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B978-3-437-55143-7.00002-2

10.1016/B978-3-437-55143-7.00002-2

978-3-437-55143-7

Abb. 2.1-1

[L190]

Yin und Yang sind komplementäre Kräfte, die im dynamischen Wechselspiel miteinander stehen.

Abb. 2.1-2

[L190]

Stimulationstechniken.

Abb. 2.1-3

[L190]

Punktionsmethoden.

Abb. 2.1-4

[L190]

Einstichwinkel.

Abb. 2.1-5

[L190]

Fingermaße (Finger-Cun).

Abb. 2.1-6

[L190]

Herz-Meridian.Herz-MeridianVerlauf

Abb. 2.1-7

[L190]

Dünndarm-Meridian.

Abb. 2.1-8

[L190]

Blasen-Meridian.Blasen-MeridianVerlauf

Abb. 2.1-9

[L190]

Nieren-Meridian.Nieren-MeridianVerlauf

Abb. 2.1-10

[L190]

Perikard-Meridian.Perikard-MeridianVerlauf

Abb. 2.1-11

[L190]

3-Erwärmer-Meridian.3-Erwärmer-MeridianVerlauf

Abb. 2.1-12

[L190]

Gallenblasen-Meridian.Gallenblasen-MeridianVerlauf

Abb. 2.1-13

[L190]

Leber-Meridian.Leber-MeridianVerlauf

Abb. 2.1-14

[L190]

Lungen-Meridian.Lungen-MeridianVerlauf

Abb. 2.1-15

[L190]

Dickdarm-Meridian.Dickdarm-MeridianVerlauf

Abb. 2.1-16

[L190]

Magen-Meridian.Magen-MeridianVerlauf

Abb. 2.1-17

[L190]

Milz-Meridian.Milz-MeridianVerlauf

Abb. 2.1-18

[L190]

Ren Mai (Konzeptionsgefäß).Ren MaiVerlauf

Abb. 2.1-19

[L190]

Du Mai (Lenkergefäß).Du MaiVerlauf

Abb. 2.1-20

[L190]

Wichtige Punkte der Ohrakupunktur.OhrakupunkturPunkteAkupunkturOhrakupunktur

Abb. 2.6-1

(nach Abele). [L190]

Topografie der Schröpfreflexzonen am Rücken

Abb. 2.13-1

(nach. J. Schole, modifiziert nach Köhler). [L190]

Basisregulation des Zellstoffwechsels und Entgleisungen

Abb. 2.13-2

(nach Köhler). [L190]

Arbeitsschema der Biophysikalischen Informations-Therapie

Abb. 2.23-1

[L190]

Anteile von Kohlenhydraten, Eiweiß und Fett an der Energieversorgung („Ernährung von innen“) im Verlauf von 28 Fastentagen.

Abb. 2.27-1

(Quelle: www.homotox.de). [L143]

Die 6-Phasen-Tabelle nach Reckeweg

Abb. 2.27-2

[L143]

Einsatz der Homotoxika.

Abb. 2.28-1

[L190]

Formen des Prießnitzumschlages.

Abb. 2.32-1

[L190]

Die Triade der Gesundheit (nach Palmer). Triad of HealthAlle drei Bereiche beeinflussen die Gesundheit und müssen im Gleichgewicht stehen.

Abb. 2.32-2

[L190]

Untersuchung nach der „Triad of Triad of HealthHealth“ (nach Goodheart). Neben Anamnese und Untersuchungen sind in Anlehnung an die Triade der Gesundheit Screenings zur Chemie (Labor, Funktionstests), Struktur (Muskeltests der Extremitäten und des stomathognathen Systems) und Psyche (psychosomatische Exploration durch Fachspezialisten) des Patienten durchzuführen.

Abb. 2.35-1a

[L190]

Ausgangsstellung zur Prüfung des Vorlaufphänomens.

Abb. 2.35-1b

[L190]

Positives Vorlaufphänomen am rechten Sakroiliakalgelenk (SIG).

Abb. 2.35-2a

[L190]

Ausgangsstellung zum Spine-Test.

Abb. 2.35-2b

[L190]

Normaler Spine-Test rechts.

Abb. 2.35-3

[L190]

Federungstest am Sakroiliakalgelenk (SIG).

Abb. 2.35-4

[L190]

Variable Beinlängendifferenz.

Abb. 2.36-1

[L190]

DermatomeDermatome des Körpers (nach Hansen und Schliack) vorn und hinten.

Abb. 2.36-2a und b

[L190]

Reflexzonen der rechten Lunge.

Abb. 2.36-3a und b

[L190]

Reflexzonen des Herzens.

hellblau = segmentale Hyperalgesie (nach Hansen und Schliack)hyperalgetische ZonenHerz

dunkelblau = Maximalpunkte der oberflächlichen und tiefen Hyperalgesie

schwarz = Punkte für Periostbehandlung

Abb. 2.36-4a und b

[L190]

Reflexzonen der Leber und Gallenblase.hyperalgetische ZonenLeberhyperalgetische ZonenGallenblase

hellblau = segmentale Hyperalgesie (nach Hansen und Schliack)hyperalgetische ZonenHerz

dunkelblau = Maximalpunkte der oberflächlichen und tiefen Hyperalgesie

schwarz = Punkte für Periostbehandlung

Abb. 2.36-5a und b

[L190]

Reflexzonen des Magens.hyperalgetische ZonenMagen

hellblau = segmentale Hyperalgesie (nach Hansen und Schliack)hyperalgetische ZonenHerz

dunkelblau = Maximalpunkte der oberflächlichen und tiefen Hyperalgesie

schwarz = Punkte für Periostbehandlung

Abb. 2.36-6a und b

[L190]

Reflexzonen des Duodenums.hyperalgetische ZonenDuodenum

Abb. 2.36-7a und b

[L190]

Reflexzonen von Caecum, Appendix, Colon ascendens und proximalem Colon transversum.

hellblau = segmentale Hyperalgesie (nach Hansen und Schliack)hyperalgetische ZonenHerz

dunkelblau = Maximalpunkte der oberflächlichen und tiefen Hyperalgesie

schwarz = Punkte für Periostbehandlung

Abb. 2.36-8a und b

[L190]

Reflexzonen des distalen Colon transversum, Colon descendens, Sigma und Rektum.hyperalgetische ZonenColonhyperalgetische ZonenRektum

Abb. 2.36-9a und b

Reflexzonen der rechten Niere und Ureter]hyperalgetische ZonenNierehyperalgetische ZonenUreter

hellblau = segmentale Hyperalgesie (nach Hansen und Schliack)hyperalgetische ZonenHerz

dunkelblau = Maximalpunkte der oberflächlichen und tiefen Hyperalgesie

schwarz = Punkte für Periostbehandlung

Abb. 2.36-10a und b

[L190]

Verquellungszonen der Unterhaut (BindegewebszonenBindegewebszonen).

Abb. 2.36-11a und b

(nach Kohlrausch). [L190]

Muskuläre Maximalpunkte

Abb. 2.36-12

(nach Rohde 1977). [L190]

Das Periost und seine segmentale Zuordnung an der oberen und unteren Extremität

Abb. 2.36-13

(nach Krauß). [L190]

Die 5 Ansatzpunkte der Kolonbehandlung

Abb. 2.37-1

(modifiziert nach Gebbers und Laissue [1984] und Roitt [1988]). [L190]

Unspezifische Immunmodulation. Modulation unspezifischer Abwehrmechanismen durch oral bzw. parenteral zugeführte Antigene

Abb. 2.37-2

(modifiziert nach Gebbers und Laissue [1984]). [L190]

Spezifische Immunmodulation. Oral bzw. parenteral zugeführte Antigene stimulieren Lymphozyten, die nach der Reifung zu Plasmazellen auf den Schleimhäuten IgA produzieren

Abb. 2.37-3

(modifiziert nach Beckmann und Rüffer [2007]). [L190]

Immunogenität mikrobieller Immunmodulatoren. Auswahl von Mikrobiologika anhand der Reizstärke abhängig von der Reagilibität des Patienten

Abb. 2.38-1

(nach N. Altner). [L143]

Ebenen der Stärkung des Selbst durch Interventionen der Mind-Body-Medizin

Abb. 2.38-2

[L157/L106]

Salutogenetisches Therapiemodell – Ordnungstherapie/MBM.

Abb. 2.39-1

[L143]

Hormonverlauf in Lebensphasen.

Abb. 2.39-2

[L143]

Hormonbalance.

Abb. 2.40-1

[L190]

Die Neuraltherapie kann diagnostisch und therapeutisch zur Lokal- oder Segmenttherapie sowie zur Störfeldsuche und -behandlung eingesetzt werden.

Abb. 2.40-2

[L190]

Zahnschema zur Tabelle der energetischen Wechselbeziehungen odontogener Störfelder (s. Innenseite hinterer Buchumschlag).

Abb. 2.40-3

[L190]

Quaddel mit Lokalanästhetikum oberflächlich intradermal setzen, mit Reizstoffen wie Plenosol® tief intrakutan an den Übergang Kutis/Subkutis injizieren.

Abb. 2.40-4

[L190]

Quaddelschema Augen.

Abb. 2.40-5

[L190]

Quaddelschema Nasennebenhöhlen (Behandlungsschema nach Hopfer).

Abb. 2.40-6a

[L190]

Quaddelschema Becken/Blase – dorsaler Anteil.

Abb. 2.40-6b

[L190]

Quaddelschema Becken/Blase – ventraler Anteil.

Abb. 2.40-7

[L190]

Dornenkranz nach Hopfer.

Abb. 2.40-8

[L190]

Bauchkranz nach Hopfer.

Abb. 2.40-9

[L190]

Quaddelschema thorakaler Raum.

Abb. 2.40-10

[L190]

Technik der Palpation und Infiltrationsbehandlung von Myogelosen und Triggerpunkten in flachen, nicht umfassbaren Muskelpartien.

Abb. 2.40-11

[L190]

Injektionsschema im Bereich des Schultergelenks.Schultergelenk, neuraltherapeutische Injektion

Abb. 2.40-12

[L190]

Injektion in das Hüftgelenk über den seitlichen Zugang.Hüftgelenk, neuraltherpautische Injektion

Abb. 2.40-13

[L190]

Behandlung der Schilddrüse.

Abb. 2.40-14

[L190]

Behandlung der Tonsillen.

Abb. 2.40-15

[L190]

Behandlung der Nervenaustrittspunkte des N. trigeminus.

Abb. 2.51-1

(nach Fischer). [L190]

Serumlabilitätstest

Abb. 2.51-2

[L143]

Proteomis Profil: pathophysiologische Indikatoren

Abb. 2.51-3

[L143]

Proteomis Profil: Darstellung der Ergebnisse in Standardabweichungen.

Abb. 2.52-1

(nach Marquardt). [L190]

Sitzender Mensch im Fuß

Abb. 2.52-2

(nach Fitzgerald). [L190]

Rasterbild 10 Zonen

Abb. 2.52-3a

(nach Marquardt). [L190]

Fußreflexzonen rechte Fußsohle

Abb. 2.52-3b

(nach Marquardt). [L190]

Fußreflexzonen linke Fußsohle

Abb. 2.52-3c

(nach Marquardt). [L190]

Fußreflexzonen mediale Seitenansicht

Abb. 2.52-3d

(nach Marquardt). [L190]

Fußreflexzonen laterale Seitenansicht

Abb. 2.53-1

[L190]

Beispiel eines Ganzkörper-IRI-Befunds, oben Wärmebild vor und nach Abkühlung, unten zugehörige grafische Aufbereitung (Pfeilgrafik nach Berz).

Abb. 2.53-2

[L190]

Pfeilgrafik (nach Berz) bei idealer Regulation (konstruiert).

Abb. 2.53-3

[L190]

Pfeilgrafik (nach Berz) bei genereller Hyporegulation (schematisch).

Abb. 2.53-4

[L190]

Pfeilgrafik (nach Berz) bei genereller Hyperregulation (schematisch).

Abb. 2.53-5

[L190]

Pfeilgrafik (nach Berz) bei chaotischer Regulation (schematisch).

Abb. 2.53-6

(nach Berz). [L190]

Typische Befunde einer unauffälligen, einer verdächtigen und einer karzinomatösen Brust bei der MammoVisions-Untersuchung

Abb. 2.54-1

[L190]

Wirkungsbereiche der Ozonkonzentration.

Abb. 2.54-2

[L190]

Schematische Darstellung der Großen Ozon-Eigenblut-Behandlung (GEB).

Das System der Fünf Elemente oder die Lehre von den Entsprechungen. Die Meridianpaare sind Yin und Yang zugeordnet, die den Meridianen zugeordneten inneren Organe haben entsprechend Zang-(Yin)- bzw. Fu (Yang)-Funktionen.

Tab. 2.1-1
Meridianpaar (Yin – Yang) He – Dü Ni – Bl Le – Gb Lu – Di Mi – Ma
Mikrokosmos, Innenleben
Funktion (Zang – Fu)
  • Zang: Gefäßsystem, Kreislauf, Stoff-transport

  • Fu: Sammeln der aufbereiteten Nahrung zum Weitertransport durch Kreislauf (Herz)

  • Zang: Ausscheidung

  • Fu: Sammeln der Niere

  • Zang: Stoffwechsel

  • Fu: Sammeln des Lebersekrets (Galle)

  • Zang: Atmung, Trennung von „guter“ und „schlechter“ Luft

  • Fu: Trennung von Verwertbarem und nicht Verwertbarem

  • Zang: Aufnahme und Aufbereitung von Energie/Nährstoffen

  • Fu: Sammeln der Nahrung

Zugeordnetes Organsystem („Schichten“) Subcutis Knochen Sehnen, Muskeln als Bewegung Haut, Haar Bindegewebe, Muskeln als Masse
Wandlungsphasen Wachsen Bewahren Entstehen Aufnehmen Umwandeln
Öffner Zunge Ohr Auge Nase Mund
Innere Faktoren (Modalitäten) Freude, Hektik Angst Zorn Trauer Sorge
Makrokosmos, Umwelt
Element Feuer Wasser Holz Metall Erde
Äußere Faktoren Hitze Kälte Wind Trockenheit Feuchtigkeit
Jahreszeit Frühsommer Winter Frühling Herbst Spätsommer
Tageszeit 11–13 und 13–15 15–17 und 17–19 23–01 und 01–03 03–05 und 05–07 07–09 und 09–11
Himmelsrichtung Süden Norden Osten Westen Mitte
Farbe Rot Schwarz Blaugrün Weiß Gelb
Aroma Bitter Salzig Sauer Herb Süß

Gekoppelte Meridiane MeridianegekoppelteYinMeridianeYangMeridiane

Tab. 2.1-2
Yin-Meridian Umlauf der Meridiane Yang-Meridian
Herz-Meridian He ↔ Dü Dünndarm-Meridian
Nieren-Meridian Ni ↔ Bl Blasen-Meridian
Perikard (Kreislauf-Sexualität-Meridian) Pe ↔ 3E Dreifacher-Erwärmer-Meridian
Leber-Meridian Le ↔ Gb Gallenblasen-Meridian
Lungen-Meridian Lu ↔ Di Dickdarm-Meridian
Milz-Meridian Mi ↔ Ma Magen-Meridian

Korrespondierende Meridiane MeridianekorrespondierendeYinMeridianeYangMeridiane

Tab. 2.1-3
Yin-Meridian Umlauf der Meridiane Yang-Meridian
Herz-Meridian He ↔ Dü↑ ↑↓ ↓Ni ↔ Bl Dünndarm-Meridian
Nieren-Meridian Blasen-Meridian
Perikard (Kreislauf-Sexualität-Meridian) Pe ↔ 3E↑ ↑↓ ↓Le ↔ Gb Dreifacher-Erwärmer-Meridian
Leber-Meridian Gallenblasen-Meridian
Lungen-Meridian Lu ↔ Di↑ ↑↓ ↓Mi ↔ Ma Dickdarm-Meridian
Milz-Meridian Magen-Meridian

Die zwölf Haupt- und zwei zusätzlichen Meridiane MeridianeHauptmeridianeHerz-MeridianDünndarm-MeridianBlasen-MeridianNieren-MeridianPerikard-MeridianDreifacher-Erwärmer-MeridianGallenblasen-MeridianLeber-MeridianLungen-MeridianDickdarm-MeridianMagen-MeridianMilz-Pankreas-MeridianLenkergefäß (Du Mai)Konzeptionsgefäß (Ren Mai)

Tab. 2.1-4
Deutscher Name Abkürzung Englische Abkürzung Englischer Name Chinesischer Meridianname
Herz He He heart Hand-Shaoyin
Dünndarm SI small intestine Hand-Taiyang
Blase Bl B bladder Fuß-Taiyang
Niere Ni K kidney Fuß-Shaoyin
Perikard (Kreislauf-Sexualität) Pe P pericardium Hand-Jueyin
Dreifacher Erwärmer 3E TE triple energizer Hand-Shaoyang
Gallenblase Gb G gallbladder Fuß-Shaoyang
Leber Le Liv liver Fuß-Jueyin
Lunge Lu L lung Hand-Taiyin
Dickdarm Di LI large Intestine Hand-Yangming
Magen Ma S stomach Fuß-Yangming
Milz-Pankreas Mi Sp spleen Fuß-Taiyin
Du Mai (Lenkergefäß) Du GV governor vessel Du Mai
Ren Mai (Konzeptionsgefäß) Ren CV conception vessel Ren Mai

Spezifische Akupunkturpunkte.Akupunkturpunktespezifische

Tab. 2.1-5
Meridian He Bl Ni Pe 3E Gb Le Lu Di Ma Mi
Alarmpunkt Ren 14 Ren 4 Ren 3 Gb 25 Du 1, Ni 1 Ren 5, Ren 7, Ren 12, Ren 17 Gb 23, Gb 24 Le 14 Lu 1 Ma 25 Ren 12 Le 13
Zustimmungspunkt Bl 15 Bl 27 Bl 28 Bl 23 Bl 14 Bl 22 Bl 19 Bl 18 Bl 13 Bl 25 Bl 21 Bl 20
Quellpunkt He 7 Dü 4 Bl 64 Ni 3 Pe 7 3E 4 Gb 40 Le 3 Lu 9 Di 4 Ma 42 Mi 3
Luo -(Durchgangs-)punkt He 5 Dü 7 Bl 58 Ni 4 Pe 6 3E 5 Gb 37 Le 5 Lu 7 Di 6 Ma 40 Mi 4
Tonisierungspunkt He 5 Dü 3 Bl 67 Ni 7 Pe 9 3E 3 Gb 43 Le 8 Lu 9 Di 11 Ma 41 Mi 2
Sedativpunkt He 7 Dü 8 Bl 65 Ni 1, 2 Pe 7 3E 10 Gb 38 Le 2 Lu 5 Di 2, 3 Ma 45 Mi 5
Ho-Punkt He 3 Dü 8, Ma 39 Bl 54 Ni 10 Pe 3 3E 10 Gb 34 Le 8 Lu 5 Di 11, Ma 37 Ma 36 Mi 9
Kardinalpunkt Dü 3 Bl 62 Ni 6 Pe 6 3E 5 Gb 41 Lu 7 Mi 4

Sondermeridiane.MeridianeSondermeridiane

Tab. 2.1-6
Name des Meridians Kardinal-(Einschalt-)Punkt Zugeordnete Indikationen
Du Mai (LG) Dü 3 Steifigkeit und Schmerzen im Verlauf der WS, Kopfschmerz, Fieber
Ren Mai (KG) Lu 7 Urogenitaltrakt (z. B. Fluor), Respirationstrakt, Schmerzen in Epigastrium und Unterbauch
Chong Mai Mi 4 Gastrointestinaltrakt, gynäkologische Erkrankungen
Dai Mai (Gürtelgefäß) Gb 41 Bauchschmerzen Völlegefühl, Kreuzschmerzen
Yangqiao Mai Bl 62 Schlaflosigkeit, Paresen der unteren Extremität
Yinquiao Mai Ni 6 Schlafsucht, Paresen der unteren Extremität
Yangwei Mai 3E 5 Fieber, Frösteln (externe Pathogene)
Yinwei Mai Pe 6 Herzschmerz, Oberbauchschmerz

Sedierende und tonisierende Stimulationstechniken. SedierungAkupunkturTonisierungAkupunktur

Tab. 2.1-7
Stimulationstechniken Tonisierend Sedierend Neutral
Indikation Schwacher Patient, chron. Erkrankungen Kräftiger Patient, akute Erkrankungen
Reiz Schwach Stark Mittel
Deqi Schwach auslösen Stark auslösen Mittelstark auslösen
Manipulation Kurz Lang
Einführen der Nadel Schnell Langsam Mittelschnell
Zurückziehen der Nadel Langsam Schnell Mittel
Stimulation Etwas in den Körper „hineinstopfen“ Etwas aus dem Körper „herausziehen“ Gleich intensiv heben und senken
Verweildauer der Nadel 15–20 Min. 5–15 Min. 20–30 Min.
Einstichstelle nach Entfernen der Nadel „Verschließen“ mit Tupfer und kurzer Mikromassage Nicht „verschließen“
Sonstige Methoden Moxa (Laser) (Elektrostimulation)

Funktionskreis Herz-Dünndarm. Herz-MeridianPunkteFunktionskreiseHerz-DünndarmDünndarm-MeridianPunkte

Tab. 2.1-8
Punkt Lokalisation Punktur Besonderheiten Lokale /regionale Indikationen Übergeordnete Indikationen
Herz (Abb. 2.1-6)
He 3 Mediales Ende der Ellenbeugenfalte Senkrecht, 0,5–3 cm He-Punkt Schmerzen in Ellbogen, Händen, Axilla
  • Depressive Verstimmung

  • Funktionelle Herzbeschwerden

He 5 Über N. ulnaris, 1 cun proximal Handgelenk Senkrecht, 0,5–1 cm Luo-Punkt zu Dü 4 Karpaltunnel-Sy.
  • Lampenfieber, Prüfungsangst, Schwäche

  • Kreislaufstörungen

He 7 Ulnare Handgelenksfalte, radiale Seite des Os piriforme Senkrecht, 0,5–1 cm
  • Quellpunkt

  • Sedativpunkt

Handgelenke
  • Lampenfieber, Prüfungsangst

  • Depression mit Schlafstörungen

  • Herzbeschwerden

He 9 Kleiner Finger, neben radialem Nagelfalzwinkel Senkrecht oder schräg, ca. 2,5 mm
  • Jing-Punkt

  • Tonisierungspunkt

Kontrakturen am Arm
  • Kollaps, Hypotonie

  • Nervosität, Angst

  • Herzrhythmusstörungen

Dünndarm (Abb. 2.1-7)
Dü 3 Außenseite der Hand, bei Faustschluss Ende der Falte über dem Metacarpophalangealgelenk V Richtung Handfläche, 1–1,75 cm
  • Kardinalpunkt (Du)

  • Tonisierungspunkt

Neuralgien an Finger, Hand, Arm, Schulter, Thorax
  • Auge, Ohr

  • Epilepsie

  • Krämpfe

  • Tremor

  • Scheitelkopfschmerzen

  • Depression

Dü 4 Ulnarseite Hand, Basis des Os metacarpale V/Gelenksspalt zum Os hamatum Senkrecht, 0,5–1 cm Quellpunkt
  • Schmerzen, Schwäche der oberen Extremität

  • Schreibkrampf

  • Kopf- und Augenschmerzen

  • Tinnitus

  • Brechreiz

  • Cholezystopathien

  • Fieber

Dü 9 1 cun über dem Ende der dorsalen Achselfalte Senkrecht, 0,5–2,5 cm „Schürzenbandpunkt“, dorsale Schulterschmerzen
  • Tinnitus

  • Schwerhörigkeit

Dü 11 Mitte der Skapula, unter Spina Senkrecht, 1–2 cm Schmerzen: Nacken, Schulter, Arm
  • Mamma, prämenstruell

  • Stillperiode, mangelhafte Laktation

Dü 15 Knick des M. trapezius Senkrecht, 0,75–1,75 cm Kreuzungspunkt mit 3E 16 und Gb 21 Schmerzen: Nacken, Schulter, Arm, Rücken
  • Bronchitis, Asthma bronchiale

  • Tinnitus

Dü 17 Hinter Angulus mandibulae, Vorderrand des M. sternocleido-mastoideus Senkrecht, 0,75–1,75 cm Reunionspunkt mit Gb Angina, Pharyngitis, Laryngitis, Lymphadenitis cervicalis; Trismus, Globusgefühl
Dü 18 Schnittpunkt Unterrand Jochbogen/Masseter-Vorderrand Senkrecht, 1–2 cm
  • Reunionspunkt mit 3E

  • Meisterpunkt Trismus

  • Sinusitis maxillaris

  • Trigeminus-Neuralgie (V2)

  • Fazialisparese

  • Zahnschmerzen

  • Bronchitis

  • Asthma bronchiale

  • Tinnitus

Funktionskreis Blase-Niere. Nieren-MeridianPunkteFunktionskreiseBlase-NiereBlasen-MeridianPunkte

Tab. 2.1-9
Punkt Lokalisation Punktur Besonderheiten Lokale /regionale Indikationen Übergeordnete Indikationen
Blase (Abb. 2.1-8)
Bl 2 Schnittpunkt senkrechte durch medialen Augenwinkel/Augenbraue S. c., von unten oder seitlich „Magisches Dreieck“ mit PdM Niesreiz
  • Vorderkopfschmerz, Migräne

  • Sinusitis

Bl 4 1,5 cun lateral der Medianen, 1,5 cun innerhalb Haargrenze S. c. schräg, 1 cm Alopecia areata
  • Herz-, Thoraxschmerzen

  • Quincke-Ödem

Bl 8 Tubera am Os parietale, 1,5 cun lateral der Medianlinie S. c. schräg, 1–1,5 cm Kopfschmerzen oben/hinterer Augapfel
Bl 10 Ansatz splenius capitis an der Protuberantia occipitalis externa Senkrecht, 1–2 cm Zervikalsyndrom
  • Stark vagotoner Kopfschmerz, Schädeldurchblutung

  • Pharyngitis, Laryngitis, Rhinitis, Anosmie

  • Auge: Konjunktivitis, Schwindel beim Öffnen der Augen

Bl 11 1,5 cun lateral der Medianlinie, neben Dornfortsatz BWK 1 Schräg, 1–1,75 cm Entspannung der paravertebralen Mm. Lunge, Knochen
Bl 13 1,5 cun lateral der Medianlinie, neben Dornfortsatz BWK 3 Schräg, 1–1,75 cm Zustimmungspunkt Lu Nacken, Schulterblatt Lunge, HNO
Bl 14 1,5 cun lateral der Medianlinie, neben Dornfortsatz BWK 4 Schräg, 1–1,75 cm Zustimmungspunkt Pe Thorax
  • Herz

  • Epilepsie

  • Hämatopoese

Bl 15 1,5 cun lateral der Medianlinie, neben Dornfortsatz BWK 5 Schräg, 1–1,75 cm Zustimmungspunkt He Thorax
  • Herz

  • Husten, Singultus

  • Neurasthenie

Bl 17 1,5 cun lateral der Medianlinie, neben Dornfortsatz BWK 7 Schräg, 1–1,75 cm Zustimmungspunkt Zwerchfell
  • Atmung, Zwerchfell

  • Roemheld-Komplex

Bl 18 1,5 cun lateral der Medianlinie, neben Dornfortsatz BWK 9 Senkrecht, 1–1,75 cm Zustimmungspunkt Le
  • Leber, Galle

  • Augen

Bl 19 1,5 cun lateral der Medianlinie, neben Dornfortsatz BWK 10 Senkrecht, 1–1,75 cm Zustimmungspunkt Gb
  • Leber, Galle

  • Augen

  • Krampfhusten

Bl 20 1,5 cun lateral der Medianlinie, neben Dornfortsatz BWK 11 Senkrecht, 1–1,75 cm Zustimmungspunkt von Mi
  • Oberbauch, Magen, Dyspepsie, Meteorismus

  • Bindegewebe

Bl 21 1,5 cun lateral der Medianlinie, neben Dornfortsatz BWK 12 Senkrecht, 1–1,75 cm Zustimmungspunkt des Ma (Boas-Druckpunkt)
  • Magen, Hyperemesis

  • Leber

  • Colitis

  • Ulcus von Magen und Darm

Bl 22 1,5 cun lateral der Medianlinie, neben Dornfortsatz LWK 1 Senkrecht, 1–1,75 cm Zustimmungspunkt 3E
  • Thorax

  • Ober- und Unterbauch

Bl 23 1,5 cun lateral der Medianlinie, neben Dornfortsatz LWK 2 Senkrecht, 3–4 cm Zustimmungspunkt Ni
  • Kortisonartig, hormonell wirksam

  • Sex, Genitale

Bl 25 1,5 cun lateral der Medianlinie, neben Dornfortsatz LWK 4 Senkrecht, 3–4 cm Zustimmungspunkt Di Entspannung der paravertebralen Muskeln
  • Dickdarm allgemein

  • Colitis

  • Diarrhö, Obstipation

Bl 27 1,5 cun lateral der Medianlinie, auf Höhe des 1. Foramen sacrale Senkrecht, 2–3 cm Zustimmungspunkt Dü ISG, Lumbalgien, Ischialgien
  • Hormonell wirksam

Bl 28 1,5 cun lateral der Medianlinie, auf Höhe des 2. Foramen sacrale Schräg, 1–1,75 cm Zustimmungspunkt Bl
  • Diabetes mellitus

  • Urogenitales System

Bl 31 Im 1. Foramen sacrale Senkrecht, 1–1,75 cm
  • Hormonell wirksam, Klimax

  • Obstipation

Bl 44 3 cun lateral der Medianlinie, neben Dornfortsatzspitze BWK 5 Senkrecht, 1–1,25 cm Interskapularsy. Schultern
  • Allg. roborierend

  • Hämatopoese

  • Herzbeschwerden

Bl 47 3 cun lateral der Medianlinie, Dornfortsatzspitze LWK 2 Senkrecht, 1,2–2,5 cm
  • Kortisonartig, hormonell wirksam

  • Sexualität, Genitale

Bl 50 Mitte der Gesäßfalte Senkrecht, 2,5–3,75 cm Ischialgie, Kreuz-, Rückenschmerzen
Bl 54 Mitte der Kniegelenksquerfalte Senkrecht, 1–2,5 cm Ho-Punkt Blase Kniegelenksbeschwerden. Bein. Lumbalgie, Ischialgie
  • Stoffwechselpunkt

  • Antihistaminartige Wirkung

  • Hautkrankheiten

  • Konjunktivitis

Bl 58 1 cun distal und lateral von Bl 57 (Winkel zwischen Mm. gastrocnemii) auf M. soleus am lateralen Rand des M. gastrocnemius Senkrecht, 1,75–2,5 cm Luo-(Durchgangs-) Punkt zu Ni 3
  • Steigerung der Beindurchblutung, Claudicatio

  • Mm.-Schwäche untere Extremität

  • Peroneuslähmung

  • Wadenkrämpfe

  • Sensibilitätsstörungen

  • Rheuma, Arthrose

  • Schmerzen um die Lende

  • Hämorrhoiden

  • Augenflimmern

  • Konjunktivitis

  • Verstopfte Nase

Bl 60 Oberrand des Kalkaneus, Mitte zwischen Achillessehne und höchster Erhebung des Außenknöchels Senkrecht, 1,25–2,5 cm Cave: nicht bei Problem-Schwangerschaften
  • Ischialgie

  • Meisterpunkt aller Schmerzen und Schwellungen im Meridianverlauf

  • Rückenschmerzen

  • Schulter-, Nacken-, Kopfschmerzen

  • Augenschmerzen

  • Geburtserleichterung

Bl 62 2–3 QF unter höchster Erhebung des Außenknöchels Senkrecht, 0,75–1,25 cm Kardinalpunkt Yang-qiao Mai Schmerzen, Paresen, Kontrakturen im Bein
  • Meisterpunkt der Schlaflosigkeit und der nicht lokalisierbaren Schmerzen mit Ni 6

  • Tinnitus, menièreforme Anfälle

  • Wind- und Wetterfühligkeit

Bl 64 Lateraler Fußrand, Grube Basis des Os metatarsale V Senkrecht, 0,75–1,25 cm Quellpunkt Schmerzen nach Gipsabnahme
  • Zersprengende Kopfschmerzen Epistaxis

  • Lumboischialgie

Bl 67 Lateraler Nagelfalzwinkel kleine Zehe Oberflächlich, 0,25 cm Tonisierungspunkt Arthralgien des Fußes
  • Geburtserleichterung, Malposition, verzögerte Plazenta-Lösung

  • Konjunktivitis

  • Augenflimmern

  • Stirnkopfschmerzen, Epistaxis

  • Schwellungen der Nasenschleimhaut

  • Tinnitus

  • Hypotonie

Niere (Abb. 2.1-9)
Ni 1 Schnittpunkt beider Zehenballen mit Fußsohle Senkrecht, 0,75–1,25 cm Sedativpunkt, Jing-Punkt Schmerzen in Zehen und Vorderfuß
  • Reanimationspunkt, Kollaps

  • Starke Kopfschmerzen auf der Scheitelhöhe

Ni 3 Oberrand des Calcaneus, Mitte zwischen Achillessehne und höchster Erhebung des Innenknöchels Senkrecht, 0,75–1,25 cm Quellpunkt Shu-Punkt Schmerzen, Paresen in Fuß und Unterschenkel
  • Spezialpunkt gegen Zahnschmerzen

  • Impotenz, Menstruationsstörungen

  • Harninkontinenz

  • Schlafregulation

Ni 6 1 cun (1 ½–3 QF) unterhalb der höchsten Erhebung des Innenknöchels Senkrecht, 0,75–1,25 cm
  • Kardinalpunkt für Yinqiao Mai

  • Stoffwechselpunkt

  • Meisterpunkt Schlaflosigkeit (zusammen mit Bl 62)

  • Inneres und äußeres Genitale

  • Impotenz, Frigidität

  • Beschwerden durch Deszensus und Hernien

  • Obstipation

Ni 7 Vorderrand der Achillessehne, 2 cun kranial der höchsten Erhebung des Innenknöchels Senkrecht, 1,25–1,75 cm
  • Tonisierungspunkt

  • Jing-Punkt

  • Muskelschwäche, Paresen

  • Durchblutungsstörungen des Beines

  • Ödeme

  • Zahnschmerzen Hypersalivation

  • Nachtschweiß

Ni 8 medialer Tibiarand, 2 cun (Wien: 4 QF) kranial der höchsten Erhebung des Innenknöchels Senkrecht, 1,25–1,75 cm Xi-Punkt von Yangjiao Mai. n. Bi.: Ni 8 = Mi 6 = Le 5a
  • Durchblutung des kleinen Beckens

  • Dysurie, Harnverhaltung, Hernienschmerzen

Ni 10 Mediale Kniegelenksfalte, zwischen Sehnen des M. semitendinosus und M. semimembranosus Senkrecht, 2–2,5 cm He-Punkt Schmerzen Innenseite Bein, Oberschenkel, Knie
  • Erkrankungen des männlichen Genitale, Impotenz

  • Miktionsbeschwerden

  • Fluor

  • Hypermenorrhö

  • Hernienschmerzen

Ni 11 Oberrand Os pubis, 1 QF lateral der Medianen Senkrecht, 1,25–2,5 cm Reunionspunkt mit Chong Mai. Alarmpunkt Pe Schmerzen äußeres Genitale
  • Regulation der Sexualität

  • Depressionen, Angstgefühl

Ni 21 2 QF paramedian, am Schnittpunkt mit Rippenbogen Senkrecht, 0,75–1,25 cm Reunionspunkt mit Chong Mai Interkostalneuralgie, Roemheld-Syndrom
  • Meteorismus

  • Hyperemesis gravidarum

  • Singultus

Ni 27 Im Winkel unterhalb und lateral des Sternoclaviculargelenks Senkrecht, 0,75–1,25 cm Nach Bischko genügt eine Nadel links
  • Asthma mit Verschlimmerung durch Kälte und Feuchtigkeit

  • Stauungsbronchitis

  • Neurasthenie

Funktionskreis Perikard-3-Erwärmer.

Tab. 2.1-10
Punkt Lokalisation Punktur Besonderheiten Lokale /regionale Indikationen Übergeordnete Indikationen
Perikard (Abb. 2.1-10)
Pe 1 1 cun lateral der Medioclavicularlinie, 4. ICR Schräg (!), 0,5–1 cm
  • Alarmpunkt Pe

  • Reunionspunkt mit Gb, Le

  • Lokale Schmerzen

  • Schwellung

  • Beklemmungsgefühl im Thorax, Hypochondrium

Pe 3 Mitte Ellenbeugenfalte, ulnare Seite der Bizepssehne Senkrecht, 1,25–1,75 cm He-Punkt Schmerzen: Ellenbogen, Arm, Hand
  • Tachykardie, Palpitationen

  • Magenschmerzen, Erbrechen

  • Reizbarkeit, Fieber

Pe 6 2 cun proximal der Mitte der palmaren Handgelenksfurche zwischen den Sehnen der Mm. flexor carpi radialis und palmaris longus Senkrecht, 1,25–cm
  • Kardinalpunkt für Yinwei

  • Luo-(Durchgangs-)Punkt zu Pe 7

  • Schmerzen, Paresen

  • Kontrakturen des Arms

  • Kreislaufregulierend

  • Stenokardien, Palpitationen

  • Übelkeit, Erbrechen; Hyperemesis gravidarum

  • Migräne

  • Neurasthenie

  • Interkostalneuralgie

Pe 7 Mitte der palmaren Handgelenksfurche zwischen den Sehnen der Mm. flexor carpi radialis und palmaris longus Senkrecht, 0,75–1,25 cm
  • Quellpunkt

  • Sedativpunkt

  • Shu-Punkt

  • Handgelenksschmerzen Schreibkrampf

  • Karpaltunnel-Sy.

  • Interkostalneuralgie

  • Thorakaler Herpes zoster

  • Verwirrtheit

Pe 9 Radialer Nagelfalzwinkel des Mittelfingers Senkrecht, 0,25 cm
  • Tonisierungspunkt

  • Jing-Punkt

  • Schockpunkt

  • Reanimationspunkt, Hypotonie

  • Stenokardien

  • Hitzschlag, Krampfanfälle bei Kindern

3-Erwärmer (Abb. 2.1-11)
3E 1 Ulnarer Nagelfalzwinkel des Ringfingers Oberflächlich, 0,25 cm oder bluten lassen
  • Jing-Punkt

  • Beginn des MTM des 3E

Schmerzen in Arm und Ellenbogen mit Behinderung der Armhebung
  • Kopfschmerzen Laryngitis, Pharyngitis, rote Augen

  • Fieber

3E 4 Über Gelenkspalt Os hamatum/Metacarpale IV Senkrecht, 0,75–1,25 cm
  • Quellpunkt

  • Meisterpunkt vasomotorischer Kopfschmerz

  • Schmerzen: Handgelenk, Arm

  • lokale Schwellungen

  • Katerkopfschmerzen

3E 5 Gegenüber von Pe 6, 2 cun proximal der Mitte der dorsalen Handgelenksfurche Senkrecht, 1,25–2,5 cm
  • Kardinalpunkt Yangwei Mai

  • Luo-(Durchgangs)Punkt zu Pe 7

  • Meisterpunkt kleine Gelenke

Schmerzen und Paresen im Handgelenk
  • Rheuma

  • Wetterfühligkeit

  • Migräne

  • Hitzende Dermatosen

  • Erkältung

  • Schwitzen

3E 10 Fossa olecrani (dorsal) Senkrecht, 0,75–1,25 cm
  • Sedativpunkt

  • He-Punkt

  • Muskelspasmen obere Extremität

  • Schmerzen: Ellbogen, Arm, Schulter, Nacken

  • Bronchitis

  • Schlaflosigkeit durch Kummer

  • Ekzem

  • Migräne

  • Tinnitus

3E 14 Grübchen unter und hinter dem Acromion, zwischen hinterem und mittlerem Anteil des M. deltoideus Senkrecht, 1,75–2,5 cm
  • Schulterschmerzen v. a. beim Armheben

  • PHS

3E 15 Oberer Trapeziusrand, Schultermitte Senkrecht, 0,75–1,25 cm
  • Reunionspunkt mit Yangwei Mai

  • Meisterpunkt Arme und Wetterfühligkeit

  • Druckpunkt bei Tonsillitis

Paresen der Schultern
  • „Hygrometrischer Punkt“ (De la Fuye)

  • Rheuma

  • Schmerzen allgemein

  • Neuralgien

  • Hinterkopfschmerzen

  • Hintere Mandibula-Weisheitszähne (Petricek)

  • Narben nach Tonsillektomie

3E 16 Trapeziusknick Senkrecht, 0,75–1,25 cm. Bi.: identisch mit Dü 15
  • Halsschmerzen

  • Steifes Genick

  • Tinnitus, Schwerhörigkeit

  • Quincke-Ödem

3E 17 Mastoidvorderrand bzw. Grube zwischen Mastoid und Mandibula Senkrecht, 1,75–2,5 cm Reunionspunkt mit Gb Kiefergelenksarthritis
  • Macht Nase sofort frei

  • Rhinitis

  • Sinusitis

  • Zahnschmerzen (Schneidezähne)

  • Augenkrankheiten

3E 21 Bei offenem Mund im Grübchen oberhalb des Kondylus der Mandibula Senkrecht, 0,75–1,5 cm
  • Reunionspunkt mit Gb, Dü

  • Meisterpunkt Ohr

  • Kiefergelenksarthritis

  • Otitis externa, Otitis media

  • Schwindel

  • Fazialisparese

  • Trigeminusneuralgie

  • Zahnanalgesie (molare Oberkiefer)

3E 23 Vertiefung am lateralen Augenbrauenende Oberflächlich s.c., 0,25–0,75 cm Reunionspunkt mit Gb Konjunktivitis
  • Augenkrankheiten

  • Kopfschmerzen, Migräne

  • Fazialisparese

Funktionskreis Gallenblase-Leber. Leber-MeridianPunkteGallenblasen-MeridianPunkteFunktionskreiseGallenblase-Leber

Tab. 2.1-11
Punkt Lokalisation Punktur Besonderheiten Lokale /regionale Indikationen Übergeordnete Indikationen
Gallenblase (Abb. 2.1-12)
Gb 1 Winkel Os zygomaticum, ½ cun (½ DB) lateral vom äußeren Augenwinkel Schräg s. c. nach lateral, 0,75–1,25 cm Reunionspunkt mit 3E, Dü Augenerkrankungen, Konjunktivitis
  • Migräne; Lakrimation

Gb 3 ½ QF kranial der Mitte des Os zygomaticum Senkrecht, 0,75–1,25 cm Reunionspunkt mit 3E, Ma, Di
Nicht in Schwangerschaft
  • Trismus

  • Zahnschmerzen

  • Otitis; Rhinitis allergica

  • Tinnitus

  • Hormonell bedingte Kopfschmerzen

Gb 8 Grübchen 1 QF über und 2 QF hinter Ohrspitze S.c. horizontal, 0,75–1,25 cm Reunionspunkt mit Dü, Bl
  • Tinnitus

  • Schwindel

  • Migräne

  • Dumpfer Schädel nach Alkohol

  • Unstillbares Erbrechen

Gb 14 2 QF über Augenbraue in der Papillarlinie S.c. Richtung Braue, 0,75–1,25 cm Reunionspunkt mit 3E, Ma, Di
Yangwei Mai
  • Augenerkrankungen

  • Fazialisparese, Trigeminusneuralgie

  • Testpunkt für Gallenkrankheiten (nach Bischko)

Gb 17 3 QF von der Medianen über Ohrmuschelspitze Schräg nach posterior, 0,75–1,25 cm Reunionspunkt mit Yangwei Mai
  • Kopfschmerzen

  • Zahnschmerzen

Gb 20 Grube medial hinter Mastoid Richtung Nasenspitze, 1,25–2 cm Reunionspunkt mit 3E
Yangwei Mai
Nackenschmerzen
  • Erkältung

  • Rhinitis

  • Schwindel; Kopfschmerzen

  • Nach Bischko sympathikotone Wirkung

Gb 21 Seitlicher Hals am Trapeziusknick, nach Bischko Kreuzungspunkt mit Dü 5, 3E 6 Senkrecht, 0,75–1,25 cm
  • Reunionspunkt mit Ma, 3E

  • Yangwei Mai

  • Nicht in der Schwangerschaft

Schulter-, Rücken-, Nackenschmerzen Schwere Geburt
Gb 24 Vordere Axillarlinie, 5. ICR Schräg, 0,75–1,25 cm
  • Hauptalarmpunkt von Gb

  • Reunionspunkt mit Mi

  • Yangwei Mai

  • Magenschmerzen

  • Gallenkrankheiten

  • Flatulenz

  • Schulterschmerzen

Gb 25 Unterrand freies Ende der 12. Rippe Senkrecht, 0,75–1,25 cm Alarmpunkt der Ni
  • Interkostalneuralgie

  • Hernienschmerzen

  • Nierenerkrankungen

Gb 26 Höchster Punkt des Darmbeinkammes Senkrecht, 1,25–2,5 cm
  • Teil des „Gürtelgefäßes“

  • Spezialpunkt für gynäkologische Erkrankungen

  • Zystitis

  • Schmerzen im Hypochondrium

Gb 28 ½ cun unter Spina iliaca anterior superior Senkrecht, 1,25–2,5 cm Teil des „Gürtelgefäßes“
  • Zystitis

  • Schmerzen im Hypochondrium

  • Obstipation

Gb 30 Vorspringender Punkt des Trochanter major Senkrecht, 3,25–6,25 cm
  • Meisterpunkt Ischialgie und Paresen der Beine

  • Reunionspunkt mit Bl

  • Ischialgie, Lumbalgie

  • Schmerzen, Paralyse

  • Parästhesien der Beine

  • Hüft-, Knieschmerzen

  • Nach Bischko Testpunkt für Knochenerkrankungen

  • Dermatosen mit Bläschen; Erythema nodosum

Gb 31 Wo Fingerspitzen bei herabhängenden Armen am seitlichen Oberschenkel hinzeigen Senkrecht, 1,75–3 cm
  • Ischialgie, Lumbalgie

  • Meralgia parästhetica

  • Verschlechterung durch Luft, Zugluft

Gb 34 Grübchen vor und unter Fibulaköpfchen Senkrecht, 2–3 cm
  • Meisterpunkt der Muskulatur

  • He-Punkt

  • Einflussreicher Hui-Punkt der Sehnen

Schmerzen in Knie, Hüfte
  • Alle Mm.-Schwächen, -spasmen

  • Parästhesien

  • Steigerung der Durchblutung

  • Gallenerkrankungen

  • Chron. Obstipation

Gb 37 5 cun oberhalb des Außenknöchels, Hinterrand der Fibula Senkrecht, 1,75–2,5 cm Luo-(Durchgangs-)Punkt zu Le 3
  • Durchblutungssteigerung (Claudicatio)

  • Parästhesien

  • Gallen- und Lebererkrankungen

  • Migräne

  • Schmerzen mit Dehnungsgefühl im Thorax

Gb 40 Grübchen vor Fibulaspitze, über Calcaneocuboid-Gelenk Senkrecht, 1,25–2 cm
  • Quellpunkt

  • Wunderpunkt bei lateralen Thoraxschmerzen

  • Beschwerden Knöchel und Sprunggelenk

  • Nach Gipsabnahme

  • Laterale Thoraxschmerzen, Inter kostalneuralgie

  • Nackenschmerzen

  • Gallenkrankheiten

Gb 41 Im proximalen Winkel zwischen Os metatarsale IV und V Senkrecht, 0,75–1,25 cm
  • Kardinalpunkt für Dai Mai

  • Meisterpunkt der großen Gelenke

Beschwerden Fußrücken, Bein
  • Dysmenorrhö

  • Seitliche Migräne

  • Augenflimmern; laterale Thoraxschmerzen

Leber (Abb. 2.1-13)
Le 1 Lateraler Nagelfalzwinkel Hallux Oberflächlich, 0,25 cm
  • Jing-Punkt

  • Beginn des MTM der Leber

  • Unterbauchbeschwerden

  • Prolapsneigung

  • Menstruationsstörungen

  • Hernienschmerzen

  • Abnormer Schlafbedarf

Le 2 Laterales Ende des Großzehengrundgelenkes Schräg, 0,75–1,25 cm
  • Sedativpunkt

  • Jing-Punkt

Lokale Spasmen und Kontraktionen
  • Spasmolyse

  • Menstruationsstörungen

  • Kopfschmerzen

  • Schlaflosigkeit; Auge

  • Epilepsie

  • Esslust

Le 3 Proximaler Winkel MetatarsaleI und II Senkrecht, 0,75–1,25 cm Quellpunkt, Shu-Punkt
  • Spasmolyse

  • Kopfschmerzen

  • Menstruationsstörungen

  • Schlaflosigkeit

  • Esslust

  • Epilepsie

  • Halsschmerzen

  • Obstipation

  • Auge

  • Hämorrhoiden

  • Gastritis

  • Migräne

Le 5 Medialer Tibiarand, 5 cun über der höchsten Erhebung des Innenknöchels Senkrecht, 0,75–1,25 cm
  • Luo- (Durchgangs-)Punkt zu Gb 40

Schmerzen im Bein
  • Menstruationsbeschwerden

  • Dysurie

  • Hautjucken

Le 9 Mediales Ende der Kniegelenksfalte, vor der Sehne des M. semimembranaceus Senkrecht, 1,25–1,75 cm
  • Tonisierungspunkt

  • He-Punkt

  • Kniebeschwerden medial

  • Gonarthrose

  • Bindegewebsschwäche

  • Pruritus vulvae

  • Dysurie

Le 12 Winkel zwischen M. sartorius und M. adductor longus. Kreuzungspunkt mit Ma 31 und Mi 12 Nicht Stich, sondern Moxa empfohlen Moxa empfohlen
  • Schmerzen im äußeren Genitale

  • Durchblutung von kleinem Becken

Le 13 Unterrand des freien Endes der 11. Rippe Senkrecht, 1,25–1,75 cm Moxa empfohlen
  • Alarmpunkt von Mi

  • Einflussreiche: parenchymatöse Organe

  • Reunionspunkt mit Gb

  • Stoffwechselpunkt

  • Seekrankheit

  • Spannungsgefühl im Bauch

  • Übelkeit

  • Hyperemesis

Le 14 Mammillarlinie, VI. ICR Schräg, 0,75–1,25 cm
  • Alarmpunkt der Le

  • Reunionspunkt mit Mi

  • Yinwei Mai

  • Seekrankheit; Spannungsgefühl im Bauch

  • Übelkeit, Hyperemesis gravidarum

Funktionskreis Lunge-Dickdarm. Lungen-MeridianPunkteFunktionskreiseLunge-DickdarmDickdarm-MeridianPunkte

Tab. 2.1-12
Punkt Lokalisation Punktur Besonderheiten Lokale /regionale Indikationen Übergeordnete Indikationen
Lunge (Abb. 2.1-14)
Lu 1 Am Rand des M. deltoideus, 1 ICR tiefer als Lu 2 Schräg nach lateral, 1,25–2 cm (nicht senkrecht, cave: Pleura)
  • Alarmpunkt der Lu

  • Reunionspunkt mit Mi

Schmerzen im lateralen Thoraxbereich und Schulter
  • Asthma

  • Husten

  • Juckende Dermatosen

Lu 2 Winkel zwischen Unterrand Clavicula und M. deltoideus Schräg nach lateral, 1,25–2 cm (cave: Pleura) Schmerzen im lateralen Thoraxbereich und Schulter
  • Asthma

  • Husten

  • juckende Dermatosen

Lu 5 Mitte Ellenbogenfalte, radial der Bizepssehne Senkrecht, 1,25–2,5 cm He-Punkt Sedativpunkt
  • Schmerzen im lateralen Thoraxbereich und Schulter

  • Tennisellenbogen

  • Asthma

  • Husten

  • Juckende Dermatosen

  • Akne

  • Laryngitis, Pharyngitis

Lu 7 Über der A. radialis, 1,5 cun (2 QF) proximal der größten Handgelenksfurche Schräg aufwärts, 0,75–1,25 cm
  • Kardinalpunkt für Ren. Luo- (Durchgangs-)Punkt zu Di 4

  • Meisterpunkt der Stauung

  • Karpaltunnel-Sy.

  • Schmerzen und Paresen im Meridianverlauf

  • Kopfschmerzen

  • Asthma

  • Husten

  • Trigeminusneuralgie, Fazialisparese

Lu 9 Über der A. radialis bzw. leicht radial, in der größten Handgelenksfurche Schräg aufwärts, 0,5–0,75 cm
  • Quellpunkt

  • Tonisierungspunkt Shu-Punkt

  • 8 Einflussreiche: Blutgefäße

  • Schmerzen in Hand und Handgelenk

  • Schmerzen in Arm, Schulter, Thorax

  • Chron. Bronchitis

  • Migräne

  • Gefäßerkrankungen

Lu 10 Thenarmitte, Farbumschlag der Haut Senkrecht, 1,25–2 cm Ying-Punkt
  • Tendovaginitis

  • Rhizarthrose

  • Asthma

  • Husten

  • Fieber

Lu 11 Neben ulnarem Nagelfalzwinkel Senkrecht, 0,25 cm
  • Jing-Punkt

  • Meisterpunkt der Halskrankheiten

Schreibkrampf
  • Alle Halsschmerzen

  • Fieber

  • Kollaps

  • Epistaxis

Dickdarm (Abb. 2.1-15)
Di 1 Daumenseitiger Nagelfalzwinkel Senkrecht oder schräg, 0,25 cm oder bluten lassen
  • Meisterpunkt gegen Zahnschmerzen

  • Jing-Punkt

Parästhesie der Finger
  • Zahnschmerzen, Stomatitis, Gingivitis

  • Schulter-Arm-Syndrom

  • Erkrankungen der oberen Luftwege

  • Gesichtsakne

Di 4 Handrücken, radiale Seite des Os metacarpale II. Bei gestreckt aneinandergepresstem Daumen und Zeigefinger am höchsten Punkt des Muskelwulstes Senkrecht, 1,25–2,75 cm
  • Quellpunkt

  • Stoffwechselpunkt

  • Hauptanalgesiepunkt der oberen Extremität

  • Meisterpunkt bei Akne

  • Nicht in der Schwangerschaft

  • Schmerzen in der oberen Extremität

  • Schmerzen im Meridianverlauf

  • Dupuytren-Kontraktur

  • Schulter-Arm-Syndrom

  • Allgemein energetisch stärkend

  • Hauptpunkt bei Stirnkopfschmerzen und Migräne

  • Sinusitis, Schnupfen

  • Asthma bronchiale

  • Trigeminusneuralgie, Fazialisparese

  • Augen- und Ohr-Erkrankungen

  • Obstipation

  • Amenorrhö, Hypomenorrhö

  • Juckende Dermatosen

Di 10 Radialseite Unterarm, 3 cun distal der Ellenbogenfalte, auf dem M. brachioradialis Senkrecht, 2–3 cm Meisterpunkt der Obstipation
  • Ellenbogen-Beschwerden

  • Paresen Unterarm

  • Schulter-Arm-Syndrom

  • Kopfschmerzen

  • Fazialisparese, Trigeminusneuralgie

  • Colitis, Obstipation

  • Zahnschmerzen

Di 11 Radiales Ende der Ellenbeugenfalte bei gebeugtem Arm Senkrecht, 2,75–3,75 cm Tonisierungspunkt He-Punkt
  • Ellenbogen-Beschwerden

  • Paresen Unterarm

  • Schulter-Arm-Syndrom

  • Hemiplegie mit Paresen im Meridianverlauf

  • Obstipation

  • Migräne

  • Spasmen

  • Juckende Dermatosen; Pruritus

  • Rückenschmerzen

Di 14 Am Ansatz des M. deltoideus Oberflächlich senkrecht bzw. schräg aufwärts 2–3,75 cm
  • Reunionspunkt mit Ma, Yangwei Mai

Schulter-Arm-Syndrom; Schmerzhafter Bogen
  • Augenleiden

Di 15 Vorderrand Bizepssehne, Grübchen vor und unterhalb des Akromions Oberflächlich senkrecht bzw. schräg aufwärts 2–3,75 cm
  • Meisterpunkt für Paresen der oberen Extremität

  • Reunionspunkt mit Yangqiao Mai

  • Schulter-Arm-Syndrom

  • Omarthritis; Bursitis calcarea

  • Painful arc

  • Paresen des Armes

  • Exantheme, Dermatosen

  • Schwitzen

Di 19 Nasolabialfalte, auf Horizontaler durch Unterrand Nasenflügel Schräg, 0,5–0,75 cm
  • Kein Moxa

  • Erkrankungen der Nase, Nasennebenhöhlen

  • Heuschnupfen

  • Epistaxis

Di 20 Seitliche Nase, Ende der Nasolabialfalte Schräg, 0,5–0,75 cm
  • Kein Moxa

  • Erkrankungen der Nase, Nasennebenhöhlen

  • Heuschnupfen

  • Epistaxis

  • Analgesie der oberen Frontzähne

Funktionskreis Magen-Milz. Milz-MeridianPunkteMagen-MeridianPunkteFunktionskreiseMagen-Milz

Tab. 2.1-13
Punkt Lokalisation Punktur Besonderheiten Lokale /regionale Indikationen Übergeordnete Indikationen
Magen (Abb. 2.1-16)
Ma 2 Jochbein-Unterrand, Mitte Masseter, Grübchen vor dem Processus artic. mandibulae Senkrecht, 0,5 cm
  • Kiefergelenksbeschwerden

  • Zahnschmerzen

  • Sinusitis

  • Trigeminusneuralgie

  • Fazialisparese

Ma 3 Mandibula an der Stelle des höchsten Masseterwulstes bei geschlossenem Mund Senkrecht, 0,5 cm
  • Kiefergelenksbeschwerden

  • Zahnschmerzen

  • Sinusitis

  • Speichelsteine

  • Parotis-Erkr.

