© 2021 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-45417-2.00008-8

10.1016/B978-3-437-45417-2.00008-8

978-3-437-45417-2

Tests neurologischer Symptome

Tab. 8.1
Symptomatik Test Besonderheit
Ataxie
  • Scale for the assessment and rating of ataxia (SARA)

  • Finger-Finger-, Finger-Nase-, Knie-Hacke-Versuch

Balance
  • Berg Balance Scale (BBS)

  • Performance Orientated Mobility Assessment POMA (Tinetti Test)

  • Kinder mit Stehfähigkeit

  • Kinder mit Gehfähigkeit

Spastik
  • Ashworth Scale

  • Tardieu Scale

  • Test mit einer Geschwindigkeit

  • Test mit zwei Geschwindigkeiten

Störung der posturalen Kontrolle und Lokomotion
  • Rivermead Mobility Index (RMI)

  • Timed up & go

  • Fragebogen

  • Lagewechsel

Störung der Handmotorik
  • 9-Hole Peg Test (9-HPT)

  • Box and Block Test (BBT)

  • Assisting Hand Assessment (AHA)

  • Video-basiert

Physiotherapeutische Tests

Tab. 8.2
Befund Test
Kontraktur/ROM Neutral-Null-Methode (letzte Buchseite)
Muskelatrophie MFP/MFT (2.5), Umfangsmaße (2.5)
Ödeme Umfangsmaße (2.6)
Schmerz VAS/NAS.0
Gehstrecke/Ausdauer 6-Minuten Gehtest (6MWT)
Gehgeschwindigkeit (2.7) 10-Meter Gehtest (10MWT)

Onkologische Erkrankungen im Kindesalter

Michael Jung

Klaus Siegler

  • 8.1

    Leukämie359

  • 8.2

    Hirntumoren361

  • 8.3

    Osteosarkom365

  • 8.4

    Palliativbehandlung/Sterbebegleitung367

Die Behandlung von TumorerkrankungenTumorerkrankungen im Kindesalter stützt sich auf folgende Grundpfeiler:

  • Kinderonkologie

  • Multizentrische Therapieoptimierungsstudien (freiwillige Teilnahme) mit kooperativer systematischer Erprobung neuer Konzepte

  • Medikamente, Operation und Bestrahlung

  • Kliniknahe Grundlagenforschung

Viele onkologische Erkrankungen, die früher tödlich waren, sind heute heilbar geworden. Deutschland hat dabei weltweit eine wichtige Rolle. Der deutsche Zusammenschluss früherer Fachgesellschaften und Arbeitsgemeinschaften heißt seit November 1991 „Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) e. V.“. Sie engagiert sich in der unmittelbaren Behandlung der Patienten, der Erforschung der Erkrankungen, der Fort-und Weiterbildung und in der Kooperation mit anderen Fachgesellschaften auf internationaler Ebene.

Physiotherapie in der pädiatrischen Onkologie dient weitestgehend der Prävention und Rehabilitation von Sekundärproblemen (z. B. therapieassoziierter Nebenwirkungen) wie:

  • Schmerz

  • Parästhesie

  • Cancer-related fatigue (CRF)

  • Chemotherapie induzierte periphere Neuropathie (CIPN)

In den folgenden Kapiteln sind exemplarisch Tumorerkrankungen im Kindesalter dargestellt, mit denen Physiotherapeuten in der Pädiatrie häufiger konfrontiert werden.

Besonderheiten in der pädiatrischen Onkologie
Die Unterschiede von Tumorerkrankungen zwischen Erwachsenen und Kindern sind erheblich. Trotz derselben Bezeichnung können unterschiedliche Erkrankungen im Vordergrund stehen, z. B. liegen der Leukämie im Kindesalter eine andere Biologie, Dynamik und Prognose zugrunde:
  • Die Verträglichkeit der Chemotherapie ist deutlich besser (ein Säugling verträgt höhere Dosierungen als ein alter Mensch).

