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BD17-9783437229640.10001-8

10.1016/BD17-9783437229640.10001-8

D17-9783437229640

Kontrollintervalle bei Vor-Ort- und bei telemetrischer Kontrolle (nach L1)

Tab. D.17-1
Vor-Ort-Kontrolle Vor-Ort- und telemetrische Kontrolle
Alle Geräte Innerhalb von 72 Stunden postoperativ2–12 Wochen nach OP Innerhalb von 72 Stunden postoperativ2–12 Wochen nach OP
CRT-P1 und His-Bündel-Stimulation Alle 6 Monate Telemetrisch alle 6 MonateVor Ort alle 12 Monate
Ein- und Zweikammer-Schrittmacher Alle 12 MonateAlle 3–6 Monate bei Batterieerschöpfung Telemetrisch alle 6 MonateVor Ort alle 18–24 Monate

1

Kardialer Resynchronisationsschrittmacher

Funktionsanalyse implantierter Herzschrittmacher und Defibrillatoren

Oliver Przibille (DGK), Frankfurt a. M.

Bernd Nowak (DGK), Frankfurt a. M.

Dietrich Andresen (DGK), Berlin

Bernd Lemke (DGK), Lüdenscheid

David Duncker (DGK, ESC, EHRA), Hannover

Herzschrittmacher

SowohlHerzschrittmacherkontrolle Indikationen zur Schrittmacherimplantation als auch verschiedene Stimulationssysteme sind wissenschaftlich gut untersucht, sodass hierzu evidenzbasierte Leitlinien existieren. Für den Bereich der Nachsorge von antibradykarden Systemen gibt es hingegen weder Leitlinien noch Konsensusempfehlungen der Fachgesellschaften. Auch die aktuelle Leitlinie der European Society of Cardiology (ESC) gibt nur Empfehlungen zu Kontrollintervallen, nicht aber zu Inhalten der Nachsorge (L1). Die detaillierteste Information bezüglich der Schrittmachernachsorge findet sich in der Qualitätssicherungsvereinbarung Rhythmusimplantat-Kontrolle, die 2019 zwischen der deutschen kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem GKV-Spitzenverband geschlossen wurde (1).

Definition

Die Implantatkontrolle beinhaltet (1):
  • Überprüfung der Funktionsfähigkeit des Systems

  • Individuelle Optimierung der programmierbaren Parameter

  • Anpassung der zur Verfügung stehenden Diagnostik- und Therapieoptionen des Rhythmusimplantats an die klinische Situation

  • Erkennen und Beheben von Fehlfunktionen

  • Erkennen von Komplikationen

  • Entscheidung über eine erforderliche Anpassung eines Rhythmusimplantats an die klinische Situation (Ein- bzw. Zweikammer-, CRT-System, Defibrillator)

  • Festlegung des optimalen Austauschzeitpunkts eines Systems

  • Optimierung der Device-Laufzeit

Voraussetzungen

Fachliche Voraussetzung
Herzschrittmacherkontrollen dürfen nur Ärzte durchführen, die entsprechende Qualifikationsvoraussetzungen erfüllen. Diese können durch die Zusatzqualifikation „Aktive Herzrhythmusimplantate“ der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie nachgewiesen werden (11). Für Vertragsärzte gelten die jeweiligen Richtlinien der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (1) bzw. der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung.
Apparative Voraussetzungen
Um den Schrittmacher abfragen und programmieren zu können, muss das hersteller- bzw. implantatspezifische Programmiergerät zur Verfügung stehen. Darüber hinaus kann die Anfertigung eines Oberflächen-EKGs notwendig sein (mindestens drei Ableitungen gemäß Qualitätssicherungsvereinbarung, klinisch sinnvoll ist die Anfertigung eines 12-Kanal-EKGs). Abschließend muss eine Notfallausrüstung einschließlich eines externen Defibrillators verfügbar sein. Hintergrund ist das minimale Risiko der Induktion von Kammerarrhythmien durch Stimulation auf die vulnerable Phase der T-Welle bei Magnetauflage bzw. während der Nachsorge (2).

