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B978-3-437-55143-7.00006-X

10.1016/B978-3-437-55143-7.00006-X

978-3-437-55143-7

Übersicht über häufig gebrauchte Abkürzungen/Rezepturanleitungen.

Tab. 6.1-1
Abkürzung (lat.) Lateinische Bezeichnung Deutsche Bezeichnung
aa ana partes aequales Zu gleichen Teilen
aa ad ana (partes aequales) ad Zu gleichen Teilen bis
add. adde Füge hinzu
alb. albus Weiß
ad us. ext. ad usum externum Zum äußerlichen Gebrauch
ad us. int. ad usum internum Zum innerlichen Gebrauch
cont. contusus Gestoßen, gequetscht
cort. cortex Rinde
d. da Gib
decoct. decoctum Abkochung, Dekokt
dil. dilutus Verdünnt
D. S. da signa Gib und bezeichne
Dos. Dosis Gabe(n), Menge(n)
extract. extractum Extrakt
Flor. flos (Altlatein: Flores) Blüte/Blüten
Fol. folium/(Altlatein: Folia) Blatt/Blätter
herb. herba Kraut
Inf. infusum Aufguss
Lich. lichen Flechte (Moos)
Lign. lignum Holz
m. misce Mische
M.D.S. Misce, Da, Signa mische, gib, bezeichne
M.f.spec. misce fiat species Mische und fertige einen Tee an
mund. mundatus Geschält
p. c. post cenam Nach der Mahlzeit
pericarp. pericarpium Fruchtschale
pulv. Pulvis, pulveratus Pulver, gepulvert
pulv. subt. pulveratus subtile fein gepulvert
rad. radix Wurzel
remed. Remedium Heilmittel
rhiz. rhizoma Wurzelstock
Rp. recipe Nimm
s. signa Bezeichne
Sem. semen Samen
sir. sirupus Sirup
spec. species Teemischung
stip. stipites Stängel
tct. Tinct. tinctura Tinktur
tot. totus Ganz
Tub. tubera Knollen
ungt. unguentum Salbe

Phytotherapeutische Übersichten

Margret Wenigmann

  • 6.1

    Phytotherapeutische Rezepturen: Anweisungen und Grundregeln1144

    • 6.1.1

      Rezepturanweisungen1144

    • 6.1.2

      Grundregeln für das Erstellen einer Teerezeptur1145

  • 6.2

    Kurzporträts häufig verwendeter Arzneidrogen1147

  • 6.3

    Auswahl bewährter Tee-rezepturen (vorwiegend entsprechend den Standardzulassungen)1214

    • 6.3.1

      Grippaler Infekt/Erkältungskrankheiten1214

    • 6.3.2

      Appetitlosigkeit/zur Anregung der Verdauung/Magenbeschwerden1216

    • 6.3.3

      Dyspeptische Beschwerden, Meteorismus1217

    • 6.3.4

      Funktionelle Störungen/Dyskinesien der Gallenwege1217

    • 6.3.5

      Schlafstörungen/nervöse Unruhe1218

    • 6.3.6

      Harnwegsinfekte/Durchspülungstherapie1218

    • 6.3.7

      Gynäkologische Beschwerden1219

    • 6.3.8

      Anregung von Stoffwechsel und Ausscheidung1220

Phytotherapeutische Rezepturen: Anweisungen und Grundregeln

Rezepturanweisungen

Rezepturanweisungen, PhytotherapiePhytotherapieRezepturanweisungenRezepturanweisungen sind als Informationen für die Herstellung in der Apotheke möglichst in lateinischer Sprache, evtl. in abgekürzter Form zu verfassen. Die Tab. 6.1-1 listet die Abkürzungen der Rezeptur-Nomenklatur auf. (Drogenbezeichnung werden im Altlatein immer großgeschrieben).

Grundregeln für das Erstellen einer Teerezeptur

Teerezepturen Grundregeln

Merke

Ein vollständiges Teerezept muss Angaben zur Art und Menge der Drogenbestandteile, der Zubereitungsform (Infus, Dekokt), zur Dosierung und Dauer der Anwendung enthalten.

Rezepturanleitungen
Zusammensetzung eines Arzneitees
Angaben zur qualitativen und quantitativen Zusammensetzung des Arzneitees beinhalten die genaue Bezeichnung der verwendeten Drogen inkl. ihrer Beschaffenheit (lat. Abkürzungen), wie conc. (geschnitten), cont. (gequetscht, gestoßen) oder tot. (ganz) sowie die exakte Menge der Drogen (in g oder Teilen). Blätter, Blüten, Kräuter werden grob bis fein geschnitten verwendet, Hölzer, Rinden, Wurzeln fein geschnitten oder grob gepulvert, Früchte, Samen ganz oder gequetscht („angestoßen“).
  • Nur Drogen von Arzneibuchqualität und mit positiver Monografie verwenden.

  • Für eine Teemischung nicht mehr als 4, höchstens 7, Drogen verwenden:

    • Remedium Remedium cardinalecardinale: Das Grund- oder Basismittel bestimmt die Hauptwirkung des Tees, möglichst nur ein bis zwei Drogen auswählen.

    • Remedium Remedium adjuvansadjuvans: Die Begleit- oder Hilfsdroge verstärkt oder ergänzt die Hauptwirkung.

    • Remedium Remedium corrigenscorrigens: Dieses wird zugefügt, um den Geschmack und/oder die Verträglichkeit zu verbessern, z. B. Ätherisch-Öl-Drogen wie Pfefferminzblätter, Anis- und Fenchelfrüchte.

    • Remedium Remedium constituensconstituens: Eine Füll- oder Schmuckdroge sorgt für ein schönes Aussehen der Teemischung und ergänzt idealerweise deren Hauptwirkung, z. B. blaue Lavendelblüten in einem Schlaf- und Beruhigungstee, violette Malvenblüten in einem Hustentee.

Merke

  • Drogen vor Licht und Feuchtigkeit geschützt aufbewahren, in Braunglas- oder Metallgefäßen, nicht in Plastikbehältern.

  • Drogen, die ätherische Öle enthalten, dicht verschlossen aufbewahren. Anis-, Fenchel-, Kümmelfrüchte erst kurz vor Gebrauch anstoßen. Der Ätherisch-Öl-Gehalt nimmt im Laufe der Lagerung ab.

Herstellungsanweisung (Subscriptio)
Diese Anweisung kann z. B. lauten: Misce fiat species pectorales (M.f.spec. pect.) = mische einen Husten-/Bronchialtee (Tab. 6.1-1).
Anwendungsvorschrift für den Patienten (Signatura)
Enthält Angaben für den Pat. zur Zubereitung und Dosierung der Teemischung.
  • InfusInfus (AufgussAufguss): Die benötigte Menge Droge mit siedendem Wasser übergießen, 10–15 Min. abgedeckt ziehen lassen und durch ein Sieb abgießen. Geeignet für zarte Pflanzenteile (Blüten, Blätter, Samen) und Drogen mit flüchtigen (ätherischen Ölen) oder thermolabilen (Bitterstoffe) Inhaltsstoffen.

  • DekoktDekokt (AbkochungAbkochung): Die benötigte Menge Droge mit kaltem Wasser ansetzen, langsam zum Sieden erhitzen und 10–15 Min. leicht kochen und durch ein Sieb abgießen. Geeignet für harte Pflanzenteile (Wurzeln, Rinden, Hölzer) oder Drogen mit schwer löslichen Bestandteilen (Kieselsäure).

  • MazeratMazerat (KaltauszugKaltauszug): Die benötigte Menge Droge mit kaltem Wasser übergießen, den Ansatz mehrere Stunden bei Raumtemperatur unter gelegentlichem Umrühren stehen lassen und anschließend abgießen. Empfohlen für schleimhaltige Drogen mit hohem Stärke- und Pektingehalt (z. B. Eibischwurzel) oder für Drogen mit unerwünschten, in heißem Wasser löslichen Begleitstoffen (z. B. magenreizende Gerbstoffe in Bärentraubenblättern). Kaltauszug zur Keimreduktion vor Verwendung kurz aufkochen.

  • Dosierung: Entsprechend Monografieangaben, ca. 2–3 g Droge (entspricht 1–2 EL bei Blüten-, Blatt- und Krautdrogen oder 1–2 TL bei Frucht- und Wurzeldrogen) mit 150–200 ml Wasser zubereiten.

Aufbau einer Arzneitee-Verordnung
Eine Rezeptur enthält die lat. Bezeichnungen der Verordnung. Kursiv gesetzt ist beispielhaft eine Rezeptur (s. Kasten). Zu den Abkürzungen Tab. 6.1-1.

Praxistipp

Nomen Aegroti (Name des Patienten) Helga Musterfrau
Invocatio (Anweisung) Rp.

Praescriptio (Verordnung): Drogenbestandteile nach Art und Menge = Zusammensetzung der Teemischung:

Remedium cardinale Thymi herba conc. 30 g
Plantaginis herba 30 g
Remedium adjuvans Liquiritiae radix conc. 20 g
Remedium corrigens Foeniculi fructus cont. 10 g
Remedium constituens Malvae flos tot. 10 g
Subscriptio (Herstellungsanweisung) M.f.spec. pect.
Signatura (Anwendungsvorschrift) 1 EL der Teemischung mit 150–200 ml kochendem Wasser übergießen. 15 Min. ziehen lassen, abseihen. 3-mal tgl. 1 Tasse trinken.
Inscriptio Nomen Medici (Unterschrift des Verordners)

Neben der Möglichkeit eine individuelle Teerezeptur zu erstellen, können für bewährte und häufig verwendete Teemischungen auch die Vorschriften der Standardzulassungen nach § 36 AMG (auch 6.3) herangezogen werden. Weitere Rezepturbeispiele sind dem Neuen Rezeptur-Formularium (NRF) im Anhang des Deutschen Arzneimittel-Codex (DAC) zu entnehmen.

Kurzporträts häufig verwendeter Arzneidrogen

PhytotherapieArzneidrogen, KurzporträtsDie Übersicht der Arzneidrogen wurde zusammengestellt entsprechend den HMPC-Monografien sowie den aktualisierten Monografien der Kommission E am ehemaligen BGA (veröffentlicht im Bundesanzeiger) und mit neueren pharmakologischen und klinischen Studienergebnissen ergänzt. Anwendungshinweise sind teilweise den Gebrauchsinformationen der Standardzulassungen (6.3) entnommen.
Adoniskraut (Adonidis herba)
AdoniskrautAdonidis herbaStammpflanze: Adonis vernalis L. (Frühlingsadonisröschen) Ranunculaceae.
Inhaltsstoffe: herzwirksame Glykoside (Adonitoxin), Flavonoide (Vitexin).
Wirkungen: positiv inotrop, venentonisierend, zentral sedierend.
Indikationen: Herzinsuffizienz Stadium I–II NYHA v. a. bei nervöser Begleitsymptomatik Erfahrungsheilkunde: funktionelle Herzbeschwerden, Kreislaufbeschwerden.
Kontraindikationen: gleichzeitige Therapie mit Digitalisglykosiden, Kaliummangel.
Nebenwirkungen: bei Überdosierung Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Herzrhythmusstörungen (Digitalisintoxikation).
Wechselwirkungen: Wirkungssteigerung bei gleichzeitiger Gabe von Kalzium, Chinidin, Saluretika, Laxanzien und bei Langzeittherapie von Glukokortikoiden.
Dosierung: mittlere TD 0,6 g eingestelltes Adonispulver (DAB), max. TD 3,0 g.
Anwendung: Wegen geringer therapeutischer Breite nur in Form stand. Extrakte einsetzen.
Aloe
AloeStammpflanze: Curaçao-Aloe: Aloe barbadensis Mill. syn. Aloe vera L. (Westindische Arten); Kap-Aloe: Aloe ferox Mill. (Südafrikanische Arten), Asphodelaceae.
Unter der Droge Aloe versteht man den zur Sirupdicke eingekochten Zellsaft der dickfleischigen Blätter verschiedener Aloearten, der beim Abkühlen erstarrt. Aloe hat einen eigenartigen Geruch und einen ausgeprägt bitteren Geschmack.
Inhaltsstoffe: Dihydroxyanthracen-Derivate, Anthranoide, vorwiegend vom Aloe-Emodin-Typ (Anthrachinon und Oxidationsformen).
Wirkungen: laxierend, neuromuskulotrop (Anregung der Darmmotilität), sekretagog, hydragog und antiabsorbtiv (Erhöhung der aktiven Chloridsekretion, Einstrom von Elektrolyten und Wasser in das Darmlumen, Volumenzunahme und Erhöhung des Füllungsdrucks. Aloe-Emodin, die eigentliche Wirkform, entsteht durch enzymatische Spaltung der Glykoside im Dickdarm.
Indikationen: Obstipation (kurzfristige Anwendung), zur Darmentleerung vor diagnostischen Eingriffen.
Erfahrungsheilkunde: Erkrankungen, bei denen eine leichte Stuhlentleerung erwünscht ist (Analfissuren, Hämorrhoiden, nach operativen Eingriffen).
Kontraindikationen: Ileus, akut entzündliche Darmerkrankungen (M. Crohn, Colitis ulcerosa, Appendizitis), abdominelle Schmerzen unbekannter Ursache, Schwangerschaft und Stillzeit, Kindern unter 12 Jahren (Standardzulassung und Fachinformation Kinder unter 10 Jahren).
Nebenwirkungen: in höherer Dosierung kolikartige abdominelle Beschwerden. Verstärkung der Menstruationsblutung (Erhöhung der Durchblutung im Beckenbereich). Bei längerer Anwendung Störungen im Elektrolyt- und Wasserhaushalt, Hypokaliämie (Verstärkung der Obstipation, Muskelschwäche, Erhöhung der Digitalisempfindlichkeit!), sekundärer Hyperaldosteronismus. Pseudmelanosis coli (reversible Pigmenteinlagerungen in der Darmschleimhaut, bildet sich nach Absetzen innerhalb von 6–10 Mon. zurück). Während der Behandlung kann eine (harmlose) Rotfärbung des Urins auftreten.
Wechselwirkungen: bei längerer Anwendung durch Kaliummangel Wirkungsverstärkung von Herzglykosiden und Wirkungsbeeinflussung von Antiarrhythmika. Erhöhung des Kaliumverlusts durch gleichzeitige Einnahme von (Thiazid)-Diuretika, Nebennierenrindenhormonen und Süßholzwurzel.
Dosierung: TD 20–30 mg Hydroxyanthracenderivate berechnet als wasserfreies Aloin. Die individuell richtige Dosis ist die geringste, die erforderlich ist, um einen weich geformten Stuhl zu erhalten. Die Darreichungsform sollte auch eine geringere Dosierung als die übliche TD erlauben.
Anwendung: Aloepulver, wässrig-ethanolische Extrakte.

Merke

Aloe vera in Form von Saft als Nahrungsergänzungsmittel (NEM) wird häufig auf Gesundheitsmessen vertrieben und als „Heilmittel“ zur Linderung zahlreicher Beschwerden angepriesen. Aloe „vera“ steht synonym zu Aloe barbadensis Mill., d.h. es handelt sich botanisch um identische Pflanzen. Für Aloe vera als NEM oder Kosmetikum wird das Gel aus dem inneren, farblosen Blattmark der geschälten und filetierten Blätter gewonnen, während sich die stark abführenden Anthrachinonderivate als bräunliches Sekret in der leicht abzutrennenden Epidermis befinden. Das Gel besteht aus Polysacchariden und Glykoproteinen und enthält im Gegensatz zu Aloepulver bzw. Aloe-Extrakt keine Anthrachinone. Diese sind bei der Einnahme von Aloe vera-Gel als NEM auch nicht erwünscht, daher ist auf genaue Angaben zur Qualität und eine exakte Deklaration (Analysenzertifikat!) zu achten. Aloe-vera-Gel wird äußerlich als Kosmetikum bei Verbrennungen, Sonnenbrand, Akne und Wunden angewendet.

Cave

Stimulierende, die Darmschleimhaut reizende, Abführmittel nicht länger als 1–2 Wo. einnehmen.

Angelikawurzel (Angelicae radix)
AngelikawurzelAngelicae radixStammpflanze: Angelica archangelica L. (Echte Engelwurz), Apiaceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Furanocumarine (Angelicin, Bergapten), Kaffee- und Chlorogensäure, Flavonoide, Gerbstoffe.
Wirkungen: spasmolytisch, leicht karminativ, cholagog, Förderung der Magensaftsekretion, keimhemmend.
Indikationen: Appetitlosigkeit, dyspeptische Beschwerden wie leichte Magen-Darm-Krämpfe, Völlegefühl, Blähungen.
Kontraindikationen: Magen- und Darmulzera. Keine längerfristige oder hochdosierte Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit.
Nebenwirkungen: Erhöhung der Lichtempfindlichkeit durch Furocumarine, photoalllergische und phototoxische Hautreaktionen im Zusammenhang mit UV-Bestrahlung möglich.
Dosierung: TD 4,5 g Droge, 1,5 g Tinktur (1 : 5), Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2) oder kurze Abkochung, mehrmals tgl. 1 Tasse mäßig warm; ca. 1–½ Std. vor den Mahlzeiten trinken.

Cave

Während der Anwendung auf längere Sonnenbäder und intensive UV-Bestrahlung verzichten, beim Ernten von Angelikawurzel Handschuhe tragen.

Anisfrüchte (Anisi fructus)
Anisi fructusAnisfrüchteStammpflanze: Pimpinella anisum L., Apiaceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (trans-Anethol, Estragol), Phenolcarbonsäuren, Flavonoide.
Wirkungen: expektorierend, schwach spasmolytisch, karminativ, antibakteriell, Steigerung der Speichel und Magensaftsekretion.
Indikationen:
  • Innere Anwendung: dyspeptische Beschwerden mit Meteorismus und Flatulenz

  • Äußere Anwendung: Katarrhe der Luftwege

Erfahrungsheilkunde: leichter krampfartiger Husten, adjuvant bei Keuchhusten, zur Förderung der Laktation.
Kontraindikationen: Allergie gegen Anis und Anethol.
Nebenwirkungen: gelegentlich allergische Reaktionen der Haut, der Atemwege (Cave: bei allergischem Asthma bronchiale) und des Gastrointestinaltrakts.
Dosierung:
  • Innere Anwendung: mittlere TD 3,0 g Droge, 0,3 g ätherisches Öl (10–12 Tr.), Zubereitungen entsprechend

  • Äußere Anwendung: Zubereitungen mit 5–10% ätherischem Öl (z. B. gelöst in Oliven- oder Erdnussöl)

Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), häufig kombiniert mit Fenchel- und Kümmelfrüchten. Anisfrüchte erst kurz vor Verwendung anstoßen. 2-mal tgl. oder häufiger 1 Tasse trinken.
Arnikablüten (Arnicae flos)
ArnikablütenArnicae flosStammpflanze: Arnica montana L. (Arnika, Bergwohlverleih), Asteraceae.
Inhaltsstoffe: Sesquiterpenlactone (Helenalin, Dihydrohelenalin), ätherisches Öl (mit Thymol und Thymolderivaten), Flavonoide, Phenolcarbonsäuren (Chlorogensäure, Cynarin, Kaffeesäure), Cumarine (Umbelliferon).
Wirkungen: antiphlogistisch (Hemmung der Leukozyten-Chemotaxis und der Freisetzung von Entzündungsmediatoren), analgetisch bei Entzündungen, antiseptisch, antimykotisch, hyperämisierend, haut- und schleimhautreizend.
Indikationen: nur äußerliche Anwendung bei:
  • Verletzungs- und Unfallfolgen (Hämatome, Zerrungen, Prellungen, Verstauchungen)

  • Muskel- und Gelenkschmerzen

  • Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut

  • Furunkulose

  • Entzündungen als Folge von Insektenstichen

  • Oberflächenphlebitis

Studien/Erfahrungsheilkunde: chronisch-venöse Insuffizienz Stadium I–II, Sonnenbrand.
Kontraindikationen: bekannte Allergie gegenüber Arnika und anderen Korbblütlern (Beifuß, Kamille, Ringelblume, Schafgarbe).
Nebenwirkungen: bei längerer Anwendung Ekzeme, bei Anwendung auf geschädigter Haut (z. B. bei Verletzungen oder Ulcus cruris) relativ häufig ödematöse Dermatitis mit Bläschenbildung. In hoher Konzentration auch primär toxisch bedingte Hautreaktionen mit Bläschenbildung bis zur Nekrotisierung möglich.
Dosierung: Als Aufguss (6.1.2) ca. 2 g Droge auf 100 ml Wasser oder Tinktur zur Bereitung von Umschlägen, Umschläge mehrmals tgl. wechseln. Arnikatinktur für Umschläge 3–10-fach, für Mundspülungen 10-fach mit Wasser verdünnen.
Anwendung: Nur äußerlich anwenden (wegen einer möglichen arrhythmogenen Wirkung der Arnikablüten ist die innere Anwendung heute obsolet).
Zur Herstellung von Extrakten und Salbenzubereitungen werden heute bevorzugt Blüten aus Spanien und Portugal verwendet, die anstelle von Helenalin Dihydrohelenalin mit deutlich geringerer allergener Potenz enthalten.

Cave

Arnikazubereitungen nicht auf vorgeschädigter Haut, Arnikatinktur unverdünnt nur zu kleinflächigen Pinselungen anwenden.

Artischockenblätter (Cynarae folium)
Cynarae foliumArtischockenblätterStammpflanze: Cynara cardunculus L. syn. C. cardunculus ssp. Cardunculus (Artischocke), Asteraceae.
Inhaltsstoffe: Caffeoylchinasäurederivate (Chlorogensäure, Cynarin), Bitterstoffe (Cynaropikrin), Flavonoide (Cynarosid, Luteolin-7-glykosid).
Wirkungen: choleretisch (Erhöhung der Sekretion gallepflichtiger Substanzen, Förderung der Fettverdauung), cholekinetisch, antihepatotoxisch, hepatoprotektiv, cholesterinsenkend (Hemmung der Cholesterinbiosynthese), lipid- und triglyzeridsenkend, antioxidativ, antiphlogistisch, spasmolytisch.
Indikationen: dyspeptische Beschwerden mit Völlegefühl, Flatulenz, v. a. im Zusammenhang mit Störungen des Leber-Galle-Systems.
Studien/Erfahrungsheilkunde: Appetitlosigkeit (Bitterstoffdroge), Hypercholesterinämie, Arterioskleroseprophylaxe, Leberprotektion, vorbeugend gegen Gallensteinrezidive, adjuvant bei chronischen Lebererkrankungen (chronische Hepatitis).
Kontraindikationen: bekannte Allergien gegen Artischocken und andere Korbblütler, Verschluss der Gallenwege. Bei Gallensteinleiden nur nach Rücksprache mit dem Arzt.
Nebenwirkungen: Sehr selten leichte Durchfälle mit typischer Begleitsymptomatik, sehr selten allergische Reaktionen.
Dosierung: mittlere TD 6 g Droge (entsprechend 1.000–1.500 mg wässriger Trockenextrakt bzw. mind. 300 mg Trockenextrakt in der Einzeldosis).
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2) oder Frischpflanzensaft bei dyspeptischen Beschwerden vor den Mahlzeiten trinken, zur Leberprotektion oder zur Senkung der Blutfettwerte nur in Form stand. Extrakte geeignet.
Bärentraubenblätter (Uvae ursi folium)
Uvae ursi foliumBärentraubenblätterStammpflanze: Arctostaphylos uva-ursi (L.) Sprengel (Echte Bärentraube), Ericaceae.
Inhaltsstoffe: Hydrochinonglykoside (Arbutin, Methylarbutin), Gerbstoffe, Flavonoide (Hyperosid), organ. Säuren, Monotropein (Iridoidglykosid).
Wirkungen: Antibakteriell vorwiegend bei alkalisch (pH 8) reagierendem Harn (evtl. mit Natriumhydrogencarbonat alkalisieren, wird jedoch kontrovers diskutiert). Arbutin wird während der Magen-Darm-Passage von β-Glukosidasen zu Hydrochinon und Glukose hydrolysiert.
Indikationen: entzündliche Erkrankungen der ableitenden Harnwege, wiederkehrende leichte Harnwegsinfektionen mit Brennen beim Wasserlassen und/oder häufiges Wasserlassen bei Frauen.
Erfahrungsheilkunde: Reizblase, Bettnässen.
Kontraindikationen: Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder unter 12 Jahren.
Nebenwirkungen: aufgrund des hohen Gerbstoffgehalts bei magenempfindlichen Patienten Übelkeit und Erbrechen möglich.
Wechselwirkungen: nicht zusammen mit Mitteln einnehmen, die zur Bildung eines sauren Harns führen.
Dosierung: TD bis zu 4-mal tgl. 3 g Droge auf 150 ml Wasser bzw. 400–840 mg Hydrochinonderivate, berechnet als wasserfreies Arbutin.
Anwendung: Es wird empfohlen, die gesamte Tagesmenge als (magenverträglicheren) Kaltauszug (6.1.2) anzusetzen, tgl. 3–4-mal 1 Tasse.

Cave

Arbutinhaltige Arzneimittel ohne ärztlichen Rat nicht länger als jeweils eine Wo. und max. 5-mal/Jahr einnehmen.

Baldrianwurzel (Valerianae radix)
Valerianae radixBaldrianwurzelStammpflanze: Valeriana officinalis L. (Echter Baldrian), Valerianaceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl mit Mono- und Sesquiterpenen (Valerianol, Valeranon), schwer flüchtige Sesquiterpensäuren (Valerensäuren), Valepotriate (bzw. deren Abbauprodukte in Zubereitungen). Hydrophile Lignane (Olivilderivate), gelten nach neueren Untersuchungen als wichtigste Inhaltsstoffe. Phenolcarbonsäuren, Aminosäuren (Alanin, Gammaaminobuttersäure).
Wirkungen: beruhigend, die Schlafbereitschaft fördernd (Beeinflussung von GABA- und Benzodiazepin-Rezeptoren durch ätherisches Öl, Valerensäuren, Konzentrationserhöhung der GABA im synaptischen Spalt), schlafanstoßend über eine agonistische Aktivität am Adenosin-1-Rezeptor (Lignane), konzentrations- und leistungsfördernd, Verbesserung der Schlafqualität, Verbesserung der Tagesbefindlichkeit, spasmolytisch, muskelrelaxierend.
Indikationen: Unruhezustände, nervöse bedingte Einschlafstörungen.
Erfahrungsheilkunde: adjuvant bei Gastritis, nervösem Reizmagen oder Magenkrämpfen, adjuvant bei Reizblase, Enuresis nocturna.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: 2–3 g Droge bzw. ½–1 TL (1–3 ml) Tinktur mehrmals tgl., äußere Anwendung: 100 g Droge für ein Vollbad. Dosierung als Tagessedativa 45–125 mg Extrakt (entsprechend 200–560 mg Droge), Nachtsedativa bis 500 mg Extrakt (entsprechend 2–3 g Droge). Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), ein- bis mehrmals tgl. und vor dem Schlafengehen 1 Tasse frisch bereiteten Tee trinken, in Form stand. Extrakte. Lignane mit agonistischer Wirkung am Adenosin-1-Rezeptor sind in methanolischen Extrakten in höheren Konzentrationen enthalten.

Cave

Paradoxe Reaktionen sind v.a. bei der traditionellen Anwendung von Baldriantinktur in zu geringer Dosierung (traditionell 10–20 Tr. auf einem Stück Zucker) möglich.

Beinwellwurzel/-blätter/-kraut (Symphyti radix/folium/herba)
Symphyti radix/folium/herbaBeinwellwurzel/-blätter/-krautStammpflanze: Symphytum officinale L. (Gemeiner Beinwell), Boraginaceae.
Inhaltsstoffe: Allantoin, reichlich Schleim-Polysaccharide (Fructane), Gerbstoffe, Rosmarinsäure, Cholin, Phenolcarbonsäuren (Salicylsäure, Kaffeesäurederivate). Je nach Herkunft/Anbausorte geringe Mengen bzw. nur Spuren an Pyrrolizidinalkaloiden Wirkungen: antiphlogistisch, abschwellend, Förderung der Hämatomresorption und der Kallus-Bildung, antimitotisch, Förderung der Wundheilung und der Granulation, wundreinigend, Verflüssigung des Wundsekrets, lokal reizmildernd.
Indikationen: Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen (äußere Anwendung).
Studien/Erfahrungsheilkunde: schlecht heilende Knochenbrüche, entzündlich-rheumatische Gelenkbeschwerden, Arthrose, Rückenschmerzen, Sportverletzungen, Muskelkater, Sehnenscheiden- und Schleimbeutelentzündung, Furunkel, Nagelbettentzündung, Thrombophlebitis, Lymphknotenschwellung bei fieberhaftem Infekt Kontraindikationen: Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder unter 2 Jahren (aufgrund der enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide).
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: TD nicht mehr als 100 µg Pyrrolizidinalkaloide (PA) mit 1,2-ungesättigtem Necingerüst einschließlich ihrer N-Oxide.
Anwendung: Nur äußerlich anwenden! Vorzugsweise als PA-freie Zubereitungen in Form halbfester Darreichungsformen für Packungen, als Kataplasma und Umschläge (gute Wärmespeicherung durch die enthaltenen Schleimstoffe).

Cave

Nicht länger als 4–6 Wo./Jahr und nur auf intakter Haut anwenden (Kommission E).

