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B978-3-437-56621-9.50023-3

10.1016/B978-343756621-9.50023-3

978-3-437-56621-9

Theoretische Erklärungen und Hypothesen

Aufgaben des Arztes

Prophylaxe, Diätetik, Chirurgie

  • Ein Arzt, der die Dinge, die die Gesundheit stören und Krankheit erzeugen und unterhalten, kennt und von gesunden Menschen zu entfernen weiß, ist auch ein Gesundheits-Erhalter ( 4).

Behandlung innerer Krankheiten

  • Heilen ist die einzige und höchste Aufgabe des Arztes ( 1, 17). Das Aufstellen von Hypothesen und Systemen zur Erklärung des inneren Wesens des Lebensvorgangs, der Krankheitsentstehung im unsichtbaren Inneren, der Erscheinungen bei Krankheiten, ihrer nächsten Ursache usw. von seiten der theoretischen Arzneikunst ist Zeitverschwendung. Stattdessen sollten Ärzte handeln, das heißt helfen und heilen ( 1/1).

  • Heilung ist Hebung und Vernichtung der Krankheit in ihrem ganzen Umfang und damit Wiederherstellung der Gesundheit ( 2) bzw. Befindensveränderung des Kranken zurück in den gesunden Zustand ( 6, 19, 210/1). Ideal ist es, wenn dies

    • schnell (kurz, geschwind),

    • sanft (unnachteilig, unmerklich),

    • zuverlässig (sicher, gewiss),

    • dauerhaft (vollkommen),

    • gründlich und nach deutlich einzusehenden Gründen [rational] geschieht ( 2, 25, 27, 47, 51, 53, 61, 119/2, 145).

  • Ein echter Heilkünstler versteht zweckmäßig und gründlich zu handeln, so dass Genesung erfolgen muss und die Herstellung von Dauer ist. Dazu muss er wissen,

  • was an jedem Krankheitsfall zu heilen ist (Krankheit),

  • was an jeder Arznei das Heilende ist (Arzneikräfte),

  • welche Arznei zur Heilung des jeweils Krankhaften geeignet ist (Heilmittel),

  • wie dieses herzustellen, zu verabreichen und zu wiederholen ist (Gabe) und

  • welche Hindernisse der Genesung es gibt ( 3).

Nicht-arzneiliche Behandlung
Elektrizität und Galvanismus
  • Elektrizität und Galvanismus sind in ihren positiven, reinen Wirkungen auf den gesunden menschlichen Körper noch zu wenig geprüft. Man hat sie bis dato nur palliativ angewendet. Auch die Anwendungsart der elektro-magnetischen Maschine liegt noch zu sehr im Dunkeln, um sie homöopathisch anzuwenden ( 286).

Magnet-Behandlung
  • Die positiven Wirkungen des Nord- und Süd-Pols des Magnets sind in der Reinen Arzneimittellehre dargelegt. Beide Pole sind gleich kräftig und stehen sich in ihrer Wirkungsweise gegenüber ( 287).

Mesmerismus
  • Der Mesmerismus oder tierische Magnetismus weicht von der Natur aller übrigen Arzneien ab. Durch den kräftigen Willen eines wohlwollenden Mesmerierers strömt durch körperliche Berührung oder über einige Entfernung dessen gesunde Lebenskraft in einen anderen Menschen dynamisch ein, wie ein Pol eines Magnetstabs in einen Stahlstab. Wo beim Patienten die Lebenskraft fehlt, wird sie ersetzt, wo sie zu sehr angehäuft ist, wird sie abgeleitet, gemindert und gleichmäßiger verteilt, wo sie krankhaft verstimmt ist, wird die Verstimmung gelöscht und durch die normale Stimmung des Mesmerierers ersetzt ( 288).

  • Beim positiven Mesmerismus strömt Lebenskraft dynamisch in den Leidenden ein. Das Gegenteil davon ist negativer Mesmerismus, bei dem eine Entladung von Lebenskraft geschieht, die bei ungeschwächten Personen in einem einzelnen Teil des Organismus übermäßig angehäuft sein kann ( 289).

  • Die (zu missbilligende) Übertreibung des positiven Mesmerismus führt bei nervenschwachen Kranken zu Somnambulismus oder Hellsichtigkeit, einem höchst unnatürlichen und gefährlichen Zustand, in dem der Mensch der Sinnenwelt entrückt und mehr der Geisterwelt anzugehören scheint ( 289/1).

  • Ein Mesmerierer ist typischerweise sehr gutmütig und hat bei voller Lebens- und Körperkraft einen sehr geringen oder gar keinen Geschlechtstrieb. So können sich die feinen Lebensgeister, die sonst zur Bereitung des Samens verwendet werden, durch willenskräftige Berührung anderen Personen mitteilen ( 288/1). Manchmal ist die mesme-rierende männliche oder weibliche Person zudem eines gutmütigen Enthusiasmus fähig oder gar seiner Ausartung, der Bigotterie, des Fanatismus, des Mystizismus oder philanthropischer Schwärmerei. Durch Konzentration ihrer Kraft auf den Gegenstand kann sie dann manchmal anscheinend Wunder vollbringen ( 288).

Massagen
  • Durch Massagen wird das Lebensprinzip angeregt, in seiner Gegenwirkung den Tonus der Muskeln und ihrer Blut- und Lymphgefäße wiederherzustellen. Bei dieser Verrichtung ist die mesmerische Einwirkung die Hauptsache ( 290).

Bäder
  • Bäder mit reinem Wasser dienen in akuten Zuständen sowie in der Rekonvaleszenz von chronischen Krankheiten teils als palliative, teils als homöopathische Hilfsmittel, je nach Zustand des Genesenden, der Temperatur, der Dauer und der Wiederholung des Bades. Im Gegensatz zu Arzneien bringen sie nur physisch wohltätige Veränderungen im kranken Körper hervor. Auf physische Palliative folgt hinterher nicht das Gegenteil, wie bei dynamisch arzneilichen Palliativen ( 291).

  • Mineralbäder sind fast alle nach ihren genauen positiven Wirkungen auf gesundes Menschenbefinden völlig unbekannt und bei ihrem Missbrauch unter die heftigsten, gefährlichsten Arzneimittel zu zählen. Von tausend damit Behandelten werden ein bis zwei zufällig oder scheinbar geheilt, während Hunderte verschlimmert werden oder sterben ( 285/1).

Arznei-Behandlung nach dem Contrarium-Prinzip
  • Bei den Indikationen für palliative Behandlung (lebensbedrohliche Zustände, Vergiftungen usw.) ist keine Krankheit, sondern nur eine Hemmung und Unterdrückung der an sich gesunden Lebenskraft zu beseitigen. Ist die Reizbarkeit und Empfindung (das physische Leben) wieder angeregt, geht das Spiel der Lebensorgane seinen vorigen gesunden Gang weiter ( 67/1).

Arznei-Behandlung nach dem Simile-Prinzip
Anamnese
Erfassung der Symptome
  • Die Aufzeichnung der Gesamtheit der Symptome, die den Krankheitsfall besonders bestimmen und auszeichnen, ist die schwerste Arbeit ( 104).

  • Bei akuten Krankheiten sind die Hauptsymptome leichter mit den Sinnen erkennbar und die Abweichungen vom Gesundheitszustand dem Kranken noch frisch im Gedächtnis. Die Aufzeichnung des Krankheitsbildes geht daher schneller und leichter als bei chronischen Krankheiten, es ist weniger zu fragen und zu erforschen ( 82, 99).

  • Bei chronischen Krankheiten beachten die Kranken wenig oder gar nicht die kleineren, charakteristischen Nebenzufälle, sondern halten sie fast für ihren natürlichen Zustand. Diese Zeichen sind aber für die Heilung entscheidend ( 95).

  • Klagt der Kranke über ein paar heftige Beschwerden, so sind gewöhnlich noch weitere kleinere Zufälle zu finden, die das Krankheitsbild vervollständigen ( 151).

  • Durch zweckwidrige [allopathische] Mittel wird die ursprüngliche Krankheit meist gefährlicher und muss in ihrer gegenwärtigen [zusammengesetzten] Gestalt aufgenommen und homöopathisch behandelt werden, damit der Kranke nicht an der schädlichen Arznei stirbt ( 92).

Kritische Beurteilung der Patienten-Aussagen
  • Suggestivfragen verleiten den Kranken dazu, aus Bequemlichkeit oder um dem Fragenden einen Gefallen zu tun, etwas Unwahres oder Halbwahres zu bejahen oder etwas wirklich Vorhandenes zu verneinen ( 87).

  • Entsprechend ihrer unterschiedlichen Gemütsart übertreiben gefühlsbetonte und wehleidige Personen ihre Beschwerden, träge, verschämte, milde oder dumme Personen dagegen äußern sie nur unvollständig, undeutlich oder so, als seien sie unbedeutend ( 96 f.).

  • Einige Kranke könnten eine Besserung oder Verschlimmerung zwar angeben, wollen sie aber nicht gestehen ( 254). Andererseits ist der Versicherung eines Kranken, er befinde sich auf dem Weg zur Besserung, nicht zu glauben, wenn er über erhebliche neue Zufälle und Symptome berichtet ( 256)

  • wie bei Schwindsüchtigen mit Lungeneiterung ( 256/1).

Ziel der Anamnese
Eruierung der
  • Gesamtheit der Symptome, Zeichen, Zufälle ( 6, 7 u.a.),

  • Nebenumstände ( 7, 24, 115) bzw. begleitenden Umstände ( 5, 18, 104/1, 139, 169, 245, 255, vgl. 81).

Erkennen von Krankheits-Ursachen
  • Causa occasionalis, die Krankheit offensichtlich veranlassende und unterhaltende Ursache ( 7),

  • Erregungsursache, Veranlassung ( 5, 73, 89/1, 93/1, 94/1, 189, 206/1, 221, 225, 238),

  • Grund-Ursache, Entstehungsursache [chronisches Miasma] ( 5, 7, 24, 80, 206, vgl. 103),

  • Einbildungskraft ( 11/1, 17/1),

  • Heilungshindernisse ( 260).

Arzneimittelprüfung an Gesunden
Hintergrund
  • Arzneien sind die Werkzeuge, die zur Heilung der natürlichen Krankheiten bestimmt sind ( 105, 143).

  • Voraussetzung für den Einsatz der Arzneien als homöopathische Heilmittel ist die Kenntnis ihrer ganzen krankheitserregenden Wirksamkeit, das heißt aller krankhaften Symptome und Befindensveränderungen, die jede Arznei in gesunden Menschen erzeugen kann ( 106).

  • Weder durch vernünftelnde Klügelei a priori noch durch Geruch, Geschmack oder Aussehen der Arzneien noch durch chemische Bearbeitung noch durch Gebrauch in gemischten Rezepten bei Krankheiten lassen sich die reinen Wirkungen der Arzneien erkennen ( 110).