Durchführung der Kontrollen

Die Kontrolle kann in vier Abschnitte gegliedert werden.
Anamnese und körperliche Untersuchung
Wichtig ist das Erkennen von rhythmus- bzw. schrittmacherassoziierten Problemen (z. B. Palpitationen, Synkopen, Pectoralis- oder Zwerchfellzucken) und von Hinweisen auf eine eingeschränkte Belastbarkeit (z. B. durch fehlende Aktivierung des Schrittmachersensors bei chronotroper Inkompetenz, wegen unnötiger rechtsventrikulärer Stimulation oder wegen der Entwicklung einer linksventrikulären Funktionsverschlechterung). Klinische Zeichen einer Tascheninfektion oder manifesten Herzinsuffizienz müssen überprüft werden.
Überprüfung der technischen Schrittmacherfunktion
Hierzu gehören das Überprüfen der Batteriefunktionsdauer und die Kontrolle der Elektrodenfunktion. Hierfür sind drei Messungen erforderlich:
  • Wahrnehmung intrinsischer Signale

  • Stimulationsreizschwelle

  • Elektrodenimpedanz (s. u.)

Häufig erfolgen diese Messungen automatisiert durch den Schrittmacher, sodass zusätzlich zur Akutmessung die Verlaufswerte seit der letzten Nachsorge überprüft werden können.
Auslesen der Speicher
Für die klinische Einschätzung sind besonders das Herzfrequenzprofil und das Auftreten von Arrhythmien von unschätzbarem Wert. Um die korrekte Programmierung des Schrittmachers sicherzustellen, müssen aber auch die Stimulationsanteile in Vorhof bzw. Kammer überprüft werden. Abhängig vom Schrittmacher können weitere nützliche Daten hinzukommen (z. B. AV-Zeiten, Thoraximpedanz als Hinweis auf Entwicklung einer Herzinsuffizienz).
Sicherstellung der korrekten Programmierung
Wichtig sind sowohl die Anpassung der Wahrnehmungsschwelle und der Stimulationsamplitude an die gemessenen Werte als auch besonders die Anpassung der Programmierung an die individuellen klinischen Bedürfnisse des Patienten. Im Falle einer progredienten Herzinsuffizienz müssen weitergehende Untersuchungen veranlasst werden und ggf. die Indikation zur Aufrüstung des Systems auf ein 3-Kammer-System zur kardialen Resynchronisation oder für einen Defibrillator gestellt werden.

Herzschrittmacherfunktionskontrolle im Einzelnen

Eigenrhythmus: Durch Registrierung eines Ruhe-EKGs, evtl. nach Programmierung des Herzschrittmachers auf seine minimale Stimulationsfrequenz, wird geprüft, ob und ggf. welcher Eigenrhythmus (Vorhofflimmern, Sinusbradykardie, AV-Block, Ersatzrhythmus) vorliegt.
Elektrodenimpedanz: Sie kann Hinweise auf mechanische Elektrodenprobleme geben.
Reizschwellenbestimmung: Wesentliche Reizschwellenanstiege in der frühen postoperativen Phase treten nur selten auf. Innerhalb der ersten 3 Monate wird dennoch aus Sicherheitsgründen eine hohe Stimulationsamplitude programmiert. Nach 3 Monaten ist von einer chronischen Reizschwelle auszugehen. Hier wird empfohlen, als sog. sichere Stimulationsenergie eine Amplitude zu programmieren, die meist doppelt so hoch ist. Alternativ kommen Algorithmen zum Einsatz, die die Stimulationsamplitude kontinuierlich an die gemessene Reizschwelle anpassen.
Wahrnehmungsschwelle (Sensing): Die Überprüfung der Wahrnehmungsschwelle ist Voraussetzung für eine optimale Programmierung des Sensing-Verhaltens. Anzustreben ist dabei ein Wert, der 50 % der chronischen Wahrnehmungsamplitude entspricht. Bei unipolarem Sensing und sehr empfindlich programmierten Wahrnehmungsschwellen, wie sie v. a. im Vorhof auftreten können, sollte ggf. mittels Provokationstest der mögliche inhibierende Einfluss durch Muskelpotenziale geprüft werden. Seit etlichen Jahren werden in Deutschland jedoch nahezu ausschließlich bipolare Elektroden implantiert.
Programmierung: Obwohl die technische Ausstattung der heute implantierten Aggregate viele Möglichkeiten einer an die individuellen Erfordernisse und subjektiven Bedürfnisse ausgerichteten Programmierung bietet, werden diese oft nicht genutzt. Eine optimale Herzschrittmachernachsorge erfordert deshalb auch die größtmögliche Nutzung der zur Verfügung stehenden Ressourcen der Schrittmachersysteme. Dazu gehört nicht nur die Programmierung auf eine energiesparende Stimulation, sondern auch die Optimierung des AV-Intervalls bei Zweikammerstimulation oder die Adjustierung frequenzadaptierender Parameter zur Optimierung dieser Stimulationsform. Ferner sei besonders betont, dass eine nicht erforderliche Stimulation in der rechtsventrikulären Herzspitze möglichst vermieden wird. Wann immer dies möglich ist, sollte daher der Schrittmacher so programmiert werden, dass eine etwaige Eigenüberleitung erhalten bleibt (z. B. AV-Hysterese, AAI-DDD-Moduswechsel, niedrige Grundfrequenz; L1).
In Einzelfällen, besonders zur Kontrolle frequenzadaptierender und biventrikulärer Systeme (kardiale Resynchronisationstherapie, CRT), werden auch Untersuchungen durchgeführt, die in der Lage sind, zusätzliche Schrittmacherfunktionsstörungen aufzudecken, bzw. die geeignet sind, spezifische Programmierungen (z. B. AV-Zeit) zu überprüfen und individuell zu adjustieren (Belastungs-EKG, Langzeit-EKG, Röntgenaufnahme des Thorax, Spiroergometrie, Echokardiographie).