  • Die Regeneration ist besser.

  • Die Therapie darf aggressiver sein.

  • Die Therapie ist insgesamt deutlich erfolgreicher als bei Erwachsenen.

Tumorarten bei Kindern und Heilungsraten
Onkologische ErkrankungenOnkologische Erkrankungen sind bei Kindern und Jugendlichen in Europa sehr selten, stellen jedoch die häufigste Todesursache von Kindern nach dem 1. LJ dar. In Deutschland wird bei ca. 1.800 Kindern und Jugendlichen im Jahr eine Tumorerkrankung diagnostiziert.
Erkrankt ein Kind in Deutschland vor seinem 15. Lebensjahr an einer bösartigen Erkrankung, handelt es sich dabei um:
  • LeukämieLeukämien (31 %)

  • ZNS-Tumoren (24 %)

  • LymphomLymphomen (14 %)

  • gefolgt von NeuroblastomNeuroblastomen und Tumoren der Nieren, des Knochens und der Weichteile.

Die Überlebensraten bei tumorerkrankten Kindern und Jugendlichen in Deutschland sind im Durchschnitt von unter 20 % in den 1960er Jahren auf aktuell über 85 % gestiegen.
Es wird zwischen hämatologischen Tumoren wie Leukämien, Lymphomen und soliden (raumgreifenden) Tumoren wie ZNS-Tumoren, Tumoren des Knochens unterschieden.
Behandlungskonzepte
Nahezu 100 % der Patienten werden in Therapieoptimierungsstudien nach dem aktuellsten Wissensstand behandelt. Auch die Verringerung von Nebenwirkungen und Spätfolgen wird systematisch untersucht.
Therapieform, Rückfallrisiko und Prognose hängen von der genauen Charakterisierung der kranken Zellen (Leukämien, Lymphome) bzw. der Gewebeprobe mit histologischen, histochemischen, immunologischen und genetischen Methoden ab.
Die Maßnahmen der Pädiatrischen Onkologie sind sehr vielfältig:
  • Auf psychosozialer Ebene werden die Eltern und gesunden Geschwister einbezogen, informiert, geschult, stabilisiert und ressourcenorientiert gestärkt.

  • Sozialrechtliche Beratung

  • Psychologische und seelsorgerische Begleitung

  • Hausunterricht

  • Sportprojekte

Die Maßnahmen flankieren sowohl die medizinische Therapie als auch eine familienorientierte stationäre Rehabilitation (FOR) nach Abschluss der Behandlung. Die psycho soziale Begleitung erfolgt wissenschaftlich fundiert entlang der weltweit einzigen diesbezüglichen S3-Leitlinie der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft in der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie (PSAPOH).
Literatur
Internetadressen

Leukämie

LeukämieLeukämie ist eine Erkrankung des blutbildenden Knochenmarks. Bei Kindern zeigt sie sich in akuten Formen, entweder erkranken

  • Lymphozyten – Akute Lymphatische Leukämie (ALL 80 %) oder

  • Granulozyten – Akute Myeloische Leukämie (AML 15–20 %).

Leukämie ist die häufigste bösartige Erkrankung im Kindesalter und tritt am häufigsten in einem Alter von 4,5 LJ auf. In Deutschland gibt es etwa 600 Neuerkrankungen pro Jahr. Insgesamt liegt eine gute Überlebensrate vor (bei ALL beträgt sie etwa 85 %). Die Therapieform, Prognose und das Rückfallrisiko hängen von der genauen Charakterisierung der kranken Zellen ab.