  • Bei Prüfungen an kranken Personen sieht man die von der Arznei hervorgerufenen besonderen Befindensveränderungen mit den Symptomen der gegenwärtigen natürlichen Krankheit vermischt ( 107).

Quellen
  • Nur aus Versuchen an gesunden Menschen lassen sich die reinen, eigentümlichen Wirkungen der Arzneien auf das Befinden des Menschen sicher und natürlich erfahren ( 106, 108, 110, 120). Einziger Vorläufer dieses Gedankens: Albrecht von Haller ( 108/1, 118/1).

  • Berichte über toxische Wirkungen von Arzneien stimmen mit den Beobachtungen bei Prüfungen an Gesunden weitgehend überein. Sie geben einen sicheren Hinweis auf die Kraft dieser Arzneien, ähnliche Beschwerden bei natürlichen Krankheiten auszulöschen, sind Andeutungen ihrer homöopathischen Heilwirkungen und insofern die ersten Anfangsgründe einer reinen Arzneistoff-Lehre ( 110 f.).

  • Selbstversuche des gesunden, vorurteilslosen, gewissenhaften und feinfühligen Arztes sind Arzneimittelprüfungen an anderen vorzuziehen. Vorteile der Selbstversuche: Erkenntnis-Gewissheit, Ausbildung der Selbsterkenntnis, Übung in der Beobachtungskunst, Motivation zur Erforschung weiterer Arzneikräfte, Abhärtung gegen künstliche und natürliche Schädlichkeiten ( 141, 145/1).

  • Meister der Beobachtung können bei den chronischen, sich meist gleich bleibenden Krankheiten selbst unter den Beschwerden der ursprünglichen Krankheit einige Symptome der zum Heilen angewendeten Arznei auffinden, nämlich die neuen Symptome, die in der Krankheit nie oder vor langer Zeit bemerkt worden sind ( 142).

Naturgesetzlichkeit
  • Arzneistoffe wirken bei ihrer Prüfung an Gesunden nach bestimmten Naturgesetzen und erzeugen bestimmte zuverlässige Krankheitssymptome. Jeder Stoff nach seiner Eigentümlichkeit besondere ( 111).

  • Toxische Wirkungen einer Arznei bestehen aus Erst- und Nachwirkungen. Auch bei Arzneimittelprüfungen mit zu großen Gaben treten heftige und schnelle Erstwirkungen zusammen mit Nachwirkungen auf, was eine genaue Bobachtung vereitelt ( 112, 137).

  • Arzneimittelprüfungen mit mäßigen Gaben lassen meist nur die Erstwirkungen erscheinen, die am wissenswertesten sind ( 112-114, 137).

    • Ausnahme: narkotische Substanzen ( 113 f.).

  • Einige Arzneien (Ign., Bry., Rhus-t., Bell.) bringen einander entgegengesetzte Erstwirkungen hervor, sog. Wechselwirkungen ( 115, 130 f., 251).

Spezifität
  • Jede Substanz (Pflanze, Mineral, Salz usw.) bewirkt eigene, verschiedene, bestimmte, besondere Symptome, die jede Verwechslung mit anderen Substanzen ausschließen ( 108, 111, 118 f.)

  • besonders im Gemüts- und Geisteszustand ( 212). Es kann keine Surrogate geben ( 119/1).

  • Reaktionen von Idiosynkratikern [Allergikern] können nicht bloß deren besonderer Körperbeschaffenheit, sondern müssen dem veranlassenden Mittel zugeschrieben werden. Die Symptome werden nur deshalb nicht bei allen Prüfern hervorgerufen, weil andere Körperbeschaffenheiten nicht dazu geneigt sind. Das Arzneimittel hat jedoch die Tendenz (Neigung), alle seine Symptome in jedem Menschen zu erregen. Die Symptome, die ein Mittel bei einem Idiosynkratiker hervorruft, kann dieses Mittel bei allen an ähnlichen Beschwerden Erkrankten heilen ( 117, 136).

    • Beispiele: [allergische] Reaktionen auf Rosengeruch, Mies-Mu-scheln, Krebse, Fischroggen, Sumach-Laub usw. ( 117/1). Rosenwasser hilft bei Ohnmachten ( 117/2).

  • Alle Symptome, die während der Wirkungsdauer einer Arznei auftreten, stammen nur von ihr, wenn die Bedingungen eines guten, reinen Versuchs beachtet werden. Auch wenn der Prüfer bei sich ähnliche Zufälle vor längerer Zeit von selbst wahrgenommen hat. Ihr Wiedererscheinen beim Arzneiversuch zeigt nur die besondere Erregbarkeit dieser Person dafür, kommt aber doch von der Arznei ( 138).

  • Nicht alle Symptome, die einer Arznei eigen sind, kommen schon bei einer Person oder bei einer Prüfung zum Vorschein. Der Inbegriff aller Krankheits-Elemente einer Arznei setzt sich zusammen aus den Symptomen verschiedener Personen beiderlei Geschlechts, zu verschiedenen Zeiten, bei verschiedenen Prüfungen ( 134 f.).

  • Einige Symptome werden von Arzneien bei vielen gesunden Prüfern, andere bei wenigen hervorgebracht ( 116).

Dosis
  • Starke, so genannte heroische Arzneien erregen schon in geringer Gabe Befindensveränderungen, selbst bei starken Personen. Von schwachen Arzneien sind Wirkungen nur bei zarten, reizbaren und empfindlichen Personen wahrnehmbar ( 121).

  • Manchmal wird eine schwächliche Person von einer kräftigen Arznei in mäßiger Gabe fast nicht erregt, von einer schwachen dagegen stark. Oder eine starke Person spürt von einer milden Arznei beträchtliche Arzneisymptome, von einer stärkeren aber geringere usw. Dies ist im Voraus nicht bekannt, weshalb es ratsam ist, stets mit kleinen Gaben zu beginnen ( 129).

  • In hohen Verdünnungen, durch Reiben und Schütteln potenziert, äußern die Arzneisubstanzen bei Prüfungen weit mehr den vollen Reichtum ihrer Kräfte als im rohen Zustand ( 128).

  • Bei Prüfungen mit täglich erhöhter Dosis nimmt die folgende Gabe oft das von der vorhergehenden Gabe erregte Symptom wieder weg. Erst spätere, reinere Versuche können zeigen, ob es sich dabei um eine Gegen- und Nachwirkung des Organismus oder eine Wechselwirkung der Arznei handelte ( 131).

  • Bei Prüfungen an empfindlichen Personen mit täglich erhöhter Dosis kommt die Wirkung selbst der mildesten Arznei an den Tag ( 132).

Materia medica
  • Die Aufzeichnung der Krankheits-Elemente und Prüfungs-Symptome mehrerer Arzneien ist eine wahre Materia medica [reine Arzneimittellehre], eine Sammlung der reinen Wirkungen der Arzneistoffe, ein Kodex der Natur, reine Sprache der sorgfältig und redlich befragten Natur. Alles Vermutete, Behauptete und Erdichtete ist davon ausgeschlossen ( 143 f.).

  • Diese Arzneimittellehre enthält in Ähnlichkeit die (homöopathischen) Krankheits-Elemente von natürlichen Krankheiten, die durch sie zu heilen sind ( 143).

  • Voraussetzung dafür, für jeden der unendlich vielen Krankheitszu-stände und Siechtümer ein homöopathisches Heilmittel zu finden, ist ein beträchtlicher Vorrat an Arzneien, deren reine Wirkungsweisen auf das Menschenbefinden genau bekannt sind ( 145, 152, 230).

  • Von jeder kräftigen Arznei wurden bereits zahlreiche Prüfungs-Symptome beobachtet. So bleiben nur wenige Krankheitsfälle übrig, für die sich kein ziemlich passendes homöopathisches Heilmittel finden ließe ( 145, 166, 239).

  • Eine Arznei ist dann ausgeprüft, wenn neue Probanden fast nur bereits bekannte und wenig neue Symptome von ihr bemerken ( 135).

Simile-Prinzip
Behandlungsarten

Es gibt nur zwei Haupt-Behandlungsarten:

  • 1.

    die homöopathische und

  • 2.

    die allopathische, heteropathische.

Beide sind einander entgegengesetzt ( 52).
Die homöopathische Behandlung
Definition: ähnliche Symptome erzeugend ( 24, 53).
Beispiele: die Helle der Frühdämmerung überstrahlt den Jupiter, die Sonnenstrahlen das Licht einer Lampe, eine Trommel übertönt den Donner von Kanonen, eine Pfeife und eine Trommel das Gewinsel des Spießruten-Läufers, Schnupftabak überstimmt üble Gerüche, Kaffee allzu heftige Freude, ein neuer Trauerfall bisherige Trauer und eine erneute Erniedrigung bisherige Apathie und Sklavensinn ( 26, 45/2).
  • Anspruch: Dies ist der einzig richtige und einzig mögliche Weg zur gewissen, schnellen und dauerhaften Heilung der Krankheiten ( 53, 70).

Die isopathische Behandlung
Definition: gleiche Symptome erzeugend ( 56/1).
  • Kritik: Heilung durch das Gleiche (per idem) kann es nicht geben, z.B. bei Erfrierungen, Schlangenbissen, Tollwut usw. (Einl.). Die Behandlung von Menschen-Krätze mit einem daraus entnommenen Psorikum würde die Krankheit verschlimmern. Die Verabreichung desselben Miasmas in potenzierter Form wäre bereits eine Behandlung mit dem Simillimum, das heißt letztlich Homöopathie. Auch bei der Kuhpocken-Impfung sind die Kuhpocken den Menschenpocken nur ähnlich, nicht dieselbe Krankheit ( 56/1).

Die allopathische, heteropathische Behandlung
Definition: andere Symptome erzeugend ( 22/1, 54).
Beispiele: Brech- und Purgiermittel, heroische Arzneien, Aderlass, Blutegel, Schröpfen, Blasenpflaster, Ziehpflaster, Fontanellen, Haarseile, Beizen, Brennen, lauwarme Bäder, Hungerdiät usw. ( 54, 60/1, 74, 76, 149).
  • Kritik an den Systemen der Allopathie:

    • Anspruch auf Einsicht in das innere Wesen des Lebens, ohne auf die Erfahrung zu hören,

    • materialistischer Krankheitsbegriff,

    • auf bloßen Vermutungen beruhende Klassifikationen von Krankheiten und Arzneiwirkungen,

    • große, häufige Gaben, zusammengemischte Rezepte, ableitende Maßnahmen usw., die die Leiden noch erhöhen, ja Menschenleben gefährden ( 22/1, 54 f., 149).