Zeitplan

Die erste Funktionskontrolle erfolgt zeitnah nach Implantation ggf. mit radiologischer Dokumentation der Elektrodenlage. Unmittelbar postoperativ sollte das System auf die Bedingungen des Patienten programmiert und vor Entlassung abschließend programmiert werden.
Eine zweite Funktionskontrolle sollte 2 bis 12 Wochen nach der Implantation erfolgen. Diese ist für die Optimierung und Individualisierung der Programmierung besonders wichtig. Anhand der gespeicherten Daten (Frequenzspektrum, Stimulationsstatistik, zugrundliegender Eigenrhythmus) und des klinischen Wohlbefindens muss die Programmierung angepasst werden. Nach Abschluss der Einheilzeit der Elektroden kann die postoperativ noch erhöht programmierte Stimulationsamplitude nun abgesenkt werden.
Weitere Kontrollen erfolgen dann alle 6 bis 12 Monate. Bei diesen Kontrollen werden ggf. weitere Optimierungen vorgenommen. Das Kontrollintervall muss abhängig von der Grunderkrankung, der Schrittmacherfunktion und etwaiger Probleme festgelegt werden. Auch kann die Diagnostikfunktion gezielt – z. B. für die Erkennung von Vorhofflimmern – eingesetzt werden.
In bestimmten Situationen müssen Kontrollintervalle auf 3 bis 6 Monate verkürzt werden:
  • Annäherung an den Austauschzeitpunkt des Aggregats wegen Batterieerschöpfung

  • Technische Besonderheiten des Schrittmachersystems (z. B. Auffälligkeiten an der Elektrode, über die empfohlene Amplitude hinaus programmierte Impulsampitude und -dauer, epimyokardiale Systeme)

  • Medizinische Fragestellungen (z. B. zum Auslesen der Schrittmacherspeicher zur Erkennung von Arrhythmien, klinische Veränderung nach Umprogrammierung, Progredienz einer Herzinsuffizienz unter Stimulation)

Telemonitoring

Telemonitoring-Systeme stehen heute zur Überwachung von Patienten mit implantierten Herzschrittmachern, Defibrillatoren (ICD) und kardialen Resynchronisationssystemen (CRT) zur Verfügung (3). Dabei werden Daten aus den Implantaten automatisch oder durch Auflegen eines Abfragekopfs an einen Patientenmonitor übertragen und über Mobilfunk an einen Datenserver gesandt. Der betreuende Arzt kann die Daten online einsehen bzw. im Falle eines Alarms aufgrund von Besonderheiten (z. B. Arrhythmie, Auffälligkeit der Elektroden) erfolgt eine Information an den Arzt via Fax, E-Mail oder SMS.
In den letzten Jahren wurden zahlreiche klinische Studien zum Telemonitoring durchgeführt. Sie belegen, dass das implantatbasierte Telemonitoring bei Patienten mit erhöhtem Risiko für plötzlichen Herztod und bei Herzinsuffizienz im Vergleich zur konventionellen Nachsorge die frühere Erkennung technischer und klinischer Konstellationen ermöglicht, durch die Patienten in Lebensqualität und Überleben gefährdet sein können (4).
Abgesehen von Umprogrammierungen können die meisten technischen bzw. klinischen Fragestellungen durch telemedizinische Kontrollen bzw. ein telemedizinisches Monitoring von Herzschrittmachern beantwortet werden. In diesem Fall können die Intervalle der Vor-Ort-Kontrollen bei gleichzeitiger telemedizinischer Überwachung auf bis zu 24 Monate auseinandergezogen werden (› Tab. D.17-1; L1). Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die medizinische Empfehlung der Leitlinie nicht mit den Anforderungen der Kostenträger übereinstimmt. Dabei ist bei telemedizinischer Kontrolle zu gewährleisten, dass die Rückmeldung an den Patienten zu den Ergebnissen der Implantatkontrolle bei Auffälligkeiten bzw. Umprogrammierungsbedarf spätestens am nächsten Werktag, ansonsten innerhalb der darauffolgenden drei Werktage erfolgt (1).

Befunddokumentation

Unbeschadet der ärztlichen Aufzeichnungspflicht, einschließlich Anamnese, Befundung und Angaben zur Therapie, muss die Dokumentation der Herzschrittmacherkontrolle mindestens folgende Systemparameter beinhalten (1):
Programmer-Ausdruck mit mindestens folgenden Daten:
  • Batteriestatus

  • Elektrodendaten (Impedanz)

  • Testergebnisse (Wahrnehmung/Reizschwelle)

  • Diagnostikübersicht (Anteil Sensing und Pacing, Herzfrequenzhistogramm, Modeswitch-Episoden etc.)

  • Programmierte Parameter, Nachweis einer eventuellen Umprogrammierung

Implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD)

Basisinformation zu ICD

Der implantierbare Kardioverter-DefibrillatorKardioverter Defibrillator, implantierbarer (ICD)KontrolleICD (Kardioverter Defibrillator, implantierbarer)Kontrolle (ICD) stellt eine wirksame Prophylaxe gegen den plötzlichen Herztod dar durch Kammertachykardien oder Kammerflimmern. Auch für Patienten mit vermutetem hohem Arrhythmierisiko stellt die primärprophylaktische ICD-Implantation eine etablierte Methode zur Verhinderung des plötzlichen Herztods durch Kammertachyarrhythmien dar (L2, L3).
Alle transvenösen ICD-Systeme bieten neben der Schockabgabe die Möglichkeit einer schmerzfreien antitachykarden Stimulation („Antitachykardes PacingPacing. antitachykardes“, ATP) bei anhaltenden Kammertachykardien. Diese Therapie mit sicherem Defibrillationsschutz hat die Häufigkeit der Schockapplikation reduziert. Zusätzlich steht eine antibradykarde Stimulation zur Verfügung: VVI mit oder ohne Frequenzadaptation, AV-sequenziell, d. h. DDD-Stimulation, sowie zusätzlich bei Herzinsuffizienz biventrikuläre Stimulation/kardiale Resynchronisationstherapie (CRT-D).
Das Elektrodensystem besteht zumeist aus einer Elektrode, meist mit einer, selten zwei integrierten, 5–7 cm langen Defibrillationsspiralen, die über die V. cephalica oder ggf. mittels direkter Punktion der V. subclavia oder V. axillaris eingeführt und im rechten Ventrikel platziert wird.
Das Aggregat transvenöser Systeme wird pektoral (subfaszial oder submuskulär) wie ein gewöhnlicher Schrittmacher implantiert.
Als Alternative zu den üblichen transvenösen Systemen steht auch ein sog. subkutaner ICD (S-ICD) zur Verfügung. Hier wird eine Elektrode sternal subkutan getunnelt. Das Aggregat liegt in der linken Axillarlinie intermuskulär zwischen M. latissimus dorsi und M. serratus. Beim S-ICD wird auf transvenöse Elektroden verzichtet und die damit einhergehenden Folgen wie Elektrodenbrüche, Zugangsprobleme und das Risiko für eine Sondenendokarditis werden vermieden. Allerdings besteht über den S-ICD weder die Möglichkeit der Stimulation im Falle von Bradykardien noch der Abgabe von ATPs.
Während der Implantation des ICD erfolgt eine Funktionsanalyse des Systems. Ein intraoperativer ICD-Funktionstest (Induktion von Kammerflimmern und Terminierung durch den ICD) muss bei den meisten Patienten nicht mehr vorgenommen werden.

Nachuntersuchung und Führung des ICD-Patienten (5)

Vor der Entlassung des Patienten muss eine definitive Programmierung der Interventionsparameter erfolgen.
Programmiert werden:
  • Antitachykarde Therapie:

    • Therapiezonen für verschiedene Tachykardiefrequenzen.

    • ATP-Parameter und Defibrillationsenergie.

    • Die dem Gerätetyp eigenen Erkennungsparameter zur sicheren Differenzierung zwischen supraventrikulärer und ventrikulärer Tachykardie (z. B. Morphologie, AV-Dissoziation, „sudden onset“, „rate stability“, „sustained rate duration“ oder eine Kombination aus diesen Kriterien).

    • Die Programmierung einer hohen Interventionsfrequenz, einer Verlängerung der Erkennungsintervalle mit verzögerter Therapieabgabe ist vorzuziehen. Dies führt zu einer Reduktion nicht erforderlicher ICD-Interventionen ohne erhöhtes Risiko für den Patienten (6). Diesbezügliche Programmierempfehlungen für die Aggregate verschiedener Hersteller finden sich in einem internationalen Konsensuspapier (7, 8).

  • Antibradykarde Therapie:

    • Grenzwerte der Intervention (untere und ggf. obere Grenzfrequenz, ggf. Sensorfrequenz, ggf. AV-Zeit).

    • Stimulationsmodus.

Eine erste routinemäßige Nachsorge soll innerhalb der ersten 3 Monate nach Entlassung erfolgen.
Weitere Kontrolluntersuchungen erfolgen meist in Abständen von 6 Monaten, bei Einrichtung einer Fernnachsorge können die Nachsorgeintervalle auch auf bis zu 12 Monate verlängert werden. Gegebenenfalls müssen aus ICD-technischen Gründen oder aufgrund des klinischen Zustands des Patienten auch Kontrollen in kürzeren Abständen durchgeführt werden.
Die Kontrolluntersuchung beinhaltet:
  • Anamnese, Änderung der Medikation, insbesondere Antiarrhythmika.

  • Klinisch-kardiologische Untersuchung (Aggregattasche, Hinweise auf Myokardischämie, Änderung des Herzinsuffizienzstatus).

  • EKG-Veränderungen.

  • Aggregatabfrage.

  • Überprüfung des Batteriestatus (Ladezeit, Erreichen der Austauschzeit).

  • Analyse der Elektrodenparameter (Reizschwelle, Wahrnehmungsschwelle, Impedanzen), insbesondere zur Frage beginnender Elektrodendefekte.

  • Analyse der ICD-Speicher bzgl. Arrhythmien (inkl. gespeicherter Elektrogramme) und Therapieabgaben (adäquat/inadäquat).

  • Analyse der ICD-Speicher bzgl. Herzinsuffizienzparameter (z. B. Frequenzhistogramm, Thoraximpedanz oder Aktivitätsverlauf).

  • Löschen des Ereignisspeichers und Dokumentation der programmierten Parameter.

  • Besondere Untersuchungen bei Problemen oder Komplikationen:

    • Belastungs-EKG, Langzeit-EKG oder Echokardiogramm.

    • Überprüfung der korrekten ICD-Funktion, z. B. nach Neuverordnung oder Wechsel eines Antiarrhythmikums.

    • Röntgenuntersuchung des Thorax oder Durchleuchtung bei Verdacht auf Elektrodendislokation oder -bruch.

  • Beratung und ggf. psychologische Betreuung bei Beeinträchtigung der Lebensqualität: Schwerwiegende Komplikationen der ICD-Therapie können psychische Beeinträchtigungen durch inadäquate (serielle) Schocks sein oder das Erleben serieller adäquater Schocks im Rahmen eines elektrischen Sturms mit 3 oder mehr ICD-Schocks bei ventrikulären Tachyarrhythmien innerhalb von 24 Stunden. Diese verursachen oft erhebliche psychoemotionale Beeinträchtigungen des Patienten.

  • Umgang mit dem ICD am Lebensende.

Mögliche Komplikationen sind:
  • Gerätetechnische Probleme:

    • Elektrodenbrüche oder Isolationsdefekte, vorzeitige Batterieerschöpfung.

    • Elektrodendislokation.

    • Elektronik- oder Softwareprobleme.

  • Kardiale Probleme:

    • Änderung des Grundrhythmus (besonders Wechsel zu Vorhofflimmern mit daraus resultierenden inadäquaten ICD-Schocks oder ATP-Interventionen) und Entwicklung/Zunahme einer Herzinsuffizienzsymptomatik.

    • Reizschwellenanstieg oder Wahrnehmungsverlust können zu ineffektiver oder zu inadäquater (z. B. durch T-Wellen-Sensing) ICD-Intervention führen.

    • Fortschreiten der kardialen Grundkrankheit mit Zunahme der Herzinsuffizienz, Neu- oder Wiederauftreten von Ischämie.

  • Nicht-kardiale Komplikationen:

    • Aggregattascheninfektion: Bei Infektion der Aggregattasche besteht die Indikation zur Extraktion des gesamten ICD-Systems. Eine antibiotische Therapie (systemisch oder lokal) allein kann die Infektion nicht beseitigen.

    • Thrombose der elektrodenführenden Vene.

Prognose und Lebensqualität des ICD-Patienten hängen in erster Linie vom Verlauf und von der therapeutischen Beeinflussbarkeit der kardialen Grunderkrankung ab.
Zur Frage der Führung eines Kraftfahrzeugs bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen, einschließlich ICD-Trägern, sind in Deutschland die Begutachtungsleitlinien der Bundesanstalt für das Straßenwesen maßgeblich (www.bast.de). Diese basieren im Wesentlichen auf einem im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie erstellten Positionspapier (9). Die aktuellen Empfehlungen sind in einer Pocket-Leitlinie zusammengefasst (10). Danach besteht bei Patienten, die im Rahmen der Sekundärprävention einen ICD erhalten haben, eine fehlende Fahreignung für 3 Monate für PKW. Patienten mit primärprophylaktischer ICD-Implantation können i. d. R. nach 2 Wochen wieder einen PKW führen. Nach ICD-Therapie einer ventrikulären Tachyarrhythmie besteht i. d. R. keine Fahreignung für 3 Monate. Für Fahrer der Gruppe 2 (insbesondere LKW, Bus und andere große Fahrzeuge) besteht i. d. R. keine Fahreignung. Für den behandelnden Arzt besteht Aufklärungspflicht über eine ggf. fehlende Fahreignung.

Telemonitoring

› Abschnitt D 17.1.
Ein Vorteil des Telemonitorings ist besonders bei komplexen Aggregaten (DDD-ICD und CRT-Systemen) und bei Patienten mit fortgeschrittener kardialer Grunderkrankung belegt (4). Patienten mit primärprophylaktischer Indikation zur ICD-Therapie profitieren durch eine Verlängerung der Nachsorgeintervalle. Bei herstellerbedingten Aggregat- und Elektrodenproblemen kann das Telemonitoring zur Überwachung und Früherkennung genutzt werden. Dabei ist zu gewährleisten, dass die Rückmeldung an den Patienten zu den Ergebnissen der Implantatkontrolle bei Auffälligkeiten bzw. Umprogrammierungsbedarf spätestens am nächsten Werktag, ansonsten innerhalb der darauffolgenden drei Werktage erfolgt (1).

Befunddokumentation

Unbeschadet der ärztlichen Aufzeichnungspflicht, einschließlich Anamnese, Befundung und Angaben zur Therapie, muss die Dokumentation der Herzschrittmacher-Kontrolle mindestens folgende Systemparameter beinhalten (1):
Programmer-Ausdruck mit mindestens folgenden Daten:
  • Batteriestatus

  • Elektrodendaten

  • Testergebnisse (Wahrnehmung/Reizschwelle)

  • Diagnostikübersicht (z. B. Modeswitch-Episoden, Vorhofflimmerlast, Kammertachykardien, Kammerflimmern, atrialer und/oder ventrikulärer Stimulationsanteil, Herzfrequenzhistogramm und mehr)

  • Episoden-/Therapieübersicht z. B. ATP/Schockabgabe

  • Programmierte Parameter einschließlich Dokumentation einer Umprogrammierung

Autorenadressen

Dr. med. Oliver Przibille
Cardioangiologisches Centrum Bethanien
Im Prüfling 23
60389 Frankfurt a. M.
Prof. Dr. med. Bernd Nowak
Cardioangiologisches Centrum Bethanien
Im Prüfling 23
60389 Frankfurt a. M.
Prof. Dr. med. David Duncker
Hannover Herzrhythmus Centrum
Klinik für Kardiologie und Angiologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
Prof. Dr. med. Dietrich Andresen
Berlin
Prof. Dr. med. Bernd Lemke
Klinikum Lüdenscheid
Klinik für Kardiologie und Angiologie
Paulmannshöher Str. 14
58515 Lüdenscheid

Leitlinien

L1.

Glikson M, Nielsen JC, Kronborg MB, et al.: 2021 ESC Guidelines on cardiac pacing and cardiac resynchronization therapy. Eur Heart J 42(35) (2021) 3427–3520. doi: 10.1093/eurheartj/ehab364.

L2.

Priori SG, Blomström-Lundqvist C, Mazzanti A, et al.: 2015 ESC Guidelines for the management of patients with ventricular arrhythmias and the prevention of sudden cardiac death. Eur Heart J 36(41) (2015) 2793–2867. doi:10.1093/eurheartj/ehv316.

L3.

McDonagh TA, Metra M, Adamo M, et al.: 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. Eur Heart J Sep 21;42(36) (2021) 3599–3726. doi: 10.1093/eurheartj/ehab368.

Literatur

1.

https://www.kbv.de/media/sp/Rhythmusimplantat-Kontrolle.pdf; zuletzt heruntergeladen 28.11.2021.

2.

Nowak B, Hemmer W, Israel C, et al.: Stellungnahme der Arbeitsgruppe Herzschrittmacher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zur Sicherheit der asynchronen ventrikulären Schrittmacherstimulation. Clin Res Cardiol 95 (2006) 57–60.

3.

Müller A, Rybak K, Klingenheben T, et al.: Empfehlungen zum Telemonitoring bei Patienten mit implantierten Herzschrittmachern, Defibrillatoren und kardialen Resynchronisationssystemen. Kardiologe 7 (2013) 181–193.

4.

Stockburger M, Helms TM, Perings CA, et al.: Nutzenbewertung des strukturierten Telemonitorings mithilfe von aktiven Herzrhythmusimplantaten. Kardiologe 11 (2017) 452–459.

5.

Wilkoff BL, Auricchio A, Brugada J, et al.: Heart Rhythm Society; European Heart Rhythm Association; American College of Cardiology; American Heart Association; European Society of Cardiology; Heart Failure Association of ESC; Heart Failure Society of America: HRS/EHRA expert consensus on the monitoring of cardiovascular implantable electronic devices (CIEDs): description of techniques, indications, personnel, frequency and ethical considerations. Heart Rhythm Jun;5(6) (2008) 907–925.

6.

Moss AJ, Schuger C, Beck CA, et al.: Reduction in inappropriate therapy and mortality through ICD programming. N Engl J Med 367 (2012) 2275–2283.

7.

Wilkoff B, Fauchier L, Stiles MK, et al.: 2015 HRS/EHRA/APHRS/SOLAECE expert consensus statement on optimal implantable cardioverter-defibrillator programming and testing. Europace Feb;18(2) (2016) 159–183. doi: 10.1093/europace/euv411. Epub 2015 Nov 19.

8.

Stiles MK, Fauchier L, Morillo CA, Wilkoff BL; ESC Scientific Document Group: 2019 HRS/EHRA/APHRS/LAHRS focused update to 2015 expert consensus statement on optimal implantable cardioverter-defibrillator programming and testing. Europace Sep 1;21(9) (2019) 1442–1443. doi: 10.1093/europace/euz065.

9.

Klein HH, Krämer A, Pieske BM, et al.: Fahreignung bei kardiovaskulären Erkrankungen. Kardiologe 4 (2010) 441–473.

10.

Klein HH, Sechtem U, Trappe H-J, Stellbrink C: Fahreignung bei kardiovaskulären Erkrankungen Update 2018. https://leitlinien.dgk.org/2018/pocket-leitlinie-fahreignung-bei-kardiovaskulaeren-erkrankungen-version-2018/.

11.

Breithardt G, Krämer L-I, Willems S: Curriculum Spezielle Rhythmologie. Kardiologe 6 (2012) 219–225. DOI 10.1007/s12181-012-0424-9.

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