Ätiologie
Eine genetische Ursache ist möglich, auch äußere Faktoren (z. B. Strahlung, div. Noxen) können die Krankheitsentstehung beeinflussen.
Klinik
  • Blässe

  • Lymphknotenschwellung

  • Leber- und/oder Milzvergrößerung

  • Unklare Fieberschübe

  • Blutungen

  • Knochenschmerzen

  • Reduzierter Allgemeinzustand (u. a. Schwäche, reduzierte Ausdauer)

Klinischer Hinweis

Zu den Differenzialdiagnosen gehören:

  • Infektion (Pfeiffersches Drüsenfieber = Mononukleose)

  • Rheumatische Erkrankungen (7.1)

Ärztliche Diagnostik
Im Knochenmark oder dem peripheren Blut und Liquor werden die Leukämiezellen individuell charakterisiert mittels
  • Zytologie,

  • Immunzytologie und

  • Molekular-Genetik

Ärztliche Behandlung
Die Behandlungsmöglichkeiten sind ausschließlich konservativ, eine operative Therapie ist nicht möglich. Dazu erfolgt 2 Jahre lang eine Chemotherapie, die in den ersten 6 Monaten intensiv und einschränkend ist. Unter der danach folgenden Behandlung mit Tabletten sowie ambulant stattfindenden Blutbildkontrollen kann sich ein fast normaler Alltag einstellen.
Es findet eine europaweit einheitliche Therapie nach dem Studienprotokoll AIEOP-BFM ALL 2009 statt.

Physiotherapeutischer Befund

Nach Diagnosestellung:
  • Anamnese, Inspektion

  • Funktionsüberprüfungen und Assessments (2.6 und 2.7): Ausdauer- und Krafttests

  • Erhebung von chemo- und strahlentherapiebedingten Sekundärproblemen (spezielle Assessments):

    • Der ped-mTNSped-mTNSPediatric-modified total neuropathy score(Pediatric-modified total neuropathy score) ist ein Test für Schulkinder, der Symptome des sensorischen, motorischen und autonomen Nervensystems über Befragung sowie Oberflächen- und Tiefensensibilität, Vibrationsempfinden, Kraft und Muskeleigenreflexe über manuelle Testung untersucht (Gilchrist & Tanner, 2013).

    • Die QST (Quantitativ Sensorische TestungQuantitativ Sensorische TestungQST) ist ein schmerzfreies, nicht-invasives psychophysisches Verfahren, um die Funktionen des somatosensorischen Nervensystems zu testen. Zur Untersuchung der Wahrnehmungs- und Schmerzschwellen für thermische und taktile Stimuli, das Vibrationsempfinden und die Druckschmerzschwelle stehen 13 Subtests zur Verfügung (Treede, 2014).

Physiotherapeutische Behandlung

Im Vordergrund der Physiotherapie stehen die Prophylaxe und Therapie von Muskelatrophie und Knochennekrosen bedingt durch die Immobilisierung und Kortisonbehandlung.
Pneumonieprophylaxe durch Atemtherapie mit Triflow (Kap. 3.5):
  • Mobilisation durch z. B. Umlagerung

  • Vertiefte Inspiration und Sekretmobilisation durch Inhalation, Flutter und Cornett (Kap. 3.5)

  • Kontrakturprophylaxe durch passiv-assistives Durchbewegen

Daher frühzeitige Rehabilitation:
  • Kräftigung

  • Aerobes Ausdauertraining

  • Ggf. Whole body Vibration nach Verhulst et al. 2015

  • Mobilisierung

  • Gangschule

Die Dekubitus- und Thromboseprophlaxe kommen in der Pädiatrie eher selten vor.
Ness und Kollegen fanden 2015 in einer Untersuchung heraus, dass Kinder (n = 109) mit einer frisch diagnostizierten ALL bereits Muskelschwächen und eine geringe Ausdauer aufweisen. Eine frühzeitige Rehabilitation kann dem entgegenwirken.

Merke

Es ist wichtig, aktuelle Blutwerte zu beachten! Insbesondere bei Thrombozyten unter 20.000/µl finden keine manuellen Maßnahmen bzw. im Einzelfall nur nach Rücksprache mit dem Arzt statt.