Durch züchterische Maßnahmen oder Spezialverfahren bei der Extraktherstellung können hepatotoxische Pyrrolizidinalkaloide (PA) eliminiert werden. Die Anwendungsbeschränkung ist daher bei neueren PA-freien Phytopharmaka nicht erforderlich.
Benediktenkraut (Cnici benedicti herba)
Cnici benedicti herbaBenediktenkrautStammpflanze: Cnicus benedictus L. (Benediktenkraut), Asteraceae.
Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Lignane, ätherisches Öl, Flavonoide. Bitterwert mind. 800.
Wirkungen: Anregung der Speichel- und Magensaftsekretion, bakteriostatisch.
Indikationen: Appetitlosigkeit, dyspeptische Beschwerden.
Kontraindikationen: Allergie gegenüber Benediktenkraut und anderen Korbblütlern (Arnika, Beifuß, Kamille, Ringelblume, Schafgarbe).
Nebenwirkungen: allergische Reaktionen möglich.
Dosierung: mittlere TD 4 – 6 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss und andere bitter schmeckende Zubereitungen einsetzen.
Besenginsterkraut (Cytisi [syn. Sarothamni] scoparii herba)
Cytisi scoparii herbaBesenginsterkrautStammpflanze: Cytisus scoparius (L.) Link syn. Sarothamnus scoparius (L.) Wimm. ex W. D. J. Koch (Besenginster), Fabaceae.
Inhaltsstoffe: Chinolizidinalkaloide (Hauptalkaloid Spartein bis zu 98% des Gesamtalkaloidgehalts), Flavonoide, Isoflavone (Genistein, Sarothamnosid), Spuren an biogenen Aminen, Cumarine.
Wirkungen: antiarrhytmisch, Verminderung einer gesteigerten Erregbarkeit des Reizleitungssystems, leicht negativ inotrop, Erhöhung des venösen Drucks. Spartein wirkt sympathomimetisch, vasokonstriktorisch und blutdruckerhöhend, erregend auf die Muskulatur von Darm und Uterus und steigert die Diurese.
Indikationen: funktionelle Herz- und Kreislaufbeschwerden.
Erfahrungsheilkunde: leichte Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche mit verlangsamtem Puls, leichte Angina-pectoris-Anfälle, Kreislaufregulationsstörungen, niedriger Blutdruck.
Kontraindikationen: keine bekannt. Vorsichtshalber nicht bei Hypertonie und in der Schwangerschaft.
Nebenwirkungen: vereinzelt Kopfschmerzen, Schwindel, Mydriasis.
Wechselwirkungen: bei gleichzeitiger Behandlung mit MAO-Hemmstoffen kann es aufgrund des Tyramingehalts der Droge zu einer Blutdruckkrise kommen.
Dosierung: TD 1–1,5 g Droge in wässrig-ethanolischen Auszügen (Zubereitungen mit max. 1 mg/ml Spartein).
Anwendung: Aufgrund der geringen therapeutischen Breite nur in Form stand. Extrakte einsetzen.
Birkenblätter /-kork (Betulae folium/cortex)
Birkenblätter /-korkBetulae folium/cortexStammpflanze: Betula pendula Roth (Hänge-Birke) und Betula pubescens Erhart (Moor-Birke), Betulaceae.
Inhaltsstoffe: Flavonoide (Hyperosid), Phenolcarbonsäuren, Triterpenverbindungen (Betuline: Betulin-, Oleanol- und Ursolsäure v. a. im Birkenkork), Gerbstoffe, ätherisches Öl.
Wirkungen: diuretisch (aquaretisch), Hemmung von Metallopeptidasen. Birkenkork (äußerlich): antiphlogistisch, wundheilungsfördernd, juckreizmildernd, epithelregenerierend, antimikrobiell.
Indikationen: Steigerung der Harnausscheidung, zur Durchspülungstherapie bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und bei Nierengrieß, adjuvant bei rheumatischen Beschwerden.
Erfahrungsheilkunde: zur Förderung der Ausscheidung bei Gicht, Rheuma, als Haartonikum bei Haarausfall.
Studien – Birkenkork: aktinische Keratose, Epidermisschäden, Psoriasis.
Kontraindikationen: keine Durchspülungstherapie bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: mittlere TD 6–10 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), mehrmals tgl. 1 Tasse frisch bereiteten Tee zwischen den Mahlzeiten trinken. Bei Durchspülungstherapie auf reichliche Flüssigkeitszufuhr von mind. 2 l/Tag achten! Birkenkork wird in der Dermatologie als emulgatorfreies Oleogel verwendet.
Bittersüßstängel (Dulcamarae stipes)
Dulcamarae stipitesBittersüßstängelStammpflanze: Solanum dulcamara L. (Bittersüßer Nachtschatten), Solanaceae.
Inhaltsstoffe: Steroidalkaloidglykoside (Solasodin, Soladulcidin), Steroidsaponine, Gerbstoffe.
Wirkungen: adstringierend, antiphlogistisch (kortisonähnlich: Solasodin), juckreizstillend, antiallergisch, immunmodulierend, antimikrobiell, antimykotisch, anticholinerg (Steroidalkaloide), sekretionshemmend, gewebeverdichtend.
Indikationen: adjuvant bei chron. Ekzem.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung:
  • Innere Anwendung: TD 1–3 g Droge, Zubereitungen entsprechend

  • Äußere Anwendung: 1–2 g Droge auf ca. 250 ml Wasser als Aufguss oder Abkochung bzw. Extrakt

Anwendung: Einzusetzen in Form standardisierter Extrakte mit einem Mindestgehalt an Steroidsaponinen.

Cave

Grüne, unreife Beeren sind aufgrund hoher Konzentration an Steroidalkaloiden giftig, v. a. für Kinder (30–40 Beeren können tödlich sein). Die Alkaloidkonzentration nimmt mit der Reifung ab; rote, reife Beeren sind nahezu alkaloidfrei und ungiftig.

Boldoblätter (Boldo folium)
Boldo foliumBoldoblätterStammpflanze: Peumus boldus Molina (Boldostrauch), Monimiaceae.
Inhaltsstoffe: Isochinolinalkaloide (Boldin), Flavonide, ätherisches Öl (Ascaridol).
Wirkungen: spasmolytisch, choleretisch, cholekinetisch, Steigerung der Magensaftsekretion, antiphlogistisch, antioxidativ.
Indikationen: leichte krampfartige Magen-Darm-Beschwerden, dyspeptische Beschwerden (v. a. funktionelle Störungen der Gallenwege durch einen Mangel an Gallenflüssigkeit).
Kontraindikationen: Verschluss der Gallenwege, schwere Lebererkrankungen, Schwangerschaft. Bei Gallensteinleiden nur nach Rücksprache mit dem Arzt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: mittlere TD 3 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Vorzugsweise in Form stand. Extrakte anwenden.

Cave

Durch den Gehalt an Askaridol mit neurotoxischer Wirkung dürfen das reine ätherische Öl und Destillate aus Boldoblättern nicht verwendet werden.

Borretschsamenöl (Boraginis oleum)
Oleum boraginis semenBorretschsamenölStammpflanze: Borago officinalis L. (Borretsch, Gurkenkraut), Boraginaceae.
Inhaltsstoffe: langkettige, essenzielle ungesättigte Fettsäuren (Linolsäure, γ-Linolensäure).
Wirkungen: antiphlogistisch, immunmodulierend, Ausgleich des Mangels an δ-6-Desaturase (Bedeutung in der Pathogenese der Neurodermitis). Linolsäure und γ-Linolensäure sind Vorstufen der Arachidonsäure, aus der Prostaglandine und Leukotriene gebildet werden.
Indikationen (Studien): Neurodermitis (innere und äußere Anwendung).
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: therapeutische Dosis ab 240–320 mg γ-Linolensäure/Tag, sichtbare Wirkung frühestens nach 4–12 Wo.
Anwendung: Innerlich in Form von Weichgelatinekapseln, äußerlich direkt als fettes Öl, in Salbenzubereitungen, in Hautpflegeprodukten einsetzen.
Brennnesselkraut/-blätter (Urticae herba/folium)
Urticae herba/foliumBrennnesselkraut/-blätterStammpflanze: Urtica dioica L. (Große Brennnessel), Urtica urens L. (kleine Brennnessel), Urticaceae.
Inhaltsstoffe: Flavonoide, ungesättigte Fettsäuren, Caffeoylchinasäuren, Mineralstoffe, v. a. Kalzium- und Kaliumsalze, Kieselsäure, in den Brennhaaren biogene Amine (Histamin, Serotonin, Acetylcholin) und Ameisensäure.
Wirkungen: diuretisch (aquaretisch), antiphlogistisch (Hemmung der Leukotrien- und Prostaglandinsynthese, Hemmung der 5-α-Lipoxygenase und Cyclooxygenase), Reduzierung der Freisetzung von proinflammatorischen Zytokinen, immunmodulierend.
Indikationen:
  • Adjuvant bei leichten rheumatischen Gelenkbeschwerden (innere und äußere Anwendung)

  • Förderung der Ausscheidung bei entzündlichen Harnwegserkrankungen, zur Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, vorbeugend bei Nierengrieß (innere Anwendung)

Studien/Erfahrungsheilkunde: Arthrose, Polyarthritis (als stand. Extrakt), zur Pflege der Kopfhaut und Haare, gegen Kopfschuppen.
Kontraindikationen: Ödeme infolge eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit (Durchspülungstherapie).
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: mittlere TD 8–12 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung:
  • Innere Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), tgl. 3–4-mal 1 Tasse frisch zubereiteten Tee trinken. Bei Durchspülungstherapie auf zusätzlich reichliche Flüssigkeitszufuhr von mind. 2 l/Tag achten! Bei rheumatischen Erkrankungen zur Hemmung der Prostaglandinsynthese und der Zytokinexpression Anwendung als stand. Extrakt erforderlich.

  • Äußere Anwendung: Bei rheumatischen Beschwerden (Erfahrungsheilkunde) mit Brennnesselspiritus einreiben oder schmerzende Stellen mit frischer, ganzer Pflanze einreiben („peitschen“).

Brennnesselwurzel (Urticae radix)
Urticae radixBrennnesselwurzelStammpflanze: Urtica dioica L. (große Brennnessel), Urtica urens L. (kleine Brennnessel), Urticaceae.
Inhaltsstoffe: δ-5-Sterole, Phytosterole (3-β-Sitosterin) glykosidisch gebunden und in freier Form, Fettsäuren, Lignane, Cumarine (Scopoletin), Triterpenderivate, Lektine, Polysaccharide (Arabinogalactane).
Wirkungen: antiphlogistisch, antikongestiv, immunmodulierend, Erhöhung des Miktionsvolumens, Erhöhung des max. Harnflusses, Erniedrigung der Restharnmenge, Hemmung der Aromatase, Hemmung der 5-α-Reduktase.
Indikationen: Miktionsbeschwerden bei BPHStad. I–II (nach Alken).
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: gelegentlich leichte Magen-Darm-Beschwerden.
Dosierung: TD 4–6 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Für die Indikation BPH nur in Form stand. wässrig-methanolischer, polarer Extrakte mit ausreichender Konzentration an Lektinen und Polysacchariden geeignet.

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Brennnesselwurzel bessert irritative und obstruktive Beschwerden einer vergrößerten Prostata, ohne die Vergrößerung zu beheben. Regelmäßige ärztliche Kontrolle!

Buchweizenkraut (Fagopyri herba)
Fagopyri herbaBuchweizenkrautStammpflanze: Fagopyrum esculentum Moench (Echter Buchweizen), Polygonaceae.
Inhaltsstoffe: Flavonoide (Rutin), Kaffesäurederivate, Phenylcarbonsäurederivate, geringe Mengen Fagopyrin.
Wirkungen: kappillarabdichtend, Hemmung der Hyaluronidase (Rutin), Verbesserung der Mikrozirkulation und des Flüssigkeits- und Stoffaustauschs in Kapillaren und Venolen, antioxidativ.
Indikationen (Studien/Erfahrungsheilkunde): chronisch-venöse Insuffizienz Stad. I–II, Krampfadern, Mikrozirkulationsstörungen, Frostbeulen, Hämorrhoiden, Arterioskleroseprophylaxe.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: sehr selten Kopfschmerzen, Fotosensibilisierung bei intensiver Sonnenbestrahlung möglich (nur bei fagopyrinreichen Zubereitungen).
Dosierung: TD bis 6 g Droge, entsprechend mind. 150 mg Rutin.
Anwendung: als Teeaufguss, tgl. 3-mal 1 Tasse. Empfohlen wird die Anwendung in Form stand. Extrakte mit mindestens 150 mg Rutin und geringem Anteil an Fagopyrin, Tee aus Buchweizenkraut nur unterstützend.
Cayennepfefferfrüchte (Capsici fructus acer)
CayennepfefferfrüchteCapsici fructus acerStammpflanze: Capsicum annuum L. var. minimum (Mill.) Heiser, kleinfruchtige Varietäten von Capsicum frutescens L. (Cayennepfeffer syn. Scharfer Paprika), Solanaceae.
Inhaltsstoffe: Capsaicinoide (Capsaicin), Carotinoide, Flavonoide, Steroidsaponine, fettes Öl, Vitamin C.
Wirkungen: lokal hyperämisierend, lokal analgetisch (Entspeicherung von Neuropeptiden, Ausschüttung und Wiederaufnahmehemmung von Substanz P, „Counter irritant Effekt“), antiphlogistisch, kortisonähnlich, juckreizlindernd.
Indikationen: äußerlich bei Muskelschmerzen (z. B. Rückenschmerzen), schmerzhafter Muskelhartspann im Schulter-Arm-Bereich sowie im Bereich der Wirbelsäule bei Erwachsenen und Schulkindern.
Studien/Erfahrungsheilkunde: Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, Arthrose, Nervenschmerzen, diabetische Polyneuropathie, Postzosterneuralgie, Pruritus, Psoriasis vulgaris.
Kontraindikationen: Anwendung auf geschädigter oder entzündeter Haut und Schleimhäuten, Überempfindlichkeit gegen Paprikazubereitungen.
Nebenwirkungen: in seltenen Fällen Überempfindlichkeitsreaktionen (urtikarielles Exanthem). Bei längerer Anwendung am gleichen Applikationsort Schädigung sensibler Nerven, pustulöse Dermatitis bis hin zur Bläschen- und Geschwürbildung möglich.
Wechselwirkungen: keine zusätzliche Wärmeanwendung.
Dosierung: in halbfesten Zubereitungen entsprechend 0,02–0,05% Capsacinoide, in flüssigen Zubereitungen entspr. 0,005–0,01% Capsacinoide, in Pflastern entsprechend 10–40 µg Capsacinoide/cm2.
Anwendung: Nicht länger als 2 Tage einsetzen, vor erneuter Anwendung am gleichen Applikationsort Abstand von 14 Tagen einhalten (Monografie-Empfehlung aufgrund Schädigung sensibler Nerven bei längerer Anwendung am gleichen Applikationsort). Neuere Studien über 4–9 Wo. zeigen keine irreversible Neurotoxizität. Nebenwirkungen offensichtlich nur bei Dosierung über 0,075% sowie bei Pflastern und Okklusivverbänden.

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Kontakt mit Schleimhäuten und Augen vermeiden.

Cimicifugawurzelstock (Cimicifugae rhizoma)
CimicifugawurzelstockCimicifugae racemosae rhizomaStammpflanze: Actaea racemosa L. syn. Cimicifuga racemosa (L.) Nuttal (Traubensilberkerze), Ranunculaceae.
Inhaltsstoffe: Triterpenglykoside (Actein, Cimicifugosid), Phenolcarbonsäuren, Flavonoide, Harze, Bitterstoffe, Salicylsäure, geringe Mengen Gerbstoffe, Stärke. Das Vorkommen des Isoflavons Formononetin ist nicht bestätigt.
Wirkungen: postuliert wurde eine organselektive Bindung an Östrogenrezeptoren („Phyto-SERM“), daher keine Stimulierung der Proliferation von Brust- und Uterusgewebe, heute steht die dopaminerge und serotonerge Wirkung im Vordergrund. Östrogenartig, Senkung der pulsatilen LH-Sekretion, Hemmung der Aktivität des Thermoregulationszentrums im Hypothalamus, ostoeprotektiv (Stimulierung von Osteoblasten).
Indikationen: prämenstruelle und dysmenorrhoische sowie klimakterisch bedingte neurovegetative Beschwerden (Hitzewallungen, Schweißausbrüche), klimakterisch bedingte Schlafstörungen, leichte Inkontinenz (durch Östrogenmangel im Klimakterium).
Kontraindikationen: keine bekannt (Kommission E), engmaschige Kontrolle bei Patientinnen mit Mammakarzinom (ethanolischer Extrakt). Die aus theoretischen Überlegungen in die Fachinformationen zugelassener Phytopharmaka basierend auf einem ethanolischen Extrakt aufgenommene Kontraindikation „östrogensensitive Tumoren“ leitet sich aus einer Untersuchung an Zelllinien aus den 1980er-Jahren ab, eine proliferationsfördernde Wirkung auf Brustgewebe und Endometrium kann aufgrund neuer Studiendaten ausgeschlossen werden.
Anwendungsbeschränkung: Bei Patienteninnen mit vorgeschädigter Leber ist bei Zeichen einer Leberschädigung (Ikterus, dunkler Urin, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Appetitverlust, Müdigkeit) die Therapie zu beenden.
Nebenwirkungen: gelegentlich Magenbeschwerden, allergische Reaktionen der Haut, Gewichtszunahme, Spannungsgefühl in den Brüsten, in sehr seltenen Fällen hepatotoxische Wirkungen.
Dosierung: TD Auszüge mit Ethanol 40–60% (V/V) oder Isopropanol 40% (V/V) entsprechend 40 mg Droge.
Anwendung: nur in Form stand. Extrakte.
Behandlungsdauer: Ab dem Einsetzen unregelmäßiger Blutungen länger dauernde Therapie möglich. Kontrolluntersuchungen im Abstand von 6 Mon.
Curcumawurzelstock (Curcumae longae rhizoma)
CurcumawurzelstockCurcumae longae rhizomaStammpflanze: Curcuma longa L., syn. Curcuma domestica Valeton (Gelbwurz), Zingiberaceae.
Inhaltsstoffe: Dicinnamoylmethan-Derivate (Curcuminoide I-III: Curcumin, Mono- und Bis-desmethoxycurcumin), ätherisches Öl, Ferulasäure, Kaffeesäurederivate, Stärke (verkleistert).
Wirkungen: choleretisch, cholekinetisch, antiphlogistisch, spasmolytisch, antioxidativ, Radikalfängereigenschaften, hepatoprotektiv, antiviral.
Indikationen: dyspeptische Beschwerden mit Druck- und Völlegefühl, Flatulenz, zur Anregung der Gallensekretion.
Kontraindikationen: Verschluss der Gallenwege. Bei Gallensteinleiden nur nach Rücksprache mit dem Arzt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: mittlere TD 1,5–3 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: als Teeaufguss (6.1.2). Bei Reizdarmsyndrom/Dyspepsie und funktionellen Störungen der Gallenwege wird die Einnahme als stand. Extrakt empfohlen.
Echinacea-pallida-Wurzel (Echinaceae pallidae radix)
Echinacea-pallida-WurzelEchinaceae pallidae radixStammpflanze: Echinacea pallida Nutt (Blasse Kegelblume, Schmalblättriger Sonnenhut), Asteraceae.
Inhaltsstoffe: Kaffeesäurederivate (Echinacosid), Ketoalkene, Ketoalkenine, Polysaccharide (ArabinogalactaneArabinogalactane), ätherisches Öl.
Wirkungen: Erhöhung der Granulozyten- und Makrophagenaktivität, Aktivierung der Phagozytoseleistung, immunmodulierend, antiviral, entzündungshemmend, Radikalfängereigenschaften.
Indikationen: zur unterstützenden Behandlung von grippalen Infekten.
Kontraindikationen: progrediente Systemerkrankungen (Tuberkulose, Leukosen, Kollagenosen, multiple Sklerose, AIDS-Erkrankung, HIV-Infektion), Autoimmunerkrankungen, bekannte Allergie gegenüber Korbblütlern.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: TD Tinktur (1 : 5) mit 50% Ethanol entsprechend 900 mg Droge.
Anwendung: nur als ethanolischer Extrakt/Tinktur bzw. in Form stand. Phytopharmaka
Anwendungsdauer: lt. Kommission E (1992) Einnahme nicht länger als 8 Wo. Empfohlen wird zur Prophylaxe eine Intervalltherapie von ca. 1 Wo. Einnahme mit anschließender 1–2-wöchiger Pause, danach Wiederholung, insgesamt nicht länger als 4–6 Wo. Im akuten Krankheitsfall Einnahme 5–7 Tage.

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Nach aktuellen Auflagen des BfArM nicht länger als 2 Wo. einnehmen, anschließend eine Pause von 2 Wo. einlegen.

Efeublätter (Hederae folium)
Hederae helicis foliumEfeublätterStammpflanze: Hedera helix L. (Efeu), Araliaceae.
Inhaltsstoffe: Triterpensaponine, (Hederacosid C, Vorstufe des aktiven α-Hederin), Flavonoide (Rutin), Kaffeesäurederivate.
Wirkungen: expektorierend, sekretolytisch (Vagusreizung, gastropulmonaler Reflex, indirekte β-adrenerge Wirkung von α-Hederin (Verhinderung der Internalisierung der β-Rezeptoren der Bronchialschleimhaut mit Bronchialerweiterung und vermehrter Bildung von Surfactant), spasmolytisch, haut- und schleimhautreizend, antimikrobiell, antimykotisch, antiphlogistisch.
Indikationen: Expektorans bei produktivem Husten, Katarrhe der Luftwege, symptomatische Behandlung chronisch entzündlicher Bronchialerkrankungen.
Studien: Reizhusten, krampfartiger Husten, adjuvant bei Pertussis.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: Frische Blätter, Blattsaft: in Einzelfällen (v. a. in höherer Dosierung) lokale Schleimhautreizungen, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Benommenheit, Tachykardie.
Dosierung: mittlere TD 0,3 g Droge.
Anwendung: nur in Form stand. Extrakte, wegen der geringen Dosierung nicht zur Bereitung eines Teeaufgusses geeignet!
Eibischwurzel/-blätter (Althaeae radix/folium)
Eibischwurzel/-blätterAlthaeae radix/foliumStammpflanze: Althaea officinalis L. (Echter Eibisch), Malvaceae.
Inhaltsstoffe: Schleimstoffe, Stärke, Pektine, in den Blättern zusätzlich ätherisches Öl, Flavonoide.
Wirkungen: reizlindernd, Hemmung der mukoziliären Aktivität, immunmodulierend, Steigerung der Phagozytose, schleimhautschützend, antiphlogistisch.
Indikationen: Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum, trockener Reizhusten, leichte Entzündungen der Magenschleimhaut.
Erfahrungsheilkunde: äußerlich zu erweichenden Umschlägen, Bädern und Kataplasmen bei Abszessen, Furunkeln, Entzündungen der Haut.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Wechselwirkungen: Resorption gleichzeitig eingenommener Arzneimittel kann verzögert werden (Schleimstoffe).
Dosierung: TD 6 g Eibischwurzel bzw. 5 g Eibischblätter, Zubereitungen entsprechend. Eibischsirup ED 10 g.
Anwendung: Als Kaltauszug (Eibischwurzel) oder Teeaufguss (Eibischblätter 6.1.2), mehrmals tgl. 1 Tasse trinken.
Eichenrinde (Quercus cortex)
Quercus cortexEichenrindeStammpflanze: Quercus robur L. (Stiel- oder Sommereiche), Quercus petraea (Mattuschka) Lieblein (Stein- oder Wintereiche), Fagaceae.
Inhaltsstoffe: Catechin-Gerbstoffe (8–20%), Flavonoide (Quercetin-Derivate), Gallussäure, Triterpene.
Wirkungen: adstringierend, virustatisch, antiphlogistisch, sekretionshemmend, gewebeverdichtend, juckreizlindernd, mild oberflächenanästhesierend.
Indikationen:
  • Innere Anwendung: unspezifische, akute Durchfallerkrankungen

  • Äußere Anwendung: entzündliche Hauterkrankungen. lokale Behandlung leichter Entzündungen im Mund- und Rachenbereich sowie im Genital- und Analbereich

Erfahrungsheilkunde: vermehrte Fußschweißsekretion, Frostbeulen.
Kontraindikationen: äußere Anwendung – großflächige Hautschäden.
Vollbäder: nicht anwenden bei nässenden, großflächigen Ekzemen und Hautverletzungen, fieberhaften und infektiösen Erkrankungen, Herzinsuffizienz Stadium III und IV (NYHA), Hypertonie Stadium IV (WHO).
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Wechselwirkungen: bei innerer Anwendung verringerte oder verhinderte Resorption von Alkaloiden und anderen basischen Arzneistoffen möglich.
Dosierung:
  • Innere Anwendung: TD 3 g Droge

  • Spülungen, Umschläge und Gurgellösungen: 20 g Droge auf 1 l Wasser

  • Voll- und Teilbäder: 5 g Droge auf 1 l Wasser

Anwendung: Für Gurgel- und Spüllösungen 2 EL Eichenrinde in 500 ml Wasser, für Teilbäder 500 g in 4–5 l Wasser 15–20 Min. kochen und anschließend abgießen. Bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum mehrmals tgl. mit der unverdünnten Abkochung gurgeln. Sitz- oder Fußbäder bei 37 °C 15–20 Min. 2-mal tgl. Nicht länger als 2–3 Wo. anwenden (stark gerbende und austrocknende Wirkung).

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Bei Durchfällen, die länger als 3–4 Tage andauern, einen Arzt aufsuchen.

Enzianwurzel (Gentianae radix)
Gentianae radixEnzianwurzelStammpflanze: Gentiana lutea L. (Gelber Enzian), Gentianaceae.
Inhaltsstoffe: Bitterstoffe (Amarogentin, Gentiopikrosid). Bitterwert mind. 10.000.
Wirkungen: Anregung der Speichel- und Magensaftsekretion (reflektorisch), Steigerung der Bronchialsekretmenge, appetitanregend, motilitätssteigernd auf Darm und Pankreas, choleretisch, tonisierend, roborierend, immunmodulierend.
Indikationen: Appetitlosigkeit, dyspeptische Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen.
Erfahrungsheilkunde: funktionelle Verdauungsschwäche, v.a. in der Rekonvaleszenz, Atonie, Anorexia nervosa, Subazidität des Magens.
Kontraindikationen: Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre.
Nebenwirkungen: gelegentlich Kopfschmerzen (bei besonders empfindlichen Personen).
Dosierung: TD 2–4 g Droge, 1–3 g Tinktur, 2–4 g Fluidextrakt.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), tgl. 2–4-mal 1 Tasse kalt oder mäßig warm ½ Std. vor den Mahlzeiten trinken.

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Der Genuss der frischen Enzianwurzel kann heftige Übelkeit und rauschartige Zustände auslösen, nur die getrocknete Droge verwenden!

Erdrauchkraut (Fumariae herba)
Fumariae herbaErdrauchkrautStammpflanze: Fumaria officinalis L. (Gemeiner Erdrauch), Fumariaceae.
Inhaltsstoff: Benzylisochinolinalkaloide, Flavonglykoside, Kaffeesäurederivate, Pflanzensäuren (Fumarsäure), Schleimstoffe, Cholin.
Wirkungen: leicht spasmolytisch am oberen Verdauungstrakt, antiphlogistisch, cholekinetisch.
Indikationen: zur Anregung der Gallensekretion bei Verdauungsschwäche mit Druck- und Völlegefühl, Flatulenz, krampfartige Beschwerden im Bereich der Gallenblase und der Gallenwege sowie im Gastrointestinaltrakt.
Kontraindikationen: Akute Cholezystitis, Gallenblasen- und Gallengangssteine.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: mittlere TD 6 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Empfohlen wird die Einnahme in Form stand. Extrakte.
Eukalyptusblätter (Eucalypti folium)
EukalyptusblätterEucalypti foliumStammpflanze: Eucalyptus globulus Labill. (Gewöhnlicher Fieberbaum) und andere Eucalyptusarten, Myrtaceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (70–85% Cineol), Gerbstoffe, Flavonoide.
Wirkungen: sekretomotorisch, expektorierend, schwach spasmolytisch.
Indikationen: Erkältungskrankheiten der oberen Luftwege, Bronchitis.
Studien (Cineol): akute und chronische Bronchitis, Asthma bronchiale, Sinusitis.
Kontraindikationen: entzündliche Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich, im Bereich der Gallenwege, schwere Lebererkrankungen (innere Anwendung). Bei Säuglingen und Kleinkindern Eukalyptuszubereitungen nicht im Bereich des Gesichts, speziell der Nase auftragen (Kratschmer-Reflex).
Nebenwirkungen: bei innerer Anwendung selten Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.
Wechselwirkungen: Cineol: Induktion des arzneistoffabbauenden Enzymsystems in der Leber. Die Wirkung anderer Arzneimittel kann abgeschwächt und/oder verkürzt werden, wurde bei bestimmungsgemäßer Anwendung bisher jedoch nicht beobachtet.
Dosierung:
  • Innere Anwendung: mittlere TD 4–6 g Droge, 3–9 g Tinktur, Eukalyptusöl mittlere TD 0,3–0,6 g

  • Äußere Anwendung: 5–20-prozentig in öligen und halbfesten Zubereitungen, 5–10-prozentig in wässrig-ethanolischen Zubereitungen

Anwendung: Als Teeaufguss, als Badezusatz oder zur Inhalation, in Form von Salbenzubereitungen zum Einreiben oder zur Inhalation einsetzen.
Faulbaumrinde (Frangulae cortex)
Frangulae cortexFaulbaumrindeStammpflanze: Rhamnus frangula L. syn. Frangula alnus Miller (Faulbaum), Rhamnaceae.
Inhaltsstoffe: Anthranoide: Glucofranguline A und B (die Rinde sollte mind. 7% Hydroxyanthracenderivate berechnet als Glucofrangulin A enthalten), Gerbstoffe.
Wirkungen: laxierend, hydragog und antiabsorbtiv (Erhöhung der aktiven Chloridsekretion, Einstrom von Elektrolyten und Wasser in das Darmlumen, Volumenzunahme und Erhöhung des Füllungsdrucks). Glucofranguline werden im oberen Gastrointestinaltrakt nicht resorbiert, sondern im Dickdarm durch β-Glucosidasen zu aktiven Emodin-Anthronen metabolisiert.
Indikationen: kurzfristige Behandlung der Obstipation.
Erfahrungsheilkunde: Erkrankungen, bei denen eine leichte Darmentleerung mit weichem Stuhl erwünscht ist, z. B. Analfissuren, Hämorrhoiden, nach operativen Eingriffen.
Kontraindikationen: Ileus, akut-entzündliche Darmerkrankungen (M. Crohn, Colitis ulcerosa, Appendizitis), abdominelle Schmerzen unbekannter Ursache, Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder unter 12 Jahren.
Nebenwirkungen: in Einzelfällen krampfartige Magen-Darm-Beschwerden. Bei längerer Anwendung Störungen im Elektrolyt- und Wasserhaushalt, Hypokaliämie (Verstärkung der Obstipation, Muskelschwäche, Erhöhung der Digitalisempfindlichkeit!), Pseudomelanosis coli (reversible Pigmenteinlagerungen in der Darmschleimhaut, bildet sich nach Absetzen innerhalb von 6–10 Mon. zurück).
Wechselwirkungen: bei Langzeitanwendung durch Kaliummangel Verstärkung der Wirkung von Herzglykosiden und Wirkungsbeeinflussung von Antiarrhythmika. Kaliumverluste können durch gleichzeitige Einnahme von (Thiazid)-Diuretika, Nebennierenrindenhormonen und Süßholzwurzel verstärkt werden.
Dosierung: TD 20–30 mg Hydroxyanthracenderivate, berechnet als Glucofrangulin A. Diese Dosierung wird mit einer Tasse Teeaufguss aus 0,5 g Faulbaumrinde erreicht. Die individuell richtige Dosis ist die geringste, die erforderlich ist, um einen weich geformten Stuhl zu erhalten. Die Darreichungsform sollte auch eine geringere Dosierung als die übliche TD erlauben.
Anwendung: Als Teeaufguss, Abkochung, Kaltmazerat (6.1.2) einsetzen, abends vor dem Schlafengehen 1 Tasse frisch bereiteten Tee trinken. Wirkungseintritt nach ca. 8–10 Std.