Ma 5 Papillarlinie, Grübchen über dem Foramen infraorbitale Senkrecht, 0,5 cm Reunionspunkt mit Yangqiao Mai
  • Trigeminusneuralgie

  • Fazialisparese

  • Sinusitis

  • Akne

  • Augenerkr.

  • Parotis-Erkr.

Ma 6 Papillarlinie, Schnittpunkt mit Horizontalen durch Nasenflügel-Unterrand Senkrecht, 0,5 cm Reunionspunkt mit Yangqiao Mai
  • Trigeminusneuralgie, Fazialisparese

  • Akne

  • Rhinitis, Sinusitis

  • Augenerkr.

  • Parotis-Erkr.

Ma 7 Papillarlinie, 1 QF neben dem Mundwinkel 0,75–1,25 cm in Richtung Mundwinkel Reunionspunkt mit Yangqiao Mai, Ma, Di
  • Kiefergelenksbeschwerden, Zahnschmerzen

  • Sinusitis

  • Fazialisparese

  • Erkrankungen des Augenlids

Ma 8 Vorderrand Masseter, Mandibula-Unterrand Oberflächlich, schräg, 0,75–1,25 cm Analgesiepunkt für Unterkiefer (zusammen mit Di 4, Ren 24) Zahnschmerzen im Unterkiefer
  • Erkrankungen des Augenlids

  • Trismus

Ma 10 Vorderrand des M. sternocleidomastoideus, Höhe der Incisura thyroidea sup. (Adamsapfel) Senkrecht, 0,75–1,25 cm
  • Heiserkeit

  • Halsschmerzen

  • Asthma

Ma 12 Mamillarlinie, Mitte der Fossa supraclavivularis Senkrecht, 0,75–1,25 cm Interkostalneuralgie
  • Dysphagie. Sodbrennen. Asthma, „Katerpunkt“

Ma 13 Mamillarlinie, infraclavicular Schräg, 0,75–1,25 cm Interkostalneuralgie
  • Asthma

  • Singultus

Ma 21 Schnittpunkt Medioclavicularlinie mit Rippenbogenrand Senkrecht, 2–2,5 cm
  • Erkrankungen des Magens, Magenschmerzen. Ulcera ventriculi und duodeni

  • Anorexie

  • Colitis

Ma 23 2 QF distal von Ma 21 Senkrecht, 1,75–2,5 cm
  • Erkrankungen des Magens, Magenschmerzen; Ulcera ventriculi und duodeni

  • Anorexie

  • Colitis

Ma 25 Mitte einer Linie vom Nabel zum oberen Darmbeinkamm Senkrecht, 1,75–3 cm Alarmpunkt des Di
  • Colitis

  • Diarrhö

  • Obstipation

  • Nausea

  • Gastritis

Ma 30 Oberrand Symphyse, 2 cun paramedian Senkrecht, 1,25–2 cm
  • Erkrankungen des äußeren und inneren Genitales

  • Plazenta-Retention

  • Energiemangel

Ma 31 Wie Le 12, Winkel zwischen M. sartorius und M. adductor longus Senkrecht, 2,5–3,5 cm
  • Lymphadenitis inguinalis

  • Spasmen, Kontrakturen, Sensibilitätsstörungen

  • Durchblutungsstörungen des Beines

  • Lumbago

Ma 35 Äußeres Knie-Auge Senkrecht, 1,25–2,5 cm Erkrankungen von Kniegelenk und Umgebung
Ma 36 1 QF lateral der vorderen Tibiakante, 2 QF unterhalb des Fibulaköpfchen-Unterrandes Senkrecht, 1,25–3 cm
  • Meisterpunkt für Hormongeschehen

  • Blutdruck He-Punkt

  • Beinamen: „großer Heiler der Füße und der Knie“ und „Göttlicher Gleichmut“

  • Knie- und Beinbeschwerden

  • Lähmungen des Beins

  • Magenschmerzen

  • Diarrhö

  • Obstipation

  • Asthma

  • Schwächezustände

  • Schlaflosigkeit

  • Hyper- und Hypotonie

  • Dermatosen

Ma 40 Mitte der Strecke Kniegelenksspalt – Außenknöchel, Vorderrand Fibula Senkrecht, 1,25–2,5 cm Luo-(Durchgangs-)Punkt zu Mi 3 Beschwerden im Unterschenkel
  • Verbesserung der Expektoration

  • Asthma

  • Singultus

  • Schwindel

Ma 41 Fußwurzelmitte, Unterrand Tibia Senkrecht, 1,25–1,75 cm
  • Tonisierungspunkt

  • Jing-Punkt

  • Schmerzen Fußgelenke; Schwellung Füße

  • Arthritis

  • Magen-Hypersekretion

  • Augenkrankheiten

Ma 42 Höchster Punkt des Ristes Senkrecht, 0,75–1,25 cm Quellpunkt Schmerzen im Fußrücken
  • Nervosität

  • Obstipation

Ma 44 Winkel im Grundgelenk der 2. und 3. Zehe Senkrecht, 0,75–1,25 cm Ying-Punkt Kalte Füße
  • Zahnschmerzen. Tonsillitis

  • Albträume

  • nächtliche Verschlechterung von Beschwerden

Ma 45 Lateraler Nagelfalzwinkel der 2. Zehe Oberflächlich, 0,25 cm Sedativpunkt, Beginn MTM des M. Jing-Punkt
  • Sedativ bei Hypersekretion

  • Zahnschmerzen

  • Fazialisparese

  • Kopfschmerzen

  • Sexuelles Desinteresse

Milz (Abb. 2.1-17)
Mi 1 Medialer Nagelfalzwinkel der Großzehe Senkrecht, 0,25 cm Jing-Punkt, Beginn des MTM-Mi Durchblutungsstörungen der Füße (kalte Füße)
  • Bauchschmerzen

  • Meteorismus

  • Übelkeit

  • Menstruationsbeschwerden

Mi 3 Knapp proximal des medialen Gelenkspalts des Großzehengrundgelenks, auf Sehne des M. Abductor hallucis Senkrecht, 0,75–1,25 cm
  • Quellpunkt

  • Shu-Punkt

Beschwerden in Zehen und Sprunggelenk
  • Hämorrhoiden

  • Oberbauch- und Magenschmerzen, Übelkeit

  • Bradykardie

  • Menstruationsbeschwerden

  • Kopfschmerzen

  • Pankreasinsuffizienz

Mi 4 Medialer Gelenkspalt Metatarsale I/Cuneiforme I Senkrecht, 1,25–2 cm
  • Kardinalpunkt für Chong Mai. Luo-(Durchgangs-)Punkt zu Ma 42

  • Meisterpunkt gegen Durchfälle

  • Durchfälle

  • Oberbauch- und Magenschmerzen, Übelkeit

  • Bradykardie

  • Menstruationsbeschwerden

  • Geburtserleichterung

  • Ödeme, bes. im Gesicht

  • Pankreasinsuffizienz

Mi 5 Grübchen Os naviculare medial der Sehne des M. tibialis anterior Senkrecht, 0,5–0,75 cm
  • Sedativpunkt

  • Meisterpunkt des Bindegewebes

Beschwerden im Knöchel
  • Schmerzen bei Bindegewebsschwäche

  • Varikosis

  • Oberbauch- und Magenschmerzen

  • Deszensus-Neigung

  • Hämorrhoiden

  • Schlaflosigkeit

Mi 6 3 cun über der höchsten Erhebung des Innenknöchels, Tibiahinterrand Senkrecht, 2–2,5 cm
  • Kreuzungsgegend von Ni, Le

  • Gruppen-Luo-Punkt

  • Durchblutungsstörungen des Beines

  • Paresen

  • Hormonstörungen

  • Erkrankungen der Genitale

  • Hyper- und Hypotonie

Mi 9 Grübchen unter medialem Tibia-Condylus Senkrecht, 1,25–2,5 cm He-Punkt Beschwerden im Kniegelenk: Arthrose, Arthritis
  • Bauchschmerzen

  • Diarrhö, spastische Obstipation

  • Blasenbeschwerden

  • Ödeme

Mi 11 Vertiefung zwischen M. sartorius und M. vastus medialis, 2 Handbreiten über dem Patella-Oberrand Senkrecht, 1,25–2,5 cm Durchblutungsstörungen
  • Bauchschmerzen

  • Diarrhö, spastische Obstipation

  • Blasenbeschwerden

  • Ödeme

Mi 15 4 QF oberhalb des Nabels in der MCL Reunionspunkt mit Yinwei Mai
  • Bauchschmerzen

  • Colitis

  • Obstipation

  • Pankreasinsuffizienz

Mi 21 Vordere Axillarlinie, 5. ICR (wie Gb 24) Schräg, 0,75–1,25 cm
  • Interkostalneuralgien

  • Schmerzen und Spannungsgefühl im Thorax

  • Schwäche

  • Schmerzen

Die zwei wichtigsten zusätzlichen Meridiane: Konzeptionsgefäß (Ren Mai) und Lenkergefäß (Du Mai).Ren MaiPunkteDu MaiPunkte

Tab. 2.1-14
Punkt Lokalisation Punktur Besonderheiten Lokale /regionale Indikationen Übergeordnete Indikationen
Ren Mai (Abb. 2.1-18)
Ren 2 Medianlinie, Symphysenoberrand Senkrecht, 1,25–2,5 cm
  • Reunionspunkt mit Le

  • Hernienschmerzen

  • Menstruationsstörungen

  • Harninkontinenz

Ren 3 1 cun oberhalb der Symphyse bzw. ⅕ der Strecke Symphyse-Nabel Senkrecht, 1,25–2,5 cm
  • Alarmpunkt von Bl

  • Reunionspunkt mit Ni, Le, Mi

  • Miktionsbeschwerden

  • Prolaps uteri

  • Plazentaretention

Ren 4 2 cun oberhalb der Symphyse bzw. ⅖ der Strecke Symphyse-Nabel Senkrecht, 2–3 cm
  • Alarmpunkt von Dü

  • Reunionspunkt mit Ni, Le, Mi

  • Miktionsbeschwerden

  • Prolaps uteri

  • Plazentaretention

  • Intestinaltrakt

Ren 5 2 cun unterhalb des Nabels bzw. ⅖ der Strecke Nabel-Symphyse Senkrecht, 1,25–2,5 cm
  • Haupt-Alarmpunkt des 3E

  • Nicht in der Schwangerschaft!

  • Menstruationsstörungen

  • Postpartale Blutungen

  • Verdauungsstörungen

  • Asthma bronchiale

  • Ödemneigung

Ren 6 1,5 cun unterhalb des Nabels bzw. Mitte des vierten Fünftels Senkrecht, 2–3 cm
  • Moxa empfohlen

  • Stark energetische Wirkung

  • Erschöpfungszustände

  • Potenzschwierigkeiten

  • Colitis

  • Harninkontinenz

  • Diarrhö

  • Albträume

  • Regelstörungen

Ren 7 1 cun unterhalb des Nabels bzw. ⅕ der Strecke Nabel-Symphyse Senkrecht, 2–3 cm
  • Sexueller Alarmpunkt des 3E

  • Reunionspunkt mit Chong Mai

Periumbilicale Schmerzen. Hernienschmerzen
  • Menstruationsstörungen, postpartale Blutungen

  • Miktionsbeschwerden

Ren 12 Mitte Nabel – Xiphoid Senkrecht, 1,25–3,0 cm
  • Alarmpunkt des Magens und des digestiven Anteils des 3E

  • Reunionspunkt mit Ma, Dü, 3E

  • Magenbeschwerden, Ulcera

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Subileus

  • Singultus

Ren 13 5 cun oberhalb des Nabels bzw. 3 ⅜ der Strecke Xiphoid-Nabel Senkrecht, 1,25–2,5 cm
  • Reunionspunkt mit Ma, Dü

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Subileus

  • Singultus

  • Stark spasmolytisch

Ren 14 1 cun unterhalb des Xiphoids bzw. ⅛ der Strecke Xiphoid-Nabel Senkrecht, 0,75–2 cm
  • Alarmpunkt He

Präkordiale Schmerzen
  • Rhythmusstörungen

  • Singultus

  • Hyperemesis

  • Magenschmerzen

Ren 15 Unter Xiphoidspitze Schräg nach abwärts, 1–1,5 cm Präkordiale Schmerzen
  • Magenschmerzen

  • Singultus

  • Neurasthenie

  • Wirkt beruhigend

Ren 17 Mitte Sternum S.c., 0,75–1,25 cm
  • Respiratorischer Alarmpunkt des 3E (8 Einflussreiche: Respirationssystem)

  • Reunionspunkt mit Mi, Ni, Dü, 3E

  • Interkostalneuralgie

  • Beschwerden im Thoraxraum

  • Herz- und Lungenerkrankungen

Ren 21 Incisura jugularis (cave: Stichtiefe) S.c., 0,75–1,25 cm Thoraxschmerzen
  • Asthma

  • Husten

Ren 24 Mitte der Mentolabialfalte Schräg aufwärts, 0,5–0,75 cm Reunionspunkt mit Ma, Di, Du
  • Fazialisparese

  • Trigeminusneuralgie

  • Zahnschmerzen

  • Hypersalivation

  • Motorische Sprachstörungen

Du Mai (Abb. 2.1-19)
Du 4 Ming-men Dornfortsatzspitze L3 Oberflächlich, Richtung Dornfortsatz
  • Sexualstörungen

  • Hormonelle Wirksamkeit

  • Kortisonartige Wirksamkeit

Du 13 Pae Lao Dornfortsatzspitze C7 Oberflächlich, Richtung Dornfortsatz
  • Reunionspunkt aller Yang-Meridiane

  • Meisterpunkt der Erschöpfung

Nacken-, Rücken-, Schulterschmerzen
  • Fieber, Erkältung

  • Asthma

Du 16 Unterrand des Occiput, Grübchen unter Protuberantia occipitalis Senkrecht, 1,25–2 cm
  • Reunionspunkt mit Yangwei Mai

  • Verwirrtheit

  • Wirkung auf Hypophyse

Du 19 Medianlinie, 5,5 cun oberhalb des occipitalen Haaransatzes Schräg, s.c.
  • Kopfkrankheiten

  • Auge

Du 20 Medianlinie, höchster Punkt des Schädels Schräg, s.c.
  • Kopfkrankheiten

  • Auge

  • Schwindel, Ohnmacht

  • Sinusitis

Du 26 Medianlinie, oberes Drittel des Philtrums Schräg aufwärts, 0,75–1,25 cm Reunionspunkt mit Ma, Di
  • Schock, Kollaps

  • Hitzschlag

  • „Geisteskrankheit“

PdM auch Extra 2, PaM 3, Du 24–2 Nasenwurzelmitte Schräg abwärts, 0,75–1,25 cm
  • Punkt außerhalb der Meridiane

  • Bildet mit Bl 2 das „Magische vordere Dreieck“

  • Augenkrankheiten

  • Epistaxis

  • Schlaflosigkeit

  • Kopfschmerzen

Ohrakupunktur.

Tab. 2.1-15
Nummer Name Nummer Name
1 Analgesie Zähne 58 Uterus
5 Oberkiefer 59 Hypertonie
6 Mandibula 64 Schultergelenk
7 Analgesie Oberkiefer-Zähne 66 Ellenbogen
12 Analgesie 67 Handgelenk
13 Nebenniere 71 Urtikaria
18 Hunger 78 Allergie
21 Herz-Organ-Punkt 85 Ösophagus
22 Endokrinium 87 Magen
23 Ovar 91 Dickdarm
28 Hypophyse 92 Blase
29 Hinterkopf 95 Niere
31 Asthma 96 Pankeas/Galle
34 Gehirn 97 Leber (verdeckt)
42 Thorax 98 Milz (verdeckt)
44 Mamma 100 Herz
48 Knöchel 101 Lunge
49 Knie 103 Trachea
51 Vegetativum PT1 Antiaggressionspunkt
54 Lumbago PT2 Angstpunkt, Sorge
55 Shenmen PT3 Anti-Depressions-Punkt
57 Hüfte

Der Mensch als „umgekehrte Pflanze“.

Tab. 2.3-1
Pflanze Prinzip Mensch
Blüte, Früchte Sulfur Stoffwechsel-Gliedmaßen-System und Reproduktionsorgane
Blätter Mercurius Rhythmisches System (Herz-Kreislauf, Atmung)
Wurzel Sal Nerven-Sinnes-System, Kopf

Übersicht über die Planetenmetalle und die zugeordneten Organe.

Tab. 2.3-2
Planet Metall Organe
Saturn Blei (Plumbum) Milz, Knochen, Gehirn, Nerven, Sinnesorgane
Jupiter Zinn (Stannum) Leber, Gelenke, Sehnen, Gehirn
Mars Eisen (Ferrum) Gallenblase, Muskulatur, Kehlkopf, Schilddrüse
Sonne Gold (Aurum) Herz und Blutkreislauf, Thymus
Venus Kupfer (Cuprum) Niere, Nebenniere, Venensystem
Merkur Quecksilber (Mercurius) Lunge, Lymph- und Drüsengewebe Schleimhäute
Mond Silber (Argentum) Reproduktions- und Ausscheidungsorgane

Dosierung der anthroposophischen Arzneimittel.ArzneimittelAnthroposophische Medizin

Tab. 2.3-3
Darreichungsform Dosierung/d (akut) Dosierung/d (chron.)
Innere Anwendung
Globuli 3–5-mal 10 Glob. 1–2-mal 10 Glob.
Tropfen 3–5-mal 10–15 Tr. 1–2-mal 10–15 Tr.
Tabletten 3–5-mal 2 Tbl. 1–2-mal 2 Tbl.
Verreibungen 3–5-mal 1 Msp. 1–2-mal 1 Msp
Kapseln 1–2-mal 2 Kps. nach der Abendmahlzeit (und ggf. vor dem Zubettgehen) 1-mal 2 Kps. nach der Abendmahlzeit
Ampullen 1-mal als Trinkampulle 2–3-mal /Wo. als Trinkampulle
Äußere Anwendung
Ampullen 1-mal s.c. 2–3-mal /Wo. s.c.
Augentropfen 3–5-mal einträufeln 1–2-mal einträufeln
Nasenspray 3–5-mal 1–2-mal
Zäpfchen 1–4-mal 1 Supp. 1–2-mal 1 Supp.

Potenzwahl in der anthroposophischen Medizin.

Tab. 2.3-4
Potenzstufen Funktionssystem Konstitution Krankheitsverlauf
Tiefe Potenzen D1–D6 Stoffwechsel-Gliedmaßen-System Kräftig, robust Akut
Mittlere Potenzen D10–D15 Rhythmisches System Mittel Subakut bis subchron.
Hohe Potenzen D20–D30 Nerven-Sinnes-System, Psyche Zart, sensibel Chron.

Indikationen und Kontraindikationen des autogenen Trainings.

Tab. 2.7-1
Indikationen Kontraindikationen
  • Psychovegetative/psychosomatische Erkrankungen

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • Erkrankungen der Atemwege und Lungen

  • Stoffwechselerkrankungen

  • Erkrankungen des Bewegungsapparats

  • Erkrankungen des Urogenitalsystems

  • Hauterkrankungen

  • Geburtshilfe

  • Chirurgie

  • Zahnheilkunde (z. B. Schmerzreduktion)

  • Endogene Psychosen

  • Ausgeprägte endogene Depressionen

  • Schwere Kern- und Zwangsneurosen

  • Psychopathische Persönlichkeiten

  • Debilität

  • Kardial dekompensierte Patienten

Einteilung verschiedener „Zeiten“ nach den Doshas.VataPittaKapha

Tab. 2.8-1
Zeit Vata Pitta Kapha
Tageszeit Vor Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang Mittags und mitternachts Nach Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang
Jahreszeit (Europa) Frühling, Herbst Sommer Winter
Lebenszeit Greisenalter Erwachsenenalter Kindheit, Jugend

Die wichtigsten Symptome der Vermehrung eines bestimmten Doshas und deren mögliche Ursachen (ein vermehrtes Dosha führt eher zu einer Krankheit als ein verringertes Dosha).VataMerkmalePittaMerkmaleKaphaMerkmale

Tab. 2.8-2
Symptome eines erhöhten Doshas Ursachen
Vata
  • Alle Arten von Schmerzen (juckend, stechend, schneidend)

  • Veränderung der Befindlichkeit

  • Lageänderung von Organen

  • Übermäßige Bewegung, Unruhe

  • Übermäßige Bewegung

  • Trockene Kälte

  • Abgestandenes Essen

  • Kaltes, trockenes, bitteres, scharfes und zusammenziehendes Essen

  • Übermäßige sexuelle Aktivität

Pitta
  • Bedürfnis nach kaltem Essen oder kühler Umgebung

  • Starker Hunger und/oder Durst

  • Brennendes Gefühl der Haut, der Augen oder der Extremitäten

  • Allergische Ausschläge

  • Fieber, alle Entzündungen

  • Schwindel

  • Ärger, Wut, Hass, Eifersucht

  • Umgang mit schädlichen Chemikalien

  • Nachtarbeit oder langes Aufbleiben

  • Scharfes, salziges, saures, zu heißes Essen

  • Alkohol, Rauchen

  • Ärger, Furcht, Begierde

Kapha
  • Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen

  • Blässe, kalte Extremitäten

  • Schwellungen, Ödeme

  • Husten mit Schleimauswurf

  • Großes Schlafbedürfnis

  • Lethargie, Konzentrationsschwäche

  • Kaltes, öliges und schweres Essen

  • Stark wasserhaltiges Obst und Gemüse

  • Kalte und feuchte Lebensbedingungen

  • Habgier

  • Übertriebene Anhänglichkeit

Dosha-Konstitutionen (Prakrti).VataMerkmalePittaMerkmaleKaphaMerkmaleDosha(s), AyurvedaKonstitutionen

Tab. 2.8-3
Merkmal Vata Pitta Kapha
Körperbau Dünn, schlank Mittlerer Körperbau Starker Körperbau
Gewicht Gering, nimmt leicht ab Durchschnittlich, nimmt leicht ab und zu Übergewichtig, nimmt leicht zu
Haut Kalt, trocken, rau, rissig Warm, trocken, Sommersprossen Kühl, weich, geschmeidig
Haare Eher wenig, rau, trocken, schwer zu beherrschen Neigung zu Glatze, frühes Ergrauen Eher viel, fest, dick, ölig, gut zu beherrschen
Stirn Niedrig Mittel Hoch
Augen Rund, rau, unstet, stumpf, können im Schlaf offenbleiben Mittlere Größe, Tendenz zur Gefäßinjektion durch Alkohol/Ärger/Sonne Groß, hell, glänzend
Augenbrauen Dünn, unregelmäßig Dünn Dick, regelmäßig
Zähne Klein, dünn, unregelmäßig Dünn, gelblich, unregelmäßig, Kariesneigung Dick, regelmäßig, geformt
Nägel Dünn, trocken, zerbrechlich Dünn, weich, rosig Dick, weich, glänzend
Gelenke Nicht fest, knackend Locker und weich Wohlgeformt, stark
Gang Unregelmäßig, trocken, Verstopfungsneigung Regelmäßig, weich, locker, Durchfallneigung Ölig, regelmäßig
Stimme Scharf, heiser, unbeherrscht Mittlere Tonlage Gewichtig, angenehm
Sprache Schnell Ausdrucksstark Langsam, monoton
Appetit Wechselhaft, eher wenig Sehr gut, Heißhunger Gleichmäßig
Bevorzugter Geschmack Süß, sauer, salzig Süß, bitter, zusammenziehend Scharf, bitter, zusammenziehend
Stuhlgang Unregelmäßig, trocken, häufig, locker Regelmäßig, schwer, verstopft, durchfällig Ölig
Stuhlfrequenz 0–1 Oft 3 oder mehr Jeden 2. oder 3. Tag
Schlaf Kurz, gestört Mittel, leicht Lang, tief
Kältetoleranz Gering Stark Mäßig
Wärmetoleranz Groß Gering Mäßig
Zittern Oft Gelegentlich Selten, nie
Temperament Reizbar, schwankend Durchsetzungsstark Ruhig, zufrieden
Aufnahmefähigkeit Exzellent Gut Bescheiden
Gedächtnis Schlecht Gut Ausgezeichnet
Gemütsruhe Gering Mittel Groß
Geist Ruhelos, aktiv Intelligent, aggressiv Bedächtig, langsam
Gefühl Ängstlich, unsicher Aggressiv, reizbar Gierig, verhaftet
Glaube Schwankend Fanatisch Stetig
Träume Ängstlich, vom Fliegen Feurig, von Gewalt Wässrig, vom Meer
Finanzielle Verhältnisse Schlecht, gibt leicht Geld für belanglose Dinge aus Mittel, gibt Geld für Luxusgüter aus Gut, spart Geld, gibt Geld für Essen aus

Ayurvedische Ernährungsempfehlungen für die verschiedenen DoshasDosha(s), AyurvedaErnährung.AyurvedaErnährungErnährungayurvedische

Tab. 2.8-4
Konstitution (Dosha) Zu bevorzugende Geschmacksrichtung Zu vermeidende Geschmacksrichtung
Vata-Typ Süß, sauer, salzig Scharf, bitter, zusammenziehend
Pitta-Typ Süß, bitter, zusammenziehend Salzig, sauer, scharf
Kapha-Typ Scharf, bitter, zusammenziehend Süß, sauer, salzig

Blütenbestandteile der Notfalltropfen und deren Hauptmerkmale. Notfalltropfen, BachblütentherapieBestandteile

Tab. 2.9-1
Blütenbestandteile Hauptmerkmale
Star of Bethlehem Schreck und Betäubung
Rock Rose Panikgefühle, nervliche Überreaktion
Impatiens Mentaler Stress und Spannung, überschießende Handlungsimpulse
Cherry Plum Angst, gedanklich und körperlich die Selbstkontrolle zu verlieren
Clematis Tendenz abzutreten, das Gefühl, weit weg zu sein

Differenzialdiagnostische Übersicht.

Tab. 2.9-2
Reaktionsweisen des Patienten Bachblüte der 1. Wahl Differenzialdiagnose
Ängste, angstvoll …
Allgemeine Panik 26. Rock Rose
Angst vor bestimmten definierbaren Situationen, z. B. Hunde, Fahrstühle etc. 20. Mimulus
Steht enorm unter Druck; kann nicht loslassen; fürchtet durchzudrehen 6. Cherry Plum
Kann nicht sagen, wovor; vage Ängste; nimmt Stimmungen auf 2. Aspen
Erlebt Ängste um andere Personen, da zu sehr verwoben mit ihnen oder noch nicht abgenabelt 25. RedChestnut 33. Walnut
Verunsichert, …
… weil er seiner eigenen Meinung nicht vertraut; braucht die Bestätigung anderer 5. Cerato 19. Larch
… weil er innerlich immer wieder hin- und herschwankt; oft zwischen zwei Möglichkeiten 28. Scleranthus
… weil er durch erlittene Enttäuschungen skeptisch und pessimistisch geworden ist 12. Gentian 21. Mustard, 19. Larch
Verunsichert, …
… weil er keine klare Zielvorstellung für sein Leben hat, dadurch unzufrieden ist 36. Wild Oat 33. Walnut
… weil er innerlich schon resigniert hat 13. Gorse 37. Wild Rose, 33. Sweet Chestnut
… weil er glaubt, dass ihm die innere Spannkraft fehlt; er glaubt, ohne Stimulantien den Alltag nicht zu meistern 17. Hornbeam 11. Elm
Interesselos – wenig Gegenwartsbewusstsein, …
… da gedanklich anderweitig beschäftigt; träumerisch 9. Clematis
… da zu sehr an der Vergangenheit orientiert; entweder wird diese überbewertet und idealisiert oder bestimmte Ereignisse sind noch gar nicht bearbeitet worden 16. Honeysuckle 29. Star of Bethlehem
… da er nichts vom Leben fordert und sich dem Schicksal ergeben hat; oft nur unterschwellig in bestimmten Lebensbereichen 37. Wild Rose (Diagnose oft schwierig) 13. Gorse
… da geistig und körperlich vollkommen verausgabt und überfordert 23. Olive 17. Hornbeam, 22. Oak, DD 11. Elm
… da ständig andere Gedanken im Kopf kreisen, die man nicht abstellen kann 35. White Chestnut
… da zu naiv, wenig aufmerksam gegenüber tieferen Lebenszusammenhängen; stockende Erfahrungsverarbeitung; Lernprobleme 7. Chestnut Bud
… da in schwermütiger Traurigkeit befangen, die ohne erkennbare Gründe kommt und geht 21. Mustard 12. Gentian
Innerer Rückzug, Einsamkeitsproblematik, Isolation, …
… weil er glaubt, mit Schwierigkeiten am besten allein fertig zu werden; den anderen Menschen nicht zu brauchen 14. Water Violet 27. Rock Water
… da er ein anderes inneres Tempo hat; es geht ihm alles nicht schnell genug 18. Impatiens 31. Vervain, 32. Vine
… Einsamkeit wird nicht gut vertragen, deshalb starkes Mitteilungsbedürfnis; wirkt oft egozentrisch 14. Heather 31. Vervain
Überempfindlich, Abgrenzungsproblematik …
… gegenüber allem, was die Harmonie stören könnte, z. B. sorgenvolle Gedanken, Streit; oft Flucht in die Ablenkung (Alkohol, Zigaretten u. Ä.) 1. Agrimony
… gegen Persönlichkeiten mit stärkerer Willenskraft; Patient wirkt gutmütig, kann nicht Nein sagen; oft sensitive Persönlichkeiten 4. Centaury
… labil in psychischen und physischen Umwandlungsphasen, z. B. Zahnen, Klimakterium, Umzug, Berufswechsel; das Neue kann noch nicht umgesetzt werden 33. Walnut 20. Mimulus, DD 19. Larch
… weil er gefühlsmäßig leicht irritierbar ist; Misstrauen, Eifersucht, Neid- und Hassgefühle 15. Holly
Mutlos bis verzweifelt, Defizit- und Grenzgefühle, …
… weil es an Selbstvertrauen mangelt; Minderwertigkeitsgefühl 19. Larch 5. Cerato
… weil er ein falsches Schuldbewusstsein hat, sich zu viele Vorwürfe macht und anhängen lässt 24. Pine
… weil er wider besseren Wissens zurzeit glaubt, seiner Aufgabe nicht gewachsen zu sein 11. Elm 17. Hornbeam
… weil er keinen Ausweg mehr sieht und glaubt, dass die Grenze der Belastbarkeit erreicht sei 30. Sweet Chestnut
… weil er durch unangenehme Vorfälle noch wie betäubt ist oder einen Schock noch nicht verarbeiten konnte; der Seelentröster 29. Star of Bethlehem 16. Honeysuckle
… weil er verbittert ist, grollt und sich vom Schicksal ungerecht behandelt fühlt 38. Willow
… weil er ausdauernd mit allen Schwierigkeiten kämpft, und immer wieder neue Schwierigkeiten auftauchen 22. Oak 11. Elm
… weil er glaubt, etwas Unreines an oder in sich zu haben; weil das innere Ordnungsprinzip gestört ist und er dieses schnellstens wiederherstellen möchte; die Reinigungsblüte 10. Crab Apple 24. Pine, 27. Rock Water
Übertrieben, man will zu viel
Manipulative Haltung; glaubt, Einfluss nehmen zu müssen und ist enttäuscht, wenn sein Einsatz nicht anerkannt wird 8. Chicory
Übereifer, sich für eine Idee einzusetzen, treibt Raubbau mit seinen Kräften, kann nicht aufhören; Missionsdrang 31. Vervain Oak, 18. Impatiens, 27. Rock Water
Will seinen Willen um jeden Preis durchsetzen, nimmt auf andere wenig Rücksicht 32. Vine 18. Impatiens
Erkennt schnell Schwachstellen einer Situation, kann das aber nicht hinnehmen, sondern reagiert sofort mit Kritik 3. Beech 10. Crab Apple, 27. Rock Water
Stellt hohe theoretische Anforderungen an sich und ist hart gegen sich selbst; unterdrückt vitale Bedürfnisse 27. Rock Water

Kurzübersicht über die 38 Bachblüten.Agrimony, BachblüteAspen, BachblüteBeech, BachblüteCentauryCerato, BachblüteCherry Plum, BachblüteChestnut Bud, BachblüteChicoryClematis, BachblüteCrab Apple, BachblüteElm, BachblüteGentian, BachblüteGorseHeather, BachblüteHolly, BachblüteHoneysuckle, BachblüteHornbeam, BachblüteImpatiens, BachblüteLarch, BachblüteMimulus, BachblüteMustard, BachblüteOak, BachblüteOlivePine, BachblüteRed Chestnut, BachblüteRock Rose, BachblüteRock Water, BachblüteScleranthusStar of Bethlehem, BachblüteSweet Chestnut, BachblüteVervain, BachblüteVine, BachblüteWalnut, BachblüteWater Violet, BachblüteWhite ChestnutWild Oat, BachblüteWild Rose, BachblüteWillow, Bachblüte

Tab. 2.9-3
Name Symptome im blockierten Zustand Typische Patientenäußerungen Potenzial an innerer Entwicklung
1. Agrimony (Agrimonia eupatoria/Odermennig) Verbergen von quälenden Gedanken und innerer Unruhe hinter einer Fassade von Fröhlichkeit und Sorglosigkeit „Um des lieben Friedens willen mache ich viele Kompromisse.“ Mehr Aufrichtigkeit gegenüber sich und anderen
2. Aspen (Populus tremula/Espe oder Zitterpappel) Unerklärliche, vage Ängstlichkeiten; Vorahnungen; geheime Furcht vor irgendeinem drohenden Unheil „In meiner Kindheit musste die Schlafzimmertür immer offenbleiben, da ich im Dunkeln Angst vom Einschlafen hatte.“ Realistischere Einschätzung seiner sensitiven Veranlagungen und besserer Umgang damit
3. Beech (Fagus sylvatica/Rotbuche) Überkritische und intolerante Haltung; Zeigen von wenig Mitgefühl und Einfühlungsvermögen „Ob ich will oder nicht, die Schwachstellen anderer fallen mir sofort ins Auge!“ Mehr Mitgefühl und Toleranz
4. Centaury (Centaurium umbellatum/Tausendgüldenkraut) Schwäche des eigenen Willens; Unvermögen, nein zu sagen; Überreaktion auf die Wünsche anderer „Ich lasse mich leicht zu etwas überreden, was ich im Grunde gar nicht möchte.“ Abgrenzung, besseres Erkennen und besseres Ausdrücken eigener Bedürfnisse
5. Cerato (Ceratostigma willmottiana/Bleiwurz oder Hornkraut) Zu wenig Vertrauen in die eigene Meinung; ständiges Um-Rat-Fragen anderer „Herr Doktor, was würden Sie denn an meiner Stelle machen?“ Erkennen der eigenen Intuition und Vertrauen darauf, sich seine Meinung bilden und dazu stehen
6. Cherry Plum (Prunus cerasifera/Kirschpflaume) Probleme beim innerlichen Loslassen; Angst vor seelischen Kurzschlusshandlungen und unbeherrschten Temperamentsausbrüchen „In solchen Situationen fürchte ich, die Kontrolle über mich zu verlieren, durchzudrehen, verrückt zu werden.“ Inneres Loslassen, mehr Gelassenheit in spannungsreichen Situationen
7. Chestnut Bud (Aesculus hippocastanum/Knospe der Rosskastanie) Keine echte Verarbeitung von Erfahrungen und Lernen aus ihnen, dadurch wiederholtes Auftreten der gleichen Schwierigkeiten „Ich fahre jedesmal wieder in denselben Urlaubsort, obwohl ich mir jedes Jahr schwöre: das war das letzte Mal!“ Konstruktives Umsetzen von Erfahrungen
8. Chicory (Cichorium intybus/Wegwarte) Besitzergreifende Persönlichkeitshaltung (bewusst oder unbewusst), die sich viel einmischt oder glaubt, manipulieren zu müssen „Kinder: Ich mache meine Hausaufgaben nur, wenn ich dafür morgen nicht zum Turnen muss.“ Spontanere Gefühlszuwendung, besser mit den eigenen Bedürfnissen umgehen
9. Clematis (Clematis vitalba/Weiße Waldrebe) Abschweifende Gedanken, wenig Aufmerksamkeit für das, was um einen herum vorgeht (Tagträumer) „Ich habe ein schlechtes Gedächtnis, verlege oft Dinge. Aus Unachtsamkeit oft blaue Flecken.“ Mehr in der Gegenwart sein, kreative Anlagen praktisch umsetzen
10. Crab Apple (Malus pumila/Holzapfel) Gefühl einer innerlichen oder äußerlichen Beschmutzung, Unreinheit oder Infektion; überstarkes Reinheits- und Ordnungsideal; Detailkrämer (die Reinigungsblüte) „Alles um mich herum muss seine Ordnung haben. Dabei passiert es oft, dass ich mich verzettele und den roten Faden verliere.“ Sinn für übergeordnete Zusammenhänge, ein besseres Verständnis für die eigene Körperlichkeit
11. Elm (Ulmus procera/Ulme) Vorübergehendes Gefühl, seiner Aufgabe oder Verantwortung nicht gewachsen zu sein (das psychologische Riechsalz) „Obwohl ich weiß, dass ich solche Situationen bisher immer gemeistert habe, traue ich es mir jetzt einfach nicht mehr zu.“ Stärkere Unterscheidung zwischen persönlichen Bedürfnissen und der Identifikation mit einer Aufgabe
12. Gentian (Gentiana amarella/Herbstenzian) Skeptisch, zweifelnd, pessimistisch, leicht entmutigt „Zunächst bin ich grundsätzlich skeptisch; man kann gar nicht vorsichtig genug sein!“ Positivere Erwartungshaltung und Lebenseinstellung
13. Gorse (Ulex europaeus/Stechginster) Ohne Hoffnung; Resignation; „Es-hat-doch-keinen-Zweck-mehr“-Gefühle „Was meine Zukunft anbelangt, habe ich ziemlich resigniert. Ich habe alles versucht, aber ohne Erfolg …“ Neue hoffnungsvolle Perspektive in schwierigen bis unabänderlichen Lebenssituationen
14. Heather (Calluna vulgaris/Schottisches Heidekraut) Selbstbezogenheit; Beschäftigung ganz mit sich selbst; braucht Publikum; das bedürftige Kleinkind „Wenn ich über meine Probleme ausführlich reden kann, fühle ich mich gleich besser.“ Aufmerksamkeit von eigener Problematik abwenden, Einfühlungsvermögen, mehr Blick für die Situation des Mitmenschen
15. Holly (Ilex aquifolium/Stechpalme) Gefühlsmäßige Irritation; Eifersucht, Misstrauen, Jähzorn, Hass und Neidgefühle „Wenn ich in meinen positiven Gefühlen enttäuscht werde, schlagen sie schnell ins Gegenteil um.“ Gefühle in neuer Perspektive betrachten, tieferes Verständnis für menschliche Gefühlswelt, Großherzigkeit
16. Honeysuckle (Lonicera caprifolium/Geißblatt, Jelänger-jelieber) Sehnsucht nach Vergangenem; Bedauern über Vergangenes. Wehmutsgefühle. Oder: Unbewusste Weigerung, bestimmte Ereignisse seiner Vergangenheit zu verarbeiten „Ich neige dazu, mit meinem Gedanken viel in vergangenen Zeiten zu verweilen, z. B. als mein Mann noch lebte. Schade, dass diese Zeiten nicht wiederkommen!“ Konstruktive Auseinandersetzung mit seiner eigenen Vergangenheit
17. Hornbeam (Carpinus betulus/Weißbuche oder Hainbuche) Mentale Erschöpfung. Man glaubt, man wäre zu schwach, um die täglichen Pflichten zu bewältigen, schafft es dann aber doch („Montagmorgengefühl“) „Ich stehe morgens müder auf, als ich mich abends hingelegt habe und kann mich zu nichts aufraffen. Ohne Kaffee und Vitamintabletten komme ich nicht in Gang.“ Seelische Spannkraft, geistige Frische; Erkenntnis wichtiger Lebensrhythmen (Spannung/Entspannung)
18. Impatiens (Impatiens glandulifera/Drüsen-tragendes Springkraut) Ungeduldig, leicht gereizt; überschießende Reaktionen „Bei mir muss alles schnell und reibungslos laufen, sonst werde ich sehr ungehalten.“ Geduld und Verständnis für andere Menschentypen
19. Larch (Larix decidua/Lärche) Minderwertigkeitsgefühle; Erwartung von Fehlschlägen durch Mangel an Selbstvertrauen „Ich habe zu wenig Selbstvertrauen und fühle mich anderen von vornherein unterlegen.“ Selbstvertrauen, gesundes Selbstwertgefühl
20. Mimulus (Mimulus guttatus/Gefleckte Gauklerblume) Schüchtern, scheu, furchtsam, zurückhaltend; viele kleine Ängstlichkeiten „Von Haus aus bin ich sehr empfindlich, z. B. gegen Lärm, Kälte und ungehobelte Mitmenschen.“ Persönliche Tapferkeit, besseres Umgehen mit eigener Sensibilität, Hinauswachsen über bestimmte Ängste
21. Mustard (Sinapis arvensis/Wilder Senf) Kommen und Gehen von Perioden tiefer Traurigkeit ohne erkennbare Ursache „Ich fühle mich vollkommen blockiert, vom normalen Leben abgetrennt, ohne zu wissen, warum.“ Heitere Gelassenheit, Seelengröße
22. Oak (Quercus robur/Eiche) Niedergeschlagener und erschöpfter Kämpfer, der trotzdem tapfer weitermacht und nie aufgibt „Ich sage mir fast täglich: Schlappmachen gilt nicht.“ Erkennen und Akzeptieren der eigenen Leistungsgrenze
23. Olive (Olea europaea/Olive) Körperlich und seelisch ausgelaugt und erschöpft: Alles ist zu viel! „Auch zu Dingen, die mir eigentlich Spaß machen, kann ich mich nicht mehr aufraffen.“ Stärkung, Erholung, sorgfältigeres Umgehen mit der Lebensenergie
24. Pine (Pinus sylvestris/Schottische Kiefer) Vorwurfsgefühl, Schuldgefühle, bedrücktes Lebensgefühl „Ich neige dazu, mich für die Fehler anderer mitverantwortlich zu fühlen.“ Realistisches Gefühl für Verantwortlichkeiten, sich so annehmen können, wie man ist
25. Red Chestnut (Aesculus carnea/Rote Kastanie) Mehr Sorgen um das Wohlergehen anderer als um das eigene; zu starke innere Verbundenheit mit einer nahestehenden Person auf physischer oder geistiger Ebene „Wenn mein Mann abends später nach Hause kommt, denke ich gleich, es ist ihm etwas Schlimmes zugestoßen.“ Wahrung und Abgrenzung der eigenen Persönlichkeit
26. Rock Rose (Helianthemum nummularium/Gelbes Sonnenröschen) Innere Panik, wird von Angstgefühlen vorübergehend überrannt; verliert den Überblick „Ich gerate häufig in panische Zustände und bekomme dann feuchte Hände, Atembeschwerden, Herzklopfen oder Durchfall.“ Besseres Umgehen mit der eigenen nervlichen Konstitution
27. Rock Water (Wasser aus heilkräftigen Quellen) Zu hart zu sich selbst, hat strenge oder starre Ansichten, unterdrückt vitale Bedürfnisse „Ich bin sehr streng mit mir und ertappe mich laufend dabei, mir irgendetwas zu verbieten.“ Innerliches Lockerlassen, sich die eigenen vitalen Bedürfnisse zugestehen, innere Freiheit
28. Scleranthus (Scleranthus annuus/Einjähriger Knäuel) Unschlüssig, sprunghaft, innerlich unausgeglichen; Meinungen und Stimmungen wechseln von einem Moment zum anderen „Ich bin gedanklich zwischen zwei Möglichkeiten hin- und hergerissen, möchte die Entscheidung aber allein finden.“ Innere Ausgeglichenheit und Entscheidungskraft, Standfestigkeit
29. Star of Bethlehem (Ornithogalum umbellatum/Doldiger Milchstern) Nichtverkraften einer seelischen oder körperlichen Erschütterung; der Seelentröster „Unschöne Erlebnisse und Gefühle klingen noch lange in mir nach, ich werde sie innerlich schwer wieder los.“ Bessere Erlebnisverarbeitung, innere Kraft
30. Sweet Chestnut (Castanea sativa/Esskastanie oder Edelkastanie) Innere Ausweglosigkeit. Glauben, dass die Grenze dessen, was ein Mensch ertragen kann, nun erreicht sei „Meine Lage ist ausweglos. Ich weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll!“ Selbstfindung, Erkenntnis des „Willens über uns“, innere Bereitschaft zur seelischen Wandlung
31. Vervain (Verbena officinalis/Eisenkraut) Raubbau an seinen Kräften im Übereifer, sich für eine gute Sache einzusetzen; reizbar bis fanatisch „Manchmal bin ich so unter Spannung, dass ich beim Schreiben den Bleistift abbreche.“ Gezielterer Umgang mit eigenen positiven Energien
32. Vine (Vitis vinifera/Weinrebe) Sturheit, ehrgeizig, dominierend (der kleine Tyrann) „Ich habe Probleme, wenn es ums Befehlen und Gehorchen geht, darum kracht es immer wieder zwischen meinem Chef und mir.“ Innere Großmut; Herz, anstelle von Kopfdenken. Unterscheidung zwischen gesundem und ungesundem Ehrgeiz
33. Walnut (Juglans regia/Walnuss) Lässt sich verunsichern; Beeinflussbarkeit und Wankelmut während entscheidender Neubeginnphasen im Leben. Die Blüte, die den Durchbruch schafft „Ich fühle innerlich, dass etwas ganz Neues auf mich zukommt, weiß aber noch nicht, was.“ Charakterstärke, bessere Adaption in biologischen und psychologischen Veränderungssituationen
34. Water Violet (Hottonia palustris/Sumpfwasserfeder) Innerliches Zurückziehen; isoliertes Überlegenheitsgefühl „Fast immer versuche ich, allein zurechtzukommen, anstatt andere um Hilfe zu bitten.“ „Miteinandergefühl“, leichtere Kommunikation mit den Mitmenschen
35. White Chestnut (Aesculus hippocastaum/Weiße Rosskastanie) Unaufhörliches Kreisen bestimmter Gedanken im Kopf, innere Selbstgespräche und Dialoge „Mich verfolgen immer wieder die gleichen Gedanken und Bilder, aber ich kann sie nicht abstellen.“ Geistige Ruhe, Gedankenklarheit
36. Wild Oat (Bromus ramosus/Waldtrespe) Unklare Zielvorstellungen; innerliche Unzufriedenheit, weil man seine Lebensaufgabe nicht findet „Ich sehe so viele Möglichkeiten vor mir, dass ich mich für nichts entscheiden kann und mich innerlich zersplittere.“ Zielstrebigkeit, Klarheit in den Zielvorstellungen, innere Konsequenz
37. Wild Rose (Rosa canina/Heckenrose) Apathie, Teilnahmslosigkeit; innere Kapitulation „Ich fühle mich immer matt und habe an nichts mehr Freude.“ Lebensfreude; neue positive Lebensmotivation
38. Willow (Salix vitellina/Gelbe Weide) Verbitterung, Groll; fühlt sich als Opfer des Schicksals „Mir hat das Leben vieles vorenthalten, das finde ich ungerecht.“ Konstruktives Denken, Eigenverantwortlichkeit

Charakterisierung der Dosierung der Physiotherapie des A- und B-Typs nach Lampert (traditionelle Einteilung in Anlehnung an May).KonstitutionA-Typ nach LampertKonstitutionB-Typ nach Lampert

Tab. 2.10-1
A-Typ nach Lampert B-Typ nach Lampert
Konstitutionstyp (nach Kretschmer) Astheniker (mikrokinetisch) Pykniker und Athletiker (makrokinetisch)
Vegetativer NS-Tonus Trophotropie (= Vagotoniker) Ergotropie (= Sympathikotoniker)
Reizdauer Länger Kürzer
Reizbeantwortung Lang und anhaltend Kürzer, rasch und kräftig
Reaktion bei Erkrankung
  • Vasokonstriktionsneigung an den Akren

  • Oftmals kalte Hände und Füße

Hydrotherapie Schlechte Verträglichkeit von Kaltreizen
  • Athletiker: gute Verträglichkeit von Kneipp-Güssen, kalten Bädern. Bedürfnis nach Abkühlung und Schwitzen.

  • Pykniker: heiße Anwendungen

Neigung zu
  • Schwächezuständen

  • Schwachem Bindegewebe, häufig Varizen

  • Infekt-Abwehrschwäche

  • Athletiker: Entzündungen, Hauterkrankungen, Gelenk- und Muskelrheuma, Neuralgien

  • Pykniker: Herzinfarkt, Apoplexie, RR↑, Diabetes

Ziel der Maßnahmen Tonisierung Detonisierung
Bewegungstherapie Leicht Kräftig (Athletiker), weniger Bewegung (Pykniker)
Massagen Leicht Kräftig
Bäder und Peloide Warm Heiß
Elektrotherapie Tonisierend dosiert Kräftig dosiert
Reaktion bei Überforderung des Reaktionsvermögens Kreislaufkollaps durch arterielle Hypotonie, venöse Rückstauung Hypertonie und Tachykardie (Arrhythmie)

Krankengymnastische Anwendungen.KrankengymnastikAnwendungen

Tab. 2.11-1
Elemente der Krankengymnastik Indikationen
Lagerung Gestaute Extremitäten, Schmerzen, zähes Bronchialsekret (leichteres Abhusten), Dehnung geschrumpfter Weichteile
Aktive Bewegungen Erkrankungen einzelner Gelenke. Atrophie der Muskulatur und bei Lähmungen. Störungen der Extremitätendurchblutung
Isometrisches Muskeltraining Zuwachs an Muskelkraft
Passive Bewegungen Muskellähmungen, Querschnittslähmung, beginnende Kontraktur bei rheumatischer Arthritis
Reflexbewegungen Geschwächter Muskel
Körpertastarbeit Entspannungstherapie, Stereotypschulung und Atemtherapie
Entspannungsmethoden Statische und dynamische Fehlbeanspruchung des Bewegungsapparates; Funktionsstörungen der Atemwege
Komplexbewegungen (nach Kabat und Knott) mit Prinzip der „propriorezeptiven Fazilitation“ (= PNF) Übung von Bewegungsmustern des täglichen Gebrauchs bei abgeschwächter und gelähmter Muskulatur
Unterwasserbewegungsübungen Spondylitis ankylosans, Arthrosen der großen Gelenke, Z. n. Endoprothesen-OP, neurologische Erkrankungen (Paresen, progressive Muskeldystrophie)

Krankengymnastik-Techniken (M = mobilisierend, S = stabilisierend, D = detonisierend, K = koordinierend) – verändert nach Hiemeyer 2002. KrankengymnastikTechniken

Tab. 2.11-2
Methode Prinzip Wirkung Indikationen
Bobath Gespeicherte Bewegungsmuster werden über Hemmung und Bahnung stimuliert M, S Zerebrale Bewegungsstörung jeden Alters, neurologische und neuro-muskuläre Erkrankungen
PNF = propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation (n. Kabat) Über propriozeptive Reize werden komplexe Bewegungsmuster (Pattern) ausgelöst M, S, D, K Paresen, Muskelschwäche, Koordinationsstörungen, wenn Bewegungstherapie indiziert ist
Vojta Auslösen von Urreflexen (Reflexkriechen, -umdrehen), Abrufen physiologischer Bewegungsmuster K Zerebrale Bewegungsstörungen im Säuglingsalter, Störungen im neuromuskulären Gefüge, wenn Verbindung von ZNS zur Peripherie vorhanden
Cyriax Mobilisierungstechniken der Manuellen Therapie und Quermassagen werden eingesetzt M, D Chron. Gelenk- und WS-Beschwerden
Maitland Mobilisation der Gelenke von Extremitäten und WS M, D Chron. Gelenk- und WS-Beschwerden
McKenzie WS-Mobilisationen M Chron. WS-Beschwerden
Brügger Physiologische Bewegungsmuster werden erarbeitet, zur Durchsetzung der aufrechten Körperhaltung M, S, D, K Bei „nozizeptivem somatomotorischem Blockierungseffekt“, Tendomyosen bei Gelenkblockierungen, arthrotischen, traumatischen Veränderungen; Haltungs- und Bewegungsstörungen
Brunkow (Stemm-übungen) „Tonusregulation durch Co-Kontraktion“; statische Spannungsübungen zur Muskelkräftigung S Haltungsaufbau, Stimulation der tiefen Rückenstrecker, Z. n. Bandscheibenvorfall und-operation
Janda = sensomotorische Fazilitation (SMF) = Kurzfußtechnik S Haltungsaufbau, Stimulation der autochthonen Rückenmuskulatur, gut für Selbstübungen

Die Hauptindikationen der 12 Biochemie nach SchüßlerFunktionsmittelFunktionsmittel (die Modalitäten sind nach Schüßler überliefert und decken sich nur teilweise mit den in der Homöopathie beschriebenen Modalitäten). ArzneimittelBiochemieCalcium fluoratumCalcium phosphoricumFerrum phosphoricumKalium chloratumKalium phosphoricumKalium sulfuricumMagnesium phosphoricumNatrium chloratumNatrium phosphoricumNatrium sulfuricumSiliceaCalcium sulfuricum

Tab. 2.12-1
Nr. Bezeichnung Vorkommen Funktion Indikation Modalitäten
1 Calcium fluoratum Haut, Zahnschmelz, Knochen, elastisches Bindegewebe Tonus, Elastizität, Struktur Bindegewebsschwäche, Hämorrhoiden, Venenleiden, Gelenkbeschwerden, Knochen- und Zahnerkrankungen, Karies, Überbeine, Hautschrunden, Osteoporose < Wärme
2 Calcium phosphoricum Alle Körperzellen, v. a. Knochen Stabilität Blutarmut, Rekonvaleszenz, Osteoporose, Schulkopfschmerz < Schmerzen nachts oder in Ruhe
3 Ferrum phosphoricum Blut, Muskeln, Darm Sauerstofftransport Entzündliche und fieberhafte Prozesse im Anfangsstadium, plötzlich auftretende Erkrankungen, Blutarmut > Bewegung
4 Kalium chloratum Fast alle Körperzellen, Drüsen, Beziehung zum Bindegewebe Entgiftung Bei fibrinösen Entzündungen; folgt auf Ferrum phosphoricum < Schmerzen bei Bewegung
5 Kalium phosphoricum Gehirn, Nerven, Muskel, Blut, Lymphe Energie Erschöpfungszustände, Nervenschwäche, Kräfteverfall < Schmerzen bei Bewegung
6 Kalium sulfuricum Haut, Muskeln, Drüsen Abbau Entzündung bei gelblich-schleimiger Sekretion, chron. Schleimhautkatarrhe
  • < Aufenthalt in geschlossenen oder warmen Räumen

  • > im Freien oder in kühler Luft

7 Magnesium phosphoricum Muskeln, Blut, Nerven, Gehirn, Rückenmark, Knochen und Zähne Antrieb Krämpfe aller Art, Koliken und Schmerzen, Migräne, Neuralgien
  • < Berührung

  • > Bewegung, Druck, Wärme

8 Natrium chloratum Körperflüssigkeiten, reguliert die Wasseraufnahme und -abgabe der Zellen Flüssigkeitsregulation Gestörter Säure-Basen- und Wasserhaushalt, Abmagerung, Schleimhautkatarrhe mit wässrigen Absonderungen, rheumatische Beschwerden Nach Schüßler nicht überliefert
9 Natrium phosphoricum Blut, Muskeln, Nerven- und Gehirnzellen, Lymphe Entsäuerung Magenübersäuerung, Neigung zu Rheuma und Gicht, Ischiasbeschwerden, Drüsenschwellungen Nach Schüßler nicht überliefert
10 Natrium sulfuricum Leber, Galle Ausscheidung von Stoffwechselschlacken Störungen der Ausscheidungsorgane, Neigung zu Fettleibigkeit und Leberleiden, Hautausschläge, alte Wunden
  • < feuchtes Wetter, Gewässernähe

  • > trockenes Wetter, trockene Räume

11 Silicea Bindegewebe, Haut und Schleimhaut, Haare, Nägel, Knochen und Nerven Festigkeit Akute und chron. Entzündungen, Eiterungen, Bindegewebsschwäche, Erkrankungen der Nägel und Haare Nach Schüßler nicht überliefert
12 Calcium sulfuricum Leber, Galle Reinigung Abszesse, Furunkel, Karbunkel, Bindehautentzündung, Kieferhöhlenbeschwerden
  • < Feuchtigkeit, warme Räume, Zugluft

  • > trockene Luft, im Freien

Hauptindikationen der 12 Ergänzungsmittel – Mittel und Modalitäten gehen auf die Nachfolger von Schüßler zurück. Biochemie nach SchüßlerErgänzungsmittelKalium arsenicosumKalium bromatumKalium jodatumLithium chloratumManganum sulfuricum

Tab. 2.12-2
Nr. Bezeichnung Indikation Modalitäten
13 Kalium arsenicosum Chron. Hauterkrankungen, Nervenerkrankungen, Anämie, Schwäche, Abmagerung, Durchfall
  • < Kälte, abends, Mitternacht, feuchte Witterung

14 Kalium bromatum Nervenkrankheiten, Schlafstörungen, Haut- und Schleimhauterkrankungen
  • < Ruhe

  • > Bewegung

15 Kalium jodatum Schilddrüsenerkrankungen, unterstützend bei hartnäckigen, chron. Krankheiten
  • < Kälte, Nässe, nachts

  • > feuchtheißes Wetter, Bewegung, frische Luft

16 Lithium chloratum Rheumatische Beschwerden, psychische Erkrankungen
  • < morgens

  • > nach dem Aufstehen, Bewegung

17 Manganum sulfuricum Erschöpfung, Depression, Allergien, Arthrose, Arthritis
  • < geschlosse Räume, Erregung nachts

18 Calcium sulfuratum Entzündungen, Eiterungen, allergische Erkrankungen, Schwermetallausleitung
  • < Luftzug, kalter, trockener Wind

  • > Wärme

19 Cuprum arsenicosum Abwehrschwäche, Anämie, Osteoporose, Krämpfe
  • < nachts, Kälte, prämenstruell

  • > Trinken kalten Wassers, Schwitzen

20 Kalium aluminium sulfuricum Blutungen, Schwitzen, Schwindel, Entzündungen, Konzentrationsschwäche
  • < Bettwärme, geschlossene Räume, nach dem Essen

  • > frische Luft

21 Zincum chloratum Abwehrschwäche, Neuralgie, Kopfschmerzen, gestörtes Haar- und Nagelwachstum, Wundheilungsstörungen
  • < Berührung, Wein, nach dem Essen, perimenstruell

  • > laute Geräusche

22 Calcium carbonicum Hahnemanni Neurodermitis, Ekzeme, Infektanfälligkeit, Krämpfe, Erschöpfung, Dysmenorrhö
  • < Anstrengung, feuchte Kälte

  • > trockenes Wetter, Ruhe

23 Natrium bicarbonicum Hautentzündungen, Akne, Gicht, Sodbrennen, Völlegefühl, Meteorismus
  • < Hitze, Gewitter, Sitzen, Zugluft, geistige Anstrengung

  • > Bewegung

24 Arsenicum jodatum Schilddrüsenstörungen, Schwäche, Abmagerung, chron. Entzündungen Reinigung

Das Prinzip der vegetativen Gesamtumschaltung nach Ferdinand Hoff.vegetative Gesamtumschaltung

Tab. 2.15-1
1. Phase: Übergewicht des Sympathikus (Aktivierung der Immunmodulation) 2. Phase: Übergewicht des Parasympathikus (Heilungstendenz)
↑ Leukozyten ↓ Leukozyten
Myeloische Tendenz Lymphatische Tendenz
↓ Eosinophile ↑ Eosinophile
↑ Retikulozyten ↓ Retikulozyten
↓ Alkalireserve (Azidose) ↑ Alkalireserve
↑ Gesamtstoffwechsel ↓ Gesamtstoffwechsel
↑ Serumeiweiß ↓ Serumeiweiß
↓ Albumin-/Globulin-Quotienten ↑ Albumin-/Globulin-Quotienten
↑ Blutzucker ↓ Blutzucker
↓ Blutfette ↑ Blutfette
↓ Blutcholesterin ↑ Blutcholesterin
↑ Blutketonkörper ↓ Blutketonkörper
↑ Serumkreatinin ↓ Serumkreatinin
↑ Stoffwechsel und Aktivität der einzelnen neutrophilen Zellen ↓ Stoffwechsel und Aktivität der einzelnen neutrophilen Zellen
↓ Kalium-/Kalzium-Quotient ↑ Kalium-/Kalzium-Quotient
↓ Properdin ↑ Properdin
↑ Fibrinolytische Aktivität ↓ Fibrinolytische Aktivität
↓ Plasmaeisen ↑ Plasmaeisen
↑ Plasmakupfer ↓ Plasmakupfer

Wirkungsweise der Eigenblutinjektion.

