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10.1016/BI07-9783437228889.10001-8
I07-9783437228889
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Klassifikation der Arthrose (nach 3)
I. Primär (idiopathisch) |
II. Sekundär |
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Empfehlungen der OARSI zur Behandlung der Kox- und Gonarthrose (mod. nach L3) Gonarthrose
Empfehlung | SOR1 (95 %-CI) | |
Allgemeine Empfehlungen | ||
1. | Die optimale Behandlung erfordert die Kombination aus nicht-medikamentösen und medikamentösen Therapiemodalitäten. | 96 % (93–99)Evidenzlevel: IV |
Nicht-medikamentöse Therapie | ||
2. | Patienteninformation und Schulung über die Therapieziele sowie über die Bedeutung einer geänderten Lebensführung von körperlicher Aktivität, Gewichtsreduktion und anderen Maßnahmen zur Reduktion der Gelenkbelastung. Fokussierung vor allem auf Selbsthilfe und selbst initiierte Maßnahmen und weniger auf passive Anwendungen. | 97 % (95–99)Evidenzlevel: Ia (Schulung)Evidenzlevel: IV (selbst initiierte Maßnahmen) |
3. | Der Zustand der Patienten kann durch regelmäßige Telefonkontakte verbessert werden. | 66 % (57–75)Evidenzlevel: Ia |
4. | Patienten mit symptomatischer Kox- oder Gonarthrose profitieren von einer Überweisung an Physiotherapeuten zur Instruktion geeigneter Übungen. | 89 % (82–96)Evidenzlevel: IV |
5. | Patienten mit Kox- oder Gonarthrose sollten ermutigt werden, regelmäßig Übungen zur aeroben Muskelkräftigung und zur Verbesserung der Beweglichkeit durchzuführen. Für Patienten mit symptomatischer Koxarthrose können Bewegungsübungen im Wasser effektiv sein. | 96 % (93–99)Evidenzlevel: Ia (Knie)Evidenzlevel: IV (Hüfte)Evidenzlevel: Ib (Hüfte, Wasserübungen) |
6. | Patienten mit Kox- oder Gonarthrose sollten zur Gewichtsreduktion ermutigt werden und das Gewicht auf niedrigem Niveau halten. | 96 % (92–100)Evidenzlevel: Ia |
7. | Gehhilfen können Schmerzen bei Patienten mit Kox- oder Gonarthrose lindern. Patienten sollten in den Gebrauch der Gehhilfen eingewiesen werden. | 90 % (84–96)Evidenzlevel: IV |
8. | Bei Patienten mit Gonarthrose und leichter bis mäßiger Varus- oder Valgus-Instabilität können Bandagen den Schmerz reduzieren, die Stabilität verbessern und das Sturzrisiko mindern. | 76 % (69–83)Evidenzlevel: Ia |
9. | Alle Patienten mit Kox- oder Gonarthrose sollten in Bezug auf adäquates Schuhwerk beraten werden. Bei Patienten mit Gonarthrose können Einlagen die Schmerzen reduzieren und die Gehfähigkeit verbessern. Für einige Patienten mit medialer femorotibialer Arthrose kann eine Schuhaußenranderhöhung von Nutzen sein. | 77 % (66–88)Evidenzlevel: IV (Schuhwerk)Evidenzlevel: Ia (Schuhaußenranderhöhung) |
10. | Thermotherapie kann bei Kox- oder Gonarthrose die Symptome lindern. | 64 % (60–68)Evidenzlevel: Ia |
11. | TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation) kann bei einigen Patienten mit Kox- oder Gonarthrose in der kurzfristigen Schmerzkontrolle helfen. | 58 % (45–72)Evidenzlevel: Ia |
12. | Akupunktur kann einen symptomatischen Nutzen bei Patienten mit Gonarthrose haben. | 59 % (47–71)Evidenzlevel: Ia |
Medikamentöse Therapiemöglichkeiten | ||
13. | Paracetamol (bis zu 4 g/d) kann zu Beginn ein wirksames orales Analgetikum zur Behandlung leichter oder mäßiger Schmerzen bei Patienten mit Kox- oder Gonarthrose sein. Bei ausbleibender Wirkung oder starken Schmerzen und/oder Entzündungsaktivität sollten alternative medikamentöse Therapien erwogen werden auf der Basis von Wirksamkeit und Sicherheit sowie Begleitmedikation und Komorbiditäten. | 92 % (88–99)Evidenzlevel: Ia (Knie)Evidenzlevel: IV (Hüfte) |
