

Keine Besserung
  • Im Fall einer Arznei mit Wechsel-Wirkungen (Bell., Bry., Ign., Rhus-t.) Wiederholung der Gabe ( 251).

  • Ansonsten Beseitigung der Ursache, die die Krankheit weiterhin unterhält - in der Lebensordnung oder in der Umgebung [Heilungshindernis] ( 252, 255, 259-261) - bzw. Behandlung der zugrunde liegenden Psora [Grund-Ursache] ( 194 f., 240-244).

Erscheinen neuer Symptome [nicht-homöopathische Nebenwirkungen]
  • Bei bedeutender Verschlimmerung des Zustands Antidotierung ( 249).

  • Absetzen des Arzneimittels, Verordnung eines Mittels, das auf den neuen Zustand homöopathisch besser passt ( 167 f., 183, 249 f., 283), in dringenden Fällen schon nach 6-12 Stunden ( 250).

Verschlimmerung von Krankheitssymptomen [homöopathische Verschlimmerung]
  • Verkleinerung der Gabe ( 157-161, 275 f., 282).

  • Verwendung von Q-Potenzen in kleinen, allmählich erhöhten und jedes Mal modifizierten Gaben ( 161).

  • Absetzen der Arznei, Gabe von Placebo für 8-15 Tage:

    • Vergehen die Symptome in wenigen Stunden oder Tagen und zeigen sich in den arzneifreien Tagen nicht mehr, ist der Patient als geheilt zu betrachten.

    • Zeigen sich in den letzten Tagen noch Spuren der ehemaligen Krankheits-Symptome, Weiterbehandlung mit höheren Dynamisationen der Arznei, in kleinsten, ansteigenden Gaben, je nach Erregbarkeit des Kranken ( 281).

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