Tab. 2.15-2
Lokale Reaktion Allgemeine Reaktion
  • Rubor, Calor, Tumor, Dolor

  • Steigerung der Oxidationsvorgänge

  • Anreicherung von Entzündungsmolekülen

  • Störung der Gewebsisotonie

  • Elektrolytverschiebung

  • Gewebsazidose durch erhöhten Gärungsstoffwechsel

  • Leukozytose

  • Stoffwechselsteigerung

  • Auslösung von Immunreaktionen

  • Antikörperbildung

  • Temperaturerhöhung

  • Auftreten subjektiver Erscheinungen

Die Formen der Elektrotherapie ergeben sich aus der Frequenz.ElektrotherapieFormen

Tab. 2.17-1
Formen der Elektrotherapie Frequenz
Galvanisation 0 Hz
Niederfrequenztherapie 1–1 000 Hz
Mittelfrequenztherapie 1 000–100 000 Hz
Hochfrequenztherapie > 100 000 Hz (Kurzwelle: 27,12 MHZ, Eindringtiefe über 20 cm, Dezimeterwelle: 434 MHz, Mikrowelle: 2450 MHz, nur wenige cm Eindringtiefe)
(Ultraschall) (≥ 800 000 Hz (0,8 bis 3 MHz))

Indikationen und Kontraindikationen der Galvanisationsverfahren.ZellenbadQuerdurchflutungLängsdurchflutungIontophoresehydroelektrisches VollbadGalvanisationIndikationenLängsdurchflutungQuerdurchflutungZellenbäderStangerbadIontophorese

Tab. 2.17-2
Galvanisationsverfahren Indikationen Kontraindikationen
Längsdurchflutung Radikulär-Syndrom, Pseudo-Radikulär-Syndrom, Neuralgien und Ischialgien Metallische Implantate dürfen nicht im Stromfluss sein, Herzschrittmacher gelten auch als Kontraindikation
Querdurchflutung Arthralgien, Arthrosen, Schultersteife, rheumatoide Arthritis, Neuralgien, chron. Hautulzera, Ulcus cruris (stabile Galvanisation mit niedriger Stromstärke evtl. über mehrere Stunden tgl.) Metallische Implantate umgehen, Herzschrittmacher im Behandlungsgebiet als Kontraindikation
Zellenbäder Periphere arterielle Durchblutungsstörungen, spastische Paresen, Neuralgien Radikulärsyndrome Herzschrittmacherträger, größere Hautdefekte bei Verletzungen, metallische Implantate
Hydroelektrisches Vollbad (Stangerbad) Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises (rheumatoide Arthritis, Bechterew), Radikulärsyndrome. Periphere Durchblutungsstörungen, Mb. Sudeck, Polyneuropathien, Myalgien. Schlaffe Paresen. Posttraumatische Zustände, Osteoporose Fieberhafte Zustände, Herz-Kreislauf-Dekompensation, Herzschrittmacher, Emboliegefahr, Hautentzündungen
Iontophorese
  • 1–2-prozentiges Natr. salicylic. (von Kathode)

  • 0,1-prozentiges Histamin (von Anode)

  • Hyaluronidase (von Anode)

  • 1-prozentiges Procain (von Anode)

  • Diclofenac (von Kathode)

Rheumatoide Arthritis, periphere Durchblutungsstörungen, Dupuytren-Kontraktur hyperalgetische Zonen, Herpes zoster Wie bei Galvanisation allgemein

Temperaturverteilungsspektrum der drei Hochfrequenz-Diathermieverfahren.Diathermieverfahren

Tab. 2.17-3
Diathermieverfahren Haut/Unterhaut Fettgewebe Muskulatur Tiefere Gewebe
Kurzwelle
Kondensatorfeld +++ + (+)
Spulenfeld + ++
Dezimeterwelle
Distanzstrahler + +
Muldenapplikator + + +
Mikrowelle
Distanzstrahler + +
Vaginalstrahler +

(+) bedingt günstig, + günstig, + +/+ + + sehr günstig, − eher ungünstig

Herkunft und naturheilkundlicher Einsatz wichtiger Enzyme. α-AmylaseBromelainChymotrypsinPankreatinPapainStreptokinaseTrypsin

Tab. 2.19-1
Enzym Herkunft Indikationen
α-Amylase Isolierung aus Bacillus subtilis Digestivum und Adjuvans bei der Wundheilung
Bromelain Ananas comosus (= A. sativus)
  • Akute Sinusitiden

  • Operativ bedingte Traumata

  • Sportverletzungen

  • Komplementär bei Krebserkrankungen

Chymotrypsin Rinderpankreas
  • Früher zur Katarakt-OP, Hämorrhagien am Auge

  • Nach Dentalextraktionen, Episiotomien

  • Entzündungen

  • Pankreasstörungen

Muramidase (Lysozym) Mukopolysaccharide aus Hühnerklar
  • Chron. Entzündungen, virale und bakterielle Infektionen, unspezifischer Rückenschmerz

  • Herpes zoster

Pankreatin Schweine- oder Rinderpankreas
  • Pankreasstörungen, Pankreasinsuffizienz

  • Zystische Fibrose

  • Steatorrhö

  • Malabsorption

Papain Saft der unreifen Früchte des Melonenbaumes (Carica papaya)
  • Narbenbildung im Corneabereich, in Kombination mit Trypsin u. a. Enzymen bei Autoimmunerkrankungen.

  • Kerne in Entwicklungsländern als Entwurmungsmittel genutzt

Streptokinase /Streptodornase Streptokokken
  • Lokale Ulkus- und Wundbehandlung

  • Therapie von Hämatomen, Panarthritiden, Quetschungen sowie traumatischen Ödemen

Trypsin Rinder- oder Schweinepankreas
  • Früher zur Lyse koagulierten Bluts, Auflösung von Exsudaten und nekrotischem Gewebe, z. B. in der Ulkus- und Wundtherapie

  • In Kombination mit Chymotrypsin bei Entzündungen

  • Pankreasstörungen (z. B. enthält Kreon auch Trypsin und Chymotrypsin)

Tägliche Energie- und Nährstoffaufnahme sowie Zufuhrempfehlungen für Männer [≥ 19 Jahre] (Max Rubner-Institut [MRI] 2008, DACH 2015). Eine unsichere Bedarfsdeckung besteht bei Vitamin D, Vitamin E, Jod und Folat sowie bei bestimmten Altersgruppen für Kalzium, Magnesium, Zink und Vitamin C.

Tab. 2.20-1a
Energie und Nährstoffe Durchschnittliche Aufnahme, g/d (MRI 2008) Empfohlene Zufuhr, g/d (DACH 2015)
Nahrungsenergie (kcal/d) 2413 2650
Protein 85 57
Fett 92 90
Kohlenhydrate 270 ≥ 400
Alkohol 9
Ballaststoffe 25 ≥ 30

Tägliche Energie- und Nährstoffaufnahme sowie Zufuhrempfehlungen für Frauen [≥ 19 Jahre] (Max Rubner-Institut [2008*], DACH 2015). Eine unsichere Bedarfsdeckung besteht bei Vitamin D, Vitamin E, Jod und Folat sowie bei bestimmten Altersgruppen für Kalzium, Eisen, Jod, Magnesium, Vitamin B1 und Vitamin C.

Tab. 2.20-1b
Energie und Nährstoffe Durchschnittliche Aufnahme, g/d (MRI 2008) Empfohlene Zufuhr, g/d (DACH 2015)
Nahrungsenergie (kcal/d) 1833 2300
Protein 64 48
Fett 68 75
Kohlenhydrate 220 ≥ 300
Alkohol 2
Ballaststoffe 23 ≥ 30

Vorkommen und Wirkungen ausgewählter sekundärer Pflanzenstoffe.CarotinoidePhytosterineSaponineGlukosinolateProtease-InhibitorenPhytoöstrogeneSulfidePhytinsäure

[modifiziert nach Watzl und Leitzmann]

Tab. 2.20-2
Sekundäre Pflanzenstoffe Vorkommen Wirkungen
A B C D E F G H I
Carotinoide Tief dunkelgrünes Gemüse, rotes und gelbes Gemüse und Obst
Phytosterine Fettreiche Pflanzenteile (Ölsaaten, Nüsse, Öle); auch in Getreide, Gemüse, Obst
Saponine Hülsenfrüchte (Soja!), einige Gemüsesorten, Hafer
Glukosinolate (v. a. in Kreuzblütlern) Gartenkresse, Kohlrabi, Rosenkohl, Brokkoli, Rotkohl
Flavonoide Gemüse, Obst, Getreide
Phenolsäuren Kohlsorten, Radieschen, Weizenprodukte
Protease-Inhibitoren Hülsenfrüchte, Nüsse, Getreide
Monoterpene (v. a. in Pflanzen mit ätherischen Ölen) Kümmel, Zitrusfrüchte, Pfefferminze, Muskat, Anis, Pfeffer, Sellerie
Phytoöstrogene
  • Lignane, v. a. in Vollkornprodukten (Leinsamen, Weizen, Gerste, Sesam)

  • Isoflavonoide v. a. in Sojabohnen und -produkten

Sulfide
  • Senföle in Senf, Zwiebeln, Meerrettich und Knoblauch

  • Allizin in Knoblauch

  • Indole in Kohlarten und Zwiebeln

  • Limonen in Zitrusfrüchten

  • Karvon in Kümmel

Phytinsäure (v. a. in Randschichten von Getreide) Mais, Soja, Weizen- und Gerstekleie

A = antikanzerogen, B = antimikrobiell, C = antioxidativ, D = antithrombotisch, E = Immunmodulation, F = entzündungshemmend, G = blutdruckbeeinflussend, H = cholesterinsenkend, I = blutglukosebeeinflussend

Beispiele der Inhaltsstoffe von herkömmlicher Kost und Vollwertkost (pro Tag). Der Begriff „Vollwertkost“ ist gleichbedeutend mit „Vollwert-Ernährung“. Die Bezeichnung „vollwertige Kost“ kann das Gleiche bedeuten, wird aber von anderen Stellen wie der DGE anders definiert (mit jeder Mahlzeit sollten alle essenziellen Nährstoffe zugeführt werden).

Tab. 2.20-3
Energie Fett MuF Chol Protein KH Ballast-stoffe Na K Ca
Einheit Kcal g g mg g g g mg mg mg
Herkömmliche Kost 1900–2000 110 7 380 90 135 20 3200 1600 750
Vollwertkost 1900–2000 110 15 260 55 160 35 2000 4400 1000

MuF = Mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Chol = Cholesterin, KH = Kohlenhydrate

Komponenten der Hay-Trennkost.

Tab. 2.20-4
Konzentriert proteinhaltige Lebensmittel Fleisch, Fisch, Geflügel, Eiklar, Sojamehl, Milch, Käse bis 55% Fett i.Tr.
Saures Obst Beerenobst, Zitrusfrüchte, Stein- und Kernobst, Korinthen, Kiwi, Ananas, Melonen
Konzentriert kohlenhydrathaltige Lebensmittel Vollkorngetreide, -mehl, -nudeln und -brot, Naturreis, Kartoffeln, Topinambur, Grünkohl, Schwarzwurzeln, Honig, Trockenfrüchte (Datteln, Feigen, Rosinen u. a.), Bananen, Rüben- und Ahornsirup, Apfel- und Birnen-Dicksaft
Neutrale Lebensmittel pflanzliche Öle und Fette, Butter, Sahne, Quark, gesäuerte Milchprodukte, Käse > 55% Fett i.Tr., Eigelb, reife Oliven, die meisten Gemüsesorten, rohe Tomaten, Heidelbeeren, Nüsse außer Erdnüssen und Kastanien, Vollmeersalz, milde Gewürze, Kräuter

Indikationen und Kontraindikationen des Fastens.

Tab. 2.23-1
Indikationen Kontraindikationen
  • Adipositas

  • Typ-2-Diabetes

  • Hyperurikämie

  • Hyperlipidämien

  • Chron. Hepatopathien (Fettleber, chron. Hepatitis)

  • Hypertonie

  • Arterielle Durchblutungsstörungen (koronar, zerebral oder peripher)

  • Venöse Durchblutungsstörungen (z. B. Ulcus cruris)

  • Degenerative Gelenkerkrankungen

  • Entzündliche Gelenkerkrankungen

  • Hauterkrankungen (z. B. Akne, Psoriasis, Neurodermitis)

  • Asthma bronchiale

  • Pollinosis

  • Chron. Obstipation

  • Chron. Enterokolitiden (M. Crohn, Colitis ulcerosa)

  • Tuberkulose

  • Krebs (Ausnahme: Kurzzeitfasten von 48–96 h begleitend zur Chemotherapie)

  • Z. n. anderen schweren Erkrankungen oder Operationen

  • Antikoagulation

  • Psychosen

  • Schwere Depression

  • Bulimie, Anorexie

  • Thyreotoxikose

  • Leberzirrhose

  • Kardiomyopathie

  • Z. n. Myokarditis

  • Florides Ulcus ventriculi oder duodeni

  • Mangelnde Einsichtsfähigkeit in notwendige Maßnahmen während des Fastens (intellektuell, zerebral oder charakterlich bedingt)

  • Schwangere und Stillende

  • Kinder vor Abschluss der Wachstumsreife

  • Typ-1- und Typ-2-Diabetes, wenn die Insulineigenproduktion erschöpft ist (Fasten ist nur mit gleichzeitiger geringer Insulingabe und unter Aufsicht eines sehr erfahrenen Arztes [Fasten und Diabetes mellitus] möglich)

Wirkungen und Anwendungsgebiete für ausgesuchte Heilpilze.

Tab. 2.24-1
Antioxidativ Antibakteriell Entzündungs-hemmung Kompl. Onkologie Antiviral Blutdrucksenkung Candida Hemmung
Agaricus x x
Cordyceps x x x x x
Ganoderma lucidum x x x x x x x
Grifola fondosa x x x x x
Lentinula x x x x x
Hericium x x x
Pleurotus umbellatus x x x x

Homöopathische Darreichungsformen.

Tab. 2.26-1
Darreichungsform Abkürzung Übliche Verordnung Übliche Einzeldosis
Dilutio = Lösung Dil. D, C, LM 5 Tr. (3–10)
Tabuletta = Tablette Tbl. D, C 1 Tbl.
Trituratio = Verreibung Trit. D 1 Msp.
Globulus = Kügelchen Glob. D, C, LM 5 Glob. (3–7)

Pflanzliche Badezusätze. BäderBadezusätze

(nach Krauß)

Tab. 2.28-1
Badezusatz Zubereitung und Dosierung Pharmakologische Eigenschaften Anwendungsformen Gebräuchlichste Indikationen
Arnika (Arnica montana) Vollbad: (250 l) 2–4 EL Arnika Badeextrakt, für Umschläge: 1–3 EL Tinct. Arnicae auf 1 l Wasser Resorptionsfördernd, schmerzlindernd Vollbad, Teilbäder, Wickel, Einreibungen Stumpfe und scharfe Verletzungen, Hämatome, subakute Verlaufsformen des Rheumatismus, Extremitätenbeschwerden nach Überanstrengung
Baldrian (Valeriana officinalis) Meist fertige Badeextrakte Sedative Wirkung Meist als Vollbad Schlaflosigkeit, Hyperthyreose, nervöse Unruhe
Eichenrinde (Cortex quercus) Vollbad (250 l) – traditionelle Zubereitung: 1–3 kg Eichenrinde mit 5 l Wasser ansetzen, ½ h kochen, abgießen und zusetzen. Teilbäder entsprechend weniger Gerbsäurehaltig, adstringierende Wirkung Vollbad, Teilbäder Nässende Ekzeme, Analekzem, Verbrennungen, Vulvitis; insgesamt eher schlecht praktikabel
Fichtennadel (Pinus silvestris) Vollbad: 150 g Extr. Pinus silvestris Enthält ätherische Öle, u. a. Terpentin wirkt beruhigend, sekretionsfördernd, desodorierend Vollbäder, seltener Teilbäder Vegetative Dystonie, Klimakterische Beschwerden, Katarrh der oberen Luftwege
Heublumen (Semina graminis) Vollbad: 1–1,5 kg Heublumen in 5 l kaltem Wasser ansetzen, ½ h kochen, durchseihen, dem Bad zusetzen oder 150 g Badeextrakt Ätherische Öle; hyperämisierend, spasmolytisch Voll- und Teilbäder, Wickel, Auflagen (Heusack) Weichteilrheumatische Beschwerden, Arthritis, chron. Bronchitis
Kalmus (Acorus calamus) Vollbad: 250 g Rhiz. Calami in 3 l Wasser kalt ansetzen und aufkochen, durchgesiebt dem Bad zusetzen Enthält ätherische Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Terpene; stark hyperämisierend Vollbad, Kinderbad Rachitis, konstitutionelle Unterentwicklung
Kamille (Matricaria chamomilla) Vollbad: Aufguss aus 0,5–1 kg Chamomillae flores mit 5 l kochendem Wasser übergießen, 30 Min ausziehen, absieben und zusetzen.
Teilbäder: entsprechend weniger oder Kamillen-Badeextrakt
Ätherische Öle, Glukoside; entzündungs- und fäulniswidrig, desodorierend Spülung von Körperhöhlen (Darmbad, Schleimhautpflege), Tränkung von Wickeltüchern Akute, nässende Ekzeme (Cave: Allergie), früher auch bei eitrigen Wunden, v.a. bei Höhlenwunden, Ulcus cruris, Fisteln
Kastanie (Aesculus hippocastanum) Vollbad: 0,5–1 kg gemahlene Rosskastanie mit 5 l kaltem Wasser ansetzen und 30 Min. kochen, abgießen, dem Bad zusetzen oder Kastanien-Badeextrakt Reich an Saponinen, Gerb- und Bitterstoffen; erhöht die Kapillarresistenz; Thrombinhemmung Voll- und Teilbäder, Umschläge Weichteil- und Gelenkrheumatismus, Neuralgie, Pruritis, periphere Durchblutungsstörungen
Lavendel (Lavandula officinalis) 1–2 EL Badeextrakt Sedativum, leicht hautreizend, desodorierend Vollbad, Waschungen Klimakterische Beschwerden, neurozirkulatorische Dystonie
Lohtannin-Bad Vollbad: 1 kg Gerberlohe (Eichenrinde, Fichtenrinde) mit 5 l Wasser 30 Min. kochen, Abguss dem Bad zusetzen oder Badeextrakt Stark gerbstoffhaltig Vollbad, Sitzbad Fibromyalgie, Neuralgie, chron. Hautleiden
Rosmarin (Rosmarinus officinalis) Vollbad: 1–2 EL Rosmarin-Badeextrakt Reich an ätherischen Ölen, durchblutungssteigernd für Haut und Beckenorgane Vollbäder, Sitzbäder, Waschungen Kreislaufstörungen, klimakterische Beschwerden, Weichteilrheumastismus (s. o.), Quetschungen
Salbei (Salvia officinalis) Vollbad: 250 g Salviae folia mit 5 l siedendem Wasser übergießen, 20 Min. ziehen lassen, Abguss dem Bad zusetzen. Salbeibadezusatz, Salvysat® bes. für Spülungen Enthält ätherische Öle, Harze, Bitterstoffe, Gerbstoffe Vollbad, Teilbäder, Spülungen von Körperhöhlen (Schleimhautpflege), Umschläge Juckendes Analekzem (Sitzbad, Auflagen), Gurgeln bei Schleimhautkatarrhen, früher auch Spülungen bei Wunden
Zinnkraut (Equisetum arvense) Teilbad: 100–200 g Equiseti herba mit 2 l Wasser ansetzen, 1 h kochen, absieben und dem Bad zusetzen Enthält Kieselsäure, Oxalsäure, Bitterstoffe; Förderung der Gewebeproliferation Teilbäder, Umschläge seltener Vollbäder, Wickel Nässendes Ekzem, Ulcus cruris und andere schlecht heilende Wunden; traditionell auch bei Eiterungen (Osteomyelitis)

Indikationen der Wickel nach Prießnitz.HalswickelBrustwickelKreuzwickelLeibwickelRumpfwickelHüftwickelWadenwickelBeinwickelGelenkwickel¾-Packung

Tab. 2.28-2
Wickel (Abb. 2.28-1) Indikationen
Halswickel Angina, Pharyngitis, Laryngitis
Brustwickel Bronchitis, Asthma bronchiale, Pleuritis, Pneumonie, Myokarditis, Hypertonus
Kreuzwickel Muskelverspannungen im Schultergürtel
Leibwickel Entzündl. Erkrankungen des Oberbauches, Z.n. Ulcus ventriculi und duodeni, Enteritis, Kolitis
Rumpfwickel Versorgung hochfiebernder Patient
Hüftwickel mit Durchzug (= T-Wickel) Beckenraumentzündungen, Proktitis, Prostatitis, Hämorrhoiden, Analekzem, Vulvitis
Wadenwickel Fieber, Thrombophlebitis, Zellulitis, Ulcus cruris, zur Nacht bei Schlaflosigkeit
Beinwickel Thrombophlebitis, Zellulitis, Lymphangitis
Gelenkwickel Rheumatoide Arthritis, aktivierte Arthrose
¾-Packung Frühstadien akuter Infekte nach schweißtreibenden Bädern, langliegend (2–3 Std.), zur Desensibilisierung bei Allergikern und Rheumatikern

Indikationen zur Kältetherapie allgemein.

Tab. 2.28-3
Indikation Wirkung
Ermüdung, Konzentrationsschwäche Aktivitätserhöhung der Formatio reticularis, Muskelaktion ↑
Hypotone Dysregulation Peripherer Gefäßwiderstand und RR ↑
Chron. venöse Insuffizienz Venöser Druck und Rückfluss ↑, Abdichtung und Tonisierung der Gefäßwände, Kreislaufzentralisation
Tachykardie Kältebradykardie
Flachatmung, Bradypnoe Atemvertiefung, Frequenz ↑↑
Kontrakturen Kälteanästhesie
Oberflächliche und tiefe Schmerzen (spondylogen oder viszeral Tab. 2.28-4) Analgetisch und antiischämisch durch reaktive Hyperämie
Entzündliche Prozesse (akute und subakute), Verbrennungen Antiphlogistisch
Hämorrhagische Diathese (lokale Anwendung) Antihämorrhagisch
Ödem, Stauung (nicht kardial) Antiödematös
Oberflächliche Thrombophlebitis, Emboliegefahr Antithrombotisch

Eindringtiefe bei verschiedenen Therapieverfahren.

Tab. 2.28-4
Therapieverfahren Energieübertragung Eindringtiefe Kutis Subkutis Muskulatur Periost Gelenk
Rotlicht, Infarot Strahlung, Konduktion 0,1–2,5 mm, max. 10 mm ++ ++
Fango-Packung Konduktion Wenige mm bis cm ++ ++ (+) (+) ++
Kurzwelle Elektromagnetische Wellen Kondensatorfeld bis zu mehreren cm ++ +++ ++ ++ ++
Spulenfeld 3–4 mm ++ ++ -
Ultraschall Mechanisch Je nach Schichtdicke, Erwärmung besonders der Grenzflächen (+) ++ ++ ++
Kälte Konduktion Wenige mm bis cm ++ ++ ++ ++ ++
(Je nach Lage der Gelenke)

(+) bedingt gute Erreichbarkeit, + gute Erreichbarkeit, + +/+ + + sehr gute Erreichbarkeit, − eher schlechte Erreichbarkeit

Wärmetherapie: Indikationen und Kontraindikationen.

Tab. 2.28-5
Indikation Wirkung
Allg. Erregbarkeit Aktivität der Formatio reticularis ↓
Zustände von Muskelhypertonus Muskeltonus ↓
Hypertonie Peripherer Gefäßwiderstand und RR ↓
Broncho-, Magen- und Darmspasmen Spasmenlösung glatter Muskulatur
Bronchialobstruktion Anregung der bronchialen Sekretion
Tachypnoe Beruhigung und Atemvertiefung
Schmerzen (oberflächlich und tief) Analgetisch und antiischämisch, auch bei spondylogenen oder viszeralen Schmerzen, bei Wärmebedürftigkeit
Entzündliche Prozesse (chron. und subchron.) Antiphlogistisch (resorptiv)
Kontraindikation Wirkung
Thermische „Verweichlichung“ Einschränkung der aktiven Temperaturregulation durch äußere Wärmezufuhr
Ödem Durch Weitstellung der Venen venöser Rückstrom ↓ mit Ödemgefahr oder -verstärkung
Kreislaufinsuffizienz Kreislaufdezentralisation
Wärmetachykardie und Stenokardie Wärmetachykardie → Koronardurchblutung ↓

Thermotherapeutische Wirkungen auf die verschiedenen Schmerzursachen.

Tab. 2.28-6
Schmerzursache Wärmetherapie Kältetherapie
Akutes Trauma +++
Entzündung Traditionell zur Reifung von Abszessen +++ +++
Spasmen glatter Muskulatur +++
Muskel-Sehnen-Ansatzschmerzen ++ ++
Gefäßspasmen ++
Durchblutungsstörungen ++

+ günstig, + +/+ + + sehr günstig, − eher ungünstig

Teilchengröße in Abhängigkeit der Geräte.

(nach Krauß 1977)

Tab. 2.30-1
Gerät Teilchengröße
Pressluftspray 8–5 µm
Ultraschallaerosol (bei Frequenz von 2–3 MHz) 0,5–100 µm
Dampf 0,001 µm

Inhalationsmittel und ihre Wirkung. InhalationstherapieInhalationsmittel

Tab. 2.30-2
Mittel Beispiele für Handelsnamen/Herkunft Wirkungen
Heilquellen Solequellen, leicht hypertone NaCl-Lösung Befeuchtung und Reinigung der Schleimhäute, zur Vermeidung der Sekreteindickung und Schleimhautaustrocknung
Sekretolytika Tacholiquin® 1%, Mucosolvan® Sekretolyse, Förderung des Schleimabtransportes
Bronchospasmolytika β2-Stimulantien-Dosieraerosol: Berotec® 200, 100, Sultanol®, Aerodur® Abschwellung der Bronchialschleimhaut und Spasmolyse der Bronchialmuskulatur
Antibiotika Nebacetin®, Amphotericin B® Sanierung von Infekten
Glukokortikoide Als Dosieraerosol: Pulmicort® Entzündungshemmend

Unterschiede zwischen der klassischen Homöopathie und Komplexmittelhomöopathie.AnamneseKomplexmittelhomöopathie

Tab. 2.33-1
Klassische Homöopathie Komplexmittelhomöopathie
  • Ausführliche Anamnese und Repertorisation, mitunter mehrere Stunden

  • Ausschließlich Ähnlichkeitsprinzip und Einzelmittelgabe (Simile)

  • Streng personotrop, individuelle Mittelfindung, das Gesamtbild des Patienten führt zum homöopathischen Mittel

  • Fast ausschließlich Verwendung von mittleren und hohen Potenzen

  • Kurzanamnese und schnelle Mittelfindung, auch in hoch frequentierter Praxis

  • Ähnlichkeitsprinzip deutlich reduziert, empirische Mittelwahl nach Symptomen

  • Organotrope bzw. funktiotrope (Symptom- bzw. diagnosebezogene) Arzneiauswahl, Aufgabe des Individualitätsprinzips

  • Überwiegende Verwendung von Tiefpotenzen in Kombination

Beispiele homöopathischer ArzneimittelKomplexmittelhomöopathieKomplexmittel (unvollständige Auflistung, alphabetisch nach Firmen geordnet). KomplexmittelhomöopathieArzneimittel

Tab. 2.33-2
Namensbestandteil Firma Beispiel
Pentarkan DHU Cinnabaris Pentarkan® H Tbl.
-select Dreluso Galloselect-Tropfen
-Hevert Hevert Hepar-Hevert®
JSO ISO-Arzneimittel Jsoskleran®
-loges Loges ginkgo-loges®
Oligoplex Madaus Arnica Oligoplex®
Spenglersan Meckel Spenglersan® Kolloid K
Similiaplex Pascoe Gelsemium-Similiaplex
Pflügerplex Pflüger Pflügerplex® Sinapis 107
Gastreu Reckeweg Dormi-Gastreu® S R 14 Tr.
REGENAPLEX Regenaplex REGENAPLEX® Nr. 53a
-orell Sanorell Adiporell®
-kehl Sanum-Kehlbeck Fortakehl®
Ney vitOrgan NeyAthos®

Kombination klassischer Massagen mit anderen physikalischen Verfahren.

(nach Hentschel)

Tab. 2.36-1
Physikalisches Verfahren Vor der Massage Nach der Massage
Lichtkasten (traditionell), Rotlicht (+)
Heißpackung (Fango, Moor) + +
warme Bäder, Sauna (+)
lokale Kryotherapie (+)
Bewegungstherapie + +

(+) bedingt günstig, + günstig, + + sehr günstig, − eher ungünstig, − − sehr ungünstig, (≠) obsolet

Welche Massage ist bei welcher Erkrankung indiziert?

Tab. 2.36-2
Störungen und Erkrankungen Massageform
Schmerzen und Befunde an Muskeln, Sehnen, Bändern Klassische Massage
Lokale Schmerzen Periostbehandlung
Funktionsstörungen innerer Organe Reflexzonenmassage
Meteorismus, Obstipation Kolonbehandlung
Vegetative Störungen Bindegewebsmassage
Lymphödeme Lymphdrainage als Teil der Entstauungstherapie

Hyperalgetische Zonen bei Erkrankung innerer Organehyperalgetische ZonenMassagetherapiehyperalgetische Zonen

(nach Hansen und Schliack). [L190]

Tab. 2.36-3
Inneres Organ Hyperalgetische Zonen
Herz C 3, 4, 8, Th 1–8 jeweils li.
Aorta C 3, 4, 8, Th 1–4 jeweils li. (z. T. auch re.)
Atemorgane
Kehlkopf C 8 bds.
Trachea C 8–Th 2 bds.
Bronchien C 8–Th 2 bds.
Lunge C 3, 4, Th 3–9
Pleura C 3, 4, Th 2, (3)–Th 10, (11, 12)
Magen-Darm, Leber und Galle
Magen C 3, 4, Th 5–9 li.
Duodenum C 3, 4, Th 6–10 re. (bes. Th 8–9 re.)
Jejunum C 3, 4, Th 8–11 li. (bes. Th 10)
Ileum C 3, 4, Th 4–L 1 re. (bes. Th 9–11)
Caecum, Appendix, Colon ascendens C 3, 4, Th 9–L 1 re.
Colon transversum (prox. Teil) C 3, 4, Th 9–L 1 re.
Colon transversum (distaler Teil), Sigma C 3, 4, Th 9–L 1 re.
Rektum C 3, 4, Th 9–L 1 li.
Leber und Gallenblase C 3, 4, Th 6–10 re.
Urogenitaltrakt
Niere und Harnleiter (C3, 4), Th 9–12, L 1, 2, (3)
Hoden Th 10
Nebenhoden Th 11
Prostata Th 10–12, S 1–3
Ovarien Th 10
Adnexe Th 11–L 1
Uterus Th 10–L 1, S 2–4

Laborwerte in Zyklusphasen.

Tab. 2.39-1
Hormon Follikelphase ZT 3–5 Lutealphase ZT 21–23
Estradiol Kleiner 80 pg/ml 100–250 pg/ml
Progesteron Kleiner 1 ng/ml Ab 8 ng/ml
FSH Kleiner 8 IE/ml Kleiner 8 IE/ml
LH Kleiner 8 IE/ml Kleiner 8 IE/ml

Dosierungsempfehlungen ausgewählter MikronährstoffeMikronährstoffeNeurostress-Konzept.

Tab. 2.41-1
Mikronährstoff Dosierung
Vitamin B6 50–100 mg
Vitamin B12 200–500 ug
Folsäure 200–800 ug
Vitamin C 1–2 g
Magnesium 300–600 mg
L-Tryptophan 1–2 g
5-HTP 100–300 mg
L-Tyrosin 500–800 mg
Taurin 500–800 mg

Umsetzung ordnungstherapeutischer Maßnahmen.

Tab. 2.43-2
Schritte Beispiel Hindernis
Information Rauchen begünstigt die Entwicklung von Krebs Intellektuelles Unverständnis der Zusammenhänge
Bewusstseinsänderung Verlangen, Rauchen zu beenden Suchtverhalten
Verhaltensmodifikation Beginn eines Nichtraucher-Trainings Widerstände

In der orthomolekularen Medizin eingesetzte Substanzen. Orthomolekulare MedizinSubstanzenMikronährstoffeorthomolekulare Medizin

Tab. 2.44-1
Substanzklasse Beispiel Bevorzugte Anwendungsgebiete (Beispiele)
Vitamine Folsäure Prävention von Neuralrohrdefekten
Mineralstoffe Magnesium Herzerkrankungen (Herzrhythmusstörungen, Hypertonie), Diabetes mellitus
Spurenelemente Selen Hashimoto-Thyreoditis, onkolog. Erkrankungen
Aminosäuren Tryptophan Schlafstörungen, Depression
Fettsäuren Omega-3-Fettsäuren Hypertriglyzeridämie, KHK, Herzinsuffizienz, Rheuma
Enzyme Bromelain Entzündungen, Ödeme
Vitaminoide (vitaminähnliche Substanzen) Q10 Erschöpfung, Herzinsuffizienz, Mangelausgleich bei Statintherapie

Pharmaka, die zu erhöhtem Nährstoffbedarf führen. NährstoffdefiziteMedikamenteOrthomolekulare Medizinerhöhter Nährstoffbedarf

Tab. 2.44-2
Pharmakon Vit. B1 Vit. B2 Vit. B6 Vit. B12 Folsäure (Vit. B9) Vit. C Vit. A Vit. D Vit. E Vit. K K+ Ca2+
Analgetika x x x
Antazida x x x x x x
Antibiotika x x x x x x x x x
Antikonvulsiva x x x x x x
Diuretika x x
Glukokortikoide x x x x x x
Orale Kontrazeptiva x x x x x x x x x
Laxanzien x x x x x
Lipidsenker x x x x x x x
Metformin x x
MTX x
Neuroleptika x
Hypnotika x x x
Sulfonamide x x x x x x x
Tuberkulostatika x x x
Urikosurika x x x
Virustatika x x x

Tageszufuhr und therapeutische Dosierung der Nährstoffe.Orthomolekulare MedizinNährstoffbedarfArzneimittelorthomolekulare Therapie

Tab. 2.44-3
Nährstoff Erwünschte Zufuhr mit tgl. Nahrung Therapeutische Dosierung Wichtigste Eigenschaften und Funktionen (Beispiele)
Vitamin A, β-Carotin 0,8–1,2 mg Retinol-Äquivalent 2–10 mg β-Carotin (Pro-Vitamin A) antioxidativ, Vit.-A-Bestandteil des Sehpigments, wichtig für andere Sinnesfunktionen, Haut und Schleimhäute
Vitamin B1 1,0–1,3 mg 10–2000 mg Bildung von Acetylcholin („Nervenvitamin“), wichtig für Kohlenhydratstoffwechsel
Vitamin B2 1,2–1,5 mg 10–50 mg Bei Oxidationsprozessen beteiligt
Niacin 13–17 mg 10–4000 mg Redoxreaktionen (NADH)
Vitamin B6 1,2–1,6 mg 5–300 mg Aminosäurestoffwechsel, Lezithin- und Serotoninsynthese
Vitamin B12 3 µg 10–1000 µg Synthese von DNS, Nervensystem
Vitamin C 100 mg 50–10000 mg antioxidativ, Kollagenbildung (Wundheilung), Immunsystem
Vitamin D 20 µg 25-100 µg Kalziumresorption, Immunmodulation
Vitamin E 11–15 IE 100–1000 IE Antioxidativ, Antikörpersynthese
Vitamin K 60–80 µg 30–100 µg Blutgerinnung, Knochenaufbau
Biotin 30–60 µg 300–3000 µg Energiegewinnung, Proteinbildung, Fettsäuresynthese, Haarbildung
Folsäure 400 µg 400–2000 µg Bildung von DNS (Zellteilung), Homocysteinabbau
Pantothensäure 6 mg 50–1000 mg Teil des Koenzym A, Kohlenhydrat-, Fett-, Eiweißstoffwechsel, Hormonsynthese
Chrom 30–100 µg 200–300 µg Glukosetoleranz
Eisen 10–15 mg 10–100 mg Blutbildung, Immunsystem
Fluor 1–2 mg 0,25–1 (Karies) Antikariogen, Festigung von Zähnen und Knochen
Jod 180–200 µg 100–1000 µg Schilddrüsenhormonbildung
Kalium 2000 mg 1000–4000 mg Erregung von Nerven und Muskeln, Regulation des Wasser- und Säure-Basen-Haushaltes, Energiegewinnung
Kalzium 1000-1200 mg 500–1500 mg Knochen- und Zahnaufbau, Erregung von Nerven und Muskeln, Blutgerinnung
Kupfer 1,0–3 mg 2–4 mg Eiweißsynthese, Energiegewinnung, antioxidativ
Magnesium 300–400 mg 200–900 mg Erregung von Nerven und Muskeln, Gefäßregulation, Knochenaufbau
Mangan 2–5 mg 2–50 mg Redoxreaktionen, antioxidativ
Selen 30–70 µg 50–300 µg Antioxidativ, Schwermetallentgiftung
Zink 7–10 mg 10–50 mg Immunstimulierend, antioxidativ, Glukoseregulation

∗∗ 1 µg = 40 IE

1 mg Retinol-Äquivalent = 6 mg all-trans-β-Carotin = 12 mg anderer Provitamin A-Carotinoide = 1 mg Retinol = 1,15 mg all-trans-Retinylacetat = 1,83 mg all-trans-Retinylpalmitat; 1 IE = 0,3 µg Retinol

Sonnenlichtempfindlichkeit der menschlichen Haut.

Tab. 2.46-1
Hauttyp Bräunungstendenz Sonnenbrand-Tendenz Haut-, Augen- und Haarfarbe % der Bevölkerung (nördl. Europa)
I Keine Immer und erheblich, Haut schält sich schnell Menschen mit heller Haut (keltisch), blaue Augen, rötliches Haar und Sommersprossen 2%
II Gering Immer und erheblich Ähnlich, häufig braune Augen häufig blau, helle Hautfarbe 12%
III Häufig Selten Übliches Verhalten 75%
IV Immer über dem Durchschnitt, Sofortpigmentierung Gering bis nie Weiß-bräunliche Hautfarbe, dunkle Augen, dunkle Haarfarbe, südliche Länder 10%
V Sehr gut, Sofortpigmentierung Sehr selten Dunkelhäutig-braun, z. B. Indianer
VI Intensiv, Sofortpigmentierung Fast nie Schwarzhäutige

Substanzen zur Erhöhung der O2-Utilisationsfähigkeit in den Geweben

(nach von Ardenne). [L190]

Tab. 2.54-1
Substanz Wirkungsort Vermutete Wirkung/Bemerkungen Dosierung (mg/70 kg)
Thiamin (Vit. B1) Ganzkörper Steuerung Substrateinstrom in den Krebszyklus 30
Dipyridamol Ganzkörper
  • O2-/Glukose-Permeation

  • Hirnzelle und Myokard

150
Magnesiumorotat (Orotsäure) Ganzkörper „Nukleinsäure Präkursor“ Elektrolyttransport Hirnzelle 100
Pangamsäure (Vit. B15) Ganzkörper 30
Tinctura Strophanti kombé Herz-, Hirndurchblutung
  • Positiv inotrope Wirkung am Herzen

  • Verbesserung der Hirndurchblutung für 6–8 h

Tinct. Strophanti kombé: mit 2-mal 3 Tr. beginnen und langsam aufdosieren auf 10–15 Tr. morgens und 5–10 Tr. abends
Tinctura Strophanti gratus 2–3-mal 15 Tr.
K-Strophanthin intravenös Herz-, Hirndurchblutung
  • Positiv inotrope Wirkung am Herzen

  • Verbesserung der Hirndurchblutung

1/16–1/8 mg i. v.
Koffein Herz-, Hirndurchblutung Verbesserung der Herz-, Kreislauf- und Hirndurchblutung für 5–6 h 1 Tasse

Hinweis: für diese Anwendung nicht zugelassen, d. h. off-Label-use.

Als Monopräparat in Deutschland außer Handel. Nur noch als Fix-Kombination Aggrenox (Dipyridamol 200 mg + ASS 25 mg) als Retardkapseln. In Österreich als Persantin 75 mg Dragees erhältlich.

Spenglersan-Kolloide zur Diagnostik und Therapie.

Tab. 2.57-1
Kolloid Inhaltsstoffe Anwendungsbereiche in der Erfahrungsheilkunde
Diagnostik
Spenglersan® Kolloid D Antigene Dil. D9 aus:
  • Lactococcus Lactis

  • Streptococcus pyogenes, oralis, pneumoniae

  • Staphlylococcus saprophyticus, aureus

  • Neisseria sicca

  • Mycobacterium bovis

Nur zur Herdtestung
Spenglersan® Kolloid Dx Antigene und Antitoxine Dil. D9 aus:
  • Streptococcus pneumoniae

  • Staphlylococcus aureus

Nur zur Herdtestung
Therapie
Spenglersan® Kolloid A Antigene und Antitoxine Dil. D9 aus: Mycobacterium bovis Erhöhter Blutdruck
Durchblutungsstörungen
Spenglersan® Kolloid E Antigene und Antitoxine Dil. D9 aus: Treponema pallidum
  • Blutumstimmung

  • Reiztherapie

Spenglersan® Kolloid G Antigene und Antitoxine Dil. D9 aus:
  • Influenza Virus A

  • Haemophilus influenzae

  • Klebsiella Pneumoniae

Infektanfälligkeit Erkältungskrankheiten
Entzündung
Allgemeine Immunstimulanz
Wundheilung
Spenglersan® Rhinol (Nasentropfen) Antigene und Antitoxine Dil. D9 aus:
  • Influenza Virus A

  • Haemophilus influenzae

  • Klebsiella Pneumoniae

  • Schnupfen

  • Entzündung der Nasennebenhöhlen

Spenglersan® Kolloid K Antigene und Antitoxine Dil. D9 aus:
  • Streptococcus pneumoniae

  • Staphlylococcus aureus

  • Konstitutionsmittel

  • Hauptmittel bei Allergien

Spenglersan® K-Allsan (Nasentropfen) Antigene und Antitoxine Dil. D9 aus:
  • Streptococcus pneumoniae

  • Staphlylococcus aureus

  • Heuschnupfen

  • Polyposis nasi

Spenglersan® Kolloid M Antigene und Antitoxine Dil. D9 aus: Plasmodium falciparum
  • Fiebrige Zustände wie Dreitagefieber

  • Reiztherapie

Spenglersan® Kolloid Om Antigene Dil. D9 aus:
  • Lactococcus Lactis

  • Streptococcus pyogenes,

  • -oralis, -pneumoniae

  • Staphlylococcus saprophyticus, -aureus

  • Neisseria sicca

  • Mycobacterium bovis

  • Mesenchymmittel

  • Während einer Entgiftung und Ausleitung

  • Schmerzen

Spenglersan® Kolloid R Antigene und Antitoxine Dil. D9 aus:
  • Mycobacterium bovis

  • Streptococcus pyogenes

Arthrosen, Sehnenscheidenentzündung, Karpaltunnelsyndrom
Spenglersan® Kolloid T Antigene und Antitoxine Dil. D9 aus:
  • Mycobacterium tuberculosis

  • Mycobacterium bovis

  • Neisseria mucosa

  • Streptococcus pneumoniae

Rezidivierende Entzündungen der Blase, des HNO-Trakt, Respirationstrakt

Provokation, bei der man das Mittel in hoher Dosis in die Haut einreibt und den Herd provoziert. Eine entzündete Zahnwurzel meldet sich z.B. mit Schmerz, eine entzündete Nasennebenhöhle mit Druckgefühl und erhöhter Schleimbildung. Es wird empfohlen, dieses Verfahren in der Praxis durchzuführen.

Diagnostische und therapeutische Verfahren in der Naturheilkunde

  • 2.1

    Akupunktur Ursula Völkel32

    • 2.1.1

      Entwicklung und Wirkungsweise32

    • 2.1.2

      Konzepte der Akupunktur und TCM33

    • 2.1.3

      Diagnostik und Therapie40

    • 2.1.4

      Sonderformen47

    • 2.1.5

      Übersichten: Meridiane und Funktionskreise49

  • 2.2

    Alexander-Technik Matthias Augustin85

  • 2.3

    Anthroposophische Medizin Frank Meyer86

    • 2.3.1

      Entwicklung und Wirkungsweise86

    • 2.3.2

      Konzepte der Anthroposophie88

    • 2.3.3

      Diagnostik und Therapie89

  • 2.4

    Aromatherapie Matthias Augustin95

  • 2.5

    Psycho-physische Atemtherapie Stefan Bischof96

  • 2.6

    Ausleitende Verfahren Franz Milz102

    • 2.6.1

      Grundlagen: ausleitende Verfahren102

    • 2.6.2

      Schröpftherapie104

    • 2.6.3

      Blutiges Schröpfen109

    • 2.6.4

      Trockenes Schröpfen114

    • 2.6.5

      Aderlass118

    • 2.6.6

      Blutegeltherapie120

    • 2.6.7

      Baunscheidt-Verfahren124

    • 2.6.8

      Cantharidenpflaster128

    • 2.6.9

      Fontanellentherapie132

    • 2.6.10

      Weitere Reizkörpermethoden134

  • 2.7

    Autogenes Training Heinz Grombach135

  • 2.8

    Ayurveda Volker Schmiedel, Ananda Chopra141

  • 2.9

    Bachblütentherapie Mechthild Scheffer149

    • 2.9.1

      Entwicklung und Wirkungsweise149

    • 2.9.2

      Diagnostik und Therapie151

    • 2.9.3

      Übersichten156

  • 2.10

    Balneo- und Klimatherapie Jürgen Rohde, Rainer Brenke164

    • 2.10.1

      Balneotherapie164

    • 2.10.2

      Klimatherapie170

  • 2.11

    Bewegungstherapie Klaus Jung, Ella Lachtermann, Jürgen Rohde, Rainer Brenke174

    • 2.11.1

      Entwicklung und Wirkungsweise174

    • 2.11.2

      Konzept der Bewegungstherapie175

    • 2.11.3

      Diagnostik und Therapie178

    • 2.11.4

      Sonderform: Krankengymnastik184

  • 2.12

    Biochemie nach Schüßler Volker Schmiedel190

  • 2.13

    Biophysikalische Informations-Therapie (BIT) Bodo Köhler197

  • 2.14

    Colon-Hydro-Therapie Matthias Augustin207

  • 2.15

    Eigenbluttherapie Harald Krebs207

  • 2.16

    Eigenharntherapie Matthias Augustin217

  • 2.17

    Elektrotherapie und Ultraschalltherapie218

    • 2.17.1

      Elektrotherapie Jürgen Rohde, Rainer Brenke218

    • 2.17.2

      Ultraschalltherapie229

  • 2.18

    Enderlein-Therapie Matthias Augustin232

  • 2.19

    Enzymtherapie Rudolf Inderst, Matthias Augustin233

  • 2.20

    Ernährungstherapie Claus Leitzmann240

    • 2.20.1

      Entwicklung und Stellenwert240

    • 2.20.2

      Ernährungswissenschaftliche Konzepte243

    • 2.20.3

      Diagnostik und Therapie250

    • 2.20.4

      Alternative Ernährungsformen254

  • 2.21

    Feldenkrais-Therapie Konrad Wiesendanger263

  • 2.22

    Felke-Therapie Jürgen Rohde, Ralf Brenke266

  • 2.23

    Heilfasten Volker Schmiedel268

  • 2.24

    Heilpilze/Mykotherapie Simon Feldhaus276

  • 2.25

    Hildegard-Medizin Matthias Augustin280

  • 2.26

    Klassische Homöopathie Volker Schmiedel281

    • 2.26.1

      Sonderformen291

  • 2.27

    Homotoxikologie – die antihomotoxische Therapie Natalie Jansen293

  • 2.28

    Hydro- und Thermotherapie303

    • 2.28.1

      Hydrotherapie: Entwicklung und Wirkungsweise Jürgen Rohde, Rainer Brenke303

    • 2.28.2

      Hydrotherapie: Diagnostik und Therapie306

    • 2.28.3

      Hydrotherapie: Grundregeln zur praktischen Durchführung (nach Vogler)308

    • 2.28.4

      Hydrotherapie: Formen310

    • 2.28.5

      Sauna319

    • 2.28.6

      Dauerbrause321

    • 2.28.7

      Thermotherapie: Entwicklung und Wirkungsweise323

    • 2.28.8

      Thermotherapie: Diagnostik und Therapie327

  • 2.29

    Hypnosetherapie Matthias Augustin330

  • 2.30

    Inhalationstherapie Jürgen Rohde, Rainer Brenke331

  • 2.31

    Irisdiagnose Matthias Augustin335

  • 2.32

    Kinesiologie Götz Lehle336

  • 2.33

    Komplexmittelhomöopathie Volker Schmiedel342

  • 2.34

    Magnetfeld-Therapie Matthias Augustin347

  • 2.35

    Manuelle Medizin Hans Peter Bischoff348

  • 2.36

    Massagetherapien Jürgen Rohde, Rainer Brenke359

    • 2.36.1

      Grundlagen der Massagetherapie359

    • 2.36.2

      Übersicht (Tab. 2.36-2)365

    • 2.36.3

      Klassische Massage365

    • 2.36.4

      Heilmassage366

    • 2.36.5

      Reflexzonenmassage366

    • 2.36.6

      Segmentmassage374

    • 2.36.7

      Bindegewebsmassage374

    • 2.36.8

      Periostbehandlung374

    • 2.36.9

      Fußreflexzonenmassage (2.52)375

    • 2.36.10

      Kolonbehandlung375

    • 2.36.11

      Unterwasserdruckstrahlmassage376

    • 2.36.12

      Bürstenmassage377

    • 2.36.13

      Manuelle Lymphdrainage378

    • 2.36.14

      Weitere Massageformen379

  • 2.37

    Mikrobiologische Therapie Andreas Rüffer381

  • 2.38

    Mind-Body-Medizin Anna Paul, Nils Altner, Jost Langhorst392

  • 2.39

    Naturidentische Hormontherapie Marianne Krug402

  • 2.40

    Neuraltherapie Klaus Weber413

    • 2.40.1

      Entwicklung und Wirkungsweise413

    • 2.40.2

      Diagnostik und Therapie415

    • 2.40.3

      Einfache Injektionstechniken und Therapieschemata420

  • 2.41

    Neurostress-Konzept Simon Feldhaus428

  • 2.42

    Nosoden-Therapie Matthias Augustin434

  • 2.43

    Ordnungstherapie Volker Schmiedel435

  • 2.44

    Orthomolekulare Medizin Volker Schmiedel445

  • 2.45

    Osteopathie Siegbert Tempelhof, Johannes R. Weingart455

  • 2.46

    Phototherapie Jürgen Rohde465

    • 2.46.1

      Grundlagen der Phototherapie465

    • 2.46.2

      Spezielle Formen der Phototherapie468

  • 2.47

    Physikalische Therapie472

  • 2.48

    Phytotherapie Margret Wenigmann472

    • 2.48.1

      Entwicklung und Wirkungsweise472

    • 2.48.2

      Wirkstoffgruppen475

    • 2.48.3

      Diagnostik und Therapie481

    • 2.48.4

      Phytopharmaka und arzneimittelrechtliche Grundlagen485

    • 2.48.5

      Nahrungsergänzungsmittel492

    • 2.48.6

      Sonderformen der Phytotherapie: parenterale Therapie mit Mistelextrakten494

  • 2.49

    Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR) Uwe Schwan500

  • 2.50

    Proliferationstherapie Johannes Weingart503

  • 2.51

    Proteomis Profil Sabine Fischer507

  • 2.52

    Reflexzonentherapie am Fuß Hanne Marquardt512

  • 2.53

    Regulationsthermo-graphie (RTG) und Infrarot-Thermographie Regulations Imaging (IRI) Reinhold Berz, Helmut Sauer519

  • 2.54

    Sauerstoff-Ozon-Therapien Helmut Sauer527

    • 2.54.1

      Grundlagen der Sauerstoff-Ozon-Therapien527

    • 2.54.2

      Sauerstofftherapien529

    • 2.54.3

      Ozontherapien533

    • 2.54.4

      Ozon-Eigenblut-Therapien538

  • 2.55

    Säure-Basen-Haushalt: Latente Azidose Jürgen Vormann544

  • 2.56

    Spagyrik Matthias Augustin552

  • 2.57

    Spenglersan-Therapie Nicola Gruber553

Akupunktur

Ursula Völkel

Akupunktur Die Akupunktur (akus = Nadel; pungere = stechen) ist eine aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) stammende Therapiemethode, bei der an anatomisch lokalisierten Strukturen (Foramina) an Körperoberfläche, Knochen, Gelenken und Muskeln Akupunkturnadeln unterschiedlich tief eingestochen werden. Durch die Reizung sensibler Rezeptoren werden Blockierungen innerhalb des Organismus bzw. des Meridiansystems gelöst bzw. einzelne Organsysteme angeregt oder beruhigt. Die Akupunktur wird weder in China noch in Europa als Monotherapie eingesetzt, sondern ist Bestandteil weiterer Therapiemaßnahmen der TCM, die die Moxatherapie (Wärmetherapie), Kräuterheilkunde, Massagen, Diäten, und Konzentrations- und Bewegungsübungen einschließen.