14. | Bei Patienten mit symptomatischer Kox- oder Gonarthrose sollten nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID, NSAR) mit der niedrigsten wirksamen Dosierung eingesetzt werden. Wenn möglich, sollte der langfristige Einsatz vermieden werden.2 | 93 % (88–99)Evidenzlevel: Ia |
15. | Topisch angewendete nichtsteroidale Antiphlogistika und Capsaicin können zusätzlich oder alternativ zu oralen Analgetika oder antiinflammatorischen Medikamenten wirksam sein. | 85 % (75–95)Evidenzlevel: Ia (NSAID)Evidenzlevel: Ia (Capsaicin) |
16. | Intraartikulär verabreichte Glukokortikoide können zur Behandlung der Kox- oder Gonarthrose verwendet werden und sollten insbesondere bei mäßigen bis starken Schmerzen in Betracht gezogen werden bei Patienten, die nicht befriedigend auf orale Medikamente ansprechen, und bei Patienten mit symptomatischer Gonarthrose mit Gelenkergüssen oder klinischen Zeichen eines lokalen Entzündungsprozesses. | 78 % (61–95)Evidenzlevel: Ia |
17. | Intraartikuläre Injektionen von Hyaluronsäurepräparaten können nützlich sein bei Patienten mit Kox- oder Gonarthrose. Sie sind im Vergleich zu intraartikulären Injektionen von Glukokortikoiden durch einen verzögerten Wirkeintritt, aber eine längere Wirksamkeit des symptomatischen Nutzens charakterisiert. | 64 % (43–85)Evidenzlevel: Ia |
18. | Die Behandlung mit Glukosamin und/oder Chondroitin kann von symptomatischem Nutzen sein bei Patienten mit Gonarthrose. Bei ausbleibendem Wirkeintritt innerhalb von 6 Monaten sollte die Behandlung beendet werden.3 | 63 % (44–82)Evidenzlevel: Ia |
19. | Bei Patienten mit symptomatischer Gonarthrose können Glukosaminsulfat und Chondroitinsulfat strukturmodifizierende Effekte haben, während Diacerein strukturmodifizierende Effekte bei symptomatischer Koxarthrose haben kann.3 | 41 % (20–62)Evidenzlevel: Ib |
20. | Der Einsatz schwacher Opioide kann in Betracht gezogen werden für die Behandlung refraktärer Schmerzzustände bei Patienten mit Kox- oder Gonarthrose, wenn andere Medikamente unwirksam oder kontraindiziert sind. Stärkere Opioide sollten nur im Ausnahmefall bei schweren Schmerzzuständen eingesetzt werden. Nicht-medikamentöse und chirurgische Alternativen sollten in Betracht gezogen werden.4 | 82 % (74–90)Evidenzlevel: Ia (schwache Opioide)Evidenzlevel: IV (starke Opioide)Evidenzlevel: IV (nicht-medikamentöse und chirurgische Alternativen) |
Operative Therapiemöglichkeiten | ||
21. | Bei Patienten mit Kox- oder Gonarthrose, die durch die Kombination nicht-medikamentöser und medikamentöser Therapien keine adäquate Schmerzerleichterung oder Funktionsverbesserung erfahren, sollte der künstliche Gelenkersatz erwogen werden. | 96 % (94–98)Evidenzlevel: III |
22. | Der unikondyläre Gelenkersatz am Knie (Schlittenprothese) ist wirksam bei Patienten mit Gonarthrose, die sich auf ein einzelnes Kompartiment beschränkt. | 76 % (64–88)Evidenzlevel: IIb |
23. | Osteotomien und gelenkerhaltende operative Interventionen sollten in Betracht gezogen werden bei jüngeren Patienten mit symptomatischer Koxarthrose bei Dysplasien. Für junge und körperlich aktive Patienten mit Symptomen einer unikompartimentellen Gonarthrose kann eine Tibiakopfosteotomie eine Therapiealternative darstellen, die einen künstlichen Gelenkersatz um ca. 10 Jahre verzögern kann. | 75 % (64–86)Evidenzlevel: IIb |
24. | Die Bedeutung der Gelenklavage oder arthroskopischen Gelenktoilette bei Gonarthrose wird kontrovers diskutiert. Obwohl einige Studien eine kurzfristige Beschwerdebesserung zeigten, schlugen andere vor, dass die Beschwerdebesserung einem Plazeboeffekt zuzuordnen ist. | 60 % (47–82)Evidenzlevel: Ib |
25. | Bei Patienten mit Gonarthrose kann die Arthrodese als letzte Rettung (salvage procedure) beim Versagen eines künstlichen Gelenkersatzes gesehen werden. | 69 % (57–82)Evidenzlevel: IV |
1
Die Stärke der Empfehlung (strength of recommendation [SOR]) wurde für die verschiedenen Empfehlungen auf einer visuellen Analogskala (0–100) aus 16 Expertenmeinungen ermittelt
2
Anmerkung des Autors: Es wird auf die Empfehlungen der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (5) sowie der KBV (15) verwiesen
3
Anmerkung des Autors: Das ACR empfiehlt unter Vorbehalt, Glukosamin und Chondroitinsulfat nicht anzuwenden (12)
4
Anmerkung des Autors: In der kurzfristigen (4–12 Wochen) Behandlung von chronischen Schmerzen bei Arthrose sind opioidhaltige Analgetika eine medikamentöse Therapieoption (S3-Leitlinie; 11)
Arthrosen
7.1
Arthrosen allgemein
Definition und Basisinformation
Allgemein anerkannte Risikofaktoren bei Arthrose
-
Geschlecht
-
Zunehmendes Alter
-
Übergewicht
-
Genetische Faktoren, familiäre Belastung
-
Postmenopausale Hormonumstellung (?)
-
Angeborene/erworbene Gelenkdeformitäten
-
Gelenktrauma
-
Frühere Gelenkeingriffe (z. B. Meniskektomie)
-
Individuelle Gelenküberlastung (Beruf, Freizeit, Sport)
Symptomatik und klinisches Bild
Diagnostik und Differenzialdiagnostik
Therapie – allgemeine Grundsätze
7.2
Fingerpolyarthrose (M15.-)
Definition und Basisinformation
Lokalisationen
Heberden-Arthrose
Bouchard-Arthrose
Rhizarthrose
Therapie
Medikamentöse Therapie
Nicht-medikamentöse Therapie
Operative Therapie
7.3
Kox- und Gonarthrose
Basisinformation
7.3.1
Koxarthrose (M16.-)
Definition und Basisinformation
Klinische Symptome und Befund
Diagnostik und Differenzialdiagnostik
Differenzialdiagnose
Therapie
Medikamentöse Therapie
Nicht-medikamentöse Behandlung
Operative Therapie
Nachsorge und Rehabilitation
7.3.2
Gonarthrose (M17.-)
Definition und Basisinformation
Symptomatik und klinisches Bild
Diagnostik und Differenzialdiagnostik
Therapie
Nicht-medikamentöse Therapie
Medikamentöse Therapie
Operative Therapie
Nachsorge und Rehabilitation
Autorenadresse
Leitlinien
L1.
Bannuru RR, Osani MC, Vaysbrot EE, et al.: OARSI guidelines for the non-surgical management of knee, hip, and polyarticular osteoarthritis. Osteoarthritis Cartilage 27 (2019) 1578–15897.
L2.
National Institute for Health and Care Excellen Osteoarthritis – Care and management in adults. Clinical guideline CG177 (2014).
L3.
Zhang W, Moskowitz RW, Nuki G, et al.: OARSI recommendations for the management of hip and knee osteoarthritis, Part II: OARSI evidence-based, expert consensus guidelines. Osteoarthritis Cartilage 16 (2008) 137–162.
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2.
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Zhang W, Doherty M, Leeb BF, et al.: EULAR evidence-based recommendations for the diagnosis of hand osteoarthritis: report of a task force of ESCISIT. Ann Rheum Dis 68 (2009) 8–17.
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Zhang W, Doherty M, Peat G, et al.: EULAR evidence-based recommendations for the diagnosis of knee osteoarthritis. Ann Rheum Dis 69 (2010) 483–489.
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Zhang W, Nuki G, Moskowitz RW, et al.: OARSI recommendations for the management of hip and knee osteoarthritis: part III: Changes in evidence following systematic cumulative update of research published through January 2009. Osteoarthritis Cartilage 18 (2010) 476–499.