  • Die Folgen der allopathischen Quälereien sind iatrogene Krankheiten, Schwächung, Kräfteverlust, Erschöpfung der Lebenskraft, Verkürzung des Lebens und Tod ( 13, 37/1, 55, 60/1, 74, 76, 145, 149, 201/1, 203/ 1).

  • Allopathische Mittel können chronische Krankheiten nur verändern und verschlimmern, aber nicht heilen. Die Heilung der akuten verzögern sie eher und führen oft Lebensgefahr herbei ( 145).

  • Großer Blutverlust ist für den Rest des Lebens unersetzbar. Die zur Blutbereitung bestimmten Organe können Blut zwar in gleicher Menge, aber nie wieder in gleicher Güte bereiten ( 74/1).

  • Allopathische iatrogene Schädigungen gehören zu den unheilbarsten chronischen Krankheiten ( 75 f., 149).

  • Die Behandlung nach Broussais mit Aderlass, Blutegeln und Schröpfköpfen ( 60/1) beruht auf der Fiktion, dass alle Krankheiten aus örtlichen Entzündungen oder einer eingebildeten Plethora bestehen ( 74/ 1).

  • Örtliche Blutentzündungen vermehren aber an der erkrankten Stelle die Neigung zu wiederholter Entzündung dieser Teile ( 74/1).

Die antipathische, enantiopathische Behandlung
Definition: entgegengesetzte Symptome erzeugend ( 23, 56 f.).
Beispiele: Mohnsaft gegen Schmerzen, Durchfälle, Schlaflosigkeit und Nachthusten, Purganzen und Laxantien gegen Leibverstopfung und Hartleibigkeit, Baldrian gegen die lähmende Trägheit und Besinnungslosigkeit bei Typhus, Digitalis gegen Tachykardie in Kachexien, Kaffee gegen Tages-schläfrigkeit, Bitterstoffe gegen Magenschwäche, Kanthariden gegen Harnblasen-Schwäche mit Harnverhaltung, Niesmittel gegen Stockschnupfen, Wein gegen Schwäche, kaltes Wasser gegen Verbrennungen, warme Bäder gegen Frostigkeit und Mangel an Lebenswärme, Elektrizität und Galvanis-mus gegen Lähmungen und Aderlass gegen Blutandrang bei Herzklopfen ( 57, 59, 65).
  • Kritik am Prinzip Contraria contrariis: nur palliative Erleichterung, nur kurze Erleichterung eines einzelnen Symptoms mit nachfolgender Verschlimmerung der ganzen Krankheit, Gewöhnung, Steigerung der Dosis ( 23, 55-60). Die Erstwirkung ist zwar palliativ, in der Nachwirkung wird die Krankheit aber verstärkt ( 56-59, 65, vgl. 55).

Fazit
  • Die wahre, dauerhafte Heilart liegt im Gegenteil der antipathischen Behandlung. Statt einer kurzen Erleichterung nach großen allopathischen Gaben mit anschließenden Verschlimmerung bringt die homöopathische Anwendung der Arzneien in kleinsten Gaben eine dauernde, vollständige Heilung zuwege ( 61).

Interaktion zweier Krankheiten im gleichen Organismus

Zusammentreffen einander unähnlicher Krankheiten

  • 1.

    Wenn die ältere Krankheit stärker oder gleich stark ist, wird die neue Krankheit von ihr abgehalten ( 36 f.).

  • 2.

    Wenn die neue Krankheit stärker ist, wird die alte Krankheit suspendiert, kommt später aber ungeheilt wieder hervor ( 38 f.).

  • 3.

    Beide Krankheiten können sich auch komplizieren ( 38, 40-42).

Zusammentreffen einander ähnlicher Krankheiten

  • 4.

    Die stärkere Krankheit vernichtet die schwächere ( 43-46).

Abschirmung
  • Eine bestehende Krankheit hält eine schwächere (oder gleich starke) ihr unähnliche Krankheit ab ( 36).

Beispiele: Eine chronische Krankheit hält eine Herbstruhr oder andere mäßige Seuche ab, Scharbock oder Flechten die levantische Pest, Rachitis die Schutzpockenimpfung und geschwürige Lungensucht epidemische Fieber ( 36).
Analog: Alte chronische Krankheiten bleiben bei milder allopathischer Behandlung ungeheilt bestehen ( 37). Bei heftigen Mitteln werden stattdessen noch beschwerlichere und gefährlichere Übel gebildet ( 37/1).
Suspendierung
  • Eine bestehende Krankheit wird von einer stärkeren ihr unähnlichen Krankheit vorübergehend suspendiert, bis die neue wieder verflossen oder geheilt ist, und kommt dann wieder hervor ( 38).

Beispiele: Fallsucht (Epilepsie) wird von Grindkopf (Tinea) suspendiert, Krätze von Scharbock, geschwürige Lungensucht von Typhus oder von einer Manie, Masern von Menschenpocken, Kuh- und Menschenpocken von Masern, Scharlachfieber und Mumps von Kuhpocken, sowie Kuhpocken von Scharlachfieber ( 38).
Analog: Chronische Krankheiten werden von starken allopathischen Mitteln wie künstlichen Hautgeschwüren oder gemischten Rezepten suspendiert, z.B. ein Krätz-Ausschlag durch Purganzen oder eine Fallsucht durch Fontanellen. Diese unterdrücken nur, schwächen und fügen bei langem Gebrauch dem alten Übel einen neuen Krankheitszustand hinzu ( 39).
Komplizierung
  • Eine bestehende Krankheit kann sich mit einer ihr unähnlichen lang einwirkenden Krankheit komplizieren ( 40).

  • Bild: Die beiden (oder drei) Krankheiten teilen sich den Organismus, ohne miteinander zu verschmelzen. Jede nimmt in ihm eine eigene Gegend ein, den ihr eigentümlich zugehörigen Platz, die ihr besonders angemessenen Teile, Organe und Systeme. Der Kranke wird dadurch kränker und schwerer zu heilen ( 40, 42).

Beispiele: Eine venerische Krankheit wird durch Krätze kompliziert, Krätze durch die venerische Krankheit, Masern durch Menschenpocken, Menschenpocken durch Masern, sowie Kuhpocken durch Masern, Purpurfrie-sel oder Lustseuche ( 40).
Analog: Chronische Krankheiten werden durch allopathische Mittel kompliziert, z.B. die venerische Schankerkrankheit (die zum Teil bereits mit Krätzkrankheit und/oder Feigwarzentripper kompliziert ist) durch chronisches Quecksilber-Siechtum. Die so entstehende verlarvte venerische Krankheit mit Knochengeschwulst, Knochenfraß usw. ist, wenn überhaupt, nur sehr schwer zu heilen ( 41).
Heilung
  • Eine bestehende Krankheit wird von einer stärkeren ihr ähnlichen Krankheit vernichtet ( 45, 48).

  • Bild: Beide Krankheiten nehmen dieselben Teile im Organismus in Anspruch. Die Einwirkung des stärkeren Reizes verdrängt die bisherige Einwirkung des schwächeren Reizes, dessen Einfluss dadurch erlischt ( 45).

Beispiele: Augenentzündung, Blindheit, Taubheit, Schweratmigkeit, Hodengeschwulst, ruhrartiger Stuhlgang und Kuhpocken werden von Menschenpocken geheilt, Armschwellung und Wechselfieber von Kuhpocken, bestimmte Hautausschläge von Kuhpocken-Lymphe, sowie eine Flechte und frieselartiger Ausschlag von Masern ( 46).
Analog: Chronische Krankheiten werden durch homöopathische Mittel geheilt ( 51, 53).
Fazit
  • Der Arzt soll nach dem Vorbild dieser Natur-Heilungen mit ähnlichen (homöopathischen) Mitteln heilen ( 35, 43, 47-51).

Überlegenheit der Heilkunst gegenüber Natur-Heilungen
Homöopathische Natur-Heilungen ( 50)
  • sind nur durch wenige miasmatische, festständige Krankheiten (wie Krätze, Masern, Pocken) (für Krankheiten mit ähnlichen Zuständen) möglich,

    • die als Heilmittel gefährlicher und schrecklicher sind als das zu heilende Übel und

    • die anschließend selbst der Heilung bedürfen.

  • Nur wenige Krankheiten können auf diese Weise geheilt werden. Homöopathische Arznei-Heilungen ( 51)

  • sind durch die Anwendung von vielen tausend Arzneisubstanzen (für die unzähligen natürlichen Krankheiten) möglich,

    • die sich unendlich weit verdünnen, zerteilen, potenzieren und in ihrer Gabe vermindern lassen und

    • deren Wirkung nach vollendeter Heil-Anwendung von selbst verschwindet.

  • Unzählige Krankheiten lassen sich auf diese Weise sanft behandeln.

Krankheitslehre
Akute und chronische Krankheiten
Akute Krankheiten
Definition: schneller, kurzer, sich selbst beendender Verlauf ( 72).
  • individuelle: durch einzelne Schädlichkeiten [Erregungsursachen] veranlasst, z.B. akute Fieber durch Ausschweifungen, physische Einwirkungen, Erkältungen, Erhitzungen, Strapazen, Verheben, psychische Erregungen, Affekte usw.

    • Es handelt sich meist um vorübergehende Aufloderungen latenter Psora [Grund-Ursache] ( 73).

  • sporadische: bei einigen Menschen (mit entsprechender Empfänglichkeit) an verschiedenen Orten durch meteorische oder tellurische Einflüsse und Schädlichkeiten veranlasst [Kollektivkrankheiten] ( 73).

  • epidemische: bei vielen Menschen an einem Ort aus ähnlicher Ursache unter ähnlichen Beschwerden entstehende Fieber jeweils eigener Natur, meist veranlasst und erzeugt durch Kriegsnot, Überschwemmungen und Hungersnot [Kollektivkrankheiten]. Keine Namen und spezifische Behandlung dafür möglich.

    • In zusammengedrängten Menschenmassen werden sie meist ansteckend (kontagiös), es entstehen Fieber eigener Natur ( 73).

  • akute Miasmen: kehren entweder auf gleiche Art wieder und befallen den Menschen nur einmal im Leben, wie die Menschenpocken, Masern, Keuchhusten, Scharlach, Mumps usw. [festständige Krankheiten, Namen und spezifische Behandlung dafür möglich], oder kehren auf ähnliche Weise wieder, wie Pest, Gelbfieber, Cholera usw. ( 73).

Chronische Krankheiten
Definition: allmählich verlaufend, nicht von selbst auslöschbar ( 72, 78)
  • iatrogene: stammen von allopathischer Behandlung, heroischen Arzneien, Aderlässen, Blutegeln, Fontanellen, Haarseilen, Hungerdiät usw. [Grund-Ursachen].

    • Als Schutz vor den feindlichen Angriffen schafft die Lebenskraft krankhafte Veränderungen im Organismus. Sie sind am unheilbarsten ( 74-76).