Entwicklung und Wirkungsweise

Entwicklung

Die Akupunktur ist über 4000 Jahre alt: Alte Grabmale, in denen Knochensplitter und Keramikgebilde gefunden wurden, legen nahe, dass eine Primitivform der Reizung schon in frühen Zeiten üblich war. Grabfunde speziell aus der Zeit der Han-Dynastie (200 v. Chr.) haben die Verwendung von Nadeln aus Gold und Silber belegt, die zur Schmerzlinderung und zum Drainieren von Abszessen eingesetzt wurden.
Die Beobachtung, dass die stimulierten Punkte, die einen regulativen Effekt auf Organsysteme hatten, auf einer Linie lagen, führte zur Entdeckung der Meridiane. Durch konfuzianisches und später auch buddhistisches Gedankengut wurde das Konzept des Qi in die chinesische Medizin integriert, im Laufe der Jh. die verschiedenen Fachgebiete weiterentwickelt. Durch den Kontakt mit dem Westen und in der Erkenntnis, dass infektiologische und chirurgische Kenntnisse in der TCM unterrepräsentiert waren, richtete sich die Republik China (1912–1949) in der Medizin überwiegend westlich aus, zeitweise waren Akupunktur und Kräuterheilkunde sogar verboten. Seit 1949 wird die TCM gefördert; inzwischen gibt es drei nebeneinander existierende Medizinsysteme: die westliche Medizin, die TCM und die sog. integrierte Medizin, die beide Systeme miteinander verbindet.
Die Entwicklung der Akupunktur in Qi (Lebensenergie)KonzeptDeutschland ist untrennbar mit den Namen Heribert Schmidt, Gerhard Bachmann und Erich Stiefvater verbunden, die 1951 die Gesellschaft für Akupunktur (später Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur [DÄGfA]) gründeten. Mit der Öffnung Chinas für den Westen Anfang der 1970er-Jahre begann sich das öffentliche Interesse an der TCM zu entwickeln, mit dem Austausch chinesischer Ärzte wurde ein weiterer Grundstein gelegt, die TCM zu etablieren.

Stellenwert

Nachdem die Akupunktur lange Zeit eine Randexistenz abseits von Hochschule, Kassenpraxis und Medieninteresse geführt hat, ist sie in den letzten beiden Jahrzehnten immer mehr in das Interesse der Patienten und der klinischen Forschung gerückt. Die Akzeptanz der Akupunktur als Ergänzung zur konventionellen Medizin ist sprunghaft angestiegen, es gibt kaum eine universitäre Schmerzambulanz, in der nicht auch Akupunktur angeboten wird. Die Akupunktur ist heutzutage ein unverzichtbares Therapiesystem für alle chronisch schmerzhaften, psychosomatischen Erkrankungen und funktionellen Störungen. Ist ein Organ allerdings irreversibel geschädigt, können die Begleiterscheinungen, wie z. B. Schmerzen, Durchblutung und Lebensfreude, positiv beeinflusst und somit die Lebensqualität für einen Patienten erheblich gebessert werden.

Wirkungsweise

Die Akupunktur beruht darauf, dass durch spezifische Reize an definierten Orten der Körperoberfläche die Eigenregulation des Körpers und seine neuronale, vegetative und endokrine Steuerung gezielt beeinflusst werden können. Sie wirkt über drei wesentliche Angriffspunkte, über spinale Mechanismen, auf der Mittelhirnebene und über die Hypothalamus-Hypophysen-Achse.
Folgende Wirkebenen und Wirkungen konnten nachgewiesen werden:
  • Nerval-reflektorisch: analgetische Wirkung

  • Humoral-endokrin: die Endorphin-, Serotonin- und Kortisonproduktion werden beeinflusst

  • Vasoaktiv: Aktivierung des vasoaktiven Polypeptids (VIP), Einfluss auf die Blutzirkulation

  • Muskelbeeinflussend: Beeinflussung der Muskelketten durch muskuloaktive Substanzen

  • Immunologisch aktivierend

Studien

In den letzten Jahrzehnten erstellte wissenschaftliche Studien formulieren v. a. die Wirksamkeit der Akupunktur in der Behandlung chron. Schmerzen. Für zahlreiche Indikationen muss der Wirksamkeitsnachweis jedoch noch erbracht werden.
Die German Acupuncture Trials (GERAC), eine bundesweit bei 12.600 niedergelassenen Ärzten durchgeführte Beobachtungsstudie fand heraus, dass Akupunktur bei chron. Kopfschmerzen und chron. Knie- und Rückenschmerzen sehr gut wirkt. Erstaunlich und überraschend war der geringe Unterschied zwischen einer Verum- und Shamakupunktur (Sham = falsche Punkte, sehr geringe Stichtiefe, keine Nadelstimulation). Inwiefern dieses Problem die Zukunft der Akupunktur möglicherweise grundlegend verändern wird, wird die zukünftige Entwicklung zeigen.

Konzepte der Akupunktur und TCM

Die TCM basiert auf einem naturphilosophischen Konzept, demzufolge alle Lebensprozesse durch das Wirken universaler Prinzipien zustande kommen und die Welt in all ihren Erscheinungsformen einem ständigen Fluss und Wandel unterlegen ist. Im Wesentlichen stützt sie sich auf drei Arbeitshypothesen, die die materiellen und immateriellen Aspekte formulieren:
  • Lehre von Yin und Yang

  • Lehre von den fünf Grundsubstanzen des Lebens

  • System der fünf Elemente oder fünf Wandlungsphasen

Yin und Yang

AkupunkturKonzepteDie ursprüngliche Bedeutung von Yin ist Schattenseite, von Yang Sonnenseite eines Berges. Yin und Yang sind ein Begriffspaar, das Gegensätze repräsentiert, die sich einerseits ausschließen, andererseits auch bedingen, ja sogar hervorbringen: Das Symbol von Yin und Yang bringt diese Dynamik zum Ausdruck: Ein Kreis wird durch eine Sinuskurve in eine helle und eine dunkle Hälfte geteilt, gegensinnige Punkte in den beiden Feldern drücken aus, dass in jedem Yin der Beginn des Yang enthalten ist und umgekehrt (Abb. 2.1-1).

Merke

  • YinYinPrinzip verkörpert die Prinzipien Weiblichkeit, Innen, Passivität, Erde, Kälte, Mond, Körper, Unterfunktion, Substanz. Yin symbolisiert Morphologie, Masse, „Hypo-“, Parasympathikus, Beugeseite einer Extremität, innere und untere Körperregionen.

  • YangYangPrinzip verkörpert die Prinzipien Männlichkeit, Nach-Außen-Gehen, Aktivität, Himmel, Wärme, Sonne, Geist, Überfunktion, Funktion. Yang repräsentiert Funktion, Aktivität, „Hyper-“, Sympathikus, Streckseite einer Extremität, äußere und obere Körperregionen.

Yin und Yang sollten sich im Körper immer im Gleichgewicht befinden. Ungleichgewichte werden beseitigt, indem Überschüssiges abgeleitet oder Fehlendes gestärkt wird.

Grundsubstanzen

AkupunkturGrundsubstanzenDie Grundsubstanzen stellen die materielle Basis für die Funktionen im menschlichen Körper dar: die allumfassende Lebenskraft Qi, Blut-Xue, die Essenz Jing, die Körperflüssigkeiten Jinye, der Geist Shen.
  • Qi-Lebensenergie: bedeutet Qi (Lebensenergie)Energie, Funktion, Triebfeder oder Lebenskraft; das bewegende Agens, das aus toter lebende Materie macht. Es gibt verschiedene Arten von Qi:

    • Quellen-QiQuellen-Qi: ererbte Konstitution

    • Reines QiReines Qi: Atemluft

    • Abwehr-QiAbwehr-Qi: Abwehrkraft

    • Essenzielles QiEssenzielles Qi: verwertbare Stoffe aus der Nahrung

    • Organ-QiOrgan-Qi: Basis der Funktion der inneren Organe

    • Wahres QiWahres Qi: Summe aller biochemischen und bioelektrischen Vorgänge im Körper, Lebenskraft

  • Xue-Blut: Qi wird als bewegendes Xue (Blut)Agens verstanden, während Blut ein nährendes Agens Qi (Lebensenergie)Formenist. Blut nährt Qi und Qi bewegt Blut. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Funktionen in der TCM sind Befeuchtung und Ernährung von Haut, Muskeln, Sehnen, Knochen und inneren Organen.

  • Jing-Jing (Essenz)Essenz: eine Substanz, die allem organischen Leben zugrunde liegt. Jing ist die materielle Substanz, aus der Qi-Energie produziert wird. Unterschieden wird das vorgeburtliche Jing (Summe der Erbanlagen) und das nachgeburtliche Jing (wird dem Körper als „Essenz“ aus der Nahrung zugeführt).

  • Jinye-Körperflüssigkeit: Sammelbegriff Jinye (Körperflüssigkeit)für Speichel, Verdauungssäfte, Gelenkflüssigkeit, Tränen, Nasensekret, Schweiß, Harn, Gewebsflüssigkeit, Blutserum bzw. Plasma

  • Shen-Geist: immaterielle Basis Shen (Geist)des Geistes, der nur dem Menschen eigen ist. Er entspricht nach westlicher Vorstellung dem Bewusstsein

Fünf-Elementen-Lehre

Dieses auch als „Fünf Wandlungsphasen“ bezeichnete Entsprechungssystem diente der Vereinheitlichung des antiken, naturphilosophischen orientierten Weltbilds. Alle natürlichen Faktoren, biologischen Phänomene und Körperfunktionen, wie z. B. Klimafaktoren, Organe oder Geschmacksrichtungen, wurden den Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser zugeordnet und ihre Beziehungen zueinander definiert. Die wichtigsten Beziehungen werden als Mutter-Sohn-Regel bezeichnet:
  • Zyklus des Entstehens entspricht der Mutter-Sohn-Beziehung (Hervorbringung, Fünf-Elementen-LehreAkupunkurTonisierung, Aufbau)

  • Zyklus der Konsumation entspricht AkupunkturFünf-Elementen-Lehreder Sohn-Mutter-Beziehung (Konsumation, Sedierung, Abbau)

In diesem komplexen Entsprechungssystem (s. Kasten) werden den fünf Elementen bestimmte Funktionen, Begriffe sowie Meridianpaare zugeordnet (Tab. 2.1-1).

Merke

  • Element: zentrale Vorstellung, der zufolge alle Entsprechungen in gleicher Beziehung zueinander stehen wie die Elemente.

  • Parenchymatöse Organe sind YinYinOrgane zugeordnet, Hohlorgane dem Yang. Je ein Yin- und ein Yang-Organ YangOrganebilden eine untrennbare Einheit, die auf die zugehörigen Meridiane übertragen wird.

  • Innere Faktoren (Emotionen) und äußere Faktoren (Umwelteinflüsse): potenzielle Pathogene v. a. für das ihnen zugeordnete Organ; werden auch zur Beschreibung von Symptomen verwendet. Ob der Mensch krank wird, hängt davon ab, ob der pathogene Einfluss oder seine Abwehrkraft (die TCM spricht von Abwehr-Qi) stärker ist.

  • Jahreszeit: jahreszeitliche Anpassung von Therapiekonzepten, Stichtiefe, Medikamenten, Nahrungsmitteln. Beispiel: Im Winter soll man eher tief, im Sommer eher oberflächlich stechen.

  • Tageszeit: Krankheiten der einzelnen Organe zeigen sich zu den entsprechenden Zeiten (Tab. 2.1-1). Neben dem „normalen“ System mit dem Gebrauch von ca. 361 Meridianpunkten gibt es mehrere Systeme, die den Faktor Zeit minutiös berücksichtigen.

  • Aroma: Hinweis auf den Geschmack der wirksamen Arznei und Hinweis auf gestörtes Organ. Beispiel: Besondere Lust auf eine bestimmte Geschmacksrichtung lässt auf Störung des Organs im gleichen Funktionskreis schließen; Heißhunger auf Süßigkeiten weist auf Störung von Magen und Milz/Pankreas hin; Lust auf Saures auf Leberirritation (Katerfrühstück mit saurem Hering).

Beziehungen zwischen den Meridianen

Funktionskreise sind in der TCM nach der Zang-Fu-Lehre jeweils zwei Organe mit ihren zugehörigen Meridianen, von denen einer ein Parenchymorgan repräsentiert, der andere ein Hohlorgan. Diesen Meridianen sind gemeinsame Beziehungen zu inneren und äußeren Faktoren zugeordnet, wie z. B. bioklimatische und psychische Faktoren (Tab. 2.1-1).
Die Zang-Fu-Lehre beschreibt im Wesentlichen eine Landschaft oder ein Muster von funktionellen Zusammenhängen, die eine Integration von Körperfunktionen, Geweben, Sinnesorganen, Umwelteinflüssen, Emotionen und psychischen Aktivitäten ermöglicht. Erkrankungen und Störungen werden damit zu einem Disharmoniemuster und als Syndromlandschaften eingeordnet und in Beziehung gesetzt. Die genaue Beobachtung der Körperoberfläche, Zunge, Sekretionen, Pulse etc. ermöglicht Rückschlüsse auf den Zustand der inneren Organe und ihrer jeweiligen Beziehungen zueinander. Es besteht folgende Hierarchie innerhalb der Zang-Fu-Organe:
  • Speicher-Zang-Organe: Die fünf Speicherorgane Zang-Organe (Speicherorgane)Herz, Leber, Nieren, Milz, Lunge sind verantwortlich für die Bildung, Umwandlung, Speicherung, Freisetzung und Regulation der reinen Substanzen wie Qi, Blut-Xue, Essenz-Jing, der Körperflüssigkeiten Jin-Ye und des Shen. Sie repräsentieren den Yin-Aspekt des Körpers.Jedem Zang-Organ kann nach der Zang-Fu-Theorie ein bestimmter Charakter, bestimmte Funktionen, ein Körpergewebe sowie ein Öffner (meist ein Sinnesorgan), nach der 5-Elementen-Lehre auch ein Sekretionsmedium, eine Emotion sowie ein Klimafaktor zugeordnet werden. Jedes Zang-Organ ist mit einem Fu-Organ gekoppelt.

  • Hohl-Fu-OrganeFu-Organe (Hohlorgane): Die sechs Hohlorgane Dünndarm, Dickdarm, Harnblase, Magen, Gallenblase, Drei Erwärmer sind hohl und verantwortlich für die Aufnahme und Speicherung von Nahrung und Flüssigkeiten, für die Weiterleitung und Absorption der Umwandlungsprodukte sowie für die Ausscheidung der Abfallprodukte und gehören in Relation zu den Zang-Organen eher zum Yang-Aspekt des Körpers.

  • Außerordentliche Fu-Organe: Uterus, Gehirn, Knochen, Marksubstanz, Blutgefäße und Gallenblase sind einerseits hohl (Yang), können aber andererseits Essenzen speichern (Yin).

Die Hierarchie innerhalb der Zang-Fu-Organe entspricht der Hierarchie des altchinesischen Feudalsystems.

Meridiane

AkupunkturMeridianeDas Wort „Meridian“ – ein von europäischen Schiffsärzten geprägtes Wort für den chinesischen Terminus technicus „Jing Luo“ – bedeutet „das im Inneren des menschlichen Körpers befindliche Blutgefäßsystem“. Ein anatomisches Substrat der Meridiane ist nicht gesichert. Heute werden die Meridiane als ein System von Orientierungslinien für Akupunkturpunkte mit ähnlicher Indikation aufgefasst. Nach der Vorstellung der TCM entsprechen die Meridiane Kanälen, in denen Qi (Energie, Funktion) und MeridianeXue (sprich: hsüe; Blut) in einem 24-Stunden-Rhythmus fließen. Die Nummerierung der auf den Meridianen liegenden Akupunkturpunkte folgt der Flussrichtung des Qi. Eine Störung des Flusses führt zu Krankheitssymptomen.
Auf den Meridianen liegen insgesamt 361 Akupunkturpunkte, die als Projektionszonen bzw. Reflexgebiete innerer Strukturen angesehen werden. Akupunkturpunkte können eine lokale (z. B. Knie), regionale (z. B. Bein) und/oder übergeordnete Indikation (z. B. Stoffwechsel; Nervosität; entfernt liegende Organe) haben. In Tab. 2.1-1 sind diese Eigenschaften deshalb Qi (Lebensenergie)getrennt aufgeführt.

Merke

  • Es gibt zwölf Hauptmeridiane, die spiegelbildlich in Längslinien auf dem Körper verlaufen und acht Sondermeridiane, auch außergewöhnliche, Extra- oder Wundermeridiane genannt (Tab. 2.1-4, Tab. 2.1-6) sowie zwölf tendinomuskuläre Meridiane Abb. 2.1-9.

  • Die sog. Yin-MeridianeYin-MeridianeMeridiane, die YinMeridianeparenchymatösen Organen zugeordnet sind, verlaufen auf den Extremitäten innen (Tab. 2.1-2, Abb. 2.1-6, Abb. 2.1-10, Tab. 2.1-10, Abb. 2.1-14, Abb. 2.1-15, Abb. 2.1-18), Yang-Meridiane der MeridianeYang-MeridianeHohlorgane außen (Tab. 2.1-2, Abb. 2.1-8, Abb. 2.1-9, Abb. 2.1-12, Abb. 2.1-13, Abb. 2.1-16, Abb. 2.1-17). YangOrgane

  • Als gekoppelte Meridiane werden Yin-Yang-Partnerschaften Meridianegekoppeltebezeichnet (Tab. 2.1-2): Demnach sind jeweils der Yin- und Yang-Meridian der Hand oder der Yin- und Yang-Meridian des Fußes innerlich-äußerlich gekoppelte Meridiane.

  • Die Meridianpartnerschaft nach der Oben/Unten-Regel umfasst die korrespondierenden Meridiane (Tab. 2.1-3). Gemeint Meridianekorrespondierendesind Meridiane, die an den Extremitäten an anatomisch korrespondierender Stelle verlaufen, z. B. verläuft der Herz-Meridian am Arm an der Innenseite, der korrespondierende – da an der Innenseite des Beins verlaufende – Meridian ist der Nieren-Meridian.

Mutter-Sohn-Regel

Mutter-Sohn-Regel, AkupunkturDie Mutter-Sohn-Regel (s. „fünf Elemente“) besagt, dass ein Meridianpaar im Kreislauf der Elemente Energie an das nachgeschaltete Meridianpaar – von der Mutter an das Kind – weitergibt. Meridiane werden durch diese Entsprechung in der Richtung He/Dü → Mi/Ma → Lu/Di → Ni/Bl → Le/Gb → He/Dü → usw. „gestärkt“, in der umgekehrten Richtung „geschwächt“. Die Mutter-Sohn-Regel bietet die Möglichkeit, einen zu behandelnden Meridian auch durch Behandlung der „Mutter“ zu stärken (tonisieren) und über den „Sohn“ zu schwächen (sedieren).

Spezifische Akupunkturpunkte

Akupunkturpunkte spezifische
  • Quellpunkt: 3. oder 4. Punkt, von der Peripherie Quellpunkteaus gezählt. Ausgleichende Wirkung auf das Meridiansystem. Verstärkung der Wirkung von anderen Punkten. „Energieableitende“ Verbindung zum Luo-(Durchgangs-)Punkt des gekoppelten Meridians (Tab. 2.1-5).

  • Luo-(Durchgangs-)Punkte: liegen proximal Luo-(Durchgangs-)Punkteder Quellpunkte. Ausgleichende Wirkung. Bei Störung in einem Meridian Quellpunkt des betroffenen Meridians und Luo-Punkt des gekoppelten Meridians anstechen (Tab. 2.1-5).

  • Alarmpunkte: liegen ventral auf dem Rumpf. AlarmpunkteWerden bei Störungen von inneren Organen oft zusammen mit dem jeweilig zugehörigen Zustimmungspunkt sowie bei chron. Erkrankungen verwendet (Tab. 2.1-5).

  • Zustimmungspunkte: liegen auf Zustimmungspunktedem inneren Ast des Blasen-Meridians zwischen Schulter und Steißbein. Werden v. a. bei chron. Erkrankungen des zugehörigen Organs eingesetzt. Entsprechen durch ihren segmentalen Bezug teilweise den Head-Zonen und sind bei Druckschmerz auch diagnostisch zu verwenden (Tab. 2.1-5).

  • Kardinalpunkte: schalten, wenn sie zu Beginn oder zu Ende Kardinalpunkteeiner Sitzung gestochen werden, die Sondermeridiane ein (Tab. 2.1-6).

  • „Antike Punkte“: stammen aus der Zeit antike Punktevor Verwendung des Meridiansystems. Ihnen liegt die Vorstellung zugrunde, dass die Energie von den Akren über diese Punkte nach proximal fließt und dort beeinflusst werden kann. Heute werden hauptsächlich noch die He-(Ho-)Punkte verwendet (Tab. 2.1-5):

    • Jing-Punkt – „Brunnen“, peripherster Punkt eines Meridians

    • Ying-Punkt – „Quelle“, zweiter Punkt in proximaler Richtung

    • Shu-Punkt – „Strom“, dritter Punkt in proximaler Richtung

    • Jing-Punkt – „Fluss“, zwischen drittem Punkt und Ellbogen/Knie

    • He- oder Ho-Punkt – „Meer“, um Ellbogen/Knie. Werden v. a. bei dermatologischen, allergischen, psychischen und inneren Erkrankungen verwendet.

  • Tonisierungspunkte: sollen tonisierend wirken. Tonisierungspunkte

  • Sedativpunkte: sollen sedierend wirken. Sedativpunkte

  • Reunionspunkte: Zonen, in denen die Meridiane topografisch sehr eng aneinander vorbeiziehen, sich berühren oder überschneiden. Reunionspunkte

  • Acht Einflussreiche (Influential Points) Punkte: beeinflussen das ganze Organsysteme. Sie werden auch „chinesische Meisterpunkte“ genannt. acht einflussreiche Punkte

    • Le 13 für Vollorgane (Zang)

    • Ren 12 für Hohlorgane (Fu)

    • Ren 17 für Atmungsorgane

    • Bl 17 für Blut

    • Gb 34 für Muskeln und Sehnen

    • Lu 9 für Blutgefäße

    • Bl 11 für Knochen

    • Gb 39 für (Rücken-)Mark

  • Meisterpunkte (europäische): sind v. a. wirksam bei bestimmten Erkrankungen von Systemen, Organen oder bei organübergreifenden Syndromen. Nicht allgemein verbreitet.

Diagnostik und Therapie

AkupunkturDiagnostikDie chinesische Diagnostik führt zu einer differenzierten chinesischen Therapie, die Punkteauswahl, Stich- und Reiztechnik, Variation der Punkte bei verschiedenen Sitzungen beeinflusst. Sie stützt sich auf:
  • Konstitutionelle Faktoren: z. B. Yin-Yang-Typus; Erbenergie, Geistesenergie, Nahrungsenergie, Abwehrenergie

  • AnamneseAnamneseTCM nach Gesichtspunkten der TCM: z. B. bioklimatische pathogene Faktoren, Yin-Yang-Symptomatik, Meridiansyndrome

  • Pulsdiagnostik: durch Tasten der A. radialis werden auf beiden Handgelenken sechs Taststellen in drei verschiedenen Tiefen nach Quantität und Qualität des Pulses unterschieden

  • Zungendiagnostik: Die Zunge, die nach dem holografischen Prinzip alle Organe widerspiegelt, ist mit allen Meridianen innerlich verbunden. Sie wird aufgrund der Beschaffenheit des Zungenkörpers und des Zungenbelags beurteilt.

Richtlinien für die Punktewahl

Akupunktur Punktewahl
  • Bei akuten Erkrankungen eher Fernpunkte (z. B. nach der Oben/Unten-Regel, Punkte in den Reflexzonen, am Ohr), bei chron. Erkrankungen lokale Punkte wählen.

  • Wenige Nadeln verwenden: Einsatz von indizierten Reunions-, Kreuzungs-, Ho-, Quell- und Kardinalpunkten (Tab. 2.1-5).

  • Bei Yin-Symptomatik (Leere, Hypofunktion) tonisierend, bei Yang-Symptomatik (Fülle, Hyperfunktion) sedierend behandeln.

  • Behandlungsvorschläge einsehen (3.1 bis 3.19.93.13.1.13.1.23.1.33.1.43.1.53.23.2.13.2.23.2.33.2.43.2.53.2.63.2.73.2.83.33.3.13.3.23.3.33.3.43.3.53.43.4.13.4.23.4.33.4.43.4.53.4.63.53.5.13.5.23.5.33.5.43.5.53.5.63.5.73.5.83.5.93.5.103.63.6.13.6.23.6.33.6.43.6.53.73.7.13.7.23.7.33.7.43.7.53.83.8.13.8.23.8.33.8.43.8.53.8.63.8.73.8.83.8.93.93.9.13.9.23.9.33.9.43.9.53.9.63.103.10.13.10.23.10.33.10.43.10.53.10.63.10.73.10.83.10.93.10.103.10.113.113.11.13.11.23.11.33.11.43.11.53.11.63.11.73.11.83.11.93.11.103.123.12.13.12.23.12.33.12.43.12.53.12.63.12.73.12.83.12.93.133.13.13.13.23.13.33.13.43.13.53.143.14.13.14.23.153.15.13.15.23.15.33.15.43.15.53.15.63.15.73.15.83.15.93.163.16.13.16.23.173.17.13.17.23.17.33.17.43.17.53.183.193.19.13.19.23.19.33.19.43.19.53.19.63.19.73.19.83.19.9), die sich als „Programme“ bewährt haben. Evtl. Modifizierung der Punktevorschläge nach den TCM-Regeln (2.1.2). Wichtige Punkte des betroffenen Meridians und seiner Partner nach folgenden Regeln auswählen:

    • Rechts-Links-Regel (auf kontralateralem Meridian gleiche Punkte mitbehandeln)

    • Oben-Unten-Regel (auf anatomisch korrespondierender Stelle von Armen und Beinen mitbehandeln)

    • Oppositionsregel (Punkte am entgegengesetzten Ende des Meridians mitbehandeln)

    • Innen-Außen-Regel (auch Yin-Yang-Regel, System der gekoppelten Meridiane: Zu einem Yin-Meridian den gekoppelten Yang-Meridian mitbehandeln und umgekehrt Tab. 2.1-2).

Behandlungsdauer und Behandlungsintervalle

Der Patient wird am besten liegend behandelt, v. a. bei der ersten Sitzung. Damit beugt man einem Kollaps vor und erzielt eine wirkungsvolle Entspannung. Werden gleichzeitig Punkte auf dem Rücken gestochen, sollte dies zu Beginn der Behandlung erfolgen oder die ventral anzubringenden Nadeln so schräg s. c. eingestochen werden, dass man den Patienten vorsichtig auf den Rücken drehen kann.

Praxistipp

Sorgen Sie für eine angenehme Umgebungstemperatur.

In Europa verwendet man meistens dünne Einmal-Stahlnadeln oder sterilisierte Mehrfachnadeln.
  • Behandlungsdauer: i. d. R. 20–30 Min., in dieser Zeit können Nadeln 2–3-mal stimuliert werden

  • Behandlungsabstand: i. d. R. 1 Wo., bei akuten Läsionen häufiger, bis zu 1-mal tgl. akupunktieren

  • Behandlungsserie: umfasst je nach Erkrankungsbild 10–15 Sitzungen

  • Wiederholung der Akupunkturserie: bei Bedarf üblicherweise nach 1 Jahr, bei chronisch-rezidivierenden Erkrankungen schon nach 3–6 Mon.

Stimulationstechniken

AkupunkturStimulationstechnikenNach einem eher spitzen Einstichschmerz entsteht über vielen Punkten das De Qi-Gefühl oder PSC (propagated sensation along the channel), die Empfindung, dass etwas „angekommen“ ist – ein dumpfes, evtl. warmes, drückendes und parästhesierendes Gefühl am Punkt oder im Meridianverlauf.
Es gibt verschiedene Reiztechniken (Tab. 2.1-7, Abb. 2.1-2):
  • Sedierende Technik: kräftiger Reiz, langsames Senken und schnelles Heben der Nadel („etwas herausziehen“); sedierende Wirkung auch über den Sedativpunkt des Meridians (Tab. 2.1-5) und über den seinem „Sohn“ entsprechenden Meridian (s. „Mutter-Sohn-RegelMutter-Sohn-Regel, Akupunktur“)

  • Tonisierende Technik: sanfter Reiz, schnelles Senken und langsames Heben der Nadel („etwas zuführen“); tonisierende Wirkung auch über den Tonisierungspunkt des Meridians und über den seiner „Mutter“ entsprechenden Meridian (s. „Mutter-Sohn-Regel“)

Stichtechniken

Akupunkturpunkte Stichtechniken
  • Mit der linken Hand wird der Akupunkturpunkt erfühlt und die Haut ggf. gestrafft. Die rechte Hand führt die Nadel schnell durch die Haut und schiebt sie dann in drehenden Bewegungen bis zur jeweils angegebenen Tiefe vor bzw. bis das De Qi-Gefühl auftritt. Es gibt noch eine Vielzahl weiterer Einstichtechniken (Abb. 2.1-3).

  • Die Stichrichtung ist bei jedem Akupunkturpunkt genau festgelegt. Mögliche Stichrichtungen Abb. 2.1-4

Kombination mit anderen Therapieverfahren

In China ist die Akupunktur immer Bestandteil eines umfassenden TCM-Behandlungskonzepts, das diätetische und phytotherapeutische Maßnahmen sowie manuelle Verfahren (Tuina, Massage) und Bewegungsübungen (Qi-Gong, Tai-Qi) umfasst. In unserem Medizinsystem hat sich die Kombination sowohl mit schulmedizinischen Methoden als auch mit anderen naturheilkundlichen Verfahren bewährt. Als nebenwirkungsfreie Therapie wird sie z. B. mit den ausleitenden Verfahren (2.6), der Neuraltherapie (2.40) sowie mit feinstofflichen Therapieverfahren (z. B. Farbakupunktur, Punktur mit Edelsteinen) kombiniert. Eine Kombination mit der Homöopathie (Homöosinatrie) ist im Rahmen der Injektionsakupunktur (Inj. von homöopathischen Arzneien in Akupunkturpunkte) möglich.

Indikationen

Körperakupunktur
AkupunkturIndikationenKörperakupunkturEine inoffizielle Indikationsliste der WHO, die im Wesentlichen auf Indikationen der Akupunktur-Pionierzeiten beruht und von führenden Akupunkturgesellschaften 1997 überarbeitet wurde, nennt folgende Indikationen:
  • Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats: z. B. myofasziales Schmerzsyndrom, radikuläre und pseudoradikuläre Syndrome, Zervikalsyndrom, Schulter-Arm-Syndrom, Periarthritis humeroscapularis, Frozen shoulder, Karpaltunnelsyndrom, Tendinopathie, Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen, M. Sudeck, Arthrose, Arthritis

  • Neurologische Erkrankungen: z. B. Migräne, WHO-Indikationsliste, AkupunkturKopfschmerz, Trigeminusneuralgie, Interkostalneuralgie, Zosterneuralgie, AkupunkturWHO-IndikationenPolyneuropathie, Lähmungen, Hemiparese, Fazialisparese, Entwicklungsstörungen im Kindesalter, vegetative Dysfunktion

  • Psychische und psychosomatische Störungen: z. B. Depression, depressive Verstimmung, Schlafstörungen, Erschöpfungszustände, Unruhezustände, Bulimie, Adipositas

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: z. B. funktionelle Herzerkrankungen, Hyper- und Hypotonie, Durchblutungsstörungen, Herzrhythmusstörungen

  • Gastrointestinale Erkrankungen: z. B. funktionelle Magen-Darm-Störungen, Ulcus ventriculi, Ulcus duodeni, Colon irritabile, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Cholangitis

  • Hauterkrankungen: z. B. Neurodermitis, Psoriasis, Urtikaria, Pruritus, Akne

  • Urologische und gynäkologische Erkrankungen: z. B. Zystitis, Prostatitis, Dysmenorrhö, prämenstruelles Syndrom

  • Traumata und postoperative Beschwerden: Kollaps, Schockzustand, Ohnmacht, postoperativer Schmerz, Immunstörung

  • Weitere Indikationen:

    • Abschwellung von Ödemen

    • Endokrine Dysbalancen: Schilddrüsenerkrankungen, klimakterische Beschwerden, Pankreasstörungen

    • Zahn-, Mund-Kiefer-Erkrankungen: Zahnschmerzen, Abschwellung nach Extraktionen, Kiefergelenksbeschwerden, Nasennebenhöhlenerkrankungen

Ohrakupunktur
OhrakupunkturDie Indikationen der Ohrakupunktur decken sich weitgehend mit denen der Körperakupunktur. Vorteilhaft: Beide Methoden kommen gleichzeitig zum Einsatz. Haupteinsatzgebiet der Ohrreflextherapie sind Schmerzen sowie Neuralgien jeglicher Genese.
Laser-Akupunktur
Laser-AkupunkturSie wird bevorzugt bei Kindern anstelle der Nadelakupunktur angewendet sowie bei folgenden Indikationen: Asthma, Infektanfälligkeit, Herpes zoster, Herpes simplex, Gingivitis und dermatologischen Erkrankungen.
Akupressur
AkupressurMit der Akupressur können allgemeine Befindlichkeitsstörungen behandelt werden. Sie eignet sich zur Selbstbehandlung, die allein oder zur Unterstützung einer Akupunkturbehandlung zur Anwendung kommt.
Schädelakupunktur
SchädelakupunkturAls Indikationen für die chinesische und japanische Schädelakupunktur gelten Störungen der Motorik, v. a. Schlaganfälle.

Kontraindikationen

Körperakupunktur
Aus der Sicht des westlichen Arztes ist eine Akupunkturbehandlung kontraindiziert, so lange noch keine klare Diagnose vorliegt. Sie Akupressursoll ebenfalls nicht durchgeführt werden, wenn die Reserven des Organismus zur funktionellen Selbsthilfe erschöpft sind (z. B. Tumor, Kachexie). Die folgenden Krankheitsbilder können als KI gelten:
  • Schädigungen des reizleitenden und -verarbeitenden Systems wie Schädelakupunkturschwere Polyneuropathien, Syringomyelie, Querschnittslähmung, Z. n. neurochirurgischen OPs wie Rhizotomie, Chordotomie, Sympathektomie, Z. n. Strahlentherapie

  • Infektiöse und fieberhafte Erkrankungen

  • Psychiatrische KörperakupunkturErkrankungen wie endogene Depression, Neurosen oder Paranoia

  • Erkrankungen mit akut-chirurgischer Interventionspflicht wie Ileus, Perforationen im Magen-Darm-Trakt

  • In der Schwangerschaft hormonell wirksame Punkte (3.17) und Reflexpunkte im Areal der inneren Genitalorgane

  • Während der Menstruation die hormonell wirksamen Punkte

Moxibustion
MoxibustionDie chinesische Methode der direkten Moxibustion, bei der brennende Moxakügelchen direkt auf die Haut aufgebracht werden und ganz herunterbrennen, führt zur Narbenbildung und wird deshalb in der westlichen Akupunktur nicht angewendet. Sie kann allerdings partiell durchgeführt werden, wenn die Moxakegel entfernt werden, nachdem sie zu ⅔ abgebrannt sind.
Laser-Therapie
Spezielle KI bestehen bei Kindern in Regionen des Schädels, wo die Dura direkt unter der Kopfhaut liegt, also über den Fontanellen.

Komplikationen

  • Kollaps („Needle fainting“, Yun-Cheng-Phänomen) bei der Akupunkturbehandlung vorbeugen Moxibustiondurch Hinlegen der Patienten. Ist dieser bereits eingetreten, Pe 9, He 9 und Du 26 nadeln.

  • Infektionen durch die Verwendung von Einmalnadeln bzw. fachgerechte Sterilisierung von Mehrfachnadeln verhindern. Bei der Verwendung von Dauernadeln in der Ohrakupunktur Patienten über evtl. Infektionszeichen informieren!

Sonderformen

AkupunkturSonderformenDie westliche Form der Akupunktur, so die Wiener Schule nach Bischko, hat eine Synthese zwischen TCM und westlichen Diagnosen entwickelt und bietet dem naturwissenschaftlich ausgebildeten Arzt Punktekombinationen an, die bei speziellen westlichen Diagnosen angewendet werden können. Diese zudem leicht erlernbare Methode zeigt bei den meisten Störungen vergleichbar gute Ergebnisse.

Bei Mischformen der westlichen und östlichen Akupunktur wird primär nach westlicher Diagnose und westlichen Punkteschemata behandelt. Zusätzlich werden Kriterien der TCM berücksichtigt, so z. B. die Persönlichkeitsstruktur des Patienten. (Diagnostik und Punktauswahl). Dies ist v. a. bei schweren und chron. Erkrankungen von Vorteil.

Merke

In der TCM wird im Rahmen sog. äußerer Behandlungen mit Akupunktur, Moxibustion, Massage, Bädertherapie, Gymnastik und Atemtherapie behandelt. Sog. innere Behandlungen umfassen Medikamente, Diät, meditative und suggestiv magische Verfahren.

(Körper-)Akupunktur

Die Definition von de La Fuye gilt noch immer: „Einstiche mit Gold- oder Silbernadeln an genau festgelegten Hautpunkten, die spontan- oder druckschmerzhaft sein können, bei funktionellen reversiblen Erkrankungen oder Störungen zu diagnostischen und/oder therapeutischen Zwecken.“ Heute werden allerdings vorzugsweise sterile Stahlnadeln eingesetzt.

Ohrakupunktur (Auriculo-Therapie)

Auriculo-TherapieDrucksensible, elektrisch messbare Punkte der Ohrmuschel werden zur Diagnostik und zur Behandlung mechanisch oder elektrisch gereizt. Man unterscheidet die Schule nach Nogier (französische Schule) von der Ohrakupunkturchinesischen Schule. Letztere entstammt nicht der TCM, sondern wurde erst in den letzten 30 Jahren in das bestehende Medizinsystem integriert. Wichtige Punkte der Ohrakupunktur Abb. 2.1-20 und Tab. 2.1-15.

Moxibustion

MoxibustionKombinierte Phyto- und Wärmetherapie, bei der Moxa (getrocknetes Beifuß- oder Wermutkraut, lat. Artemisia vulgaris) verbrannt wird. Das Moxakraut wird in der westlichen Welt „indirekt“, d. h. ohne direkten Hautkontakt, in Form von Moxa-Kegeln, Moxa-Zigarren und sog. Moxa-Boxen appliziert; in China lässt man das Moxa-Kraut bei einigen Indikationen bis auf die Haut abbrennen.

Laserakupunktur

LaserakupunkturLasergeräte mit Stärken von 2–20 Watt zur Bestrahlung der Akupunkturpunkte als Nadelersatz und zur Flächenbehandlung veränderter Hautareale.

Akupressur

AkupressurMan verwendet die gleichen Punkte wie in der Akupunktur, nur erfolgt hier die Reizung durch Druck und Massage.

Schädelakupunktur

SchädelakupunkturSonderform; die wichtigsten Punkte liegen am parietalen Schädel auf einer Linie über der gedachten Projektion des motorischen Kortex. Die Akupunkturnadeln werden subkutan und subgaleal eingeführt.

Mundakupunktur nach Gleditsch

Mundakupunktur nach GleditschDie Mundakupunktur nach Gleditsch ist eine Injektionsakupunktur, bei der durch Einspritzen eines Lokalanästhetikums in die Wangenschleimhaut ein starker viszeraler Reiz ausgelöst wird. Man kann mit der Mundakupunktur alle Meridiane und somit Organsysteme erreichen. Sie stellt v. a. für die im Kopfbereich tätigen Therapeuten eine wertvolle Ergänzung der Körperakupunktur dar.

Abrechnungsziffern

GOÄ

Die GOÄ-Ziffern sind auf die Indikationen der Schmerztherapie beschränkt. Diese Beschränkung ist im Hinblick auf das Indikationsspektrum (z. B. auch funktionelle Störungen, psychosomatische Erkrankungen, Allergien und adjuvante Behandlung von Organkrankheiten) nicht gerechtfertigt. In der Kostenerstattungsregelung der Krankenkassen werden jedoch vielfach alle WHO-Indikationen (s. o.) für die Akupunktur akzeptiert. Die Laserakupunktur und Farbpunktur sind von der Abrechnung mit den Ziffern 269 und 269a (Nadelstichtechnik) ausgenommen.
269Akupunktur (Nadelstichtechnik) zur Behandlung von Schmerzen.
269aMikrosystemakupunktur (z. B. Ohr-, Schädelakupunktur) auch neben Körperakupunktur.

GebüH

21.1Akupunktur einschließlich Pulsdiagnose.
21.2Moxibustionen, Elektroakupunktur, Injektionen und Quaddelungen in Akupunkturpunkte.Mundakupunktur nach Gleditsch

Literatur

Focks, 2010

C. Focks Leitfaden Chinesische Medizin 6. A. 2010 Elsevier München

Focks and März, 2014

C. Focks U. März Leitfaden Akupunktur 2. A. 2014 Elsevier München

Hecker et al., 2016

H.-U. Hecker A. Steveling E.T. Peuker Praxis-Lehrbuch Akupunktur 2. A. 2016 Hippokrates Stuttgart

Hicks et al., 2008

A. Hicks J. Hicks P. Mole Konstitutionelle Akupunktur nach den fünf Wandlungsphasen 2008 Elsevier München

Kaptchuk, 2010

T.J. Kaptchuk Das große Buch der chinesischen Medizin: Die Medizin von Yin und Yang in Theorie und Praxis 2010 Knaur München

Kubiena, 2009

G. Kubiena Praxishandbuch Akupunktur 5. A. 2009 Elsevier München

Maciocia, 2016

G. Maciocia Grundlagen der chinesischen Medizin 3. A. 2016 Elsevier München

Maciocia, 2016

G. Maciocia Praxis der chinesischen Medizin: Krankheiten behandeln mit Akupunktur und chinesischen Arzneimitteln 2. A. 2016 Elsevier München

Übersichten: Meridiane und Funktionskreise

Die nachfolgenden Tab. 2.1-8 bis Tab. 2.1-14 umfassen die wichtigsten Akupunkturpunkte, geordnet nach Funktionsweisen.

Merke

1 cun = 1,5 Querfinger (QF) oder 1 Daumenbreite (DB) des Patienten. Zu den Fingermaßen Abb. 2.1-5.

Herz-Dünndarm: Verlauf der Meridiane und Funktionskreis

Blase-Niere: Verlauf der Meridiane und Funktionskreis

Perikard-3-Erwärmer: Verlauf der Meridiane und Funktionskreis

Gallenblase-Leber: Verlauf der Meridiane und Funktionskreis

Lunge-Dickdarm: Verlauf der Meridiane und Funktionskreis

Magen-Milz: Verlauf der Meridiane und Funktionskreis

Akupunktur Meridiane

Konzeptionsgefäß (Ren Mai) und Lenkergefäß (Du Mai): Verlauf und wichtige Punkte

Akupunktur Funktionskreise

Ohrakupunktur: Topographie des Ohrs und wichtige Ohrpunkte

Alexander-Technik

Matthias Augustin

Alexander-Technik Verfahren zum Neu- und Wiedererlernen einer natürlichen Haltungs- und Bewegungssteuerung.

Entwicklung

Die Alexander-Technik wurde vom australischen Rezitator und Schauspieler Frederick Matthias Alexander (1869–1955) im Rahmen der Selbstbehandlung von Stimm- und Atemschwierigkeiten entwickelt.

Konzept

Der später nach England übergesiedelte Alexander lehrte, dass durch ungünstige Gewohnheiten von Haltung, Atmung und Sprechen Beeinträchtigungen am Bewegungsapparat auftreten. Durch Berührungsimpulse, Bewegungsexperimente und gezielte Körperwahrnehmung sollen muskuläre Spannungen, Schmerzen und psychischer Stress abgebaut und die körperliche Balance, Haltung und Koordination verbessert werden. Umgekehrt können gezielte Übungen an Wirbelsäule, Muskulatur und Körperhaltung zu nachhaltigen Besserungen gestörter Funktionen führen.

Indikationen

Die Alexander-Technik wird häufig als Bewegungstraining von Musikern, Schauspielern und Sportlern angewendet. Sie kann ferner bei vielen Formen von Kopf-, Rücken- und Gelenksschmerzen, bei Erkrankungen der Atemwege (z. B. Asthma bronchiale) wie auch bei psycho-vegetativen Erkrankungen eingesetzt werden. Aufgrund ihrer Auswirkungen auf das Seelenleben ist die Alexander-Technik auch als Körperübung im Rahmen bestimmter psychotherapeutischer Behandlungen geeignet.

Literatur

Barlow, 2008

W. Barlow Die Alexander-Technik. Gesundheit und Lebensqualität durch richtigen Gebrauch des Körpers 2. A. 2008 Schirner Darmstadt

Mühlebach, 2011

A. Mühlebach Vom Autopiloten zur Selbststeuerung: Alexander-Technik in Theorie und Praxis 2011 Huber Bern

Wehner, 2013

R. Wehner Alexander-Technik: Achtsame Übungen für mehr Körperharmonie 2013 Trias Stuttgart

Anthroposophische Medizin

Frank Meyer

Anthroposophische Medizin Die von Rudolf Steiner (1865–1925) begründete Anthroposophische Medizin ist eine integrative Medizin, welche die naturwissenschaftliche, konventionelle Medizin um geisteswissenschaftlich-spirituelle Aspekte erweitert. Sie wird auch als „anthroposophisch erweiterte Medizin“ bezeichnet. Das Therapiespektrum umfasst anthroposophisch zubereitete Arzneimittel sowie nichtmedikamentöse Therapieverfahren.

Entwicklung und Wirkungsweise

Entwicklung

Anthroposophische MedizinEntwicklungDie Anthroposophische Medizin (AM) entwickelte sich zu Beginn der 1920er-Jahre aus der Zusammenarbeit von Rudolf Steiner (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, mit Ärzten und Pharmazeuten. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs traten Mediziner an Steiner mit der Frage heran, ob sich aus seinen Erkenntnissen und Konzepten, die das Menschenbild, das Verständnis von Krankheitsprozessen und die Stellung des Menschen in der Natur betreffen, nicht eine neue Medizin begründen lässt. Daraus sind mehrere medizinische Vortragskurse hervorgegangen sowie innerhalb weniger Jahre eine Arzneimittelfirma (Weleda) und Kliniken. 1925 erschien postum das Buch Grundlegendes zur Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, welches Rudolf Steiner gemeinsam mit der Ärztin Ita Wegman als Grundlagenwerk der AM verfasst hatte. Steiner selbst hat nie Patienten behandelt. Er stand Ärzten nur beratend zur Seite.
Als integrative Medizin baut die AM auf der naturwissenschaftlichen Steiner, RudolfMedizin auf und erweitert diese um die Gesichtspunkte, Erkenntnisse und Vorgehensweisen, die einerseits aus der Anthroposophie stammen und andererseits an natur- und erfahrungsheilkundliche Traditionen wie die Homöopathie und die Pflanzenheilkunde anknüpfen. Sie wird heute in über 80 Ländern der Welt praktiziert, hat sich aber zunächst stark im deutschsprachigen Raum verbreitet, wo mehrere Kliniken und weitere Arzneimittelfirmen (WALA u. a.) gegründet wurden. Seit 1976 ist die AM im Arzneimittelgesetz in Deutschland als „Besondere Therapierichtung“ anerkannt und genießt seit 1989 im Sozialgesetzbuch V als medizinische Richtung gesetzlichen Schutz. Die Zusatzbezeichnung „Anthroposophischer Arzt“ wird durch die Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland (GAÄD) verliehen.

Stellenwert

In Deutschland gibt es 2.000–3.000 anthroposophische Ärzte, von denen ca. 1.200 qualifiziert weitergebildete Mitglieder der GAÄD sind. Anthroposophische Arznei- und Heilmittel werden jedoch von weitaus mehr Ärzten verordnet. Eine Besonderheit der AM besteht darin, dass sie in Deutschland in 9 Akut- und 6 Rehakliniken praktiziert wird. Im stationären Sektor kommt die AM auf 1.800 Betten. Jährlich werden in Deutschland über 100.000 Patienten in anthroposophischen Kliniken stationär behandelt.

Wirkungsweise

Anthroposophische Arzneimittel sind Einzel- oder Kompositionsmittel, die so verarbeitete Natursubstanzen enthalten, dass sie die Selbstheilungskräfte anregen. Damit sind diejenigen Kräfte gemeint, die in einem gesunden Organismus das Gleichgewicht aufrechterhalten sowie Anpassung, Entwicklung und Wachstum ermöglichen. Diese Anregung basiert in den meisten Fällen darauf, dass sich der Organismus mit dem Arzneimittel im Sinne einer „Fremdsubstanz“ auseinandersetzt und versucht, diese zu überwinden. Um dem Organismus gezielt auf bestimmten Organisationsebenen anzusprechen, werden in der AM neben der aus der Homöopathie (2.26) bekannten Potenzierung weitere Möglichkeiten genutzt. Bereits der biologisch-dynamische Anbau der Heilpflanzen und die Wildsammlung an ausgewählten Standorten erfolgen unter Gesichtspunkten, welche sich an der späteren therapeutischen Verwendung orientieren. Viele Substanzen weisen bereits durch ihre Stellung innerhalb der Natur eine Verwandtschaft zu korrespondierenden physiologischen oder pathologischen Vorgängen im Menschen auf. Sie können ihre Heilwirkung jedoch oft erst nach Durchlaufen bestimmter pharmazeutischer Prozesse entfalten, die sie auf bestimmte Wesensglieder, funktionelle Systeme und Organprozesse hin orientieren. Zu den speziellen Verfahren, die ausschließlich bei der Herstellung von anthroposophischen Arzneimitteln angewendet werden, gehören die Erzeugung von Metallspiegeln (s. u.), die Kultivierung von sog. vegetabilisierten Metallen und spezielle rhythmische Verfahren.
  • Beim Vegetabilisieren von Metallen werden Heilpflanzen, die eine Wesensverwandtschaft mit bestimmten Metallen (und den korrespondierenden Organen) aufweisen, mit dem jeweiligen Metall bzw. seinen gelösten Salzen gedüngt. Bei Hypericum Auro cultum beispielsweise handelt es sich um ein Johanniskraut-Präparat, dessen Gold-Komponente von drei Johanniskraut-Generationen vegetabilisiert wurde.

  • Die rhythmischen Verfahren (Rh-Verfahren der Weleda, WALA-Verfahren), bei denen Pflanzensäfte über Wochen rhythmischen Prozessen (z. B. durch Bewegen) unter Einbeziehung von Wärmeschwankungen unterzogen werden, gleichen die Pflanzenzubereitungen an das Rhythmische System an. Ein Beispiel dafür ist Hypericum Auro cultum Rh, zu dessen Anwendungsgebieten neben Depressionen funktionelle Herzbeschwerden gehören. Zugleich sind die Rh-Präparate alkoholfrei und dennoch haltbar, weshalb sie sich als Tropfen sehr gut für Kinder eigenen.

Studien

Über Wirksamkeit und Nutzen anthroposophischer Arzneimittel und Therapien liegen eine ganze Reihe von Studien vor. Eine Besonderheit stellt die sog. AMOS-Studie (Anthroposophic Therapies in Chronic Disease: The Anthroposophic Medicine Outcomes Study, European Journal of Medical Research 9/2004) dar. Diese wurde an rund 800 Patienten in 141 deutschen Arztpraxen durchgeführt. Dabei konnte gezeigt werden, dass die AM bei häufigen Volkskrankheiten wie Erschöpfungssyndromen und Rückenschmerzen nicht nur die Beschwerden lindert und die Lebensqualität steigert, sondern, v. a. durch Verminderung der stationären Behandlungstage, zu einer signifikanten Senkung der Gesamtbehandlungskosten beiträgt.

Konzepte der Anthroposophie

Anthroposophische MedizinKonzepteDas Konzept der AM beruht auf dem Menschenbild der anthroposophischen Geisteswissenschaft. Danach wird der Mensch als leiblich-seelisch-geistige Einheit aus verschiedenen Wesensgliedern verstanden. Diese wirken in einem dreigliedrigen System zusammen, das die Grundlage für Denken, Fühlen und Wollen bildet.

Wesensglieder

Anthroposophische MedizinWesensgliederDie Systematik der sog. Wesensglieder geht auf Steiner zurück und weist auf unterschiedliche Organisationsebenen des Menschen hin. Steiner unterscheidet die folgenden vier Wesensglieder:
  • Physischer Leib: Er lässt den Menschen räumlich in Erscheinung treten und ist mit der unbelebten Außenwelt verwandt. Seine materiellen Strukturen stehen im Fokus der konventionellen Medizin.

  • Lebensleib: Er wird auch „Bildekräfteorganisation“ oder „Ätherleib“ genannt. Ihm unterstehen die Vorgänge des Aufbaus, Wachstums, der Fortpflanzung und Regeneration bei Menschen, Tieren und Pflanzen. Seine Tätigkeit vollzieht sich in komplexen Rhythmen, die Gegenstand der physischer LeibChronobiologie sind und den Organismen eine „Zeitgestalt“ verleihen. Man bezeichnet ihn daher auch als „Zeitleib“.

  • Seelenleib: Dieser wird auch als „Lebensleib, AnthroposophieEmpfindungsorganisation“ oder „BildekräfteorganisationAstralleib“ bezeichnet. Er liegt den bewusstseinsermöglichenden, seelischen Ätherleib, AnthroposophieProzessen beim Menschen und beim Tier zugrunde und wirkt auf den Organismus häufig mit abbauenden Kräften ein. Diese können z. B. bei Stress von den aufbauenden Kräften des Lebensleibes nicht mehr ausgeglichen werden. In solchen Ungleichgewichten zwischen aufbauenden und abbauenden Kräften wird in der AM die Ursache vieler Erkrankungen gesucht.

  • Ich-Seelenleib, AnthroposophieOrganisation: Über sie verfügt nur der Mensch. Sie stellt die Grundlage für Empfindungsorganisation, Anthroposophiedie Entwicklung des Selbstbewusstseins und des „Ich“ genannten geistigen AstralleibWesenskerns dar und prägt den menschlichen Organismus auf allen Ebenen von der Physiognomie über die Bewegungsmuster bin hin zu molekularen Strukturen. Sie wirkt integrierend und hält die Vorgänge von Abbau und Aufbau im Gleichgewicht. Anthroposophische Therapien zielen daher häufig auf eine Stärkung der „Ich-Organisation“ ab.

Merke

Ziel der anthroposophischen Medizin ist das gesunde Zusammenwirken der genannten Wesensglieder.

Dreigliederung Wesensglieder

Anthroposophische MedizinDreigliederungZu den Grundlagen der AM gehört auch das Ich-Organisation, AnthroposophieKonzept der Dreigliederung des menschlichen Organismus. Dabei werden drei Funktionssysteme unterschieden:
  • Nerven-Sinnes-System (NSS)Nerven-Sinnes-System (NSS), Anthroposophie, zu dessen Aufgaben die Sinneswahrnehmung sowie die Weiterleitung und Verarbeitung von Sinneseindrücken gehören. Die Strukturen, Gewebe und Zellen dieses Systems sind auf Kosten ihrer Regenerationsfähigkeit hochgradig strukturiert und spezialisiert. Die Vitalität ist auf ein Mindestmaß reduziert. Hauptsächlich im Kopf zentralisiert, aber den ganzen Anthroposophische MedizinDreigliederungKörper durchdringend, liegt das NSS dem wachen Tagesbewusstsein, dem Denken und dem Vorstellungsleben zugrunde.

  • Das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System (SGS)Stoffwechsel-Gliedmaßen-System (SGS), Anthroposophie ist vorwiegend im unteren Menschen wirksam und polar zum NSS organisiert. Hier herrschen Bewegung und Veränderung vor, sowohl im nach innen gerichteten Stoffwechsel als auch in den Aktionen des Bewegungsapparats, mit denen wir in der Außenwelt agieren. Es stellt die Grundlage des menschlichen Wollens und Handelns dar.

  • Das Rhythmische System (RhSRhythmische System (RhS), Anthroposophie, v. a. Herz-Kreislauf-System, Atmung) vermittelt zwischen den Polaritäten des NSS und SGS. In der rhythmischen Tätigkeit und Schwingungsfähigkeit dieses Systems findet das Gefühlsleben seinen Ausdruck.

Diagnostik und Therapie

Diagnostik

Entsprechend dem Beschwerdebild erfolgt eine vollständige Diagnostik nach medizinischen Standards. Darüber hinaus wird durch Befunderhebung und Anamnesefragen versucht, das Zusammenwirken der vier Wesensglieder und der drei Funktionssysteme (s. o.) zu erfassen. Bei Bedarf kann eine ausführlich anthroposophische Anamnese unter Einbeziehung biografischer Gesichtspunkte weitere Aufschlüsse geben. AnamneseAnthroposophie

Anthroposophische Arzneimittel: Sulfur, Mercurius und Sal

Anthroposophische MedizinArzneimittelArzneimittelAnthroposophische MedizinIn der AM werden Bezüge zwischen den drei Funktionssystemen (2.3.1) und bestimmten Substanzqualitäten beachtet und der Arzneimittelwahl zugrunde gelegt. Die Benennung als Sulfur, Mercurius und Sal erfolgt in Anlehnung an Paracelsus.
  • Sal: Sal, Anthroposophie

    • Charakteristika: Qualitäten des NSS mit seinen hoch spezialisierten, aber wenig vitalen, sondern zur Überformung und Verhärtung neigenden Strukturen (z. B. Augenlinse, Gehörknöchelchen), die Durchlässigkeit und innere Aktivität ermöglichen

    • Anthroposophische Arzneimittel: „sal-artige“ Arzneimittel für das NSS, z. B. der Quarz (Bergkristall) in Quarz-Augentropfen oder Ferrum-Quarz-Kapseln bzw. Kephalodoron®, dem anthroposophischen Migränemittel

  • Sulfur: Sulfur, Anthroposophie

    • Charakteristika: feurige, energieverbrauchende, oxidative Prozesse im SGS, die auch entzündlichen Erkrankungen zugrunde liegen können

    • Anthroposophische Arzneimittel: leicht entzündliche Energieträger im Sinne des Sulfur-Prinzips, z. B. Phosphorus (Phosphor) bei Stoffwechselschwäche oder Sulfur (Schwefel) als Bestandteil des entzündungsmodulierenden Arzneimittels Erysidoron® 2, die zur Therapie des SGS und bei Entzündungen gegeben werden

  • Mercur: Mercur, Anthroposophie

    • Charakteristika: im RhS wirkende Qualitäten des rhythmisch bewegten Ausgleichs und der Flüchtigkeit (Übergang vom flüssig gebundenen in den gasförmigen Zustand in der Atmung)

    • Anthroposophische Arzneimittel: „merkurielle“ Arzneimittel, die durch spezielle Flüssigkeitsprozesse bei „Körpertemperatur“ (Digestio) hergestellt, z. B. Cardiodoron, das anthroposophische Basismittel für Herz und Kreislauf, und bei Erkrankungen des RHs eingesetzt werden

Merke

  • Im Pflanzenreich entsprechen die zur Verhärtung und Mineralisierung neigende Wurzel dem Sal-Prinzip und dem NSS, die Blüten und Früchte (die Fortpflanzungsorgane der Pflanzen) dem Sulfur-Prinzip und dem SGS und den Reproduktionsorganen, während die rhythmisch am Stängel angeordneten Blätter zu Mercurius und dem RhS passen.