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  • Faulbaumrinde muss vor Verwendung mind. 1 Jahr gelagert werden (enthält darmschleimhautreizende Anthrone). Frische Rinde kann starkes Erbrechen und Krämpfe auslösen.

  • Stimulierende, die Darmschleimhaut reizende Abführmittel dürfen ohne ärztlichen Rat nicht länger als 1–2 Wo. eingenommen werden.

Fenchelfrüchte (Foeniculi fructus)
Foeniculi fructusFenchelfrüchteStammpflanze: Foeniculum vulgare Mill. ssp. vulgare var. vulgare (Bitterer Fenchel), Foeniculum vulgare Mill. ssp. vulgare var. dulce (Mill.) (Süßer Fenchel), Apiaceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (trans-Anethol, Fenchon), fettes Öl, Proteine, Flavonoide. Beide Varietäten unterscheiden sich in der Zusammensetzung des ätherischen Öls. Süßer Fenchel hat einen höheren Anteil (mind. 80 %) trans-Anethol mit leicht süßem Geschmack und einen niedrigeren Anteil Fenchon, das leicht bitter schmeckt.
Wirkungen: Förderung der Magen-Darm-Motilität, sekretions- und appetitanregend, spasmolytisch, karminativ, sekretolytisch, Erhöhung der mukoziliären Aktivität, antimikrobiell.
Indikationen: dyspeptische Beschwerden, leichte krampfartige Magen-Darm-Beschwerden, Völlegefühl, Blähungen, als Expektorans bei Erkältungskrankheiten (Fenchelhonig/-sirup bei Kindern).
Erfahrungsheilkunde: Appetitlosigkeit, Säuglingsdyspepsie mit Durchfall, Förderung der Laktation, äußerlich als Augenwasser bei Ermüdungserscheinungen der Augen.
Kontraindikationen: Teezubereitung keine bekannt, andere Zubereitungen (reines Fenchelöl) – Schwangerschaft, Säuglinge, Kleinkinder.
Nebenwirkungen: in Einzelfällen allergische Reaktionen der Haut und Atemwege.
Dosierung: TD 5–7 g Droge, 10–20 g Fenchelsirup oder -honig.
Anwendung: Fenchelfrüchte erst kurz vor Verwendung anstoßen, als Teeaufguss (6.1.2), tgl. 2–3-mal 1 Tasse frisch bereiteten Teeaufguss warm zwischen den Mahlzeiten trinken. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann der Teeaufguss auch zum Verdünnen von Milch oder Breinahrung verwendet werden.
Flohsamen (Psyllii semen)
Psyllii semenFlohsamenStammpflanze: Plantago afra L. syn. Plantago psyllium L., (Flohsamenwegerich) und Plantago indica L. syn. Plantago arenaria Waldstein et Kitaibel (Sandwegerich), Plantaginaceae.
Inhaltsstoffe: unverdauliche Schleimstoffe (in der Epidermis der Samenschale), Quellungszahl mind. 10, fettes Öl, Proteine, geringe Mengen an Iridoidglykosiden, Phenylpropanderivaten (Acteosid).
Wirkungen: regulierend auf die Darmperistaltik (als Quell- und Füllmittel), antiphlogistisch, reizlindernd, lipidsenkend, Senkung des Blutzuckerspiegels (experimentell).
Indikationen: habituelle Obstipation, Colon irritabile, Erkrankungen, bei denen eine leichte Defäkation erwünscht ist (Hämorrhoiden, Analfissuren).
Studien/Erfahrungsheilkunde: unspezifische und entzündliche Durchfälle, Reizdarm mit Durchfällen, Divertikulose, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (symptomatisch bei M. Crohn), adjuvant bei Hyperlipidämie und Diabetes, Schleimhautentzündungen im Magen-Darm-Trakt.
Kontraindikationen: Stenosen der Speiseröhre und des Magen-Darm-Trakts, schwer einstellbarer Diabetes mellitus.
Nebenwirkungen: in seltenen Fällen allergische Reaktionen, speziell bei pulverisierter Droge und flüssigen Zubereitungen.
Wechselwirkungen: Resorptionsbeeinflussung anderer Arzneistoffe (Antidiabetika, Cumarine, Herzglykoside) möglich. Abstand von mind. 30–60 Min. einhalten. Bei insulinpflichtigen Diabetikern evtl. Reduzierung der Insulindosis erforderlich!
Dosierung: TD 10–30 g Droge.
Anwendung: mehrmals tgl. 1 TL (ca. 5 g) Flohsamen mit mind. 100 ml Wasser einnehmen, reichlich (1–2 Glas) Flüssigkeit nach trinken. Nicht zusammen mit Milch einnehmen (führt zu keiner Quellung).
Wirkungseintritt: Oft ist eine mehrere Tage lange Einnahme erforderlich.

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Auf gleichzeitige reichliche Flüssigkeitszufuhr mind. Im Verhältnis 1 : 10 achten!

Gänsefingerkraut (Potentillae anserianae herba)
Potentillae anserianae herbaGänsefingerkrautStammpflanze: Potentilla anserina L. syn. Argentina anserina Rydberg Rosaceae.
Inhaltsstoffe: Gerbstoffe (Ellagitannine), Triterpene (Tormentosid), Phytosterole, Flavonoide, Anthocyane, Phenolcarbonsäuren, Cumarine (Umbelliferon).
Wirkungen: adstringierend, spasmolytisch (experimentell).
Indikationen: leichte dysmenorrhoische Beschwerden, adjuvant bei leichten, unspezifischen akuten Durchfallerkrankungen. Leichte Entzündungen im Bereich der Mund- und Rachenschleimhaut.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: Beschwerden bei Reizmagen können verstärkt werden.
Dosierung: TD 4–6 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2) einsetzen, mehrmals tgl. 1 Tasse frisch bereiteten Tee zwischen den Mahlzeiten trinken. Äußerlich: Als Aufguss (mit weiteren gerbstoffhaltigen Drogen) zu Waschungen bei leichten Hautentzündungen, Windeldermatitis.
Gelbwurz, javanische (Curcumae xanthorrhizae rhizoma)
Gelbwurz, javanischeCurcumae xanthorrhizae rhizomaStammpflanze: Curcuma xanthorrhiza Roxb. (Javanische Gelbwurz), Zingiberaceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (Xanthorrhizol, α- und β-Curcumen), Dicinnamoylmethanderivate (Curcuminoide: Curcumin I und II(Monodesmethoxycurcumin), Curcumin III nur in Spuren), Ferulasäure, Kaffeesäurederivate, wenig Stärke (unverkleistert, Unterschied zu Curcuma longa).
Wirkungen: choleretisch, cholekinetisch, antiphlogistisch, antibakteriell, Radikalfängereigenschaften (Curcuminoide, Curcumin), antioxidativ, hepatoprotektiv, antiviral, tumorhemmend (experimentell).
Indikationen: dyspeptische Beschwerden mit Völlegefühl, Flatulenz.
Erfahrungsheilkunde: entzündliche Erkrankungen der Gallenblase und Gallenwege.
Kontraindikationen: Verschluss der Gallenwege, bei Gallensteinleiden nur nach Rücksprache mit dem Arzt.
Nebenwirkungen: bei längerem Gebrauch Magenbeschwerden.
Dosierung: mittlere TD 2 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), Tinktur, bei funktioneller Dyspepsie vorzugsweise als stand. Extrakt einsetzen.
Ginkgoblätter (Ginkgo bilobae folium)
GinkgoblätterGinkgo bilobae foliumStammpflanze: Ginkgo biloba L. (Ginkgobaum syn. Silberbaum, Japanischer Tempelbaum), Ginkgoaceae.
Inhaltsstoffe: Flavonglykoside, Terpenlactone (Ginkgolide), Bilobalid, oligomere Proanthocyanidine, Biflavone, organische Säuren, Ginkgolsäuren. Methylpyridoxin („Ginkgotoxin“) v. a. in den Samen, in den Blättern in geringer Konzentration.

Cave

Methylpyridoxin darf in fertigen Zubereitungen zur Einnahme nicht enthalten sein.

Wirkungen: Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes und der Durchblutung im Bereich der Mikrozirkulation, Hemmung der Thrombozytenaggregation, Antagonismus gegenüber dem plättchenaktivierenden Faktor, Verringerung der Belastung mit reaktiven Sauerstoffradikalen, Neuroprotektion, Schutz der Mitochondrien und Verbesserung des zerebralen Energiestoffwechsels, Erhöhung der Hypoxietoleranz und Schutz vor Ischämiefolgen, protektive und kurative Effekte bei Hirnödemen, Hemmung der Lipidperoxidation, Membranprotektion, Verringerung altersbedingter Neurotransmitterdefizite, Verbesserung von Gedächtnisleistung und Lernvermögen, Verbesserung der Stressadaption, Förderung der Kompensation von Gleichgewichtsstörungen und Verbesserung bei vestibulären Schwindel.
Indikationen: Verbesserung altersbedingter kognitiver Beeinträchtigung und der Lebensqualität bei leichter Demenz, traditionell bei schweren Beinen, kalten Händen und Füßen aufgrund leichter Durchblutungsstörungen.
Die positive Monografie der Kommission E bezieht sich nur auf Spezialextrakte, extrahiert mit Aceton-Wasser, eingestellt auf einen bestimmten Gehalt an Terpenlactonen (5–7%) und Flavonglykosiden (22–27%) mit einem Anteil von ≤ 5 ppm Ginkgolsäuren und nennt folgende Indikationen:
  • Symptomatische Behandlung von hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzepts beim demenziellen Syndrom (Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, depressive Verstimmung, Schwindel, Ohrensausen, Kopfschmerzen). Zur primären Zielgruppe gehören demenzielle Syndrome bei primär degenerativer Demenz, vaskulärer Demenz und Mischformen aus beiden.

  • Verbesserung der schmerzfreien Gehstrecke bei peripherer, arterieller Verschlusskrankheit im Stadium II nach Fontaine (Claudicatio intermittens) im Rahmen physikalisch-therapeutischer Maßnahmen, insbesondere Gehtraining

  • Schwindel

  • Tinnitus (Ohrgeräusche) vaskulärer und involutiver Genese

Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegenüber Ginkgozubereitungen.
Nebenwirkungen: sehr selten leichte Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, allergische Hautreaktionen. Die Einnahme von nicht näher deklarierten Ginkgozubereitungen (z.B. Nahrungsergänzungsmittel) oder von Ginkgosamen (mit Methylpyridoxin) kann zu epileptiformen Krämpfen führen (s.u.).
Wechselwirkungen: Aufgrund der pharmakologischen Wirkungen ist ein Einfluss von Ginkgoblätterextrakten auf die Blutgerinnung denkbar. Obwohl Gerinnungsstörungen in klinischen Studien auch bei gleichzeitiger Einnahme von Acetylsalicylsäure oder Antikoagulanzien (Warfarin) nicht nachgewiesen werden konnten, empfiehlt die Arzneimittelkommission der Bundesärztekammer Ginkgopräparate vor Operationen abzusetzen und die Patienten vor einer Verordnung von Acetylsalicylsäure und anderen gerinnungshemmenden Arzneimittel zu befragen, ob sie in der Selbstmedikation Ginkgoextrakte einnehmen (2.46.2).
Dosierung:
  • Demenzielles Syndrom: 120–240 mg Extrakt/Tag in zwei oder drei Einzeldosen

  • pAVK, Schwindel, Tinnitus: 120–160 mg Extrakt/Tag in zwei oder drei Einzeldosen

Anwendung: nur in Form stand. Extrakte auf der Basis eines Aceton-Wasser-Extrakts mit mind. 24% Flavonglykosiden und mind. 6% Terpenlactonen sowie einem Anteil an Ginkgolsäuren unter 5 ppm.
Anwendungsdauer:
  • Demenzielles Syndrom: Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad des Krankheitsbilds, sie soll mindestens 8 Wo. betragen und ist nach einer Behandlungsdauer von 3 Mon. zu überprüfen.

  • Schwindel, Tinnitus: Die Anwendung über einen längeren Zeitraum als 6–8 Wo. bringt keine therapeutischen Vorteile.

Cave

Im Lebensmittelhandel/Teeläden werden zunehmend Teemischungen angeboten, die Ginkgoblätter enthalten. In diesen Fällen ist nicht gewährleistet, dass die Grenzwerte für potenziell gesundheitsschädliche Ginkgolsäuren mit allergener Potenz eingehalten werden und kein Methylpyridoxin (MPO) enthalten ist. MPO kann möglicherweise über eine Hemmung konkurrierender Enzymsysteme und in Folge der Blockade von Vitamin B6 die Anfallsschwelle bei Epileptikern senken. Aus diesem Grund wurde vorsichtshalber bei Phytopharmaka auf Basis des Ginkgo-Spezialextrakts unter „Anwendungsbeschränkung“ der Hinweis aufgenommen: Epileptiker (Auftreten weiterer Krampfanfälle nicht ausgeschlossen). Von Teezubereitungen oder nicht näher deklarierten Extrakten kann zudem keine arzneiliche Wirksamkeit erwartet werden. Einem aktuellen Gerichtsurteil (2010) entsprechend sind Ginkgoextrakte eindeutig Arzneimittel und keine Lebensmittel, daher ist es nicht erlaubt, Ginkgoblätter in Form von Tee oder Extrakt als Nahrungsergänzungsmittel in den Verkehr zu bringen.

Ginsengwurzel (Ginseng radix)
GinsengwurzelGinseng radixStammpflanze: Panax ginseng, C.A. Mey. (Asiatischer Ginseng), Araliaceae.
Inhaltsstoffe: Ginsenoside (mind. 1,5%), ätherisches Öl, Phytosterole, Peptidoglykane.
Wirkungen: roborierend, tonisierend, adaptogen (Erhöhung der Widerstandsfähigkeit gegenüber chemischen und physikalischen Noxen, Verbesserung der Anpassung an besondere Belastungen, Stimulierung von T-Helfer und B-Lymphozyten), Steigerung der geistigen und körperlichen Aktivität, Erhöhung der Konzentration und Aufmerksamkeit, Beschleunigung der postoperativen Rekonvaleszenz, Beeinflussung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (Antistresswirkung), antioxidativ, anabol, Senkung von Blutfett- und Blutzuckerspiegel (experimentell).
Indikationen: als Tonikum zur Stärkung und Kräftigung bei Asthenie, Müdigkeits-, Schwächegefühl, nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, Rekonvaleszenz.
Studien: Verbesserung von Fatigue bei Tumorpatienten.
Kontraindikationen: keine bekannt; aus theoretischen Überlegungen etwa 1 Woche vor Operationen absetzen.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Wechselwirkungen: Nach den Erfahrungen der TCM – Ginsengzubereitungen wurden zur Steigerung der Lebensenergie eingesetzt – sollten während der Einnahme koffeinhaltige Getränke gemieden werden, vorübergehende Blutdrucksteigerung und Schlafstörungen im Zusammenhang mit Koffein möglich.
Dosierung: TD 1–2 g Droge (mind. 10 mg Ginsenoside), Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: als Teeaufguss (6.1), Tonikum, in der Regel nicht länger als 3 Mon. anwenden. Wiederholung nach 2–3 Mon. möglich.

Merke

Roter Ginseng entsteht durch Wasserdampfbehandlung der weißen Ginsengwurzel sofort nach der Ernte, wobei sich durch die erhöhte Temperatur in einer chemischen Reaktion aus Aminosäuren und Zuckermolekülen der äußeren Wurzelschicht eine hornartige, rotbraun gefärbte Struktur bildet. Die Wasserdampfbehandlung dient der Konservierung und die hornartige Substanz verhindert den Abbau bzw. Verlust der Inhaltsstoffe. Daher wird Roter Ginseng vielfach als hochwertiger eingestuft, obwohl es sich um dieselbe (in der Regel qualitativ gleichwertige) Pflanzenspezies handelt.

Goldrutenkraut (Solidaginis herba), Echtes Goldrutenkraut (Solidaginis virgaureae herba)
Solidaginis herbaGoldrutenkrautStammpflanze: Solidago virgaurea L. (Echte Goldrute), Solidago gigantea Aiton (Riesengoldrute), Solidago canadensis L. (Kanadische Goldrute) und Hybriden aus beiden Arten, Asteraceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Triterpensaponine, Flavonoide (Hyperosid, Rutosid), Kämpferol- und Quercetinglykoside, Phenolglukoside (Leiocarposid, Virgaureosid A nur in Solidago virgaurea), Kaffeesäurederivate (Dicaffeoyl-Chinasäure, Chlorogensäure, Neochlorogensäure).
Wirkungen: diuretisch (aquaretisch), Hemmung der neutralen Metallopeptidase, spasmolytisch, leicht analgetisch, antiphlogistisch (Freisetzung von ACTH bzw. Glukokortikoiden, Hemmung der Freisetzung der leukozytären Elastaase), antioxidativ, antibakteriell.
Indikationen: Förderung der Harnausscheidung, adjuvant bei Harnwegsbeschwerden, Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, vorbeugend bei Harnsteinen und Nierengrieß.
Erfahrungsheilkunde: Reizblase, adjuvant bei rheumatischen Beschwerden.
Kontraindikationen: Durchspülungstherapie: Ödeme infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit.
Nebenwirkungen: Sehr selten Magen-Darm-Beschwerden, allergische Reaktionen.
Dosierung: TD 6–12 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), tgl. 2–4-mal 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken, bei Durchspülungstherapie auf zusätzlich reichliche Flüssigkeitszufuhr achten.
Haferstroh (Avenae stramentum)
HaferstrohAvenae stramentumStammpflanze: Avena sativa L. (Saat-Hafer), Poaceae.
Inhaltsstoffe: Mineralstoffe, v. a. Kieselsäure, Triterpensaponine, Flavonoide.
Wirkungen: antiphlogistisch, adstringierend.
Indikationen: leichte entzündliche und seborrhoische Hauterkrankungen, speziell mit Juckreiz.
Erfahrungsheilkunde: Neurodermitis, nässende Dermatosen.
Kontraindikationen: keine bekannt, Vollbäder nicht anwenden bei nässenden Ekzemen und großflächigen Hautverletzungen, fieberhaften und infektiösen Erkrankungen, Herzinsuffizienz ab Stadium III NYHA.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: 100 g Droge auf ein Vollbad.
Anwendung: Nur äußerlich anwenden, zur Bereitung von Bädern 50–100 g Droge mit 2 l Wasser 30 Min. kochen, dann abseihen und einem Vollbad zusetzen. 1-mal tgl. bis 4-mal /Wo.
Hinweis: Haferstrohextrakt (dunkelschwarze Flüssigkeit) kann die (Acryl-)-Badewanne verfärben.
Hamamelisblätter/-rinde (Hamamelidis folium/cortex)
Hamamelisblätter/-rindeHamamelidis folium/cortexStammpflanze: Hamamelis virginiana L. (Virginische Zaubernuss), Hamamelidaceae.
Inhaltsstoffe: Blätter: Gerbstoffe (5–10 %, v. a. Catechingerbstoffe, geringe Mengen Gallotannine, v. a. Hamamelitannin), oligomere Proanthocyanidine, Flavonoide, Kaffesäurederivate, ätherisches Öl (flüchtige Ketoalkohole, Carbonylverbindungen).
Rinde: Gerbstoffe (8–12%, v. a. Gallotannine: β- und γ-Hamamelitannin, wenig Catechingerbstoffe), freie Gallussäure, Ellagitannin, ätherisches Öl.
Wirkungen: adstringierend, antiphlogistisch, lokal hämostyptisch, sekretionshemmend, gewebeverdichtend, kapillarabdichtend, leicht oberflächenanästhesierend, juckreizstillend, wundheilungsfördernd, Radikalfängereigenschaften.
Indikationen: leichte Hautverletzungen, lokale Haut- und Schleimhautentzündungen, Schmerzen und Brennen bei Hämorrhoiden, Krampfaderbeschwerden, Entzündungen der Mundschleimhaut (Mundspülung, Gurgellösung).
Studien/Erfahrungsheilkunde: ekzematöse Hauterkrankungen, z. B. Neurodermitis, Windeldermatitis, Entzündungen im Anal- und Genitalbereich, Analfissuren, Dammschnittpflege, Pflege der trockenen Altershaut.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: Selten allergische Hautreaktionen (Kontaktdermatitis).
Dosierung: 5–10 g Droge auf ca. 250 ml als Abkochung zu Umschlägen und Spülungen, Wasserdampfdestillat (stand. auf Hamamelisketone, enthält keine Gerbstoffe) unverdünnt oder 1 : 3 mit Wasser verdünnt zu Umschlägen, in halbfesten Zubereitungen 20–30% Destillat, Extraktzubereitungen entsprechend 5–10% Droge, als Hämorrhoidalzäpfchen entsprechend 0,1–1 g Droge.
Anwendung: nur äußerlich als wässrige bzw. wässrig-ethanolische Drogenauszüge, Wasserdampfdestillat aus frischen Blättern und Zweigen, Hamamelisrinden-Tinktur, mehrmals tgl. anwenden.
Hauhechelwurzel (Ononidis radix)
Ononidis radixHauhechelwurzelStammpflanze: Ononis spinosa L. (Dornige Hauhechel), Fabaceae.
Inhaltsstoffe: Triterpene, ätherisches Öl, Flavonoide, Isoflavonoide (Formononetin, Genistein), Phenolcarbonsäuren.
Wirkungen: diuretisch (aquaretisch).
Indikationen: Förderung der Ausscheidung, adjuvant bei leichten Harnwegsbeschwerden, Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, vorbeugend bei Nierengrieß.
Erfahrungsheilkunde: Unterstützung der Ausscheidungsfunktion bei rheumatischen Beschwerden, Gicht.
Kontraindikationen: Ödeme infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: TD 6–12 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), tgl. 2–3-mal 1 Tasse Tee zwischen den Mahlzeiten trinken, bei Durchspülungstherapie auf zusätzlich reichliche Flüssigkeitszufuhr achten!
Heidelbeerfrüchte (Myrtilli fructus)
Myrtilli fructusHeidelbeerfrüchteStammpflanze: Vaccinium myrtillus L (Heidelbeere), Ericaceae.
Inhaltsstoffe: Catechingerbstoffe, Anthocyane, Flavonoide, Flavonglykoside, oligomere Proanthocyanidine, Caffeoylchinasäuren, Fruchtsäuren, Vitamin C.
Wirkungen: adstringierend, epithelregenerierend, antiphlogistisch, wundheilungsfördernd, antiseptisch, antiemetisch, antioxidativ (Hemmung der LDL-Oxidation in liposomalen Membranen), Stabilisierung der Kapillar- und Erythrozytenwände (Anthocyane).
Indikationen: unspezifische, akute Durchfallerkrankungen, leichte Entzündungen der Mund und Rachenschleimhaut.
Erfahrungsheilkunde: anthocyanreicher Extrakt aus frischen Heidelbeeren: Stärkung der Augenfunktion Verbesserung der Nachtsehleistung, Netzhauterkrankungen, diabetische Retinopathie (Verminderung der pathologisch erhöhten Kapillarpermeabilität).
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: TD 20–60 g (Kinder 20–30 g), lokale Anwendung als 10-prozentige Abkochung.
Anwendung: 1–2 EL Droge in 150–200 ml Wasser ca. 15 Min. kochen, heiß abgießen, mehrmals tgl. bis zum Abklingen des Durchfalls 1 Tasse trinken. Am besten die gesamte Tagesdosis zubereiten, warm stellen und über den Tag verteilt trinken.
Hinweis: Nur getrocknete Heidelbeeren verwenden, frische Früchte wirken abführend und können durch den Gehalt an Fruchtsäuren Durchfälle auslösen.

Cave

Bei Durchfällen, die länger als 3–4 Tage andauern, ist ein Arzt aufzusuchen.