Literatur

Gilchrist and Tanner, 2013

L.S. Gilchrist L. Tanner The pediatric-modified total neuropathy score: a reliable and valid measure of chemotherapy-induced peripheral neuropathy in children with non-CNS cancers Support Care Cancer 21 2013 847 856

Ness et al., 2015

K.K. Ness S.C. Kaste L. Zhu Skeletal, neuromuscular and fitness impairments among children with newly diagnosed acute lymphoblastic leukemia Leukemia & Lymphoma 4 2015 1004 1011

Treede, 2014

R.D. Treede Quantitative sensorische Testung (QST) R. Baron W. Koppert M. Strumpf A. Willweber-Strumpf Praktische Schmerzmedizin 2014 Springer Berlin, Heidelberg 1 11

Verhulst et al., 2015

A. Verhulst H. Savelberg G. Vreugdenhil M. Mischi G. Schep Whole-body vibration as a modality for the rehabilitation of peripheral neuropathies: implications for cancer survivors suffering from chemotherapy-induced peripheral neuropathy Medicine Oncology Reviews 263 9 2015

Hirntumoren

Bei HirntumorHirntumoren handelt es sich um solide Tumoren mit Ursprung im Gehirn oder Rückenmark. Sie sind mit 24 % und etwa 430 Neuerkrankungen pro Jahr die zweithäufigste Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter in Deutschland und zeichnen sich durch eine große Vielfalt aus:

Neuroepitheliale (hirneigene) Tumoren:

  • Niedrigmaligne Gliome:

    • Pilozytisches AstrozytomAstrozytom

    • GangliogliomGangliogliom

  • Hochmaligne GliomGliome:

    • Anaplastisches Astrozytom

    • GlioblastomGlioblastom

    • Anaplastisches EpendymomEpendymom

  • Embryonale Tumoren:

    • MedulloblastomMedulloblastom

    • Andere primitive neuroektodermale TumoreTumoreneuroektodermale, PNETn (PNET)

Intrakranielle Tumoren: KraniopharyngeomKraniopharyngeom

Ätiologie
Die Ursache für Hirntumore im Kindesalter ist weitestgehend unbekannt. Sie treten signifikant häufiger bei Erbkrankheiten (PhakomatosePhakomatosen) und als Zweitmalignom nach Bestrahlung auf.
Klinik und Differenzialdiagnosen
Die Symptome unterscheiden sich nach dem Alter des Patienten und der Lokalisation.
Allgemeine Zeichen und Zeichen intrakranieller Druckerhöhung und lokaler Kompression sind:
  • Entwicklungsverzögerungen/Entwicklungsrückschritte

  • Nüchtern Erbrechen

  • Regelmäßige, morgendliche Kopfschmerzen

  • Hydrozephalus

  • Sehstörung (wie Visusminderung, Schielen, Doppelbilder, Nystagmus)

  • Sprachstörung

  • Störung der Grob-, Feinmotorik (z. B. Handschrift), des Gleichgewichts

  • Veränderung des Muskeltonus, Schiefhals (5.5.2), gesteigerte Muskeleigenreflexe, unwillkürliche spontane Muskelregungen

  • Sensibilitätsstörung, Halbseitenlähmungen und Krampfanfälle

  • Stimmungslabilität

  • Schlafstörung

  • Appetitlosigkeit, regelmäßige Trinkunlust/Nahrungsverweigerung

  • Störung der Blasen- und Mastdarmfunktion

  • Unruhe, Nesteln, häufiges schrilles Schreien

  • Klaffende Schädelnähte, gespannte oder vorgewölbte vordere Fontanelle

  • Sonnenuntergangsphänomen

Klinischer Hinweis

Zu den Differenzialdiagnosen gehören:

  • Trauma

  • Blutung

  • Malformation

  • Infektion

  • Benigne Raumforderung

Ärztliche Diagnostik
  • Bildgebung (konventionell und funktionell)