  • „Oben“ bei der Pflanze entspricht „unten“ beim Menschen – und umgekehrt (Tab. 2.3-1). Der Mensch wird somit in der AM als „umgekehrte Pflanze“ angesehen. Diese Bezüge werden in der AM ausgenutzt, indem Zubereitungen aus den jeweiligen Pflanzenteilen gezielt gewählt werden, um die korrespondierenden Systeme beim Menschen anzusprechen.

Anthroposophische Arzneimittel: Metalle und Metallzubereitungen

Anthroposophische MedizinArzneimittelArzneimittelAnthroposophische MedizinMetallzubereitungen, Anthroposophische MedizinIn der AM werden Metalle und Metallzubereitungen bei unterschiedlichsten Krankheitsbildern sowohl als Einzelmittel als auch als Bestandteile von Arzneimittel-Kompositionen eingesetzt. Außerdem dienen Metalle in einigen anthroposophischen Mistel-Präparaten (Iscador®) als organotrope „Leitschienen“, um die Mistelwirkungen auf die betroffenen Organe zu richten. Der Metalltherapie werden Zusammenhänge zwischen den jeweiligen Metallen, Organen und übergeordneten Prozessen im menschlichen Organismus zugrunde gelegt. Obwohl auch Metalle eingesetzt werden, die dem Körper fehlen können (Eisen, Kupfer), handelt es sich um keine Substitutionstherapie. Vielmehr werden speziell zubereitete und potenzierte Metalle gegeben, um den Organismus zu Eigenleistung, zur Entwicklung einer reaktiven Gegenkraft, die auf die Überwindung des jeweiligen Metallprozesses ausgerichtet ist, anzuregen. An alte medizinische Traditionen anknüpfend, werden den Metallen auch Qualitäten zugeordnet, die früher mit einem bestimmten Planeten assoziiert wurden (Tab. 2.3-2).
Zu den sieben Planetenmetallen hinzu kommt das Halbmetall Antimon (Stibium), das in der Metallurgie zur Härtung von Blei- und Zinn-Legierungen verwendet und in der AM gegeben wird, um übergeordnete körperliche und auch seelische Strukturen zu stärken, z. B. bei chron. entzündlichen oder autoimmunen Erkrankungen. Stibium hat keinen direkten Organbezug, sondern vereint die aufbauenden Kräfte von Silber (Argentum), Kupfer, (Cuprum) und Quecksilber (Mercurius).
Eine Besonderheit vieler anthroposophischer Metallpräparate besteht darin, dass diese vor der Potenzierung einem auf Steiner zurückgehenden speziellen pharmazeutischen Prozess unterzogen werden. Dabei wird das Metall als Metallspiegel niedergeschlagen. Beispielsweise wird Gold im Vakuum geschmolzen und verdampft, um sich anschließend am Glas einen hauchdünnen, glänzenden Metallspiegel zu bilden. Dadurch wird es in den gasförmigen Zustand zurückversetzt, in dem es war, bevor es sich als festes Metall in den Goldlagerstätten abgelagert hat. Es handelt sich um eine Art „Verjüngungsprozess“, der dazu dienen soll, die Metallwirkung zu verstärken. Andere Metallspiegel werden durch Erhitzung von Lösungen aus Metallsalzen, z. B. Silbernitrat in größeren Mengen gewonnen, um dann unpotenziert zu Salben oder Zäpfchen weiterverarbeitet zu werden. Die Metallspiegelpräparate haben den Metallspiegelpräparate, AnthroposophieZusatz „praeparatum“, z. B. Aurum metallicum praeparatum® (Goldspiegel) oder Argentum metallicum praeparatum® (Silberspiegel).

Weitere spezifische typische Arzneimittelzubereitungen

Arzneimittel Anthroposophische Medizin Anthroposophische Medizin Arzneimittel
  • Organpräparate: Die Verwendung potenzierter Organpräparate, überwiegend vom Rind, ist eine weitere Eigenart der AM. Sie kommen als Einzelmittel und in Kompositionspräparaten zum Einsatz, um je nach Potenzhöhe ihre regulativ-stärkenden, aber auch ordnenden und begrenzenden Wirkungen auf bestimmte Organe zu entfalten.

  • Eine Sonderstellung innerhalb der AM nehmen die sog. Typenmittel ein. Diese werden auch „Arzneimittel für Krankheiten“ oder „Dorone“ genannt („Doron“ kommt aus dem Griechischen und heißt „Geschenk“ oder „Gabe“). Sie sind so konzipiert, dass sie sich nicht an Organpräparate, Anthroposophische MedizinKrankheitsprozessen oder -symptomen orientieren, sondern dem erkrankten oder geschwächten Organismus als Vorbild für die wiederherzustellende und anzuregende gesunde Funktion zur Verfügung stehen. Beispielsweise steht beim Cardiodoron® („Gabe für das Herz“), einer Komposition aus Wiesenprimel- und Eselsdistel-Blüten sowie aus Bilsenkraut-Blättern jede der verarbeiteten Pflanzen für einen bestimmten Aspekt der Typenmittel, Anthroposophiegesunden Herz-Kreislauf-Funktion. Ähnliches gilt z. B. für das aus Walderdbeer- und Weinblättern komponierte Hepatodoron® („Gabe für die Leber“) oder Digestodoron® („Gabe für die Verdauung“) – eine Komposition aus Farn- und Weidenblättern. Im Gegensatz zu konventionellen Arzneimitteln können die Dorone schon bei rein funktionellen Störungen, Dysfunktionen, Organschwächen und Krankheitsdispositionen und zur Prävention gegeben werden.

Applikationsformen und Dosierung

Für die Arzneimitteltherapie stehen unterschiedlichste Darreichungsformen von Augentropfen, Zäpfchen, Cremes und Salben über Ampullen und Nasensprays bis hin zu Verreibungen, Dilutionen und Globuli zur Verfügung (zur Dosierung Tab. 2.3-3).
Die unterschiedlichen Applikationsformen werden häufig bewusst gewählt, um die gestörten Funktionssysteme direkt anzusprechen:
  • Äußere Anwendungen (z. B. Salben, Wickel und Bäder) wirken über unser größtes Sinnesorgan die Haut direkt auf das Nerven-Sinnes-System (NSS).

  • Die orale Anwendung wirkt über die Verdauung primär auf das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System (SGS).

  • Parenterale Applikationsformen (Inj. und Infusionen) werden häufig gewählt, um direkt das Rhythmische System (RhS) anzusprechen.

Bei den potenzierten Arzneimitteln orientiert man sich auch bei der Potenzwahl am betroffenen Funktionssystem und an weiteren Gesichtspunkten, von denen einige in Tab. 2.3-4 aufgeführt sind.

Anthroposophische Misteltherapie

Die anthroposophische Misteltherapie von Krebserkrankungen ist heutzutage über die AM hinaus Bestandteil einer integrativen Tumortherapie. Sie ging aus der Kooperation von Rudolf Steiner mit der Frauenärztin Ita Wegman hervor. Wegman ließ auf Anraten Steiners die ersten Injektionspräparate aus dem auf Bäumen wachsenden Halbparasiten Viscum album bereits 1917 in einer Züricher Apotheke herstellen. Im Gegensatz zur phytotherapeutischen Betrachtungsweise, die nur einen einzigen Wirkstoff, das Anthroposophische MedizinMisteltherapieMistellektin-1 (ML-1) im Fokus hat, spielt in der AM der Mistel-Gesamtextrakt die MistelextrakteAnthroposophieentscheidende Rolle. Dabei wird nicht nur auf den Lektingehalt, sondern auch auf andere immunmodulierende und tumorzell-toxische Wirkstoffe wie die Viscotoxine großer Wert gelegt. Mittels verschiedener Verfahren versuchen die Hersteller aus den unterschiedlich zusammengesetzten Sommer- und Wegman, ItaWinterernten der Weissbeerigen Mistel (Viscum album) möglichst ausgewogene und gut verträgliche Gesamtextrakte aufzubereiten, die mehr sind als die Summe der Wirkstoffe. Denn in der AM wird auch die Mistel über die zweifellos wichtige Wirkstoff-Ebene hinaus im Sinne eines „Typenmittels“ (s. o.) eingesetzt. Aufgrund ihrer Stellung in der Natur (z. B. Standort auf Bäumen, Blüte/Fruchtbildung im Winter, Abgrenzung in alle Richtungen durch die Kugelform) zeigt die Mistel ein ausgesprochenes „eigenwilliges“ Autonomie-Streben. Damit hat sie eine „Vorbild-Wirkung“ in Bezug auf die Kräfte, die bei den an Krebs Erkrankten gestärkt werden sollen.

Merke

Eine Misteltherapie zusätzlich zur onkologischen Standardtherapie wird nicht nur gegeben, um die Lebensqualität und die Prognose zu verbessern, sondern auch, um die seelische Selbstregulation und Autonomie zu verbessern. Im Gegensatz zur Phytotherapie setzt die AM unterschiedliche Wirkstärken, Wirtsbäume und Metallzusätze ein, um die Misteltherapie möglichst individuell zu gestalten.

Nichtmedikamentöse Therapien der AM

Hierzu gehören Formen der Kunsttherapie (plastisches Gestalten, therapeutisches Zeichnen und Malen, Musiktherapie, Sprachgestaltung), die Heileurythmie (eine spezielle Bewegungstherapie), äußere Anwendungen (Bäder, Wickel, Auflagen, Rhythmische Massage) sowie Psychotherapie, Biografiearbeit und Anleitungen zu Achtsamkeit und meditativem Erleben. Diese Therapieformen werden in Kliniken und im ambulanten Bereich häufig in einem anthroposophischen Therapeutikum, in dem Ärzte mit nichtärztlichen Therapeuten zusammenarbeiten, angeboten. Sie sind zu umfangreich, um sie in diesem Leitfaden zu behandeln.

Kombination mit anderen Therapieverfahren

Anthroposophische Medizinnichtmedikamentöse TherapieAls integrative Medizin ist die AM ihrem Selbstverständnis nach grundsätzlich mit allen Therapieverfahren kombinierbar. Selbstverständlich müssen im Einzelfall Wechselwirkungen beachtet werden. So sind z. B. die immunmodulierenden Mistelpräparate bei gleichzeitiger immunsuppressiver Therapie (z. B. Kortikoide, NSAR) häufig höher zu dosieren.

Indikationen

Die AM ist als alleinige oder ergänzende Maßnahme überall angezeigt, wo Ungleichgewichte von Wesensgliedern oder Funktionssystem bestehen. Das ist grundsätzlich bei allen Gesundheitsstörungen und Krankheiten der Fall.

Kontraindikationen

Gegen die AM als solche gibt es keine Kontraindikationen, jedoch sind die Gegenanzeigen für die einzelnen Arzneimittel zu beachten, z. B. eine Allergie auf bestimmte Wirk- und Inhaltsstoffe.

Abrechnungsziffern

GOÄ

Einige wenige Krankenkassen bieten Leistungen der AM als „integrierte Versorgung“ an, andere bezahlen freiwillig Kunsttherapie oder Heileurythmie. Die Kosten für die ärztlichen Leistungen werden meistens nur zu den üblichen Vergütungssätzen für die konventionelle Therapie übernommen. Was darüber hinausgeht, muss privat abgerechnet werden, z. B. mit den folgenden Ziffern:
15Flankierende Maßnahmen bei chron. Krankheiten, max. einmal pro Jahr.
34Erörterung der Auswirkung einer Krankheit auf die Lebensgestaltung.
Bei langen Anamnesen auch Analogziffern zur homöopathischen Anamnese: A 30 (homöopathische Erstanamnese), A 31 (homöopathische Folgeanamnese).

GebüH

Abrechnung nach freier Bearbeitung.

Literatur

Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland e, 2012

Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland e. V./Medizinische Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft Vademecum Anthroposophische Arzneimittel 3. A. 2012 Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte Filderstadt

Girke, 2012

M. Girke Innere Medizin. Grundlagen und therapeutische Konzepte der Anthroposophischen Medizin 2. A. 2012 Salumed Berlin

Husemann, 2011

F. Husemann Anthroposophische Medizin. Ein Weg zu den heilenden Kräften 2. A. 2011 Verlag am Goetheanum Dornach Dornach

Soldner and Stellmann, 2011

G. Soldner H.M. Stellmann Individuelle Pädiatrie 4. A. 2011 Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart

Schramm, 2009

H. Schramm Heilmittel der anthroposophischen Medizin. Grundlagen – Arzneimittelporträts – Anwendung 2009 Elsevier München

Kienle et al., 2006

G.S. Kienle H. Kienle H.-U. Albonico Anthroposophische Medizin: Wirksamkeit, Nutzen, Wirtschaftlichkeit, Sicherheit 2006 Schattauer Stuttgart

Meyer, 2016

F. Meyer Das Geheimnis der Metalle: vom Mythos zur praktischen Anwendung in der anthroposophischen Medizin 3. A. 2016 Info 3 Frankfurt

Aromatherapie

Matthias Augustin

Aromatherapie Therapeutische Anwendung unverfälschter ätherischer Öle als Duftstoffe.

Entwicklung

Schon im Altertum war die besondere Wirkung aromatischer Pflanzendüfte auf Gemüt und körperliches Befinden bekannt. Die alten chinesischen, ägyptischen, griechischen und römischen Kulturen verwendeten Duftstoffe sowohl in der Heilkunde als auch in der Kosmetik. In der Neuzeit wurde besonders von deutschen Naturheilärzten, Laienheilern und osteuropäischen Wissenschaftlern die Aromatherapie wiederentdeckt und weiterentwickelt. Die größten Erfahrungen sammelten Gassanov und Mitarbeiter aus der Sowjetunion. Sie fanden eine Besserung zahlreicher funktioneller Parameter wie Blutdruck, Schlaf und Atmung unter der gezielten Therapie mit Duftstoffen.

Konzept

Die Wirkungsweise der Duftstoffe lässt sich zum einen durch direkte pharmakologische Wirkungen der vielen ätherischen Öle erklären. Gesichert sind diverse zentralnervöse, v. a. stimmungsbeeinflussende und endokrine Wirkungen. Zum anderen sind psychovegetative Effekte der Geruchswahrnehmung wirksam, die im Einzelnen noch nicht erklärt sind. Es ist jedoch hinlänglich bekannt, dass Gerüche zu den intensivsten Einflussfaktoren auf das Gemüt zählen und Düfte zu vielen emotionalen wie kognitiven Assoziationen anregen.
Die Verabreichung erfolgt in Form oraler Gaben, perkutan (Bäder, Massagen, Wickel) und inhalativ (Aerosole). Die ätherischen Öle folgender Heilpflanzen werden in der Aromatherapie besonders häufig angewendet: Anis, Bergamotte, Eukalyptus, Fenchel, Geranium, Jasmin, Kamille, Lavendel, Majoran, Minze, Nelke, Pfefferminze, Rosmarin, Sandelholz und Zimt.

Indikationen

Die Hauptanwendungsbereiche der Aromatherapie liegen bei psychosomatischen und emotionalen Störungen. Bei direkter Applikation kommen auch zahlreiche Indikationen der Phytotherapie (2.48) hinzu.

Literatur

Fischer-Rizzi, 2011

S. Fischer-Rizzi Himmlische Düfte. Aromatherapie 2011 AT Verlag Aarau

Wabner and Beier, 2011

D. Wabner C. Beier Aromatherapie: Grundlagen, Wirkprinzipien, Praxis 2. A. 2011 Elsevier München

Werner and v. Braunschweig, 2016

M. Werner R. v. Braunschweig Praxis Aromatherapie. Grundlagen – Steckbriefe – Indikationen 5. A. 2016 Haug Stuttgart

Zimmermann, 2016

E. Zimmermann Aromatherapie. Die Heilkraft ätherischer Pflanzenöle 2016 Irisiana München

Psycho-physische Atemtherapie

Stefan Bischof

Atemtherapie, psycho-physische Die psycho-physische Atemtherapie ist ein übendes, aktives, nicht suggestives, eutonisierendes, selbsterfahrungszentriertes, leibtherapeutisches Verfahren (Stockvis, Wiesenhütter, Fuchs), das hinsichtlich seiner Therapieziele im Grenzbereich zwischen Naturheilverfahren und Körperpsychotherapie angesiedelt ist.

Entwicklung

Die psycho-physische Atemtherapie hat sich Anfang des letzten Jh. aus der Begegnung der westlichen Atemlehren mit verschiedenen Elementen von Gymnastik, Tanz, Psychotherapie und dem fernöstlichen Atemwissen entwickelt. Sie geht in der Betonung des leibtherapeutischen und eutonisierenden Aspekts über den körperlichen Aspekt der Atmung hinaus und wendet sich an den ganzen Menschen in all seinen inneren und äußeren Bezügen, auf die er physisch, emotional und kognitiv reagiert. Beim kranken Menschen sind diese Bezüge gestört.
„Leibtherapeutisch“ meint die Arbeit am „beseelten Körper“, dem Leib (Buytendijk, Dürckheim, Middendorf, Jung, Petzold, v. Weizsäcker). „Eutonisierend“ benennt das Ziel, dem Patienten dazu zu verhelfen, in seinem Leib, also seelisch und körperlich, in einen ausgeglichenen, den inneren und äußeren Bedingungen adäquaten Gesamtspannungs-Zustand zu gelangen. Die so verstandene Atemtherapie ist eng verknüpft mit den Methoden von Veening, Middendorf, Kemmann-Huber, Höller, Richter, Dürckheim und Gerda Alexander. Im Gegensatz dazu beschränkt sich die Atemtherapie im Rahmen von Massage und Physiotherapie in ihrer Zielsetzung auf eine Ökonomisierung der Atmung und auf die sich daraus ergebenden Wirkungen.

Stellenwert

Die Atemtherapie kann pädagogisch, klinisch sowie körperpsychotherapeutisch eingesetzt werden. Die klinischen sowie körperpsychotherapeutischen Arbeitsfelder erfordern entsprechende Zusatzkompetenz.

Konzept

Die Atmung ist als eine der wesentlichen Grundfunktionen des Lebens mit allen Funktionen des Organismus eng verknüpft. Ihre Bedeutung reicht weit über den Gasaustausch hinaus: Direkt oder indirekt nehmen Atemtyp, -rhythmus und -frequenz tiefen Einfluss auf alle Organfunktionen und können ordnend auf das Zusammenspiel der Organe und Organsysteme wirken. Neurophysiologisch ist hierfür die Verschaltung des Atemzentrums mit anderen vegetativen Zentren im Hirnstamm, mit der Formatio reticularis, dem Hypothalamus-Hypophyse-System und den sensiblen und motorischen Nerven verantwortlich.
Im Rahmen der psycho-physischen Atemtherapie wird an der Bewusstwerdung dieser Bezüge gearbeitet und als Mittel dazu die Atmung gewählt, weil sich in ihr Seelisches und Körperliches gleichermaßen ausdrückt und für Patienten wie Therapeut wahrnehmbar und beeinflussbar ist. Diese Therapie ist nicht aus Büchern erlernbar, sondern nur durch die praktische Erfahrung im Üben und Wahrnehmen.

Merke

Wesentliche Grundpfeiler des erweiterten therapeutischen Konzepts sind: Empfinden, Sammeln, Atmen und Benennen.

  • EmpfindenEmpfinden, Atemtherapie meint die Atemtherapie, psycho-physischeEmpfindenWahrnehmung der körperlichen Realität. In der Arbeit heißt dies, die Empfindungsfähigkeit für die Körpergrenzen, den Körperinnenraum und so auch den Bezug zum Außenraum zu schulen. Neurophysiologisch sind hierfür Oberflächen- und Tiefensensibilität, kinästhetischer Sinn sowie die von den Muskelspindeln ausgehenden γ-Afferenzen von besonderer Bedeutung.

  • Sammeln ist die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Körpergegend zu lenken, dort zu halten und sie psychisch als integralen Teil der Gesamtpersönlichkeit zu begreifen. Neurophysiologisch ist dieser komplexe Vorgang besonders durch Cortex-Thalamus-Verschaltungen mit der sensomotorischen und vegetativen Peripherie möglich.

  • Atmen meint das natürliche rhythmische Geschehen, ein „Weit- und Schmal-Werden“ des Körperinnenraums mit Dehnung und Nachgeben der Körperwände im Einatmen und anschließenden elastischen Zurückschwingen in die Ausgangslage im Ausatmen.

  • Benennen und Reflektieren umfasst alle (Sinnes-) Wahrnehmungen und Bewusstseins-Funktionen nach Jung: das Empfinden, Fühlen, Intuieren (Bilder, Impulse) und das Denken (Bischof, 2010). Es bedeutet die Fähigkeit im Wahrnehmungsfeld des Atems Bewusstseinsprozesse auf der Ich-Selbst-Achse mit Worten zu benennen und dessen Bedeutung auf alle Bereiche des Lebens (soziale, personale und transpersonale) verstehen und einordnen zu können.

Die Atembewegung ist sichtbare und spürbare Realität, die unbewusst bleiben kann oder durch den Willen steuerbar ist. Zwischen unbewusstem Atmen und willkürlichem Atmen steht die Möglichkeit, die spontane, ursprüngliche Atembewegung innerlich zu erleben, als der „bewusst zugelassene Atem“ (Fischer/Kemmann-Huber) – als der „Atem, der Ich bin“ (Bischof, 2007, 2012). Die Atembewegung ist Kern und Wirkprinzip dieser Art von Atemtherapie.

Wirkungsweise

Die Verknüpfung von Empfinden, Sammeln, Atmen und Benennen ist eine wesentliche Voraussetzung für das ganzheitliche Erleben, d. h. für die Möglichkeit, einen bewussten, erfahrbaren Anschluss an ursprüngliche Lebendigkeit und damit an Selbstheilungskräfte zu bekommen. Auf diesem Weg schwindet die psychische Skotomisierung des Körpers. Physis und Psyche werden stattdessen im Atemerleben integriert. Gleichzeitig entsteht eine leibliche Durchlässigkeit für die Atembewegung, die einhergeht mit einem auch leiblich gegründeten Selbstbewusstsein und der sich daraus ergebenden Ich-Kraft für richtungweisende Selbsterkenntnis und Heilung. Das Wirken des bewusst zugelassenen Atems als Mittler zwischen Unbewusstem und Bewusstem wird so als homöostatisches leib-seelisches Geschehen gesehen. Es gleicht bestehende Ungleichgewichte zugunsten des Bewussten oder Unbewussten aus, die sich in vielfältigen psychischen und körperlichen Symptomen äußern.

Studien

Verschiedene Einzelarbeiten haben als eine Art Bestandsaufnahme die atempädagogische Tätigkeit aus Sicht der Patienten und Therapeuten thematisiert. Zudem befassen sich zwei Abschlussarbeiten zur Ausbildung des Atemtherapeuten mit Fragen zur Wirksamkeit der Atemtherapie.

Diagnostik

Atemtherapie, psycho-physischeDiagnostikDie atemtherapeutische Diagnose basiert auf der Annahme eines Wirkfelds zwischen Klient und Therapeut. Als Wirkfeld ist ein „ermöglichender Raum“ (Veening) gemeint, indem sich die Wahrnehmung bei Klient und Therapeut für unbewusste und bewusste Botschaften öffnen kann. Diese Botschaften und Resonanzen auf allen Ebenen der Wahrnehmung entsprechen Gegenübertragungsphänomenen bis hin zur Syntonie und werden im Sinne einer ganzheitlichen Diagnose genutzt. Der Atemtherapeut orientiert sich differenziert in folgenden Wahrnehmungsebenen:
  • Empfindungsebene: am Atemtypus, an der Atemfrequenz, an der Qualität und Ausbreitung der Atembewegung in den Körperräumen, am leib-seelischen Tonus, an der Körpergestalt und am Körperausdruck

  • Intuitive Ebene: an atmosphärischen Wahrnehmungen, Bildern, Fantasien und seelischen Zuständen, an Ahnungen und Assoziationen sowie an Bewegungsimpulsen

  • Gefühlsebene: an Antipathie, Sympathie und an seelischen Konflikten

  • Denkebene: Ebene der Reflexion, Kombination und Unterscheidungsfähigkeit

Zusätzlich zur atemtherapeutischen klinischen Diagnose wird das psychiatrische Wissen zur Strukturierung sowie zur Überprüfung der eigenen therapeutischen Arbeit im Sinne eines ganzheitlichen Prozesses eingesetzt. Aus der Fülle dieser Informationen entsteht in Rückbindung an die eigene Ganzheit ein Bild eines möglichen atemtherapeutischen Ansatzes bzw. ein Eindruck des Atemflusses, der dorthin geht, wo sich etwas wandeln möchte.

Therapie

Je nach Schweregrad und Art der Erkrankungen wird einzeln oder in der Gruppe gearbeitet. Eine Einzelstunde dauert in der Regel 50–60 Min., eine Gruppenstunde 60–90 Min. Stets geht es um die Wahrnehmung der Realität des „Hier und Jetzt“. Das Erleben schließt Negatives und Positives ein. Allerdings wird auf die Stärkung und Erweiterung des Positiven, der Ressourcen, hingearbeitet.
Einzelarbeit
In der Einzelarbeit wird (meist am liegenden, bekleideten Patienten) mithilfe von Behandlungsgriffen, die häufig denen der klassischen Massage oder KG ähneln, die Atembewegung, sofern Atemtherapie, psycho-physischeAtembewegunggehemmt, durch dehnende, lösende und verdichtende, bzw. anregende Reize schrittweise in Fluss gebracht. Nach jedem größeren Behandlungsschritt wird dem Liegenden mithilfe der seine Atembewegung begleitenden Hände des Therapeuten die Möglichkeit gegeben, das neu Erarbeitete wahrzunehmen. Gerade in dieser Phase des Nachspürens wird der Patient über die Berührung als ganzer Mensch, also in seiner psycho-physischen Einheit angesprochen. Patient und Therapeut können in der Art der Atembewegung individuelles Reagieren spüren. So erfährt sich der Liegende, vorerst ohne Worte, in einer Art ganzheitlicher Selbstanalyse.
Therapeutischer Prozess
Im Verlauf des therapeutischen Prozesses erlebt sich der Patient in der Regel schrittweise, zunächst mehr unbewusst, dann bewusst, in seinem Kontaktverhalten (Bindungsmuster) zum Behandler. Individuell unterschiedliche Körperregionen werden als nicht oder vermindert wahrnehmbar empfunden. Dieses Phänomen der Abspaltung kann sich so äußern, dass Patient und Therapeut ganz unterschiedliche Wahrnehmungen ein und desselben Geschehens haben können. Dieses Geschehen umfasst Körperwahrnehmung, Körperreaktionen sowie das subjektive Globalempfinden des Patienten, auch in der Beziehung zum Therapeuten.
Es ist Aufgabe des Behandlers, im Sinne stützenden Vorgehens Körperregionen aufzuspüren und dem Patienten spiegelnd erlebbar zu machen, wo der Zusammenschluss von Selbst- und Fremdwahrnehmung im o. g. Sinne möglich ist. Durch diesen Zuwachs an leiblich-seelisch-geistiger Eutonisierung, als Zuwachs an Atemkraft, die als Ich-Kraft im ganzheitlichen Sinne erlebbar ist, wird die Voraussetzung geschaffen, Übertragungen und Projektionen bezogen auf Behandler und Mitwelt gewinnbringend und ganzheitlich zu reflektieren. Es kommt zu allmählicher Veränderung bzw. Bewusstwerdung neurotischer Verhaltensmuster, was sich – für Patient und Therapeut wahrnehmbar – in der Qualität der Atembewegung widerspiegelt und auf dem Weg der Heilung innerlich und ganzheitlich begriffen werden kann.
Behandlungsserien
In der ersten Phase der Behandlungsserie bedarf es des anamnestischen Gesprächs sowie verbaler Hilfestellungen in der Arbeit selbst. Später lernt der Patient, allein über die Art des Behandlungsimpulses – im Sinne nonverbaler Information – individuell zu reagieren. Die Behandlung wird zu einem Atemgespräch, in Atemtherapie, psycho-physischeAtemgesprächdem der Therapeut den Liegenden spiegelt, ihm Fragen stellt und Antworten erhält. Er stößt damit auch auf die tiefer liegenden Bedürfnisse des Patienten und gibt ihm die Möglichkeit, die entsprechenden Defizite wahrzunehmen, als Bedürfnisse zu äußern, Ungelebtes auszudrücken, seine Schattenseiten ins Bewusstsein zu heben und so zu integrieren.
Jede Einzelbehandlung wird mit einem Gespräch abgeschlossen. Hierbei wird das physisch und psychisch Erlebte verbalisiert und damit auch der kognitiven Erfahrung zugänglich gemacht. Es entstehen weitere Eigenimpulse zu bewusster körperlicher und seelischer Verhaltensänderung. Wichtig ist auch die Motivation des Patienten zur Eigenarbeit zu Hause anhand individuell empfohlener Übungen.
Gruppenarbeit
Bei der Gruppenarbeit gibt der Therapeut bestimmte Bewegungsabläufe vor, die vom Patienten als Vorschlag zum eigenen Üben aufgenommen werden (Faller, 2009). Nie geht es um perfektes, äußeres Üben, sondern stets um individuelle Arbeit, die das eigene Maß sucht. Ziel ist ferner die Schulung des EmpfindungsbewusstseinsEmpfindungsbewusstsein, Atemtherapie und des Sammlungsvermögens, das wache Zulassen des Atems sowie die Wahrnehmung der aktuellen individuellen Atembewegung als Voraussetzung für eine ganzheitliche Selbstwahrnehmung.
Es wird im Liegen, Sitzen, Stehen in Ruhe und Bewegung und auch mit Vokalen und Konsonanten geübt. Die Phase des Nachspürens nach jedem Übungsteil spielt eine herausragende Rolle. Hierbei kann sich das im Üben Erfahrene zum ganzheitlichen Erlebnis verdichten und anschließend durch verbalen Austausch und therapeutische Intervention weiter, bzw. nachbearbeitet und kognitiv erfasst werden.

Kombination mit anderen Therapieverfahren

Die Atemtherapie eignet sich v. a. zur Kombination mit Psychotherapie bzw. Psychoanalyse, klassischer Homöopathie, Kraniosakraltherapie, Yoga sowie mit Verfahren, die den Prozess durch Entschlacken und Reinigen des Körpers unterstützen.

Indikationen

Für dieses Behandlungskonzept kommt grundsätzlich ein breites Spektrum von Indikationen infrage (Bischof, 2008). Allerdings sollten eher die individuelle Situation, der Leidensdruck und der tatsächliche Wille zur Arbeit an sich selbst und damit am eigenen Kranksein darüber entscheiden (Glaser), ob diese Therapie durchgeführt wird.
Symptombezogene Hauptindikationen sind:
  • Psychosomatische Störungen: z. B. funktionelle Atemstörungen, Asthma bronchiale, Bronchitis, Emphysem, Hyperventilations-Syndrom, funktionelle Stimmstörungen, funktionelle Störungen des Verdauungs- und des Herz-Kreislauf-Systems; psychogene Hauterkrankungen sowie psychovegetative Spannungs- und Erschöpfungszustände

  • Allergien; Menstruationsbeschwerden

  • Migräne; Schlafstörungen

  • Erkrankungen des Bewegungsapparats: Haltungsschäden, Skoliosen, HWS- und LWS-Syndrome; rheumatoide Arthritis, M. Bechterew

  • Rehabilitation: nach OP und schweren Krankheiten, Tumornachsorge, begleitende Therapie bei schweren therapeutischen Interventionen (Bestrahlung, Chemotherapie), Rehabilitation von Patienten nach psychiatrischer Behandlung

  • Psychische Verstimmungen: Phobien (Angst- und Panikstörungen), Erwartungsängste, depressive und hysterische Fehlhaltungen bis zu mittleren Schweregraden, Trauerreaktionen nach Tod und Trennung, psychische und psychosomatische Symptome von Traumen (PTBS), Essstörungen, Borderline-Störungen (in Zusammenarbeit mit einem Psychotherapeuten)

  • Störungen während bestimmter Lebensphasen: Geriatrie (Mobilisierung, Vitalisierung), schwangerschaftsbegleitende Arbeit als Therapie oder zur Geburtsvorbereitung

In der Praxis hat sich gezeigt, dass das Verfahren im Rahmen der o. g. Indikationen v. a. bei leichten bis mittleren Schweregraden als ausschließliche therapeutische Maßnahme erfolgreich angewendet werden kann. Nicht selten erschließt die psycho-physische Atemtherapie denjenigen psychosomatisch Kranken den Zugang zur Psychotherapie, die ihr reserviert gegenüberstanden.

Kontraindikationen

Kontraindiziert oder nur begleitend anwendbar ist das Verfahren bei:
  • Patienten, die tief gehende klinische Störungen aufweisen (Wahrnehmungsstörungen)

  • Schwerer psychasthenischer Halt- und Ich-Schwäche

  • Phasen akuter physischer oder psychischer Entgleisung

  • Hypochondrie

Abrechnungsziffern

Bisher konnte eine grundsätzliche Leistungspflicht für das Verfahren weder durch die gesetzlichen Krankenkassen noch die Ersatzkassen oder die privaten Krankenkassen und die Beihilfestellen erreicht werden. Da das Verfahren aber inzwischen zunehmend anerkannt ist, ist im Einzelfall bei entsprechender Attestierung durch einen Arzt oder durch einen Bericht/Antrag des Atemtherapeuten, angelehnt an das Gutachterverfahren bei den Psychotherapeuten, eine entsprechende oder zumindest anteilige Erstattung der Behandlungskosten zu erwarten (Bischof). Es ist empfehlenswert, sich vor Verordnung mit einem ortsansässigen Atempädagogen in Verbindung zu setzen.

GOÄ

847Übende Verfahren, Gruppenbehandlung (nicht 505: Atmungsbehandlung, -gymnastik).
849Kurzzeitpsychotherapie/Gesprächstherapie.
861Tiefenpsychologische Einzelpsychotherapie.

GebüH

19.1–19.2Psychotherapie von halbstündiger Dauer (19.1), Psychotherapie von 50–90 Minuten Dauer.
20.1Atemtherapeutische Behandlungsverfahren.

Literatur

Alexander, 2011

G. Alexander Eutonie. Ein Weg der körperlichen Selbsterfahrung 10. A. 2011 Hogrefe Bern

Bischof, 2008

S. Bischof Atem-Wege. Arbeitsgebiete der Atemtherapie. Indikationen und Fallbeispiele 2008 BOD-Verlag Norderstedt

Bischof, 2007

S. Bischof Der Mensch im Feld des Atems in Traum – Trauma – Wissenschaft 2007 BOD-Verlag Norderstedt

Bischof, 2009

S. Bischof Leitfaden zum Berichtwesen in der Atemtherapie. Unterrichtsskript des Instituts für Atempsychotherapie Abrufbar unter: www.atempsychotherapie.de/documents/studienmaterial/leit-fadenzumberichtwesen.pdf 2009

Bischof et al., 2012

S. Bischof B. Obrecht Parisi A. Rieder Atem, der ich bin. Atem- und Körperpsychotherapie bei frühen Störungen 2012 BOD-Verlag Norderstedt

Büscher and Weiß, 1993

M. Büscher A. Weiß Kann Atemtherapie heilen? Beschreibung des atemtherapeutischen Prozesses anhand der Auswertung von Therapieverläufen. Eine qualitative Studie 1993 Technische Universität Berlin

Buytendijk, 1956

F.J. Buytendijk Allgemeine Theorie der menschlichen Haltung und Bewegung 1956 Springer Berlin

Dürckheim, 2012

K. Dürckheim Der Alltag als Übung 11. A. 2012 Hogrefe Bern

Faller, 2009

N. Faller Atem und Bewegung: Theorie und 111 Übungen 2. A. 2009 Springer Heidelberg

Fischer and Kemann-Huber, 2000

K. Fischer E. Kemann-Huber Der bewusste zugelassene Atem. Theorie und Praxis der Atemlehre 2000 Elsevier, Urban & Fischer München

Glaser, 1994

V. Glaser Eutonie. Das Verhaltensmuster des menschlichen Wohlbefindens. Lehr- und Übungsbuch für Psychotonik 4. A. 1994 Haug Heidelberg

Loew et al., 2009

T. Loew K. Götz R. Hornung K. Tritt Die AFA-Atemtherapie als Burnout-Prophylaxe bei Lehrerinnen und Lehrern Forsch Komplementarmed Klass Naturheilkd 16 3 2009 174 179

Mehling, 1999

W.E. Mehling Atemtherapie – Der gegenwärtige Stand der Atemtherapie in Deutschland 1999 Shaker Aachen

Mehling, 2010

W.E. Mehling Atemtherapie: Grundlagen, Wirkungsweisen, Interventionsstudien N. Stiller H. Müller-Braunschweig Körperorientierte Psychotherapie. Methoden – Anwendungen –- Grundlagen 2010 Springer Heidelberg

Meier, 2002

S. Meier Atemtherapie nach I. Middendorf in der Schweiz. Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme aus Patientensicht 2002 Dissertation Universität Zürich

Middendorf, 2008

I. Middendorf Der erfahrbare Atem in seiner Substanz 3. A 2008 Junfermann Paderborn

Petzold, 1996

H. Petzold Integrative Bewegungstherapie H. Petzold Psychotherapie und Körperdynamik 3. A. 1996 Junfermann Paderborn

v. Steinaecker et al., 2007

K. v. Steinaecker J. Welke M. Bühring R. Stange Pilotuntersuchung zu atemtherapeutischem Gruppenunterricht bei Patienten mit Asthma bronchiale Forsch Komplementarmed Klass Naturheilkd 14 2 2007 86 91

Ausleitende Verfahren

Franz Milz

Behandlungsmethoden der Humoralmedizin, bei denen im weiteren Sinne eliminationspflichtige Stoffwechselprodukte (schädliche oder überflüssige Körpersäfte und Energien im Sinne der antiken Humores) vermehrt zur Ausscheidung gebracht werden.

Grundlagen: ausleitende Verfahren

Entwicklung

Die klassische europäische Medizin basierte bis zum Beginn der naturwissenschaftlichen Ära im Wesentlichen auf der Humoralpathologie. Diese verstand Krankheit als Störung des humoralen Milieus, d. h., Krankheiten entstanden aus fehlerhafter Beschaffenheit und Verschlackung Ausleitende Verfahrender Körpersäfte (lat. humores). Hippokrates von Kos, der erste herausragende Vertreter der Humoralmedizin, begründete sein Therapiekonzept auf der Lehre der vier Kardinalsäfte (Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle) und den entsprechenden Temperamenten, welche bei Krankheit gestört waren. Aus dieser uralten Kenntnis von Zusammenhängen zwischen Körperinnerem und Hautoberfläche folgerte er, dass die Organe eines kranken Körpers „gereinigt“ werden könnten, indem schädliche Stoffe nach außen abgeleitet werden. Daraus resultiert der Begriff „ausleitende Verfahren“. In allen Kulturkreisen gab es bis zum Mittelalter hervorragende humoraltherapeutische Ärzte, die ihr Wissen in unzähligen Schriften überliefert haben. Der bedeutendste war Paracelsus von Hohenheim, an dem sich später alle „Humoralärzte“ orientierten.
Die externen Anwendungen der Humoralmedizin wurden nach dem Arzt und Wissenschaftler Bernhard Aschner als Aschner-Verfahren bezeichnet; sie umfassen:
  • Blutige und unblutige Schröpftherapie (2.6.2, 2.6.3, 2.6.4)

  • Blutegelbehandlung (2.6.6)

  • Aderlass (2.6.5), japanischer Aderlass

  • Baunscheidt-Verfahren (2.6.7)

  • Cantharidenpflaster (2.6.8)

Stellenwert

Die ausleitenden Verfahren sind wesentlicher Bestandteil eines umfassenden naturheilkundlichen Behandlungskonzepts, v. a. im Rahmen der biologischen Aschner, BernhardSchmerztherapie, bei der Behandlung orthopädischer Krankheiten und zur Aschner-VerfahrenImmunmodulation. Nur die Fontanellentherapie spielt heute keine Rolle mehr. Die meisten externen humoraltherapeutischen Verfahren sind keineswegs sog. sanfte, alternative Therapieverfahren. Sie erfordern grundsätzlich eine sachliche (auch schriftliche) Aufklärung des Arztes und das Einverständnis des Patienten.

Konzept

Aschner postulierte, dass der Therapie einzelner Symptome unbedingt die Betrachtung des Gesamtzustands und der konstitutionellen Merkmale vorauszugehen hat. Deshalb verstand er seine Therapie als „konstitutionsumstimmende Allgemeinbehandlung“. Diese war für ihn zugleich Krankheitsvorsorge im Sinne der heutigen Primär- und Sekundärprophylaxe.
Zu den von Aschner als „andere Reizkörpermethoden“ bezeichneten Verfahren gehören die Eigenbluttherapie (2.15) und die Autouronosodentherapie. Dazu zählen die Purgativa, Tonika und Roborantien, Sedativa, Cholagoga und Choleretika, Hepatika, Diuretika, Emmenagoga (den Eintritt der Monatsregel förderndes Mittel), Brechmittel und die spezielle Aschner-Diätetik. Voraussetzung für eine wirkliche Konstitutionstherapie ist die Integration der „internen Aschner-Konstitutionkonstitutionsumstimmende BehandlungVerfahren“ in das therapeutische Gesamtkonzept.

Merke

Die externen Aschner-Verfahren dringen tief in die Kausalität einer gestörten Selbstregulation ein, weil sie am System der Grundregulation (1.3.1) ansetzen. Damit wirken sie nicht „unterdrückend“ im Sinne einer Regulationsblockade, sondern helfen aktiv, die körpereigenen Prozesse wieder in Gang zu setzen. Andere Naturheilverfahren können häufig danach erst wieder wirksam werden.

Ihre Anwendung verlangt vom Arzt eine Aschner, Bernhardkonstitutionsumstimmende Behandlungpräzise und umfangreiche Sachkenntnis, Sorgfalt, aber auch einen gewissen therapeutischen Mut. Deshalb ist es unbedingt empfehlenswert, zum Verstehen und Erlernen der Humoraltherapie praxisorientierte Kurse zu besuchen (8.4).

Wirkungsweise

Das Wirkprinzip der Aschner-Verfahren lässt sich durch das System der Grundregulation nach PischingerGrundregulation nach Pischingerausleitende Verfahren (1.3.1) erklären: Noxen verschiedenster Art können die GrundsubstanzGrundsubstanzPischinger und die Dynamik der Funktionsabläufe des Grundsystems negativ beeinflussen. Hierzu gehören Entzündungen, endogene und exogene Toxine, mechanische Störungen, Verletzungen, Störfelder (im Sinne Pischingers), v. a. des Verdauungstrakts, Stresseinwirkung. Nicht zuletzt wirken sich v. a. die chemisch-synthetischen Pharmaka bei vielen Patienten als massive Regulationsbelastung aus. Zur Wirkungsweise der Humoraltherapie gibt es die folgenden Erklärungsmodelle.
Verbesserung des Bindegewebsstoffwechsels
Grundregulation nach Pischingerausleitende VerfahrenBei insuffizienter Clearance der ausscheidenden Organe wird das interstitielle Bindegewebe zum Depot für nicht entsorgte Abbauprodukte. Die GrundsubstanzBasalmembranen der Kapillaren verdicken sich (bis auf das Zehnfache), was zu Mikrozirkulationsstörungen führt und den Stofftransport zwischen dem Lumen der Kapillaren und der differenzierten Organzelle verlangsamt. Im Bindegewebe tritt eine Störung des Milieus auf.
Durch die externen Aschner-Methoden werden lokale Stauungen des Blut- und Lymphsystems beseitigt, die Mikrozirkulation verbessert und die Toxindepots im Bindegewebe (Eiweiß, Toxine, Stoffwechselprodukte) entleert.
Immunstimulation
Wenn bei einer Erkrankung das Abwehrsystem des Körpers überfordert ist, erfolgt über die Reize der externen Aschner-Verfahren eine massive Immunstimulation der Haut. Die dort erzeugten immunologischen Substanzen haben eine lokale und zugleich eine ubiquitäre Wirkung im gesamten Organismus (2.15).
Ausscheidung von Schmerz- und Entzündungsmediatoren
Durch die „Ausleitung über die Haut“ werden lokale Schmerz- und Entzündungsmediatoren direkt an die Körperoberfläche durch die reaktive Hyperämie nach innen drainiert, eine sehr effektive und gezielte Schmerztherapie.
Wirkung auf Reflexpunkte und Reflexzonen
Die Reize der Aschner-Verfahren führen, wie alle auf die Haut einwirkenden Verfahren, zu einer mechanischen Stimulation von Reflexpunkten oder -arealen, wobei analoge Veränderungen reflektorisch im gesamten Segment und in den entsprechenden Zielorganen ablaufen. Dort können Perfusion, Lymphdrainage, Immunologie, Stoffwechsel und vegetative Tonuslage beeinflusst werden. Das bedeutet, dass durch einen gezielten Heilreiz in der (leicht zugänglichen) Schröpfzone die Selbstregulation auch in der Tiefe, d. h. in allen analogen Organen und Strukturen, in Gang gesetzt wird, vorausgesetzt, diese ist nur gestört und nicht zerstört.

Studien

Wissenschaftlich anerkannte Studien mit einer ausreichend großen Fallzahl liegen zu den ausleitenden Heilverfahren nicht vor, wohl aber eine Vielzahl von Erfahrungsberichten und Einzelfallstudien.

Diagnostik

Die Diagnostik orientiert sich an dem spezifischen Verfahren, das zum Einsatz kommt (Schröpftherapie 2.6.2, Aderlass 2.6.5, Blutegeltherapie 2.6.6, Baunscheidt-Verfahren 2.6.7, Cantharidenpflaster 2.6.8). Im Vordergrund stehen die körperliche Untersuchung und eine differenzierte Palpationsdiagnostik. Laborparameter werden im Rahmen der schulmedizinischen Diagnostik erhoben und sollten v. a. bei Aderlass und Blutegeltherapie (kleines Blutbild), Cantharidenpflaster (Nierenwerte) und Baunscheidt-Verfahren (BKS) bestimmt werden.

Kombination mit anderen Therapieverfahren

Ausleitende Therapieverfahren werden meist im Zusammenhang mit ernährungstherapeutischen sowie phytotherapeutischen Maßnahmen durchgeführt. Darüber hinaus können im Rahmen einer ganzheitlich-integrierten, multimodalen Therapie grundsätzlich alle fachspezifischen und naturheilkundlichen Verfahren kombiniert werden.

Literatur

Aschner, 2000

B. Aschner Lehrbuch der Konstitutionstherapie 10. A. 2000 Hippokrates Stuttgart

Milz, 1990

F. Milz Die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten der Aschner-Verfahren in der Allgemeinpraxis Erfahrungsheilkunde 8 1990 452

Milz et al., 1998

F. Milz A. Pollmann K.P. Schirmer Naturheilverfahren bei orthopädischen Erkrankungen 1998 Hippokrates Stuttgart

Pischinger, 2014

A. Pischinger Das System der Grundregulation 12. A. 2014 Haug Stuttgart

Ploss, 2012

O. Ploss Moderne Praxis bewährter Regulationstherapien 3. A. 2012 Haug Stuttgart

Schröpftherapie

SchröpftherapieSie stellt ein seit der Antike benutztes Verfahren einer hautreizenden Therapie mit lokalen, segmentalen und reflektorischen Wirkungen dar.

Entwicklung

Schröpfen wurde seit über 5000 Jahren mit unterschiedlichen Instrumentarien (z. B. Bambusstabsegmente, Tierhörner, heute: Schröpfgläser) praktiziert – und wird es auch heute noch in verschiedenen Kulturkreisen. Darstellungen von Schröpfgläsern sind bereits aus dem alten Ägypten überliefert. Im klassischen Griechenland war das Schröpfen so geschätzt, dass die Schröpfglocke zum Emblem des Arztes wurde. Das Schröpfen wurde von Aschner für die moderne Medizin wiederentdeckt.

Stellenwert

Die Schröpftherapie (unblutiges und blutiges Schröpfen) ist Bestandteil eines umfassenden naturheilkundlichen Behandlungskonzepts. Beide Techniken haben v. a. in der orthopädischen Schmerztherapie ihren speziellen Indikationsbereich. Sie sind leicht zu erlernen, erfreuen sich hoher Akzeptanz bei den Patienten und erfordern keinen großen zeitlichen oder technischen Aufwand.

Konzept

Auch dem Schröpfen liegt das Konzept der Humoralmedizin zugrunde. Genauer verständlich wird es durch das kybernetische Modell des vernetzten biologischen Regelkreissystems (nach Gleditsch). Dieses postuliert eine innige und vielschichtige Vernetzung zwischen dem Körperinneren und der Körperoberfläche, die zum Zweck der Selbstregulation des Körpers besteht. Bei Erkrankungen eines Körperbezirkes werden die Signal gebenden Reflexpunkte aller Regelkreise aktiviert. Andererseits löscht die richtige Therapie an einem kybernetischen System die analogen Alarmpunkte der anderen Systeme. Die Reflexpunkte sind damit gleichzeitig Orte der Diagnostik und der Therapie. Sie sind ein Spiegelbild der Dynamik, mit der die komplexen Vorgänge der Selbstregulation des Körpers vor sich gehen.

Wirkungsweise

Die Wirkungsweise des Schröpfens erklärt sich auch aus den Verbindungen zwischen Körperinnerem und Körperoberfläche.
  • Das horizontale Prinzip umfasst die metamere Gliederung über das spinale und vegetative Nervensystem mit den bekannten kutiviszeralen und viszerokutanen Reflexbahnen. Bei Erkrankungen oder Dysfunktion innerer Organe projizieren sich über diese quere Segmentation ganz spezifische Reflexpunkte (Reflexareale) an die Körperoberfläche, bes. paravertebral. Dazu gehören die Head-Zonen, „trigger-points“, paravertebrale Irritationszonen der manuellen Medizin, muskuläre Maximalpunkte, Bindegewebszonen und Gelosen. Verbindungen bestehen aber nicht nur zwischen Haut und inneren Organen, sondern zwischen allen von einem Segment aus innervierten Strukturen.

  • Das vertikale Prinzip umfasst die Bahnen des Rückenmarks (spinomedulläre Leitungsbahnen), Vagus, Sympathikus, Stammhirn und Cortex.

  • Vertikale Verbindungen anderer Art sind über Längssegmentierungen des Körpers durch Meridiane (Akupunkturpunktlinien) gegeben, welche den Körper überziehen und ihn in senkrechte Funktionskreise einteilen.

Schröpforte als Reflexzonen
ReflexzonenSchröpfzonenSchröpftherapieSchröpfzonenSchröpfzonenUnter den vielen Reflexpunkten und Verbindungswegen stellen die „Schröpforte“ zentrale Schnittstellen des quer und längs segmentierten Kommunikationssystems im Organismus dar. Man könnte sie auch als „Superreflexzonen“ bezeichnen. Die meisten Schröpfzonen befinden sich am Rücken und sind leicht zu finden. Mit ihrer Behandlung lässt sich das kybernetische Selbstregulationsprinzip an entscheidender Stelle anstoßen. Aus Sicht der Humoraltherapie ist die Schröpfzone ein Ort, der mit seinem Zielgebiet über viele nervale und energetische Verbindungen in enger gegenseitiger Beziehung steht. Zum Zielgebiet gehören das segmentbezogene Dermatom, das Myotom, Sklerotom, Viszerotom und im weiteren Sinn alles, was dem gesamten Funktionskreis der Reflexzone (2.6.3) zugeordnet ist.
In der täglichen Praxis ist der Schröpfkopf das einfachste Mittel, um einen Zugang zur gestörten Kybernetik des Organismus zu bekommen. Wenn man eine gezielte Schröpftherapie an bestimmten Schröpforten durchführt, verschwinden oft mit einem Schlag viele unterschiedliche Symptome.

Praxistipp

Die exakte Behandlung des Schröpforts Gallenzone umfasst weit mehr als das Organ Galle. Die Gallenzone beeinflusst den gesamten Funktionskreis von Leber-Galle. Eine richtig indizierte Schröpfung bewirkt folgende Veränderungen bei den mit der Gallenzone assoziierten Beschwerden:

  • Abnahme des lokalen Schmerzes im Bereich des Rückens

  • Besserung der segmentalen Wirbelsäulenbeweglichkeit, des rechtsseitigen Schulter-Arm-Syndroms

  • Besserung der Hüftschmerzen (über den Gallenblasen-Meridian) und der eigentlichen „Gallebeschwerden“ mit rechtsseitigen Oberbauchschmerzen

  • Abnahme des Völlegefühls, der Fettunverträglichkeit und Obstipation

Auch andere Symptome, die mit dem Regelkreis Leber-Galle zusammenhängen, können beeinflusst werden, wie z. B. halbseitige bis ins Auge ausstrahlende Kopfschmerzen, Migräne oder Sehstörungen, eine Veränderung der Gemütslage (Gereiztheit, Schlaflosigkeit).

Schröpfzonen als Indikatoren von „Schwachstellen“
Die Behandlung mit ausleitenden Verfahren beginnt stets mit der sorgfältigen Palpation der Reflexzonen. Sind bei der Palpation einer Reflexzone GelosenGelosen (s. u.) tastbar, können diese auf bereits bestehende Erkrankungen hinweisen oder lediglich Ausdruck einer funktionellen Störung des zugehörigen Organs sein. Der schröpfkundige Arzt kann also bereits in einem frühen Stadium die individuelle Disposition für bestimmte Erkrankungen im Sinne von „Schwachstellen“ des Körpers erkennen und einer Progredienz vorbeugen. Im akuten Krankheitsfall ermöglicht die Schröpfzonendiagnostik, schnell und gezielt eine weitergehende Diagnostik einzuleiten. Als qualitative Methode sind die empirisch gefundenen Zonen allerdings mit einer gewissen Vorsicht als spezifische Krankheitszeichen zu werten.

Praxistipp

Wann baut sich eine SchröpfzonenEntwicklungSchröpfzone auf? Auslösende Situationen liegen vor, wenn

  • durch exogene oder endogene Faktoren ein Organ in der Tiefe gestört ist (Organirritationszone),

  • ein Gelenk blockiert ist (Gelenkirritationszone),

  • ein Fokus ein Segment oder einen Funktionskreis irritiert (Herdreflexzone),

  • ein psychischer Faktor sich somatisiert und zu einer lokalen Irritation führt (psychosomatisch induzierte Reflexzone).

Diese Prozesse spiegeln sich nach einer gewissen Dauer und Intensität des jeweiligen Reizes möglicherweise an vielen Stellen des Körpers wider, besonders deutlich „fassbar“ werden sie jedoch an den Schröpforten.

Es gibt drei GelosenHauptqualitäten von Gelosen: Fülle, Leere und Übergang. Sie imponieren beim Abtasten des Rückens als Erhebungen, Härten oder sulzige Eindellungen. Wo keine Gelose zu tasten ist, ist der Funktionskreis der jeweiligen Reflexzone im kybernetischen Sinne ausgeglichen.
Füllegelose (heiße Gelose)
FüllegeloseGelosenheißeEine Füllegelose ist eine mit kongestioniertem Blut gefüllte, umschriebene Zone in Haut, Bindegewebe oder Muskelbäuchen. Sie ist als prallelastische Resistenz tastbar, thermografisch heiß und beim Betasten schmerzhaft. Sie kann die Größe eines 2-€-Stückes haben oder fast fließend in die Umgebung übergehen. Zur Entwicklung von Füllegelosen tragen folgende Faktoren bei:
  • Durch die reflektorische, vegetative Fehlregulation der Durchblutung mit vermehrter O2-Ausnutzung kommt es zur Hypoxie in der Endstrombahn mit Verlangsamung von Stoffwechselvorgängen, zur Azidose, gesteigerter Kapillarpermeabilität und einem Ödem. Die Säure erhöht den Gelanteil im Bindegewebe und verlangsamt den Abtransport saurer Produkte noch mehr.

  • Eine Folge der Azidose ist auch die kontinuierliche Zunahme der Rigidität der Erythrozyten mit Stase und Sludge-PhänomenenSludge-Phänomen. Schließlich kommt es zur Strömungsumkehr oder zu Shuntumleitungen um die heiße Gelose. Im Laufe der Zeit kann sie sich in eine kalte (leere) Gelose umwandeln.