Herzgespannkraut (Leonuri cardiacae herba)
Leonuri cardiacae herbaHerzgespannkrautStammpflanze: Leonurus cardiaca L., Herzgespann (syn. Echter Löwenschwanz), Lamiaceae.
Inhaltsstoffe: Iridoide, Bitterstoffe, Di- und Triterpene, Phenylpropansäureester, Gerbstoffe, Kaffeesäurederivate, geringe Mengen ätherisches Öl.
Wirkungen: leicht negativ dromotrop, schwach blutdrucksenkend, sedativ, verbessert den Koronardurchfluss, antiarrhythmische Wirkung.
Indikationen: nervöse Spannungszustände, nervöse Herzbeschwerden, auch im Rahmen einer Hyperthyreose.
Studien, Erfahrungsheilkunde: leichte Herzrhythmusstörungen, bei nervösen klimakterischen Beschwerden.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: mittlere TD 4,5 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss, stand. Extrakt einsetzen, als sog. „Herztee“ kombiniert mit Weißdornfrüchten, Mistelkraut, evtl. Johanniskraut, Melissenblättern.
Heublumen (Graminis flos)
HeublumenGraminis flosStammpflanze: Blüten verschiedener Süßgräser (Poaceae), Kleearten und Wiesenpflanzen (Quecke, Ruchgras, Wiesen-Lieschgras, Knäuelgras).
Inhaltsstoffe: variieren erheblich nach Standort und Zusammensetzung des Heus: Cumarine, Cumaringlykoside, Furanocumarine, ätherisches Öl, Gerbstoffe.
Wirkungen: lokal hyperämisierend, antiphlogistisch, analgetisch, Beeinflussung innerer Organe über kutiviszerale Reize.
Indikationen: degenerative Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises (lokale Wärmetherapie).
Erfahrungsheilkunde: stumpfe Verletzungen, Unterstützung der Hämatomresorption.
Kontraindikationen: akute rheumatische Schübe, akute Entzündungen, offene Verletzungen.
Nebenwirkungen: allergische Hautreaktionen (sehr selten), Heuschnupfensymptome.
Anwendung: nur äußerlich, als feuchtwarme Kompresse 1–2-mal tgl., Heublumensack (Kompresse auf ca. 42 °C erwärmen, auf die zu behandelnde Stelle legen, abdecken und 40–50 Min. belassen.) Für ein Bad ca. 500 g Droge mit 2-3 l kochendem Wasser übergießen und einem Vollbad zusetzen.
Hirtentäschelkraut (Bursae pastoris herba)
HirtentäschelkrautBursae pastoris herbaStammpflanze: Capsella bursa pastoris L. Medicus (Hirtentäschel), Brassicaceae.
Inhaltsstoffe: Flavonoide, Phenylcarbonsäuren, Aminosäuren (α- und γ-Aminobuttersäure), Sterole, Mineralstoffe. Angaben zum Gehalt biogener Amine (Acetylcholin, Tyramin) sowie zum Vorkommen eines Peptids mit hämostyptischer Wirkung sind widersprüchlich.
Wirkungen: positiv inotrop, positiv chronotrop, lokal hämostyptisch, Steigerung der Uteruskontraktionen.
Indikationen:
  • Innere Anwendung: Verminderung starker Menstruationsblutung bei Frauen mit regulärem Monatszyklus, symptomatische Behandlung leichter Menorraghien und Metrorraghien

  • Äußere Anwendung: oberflächliche, blutende Hautverletzungen, lokale Anwendung bei Nasenbluten

Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: mittlere TD 10–15 g Droge, Fluidextrakt 5–8 g.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), tgl. 2–4-mal 1 Tasse trinken; lokale Anwendung: 3–5 g Droge auf 150 ml Wasser als Aufguss, als stand. Extrakt. Als Nasentamponade 10 g Droge (= 2 EL) mit 100 ml siedendem Wasser übergießen, nach 15 Minuten abgießen und lauwarm verwenden.
Hinweis: Droge trocken lagern, Tinktur frisch zubereiten! Bei unsachgemäßer Lagerung der Droge bzw. nach ca. 3 Mon. nach Herstellung der Tinktur werden biogene Amine in unwirksame Metaboliten umgewandelt.
Holunderblüten (Sambuci flos)
Sambuci flosHolunderblütenStammpflanze: Sambucus nigra L. (Schwarzer Holunder), Caprifoliaceae bzw. Sambucaceae, heute auch der Familie Adoxaceae zugeordnet.
Inhaltsstoffe: Flavonoide (v. a. Rutin, Hyperosid), Hydroxyphenylcarbonsäuren (Kaffeesäure, Chlorogensäure), Triterpene, ätherisches Öl, Schleimstoffe, Phytosterine, Spuren eines zyanogenen Glykosids (Sambunigrin), relativ hohe Konzentrationen an N-Phenylpropanoyl-L-Aminosäureamiden, die erst kürzlich entdeckt wurden.
Wirkungen: schweißtreibend, Steigerung der Bronchialsekretion, immunmodulierend, Hemmung der Adhäsion von Helicobacter pylori an der Magenschleimhaut (N-Phenylpropanoyl-L-Aminosäureamide).
Indikationen: Erkältungskrankheiten (Schwitzkur).
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: mittlere TD 10–15 g.
Anwendung: als Teeaufguss (6.1.2). Mehrmals tgl., besonders in der 2. Tageshälfte 1–2 Tassen frisch bereiteten Tee so heiß wie möglich trinken.
Hopfenzapfen (Lupuli flos syn. Lupuli strobulus)
Lupuli strobulusHopfenzapfenStammpflanze: Humulus lupulus L. (Hopfen), Cannabaceae.
Inhaltsstoffe: Phloroglucinderivate mit instabilen Bitterstoffen (Humulon, Lupulon), aus denen bei der Lagerung das Oxidationsprodukt 2-Methyl-3-buten-ol entsteht, ätherisches Öl (Myrcen, Farnesen, α- und β-Caryophyllen), Gerbstoffe (oligomere Proanthocyanidine), Flavonoide (Kämpferol- und Quercetinglykoside).
Wirkungen: beruhigend, schlaffördernd (Aktivierung des Melatoninrezeptors, hypotherme Wirkung), zentral dämpfend, appetitanregend, Förderung der Speichel- und Magensaftsekretion, antibakteriell, spasmolytisch, östrogenartig (experimentell).
Indikationen: leichte Symptome von psychischem Stress, Unruhe und Angstzustände, Schlafstörungen.
Erfahrungsheilkunde: Appetitlosigkeit (Amarum, Stomachikum), nervöse Magenbeschwerden, Reizblase, Enuresis nocturna.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: Bei Kontakt mit frischen Hopfenzapfen vereinzelt allergische Reaktionen.
Dosierung: ED 0,5 g, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss bzw. Teemischung mit anderen sedativ wirksamen Drogen (geschmacklich vorteilhafter 6.1.2), 2–3--mal tgl. und vor dem Schlafengehen 1 Tasse frisch bereiteten Tee trinken, als stand. Extrakt, vor allem in Kombinationen. Als Hopfenkissen/-säckchen bei unruhigen Kindern (2-Methyl-3-buten-ol ist bereits bei niederen Temperaturen flüchtig).
Huflattichblätter (Farfarae folium)
HuflattichblätterFarfarae foliumStammpflanze: Tussilago farfara L. (Huflattich), Asteraceae.
Inhaltsstoffe: Schleimpolysaccharide, Inulin, Gerbstoffe, Flavonoide, Pflanzensäuren, Triterpene, wechselnde Mengen an (lebertoxischen) Pyrrolizidinalkaloiden (Tussilagin, Senkirkin).
Wirkungen: reizlindernd, schleimhautschützend, antiphlogistisch.
Indikationen: akute Katarrhe der Luftwege mit Husten und Heiserkeit, akute, leichte Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut.
Kontraindikationen: Schwangerschaft, Stillzeit.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: 4,5–6 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: 1 ½ TL (ca. 1,5g) Droge als Teeaufguss (6.1.2), 3–4-mal tgl., besonders morgens nach dem Aufwachen und abends vor dem Schlafengehen 1 Tasse Tee trinken; als Presssaft bzw. stand. Extrakt.
Anwendungsdauer: nicht länger als 4–6 Wo. im Jahr.
Hinweis: Durch züchterische und herstellungstechnische Maßnahmen sind Pyrrolizidinalkaloid-freie Sorten von Huflattichblättern und Extrakte erhältlich.

Merke

Dosierung und Anwendungshinweis beziehen sich auf die Monografie der Kommission E von 1990 bzw. auf die Standardzulassung, in der für pyrrolizidinalkaloidhaltige Arzneimittel ein Grenzwert von 1μg, für Huflattichblätter für die Zubereitung von Teeaufgüssen von 10 µg Pyrrolizidinalkaloide (PA) pro Tag festgelegt wurde. Nach heutigem Erkenntnisstand ist davon auszugehen, dass auch unter den Bedingungen einer Teezubereitung ein nahezu quantitativer Übergang der PA in die wässrige Phase erfolgt. Dementsprechend darf nach einer Mitteilung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vom 4. Juli 2001 die Menge an Pyrrolizidinalkaloiden mit 1,2ungesättigtem Necin-Gerüst einschließlich deren N-Oxide in Huflattichblätter-haltigen Arzneimitteln unabhängig von der Darreichungsform einen Grenzwert von 1 µg pro max. deklarierter Tagesdosis nicht überschreiten.

2014 wurde vom HMPC eine Beurteilung von pyrrolizidinalkaloidhaltigen pflanzlichen Arzneimitteln veröffentlicht, die für die orale und externe Anwendung einen Grenzwert von 0,035 µg PA/Tag sowie eine Anwendungsdauer von max. 14 Tagen festlegt. Diese Aussagen gelten nicht für PA-freie Sorten von Huflattichblättern oder Extrakte.

Hypoxis-rooperi-Wurzel (Hypoxis roperi radix)
Hypoxis roperi radixHypoxis-rooperi-WurzelStammpflanze: Hypoxis rooperi L. (Afrikanische Lilie), Hypoxidaceae.
Inhaltsstoffe: Phytosterolgemisch mit β-Sitosterol als Hauptkomponente, Sitosterolin (= β-Sitosteringlukosid), Lignanderivate.
Wirkungen: antiphlogistisch, antikongestiv, antiexsudativ, miktionsbeeinflussend, Hemmung der Prostaglandin- und Leukotriensynthese, Beeinflussung von Wachstumsfaktoren.
Indikationen: BPH Stadium I – II nach Alken.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: TD 50–100 mg Phytosterolgemisch.
Anwendung: Die Droge ist nicht erhältlich und wird nur zur Gewinnung eines isolierten Phytosterolgemischs in Form stand. Extrakte verwendet.
Indische Flohsamen/-Flohsamenschalen (Plantaginis ovatae semen/seminis tegumentum)
Plantaginis ovatae semen/-testaIndische Flohsamen/-FlohsamenschalenStammpflanze: Plantago ovata Forssk. syn. Plantago isphagula Roxb. (Indischer Wegerich), Plantaginaceae.
Inhaltsstoffe: je nach Herkunft 20–30% unverdauliche Schleimstoffe (v. a. stark verzweigte Arabinoxylane) in der Epidermis der Samenschale, Stärke, freie Fettsäuren, fettes Öl (Linolsäure, Ölsäure).
Wirkungen: Reizlindernd, regulierend auf die Darmperistaltik. bei Diarrhö Verfestigung des Darminhalts durch Wasserbindung, Verlängerung der Transitzeit, Bindung von Bakterientoxinen, reizlindernd bei Obstipation Erhöhung von Stuhlvolumen und Füllungsdruck, Dehnungsreiz auf die Darmwand, Beschleunigung der Transitzeit, Senkung des Serum-Cholesterin-Spiegels (Bindung von Cholesterin und Gallensäuren, Verminderung der Rückresorption und Ausscheidung), Verlangsamung der Resorption von Kohlenhydraten (antidiabetischer Effekt)

Merke

Indische Flohsamen können das 10–15-Fache ihres Volumens an Wasser aufnehmen, Flohsamenschalen bis zum 40-Fachen.

Indikationen: habituelle Obstipation, Erkrankungen, bei denen eine erleichterte Darmentleerung mit weichem Stuhl erwünscht ist (z. B. Analfissuren, Hämorrhoiden, nach rektal-analen operativen Eingriffen, in der Schwangerschaft), adjuvant bei Durchfällen unterschiedlicher Genese, Colon irritabile, bei Reizdarmsyndrom mit vorwiegend Obstipation, adjuvant bei Hypercholesterinämie.
Studien/Erfahrungsheilkunde: adjuvant bei Diabetes mellitus.
Kontraindikationen: krankhafte Verengungen im Magen-Darm-Trakt, drohender oder bestehender Darmverschluss (Ileus), schwer einstellbarer Diabetes mellitus.
Nebenwirkungen: in Einzelfällen Überempfindlichkeitsreaktionen, zu Beginn der Therapie und bei Überdosierung abdominale Beschwerden und verstärkt Flatulenz.
Wechselwirkungen: Die Resorption gleichzeitig eingenommener Arzneimittel (z. B. Vitamin B12, Herzglykoside, Cumarinderivate, Carbamazepin, Lithium) kann verzögert werden. Andere Arzneimittel im Abstand von 30–60 Min. einnehmen. Bei insulinpflichtigen Diabetikern evtl. Reduzierung der Insulindosis erforderlich. Nicht zusammen mit motilitätshemmenden Arzneistoffen (Opioide, Loperamid) einnehmen (Risiko eines gastrointestinalen Ileus).
Dosierung: TD 12–40 g Indischer Flohsamen, 4–20 g Indische Flohsamenschalen. Anwendung: Ganze oder zerkleinerte Samen 1–4-mal tgl. mit Wasser mindestens im Verhältnis 1 : 10 (150–200 ml) einnehmen. Zur regelmäßigen Einnahme bei Obstipation sind Indische Flohsamenschalen wegen der höheren Wasserbindungskapazität vorzuziehen, am besten als Fertigarzneimittel (gepulverte Droge in einzelnen Sachets). Nicht zusammen mit Milch einnehmen (verhindert die Quellung). Bei Obstipation nicht vorquellen lassen (Volumenzunahme erst im Darm).
Wirkungseintritt: Oft ist eine mehrere Tage lange Einnahme erforderlich.

Cave

Auf ausreichende, gleichzeitige Flüssigkeitszufuhr mindestens im Verhältnis 1 : 10 achten! Bei Durchfällen, die länger als 3–4 Tage andauern, einen Arzt konsultieren.

Ingwerwurzelstock (Zingiberis rhizoma)
IngwerwurzelstockStammpflanze: Zingiber officinale Roscoe (Ingwer), Zingiberaceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (Citral, Zingiberen, Zingiberol), Scharfstoffe (Gingerole, Shogaole), Diarylheptanoide (Curcuminoide), Hydroxyzimtsäuren, Anthocyane, reichlich Stärke.
Wirkungen: antiemetisch (antagonistische Effekte an 5 HT3-Rezeptoren), antiinflammatorisch, Förderung der Speichel- und Magensaftsekretion, cholagog, spasmolytisch, Steigerung von Tonus und Peristaltik des Darms, antibakteriell, virustatisch (Ingweröl), positiv inotrop, antioxidativ (Gingerole).
Indikationen: Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen bei Reisekrankheit, dyspeptische Beschwerden mit Völlegefühl, Blähungen.
Studien /Erfahrungsheilkunde: postoperatives Erbrechen, Brechreiz und Erbrechen nach zytostatischer Chemotherapie, Appetitlosigkeit, Anregung und Unterstützung der Verdauungsfunktion, Erkältungskrankheiten (erwärmend und abwehrsteigernd), Hypotonie (energetisierend).
Kontraindikationen: Schwangerschaftserbrechen (Kommission E). Bei Gallensteinleiden nur nach Rücksprache mit dem Arzt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: TD 2–4 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: bei dyspeptischen Beschwerden 10–20 Tr. Ingwertinktur (1 : 5) in ½ Glas Wasser oder 1 TL gepulverte Droge auf 1 Tasse Wasser als Teeaufguss (6.1.2), mehrmals tgl. 1 Tasse vor den Mahlzeiten. Bei Reisekrankheit vorzugsweise als stand. Extrakt.

Merke

Ingwer wird weltweit bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft eingesetzt und in der TCM empfohlen. Nach Einschätzung von Embryotox (eine Datenbank zur Beurteilung von Arzneimitteln in der Schwangerschaft) gibt es in üblicher therapeutischer Dosierung keine Anhaltspunkte für ein erhöhtes Missbildungs- oder Abortrisiko und Ingwerwurzelstock kann in allen Phasen der Schwangerschaft eingenommen werden. Aus neueren Studienergebnissen mit einem standardisierten Extrakt aus Ingwerwurzelstock lässt sich die Wirksamkeit und Sicherheit bei Schwangerschaftserbrechen ableiten, die Datenlage ist bisher jedoch nicht ausreichend.

Isländisch Moos, Isländische Flechte (Lichen islandicus)
Lichen islandicusIsländisch MoosStammpflanze: Centraria islandica (L.) Acharius s. l. (Isländisches Moos), Pameliaceae.
Inhaltsstoffe: wasserlösliche Schleimstoffe (ca.50%, Hauptkomponenten Lichenin und Isolichenin), bitter schmeckende Flechtensäuren (u. a. Cetrarsäure), Usninsäure, Carotinoide.
Wirkungen: reizlindernd, schwach antimikrobiell, appetitanregend, antiphlogistisch, immunmodulierend.
Indikationen: Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum, trockener Reizhusten, Appetitlosigkeit.
Erfahrungsheilkunde: als Roborans zur Appetitanregung in der Rekonvaleszenz.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: 4–6 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: bei Schleimhautreizungen als Teeaufguss (6.1.2), tgl. 3–4-mal 1 Tasse frisch zubereiteten Tee schluckweise trinken; bei Reizhusten auch in Form von Lutschpastillen. Bei Appetitlosigkeit vorzugsweise als Kaltmazerat (6.1.2) zubereiten, da die bitter schmeckenden Flechtensäuren durch Kochen abgebaut werden.
Johanniskraut (Hyperici herba)
JohanniskrautHyperici herbaStammpflanze: Hypericum perforatum L. (Echtes Johanniskraut), Hypericaceae.
Inhaltsstoffe: Hypericin, Pseudohypericin, Phloroglucinderivate (Hyperforin), Flavonoide (Hyperosid, Rutin), Biflavonoide (Biapigenin, Amentoflavon), Gerbstoffe, ätherisches Öl, Xanthone.
Wirkungen:
  • Innere Anwendung: antidepressiv (konzentrationsabhängige Hemmung der synaptosomalen Wiederaufnahme von Noradrenalin, Serotonin, Dopamin, GABA und L-Glutamat, Down-Regulation der β-Rezeptoren, Zunahme der Dichte der 5-HT2-Rezeptoren), dopaminerg, stimmungsaufhellend, verbessernd auf Konzentration und Aufmerksamkeit

  • Äußere Anwendung (ölige Zubereitungen): antiphlogistisch, wundheilungsfördernd, durchblutungsfördernd, antibakteriell

Indikationen:
  • Innere Anwendung: psychovegetative Störungen, leichte bis mittelschwere Depressionen, depressive Verstimmungszustände, Angst und nervöse Unruhe; dyspeptische Beschwerden (ölige Zubereitungen)

  • Äußere Anwendung (ölige Zubereitungen): Behandlung und Nachbehandlung von scharfen und stumpfen Verletzungen, Myalgien und Verbrennungen 1. Grades

Erfahrungsheilkunde: Reizblase, Enuresis nocturna. Ölige Zubereitungen: schlecht heilende, infizierte Wunden, Ulcus cruris.
Kontraindikationen: schwere depressive Episoden, bekannte Lichtüberempfindlichkeit der Haut, gleichzeitige Gabe von Ciclosporin, Indinavir und anderen Proteaseinhibitoren in der Anti-HIV-Behandlung.
Nebenwirkungen: phototoxische Hautreaktionen bei hellhäutigen Menschen möglich (intensive Sonnenbestrahlung oder Solarium während der Behandlung meiden), Magen-Darm-Beschwerden, allergische Reaktionen (selten), Müdigkeit oder Unruhe.
Wechselwirkungen: Die gleichzeitige Einnahme von Johanniskrautextrakten kann die Wirksamkeit anderer Arzneistoffe z. T. signifikant abschwächen (induzierende Wirkung auf Cytochrom-P450-abhängige Enzyme, v. a. Cyp3A4 und/oder das Transportprotein P-Glykoprotein P-gp):
  • Ciclosporin, Proteaseinhibitoren (Indinavir) bzw. Non-Nucleosid-reverse Transcriptase-Inhibitoren in der Anti-HIV-Behandlung

  • Imatimib u. a. zellwachstumshemmende Arzneistoffe

  • Antikoagulanzien vom Cumarintyp (Phenoprocuomon, Warfarin)

  • Trizyklische Antidepressiva

  • Digoxin, Theophyllin

  • Orale Kontrazeptiva

Eine Verstärkung der Wirksamkeit von zentral dämpfenden Antidepressiva, Selektiven-Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (Fluoxetin, Nefazodon, Paroxetin, Sertralin) ist möglich
Dosierung: mittlere TD 2–4 g Droge entsprechend 0,2–1 mg Gesamthypericin. Phytopharmaka in einer Konzentration von 600–900 (1800) mg Gesamtextrakt (leichte bis mittelschwere Depression) bzw. 300–600 mg (leichte depressive Verstimmungen).
Anwendung: Unruhe, leichte Verstimmungszustände: als Teeaufguss (6.1.2), regelmäßig morgens und abends 1–2 Tassen frisch bereiteten Tee trinken. Bei Depressionen nur in Form stand. Extrakte in ausreichender Dosierung. Die Behandlungsdauer soll mindestens 3 Mon. betragen.

Merke

Wirklatenz von 2–3 Wo. beachten!

Kamillenblüten (Matricariae flos)
Matricariae flosKamillenblütenStammpflanze: Matricaria recutita L. syn. Chamomilla recutita (L.) Rauschert (Echte Kamille), Asteraceae.
Inhaltsstoffe: mindestens 0,4 % ätherisches Öl (α-Bisabolol, Matricin bzw. Chamazulen), Flavonoide (Apigenin, Apigenin-7-glucosid), Schleimstoffe, Cumarine (Umbelliferon), Phenolcarbonsäuren.
Wirkungen: antiphlogistisch (Hemmung der Cyclooxygenase und Lipoxygenase durch α-Bisabolol), spasmolytisch, karminativ, ulkusprotektiv, antimykotisch (Candida alb.), wundheilungsfördernd, desodorierend, antibakteriell und bakterientoxinhemmend, Anregung des Hautstoffwechsels, immunmodulierend.
Indikationen:
  • Innere Anwendung: gastrointestinale Beschwerden (Krämpfe, Völlegefühl)

  • Äußere Anwendung: Erkältungssymptome, entzündliche Erkrankungen und Reizzustände der Luftwege (Inhalationen), Entzündungen und Ulzerationen der Mund- und Rachenschleimhaut und des Zahnfleischs. Haut- und Schleimhautschäden im Anal- und Genitalbereich (Bäder und Spülungen), Hautentzündungen (Sonnenbrand), oberflächliche Wunden, Furunkel

Studien/Erfahrungsheilkunde: Wundbehandlung (oberflächliche Hautverletzungen, Dekubitus, Ulcus cruris), akute nässende Dermatosen, Nachbehandlung von Operationswunden, zum Spülen großflächiger und infizierter Wunden oder Gewebetaschen, Verbrennungen bis 2. Grades, Sonnenbrand, Frostbeulen, adjuvant bei Candida-Infektionen der Mundhöhle und des Genitalbereichs, Pflege der Mamille während Schwangerschaft und Stillzeit, Dysmenorrhö, Sebostase.
Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegenüber Korbblütlern (Arnika, Kamille, Ringelblume, Schafgarbe).
Nebenwirkungen: Pollinosis beim Umgang mit Kamillenblüten. Selten allergische irritative Hautreaktionen, meist ausgelöst durch Verunreinigungen mit anderen Kamillearten (z. B. Hundskamille) oder Kreuzallergie durch andere Korbblütler. In der echten Kamille ist das allergieauslösende Sesquiterpenlacton Anthecotulid nicht oder nur in Spuren vorhanden.
Dosierung und Anwendung: 6.1.2.
  • Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich: 1 gehäufter EL (ca. 3 g) Droge auf ca. 150 ml Wasser als Teeaufguss (6.1.2), tgl. 3–4-mal 1 Tasse frisch bereiteten Tee warm zwischen den Mahlzeiten trinken, zur Durchführung einer Rollkur (3.5.2) mit 10–15 ml ethanolischem Extrakt verstärken

  • Entzündungen der Schleimhaut im Mund- und Rachenbereich: Mit dem frisch bereiteten Teeaufguss oder 20 Tropfen ethanolischen Extrakt in ca. 150 ml lauwarmen Wasser mehrmals tgl. spülen oder gurgeln

  • Entzündungen der oberen Atemwege: zur Bereitung eines Dampfbads 1–2 EL Kamillenblüten mit siedendem Wasser übergießen, Dämpfe einatmen

  • Äußere Anwendung: 3–10-prozentig als Aufguss für Umschläge und Spülungen, als Badezusatz 50 g Droge auf 10 l Wasser

Das ätherische Kamillenblütenöl ist in Wasser nur teilweise löslich, deshalb zur Entzündungshemmung bei Haut- und Schleimhauterkrankungen Kamillenblüten vorzugsweise als ethanolischen Extrakt (stand. auf α-Bisabolol) anwenden.
Hinweis: Die volksmedizinische Anwendung von Kamillenblütentee bei Entzündungen am Augenlid wird aufgrund evtl. vorhandener Schwebeteilchen nicht empfohlen, eine Anwendung von wässrig-ethanolischen Kamillenextrakten (z. B. als Kompresse) ist unbedenklich.
Kapuzinerkressenkraut (Tropaeoli herba)
Tropaeoli herbaKapuzinerkressenkrautStammpflanze: Tropaeolum majus L. (Große Kapuzinerkresse), Tropaeolaceae.
Inhaltsstoffe: Benzylsenfölglukoside (= Glucosinolate) mit Glucotropaeolin, Flavonoide (Glykoside von Kämpferol, Quercetin), Oxalsäure, Ascorbinsäure, Carotinoide. Bei Zerstörung des Pflanzengewebes wird durch das in getrennten Zellkompartimenten lokalisierte Enzym Myrosinase aus den Glucosinolaten das wirksame BenzylIsothiocyanat freigesetzt.
Wirkungen: bakteriostatisch (grampositive und gramnegative Bakterien), virustatisch, antimykotisch (Anreicherung des Senföls im Harn und in der Atemluft), antimykotisch, bei äußerer Anwendung hyperämisierend.
Indikationen:
  • Innere Anwendung: zur unterstützenden Behandlung von Infekten der ableitenden Harnwege und bei Katarrhen der Luftwege

  • Äußere Anwendung: adjuvant bei leichten Muskelschmerzen

Kontraindikationen: Magen- und Darmgeschwüre, Nierenerkrankungen, Säuglinge und Kleinkinder.
Nebenwirkungen: Haut- und Schleimhautirritationen durch freies Benzylsenföl (Kontaktallergen). Bei innerer Anwendung Magen-Darm-Beschwerden, flüchtiges urtikarielles Exanthem. Bei Überdosierung Albuminurie (evtl. Nierenschädigung).
Dosierung: TD 3-mal ca. 15 mg Benzylsenföl in magensaftresistenten Weichgelatinekapseln.
Anwendung: in Form von Extrakten, meist kombiniert mit anderen Drogen.
Nicht länger als 4–6 Wo. (Schleimhautreizung) anwenden. Während der Therapie sollte kein Alkohol getrunken werden (Verringerung der Alkoholtoleranz durch Benzylsenföl).
Keuschlammfrüchte
s. Mönchspfefferfrüchte.
Knoblauchzwiebel (Allii sativi bulbus)
KnoblauchzwiebelAllii sativi bulbusStammpflanze: Allium sativum L. (Knoblauch), Amaryllidaceae.
Inhaltsstoffe: Cysteinsulfoxide (Schwefelverbindungen, v.a. Alliin)Alliin, das Enzym Alliinase, Adenosin, γ-Glutamylpeptide, Flavonoide, Steroid- und Triperpensaponine, Lektine, Polysaccharide, Selenverbindungen, Vitamine.
In der Knoblauchzwiebel sind die Aminosäure Alliin und das Enzym Alliinase in verschiedenen Zellkompartimenten lokalisiert. Beim Zerschneiden, Zerreiben, in wässriger Lösung oder beim Auflösen von Knoblauchpulver im Magen findet eine enzymatische Umsetzung statt, dabei entstehen aus dem (geruchsfreiem) Alliin verschiedene Abbauprodukte, v. a. Allicin und weitere stark riechende und flüchtige schwefelhaltige Verbindungen (z. B. Diallyldisulfid) mit typischem Knoblauchgeruch.
Wirkungen: antibakteriell, antimykotisch, cholesterin- und lipidsenkend, Hemmung der Cholesterinbiosynthese in Hepatozyten und der Thrombozytenaggregation, Verlängerung der Blutungs- und Gerinnungszeit, Steigerung der fibrinolytischen Aktivität, antioxidativ, Hemmung der Lipoprotein-Oxidation, vasodilatativ, leicht blutdrucksenkend.
Indikationen: zur Unterstützung diätetischer Maßnahmen bei Erhöhung der Blutfettwerte. Zur Vorbeugung atherosklerotischer und altersbedingter Gefäßveränderungen.
Studien, Erfahrungsheilkunde: adjuvant bei (Grenzwert)-Hypertonie, Verdauungsbeschwerden, Verbesserung der Vigilanz, als Anthelminthikum (gegen Madenwürmer).
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: selten Magen-Darm-Beschwerden (nicht auf nüchternen Magen einnehmen), allergische Reaktionen. Veränderung des Geruchs von Haut und Atemluft.
Wechselwirkungen: Vorsicht bei gleichzeitiger Gabe von Antikoagulanzien.
Dosierung: TD 4 g frische Knoblauchzwiebel bzw. 900–1.200 mg Knoblauchpulver (neuere Studien).
Anwendung: frische oder getrocknete Droge, als Phytopharmaka. Das aktive Alliin-Alliinase-System ist nur in frischen Knoblauchzehen oder schonend getrocknetem Knoblauchpulver vorhanden.
Kümmelfrüchte (Carvi fructus)
KümmelfrüchteCarvi fructusStammpflanze: Carum carvi L. (Echter oder Gewöhnlicher Kümmel), Apiaceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (Carvon, Limonen), geringe Mengen Flavonoide, Phenolcarbonsäuren, fettes Öl, Proteine, Kohlenhydrate.
Wirkungen: spasmolytisch, karminativ, Förderung der Magensaftsekretion, durchblutungsfördernd (Magen-Darm-Schleimhaut), appetitanregend, antimikrobiell.
Indikationen: dyspeptische Beschwerden mit Völlegefühl, Blähungen, leichte krampfartige Magen-Darm-Störungen.
Erfahrungsheilkunde: nervöse Herz- und Magenbeschwerden, Förderung der Laktation (Bestandteil im Milchbildungstee), äußerlich bei Nabelkoliken bei Säuglingen, gegen Mundgeruch (kauen der Früchte).
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: TD 1,5–6 g Droge, 3–6 Tr. ätherisches Kümmelöl.
Anwendung: Kümmelfrüchte erst kurz vor Gebrauch anstoßen! Als Teeaufguss (6.1.2), zur Geschmacksverbesserung kombiniert mit Anis- und Fenchelfrüchten, tgl. 2–3-mal 1 Tasse frisch bereiteten Tee warm zwischen den Mahlzeiten trinken. Für Säuglinge und Kleinkinder 1 TL Tee der Flaschennahrung zugeben. Bei Nabelkoliken von Säuglingen und Kleinkindern das ätherische Öl in 10-prozentiger Lösung (z. B. in Olivenöl) um den Nabel herum einreiben.
Kürbissamen (Cucurbitae peponis semen)
KürbissamenCucurbitae peponis semenStammpflanze: Cucurbita pepo L. (Gewöhnlicher Kürbis) bzw. Spezialzüchtung von Curcubita pepo L. convar. citrullinina Greb. var. styriaca Greb. (Weichschaliger, steirischer Ölkürbis), Cucurbitaceae.
Inhaltsstoffe: δ-7-Phytosterole in freier Form und glykosidisch gebunden (β-Sitosterin), fettes Öl (mit bis zu 64% Linolsäure), Aminosäuren (Cucurbitin), β- und γ-Tocopherol, Carotinoide, Mineralstoffe, Spurenelemente (Jod, Mangan, Zink, Selen).
Wirkungen: antiphlogistisch, antiödematös und antikongestiv im Prostatagewebe, Hemmung der 5α-Reduktase, Hemmung der Synthese und Rezeptorbindung von DHT, antioxidativ, aquaretisch, Stärkung der Blasenfunktion, antimikrobiell.
Indikationen: Miktionsbeschwerden bei BPH Stadium I und II (nach Alken), Reizblase.
Erfahrungsheilkunde: unterstützende Therapie von Funktionsstörungen im Bereich der Blase, Blasenschwäche, Enuresis nocturna.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: mittlere TD 10 g Samen, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als ganze Samen, morgens und abends 1–2 geh. EL Kürbissamen gemahlen mit Flüssigkeit einnehmen oder zerkauen, als Kürbisöl (in Weichkapseln) oder lipophiler Extrakt. Erfahrungsgemäß ist eine längere Anwendung über Wo. oder Mo. erforderlich.

Cave

Kürbissamen bessern die Beschwerden einer vergrößerten Prostata, ohne die Vergrößerung zu beheben. Regelmäßige ärztliche Kontrolle!