  • Biopsie

  • Hirnphysiologische Diagnostik

  • Blutuntersuchungen

  • Kognitive Testung

Ärztliche Behandlung
Medikamentös
  • Chemotherapie nach Studienprotokollen

  • Ab 3. Lebensjahr Bestrahlung

  • Operation

Die Behandlungsmöglichkeiten und Prognosen insgesamt sind abhängig von der Histologie, Lokalisation und Radikalität der Operation und schwanken deshalb in einer sehr weiten Spannbreite zwischen 10–95 %.
Operativ
Die neurochirurgische Intervention (konventionell, stereotaktisch) hat das Ziel, den Tumor unter Schonung wichtiger Strukturen makroskopisch komplett zu entfernen. Der Zugangsweg ist abhängig von der Tumorlokalisation und den Gefäßverhältnissen. Im Zweifel kann nur eine Biopsie stattfinden.
Physiotherapeutischer Befund
Entsprechend der jeweiligen neurologischen Symptomatik und der Adhärenz des Kindes kommen unterschiedliche Assessments zum Einsatz. Einige Beispiele sind in Tab. 8.1 aufgezählt.

Physiotherapie

Ziele
Ein adäquater Rehabilitationsprozess soll das Kind nach Aussage der Europäischen Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie (SIOP-Europe) ab Diagnosestellung begleiten, um frühe und späte Folgen (u. a. Neuro- und Myopathie) durch primäre Behandlung zu reduzieren.
Maßnahmen
  • Behandlung auf neurophysiologischer Grundlage nach Bobath, Vojta (3.1, 3.2

  • PNF

  • Castillo Morales (3.8)

Diese Behandlungskonzepte kommen je nach Symptomatik zum Einsatz.

Klinischer Hinweis

Jevič und Kollegen (2017) beschreiben erste positive Effekte der Vojta-Therapie bei Tumoren der hinteren Schädelgrube. Hier ist weitere Forschung erforderlich.

Kommt es aufgrund der Raumforderung eines Tumors zur Kompression des N. fazialis kann mit PNF oder Castillo Morales eine Verbesserung der Fazialisparese avisiert werden.
Bei einer spastischen Hemi- oder Tetraparese kann über das Bobath-Konzept oder mittels Vojta-Therapie versucht werden, eine Tonusregulation zu erreichen.

Expertenwissen

Psychosozialer Dienst Psychosozialer Dienst

Angesichts der Spannbreite möglicher Diagnosen und Prognosen bei oft langer diagnostischer Klärungsphase ist eine intensive Begleitung durch Mitarbeiter der psychosozialen Dienste und deren Vor- und Nachbereitung von Arztgesprächen indiziert.

Literatur

Gadner and Niemeyer, 2006

Gadner Gaedicke Niemeyer Ritter Pädiatrische Hämatologie und Onkologie 2 Bände 2006 S. 777 ff

Jevič et al., 2017

F. Jevič K. Medunová B. Vlčková Erfahrungen mit Vojta-Therapie bei onkologischen Kinderpatienten. Vortrag auf dem Symposium anlässlich des 100 2017 Geburtstags von Václav Vojta. Köln, Juni

Internetadressen

Kinderkrebsinfo

Kinderkrebsinfo www.kinderkrebsinfo.de/erkrankungen/zns_tumoren/index_ger.html

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), 2018

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): http://www.awmf.org/leitlinien/aktuelle-leitlinien/ll-liste/gesellschaft-fuer-paediatrische-onkologie-und-haematologie-gpoh.html (letzter Zugriff: 18. Februar 2018)

Weitere

Weitere AWMF-Leitlinien und angemeldete Leitlinienvorhaben:

Verlegung von Früh- und Reifgeborenen in Krankenhäuser der adäquaten Versorgungsstufe 024–002, 2018

Verlegung von Früh- und Reifgeborenen in Krankenhäuser der adäquaten Versorgungsstufe 024–002: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/024-002.html (letzter Zugriff: 23. April 2018)

Erstversorgung von Neugeborenen 024–004

Erstversorgung von Neugeborenen 024–004:

Betreuung von gesunden reifen Neugeborenen in der Geburtsklinik 024–005, 2018

Betreuung von gesunden reifen Neugeborenen in der Geburtsklinik 024–005: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/024-005.html (letzter Zugriff: 23. April 2018)

Bakterielle Infektionen bei Neugeborenen 024–008, 2018

Bakterielle Infektionen bei Neugeborenen 024–008: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/024-008.html (letzter Zugriff: 23. April 2018)

Enterokolitis (NEK) 024–009, 2018

Nekrotisierende Enterokolitis (NEK) 024–009: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/024-009.html (letzter Zugriff: 23. April 2018)

Zerebrale Anfälle beim Neugeborenen 024–011, 2018

Zerebrale Anfälle beim Neugeborenen 024–011: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/024-011.html (letzter Zugriff: 23. April 2018)

Neugeborenen-Screening auf angeborene Stoffwechselstörungen und Endokrinopathien 024–012, 2018

Neugeborenen-Screening auf angeborene Stoffwechselstörungen und Endokrinopathien 024–012: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/024-012.html (letzter Zugriff: 23. April 2018)

Prävention und Therapie der bronchopulmonalen Dysplasie Frühgeborener 024–014, 2018

Prävention und Therapie der bronchopulmonalen Dysplasie Frühgeborener 024–014: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/024-014.html (letzter Zugriff: 23. April 2018)

Symptomatischer Ductus arteriosus des Frühgeborenen – Diagnostik und Therapie 024–015, 2018

Symptomatischer Ductus arteriosus des Frühgeborenen – Diagnostik und Therapie 024–015: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/024-015.html (letzter Zugriff: 23. April 2018)

Lungenversagen (ARDS/ALI) im Kindesalter, 2018

Lungenversagen (ARDS/ALI) im Kindesalter, akutes und nicht obstruktives 024–017: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/024-017.html (letzter Zugriff: 23. April 2018)

Das Schädel-Hirn-Trauma im Kindesalter 024–018, 2018

Das Schädel-Hirn-Trauma im Kindesalter 024–018: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/024-018.html (letzter Zugriff: 23. April 2018)

Psychosoziale Betreuung von Familien mit Früh- und Neugeborenen 024–027, 2018

Psychosoziale Betreuung von Familien mit Früh- und Neugeborenen 024–027: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/024-027.html (letzter Zugriff: 23. April 2018)

Osteosarkom

Das Osteosarkom ist ein vom Knochen ausgehender Tumor. Etwa 40 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren erkranken jährlich in Deutschland an diesem Tumor. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.

Merkmale sind:

  • Bösartig, schnell wachsend, streuend, oft metastierend (meist Lunge)

  • Solide

  • In über 50 % in kniegelenknaher Metaphyse lokalisiert

Ätiologie
In Erwägung gezogen werden:
  • Genetische Ursachen

  • Wachstumsbedingte Ursachen

  • Radioaktive Strahlen

  • Zytostatika

Folgende chronische Erkrankungen erhöhen das Osteosarkomrisiko:
  • Beidseitiges Retinoblastom

  • Li-Fraumeni Syndrom

  • Morbus Paget

Klinik
  • Schmerzen und/oder Schwellung in der Tumorregion, oft als Sportverletzung, Knochenentzündung oder Wachstumsschmerzen fehlgedeutet

  • Gelegentlich pathologische Fraktur

  • Fieber

  • Gewichtsabnahme

  • Leistungsschwäche

  • Müdigkeit bei fortgeschrittener Krankheit

Klinischer Hinweis

Wichtige Differenzialdiagnosen sind Osteomyelitis und benigne Veränderungen.

Ärztliche Diagnostik
Oft findet sich der typische Befund im Röntgenbild. Eine ergänzende Bildgebung findet statt, um die lokale Ausdehnung abzuklären sowie Metastasen aufzuspüren. Metastasen lassen sich allein durch eine Biopsie absichern.
Ärztliche Behandlung
Medikamentös
Nach 10 Wochen präoperativer Chemotherapie finden die Operation und weitere Chemotherapie über insgesamt mindestens 9 Monate statt.