  • Das perivaskuläre Ödem in der Zone wirkt wie ein Wasserkissen, das die Blutgefäße komprimiert und den venösen Abfluss verhindert, was eine weitere lokale Kompression aller Gewebsstrukturen auslöst. Diese Vorgänge laufen vermutlich analog auch in der Tiefe des Segmentes ab.

  • Die lokale Azidose in der Gelose führt zu einem Muskelhartspann im Segment, z. B. an der autochthonen Muskulatur der WS, wodurch schließlich Muskeldysbalancen mit lokalen und pseudoradikulären Syndromen ausgelöst werden können.

  • Über reflektorische Analog-Vorgänge treten ähnlichen Veränderungen in den segmental zugeordneten Geweben, inneren Organen und in allen zum Funktionskreis gehörenden Bezirken auf.

  • Die umschriebene Reflexzone ist schließlich zu einem Körperbezirk mit komplexer Störwirkung geworden (Störfeld i. S. Pischingers und Hunekes 1.3.1 und 2.40.3).

Praxistipp

Eine Füllegelose sollte, wie folgt, behandelt werden.

  • Die lokale Blutfülle tritt meist am Anfang einer Erkrankung auf und zeigt den Yang-Charakter YangSchröpfender Erkrankung an (akute Erkrankung, hochakute Entzündung, exsudative Phase, Energie im Überschuss). Je länger diese besteht, desto mehr wandelt sie sich in eine Übergangsgelose oder kalte (leere) Gelose um.

  • Eine heiße Gelose (Füllegelose) wird durch blutiges Schröpfen (2.6.3) behandelt.

Leeregelose (kalte Gelose)
LeeregeloseGelosenkalteEine Leeregelose ist eine ischämische Verhärtung oder weiche „Sulze“ im Bindegewebe, die auch thermografisch kalt und blass ist, weil die Blutzufuhr zur Gelose gedrosselt und die Zirkulation durch Shuntgefäße umgeleitet ist. In die kleine, harte oder schlaffe, talförmig eingesunkene Zone sind häufig centkleine, harte und schmerzhafte Gelosen eingestreut.
  • Das Milieu im Bindegewebe ist zur Gelphase verschoben, der Stoffwechsel verlangsamt.

  • Je nachdem, wie lange Leeregelosen schon bestehen und wie stark das Ödem in ihnen ist, sind trophische Mangelerscheinungen zu finden (Induration).

  • Die immunologische und hormonale Aktivität ist in einer solchen Zone und ihrem Reflexgebiet schwach.

  • Schmerz entsteht bei den kleinen Gelosen erst bei sehr fester, bei flächigen Gelosen schon bei leichterer Palpation.

  • Massage führt kaum zu Hautrötung. Wärme wird immer als angenehm empfunden (lokale Applikation durch Moxen, Bäder, Fußbäder).

Praxistipp

Eine Leeregelose sollte, wie folgt, behandelt werden.

  • Leerezonen können als Ausdruck eines YinYinSchröpfen-Geschehens (chron. Erkrankungsphase, Energiemangel) bei allen Konstitutionstypen auftreten und sind häufig bei allgemeiner, konstitutionsbedingter Energieleere und Schwächezuständen zu finden. Im energetischen Sinne kommt es in ihnen zu einem vorübergehenden Anhalten der Energiepassage.

  • Eine kalte Gelose (Leeregelose) wird ausschließlich durch trockenes SchröpfenSchröpftherapietrockenes Schröpfen (2.6.4) behandelt.

Übergangsgelose
ÜbergangsgeloseGelosenÜbergangsgeloseÜbergangsgelosen sind häufig vorkommende fließende Übergänge und Mischformen zwischen heißen und kalten Zonen, von teigiger Konsistenz, die eher großflächig und kalt sind. Manchmal liegen sie auch in einer größeren, schlaffen Bindegewebszone (z. B. Leberbuckel).

Diagnostik

Die Untersuchung der Schröpfzonen gibt Auskunft über ihre Lokalisation und ihre Konsistenz.
  • Der Patient sitzt auf der Untersuchungsliege, Oberkörper so weit wie möglich nach vorne gebeugt, Kopf und Schultern nach vorne hängend.

  • Hinter den Patienten treten, zunächst mit leichtem, dann mit hartem Druck der Zeige- und Mittelfingerendglieder (evtl. auch Ringfinger) von oben nach unten unter kontinuierlichem Abwärtsgleiten beider Hände (etwa handbreit paravertebral) die Zonen abtasten, zur genauen Lokalisierung auch nur mit dem Mittelfinger. Bei Füllegelosen ist das Zerquetschen der Venolen hörbar (leichtes Knacken).

  • Zonen markieren, Art, SchröpfzonenUntersuchungOrt und geplanten oder bereits durchgeführten Eingriff dokumentieren.

  • Dauer der gesamten Untersuchung maximal 2 Min.

  • Anfängliche Untersuchungsschwierigkeiten sind sowohl bei über- und untergewichtigen Patienten möglich; am einfachsten sind zunächst Gallenzone und Leberbuckel zu palpieren.

Therapie

Zu den Maßnahmen s. auch blutiges und trockenes Schröpfen 2.6.3, 2.6.4.

Merke

Für die SchröpftherapieBehandlungsgrundsätzeSchröpftherapie gelten folgende Behandlungsgrundsätze:

  • Vor jeder Schröpftherapie individuellen Energiezustand des Menschen beurteilen.

  • Bei geschwächten Menschen ggf. auch bei Füllegelosen zusätzlich zum blutigen Schröpfen eine tonisierende Behandlung durchführen.

  • Auf keinen Fall an Leeregelosen blutig oder an einer Füllegelose trocken schröpfen!

  • Nie über einem Knochen blutig schröpfen (z. B. Dornfortsätze).

  • Zur Differenzierung eines unklaren Befundes (Frage: Fülle oder Leere) eine Schröpfkopfmassage (2.6.4) durchführen. Bei blutiger Verfärbung liegt eine Füllegelose vor, die blutig geschröpft wird.

Kombination mit anderen Therapieverfahren

Schröpfen soll nicht als Monotherapie betrachtet werden, obwohl es als ausschließliche Therapiemaßnahme durchaus mit großem Erfolg eingesetzt werden kann. Ergänzend können andere energetische Verfahren eingesetzt werden, die zur Tonisierung oder Sedierung beitragen und damit das allgemeine Energieniveau beeinflussen (z. B. Akupunktur 2.1).

Blutiges Schröpfen

Schröpftherapie blutiges Schröpfen Energetisch ist das blutige Schröpfen von Füllegelosen als sedierende Maßnahme zu interpretieren. Es führt zwar zu einer momentanen Energiebalance, kann allerdings auch eine Minderung des allgemeinen Energieniveaus bewirken.

Zu Entwicklung, Stellenwert und Konzept 2.6.2

Wirkungsweise

Durch das blutige Schröpfen werden v. a. die Hämodynamik und der „Tonus“ (Stoffwechsel und Energiestatus) sowohl in der Reflexzone als auch im Zielort beeinflusst und folgende Wirkungen hervorgerufen:
  • Verbesserte Rheologie von Blut und Lymphe in der Mikrozirkulation durch Entfernen der Ausleitende Verfahrenblutiges Schröpfenlokalen Blut- und Lymphkongestion

  • Senkung des Hämatokrits bei einer ausgiebigen Schröpfung

  • Tonusabnahme der Muskulatur der Gefäßwände

  • Drainage des lokalen Ödems und der Schmerzmediatoren über die Haut, durch die reaktive Hyperämie nach innen

  • Besserung aller Stoffwechselvorgänge und der Trophik im Segment

  • Massive Stimulierung verschiedener Hautrezeptortypen mit Detonisierung der Muskulatur und Schmerzreduktion im entsprechenden Segment

Diagnostik

Zur Diagnostik 2.6.2.

Therapie

Schröpftherapie, blutiges SchröpfenVorgehenDer Patient behält seine sitzende Haltung auf der Behandlungsliege bei.
  • Markierte Stellen desinfizieren, mit einer Hämolanzette oder in Kombination mit speziellen „Stichelgeräten“ senkrecht in die Haut in Richtung der Akupunkturmeridiane mehrmals einstechen; Stichtiefe etwa 5–8 mm (Kapillarbereich), bis etwas Blut austritt.

  • Dünn- oder dickwandigen, sterilisierbaren Schröpfkopf aus Glas auf die Füllegelose setzen.

  • Unterdruck erzeugen (entweder durch manuelle Vakuumpumpe oder durch Abbrennen einer Watte im Glas mit nachfolgender Abkühlung auf der Haut) und das in der Gelose befindliche gestaute Kapillarblut ansaugen lassen (bis zu 100 ml).

  • Schröpfkopf vorsichtig abnehmen, wenn nach ca. 5–10 Min. der Saugvorgang beendet und das Glas etwa ⅓ voll ist (durch Druck am oberen Glasrand in die Haut Unterdruck lösen).

  • Unter Umständen mehrfach neues Glas setzen, danach ausreichend großes Pflaster (mit/ohne Wundsalbe, z. B. Lymphdiaral®-Salbe) über die Wunde kleben.

  • Narben entstehen bei Verwendung der Hämolanzette nicht, bei „Stichelgeräten“ sind sie möglich.

Praxistipp

Für das blutige Schröpfen gelten folgende Behandlungsgrundsätze:

  • Vor Behandlungsbeginn erfolgt die exakte Lokalisierung der Schröpfstelle und Einschätzung der energetischen Lage des Patienten.

  • Nie ungezielt schröpfen, weil dies meist wirkungslos ist und zu Zweifeln an der Wirksamkeit der Methode führt. Im Zweifelsfall: Schröpfkopfmassage durchführen (2.6.3).

  • Eine Schröpfung mit anderen Methoden kombinieren, da sie nur einen Baustein der notwendigen Gesamtregulierung des Patienten darstellt. Dazu bieten sich Akupunktur (2.1), Diätetik (2.21) und phytotherapeutische (2.46) oder homöopathische Medikamente (2.26) an. Besonders wirksam ist die Schröpfung vor einem chirotherapeutischen Eingriff (2.35), weil dadurch viel leichter deblockiert wird.

Indikationen

Beim blutigen Schröpfen behandelt man ausschließlich umschriebene heiße Gelosen (Füllegelosen 2.6.3), die überwiegend an den Rückensegmenten paravertebral liegen. Man findet sie häufiger beim Plethoriker, dem „Fülletyp“, aber auch als Ausdruck einer lokalen Blutfülle beim Astheniker, dem „Leeretyp“. Besonders geeignet bei lokalen orthopädischen Beschwerden im Sinne myofaszialer Syndrome.

Komplikationen und Kontraindikationen

  • Komplikationen:

    • Narben können bei disponierten Personen durch sofortige Infiltration von Procain verhütet werden.

    • Kreislaufreaktionen (z. B. Kollaps oder über Tage protrahierte Hypotonie): nicht zu viel Blut auf einmal schröpfen, Patienten nach Schröpfung ruhen lassen. Cave: Kreislaufreaktionen v. a. bei Schröpfen am unteren Rücken.

  • Kontraindikationen sind akute Entzündungen des betreffenden Hautareals, allergische Hautveränderungen und ein Zustand nach Radiatio.

Topografie der Schröpfreflexzonen und Indikationen

Schröpftherapie, blutiges SchröpfenSchröpfzonenDie folgenden Schröpfreflexzonen (Abb. 2.6-1) beziehen sich v. a. auf das blutige Schröpfen. Für das trockene Schröpfen 2.6.4.
Flächige Reflexzonen des Rückens, die v. a. für die trockene Schröpfung bedeutsam sind, sind nicht in Abb. 2.6-1 eingezeichnet. Diese wie auch die ventralen und an den Extremitäten lokalisierten Reflexzonen sind bei den einzelnen Aschner-Verfahren beschrieben. Die verschiedenen Bezeichnungen der Schröpfzonen stammen fast ausschließlich von Dr. Johan Abele (Literaturverzeichnis).

Merke

Die Schröpfzonen sind nicht immer an einem exakt zu definierenden Ort zu finden, sondern durchaus in geringem Umfang auch ortsvariabel.

Reflexzone: Gesichtsschädel (Ohr-Kieferzone)
Reflexzonen, SchröpfenGesichtsschädelSulzige, teigige oder derbe, immer dolente Bindegewebsveränderung über dem Mastoid, am besten dorsal zu palpieren.
  • Diagnostik: Zeichen für Ohr-Kiefer-Herde, v. a. für akute oder chron. Entzündungen der Nasennebenhöhlen, der Zähne, der Augen, der Parotis und des Mastoids.

  • Therapie: bei „sulzigen“ Gewebeveränderungen ggf. ein Cantharidenpflaster setzen (2.6.8) und nur extrem selten schröpfen.

Reflexzone: Nacken (Syn.: Okzipitalzone, Organnebenzone)
Reflexzonen, SchröpfenNackenLeere- oder Füllegelose im Spinalsegment C3–C5 paravertebral, manchmal Reflexzonen, SchröpfenGesichtsschädelauch höher oder tiefer im Verlauf des Blasen- und Gallenblasen-Meridians.
  • Diagnostik:

    • Repräsentiert vertebragene Störungen der Halssegmente, der oberen Extremitäten, des HNO-Bereiches oder innerer Organe (Organnebenzone!), z. B. bei funktionellen Herzbeschwerden, da sie als Zwischenstation an verschiedenen Regulationssystemen beteiligt ist.

    • Auch bei Kopfschmerzen, Migräne, Neuralgien und zerebralen Durchblutungsstörungen, palliative Schröpfung bei oberer Einflussstauung.

  • Therapie: bei Vorhandensein von Druckdolenz oder Sulze nach fester Palpation der Dornfortsätze C 2–C 5 und bei vertebragenen Störungen Ind. für eine Schröpfkopfsaugmassage oder ein Cantharidenpflaster (2.6.8).

Reflexzone: Schulterdreieck (Tonsillenzone)
TonsillenzoneReflexzonen, SchröpfenSchulterdreieckFülle- oder Übergangsgelose, etwa in Höhe C6 auf den Schultern im Bereich des M. supraspinatus und M. trapezius im Verlauf des 3E-Meridians (2.1.5 und Abb. 2.1-11):
  • Diagnostik: repräsentiert Störfelder durch Erkrankung der Nasennebenhöhlen und chron. Angina tonsillaris („Herdreflexzone“), schmerzhaft bei segmentalen Beschwerden vertebragener Genese, des Herzens, der Galle, aber auch der Ovarien und des Dickdarmes.

  • Therapie: meist blutige Schröpfung, seltener Schröpfkopfmassage als Vorbereitung auf eine blutige Schröpfung.

Reflexzone: Hormone („Hormonbuckel“, „Depressionsbuckel“)
HormonbuckelDepressionsbuckelReflexzonen, SchröpfenHormoneFülle- oder Übergangsgelose mit Tendenz zu chron. Verhärtung über und um den 7. HWK (von C5-Th2).
  • Diagnostik:

    • Häufig bei hormonellen Dysbalancen aller endokrinen Organe inklusive der Hypophyse.

    • Hinweis auf essenzielle Hypertonie und Depressionen; meist bei Frauen mit brettharten Schultern, die seelische Belastungen nicht verarbeitet haben.

  • Therapie: nie blutig, gelegentlich trocken schröpfen, am besten lokale Wärmetherapie.

Reflexzone: Lunge-Bronchien
Reflexzonen, SchröpfenLunge-BronchienIn der Akupunktur „Tor des Windes“ genannt, in Höhe des 3. BWK direkt paravertebral.
  • Diagnostik: für Erkrankungen der Lunge oder des Mediastinums.

  • Therapie: bei Lungenstauung, Zervikothorakalsyndrom oder Lungenerkrankungen von Füllepatienten blutig schröpfen.

Reflexzone: Galle-Leber
Reflexzonen, SchröpfenGalle-LeberNur rechtsseitig in Höhe des kranialen und medialen Endes der Skapula vorhandenes Areal (Gallenzone), reicht als Leberzone nach kaudal oft bis zur 10. Rippe und liegt auf beiden Ästen des Blasen-Meridians (Abb. 2.1-8).
  • Diagnostik: im unteren Bereich größere, eher teigig-indurierte, manchmal buckelartig vorgewölbte, meist schmerzhafte Zone (Leberbuckel), die die BWS bei vertebragenen Beschwerden und v. a. das Organsystem Leber/Galle mit seinem Funktionskreis betrifft.

  • Therapie: oft primär zu schröpfende Zone, wobei die Gallenzone meist blutig, der Leberbuckel bei Hepatopathien aller Art nur trocken geschröpft werden sollte. Vom Anfänger leicht zu tasten, bei ca. 50% der Erwachsenen deutlich vorhanden.

Reflexzone: Magen-Pankreas
Reflexzonen, SchröpfenMagen-PankreasIndividuell variable Lage auf dem inneren und äußeren Ast des Blasen-Meridians nur linksseitig; in etwa zwischen Th2-Th7, wobei die Pankreaszone meist oberhalb der Magenzone lokalisiert ist. Beide oft schwer voneinander zu unterscheiden.
  • Diagnostik: repräsentiert Störungen und Erkrankungen von Magen oder Pankreas sowie vertebragene BWS-Beschwerden; manchmal auch eingesunkener, tonusloser Bezirk von fast Handbreite über mehrere Segmente („Magental“); enthält pfenniggroße, harte Leeregelosen.

  • Therapie: bei Nahrungsmittelallergien häufig Füllegelose im Pankreasbereich palpabel.

Reflexzone: Interkostalzonen
Reflexzonen, SchröpfenInterkostalzoneTopolabile, in jedem Segment bis zum Sakroiliakalgelenk vorkommende Zonen, meist ca. 1–2 QF paravertebral interkostal, etwa entsprechend den Irritationspunkten nach Sell (empirisch gefundene, paravertebrale Korrespondenzpunkte zur Diagnostik von vertebragenen Blockierungen), manchmal auch weiter lateral. Sie treten bei lokalen vertebragenen Irritationen und Entzündungen (Interkostalneuralgien, Herpes zoster) in Erscheinung.
Dornfortsätze Th4–6
Reflexzonen, SchröpfenDornfortsätze Th4–6Bei druckdolentem, sulzigem Gewebe und Irritation von Intervertebral- und Rippenwirbelgelenken Cantharidenpflaster anwenden. Nie direkt über einem Knochen blutig schröpfen!
Reflexzone: Nebenniere
Reflexzonen, SchröpfenNebennierenLeeregelose paravertebral von BWK 12–LWK 1, manchmal zusammen mit einer druckdolenten Einsenkung über dem BWK 12 auftretend. Die Leeregelose verweist auf eine Funktionsminderung der Nebenniere.
Reflexzone: Niere
Reflexzonen, SchröpfenNiereAuf dem inneren Ast des Blasen-Meridians (Abb. 2.1-8), etwa 3 QF paravertebral von L1–L2 gelegen, ca. 2-€-Stück groß.
  • Diagnostik: Hinweis auf Störungen nephrogenen und vertebragenen Ursprungs. In der Zone befinden sich die etwa pfenniggroßen Boas-Magenpunkte, re. für Erkrankungen des Duodenums, li. des Magens.

  • Therapie: therapeutisch sehr wichtig bei essenzieller Hypertonie; bei Asthenikern im Leerezustand unbedingt trocken schröpfen.

Reflexzone: Appendix
Reflexzonen, SchröpfenAppendixHandbreit paravertebral re. etwa in Höhe L3. Nur diagnostisch interessant.
Reflexzone: Lumbalgelosen
LumbalgelosenReflexzonen, SchröpfenLumbalgelosenParavertebral zwischen L2–L4 und den beiden Ästen des Blasen-Meridians.
  • Diagnostik: schmerzhaft bei Darmbelastungen aller Art, intestinalen Erkrankungen und lokalen oder ausstrahlenden Störungen der WS. Manche Autoren nehmen hier auch ein Reflexfeld für Hüfte und Knie an.

  • Therapie: Der Patient muss sich für eine technisch richtige Palpation weit nach vorne beugen. Verwechslung möglich mit Vorwölbungen, die durch eine Skoliose bedingt sind.

Reflexzone: Genitale (Ovar, Prostatazone, kleines Becken)
Reflexzonen, SchröpfenGenitaleEtwa in Höhe von L4 im Winkel von LWS, Os sacrum und Os ilium.
  • Diagnostik: zeigt Störungen an, die sich an Organen des kleinen Beckens, an der unteren LWS und sogar an den Extremitäten (Durchblutungsstörungen) abspielen. Kann sich auch manchmal fast in die Höhe der Lumbalgelosen projizieren.

  • Therapie: trockene oder blutige Schröpfung der Reflexzonen der Genitale.

Reflexzone: Hypertonie und Depressionen
Reflexzonen, SchröpfenHypertonieReflexzonen, SchröpfenDepressionenIn der Mittellinie von Höhe L5/S1.
  • Diagnostik: typische Füllegelose („Hypertoniesulze“) als Hinweis auf arterielle Hypertonie, klimakterische Depressionen oder eine chron. Lumbago.

  • Therapie: Hier darf ausnahmsweise auch einmal über einem Dornfortsatz blutig geschröpft werden, wenn eine starke allgemeine und lokale Fülle gegeben ist. Ansonsten wird ein Cantharidenpflaster appliziert.

Abrechnungsziffern

GOÄ

747, 748Setzen von Schröpfköpfen (747), Hautdrainage (748).
5Symptombezogene Untersuchung.

GebüH

27.4Setzen von Schröpfköpfen, blutig.
27.6Anwendung großer Saugapparate für ganze Extremitäten.

Literatur

Abele, 2015

J. Abele Das Schröpfen. Eine bewährte alternative Heilmethode 7. A 2015 Elsevier München

Abele, 2011

J. Abele Schröpfkopfbehandlung. Theorie und Praxis 8. A. 2011 Haug Stuttgart

Matejka, 2009

R. Matejka Ausleitende Therapieverfahren: Methoden und Praxis: Methoden und praktische Anwendung 3. A. 2009 Elsevier München

Ploss, 2012

O. Ploss Moderne Praxis bewährter Regulationstherapien 3. A. 2012 Haug Stuttgart

Trockenes Schröpfen

Schröpftherapie, trockenes Schröpfen Behandlungsgrundsätze Beim trockenen (unblutigen) Schröpfen werden Leeregelosen oder schlecht durchblutete Hautareale behandelt. Trockenes Schröpfen dient v. a. der Tonisierung und der Behebung eines energetischen Leere-Zustands.

Zu Entwicklung, Stellenwert und Konzept 2.6.2.

Wirkungsweise

  • Forcierte Hyperämie von Haut, Unterhaut und Bindegewebe durch Saugvorgang mit Austritt von Erythrozyten ins perivaskuläre Gewebe, vermutlich sogar ohne Verletzung der Kapillarwände mit folgenden Veränderungen:

    • Auflösen von Sludge-PhänomenenSludge-Phänomen (bei vielen Krankheiten zu Ausleitende Verfahrentrockenes Schröpfenbeobachten) im Kapillarbereich durch das Entfernen einer größeren Menge von roten Blutkörperchen aus der Gefäßbahn, zugleich vermehrter Einstrom von Lymphe in die Kapillaren

    • Hyperämie in der behandelten Zone und im Zielgebiet über mehrere Tage mit Temperaturerhöhung, Stoffwechselsteigerung und besserer Sauerstoffversorgung

  • Aktivierung des Immunsystems und von Resorptionsvorgängen in der Haut, die zur Entfernung der Extravasate aus dem Bindegewebe notwendig sind

  • Vegetative Funktionsanregung lokal und in der Tiefe durch massive Reizung der in der Haut befindlichen neurovegetativen Rezeptoren

Diagnostik

Zur Diagnostik 2.6.2.

Therapie

Die Behandlung orientiert sich an den Beschwerden des Patienten sowie an dem Zustand der Schröpfreflexzonen. Zur Anwendung kommen verschiedene Behandlungsformen (s. u.).
Schröpfreflexzonen und ihre Anwendungsgebiete
Schröpftherapie, trockenes Schröpfen Schröpfzonen
  • Nackenzone: Eine Schröpfkopfmassage (oder eine blutige Schröpfung) wirkt hier bei lokalem, pseudoradikulärem und radikulärem Zervikalsyndrom gut, nicht mit stehenden Gläsern schröpfenReflexzonen, SchröpfenNackenzone

  • Dornfortsätze der oberen BWS: bei Hypotonie und chron. MüdigkeitReflexzonen, SchröpfenDornfortsätze obere BWS

  • Magentalzone: vertebragene Beschwerden, Oberbaucherkrankungen, funktionelle Herzbeschwerden, akute und chron. BronchialinfekteReflexzonen, SchröpfenMagentalzone

  • Leber-Gallenzone: Neben den bereits erwähnten Ind. ist eine Schröpfkopfmassage der Leberzone zur Durchblutungssteigerung bei allen Energiemangelzuständen, Appetitlosigkeit und bes. bei Leberzirrhose sehr günstig. Die Leberzone selten blutig, sondern meist nur trocken behandeln! Reflexzonen, SchröpfenLeber-Gallenzone

  • Rücken (BWK 1–S 1): Eine Behandlung des ganzen Rückens ist sowohl als Trockenschröpfung in ein oder zwei zur WS parallelen Linien im Abstand von 5–10 cm indiziert als auch in Form einer Saugmassage bzw. Schröpfkopfmassage bei Osteoporoseschmerzen, flächigen Rückenschmerzen, schwacher Rückenmuskulatur und adjuvant zur Chirotherapie. Reflexzonen, SchröpfenRücken

  • Lenden-Kreuzbeinbereich dorsal flächig: lokale Rückenschmerzen, Funktionsstörungen von Urogenitalorganen, Darm und Beinen (Wirkung auf die periphere Durchblutung) Reflexzonen, SchröpfenLendenbereich

  • Thoraxzonen ventral (BWK 1–BWK 7): Bei akuten und chron. Bronchialinfekten die Gläser ventral trocken aufsetzen und die Alarmpunkte der Lunge behandeln, zusätzlich auch die dorsalen Zonen mit der Saugmassage. Auch das Asthma bronchiale und das pseudoradikuläre BWS-Syndrom (z. B. pseudopektanginöse Beschwerden) über die ventralen Thoraxzonen behandeln. Reflexzonen, SchröpfenThorax

  • Oberbauch: funktionelle Oberbauchbeschwerden, exkretorische Verdauungsschwäche, GastroptoseReflexzonen, SchröpfenOberbauch

  • Unterbauch, Leiste und Oberschenkelinnenseite: funktionelle und organische Beschwerden des Darmes und der Urogenitalorgane. Hier zusätzlich Heublumensitzbäder und Autouronosodentherapie einsetzen. Reflexzonen, SchröpfenUnterbauch

  • Oberschenkel-Außenseite (vom Gluteus maximus über den Trochanter major bis zum Knie): Hüftgelenksschmerzen und ObstipationReflexzonen, SchröpfenOberschenkel

Beim trockenen Schröpfen kommen die folgenden verschiedenen Formen zur Anwendung.
Trockenschröpfung mit stehenden Gläsern
Schröpftherapie, trockenes Schröpfen Vorgehen
  • Anwendung: Das evakuierte Schröpfglas (Evakuierungstechnik 2.6.3 ohne vorherige Hautverletzung aufsetzen, Haut- und Unterhautgewebe ansaugen, dadurch Suggillation in Form einer bläulichen Verfärbung; Nachbehandlung mit einer Lymphsalbe (z. B. Lymphdiaral®) möglich.

  • Indikationen: bei erschöpften, energiearmen und sehr schmerzempfindlichen Patienten.

Saugglockenmassage
Schröpftherapie, trockenes SchröpfenSaugglockenmassageTonisierende und Muskelspasmus lösende Wirkung, schneidender Schmerz wie bei einer starken Bindegewebsmassage möglich.
  • Anwendung: Öl auf die Haut auftragen, evakuierten Schröpfkopf von max. 3 cm Durchmesser aufbringen und nach kranial und kaudal ziehen; dadurch langsames „Verschieben“ der eingesaugten „Hautfalte“ über die ganze Behandlungsfläche; Dauer des Vorganges ca. 2 Min.

  • Indikationen: allgemeine Schwächezustände, flächenhafte Leeregelosen, Restbeschwerden nach Pleuritis, Magenschmerzen und Magenerkrankungen wie Ulcus ventriculi oder Ulcus Saugglockenmassageduodeni, zur Mitbehandlung des Abdomens

Petechiale Saugmassage nach Zöbelein (PSM)
Schröpftherapie, trockenes Schröpfenpetechiale SaugmassageDas motorgetriebene Sauggerät als Fortentwicklung der Saugglockenmassage ist ein sehr gutes Diagnostikum für die Kapillarpermeabilität in Haut und Unterhaut, die sich schon bei latent gestörten Reflexzonen durch punktförmige Blutungen zeigt. Gesundes Gewebe bleibt ohne Petechien. Therapeutisch bedeutsam sind die Beseitigung des Sludges in der Endstrombahn und die Verbesserung der Mikrozirkulation durch den verstärkten onkotischen Sog von Flüssigkeit aus dem Interstitium. Extravasate wirken zudem als Reizdepot zur Stimulation immunologischer Vorgänge.
  • Anwendung: 2-mal/Wo. für je 5 Min., bis zum Verschwinden des „SchröpftherapieSaugmassage nach Zöbleinpetechialen Kapillarsyndroms“ (die Suggillationseffekte verschwinden meist nach 3–5 d).

  • Indikationen: v. a. bei Schmerzsyndromen aufgrund einer Dysregulation der Haut oder des Bindegewebes z. B. bei Weichteilrheuma oder Zellulitis. Risikoloses und nebenwirkungsfreies, zeitsparend einsetzbares Verfahren. Gearbeitet wird flächig von oben nach unten, bis zum Auftreten von Suggillationseffekten, die allerdings weniger ausgeprägt sind als bei der Saugmassage.

Schröpfkopfmassage (Chinesische Münzmassage Gua Sha)
  • Anwendung: Das zu behandelnde Hautareal mit gereinigtem Pfefferminzöl oder Mandelöl einreiben, dann 2–4 Min. fest mit dem Rand eines dünnen Schröpfglases reiben, Anwendung mehrmals wiederholen. Bei starker Durchführung tritt durch den Schmerz eine sedierende Wirkung auf, dann Vorsicht bei Patienten in energetischer Leere. Etwa gleiche Wirkung von PSM und Schröpfkopfmassage bezüglich allgemeiner Tonisierung und leichter Spasmolyse der Muskulatur.

  • Indikation: häufig am Nacken oder in der Schultergegend, zur Chirotherapie und immer dann indiziert, wenn man „anregend“ arbeiten und den (schmerzbedingten) Schröpfkopfmassagesedierenden Effekt einer Hautreizmethode vermeiden möchte.

Praxistipp

Beim trockenen Schröpftherapie, trockenes SchröpfenBehandlungsgrundsätzeSchröpfen gelten folgende Behandlungsgrundsätze:

  • Trockenes und blutiges Schröpfen lassen sich gut miteinander kombinieren. Kombinationen von blutiger Schröpfung und PSM oder Schröpfkopfmassage sind gleichermaßen in einer Sitzung möglich.

  • Unter Umständen kann aus einer Leergelose eine Füllegelose und damit eine leichter zu therapierende Gelose gemacht werden. Das verspannte und minderdurchblutete Hautareal in mehreren Sitzungen etwas massieren oder trocken behandeln, bis sich die Durchblutung und die Vitalität in der Zone so gesteigert haben, dass im Zentrum statt einer kalten Gelose eine heiße Füllegelose entsteht.

  • Bei Unklarheiten in der Beurteilung der Energielage des Patienten stehende Gläser anwenden.

  • Als therapeutische Alternative kommt Baunscheidtieren (2.6.7) mit Mandelöl infrage.

Kombination mit anderen Therapieverfahren

Das trockene Schröpfen lässt sich gut mit anderen tonisierenden Maßnahmen wie z. B. dem Baunscheidt-Verfahren (2.6.7), der Akupunktur (2.1) und speziellen Massagetechniken, incl. Fußreflexzonentherapie (2.52) kombinieren.

Indikationen

  • Chron. Schwächezustände, v. a. bei asthenischen Patienten (paravertebral von Nacken bis Kreuzbein schröpfen)

  • Durchblutungssteigerung von Haut, Unterhaut und Bindegewebe, bei Narbennachbehandlung und zur Steigerung postoperativer Resorptionsvorgänge, an den Extremitäten und sogar bei Sudeck-Atrophie (lokal schröpfen)

  • WS-Schmerzen (diffus oder umschrieben) bei lokalen oder pseudoradikulären WS-Syndromen (an den Schmerzorten schröpfen)

  • Rheumatische Erkrankungen der WS z. B. M. Bechterew, Osteoporose und schmerzhaft verspannte Muskulatur. Am Rücken kann lokal oder großflächig gearbeitet werden

Kontraindikationen

Bei richtiger Indikationsstellung gibt es außer einer ausgeprägten Altershaut oder Hautentzündungen keine Kontraindikationen.

Abrechnungsziffern

GOÄ

747Setzen von Schröpfköpfen, je Sitzung.
5Symptombezogene Untersuchung.

GebüH

27.3Setzen von Schröpfköpfen, unblutig.
27.5–27.6Schröpfkopfmassage einschl. Gleitmittel (27.5); Anwendung großer Saugapparate für ganze Extremitäten (27.6).

Literatur

Abele, 2015

J. Abele Das Schröpfen. Eine bewährte alternative Heilmethode 7. A. 2015 Elsevier München

Abele, 2011

J. Abele Schröpfkopfbehandlung. Theorie und Praxis 8. A. 2011 Haug Stuttgart

Matejka, 2009

R. Matejka Ausleitende Therapieverfahren: Methoden und Praxis: Methoden und praktische Anwendung 3. A. 2009 Elsevier München

Ploss, 2012

O. Ploss Moderne Praxis bewährter Regulationstherapien 3. A. 2012 Haug Stuttgart

Aderlass

Aderlass Ausleitende Verfahren Aderlass Der Aderlass ist ein Element der ausleitenden Therapieverfahren. Durch künstliche Öffnung einer Vene und Blutentnahme wird die Rheologie verbessert und aus konstitutioneller Sicht ein Füllezustand beseitigt.

Entwicklung

Die Aderlasstherapie als das klassische „blutentziehende Verfahren“ gehört zum uralten Therapiegut aller Kulturen. Der große Humoralmediziner Hufeland zählte sie zu den Kardinalheilmitteln der Medizin. Früher oft übertrieben und mit falscher Indikationsstellung angewandt, war sie lange in Vergessenheit geraten. Heute wird sie wieder zunehmend im Rahmen der rheologischen Therapie als isovolämische Hämodilution angewandt.

Stellenwert

Der Aderlass ist in der täglichen Praxis ein wichtiges, auch gesundheitspräventives Therapie-Instrument.

Konzept

Zahlreiche Krankheiten werden von den Fließeigenschaften des Blutes entscheidend beeinflusst. Der „große“ Aderlass verdünnt das Blut (hämorheologische Wirkung), entstaut und reinigt es von „schlechten Säften“ (antidyskratische Wirkung). Lokale und Mikroaderlässe (blutiges Schröpfen, japanischer Aderlass) beseitigen lokale Blutkongestionen und fördern die Mikrozirkulation.

Wirkungsweise

Das Blutvolumen wird durch Rückresorption von Flüssigkeit aus dem Gewebe sofort ersetzt, woraus ein erheblicher Verdünnungseffekt in der Endstrombahn mit Verbesserung der Mikrozirkulation resultiert. Trotz des Verlustes an Sauerstoffträgern steigt nach einem Aderlass die O2-Versorgung. Die Stoffwechselstörung bessert sich lokal und am Reflexort. Der durch den Blutverlust bedingte Eiweißverlust wird durch Entleerung der Eiweißdepots in den Gefäßen kompensiert. Diese befinden sich in den zum Eiweißspeicher gewordenen Basalmembranen (Wendt). Durch ihre Dickenabnahme steigt mit dem transmembranösen Stoffaustausch die Ver- und Entsorgung des Bindegewebes enorm an. Aufgrund der heutigen Lebensweise liegt der Hkt. meist weit über 40 Vol.%. Erst bei einem Hkt. von unter 40 Vol.% liegen bei beiden Geschlechtern optimale rheologische Verhältnisse vor, weil kein Erythrozyt mehr Kontakt mit dem anderen hat.

Diagnostik

Labor: Blutbild, Gesamteiweiß

Therapie

  • Venenblut mit einer großen Flügelkanüle abnehmen, Schlauch-Ende in ein graduiertes Gefäß hineinhängen lassen.

  • Patienten während und nach Abnahme überwachen. Cave: hypotone Kreislaufdysregulation.

  • Aderlassmenge variiert je nach Alter des Patienten und Höhe des Hkt.; normalerweise 1–2-mal/Wo. je 100–150 ml Blut, nur ganz selten mehr abnehmen, da sonst das erythropoetische System zu stark angeregt wird.

  • Bei über 60-Jährigen nicht mehr als 100 ml Blut/Sitzung ablassen, immer am Hkt. orientieren.

Praxistipp

Für die AderlassBehandlungsgrundsätzeAderlasstherapie gelten folgende Behandlungsgrundsätze:

  • Der typische Aderlasspatient ist vollblütig-plethorisch, adipös und hat mehrere Risikofaktoren. Er befindet sich im „Füllezustand“ und hat einen Blutüberschuss. Klassisches Alter: 40–65 J. Hier empfiehlt sich der Aderlass als präventivmedizinische Maßnahme. Er ist v. a. angezeigt, wenn dieser Patient über Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüche, Tinnitus, Dyspnoe oder Zeichen einer kardialen Insuff. klagt.

  • Man kann den Aderlass in Ausnahmefällen auch bei dünnen und energieärmeren Menschen mit erhöhtem Hämatokrit in kleinen Mengen vorsichtig durchführen.

Sonderformen

Lokaler Aderlass an großen Varizen
AderlasslokalerDieser wird am maximalen Schmerzpunkt einer Vene durchgeführt.
  • Mit großer Kanüle bis zu 150 ml Blut (meist weniger) abtropfen lassen, z. B. am Fußknöchel oder im Bereich von varikösen Kniegelenken, zu starke Blutung evtl. durch Hochlagerung und Kompressionsverband beenden.

  • Er hat eine ausgezeichnete Wirkung bei lokalen stauungsbedingten Beschwerden, bei Schmerzen aller Art, zur Spasmolyse bei Muskelkrämpfen und bessert die lokale Stoffwechsellage bei Arthrosen.

Japanischer Mikroaderlass
AderlassMikroaderlass, japanischerDer japanische Aderlass bessert oft schlagartig therapieresistente heiße, schwere und zuckende Beine mit mehr oder weniger ausgeprägter Varikose.
  • Der sitzende Patient lässt das zu behandelnde Bein in eine Fußbadewanne hängen.

  • Von kaudal nach kranial die Besenreiservarizen des Unterschenkels mit einer Blutlanzette oberflächlich anstechen (nicht zu viele auf einmal!) und das Blut abtropfen lassen.

  • Die Blutung sistiert meist von selbst, andernfalls den Vorgang durch Hochlagerung des Beines beenden.

Mikroaderlässe
AderlassMikroaderlassSie sind dort anzuwenden, wo sich Kapillarektasien als Stauungszeichen befinden und die Mikrozirkulation in der Reflexzone verbessert werden soll. Beispiel: lokaler Mikroaderlass an der Kniekehle. Eine ideale Ergänzung dazu ist bei Kniearthrosen die Akupunktur.
  • Patient in Bauchlage, mit einer Hämolanzette direkt in die Mikrovarikose stechen und etwas Blut abfließen lassen.

  • KI: Mikroaderlässe nicht am Oberschenkel durchführen. Cave: Phlebitiden und Kollapszustände.

Kombination mit anderen Therapieverfahren

Grundsätzlich ist bei richtiger Indikationsstellung der Aderlass mit fast jeder therapeutischen, auch humoraltherapeutischen Maßnahme kombinierbar. Andere sedierende Maßnahmen sind blutiges Schröpfen und auch die Blutegeltherapie.

Indikationen

  • Krankheiten, die mit einem Hkt. über 40 Vol.% (Hb über ca. 14,5 mg%) einhergehen, nicht nur die Polyglobulie und die Polyzythämie

  • Erkrankungen des Stoffwechsels (Adipositas, Gicht, Hyperurikämie, Diabetes mellitus, Hyperlipidämie), einige Herz-Kreislauf-Krankheiten, einige kardiale und pulmonale Erkrankungen, zerebrale Durchblutungsstörungen

  • Erkrankungen mit venöser Stase, besonders der gesamte variköse Symptomenkomplex. Hier wird v. a. ein lokaler Aderlass durchgeführt.

Kontraindikationen

Anämie, Dehydratation, akute Diarrhö, Hypotonie, besonders bei Jugendlichen und sehr alten Patienten, allgemeine Körperschwäche, Marasmus. Bei KHK und bestimmten Formen von Herzrhythmusstörungen sind u. U. Blutegel oder blutiges Schröpfen eher angezeigt.

Abrechnungsziffern

GOÄ

285Aderlass mind. 200 ml, einschl. Verband.
271, 272Infusion, bis zu 30 Min. Dauer; Infusion, mehr als 30 Min. Dauer.

GebüH

26.2Aderlass.
25.7Infusion.

Literatur

Aschner, 2000

B. Aschner Lehrbuch der Konstitutionstherapie 10. A. 2000 Hippokrates Stuttgart

Matejka, 2009

R. Matejka Ausleitende Therapieverfahren: Methoden und Praxis: Methoden und praktische Anwendung 3. A. 2009 Elsevier München

Ploss, 2012

O. Ploss Moderne Praxis bewährter Regulationstherapien 3. A. 2012 Haug Stuttgart

Blutegeltherapie

Blutegeltherapie Ausleitende Verfahren Blutegeltherapie Therapiemaßnahme der ausleitenden Heilverfahren zur Behandlung von lokalen Füllezuständen mithilfe an der Hautoberfläche angesetzter Blutegel. Dient auch der reflektorischen Einflussnahme auf innere Organe.

Entwicklung

Der Blutegel (Hirudo medicinalis officinalis) wurde schon seit Jahrtausenden zu therapeutischen Zwecken verwendet. Wie auch der Aderlass wurde diese Therapie in den letzten Jh. übertrieben angewendet, was schließlich auch eine Ursache für das Verschwinden der Methode und des in Mitteleuropa praktisch ausgerotteten Blutegels war. Heute wird das ca. 5 cm lange Tier meist in Zuchtanstalten kultiviert. Bezugsquellen 2.6.12.

Stellenwert

Die Blutegeltherapie ist für den Patienten und Therapeuten eine zeitaufwendige Therapie. Den Therapeuten sollte die extreme Diskrepanz zwischen Aufwand einer Blutegeltherapie und finanziellem Ergebnis nicht vom Einsatz Blutegeldieser nützlichen Methode abhalten, denn die Blutegeltherapie hat v. a. bei venösen Erkrankungen, Infektionen und Erkrankungen des Bewegungsapparats ihren berechtigten Stellenwert.

Konzept

Bei der Blutegeltherapie steht – ähnlich wie beim blutigen Schröpfen die regionale Blutstauung – die Beseitigung lokaler Füllezustände aufgrund eines Blut- und Lymphödems im Vordergrund. Dabei werden durch die Inj. von Blutegelwirkstoffen auch spezielle antiphlogistische und das Milieu der bindegewebigen GrundsubstanzGrundsubstanzBlutegeltherapie verbessernde Effekte postuliert.

Wirkungsweise

Der Blutverlust durch Saugen des Tieres (ca. 10 ml) und die prolongierte Nachblutung (ca. 20–40 ml) entsprechen einem sehr sanften und langsamen Aderlass mit Abnahme des Hkt., entsprechendem Eiweißverlust und lokaler Entstauung. Der Blutverlust wird intravasal durch Flüssigkeit ersetzt, wodurch es zu einer deutlichen Verminderung der Viskosität und Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes („Blutverdünnung“) besonders in der Endstrombahn kommt. Dieser Effekt wird durch das vom Blutegel sezernierte Antikoagulans Hirudin verstärkt. Die lokale antiphlogistische Wirkung wird durch mehrere Blutegelwirkstoffe hervorgerufen:
  • Hirudin hemmt die Blutgerinnung, wirkt diuretisch und antibiotisch, Eglin hemmt Verdauungsproteasen, Bdellin ist ein Plasminhemmer, Hementin und Orgelase haben hyperämisierende Wirkung.

  • Eine anästhesierende Substanz führt zur Analgesie beim Saugen.

  • Die Blutegelwirkstoffe blockieren insgesamt die bei Entzündungen oder Traumen aktivierten, oft überschießenden enzymatischen Vorgänge.

Diagnostik

Bei phlebologischen Indikationen sollte eine entsprechende Venendiagnostik erfolgen, in anderen Fällen eine fachärztliche Untersuchung (v. a. zur orthopädischen Indikationsstellung) und Blutbild-Kontrolle, bei entsprechender Anamnese Gerinnungsstatus.

Therapie

Vorbereitung
Blutegeltherapie Vorbereitung
  • Blutegel auf einem normalen Rezept verordnen – pro Anwendung bis zu 12 Stück – und beim Apotheker bestellen.

  • Für den Notfall stets mind. 10 Egel vorrätig haben. Die frischen Blutegel an einem kühlen, schattigen und ruhigen Platz in einem größeren Glas aufbewahren (evtl. spezielles Blutegelgefäß aus Ton), tgl. mineralarmes Wasser nachfüllen.

  • Die Blutegel-Applikation erfordert in der Praxis einige Zeit, Geduld und Ruhe: Der Patient muss einige Stunden Zeit haben, darf nur wenig getrunken haben und sollte seine Blase entleert haben.

Arbeit am Patienten
Blutegeltherapie Durchführung
  • Der Patient liegt auf einem Gummituch. Die zu behandelnde Körperstelle mit geruchloser Seife oder nur mit Wasser waschen, sauber abspülen, die Blutegel nicht auf parfümierte Hautareale setzen.

  • Die geplante, evtl. markierte Bissstelle (genaue Lokalisation sehr wichtig!) ggf. rasieren und mit einer Hämolanzette etwas anritzen.

  • Den ca. 5–10 cm langen Blutegel mit einer stumpfen Pinzette aus einem Reagenzglas nehmen und mit seinem Kopf an die kleine Wunde legen: Der Patient spürt nur geringfügig einen Biss.

  • Wenn die Blutegel festsitzen, das Gebiet ringsum mit Zellstoff abdecken. Je nach Indikation und Ort sollten 2 bis 12 Tiere anbeißen.

  • Bei ausschließlich lokaler Fülle, aber allgemeinem Leerezustand (Astheniker, Hypotoniker) nur wenige Egel verwenden.

  • Die Egel brauchen Ruhe und Halbdunkel. Sie fallen ab, sobald sie sich vollgesogen haben (nach 10–40 Min.). Die Egel auf keinen Fall gewaltsam abreißen (Cave: Hautverletzung).

  • Anschließend mit einer Pinzette wieder in einen fest verschließbaren Behälter geben, die Blutegel mit hochprozentigem Alkohol wie z. B. Spiritus oder durch Einfrieren bei –18 °C (für Blutegel die sanfteste Art) töten und wie benutzte Spritzenkanülen entsorgen. Früher wurden die Blutegel oft in der freien Natur ausgesetzt oder an die Zuchtfirma (zum Aussetzen in das sog. Rentnerbecken) zurückgegeben. Dieses Vorgehen ist verboten.

Versorgung der Nachblutung
Blutegeltherapie Nachblutung
  • Aus der Wunde sickert nun über Stunden Blut und Lymphe nach, was einem protrahierten Aderlass entspricht, der den direkten Blutverlust ergänzt.

  • Das austretende Blut mit Zellstoff auffangen. Bei einer Krampfaderbehandlung blutet es oft Stunden nach. Ein zu großer Blutverlust kann jederzeit mit einem Druckverband verhindert werden.

  • Nach etwa 1–3 Std. einen Verband mit viel saugfähiger Watte anlegen. Bis dahin muss der Patient liegen bleiben.

  • Nach 12 Stunden den ersten Verbandswechsel durchführen und diesen wiederholen bis zum völligen Sistieren der Blutung. Nach meist 2 Tagen, spätestens nach 1 Wo. kann die behandelte Stelle wieder gewaschen werden.

Kombination mit anderen Therapieverfahren

Bewährt hat sich bei Füllezuständen die Kombination mit dem blutigen Schröpfen. Eine praktische Alternative für Blutegel sind oft die rascher durchführbaren Schröpfverfahren (2.6.3 und 2.6.4).

Indikationen

Grundsätzlich gilt für alle Indikationen, dass zumindest ein lokaler Füllezustand gegeben sein muss (Plethora). Allgemein ist eine Blutegeltherapie immer dann angezeigt, wenn ein Aderlass indiziert, aber technisch nicht möglich und energetisch falsch wäre, z. B. bei Kindern.
  • Hauptindikationen:

    • Erkrankungen des Bewegungsapparats: Gelenkarthrosen, v. a. Gonarthrose, Sprunggelenksarthrosen

    • Venöse Erkrankungen: akute Thrombophlebitis, variköses Syndrom, postthrombotisches Syndrom, Phlebothrombose

  • Weitere Indikationen:

    • Augenerkrankungen: v. a. Visusverschlechterungen im Alter, grauer und grüner Star, Glaukom, auch Netzhautblutungen

    • Infektionskrankheiten und Infektionen: akute und chron. Otitis media, Mastoiditis; Herpes zoster, Gesichtsfurunkel, Phlegmone und infizierte Insektenstiche

    • Angina pectoris bei Fülle-Patienten, Hypertonikern; Postcholezystektomie-Syndrom, Hämorrhoidalsyndrom und Analthrombose, akute und chron. Prostatitis; Wundheilungsstörungen durch postop. Lymphstau (Handchirurgie) oder infizierte Wunden, akute und chron. Osteomyelitis, Dupuytren-Kontraktur, akuter Gichtanfall

Kontraindikationen

  • Hämorrhagische Diathesen (Bluter)

  • Hauterkrankungen an den Applikationsorten

  • AVK und diabetische Mikroangiopathie

Cave

BlutegelEntsorgungBlutegel dürfen nur einmal verwendet werden und müssen danach entsorgt werden. Bei Tieren, die aus Zuchtanstalten geliefert werden, besteht kein Risiko einer Infektionsübertragung auf den Menschen.

Komplikationen

  • Vom Egel sezerniertes Histamin kann zu einer allergischen Reaktion führen, die sofort oder bis zu 4 Tage verspätet auftritt. Therapie: Quarkumschläge, Ca2+ i. v. und lokales Antihistaminikum. Das Risiko einer allergischen Reaktion steigt mit jeder neuen Applikation.

  • Ein Erysipel nach Biss ist sehr selten.

  • Eine kleine Narbe an der Bissstelle kann Wo. bestehen bleiben, ebenso eine Papel, die das Bacterium hirudinis enthält.

  • Eine Heftpflasterallergie ist nach einer Blutegelbehandlung häufiger anzutreffen, deshalb hautschonende, hypoallergene Pflaster verwenden.

Abrechnungsziffern

GOÄ

Materialkosten extra berechnen.
747Setzen von Blutegeln.
748Hautdrainage.
204, 205Verbandswechsel; zirkulärer Verband/Kompressionsverband – Kopf/Schulter/Hüftgelenk/Rumpf (204), Verband (205).
5Symptombezogene Untersuchung.

GebüH

27.1Setzen von Blutegeln, ggf. einschl. Verband.

Literatur

Matejka, 2009

R. Matejka Ausleitende Therapieverfahren: Methoden und Praxis: Methoden und praktische Anwendung 3. A. 2009 Elsevier München

Ploss, 2012

O. Ploss Moderne Praxis bewährter Regulationstherapien 3. A. 2012 Haug Stuttgart

Baunscheidt-Verfahren

Baunscheidt-Verfahren Ausleitende Verfahren Baunscheidt-Verfahren Das Baunscheidt-Verfahren ist eine großflächige Hautreiztherapie, die durch Sticheln mit einem speziellen Instrument und anschließendes Einreiben einer speziellen Paste oder eines Öls eine Pustelbildung bzw. entzündliche Rötung der Haut verursacht.

Entwicklung

Das Baunscheidt-Verfahren gehört zu den „Pustulantien“, d. h. zu den Hautreizmethoden, die einen künstlichen Hautausschlag bewirken und seit alters in der Medizin verwendet wurden. Ohne Kenntnis der früheren Verfahren wurde diese Methode vom Feinmechaniker Carl Baunscheidt vor etwa 150 Jahren entwickelt. Dazu bediente er sich eines Nadelinstruments, des „Lebensweckers“, und eines hautreizenden Öls, dessen Originalrezeptur nicht mehr bekannt ist. Das Baunscheidt-Verfahren war im 19. Jh. weltbekannt, es wurden ihm über 50 Indikationen zugeschrieben.

Stellenwert

In der naturheilkundlichen Therapie vieler orthopädischer Beschwerden, aber auch unterschiedlicher vegetativer Symptome und als Umstimmungsmittel, ist das Baunscheidt-Verfahren ein einfach zu handhabendes, rasch wirkendes Therapeutikum.

Konzept

Im Gegensatz zur Akupunktur (2.1.1) der TCM, die spezielle Akupunkturpunkte oder Meridiansysteme gezielt anregt oder hemmt, stellt das Baunscheidt-Verfahren eher ein flächenhaft wirkendes Reflexverfahren dar, das zusätzlich hautausleitende Effekte hat. Zudem wird eine Immunstimulation bewirkt, wodurch blockierte Antigen-Antikörper-Komplexe reaktiviert werden. Die Anwendung findet vorwiegend an Körperregionen statt, die durch kutiviszerale Reflexbeziehungen mit einem inneren Organ in Wechselwirkung stehen. Spezielle Forschungsergebnisse hierzu liegen, wie leider auch bei vielen anderen erfahrungsheilkundlichen Methoden, nicht vor.

Wirkungsweise

Beim Baunscheidt-Verfahren werden folgende Hauptwirkungen unterschieden:
  • Hyperämie der Haut und damit über kutiviszerale Nervenbahnen auch Hyperämie der segmental zugeordneten inneren Organe und des ganzen reflektorisch verbundenen Zielgebietes mit der Folge einer in diesem Bereich erhöhten Stoffwechseltätigkeit

  • Lymphdrainageeffekt nach innen auf Körperhöhlen und innere Schleimhäute (z. B. Bronchien, Mastoid) sowie nach außen durch Ableitung von Exsudat

  • Immunologische Wirkung: Aktivierung des lymphatischen Systems des Hautorgans und Steigerung der Phagozytose durch die künstliche Entzündung (überwiegend sterile Eiterpusteln)

  • Anregung von Organfunktionen und allgemeine Tonisierung von Patienten in Schwächezuständen. Die energetische Wirkung entspricht etwa der von Goldnadeln oder Moxa (2.1.1). Als tonisierendes Verfahren ist das Baunscheidt-Verfahren dem blutigen Schröpfen genau entgegengesetzt.

  • Wirkung auf das hormonale System über eine massive Stimulierung von Hautreflexzonen (empirisch anzunehmen). Dabei beeinflusst ein Bearbeiten der Region um C 7 die Schilddrüse, die Hypophyse und die seelische Stimmungslage. Die Schulterdreieckszone wirkt auf die Ovarien und die Testes und das Areal bei LWK 5 auf die Genitalorgane bzw. die Vitalität.

Diagnostik

Es ist keine besondere Diagnostik Tonisierungerforderlich, es ist lediglich die aktuelle Erkrankungssituation auszuschließen (ggf. BKS durchführen).

Therapie

Vorbereitung
Baunscheidt-Verfahren Durchführung
  • Vor der Prozedur Haare rasieren und Haut mit Alkohol desinfizieren, dann Haut individuell sticheln und mit Paste oder Öl einreiben. Einreibedruck und Zeitdauer sind von der Konstitution des Patienten abhängig.

  • Stets Handschuhe tragen und Schleimhautkontakt mit der Paste vermeiden.

  • Areal mit normaler Spezialwatte (auch Tafelwatte) und/oder Papierfolie abdecken, mit hypoallergenem Pflaster fixieren, darüber ein eng anliegendes Kleidungsstück (T-Shirt etc.) ziehen. Bei Behandlung kleinerer Hautareale genügen auch einfache Verbände, die tgl. gewechselt werden können.

Praxistipp

Für das Baunscheidt-Verfahren Baunscheidt-VerfahrenBehandlungsgrundsätzegelten folgende Behandlungsgrundsätze:

  • Die richtige Sticheltiefe liegt dann vor, wenn die Haut danach gerötet erscheint und nur vereinzelt Petechien aufweist. Ein Verbandswechsel kann (muss aber nicht) nach 2 Tagen zur Kontrolle vorgenommen werden. Beim Abnehmen nach 5 Tagen kann die Haut mit Mandelöl behandelt werden.

  • Der Patient fühlt sich während der 5 Tage meist gut durchwärmt. Er sollte sich in dieser Zeit im Bereich des behandelten Areals nicht waschen, Kälte vermeiden und sich zur Förderung der Heilwirkung unbedingt schonen.

Reaktionen
  • Bei toxinbelasteten Patienten treten beim ersten Mal oft richtige Eiterungen durch Konfluieren der Pusteln und ein erhebliches Krankheitsgefühl wie bei Grippe und Fieber auf, was als positives Zeichen der Reaktionsfähigkeit gewertet werden kann. Daher ambulant nie zu große Areale behandeln, z. B. nur den oberen oder den unteren Rücken. Haut tgl. kontrollieren.