Lavendelblüten (Lavandulae flos)
LavendelblütenLavandulae flosStammpflanze: Lavandula angustifolia Miller syn. Lavandula officinalis Chaix (Echter Lavendel), Lamiaceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (Linalylacetat, Linalool, Campher, Cineol), Lamiaceen-Gerbstoffe (Rosmarinsäure und Derivate), Cumarine.
Wirkungen: sedativ (Hemmung der lokomotorischen Aktivität, Verkürzung der Einschlafzeit, Verlängerung der Schlafdauer), karminativ, cholagog (innere Anwendung), hyperämisierend (Balneotherapie); Lavendelöl: anxiolytisch.
Indikationen:
  • Innere Anwendung: leichte Symptome von psychischem Stress, Unruhezustände, Förderung der Schlafbereitschaft bei Einschlafstörungen, funktionelle Oberbauchbeschwerden (nervöser Reizmagen, Roemheld-Syndrom, Meteorismus, nervöse Darmbeschwerden)

  • Äußere Anwendung: funktionelle Kreislaufstörungen (Bäder)

Erfahrungsheilkunde: zur Beruhigung von Säuglingen und Kleinkindern (Kräuterkissen, Aromatherapie), als Repellent, als Sitzbad bei dysmenorrhoischen Beschwerden, in der Geburtshilfe.
Studien (Lavendelöl): Angst- und Unruhezustände, ängstliche Verstimmung.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: 1–2 TL Droge pro Tasse, Lavendelöl 1–4 Tr. (20–80 mg), als Badezusatz 20–100 g Droge auf 20 l Wasser.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), mehrmals tgl., besonders abends vor dem Schlafengehen 1 Tasse frisch bereiteten Tee trinken, oft in Kombinationen mit anderen beruhigend und/oder karminativ wirksamen Drogen.
Leinsamen (Lini semen)
Lini semenLeinsamenStammpflanze: Linum usitatissimum L. (Saat-Lein syn. Flachs), Linaceae.
Inhaltsstoffe: Schleimstoffe, v.a. in der Epidermis der Samenschale, schwer verdauliche Polysaccharide (Hemizellulose, Zellulose, Lignin), 30–45% fettes Öl (Linol-, Linolensäureester), Proteine, cyanogene Glykoside (Linustatin bzw. Linamarin). Quellungszahl mindestens 4, möglichst 6.
Wirkungen: laxierend, peristaltikanregend (Zunahme des Stuhlvolumens durch Wasserbindung, Dehnungsreiz), schleimhautschützend, lipidsenkend (Ballaststoffe), kolonprotektiv (Abbau der Ballaststoffe durch Darmbakterien zu kurzkettigen Fettsäuren).
Indikationen:
  • Innere Anwendung: habituelle Obstipation, Erkrankungen, bei denen eine leichte Defäkation erwünscht ist (Hämorrhoiden, Analfissuren), durch Abführmittelabusus geschädigtes Kolon, Colon irritabile, Divertikulitis, als Schleimzubereitung bei Gastritis und Enteritis

  • Äußere Anwendung: als Kataplasma bei lokalen Entzündungen

Erfahrungsheilkunde: funktionelle Oberbauchbeschwerden, nervöser Reizmagen (Schleimzubereitung).
Kontraindikationen: Ileus jeder Genese.
Nebenwirkungen: bei Beachtung der Dosierungsanleitung (ausreichende Flüssigkeitszufuhr mind. im Verhältnis 1 : 10) keine bekannt.
Wechselwirkungen: Resorptionsverminderung anderer Arzneistoffe möglich (Einnahme anderer Arzneimittel in einem Abstand von mind. 30–60 Min.). Nicht zusammen mit Milch einnehmen (keine Quellung der Schleimstoffe). Die gleichzeitige Einnahme von Arzneistoffen, welche die Darmmotilität hemmen, kann einen Darmverschluss hervorrufen.
Dosierung: TD 45 g.
Anwendung:
  • Obstipation: tgl. 2–3-mal 1 EL (ca. 10 g) unzerkleinerten oder „aufgeschlossenen“ (nicht geschroteten) Leinsamen zusammen mit jeweils ca. 150 ml Flüssigkeit einnehmen. Leinsamen nicht vorquellen lassen, da die Quellung erst im Darm erfolgen soll. Wirkungseintritt nach 12–24 Std., meist längere Anwendung erforderlich.

  • Entzündungen im Magen-Darm-Trakt: 2–3 EL zerkleinerten bzw. geschroteten Leinsamen zur Bereitung eines Leinsamenschleims

  • Äußere Anwendung: 30–50 g Leinsamenmehl als feuchtheißes Kataplasma oder Kompresse

Cave

Bei der Einnahme von Leinsamen auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr von tgl. 1,5–2 l achten.

Hinweis: Nach DAB 9 darf zerkleinerter Leinsamen nicht länger als 24 Stunden gelagert werden. 100 g Leinsamen entsprechen einem Nährwert von ca. 470 kcal (1960 KJ).
Liebstöckelwurzel (Levistici radix)
LiebstöckelwurzelLevistici radixStammpflanze: Levisticum officinale W. D. J. Koch (Liebstöckel syn. Maggipflanze), Apiaceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (Ligustilid mit typischem, maggiartigen Geruch), Cumarinderivate, Furanocumarine (Bergapten, Psoralen), Phenolcarbonsäuren, Falcarindiol (Polyacetylen).
Wirkungen: spasmolytisch, karminativ, diuretisch (aquaretisch), leicht östrogener Effekt (experimentell).
Indikationen: Förderung der Harnausscheidung, Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, vorbeugend bei Nierengrieß.
Erfahrungsheilkunde: als Stomachikum, Karminativum bei dyspeptischen Beschwerden (Aufstoßen, Sodbrennen, Völlegefühl), Emenagogum, Menstruationsbeschwerden.
Kontraindikationen: akute entzündliche Erkrankungen des Nierenparenchyms, Ödeme infolge eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit.
Nebenwirkungen: phototoxische Reaktionen aufgrund photosensibilisierender Eigenschaften (Furanocumarine) möglich.
Dosierung: TD 4–8 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), mehrmals tgl. 1 Tasse frisch bereiteten Tee zwischen den Mahlzeiten trinken. Bei Durchspülungstherapie auf reichliche Flüssigkeitszufuhr von mind. 2 l/Tag achten.

Merke

Bei längerer Anwendung von Liebstöckelwurzel auf UV-Bestrahlung sowie intensives Sonnenbaden verzichten.

Cave

Bei einer Durchspülungstherapie auf reichliche Flüssigkeitszufuhr von mindestens 2 l/Tag achten.

Lindenblüten (Tiliae flos)
Tiliae flosLindenblütenStammpflanze: Tilia cordata Mill. (Winterlinde), Tilia platyphyllos Scopoli (Sommerlinde), Malvaceae früher Tiliaceae.
Inhaltsstoffe: Flavonoide (Rutin, Hyperosid), Schleimstoffe, Gerbstoffe, Kaffeesäurederivate, ätherisches Öl (Geraniol, Eugenol, Linalool).
Wirkungen: diaphoretisch, reizlindernd, expektorierend.
Indikationen: fiebrige Infekte, Erkältungskrankheiten (Schwitzkur), trockener Reizhusten.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: TD 2–4 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), mehrmals tgl., v. a. in der 2. Tageshälfte, 1–2 Tassen frisch bereiteten Tee so heiß wie möglich trinken.

Cave

Lindenblütentee als Schwitzkur kann für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen belastend sein.

Löwenzahnwurzel mit -kraut (Taraxaci radix cum herba)
Taraxaci radix cum herbaLöwenzahnwurzel mit -krautStammpflanze: Taraxacum officinale F. H. Wiggers (Gemeiner Löwenzahn, Wiesen-Löwenzahn), Asteraceae.
Inhaltsstoffe: Bitterstoffe (Sesquiterpenlactone, Taraxacin), Triterpene, Flavonoide, Phytosterole, Phenylcarbonsäuren, Cumarine, Mineralstoffe, Fruktose, Inulin.
Wirkungen: choleretisch, diuretisch (aquaretisch), appetitanregend, Steigerung der Magensaftsekretion, antiphlogistisch, spasmolytisch, stoffwechselanregend.
Indikationen: Störungen der Gallensekretion, Appetitlosigkeit, leichte Verdauungsbeschwerden (Völlegefühl, Blähungen), Förderung der Harnausscheidung, adjuvant bei leichten Harnwegsbeschwerden.
Erfahrungsheilkunde: Förderung der Ausscheidung bei Gicht, rheumatischen Erkrankungen, Ekzemen, als „Blutreinigungsmittel“, mildes Laxans.
Kontraindikationen: Verschluss der Gallenwege, Gallenblasenempyem, Ileus. Bei Gallensteinleiden nur nach Rücksprache mit dem Arzt.
Nebenwirkungen: wie bei allen bitterstoffhaltigen Drogen superazide Magenbeschwerden möglich. Kontaktallergien (selten) bei Kontakt mit dem Milchsaft.
Dosierung: 1 EL Droge auf 1 Tasse Wasser als Teeaufguss 2-mal tgl., 3–4 g geschnittene oder gepulverte Droge auf 1 Tasse Wasser als Abkochung, 10–15 Tr. 3-mal tgl. als Tinktur), ca. 20 ml 3-mal tgl. als Frischpflanzensaft.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2) oder Abkochung morgens und abends (nicht zu spät wegen der aquaretischen Wirkung) 1 Tasse frisch bereiteten Tee warm trinken. In der Erfahrungsheilkunde wird die Anwendung kurmäßig, z. B. als Frühjahrskur über 4–6 Wo. empfohlen. Bei Durchspülungstherapie auf reichliche Flüssigkeitszufuhr von mind. 2 l/Tag achten.
Mädesüßblüten/-kraut (Filipendulae ulmariae flos/herba)
Spiraeae ulmariae flos/herbaMädesüßblüten/-krautStammpflanze: Filipendula ulmaria (L.) Maxim. syn. Spiraeae ulmaria L. (Echtes Mädesüß syn. Spierstaude), Rosaceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Phenylglykoside (Salicylsäurederivate, Salicylaldehyd), Flavonoide (Rutin, Hyperosid), Gerbstoffe (Ellagitannine).
Wirkungen: antiphlogistisch, antipyretisch, adstringierend, muskelrealxierend, schmerzstillend. Der Gehalt an Salicylaldehyd und Salicylsäurederivaten ist in den Blüten meist höher.
Indikationen: zur unterstützenden Behandlung von (fiebrigen) Erkältungskrankheiten, bei leichten Gliederschmerzen.
Kontraindikationen: bekannte Salicylat-Überempfindlichkeit.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: mittlere TD 2,5–3,5 g (Blüten) bzw. 4–5 g (Kraut), Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), mehrmals tgl. 1 Tasse frisch bereiteten Tee möglichst heiß trinken.
Maiglöckchenkraut (Convallariae herba)
MaiglöckchenkrautConvallariae herbaStammpflanze: Convallaria majalis L. (Maiglöckchen), Asparagaceae früher Convallariaceae.
Inhaltsstoffe: herzwirksame Glykoside (Cardenolid-Glykoside, v. a. Convallatoxin, Convallatoxol), Flavonoide, Pflanzensäuren.
Wirkungen: positiv inotrop auf das Arbeitsmyokard, Ökonomisierung der Herzarbeit, Senkung des gesteigerten linksventrikulären enddiastolischen Drucks sowie des pathologisch erhöhten Venendrucks. Venentonisierend, diuretisch, natriuretisch, kaliuretisch.
Indikationen: leichte Herzinsuffizienz (Stadium I–II NYHA), Altersherz, chron. Cor pulmonale.
Kontraindikationen: Therapie mit Digitalisglykosiden; Kaliummangelzustände.
Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Herzrhythmusstörungen.
Wechselwirkungen: Wirkungs- und damit Nebenwirkungssteigerung bei gleichzeitiger Gabe von Chinidin, Kalzium, Saluretika, Laxanzien und bei Langzeittherapie mit Glukokortikoiden.
Dosierung: mittlere TD 0,6 g eingestelltes Maiglöckchenpulver (DAB), Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Aufgrund der geringen therapeutischen Breite sind Herzglykoside nur in Form standardisierter (auf einen bestimmten Gehalt an Convallatoxin eingestellter) Phytopharmaka einzusetzen.
Malvenblätter/-blüten (Malvae folium/flos)
Malvenblätter/-blütenMalvae folium/flosStammpflanze: Malva silvestris L. (Wilde Malve), Malva neglecta Wallroth (Weg-Malve), Malvaceae.
Inhaltsstoffe: Schleimstoffe (v. a. saure Polysaccharide), wenig Gerbstoffe, Cumarine, Flavonoide, in den Blüten Anthocyane (blaue Farbe).
Wirkungen: reizlindernd (Schleimgehalt), antitussiv, schwach antioxidativ, adstringierend, entzündungshemmend, bakteriostatisch gegenüber Staphylococcus aureus und Escherichia coli (Anthocyane der Blüten).
Indikationen: Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum, trockener Reizhusten.
Erfahrungsheilkunde: Gastritis, Reizmagen, äußerlich zur Wundbehandlung als Umschläge.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: TD 5 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2) einsetzen, der Tee kann auch durch Ansetzen mit kaltem Wasser und zwei- bis dreistündigem Ziehen unter gelegentlichem Umrühren bereitet werden. Mehrmals tgl. und abends vor dem Schlafengehen 1 Tasse Teeaufguss langsam trinken.
Mariendistelfrüchte (Silybi mariani fructus syn. Cardui mariae fructus)
Silybi mariani fructusMariendistelfrüchteCardui mariae fructusStammpflanze: Silybum marianum (L.) Gaertn. syn. Carduus marianus L. (Mariendistel), Asteraceae.
Inhaltsstoffe: Silymarin, ein Naturstoffgemisch aus isomeren Flavolignanen (ca. 50 % SilibininSilibinin A und B, Isosilibinin A und B, Silidianin und Silichristin), fettes Öl (mit Linolsäure und anderen ungesättigten Fettsäuren), Sterole.
Wirkungen: antihepatotoxisch, antagonistisch gegenüber zahlreichen Lebergiften (Tetrachlorkohlenstoff, Galactosamin), Schutz vor Vergiftungen mit den Toxinen des grünen Knollenblätterpilzes (Phalloidin und α-Amanitin), antiinflammatorisch, antifibrotisch, leberregenerationsfördernd, stabilisierend auf Zellmembranen, antioxidativ/Radikalfängereigenschaften (Hemmung der Lipidperoxidation).
Indikationen: dyspeptische Beschwerden (Droge), adjuvant bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen und Leberzirrhose (alkohol. Zubereitungen bzw. Silymarin-Gemisch).
Studien, Erfahrungsheilkunde: Fettleber, Hepatitis C, funktionelle Gallenblasenbeschwerden.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: vereinzelt leicht abführende Wirkung (Zubereitungen).
Dosierung: mittlere TD 12–15 g Droge, Zubereitungen (alkoholischer Extrakt bzw. Silymaringemisch) entsprechend 200–400 mg Silymarin, berechnet als Silybinin. Nach klinischen Studien initial 400–420 mg, Erhaltungsdosis 210–280 mg.
Anwendung: Droge und alkoholische Zubereitungen/Silymaringemisch unterscheiden sich aufgrund der schlechten Wasserlöslichkeit der Flavanolderivate deutlich in ihrer Wirksamkeit (s. Monografie):
  • Dyspeptische Beschwerden: zerkleinerte Früchte als Teeaufguss (6.1.2) oder Abkochung, tgl. 3–4-mal 1 Tasse frisch zubereiteten Tee 1/2 Stunde vor den Mahlzeiten trinken

  • Lebererkrankungen: Extrakte bzw. Silymarin in ausreichender Dosierung, nur in Form stand. Phytopharmaka

Meerrettichwurzel (Armoraciae rusticanae radix)
MeerrettichwurzelArmoraciae rusticanae radixStammpflanze: Armoracia rusticana G. Gaertn., B. Mey. & Scherb. (Gewöhnlicher Meerrettich), Brassicaceae.
Inhaltsstoffe: Senfölglykoside (= Glucosinolate) mit Sinigrin (frische Wurzel), flüchtiges Senföl aus Allylsenföl (ca. 90 %) und 2-Phenylethyl-Isothiocyanat (getrocknete Wurzel). Beim Zerkleinern bzw. Zerstören des Pflanzengewebes werden aus den Glucosinolaten durch das Enzym Myrosinase die wirksamen Isothiocyanate freigesetzt.
Wirkungen: antimikrobiell (E. coli, Staph. aureus), hyperämisierend.
Indikationen:
  • Innere Anwendung: zur unterstützenden Behandlung von Infekten der ableitenden Harnwege und Katarrhen der Luftwege

  • Äußere Anwendung: leichte Muskelschmerzen

Erfahrungsheilkunde: zur Verdauungsförderung, adjuvant bei Leber- und Galleerkrankungen.
Kontraindikationen: Magen- und Darmgeschwüre, Nierenerkrankungen, Kinder < 4 J.
Nebenwirkungen: bei innerer Anwendung Magen-Darm-Beschwerden.
Dosierung: bei innerer Anwendung mittlere TD 20 g frische Wurzel, Zubereitungen entsprechend, bei äußerer Anwendung Zubereitungen mit max. 2% Senfölen.
Anwendung: Einnahme in Form von frischer oder getrockneter Droge, Frischpflanzenpresssaft, stand. Extrakte.
Meerzwiebel (Scillae bulbus)
Scillae bulbusMeerzwiebelStammpflanze: Charybdis maritima (L.) Speta syn. Urginea maritima (L.) Baker (Meerzwiebel), Hyacinthaceae.
Inhaltsstoffe: herzwirksame Glykoside (Bufadienolid-Glykoside, v. a. Scillaren A, Proscillaridin A), Flavonoide, Anthocyane.
Wirkungen: positiv inotrop, negativ chronotrop, Ökonomisierung der Herzarbeit, Senkung des gesteigerten, linksventrikulären enddiastolischen Drucks und des pathologisch erhöhten Venendrucks.
Indikationen: leichtere Formen der Herzinsuffizienz (auch bei verminderter Nierenleistung).
Erfahrungsheilkunde: digitalisrefraktäre Fälle und bradykarde Formen der Herzinsuffizienz
Kontraindikationen: Therapie mit Digitalisglykosiden, Kaliummangelzustände.
Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen, Magenbeschwerden, Durchfälle, unregelmäßiger Puls.
Wechselwirkungen: Wirkungs- und damit auch Nebenwirkungssteigerungen bei gleichzeitiger Gabe von Chinidin, Kalzium, Saluretika, Laxanzien und bei Langzeittherapie mit Glukokortikoiden.
Dosierung: mittlere TD 0,1–0,5 g eingestelltes Meerzwiebelpulver (DAB), Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Wegen der geringen therapeutischen Breite der Herzglykoside nur in Form stand. Extrakte einsetzen.
Melissenblätter (Melissae folium)
MelissenblätterMelissae foliumStammpflanze: Melissa officinalis L. (Melisse, Zitronenmelisse), Lamiaceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (Citronellal, Citral, Mono- und Sesquiterpene), Lamiaceen-Gerbstoffe (Rosmarinsäure), Triterpensäuren, Phenylcarbonsäuren, Flavonoide.
Wirkungen: beruhigend, karminativ, spasmolytisch, antibakteriell, virustatisch.
Indikationen: nervös bedingte Einschlafstörungen, funktionelle Magen-Darm-Beschwerden.
Studien: Herpes-simplex-Infektionen (nur Extrakt, äußere Anwendung).
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung:
  • Innere Anwendung: 1,5–4,5 g Droge auf 1 Tasse mehrmals tgl., Zubereitungen entsprechend

  • Äußere Anwendung: 1-prozentige Creme (Melissenextrakt) 2–4-mal tgl. dünn auftragen (pro cm2 Hautfläche 10–20 mg Creme)

Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), mehrmals tgl. 1 Tasse frisch bereiteten Tee trinken; als Extrakt. Sinnvoll sind Kombinationen mit anderen sedativ wirksamen Drogen. Bei Herpes-simplex-Infektionen nur in Form stand. Extrakte anwenden.
Mistelkraut (Visci albi herba)
Stammpflanze: Viscum album L. (Weißbeerige Mistel), Viscaceae (bzw. Loranthaceae).
Inhaltsstoffe: Lektine (= Glykoproteine mit spezifischem Bindungsvermögen für Zucker und Zelloberflächen, Mistellektine ML1, ML2 und ML3), Polypeptide (= Viscotoxine), Polysaccharide (Arabinogalaktane), Flavonoide, Lignane, Kaffesäurederivate, Phenylcarbonsäuren, Triterpensäuren (Oleanolsäure, Betulinsäure), biogene Amine.
Wirkungen: zytostatisch (direkte Agglutination der Tumorzelle, Induktion der Apoptose), immunmodulierend (Aktivierung von Makrophagen und natürlichen Killerzellen, Ausschüttung von Zytokinen und/oder Interleukinen), antimetastatische Effekte (tierexperimentell), Ausschüttung von Endorphinen, Linderung tumorbedingter Schmerzen sowie krankheitsassoziierter und therapieinduzierter Beschwerden, Verbesserung der Lebensqualität von Tumorpatienten, lokale Entzündungsreaktionen bei intrakutaner Injektion.
Indikationen:
  • Palliativtherapie im Sinne einer unspezifischen Reiztherapie bei malignen Tumoren

  • Degenerativ entzündliche Gelenkerkrankungen (Auslösung kutiviszeraler Reflexe durch lokale Entzündungsreaktionen bei intrakutaner Injektion). Diese Anwendung ist nicht ausreichend belegt und wird seit Jahren nicht mehr praktiziert. Phytopharmaka beziehen sich in den Fach- und Gebrauchsinformationen ausschließlich auf die Palliativtherapie bei Tumorerkrankungen.

Erfahrungsheilkunde: Misteltee: Grenzwert-Hypertonie (blutdrucksenkend bei Hypertonie, leicht blutdrucksteigernd bei Hypotonie), bei Schwindelgefühl und Blutandrang im Kopf (nicht ausreichend belegt).
Kontraindikationen: bei parenteraler Anwendung Eiweiß-Überempfindlichkeit, chronisch-progrediente Infektionen (z. B. Tbc), bekannte Überempfindlichkeit gegen Mistelzubereitungen, akut entzündliche und hochfieberhafte Erkrankungen, Hyperthyreose mit nicht ausgeglichener Stoffwechsellage, strenge Indikationsstellung bei primären Hirn- und Rückenmarktumoren (Gefahr der Hirndrucksteigerung), Schwangerschaft.
Nebenwirkungen: bei parenteraler Anwendung selten Schüttelfrost, Fieber, Kopfschmerzen, pektanginöse Beschwerden, orthostatische Kreislaufstörungen und allergische Reaktionen, Lymphknotenschwellung, Aktivierung von Entzündungen. Relativ häufig lokale Erscheinungen (Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle).

Cave

Engmaschige Kontrolle bei Tumorerkrankungen des hämatologischen und lymphatischen Systems sowie bei immunogenen Tumoren (z. B. Nierenzellkarzinom, malignes Melanom 2.48.6).

Wechselwirkungen: Vorsichtshalber nicht zusammen mit anderen Immunmodulatoren anwenden.
Dosierung: nach Angaben der Hersteller.
Anwendung: Nur parenterale Anwendung! Subkutane Injektionen 2-mal/Wo. im Abstand von 3–4 Tagen über mindestens 3 Mon. Wiederholung nach einer Pause von 4–8 Wochen. Behandlungszeitraum 5 Jahre bzw. bis zur Überschreitung des jeweiligen Tumorrezidivzeitraums.

Merke

Fertigarzneimittel aus Mistelkraut werden sowohl entsprechend der phytotherapeutischen als auch der anthroposophischen Therapierichtung eingesetzt. Sie unterscheiden sich in der Wahl des Wirtsbaums, der phytochemischen Zusammensetzung und der Einbindung in ein ganzheitliches Behandlungskonzept 2.64.3.

Mönchspfefferfrüchte syn. Keuschlammfrüchte (Agni casti fructus)
MönchspfefferfrüchteKeuschlammfrüchte (Agni casti fructus)Agni casti fructusStammpflanze: Vitex agnus-castus L. (Mönchspfeffer, Keuschlamm), Verbenaceae.
Inhaltsstoffe: Iridoidglykoside (Aucubin, Agnusid), lipophile (Casticin) und hydrophile Flavonoide, ätherisches Öl (Cineol, Bornylacetat, α- und β-Pinen), bicyclische Diterpene (Rotundifuran), Gerbstoffe, geringe Mengen fettes Öl (α-Linolen-, Öl-, Linolsäure).
Wirkungen: dopaminerg (Stimulation von Dopamin-D2-Rezeptoren an laktotrophen Zellen), ausgleichend auf Prolaktinspiegel (Hemmung der Prolaktinsekretion bei pathologisch erhöhtem bzw. Steigerung bei erniedrigtem Prolaktinspiegel), normalisiert die Corpus-luteum-Funktion und den relativen Gestagenmangel, Hemmung der LH-Sekretion.
Indikationen: Regeltempoanomalien, prämenstruelle Beschwerden, Mastodynie.
Studien/Erfahrungsheilkunde: Menstruationsstörungen infolge primärer und sekundärer Gelbkörperinsuffizienz, klimakterische Beschwerden (Präklimakterium: Ausgleich der Estrogen-Gestagen-Balance), Abstillen.
Kontraindikationen: Schwangerschaft, Stillzeit, Hypophysentumoren, Mammakarzinom.
Nebenwirkungen: gelegentlich juckende, urtikarielle Exantheme, vereinzelt Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden.
Wechselwirkungen: wechselseitige Wirkungsabschwächung bei Gabe von Dopamin-Rezeptor-Antagonisten denkbar (aufgrund dopaminerger Wirkung).
Dosierung: TD wässrig-alkoholische Auszüge entsprechend 30–40 mg Droge (1-mal tgl.).
Anwendung: Nur in Form stand. Extrakte einsetzen. Die Behandlungsdauer sollte mindestens über drei Zyklen, die Einnahme auch während der Blutung erfolgen.
Hinweis: Zu Beginn sollten Mönchspfefferfrüchte über den ganzen Zyklus eingenommen werden, bei Ansprechen der Therapie kann die Einnahme auf die 2. Zyklushälfte beschränkt werden. Hält die Besserung 3 Mon. an, ist ein Absetzen möglich.
Nachtkerzensamenöl (Oenotherae biennis oleum)
Oleum oenotherae semenNachtkerzensamenölStammpflanze: Oenothera biennis L., Oenothera lamarckiana L. (Gewöhnliche Nachtkerze), Onagraceae.
Inhaltsstoffe: fettes Öl mit 60–80% Linolsäure, 8–14% γ-Linolensäure.
Wirkungen: antiphlogistisch, immunmodulierend, Substitution von γ-Linolensäure und ihrer Derivate (Prostaglandine), Ausgleich des δ-6-Desaturase-Mangels.
Indikationen (Studien/Erfahrungsheilkunde):
  • Innere und äußere Anwendung: Juckreiz und trockene Haut bei akuten und chronischen Hauterkrankungen, atopisches Ekzem (Neurodermitis) mit Juckreiz, Schuppung, Hautentzündung und Rötung prämenstruelles Syndrom (nur innere Anwendung)

  • Äußere Anwendung: Hautpflege von Kindern und Säuglingen,

Kontraindikationen: Säuglinge und Kleinkinder unter 1 Jahr (innere Anwendung).
Nebenwirkungen: gelegentlich Übelkeit, Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, selten allergische Erscheinungen, Hautausschläge.
Wechselwirkungen: Bei innerer Anwendung Auslösung bisher unerkannter Temporallappenanfälle möglich bei gleichzeitiger Behandlung mit Arzneimitteln, die potenziell epileptische Anfälle auslösen können (z. B. Phenothiazinen).
Dosierung: tgl. 2-mal 4–6 Kps. mit 466–536 mg Nachtkerzensamenöl mit 40 mg γ-Linolensäure, Kinder im Alter von 1–12 Jahren 2-mal 2–4 Kps.
Anwendung:
  • Innere Anwendung: als Weichgelatinekapseln, therapeutische Dosis ab 240–320 mg γ-Linolensäure/Tag, sichtbare Wirkung frühestens nach 4–12 Wo.