  • uneigentliche: werden durch vermeidbare Schädlichkeiten unterhalten, z.B. durch schädliche Getränke und Nahrungsmittel, Ausschweifungen, Entbehrungen, sumpfige Wohngegend, feuchte Wohnung, Mangel an Bewegung und frischer Luft, körperliche und geistige Überanstrengung, andauernder Verdruss usw.

    • Diese sich selbst zugezogenen Ungesundheiten vergehen bei gebesserter Lebensweise von selbst ( 77).

  • wahre, natürliche: entstehen durch ein chronisches Miasma (Syphilis, Sykosis, Psora) ( 72, 78).

Die drei chronischen Miasmen
  • Syphilis, Sykosis und Psora sind innere chronisch-miasmatische Krankheiten, die nach vollendeter innerer Infektion des ganzen Organismus den venerischen Schanker, blumenkohlartige Feigwarzen sowie einen spezifischen Hautausschlag ausbilden ( 79 f., 204).

  • Ohne spezifisches Heilmittel nehmen sie immer weiter zu, selbst bei robustester Konstitution, geordnetster Lebensweise und kräftigster regester Lebenskraft ( 78 f.).

  • Die Krankheit (aller drei chronischen Miasmen) wird durch Ansteckung oder Erbschaft übertragen ( 78/1).

  • In der Jugend und bei gesunder Lebensweise bleiben sie oft latent und kommen erst in späteren Jahren bei widrigen Ereignissen und Verhältnissen zum Vorschein, z.B. bei Gram, Kummer und zweckwidriger Behandlung [Erregungsursachen] ( 78/1).

  • Hervorlockungs-Momente sind z.B. Erkältung (Durchnässung, kalter Trunk auf Erhitzung), Schreck, Verheben, Ärger, Verhexung usw. Diese Veranlassungen [Erregungsursachen] sind viel zu klein, um eine langwierige Krankheit in einem gesunden Körper zu erzeugen, über Jahre zu unterhalten und zu vergrößern ( 206/1).

  • Die Psora ist die Grundursache fast aller (nicht-venerischen, chronischen) Krankheitsformen, die in den Pathologien fälschlicherweise als eigene Krankheiten angesehen werden, wie Neurasthenie, Hysterie, Hypochondrie, Manie, Melancholie, Demenz, Epilepsie, Rachitis, Tuberkulose, Skoliose, Kyphose, Karzinom, Hämangiom, Gicht, Hämor-rhoiden, Ikterus, Anämie, Aszites, Amenorrhöe, Hämorrhagie, Asthma, Impotenz, Sterilität, Migräne, Taubheit, Katarakt, Glaukom, Nephrolithiasis, Paralyse, Parästhesie, Rheumatismus, Apoplex, Schmerzen usw. ( 80 f., 81/2). Dies sind jedoch keine festständigen Krankheiten, sie verdienen keinen gleich bleibenden Namen und rechtfertigen keine darauf bezogene gleichartige Behandlung - ebenso wenig wie die Epidemien von Typhus-, Spital-, Kerker-, Lager-, Faul-, Nerven- oder Schleim-Fiebern ( 73/1, 81/2).

  • Die große Verschiedenheit der chronischen Krankheiten (sekundäre Symptome der Psora) erklärt sich aus der langen Entwicklung der Psora über Hunderte von Generationen und Millionen von Organismen verschiedenster Konstitutionen unter der Einwirkung verschiedenster Schädlichkeiten ( 81). Modifizierende Ursachen sind z.B. Klima, Wohnort, körperliche und geistige Erziehung, Beruf, Lebensverhältnisse, Diät und Lebensweise, Leidenschaften, Sitten, Gebräuche, Gewohnheiten usw. ( 81/1).

  • Psora kann mit Syphilis, manchmal auch noch mit Sykosis kompliziert sein ( 206).

  • Psora kann auch durch Erbschaft von der Mutter (in ihrer Leibesfrucht) oder durch die Milch der Ammen übertragen werden. Nach an-tipsorischer Behandlung der Mütter in ihrer ersten Schwangerschaft kommen die Kinder gesünder und kräftiger zur Welt. Die (antipso-risch) arzneiliche Milch der Ammen schützt gegen Psora-Infektion im Säuglingsalter ( 284/1).

Kollektivkrankheiten
  • Bei sporadischen und epidemischen Krankheiten ist jede herrschende Seuche eine Erscheinung eigener Art, abweichend von allen vorangegangenen mit demselben Namen ( 100, 81/2).

    • Ausnahme: Epidemien von sich gleich bleibendem Ansteckungszunder, Menschenpocken, Masern usw. [festständige Krankheiten] ( 100).

  • Der ganze Umfang einer epidemischen Krankheit kann nicht bei einem einzelnen Kranken wahrgenommen, sondern nur aus den Leiden mehrerer Kranker von verschiedener Körperbeschaffenheit abstrahiert werden ( 102).

  • Durch das Aufzeichnen der Symptome mehrerer Fälle wird das Krankheitsbild nicht größer und wortreicher, sondern vollständiger, bezeichnender, charakteristischer, eigentümlicher, bestimmter und ausgezeichneter. Die allgemeinen Zeichen (Appetitlosigkeit, Schlafmangel usw.) erhalten dabei ihre genaueren Bestimmungen ( 102).

  • Bei sorgfältiger Forschung kann bereits beim ersten oder zweiten Kranken ein annähernd charakteristisches Bild vom wahren Zustand der Epidemie entworfen und damit ein homöopathisch passendes Heilmittel gefunden werden ( 101).

  • Alle an der aktuellen Seuche Erkrankten haben die gleiche Krankheit, die aus derselben Quelle geflossen ist ( 102).

  • Das für den gesamten Symptomen-Inbegriff der Epidemie homöopathisch passende Arzneimittel ist zugleich Heilmittel für jeden einzelnen daran Erkrankten ( 102 f., 241).

Festständige Krankheiten
  • Stets gleichartig wiederkehrende, festständige miasmatische Krankheiten bzw. Epidemien von sich gleich bleibendem Ansteckungszunder verdienen einen bestimmten Namen, wie Krätze, Pocken, Masern usw. ( 46, 50, 81/2, 100).

  • Auch die chronisch-miasmatischen Krankheiten bleiben sich in ihrem Wesen gleich. Der einzelne Kranke hat immer nur einen Teil aus der Gesamtheit der Symptome der ganzen Krankheit ( 103).

  • Nur an sehr vielen chronisch Kranken konnte der Inbegriff der Psora ermittelt werden ( 103).

  • Nur aus einer vollständigen Übersicht und dem Gesamtbild der Symptome der Psora konnten die antipsorischen Arzneien, die das ganze Psora-Siechtum homöopathisch heilen, erforscht werden ( 103).

Einseitige Krankheiten
  • Die Krankheit scheint nur wenige (Haupt-) Symptome zu haben ( 173-176):

    • ein inneres Leiden (Kopfweh, Durchfall, Kardialgie usw.) oder

    • ein äußeres Leiden (Lokalkrankheit) ( 174).

  • Bei den inneren einseitigen Krankheiten liegt es oft nur an der Unaufmerksamkeit des Arztes, wenn er die vorhandenen Zufälle nicht vollständig aufspürt ( 175). Bei einigen wenigen Übeln lassen sich aber außer ein paar heftigen Zufällen die übrigen nur undeutlich bemerken ( 176).

  • Fast alle einseitigen Krankheiten gehören der Psora an ( 173, 210).

  • Die Nebenbeschwerden, die beim Gebrauch einer unvollkommen homöopathischen Arznei entstehen, kommen zwar von der Arznei (falls sie nicht auf Fehlern in der Lebensordnung, auf Leidenschaften, Men-arche, Menopause, Niederkunft usw. beruhen), sind aber zugleich Beschwerden der Krankheit selbst. Sie dienen somit zur Vervollständigung des Symptomen-Inbegriffs der Krankheit und erleichtern die Auffindung einer passenderen homöopathischen Arznei ( 180-184) [s. auch Nebenwirkungen].

  • Fühlt sich ein Kranker bei ganz geringen Symptomen dennoch sehr wohl, so kann man diesen Zustand der Betäubung seiner Nerven zuschreiben und diese Betäubung des inneren Gefühlssinnes mit Mohnsaft tilgen. In der Nachwirkung kommen dann die Symptome der Krankheit deutlich zum Vorschein ( 183/1).

Lokal-Übel
Definition: einseitige Krankheiten an äußeren Teilen ( 174, 185).
  • Lokal-Übel entstehen

    • durch eine äußere Beschädigung ( 186) oder

    • durch ein inneres Leiden ( 187-189, 194).

  • Eine sehr geringfügige, erst vor kurzem entstandene äußere Beschädigung scheint noch am ehesten ein rein örtliches Übel zu sein und ist ohne besondere Bedeutung ( 186).

  • Äußere Beschädigungen von einiger Beträchtlichkeit ziehen dagegen den ganzen lebenden Organismus in Mitleidenschaft. Es entstehen Fieber, Schmerzen usw., die dynamisch homöopathisch zu behandeln sind ( 186).

  • Die übrigen an äußeren Teilen erscheinenden Veränderungen und Beschwerden haben ihre Quelle in einem inneren Leiden. Sie nur örtlich zu behandeln, ist schädlich ( 187). Beispiele: Entzündungen, Rotlauf usw. ( 194).

  • Ein Lokal-Übel ist ein untrennbarer Teil des Ganzen, hängt von der Krankheit des übrigen Körpers ab und wird gleichzeitig mit dem gemeinsamen Krankheitszustand des Körpers aufgehoben ( 188-193). Es ist eines der größten und auffallendsten Symptome der Gesamtkrankheit ( 193).

  • Durch innere Arzneitherapie des Ganzen ( 190-194) kommt es unter Verschwinden des äußeren Übels zur Genesung des ganzen Menschen ( 191, 193) - bei erst seit kurzem bestehendem Übel oft schon durch die erste Gabe ( 193). Wenn nicht, so ist das Lokal-Übel ein Produkt auflodernder, bisher im Inneren schlummernder Psora, die eine antipsorische innere Behandlung erfordert ( 194 f.).

  • Wird das Lokal-Übels nur lokal beseitigt, erhöht sich die innere Krankheit ( 79, 187, 202).

  • Äußere Einreibungen, Auflagen oder Mitbehandlungen sind nicht dienlich ( 194, 196). Bei chronischen Krankheiten haben sie den Nachteil, dass das vorzeitige Verschwinden des ständigen Lokal-Symptoms die Heilung der inneren Krankheit vortäuscht. Zumindest wird deren Beurteilung erschwert, da die übrigen Symptome weniger beständig und charakteristisch sind als das Lokal-Symptom ( 197- 200).