  • Bei Kindern unter 10 Jahren Paste ohne Stichelung einreiben.

  • Die Wirkung der Baunscheidt-Behandlung ist dann gut, wenn hirsekorngroße, klare oder mit sterilem Eiter gefüllte Pusteln oder Blasen auftreten. Sie platzen nach einigen Baunscheidt-VerfahrenReaktionenTagen auf oder trocknen ab. Bei schwacher Reaktion ggf. 1–2 Tage später nochmals behandeln oder 3 Wo. später erneut eine große Baunscheidt-Behandlung durchführen.

  • Gegen Juckreiz helfen Kinderpuder, Fissanpuder® oder Oleotüll®.

  • Baunscheidtieren ohne Paste, also trockene Nadelung, kann tgl. wiederholt werden. Sie wirkt v. a., wenn paravertebral durchgeführt, ausgesprochen tonisierend.

  • Baunscheidt-Öl wird meist der Paste vorgezogen, wenn kein zu starker Ausschlag erwünscht ist, z. B. am Hals.

Hilfsmittel
Da das „Original-Hautreizöl“ von Baunscheidt nicht mehr bekannt ist, gibt es heute mehrere rezeptpflichtige Hautreizöle, z. B. das krotonölfreie Redskin® (Beschaffung über Apotheken, 2.6.11). Sie erzeugen allerdings eher Hautquaddeln oder ein lokales Erythem. Nach Ansicht Aschners stellen sie lediglich milde Varianten des Baunscheidt-Verfahrens dar, sind also eher „Ableitungsmittel“ als „Ausleitungsmittel“.
Als Instrument zum Baunscheidtieren kann ein halbmechanischer (und sterilisierbarer) Hautstichler oder ein Spezialnadelroller (Stachelwalze) z. B. der Fa. G. Kirchner und Wilhelm (Anschrift 2.6.11) verwendet werden.

Kombination mit anderen Therapieverfahren

In der Praxis erfordert die Anwendung des Baunscheidt-Verfahrens keine weiteren Therapien, da es ein hochpotentes, spürbares Umstimmungsmittel darstellt (2.6.7).

Indikationen

„Das Baunscheidt-Verfahren fragt eigentlich nicht nach dem Namen der Krankheit“, wie Carl Baunscheidt sagte, „sondern geht davon aus, dass etwas Störendes aus dem Organismus wieder herausgehört.“
Hauptindikationen
  • Bewegungsapparat: Schmerzen durch degenerative Veränderungen der WS, radikuläre und pseudoradikuläre WS-Syndrome, Osteoporose, M. Scheuermann, Schulter-Arm-Syndrom, Neuralgien, Periarthropathia humeroscapularis, insuffiziente, hypotone Rückenmuskulatur und muskuläre Verspannungen, „Weichteilrheumatismus“, Arthritiden, Arthrosen (Knie, Hüfte, Schulter) und Gicht, M. Bechterew, PCP (nur im Intervall bei fehlender Entzündungsaktivität) und zervikale Migräne. Nach Aschner auch die Kokzygodynie, Tendovaginitiden, Periostreizungen und die Achillodynie (dabei auf einen möglichen Fokus achten).

  • Astheniker- bzw. Leeretypen mit Hypotonie und Anämie am ganzen Rücken und evtl. auch am Abdomen baunscheidtieren. Hier macht sich eine ausgesprochen anregende Wirkung bemerkbar.

  • Allgemeine Infektlabilität: vor, während und in der Nachphase eines Infekts, bei allen Grippefolgen (auch kardiale!), bei akuter oder chron. Bronchitis v. a. beim Astheniker großflächig behandeln. Im Gegensatz dazu sollte der Pykniker mit Blutegeln und Aderlass behandelt werden. Bei Bronchiektasen sehr kräftig und wiederholt arbeiten. Bei Asthma und funktionellen Herzbeschwerden sollte unbedingt zumindest ein Therapieversuch gemacht werden.

  • Abdomen: Reizmagen, antazide Gastritis, Ptose von Magen und Dünndarm, Gallenwegsdyskinesien, exkretorische Pankreasschwäche, chron. Obstipation, Reizkolon, Divertikulitis und Divertikulose mehrmals alle 3 Wo. kräftig am Bauch behandeln. Immer die direkten Reflexzonen nach Head/McKenzie sowie zusätzlich das Abdomen und die Waden als indirekte Reflexzone von Niere und Magen mitbehandeln.

Weitere Indikationen
  • Pädiatrie: Infektanfälligkeit der Kinder, chron. Angina tonsillaris, Keuchhusten, Enuresis und Impffolgen in Form von Gelenkbeschwerden und Adynamie. Da bei Kindern meist Leere-Zustände vorherrschen, sprechen sie auf eine tonisierende Therapie gut an. Ohne Stichler nur mit Paste kann schon ab dem 3. Lj. behandelt werden, ab 10. Lj. wie bei Erwachsenen behandeln, aber Stichler-Druck entsprechend reduzieren.

  • HNO-Bereich: Bei M. Menière 1-mal/Wo. am Nacken bis an das Mastoid; nach Aschner auch Schwindel, Ohrensausen und Hypakusis

  • Urogenitale Erkrankungen: Harninkontinenz, chron. Harnwegsinfekte, Prostatitis, benigne Prostatopathie, Potenzprobleme, Adnexitis, Amenorrhö und Dysmenorrhö junger und klimakterischer Frauen

  • Psyche und Vegetativum: vegetative Dysregulationen, klimakterische Depressionen, reaktive Depressionen

  • Augenerkrankungen: auch rheumatischer Genese, Glaskörpertrübungen, Iriditiden, Liderkrankungen

Kontraindikationen

  • Autoimmunerkrankungen, allergische Erkrankungen, hohes Fieber

  • Nicht direkt über lokalen Entzündungen, Nävi und anderen Hautveränderungen, keine Therapie bei BKS > ca. 25/50

  • Zurückhaltend an den Beinen baunscheidtieren, außer lokal an den Waden: evtl. kommt es zu starken Entzündung und toxischen Reaktionen (selten, Gegenmaßnahme s. Nebenwirkungen)

Merke

Da Baunscheidtieren eine sehr eingreifende Methode ist, sollte es nicht unbedingt als primäre Therapie eingesetzt werden. Es empfiehlt sich, vor Behandlungsbeginn den Patienten mit einem Formblatt und mündlich darüber aufzuklären, dass initiale Beschwerden auftreten und Narben und Hyperpigmentierungen (selten) zurückbleiben können.

  • Sehr pigmentreiche Menschen wegen des möglichen kosmetischen Nebeneffektes einer Hyperpigmentierung nicht baunscheidtieren.

Komplikationen

  • Allergische Reaktionen (auch in Form von Blasenbildungen): Paste mit Öl entfernen und evtl. Oleotüll applizieren, zusätzlich evtl. Ca2+ und Antihistaminika i. v. geben.

  • Schmerzen oder starke Begleitreaktionen: Je 1 Amp. Zentramin®, Polybion und Cebion® forte i.v. Größere Hautabhebungen mit Sofratüll versorgen.

  • Pruritus: Bei starkem Pruritus darf ruhig gekratzt werden, eine gefährliche Superinfektion oder Narbenbildung tritt praktisch nie auf.

  • Normalerweise erfolgt keine Narbenbildung.

Abrechnungsziffern

GOÄ

748Hautdrainage.
A 209Großflächiges Auftragen von Externa zur Behandlung von Hautkrankheiten.
A 523Massage im extramuskulären Bereich.
266Intrakutane Reiztherapie (Quaddelung).

GebüH

27.2Skarifikation der Haut.
27.10Anwendung von Pustulantien.
27.11Baunscheidtieren.

Literatur

Aschner, 2000

B. Aschner Lehrbuch der Konstitutionstherapie 10. A. 2000 Hippokrates Stuttgart

Matejka, 2009

R. Matejka Ausleitende Therapieverfahren: Methoden und Praxis: Methoden und praktische Anwendung 3. A. 2009 Elsevier München

Ploss, 2012

O. Ploss Moderne Praxis bewährter Regulationstherapien 3. A. 2012 Haug Stuttgart

Cantharidenpflaster

Ausleitende Verfahren Cantharidenpflaster Cantharidenpflaster Das Cantharidenpflaster gehört zu den blasenziehenden Mitteln („Vesikantien“), die in verschiedener Form seit Jahrtausenden verwendet worden sind. Eingesetzt wird ein Cantharidenextrakt, der aus der Laufkäferart „Spanische Fliege“ (Lytta vesicatoria) stammt.

Entwicklung

Der Cantharidenextrakt wurde bereits bei den Ärzten des Römischen Reiches als Heilmittel verwendet. Den medizinhistorischen Stellenwert des Cantharidenpflasters dokumentiert ein Ausspruch von Paracelsus, der sagte, dass „nur der den Namen Arzt verdiene, der (mit einem Cantharidenpflaster) die Gicht heilen kann“. Denn wo die Natur einen Schmerz erzeugt, dort will sie schädliche Stoffe anhäufen und ausleeren. Wo sie dies nicht selbst fertigbringt, dort mache man ein Loch in die Haut und lasse diese heraus“.

Stellenwert

Bei der Behandlung chron. Beschwerden an Wirbelsäule und Gelenken ist das Cantharidenpflaster ein sinnvolles Therapiemittel.

Konzept und Wirkungsweise

Das Cantharidenpflaster ähnelt in seiner Wirkung der Schröpftherapie (2.6.1) und wird wegen seines Effektes auf das Lymphsystem auch weißer Aderlass genannt. Der Hautreiz des Pflasters stellt eine künstliche Verbrennung zweiten Grades dar und führt zu einer Brandblase. Im Grundgewebe kommt es zu einer Summierung verschiedener Effekte:
  • Antiödematöse und antiphlogistische Wirkung: Das Cantharidenpflaster führt zu einer direkten Entfernung von Lymphe, die Schmerzmediatoren und sog. Stoffwechselschlacken (Ablagerungen von Toxinen, Antigen-Antikörper-Komplexen, sauren Radikalen usw.) enthält, an die Hautoberfläche. Zu einer ähnlichen Wirkung kommt es im Inneren des Körpers durch die einsetzende Hyperämie und die Lymphdrainage nach innen. Je größer der Lymphverlust während der AderlassweißerPflasterapplikation ist, desto weniger Schmerzen und Beschwerden bestehen nachher.

  • Immunologische Wirkung: Zunächst kommt es lokal, später im ganzen Organismus zur Aktivierung immunkompetenter Zellen und hydrolytischer Enzyme. In der GrundsubstanzGrundsubstanzCantharidenpflaster wird eine Vielzahl von Mediatoren und Botenstoffen freigesetzt, die selbst wieder biologische Reaktionen anstoßen können. Die immunologische Autoregulation im Zielgebiet, die durch chron. Entzündungen blockiert wird, wird wiederhergestellt und kann dann oft über Jahre anhalten.

  • Hyperämie: Die Verbesserung der regionalen Durchblutung und Steigerung der Hämorheologie bewirkt bis zur völligen Abheilung der Haut eine lokale Erhöhung von Temperatur und Stoffwechsel ebenso wie im Zielgebiet der Reflexzone.

Diagnostik

Fachspezifische Untersuchung zur Indikationsstellung, exakte Palpation der Hautkonsistenz der Region vor Pflasterapplikation, akute Entzündung (lokal und systemisch) ausschließen.

Therapie

Vorbereitung und Anbringen des Pflasters
Cantharidenpflaster Durchführung
  • Hautareal nach Palpationsbefund des Bindegewebes oder nach lokalen Beschwerden ermitteln.

  • Hautareal mit Fettstift markieren. Haut rasieren und mit Benzin entfetten.

  • Die Pflastermasse ca. 1 mm dick auf einen Zellstoff aufbringen, darauf semipermeable Plastikfolie und Kompressen zur Aufnahme des Wundsekretes legen. Alternativ Cantharidensalbe direkt auf die Haut streichen. Darüber gut haftende Pflasterstreifen kleben (besser als großflächige Totalklebeverbände).

Cave

Unter dem Verband darf keine Salbe hervortreten – Gefahr von Verbrennungen außerhalb des gewünschten Hautareals.

  • Patient unbedingt vorher aufklären, dass eine schlaflose, weil schmerzhafte Nacht bevorsteht und auch leichte brennende Schmerzen von Harnröhre und Blase auftreten können (nierenreizende Wirkung des Cantharidins).

  • Ca. 4 Std. nach dem Anlegen beginnt es unter dem Pflaster für einige Stunden zu „brennen“. Dann ggf. dagegen ein peripher wirkendes Analgetikum geben.

  • Blase bis zur Abnahme erhalten – vorzeitige Ruptur verzögert Heilung. Aus diesem Grund soll dem Patienten eine geeignete Nachtlagerung sowie das Unterlegen eines Handtuches empfohlen werden.

Praxistipp

Für das CantharidenpflasterBehandlungsgrundsätzeCantharidenpflaster gelten folgende Behandlungsgrundsätze:

  • Pflaster morgens anlegen, um die schmerzhafte Phase der Blasenbildung nach ca. 2–3 Stunden nicht in die Nacht zu verlegen und dem Patienten tagsüber bei Beschwerden helfen zu können.

  • Eine „pflasterwürdige“ Stelle sollte eigentlich sulzig und etwas druckdolent sein (Hinweis auf lokales Lymphödem). Aber auch äußerlich relativ unauffällig erscheinende Hautareale können selbstverständlich mit Pflaster versehen werden.

  • Kleine Pflaster brennen so stark wie größere und bringen wenig Wirkung. Die max. Größe sollte ca. 5-mal 10 cm betragen. Am Mastoid allerdings nur Pflaster der Größe von ca. 1–2 Briefmarken verwenden.

Reaktionen
Cantharidenpflaster Reaktionen
  • Nach 12–16 Std. sollte eine ausreichend große Brandblase entstanden sein. Jetzt Blase mit Kanüle anstechen und Sekret abfließen lassen.

  • Blasenhaut nur entfernen, wenn sie stark eingerissen ist, sonst unbedingt als Verband belassen.

  • Bei sulzig-eingedicktem Inhalt Blasenhaut steril abtragen.

  • Auf jeden Fall alle Reste der Cantharidensalbe säuberlich entfernen.

  • Wenn nach 16 Std. noch keine Blase entstanden ist, nochmals 8 Std. warten.

  • Wunde mit steriler Kompresse abdecken, mit neutraler Salbe oder „Lymphsalbe“ dünn bestreichen und versorgen.

  • Wenn aus der Wunde viel Lymphe sezerniert wird, was als positives Zeichen zu werten ist, tgl. Verbandswechsel durchführen, nach einigen Tagen Puder statt Salbe verwenden.

  • Verband 5 Tage trocken halten, dann hat sich die neue Haut regeneriert.

  • Blaseninhalt kann ganz oder in potenzierter Form dem Körper in verschiedener Form wieder zugeführt werden.

  • Ein zweites Pflaster an derselben Stelle frühestens nach 4 Wo. – d. h. nach der völligen Abheilung der Wunde – verordnen.

Praxistipp

Canthariden-Spezialpflaster sind in der Apotheke fertig beziehbar. Die CantharidenpflasterCantharidensalbeCantharidensalbe kann man jedoch auch herstellen lassen, z. B. von der Oberen Apotheke RezepturenCantharidensalbein Schwäbisch Gmünd oder der Klösterl-Apotheke in München (8.4).

  • Schwarze Cantharidensalbe: Cantharidis pulvis 350.0, Acidum aceticum 99% 54.0, Ol. Terebinthi 300.0, Cera alba 250.0, Adeps benzoatus 400.0, Colophonium pulvis sol. 350.0, Lanolin 250.0, Ol. Arachidis 250.0.

  • Milde, helle Salbe: Tct. cantharidis 10.0, Ol. Arachidis 2.0, Adeps bezoatus 2.0, Cera falva 1.0, Ungt. Molle ad 50.0. Diese Salbe entmischt sich leicht, deshalb nur kleine Mengen herstellen, sie ruft keine Pigmentierungen hervor.

  • Cantharidensalbe nach Anselmi: Pulv. Canthar. 25.0, Ol. Olivae 5.0, Cera flava 35.0, Elemi 15.0, Styrax depur. Fl. 12.0, Colophonium 8.0.

Kombination mit anderen Therapieverfahren

Die Behandlung mit Cantharidenpflaster und blutiges (2.6.3) oder trockenes (2.6.4) Schröpfen (inkl. petechiale Saugmassage) können gut zusammen an einem Termin durchgeführt werden. Cantharidenpflaster sind in Abständen von wenigen Tagen auch wechselweise mit dem Baunscheidt-Verfahren sinnvoll kombinierbar.

Indikationen

Mit sehr guten Ergebnissen kann das Cantharidenpflaster bei folgenden Hauptindikationen angewendet werden:
  • Wirbelsäulenleiden: lokale, pseudoradikuläre und z. T. auch radikuläre WS-Syndrome von der HWS bis zum Sakroiliakalgelenk, Okzipitalisneuralgie, Schulter-Arm-Syndrom (nach Durchführung der Schröpftherapie), Postdiskotomiesyndrom, Interkostalneuralgie, M. Bechterew. Das Cantharidenpflaster stellt eine ideale Ergänzung zur Chirotherapie dar. Die Pflaster werden an der WS üblicherweise v. a. auf die Dornfortsätze gesetzt, von einigen Therapeuten aber auch paravertebral. Man kann dabei durchaus mehrmals ein Pflaster auf dieselbe Stelle setzen.

  • Tumorschmerzen: bei isolierten Knochenmetastasen

  • Gelenkleiden: reizlose Gonarthrose, Schultergelenksarthrose, Arthrosen der Sprunggelenke, Handwurzelarthrosen (v. a. Daumengrund und -sattelgelenk), Arthrosen der kleineren Gelenke (auch bei Fingerpolyarthrosen), Gichtgelenke, Insertionstendinosen, Postmeniskektomie-Schmerzen, Tietze-Syndrom

  • Pleuraergüsse und -verschwartungen

  • HNO-Erkrankungen: akute und chron. Otitis media v. a. bei Kindern, chron. Mastoiditis, Sinusitis frontalis et maxillaris, isolierte und harte Hals-Lk.; bei lokalem Befund auch Pflaster an der Reflexzone „Gesichtsschädel“ anbringen

  • Klimakterische Depressionen (LWK 5/S 1, zusätzlich Gallenzone schröpfen)

Ein befriedigender Erfolg wird bei folgenden Indikationen erzielt:
  • Gynäkologische Erkrankungen: Salpingitis und Adnexitis

  • HNO: akuter Hörsturz (Pflaster an Mastoid und Nacken, dazu schröpfen), Schwindel, Tinnitus und M. Menière

  • Angina tonsillaris und Tonsillarabszess als Alternative zur Blutgelbehandlung

  • Hauterkrankungen: Psoriasis, Neurodermitis (Verbesserung der Lymphzirkulation), Versuch auch bei chron. Ekzemen lohnend

  • Infektionskrankheiten: beginnender Herpes zoster und Postzosterneuralgien (zusammen mit Blutegeln)

  • Sonstige Erkrankungen: Bei feuchter oder trockener Perikarditis Beschleunigung der Exsudatresorption. Postcholezystektomie-Syndrom, postop. Narbenbeschwerden, Trigeminusneuralgie, einige Augenerkrankungen (Iritis, Glaukom), Epicondylopathia radialis und ulnaris

Merke

Früher angegebene Indikationen, die sich nicht bewährt haben, sind die Koxarthrose (aber durchaus gute Ergebnisse bei Periarthropathia coxae), entzündliche oder traumatische Kniegelenksschwellungen, akute rheumatische Schwellungen, Diskushernien mit Wurzelreizsyndrom bei asthenischen Patienten im Leerezustand.

Kontraindikationen

  • Akute Zystitis oder Pyelonephritis (Cave: nephrotoxische Wirkung von Cantharidin in größeren Mengen), Gangrän, Stauungsödeme, arterielle Durchblutungsstörungen und alle unklaren Hautveränderungen

  • Salbe auf keinen Fall auf akut entzündetes Gelenk, offene Wunden, Schleimhäute oder in Gelenkbeugen bringen

  • Bei dunklen, pigmentreichen Patienten zurückhalten (Cave: Hyperpigmentierungen)

  • Bei akuten Systemerkrankungen nur bei unauffälligen Entzündungsparametern

Komplikationen

  • Hyperpigmentierungen der behandelten Haut über Jahre: Allerdings ist dies bisher äußerst selten aufgetreten, bei Verdacht sicherheitshalber milde Salbe (s. u.) verwenden

  • Lokale Entzündung: möglich, wenn Patient das Pflaster vorzeitig abnimmt (darauf hinweisen)

  • Pflasterallergie: Ca2+ i.v. und ein lokales Antihistaminikum geben, Therapie kann ansonsten meist fortgeführt werden

  • Harnblasenreizungen: können routinemäßig bei allen Patienten durch prophylaktische Gabe von Spasmourgenin® vermieden werden (alle 2 bis 3 Std. 1 Tbl.); bei hämorrhagischer Reizblase (sehr selten) Ca2+ und ein Antihistaminikum i. v. applizieren

  • Niere: nephrotoxische Wirkung bei größeren Mengen von Cantharidensalbe

Abrechnungsziffern

GOÄ

A 209Großflächiges Auftragen von Externa zur Behandlung von Hautkrankheiten.
A 266Anlegen und Weiterbehandlung von Cantharidenpflastern. In Folge kann die Ziffer 2006 angewendet werden.
A 2006Behandlung einer Wunde, die nicht primär heilt.
7Fachspezifische Untersuchung; vollständige körperliche Untersuchung mind. eines Organsystems, z. B. Haut.

GebüH

27.8Setzen von Cantharidenblasen.
27.9Reinjektion des Blaseninhaltes (aus Ziffer 27.8).

Literatur

Aschner, 2000

B. Aschner Lehrbuch der Konstitutionstherapie 10. A. 2000 Hippokrates Stuttgart

Matejka, 2009

R. Matejka Ausleitende Therapieverfahren: Methoden und Praxis: Methoden und praktische Anwendung 3. A. 2009 Elsevier München

Ploss, 2012

O. Ploss Moderne Praxis bewährter Regulationstherapien 3. A. 2012 Haug Stuttgart

Fontanellentherapie

Fontanellentherapie Ausleitende Verfahren Fontanellentherapie Als ausleitende Therapie eingesetztes Verfahren, bei dem eine künstlich erzeugte Hautwunde durch Einlegen eines Fremdkörpers über einen gewissen Zeitraum offen gehalten wird. Die dadurch hervorgerufene Entzündungsreaktion dient therapeutischen Zwecken.

Entwicklung und Stellenwert

Historisch leitet sich die Fontanellentherapie aus der Behandlung mit dem „Glüheisen“ ab. Hippokrates sagt: „Was Medikamente nicht heilen, heilt das Eisen und was das Eisen nicht heilt, heilt das Feuer …“. Die Methode kommt heute nicht mehr zur Anwendung.

Konzept und Wirkungsweise

Die Fontanelle ist „ein Emissarium (Ausleitventil) und bewirkt ein künstlich erzeugtes und in permanenter Sekretion gehaltenes Geschwür zur Behandlung von chron. Entzündungen und Schmerzen, v. a. an Gelenken“ (Aschner). Bei der Fontanelle („Quellgebiet“, „Eiterquelle“) kommt es ähnlich wie beim Cantharidenpflaster zu einer mehrschichtigen Wirkung:
  • Als lokaler Aderlass bewirkt sie eine Hyperämie und Lymphdrainage, leitet über Wo. und Mon. saure Stoffwechselvalenzen nach außen und bewirkt eine Immunstimulation durch Reizkörperwirkung.

  • Durch die deutlich verbesserte Stoffwechselsituation in der bindegewebigen Grundsubstanz schwindet der Schmerz – und bleibt oft jahrelang auch nach dem Zugranulieren der Fontanelle weg! Wie lange die Beschwerdefreiheit anhält, hängt letztlich auch von der Lebensführung des Betroffenen ab.

  • Die strukturell bedingte Bewegungseinschränkung bleibt natürlich unverändert.

In und um jeden organischen Schaden, z. B. ein arthrotisches Gelenk, bildet sich eine zusätzliche, funktionelle Störung aus, die selbst wieder zum Störfeld werden kann. Die Intensität von Beschwerden hängt wesentlich von der Situation der Mikrozirkulation und des Stoffwechsels in Gelenk, Muskeln, Sehnen, Gelenkkapseln und anderen zum Gelenk gehörenden Strukturen ab. Die Fontanellentherapie verbessert Mikrozirkulation und Stoffwechsel.

Therapie

  • Nach Anästhesie wird vom Chirurgen mit einem Elektrokauter an der indizierten Stelle, die sich möglichst nahe am Krankheitsprozess befinden und viel Weichteilgewebe haben sollte, eine Wunde durch die Fettschicht bis zur Muskelfaszie gebrannt („paraartikuläres Loch“, Größe ca. 5-Cent-Stück), wobei durchaus bis zu 100 ml Blut abfließen darf (verstärkt den schmerzreduzierenden Effekt). Die Wunde wird dann chirurgisch verschorft.

  • Um die Wunde einige Wo. lang am Zugranulieren zu hindern, sterilisierbaren Fremdkörper (Metallkugeln, Glasperle) tgl. beim Verbandswechsel einlegen. Eine Superinfektion wird praktisch nicht beobachtet!

  • Zu große Wunden mit den üblichen Hilfsmitteln etwas zugranulieren lassen.

  • Nach spätestens 6 Wo. ist der erwünschte Effekt einer Analgesie eingetreten. Man kann die Wunde aber auch 3 Mon. lang offen halten.

  • Eine vorherige ausführliche Aufklärung über den Eingriff ist selbstverständlich.

Indikationen

Die Fontanellentherapie wird nur noch extrem selten von wenigen eingesetzt, weil die heutige Operationstechnik und Intensivmedizin Operationen selbst in hohem Lebensalter relativ problemlos möglich machen. Trotzdem hat sie immer noch ihre Berechtigung bei der Behandlung massiver Schmerzzustände von weit fortgeschrittenen Arthrosen inoperabler, operationsunwilliger oder Hochrisikopatienten.
  • Koxarthrose (Fontanelle 3–4 QF hinter dem Trochanter major)

  • Fortgeschrittene Gonarthrose (Fontanelle zwischen Gastrocnemius-Köpfen handbreit unterhalb des Kniegelenksspaltes über Ansatz des M. suralis oder an Innenseite der Wade ca. 10 cm unterhalb des medialen Gelenkspalts)

  • Schultergelenksarthrose (Fontanelle über Ansatz des Deltoideus am lateralen Oberarm)

  • Alle anderen, früher üblichen Indikationen sind obsolet.

Komplikationen

Thrombosen am Unterschenkel bei falscher Position der Fontanelle im Venengebiet, sehr selten auch Wundheilungsstörungen.

Literatur

Aschner, 2000

B. Aschner Lehrbuch der Konstitutionstherapie 10. A. 2000 Hippokrates Stuttgart

Matejka, 2009

R. Matejka Ausleitende Therapieverfahren: Methoden und Praxis: Methoden und praktische Anwendung 3. A. 2009 Elsevier München

Ploss, 2012

O. Ploss Moderne Praxis bewährter Regulationstherapien 3. A. 2012 Haug Stuttgart

Weitere Reizkörpermethoden

Minifontanelle (Moxa)

MinifontanelleAusleitende VerfahrenMinifontanelleVon der ostasiatischen Moxibustion (Wärmemoxe) abgeleitete Brennmoxe als Minifontanelle mit ableitenden, umstimmenden und immunologischen Effekten (2.1). An bestimmten Hautstellen werden stecknadelkopfgroße Kegelchen aus getrocknetem Beifuß (Artemisia vulgaris) abgebrannt. Dabei entsteht am Ende ein kurzer und heftiger Schmerz. Anschließend etwas Salbe auf die Haut geben. Der Wundschorf fällt meist nach einer Wo. ab.
Die Minifonatanelle ist v. a. bei Gelenkschmerzen angezeigt:
  • Arthroseschmerzen am Daumensattelgelenk: sehr gute Indikation, meist nur 2 Anwendungen nötig. Die gerstenkorngroßen Moxakegel an 5–10 Schmerzpunkten abbrennen.

  • Hallux-valgus-Schmerzen: Brennmoxen auf die Dorsal- und Medialseite setzen.

  • An Finger- und Zehengelenken über jedem Gelenk dorsal eine Brennmoxe applizieren. Bei Spreizfußbeschwerden Therapie mehrmals wiederholen, am Mittelfuß bis zu 10–15 Kügelchen.

  • Hüftgelenk: gute Wirkung bei Asthenikern, Patient in Seitenlage auf den Schmerzmaximalpunkten des Gallenblasen-Meridians moxen.

  • Kniegelenk: bei Arthrosen und traumatischen Ergüssen reiskorngroße Moxakügelchen in einer Linie am med. Kniegelenkspalt bis zum Pes anserinus setzen.

Mikrofontanelle

MikrofontanelleAusleitende VerfahrenMikrofontanelleKleine Fontanelle durch Verwendung einer Akupunktur-Dauernadel. Beispiele:
  • Epikondylopathia radialis und ulnaris: kleine Akupunkturdauernadel flach i.c. an den schmerzhaftesten Punkt setzen, mit einem wasserdichten Pflaster abdecken und bis zu 6 Wo. belassen. Wenn schmerzhaft, Nadel einfach herausziehen. Ideal in Kombination mit blutigem Schröpfen am Nacken oder Schulterdreieck bzw. mit einem Cantharidenpflaster in Nähe von C 7.

  • Okzipitalneuralgie: entlang der Linea nuchae an den Akupunkturpunkten Bl 10 und 20 quer zur Meridianrichtung je 1 Nadel i. c. mit der Spitze nach lateral setzen und mit einem Pflaster bedeckt etwa 1 Wo. belassen.

  • Kiefergelenksarthritis: Schmerz verschwindet sehr schnell durch Dauernadel am max. Schmerzpunkt (Nadelrichtung zum Os zygomaticum). Wenn möglich, zusätzlich auch mit Mundakupunktur oder Cantharidenpflaster bzw. Schröpfung am Nacken behandeln.

  • Irritation des Iliosakralgelenks und Ansatzschmerzen des Musculus quadratus lumborum: Dauernadeln über der Spina iliaca posterior superior oder den Dolenzpunkten an der Crista iliaca setzen.

Literatur

Aschner, 2000

B. Aschner Lehrbuch der Konstitutionstherapie 10. A. 2000 Hippokrates Stuttgart

Matejka, 2009

R. Matejka Ausleitende Therapieverfahren: Methoden und Praxis: Methoden und praktische Anwendung 3. A. 2009 Elsevier München

Milz et al., 1998

F. Milz A. Pollmann K.P. Schirmer Naturheilverfahren bei orthopädischen Erkrankungen 1998 Hippokrates Stuttgart

Pischinger, 2014

A. Pischinger Das System der Grundregulation 12. A. 2014 Haug Stuttgart

Ploss, 2012

O. Ploss Moderne Praxis bewährter Regulationstherapien 3. A. 2012 Haug Stuttgart

Autogenes Training

Heinz Grombach

Autogenes Training Autogenes Training (AT) ist ein übendes Verfahren zur konzentrativen Selbstentspannung. Seine Ursprünge gehen auf die wissenschaftliche Erforschung der Hypnose zurück.

Entwicklung

Bereits um die Jahrhundertwende beschrieb Oskar Vogt die Hypnose als einen Sonderzustand zwischen Schlaf und Wachsein, der durch gezielte Anleitung zur selbsthypnotischen Umschaltung zu erreichen sei. Zur Entwicklung der Methode des AT wurde J. H. Schultz durch Vogts Empfehlung angeregt, wachsenden Erregungs- und Anspannungszuständen durch Autohypnose zu begegnen. Außerdem inspirierten ihn seine systematischen Beobachtungen der Erinnerungsbilder hypnotisierter Versuchspersonen: Einzelne Versuchspersonen konnten die in der Hypnose erlebten Allgemeinempfindungen der Ruhe und Geborgenheit sowie Schwere- und Wärmegefühle selbst (autogen) hervorrufen. Schultz nannte seine neue Methode, die darauf abzielte, mithilfe prägnanter Übungsformeln eine gewünschte Umschaltung zu erreichen, zunächst „autogene Organübungen“. Das grundlegende Werk von Schultz aus dem Jahre 1932 trägt den Titel Das autogene Schultz, J.H.Training. Konzentrative Selbstentspannung.

Stellenwert

Das autogene Training bietet ein breites Anwendungsspektrum von Prävention und Psychohygiene bis hin zur allgemein unterstützenden wie auch indikationsspezifischen Behandlung in der Psychosomatik, Psychotherapie und Rehabilitation. Es wird in der Naturheilkunde, der Rehabilitation, der Psychosomatik und der Psychotherapie meist unterstützend im Rahmen multidimensionaler Behandlungsansätze durch Ärzte und Klinische Psychologen/Psychologische Psychotherapeuten angewendet.

Konzept

Schultz unterscheidet mit dem Begriff des „Konzentrativen“ Phänomene der Selbstentspannung deutlich von allgemeinsuggestiven oder fremdsuggestiven Vorgängen. Die innere Haltung des Übenden entspricht allerdings nicht der im Alltag üblichen gespannten Konzentration, sondern eher der einer freischwebenden Aufmerksamkeit, einer passiv-diffusen Wahrnehmungshaltung. Grundprinzip des AT ist nicht, sich zur Ruhe zu zwingen und Veränderungen zu forcieren, sondern eine akzeptierende Haltung des Loslassens und Geschehenlassens bei gleichzeitiger Wahrnehmung der Entspannungsphänomene einzuüben.

Wirkungsweise

Im Rahmen der AT bzw. der konzentrativen Selbstentspannung treten Veränderungen in folgenden Bereichen auf:
  • Bewusstsein: z. B. rasch eintretende Bewusstseinssenkung und Wahrnehmungseinengung

  • Motorik: z. B. tiefe muskuläre Entspannung

  • Vegetative Funktionen: z. B. Umschaltung auf Ruhetonus der Atem- und Herzfrequenz, des Blutdrucks, der Bauchorgane

  • Emotionen und Affekte: z. B. psychische Ruhetönung, Angstabbau

  • Sinneswahrnehmungen: z. B. Reduktion von Schmerzen und Erinnerung des Gedächtnisses

  • Suggestibilität

Studien

Für die letzten zwei Jahrzehnte weist die medizinische Literaturdatenbank „Medline“ annähernd 1000 Veröffentlichungen zur Wirksamkeit des autogenen Trainings nach. Verschiedene Metaanalysen belegen die erfolgreiche Anwendung bei psychosomatischen Störungen sowohl bei Erwachsenen als auch Kindern und Jugendlichen, insbesondere spannungslösende Effekte bei Angstsymptomen sowie bei leichten bis mittelschweren depressiven Episoden. Für die Rehabilitation belegen Studien Wirkungen des autogenen Trainings z. B. in Verbindung mit Stressbewältigungsprogrammen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei essenzieller Hypertonie, in der Dermatologie und hier v. a. bei ganzheitlicher Behandlung der Neurodermitis, bei entzündlichen Darmerkrankungen, chron. Schmerzen sowie diversen Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen.

Diagnostik

Basis der Diagnostik ist die Anamnese, sowohl AnamneseAutogenes Trainingbei der Anwendung des AT mit allgemeinen Therapiezielen wie Erholung, Entspannung, Psychohygiene und Stressbewältigung als auch im Rahmen psychosomatischer und psychotherapeutischer Behandlungen. Die psychosomatischen Indikationen und Kontraindikationen (Tab. 2.7-1) bedürfen der zusätzlichen diagnostischen Abklärung anhand des ICD-10 und der Differenzialdiagnose durch die fachärztliche Untersuchung (z. B. bei funktionellen Herzbeschwerden [nach ICD-10: F45.3: somatoforme autonome Funktionsstörung] sollte eine KHK durch die internistisch/kardiologische Fachuntersuchung ausgeschlossen werden).

Therapie

Die innere Bereitschaft des Patienten und regelmäßiges Üben bilden die wichtigsten Voraussetzungen zum Erlernen des autogenen Trainings. Therapeutische Ziele sind:
  • Erholung und Entspannung

  • Selbstruhigstellung durch Resonanzdämpfung der Affekte (z. B. Entängstigung)

  • Sensibilisierung für Körperwahrnehmungen und Körpersignale

  • Selbstregulation sonst unwillkürlicher Körperfunktionen (z. B. der Atmung, der peripheren Durchblutung, von Herz- und Kreislauffunktionen)

  • Leistungssteigerung

  • Schmerzbeeinflussung

  • Selbstbestimmung (durch formelhafte Vorsatzbildung)

  • Selbstschau (Selbsterfahrung und Persönlichkeitsentwicklung insbesondere durch die Oberstufe des autogenen Trainings)

Die praktische Vermittlung des autogenen Trainings verlangt ein tragfähiges Arbeitsbündnis mit dem einzelnen Patienten oder der Patientengruppe. Es hat sich sehr bewährt, die Grundlagen und die Wirksamkeit der Methode des AT anhand von alltagsnahen Beispielen transparent zu machen. Die Anleitungen zur praktischen Durchführung der ersten Übungsstunde müssen klar formuliert und anschaulich sein, die Bedeutung der aktiven Mitarbeit des Einzelnen und der Übungscharakter des autogenen Trainings mit seinen individuellen Verläufen sollten betont werden.
Die Vermittlung des autogenen Trainings in der Gruppe bietet sich sowohl aus zeitlichen Gründen an als auch wegen der vielfältigen Möglichkeiten des Erfahrungsaustauschs und der gegenseitigen Unterstützung. Es empfiehlt sich eine Gruppengröße mit nicht mehr als 12–15 Teilnehmern.

Praxistipp

  • Für die Einführung in das AT und die erste praktische Übung sollten insgesamt ca. 1½ Std. Zeit zur Verfügung stehen.

  • Folgende günstige Übungsbedingungen sollten eingehalten werden:

    • Ruhige, geräuscharme Umgebung

    • Angenehm temperierter Raum

    • Bequeme Kleidung

    • Geschlossene Augen

    • Bequeme Übungshaltung mit geringer Muskelspannung

      • Liegende Position (Rückenlage)

      • Lehnstuhlhaltung (angelehntes Sitzen, z. B. auf einem bequemen Stuhl)

      • Droschkenkutschersitz (spezifische Hockersitzhaltung bei einem Sitz ohne Armlehnen): Füße stehen gerade nebeneinander, die Kniegelenke bilden jeweils einen Winkel von ca. 90 Grad und fallen leicht nach außen, Fallenlassen des Rumpfgewichtes ohne Beugung der Brustwirbelsäule, Unterarme ruhen auf den Oberschenkeln

    • Passive, akzeptierende Grundhaltung: zeitweises Ausblenden von Gedanken („Gedanken kommen und gehen“) und Distanzierung von körperexternen Wahrnehmungen

Übungen der Grundstufe

Autogenes TrainingGrundstufe, ÜbungenDie Grundstufe des AT kennt einen Übungsaufbau über sechs Stufen: Schwereübung, Wärmeübung, Herzübung, Atemübung, Sonnengeflechtsübung und Stirnkühleübung.
  • Schwere- und Wärmeübung sind für Schultz u. a. Vertreter des autogenen Trainings die zentralen Übungen der Grundstufe, nach einigen Wochen Übung sind sie völlig ausreichend für Erholung, Selbstentspannung und Selbstruhigstellung. Oft kommt es im Zuge der vegetativen Umschaltung auch bereits spontan zu Entspannungsreaktionen anderer Organsysteme.

  • Zur Mitbehandlung funktioneller und psychosomatischer Beschwerdebilder sind jedoch die übrigen autogenen Organübungen durchaus bedeutsam. Darüber hinaus intensivieren sie nach und nach die Fähigkeit zur Selbstregulation sonst autonom verlaufender Körperfunktionen.

Erweitert werden kann die Grundstufe des autogenen Trainings durch die Einbeziehung der formelhaften Vorsatzbildung. Durch die übende Wiederholung kurzer prägnanter Sätze können Erfahrungen aus der Hypnose i. S. der posthypnotischen Suggestion nutzbar gemacht werden. So erlauben Indifferenzformeln eine Reduktion störender Symptome (z. B. „Schmerzen gleichgültig“ bei Zahnbehandlung), personenbezogen ausgewählte Formeln können auch einen Beitrag zur Selbstbestimmung sowie zur Verhaltens- und Erlebensänderung leisten (z. B. „Ich bin ruhig und gelassen“ vor und in Stresssituationen).

Praxistipp

Für die Grundstufe gelten folgende Autogenes TrainingÜbungsgrundsätzeÜbungsgrundsätze:

  • Die Übungen der Grundstufe des AT sollten zu Beginn nicht länger als 3 bis 10 Min. dauern, um den Einzelnen nicht zu überfordern. Jedoch erfordert das AT neben den angeleiteten Übungen ein tägliches individuelles Üben, möglichst zur gleichen Zeit.

  • Die Übungsposition kann von Übung zu Übung wechseln.

  • Wie bei der Hypnose ist am Ende der Übung das Zurücknehmen der Entspannung konsequent durchzuführen, v. a. über das Zurücknehmen der Muskelentspannung und des Augenschlusses (und damit der Selbstversenkung). Dazu werden – sofern über das autogene Training nicht insbesondere das Einschlafen angestrebt wird – drei kurze Formeln verwendet:

    • Arme fest! (räkeln und strecken, dann ein paar Mal sehr kräftiges Beugen und Strecken der Arme)

    • Tief atmen! (mehrmals tief ein- und ausatmen)

    • Augen auf!

Schwereübung
Schwereübung, autogenes Training
  • Die Schwereübung dient der Muskelentspannung. Den meisten Übungsteilnehmern ist als Schwereerlebnis die Bettschwere vertraut oder das Phänomen des Sichschwermachens.

  • Die Übungsformeln werden einige Male rhythmisch und leicht monoton vom Übungsleiter vorgesprochen. Die Übungsteilnehmer greifen die jeweilige Formel auf, sprechen sich z. B. die Formel innerlich vor (oder stellen sie sich als vorgesprochen vor) und vergegenwärtigen sich dabei bereits vorhandene oder vertraute Schwereerlebnisse.

  • Anfangs beginnt man die Übung mit dem dominanten Arm, später stellen sich von alleine Transfer- und Generalisationseffekte der Muskelentspannung ein. Dementsprechend lassen sich die Übungsformeln im Laufe der Zeit verändern und verkürzen. Der Fortgeschrittene wird schließlich intensive Schwere und Wärme sehr schnell und generalisiert wahrnehmen können.

Praxistipp

Die Übungsformeln der Schwereübung lauten:

  • „Der rechte (linke) Arm ist ganz schwer.“ Dies wird 4–6-mal wiederholt und schließlich: „Arme und Beine (sind ganz) schwer.“

  • „Ich bin ganz ruhig.“ Dies wird 1–2-mal wiederholt.

Wärmeübung
Wärmeübung, autogenes Training
  • Sie dient der peripheren Gefäßentspannung. Die Hauttemperatur (z. B. der Hände) kann um einige Grad Celsius steigen.

  • Wärmevorstellungen gelingen den meisten Übungsteilnehmern recht schnell und gut. Mit dem Wärmeerlebnis werden oft Empfindungen und Erinnerungen des Wohlbehagens verbunden (kalte Hände oder Füße werden dagegen meist mit Angst assoziiert).

Praxistipp

Die Übungsformeln der Wärmeübung lauten:

  • „Der rechte (linke) Arm ist ganz warm.“ Dies wird etwa 4–6-mal wiederholt. Später: „Arme und Beine (sind ganz) warm.“ Oder auch: „Arme und Beine angenehm warm.“

  • „Ich bin ganz ruhig.“ Dies wird 1–2-mal wiederholt.

Herzübung
Herzübung, autogenes TrainingDie Wahrnehmung des regelmäßigen Herzschlags soll einer weiteren Vertiefung von Ruhe und Entspannung dienen.

Praxistipp

Die Übungsformeln der Herzübung lauten:

  • „Das Herz schlägt ruhig und regelmäßig.“ Oder z. B. „Das Herz schlägt ruhig und kräftig.“ Dies wird 4–6-mal wiederholt.

  • „Ich bin ganz ruhig.“ Wird 1–2-mal wiederholt.

Atemübung
Atemübung, autogenes Training
  • Die Atemübung erlaubt die bewusste Wahrnehmung des sich im Verlauf der Übungen bereits im Ruhetonus bewegenden Atemrhythmus.

  • Das Wechselspiel zwischen Ein- und Ausatmen soll nicht bewusst beeinflusst, sondern nur mitempfunden werden. Das rhythmische Auf und Ab der Atmung, das sehr gut im Bauchraum wahrgenommen werden kann, verstärkt mit dem Ausatmen oft bereits vorhandene Schwere- und Wärmeempfindungen und unterstützt weiterhin das Ruheerlebnis und die selbsthypnotische („hypnoide“) Umschaltung.

Praxistipp

Die Übungsformeln der Atemübung lauten:

  • „Atmung ruhig.“ Oder: „Es atmet mich.“ Dies wird 4–6-mal wiederholt.

  • „Ich bin ganz ruhig.“ Wird 1–2-mal wiederholt.

Sonnengeflechtsübung
Sonnengeflechtsübung, autogenes TrainingDie Sonnengeflechtsübung soll durch konzentrative Einstellung durch zunehmende Wärmeempfindungen im Bereich des Plexus solaris im Abdominal- und Unterleibsbereich zu einem Abbau vegetativer Störungen im Bauchraum beitragen.

Praxistipp

Die Übungsformeln der Sonnengeflechtsübung lauten:

  • „Sonnengeflecht strömend warm“ (4–6-mal wiederholt).

  • „Ich bin ganz ruhig“ (1–2-mal wiederholt).

Stirnkühlübung
Stirnkühlübung, autogenes Training
  • Die Kopfübung des AT strebt eine zunehmende psych. Ruhetönung i. S. des „Kühlen-Kopf-Bewahrens“ (Gegenteil: der „Hitzkopf“) an.

  • Die Stirnkühle wird meist als angenehmer Kontrast zur intensiven Leibwärme in der Entspannung erlebt.

Praxistipp

Die Übungsformeln der Stirnkühlübung lauten:

  • „Stirn angenehm kühl.“ Dies wird 4–6-mal wiederholt.

  • „Ich bin ganz ruhig.“ Wird 1–2-mal wiederholt.

Übungen der Oberstufe

Autogenes TrainingOberstufe, ÜbungenSie verlangt eine sichere Beherrschung der beschriebenen Grundstufenübungen und ihrer möglichen individuellen Kurzformen. Rasches und verlässliches Erreichen eines tiefen Versenkungszustandes bilden die Voraussetzung für das Erleben innerer Bilder (Selbstschau), die oft in einer Beziehung zum Unbewussten und zu Stadien der eigenen Persönlichkeitsentwicklung stehen.
  • Die einzelnen Übungen werden i.d.R. in einem Abstand von etwa 2 Wo. nach und nach hinzugenommen.

  • Von Beginn an wird jede Stufe von einer Ruhevorstellung begleitet, die nicht nur die Grundhaltung des Übenden verdeutlicht, sondern auch die Umschaltung auf generalisierte Entspannung fördert.

  • Die Übungsformel der Ruhetönung lautet: „Ich bin ganz ruhig.“ Diese Formel wird 1–2-mal innerlich wiederholt. Dabei wird das Grundgefühl des Ruheerlebens vergegenwärtigt.

Kombination mit anderen Therapieverfahren

Das Erlernen des AT stellt sich erschwert dar bei psychosomatischen und somato-psychischen Patienten mit einem Mangel an „freier Selbstverfügung“, bei Patienten mit nicht ausreichender Fähigkeit zu einer aktiv-übenden Mitarbeit wie auch speziell bei Patienten mit einer ausgeprägten motorischen Unruhe. In letzteren Fällen ist zu erwägen, ob zunächst die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (2.49) mit ihren auf Muskelanspannung und -entspannung ausgerichteten Übungen grundlegende Entspannungserfahrungen vermitteln kann.

Indikationen und Kontraindikationen

Die Indikationen (Tab. 2.7-1) des AT reichen von eher allgemeinen therapeutischen Zielen im Sinne einer vegetativen und psychischen Umschaltung auf den Ruhetonus bis hin zur Behandlung spezifischer psychosomatischer Störungen.

Abrechnungsziffern

GOÄ

GOÄ 846/E-GO 855Übende Verfahren in Einzelbehandlung. Dauer: mind. 20 Min.
GOÄ 847/E-GO 856Übende Verfahren in Gruppenbehandlung mit höchstens 12 Teilnehmern. Dauer: mind. 20 Min.

GebüH

Abrechnung nach freier Bearbeitung.

Literatur

Adolphsen, 2011

C. Adolphsen Autogenes Training für Dummies 2011 Wiley-VCH Weinheim

Grasberger, 2015

D. Grasberger Autogenes Training 2015 Gräfe und Unzer München

Hoffmann, 2010

B. Hoffmann Handbuch Autogenes Trainings. Grundlagen, Technik, Anwendung 19.A. 2010 dtv München

Schultz, 2010

J.H. Schultz Autogenes Training: Das Original-Übungsheft 2010 Trias Stuttgart

Ayurveda

Ananda Chopra

Volker Schmiedel

Ayurveda Ayurveda („Ayus“ = Leben, „veda“ = Wissenschaft), die Wissenschaft vom Leben, ist ein aus dem Nordwesten Indiens stammendes in sich abgeschlossenes ganzheitliches Heilsystem, das auf den Prinzipien der fünf Elemente beruht und sowohl präventive als auch kurative und rehabilitative Aspekte beinhaltet („Zweck dieser Wissenschaft ist, die Gesundheit des Gesunden zu schützen und die Krankheit des Kranken zu behandeln“).

Entwicklung

Die Wurzeln der ayurvedischen Heilkunde liegen in der vedischen Kultur des alten Indien vor mehr als 3.000 Jahren. In den ersten Jh. unserer Zeitrechnung hat sich Ayurveda bereits zu einem differenzierten Medizinsystem entwickelt und wird in den Werken der sog. „großen Dreiheit“ von Caraka (sprich: Tscharaka), Sushruta und Vagbhata dargestellt. Diese bilden, ergänzt um neuere Fachliteratur, auch heute noch die Grundlage der ayurvedischen Medizin, die auf veränderte Lebensgewohnheiten, neu auftretende Krankheiten und die Begegnung mit anderen Kulturen innerhalb ihres wissenschaftlichen Systems dynamisch reagierte. Die altindische Medizin des Ayurveda genoss große Achtung bei den arabischen Ärzten des Mittelalters und konnte sich auch in Tibet und in anderen Teilen Asiens verbreiten. Gegenwärtig ist Ayurveda in Indien neben der Homöopathie und der Schulmedizin ein gleich berechtigtes Medizinsystem mit eigenständigem universitärem Studium, eigener Approbation und eigener Standesorganisation. Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird Ayurveda auch in der westlichen Welt und hier v. a. im Wellnessbereich bekannt.

Stellenwert

Die Anwendung des Ayurveda in Kliniken und Praxen als eigenständiges therapeutisches System beginnt sich immer mehr auszuweiten. Als Naturheilkunde des Ostens setzt das komplexe Therapiesystem des Ayurveda gleichermaßen eine Vertrautheit mit naturheilkundlichen Prinzipien und ein Interesse für die spezifischen östlichen Therapiesysteme voraus.

Konzept

Dem Ayurveda zufolge bestehen alle Dinge im Kosmos aus den fünf Grundelementen Äther (oder Raum), Luft, Feuer, Wasser und Erde. Diese Elemente sind Grundlage der drei Grundprinzipien, biologischen Kräfte oder Dosha(s), AyurvedaGrundprinzipienKörpersäfte, die als Doshas (sprich: Doscha) bezeichnet werden. Die einzelnen Doshas sind aus folgenden Elementen zusammengesetzt:
  • VataVata aus Äther und Luft

  • PittaPitta aus Feuer (und Wasser)

  • KaphaKapha aus Wasser und Erde

Dosha bedeutet im Sanskrit wörtlich „Verderber“, zeitgemäß übertragen also „krank machender Faktor“ oder „Risikofaktor“. Diese energetischen Prinzipien bestimmen in ihrer individuell unterschiedlichen Zusammensetzung die Grundkonstitution. Ihre möglichen Ungleichgewichte beeinflussen gesundheitliche Störungen. Darüber hinaus lassen sich auch alle Dinge, Lebewesen und Vorgänge im Kosmos nach den Kriterien der Doshas AyurvedaDoshaseinteilen, z. B. verschiedene „Zeiten“ (Tab. 2.8-1).
Aus Sicht des Ayurveda wird zum Zeitpunkt der Zeugung die individuelle, quantitative Zusammensetzung der drei Doshas festgelegt. In jedem Menschen sind die drei Doshas in einem bestimmten „Mischungsverhältnis“ angelegt, wobei meist ein Dosha oder zwei Doshas deutlich überwiegen (z. B. Vata-Typ, Pitta-Kapha-Typ). Diese „Grundkonstitution“ bleibt zeitlebens unverändert und sollte in ihrer Ausprägung soweit wie möglich aufrechterhalten werden. Äußere und innere Einflüsse verursachen geringe Abweichungen des Gleichgewichts, können jedoch in der Regel vom Organismus wieder korrigiert werden.
Dieses Gleichgewicht der Doshas wird in einem dynamischen Prozess erhalten, gewisse Auslenkungen vom idealen Gleichgewichtszustand sind möglich, ja sogar in Maßen sinnvoll, wie z. B. die rhythmische tages- und jahreszeitliche Betonung der einzelnen Doshas, vergleichbar den Tages- und Jahresrhythmen, wie sie für viele physiologische Parameter aus der chronobiologischen Forschung bekannt sind (z. B. Körpertemperatur oder Serumcholesterin). Bei einer nachhaltigen Störung des Dosha-Gleichgewichts wird ein Krankheitsprozess in Gang gesetzt. Aus ayurvedischer Sicht geht jede Krankheit mit einer Vermehrung, Verunreinigung oder Verringerung eines Dosha(s), AyurvedaGleichgewicht, Störungoder mehrerer Doshas einher (Tab. 2.8-2). Die Entstehung von Krankheiten wird z. B. auch durch eine verminderte AyurvedaAgniVerdauungskraft (AgniAgni, Ayurveda) sowie durch die damit einhergehende AyurvedaAmaBildung Ama, Ayurvedavon Ama (toxische Stoffwechselprodukte) begünstigt.

Wirkungsweise

Ayurvedische therapeutische Maßnahmen, wie z. B. Ernährung, Massagen, meditative Übungen, Ausleitungsverfahren und Hinweise zur Bewegung und Lebensordnung, zielen darauf ab, das individuelle, natürliche vorgegebene Gleichgewicht der Doshas zu erhalten bzw. wiederzuerlangen. Ähnlich wie die klassischen Naturheilverfahren werden therapeutische Reize eingesetzt, um die körpereigenen Regulationssysteme anzuregen.

Studien

Ayurveda ist heutzutage eine wissenschaftlich begründete Heilkunde. An zahlreichen ayurvedischen Hochschuleinrichtungen in Indien besteht eine rege Forschungstätigkeit. Die meisten Forschungsergebnisse sind über allgemeine medizinische Datenbanken (Pubmed, Medline) zugänglich. Seit einigen Jahren gibt es zudem eine eigene Datenbank für ayurvedische Studien (www.dharaonline.org).

Diagnostik

Mithilfe von Tab. 2.8-3 können die Dosha-Konstitutionen (Prakrti) grob bestimmt werden. Der Ayurveda-Arzt führt dazu neben einer ausführlichen Patientenbefragung eine körperliche Untersuchung durch, insbesondere mit Zungendiagnostik und Pulsmessung am frühen Morgen.

Merke

Die Selbsteinschätzung der Patienten (Tab. 2.8-3) kann bereits wegweisend für die weitere Therapieplanung sein.

In der ayurvedischen Diagnostik ist auch die Beurteilung der Verdauungs- und Stoffwechselaktivität (Agni) von großer Bedeutung. Bei gut funktionierendem und ausgeglichenem Agni bestehen folgende Symptome: normaler regelmäßiger Appetit, gute Verdauung – ohne übermäßiges Aufstoßen, der Stuhlgang ist in Frequenz, Farbe und Konsistenz normal. Zudem sorgt ein gut funktionierender Agni für eine gute Abwehrkraft, psychische Stabilität und allgemeines Wohlbefinden.
Die meisten Krankheitszustände gehen mit einer Schwächung des Agni einher oder werden durch diese gar verursacht. Bei Agni-Schwäche kommt es z.B. zu Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Stimmungsschwankungen. Dauert dieser Zustand der Agni-Schwäche an, entwickelt sich ein sog. Ama-Zustand mit „Ablagerungen“ (Ama). In diesem Zustand bestehen Appetitlosigkeit und Schwäche, die Zunge ist morgens deutlich belegt und der Stuhl ist schmierig und lässt sich schwer absetzen.

Therapie

Als komplexes naturheilkundliches System bietet der Ayurveda ein breit gefächertes Therapiespektrum, in dem sich rationale, psychologische und selbst spirituelle Behandlungsformen zu einer wirkungsvollen Synthese vereinen. Im Gegensatz zur Schulmedizin liegt der Schwerpunkt in der Kombination einer Vielzahl von Heilansätzen und bewährt sich deshalb gerade bei chron. Erkrankungen mit psychischer Komponente. Zudem trägt der Ayurveda so der Erwartungshaltung des modernen Patienten Rechnung, als ganzheitliches Wesen wahrgenommen zu werden.
Grundprinzip ist die Regulierung des Dosha-Ungleichgewichts mithilfe folgender Therapiemaßnahmen:
  • Verordnung mineralischer oder pflanzlicher MedikamenteArzneimittelAyurveda

  • Konstitutionsspezifische Diät, die auf das zu regulierende Dosha abgestimmt ist: Beispiel: Kein Lebensmittel (z. B. scharfe Pepperoni) wird prinzipiell als gut oder schlecht klassifiziert, weil es für den einen Menschen gut sein kann (z. B. für Kapha), für den anderen aber möglicherweise schädlich ist (z. B. für Pitta), weil scharfe Gewürze Pitta noch erhöhen.