  • Äußere Anwendung: Öl direkt auftragen, in Salbenzubereitungen und Hautpflegeprodukten

Orthosiphonblätter (Orthosiphonis folium)
Orthosiphonis foliumOrthosiphonblätterStammpflanze: Orthosiphon aristatus (Blume) Miq. syn. Orthosiphon spicatus Thunb. syn. Orthosiphon stamineus Benth. (Indischer Nierentee, Katzenbart syn. Koemis Koetjing), Lamiaceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Kaffeesäurederivate, Flavonoide, v. a. lipophile Flavone, Rosmarinsäure, Kaffeesäurederivate, Di- und Triterpene (Oleanol- und Betulinsäure), wenig ätherisches Öl, Kaliumsalze.
Wirkungen: diuretisch (aquaretisch), schwach spasmolytisch, antiphlogistisch.
Indikationen: Förderung der Harnausscheidung, Durchspülungstherapie bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und Nierengrieß (auch vorbeugend).
Kontraindikationen: Ödeme infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: TD 6–12 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss mehrmals tgl. 1 Tasse trinken. Bei Durchspülungstherapie auf zusätzlich reichliche Flüssigkeitszufuhr von mind. 2 l/Tag achten!
Passionsblumenkraut (Passiflorae herba)
PassionsblumenkrautPassiflorae herbaStammpflanze: Passiflora incarnata L. (Passionsblume), Passifloraceae.
Inhaltsstoffe: Flavonoide (Vitexin), Maltol, Cumarinderivate, Phenolcarbonsäuren, Glykoproteine, geringe Mengen ätherisches Öl. Das Vorkommen sog. Harmala-Alkaloide konnte nicht bestätigt werden.
Wirkungen: motilitätshemmend (tierexperimentell), Hemmung der lokomotorischen Aktivität, spasmolytisch (papaverinähnlicher Spasmolyseeffekt), schwach antikonvulsiv, sedierend, Bindung an Benzodiazapinrezeptoren, antidepressiv, anxiolytisch.
Indikationen: nervöse Unruhezustände, Schlafstörungen.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: TD 4–8 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), 2–4-mal tgl. und ½ Std. vor dem Schlafengehen 1 Tasse frisch bereiteten Tee trinken. Auch als stand. Extrakt einzusetzen. Kombinationen mit anderen beruhigend wirksamen Drogen sind sinnvoll.
Pelargoniumwurzel (Pelargonii radix)
Umckaloabowurzel, afrikanischePelargonii sidoides radixStammpflanze: Pelargonium sidoides DC. und Pelargonium reniforme Curt. (Afrikanische Pelargonie, Kapland-Pelargonie), Geranaceae.
Inhaltsstoffe: Cumarine (Umckalin, Scopoletin), Gallussäurederivate, Ellagitannine), Polyphenole (Catechin, Gallocatechin), Phytosterole, Phenolcarbonsäuren, Flavonoide, anorganische Substanzen, Kieselsäurederivate.
Wirkungen: Sekretomotorisch, antibakteriell gegenüber grampositiven (u. a. Staph. aureus) und gramnegativen Bakterien (Escherichia coli, Haemophilus influenzae), antiviral, antiphlogistisch, immunmodulierend, zytokininduzierend und zytoprotektiv (Freisetzung von Interferon, TNF-α), antioxidativ, Hemmung der Neuraminidase und der Adhäsion von Viren und Bakterien an die Schleimhautzelle.
Indikationen (Studien/Erfahrungsheilkunde): Erkältungskrankheiten, akute und chron. Bronchitis, Infektionen der oberen Atemwege.
Kontraindikationen: Schwangerschaft und Stillzeit, erhöhte Blutungsneigung, schwere Leber- und Nierenerkrankungen.
Nebenwirkungen: selten Magen-Darm-Beschwerden, sehr selten allergische Reaktionen.
Wechselwirkungen: bei gleichzeitiger Behandlung mit Antikoagulanzien vom Cumarintyp (z. B. Marcumar®) Verstärkung der gerinnungshemmenden Wirkung (Cumaringehalt der Droge) denkbar. Eine Interaktion ist bisher nicht nachgewiesen, bei einer Einnahme länger als 4 Tage wird eine engmaschige Kontrolle der INR-Werte empfohlen.
Dosierung: entsprechend den Angaben in Phytopharmaka.
Anwendung: Nur in Form stand. ethanolisch-wässriger Extrakte einsetzen.
Pestwurzwurzelstock (Petasitidis rhizoma)
Petasitidis rhizomaPestwurzwurzelstockStammpflanze: Petasites hybridus (L.) G. Gaertn., syn. Petasites officinalis MOENCH (Gewöhnliche Pestwurz) Asteraceae.
Inhaltsstoffe: Sesquiterpene (Petasin, Iso- und Neopetasin), ätherisches Öl, Flavonoide Schleimstoffe, Gerbstoffe, Pyrrolizidinalkaloide.
Wirkungen: spasmolytisch, analgetisch, antiphlogistisch, Hemmung der Leukotriensynthese, Verminderung der Freisetzung von Histamin und Serotonin.
Indikationen: adjuvant bei akuten krampfartigen Schmerzen im Bereich der ableitenden Harnwege, besonders bei Steinleiden.
Studien/Erfahrungsheilkunde:
  • Pestwurzwurzelstock-Extrakt: Behandlung und Prophylaxe der Migräne, bei Nacken- und Rückenschmerzen, Verkrampfungen

  • Pestwurzblätter: allergische Rhinitis, Asthma bronchiale

Kontraindikationen: Schwangerschaft, Stillzeit.
Nebenwirkungen: Sehr seltene, aber teils schwerwiegende Leberschädigungen durch Pyrrolizidinalkaloide möglich (s. u.).
Dosierung: Tagesdosis 4,5–7 g Droge, Zubereitungen entsprechend. Die Tagesdosis darf nicht mehr als 1 µg Pyrrolizidinalkaloide mit 1,2-ungesättigtem Necingerüst einschließlich ihrer N-Oxide enthalten.
Anwendung: Nur in Form stand. Extrakte einsetzen. Die Droge darf wegen des Gehalts unterschiedlicher Mengen an lebertoxischen Pyrrolizidinalkaloiden keinesfalls als Teezubereitung angewendet werden!
Anwendungsdauer: nicht länger als 4–6 Wo./Jahr (Monografie, gilt nicht für PA-freie Extrakte). Durch züchterische Maßnahmen bzw. Herstellungsverfahren sind pyrrolizidinalkaloidarme/-freie Extrakte mit einem PA-Gehalt unter der Nachweisgrenze (< 0,1 ppm) erhältlich, die auch bei länger dauernder Anwendung eine gute Verträglichkeit ohne toxikologisches Risiko aufweisen.
Petersilienkraut/-wurzel (Petroselini herba/-radix)
Petroselini herba/-radixPetersilienkraut/-wurzelStammpflanze: Petroselinum crispum (Mill.) Nymann (Petersilie), Apiaceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (Apiol, Myristicin), Furanocumarine (Bergapten, v. a. in der Wurzel), Flavonoide, Polyine.

Cave

Aufgrund der abortiven und zu Herzrhythmusstörungen führenden Wirkung des Apiols nur apiolarme Kulturrassen verwenden.

Wirkungen: diuretisch (aquaretisch), tonussteigernd, kontraktionsfördernd am Uterus.
Indikationen: Durchspülungstherapie bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege, Nierengrieß (auch vorbeugend).
Kontraindikationen: Schwangerschaft, entzündliche Nierenerkrankungen, Ödeme infolge eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit.
Nebenwirkungen: selten allergische Haut- und Schleimhautreaktionen. Bei hellhäutigen Personen phototoxische Reaktionen möglich (Furanocumarine).
Dosierung: TD 6 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: als Teeaufguss, Zubereitungen mit relativ geringen Ätherisch-Öl-Gehalt. Bei Durchspülungstherapie auf reichliche Flüssigkeitszufuhr von mind. 2 l/Tag achten!
Pfefferminzblätter/-öl (Menthae piperitae folium/aetheroleum)
Pfefferminzblätter/-ölMenthae piperitae folium/aetheroleumStammpflanze: Mentha piperita L. (Echte Pfefferminze), Lamiaceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (mit 35–45 % Menthol, 15–20 % Menthon, 3–5 % Menthylacetat, Menthofuran), Lamiaceen-Gerbstoffe (Rosmarinsäure, Kaffeesäurederivate), Flavonoide, Triterpene.
Wirkungen:
  • Spasmolytisch (Ca-antagonistischer Effekt), choleretisch, karminativ, Förderung der Magensaftseketion, motilitätsfördend, appetitanregend, antibakteriell, virustatisch

  • Pfefferminzöl zusätzlich sekretolytisch, kühlend, lokalanästhesierend, juckreizlindernd, lokal hyperämisierend

Indikationen: dyspeptische Beschwerden (Flatulenz), krampfartige Beschwerden im Magen-Darm-Bereich sowie der Gallenblase und -wege.
Erfahrungsheilkunde: Übelkeit, Erbrechen, Meteorismus.
Pfefferminzöl (zusätzlich):
  • Innere Anwendung: krampfartige Beschwerden und Schmerzen im Gastrointestinaltrakt, Flatulenz, insbesondere bei Reizdarmsyndrom, Colon irritabile

  • Äußere Anwendung: zur Inhalation bei Husten und Erkältung

  • Äußere Anwendung: Spannungskopfschmerzen, Migräne, Pruritus, stumpfe Verletzungen, Myalgien, neuralgiforme Beschwerden, Entzündung der Mundschleimhaut (Pinselungen/Spülungen)

Kontraindikationen: bei Gallensteinleiden nur nach Rücksprache mit dem Arzt. Pfefferminzöl: Verschluss der Gallenwege, Gallenblasenentzündungen, schwere Leberfunktionsschäden.
Nebenwirkungen: keine bekannt. Pfefferminzöl: bei empfindlichen Personen Magenbeschwerden.
Dosierung: mittlere TD 3–6 g Droge, 5–15 g Tinktur, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung:
  • Als Teeaufguss (6.1.2), 2–4-mal tgl. 1 Tasse frisch bereiteten Tee warm zwischen den Mahlzeiten trinken. Pfefferminztee ist wegen der tonussenkenden Wirkung auf den unteren Ösophagussphinkter nicht zum Dauergebrauch (z. B. als Frühstückstee) geeignet (bei längerer Anwendung unangenehmes Aufstoßen von Pfefferminzöl).

  • Pfefferminzöl:

    • Innere Anwendung: mittlere TD 6–12 Tr. Colon irritabile: mittlere TD 0,6 ml (Einzeldosis 0,2 ml) in magensaftresistenter Darreichungsform

    • Inhalation: 3–5 Tr. in heißes Wasser

    • Äußere Anwendung: einige Tr. in die betroffene Hautpartie einreiben, in halbfesten oder öligen Zubereitungen 5–20-prozentig, in wässrig-ethanolischen Zubereitungen 5–10-prozentig, in Nasensalben 1–5% ätherisches Öl

Cave

Pfefferminzöl bei Säuglingen und Kleinkindern nicht im Bereich des Gesichts, speziell der Nase oder großflächig auf Brust und Rücken anwenden (Kratschmer-Reflex).

Primelwurzel (Primulae radix)
Primulae radixPrimelwurzelStammpflanze: Primula veris L. (Frühlings- oder Wiesen-Schlüsselblume), Primula elatior (L.) Hill. (Hohe oder Wald-Schlüsselblume), Primulaceae.
Inhaltsstoffe: Triterpensaponine (Primulasaponin A), Phenolglykoside (Salicylsäurederivate, u. a. Primulaverin, Primverin), Flavonoide, seltene Zucker und Zuckeralkohole, Gerbstoffe. Schlüsselblumenblüten enthalten v. a. in den Kelchblättern bis 2 % Saponine.
Wirkungen: sekretolytisch, sekretomotorisch, expektorierend.
Indikationen: als Expektorans bei Erkältungskrankheiten der Atemwege und Husten mit zähflüssigem Schleim.
Kontraindikationen: bekannte Allergie gegen Primeln.
Nebenwirkungen: vereinzelt Magenbeschwerden, bei Überdosierung Übelkeit, Brechreiz, Diarrhö.
Dosierung: TD 0,5–1,5 g Droge, 1,5–3 g Tinktur, Zubereitungen entsprechend; Schlüsselblumenblüten: 2–4 g Droge als Teeaufguss mehrmals tgl., besonders morgens nach dem Aufwachen und abends vor dem Schlafengehen 1 Tasse Tee möglichst heiß trinken.
Anwendung: Als Teeaufguss oder Abkochung (6.1.2), 1–3-mal tgl. 1 Tasse Tee trinken.
Hinweis: Aus geschmacklichen Gründen und wegen geringerer Reizwirkung auf die Magenschleimhaut werden in der Kinderheilkunde Schlüsselblumenblüten bevorzugt. Am besten Schlüsselblumenblüten mit Kelch mit höherem Saponin-Gehalt verwenden.
Propolis (Kittharz der Honigbienen)
PropolisKittharz der HonigbienenVon Bienen gesammelte harzige Exsudate von Knospen und Blättern verschiedener Bäume, v. a. Pappel, Birke, Kastanie, Weide.
Inhaltsstoffe: Abhängig von der Herkunft und dem Sammelzeitpunkt unterschiedliche Mengen an Polyphenolen, Phenolcarbonsäuren (Benzoesäure, Ferulasäure, Kaffeesäure, Zimtsäure u. a.), Flavonoide (Apigenin, Kämpferol, Quercetin), ätherisches Öl (Cineol, Farnesol, Caryophyllen, Zimtalkohol), Fettsäuren (Laurin-, Myristin-, Palmitin-, Stearinsäure), Polysaccharide.
Wirkungen: antimikrobiell (grampositive und gramnegative Bakterien, Dermatophyten), Hemmung der Proteinsynthese in Bakterien, Bakteriolyse, antiviral, zytostatisch, antiphlogistisch (Hemmung der Cyclooxygenase/Lipoxygenase), adstringierend, lokalanästhetisch, granulationsfördernd, immunmodulierend, spasmolytisch, choleretisch.
Indikationen (klin. Studien/Erfahrungsheilkunde): Infekte der Atemwege und des Urogenitaltrakts, Anregung des Immunsystems (innere Anwendung), Erkrankungen des Mund- und Rachenraums, Herpes simplex, Wund- und Narbenbehandlung, Verbrennungen, Entzündungen der Haut, Akne vulgaris, Mykosen (äußere Anwendung).
Kontraindikationen: Nur bei äußerer Anwendung: Atopiker, Imker-Propolis-Allergiker, bekannte Allergien gegenüber Perubalsam, Kaffeesäurederivaten, Zimtrinden- und Pappelknospenzubereitungen
Nebenwirkungen: allergische Reaktionen (s. o.).
Wechselwirkungen: Kreuzallergien mit Korbblütlern sind möglich.
Dosierung/Anwendung:
  • Innere Anwendung: akut tgl. 5-mal 20–30 Tr., chronisch tgl 3-mal 10 Tr. Propolistinktur

  • Mundspülung: 10–15 Tr. Propolistinktur auf ca. 150 ml Wasser

  • Äußere Anwendung: 10–20-prozentige Salbe 1–2-mal tgl. oder 1-mal tgl. Umschlag mit 30–50 Tr. Propolistinktur

Purpursonnenhutkraut (Echinaceae purpureae herba)
PurpursonnenhutkrautEchinaceae purpureae herbaStammpflanze: Echinacea purpurea (L.) Moench (Roter Sonnenhut), Asteraceae.
Inhaltsstoffe: Cichoriensäure (O-Dicaffeoylweinsäure), Alkylamide, Polysaccharide (Arabinogalaktane), Glykoproteine, Flavonoide (Kämpferol, Quercetin, Rutin), ätherisches Öl.
Wirkungen: immunmodulierend (Steigerung der Leukozytenzahl, Erhöhung der Granulozyten- und Makrophagenaktivität, Aktivierung der Phagozytoseleistung, Stimulation von B- und T-Lymphozyten, vermehrte Freisetzung von Zytokinen, Steigerung der Zytotoxizität von natürlichen Killerzellen), antiphlogistisch, wundheilungs- und granulationsfördernd, Aktivierung von Fibroblasten, Hemmung der Hyaluronidase, antiviral.
Indikationen:
  • Innere Anwendung: kurzzeitige Prävention und Therapie von Erkältungskrankheiten, unterstützende Behandlung rezidivierender Infekte im Bereich der Atemwege und der ableitenden Harnwege

  • Äußere Anwendung: Schlecht heilende, oberflächliche Wunden, Herpes simplex

Erfahrungsheilkunde: adjuvant bei Tumorerkrankungen.
Kontraindikationen:
  • Innere Anwendung: progrediente Systemerkrankungen (Tuberkulose, Leukosen, Kollagenosen, multiple Sklerose, AIDS-Erkrankung, HIV-Infektion), Autoimmunerkrankungen, Neigung zu Allergien, besonders gegen Korbblütler, Schwangerschaft

  • Äußere Anwendung: keine bekannt

Nebenwirkungen: parenterale Anwendung (heute nicht mehr praktiziert): dosisabhängig Schüttelfrost, kurzfristige Fieberreaktionen, Übelkeit und Erbrechen. In Einzelfällen allergische Reaktionen vom Soforttyp. Bei Diabetes Verschlechterung der Stoffwechsellage möglich.
Dosierung:
  • Innere Anwendung: TD 6–9 ml Presssaft, Zubereitungen entsprechend.

  • Äußere Anwendung: mind. 15% Presssaft in halbfesten Zubereitungen, für Umschläge unverdünnt oder 1 : 3–5 verdünnt.

Anwendung: nur in Form stand. Phytopharmaka aus dem Presssaft des frischen blühenden Krauts von Echinacea purpurea einsetzen.
Anwendungsdauer: Im akuten Krankheitsfall Einnahme 5–7 Tage, laut Kommission E (1992) Einnahme nicht länger als 8 Wo Zur Prophylaxe wird eine Intervalltherapie empfohlen: Einnahme ca. 1–2 Wo., anschließend 1–2 Wo Pause, Wiederholung 2−3-mal insgesamt nicht länger als 4–6 Wo.

Cave

Nach aktuellen Auflagen des BfArM nicht länger als 2 Wo. einnehmen, anschließend eine Pause von 2 Wo. einlegen.

Ratanhiawurzel (Ratanhiae radix)
RatanhiawurzelRatanhiae radixStammpflanze: Krameria triandra Ruiz et Pav. (Ratanhia), Krameriaceae.
Inhaltsstoffe: Gerbstoffe (v. a. Catechingerbstoffe), oligomere Proanthocyanidine, Lignane, Flavonole, Stärke. Die Gerbstoffe gehen bei längerer Lagerung der Droge durch Kondensations- und Oxidationsvorgänge in weniger wirksame Phlobaphene über (= Ratanhiarot).
Wirkungen: adstringierend, antibakteriell, antioxidativ.
Indikationen: leichte Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut (lokale Anwendung).
Erfahrungsheilkunde: innerlich bei Durchfällen, äußerlich bei Frostbeulen, Hämorrhoiden, Verbrennungen 1.Grades.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: sehr selten allergische Schleimhautreaktionen.
Dosierung: ca. 1 g Droge auf 1 Tasse Wasser oder 5–10 Tr. Tinktur auf 1 Glas Wasser 2–3-mal tgl., unverdünnte Tinktur als Pinselung 2–3-mal tgl., Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: als Abkochung, 2–3-mal tgl. spülen oder gurgeln. Ohne ärztlichen Rat nicht länger als 2 Wo. anwenden.
Rhabarberwurzel (Rhei radix)
Rhei radixRhabarberwurzelStammpflanze: Rheum palmatum L. (Medizinalrhabarber) und Rheum officinale Baillon (Südchinesischer Rhabarber), Polygonaceae.
Inhaltsstoffe: Anthrone und Anthranoide (Hydroxyanthracen-Derivate: Glykoside vom Rhein- und Aloe-Emodin-Typ, Dianthronglykoside wie Sennosid A–F), oligomere Proanthocyanidine, Gerbstoffe (Catechingerbstoffe, Gallotannine), Flavonoide, Pektine.
Wirkungen: laxierend, sekretagog, hydragog, antiabsorbtiv (Erhöhung der aktiven Chloridsekretion, Einstrom von Elektrolyten und Wasser in das Darmlumen, Volumenzunahme und Erhöhung des Füllungsdrucks). Die eigentliche Wirkform entsteht im Dickdarm durch Spaltung der Anthrachinonglykoside durch β-Glucosidasen. Bei geringerer Dosierung aufgrund des Gerbstoffgehalts adstringierend, (ED ab 1,0 g), antidiarrhoisch (ED 0,1–0,3 g).
Indikationen:
  • Kurzzeitige Behandlung der Obstipation, Erkrankungen, bei denen eine leichte Defäkation mit weichem Stuhl erwünscht ist, z. B. Analfissuren, Hämorrhoiden, nach rektal-analen Operationen

  • Als Gerbstoffdroge bei Magen-Darm-Katarrhen in geringerer Dosierung, Entzündungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches (alkoholischer Auszug, äußere Anwendung)

Kontraindikationen: Ileus, akut entzündliche Darmerkrankungen (M. Crohn, Colitis ulcerosa, Appendizitis), abdominelle Schmerzen unbekannter Ursache, Schwangerschaft und Stillzeit, Kindern unter 12 Jahren.
Nebenwirkungen: In Einzelfällen (in höherer Dosierung) kolikartige abdominelle Beschwerden. Bei längerer Anwendung Störungen im Elektrolyt- und Wasserhaushalt, Hypokaliämie (Verstärkung der Obstipation, Muskelschwäche, Erhöhung der Digitalisempfindlichkeit!), Pseudomelanosis coli (reversible Pigmenteinlagerungen in der Darmschleimhaut, bildet sich nach Absetzen innerhalb von 6–10 Mon. zurück).
Wechselwirkungen: bei Langzeitanwendung Verstärkung der Wirkung von Herzglykosiden durch Kaliummangel sowie Wirkungsbeeinflussung von Antiarrhythmika. Erhöhung des Kaliumverlusts durch gleichzeitige Einnahme von (Thiazid)-Diuretika, Nebennierenrindenhormonen und Süßholzwurzel.
Dosierung: TD 20–30 mg Hydroxyanthracenderivate, berechnet als Rhein. Die individuell richtige Dosis ist die geringste, die erforderlich ist, um einen weichgeformten Stuhl zu erhalten.
Anwendung: Als Laxans ED ab 1,0 g Droge, als Teeaufguss (6.1.2), Abkochung oder Kaltmazerat (6.1.2), abends vor dem Schlafengehen trinken. Wirkungseintritt nach 6–10 Std. Als Gerbstoffdroge mit antidiarrhoischer Wirkung in einer ED von 0,1–0,3 g anwenden.

Cave

Stimulierende, die Darmschleimhaut reizende Abführmittel nicht länger als 1–2 Wo. einnehmen.

Ringelblumenblüten (Calendulae flos)
RingelblumenblütenCalendulae flosStammpflanze: Calendula officinalis L. (Gartenringelblume), Asteraceae.
Inhaltsstoffe: Flavonoide (Hyperosid, Quercetinglykoside), Triterpensaponine, Cumarine (Umbelliferon, Scopoletin), Carotinoide (Lutein), Triterpenalkohole (Faradiol), Polysaccharide (Arabinogalactane), ätherisches Öl (α-Cadinol).
Wirkungen: antiphlogistisch, antiödematös, Wundheilungs- und granulationsfördernd, antibakteriell, fungistatisch, virustatisch.
Indikationen: leichte Hautentzündungen (z.B. Sonnenbrand), Unterstützung der Heilung kleiner Wunden, entzündliche Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut, Wunden, auch mit schlechter Heilungstendenz.
Studien/Erfahrungsheilkunde: Vorbeugung von Strahlenschäden und Pflege der Haut bei postoperativer Bestrahlung (Mammakarzinom), Ulcus cruris.
Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegenüber Korbblütlern.
Nebenwirkungen: evtl. allergische Kontaktreaktionen bei Zubereitungen, die auch die Kelchblätter der Droge enthalten.
Dosierung: 1–2 g Droge auf 150 ml, 1–2 TL (2–4 ml) Tinktur auf ½ Glas Wasser, 2–5 g Droge in 100 g Salbe.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum mit dem warmen Aufguss mehrmals tgl. spülen oder gurgeln. Zur Behandlung von Wunden Kompressen mit dem Aufguss tränken und auf die Wunde legen. Umschläge mehrmals tgl. wechseln.

Cave

Bei chron. Ulcus cruris wegen Allergiegefahr mit Vorsicht anwenden (vorzuziehen sind Zubereitungen aus Ringelblumenblüten ohne Kelch). Selbst hergestellte Salben mit Schweineschmalz oder Hammeltalg können durch oxidative Veränderung der Fettsäuren v. a. bei Neurodermitikern Hautreizungen hervorrufen.

Roggenpollenextrakt (Pollinis siccum extractum)
RoggenpollenextraktPollinis siccum extractumStammpflanze: Secale cereale L. (Roggen), Poaceae. Roggenpollenextrakt besteht aus mind. 90% Roggenpollen und max. 10% Pollen aus Wiesen-Lieschgras und Mais.
Inhaltsstoffe: Phytosterole, Aminosäuren, Kohlenhydrate, Fettsäuren, Fettsäureester.
Wirkungen: antikongestiv, antiphlogistisch (Hemmung der Cyclooxygenase und der Lipoxygenase), spasmolytisch, Stärkung des Detrusor-Auslass-Systems.
Indikationen (Studien/Erfahrungsheilkunde): Miktionsbeschwerden bei BPH Stadium I – II nach Alken, abakterielle Prostatitis.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: sehr selten leichte Magen-Darm-Beschwerden oder allergische Hautreaktionen.
Dosierung: TD 80–120 mg lipophiler Extrakt in 2–3 Einzelgaben.
Anwendung: Nur in Form stand. Extrakte einsetzen. Deutliche Wirksamkeit nach 3–6 Mon.

Cave

Roggenpollenextrakt bessert die Beschwerden einer vergrößerten Prostata, ohne die Vergrößerung zu beheben. Erforderlich ist eine regelmäßige ärztliche Kontrolle.

Rosmarinblätter (Rosmarini folium)
Rosmarini foliumRosmarinblätterStammpflanze: Rosmarinus officinalis L. (Rosmarin), Lamiaceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (Cineol, Campher, Borneol, Bornylacetat, α-Pinen), Lamiaceen-Gerbstoffe (Rosmarinsäurederivate), Flavonoide, bitter schmeckende Diterpenphenole, Triterpensäuren (Oleanol-, Ursolsäure), Flavonoide.
Wirkungen: spasmolytisch an den Gallenwegen und am Dünndarm, cholagog und leberprotektiv, positiv inotrop, Steigerung des Koronardurchflusses (experimentell), vasodilatatorisch, hautreizend, durchblutungsfördernd (äußere Anwendung).
Indikationen:
  • Innere Anwendung: dyspeptische und krampfartige gastrointestinale Beschwerden.

  • Äußere Anwendung: adjuvant bei Muskel- und Gliederschmerzen, zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Erkrankungen, Kreislaufbeschwerden (als Bad)

Erfahrungsheilkunde: funktionelle Herzbeschwerden (Rosmarinöl als Bestandteil in Herzsalben), Appetitlosigkeit, zur Förderung der Verdauung, Steigerung der Magensaftsekretion, in der Rekonvaleszenz.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung:
  • Innere Anwendung: TD 4–6 g Droge, 10–20 Tr. ätherisches Öl, Zubereitungen entsprechend

  • Äußere Anwendung: 50 g Droge auf ein Vollbad, 6–10% ätherisches Öl in halbfesten und flüssigen Zubereitungen

Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), tgl. 3–4-mal 1 Tasse frisch bereiteten Tee warm zwischen den Mahlzeiten trinken, als Aufguss dem Badewasser zusetzen.

Cave

Von einer Anwendung von Rosmarinöl in der Schwangerschaft wird aufgrund toxischer Nebenwirkungen (mögliche abortive Wirkung bei Einnahme größerer Mengen) und der durchblutungsfördernden Wirkung als Badezusatz abgeraten.

Rosskastaniensamen (Hippocastani semen)
RosskastaniensamenHippocastani semenStammpflanze: Aesculus hippocastanum L. (Gemeine Rosskastanie), Sapindaceae früher Hippocastanaceae.
Inhaltsstoffe: Triterpensaponingemisch aus über 30 Saponinglykosiden (= (β)-Aescin), Flavonoide, Cumarine (Aesculin), Phytosterole, fettes Öl, Proteine.
Wirkungen: antiexsudativ, kapillarabdichtend, ödemprotektiv (Stabilisierung der Lysosomenmembran, Verhinderung der unkontrollierten Freisetzung lysosomaler Enzyme, Verhinderung des Abbaus von Mucopolysacchariden im Bereich der Venenwand), venentonisierend.
Indikationen: chronisch-venöse Insuffizienz (Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, Ödeme, Hämatome, Wadenkrämpfe, Juckreiz).

Merke

Die Anwendung der Droge ist nicht gebräuchlich. Die HMPC- und Kommission E-Monografien beziehen sich auf einen ethanolischen Extrakt bzw. eine Tinktur aus Rosskastaniensamen (DAB 10) mit einem Gehalt an Triterpenglykosiden von 16–20% (berechnet als wasserfreies Aescin).

Erfahrungsheilkunde: Varikosis, postthrombotisches Syndrom, Ulcus cruris, posttraumatische und postoperative Weichteilschwellungen, vorbeugend gegen Reisethrombosen, Hämatomresorption.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: in seltenen Fällen Juckreiz, Übelkeit, Reizungen der Magenschleimhaut (innere Anwendung).
Dosierung: TD 100 mg Aescin (2-mal 50 mg Aescin bzw. 2-mal 250–312,5 mg ethanolisch-wässriger Extrakt) in retardierter magensaftresistenter Darreichungsform.
Anwendung: Nur in Form stand. Phytopharmaka anzuwenden.
Sägepalmenfrüchte (Sabalis serrulatae fructus)
Sägepalmenfrüchte, SabalfrüchteSabal fructusStammpflanze: Serenoa repens (W. Bartram) Small syn. Sabal serrulata (Michx.) Nutt. ex Schultes & Schultes (Sägepalme), Arecaceae.
Inhaltsstoffe: Lipide, v. a. Triglyzeride und, freie Fettsäuren, Fettsäureester, Fettalkohole, γ-Linolensäure, δ-5- und δ-7- Phytosterole, β-Sitosterol, Triterpene, Flavonoide, Polysaccharide.
Wirkungen: antiandrogen, Hemmung der 5α-Reduktase und der Aromatase, Blockade von α-Rezeptoren, Aktivitätssteigerung der 3α-Hydroxysteroid-Oxidoreduktase (v. a. Hexan-, CO2- und Ethanol-Extrakte), antiphlogistisch (Hemmung der Prostaglandin- und Leukotriensynthese), antiödematös, antiexsudativ, antiproliferativ, antikongestiv.
Indikationen: Miktionsbeschwerden bei BPH Stadium I bis II nach Alken.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: selten Magenbeschwerden.
Dosierung: TD 1–2 g Droge oder 320 mg lipophiler Extrakt.
Anwendung: Nur in Form stand. lipophiler Extrakte.

Cave

Sägepalmenfrüchte bessern irritative und obstruktive Beschwerden einer vergrößerten Prostata, ohne die Vergrößerung zu beheben. Regelmäßige ärztliche Kontrolle!