Beispiele:
  • Psora hat als primäres, stellvertretendes, den Ausbruch verhütendes Lokal-Symptom den Krätz-Ausschlag,

  • Syphilis hat den Schanker oder die Schoßbeule,

  • Sykosis hat die Feigwarzen ( 80, 204).

Metastase
Definition: Ein Lokal-Übel, das von der Lebenskraft zu dem Zweck gebildet wird, ein inneres Übel zu vertreten bzw. zu beschwichtigen ( 201/1, 206/1).
  • Um ein inneres Übel, das lebenswichtige Organe bedroht, zu beschwichtigen, bildet die Lebenskraft an äußeren, für das Leben weniger wichtigen Teilen des Organismus Lokal-Übel, um die innere Krankheit dorthin zu übertragen, abzuleiten und zum Schweigen zu bringen. Um das dabei allmählich zunehmende innere Leiden weiterhin stellvertreten und beschwichtigen zu können, muss die Natur das Lokal-Symptom vergrößern und verschlimmern ( 201).

    • Beispiele: Alte Schenkelgeschwüre, Schanker und Feigwarzen verschlimmern, vergrößern und vermehren sich bei ungeheilter innerer Psora, Syphilis und Sykosis ( 201).

  • Wird das Lokal-Symptom durch äußere Mittel örtlich vernichtet, ersetzt es die Natur durch Erweckung des inneren Leidens und bisher schlummernder Symptome. Diese Erhöhung der inneren Krankheit geschieht also nicht durch Zurücktreibung des Lokal-Übels in den Körper ( 202).

    • Beispiele: Die äußere Behandlung des Krätz-Ausschlags, Schankers und der Feigwarze schafft diese nur von der Körper-Oberfläche weg, ohne die innere miasmatische Krankheit zu heilen, und ist die Quelle der unzähligen chronischen Leiden ( 203), speziell ihrer sekundären Übel und Symptome ( 205).

    • Nach lokaler Beseitigung des Lippen- oder Gesichtskrebses durch ein topisches Arsen-Mittel muss die Lebenskraft den Herd für das innere Übel an eine noch edlere Stelle versetzen und Blindheit, Taubheit, Wahnsinn, Asthma, Ödeme, Apoplex usw. folgen lassen. Auch die chirurgische Entfernung von Gesichts- oder Brustkrebs lässt noch Schlimmeres folgen ( 205/1).

    • Nach Vertreibung eines Hautausschlags durch Mineralbäder wird z.B. der Sehnerv gelähmt, entsteht Amaurose, verdunkelt sich die Kristall-Linse, verschwindet das Gehör, erfolgt Wahnsinn, Asthma oder eine Apoplexie ( 285/1).

Geistes- und Gemütskrankheiten
Definition: keine von den übrigen scharf abgetrennte Klasse von Krankheiten. Auch bei Körperkrankheiten ist die Gemüts- und Geistes-Verfassung immer verändert ( 210).
Beispiele: In gesunden Tagen undankbare, hartherzige, boshafte Menschen mit entehrenden und empörenden Launen werden in schmerzhaften, langjährigen Krankheiten oft mild und sanft. In gesunden Zeiten Geduldige werden störrisch, heftig, hastig, eigensinnig, ungeduldig und verzweifelt. Vorher Züchtige und Schamhafte werden geil und schamlos, helle Köpfe stumpfsinnig, Schwachsinnige klüger, sinniger und die von langsamer Besinnung geistesgegenwärtig und schnell entschlossen usw. ( 210/1).
Somatogene Geistes- und Gemütskrankheiten
  • Fast alle Geistes- und Gemütskrankheiten sind primär Körper-Krankheiten, bei denen sich die Geistes- und Gemüts-Verstimmung fast wie ein Lokal-Übel einseitig zum Hauptsymptom erhöht ( 215 f.), um die gefährlichere Körperkrankheit palliativ zu beschwichtigen ( 216).

    • Beispiel: Eine Lungeneiterung, Schädigung eines edlen Eingeweides oder hitzige akute Krankheit artet in einen Wahnsinn, eine Melancholie oder Raserei aus und lässt dadurch die Todesgefahr der Körper-Symptome verschwinden ( 216).

  • Ehemalige Körperkrankheits-Symptome sind manchmal noch in Spuren übrig, unscheinbarer geworden, aber weiterhin verdeckt gegenwärtig. Bei einer vorübergehenden Minderung der Geisteskrankheit tun sie sich manchmal hervor ( 219).

  • Der Geistes- und Gemütszustand erscheint oft periodisch abwechselnd, z.B. einige Tage stürmischer Wahnsinn und Wut, dann einige Tage tiefsinnige, stille Traurigkeit usw.

  • zum Teil nur in bestimmten Monaten des Jahres auftretend ( 220).

  • Sehr selten lässt eine langwierige Geistes- oder Gemütskrankheit von selbst nach, indem das innere Siechtum wieder auf die Körperorgane übergeht. Der Kranke ist dabei aber nur scheinbar genesen ( 222/1).

  • Somatogene Geistes- und Gemütskrankheiten werden durch gut meinendes Zureden und Trostgründe verschlimmert: Melancholie wird noch niedergeschlagener, klagender, untröstlicher und zurückgezogener, boshafter Wahnsinn noch mehr erbittert und törichtes Gewäsch noch unsinniger ( 224). Die Seele fühlt hier anscheinend mit Unwillen und Betrübnis die Wahrheit der vernünftigen Vorstellungen und wirkt entsprechend auf den Körper ein, der aber stark auf Geist und Gemüt zurückwirkt und seine Leiden erneut auf sie überträgt ( 224/1).

  • Für Geistes- und Gemütskranke gibt es keine Unterhaltung, keine wohltätige Zerstreuung, keine Belehrung, keine Besänftigung durch Worte oder Bücher. Die einzige Erquickung für sie ist Heilung, das heißt Umstimmung ihres Körperbefindens zum Besseren. Dann strahlt Ruhe und Wohlbehagen auf ihren Geist zurück ( 229).

  • Bei alten Gemüts- und Geisteskrankheiten, die ursprünglich aus Körper-Leiden oder gleichzeitig mit ihnen entstanden sind, zeigt sich der Vorzug der homöopathischen Heilkunst vor allen anderen Behandlungsmethoden in einem besonders triumphalen Licht ( 230).

Psychogene Geistes- und Gemütskrankheiten
  • Einige wenige Geistes- und Gemütskrankheiten entstehen primär vom Gemüt aus (durch anhaltenden Kummer, Kränkung, Ärger, Beleidigungen, häufige Veranlassungen zu Furcht und Schreck usw.) und verderben dann oft auch den körperlichen Gesundheitszustand ( 225 f.). Auch hier liegt Psora zugrunde ( 227).

  • Gut meinendes Zureden und Trostgründe bessern Geistes- und Gemütskrankheiten, die auf Erziehungsfehlern, schlechter Angewohnheit, verdorbener Moral, Vernachlässigung des Geistes, Aberglauben oder Unwissenheit beruhen ( 224).

Psorische Geistes- und Gemütskrankheiten
  • Plötzlich ausbrechender akuter Wahnsinn oder Raserei (auf Veranlassung von Schreck, Ärger, Alkohol usw.) entspringt aus einem Auflodern innerer latenter Psora ( 221).

  • Nach Genesung aus einer akuten Geistes- oder Gemütskrankheit durch nicht-antipsorische Arzneien ist der Kranke nicht geheilt. Die Psora ist zwar wieder latent, aber zum Wiederausbruch der vorigen Geistes- und Gemütskrankheit sehr geneigt. Erst nach antipsorischer (ggf. antisyphilitischer) Behandlung ist kein künftiger Anfall mehr zu befürchten ( 222).

  • Ohne antipsorische (ggf. antisyphilitische) Behandlung kann ein geringer Anlass [Erregungsursache] bald einen neuen, anhaltenden, größeren Anfall auslösen. Die Psora entwickelt sich dabei vollständig und geht in eine schwieriger zu heilende Geisteszerrüttung über ( 223).

Wechselkrankheiten
Einteilung in typische und alternierende ( 231 f.):
Regelmäßig wiederkehrende, typische ( 231, 233)
Mit Fieber: Wechselfieber, sporadische oder epidemische, nicht in Sumpfgegenden endemisch herrschende ( 235), zusammengesetzt aus zwei oder drei entgegengesetzten Wechselzuständen, z.B. Kälte-Hitze oder Kälte- Hitze-Schweiß ( 235).
  • Sie können auch psorisch sein ( 242-244).

Ohne Fieber: fieberlos scheinende (chronische) Beschwerden einzelner Kranker, nicht sporadisch oder epidemisch vorkommend (vgl. 73).
  • Sie sind meist psorisch, selten mit Syphilis kompliziert ( 231, 233 f.).

Unregelmäßig wiederkehrende ( 231)
Alternierende Krankheiten, das heißt mit anderen abwechselnde Krank-heitszustände ( 231 f.).
  • Sie sind meist psorisch, manchmal mit Syphilis kompliziert ( 232). Beispiele alternierender Krankheiten ( 232/1):

    • zweifache Wechselzustände: Schmerzen in den Füßen - Augenentzündung,

    • dreifache Wechselzustände: Melancholie (düstere, melancholische Laune, hypochondrische Gemüts-Verstimmung mit Störung mehrerer Lebens-Verrichtungen bei Verdauung, Schlaf usw.) - lustiger Wahnsinn oder Raserei (übertriebene Lustigkeit, allzu regsame Lebhaftigkeit des Körpers, Überfülle von Wohlbehagen, übermäßiger Appetit usw.) - gewöhnliches Übelbefinden.

  • Oft ist keine Spur des vorigen Zustandes mehr zu bemerken, wenn der neue eintritt ( 232/1).

Wechselfieber
  • Wechselfieber sind nicht nur nach ihren Rückkehrzeiten verschieden (das tägliche, dreitägige, viertägige usw.), sondern auch hinsichtlich ihrer Anfälle - Hitze, Kälte, Schweiß, Frost, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Durst, Schlaf, Delirien, Gemüts-Verstimmungen, Krämpfe usw. ( 235/1).

  • Chin. kann zwar ihr periodisches Wiederkehren auslöschen bzw. unterdrücken, die Kranken durch diese Auslöschung des Typus aber nicht heilen. Sie bleiben an einem kaum heilbaren Chin.-Siechtum krank ( 235/1, 244/1).

  • Jedes Wechselfieber verlangt seine eigene homöopathische Behandlung ( 235/1). Die Wahl des für die verschiedenen Fieber-Epidemien hilfreichen Heilmittels erleichtert Bönninghausens Buch über die Wechselfieber ( 235/2).

  • Die Verabreichung des Arzneimittels vor dem Anfall würde eine starke Gegenwirkung im Organismus veranlassen und viel Kraft rauben, sogar das Leben gefährden. Nach dem Anfall ist die Lebenskraft dagegen in bestmöglicher Verfassung, sich von dem Heilmittel zur Gesundheit hin verändern zu lassen ( 236).

    • Beispiel: Eine mäßige Gabe Mohnsaft, im Fieber-Frost verabreicht, führt zum Tode ( 236/1).

  • Fast jede Arznei erregt bei ihrer Prüfung an Gesunden eine je eigene Art Wechselfieber mit Wechselzuständen, so dass sich für die zahlreichen Wechselfieber homöopathisch passende Arzneien finden lassen ( 239).

  • Bei Epidemien von Wechselfiebern, wo sonst keine endemisch sind, hat jede Epidemie ihren eigenen, sich gleichen Charakter, der den erkrankten Individuen gemeinsam ist. Das nach dem Inbegriff der Symptome, die allen gemeinsam sind, gewählte Arzneimittel hilft hier bei fast allen Kranken, die nicht an entwickelter Psora chronisch krank sind. Diese Epidemien haben die Natur chronischer Krankheiten, die aus einzelnen akuten Anfällen zusammengesetzt sind ( 241).

Psorische Wechselfieber
  • Erscheint das Wechselfieber trotz angemessener Arznei nach mehreren Tagen des Wohlbefindens wieder, muss die Schädlichkeit (z.B. in Sumpfgegenden), die das Wechselfieber zuerst erregte, noch immer auf den Genesenden einwirken ( 238). Oder das psorische Miasma ist im Hintergrund ( 240).

  • Werden bei einer Wechselfieber-Epidemie die ersten Anfälle nicht geheilt oder die Kranken durch allopathische Behandlung geschwächt, entwickelt sich die in vielen Menschen schlummernde Psora und nimmt den Typus des Wechselfiebers an. Für dieses nun psorische Wechselfieber helfen die bisherigen (nicht-antipsorischen) Arzneien nicht mehr. Jetzt werden antipsorische Arzneien benötigt ( 242).

  • Die (oft bösartigen) Wechselfieber, die (außer in Sumpfgegenden) einzelne Personen befallen, ähneln den akuten Krankheiten hinsichtlich ihres psorischen Ursprungs. Verzögert sich nach anfänglicher Behandlung mit einer nicht-antipsorischen Arznei die Genesung, hat man es mit sich entwickelnder Psora zu tun, gegen die nur eine antipsorische Arznei helfen kann ( 243).

  • Von Wechselfiebern, die in Sumpfgegenden und Überschwemmungs-Gebieten endemisch sind, kann ein junger gesunder Mensch frei bleiben, wenn er eine fehlerfreie Lebensordnung führt und nicht von Mangel, Strapazen oder zerstörenden Leidenschaften beeinträchtigt wird. Er wird höchstens davon ergriffen, wenn er neu in die Gegend kommt, dann aber durch ein paar kleine Gaben Chin. bald davon befreit. Falls nicht, liegt sich entwickelnde Psora zugrunde, die eine antipsorische Behandlung verlangt. Auch wenn durch Umzug in eine trockene, bergige Gegend das Fieber nachlässt und die Psora in ihren latenten Zustand zurückkehrt, werden sie ohne antipsorische Hilfe nie gesund ( 244).

Arzneitherapie
Einzelmittel
  • Ein homöopathisch gewählter einfacher Arzneistoff hilft vollständig und allein. Bei zwei oder mehr (selbst ausgeprüften) Arzneistoffen ist unmöglich vorauszusehen, wie sie sich in ihren Wirkungen behindern und abändern. Ein einfacher Arzneistoff nützt dagegen selbst dann, wenn er nicht ganz angemessen gewählt wird, doch dadurch, dass die von ihm erregten neuen Beschwerden Prüfungs-Symptome der Arznei bestätigen und so die Heilmittel-Kenntnis befördern ( 274, vgl. 152).

  • Ist die homöopathische Arznei gut gewählt, wäre es unvernünftig und schlampig, noch einen Tee aus einem anderen Arzneistoff, ein Kräuter-säckchen oder eine Bähung aus anderen Kräutern, ein andersartiges Klistier oder eine Salbe zu verordnen ( 274/1).

Wahl des Arzneimittels
  • Je schlimmer eine akute Krankheit ist, aus desto mehr und auffallenderen Symptomen ist sie gewöhnlich zusammengesetzt. Umso sicherer lässt sich ein passendes homöopathisches Heilmittel für sie finden ( 152).

  • Bei chronischen Krankheiten sind die sonderlichen, bezeichnungsvollen, charakteristischen Nebenzufälle für die Wahl des Heilmittels sehr entscheidend ( 95).

  • Bei der Wahl des homöopathischen Mittels gibt es zwei Schwierigkeiten, deren Beseitigung fast alle Schwierigkeiten der homöopathischen Heilmethode behebt ( 172):

    • zu wenig Symptome von geprüften Arzneien: unvollständige Materia medica ( 162-171),

    • zu wenig Symptome der Krankheit: einseitige Krankheiten ( 172- 184).

  • Die gewählte Arznei passt dann meist nur zum Teil ( 162, 167, 179).

Gabengröße
Bevorzugung kleinster Gaben
  • Die kleinste Gabe einer dynamisierten Arznei äußert im geeigneten Krankheitsfall bei weitem mehr Heilkraft als große Gaben derselben Arznei in Substanz ( 11/1).

  • Bei homöopathischen Heilungen sind ungewöhnlich kleine Arzneigaben nötig, die gerade noch ausreichen, durch Ähnlichkeit ihrer Symptome die ähnliche natürliche Krankheit zu überstimmen und aus dem Gefühl des Lebensprinzips zu verdrängen ( 68).

  • Eine hoch dynamisierte Arznei ist in kleiner Gabe umso heilsamer, je homöopathischer sie ist. Eine homöopathische Arznei ist umso heilsamer, je kleiner ihre für sanfte Hilfe angemessenste Gabe ist ( 277).

  • Die Angemessenheit einer Arznei für einen Krankheitsfall beruht nicht nur auf ihrer treffenden homöopathischen Wahl, sondern auch auf der erforderlichen Kleinheit ihrer Gabe, da eine allzu starke Gabe einer völlig homöopathischen Arznei einen überstarken Eindruck auf die Lebenskraft macht und dadurch schadet ( 275).

  • Bei Verordnung kleinster Gaben ist der Nachteil einer versehentlich unpassend gewählten Arznei gering und wird durch die Kraft des Lebens und das passendere Heilmittel schnell wieder ausgelöscht und gutgemacht ( 283).

Schädlichkeit zu großer Gaben
  • Eine Arznei schadet in allzu großer Gabe und in starken Dosen umso mehr, je homöopathischer und in je höherer Potenz sie gewählt wird - weit mehr als eine gleich große Gabe einer allopathischen Arznei ( 276). Große Gaben scheinen nur für diejenigen lobenswert zu sein, die niedrige, nach früherer Art dynamisierte Potenzen von unvollkommen zubereiteten, nicht homöopathisch gewählten Arzneien verwenden ( 276/1).

  • Eine unnötig große Gabe einer homöopathischen Arznei wirkt zu heftig und stört Geist und Gemüt zu sehr und anhaltend, um am Kranken eine Besserung an Gemüt und Geist bemerken zu können ( 253/1).

  • Zu große Gaben und häufige Wiederholung einer homöopathischen Arznei richten großes Unglück an, bringen den Kranken in Lebensgefahr oder machen die Krankheit unheilbar. Die natürliche Krankheit wird durch die ähnliche Arznei-Krankheit ersetzt, die viel heftiger und sehr schwer zu tilgen ist ( 276). Beispiele:

    • Behandlung der Syphilis mit dem homöopathisch indizierten Quecksilber in allopathisch großen Gaben führt zu fast unheilbaren Quecksilber-Siechtümern.

    • Behandlung von Wechselfiebern, bei denen Chinarinde homöopathisch angezeigt ist (und in kleiner hochpotenzierter Gabe helfen würde), mit täglichen sehr großen Gaben erzeugt ein chronisches Chinarinden-Siechtum mit Schädigung lebenswichtiger innerer Organe wie Milz und Leber, gegen das ein homöopathisches Gegenmittel kaum denkbar ist ( 276/2).

Unendliche Verkleinerbarkeit
  • Künstliche Krankheitspotenzen lassen sich unendlich weit potenzieren und in ihrer Gabe bis dahin vermindern, dass sie nur um wenig stärker bleiben als die damit zu heilende ähnliche natürliche Krankheit ( 51).

  • Es kann fast keine Gabe einer hoch potenzierten, spezifisch passenden homöopathischen Arznei zubereitet werden, die zu klein wäre, um eine deutliche Besserung hervorzubringen. Nicht-Besserung oder Verschlimmerung deutet daher nie auf eine zu schwache Gabe hin, sondern nur auf die Unangemessenheit der Arznei, die daher weder zu wiederholen noch zu verstärken ist ( 249/1).

  • Die Gabe einer homöopathisch gewählten hoch potenzierten Arznei kann für den Anfang der Behandlung einer (vor allem chronischen) Krankheit in der Regel nie so klein zubereitet werden, dass sie nicht noch stärker als die natürliche Krankheit ist. Sie kann diese immer, wenigstens teilweise, überstimmen und einen Anfang der Heilung bewirken - sofern der Krankheit keine beträchtliche Organschädigung zugrunde liegt und alle anderen fremdartig arzneilichen Einwirkungen auf den Kranken entfernt wurden ( 279).

    • Ausnahme: Solange Krätze, Schanker und Feigwarzen noch frisch auf der Haut blühen, erfordern diese drei chronischen Miasmen von Anfang an große Gaben ihrer spezifischen Heilmittel von immer höherem Dynamisations-Grad, täglich oder mehrmals täglich eingenommen. Hier ist nicht zu befürchten, dass die allzu große Gabe eine chronische Arznei-Krankheit erzeugt. Vielmehr kann ohne das Verschwinden der Blüten dieser Miasmen keine Heilung erreicht werden ( 282/1).

Konkrete Ratschläge
  • Wie klein die Gabe sein muss, um dem homöopathischen Heilzweck zu genügen und die sanfteste, schnellste Heilung zu erreichen, kann nur durch reine Versuche, sorgfältige Beobachtung der Erregbarkeit des Kranken und richtige Erfahrung in jedem besonderen Fall bestimmt werden ( 278).

  • Ein Kügelchen, trocken auf die Zunge gelegt, ist eine der kleinsten Gaben. Hier werden wenig Nerven von der Arznei berührt. Wird das Kügelchen in Wasser aufgelöst und diese Auflösung vor jedem Einnehmen geschüttelt, ergibt dies eine weit stärkere Arznei für den Gebrauch über viele Tage. Jede Gabe davon berührt sogleich viele Nerven ( 272).