  • Verhaltensregeln, die das zu behandelnde Dosha regulieren

Viele ayurvedische Therapieverfahren (s. Kasten) entsprechen den Dosha(s), AyurvedaUngleichgewichtsog. klassischen Naturheilverfahren: Reinigungskuren (z. B. Heilfasten, F.X. Mayr-Kur), Ernährungstherapie (2.20), Entspannungstherapien, Massagen, Schwitzkuren (z. B. Packungen, Sauna), Phytotherapie (2.46) und Nährstofftherapie (2.44). Der Ayurveda bildet in seiner Gesamtheit jedoch ein geschlossenes, umfassendes Heilsystem, das in dieser Form wohl nur mit dem Kneipp-Heilsystem vergleichbar ist.

Merke

Folgende ayurvedische Therapieverfahren kommen zur Anwendung:

  • Panchakarma (Reinigungskur)

  • Ayurvedische Ernährung

  • Yoga

  • Öl- und Trockenmassagen

  • Svedana (ayurvedische Schwitzkur)

  • Ayurvedische medikamentöse Behandlung (pflanzliche und/oder mineralische Mittel zur inneren oder äußeren Anwendung)

Praxistipp

Die ayurvedische Therapie erfolgt stets auf der Grundlage einer sorgfältigen Diagnosestellung. Ist die Verdauungs- und Stoffwechselkraft (Agni) geschwächt, so muss zuerst dieser Zustand korrigiert werden, denn nur dann können therapeutische Maßnahmen – ob innerlich (Phytotherapie) oder äußerlich (physikalische Anwendungen) – überhaupt wirken.

  • Stärkung des AgniAgni, Ayurveda: Einzuhalten sind diätetische Maßnahmen wie regelmäßige leichte Mahlzeiten, abends warme und leichte Mahlzeiten essen, vorwiegend warme Getränke zuführen. Gewürze wie Ingwer, schwarzer Pfeffer, Knoblauch und Koriander sind zur Anregung des Agni und zum Abbau von Ama ebenfalls nützlich. regelmäßige leichte Bewegung wird empfohlen.

  • Allgemeine Prinzipien der Behandlung bei Verstärkung der Dosha:

    • VataVataVerstärkung-Verstärkung: Auf Regelmäßigkeit im Tagesablauf achten. Appetit und Verdauung anregende Gewürze und Kräuter verwenden. Regelmäßige Öl- und Wärmeanwendungen. Sanfte Ausdauerbewegung, ölige Darmeinläufe.

    • Pitta-Verstärkung: kühlende PittaVerstärkungAnwendungen und Gewürze (z. B. Kardamom bevorzugen. Regelmäßige Mahlzeiten zuführen. Ausdauerbewegung.

    • Kapha-Verstärkung: Regelmäßige KaphaVerstärkungkörperliche Bewegung wird empfohlen. Die Kost sollte leicht sein. Scharfe und bittere Kräuter sind ebenfalls nützlich.

Beispiel: Panchakarma-Kur
Panchakarma-KurAyurvedaPanchakarma-KurVon den einzelnen Verfahren sei hier auf die Panchakarma-Kur (sprich: Pantschakarma) etwas ausführlicher eingegangen. Panchakarma bedeutet „fünf Behandlungen“. Diese Behandlungen umfassen:
  • Vamana: therapeutisches Erbrechen, nur bei Kapha-Störungen

  • Virechana (sprich: Viretschana): Abführen, je nach Konstitution z. B. mit Rizinus

  • Basti: Einlauf mit Öl oder Kräuterabkochungen, meist „nährend“ und nicht abführend

  • Nasya: spezielle ausleitende Therapie für den Kopfbereich

  • Raktamoksana (sprich: Raktamokschana): Aderlass

Eine Panchakarma-Kur muss nicht immer alle fünf Elemente beinhalten, die Auswahl erfolgt nach individuellen (konstitutionellen) Gesichtspunkten. Vor jeder Panchakarma-Kur ist eine Vorbehandlung durchzuführen. Sie hat bereits eine beachtliche therapeutische Wirkung und sensibilisiert den Körper für die anschließende Hauptbehandlung.
Die Vorbehandlung beinhaltet:
  • Ernährungsumstellung: leicht verdaulich, Dosha-ausgleichend

  • „Innerliches und äußerliches Fetten“: z. B. Trinken von Ghee, Massagen mit Ölen und Kräutern (Auswahl nach Konstitution)

  • Schwitzen: trockene oder feuchte Hitzeanwendung

Beispiel: Ayurvedische Ernährung

Merke

Die ayurvedische Kost muss keineswegs eine indische Kost sein, die nur fremdartige und teilweise schwer zu besorgende Lebensmittel und Gewürze enthält. Man kann sich auch mit europäischen Lebensmitteln und Gewürzen ayurvedisch ernähren, wenn die grundlegenden Richtlinien eingehalten werden.

Ayurvedische Ernährungsprinzipien richten sich nach der Dosha-Typisierung und beziehen u. a. Aspekte wie Geschmacksrichtung (Tab. 2.8-4), Nahrungszusammensetzung und Zubereitungsform ein.

Kombination mit anderen Therapieverfahren

Prinzipiell lässt sich Ayurveda mit allen anderen Naturheilverfahren gut kombinieren. Allerdings wird der erfahrene Therapeut sehr vorsichtig bei der Applikation weiterer Verfahren sein, um eine Reizüberflutung zu verhindern, da eine ayurvedische Therapie bereits eine Kombination verschiedener Naturheilverfahren darstellt. Insbesondere im Panchakarma – einer Abfolge von verschiedenen kurmäßig verabreichten Therapien zur Ausleitung von Schadstoffen, zur Stoffwechselentlastung und zur vegetativen Umstimmung – sollten weitere Verfahren, so z. B. auch die Verordnung schulmedizinischer Medikamente und orthomolekulare Nahrungsergänzungen äußerst sparsam eingesetzt werden.

Indikationen

Begreift man Krankheit oder gesundheitliche Störung als funktionellen Ungleichgewichtszustand, so ist eine ayurvedische Behandlung grundsätzlich für alle Krankheiten geeignet. Funktionelle Störungen sind die Domäne des Ayurveda (z. B. Migräne, Schlafstörungen, Hypertonie). Dabei geht der Ayurveda über die bloße Behandlung von Krankheiten hinaus, da Ungleichgewichte der Doshas bereits erkannt und reguliert werden, bevor sich Krankheiten entwickeln können.
Den Therapieerfolgen sind dort Grenzen gesetzt, wo organische Schäden vorliegen. So lässt sich z. B. eine weit fortgeschrittene Arthrose mit Zerstörung des Gelenkknorpels durch Ayurveda nicht mehr zurückbilden, die Beschwerden lassen sich aber begrenzen. Eine unterstützende Therapie kann also hilfreich sein, um: ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten und symptomatisch noch eine Linderung der Beschwerden zu erreichen.

Kontraindikationen

Prinzipiell keine Gegenanzeige, jedoch sollten Kontraindikationen gegen einzelne therapeutische Maßnahmen bedacht werden, z. B. eine Allergie gegen bestimmte Pflanzen oder schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Schwitzkur.

Abrechnungsziffern

GOÄ

Die üblichen Beratungsziffern (GOÄ 1, 3, 4) und Untersuchungsziffern (5–8). Wegen des hohen Aufwands bei Anamnese und Untersuchung kommen auch folgende höher dotierten Ziffern infrage:
15Flankierende therapeutische Maßnahmen bei ambulanten chron. Krankheiten, max. einmal pro Jahr.
29Gesundheitsuntersuchung zur Früherkennung von Krankheiten bei einem Erwachsenen – einschließlich Ganzkörperstatus, Erörterung des individuellen Risikoprofils und verhaltensmedizinisch orientierender Beratung.
34Erörterung der Auswirkung einer Krankheit auf die Lebensgestaltung.
Bei sehr langen Anamnesen sollte auch an Analogziffern zur homöopathischen Anamnese (A30, länger als 60 Min. bzw. A31, länger als 30 Min.) gedacht werden.

GebüH

Abrechnung nach freier Bearbeitung.

Literatur

Chopra, 2006

D. Chopra Die Körperseele – Grundlagen und praktische Übungen der indischen Medizin 2006 Knaur München

Gupta et al., 2006

S.N. Gupta E. Stapelfeldt K.D. Rosenberg Ayurveda – Manualtherapie und Ausleitungsverfahren. Praktisches Lehrbuch 2006 Haug Stuttgart

Gupta and Stapelfeldt, 2009

S.N. Gupta E. Stapelfeldt Praxis Ayurveda-Medizin: kaya-cikitsa – Therapiekonzepte für Innere Erkrankungen 2. A. 2009 Haug Stuttgart

Lad, 2011

V. Lad Das große Ayurveda Heilbuch 18. A. 2011 Windpferd Aitrang

Rosenberg and Nasari, 2015

K. Rosenberg T. Nasari Ayurveda heilt: Ernährung als Medizin 2015 Südwest München

Schrott and Sachinger, 2014

E. Schrott W. Sachinger Ayurveda: Die besten Tipps: aus dem jahrtausendealten Naturheilsystem 2014 Goldmann München

Bachblütentherapie

Mechthild Scheffer

Bachblütentherapie Die Original Bachblütentherapie ist ein von dem englischen Arzt Edward Bach (1886–1936) entwickeltes feinstoffliches Therapieverfahren zur „Harmonisierung“ oder Umstimmung von 38 negativen seelischen Befindlichkeiten (Reaktionsmustern) mit entsprechenden Blütenauszügen bzw. -konzentraten.

Entwicklung und Wirkungsweise

Entwicklung

Edward Bach leistete schon zu Beginn des vorigen Jh. einen entscheidenden Beitrag zum heutigen Gebiet der Psychosomatik. Von Zeitgenossen als „moderner Paracelsus“ oder „Hahnemann unserer Tage“ bezeichnet, sah er sein System als Beitrag zur Medizin der Zukunft. Ziel war es, mithilfe eines einfachen Systems der seelischen Gesundheitsvorsorge, das von jedem gefahrlos zur Selbstbehandlung angewendet werden kann, der Entwicklung körperlicher Krankheiten vorzubeugen.
Bei der Bachblütentherapie, die seit 1981 von Mechthild Scheffer systematisch weiter ausgebaut wird, können drei Hauptanwendungsgebiete unterschieden werden:
  • Seelische Bach, EdwardGesundheitsvorsorge: Wunsch nach Bewusstseinsentwicklung, Harmonisierung disharmonischer seelischer Verhaltensmuster, oft in Selbstanwendung

  • Akutbehandlung psychischer Stresssituationen, wie z. B. Beziehungskonflikte, Erziehungs- und Schulprobleme, Arbeitsplatzverlust, Midlife-Crisis, ggf. ergänzend zu psychotherapeutischen Maßnahmen

  • Begleitbehandlung akuter und chron. Krankheiten (2.9.2)

Bachblüten-Konzentrate
Bachblüten-Konzentrate sind speziell aufbereitete wässrige Auszüge von 38 verschiedenen Blüten wild wachsender Pflanzen und Bäume (Verdünnungsverhältnis ca. 1 : 240) – hierunter befinden sich keine Gift- und Nahrungspflanzen (2.9.3). Die Original-Bachblüten werden größtenteils heute noch an den von Edward Bach festgelegten englischen Fundorten in freier Natur gesammelt. Bachblüten-Konzentrate werden individuell zusammengestellt und als „Bachblüten-Mischungen“ eingenommen. Die Bachblüten-Auszüge sind als Konzentratflaschen (stockbottles) in Apotheken erhältlich.
Notfalltropfen
Notfalltropfen, BachblütentherapieBachblütentherapieNotfalltropfenNotfalltropfen sind das einzige Kombinationspräparat (Tab. 2.9-1) der Original Bachblüten-Therapie: Es hat sich zur Stabilisierung des emotionalen Gleichgewichts in Stress- und Notsituationen sehr bewährt. Die Notfalltropfen bewirken eine Reintegration des psychoenergetischen Systems, emotionale Stabilisierung und seelische Entspannung. Sie sorgen für eine sofortige Reaktivierung der körperlichen und geistigen Selbstheilungskräfte und schaffen so die besten Voraussetzungen für eine evtl. nötig werdende weitere Behandlung. Eine Wirkung ist manchmal schon innerhalb von 30 Sek. zu beobachten.

Cave

Notfalltropfen sind in akuten Notsituationen als adjuvante Überbrückungshilfe gedacht, nicht als Ersatz der medizinischen Notfallbehandlung!

Notfalltropfen gibt es neben der klassischen flüssigen Form zur lokalen äußeren Anwendung auch als lanolinfreie Salbe, als Notfalltropfen-Creme. Hier ist als weiterer Bestandteil die Bachblüte Nr. 10, Crab Apple, enthalten. Viele Behandlerberichte belegen, dass bei körperlichen Verletzungen wie Schürfungen, Verbrennungen, Verstauchungen, Prellungen und plötzlichen Hautausschlägen – insbesondere wenn die Applikation sofort nach der Verletzung erfolgte – durch Notfalltropfen-Creme eine unerwartet gute, oft erstaunlich schnelle Heilung in Gang gesetzt wurde. Ebenso bewährt sich die Notfalltropfen-Creme als Massagehilfe (vor dem Gleitmittel auftragen) sowie als Vorbeugung gegen Hautirritationen durch Sport.

Stellenwert

Die Bachblütentherapie hat sich sowohl als Maßnahme zur Selbstanwendung als auch in der Behandlung in medizinisch oder psychologisch orientierten Praxen und Institutionen durchgesetzt. Sie kann auch als Einstieg in eine weiterführende Behandlung dienen, da sie leichter angenommen wird als z. B. verbale Therapievorschläge. Außerdem lässt sich mit richtig ausgewählten Bachblüten die Compliance steigern. Viele Patienten wurden durch die Bachblüten erstmalig therapiefähig.
Die große Beliebtheit der Bachblütentherapie ist darauf zurückzuführen, dass die Bach-Konzepte für den menschlichen Entwicklungsprozess (z. B. menschliche und spirituelle Werte) Orientierung anbieten. In Fachkreisen wird sie als Maßnahme der seelischen Gesundheitsvorsorge und Rehabilitation allerdings noch zu wenig eingesetzt.

Konzept

Nach Bach ist Krankheit die Folge einer Disharmonie zwischen zwei Instanzen: dem inneren „göttlichen“ Wesenskern des Patienten und seinem täglichen Verhalten auf der Persönlichkeitsebene. Diese seelische Gleichgewichtsstörung äußert sich symptomatisch in seelischen Negativzuständen und Verhaltensmustern, wie z. B. in unangebrachten Schuldgefühlen, übertriebenem Durchsetzungswillen, mangelnder Zielgerichtetheit. Edward Bach erforschte und definierte „38 disharmonische Seelenzustände der menschlichen Natur“, die sich grundlegend im menschlichen Kollektivbewusstsein zeigen (Übersicht 2.9.3).
Durch Aufklärung der „geistigen Missverständnisse“ und die Einnahme der entsprechenden Bachblüten werden disharmonische seelische Reaktionsmuster des Patienten positiv beeinflusst: Negative Verhaltensweisen und mögliche Fixierungen können erkannt, und das blockierte seelische Energiepotenzial kann durchlässig werden. Dies begünstigt die Freisetzung psychischer Energie, die für den ganzheitlichen Heilprozess benötigt wird.

Wirkungsweise

Die Wirkung der Bachblüten-Konzentrate beruht auf einer Harmonisierung bzw. einer bioenergetischen Harmonisierung fehlerhafter Informationskybernetik. Die Bachblütentherapie setzt Informationsimpulse auf der Gefühls- und Entscheidungsebene und stellt so den Kontakt zum „intuitiven Wissen“ oder der „inneren Stimme“, dem „inneren Arzt“ her.
Die Frage nach dem Wirkprinzip lässt sich bis heute nicht eindeutig beantworten. Erklärungsansätze bietet die Psycho-Neuro-Immunologie. Bach ging davon aus, dass es durch negative Stimmungen wie Besorgtheit, Furcht, Schock oder Ärger zu einer Fehlorganisation gewisser Funktionsabläufe im Gehirn kommt. Möglicherweise beruht die Wirkung der Bachblüten-Konzentrate auf einer bioenergetischen Regulation fehlerhafter Steuerungsmechanismen der Informationsabläufe im Hypothalamus.

Studien

Es gibt vielfältige Falldokumentationen, die von verschiedenen Institutionen durchgeführt wurden.

Diagnostik und Therapie

Die Diagnose wird im Gespräch gestellt. Ein solches Gespräch setzt keine psychologische Ausbildung voraus, da es um die Feststellung der aktuell benötigten Bachblüten geht. Einfühlungsvermögen und intuitives Erkennen sind erforderlich, um die derzeitigen negativen seelischen Reaktionsmuster (Tab. 2.9-2) wahrnehmen zu können. Als Hilfsmittel dienen Fragebögen und Bachblüten-Cluster nach Scheffer.

Merke

  • Eine Diagnostik aufgrund der positiven Seelenpotenziale („Das kann der Patient gewinnen“) ist nicht möglich.

  • Körperliche Signale sind unerheblich. Die Kernfragen lauten: Wie reagiert der Patient seelisch auf seine jetzige Situation? Welche negativen Reaktionsmuster lässt er derzeit erkennen?

  • Eine ausschließlich durchgeführte nonverbale Bachblüten-Wahl mittels Farbkarten, Kinesiologie und Messverfahren der Elektroakupunktur ist nicht lege artis. In jedem Fall müssen die so ermittelten Blüten im Gespräch verifiziert werden.

  • Die Blütenwahl kann auch mittels Spontanwahl erfolgen: Der Patient greift in einen Korb mit allen Bachblüten-Flaschen und wählt die passenden intuitiv aus, ohne hinzusehen. Die gezogenen Blüten werden im Gespräch verifiziert. Diese Methode hat sich v. a. bei Kindern bewährt.

Die Bachblütentherapie wird entweder adjuvant oder als Monotherapie durchgeführt. Im letzten Fall findet das sog. Bachblüten-Gespräch statt (Dauer 25–45 Min.).

Bachblüten-Gespräch

Struktur
Bachblütentherapie Bachblüten-Gespräch
  • Anamnese (nur seelisch) AnamneseBachblütentherapie

  • Diagnose der akuten seelischen Bachblüten-Reaktionsmuster (Hilfsmittel: Fragebogen, Bachblüten-Cluster nach Scheffer)

  • Besprechung oder Hinweis auf die jeweiligen „geistigen Missverständnisse“ wenn möglich

  • Besprechung der positiven Potenziale, evtl. Kraftformel, Motivation zur Verhaltensänderung mit auf den Weg geben

Die Patienten sollen ein „Reaktionsprotokoll“ (tgl. ca. 2 Sätze) führen. Bewährt hat sich die Mitgabe einer Patienteninformation über das Ziel der Therapie, mögliche Reaktionen, Einnahmevorschrift, Rückfragemöglichkeit in der Praxis, Folgetermin.
Blütenwahl
Die Blüten werden entsprechend der augenblicklichen psychischen Situation des Patienten zusammengestellt (Tab. 2.9-3). Jede Blüte ist mit jeder anderen Blüte beliebig kombinierbar:
  • Kombinationen von 4–8 Blütenkonzentraten verabreichen.

  • Standardmischungen (wie z. B. in der Komplex-Homöopathie) sind kaum wirksam.

  • Die Blüten sind mit allen anderen Medikamenten verträglich, auch mit Psychopharmaka und homöopathischen Hochpotenzen.

  • Bei unzutreffender Auswahl der Blüten erfolgt keine Wirkung, auch keine NW.

  • Gewöhnung kann nicht eintreten, lediglich verändert sich das Spektrum der benötigten Blüten im Laufe der Behandlung.

Merke

Eine Bachblüten-Mischung muss im Abstand von 3–4 Wo. in ihrer Zusammensetzung überprüft und modifiziert werden.

Darreichungsformen und Dosierungen zur inneren Anwendung

Wasserglasmethode (akuter Zustand)
Bachblütentherapie innere Anwendung
  • Tgl. morgens aus jeder der ausgewählten Konzentratflaschen 2 Tr. in ein gefülltes, normal großes Wasserglas geben und in kleinen Schlucken (jeder Schluck ist ein Energieimpuls!) über den Tag verteilt leer trinken lassen.

  • Im hochakuten Zustand mehrere Gläser im Abstand von einigen Stunden trinken lassen, bis der behandlungsbedürftige Zustand abgeklungen ist.

Einnahmeflasche (chron. Zustand)
  • In ein Medizinfläschchen mit Tropfpipette oder Tropfvorrichtung aus den ausgewählten Konzentratflaschen je 1 Tr. pro 10 ml in ein Alkohol-Wasser-Gemisch (Verhältnis ca. 1 : 3) geben.

  • Standarddosis tgl. 4-mal 4 Tr. direkt aus der Einnahmeflasche einnehmen.

  • Erprobte Einnahmezeit: morgens beim Erwachen oder vor dem Aufstehen, mittags zwischen 12 Uhr und 13 Uhr, nachmittags zwischen 14 Uhr und 18 Uhr, abends vor dem Einschlafen.

  • Zur vollen Entfaltung Tr. vor dem Herunterschlucken einen Moment lang im Mund behalten.

  • Bachblüten spätestens 10 Min. vor einer Mahlzeit einnehmen.

  • Nebenwirkungen sind nicht bekannt.

Darreichungsformen und Dosierungen zur äußeren Anwendung

Bachblütentherapie äußere Anwendung
  • Umschläge: 3 Tr. der Mischung auf 0,5 l Wasser

  • Bäder: 5 Tr. aus der Konzentratflasche auf 1 Vollbad

  • Direkt auf der Haut: Mischung auf Hautpunkten verreiben (z. B. Solarplexus, Akupunkturpunkte)

Notfalltropfen: Anwendung und Dosierung

Notfalltropfen, Bachblütentherapie Anwendung

Merke

Zusätzlich zu den Notfalltropfen kann auch eine Langzeitmischung weiter eingenommen werden.

  • 4 Tr. aus der Konzentratflasche in ein kleines Wasserglas mit Wasser oder anderem Getränk (Saft, Tee) geben, innerhalb von 10 Min. in kleinen Schlückchen trinken. Wenn der gewünschte Effekt noch nicht erzielt ist, ein zweites Glas zubereiten.

  • In Situationen, in denen kein Wasser verfügbar ist, Notfalltropfen direkt aus der Konzentratflasche auf Lippen, Zahnfleisch, Schläfen, Handgelenke oder Ellenbeugen, in die Herzregion oder auf die Schilddrüse träufeln.

    • Innere Anwendung: 2 Tr. auf 10 ml Flüssigkeit. Wird Notfalltropfen als Bestandteil BachblütentherapieNotfalltropfeneiner anderen Mischung verwendet, so gilt es als eine Blüte (2 Tr. auf 10 ml Flüssigkeit).

    • Äußere Anwendung: z. B. für Umschläge, Wickel, Kompressen 6 Tr. aus der Konzentratflasche in eine Schüssel mit ca. 1/2 l Wasser geben.

  • Häufigkeit und Dauer der Einnahme sind abhängig von der Veranlagung des Patienten und von der aktuellen Situation. Es gilt jedoch generell, dass Notfalltropfen nicht zum regelmäßigen Gebrauch gedacht sind – dies widerspräche der Therapie und den Wirkungsmechanismen.

    • Es gibt Patienten, die Notfalltropfen nur 2–3-mal/Jahr wirklich benötigen. Andererseits können sensible Patienten Notfalltropfen mehrmals pro Wo. einnehmen; das kann eventuell die regelmäßige Einnahme anderer Beruhigungsmittel überflüssig machen.

    • In länger anhaltenden schweren Krisen, z. B. bei Pflege eines schwer erkrankten Familienangehörigen, ist es auch vertretbar und bewährt, Notfalltropfen während mehrerer Tage, vereinzelt sogar Wo. regelmäßig einnehmen zu lassen.

Praxistipp

  • Notfalltropfen in der Praxis stets griffbereit haben. Sie sorgen für eine schnelle Stabilisierung, emotionale Beruhigung und psychophysische Entspannung des Patienten, wodurch die nötigen Untersuchungs- und Behandlungsschritte erleichtert werden.

  • Notfalltropfen können einen aufgeregten oder ängstlichen Patienten beruhigen und Stresssituationen abmildern (z. B. Angst vor chirurgischen, endoskopischen Eingriffen) oder v. a. Kindern die Angst vor einer Blutabnahme nehmen.

  • Notfalltropfen sind auch für den ärztlichen Hausbesuch angezeigt, der für viele Patienten unter spürbaren Stressvorzeichen steht, dem Arzt jedoch oftmals wenige Handlungsmöglichkeiten erlaubt.

Behandlungsverlauf: mögliche Reaktionen

Unmittelbar nach der Einnahme
Bachblütentherapie Behandlungsverlauf
  • Im akuten Zustand „greift“ eine richtig gewählte Blütenmischung in wenigen Stunden, spätestens Tagen.

  • Im chron. Zustand dauert die Therapie – je nach Lebenssituation, Lebensalter und Struktur des Patienten – zwischen 9 Monaten und 1½ Jahren bei vierwöchigem Behandlungsabstand zwischen der jeweiligen Bestimmung einer neuen Blütenmischung.

  • Erstreaktionen: Während der ersten 3 Tage kommt es häufig zu vermehrter Traumtätigkeit oder zu vorübergehendem Aufflackern alter seelischer oder körperlicher Symptome.

Praxistipp

Folgende Maßnahmen helfen, die Erstreaktionen zu lindern:

  • Dem Patienten den seelischen Ausscheidungsprozess erläutern und so zu weiterer Mitarbeit motivieren.

  • Dosierung ggf. herabsetzen, notfalls bis auf tgl. 1-mal 1 Tr.

  • Gleichzeitige kurzfristige Einnahme von Notfalltropfen (Wasserglasmethode).

Beobachtungen nach längerer Einnahme
  • Die Grundstimmung der Patienten verändert sich ins Positive, was sich förderlich auf das Arzt-Patient-Verhältnis auswirken kann und auch eine psychotherapeutische Betreuung begünstigt.

  • Patienten fühlen sich unter der Blütentherapie oft wohler als unter allopathischer Medikation.

  • Herkömmliche Medikamente lassen sich unter Bachblütentherapie oft deutlich reduzieren oder sogar absetzen.

  • Der Patient wird zur Mitarbeit aktiviert; dabei verliert er nicht nur ein Symptom, sondern erhält neue Entwicklungsmöglichkeiten.

  • Der chron. kranke Patient erlernt den konstruktiven Umgang mit seiner Erkrankung. Er bekommt so die Chance, seine vielleicht jahrelang eingefahrene Opferrolle abzulegen.

Kombination mit anderen Therapieverfahren

Erfahrungsgemäß ist die Bachblütentherapie mit allen naturheilkundlichen Therapieverfahren zu kombinieren, auch mit Akupunktur (2.1) und klassischer Homöopathie (2.26).

Merke

Homöopathische Hochpotenzen sollten wegen der besseren Verlaufsbeobachtung vorzugsweise nicht gleichzeitig, sondern im Abstand von ca. 14 Tagen eingenommen werden.

Sinnvoll ist v. a. die Kombination mit psychotherapeutischen Verfahren und nicht feinstofflichen Therapien wie z. B. ausleitende Verfahren (2.6), Phytotherapie (2.46), manuelle Therapie (2.35), um die seelische Ebene zu stützen oder zusätzlich anzusprechen.
Bachblüten-Konzentrate beeinflussen aufgrund ihrer nicht materiellen Wirkung weder die Wirkung von Medikamenten noch werden sie in ihrer Wirkung durch diese beeinflusst. Dies konnte durch die über 80-jährige Erfahrung bestätigt werden und gilt sowohl für naturheilkundliche als auch allopathische Arzneimittel, Psychopharmaka, v. a. Neuroleptika. Es ist in jedem Fall sinnvoll, die Einnahme allopathischer oder naturheilkundlicher Medikamente von der Seelenebene her mit Bachblüten zu unterstützen.

Indikationen

Indikationen von Langzeitmischungen
Der Einsatz der Blütentherapie ist u. a. lohnend bei folgenden Störungen und Erkrankungen:
  • Beschwerden, die mit einer schicksalhaften Veränderung der Lebenssituation in Zusammenhang stehen: z. B. Kündigung, Partnerschaftskrise, Sitzenbleiben in der Schule, Tod des Ehepartners, Pflege eines Schwerkranken in der Familie.

  • Vordergründige psychische Symptomatik, ohne dass der Patient psychotherapeutischer Behandlung bedarf: z. B. bei resignativen seelischen Verstimmungen Jugendlicher, Midlife-Crisis mit überhöhten Leistungsansprüchen, Vereinsamungssymptomen alter Menschen, Ängsten, wie z. B. Krebs oder Aids-Angst. Bei Verhaltensauffälligkeiten in Verbindung mit körperlichen Störungen und Faktoren (Klassifikation: ICD-10 Kapitel V [F]), z. B. Essstörungen, Schlafstörungen haben sich Bachblüten, besonders in den Zwischenphasen einzelner Episoden als motivierende Maßnahmen begleitend zu Psychopharmaka vielfach bewährt.

  • Somatische Erkrankungen, die stark durch psychische Faktoren beeinflusst werden: z. B. Neurodermitis, M. Crohn, rheumatische Erkrankungen.

  • Funktionelle Beschwerden: z. B. Schlafstörungen, Herz-Rhythmus-Störungen, Postcholezystektomie-Syndrom, Unterleibsbeschwerden nach Hysterektomie, therapieresistente Magenbeschwerden (ggf. begleitend zur notwendigen medikamentösen Therapie).

  • Rezidivierende Beschwerden: z. B. Erschöpfungszustände, Infektionen oder Symptomverschiebungen, die im Behandlungsverlauf auftreten. Auch bei hartnäckigen, störenden kleineren Symptomen, z. B. chron. therapieresistenten Schnupfen.

  • Prä- und postoperative Zustände: z. B. Geburtsvorsorge, seelische Nachsorgebehandlung, z. B. bei Herzinfarkt, Krebs.

  • Gesundheitsprophylaxe: wenn der Patient z. B. nach Aufbaumitteln und Gesundheitstipps fragt.

Indikationen der Notfalltropfen
Notfalltropfen, Bachblütentherapie Indikationen
  • Körperliche Ausnahmesituationen: z. B. Sportunfälle, Prellungen, Insektenstiche, Verletzungen, Verbrennungen, Erstickungsanfall, allergische Reaktionen, nach Herzanfall

  • Psychische Ausnahmesituationen: z. B. vor und nach Operationen, Ängste und Phobien (Flugangst, Zahnarztbesuch), reaktive Depression (Verlust nahestehender Person, Trennungserlebnisse)

Kontraindikationen

  • Akute psychiatrische Fälle – hier nur bei paralleler Psychopharmaka-Medikation behandeln

  • Patienten, welche die Therapieanwendung ausdrücklich verweigern

Cave

Die Bachblütentherapie ist häufig eine gute adjuvante Maßnahme, auch bei somatischen und Notfallerkrankungen. Ihre Anwendung darf jedoch notwendige weitergehende diagnostische und therapeutische Maßnahmen nicht verzögern.

Sonderformen

BachblütentherapieSonderformenEs gibt heutzutage vielfältige Abwandlungen und „Erweiterungen“ der Original Bachblütentherapie. Bach zufolge umfasst sein System jedoch alle negativen Reaktionsmuster des menschlichen Charakters. Unserer Meinung nach scheinen „Erweiterungen“ weder zweckmäßig, noch auch durch die praktischen Erfahrungen gerechtfertigt. So lässt sich beispielsweise die Festlegung auf bestimmte Einnahmeschienen oder Hautzonen nicht vereinbaren mit den von Bach aufgestellten Grundprinzipien „Einfachheit“ und „Individualität“. Entsprechend unübersichtlich sind die Erfahrungen in der Praxis.
Auch die Verknüpfung der Bachblüten-Konzepte mit anderen Deutungssystemen, z. B. Astrologie, Farbenlehre oder I-Ging bleibt an der Oberfläche, verkompliziert die Therapie unnötig und verzögert die Entwicklung der eigenen diagnostischen Fähigkeiten.

Abrechnungsziffern

Nur Privat-Liquidation möglich. Unterschiedliche Ziffern der entsprechenden Gebühren-Ordnungen kommen zur Anwendung, z. B. aus dem Bereich „Kleine Psychotherapie“ oder „Homöopathische Repertorisation“.

GOÄ

A 30Erhebung einer homöopathischen Erstanamnese mit einer Mindestdauer von einer Stunde nach biografischen und homöopathisch-individuellen Gesichtspunkten.
A 31Homöopathische Folgeanamnese mit einer Mindestdauer von 30 Minuten unterlaufender Behandlung nach den Regeln der Einzelmittelhomöopathie zur Beurteilung des Verlaufs und Feststellung des weiteren Vorgehens einschließlich schriftlicher Aufzeichnungen.

GebüH

Abrechnung nach freier Bearbeitung.

Literatur

Bach, 2004

E. Bach Blumen, die durch die Seele heilen 2004 Ullstein Berlin

Scheffer, 2015

M. Scheffer Die Original Bachblütentherapie. Das gesamte theoretische und praktische Bachblütenwissen 2015 Irisiana München

Scheffer, 2008

M. Scheffer Original Bachblütentherapie. Das Lehrbuch für die therapeutische Praxis 2008 Elsevier München

Scheffer, 2013

M. Scheffer Bachblüten als Wegbegleiter. Entfalte deine Seelenstärke 2013 Irisiana München

Übersichten

Differenzialdiagnostisches Vorgehen

Bachblütentherapiedifferenzialdiagnostische ÜbersichtUm die seelischen Reaktionsweisen des Patienten gut differenzieren und die entsprechenden Bachblüten auswählen zu können, ist die differenzialdiagnostische Übersicht (Tab. 2.9-2) hilfreich.

Das Bachblüten-System (Kurzübersicht)

BachblütentherapieBachblüten-SystemDie folgende Kurzübersicht (Tab. 2.9-3) dient der ersten Orientierung zur Auswahl der infrage kommenden Bachblüten. Es werden 1–8 Bachblüten ausgewählt und als individuelle Bachblüten-Mischung verabreicht.

Balneo- und Klimatherapie

Jürgen Rohde

Rainer Brenke

Balneotherapie

Balneotherapie Klimatherapie Balneologie ist die Wissenschaft von den Bädern und Balneotherapie die Behandlung mit Heilbädern. Die Balneotherapie, ein Therapieverfahren der physikalischen Therapie ( 2.47 ), beinhaltet mechanische, thermische, teilweise auch mineralische und radioaktive Wirkkomponenten. Die Krenotherapie als Sonderform ist eine Brunnentrinkkur. Bei der Thalassotherapie finden die der Meeresküsten eigenen Reizfaktoren Anwendung: Klima (Sonnenstrahlung, Aerosol), Bäder (Sole, Brandung) und weitgehende Allergenfreiheit.

Die Kur ist eine Reizserienbehandlung im veränderten Milieu. Zur Kurorttherapie gehören die Triade aus Kurmittelhaus (ortsgebundene Heilmittel, Physiotherapie), Kurhaus und dem Kurpark.

Entwicklung

Erste Kurorte gab es in Südengland und Frankreich, aber auch in Deutschland, wo die Städter „etwas für ihre Gesundheit tun“ wollten. Im deutschsprachigen Raum war Vinzenz Prießnitz der erste Laienbehandler, der Kuren durchführte und die Hydrotherapie, Bewegungstherapie, Sonnen-, Licht-, Luftbäder, Diät und Abhärtung einsetzte. Johann Schroth führte nach ihm Schwitz- und Diätkuren durch. Sebastian Kneipp begründete mit seiner Kneipp-Kur die fünf Säulen der Naturheilkunde: Hydrotherapie, Bewegungstherapie, Ernährungstherapie, Phytotherapie und Ordnungstherapie. Anfang des 20. Jh. kam es zu einer Expansion der Heilbäder, die Kur wurde zu einem Bestandteil der Leistungen der Krankenkassen. Aus den Kurkliniken entwickelten sich dann die Rehabilitationskliniken. Durch Entwicklungen wie die Frührehabilitation und die zunehmend kürzere Verweildauer im Akut-Krankenhaus verwischen sich zunehmend die Unterschiede zwischen Akut-Krankenhaus und Rehaklinik. War die Frührehabilitation früher auf das Gebiet der Neurologie beschränkt, so hat die fachübergreifende geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung (GFK) in den letzten Jahren eine immense Ausweitung erfahren (Beyer 2016). Die Charakteristika eines Kurortes geraten damit ins Hintertreffen, es gibt auch Rehakliniken in Neubausiedelungen von Großstädten.

Stellenwert

Es gibt ca. 350 Kurorte in Prießnitz, VinzenzDeutschland, die etwa 3 Millionen Heilverfahren im Jahr durchführen. Die Kurortbehandlung (Kurort, Rehabilitationsklinik) stellt neben dem Hausarzt (ambulante Betreuung) und dem Akut-Krankenhaus eines der drei großen Versorgungssysteme dar. In der Kurortbehandlung steht die Rekonvaleszenz und Leistungssteigerung im Mittelpunkt. Prävention, Rehabilitation sowie Gerontoprophylaxe wird zudem berücksichtigt. Allgemeine Ziele des kurörtlichen Heilverfahrens sind:
  • Diagnostik mit Schwerpunkt zur Beurteilung der verbliebenen Organleistung und Funktionsprognostik

  • Therapie zur Anregung und Steigerung der Restfunktion

  • Entwicklung kompensatorischer Funktionsleistungen zum Ausgleich und Minderung des Dauerschadens oder der Behinderung

Konzept und Wirkungsweise

Die Kur ist eine komplexe „Reizserientherapie“ in einem veränderten Milieu. Der Körper reagiert mit Anpassung durch Umstellungsprozesse (s. o.). Zusätzlich werden im Sinne einer Ordnungstherapie (2.43) Rhythmen des Organismus geordnet. Die Effekte der Balneo- und Klimatherapie beruhen auf der Wirkung im Sinne der „natürlichen“ Therapie. Ausgenutzt werden die Fähigkeiten des Organismus zur Reaktion, Kompensation, Regulation, Regeneration und Adaption.
In der Balneotherapie kommen verschiedene Heilwässer und Heilpeloide zur Anwendung.
Heilwässer
BalneotherapieHeilwässerHeilwässer, BalneotherapieHeilwässer müssen gelöste Stoffe (Mineralien, Ionen) in einer Konzentration von mind. 1 g/kg Wasser enthalten.
Chlorid-(Sole-)Wässer
Chlorid-(Sole-)Wässer, Balneotherapie
  • Anwendung als Inhalation: bronchitische Erkrankungen, Asthma bronchiale

  • Anwendung als Trinkkur: Magen-/Darmerkrankungen; Magnesiumchloridwässer bei Oxalatsteinen der Harnwege

  • Anwendung als Bad: Herz-/Kreislauf-Erkrankungen

Meereswasser
Meereswasser, Balneotherapie
  • Anwendung: als Heilwasserbehandlung (Thalassotherapie) – eine Form der Balneotherapie und Behandlung an der Meeresküste (Ost-, Nordsee, Totes Meer) – Bestandteil der Klimatherapie

  • Indikationen: Bronchitis, Hypotonie, dermatologische Erkrankungen (chron. Ekzem, Neurodermitis, Psoriasis vulgaris, Akne vulgaris)

Sulfatwässer
Sulfatwässer, Balneotherapie
  • Anwendung: als Trinkkur bei Magen-/Darmerkrankungen, Cholezystopathie (galleanregende und -entleerende Wirkung)

  • Magnesiumreiche Sulfatwässer bei Oxalatsteinen

Hydrogenkarbonatwässer
Hydrogenkarbonatwässer, Balneotherapie
  • Anwendung: als Trinkkur Mineralwässer, die freies gelöstes CO2 enthalten

  • Anwendung als Kohlensäure-Bad: wirkt blutdrucksenkend und frequenzmindernd. Indiziert bei Hypertonie (WHO-Stadium I und II), chron. koronarer Herzerkrankung, peripheren arteriellen Durchblutungsstörungen und neurovegetativen Herz-/Kreislauf-Beschwerden

Radonwässer
Radonwässer, Balneotherapie
  • Anwendung: Trinkkuren, Inhalationen und Bäder

  • Indikationen: entzündliche und degenerative Gelenkerkrankungen, Herz-/Kreislauf-Erkrankungen und Gefäßleiden. Radon gerät wegen nicht auszuschließender negativer Folgen der radioaktiven Strahlung zunehmend in die Kritik. Bis heute ist nicht klar, ob es biopositive Effekte kleiner Strahlendosen gibt. Sorgfältiges Abwägen von Nutzen und Risiko ist notwendig!

Schwefelwässer
Schwefelwässer, Balneotherapie
  • Inhaltsstoffe: Schwefelwasserstoff, Thiosulfate, Hydrosulfide und kolloider Schwefel

  • Anwendung und Indikationen: Bäder bei degenerativen und entzündlichen Gelenkerkrankungen im subakuten bis chron. Stadium, dermatologische Erkrankungen wie Psoriasis, Neurodermitis, Akne vulgaris und chron. Ekzem

Thermalwasser
Thermalwasser, Balenotherapie
  • Anwendung: Bäder

  • Indikationen: degenerative und chron.-entzündliche Gelenkerkrankungen des Bewegungsapparates, z. B. Morbus Bechterew

Heilpeloide
HeilpeloideBalneotherapieHeilpeloideHeilpeloide sind feinkörnige Substanzen, die durch natürliche (biologische oder geologische) Vorgänge entstanden sind. Dazu gehören Torfe (Moor), Faulschlamm, Schlick, Kalk, Kreide, Heilerde, Ton und Sand. Diese Substanzen werden angewendet als Bäder, Packungen, Tampons und für Knetungen.
  • Indikationen:

    • Subakute und chron. Stadien degenerativer und entzündlicher WS- und ThermalwasserGelenkerkrankungen

    • Z. n. Traumen am Bewegungsapparat

    • Funktionelle Durchblutungsstörungen

    • Chron. Entzündungen des Gastrointestinal- und Urogenitaltrakts

    • Funktionelle Störungen im gynäkologischen Bereich

  • Kontraindikationen: großflächige, nässende Ekzeme, fieberhafte und infektiöse Erkrankungen, Herzinsuff. NYHA III und IV, Hypertonie WHO-Stadium IV

Studien

In der Balneo- und Hydrotherapie liegen zur Wirksamkeit der Analgesie kontrollierte klinische Studien vor (Saller et al. 1991). Im Handbuch von Gutenbrunner und Hildebrandt 1998 sind die neuen experimentellen Studien und die klinische Forschung der Balneologie und medizinischen Klimatologie enthalten, mit 1.800 Literaturstellen! Peters (1992) hat die Studien zusammengefasst und in einem Gutachten besprochen, vom Nachweis der Wirksamkeit der Kochsalz-Wässer und der Schwefel-Wässer (Pratzel, 1992). Sog. „harte“ Parameter dokumentieren die Erfolge der Klimatherapie. Studienergebnisse (Schuh, 2004) belegen die rasch einsetzende und anhaltende Symptom-Reduzierung. Die moderne Klima- und Thalassotherapie, auf wissenschaftlich gesicherter Grundlage, wird heute zur gezielten Behandlung klar definierter Krankheitsbilder und chron. Leiden eingesetzt.

Diagnostik

Die Verträglichkeit der Balneotherapie richtet sich nach der Konstitution und Kondition.
  • Hinsichtlich der Konstitution ist die BalneotherapieKonstitutionvegetative Ausgangslage wichtig. Man unterscheidet nach Kretschmer (Astheniker, Pykniker, Athletiker) und Lampert (A- und B-Typ Tab. 2.10-1) folgende Typen:

    • Mikrokinetischer A-Typ (= Astheniker): braucht Wärme. KonstitutionA-Typ nach Lampert

    • Makrokinetischer B-Typ (= Pykniker, Athletiker): verträgt mehr Kälte. KonstitutionB-Typ nach Lampert

  • Um die KonditionKondition zu erkennen, sollte Folgendes durchgeführt werden: KonstitutionDiagnostik

    • Untersuchung des Herz-Kreislauf-Atemrhythmus (Puls, RR, Atemfrequenz).

    • Probebad: May (1993) verwendet ein 45 °C heißes Teilbad von 15 Min. Dauer, Prießnitz führte ein wechselwarmes kurzes Vollbad durch.

Zudem wird die Verträglichkeit durch die Tagesrhythmik (Zirkadianrhythmus) und den Jahresrhythmus (Saisonrhythmus) bestimmt.
  • Für den ZirkadianrhythmusZirkadianrhythmus (Tagesrhythmik) gilt: Tag = Leistungs(Ergo)phase, die Nacht ist die Erholungs(Tropho)phase.

    • Aufheizungsphase von 3–15 Uhr: warme Bäder und Sauna werden gut vertragen.

    • Entwärmungsphase von 15–3 Uhr: kalte Anwendungen sind gut verträglich.

    • Das Maximum der Kaltreizempfindlichkeit liegt vormittags bei 9 Uhr, das Maximum der Warmreizempfindlichkeit liegt abends gegen 21 Uhr.

    • Der Menstruationsrhythmus der geschlechtsreifen Frau geht mit umfassenden Umstellungen der vegetativen Regulation einher. Während der Menstruationsblutung ist eine Unterbrechung der Bäder notwendig.

  • Der SaisonrhythmusSaisonrhythmus (Jahresrhythmus) hat folgende Rhythmik:

    • Februar bis August: ergotrop-sympathikotone Phase

    • August bis Februar: trophotrope-parasympathikotone Phase

Therapie

Kuren werden in Kneipp-Kurorten, Seeheilbädern, Moorkur- und Mineralbädern sowie in Hoch- und Mittelgebirgsklimakurorten durchgeführt. Eine Kur zeichnet sich nach traditioneller Sichtweise durch die Triade von ortsgebundenen Heilmitteln, der gezielten Anwendung physiotherapeutischer Maßnahmen und dem kulturellen Angebot (z.B. Kurkonzert, Kurpark) aus.
Neben der Klimakur gibt es folgende Kurarten: Terrainkur, Frischluftliegekur, Heliotherapie, Bäderkur.
Nach Jordan werden folgende vier Phasen der KurKur, Phasen unterschieden: Kureintrittsreaktion, Akklimatisationsreaktion, Kurbelastungsreaktion, Kurendreaktion.
Als Kureffekte werden die Veränderungen am Ende der Kur bezeichnet. KurerfolgeKurerfolge sind langfristige Umstellungen im Organismus, die Wochen bis Monate nach der Kur festzustellen sind. Kureffekt und Kurerfolg müssen keineswegs identisch sein. Mitunter beobachtet man unmittelbar nach einer Kur zunächst eine Aktivierung der Beschwerden.
Kneipp-Kurorte
In Kneipp-Kurorten werden bevorzugt Wasseranwendungen und klassische Naturheilverfahren angewendet.
  • Indikationen: Herz-Kreislauf- und Gefäßkrankheiten, vegetative Funktionsstörungen, verzögerte Rekonvaleszenz, Abhärtung, Leistungssteigerung

  • Typische Kurorte: Bad Berneck, Bad Iburg, Bad Wörishofen, Aulendorf, Mölln, Bad Waldsee, Berggießhübel

Moorkur und Mineralbäder
Bei den Moorkuren und Mineralheilbädern gibt es folgende BalneotherapieHeilbäderindikationsspezifischen Schwerpunkte.
  • Bewegungsapparat: Bad Aibling, Füssen, Bad Kohlgrub, Bad Orb, Bad Soden, Bad Brambach, Bad Elster, Bad Liebenwerda

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bad Driburg, Bad Kissingen, Bad Liebenstein, Bad Sulza

  • Atemwegserkrankungen: Bad Ems, Bad Reichenhall, Bad Pyrmont, Bad Kösen, Bad Frankenhausen

  • Stoffwechselerkrankungen: Bad Brückenau, Bad Mergentheim, Bad Berka

  • Gynäkologische Erkrankungen: Aachen, Bad Dürkheim, Bad Oeynhausen, Bad Doberan

  • Urologische Erkrankungen: Bad Wildungen, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Bad Elster

  • Thermalbäder mit breitem Indikationsspektrum: Bad Füssing, Bad Griesbach, Bad Birnbach

Seeheilbäder
  • Indikationen: Erkrankungen der Atemwege, Hauterkrankungen, Kinder-Kuren

  • Typische Kurorte: Cuxhaven, Norderney, Westerland, Wyk auf Föhr, Travemünde, Timmendorfer Strand, Graal-Müritz, Wustrow, Zingst

Kurorte im Hoch- und Mittelgebirge
  • Indikationen: Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Hauterkrankungen

  • Typische Kurorte: Bad Bergzabern, Bad Herzburg, Freudenstadt, Sankt Blasien, Garmisch-Partenkirchen, Oberstdorf

Das Mittelgebirgsklima ist eher ein Schonklima und weniger reizend als das Hochgebirgs- oder Seeklima. Daher ist es auch gut für Herzpatienten geeignet. Patienten mit Atemwegs- oder Hauterkrankungen reagieren dagegen oft gut auf das Hochgebirge oder das Seeklima.

Kombination mit anderen Therapieverfahren

Vom Vorkommen der natürlichen Heilmittel am Kurort hängt es ab, welche Verfahren kombiniert werden: z. B. Bäder, Pelosepackungen, Trinkkuren, Aerosol-Inhalationen. Zusätzlich wird das besondere Klima am Kurort eingesetzt, z. B. in Form der Heliotherapie oder Thalassotherapie. Ergänzend werden Ernährungstherapie (2.20), Massagen (2.36), eine am Befund orientierte Physiotherapie allgemein und Ordnungstherapie (2.43), eingesetzt.

Abrechnungsziffern

Die Kostenträger bei Berufstätigen sind die Rentenversicherungen und bei Rentnern die Krankenkassen. Bei Malignomen trägt die Rentenversicherung die Kosten. Die Hälfte der Kuren sind private Kuren, welche von privaten Trägern oder auf Krankenschein erfolgen. Eine teilweise Selbstfinanzierung durch den Patienten ist festgelegt.

Literatur

Brenke, 2002

R. Brenke Balneotherapie D. Melchart R. Brenke G. Dobos Naturheilverfahren 2002 Schattauer Stuttgart 483 491

Gutenbrunner and Hildebrandt, 1997

C. Gutenbrunner G. Hildebrandt Handbuch der Balneologie und medizinischen Klimatologie 1997 Springer Heidelberg

Rohde, 2002

J. Rohde Balneo- und Klimatherapie M. Augustin Naturheilverfahren bei Hauterkrankungen 2002 Hippokrates Stuttgart

Klimatherapie

Klimatherapie Klimatherapie ist jede Exposition des Patienten gegenüber Luft, Wind, Sonne und Regen, die therapeutisch als ambulante oder stationäre Kur und Rehabilitationsmaßnahme genutzt wird. Die Klimatherapie wird mit dem Ziel eingesetzt, durch Auseinandersetzung mit den verschiedenen atmosphärischen Bedingungen eine Umstellung des Organismus zu bekommen. Sie umfasst mehrere physikalische Wirkfaktoren wie thermische Reize, Luftdruck- und Luftfeuchtigkeitsverschiebungen sowie Lichteinwirkungen.

Entwicklung

Bereits Hippokrates erkannte den positiven (Therapie) und den negativen Einfluss (Ursache von Krankheiten) des Klimas und setzte ihn bei der Heilung ein. Im 17. Jh. wurden z. B. in England Seereisen nach Madeira verordnet, 1831 wurde im indischen Himalaja das erste heilklimatische Sanatorium errichtet. Prießnitz setzte die natürlichen Klimafaktoren Licht, Sonne, Luft, Wind und Regen bei seiner Kur insbesondere zur Abhärtung ein. Die Freiluftliegekur wurde später von seinem Schüler Bremer in der ersten Tuberkuloseheilanstalt in Gröbersdorf/Riesengebirge eingeführt. Sonnen- und Luftbäder wurden dann auch zur Rachitisprophylaxe und -therapie verordnet. Oertel entwickelte zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Überlastungen die „Terrain-Kur“. Auch chron. rezidivierende obstruktive Lungenerkrankungen werden noch heute mithilfe der Klimatherapie (v.a. Hochgebirge) behandelt.

Stellenwert

Die Klima- und Kurorttherapie spielen auch heute noch bei der Behandlung von insbesondere chron. Erkrankungen des Herz-Kreislauf-, Atem- und Bewegungssystems eine wichtige Rolle.
Zu den Indikationen der einzelnen Bioklimate siehe unten. Bei einer Balneo- und Kurorttherapie spielt meistens auch die Klimatherapie eine große Rolle.

Konzept und Wirkungsweise

Die wichtigsten Elemente der Klima- und Wetterfaktoren sind Kühle und Wind, Sonnenstrahlung, Luftreinheit und Allergenfreiheit. Beim Seeklima kommt die Wirkung des Brandungs-Aerosols hinzu.
Als Faktoren der Klimaexposition werden unterschieden:
  • Klimatische Terrainkur (kurmäßig dosiertes Gehen)

  • Frischluft-Liegetherapie (Ruhen bei leicht reduzierter Hauttemperatur)

  • Heliotherapie (Einwirkung der Sonnenstrahlung je nach individueller UV-Empfindlichkeit der Haut)

  • Seebad (Thalassotherapie)

Neben der Globalstrahlung der Sonne, die für viele biologische Wirkungen verantwortlich ist, sind die Lufttemperatur (Wärmehaushalt des Menschen), Luftfeuchte und Wind die beeinflussenden Bioklimaelemente.
Die verschiedenen Klimate werden nach topografischen Lagen (See- und Küstenlage, Berg- oder Kuppenlage, Hanglage, Tal-, KlimatherapieKlimaexpositionKessel-, Becken- oder Muldenlage und Hochebene) sowie nach verschiedenen Bioklimaten (Klimabereichen) unterschieden: So gibt es als Bioklimate das Küsten- und Seeklima, Flachlandklima, Mittelgebirgsklima, Hochgebirgsklima.
Küstenklima
Küstenklima
  • Eigenschaften:

    • Ausgeglichenes Temperatur-Feuchte-Milieu

    • Ungehinderter Strahlungseinfall, 30% UV-Reflektion

    • Starke Abkühlungsreize (Seewind)

    • Sehr gute Luft, sehr schonend für Atmungsorgane

    • Meerwasseraerosol

  • Indikationen:

    • Chron. rezidivierende Schleimhautentzündungen

    • Allergisches Asthma bronchiale (besonders Nordsee), chron. Otitis und Sinusitis

    • Hauterkrankungen (Neurodermitis, Psoriasis, Ichthyosis, Akne conglobata, Lichen ruber, Mycosis fungoides): Je nach Verträglichkeit eher Nordsee oder KüstenklimaTotes Meer

    • Funktionelle Herz-/Kreislauf-Erkrankungen (hypotone und orthostatische Dysregulation, Varikosis)

  • Kontraindikationen:

    • Krankheiten der ableitenden Harnwege und der Niere

    • Akut-infektiöse Erkrankungen

    • Epileptische Anfälle

Cave

  • Patienten mit koronaren Erkrankungen, Herzrhythmusstörungen und Ateminsuff. – Vorsicht beim Baden!

  • Patienten unter Antikoagulanzientherapie – Vorsicht bei kalten Bädern wegen Verminderung der Blutgerinnung

  • Diabetes mellitus, Hyperthyreose – Stoffwechselkontrollen angezeigt

Wald- und Hügellandschaftsklima
Wald- und Hügellandschaftsklima
  • Eigenschaften:

    • Gemildertes Temperatur-Feuchte-Milieu

    • Gemilderte Strahlungswirkung, gemilderte Abkühlungsreize

    • Gute Luftqualität

    • Luftstagnation und Verschärfung thermischer Extreme in Niederungen und Senken

    • Gute Reizdosierbarkeit, keine besonderen Anpassungsformen, gute Verträglichkeit

  • Indikationen: Schonwirkung (geringere Reizwirkung), gut für wenig leistungsfähige Patienten, z. B.

    • Herz-/Kreislauf-Erkrankungen

    • Atemwegserkrankungen

    • Erkrankungen des Neuroendokriniums

    • Fibromyalgie

Mittelgebirgsklima (300–1.000 m über NN)
Mittelgebirgsklima
  • Eigenschaften:

    • Gemildertes Temperatur-Feuchte-Milieu; verminderte Lufttemperatur

    • Gemilderte Strahlungswirkung

    • Bei Schnee Licht- und UV-Reflexion

    • Gemilderte Abkühlungsreize

    • Gute Luftqualität; geringes O2-Defizit

    • Wechselnde Föhn- und Staueffekte

    • Nächtliche Talbelüftung infolge Bergwind, starke Reizunterschiede durch Tal, Hang, Wald, Höhe, freie Lage

    • Günstige Bedingungen in geschützten Lagen (Höhe, Hochtal, oberer Hang)

    • Wald- und Hügellandschaftsklima

  • Indikationen:

    • MittelgebirgsklimaRekonva