Salbeiblätter (Salviae folium)
Salviae foliumSalbeiblätterStammpflanze: Salvia officinalis L. (Echter oder Garten-Salbei), Lamiaceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (α- und β-Thujon, Cineol, Campher), Lamiaceen-Gerbstoffe (Rosmarinsäure), Diterpen-Bitterstoffe, Flavonoide, Triterpene, Steroide. Der Bitterwert sollte mindestens 1 000 betragen.
Wirkungen: sekretionsanregend, antibakteriell (grampositive und gramnegative Bakterien), fungistatisch (Candida albicans), virustatisch, adstringierend, schweißhemmend, antiphlogistisch, antioxidativ.
Indikationen:
  • Innere Anwendung: dyspeptische Beschwerden (Völlegefühl, Sodbrennen), vermehrte Schweißsekretion

  • Äußere Anwendung: Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut

Erfahrungsheilkunde: Herpes simplex.
Kontraindikationen: Schwangerschaft (reines ätherisches Öl und alkoholische Extrakte wegen des Gehalts an α- und β-Thujon).
Nebenwirkungen: bei länger andauernder Einnahme von alkoholischen Extrakten oder reinem ätherischen Öl epileptiforme Krämpfe. Bei wässrigen Zubereitungen keine bekannt.
Dosierung:
  • Innere Anwendung: TD 4–6 g Droge, 0,1–0,3 g ätherisches Öl, 2,5–7,5 g Tinktur, 1,5–3 g Fluidextrakt

  • Zum Spülen und Gurgeln: 2,5 g Droge oder 2–3 Tr. ätherisches Öl auf 100 ml Wasser, 5 g alkoholischer Auszug auf 1 Glas Wasser

Anwendung: als Teeaufguss, tgl. 3–4-mal 1 Tasse. Bei Entzündungen im Bereich der Mund- und Rachenschleimhaut: mehrmals tgl. mit dem noch warmen Teeaufguss bzw. alkoholischem Auszug gurgeln oder spülen. Pinselungen mit unverdünntem alkoholischem Auszug.

Cave

Alkoholische Zubereitungen wegen des hohen Thujongehalts nicht in höherer Dosierung (max. 3-mal 40 Tr.) und nicht länger als 4 Wo. einnehmen. Vorsichtshalber auch Teezubereitungen nicht länger als 4 Wo. einnehmen.

Schachtelhalmkraut (Equiseti herba)
SchachtelhalmkrautEquiseti herbaStammpflanze: Equisetum arvense L. (Ackerschachtelhalm), Equisetaceae.
Inhaltsstoffe: Flavonoide (Luteolin- und Apigeninglykoside), mineralische Bestandteile (Kieselsäure, Kaliumsalze), Kaffeesäurederivate, geringe Mengen ätherisches Öl.
Wirkungen: schwach diuretisch (aquaretisch), bindegewebsfestigend, anregend auf den Hautstoffwechsel, antioxidativ.
Indikationen:
  • Innere Anwendung: Förderung der Ausscheidung, posttraumatisches und statisches Ödem, Durchspülungstherapie bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, Nierengrieß

  • Äußere Anwendung: unterstützend bei oberflächlichen oder schlecht heilenden Wunden

Erfahrungsheilkunde: als Antidyskratikum bei Gicht und Rheuma, Erkrankungen der oberen Atemwege, zur Stärkung des Bindegewebes, bei brüchigen Fingernägeln, Wundbehandlung (innere und äußere Behandlung).
Kontraindikationen: Durchspülungstherapie: Ödeme infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung:
  • Innere Anwendung: mittlere TD 6 g Droge, Zubereitungen entsprechend

  • Äußere Anwendung: für Umschläge 10 g Droge auf 1 l Wasser

Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), 3 bis mehrmals tgl. 1 Tasse frisch bereiteten Tee trinken. Bei Durchspülungstherapie auf zusätzlich reichliche Flüssigkeitszufuhr von mind. 2 l/Tag achten!
Schafgarbenkraut/-blüten (Millefolii herba/flos)
Schafgarbenkraut/-blütenMillefolii herba/flosStammpflanze: Achillea millefolium L. (Wiesen-Schafgarbe), Asteraceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (Cineol, Caryophyllen), Proazulene die bei der Wasserdampfdestillation das blaue Chamazulen und weitere blaugrüne Produkte „Grünazulen“ liefern), Sesquiterpenlacton-Bitterstoffe, Flavonoide (Rutin), Phenylcarbonsäuren, Dicaffeoylchinasäurederivate, geringe Mengen Sterole und Triterpene.
Wirkungen: choleretisch, antibakteriell, adstringierend, spasmolytisch, antiphlogistisch, skretionssteigernd, appetitanregend, antihepatotoxisch (experimentell).
Indikationen:
  • Innere Anwendung: Appetitlosigkeit; dyspeptische und leichte krampfartige Beschwerden im Magen-Darm-Bereich mit Völlegefühl und Blähungen, als Cholagogum, leichte krampfartige Menstruationsbeschwerden

  • äußere Anwendung: kleine oberflächliche Wunden, als Sitzbad bei Menstruationsbeschwerden, Pelvipathia vegetativa (schmerzhafte Krampfzustände psychovegetativen Ursprungs im kleinen Becken der Frau)

Erfahrungsheilkunde – innere Anwendung: chron.-entzündliche Lebererkrankungen, Schleimhautentzündungen im Magen-Darm-Trakt Äußere Anwendung: Vulvitis, Kolpitis, Haut- und Schleimhautentzündungen, als Hämostyptikum bei kleinen Wunden
Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Schafgarbe und andere Korbblütler (z. B. Arnika, Kamille, Ringelblumen).
Nebenwirkungen: selten allergische Hautreaktionen (Juckreiz, Ausschläge, Bläschenbildung), selten Kontaktallergien bei Kontakt mit der frischen Pflanze („Wiesendermatitis“).
Dosierung: TD 4,5 g Schafgarbenkraut, 3 g Schafgarbenblüten, Zubereitungen entsprechend; für Sitzbäder 100 g Schafgarbenkraut auf 20 l Wasser.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), tgl. 3–4-mal 1 Tasse frisch bereiteten Teeaufguss zwischen den Mahlzeiten trinken.
Schöllkraut (Chelidonii herba)
SchöllkrautChelidonii herbaStammpflanze: Chelidonium majus L. (Schöllkraut), Papaveraceae.
Inhaltsstoffe: Berberin-und Benzophenanthridinalkaloide: Coptisin (Hauptalkaloid im Kraut), Berberin, Chelidonin (Hauptalkaloid der Wurzel), Sanguinarin, Chelidonsäure, Pflanzensäuren (Äpfel-, Citronen-, Bernsteinsäure), Kaffeesäurederivate, im Milchsaft proteolytische Enzyme, geringe Mengen Carotinoide und Flavonoide.
Wirkungen: leicht spasmolytisch (papaverinartig) am oberen Verdauungstrakt, choleretisch, cholekinetisch, antiphlogistisch, leicht analgetisch, zentral sedierend, zytotoxisch (Chelidonin, Coptisin), antimikrobiell.
Indikationen: krampfartige Beschwerden im Bereich der Gallenwege und des Magen-Darm-Trakts.
Erfahrungsheilkunde: als galletreibendes, krampflösendes Mittel, bei Gelbsucht (innere Anwendung); äußerlich gegen Warzen (frischer Milchsaft).
Kontraindikationen: Lebererkrankungen (auch in der Anamnese), gleichzeitige Anwendung leberschädigender Stoffe, Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder unter 12 Jahren. Bei Gallensteinleiden bzw. Verschluss der Gallenwege nur unter ärztlicher Kontrolle.
Nebenwirkungen: in Einzelfällen und bei einer Tagesdosis über 20 mg Gesamtalkaloide Anstieg der Leberenzymaktivitäten und der Serum-Bilirubinkonzentration bis hin zu einer medikamentös-toxischen Hepatitis, die sich nach Absetzen des Präparates normalisieren bzw. wieder zurückbilden.
Dosierung: mittlere TD 2–5 g Droge bzw. 12–30 mg Gesamtalkaloide berechnet als Chelidonin (Monografie) bzw. 12–20 mg Gesamtalkaloide (aufgrund von Meldungen über Nebenwirkungen jüngerer Zeit s. o.).
Anwendung: Eine Verwendung der Droge als Teeaufguss ist aus heutiger Sicht nicht mehr zu vertreten.

Cave

Bei Anzeichen einer Leberschädigung (Gelbfärbung von Augen und Haut, dunkler Urin, Übelkeit, Appetitverlust, Müdigkeit) Einnahme beenden und Arzt aufsuchen. Bei einer länger als 4 Wo. andauernden Anwendung Leberfunktionswerte (Transaminasen) kontrollieren.

Sennesblätter/-früchte (Sennae folium/fructus)
Sennesblätter/-früchteSennae folium/fructusStammpflanze: Cassia senna L. syn. Cassia acutifolia Delile (Alexandriner-Sennesfrüchte), Cassia angustifolia Vahl (Tinnevelly-Sennesfrüchte), Caesalpiniaceae, teilweise auch den Fabaceae zugeordnet.
Inhaltsstoffe: Anthranoide – Dihydroxyanthracenderivate (Sennoside A, B, C und D). Mindestgehalt (berechnet als Sennosid B): Sennesblätter 2,5%, Tinnevelly-Sennesfrüchte bis ca. 3 %, Alexandriner-Sennesfrüchte bis zu 5%. Schleimstoffe, Flavonoide (Kämpferol, Isorhamnetin), in den Blättern geringe Mengen ätherisches Öl.
Wirkungen: laxierend, peristaltikanregend, hydragog, sekretagog, antiabsorbtiv (Erhöhung der aktiven Chloridsekretion, Einstrom von Elektrolyten und Wasser in das Darmlumen, Volumenzunahme und Erhöhung des Füllungsdrucks).
Indikationen: kurzzeitige Behandlung der Obstipation.
Erfahrungsheilkunde: Erkrankungen, bei denen eine leichte Darmentleerung mit weichem Stuhl erwünscht ist, z. B. bei Analfissuren, Hämorrhoiden, nach rektal-analen operativen Eingriffen; zur Reinigung des Darms vor Röntgenuntersuchungen, vor und nach operativen Eingriffen im Bauchraum.
Kontraindikationen: Ileus, akut entzündliche Darmerkrankungen (M. Crohn, Colitis ulcerosa, Appendizitis), abdominelle Schmerzen unbekannter Ursache, schwere Dehydratation mit Wasser- und Elektrolytverlusten, Schwangerschaft und Stillzeit, Kinder unter 12 Jahren.
Nebenwirkungen: in Einzelfällen (in höherer Dosierung) kolikartige abdominelle Beschwerden. Bei längerer Anwendung Störungen im Elektrolyt- und Wasserhaushalt, Hypokaliämie (Verstärkung der Obstipation, Muskelschwäche, Erhöhung der Digitalisempfindlichkeit!), Pseudomelanosis coli (reversible Pigmenteinlagerungen in der Darmschleimhaut, bildet sich nach Absetzen innerhalb von 6–10 Mon. zurück).
Wechselwirkungen: bei Langzeitanwendung durch Kaliummangel Verstärkung der Wirkung von Herzglykosiden und Wirkungsbeeinflussung von Antiarrhythmika. Erhöhung des Kaliumverlusts durch gleichzeitige Einnahme von (Thiazid)Diuretika, Nebennierenrindenhormonen und Süßholzwurzel.
Dosierung: TD 20–30 mg Hydroxyanthracenderivate, berechnet als Sennosid B. Diese Dosierung wird mit einem Teeaufguss aus jeweils 0,75 g Sennesblättern, 0,5 g Alexandriner-Sennesfrüchten oder 0,75 g Tinnevelly-Sennesfrüchten erreicht. Die individuell richtige Dosis ist die geringste, die erforderlich ist, um einen weichgeformten Stuhl zu erhalten. Dazu kann ggf. tgl. 2-mal 1 Tasse (Früchte) bzw. 1-mal 1 Tasse (Blätter) eines Teeaufgusses ausreichen.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2) oder Kaltmazerat (6.1.2), abends vor dem Schlafengehen. Wirkungseintritt nach 8–10 Std. Ein Kaltauszug ist verträglicher, Sennesfrüchte wirken aufgrund des geringeren Gehalts an freien, nicht glykosidisch gebundenen Anthrachinonderivaten milder als Blätter.

Cave

Stimulierende, die Darmschleimhaut reizende Abführmittel nicht länger als 1–2 Wo. einnehmen.

Sonnenhutkraut
s. SonnenhutkrautPurpursonnenhutkraut.
Spitzwegerichkraut (Plantaginis lanceolatae herba)
SpitzwegerichkrautPlantaginis lanceolatae herbaStammpflanze: Plantago lanceolata L. (Spitzwegerich), Plantaginaceae.
Inhaltsstoffe: Iridoidglykoside (Aucubin, Catalpol), Acteosid, Schleimstoffe (Arabinogalactane), Gerbstoffe, Flavonoide, Kaffeesäurederivate, Cumarine, Kieselsäure, Mineralstoffe (Zink, Kalium).
Wirkungen: reizmildernd, adstringierend, antibakteriell, antiphlogistisch, wundheilungsfördernd, leicht lokalanästhetisch.
Indikationen – innere Anwendung: Katarrhe der oberen Luftwege, trockener Husten Äußere Anwendung: Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, entzündliche Veränderungen der Haut.
Erfahrungsheilkunde: (Magen-)schleimhautreizungen, erste Wundversorgung von offenen Hautverletzungen, Insektenstichen (frische Blätter).
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: 3–6 g Droge, Zubereitungen entsprechend. Braunfärbung der Droge bedeutet mindere Qualität durch langsame Trocknung oder feuchte Lagerung. Dabei kommt es zur Polymerisation der Iridoide mit Verlust der antibakteriellen Wirkung.
Anwendung:
  • Innere Anwendung: 2 TL (ca. 1,5–2 g) Droge als Teeaufguss (6.1.2), tgl. 3–4-mal 1 Tasse frischen Tee langsam trinken

  • Äußere Anwendung: zum Spülen oder Gurgeln, für Umschläge 2 TL (ca. 1,5 g) Droge mit kaltem Wasser (150 ml) übergießen, unter mehrmaligem Umrühren 1–2 Std. stehen lassen, abgießen. Bei der Herstellung als Kaltauszug bleibt die Aktivität der β-Glucosidasen zur Freisetzung des antibakteriell wirksamen Aucubigenins erhalten.

Steinkleekraut (Meliloti herba)
SteinkleekrautMeliloti herbaStammpflanze: Melilotus officinalis (L.) Lam. (Echter Steinklee oder Ackerhonigklee) Fabaceae.
Inhaltsstoffe: Hydroxyzimtsäurederivate mit freiem, geruchsbestimmenden Cumarin, Cumarinderivate (Melilotosid, Melilotin), Flavonoide, Triterpen-Saponine, Phenolcarbonsäuren (Salicylsäure, Kaffeesäure).
Wirkungen: Antiphlogistisch, antiödematös, Verbesserung des venösen Rückflusses, Steigerung des Lymphflusses, antiexsudativ bei entzündlichen Stauungsödemen, Stimulierung der intra- und extrazellulären Proteolyse, Beschleunigung der Wundheilung (tierexperimentell).
Indikationen:
  • Innere Anwendung: venöse Stauungsbeschwerden, chronisch venöse Insuffizienz (Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, nächtliche Wadenkrämpfe, Juckreiz, Schwellung), adjuvant bei Thrombophlebitis, postthrombotischem Syndrom, Hämorrhoiden, Lymphstauungen

  • Äußere Anwendung: Prellungen, Verstauchungen, oberflächliche Blutergüsse

Erfahrungsheilkunde: Gelenkentzündungen, Geschwülste, Furunkel, Karbunkel (Kräuterkissen, Kataplasma).
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: in seltenen Fällen Kopfschmerzen.
Dosierung: mittlere TD entsprechend 3–30 mg Cumarin (innere Anwendung).
Anwendung: Empfohlen wird die Anwendung in Form stand. Extrakte mit einem Mindestgehalt an Cumarinen.
Stiefmütterchenkraut mit Blüten (Violae [tricoloris] herba cum flore)
Violae tricoloris herbaStiefmütterchenkrautStammpflanze: Viola tricolor L., (Wildes oder Gewöhnliches Stiefmütterchen), Viola arvensis Murray (Gaud), (Acker-Stiefmütterchen), Violaceae.
Inhaltsstoffe: Flavonoide, Saponine, Methylsalicylglykoside, Phenolcarbonsäuren (Kaffeesäure), Schleimstoffe, Cumarine (Umbelliferon), makrozyklische Polypeptide (sog. Cyclotide).
Wirkungen: antiphlogistisch, antioxidativ, kortisonähnlich, keratolytisch (Cyclotide).
Indikationen: leichte seborrhoische Hauterkrankungen, Milchschorf der Kinder (äußere Anwendung).
Erfahrungsheilkunde:
  • Innere und äußere Anwendung: zur unterstützenden Behandlung bei Ekzemen, Akne, Juckreiz und anderen Hauterkrankungen

  • äußere Anwendung: bei Windeldermatitis

Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: 1,5 g Droge auf 1 Tasse Wasser, 3-mal tgl. anwenden, Zubereitungen entsprechend. Für Sitzbad 2–3 EL Droge auf 1 l Wasser, dem Sitzbad hinzufügen.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), für Umschläge, mehrmals tgl. anwenden.
Süßholzwurzel (Liquiritiae radix)
SüßholzwurzelLiquiritiae radixStammpflanze: Glycyrrhiza glabra L. (Spanisches Süßholz), Glycyrrhiza inflata Bat. und Glycyrrhiza uralensis Fisch. (Chinesisches Süßholz), Fabaceae.
Inhaltsstoffe: Triterpensaponinglykoside (Glycyrrhizin = Gemisch von Kalium- und Kalziumsalzen der Glycyrrhizinsäure), Flavonoide (Liquiritin, Isoliquiritigenin), Isoflavone, Cumarine (Umbelliferon), Phytosterole, flüchtige Bestandteile (z. B. Anethol), Polysaccharide.
Wirkungen: sekretolytisch, expektorierend, antiphlogistisch (Hemmung der Prostaglandin- und Leukotriensynthese, Hemmung von Enzymen – 5-β-Steroidreduktase in der Leber, 11-β-Hydroxydehydrogenase in der Niere – die den Abbau und die Ausscheidung von Cortisol katalysieren), schleimhautprotektiv, antiulcerogen, spasmolytisch, antiviral, antimykotisch, Hemmung der Thrombozytenaggregation, hepatoprotektiv (experimentell).
Indikationen: dyspeptische Verdauungsbeschwerden inkl. Sodbrennen, Ulcus ventriculi, Ulcus duodeni, als Expektorans bei Erkältungshusten und Katarrhen der oberen Luftwege.
Studien/Erfahrungsheilkunde: Sodbrennen und Magenbeschwerden durch Hyperazidität, produktiver Husten, Asthma bronchiale.
Kontraindikationen: cholestatische Lebererkrankungen, Leberzirrhose, Hypertonie, Hypokaliämie, schwere Leber- und Nierenfunktionsstörungen, schwerwiegende kardiovaskuläre Erkrankungen Schwangerschaft.
Nebenwirkungen: bei längerer Anwendung und in höherer Dosierung (TD über 600 mg Glycyrrhizin) mineralokortikoide Effekte möglich: reversible Natrium- und Wasserretention, Kaliumverlust, Ödeme im Gesicht und Knöchelbereich, Hyperprolaktinämie, Amenorrhö, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Hypertonie, selten Myoglobinurie.
Wechselwirkungen: Kaliumverluste durch andere Arzneimittel (z. B. Thiazid- und Schleifendiuretika) können verstärkt werden; Erhöhung der Digitalis-Empfindlichkeit durch Kaliumverlust.
Dosierung: mittlere TD 5–15 g Droge entsprechend 200–600 mg Glycyrrhizin. Succus liquiritiae (dickflüssiger Süßholzextrakt) mit einem Glycyrrhizingehalt von 10–25% mittlere TD 0,5–1 g (Katarrhe der oberen Luftwege) bzw. 1,5–3 g (Ulcus ventriculi, Ulcus duodeni). Die max. TD von 15 g Droge bzw. 600 mg Glycyrrhizin darf nicht überschritten werden. Gegen die Verwendung der Droge als Geschmackskorrigens bis zu einer max. TD von 100 mg bestehen keine Einwände. Lakritze darf 200 mg Glycyrrhizin/100 g enthalten, es sollten tgl. nicht mehr als 50 g verzehrt werden.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), tgl. 2–3-mal 1 Tasse Tee trinken. Aus geschmacklichen Gründen ist die geschälte Wurzel vorzuziehen. Zur Herstellung von Succus liquiritiae (Lakritze) oder als stand. Extrakt.

Merke

Die Glycyrrhizinsäure ist wertbestimmend; sie besitzt etwa die 50-fache Süßkraft der Saccharose und ist für den intensiv süßen Geschmack der Droge verantwortlich.

Cave

Ohne ärztlichen Rat nicht länger als 4–6 Wo. anwenden (Gefahr einer Hypokaliämie).

Taigawurzel (Eleutherococci radix)
TaigawurzelEleutherococci radixStammpflanze: Eleutherococcus senticosus (Rupr. et Maxim.) Maxim. syn. Acanthopanax senticosus (Rupr. et Maxim.) Harms (Stachelpanax oder Sibirischer Ginseng), Araliaceae.
Inhaltsstoffe: EleutherosideEleutheroside A–M (unter dieser Bezeichnung werden Substanzen unterschiedlicher Struktur wie Phenylpropanderivate, Lignane, Cumarinderivate, β-Sitosterolglukosid zusammengefasst), Triterpensaponine, Kaffeesäurederivate, ätherisches Öl, Polysaccharide, pektinartige Verbindungen.
Wirkungen: immunmodulierend, Steigerung der Phagozytose und Makrophagenaktivität, Stimulierung der Proliferation von B- und T-Lymphozyten, Erhöhung der Zytokinproduktion, adaptogen, Verbesserung kognitiver Leistungen.
Indikationen: Asthenie, Müdigkeits- und Schwächegefühl, nachlassende Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, Rekonvaleszenz.
Erfahrungsheilkunde: Aktivierung der körpereigenen Widerstandskraft bei außergewöhnlichen körperlichen, geistigen und psychischen Belastungen.
Kontraindikationen: Hypertonie (keine dokumentierten Fälle), Kinder unter 12 Jahren, Schwangerschaft und Stillzeit (keine Erfahrungen).
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: mittlere TD 2–3 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Tonikum, in Form wässrig-ethanolischer Extrakte, wegen fehlender Langzeituntersuchungen nicht länger als 3 Mon. einsetzen, erneute Anwendung nach ca. 2 Mon. möglich.
Taubnesselblüten (Lamii albi flos)
TaubnesselblütenLamii albi flosStammpflanze: Lamium album L. (Weiße Taubnessel), Lamiaceae.
Inhaltsstoffe: Iridoid- und Secoiridoidglykoside (Lamalbid, Albosid A und B), Triterpensaponine, Gerbstoffe, Phenolcarbonsäuren (Rosmarinsäure), Flavonoide, Schleimstofffe.
Wirkungen: adstringierend, antiphlogistisch, gewebeverdichtend, Hemmung der Kapillarpermeabilität, sekretionshemmend, juckreizstillend, schwach oberflächenanästhesierend.
Indikationen:
  • Innere Anwendung: Katarrhe der oberen Luftwege, leichte Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut

  • Äußere Anwendung: leichte oberflächliche Entzündungen der Haut

  • Innere und äußere Anwendung: unspezifischer Fluor albus

Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: mittlere TD 3 g Droge (innere Anwendung), 5 g Droge für ein Sitzbad, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), für Spülungen, Sitzbäder und Umschläge, mehrmals tgl. anwenden.
Tausendgüldenkraut (Centaurii herba)
TausendgüldenkrautCentaurii herbaStammpflanze: Centaurium erythraea Rafn s. l. (Echtes Tausendgüldenkraut), Gentianaceae
Inhaltsstoffe: Secoiridoid-Bitterstoffe (Swertiamarin, Gentiopikrosid), Phenylcarbonsäuren (Ferula-, Kaffeesäure), Xanthonderivate, Flavonoide (Quercetin-, Kämpferolglykoside), Triterpene. Bitterwert mind. 2.000.
Wirkungen: Amarum purum – Steigerung der Magen- und Verdauungssaftsekretion, appetitanregend, tonisierend, antiviral (Swertiamarin).
Indikationen: Appetitlosigkeit, dyspeptische Beschwerden.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: mittlere TD 6 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), tgl. 2–3-mal tgl. zur Appetitanregung jeweils ½ Std. vor den Mahlzeiten, bei Verdauungsbeschwerden nach den Mahlzeiten 1 Tasse.
Teufelskrallenwurzel (Harpagophyti radix)
TeufelskrallenwurzelHarpagophyti radixStammpflanze: Harpagophytum procumbens (Burch) DC. und Harpagophytum zeyheri Decne (Südafrikanische Teufelskralle), Pedaliaceae.
Inhaltsstoffe: Iridoidglykosid-Bitterstoffe (Harpagosid, Harpagid, Procumbid), Phenylethylderivate (Acteosid, Isoacteosid), trizyklische Diterpene, Flavonoide (Kämpferol- und Luteolinderivate), Triterpene, freie Zimtsäure, Polysaccharide. Bitterwert von 5.000–12.000.
Wirkungen: appetitanregend, choleretisch, analgetisch, antiphlogistisch (Hemmung der Prostaglandin- und Leukotrien-Synthese, Hemmung der Cyclooxygenase-2), Aktivitätshemmung von Matrix-Metallo-Proteinasen und anderer knorpelzerstörender Enzyme.
Indikationen: Appetitlosigkeit, dyspeptische Beschwerden (Völlegefühl, Blähungen), leichte Gelenkbeschwerden, unterstützende Therapie degenerativer Erkrankungen des Bewegungsapparats.
Studien/Erfahrungsheilkunde: schmerzhafte Arthrosen (ESCOP-Monografie, Studien), chronisch entzündliche Polyarthritis, durch Spondylosen bedingte Kreuzschmerzen, Weichteilrheumatismus, Neuralgien, Kopfschmerzen.
Kontraindikationen: Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre. Bei Gallensteinleiden nur nach Rücksprache mit dem Arzt.
Nebenwirkungen: Selten Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Kopfschmerzen, sehr selten Überempfindlichkeitsreaktionen, bei Diabetikern vorübergehender Blutzuckeranstieg.
Dosierung: TD als Teezubereitung 3x1,5 g Droge, für die antiphlogistische/antirheumatische Therapie wässrig-ethanolische Extrakte mit einem Harpagosid-Gehalt von 50–100 mg, entsprechend 800–2.400 mg Extrakt.
Anwendung: Bei Appetitlosigkeit/Verdauungsbeschwerden als Teeaufguss (6.1.2), bei Arthrosen, Schmerzen im Bewegungsapparat, Neuralgien nur in Form stand. Extrakte einsetzen.
Thymiankraut (Thymi herba)
Thymi herbaThymiankrautStammpflanze: Thymus vulgaris L. (Echter Thymian), Thymus zygis L. (Spanischer Thymian), Lamiaceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (Thymol, Carvacrol), Lamiaceen-Gerbstoffe (Rosmarinsäure), Flavonoide, Phenolcarbonsäuren (Kaffeesäure), Triterpene (Oleanolsäure).
Wirkungen: Sekretolytisch, expektorierend, bronchospasmolytisch, agonistische Effekte auf α- und β-Adrenorezeptoren, antibakteriell, antimykotisch und antiviral (Thymol), antioxidativ.
Indikationen: Bronchitis, Keuchhusten, Katarrhe der oberen Luftwege.
Erfahrungsheilkunde: Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Blähungen, Entzündungen des Mund- und Rachenraums (Spülungen), adjuvant bei rheumatischen Beschwerden (Einreibung, Badezusatz).
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: Sehr selten Überempfindlichkeitsreaktionen (Thymol).
Dosierung: mehrmals tgl. 1–2 g Droge, 1–2 g Fluidextrakt 3-mal tgl., äußerlich als 5-prozentiger Aufguss zu Umschlägen.
Anwendung: Als Tee(mischung) (6.1.2); mehrmals tgl. 1 Tasse frischen Tee trinken, als stand. Extrakt, oft kombiniert mit Efeublättern oder Primelwurzel.
Tormentillwurzelstock (Tormentillae rhizoma)
TormentillwurzelstockTormentillae rhizomaStammpflanze: Potentilla erecta (L.) Raeusch. syn. Potentilla tormentilla Stokes (Blutwurz), Rosaceae.
Inhaltsstoffe: Gerbstoffe (Catechin-Gerbstoffe und Ellagitannine), Phenolcarbonsäuren, Triterpensäureglykoside (Tormentosid), Flavonoide (Kämpferol).
Wirkungen: adstringierend, antiinflammatorisch, antiviral, antioxidativ, immunmodulierend (experimentell).
Indikationen: unspezifische, akute Durchfallerkrankungen, leichte Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: bei empfindlichen Patienten Magenbeschwerden möglich.
Dosierung: TD 4–6 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss oder Abkochung, bei Durchfallerkrankungen tgl. 2–3-mal 1 Tasse frischen Tee zwischen den Mahlzeiten trinken. Bei Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum mehrmals tgl. mit lauwarmem Teeaufguss spülen oder gurgeln.

Cave

Bei Durchfällen, die länger als 3–4 Tage andauern, einen Arzt aufsuchen.

Uzarawurzel (Uzarae radix)
UzarawurzelUzarae radixStammpflanze: Xysmalobium undulatum (L.) R. Brown (Uzara), Apocynaceae, Unterfamilie Asclepiadoideae.
Inhaltsstoffe: Cardenolid-Glykoside (Uzarin, Xysmalorin), Gerbstoffe, Flavonoide.
Wirkungen: spasmolytisch, motilitätshemmend (Erhöhung der Adrenalinempfindlichkeit der sympathischen Nervenendigungen, Anregung der Sympathikusfasern im Bereich des Nervus splanchnicus), sekretionshemmend, antiemetisch.
Indikationen: akute, unspezifische Durchfallerkrankungen, Brechdurchfälle.
Kontraindikationen: gleichzeitige Therapie mit herzwirksamen Glykosiden, Hypomagnesiämie, Hypokaliämie, Schwangerschaft und Stillzeit.
Nebenwirkungen: Selten allergische Reaktionen, gelegentlich Übelkeit, Erbrechen.
Wechselwirkungen: Bei gleichzeitiger Therapie mit Chinidin, Saluretika und einer Langzeittherapie mit Kortison-haltigen Arzneimitteln sind Nebenwirkungen am Herzen (unregelmäßiger Puls, Herzrhythmusstörungen) nicht auszuschließen.
Dosierung: initiale ED für Erwachsene 1 g Droge entsprechend 75 mg Gesamtglykoside, TD entsprechend 45–90 mg Gesamtglykoside berechnet als Uzarin.
Anwendung: Nur in Form stand. wässrig-ethanolischer oder wässrig-methanolischer Extrakte in genau dosierbarer Darreichungsform einsetzen. Auch für Kleinkinder ab 2 Jahren geeignet.
Wacholderbeeren (Juniperi pseudo-fructus)
WacholderbeerenJuniperi fructusStammpflanze: Juniperus communis L. (Gewöhnlicher Wacholder), Cupressaceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl mit Mono- (α- und β-Pinen, Mycren) und Sesquiterpenen (Caryophyllen, Cadinen, Terpinen-4-ol), Flavonglykoside, Catechin-Gerbstoffe, Lignane, Zucker, harzartige und wachsartige Bestandteile.
Wirkungen: diuretisch (aquaretisch), spasmolytisch, sekretions- und motilitätsfördernd, antimikrobiell, antiexsudativ.
Indikationen: Förderung der Ausscheidung bei leichten Harnwegsbeschwerden, dyspeptische Beschwerden.

Merke

Von der Kommission E wurde die Anwendung von Wacholderbeeren als Diuretikum nicht akzeptiert, da die vermehrte Wasserausscheidung durch Reizung des Nierenepithels durch das ätherische Öl ausgelöst wird. Die HMPC-Monografie vergibt für die Indikation „bei Harnwegsbeschweren“ den Status „traditional use“.

Erfahrungsheilkunde: Durchspülungstherapie bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, zur Entwässerung (als Frühjahrskur), äußerlich als durchblutungsfördernde Einreibung gegen Rheuma, Hauterkrankungen und Hautparasiten (Wacholderöl).
Kontraindikationen: Schwangerschaft, Entzündungen im Nierenbereich (Nephritis, Pyelitis).
Nebenwirkungen: bei länger dauernder Anwendung oder bei Überdosierung (über 150 mg ätherisches Wacholderöl/Tag) Nierenschäden, Hämaturie.
Dosierung: TD 2 bis max. 10 g getrocknete Wacholderbeeren, dies entspricht 20–100 mg ätherisches Öl.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), tgl. 1–3-mal 1 Tasse oder bis zu 10 g getrocknete Wacholderbeeren über den Tag verteilt kauen.

Cave

Vorsichtshalber nicht länger als 4–6 Wo. anwenden (Reizung des Nierenepithels durch α- und β-Pinen). Auf gute pharmazeutische Qualität, d. h. pinenarme und Terpinen-4-ol-reiche Öle achten!

Weidenrinde (Salicis cortex)
WeidenrindeSalicis cortexStammpflanze: Salix purpurea L., Salix fragilis L., Salix daphnoides Vill. (Purpur-, Bruch-, Reif-Weide), Salicaceae.
Inhaltsstoffe: Salicylate (= Salicylalkohol-Derivate mit Salicin, Salicortin), Salicylalkohol (= Saligenin) Catechin-Gerbstoffe, oligomere Proanthocyanidine, Flavonoide, Kaffeesäurederivate.
Wirkungen: antipyretisch, antiphlogistisch, analgetisch; Hemmung der Cyclooxygenase und der entzündungsauslösenden Prostaglandine E1 und E2, Hemmung der Hyaluronidase, antioxidativ

Merke

Die Salicylalkohol-Derivate sind im sauren Magensaft stabil und schädigen nicht die Magenschleimhaut. Sie werden erst im schwach alkalischen Milieu des Dünndarms metabolisiert.

Indikationen: fieberhafte Erkrankungen, kurzzeitige Behandlung von Rückenschmerzen, rheumatische Beschwerden, Kopfschmerzen.
Studien/Erfahrungsheilkunde: Osteoarthritis, Arthrosen (Gonarthrose, Lenden- und Halswirbelsyndrom), Schmerzen im Bewegungsapparat.
Kontraindikationen: bekannte Überempfindlichkeit gegen Salicylate (allergische und pseudoallergische Reaktionen), Neigung zu Asthma bronchiale, spastischen Bronchitiden. Bei Patienten mit Magen-Darm-Geschwüren, auch in der Vorgeschichte, oder vorgeschädigter Niere nur nach Rücksprache mit dem Arzt anwenden.
Nebenwirkungen: evtl. Überempfindlichkeitsreaktionen, (Erythem Juckreiz, Urticaria), bei empfindlichen Personen Magen-Darm-Beschwerden.
Wechselwirkungen: Bei gleichzeitiger Einnahme von Antikoagulanzien vom Cumarin-Typ ist eine Wirkungsverstärkung denkbar, sie wurde bislang allerdings nicht beobachtet. Weidenrindenextrakte haben im Gegensatz zu Acetylsalicylsäure praktisch keinen Einfluss auf die Thromboxan-Synthese und die Blutgerinnung mit Verlängerung der Blutungszeit (Fehlen der Acetylgruppe in Salicylalkoholderivaten).
Die Wirkung von Arzneimitteln zur Steigerung der Harnsäureausscheidung kann vermindert sein.
Dosierung: mittlere TD entsprechend 60–120 mg (ESCOP-Monografie 120–240 mg) Gesamtsalicin.
Anwendung: Bei grippalen (fieberhaften) Infekten ca. 2 g Droge als Teeaufguss, tgl. 3–4-mal 1 Tasse, sinnvoll sind Kombinationen mit schweißtreibenden Drogen. Bei Kopfschmerzen und rheumatischen Erkrankungen nur in Form stand. Extrakte in ausreichender Dosierung einsetzen.
Weißdornblätter mit -blüten (Crataegi folium cum flore)
Weißdornblätter mit -blütenCrataegi folium cum floreStammpflanze: Crataegus monogyna Jaquin, Crataegus laevigata (Poiret) De Candolle syn. C. oxyacantha L./C. oxyacanthoides Thuill. (Eingriffliger und Zweigriffliger Weißdorn), Rosaceae.
Inhaltsstoffe: Flavonoide (Hyperosid, Rutin, Vitexinrhamnosid, Vitexin), oligomere Procyanidine, Epicatechin, Catechingerbstoffe, Triperpensäuren, Hydroxyzimtsäurederivate (Kaffee- und Chlorogensäure), biogene Amine, Purinderivate, Polysaccharide.
Wirkungen: positiv inotrop, positiv dromotrop, negativ bathmotrop, antiarrhythmisch (Verlängerung der Refraktärperiode und der Dauer des Aktionspotentials), negativ chronotrop, Vasodilatation von Koronar- und Skelettmuskelgefäßen, Zunahme der Koronar- und Myokarddurchblutung, Senkung des peripheren Gefäßwiderstands, kardioprotektive Wirkung, Steigerung der Ejektionsfraktion des linken Ventrikels, Vergrößerung des Schlagvolumens und des Herzzeitvolumens, Senkung des Druck-Frequenz-Produkts, Senkung der Nachlast, Steigerung der Arbeitstoleranz, Erhöhung der anaeroben Schwelle, Verbesserung der Sauerstoffaufnahme, antioxidativ.
Indikationen: nachlassende Leistungsfähigkeit des Herzens entsprechend Stadium II nach NYHA.
Studien/Erfahrungsheilkunde): funktionelle Herzbeschwerden, koronare Herzkrankheit, Herzrhythmusstörungen, Arterioskleroseprophylaxe.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: In therapeutischer Dosierung keine bekannt, in höherer Dosierung gelegentlich Übelkeit, Schwindel, Tachykardien.
Dosierung: TD 160–900 mg wässrig-alkoholischer Auszug – eingestellt auf 30,0–168,7 mg oligomere Procyanidine, berechnet als Epicatechin oder 3,5–19,8 mg Flavonoide, berechnet als Hyperosid in 2 oder 3 Einzeldosen. Monografiekonforme Extrakte sind auf 2,2% Flavonoide (Auszugsmittel Methanol 70%) oder auf 18,75% oligomere Procyanidine (Auszugsmittel Ethanol 45%) eingestellt.
Anwendung: Bei Herzinsuffizienz nur in Form stand. Extrakte in ausreichender Dosierung einsetzen. Einnahme mind. 6 Wo., als Prophylaxe über mehrere Jahre möglich. Traditionelle Anwendung als Teeaufguss, wässrig-alkoholische Drogenauszüge oder Frischpflanzensäfte zur Stärkung und Kräftigung des Herzens und der Kreislauffunktion.
Wermutkraut (Absinthii herba)
WermutkrautAbsinthii herbaStammpflanze: Artemisia absinthium L. (Wermut), Asteraceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (α- und β-Thujon, Thujylalkohol), Sesquiterpenlacton-Bitterstoffe (Absinthin, Anabsinthin), Flavonoide (Kämpferol-, Quercetinglykoside), Kaffeesäure u. a. Phenolcarbonsäuren, Ascorbinsäure, Gerbstoffe. Bitterwert mind. 10.000 (Mittelwert bis 30 500).
Wirkungen: Amarum aromaticum: karminativ, choleretisch, spasmolytisch, antiphlogistisch, tonisierend auf Magen und Gallenwege, bakteriostatisch, anregend auf das ZNS (in größeren Mengen).
Indikationen: Appetitlosigkeit, dyspeptische Beschwerden (v. a. bedingt durch verminderte Gallenproduktion und -sekretion), Dyskinesien der Gallenwege.
Erfahrungsheilkunde: leichte krampfartige Magen-Darm-Beschwerden, Achylie, Atonie von Magen und Gallenblase, verminderte Magensaftsekretion.
Kontraindikationen: Magen-, Darmulzera. Choleretika sind aus grundsätzlichen Überlegungen nicht angezeigt bei Verschluss der Gallenwege, Gallenblasenempyem, Ileus.
Nebenwirkungen: keine bekannt; bei Überdosierung und hohem Thujongehalt evtl. Erbrechen, Magen-Darm-Krämpfe, Harnverhalt, in schweren Fällen Benommenheit, zentrale Störungen.
Dosierung: mittlere TD 2–3 g Droge, Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), tgl. 2-mal 1 Tasse frischen Tee zur Appetitanregung jeweils ½ Std. vor den Mahlzeiten, bei Beschwerden im Magen-Darm-Trakt nach den Mahlzeiten trinken.

Cave

Das reine ätherische Wermutöl enthält bis zu 40% Thujon, das in dieser Dosierung krampferregend wirkt und zu motorischen und sensiblen Störungen mit degenerativen Erscheinungen im ZNS führen kann (Absinthismus). Thujonarme Zubereitungen in niedriger Dosierung (tgl. bis zu 3 Tassen Wermuttee bzw. 50 Tr. alkoholischer Auszug) sind unbedenklich. Bei längerer Einnahme entwickelt sich eine ausgeprägte Abneigung gegen den stark bitteren Geschmack, eine Überdosierung ist bei Teezubereitungen praktisch ausgeschlossen.

Wolfstrappkraut (Lycopi herba)
WolfstrappkrautLycopi herbaStammpflanze: Lycopus europaeus L. (Ufer-Wolfstrapp), Lycopus virginicus L. (Virginischer Wolfstrapp), Lamiaceae.
Inhaltsstoffe: Hydroxyzimt- und Kaffeesäurederivate (Rosmarinsäure, Chlorogensäure), Lithospermsäure, Flavonoide (Apigenin- und Luteolinglucoside), Mineralstoffe (Fluoride) ätherisches Öl.
Wirkungen: antigonadotrop, antihyreotrop, Hemmung der peripheren Dejodierung von T4, des Jodtransports und der TSH-Stimulierung, Senkung des Prolaktinspiegels.
Indikationen: leichte Schilddrüsenüberfunktion mit vegetativ-nervösen Störungen. Prämenstruelles Syndrom mit Spannungsgefühl und Schmerzen in der Brustdrüse (Mastodynie).
Kontraindikationen: Unterfunktion der Schilddrüse, Schilddrüsenvergrößerungen ohne Funktionsstörungen.
Nebenwirkungen: bei Langzeittherapie und sehr hoch dosierter Medikation in seltenen Fällen Vergrößerungen der Schilddrüse. Bei plötzlichem Absetzen Verstärkung der Beschwerden möglich.
Wechselwirkungen: gleichzeitige Gabe von Schilddrüsenhormonen.
Hinweis: Eine Anwendung von Lycopus-Zubereitungen stört die Durchführung der Schilddrüsendiagnostik mit Radio-Isotopen.
Dosierung: TD 1–2 g Droge, wässrig-ethanolischer Extrakt entsprechend 20 mg Droge.
Anwendung: Nur in Form stand. Phytopharmaka einsetzen. Die Therapie sollte einschleichend begonnen und ausschleichend abgesetzt werden. Jeder Patient besitzt seinen eigenen optimalen Schilddrüsenhormonspiegel, daher sind nur grobe Anhaltspunkte für die Dosierung bei Schilddrüsenerkrankungen möglich, wobei Lebensalter und Körpergewicht zu berücksichtigen sind.
Wollblumen (Verbasci flos)
WollblumenVerbasci flosStammpflanze: Verbascum thapsus L. (Kleinblütige Königskerze), Verbascum densiflorum Bertol. syn. Verbascum thapsiforme Schrad. (Großblütige Königskerze), Verbascum phlomoides L. (Windblumen-Königskerze), Scrophulariaceae.
Inhaltsstoffe: Schleimstoffe (Arabinogalactane), Iridoidglykoside (Aucubin), Flavonoide (Luteolin, Rutin), Saponine (Verbascosid), Phenolcarbonsäuren, Invertzucker.
Wirkungen: reizlindernd, expektorierend, antiphlogistisch.
Indikationen: Katarrhe der Luftwege.
Kontraindikationen: keine bekannt.
Nebenwirkungen: keine bekannt.
Dosierung: TD 3–4 g Droge Zubereitungen entsprechend.
Anwendung: Als Teeaufguss (6.1.2), tgl. 3–4-mal 1 Tasse einsetzen. Wollblumen sind wegen ihres guten Geschmacks v. a. in der Kinderheilkunde beliebt.
Hinweis: Wollblumen müssen sorgfältig trocken aufbewahrt werden, bei falscher Lagerung verfärben sie sich braun und sind anfällig für Schimmelbildung.
Zimtrinde (Cinnamomi cortex)
WollblumenVerbasci flosStammpflanze: Cinnamomum verum J. Presl syn. Cinnamomum zeylanicum Blume (Ceylonzimtbaum); Lauraceae.
Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (Zimtaldehyd, Eugenol), Phenylpropane (Zimtalkohol), Phenolcarbonsäuren (Hydroxyzimtsäure, Kaffeesäurederivate), Catechin-Gerbstoffe, Spuren von Cumarin, Schleimstoffe.
Wirkungen: Antibakteriell, antimykotisch, antiphlogistisch, spasmolytisch, karminativ, motilitätsfördernd, Steigerung der Magensaftsekretion.
Indikationen: leichte krampfartige Verdauungsbeschwerden (Völlegefühl, Flatulenz), Appetitlosigkeit, leichte Durchfallerkrankungen.
Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Zimt, Peru- und Tolubalsam, Magen- und Darmulzera, Schwangerschaft. Vorsichtshalber keine Anwendung bei Atopikern.
Nebenwirkungen: Häufig allergische Haut- und Schleimhautreaktionen infolge des sensibilisierenden Potenzials von Zimtaldehyd und Eugenol, Allergien vom Typ IV.
Dosierung: 2–4 g Droge, 0,05–0,2 g ätherisches Zimtöl.
Anwendung: Als Teeaufguss, 2–3-mal tgl. zu den Mahlzeiten.

Merke

In jüngster Zeit wurde in den Medien vor einer Verwendung von Zimt aufgrund des Gehalts an Cumarinen gewarnt. Die Droge Zimtrinde besteht aus der geschälten Rinde von Cinnamomum verum (Ceylon-Zimt). Cumarine befinden sich in den äußeren Korkschichten und sind im Gegensatz zur (ungeschälten) chinesischen Zimtrinde (Cinnamomi cassii cortex) im ätherischen Zimtöl nicht oder nur in Spuren enthalten. Chinesische Zimtrinde wird als wässriger Extrakt (Nahrungsergänzungsmittel) adjuvant zu diätetischen und/oder medikamentösen Maßnahmen zur Verbesserung der Stoffwechsellage bei leichten Formen von Diabetes mellitus verwendet.

Auswahl bewährter Teerezepturen (vorwiegend entsprechend den Standardzulassungen)

TeerezepturenDas Bundesministerium für Gesundheit (BMG) ist nach § 36 AMG befugt, bestimmte Arzneimittel von der Pflicht zur Einzelzulassung nach § 21 AMG freizustellen. Voraussetzungen für eine Verkehrsfähigkeit nach Standardzulassung sind eine dokumentierte Qualität und erwiesene Unbedenklichkeit.
Standardzulassungen sind allgemeingültige Zulassungen für häufig gebrauchte Einzeldrogen und Teemischungen, die in der Apotheke die gesetzliche Grundlage zur Herstellung, zum Abfüllen und Inverkehrbringen dieser Drogen und Zubereitungen darstellen.
Standardzulassungsmonografien existieren für Teemischungen zu den wichtigsten Indikationsgebieten. Sie enthalten neben qualitativen und quantitativen Merkmalen der Droge Angaben zu Darreichungsform, Art der Anwendung, Haltbarkeit, Verpackung, Kennzeichnung und Packungsbeilage.

Grippaler Infekt/Erkältungskrankheiten

Erkältungstee I nach Standardzulassung
TeerezepturenErkältungsteeLindenblüten 30,0 g.
Holunderblüten 30,0 g.
Mädesüßblüten 20,0 g.
Hagebuttenfrüchte 20,0 g.
1 EL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, von dem frisch bereiteten Teeaufguss mehrmals tgl. 1 Tasse trinken.
Erkältungstee IV nach Standardzulassung
TeerezepturenErkältungsteeWeidenrinde 35,0 g.
Holunderblüten 30,0 g.
Thymiankraut 20,0 g.
Hagebuttenfrüchte 5,0 g.
Süßholzwurzel 5,0 g.
Malvenblüten 5,0 g.
1 EL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, von dem frisch bereiteten Teeaufguss mehrmals tgl. 1 Tasse trinken.
Schweißtreibender Tee (Species diaphoreticae)
Teerezepturenschweißtreibende TeeLindenblüten 50,0 g.
Holunderblüten 30,0 g.
Pfefferminzblätter 15,0 g.
Pomeranzenschalen 5,0 g.
1 EL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten.
Diese Teemischung ist wegen des guten Geschmacks gut für Kinder geeignet. Von dem frisch bereiteten Teeaufguss mehrmals tgl., vor allem in der 2. Tageshälfte 1 Tasse möglichst heiß trinken, anschließend zur Schwitzkur in Decken hüllen.
Brusttee – Standardzulassung
TeerezepturenBrustteeAnisfrüchte 15,0 g.
Süßholzwurzel 25,0 g.
Eibischwurzel 25,0 g.
Eibischblätter 35,0 g.
1 EL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, von dem frisch bereiteten Teeaufguss tgl. 3–4-mal 1 Tasse in kleinen Schlucken trinken.
Husten- und Bronchialtee – Standardzulassung
TeerezepturenHusten-und BronchialteeFenchelfrüchte 10,0 g.
Spitzwegerichkraut 30,0 g.
Süßholzwurzel 30,0 g.
Thymiankraut 30,0 g.
1 EL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, von dem frisch bereiteten Teeaufguss mehrmals tgl. 1 Tasse trinken.
Hustentee bei produktiven Husten (Rezeptur Löwen-Apotheke Kandern)
TeerezepturenHustenteeThymiankraut.
Wollblumen.
Spitzwegerichkraut.
Süßholzwurzel.
Fenchelfrüchte aa 20,0 g.
1 EL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser übergießen, abseihen, von dem frisch bereiteten Teeaufguss mehrmals tgl. 1 Tasse in kleinen Schlucken trinken.
Diese Teemischung schmeckt gut und ist bei Patienten sehr beliebt.
Species pectorales DAB 6 – bei produktivem und trockenem Husten
TeerezepturenHustenteeEibischwurzel 40,0 g.
Süßholzwurzel 20,0 g.
Huflattichblätter 20,0 g.
Wollblumen 10,0 g.
Anisfrüchte 10,0 g.
1 EL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, von dem frisch bereiteten Teeaufguss mehrmals tgl. 1 Tasse trinken.

Appetitlosigkeit/zur Anregung der Verdauung/Magenbeschwerden

Teemischung bei Appetitlosigkeit
TeerezepturenAppetitlosigkeitTausendgüldenkraut 30,0 g.
Schafgarbenblüten 40,0 g.
Pfefferminzblätter 30,0 g.
1–2 TL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, von dem frisch bereiteten Teeaufguss tgl. 2–3-mal 1 Tasse vor den Mahlzeiten langsam und schluckweise trinken.
Species stomachicae (Magentee)
TeerezepturenMagenteeAngelikawurzel 40,0 g.
Enzianwurzel 30,0 g.
Wermutkraut 30,0 g.
1 TL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, von dem frisch bereiteten Teeaufguss tgl. 2–3-mal 1 Tasse vor den Mahlzeiten langsam und schluckweise trinken.
Magentee I Standardzulassung
TeerezepturenMagenteeEnzianwurzel 20,0 g.
Pomeranzenschalen 20,0 g.
Tausendgüldenkraut 25,0 g.
Wermutkraut 25,0 g.
Zimtrinde 10,0 g.
1 EL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, 1 Tasse ½ Std. vor dem Essen schluckweise trinken.
Magentee bei chronischer Gastritis (nach R. F. Weiss)
Teerezepturenchronische GastritisKamillenblüten 30,0 g.
Pfefferminzblätter 20,0 g.
Fenchelfrüchte 20,0 g.
Kalmuswurzelstock 30,0 g.
1–2 TL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, von dem frisch bereiteten Teeaufguss tgl. 2–3-mal 1 Tasse warm und schluckweise trinken.

Dyspeptische Beschwerden, Meteorismus

„Wind-Tee“ (Species Deflatulentes)
TeerezepturenWind-TeeKümmelfrüchte Fenchelfrüchte.
Pfefferminzblätter Kamillenblüten aa ad 100,0 g.
1–2 TL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, von dem frisch bereiteten Teeaufguss mehrmals tgl. 1 Tasse nach den Mahlzeiten schluckweise warm trinken.
Blähungstreibender Tee („AFK“-Tee)
Teerezepturenblähungstreibender TeeAnisfrüchte Fenchelfrüchte Kümmelfrüchte aa 20,0 g.
1 TL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, von dem frisch bereiteten Teeaufguss mehrmals tgl. 1 Tasse nach jeder Mahlzeit warm trinken.

Funktionelle Störungen/Dyskinesien der Gallenwege

Gallentee 1 – Standardzulassung
TeerezepturenGallenteeKümmelfrüchte 10,0 g.
Javanische Gelbwurz 20,0 g.
Löwenzahnwurzel mit -kraut 30,0 g.
Mariendistelfrüchte 20,0 g.
Pfefferminzblätter 20,0 g.
1–2 TL der Teemischung mit 1 Tasse kochendem Wasser überbrühen, 10 Min. ziehen lassen. Von dem frisch bereiteten Teeaufguss nach jeder Mahlzeit 1 Tasse trinken.
Gallentee 2 – Standardzulassung
TeerezepturenGallenteeJavanische Gelbwurz 15,0–20,0 g.
Löwenzahnwurzel mit -kraut 15,0–50,0 g.
Pfefferminzblätter 20,0–40,0 g.
Schafgarbenkraut 10,0–30,0 g.
Die Mengen der vier Hauptbestandteile können innerhalb des angegebenen Bereichs variiert und mit weiteren Drogen ergänzt werden (insgesamt weniger als 30% der Gesamtmischung): Fenchelfüchte, Kamillenblüten, Kümmelfrüchte, Wermutkraut oder Süßholzwurzel.
1–2 TL der Teemischung mit 1 Tasse (150 ml) kochendem Wasser überbrühen, 10 Min. ziehen lassen. Nach jeder Mahlzeit 1 Tasse frisch bereiteten Teeaufguss (6.1.2) trinken.
Gallentee
TeerezepturenGallenteeBenediktenkraut.
Wermutkraut.
Pfefferminzblätter Mariendistelfrüchte Löwenzahnwurzel und -kraut aa ad 100,0 g.
1 TL der Teemischung mit 150–200 ml Tassen kochendem Wasser überbrühen, 10 Min. ziehen lassen, abseihen. 3–4 Wo. tgl. 3 Tassen trinken.

Schlafstörungen/nervöse Unruhe

Beruhigungstee 1 – Standardzulassung
TeerezepturenBeruhigungsteeBaldrianwurzel 40,0 g.
Hopfenzapfen 20,0 g.
Melissenblätter 15,0 g.
Pfefferminzblätter 15,0 g.
Pomeranzenschalen 10,0 g.
1–2 TL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, von dem frisch bereiteten Teeaufguss bis zu 5 Tassen tgl. vorzugsweise am Abend 1–2 Tassen ca. ½ Stunde vor dem Schlafengehen trinken.
Beruhigungstee
TeerezepturenBeruhigungsteeLavendelblüten 30,0 g.
Passionsblumenkraut 30,0 g.
Melissenblätter 30,0 g.
Johanniskraut 10,0 g.
1–2 TL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, von dem frisch bereiteten Teeaufguss bis zu 5 Tassen tgl. über den Tag verteilt trinken.

Harnwegsinfekte/Durchspülungstherapie

Blasen-Nieren-Tee – Standardzulassung
TeerezepturenBlasen-Nieren-TeeBirkenblätter 30,0 g.
Goldrutenkraut 30,0 g.
Hauhechelwurzel 20,0 g.
Schachtelhalmkraut 20,0 g.
1 EL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, von dem frisch bereiteten Teeaufguss mehrmals tgl. 1 Tasse trinken.
Blasen-Nieren-Tee III
TeerezepturenBlasen-Nieren-TeeSchachtelhalmkraut geschnitten 30,0 g.
Brennnesselkraut 30,0 g.
Hauhechelwurzel 30,0 g.
Kamillenblüten 5,0 g.
Pfefferminzblätter 5,0 g.
1 EL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, von dem frisch bereiteten Teeaufguss tgl. 3–5-mal 1 Tasse trinken. Geeignet für eine Langzeittherapie und zur Prophylaxe häufig wiederkehrender Infekte.
Blasen-Nieren-Tee (mit leicht desinfizierender Wirkung)
TeerezepturenBlasen-Nieren-TeeBirkenblätter 20,0 g.
Goldrutenkraut 20,0 g.
Orthosiphonblätter20,0 g.
Bärentraubenblätter 30,0 g.
Pfefferminzblätter 10,0 g.
1 EL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, nur kurz ziehen lassen (nicht länger als 5–8 Min), tgl. 3–5-mal 1–2 Tassen trinken. Nicht länger als 1 Wo. anwenden.

Gynäkologische Beschwerden

Krampflösender Tee bei Dysmenorrhö
TeerezepturenDysmenorrhöKamillenblüten 30,0 g.
Melissenblätter 20,0 g.
Schafgarbenblüten 20,0 g.
Gänsefingerkraut 20,0 g.
Fenchelfrüchte 10,0 g.
1–2 TL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, von dem frisch bereiteten Teeaufguss bis zu 5 Tassen tgl. trinken.
Diese Teemischung eignet sich auch zur Anwendung als Sitzbad: 2 EL der Teemischung mit ca. 500 ml siedendem Wasser übergießen, 10–15 Min. ziehen lassen, abseihen und einem warmen Sitzbad zufügen.
Schwangerschaftstee zur Geburtsvorbereitung
TeerezepturenGeburtsvorbereitungHimbeerblätter 30,0 g.
Schachtelhalmkraut 10,0 g.
Johanniskraut 10,0 g.
Melissenblätter 20,0 g.
Schafgarbenkraut 10,0 g.
Frauenmantelkraut 10,0 g.
Brennnesselblätter 10,0 g.
1 EL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, ab der 32. Schwangerschaftswoche von dem frisch bereiteten Tee tgl. 3–4 Tassen trinken.
Tee zur Anregung der Milchbildung
TeerezepturenLaktationBrennnesselblätter 20,0 g.
Fenchelfrüchte 30,0 g.
Anisfrüchte 30,0 g.
Kümmelfrüchte 20,0 g.
1 EL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, von dem frisch bereiteten Teeaufguss tgl. bis zu 5 Tassen trinken.

Anregung von Stoffwechsel und Ausscheidung

TeerezepturenStoffwechselteeBirkenblätter 20,0 g.
Brennnesselkraut 20,0 g.
Goldrutenkraut 20,0 g.
Löwenzahnwurzel mit -kraut 20,0 g.
Hagebuttenfrüchte 20,0 g.
1 EL der Teemischung mit ca. 150 ml Wasser als Aufguss zubereiten, von dem frisch bereiteten Teeaufguss mehrmals tgl. 1 Tasse trinken.

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