  • Die feine Gabe einer homöopathischen Arznei soll nicht durch einen fremdartig arzneilichen Reiz aus der Diät und Lebensordnung überstimmt, ausgelöscht oder gestört werden ( 259), besonders bei chronischen Krankheiten ( 260).

  • Die mäßige Befriedigung des Verlangens akut Kranker auf palliative Erleichterungsdinge unarzneilicher Art legt der gründlichen Entfernung der Krankheit nur geringe Hindernisse in den Weg. Sie werden von der durch die homöopathische Arznei entfesselten Lebenskraft und durch die Erquickung durch das sehnlich Verlangte überwogen ( 263).

Pharmazie
Empfehlungen
  • Weingeist hemmt sofort und dauerhaft die Gärung eines Pflanzensaftes. In gut verschlossenen Gläsern, die vor Sonnenlicht und Hitze geschützt werden, erhält sich seine Arzneikraft vollständig und unverdorben für immer ( 267), bei Streukügelchen viele Jahre lang ( 272/1). Ohne Schutz vor Luft und Licht verlieren alle Tier- und Gewächs-Substanzen mit der Zeit immer mehr ihre Arzneikraft - schon im ganzen Zustand, weit mehr noch im Pulverzustand ( 268/1).

  • Zur Absetzung des Faser- und Eiweiß-Stoffs ist das angemessenste Verhältnis von Weingeist zum ausgepressten Pflanzensaft 1:1.

    • Bei Pflanzen mit viel zähem Schleim (Beinwell-Wurzel, Freisam Veilchen usw.) oder übermäßig viel Eiweiß (Hundsdill-Gleiß, Schwarz-Nachtschatten usw.) ist ein Verhältnis 2:1 nötig.

    • Sehr saftlose Pflanzen (Oleander, Buchs, Ebenbaum, Porst, Sade-baum usw.) müssen zu einer feuchten, feinen Masse gestoßen werden und mit Weingeist ebenfalls im Verhältnis 2:1 zusammengerührt werden, damit sich der Saft mit ihm vereinigt, und so ausgezogen durchgepresst werden kann ( 267/2).

  • Trockene rohe Gewächs-Substanzen enthalten für den Zusammenhalt ihres Gewebes einen gewissen Anteil Feuchtigkeit, der für die Unverderblichkeit eines feinen Pulvers viel zu groß ist. Die im ganzen Zustand völlig trockene Tier- oder Gewächs-Substanz ergibt fein gepulvert also ein einigermaßen feuchtes Pulver, das bald schimmelt und verdirbt. Wird das Pulver dagegen im Wasserbad ausgebreitet, umgerührt und getrocknet, bis es wie feiner Sand leicht verstiebt, wird es nie mietig oder schimmlig ( 268/1).

  • Nach Verreibung einer getrockneten saftlosen Pflanze zur C3 und Auflösung eines Grans kann man weitere Dynamisationen in flüssiger Form herstellen ( 267/2).

Warnungen
  • Die arzneikräftigsten Pflanzen verlieren ihre Arzneikraft durch Trocknen (Wurzeln der Iris-Arten, des Meerrettichs, der Aron-Arten und Päonien), durch die Hitze der Extraktbereitung, durch langes Stehen an der Luft, durch Wein-, Essig- und Faul-Gärung sowie beim Schwitzen (übereinander liegender grüner Kräuter) ( 266/1).

  • Bei den Nahrungsmitteln werden die Arzneikräfte der rohen Tier- und Pflanzen-Substanzen durch Zubereitung in der Küche vermindert - etwa durch Auspressen des schädlichen Saftes, durch Gären des Getreidemehls, des Sauerkrauts, der Salzgurken, durch Räuchern und Hitze (beim Kochen, Schmoren, Rösten, Braten, Backen, der Kartoffeln, durch Garsieden mit Wasserdampf), durch Zusatz von Kochsalz und Essig ( 266/1).

  • Die durch Säuren bewirkten Auszüge der Alkaloide aus den Pflanzen sind in ihrer Bereitung großer Verschiedenheit unterworfen (Chinin, Strychnin, Morphin usw.) und können daher nicht als einfache, sich gleich bleibende Arzneien angenommen werden. Die Alkaloide sind auch nicht die einzigen Arzneibestandteile der Pflanzen. An den Pflanzen selbst (Chin., Nux-v., Op.) besitzt der homöopathische Arzt alles, was er zum Heilen von ihnen braucht ( 273/1).

Dynamisieren, Potenzieren
Definition: Entwicklung der inneren, geistartigen Arzneikräfte der rohen Substanzen durch mechanische Einwirkung auf ihre kleinsten Teile (durch Reiben und Schütteln), während sie durch Dazwischentreten einer indifferenten Substanz trockener oder flüssiger Art voneinander getrennt sind ( 269).
Beobachtungen
  • Im Bereich des Physischen bzw. Leblosen werden durch Reiben hervorgebracht: Wärme, Hitze, Feuer, Geruchsentwicklungen in geruchlosen Körpern, Magnetisierung des Stahls usw. ( 269/1).

  • In einer Eisenstange ist eine Spur von Magnetkraft zu erkennen, allerdings nur in Bezug auf einen Magneten. Sie selbst kann nicht einmal die feinsten Eisenspäne anziehen. Nach starkem Reiben in einer Richtung kann sie Eisen und Stahl an sich ziehen und selbst einem anderen Stahlstab magnetische Kraft mitteilen. In umso höherem Grad, je mehr man an ihr gerieben hat ( 269/2).

    • Erklärung: Reiben mit einer Feile an einem Stahlstab bewirkt die Dynamisierung seiner latenten, im Inneren schlummernden Magnetkraft, was ihn zum wahren, tätigen, kräftigen Magnet macht ( 269/2).

Analogieschluss
  • Reiben und Schütteln erzeugen auch physiologische und pathogeneti-sche Kräfte in der rohen Materie der Arzneimittel, selbst in unarzneili-chen Substanzen (z.B. Kochsalz), entwickeln und enthüllen in ihr verborgen liegende medizinische Kräfte - nach einem physiologisch-pathogenetischen Naturgesetz. Die Materie wird dadurch sozusagen vergeistigt ( 269/1.2).

  • Ein Magnetstab erzeugt in einer Stahlnadel nur bei Annäherung oder Berührung magnetische Kraft. Er verändert weder den Stahl in seinen übrigen chemischen und physischen Eigenschaften noch andere Metalle. Ebenso bringen dynamisierte Arzneisubstanzen Veränderungen im Befinden der Tiere und Menschen nur dann hervor, wenn sie der lebenden, empfindenden Faser ganz nahe gebracht werden oder sie berühren (beim Einnehmen oder Riechen). Bei leblosen Dingen sind sie wirkungslos ( 269/3).

Dynamische Arzneikräfte
  • Durch Reiben und Schütteln werden die im rohen Zustand verborgenen und gleichsam schlafenden Arzneikräfte bis zum Unglaublichen entwickelt und zur Tätigkeit erweckt ( 128).

  • Die entwickelten latenten, dynamischen Kräfte haben hauptsächlich auf das Lebensprinzip Einfluss. Durch Dynamisieren (Potenzieren, Arzneikraft-Entwicklung) erhält man Dynamisationen (Potenzen in verschiedenen Graden) ( 269).

  • Homöopathische Arznei-Potenzen sind das Gegenteil von Verdünnungen, die zu bloßem Wasser werden. Sie sind vielmehr die Aufschließung der Naturstoffe sowie die Offenbarung der spezifischen Arzneikräfte, die in ihrem inneren Wesen verborgen gelegen sind ( 269/4).

  • Erst diese Bearbeitungen der rohen Arzneisubstanzen besitzen die volle Fähigkeit, die leidenden Teile im kranken Organismus treffend zu berühren. Während sich die Arzneisubstanz im rohen Zustand als (un-arzneiliche) Materie darstellt, subtilisiert und wandelt sie sich durch immer höhere Dynamisationen schließlich ganz zu geistartiger Arzneikraft, die nicht mehr in unsere Sinne fällt. Das arzneilich gewordene Streukügelchen wird für sie der Träger - schon trocken, weit mehr noch in Wasser aufgelöst. In dieser Form zeigt es die Heilsamkeit der unsichtbaren Kraft im kranken Körper ( 270).

Dynamisierungs-Arten
  • Das frühere Verdünnungs-Verhältnis 1:100 war viel zu eng beschränkt, so dass viele Schüttelschläge die Kräfte der Arzneisubstanz ohne große Gewalt nicht ausreichend und in hohem Grad entwickeln konnten. Werden sehr viele Stöße durch eine kräftige Maschine gleichsam eingezwungen, entstehen Arzneien, die vor allem in den höheren Dynamisations-Graden plötzlich, stürmisch und gefährlich heftig wirken. Beim neuen, deutlich höheren Verhältnis 1:50.000 können viele Schüttelschläge eine bei weitem größere Kraftentwicklung hervorbringen. Trotz höchster Kraftentwicklung zeigen sie mildeste Wirkung ( 270/ 6.7).

  • Bei der neuen Dynamisationsweise verringert sich das Materielle der Arznei bei jedem Dynamisations-Grad 50.000fach. Dies ergibt bei der Q30 einen Bruchteil, der sich kaum noch in Zahlen ausdrücken lässt. Wahrscheinlich löst sich die Materie durch solche Dynamisationen (Entwicklung ihres inneren arzneilichen Wesens) zuletzt ganz in ihr individuelles geistartiges Wesen auf. In ihrem rohen Zustand besteht sie nur aus einem unentwickelten geistartigen Wesen ( 270/7).

Nicht-materielle Wirkung
  • In einer kleinsten Gabe kann sich nach angestellter Berechnung nur so wenig Materielles befinden, dass dessen Kleinheit vom besten arithmetischen Kopf nicht mehr gedacht und begriffen werden kann. Sie kann nur die reine, frei enthüllte, geistartige Arzneikraft enthalten ( 11/1).

  • Die höhere Kraft der dynamisierten Arzneien liegt nicht an den körperlichen Atomen oder an ihrer physischen oder mathematischen Oberfläche, sondern an der aus der Arzneisubstanz so weit wie möglich enthüllten und frei gewordenen spezifischen Arzneikraft. Diese wirkt durch Berühren der lebenden Tierfaser dynamisch umso stärker auf den ganzen Organismus ein, je freier und immaterieller sie durch die Dynamisation geworden ist ( 11/1).

  • Nur dynamisch kann eine Arznei so große Wirkungen vollbringen, wie sie von der rohen Arzneisubstanz selbst in großer Gabe nie erreicht werden kann ( 11/1, 128).

Gaben-Wiederholung
  • Eine zunehmende und anhaltende Besserung schließt die Wiederholung einer Arznei aus. Bei akuten Krankheiten eilt das Gute, das die Arznei ausrichtet, in diesem Fall seiner Vollendung entgegen. Bei chronischen Krankheiten dauert das bei langsam fortschreitender Besserung in seltenen Fällen bis zu 40-100 Tage ( 246).

  • Dieser Zeitraum bis zur Heilung kann auf ein Viertel und noch weiter verkürzt werden, wenn die Arznei treffend homöopathisch gewählt, hoch potenziert und in Wasser aufgelöst ist und in kleiner, jeweils modifizierter Gabe in den erfahrungsgemäß geeignetsten Abständen gereicht wird ( 246), beginnend mit den untersten Potenz-Graden und nach Verbrauch des niederen in jeweils 1-2 Wochen zu den höheren übergehend. So kann dieselbe Arznei [in Q-Potenz] täglich und wenn nötig monatelang eingenommen werden ( 246/1).

  • Eine Wiederholung genau derselben Gabe Arznei, vor allem in kurzen Zeiträumen, verursacht eine Gegenwirkung des Lebensprinzips und verzögert damit die Behandlung, indem das Lebensprinzip auch andere, der Krankheit unähnliche Arznei-Symptome laut werden lässt und so den Patienten kränker macht ( 246 f.).

  • Wird die folgende Gabe dagegen höher dynamisiert und dadurch in ihrer Potenz abgeändert, lässt sich das kranke Lebensprinzip weiter durch dieselbe Arznei umstimmen und der Heilung näher bringen. Bei Modifizierung jeder Gabe in ihrem Dynamisations-Grad findet kein Anstoß statt, selbst bei häufiger Wiederholung der Gaben und bei noch so hoher Potenzierung mit noch so vielen Schüttelschlägen ( 247).

  • Bei akuten Fiebern kann man die kleinen Gaben der niedrigsten Dyna-misations-Grade auch in kurzen Zwischenräumen wiederholen, selbst bei Arzneien von langdauernder Wirkung, z.B. Bell. ( 270/6).

Verlaufsbeobachtung
Allgemeine Hinweise
  • Eine akute Krankheit, die erst vor kurzem entstanden ist, bzw. eine Krankheit von nicht allzu langer Dauer vergeht gewöhnlich nach der ersten Gabe der homöopathischen Arznei ohne bedeutende Beschwerden, nicht selten in einigen Stunden ( 148, 154).

  • Eine etwas ältere Krankheit vergeht nach Anwendung weiterer Gaben derselben Arznei in höherer Potenz oder nach Wahl einer noch ähnlicheren Arznei etwas später, samt allen Spuren von Übelbefinden. Die Gesundheit erfolgt in unmerklichen, oft schnellen Übergängen ( 148).

  • Alte und komplizierte Siechtümer erfordern mehr Zeit zur Heilung. Durch allopathische Behandlung erzeugte chronische Arznei-Siechtümer erfordern bei weitem mehr Zeit zur Genesung. Oft sind sie sogar unheilbar ( 149).

  • Bei Geistes- oder Gemütskrankheiten bringen oft die kleinstmöglichen Gaben des homöopathischen Heilmittels in nicht sehr langer Zeit die auffallendste Besserung hervor ( 230).

  • Bei Wechselfiebern tilgt oft eine einzige kleine Gabe der angemessenen Arznei mehrere Anfälle und bringt allein die Gesundheit wieder. Meist muss man aber nach jedem Anfall eine neue Gabe reichen ( 238).

  • Bei der Behandlung chronischer Krankheiten mit Q-Potenzen in kleinen, allmählich erhöhten und modifizierten Gaben dürfen keine anfänglichen Verschlimmerungen auftreten ( 161, vgl. 238)

Erst- und Nachwirkung
Unterscheidung ( 63-66, 69, 112-114, 137, 161):
Erstwirkung: direkte Einwirkung der Krankheits-Potenz bzw. Arznei, mit Umstimmung der Lebenskraft und Befindensveränderung. Der Organismus ist dabei empfänglich, rezeptiv, leidend.
Nachwirkung: Gegenwirkung der Lebenskraft, nachdem sie sich aufgerafft hat. Der Organismus reagiert dabei automatisch.
  • Beispiele für Gegenwirkungen: auf eine Erwärmung der Hand durch heißes Wasser folgt ihre Abkühlung, auf Erhitzung durch Körperbewegung und Wein Frost und Schauder, auf eine Abkühlung des Arms durch kaltes Wasser seine Erwärmung oder Entzündung, auf Übermunterkeit durch Kaffee eine lange Trägheit und Schläfrigkeit, auf tiefen Betäubungsschlaf durch Mohnsaft Schlaflosigkeit, auf Verstopfung durch Mohnsaft Durchfall und auf arzneiliches Purgieren Verstopfung und Hartleibigkeit ( 65).

  • In der Nachwirkung bringt die Lebenskraft das Gegenteil der Erstwirkung hervor (Gegenwirkung), in gleichem Grad, wie die Einwirkung war, und nach dem Maß ihrer eigenen Energie ( 64 A).

  • Wo es keinen entgegengesetzten Zustand gibt, setzt sie an Stelle der erlittenen Veränderung ihre Norm wieder ein (Heilwirkung) ( 64 B).

  • Bei kleinen Gaben ist bloß die Erstwirkung, nicht die Nachwirkung wahrnehmbar. Der Organismus macht nur so viel Gegenwirkung, wie zur Wiederherstellung des normalen Zustandes erforderlich ist ( 66, 68, 112, 114, 137).

    • Ausnahme: narkotische Substanzen. Auch bei mäßigen Versuchsgaben folgt hier auf eine Wegnahme der Empfindlichkeit und Reizbarkeit eine Erhöhung derselben ( 113 f.).

  • Ein Palliativ kann die Krankheit auch in ihrer Nachwirkung - trotz Ähnlichkeit - nicht heilen, sondern verstärkt sie ( 69/2). Im lebenden Menschen findet keine bleibende Neutralisierung entgegengesetzter Empfindungen statt - wie etwa in der Chemie ( 69/1). Nach beendeter Erstwirkung des Palliativs ist die Krankheit nicht nur unverändert geblieben, sondern das nun folgende Gegenteil der Erstwirkung ist der Krankheit ähnlich und verschlimmert sie ( 69).

  • Einige Arzneien (Ign., Bry., Rhus-t., Bell.) äußern Wechselwirkungen, eine Art einander zum Teil entgegengesetzter Erstwirkungs-Symp-tome, die sich bei Wiederholung der Gabe zeigen können ( 251).

Arznei und Organismus
  • Keine Reaktion zwischen Arznei und Organismus findet statt bei

    • ungedeckten Prüfungs-Symptomen: wenn Symptome des Arzneimittels (bei geringer Gabe) auf keine entsprechenden Patienten Symptome treffen ( 155).

    • ungedeckten Patienten-Symptomen: wenn Symptome des Kranken auf keine entsprechenden Arzneimittelprüfungs-Symptome treffen ( 162, 165). In diesem Fall ist keine vollständige, unbeschwerliche Heilung zu erwarten ( 163).

  • Wenn die Arznei nur wenige homöopathische Symptome hat, diese aber größtenteils ungewöhnlich und für die Krankheit charakteristisch sind, wird dennoch Heilung ohne sonderliche Beschwerden erfolgen ( 164).

  • Entsprechen sich nur die allgemeinen, unbestimmten Zustände (Übelkeit, Mattigkeit, Kopfweh usw.), nicht dagegen die charakteristischen, sonderlichen, ungewöhnlichen Symptome, so kann man sich keinen unmittelbaren Erfolg von der Anwendung dieser unhomöopathischen Arznei versprechen ( 165).

  • Es ist fast unmöglich, dass sich Arznei und Krankheit in ihren Symptomen so genau decken wie zwei Dreiecke von gleichen Winkeln und gleichen Seiten. Eine unbedeutende Abweichung wird von der Lebenskraft leicht verwischt und von nicht übermäßig zarten Kranken nicht einmal bemerkt. Die Gesundheit wird dennoch wiederhergestellt ( 156).

Verschlimmerung und Nebenwirkung [Arzneimittelprüfung]
Verschlimmerung
  • Die Symptome eines Patienten, denen ähnliche Symptomen des Arzneimittels entsprechen, werden homöopathisch ausgelöscht und verschwinden ohne bedeutende Beschwerden. Nur die homöopathischen Symptome der Arznei wirken auf die Teile des Organismus, die von Krankheits-Symptomen am meisten gereizt und aufgeregt sind. Die übrigen nicht-homöopathischen Symptome der Arznei finden bei mäßiger Gabe keine Anwendung und schweigen ( 154 f.).

  • Bei zu großer Gabe kann es bei akuten Krankheiten in den ersten Stunden zu einer homöopathischen Verschlimmerung kommen, das heißt zu einer Arznei-Krankheit, die der ursprünglichen Krankheit ähnlich ist. Sie ist kaum zu vermeiden, da die Arznei-Krankheit stärker als das zu heilende Übel ist und auch sein muss, wenn sie es heilen soll. Durch eine möglichst kleine Gabe lässt sie sich minimieren (proportional zur Gabe), durch Q-Potenzen fast ganz vermeiden. Sie ist ein gutes Zeichen für baldige Heilung ( 157-161, 248, 275 f., 280, 282, vgl. 68).

    • Beispiele: Schwefel-Ausschlag bei Krätz-Behandlung, Ausschläge von Viola tricolor oder Ulmenrinde bei der Behandlung eines Gesichts- oder Hautausschlags ( 160/1).

  • Bei der Behandlung chronischer Krankheiten mit Arzneien langer Wirkungsdauer zeigen sich homöopathische Verschlimmerungen nicht während, sondern nur gegen Ende der Behandlung, sofern die Arznei in kleinen, nur allmählich erhöhten und modifizierten Gaben [Q-Po-tenzen] gereicht (und sogar in kurzen Zeiträumen wiederholt) wird ( 161, 280). Bringt schon die erste Gabe eine homöopathische Verschlimmerung hervor, war die Gabe mit Sicherheit zu groß ( 282).

Nebenwirkung
  • Bei unvollkommener Übereinstimmung zwischen Patienten- und Arzneimittel-Symptomen erregen die nicht-homöopathischen Symptome der Arznei, denen keine Krankheits-Symptome des Patienten entsprechen, bei reizbaren Kranken neue Symptome [Arzneimittelprüfung]. Bei geringer Gabe werden diese von der Lebenskraft verwischt und beeinträchtigen die Heilung nicht ( 156, 163).

  • Bei starken Gaben werden auf diese Weise Nebenbeschwerden (Nebensymptome) erzeugt, die in der aktuellen Krankheit nicht zu finden waren ( 163, 167, 248-250, 254-256, 283, vgl. 41/1). Indem diese Krankheit in diesem Körper aber offensichtlich in der Lage ist, sie hervorzubringen, sind sie zugleich Beschwerden der Krankheit selbst und daher bei der Wahl des nächsten Mittels zu berücksichtigen (180 f.).

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