Tipps und Fallen

Da eine Frakturgefahr besteht, dürfen manuelle Maßnahmen und distale Widerstände (Hebeln) bei präoperativer Chemo- oder Strahlentherapie nur unter größter Vorsicht durchgeführt werden.

Operativ
Es existieren folgende chirurgische Optionen:
  • Endoprothese

  • Umkehrplastik nach Borgreve

  • Amputation

Priorität hat die möglichst komplette Tumorentfernung. Abhängig von der Histologie, Lage, Operabilität dem Ansprechen auf die Therapie, liegt die Überlebensrate über 60 %.

Physiotherapeutischer Befund

Es können unterschiedliche Befundmethoden zum Einsatz kommen. Einige Beispiele sind in Tab. 8.2 aufgezählt:

Physiotherapie

Ziele
Postoperativ:
  • Ökonomisches Gangbild

  • Freie Beweglichkeit im nächsthöheren Gelenk

  • Gute Muskelkraft

  • Schmerzlinderung

Maßnahmen
Postoperativ:
  • Narbenbehandlung

  • Manuelle Lymphdrainage inkl. Kompressionsbandagierung

  • Abhärtung von Gewebestrukturen (z. B. durch Bürsten und Reibung vor der Prothesenversorgung)

  • Spiegeltherapie gegen Phantomschmerz nach Amputation

  • Gangschule mit Gewichtsübernahme, Belastungs-(Waage) und Temposteigerung

Expertenwissen

Psychosozialer-Dienst:

Eine gute gemeinsame Vorbereitung auf die OP ist entscheidend für das spätere Gangbild!

Es ist wichtig, dass der postoperative Schock abgemildert und Kinder für die frühe Mobilisierung motiviert werden. Grundsätzlich sollten alle Berufsgruppen – besonders aber die psychosozialen Mitarbeiter – daran beteiligt sein, dass ein Kind die Notwendigkeit und die Art der Operation sachlich versteht sowie emotional bewältigt. Dazu gehören:

  • Altersgemäße Informationen

  • Angst nehmende Interventionen

  • Realistische Vorstellung des zukünftigen Zustands

Literatur

Gilchrist and Tanner, 2013

L.S. Gilchrist L. Tanner The pediatric-modified total neuropathy score: a reliable and valid measure of chemotherapy-induced peripheral neuropathy in children with non-CNS cancers Support Care Cancer 21 2013 847 856

Treede, 2014

R.D. Treede Quantitative sensorische Testung (QST) R. Baron W. Koppert M. Strumpf A. Willweber-Strumpf Praktische Schmerzmedizin 2014 Springer Verlag Berlin, Heidelberg 1 11

Palliativbehandlung/Sterbebegleitung

„Palliative Care ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit Problemen konfrontiert sind, welche mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen. Dies geschieht durch Vorbeugen und Lindern von Leiden durch frühzeitige Erkennung, sorgfältige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen Problemen körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art“.

(WHO, 2002)

Haltung
Die PalliativbegleitungPalliativbegleitung beginnt noch vor der SterbebegleitungSterbebegleitung. Gemeinsam ist beiden die dem Bild des Mantels (Pallium, lat., der Mantel) zugrundeliegende Haltung: Alle Behandler weben kunstfertig eine schützende Hülle um den Patienten und seine Angehörigen.
Was können wir tun, „wenn nichts mehr zu machen ist“?
Auch ohne kurative Möglichkeiten, gibt es viel Hilfreiches zu tun oder es bewusst zu ersparen, das sog. „liebevolle Unterlassen“ im Einvernehmen mit den Betroffenen.
Die Überprüfung der eigenen Haltung, das eigene Verständnis von Würde und Respekt sollte vor dem Studium der zahlreich vorhandenen Leitlinien und Standards erfolgen.
Ansprüche und Ziele
Seit 2007 ist die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) im §37b/§132d SGB V gesetzlich verankert. Im Dezember 2015 ist das Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung (HPG) in Kraft getreten. Auch Kinder haben in Deutschland Anspruch auf möglichst frühzeitige ärztliche und pflegerische Maßnahmen zur Symptomkontrolle und zur psychologischen, psychosozialen und spirituellen Betreuung im häuslichen Umfeld durch kompetente, empathische und geschulte Mitglieder eines multiprofessionellen Teams. Der Tod wird dabei weder beschleunigt noch verzögert.
Ziel ist es, möglichst viel Normalität (Schule, kindgemäße Aktivitäten) zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern.
Kommunikation mit dem sterbenden Kind
Das Kind sollte angepasst an sein Alter und seine Entwicklung möglichst bei Gesprächen und Entscheidungen beteiligt werden. Es ist möglich, mit Kindern offen, ehrlich und einfühlsam zu sprechen und sie nicht zu überfordern. Dieser Kommunikation dienen folgende einfache Maßnahmen:
  • Genau zuhören, was gefragt wird, nur dies beantworten und abwarten

  • Aktiv Gefühle ansprechen, man darf Vermutungen anstellen

  • Das methodische „Verbalisieren emotionaler Erlebnisinhalte (VEE)“ stellt Kontakt her, ohne den alles andere nicht geht.

Hat die Wahrheit eine Dosis?
Ja, die Wahrheit hat eine Dosis und sie wird vom Patienten (oder den Eltern) bestimmt! Wird den Kindern und Eltern zu viel zugemutet, reagieren sie möglicherweise mit Abwehr oder Verdrängung. Wird ihnen zu wenig Information vermittelt, geht das Interesse an der Auseinandersetzung mit der eigenen Situation zurück. Die richtige Dosis kann nicht ausgerechnet werden, Behandler müssen sich dessen im Dialog vergewissern!

Merke

„Alles, was Du sagst, sollte wahr sein. Aber nicht alles was wahr ist, solltest Du auch sagen!“(Voltaire)

Elemente der palliativen Behandlung
Die Elemente der palliativen Behandlung sind multiprofessionell und finden möglichst in der ambulanten Versorgung statt. Die jeweiligen Fachgesellschaften haben dazu zahlreiche Handreichungen verfasst. Stichworte:
  • Palliative Therapien

  • Schmerztherapie

  • Symptomkontrolle

  • Aufklärung

  • Aktives Zuhören

  • Koordination

  • Basale Stimulation

  • Sozialrecht (z. B. Haushaltshilfe, Hilfsmittel)

  • Geschwisterkinder

  • Entspannungstechniken

  • Nachsorge (z. B. Verwaisten-Reha, Nachgespräche)

Physiotherapie

Es ist wichtig, dem Patienten zu zeigen, dass man weiterhin für ihn da ist! Pflegeerleichternde Maßnahmen wechseln sich häufig mit entspannenden, schmerzlindernden Anwendungen ab. Durch das unter Umständen jahrelange Vertrauensverhältnis wird der Physiotherapeut auch zum wichtigen Gesprächspartner.
Das Fazit lautet: Man kann noch viel tun, wenn „nichts mehr zu machen ist“!

Literatur

World Health Organization, 2002

World Health Organization. WHO Definition of Palliative Care 2002. http://www.who.int/cancer/palliative/definition/en/ (Letzter Zugriff: 29. Januar 2018)

Monika Führer et al., 2006

M. Monika Führer A. Duroux G.D. Borasio Können Sie denn gar nichts mehr für mein Kind tun? Münchner Reihe Palliative Care Band 2 2006 Kohlhammer Stuttgart

Borasio, 2013

G.D. Borasio Über das Sterben 2013 dtv München

Zernikow, 2012

B. Zernikow Palliativversorgung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. 2. A 2012 Springer Heidelberg

Internetadressen

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin: www.dgpalliativmedizin.de/allgemein/sapv.html

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen